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Pressemeldungen

08.11.2019 Marketing versus Profession
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer


Patientinnen und Patienten wird von ihren Krankenkassen die Übernahme von Leistungen in Aussicht gestellt, die primär nicht auf Rezept verordnet werden können. Diese sogenannten Satzungsleistungen nach § 11 Abs. 6 des Sozialgesetzbuches V (SGB V) hätten erhebliche Auswirkungen auf den Wettbewerb innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung und zur privaten Krankenversicherung hin, nachzulesen im Forschungsgutachten für das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) von prognos. „Beispielhaft ist hier die Osteopathie zu nennen, für die im Moment wieder vermehrt Patientinnen und Patienten in den Praxen vorstellig werden“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Leitartikel der November-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. „So wird versucht, uns Ärztinnen und Ärzte von Krankenkassen für deren Marketingzwecke zu instrumentalisieren“, schreibt der BLÄK-Präsident. Satzungsleistungen zählten nicht zum tatsächlichen Versorgungsbedarf der Patientinnen und Patienten. Dieser sei – im Unterschied zu Satzungsleistungen – im SGB V mit WANZ (wirtschaftlich, ausreichend und zweckmäßig, darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten) definiert. Quitterer weiter: „Wir Ärztinnen und Ärzte dürfen in unserer verantwortungsvollen Tätigkeit keinen ökonomischen Zwängen unterworfen sein. Mit unserer Profession ist es nicht vereinbar, Begehrlichkeiten nach Leistungen nachzukommen, für die es keine echte Indikation gibt, sei es seitens der Patienten oder der Krankenkassen.“

Ärztliche Profession bedeute auch Unabhängigkeit von der Pharmaindustrie. Das zunehmende Angebot gesponserter Fortbildungsveranstaltungen zeige, dass hier eine Beeinflussung von Ärztinnen und Ärzten nicht ausgeschlossen werden könne. Allein die Zahl von 77.000 von der BLÄK im vergangenen Jahr anerkannten Fortbildungsveranstaltungen zeige auf, wie wichtig es sei, aus dieser Menge sinnvoll auszuwählen. „Ich muss mein Bewusstsein dafür schärfen, wo Beeinflussung und Manipulation Raum greifen können. Auch im Sinne meiner eigenen Ressource Zeit und Gesundheit“, so Bayerns Ärzte-Chef abschließend.

Mehr zu „Marketing versus Profession“ lesen Sie in der November-Ausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

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06.11.2019 Wenn KI bei der medizinischen Diagnose hilft
uni | mediendienst | forschung Nr. 72/2019

FAU-Forschungsteam untersucht ethische und rechtliche Herausforderungen beim Einsatz von künstlicher Intelligenz in der klinischen Entscheidungsfindung

Künstliche Intelligenz (KI) hält nach und nach auch in Kliniken Einzug. Gesteigerte Rechenleistung, intensivierte Generierung von Daten sowie Fortschritte im Bereich des Machine Learning versprechen neue Möglichkeiten in der medizinischen Forschung und Versorgung. Zugleich rücken eine ganze Reihe ethischer und rechtlicher Fragen in den Mittelpunkt. Wie verändert KI die Rollen von Ärzt/-innen und Patient/-innen, wenn KI bei Diagnoseverfahren eingesetzt wird? Und wer ist in medizinischen Kontexten für die Folgen KI-gestützter Prozesse verantwortlich? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein nun vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Forschungsvorhaben unter Leitung von Ethiker Prof. Dr. Peter Dabrock von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Anwendungen sogenannter künstlicher Intelligenz (KI) haben bereits begonnen, verschiedenste Lebensbereiche zu durchdringen. Besonders große Hoffnungen werden in der klinischen Versorgung geweckt. Hier versprechen computergestützte, automatisierte und selbstlernende Systeme, Entscheidungen über den Gesundheitszustand verlässlich und kostengünstig zu optimieren.

Auch wenn vieles davon noch Zukunftsmusik ist, sind erste Anwendungen bereits in der Praxis angekommen. Insbesondere bildgebende Diagnoseverfahren haben frühzeitig das Interesse großer Technologiekonzerne geweckt. Google hat 2016 beispielsweise eine Deep-Learning-Anwendung vorgestellt, die zur Erkennung von Erkrankungen der Netzhaut konzipiert wurde. Microsoft ist auf dem Gebiet der automatisierten Analyse radiologischen Bildmaterials aktiv und versucht, die zeitaufwendige und potenziell fehleranfällige Lokalisierung von Tumoren mit KI zu vereinfachen. IBM setzt KI ein, um die Wahl von Krebstherapien zu optimieren.

„Anwendungen wie diese veranschaulichen die Potenziale, die KI im Klinikalltag birgt. Zugleich weisen sie auf Herausforderungen hin, denen wir uns fortwährend stellen müssen, um diese Potenziale zu realisieren“, erklärt Prof. Dr. Peter Dabrock, Leiter des Verbundprojektes und Inhaber des Lehrstuhls für Systematische Theologie II (Ethik) an der FAU. So werden beispielsweise Deep-Learning-Anwendungen oft als Black Boxes umschrieben: Einerseits können sie Muster in umfangreichem Datenmaterial besser erkennen als Menschen, andererseits bleiben sie aufgrund ihrer Komplexität für Anwender und selbst Softwareingenieurinnen zu einem gewissen Grad undurchdringlich – ein nicht zu unterschätzender Punkt, wenn es um das Vertrauen von Ärzt/-innen und Patient/-innen geht.

„Im Bereich klinischer KI stellen sich mindestens zwei Kernfragen: Wie können automatisierte, selbstlernende und zum Teil undurchdringliche Systeme so designt und in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, dass sich sowohl die Qualität der Versorgung verbessert als auch die Souveränität von Anwender/-innen und Betroffenen gewährleistet bleibt? Und vor allem: Wer ist moralisch und rechtlich verantwortlich, wenn KI zu Fehlern in der Versorgung eines Patienten führt? Auch auf internationaler Ebene befinden sich solche Debatten noch im Frühstadium“, sagt Prof. Dabrock.

Ziel: Empfehlungen zum Einsatz von KI in der Medizin

Gemeinsam mit Jurist/-innen um Prof. Dr. Susanne Beck von der Leibniz Universität Hannover, technischen Expert/-innen um Prof. Dr. Sebastian Möller vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und Mediziner/-innen um Prof. Dr. Klemens Budde von der Charité Berlin, die selbst KI-gestützte Systeme in der Nierenheilkunde einsetzen, wird eine normative, rechtliche und technische Analyse klinischer KI-getriebener Entscheidungsunterstützung unternommen. Eines der Ziele ist, Empfehlungen zum Einsatz und der rechtlichen Steuerung solcher Systeme zu erarbeiten. Das Projekt trägt den Titel „vALID: Artificial-Intelligence-Driven Decision-Making in the Clinic. Ethical, Legal and Societal Challenges” und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 750.000 Euro über drei Jahre gefördert.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Peter Dabrock
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04.11.2019 Probanden für Studie zum Reizdarmsyndrom gesucht
uni| mediendienst | aktuell Nr. 149/2019

Untersuchungen zu glutenfreier Ernährung bei Reizdarmpatienten und gesunder Kontrollgruppe

Für eine Studie sucht das Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport an der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Wissenschaftler wollen dabei den Einfluss einer sechswöchigen glutenfreien Ernährung auf Patienten mit Reizdarmsyndrom bestimmen. Auch nicht betroffene Interessierte, die wissen möchten, wie sich glutenfreie Ernährung auf ihren Körper auswirkt, können sich für die gesunde Kontrollgruppe der Untersuchung melden.

Im Rahmen der Studie erfassen Fragebögen die klinischen Symptome des Reizdarms. Außerdem wird Blut aus der Armvene entnommen, um die Stimulation der Blutzellen zu untersuchen. Voraussetzung für die Teilnehmer mit Reizdarmsyndrom ist, dass diese sich bisher nicht glutenfrei ernährt haben und nicht unter Zöliakie oder einer Weizenallergie leiden. Außerdem sollten keine Leber- oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa vorliegen.

Gesunde Kontrollgruppe

Die Kontrollgruppe besteht aus Teilnehmern ohne Reizdarmsyndrom, die auch keine anderen gastrointestinalen Beschwerden oder Erkrankungen haben. Die Freiwilligen sollten außerdem nicht regelmäßig Medikamente einnehmen müssen und sich nicht bereits glutenfrei ernähren. Alle Interessierten können sich per E-Mail anmelden: Senden Sie eine Nachricht mit dem Stichwort „Reizdarm“ an paulina.gundel@uk-erlangen.de.

Weitere Informationen:
Paulina Gundel, Tel.: 09131/85-35000, paulina.gundel@uk-erlangen.de
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01.11.2019 - 70. Generalversammlung des Weltärztebundes
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 01.11.2019 – „Ärzte sind dem Leben verpflichtet. Es ist wichtig, dass der Weltärztebund das noch einmal zum Ausdruck gebracht hat.“ So kommentiert Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der
Bundesärztekammer (BÄK), die auf der 70. Generalversammlung des Weltärztebundes (WMA) verabschiedete Deklaration, in der der WMA seine Ablehnung des ärztlich assistierten Suizids und
der Euthanasie bekräftigt. Ärzte dürften nicht dazu gezwungen werden, Patienten bei der Selbsttötung zu unterstützen oder Euthanasie durchzuführen.

In einer Dringlichkeitsresolution rief der WMA die Ärztinnen und Ärzte weltweit dazu auf, ihre Rolle im Gesundheitsschutz wahrzunehmen und ein schnelleres Vorgehen der Regierungen gegen den Klimawandel einzufordern. Um dessen lebensbedrohliche Auswirkungen möglichst gering zu halten,
müsse bis zum Jahr 2030 das Ziel der Klimaneutralität erreicht sein. Auch der Gesundheitssektor selbst sei angehalten, seinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren und die Nachhaltigkeit
der Gesundheitsversorgung sicherzustellen.

Kritik übte der Weltärztebund, der vom 23. bis 26. Oktober in Tiflis tagte, an den bisher angewandten Methoden zur Altersfeststellung bei unbegleiteten Flüchtlingen. Aufgrund der fehlenden Evidenz
sollten diese Verfahren nur in Ausnahmesituationen eingesetzt werden. Höchste Priorität müsse dabei die Gesundheit, Sicherheit und Würde der jungen Geflüchteten haben.


Die WMA-Delegierten verabschiedeten darüber hinaus zahlreiche weitere Dokumente, darunter die Deklaration zur Genetik in der Medizin. Darin fordern sie eine umfassende Aufklärung des
Patienten im Vorfeld von genetischen Tests sowie höchste Schutzstandards bei der Sammlung, Speicherung und Verwendung genetischer Daten. Eine weitere Stellungnahme beschäftigte sich mit den Herausforderungen und Chancen der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Gesundheitsversorgung. Der Weltärztebund spricht sich hier für eine noch intensivere Auseinandersetzung der Ärzteschaft mit der Thematik aus. Auch müsse der ärztliche Sachverstand stärker in die Entwicklung von
KI-Systemen einbezogen werden.

Neuer Präsident des WMA ist Dr. Miguel Roberto Jorge. In seiner Antrittsrede kündigte der Brasilianer an, den Fokus seiner einjährigen Amtszeit auf die Sorge für den Patienten zu legen.
Neben fachlicher Exzellenz zeichne einen kompetenten Mediziner
auch die Nähe zum Patienten, Empathie und Mitgefühl aus. Der
emotionale Aspekt der ärztlichen Tätigkeit käme im
Medizinstudium aber häufig zu kurz.

Weitere Informationen über die WMA-Deklaration zu ärztlich
assistiertem Suizid und Euthanasie finden Sie hier

 



29.10.2019 Reinhardt: „Gewalt gegen Ärzte hart bestrafen und gesellschaftlich ächten“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 29.10.2019 – Zu der Ankündigung von  Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, das Strafrecht bei Gewalt gegen Ärzte und Rettungskräfte zu verschärfen, erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt:

„Härtere Strafen für Prügler und Pöbler in Gesundheitseinrichtungen können abschreckend wirken und sind deshalb gut und richtig. Wir verstehen die angekündigte Strafrechtsverschärfung aber auch als eine Solidaritätsadresse der Politik an all jene, die oftmals sogar ihre eigene Gesundheit aufs
Spiel setzen, um anderen Menschen in Notsituationen zu helfen. Die Initiative des Bundes-gesundheitsministers kann ein starkes Signal dafür sein, Gewalt gegen Retter und Helfer gesellschaftlich zu ächten.

Wir nehmen deutlich wahr, dass die Aggressivität gegen Ärzte und andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen seit Jahren zunimmt. Auf den Straßen werden Notärzte und Rettungssanitäter
angegriffen. In den Notfallambulanzen passiert es immer wieder, dass Patienten wegen langer Wartezeiten aggressiv werden. Einige Krankenhäuser beschäftigen bereits Sicherheitsdienste, um ihr
Personal zu schützen. Aus diesen Gründen setzt sich die Bundesärztekammer seit langem für entsprechende gesetzliche Regelungen ein. Auch der Deutsche Ärztetag hatte in diesem Jahr gefordert, den strafrechtlichen Schutz für Hilfeleistende bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not zu erweitern. Nach den bisherigen Äußerungen des Ministers geht die angekündigte Gesetzes-initiative in diese Richtung.


Aber auch außerhalb der Notfallversorgung sind Ärztinnen und Ärzte von Gewalt betroffen. Nach einer Studie des Deutschen Ärzteblattes sind 91 Prozent der Hausärzte bei der Arbeit Opfer von aggressivem Verhalten geworden. Eine weitere Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass jeder vierte Arzt schon einmal körperlich angegriffen oder physisch bedroht worden ist. Fast 40
Prozent der Ärzte berichten zudem über verbale Gewalt in den letzten zwölf Monaten. Die jeweiligen Angebote der Ärztekammern zur Gewaltprävention erstrecken sich von Meldeangeboten bis hin zu konkreten Beratungsleistungen, Deeskalationskursen, Sicherheitstrainings und Kommunikations-kursen.

Es ist gut, dass unsere Bemühungen nun von Seiten des Gesetzgebers flankiert werden sollen. Darüber hinaus brauchen wir Aufklärungskampagnen, die verdeutlichen, dass die Sicherheit
von Ärzten und anderen Angehörigen von Gesundheitsberufen unverzichtbare Voraussetzung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist. Jeder Einzelne ist gefordert, jeglicher Form von
verbaler oder körperlicher Gewalt in Praxen, Rettungsambulanzen oder im öffentlichen Raum entgegenzutreten, soweit es die eigene Sicherheit zulässt.“

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
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24.10.2019 Online-Programm „Make It“ unterstützt Krebskranke
uni | mediendienst | aktuell Nr. 142/2019

Psychoonkologische Studie der Erlanger Psychosomatik gestartet – Verein zur Förderung des Tumorzentrums Erlangen-Nürnberg spendete 9.600 Euro
Neben körperlichen Beschwerden ist es vor allem die Psyche, die Krebspatientinnen und -patienten zu schaffen macht: Die Sorge um das eigene Leben, aber auch um die Zukunft von Familie und Freunden kann Betroffene in eine tiefe Krise stürzen. Eine psychoonkologische Betreuung ist deshalb für jeden Patienten mit Krebs essenziell. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung (Leiterin: Prof. Dr. [TR] Yesim Erim) des Universitätsklinikums Erlangen untersuchen jetzt in einer neuen psychoonkologischen Studie, inwiefern das Online-Training „Make It“ Betroffene bei der Krankheitsbewältigung unterstützt. Die Erlanger Wissenschaftler arbeiten dafür mit Kollegen der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LVR-Klinikums Essen und mit Forschern der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Uni-Klinikums Tübingen zusammen. Der Verein zur Förderung des Tumorzentrums Erlangen-Nürnberg hat die Studie jetzt mit 9.600 Euro gefördert.

„Wir wissen, dass sich viele Krebspatienten mehr Unterstützung im Umgang mit ihrer Krankheit wünschen“, sagte Prof. Dr. (TR) Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatik des Uni-Klinikums Erlangen. „Bei uns im Haus gibt es dafür einen Psychoonkologischen Dienst, der alle Betroffenen vor Ort betreut, wenn sie das wünschen. Im persönlichen Gespräch können Erkrankte ihre Sorgen ansprechen und gemeinsam mit unseren Psychoonkologinnen Kraftquellen finden und Lösungen entwickeln. Es kann sehr befreiend sein, mit jemandem über alles zu reden, den die Krankheit persönlich nicht betrifft. Das Gefühl, sich selbst etwas Gutes zu tun, gibt vielen Betroffenen wieder neue Kraft“, erklärte Prof. Erim. Doch nicht alle Patienten haben Zugriff auf einen Psychoonkologischen Dienst. „Vor allem auf dem Land ist es für Betroffene oft sehr schwierig, in Kontakt mit Psychologen oder Krebsberatungsstellen zu kommen“, so Yesim Erim. Eine Lösung bietet jetzt das Online-Training „Make It“ (mindfulness and skill based distress reduction training in oncology = Stressreduktionsprogramm, das auf Achtsamkeit und Bewältigung basiert), das Psychoonkologen und Onkologen gemeinsam entwickelt haben.

Achtsamkeit und Bewältigung

„Make It“ umfasst acht Sitzungen. Sie bieten detaillierte Informationen zu den Themenbereichen Gefühle, Kraftquellen, Stressmanagement, Selbstzuwendung und Achtsamkeit. Die Sitzungen bringen den Patienten Bewältigungsstrategien nahe – sogenannte Skills. Außerdem enthält jede Einheit eine konkrete Achtsamkeitsübung. Die Sitzungen dauern je 20 bis 30 Minuten; alle zwei Wochen wird eine neue Einheit freigeschaltet. Patientinnen und Patienten können sich unter https://makeit.medizin.uni-tuebingen.de/ über das Online-Programm informieren und sich per E-Mail an caterina.schug@uk-erlangen.de jetzt schon dafür anmelden. Das Training kann dann am Tablet, Smartphone oder am PC kostenlos durchgeführt werden.

„Mithilfe von Videos, Audiodateien und Übungen erlernen die Patienten Fertigkeiten und Strategien, die ihnen helfen, besser mit ihrer Krebserkrankung umzugehen“, erklärte Prof. Erim. „Nach dem Training bitten wir alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, uns mitzuteilen, wie zufrieden sie mit dem Programm waren und wie hilfreich sie es fanden. Die Antworten vergleichen wir dann mit dem Empfinden vor dem Start des Programms. So wird unsere Studie zeigen, ob und wie stark Betroffene tatsächlich von dem Online-Training profitiert haben.“ Anhand der Studienergebnisse will das Team um Prof. Erim „Make It“ optimieren und es deutschlandweit so vielen Krebspatienten wie möglich zur Verfügung stellen.

Förderung in Höhe von 9.600 Euro

Um das Online-Programm wissenschaftlich evaluieren zu können, erhielt das Team um Prof. Erim jetzt eine Spende in Höhe von 9.600 Euro vom Verein zur Förderung des Tumorzentrums Erlangen-Nürnberg. Den Spendenscheck übergaben Christa Matschl (MdL a. D., Erste Vorsitzende des Vereins), Dr. Elke Beyer-Finkler (stellvertretende Vorsitzende des Vereins), Karin Jäger (Mitglied im Vorstand des Vereins) sowie Thomas Pickel (Schatzmeister des Vereins). „Ziel unserer Spende ist es, vor allem Krebspatientinnen und
-patienten hier in der Region zu unterstützen – und das möglichst konkret und unmittelbar. Das ‚Make-It-‘Training erfüllt diesen Anspruch. Und natürlich freuen wir uns umso mehr, wenn das Online-Programm auch Betroffene außerhalb Frankens erreicht“, erklärte Christa Matschl bei der Spendenübergabe.

„Wir freuen uns, wenn möglichst viele Krebspatienten bei unserer Studie mitmachen und ‚Make It‘ ausprobieren“, betonte Prof. Erim. Teilnehmen kann jeder Krebskranke ab 18 Jahren, der gute Deutschkenntnisse besitzt.

Die Website von „Make It“: https://makeit.medizin.uni-tuebingen.de/

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Caterina Schug
Tel.: 09131/85-45929
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21.10.2019 Internationale Wanderausstellung: AccessAbility – BarriereFreiheit
uni | mediendienst | aktuell Nr. 140/2019

Ab 28. Oktober, Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, Schuhstraße 1A, Erlangen

Wie sieht das Leben von Menschen mit Behinderung aus? Antworten darauf gibt die Ausstellung „AccessAbility – BarriereFreiheit“, die am Montag, 28. Oktober, um 18 Uhr, in der Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) eröffnet wird. Den Eröffnungsvortrag „Same same but different“ hält die schwedische Autorin Sara Shamloo, die auch in der Ausstellung porträtiert wird, in englischer Sprache. Die Diversity Scouts der FAU veranstalten bei der Eröffnung zusätzlich ein Rahmenprogramm. Der Eintritt ist kostenlos.

Im Fokus der Fotoausstellung stehen Demokratie, Human Rights und Haltung. Die Ausstellung basiert auf 14 persönlichen Erzählungen von Menschen mit Behinderungen in Schweden und deren alltäglichem Leben, Hoffnungen, Sorgen, Freude, Liebe, Familie, Arbeit und Freizeit. Begleitend zu der Ausstellung bietet die Juniorprofessur für Kinder- und Jugendliteratur und die Professur für Komparatistik/Skandinavistik an der FAU für Studierende zwei Kurse an. In den Seminaren wird anhand von moderner nordischer und internationaler Kinder- und Jugendliteratur untersucht, in welcher Form Heterogenität und Differenz aufgegriffen und dargestellt werden. Bis zum 25. November ist die Ausstellung in der Universitätsbibliothek zu sehen. Danach wird sie an den drei nachstehenden Orten zu Gast sein:
Freitag, 13. Dezember, bis Freitag, 31. Januar:
Access gGmbH, Access Loft, Michael-Vogel-Straße 1C, Erlangen

Ausstellungseröffnung am Freitag, 13. Dezember, um 18 Uhr, mit dem Vortrag „Inklusion im Arbeitsleben“ von Karl-Heinz Miederer

Dienstag, 3. März, bis Freitag, 3. April:
Lebenshilfe Erlangen, Georg-Zahn-Schule und Tagesstätte Schenkstraße 113, Erlangen

Montag, 20. April, bis Mittwoch, 30. April:
Rathausfoyer, Stadt Erlangen, Rathausplatz 1, Erlangen


An allen Ausstellungsorten kann die internationale Wanderausstellung während der Öffnungszeiten besichtigt werden. Sämtliche Veranstaltungsorte sind barrierefrei. Der Eintritt ist jeweils frei.

Die Ausstellung, die bereits in mehreren Ländern gezeigt wurde, wurde vom Schwedischen Institut, Stockholm, konzipiert und wird auch von diesem gefördert. Die Veranstaltung wird von der Juniorprofessur für Kinder- und Jugendliteratur sowie der Professur für Komparatistik/Skandinavistik der FAU in Zusammenarbeit mit der Access gGmbH Erlangen, dem Büro für Gender und Diversity, dem E-Werk Kino, der Lebenshilfe Erlangen, der Schwedischen Botschaft Berlin, dem Schwedischen Institut und der Stadt Erlangen organisiert.

Weitere Informationen:

Karina Brehm, Tel.: 09131/85-22916, karina.brehm@fau.de

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18.10.2019 Vortrag: Wie Freude, Begierde und Schrecken im Gehirn entstehen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 138/2019

25. Oktober, 12.15 Uhr, Hörsaal Studienzentrum, Stinzingstraße 12, Erlangen

Werden die Gefühle Mögen und Wollen von den gleichen Gehirnmechanismen hervorgerufen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Prof. Dr. Kent Berridge, University of Michigan, USA, in seinem öffentlichen, englischsprachigen Vortrag am Freitag, 25. Oktober, um 12.15 Uhr. Die Veranstaltung wird vom Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie (Motivation, Emotion und Lernen) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) organisiert.

Die Belohnungssysteme Mögen und Wollen gehen in der Regel Hand in Hand, sind jedoch trennbare Gehirnmechanismen. Die Unterscheidung der beiden Systeme ist deshalb wichtig, weil dadurch Stimmungsstörungen bei verschiedenen Erkrankungen, darunter Sucht, Depression und Schizophrenie, besser verstanden werden.

Das Gefühl des Mögens wird durch ein überraschend schwaches und kleines Netzwerk von hedonischen Hotspots in limbischen Gehirnstrukturen erzeugt, während das Wollen ein viel robusteres, größeres Gehirnnetzwerk mit Dopaminsystemen hat. Zudem hat Wollen-System überraschenderweise viele Gemeinsamkeiten mit den Gehirnstrukturen, die Angst auslösen.

Prof. Dr. Kent Berridge ist einer der weltweit führenden Theoretiker und Forscher auf den Gebieten der Drogenabhängigkeit und der Motivation, beides aus neurowissenschaftlicher Sicht.

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Prof. Dr. Oliver Schultheiss, Tel.: 09131/85-20880, oliver.schultheiss@fau.de

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18.10.2019 Tagung der Bundesärztekammer-Ärzteschaft fordert Ordnungsrahmen für Digitalisierung im Gesundheitswesen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 18.10.2019 – „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen hat das Potenzial, sowohl die Prozesse als auch grundsätzliche Prinzipien der gesundheitlichen Versorgung zu verändern. Diese Veränderungen werden aber nur dann zu Verbesserungen führen, wenn Ärzte und Patienten Vertrauen in die neuen Strukturen und Abläufe entwickeln können.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt zur Eröffnung der Tagung „BÄK im Dialog, die Vertrauensfrage in der digitalen Medizin“ in Berlin.
Reinhardt forderte eine Gesamtstrategie für den Ausbau der Digitalisierung sowie einen Ordnungsrahmen, der politische, rechtliche und ethische Aspekte umfasst. Im Beisein von Bundes-gesundheitsminister Jens Spahn sagte Reinhardt: „Es ist Aufgabe der Politik, einen solchen Rahmen zu setzen. Unser Anliegen ist es, die Politik mit unserem besonderen Blick auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen.“
Inhaltliche Grundlage der Bundesärztekammer-Tagung waren Thesen zur Digitalisierung, die die BÄK in den vergangenen Monaten in Werkstattgesprächen diskutiert hat. BÄKVorstandsmitglied
Dr. Peter Bobbert formulierte daraus abgeleitete Kernfragen: „Wo hört die Unterstützung für den Arzt
durch Künstliche Intelligenz (KI) auf und wo fängt Substitution an? Müssen wir ethische Leitgedanken für die digitalisierte Medizin formulieren? Sollten wir digitale Anwendungen erst dann
in unser Behandlungsangebot übernehmen, wenn ihr Nutzen bewiesen ist?“ Bobbert plädierte dafür, sich intensiv mit diesen und weiteren Fragen zur Digitalisierung zu befassen. „Am Ende müssen Kernanforderungen für eine Digitalisierung stehen, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Patienten ausrichten“, sagte er.
Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, der gemeinsam mit Peter Bobbert dem Ausschuss „Digitalisierung der Gesundheitsversorgung“ der Bundesärztekammer vorsitzt, sprach sich in der abschließenden Podiumsdiskussion für einen offenen Umgang mit den neuen digitalen Möglichkeiten aus: „Digitale Angebote werden Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Oft brauchen wir für unsere Arbeit alle fünf Sinne. Das kann keine Maschine leisten.“ Richtig angewendet könnten digitale Anwendungen aber sinnvolle Hilfsmittel sein, die die Patientenversorgung weiter verbessern.
Auf deutliche Kritik von Ärztinnen und Ärzten stieß auf der Tagung das Vorhaben der Bundesregierung, dass Krankenkassen ihren Versicherten künftig digitale Versorgungsangebote machen können, ohne die behandelnden Ärzte einzubeziehen. Bodendieck erklärte, dass auch digitale Anwendungen in ein therapeutisches Gesamtkonzept integriert werden müssten. „Es braucht immer einen Verantwortlichen, der Risiken im Behandlungsverlauf erkennen kann. Und das kann nur der Arzt sein.“

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15.10.2019 Gegen die Kommerzialisierung der medizinischen Versorgung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) spricht sich gegen die Kommerzialisierung der medizinischen Versorgung im ambulanten und stationären Bereich aus“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK.

Der 78. Bayerische Ärztetag hatte am 13. Oktober 2019 nach eingehender Diskussion beschlossen, den Ärzte-Appell „Rettet die Medizin!“ in der Ausgabe des Nachrichtenmagazins stern vom 9. September 2019 zu unterstützen und zu unterzeichnen. Der Appell richtet sich „Gegen das Diktat der Ökonomie in unseren Krankenhäusern“. Die Forderungen im Detail:

1. Das Fallpauschalensystem müsse ersetzt oder zumindest grundlegend reformiert werden.

2. Die ökonomisch gesteuerte gefährliche Übertherapie sowie Unterversorgung von Patienten müssten gestoppt werden. Dabei bekenne man sich zur Notwendigkeit wirtschaftlichen Handelns.

3. Der Staat müsse Krankenhäuser dort planen und gut ausstatten, wo sie wirklich nötig seien. Das erfordere einen Masterplan und den Mut, mancherorts zwei oder drei Kliniken zu größeren, leistungsfähigeren und personell besser ausgestatteten Zentren zusammenzuführen.

Kritisiert wurde in der Aussprache am 78. Bayerischen Ärztetag jedoch das „wording“ des „stern-Appells“, der an einigen Stellen einfach zu provokant formuliert sei. Insbesondere die Sätze: „Aber auch manche Ärztinnen und Ärzte selbst ordnen sich zu bereitwillig ökonomischen und hierarchischen Zwängen unter. Wir rufen diese auf, sich nicht länger erpressen oder korrumpieren zu lassen“, ließen Fehlinterpretationen zu. Ein weiterer Kritikpunkt sei, dass der ambulante Sektor in diesem „stern-Appell“ gar nicht vorkomme.

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Bayerische Landesärztekammer

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15.10.2019 „Die Erlanger Dermatologie bleibt breit aufgestellt“ - Prof. Dr. Carola Berking ist seit 1.10.2019 Direktorin der Hautklinik
uni | mediendienst | aktuell Nr. 135/2019

Die Zahl der Patientinnen und Patienten mit Hautkrebs steigt. Menschen rechtzeitig zu schützen und im Ernstfall optimal zu behandeln, das hat sich die neue Direktorin der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen, Prof. Dr. Carola Berking, vorgenommen. Neben dem Fokus auf onkologischer Dermatologie möchte die gebürtige Rheinland-Pfälzerin die Erlanger Hautklinik weiterhin als Einrichtung führen, die das gesamte dermatologische und allergologische Spektrum abdeckt. Prof. Berking folgt auf Prof. Dr. med. univ. Gerold Schuler, der die Klinik 24 Jahre lang leitete und nun in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Carola Berking studierte Humanmedizin an der Universität des Saarlandes und an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), wo sie auch promovierte. Nach einem dreijährigen wissenschaftlichen Forschungsaufenthalt in Philadelphia, USA, erwarb sie 2004 den Facharzttitel für Haut- und Geschlechtskrankheiten und habilitierte zum schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom. Im Jahr 2008 wurde Carola Berking auf eine W2-Stiftungsprofessur mit Schwerpunkt Dermato-Onkologie an der LMU berufen. Bis zu ihrem Wechsel nach Erlangen leitete sie als Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie des Klinikums der Universität München – der größten Hautklinik Europas – die Onkologische Abteilung.

Fokus: Hautkrebs und seine Vorstufen

Die dermatologische Onkologie beschäftigt Carola Berking seit über 20 Jahren laborwissenschaftlich und klinisch. Als Prüfärztin leitete sie zuletzt am Klinikum der Universität München über 50 klinische Studien für Patientinnen und Patienten mit malignen Melanomen und anderen bösartigen Hauttumoren. Daneben widmet sich Prof. Berking heute vor allem auch dem hellen Hautkrebs und seinen Vorstufen, den sogenannten aktinischen Keratosen. Zuletzt koordinierte die 48-Jährige federführend die kürzlich neu erschienene S3-Leitlinie „Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut“ – eine Empfehlung auf höchstem wissenschaftlichen Niveau. Bisher gab es lediglich niedriger klassifizierte Leitlinien und noch gar keine, die das Vorgehen bei Vorstufen des weißen Hautkrebses und bei manifesten Tumoren kombiniert. Prof. Berking möchte aber auch die Prävention stärken. Laut der Expertin gibt es vor allem Verbesserungspotenzial bei der Verhältnisprävention, das heißt: bei der Gestaltung von öffentlichen Plätzen, Freizeitanlagen und Arbeitsumgebungen. „Fragen sind: Hat das Babybecken im Freibad ein Sonnendach? Und gibt es auf dem öffentlichen Sportplatz überhaupt genug Schatten?“, nennt Prof. Berking zwei Beispiele.

Ein Mindestmaß an Sonne

UV-Schutz ist der wichtigste Faktor, um Hautkrebs vorzubeugen – doch ein Mindestmaß an Sonnenlicht braucht jeder Mensch. Im Rahmen des UV-Schutz-Bündnisses, das vom Bundesamt für Strahlenschutz koordiniert wird, wirkte Carola Berking deshalb an einer Empfehlung zu Vitamin D mit. „Sonnenlicht regt die körpereigene Vitamin-D-Bildung an. Die einhellige wissenschaftliche Empfehlung ist deshalb: Gesicht, Hände und Arme sollten zwei- bis dreimal pro Woche unbedeckt und ohne UV-Schutz der Sonne ausgesetzt werden – aber nur so lange, wie sich die Haut nicht rötet. Beim Hauttyp 2 heißt das zum Beispiel: circa zwölf Minuten Sonne wöchentlich. So werden die Vitamin-D-Speicher gerade jetzt vor der dunklen Jahreszeit noch einmal aufgefüllt und Mangelerscheinungen vermieden.“

Diagnostik ohne Skalpell
In der Hautkrebsdiagnostik setzt Prof. Berking auf die konfokale Laserscanmikroskopie und die optische Kohärenztomografie – nicht-invasive Verfahren, die ohne Gewebeentnahmen auskommen. „Das erspart uns Zeit und den Patientinnen und Patienten Schmerzen“, sagt sie. Haben sich tatsächlich Vorstufen von hellem Hautkrebs gebildet, werden diese vorrangig narbenlos mit Cremes oder mit der photodynamischen Therapie (PDT) behandelt – ein weiterer Schwerpunkt von Prof. Berking. Bei der PDT wird ebenfalls zuerst eine Creme aufgetragen und die betroffene Stelle anschließend mit Rotlicht bestrahlt; auch Tageslicht kann eingesetzt werden. Erst, wenn Tumoren tiefergehend sind, werden diese operativ entfernt.

Laut Carola Berking entwickeln sich hautärztliche Behandlungen immer weiter von der topischen zur systemischen Therapie – also von der örtlich aufgetragenen Salbe hin zur Tablette oder Spritze. „Zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs können wir heute Checkpoint-Inhibitoren nutzen – Medikamente, die die körpereigene Tumorabwehr aktivieren. Psoriasis, Neurodermitis und Urtikaria behandeln wir mit modernen Antikörpertherapien. Doch diese Immuntherapien haben noch keine guten Biomarker, die das Ansprechen auf eine bestimmte Therapie vorhersagen, und viele unerwünschte Nebenwirkungen. Dies gilt es weiter zu dokumentieren, zu erforschen und zu verstehen“, sagt die Dermatologin.

Hautklinik bleibt breit aufgestellt

„Hautkrebsforschung  und -therapie sind wichtige Erlanger Standbeine, die ich fortführen und mit meiner Expertise verknüpfen möchte“, sagt Carola Berking. „Aber: Die Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen war immer breit aufgestellt und soll es auch unter meiner Leitung bleiben.“ Wissenschaftlich wie klinisch deckt die Hautklinik deshalb neben der Dermato-Onkologie auch die Bereiche Psoriasis, Neurodermitis, Ekzeme, Infektionen und viele andere entzündliche und autoimmunologische Hauterkrankungen ab. Urtikaria sowie die Allergologie, die Andrologie und die Versorgung chronischer Wunden stellen weitere Schwerpunkte dar. „In allen Bereichen laufen in Erlangen sehr gute Studien, in die wir fortlaufend Patientinnen und Patienten aufnehmen. Weil die Bevölkerung immer älter wird, werden uns vor allem Unterschenkelgeschwüre und andere chronische Wunden, Hauttrockenheit, medikamentenassoziierte Hauterkrankungen, aber eben auch Hautkrebsfälle in Zukunft noch stärker beschäftigen“, erwartet Prof. Berking.

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11.10.2019 Ungewissheit als Herausforderung -„Umgang mit Unsicherheit in der Medizin“ – 18. Ethiktag des Klinischen Ethikkomitees am Samstag, 26.10.2019
uni | mediendienst | aktuell Nr. 131/2019 v

Das Gefühl von Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis – vor allem, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Doch auch die moderne Medizin kann nicht immer oder sofort auf alle Fragen Antworten liefern. Wie Behandelnde und auch Patientinnen und Patienten den „Umgang mit Unsicherheit in der Medizin“ konstruktiv gestalten können, thematisiert der 18. Ethiktag des Klinischen Ethikkomitees des Universitätsklinikums Erlangen und der Professur für Ethik in der Medizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Bei der interdisziplinären Fortbildungsveranstaltung treffen sich am Samstag, 26. Oktober 2019, ab 10.00 Uhr Ärzte und Ärztinnen, Pflegende, Mitglieder von Ethikkomitees und Beratungsdiensten sowie weitere Interessierte in den Hörsälen Medizin, Ulmenweg 18, in Erlangen. Eine Anmeldung zur Teilnahme am 18. Ethiktag ist noch bis zum Freitag, 18. Oktober 2019, möglich.

Wird der Patient oder die Patientin auf die Chemotherapie positiv ansprechen? Wie verhalte ich mich als Arzt oder Ärztin richtig, wenn keine eindeutige Prognose vorliegt? Was ist zu tun, wenn eine medizinische Ungewissheit Konflikte zwischen Patienten und Behandelnden auslöst? Diese und viele weitere Fragen für den Umgang mit Unsicherheit in der Medizin thematisiert der 18. Ethiktag.

Unsicherheit annehmen

Wenn es auf Fragen keine eindeutigen Antworten gibt, obwohl die eigene Gesundheit bedroht ist, können existenzielle Ängste entstehen. Der interdisziplinäre 18. Ethiktag will Wege aufzeigen, wie Ärzteschaft, Pflegende und seelsorgerische Begleitung Unsicherheiten besser wahrnehmen und auch akzeptieren können. Dazu gestalten hochrangige Vortragende aus der Medizin und anderen Wissenschaften Präsentationen und Workshops mit weiterführenden Informationen und Handlungsimpulsen. Bei einer einstündigen Podiumsdiskussion diskutieren die Beteiligten den Umgang mit Unsicherheit in der Medizin nicht nur untereinander, sondern auch mit dem Plenum. Die Veranstaltung endet „letzten Fragen“ zum Schwerpunktthema „Unsicherheit im Krankheitserleben am Lebensende – zum Umgang mit existenziellen Fragen in der Medizin“.

Einladung zur Teilnahme und Berichterstattung


Medienvertreterinnen und -vertreter sind herzlich zur Veranstaltung und Berichterstattung eingeladen. Prof. Dr. med. Andreas Frewer steht als Leiter der Geschäftsstelle des Klinischen Ethikkomitees für Interviews zur Verfügung. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten.

Klinisches Ethikkomitee


Das Klinische Ethikkomitee (KEK) ist eine Einrichtung des Uni-Klinikums Erlangen. Es versteht sich als Diskussionsforum für ethische Fragestellungen, die sich aus der Patientenversorgung im klinischen Alltag ergeben. Das KEK hilft dabei, Behandlungsentscheidungen in schwierigen klinischen Situationen zu reflektieren und angemessen zu begründen.

Informationen zur Veranstaltung und zum Programm im Internet:
https://www.ethikkomitee.med.fau.de/
Weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Andreas Frewer
Tel. 09131/85-26431
andreas.frewer@fau.de

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09.10.2019 Blutung im Kleinhirn: OP senkt Sterblichkeit
uni | mediendienst | forschung Nr. 66/2019

Weltweit größte Metaanalyse von Patientinnen- und Patientendaten aus Deutschland und den USA veröffentlicht
In Deutschland erleiden jährlich ca. 35.000 Menschen eine akute Hirnblutung. Für Blutungen im Großhirn und deren operative Versorgung gibt es bereits aussagekräftige Studien. Im Gegensatz dazu stützen sich die internationalen Leitlinien zur Behandlung von Kleinhirnblutungen auf wesentlich weniger untersuchte Fälle. Kleinhirnblutungen machen nur circa zehn Prozent aller Fälle aus. Eine Kollaboration von Expertinnen und Experten aus Deutschland und den USA hat jetzt erstmals untersucht, wie sich eine operative Blutungsentfernung auf die Sterblichkeit und auf die funktionelle Langzeitprognose auswirkt. An der Analyse beteiligten sich insgesamt 64 Zentren unter Federführung der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab) des Universitätsklinikums Erlangen. Die Studienergebnisse wurden jetzt im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht.

„Basierend auf unseren Daten und der Metaanalyse können wir Folgendes ableiten: Eine Kleinhirnblutung, deren Volumen kleiner ist als 12 Kubikzentimeter, sollte nicht operativ entfernt werden. Denn: Hierdurch wäre eher eine funktionelle Verschlechterung zu erwarten, das heißt eine körperlich-motorische Beeinträchtigung der Patientin oder des Patienten. Außerdem würde sich bei diesen Betroffenen die Überlebenswahrscheinlichkeit durch eine OP nicht grundsätzlich verbessern“, sagt der Studienleiter und leitende Oberarzt Prof. Dr. Hagen Huttner von der Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen. „Im Gegensatz dazu senkt eine Operation bei Blutungen, die größer sind als 15 Kubikzentimeter, die Sterblichkeitsrate signifikant – im Vergleich zum konservativen Vorgehen, wie etwa dem künstlichen Koma oder einer nicht-operativen Therapie zur Senkung des Hirndrucks“, so Prof. Huttner. Einschränkend ergänzt er: „Mit einer besseren funktionellen Langzeitprognose geht eine OP allerdings nicht einher. Und für den Bereich zwischen 12 und 15 Kubikzentimetern waren die Ergebnisse nicht signifikant.“

Das übliche Vorgehen bei der operativen Entfernung einer größeren Kleinhirnblutung basierte bislang auf kleineren Studien. Diese gingen davon aus, dass den betroffenen Patientinnen und Patienten eine weitere klinische Verschlechterung droht, weil die hintere Schädelgrube räumlich begrenzt ist und der Hirnstamm durch die Blutung verdrängt werden könnte. Da in einem solchen Fall der Tod der oder des Betroffenen unmittelbar bevorstünde, befürworteten Ärztinnen und Ärzte eine Operation. Denn sie gingen zusätzlich zu einer erhöhten Überlebenswahrscheinlichkeit auch von einer besseren klinischen Prognose aus.

Höchste Aussagekraft für mittelschwere Befunde

Weil es bislang keine randomisierten Studiendaten oder größeren Beobachtungsstudien dazu gab, hat das Team um Prof. Huttner und PD Dr. Joji Kuramatsu, Oberarzt der Neurologie, die nun veröffentlichte systematische Metaanalyse durchgeführt. Im Rahmen dieser weltweit größten Untersuchung von Daten von 578 Patientinnen und Patienten mit Kleinhirnblutungen wurden Gruppen von operativ und konservativ behandelten Patientinnen und Patienten miteinander verglichen. „Die Ergebnisse unserer Auswertung sind insbesondere für mittelschwer Betroffene sehr aussagekräftig“, sagt der Erstautor der Studie, PD Kuramatsu. „Für Betroffene mit sehr kleinen oder sehr großen Blutungen sind die Befunde statistisch nicht so eindeutig.“ Joji Kuramatsu weiter: „Die Funktionalität des Gehirns 90 Tage nach Eintritt der Blutung ist bei denjenigen, die eine OP erhalten haben, mit dem Zustand derer vergleichbar, die konservativ behandelt wurden. Allerdings variierten die Ergebnisse deutlich, je nachdem, wie groß die Blutung anfänglich war.“

Bessere Kommunikation mit Angehörigen

„Die funktionelle Prognose wird insgesamt durch eine Operation nicht sicher verbessert. Allerdings senkt eine OP die Sterblichkeit. Diese Erkenntnis ist sehr hilfreich für den klinischen Alltag und für unsere Kommunikation mit Angehörigen“, fasst Studienleiter Prof. Huttner zusammen. „Unsere Untersuchung hat jetzt einen über Jahrzehnte hinweg bestehenden Therapieansatz der neurologisch-neurochirurgischen Intensivmedizin erstmals fundiert analysiert“, sagt Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab, Direktor der Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen und Past-Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. PD Kuramatsu ergänzt: „Unsere Studienergebnisse liefern erstmals konkrete Effektgrößen, die für die Planung künftiger Forschungsarbeiten herangezogen werden können. Denn ohne diese prospektiven randomisierten Studien fehlt – auch trotz unserer Analyse – weiterhin die abschließende Gewissheit darüber, welche Patientinnen und Patienten von einer Operation profitieren.“

Link zur Studie: https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2752468

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Hagen Huttner
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08.10.2019 Forschung zur Knochenregeneration wird ausgebaut
uni | mediendienst | forschung Nr. 65/2019

FAU-Forschende bringen Wissen in internationales Kompetenzzentrum für Biomaterialien ein

Die internationale Forschung im Bereich Biomaterialien und Knochenregeneration bekommt ein neues herausragendes Projekt: In Lettland entsteht das Baltic Biomaterials Centre of Excellence (BBCE). Es wird mit 15 Millionen Euro aus dem europäischen Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2020 gefördert. Der Lehrstuhl für Biomaterialien der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist am wissenschaftlichen Aufbau des Kompetenzzentrums beteiligt.

Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini, Lehrstuhl für Biomaterialien an der FAU, wird im BBCE die Forschungs- und wissenschaftlichen Ausbildungsaktivitäten auf dem Gebiet der bioaktiven Materialien für die Knochengewebezüchtung leiten und mit international anerkannten Forschungsteams aus Lettland und der Schweiz zusammenarbeiten.

Ziel des BBCE ist die Erforschung und Entwicklung patientenspezifischer, personalisierter Therapien für knochenbedingte Erkrankungen – von der Entwicklung geeigneter Biomaterialien für die Knochenregeneration über präklinische Untersuchungen bis hin zu klinischen Studien. Für die gemeinsamen Forschungstätigkeiten, den Austausch von technischem und wissenschaftlichem Personal und den Ausbau der Infrastruktur stehen weitere 15 Millionen Euro zur Verfügung. Sie stammen von der Regierung von Lettland, dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und lettischen Projektpartnern, die das Exzellenzzentrum fördern.

Link zum BBCE:
http://bbcentre.eu

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Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini, Tel.: 09131/85-28601, aldo.boccaccini@ww.uni-erlangen.de

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01.10.2019 Wenn Blutgefäße zu durchlässig sind
uni | mediendienst | forschung Nr. 63/2019

Blutgefäße bieten neue Ansatzpunkte für die Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen
In Deutschland leiden etwa 400.000 Menschen an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Am Universitätsklinikum Erlangen gelang jetzt erstmals der Nachweis, dass Fehlsteuerungen in Blutgefäßen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung solcher Krankheiten spielen. Durch die Behebung dieser Fehlsteuerung konnte in experimentellen Modellsystemen der Krankheitsverlauf deutlich verbessert werden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Erlanger Forscherinnen und Forscher jetzt im Journal of Clinical Investigation*.

Erkrankungen des Menschen basieren häufig auf fehlgesteuerten Zellen. Bei Untersuchungen zu den Mechanismen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen standen bisher die Epithelzellen, die die Barriere vom Darm zum umgebenden Gewebe aufbauen, und die Entzündungszellen im Vordergrund. Obwohl bekannt ist, dass Entzündungszellen nur über die Blutgefäße in die entsprechenden Gewebe gelangen können, wurde die Rolle von Blutgefäßen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bisher nur am Rande erforscht. Eine vertiefende Untersuchung zur Rolle von Blutgefäßen hat jetzt eine Forschergruppe der Molekularen und Experimentellen Chirurgie (Leiter: Prof. Dr. Michael Stürzl) an der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) in Zusammenarbeit mit Gruppen der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Uni-Klinikums Erlangen und des Optical Imaging Centre Erlangen (OICE) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführt.

Stark durchlässige Blutgefäße


Das interdisziplinäre Kooperationsprojekt, das im Wesentlichen Victoria Langer im Rahmen ihrer Doktorarbeit experimentell umsetzte, ergab, dass die Blutgefäße bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen besonders durchlässig (permeabel) sind. Als Ursache identifizierten die Forscherinnen und Forscher in molekularen Analysen eine fehlgesteuerte Zell-Zell-Interaktion bei den Endothelzellen. Endothelzellen bilden die Hülle von Blutgefäßen und sind für deren Dichtigkeit verantwortlich. Die Fehlsteuerung wird durch ein spezifisches Zytokin verursacht, das als Interferon-g bezeichnet wird und das im chronisch entzündeten Darmgewebe in erhöhten Konzentrationen vorliegt. Die erhöhte Permeabilität der Blutgefäße konnte an verschiedenen experimentellen Modellen und auch bei Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nachgewiesen werden.

Die große Bedeutung der Blutgefäßpermeabilität zeigte sich, als mit genetischen Verfahren am experimentellen Tiermodell die Fähigkeit von Endothelzellen, auf Interferon-g zu reagieren, gehemmt wurde und dies den Krankheitsverlauf deutlich abschwächte. Von besonderer klinischer Bedeutung ist, dass auch das Medikament Imatinib (Glivec®) die Gefäßdurchlässigkeit hemmte, was den Krankheitsverlauf ebenfalls deutlich unterdrückte. Imatinib (Glivec®) wird bisher vorwiegend in der Krebstherapie eingesetzt.

Die Studie der Erlanger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler belegt erstmals die große Bedeutung des Blutgefäßsystems bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und eröffnet neue Ansätze für die Therapie. Prof. Stürzl nahm chronisch-entzündliche Darmerkrankungen erst vor wenigen Jahren in sein Forschungsspektrum auf. Er hebt besonders die hervorragenden Kompetenzen rund um Entzündungsprozesse und optische bildgebende Verfahren hervor, die das Uni-Klinikum Erlangen und die FAU Erlangen-Nürnberg bieten und die ihm einen raschen und erfolgreichen Quereinstieg ermöglichten. Nun hat Michael Stürzl die neu erkannten Krankheitsmechanismen und neue Behandlungsmöglichkeiten im Blick. Er sagt: „Wir hoffen natürlich sehr, dass unsere Ergebnisse langfristig den Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nützen. Dies wird nicht zuletzt dadurch unterstützt, dass das Medikament, das im Tiermodell erfolgreich war, auch schon für klinische Anwendungen zugelassen ist.“
*https://doi.org/10.1172/JCI124884

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Stürzl
Tel.: 09131 85-39522
michael.stuerzl@uk-erlangen.de

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27.09.2019 Gebündelte Kompetenz für Nesselsuchtpatientinnen und -patienten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 127/2019

Uni-Klinikum Erlangen qualifiziert sich für das weltweite Netzwerkprogramm UCARE

Wer sich schon einmal über den quälenden Juckreiz eines einzigen Mückenstichs geärgert hat, kann nachempfinden, wie sehr Menschen mit Nesselsucht (Urtikaria) leiden müssen: Sie spüren das brennende Kribbeln oft mehrmals täglich am ganzen Körper, und das bei chronischer Urtikaria sogar viele Monate und Jahre lang. Das Allergiezentrum (Sprecherin: Dr. Nicola Wagner) des Universitätsklinikums Erlangen erhielt jetzt die Zertifizierung als Urtikariazentrum des weltweiten Netzwerks GA²LEN (Global Allergy und Asthma European Network). Von der Teilnahme des Uni-Klinikums Erlangen am Programm GA²LEN UCARE profitieren auch die Erlanger Nesselsuchtpatientinnen und -patienten: Sie erhalten Zugang zu aktuellen Studien über diese schwer zu behandelnde Krankheit und zu den neuesten Forschungsergebnissen.

Die Haut ist stark gerötet, oft übersät von Quaddeln oder sogar Angioödemen – also Schwellungen der tieferen Hautschichten. Am schlimmsten aber ist der schier unerträgliche Juckreiz. Urtikaria ist eine der häufigsten Hauterkrankungen. Ungefähr jeder vierte Mensch erleidet sie einmal im Laufe seines Lebens. „Die akute Urtikaria verläuft meist unproblematisch und ist nach wenigen Tagen überstanden“, erklärt Dr. Nicola Wagner, Leiterin der Allergieambulanz der Hautklinik (Direktorin ab 1.10.2019: Prof. Dr. Carola Berking) des Uni-Klinikums Erlangen. Weitaus schwerer zu ertragen ist laut der Allergieexpertin die chronische Urtikaria, die sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen kann und zudem auch teils schwieriger zu behandeln ist. „Eine chronische Urtikaria kann viele verschiedene Ursachen haben – zum Beispiel einen unbemerkten Infekt, begleitende bisher unerkannte Erkrankungen oder eine Reaktion des Körpers gegenüber körpereigenen Zellen. Deshalb ist ihre Behandlung manchmal etwas herausfordernder“, erläutert Dr. Wagner.

Verbesserte Ursachenforschung

Deshalb ist neben der medikamentösen Behandlung der Symptome die Ursachenforschung zu dieser belastenden Hauterkrankung so wichtig. „Als zertifiziertes Zentrum des UCARE-Programms erhalten wir Zugang zu den medizinischen Spitzenleistungen in der Urtikariatherapie, können uns an aktuellen Studien beteiligen und von den neuesten Forschungsergebnissen profitieren“, so Dr. Wagner. Für das Zertifikat und die Aufnahme in das GA²LEN-UCARE-Programm ließ das Uni-Klinikum Erlangen seine medizinischen Leistungen in der Diagnostik und Behandlung von Urtikariabetroffenen in 32 Kategorien überprüfen. Im Netzwerkprogramm UCARE lassen die beteiligten Allergiezentren ihre gebündelte Kompetenz in die Behandlung der Urtikaria einfließen, erforschen die Ursachen der Erkrankung vertieft und fördern in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für dieses auch psychisch sehr belastende Leiden.

Probesitzen im Nessel-Sessel zur Langen Nacht der Wissenschaften am 19.10.2019


Seit 2014 gilt der 1. Oktober jährlich als Welt-Urtikaria-Tag, um weltweit über die quälende und verbreitete Hautkrankheit zu informieren und den Austausch zwischen Dermatologinnen und Dermatologen und Betroffenen weiter zu verbessern. Für die diesjährige Lange Nacht der Wissenschaften am Samstag, 19. Oktober 2019, initiierte Dr. Wagner außerdem eine interessante Aktion, bei der sich die Besucherinnen und Besucher im wahrsten Sinne des Wortes „in die Nesseln setzen“ können: „Wir stellen einen sogenannten ,Urtikaria-Nessel-Sessel‘ auf, in dem jeder den belastenden Juckreiz der Urtikariapatientinnen und -patienten einmal selbst am ganzen Körper spüren kann“, kündigt die Allergologin an.

Weitere Informationen:
Dr. Nicola Wagner
Tel.: 09131/85-33836
nicola.wagner@uk-erlangen.de

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27.09.2019 BÄK-Vizepräsidentin Lundershausen fordert konsequentes Vorgehen gegen Lieferengpässe und Qualitätsmängel
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 27.09.2019 – „Lieferschwierigkeiten bei Arzneimitteln
bedrohen zunehmend die Patientenversorgung. Die Politik muss
konsequent gegen solche Engpässe vorgehen.“ Das fordert Dr.
Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer
(BÄK) vor dem Hintergrund der intensiven Beratungen zu der
Problematik auf dem jüngsten Treffen der Deutschen Akademie
der Gebietsärzte, einem Zusammenschluss ärztlicher
Fachgesellschaften und Berufsverbände. Dabei gehe es neben
dem Schutz der Patientinnen und Patienten auch um die
Stringenz gesundheitspolitischer Entscheidungen. „Es wäre doch
eine Schildbürgerei sondergleichen, wenn Deutschland die
Impfpflicht einführt, während gleichzeitig die dafür notwendigen
Impfstoffe fehlen“, so Frau Dr. Lundershausen.
Abhilfe könnte eine nationale Arzneimittel-Reserve für
versorgungsrelevante Medikamente schaffen. Diesen Vorschlag
der Ärzteschaft hatten jüngst die Gesundheitspolitiker der
Unionsfraktion in einem Positionspapier aufgegriffen. „Welche
Medikamente in welchem Umfang vorgehalten werden müssen,
sollten Ärzteschaft und Politik gemeinsam mit Kostenträgern und
Pharmaunternehmen festlegen“, schlägt Frau Dr. Lundershausen
vor.

Aktuell listet das Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte Lieferengpässe bei 239 Humanarzneimitteln auf.
Eine wesentliche Ursache für diese hohe Zahl sieht Frau Dr.
Lundershausen in der Verlagerung der Produktion in
außereuropäische Länder, verbunden mit der Konzentration auf
wenige Standorte. „Wenn die Produktion an einer Stelle stockt
oder die Qualität nicht stimmt, ist die ganze Versorgung in Frage
gestellt.“

Nach den jüngsten Arzneimittelskandalen habe der Gesetzgeber
mit der Stärkung der Koordinierungsfunktion der
Bundesoberbehörden bei gefälschten und qualitätsgeminderten
Arzneimitteln sowie der erweiterten Rückrufkompetenz die
Sicherheit in der Arzneimittelversorgung bereits verbessert.
Allerdings sei es notwendig, weitere Überwachungslücken zu
schließen. „Für eine zuverlässige und qualitativ hochwertige
Arzneimittelversorgung müssen wir wissen, welche Medikamente
wo und unter welchen Bedingungen produziert werden“, sagt die
BÄK-Vizepräsidentin. Denkbar sei beispielsweise ein
internationales Arzneimittel-Register.

Mit Sorge beobachtet sie auch die Ausbreitung resistenter Keime.
„Gerade die Industrieländer stehen hier in der Pflicht. Sie müssen
mehr in die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika,
alternativer Therapien und besserer Testverfahren investieren.“
Frau Dr. Lundershausen verwies in diesem Zusammenhang auf
die aktive Rolle der Ärzteschaft im Kampf gegen resistente Keime.
In der ärztlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung werden
umfangreiche Kenntnisse über Antibiotika-Resistenzen und einer
rationalen Antibiotika-Therapie vermittelt. Strategien zum
rationalen Einsatz von Antiinfektiva bilden einen Schwerpunkt der
strukturierten curricularen Fortbildung „Antibiotic Stewardship“
der Bundesärztekammer. Darüber hinaus ist das Thema
Antibiotika-Einsatz fester Bestandteil vieler weiterer
Fortbildungsangebote der Landesärztekammern.

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
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26.09.2019 Ausgezeichnete Pflege
uni | mediendienst | aktuell Nr. 126/2019

Intensivpflegeteam des Uni-Klinikums Erlangen erhält den Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis 2019 für ein innovatives Projekt, das künstlich beatmeten Menschen hilft

Mit der Stimme eines geliebten Menschen im Ohr finden künstliche beatmete Patientinnen und Patienten leichter zu einer selbstständigen Atmung zurück. Für die Idee und Umsetzung dieses innovativen Projekts erhielt ein dreiköpfiges Intensivpflegeteam des Universitätsklinikums Erlangen den Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis 2019 und damit eine der höchsten Auszeichnungen des Freistaats Bayern. Den Fachkrankenpflegerinnen Lisa Dietmar und Jana Ruppel und dem Fachkrankenpfleger Tobias Heckelsmüller von der Neuro-Intensivstation der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Stefan Schwab) und der Neurochirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Buchfelder) gelang es mit ihrem Projekt „Voice Weaning – Vertraute Stimmen“, die Zeit der Beatmungsentwöhnung um ein Drittel zu verkürzen.

Die Idee, Komapatientinnen und -patienten beim allmählichen Entwöhnen von der Beatmungsmaschine, dem sogenannten Weaning, von den Stimmen ihrer Angehörigen begleiten zu lassen, kam Lisa Dietmar, Tobias Heckelsmüller und Jana Ruppel während eines gemeinsames Nachtdienstes. Daraus entstand mit Unterstützung von Prof. Schwab, Direktor der Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen, die fünfmonatige Pilotstudie „Voice Weaning – Vertraute Stimmen“. Über Kopfhörer wurden den Patientinnen und Patienten die von ihren Angehörigen auf Band gesprochenen ermutigenden Sätze sanft zu Gehör gebracht. Die Ergebnisse des Pilotprojekts belegen eindrucksvoll die positive Wirkung der vertrauten Stimmen der Angehörigen für das Weaning bei Intensivpatientinnen und -patienten: „Wir konnten dadurch die durchschnittliche Weaningzeit von 126 Stunden auf 76 Stunden reduzieren“, berichtet Tobias Heckelsmüller.

Projekt hilft auch den Angehörigen
Auch für die Angehörigen wirkte sich die Teilnahme an dem Projekt positiv aus. „Sie erhielten dadurch das gute Gefühl, ihre Liebsten in dieser Situation völliger Hilflosigkeit aktiv unterstützen zu können“, erzählt Lisa Dietmar. Im Februar 2019 startete Prof. Schwab in der Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen auf Basis der Ergebnisse des dreiköpfigen Intensivpflegeteams eine umfangreiche Forschungsstudie über die positive Wirkung von Angehörigenstimmen während des Weanings. „Unser Ziel ist es, das Voice Weaning als Standardverfahren im Weaningprozess zu etablieren“, berichtet Tobias Heckelsmüller.

Mehrfach ausgezeichnetes Pflegeprojekt

Das innovative Projekt erhielt bereits einige Preise, unter anderem den Pflegepreis der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin e. V., den Preis der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin für die beste Facharbeit und den Erlanger Medizinpreis. Mit dem Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis 2019 würdigte nun auch der Freistaat Bayern das Projekt „Voice Weaning – Vertraute Stimmen“ mit einer seiner höchsten Auszeichnungen. Damit konnte sich die Idee der drei Intensivpflegekräfte neben den beiden anderen Preisträgern aus Regensburg und München gegen insgesamt 170 nominierte Projekte aus allen Landesteilen Bayerns durchsetzen.

„Alle Nominierungen spiegeln die große Vielfalt wider, die für Verbesserungen in Gesundheit und Pflege möglich ist“, betonte Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml, die die Auszeichnung bei einem Festakt in München an Lisa Dietmar, Tobias Heckelsmüller und Jana Ruppel übergab. „Wir brauchen auch künftig kreative Ideen und Konzepte, um gesundheitliche und pflegerische Angebote zum Wohle aller gut zu organisieren“, regte die Staatsministerin an.

Der Film zum Projekt

Ein Film über das Projekt „Voice Weaning – Vertraute Stimmen“ kann hier abgerufen werden: https://youtu.be/h32SDWzgwgg. Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege 2019

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26.09.2019 Ausbildungsreform für Psychologische Psychotherapeuten - Nachbesserungen dringend erforderlich
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 26.09.2019 – Nach der Reform ist vor der Reform. Dieser Grundsatz muss auch und gerade für das Ausbildungsreformgesetz für Psychologische Psychotherapeuten gelten, das heute im
Deutschen Bundestag zur Abstimmung steht. „Zwar wurden bei den parlamentarischen Beratungen wichtige Kritikpunkte der Ärzteschaft aufgegriffen. Das ändert aber nichts daran, dass dieses
Gesetz nicht die Voraussetzungen schafft, die unzureichende Vergütungssituation von Absolventen in der postgradualen Qualifikation sicher zu beseitigen. Damit wird ein wichtiges Ziel der Reform verfehlt “, sagte Dr. Heidrun Gitter, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer und Vorstands-beauftragte für die ärztliche Psychotherapie. Der Gesetzgeber habe sich nicht auf eine Lösung der eigentlichen Probleme in der bisherigen Ausbildung psychologischer Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten konzentriert. Stattdessen führe das Gesetz zu weitreichenden und für die Versorgungssicherheit der betroffenen Patienten problematischen Änderungen. Kritik an dem Gesetz üben neben der Ärzteschaft auch andere Berufsgruppen. So ruft der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen heute unter dem Motto „#WirktNichtRichtig“ zu einer Kundgebung gegen die anstehende Bundestagsentscheidung auf (http://psychthgausbrefg.de). „Wir teilen diesen Befund und bieten dem Gesetzgeber gerne unsere Unterstützung bei den dringend erforderlichen Nacharbeiten an diesem Gesetz an“, erklärte Gitter.

Aus Sicht der Bundesärztekammer ist nach wie vor unklar, für welche berufliche Tätigkeit die Bachelor- und Masterabschlüsse jeweils qualifizieren und welche Bezeichnung die Absolventen
dieser Studiengänge tragen sollen. Die BÄK warnt zudem davor, dass vor der Erteilung der Approbation kein Praktisches Jahr oder zumindest ein Praxissemester durchlaufen werden soll. Dies ist weder im Interesse der Versorgungsqualität noch des Patientenschutzes. Diese fehlende Praxisphase und die unverändert fehlende einheitliche schriftliche Abschlussprüfung
am Ende des Studiums gefährden den Wert der angestrebten Approbation. Weiterhin kritisch sieht die Bundesärztekammer die Verkürzung der bisherigen Berufsbezeichnungen „Psychologischer
Psychotherapeut“ und „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut“ auf „Psychotherapeut“. Die BÄK weist darauf hin, dass der Begriff „Psychotherapeut“ nicht nur Psychologische
Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten umfasst, sondern auch Ärztinnen und Ärzte mit einer entsprechenden Weiterbildung. Diese Fachärztinnen und Fachärzte stellen die ganzheitliche psychotherapeutische Versorgung in wesentlichem Umfang sicher. Im Einklang mit den psychologischen Berufsverbänden und Wissenschaftlern ist der
Bundesärztekammer völlig unverständlich, warum Öffentlichkeit und Patienten nicht den wissenschaftlichen Hintergrund der Qualifikation, nämlich die Psychologie, erkennen können sollen. Im Gegenteil sollte sich der Gesetzgeber klar zu einer breiten wissenschaftlichen Grundausbildung in der Psychologie im Bachelorstudium als Fundament der neuen Ausbildung bekennen.

„Wesentlich ist für uns auch der Fortbestand des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie (WBP) als ein bewährtes, von den psychotherapeutisch tätigen Berufsgruppen paritätisch besetztes wissenschaftliches Gremium“, sagte Gitter.
Denn der WBP ermögliche eine bundeseinheitliche, evidenz-basierte Anerkennungspraxis. Es erschließe sich nicht, auf welcher Basis die wissenschaftliche Anerkennung eines
psychotherapeutischen Verfahrens von „der zuständigen Behörde“ festgestellt werden soll, wie es das Gesetz vorsieht. „Gerade psychisch Kranke müssen darauf vertrauen können, dass ihre
Behandlung auf wissenschaftlich begründeten Verfahren beruht“, betonte Gitter.

Die in letzter Minute von der Regierungskoalition vorgelegten Änderungsanträge zum eigenen Gesetzesvorschlag verändern neben der Ausbildungsreform zusätzlich auch entscheidende
Vorgaben zur Patientenversorgung zu Lasten chronisch Kranker. „Diese Änderungsanträge machen deutlich, dass das vorgelegte Gesetz nicht zu Ende gedacht ist. Die Abgeordneten sollten den
Mut haben, das Gesetz zur Überarbeitung zurückzugeben“, so Gitter.

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25.09.2019 Personalbemessung in der Psychiatrie und Psychosomatik - BÄK: G-BA-Entscheidung gefährdet die psychiatrische und psychosomatische Krankenhausversorgung
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Die geplante Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Personalbemessung in der Psychiatrie und Psychosomatik verschlechtert die Situation für Patienten und Mitarbeiter massiv. Die Bundesärztekammer fordert das Bundesgesundheitsministerium auf, die Richtlinie zu beanstanden. Notwendig ist eine Personalausstattung, die eine ganzheitliche Patienten-
behandlung ermöglicht.


Berlin, 25.09.2019 – Am vergangenen Donnerstag hat der
Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) über eine neue Richtlinie
zur Personalbemessung in der Psychiatrie und Psychosomatik
entschieden, die zu Beginn des kommenden Jahres in Kraft treten
und die knapp 30 Jahre alte Psychiatrie-Personalverordnung
(Psych-PV) ablösen soll. Es ist hinlänglich bekannt, dass
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kliniken für Psychiatrie,
Psychosomatische Medizin und Kinder- und Jugendpsychiatrie seit
Jahren am Limit arbeiten. Die Hoffnung von Beschäftigten und
Patienten, dass die neue Richtlinie hier zu einer Verbesserung
führen könnte, hat sich aber mit dem aktuellen Beschluss des G-
BA zerschlagen. Das Bundesgesundheitsministerium steht in der
Verantwortung, die Richtlinie in der jetzigen Form zu stoppen und
das gesamte Verfahren neu auszurichten. Zudem muss es
geeignete Sofortmaßnahmen ergreifen, um die übergangsweisen
Personalvorgaben an die ethisch und medizinisch gebotenen
Standards anzupassen.

Dem gesetzlichen Auftrag zur Weiterentwicklung der Versorgung
und Vergütung für psychiatrische und psychosomatische
Leistungen (Psych-VVG) zufolge sollte der G-BA qualitätsbezogene
Personalmindestvorgaben festlegen, welche geeignet sind, zu
einer leitliniengerechten Behandlung beizutragen. Die
Bundesärztekammer war an diesem Verfahren per Gesetz lediglich
beratend beteiligt. Ihr Ziel war eine patientenorientierte
Personalbemessungsgrundlage, die sowohl medizinisch-
wissenschaftliche Aspekte, wie auch den sparsamen Umgang mit
begrenzten Ressourcen beinhalten sollte. Dieses Ziel hat der G-BA
trotz frühzeitiger Intervention der Bundesärztekammer klar
verfehlt. Weder wird die neue Richtlinie der rasanten
Weiterentwicklung der diagnostischen und therapeutischen
Möglichkeiten in der Psychiatrie, Psychosomatischen Medizin und
Kinder- und Jugendpsychiatrie gerecht, noch trägt sie den heute
üblichen Menschenrechtsstandards in der psychiatrischen
Versorgung ausreichend Rechnung. So sollen
Personaluntergrenzen eingeführt werden, die sich an
jahrzehntealten Standards orientieren und bei deren
Unterschreitung in Zukunft unter bestimmten Umständen ein
Vergütungsausschluss erfolgen kann. Eine geringfügige
Verbesserung für psychotherapeutische Leistungen kann dem
dringend erforderlichen Nachbesserungsbedarf im Bereich von
Pflege und Einzelbetreuung nicht abhelfen. Hier soll nur für Kinder
und Jugendliche eine leichte Verbesserung erfolgen – der ebenso
große Bedarf bei anderen Patientengruppen wurde
beiseitegelassen. Dabei werden die vom G-BA anvisierten
Nachweisverfahren zu einem deutlich erhöhten
Dokumentationsaufwand der Kliniken führen.

Vor allem aber verhindert die Richtlinie neue
sektorenübergreifende Versorgungsmodelle, die mit Blick auf die
noch anstehende flächendeckende Umsetzung der
stationsäquivalenten Behandlung für Patienten dringend
erforderlich wären. All dies bedeutet: Ärztinnen und Ärzte,
Psychologen, Pflegepersonal und Spezialtherapeuten in der
stationären psychiatrischen, kinder- und jugendpsychiatrischen
und psychosomatischen Versorgung werden nicht mehr, sondern
weniger Zeit für ihre Patienten haben. Das ist das Gegenteil einer
modernen patientenorientierten Versorgung.

Deshalb fordern Bundesärztekammer sowie viele medizinisch-
wissenschaftliche Fachgesellschaften und Verbände eine
komplette Neuausrichtung der Richtlinie. Die Personalausstattung
muss so ausgestaltet sein, dass sie eine ganzheitliche
Patientenversorgung ermöglicht. Konkrete Konzepte für eine
adäquate Orientierung der Personalbemessung am Bedarf der
Patienten liegen auf dem Tisch – werden aber durch den G-BA
nicht umgesetzt. Die Bundesärztekammer appelliert zudem an
den Gesetzgeber, dem G-BA klare Vorgaben für die
Richtlinienarbeit zu machen. Sie müssen sicherstellen, dass sich
die Personalbemessung und die Finanzierung unmittelbar auf die
gültigen fachlichen Standards beziehen. Es ist festzuschreiben,
dass die Richtlinie in der ersten Stufe nur eine Übergangslösung
sein kann und mit einem verbindlichen Zeitplan an einem
modernen und sich am Patientenbedarf orientierendem
Personalbemessungsinstrument gearbeitet wird. Nur auf diese
Weise können eine patienten- und störungsbezogene
Psychotherapie durch alle Berufsgruppen, die Autonomie der
Patientinnen und Patienten, deren Partizipation an der
Entscheidungsfindung und die Reduktion vermeidbarer
Zwangsmaßnahmen gewährleistet werden.

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25.09.2019 Lebenswichtige Ventile Herzklappenerkrankungen mit neuer Therapie kathetergestützt und schonend behandeln
uni | mediendienst | aktuell Nr. 124/2019

Nicht nur ein Infarkt oder verengte Herzkranzgefäße gefährden das menschliche Herz, auch Funktionsstörungen der Herzklappen können sich lebensbedrohlich auswirken. Um sie zu beheben, werden mittlerweile an der Aorten- und der Mitralklappe häufig minimalinvasive Kathetereingriffe angewendet, die vor allem älteren Patienten die belastende Operation am offenen Herzen ersparen. PD Dr. Martin Arnold, Oberarzt der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Stephan Achenbach) des Universitätsklinikums Erlangen, behandelt nun auch Erkrankungen der sensiblen Trikuspidalklappe in der rechten Herzkammer erfolgreich mit einer neuen interventionellen Kathetertherapie.
Sie bestehen aus hauchdünnen Häutchen und leisten unverzichtbare Dienste für den Herzmuskel: Die vier Herzklappen des menschlichen Körpers regulieren den lebenswichtigen Blutfluss durch das Herz. Als entscheidendes Ventil im rechten Vorhof verhindert die Trikuspidalklappe den gefährlichen Rückstau des Bluts in die Venen. Kann sie sich aufgrund einer Funktionsstörung nicht mehr komplett schließen, spricht man von einer Klappenschwäche oder -insuffizienz. „Weil sich die Trikuspidalklappe in ihrer Form und ihrem Aufbau aus drei Flügeln aus sehr zartem und verletzlichem Gewebe von den beiden Herzklappen der linken Herzhälfte unterscheidet, ist sie nicht oder nur ungenügend mit den bereits etablierten minimalinvasiven Kathetermethoden behandelbar“, erläutert Dr. Arnold. „Für ihr Gegenstück, die linksseitige Mitralklappe, die nur zwei Flügel besitzt, gibt es hingegen etablierte Therapien. Bei ihr können wir die beiden Flügel beispielsweise mit einem Clip, den wir über einen Katheter bis zum Herzen führen, wieder zusammenfügen und so die Funktion wiederherstellen. Bei der Entstehung einer Insuffizienz der Trikuspidalklappe spielt die zunehmende Erweiterung des Rings der Trikuspidalklappe eine besonders wichtige Rolle. Dieses Problem wird durch die bisherigen Katheterverfahren nicht ausreichend gelöst.“

Neue minimalinvasive Therapie


Um auch die empfindliche Trikuspidalklappe mit einer interventionellen Therapie behandeln zu können, verwendet der Kardiologe eine neu entwickelte Kathetermethode: „Bei dieser wird ein Band implantiert, mit dessen Hilfe der Ring der Klappe verkleinert wird, so dass sich die Klappenflügel wieder dicht schließen können. Ein neues Verfahren, das wir bereits mehrfach erfolgreich angewendet haben“, berichtet der Kardiologe, der am Uni-Klinikum Erlangen im modernsten Herzkatheterlabor Europas arbeitet. Minimalinvasive Kathetereingriffe ersparen Patienten die chirurgische Öffnung des Brustkorbs und das Anschließen an eine Herz-Lungen-Maschine.

Lebensbedrohliche Erkrankung

„Häufig ist die Trikuspidalklappeninsuffizienz die Folge von Veränderungen der linken Herzhälfte, beispielsweise einer Schwäche der linken Kammern oder einer Erkrankung einer anderen Herzklappe. Aus Untersuchungen hat man gelernt, dass eine alleinige Behandlung der Erkrankung der linken Herzhälfte nicht ausreicht. Liegt weiterhin eine schwere Trikuspidalklappeninsuffizienz vor, ist das Überleben der Betroffenen eingeschränkt“, erläutert Dr. Arnold. Oft bleibt die Erkrankung unbemerkt, weil frühe Symptome wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit nicht mit dem Herzklappenfehler in Verbindung gebracht werden. Treten dann Symptome wie Schwellung der Beine und Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum auf, kann das Herz bereits stark geschädigt sein. Sind die Patienten dann aufgrund der fortgeschrittenen Herzschwäche oder Begleiterkrankungen nicht mehr operabel, können sie ein lebensbedrohliches Herzversagen entwickeln. „Mit dieser neuen interventionellen Therapie können wir jetzt auch Patienten mit einer Trikuspidalklappeninsuffizienz helfen, für die eine OP am offenen Herzen mit einem zu hohen Risiko verbunden wäre“, betont der Herzklappenspezialist.

Weltherztag am 29. September


Mit Blick auf den Weltherztag am Sonntag, 29. September 2019 weist Klinikdirektor Prof. Achenbach darauf hin, dass eine Herzklappenerkrankung relativ einfach zu diagnostizieren ist. „Bereits durch eine gründliche körperliche Untersuchung und das sorgfältige Abhören des Herzens mittels Stethoskop lässt sich eine Funktionsstörung der Herzklappen feststellen“, betont der Herzspezialist. „Verdachtsfälle können wir anschließend durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, eine Echokardiografie, eindeutig abklären.“

Interview mit PD Dr. Martin Arnold

Im Vorfeld des Weltherztags steht PD Dr. Martin Arnold Medienvertretern gerne für vertiefende Fragen oder Interviews zur Verfügung.

Weitere Informationen:
PD Dr. Martin Arnold
Tel.: 09131/85-35301
martin.arnold@uk-erlangen.de

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24.09.2019 Treibstoff für die Vermehrung - Mechanismus entdeckt, wie Herpesviren an zelluläre Bausteine gelangen
uni | mediendienst | forschung Nr. 62/2019

Rund 60 bis 90 Prozent aller Erwachsenen tragen das humane Zytomegalievirus, auch humanes Herpesvirus 5 genannt, in sich. Für Schwangere, Neugeborene und Menschen, bei denen das Immunsystem durch Medikamente unterdrückt wird, kann eine Infektion ernsten Komplikationen führen. Forschungsteams der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Tübingen haben nun herausgefunden, wie es dem Virus gelingt, sein Genom in menschlichen Zellen zu vermehren – und warum es dabei auch nicht vom Immunsystem aufgehalten wird. Ihre Ergebnisse haben sie gleich in zwei Studien im renommierten Magazin Nature Microbiology veröffentlicht*.

Viren wie das humane Zytomegalievirus (CMV) können sich im Körper nur vermehren, wenn sie über einen laufenden Nachschub von DNA-Bausteinen, den Nukleotiden, verfügen. In der Zelle sorgt ein Enzym mit dem Namen SAMHD1 dafür, dass dort zwar ausreichend, aber nicht zu viele Nukleotiden zur Verfügung stehen. Auf diese Weise schützt sich die Zelle vor Infektionserregern und das Erbgut kann fehlerfrei repliziert und repariert werden – was wiederum auch verhindert, dass Tumoren entstehen. Kommt es nun zu einer CMV-Infektion, blockieren die eindringenden Viren das Enzym. Die Folge: In der Zelle werden laufend Nukleotide produziert – und das Virus kann sich ungehindert weitervermehren. Die Ergebnisse bilden nicht nur für neuartige Therapien gegen CMV-Infektionen eine wichtige Grundlage. Die Forscherinnen und Forscher hoffen auch, im Kampf gegen Tumorerkrankungen sowie weitere akute virale Infektionen einen Schritt weiter gekommen zu sein: Aus früheren Studien ist bekannt, dass auch andere Viren sowie vermutlich Tumorzellen das Enzym SAMHD1 blockieren müssen, um sich effektiv vermehren zu können.

Link zur ausführlichen Pressemeldung:

https://www.fau.de/2019/09/news/wissenschaft/treibstoff-fuer-die-vermehrung/

Arbeitsgruppe von Prof. Gramberg am Universitätsklinikum Erlangen:

http://www.virologie.uk-erlangen.de/en/research/research-groups/research-group-of-t-gramberg/

* Links zu den Originalpublikationen:

https://www.nature.com/articles/s41564-019-0529-z

https://www.nature.com/articles/s41564-019-0557-8

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Thomas Gramberg, FAU, Tel.: 09131/85-36481, thomas.gramberg@fau.de
Prof. Dr. Michael Schindler, Uni-Klinikum Tübingen, Tel.: 07071/29-87459, michael.schindler@med.uni-tuebingen.de 

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23.09.2019 Spitzenmedizin braucht Spitzenpflege
uni | mediendienst | aktuell Nr. 122/2019

Kampagnenstart der neuen Employer Brand des Pflege- und Funktionsdienstes am Universitätsklinikum Erlangen

Der Fachkräftemangel im Pflege- und Funktionsdienst ist landesweit bekannt und rückt aufgrund des demografischen Wandels immer weiter in das öffentliche Interesse. Mit einer Arbeitgeber-Kampagne für den Pflegebereich will das Universitätsklinikum Erlangen nun seine Position im Wettbewerb um die qualifiziertesten Fachkräfte stärken und mit einer geschärften Arbeitgeber-Marke in die Öffentlichkeit gehen.

Aktiv gegen den Fachkräftemangel


Das Universitätsklinikum Erlangen bietet seit der Gründung im Jahr 1815 Medizin auf höchstem Niveau. Diese Spitzenmedizin kann nur durch Spitzenpflege garantiert werden. Mit rund 3.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist der Pflege- und Funktionsdienst die größte Berufsgruppe am Universitätsklinikum Erlangen. Jeder Einzelne leistet seinen Beitrag zum hohen Qualitätsanspruch des Uni-Klinikums Erlangen, bringt sein Wissen sowie seine Fähigkeiten ein und entwickelt somit die Medizin mit und weiter. Um diesen Anspruch weiterhin gewährleisten zu können und die Patienten auch in Zukunft bestmöglich zu versorgen, werden weiterhin qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst des Uni-Klinikums Erlangen benötigt.

Aus diesem Grund wurde in Zusammenarbeit mit Sery* Brand Evolutions ein Markenprozess initiiert, bei dem eine strategische Positionierung des Uni-Klinikums als Arbeitgeber definiert wurde. Eingebunden waren Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Ebenen, Funktionen und Bereichen der Pflege. Auf Basis dessen wurde eine authentische Arbeitgebermarke, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Pflege- und Funktionsdienstes als Botschafter, entwickelt. Diese Marke wird im Rahmen einer Kampagne ab dem 1. Oktober 2019 im Großraum Erlangen, Nürnberg, Fürth und Bamberg sichtbar sein.

Zur Kommunikation der Kampagne gibt es Großflächenplakate an zentralen Orten, Poster in den Bahnhöfen der Region rund um Erlangen und Busbeklebungen. Ein wesentlicher Schwerpunkt wird auf Online-Medien gelegt, um die Zielgruppe noch exakter ansprechen zu können.

Kampagne für eine starke Arbeitgebermarke


„Wir pflegen Spitzenmedizin“ ist die Kernaussage, unter der die Kampagne steht. Sie ist prägnant, kommuniziert die wesentlichen Inhalte der Marke und bleibt in den Köpfen rasch als Synonym für eine starke Arbeitgebermarke des Uni-Klinikums Erlangen verankert.
Das „Wir“ steht für den Teamgeist, das gemeinsame Schaffen, Menschlichkeit und Emotionen, was in der Pflege von großer Bedeutung ist.
Das „Pflegen“ kann zweideutig verstanden werden – zum einen im Sinne der Tätigkeit des „Pflegens“ der Patienten, zum anderen als selbstbewusstes Selbstverständnis/hoher eigener Anspruch des Pflege- und Funktionsdienstes.

Die „Spitzenmedizin“ betont die Vorreiterrolle des Uni-Klinikums Erlangen und stellt die Pflege auf höchstem Niveau in den Fokus. Spitzenmedizin braucht Spitzenpflege – daher gibt es bei der Suche nach einem fordernden und abwechslungsreichen Job nur eine Wahl: das Uni-Klinikum Erlangen.

Aus den Kernerkenntnissen und der Marke wurden zudem drei Aussagen der Kampagne abgeleitet und entwickelt: „Wir pflegen miteinander“, „Wir pflegen Wissen“ und „Wir pflegen Karrieren“.

Mit über 70 Darstellern aus den eigenen Pflegeteams wurden die Kampagnensujets sowie drei Spots produziert.

Know-how-Transfer durch Akademie

Mit über 700 Azubis bzw. Berufsfachschülerinnen und -fachschülern zählt das Uni-Klinikum Erlangen zu den größten Arbeitgebern in Mittelfranken und ist dafür auch über seine Grenzen hinaus bekannt. Von Gesundheits- und Krankenpflegern (GUK) und Gesundheits- und Kinderkrankenpflegern bis hin zu Operationstechnischen Assistenten (OTA) und Anästhesietechnischen Assistenten (ATA) bietet das große fachliche Spektrum viele verschiedene Ausbildungswege, in welchen die Lernenden hervorragend auf das Berufsleben vorbereitet werden.

Neben der Ausbildung bietet die Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe ein anspruchsvolles Bildungsangebot auf höchstem Niveau, welches über die bayerischen Landesgrenzen hinaus für sein Fort- und Weiterbildungsprogramm bekannt ist.

Top-Arbeitgeber in Deutschland

Als Pflegefachkraft am Uni-Klinikum Erlangen ist man Teil eines breit aufgestellten und bestens vernetzten Teams, das täglich Spitzenleistungen vollbringt. Nicht umsonst zählt das Uni-Klinikum Erlangen zu den deutschen Vorreitern in der Spitzenmedizin! Die Zusammenarbeit der mehr als 7.700 Mitarbeiter ermöglicht es, die Patientinnen und Patienten optimal zu betreuen und zu versorgen, denn die Spitzenmedizin ist die Summe vieler Teile!

Über das Universitätsklinikum Erlangen


Das Universitätsklinikum Erlangen wurde 1815 gegründet und zählt seit über 200 Jahren zu den deutschen Vorreitern in Bezug auf die Spitzenmedizin. Mit mehr als 7.700 Mitarbeitern, 25 Klinken, 18 selbstständigen Abteilungen sowie 7 Instituten und 1.394 Betten ist es ein Haus der Maximalversorgung, in dem täglich die neuesten medizinischen Methoden und Erkenntnisse zum Einsatz kommen. Dies sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Mitarbeiter und die hochmodern ausgestatten Arbeitsplätze ermöglichen eine optimale Betreuung und Versorgung der Patienten.

Fact Sheet Universitätsklinikum Erlangen
Gegründet: 1815
Firmensitz: Erlangen (Bayern)
Beschäftigte:
über 7.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Davon rund 3.200 Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst und über 1.200 Ärzte
Klinikum:
1.394 Betten
Einer der besten Ausbildungsbetriebe
25 Kliniken
18 selbständige Abteilungen
7 Institute
7 Berufsfachschulen
Über 700 Auszubildende

Unsere Vision: Die interprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit am Universitätsklinikum Erlangen ermöglicht eine optimale Betreuung und Versorgung der Patienten. Jeder Einzelne kann seinen Beitrag zur Spitzenmedizin leisten, sein Wissen und seine Fähigkeiten einbringen und diese mit- und weiterentwickeln.

Landingpage mit allen drei Spots: www.wir-pflegen-spitze.de
Bildmaterial zum Download:

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https://www.fau.de/files/2019/09/19_PD_Start_Kampagne_05_presse.jpg

 

Weitere Informationen:
Reiner Schrüfer
Pflegedirektor Universitätsklinikum Erlangen
pflegedirektion@uk-erlangen.de
Tel.: 09131/85-36761

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20.09.2019 Welt-Alzheimertag - Reinhardt: Menschen mit Demenz am alltäglichen Leben teilhaben lassen
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 20.09.2019 – „Es ist wichtig, Menschen mit Demenz offen und unvoreingenommen gegenüberzutreten und sie am alltäglichen Leben teilhaben zu lassen. Damit kann jeder Einzelne
einen Beitrag dazu leisten, dass an Demenz Erkrankte und pflegende Angehörige nicht in die Isolation getrieben werden.“
Das sagte Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21. September. Der Tag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Demenz. Einander
offen begegnen“.
Reinhardt wies darauf hin, dass die Zahl der alten und hochbetagten Menschen in Deutschland seit Jahren steigt. Daher sei es dringend notwendig, ambulante und teilstationäre
Pflegeangebote sowie betreute Wohngruppen auszubauen und stationäre Einrichtungen mit ausreichend Personal auszustatten.
„Die Betroffenen haben in unserer Wohlstandsgesellschaft einen Anspruch auf die bestmögliche Betreuung und ein möglichst lange selbstbestimmt geführtes Leben“, so Reinhardt.

Ein wichtiger Baustein ist dabei die kompetente Begleitung durch Ärztinnen und Ärzte. So können Verfahren zur Gedächtnisförderung, körperliche Aktivitäten oder Musik die Leistungsfähigkeit stimulieren und das Fortschreiten der Demenzerkrankung etwas verlangsamen. Die Bundesärztekammer hat eine Vielzahl entsprechender Fortbildungsmaßnahmen für Ärztinnen und Ärzte entwickelt, die von den Landesärztekammern anerkannt sind und flächendeckend angeboten werden.
Zudem hat das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin im Auftrag der Bundesärztekammer zwei kompakte und allgemein verständliche Informationsblätter zum Thema Demenz
veröffentlicht. Die Kurzinformation „Demenz – mehr als nur vergesslich“ gibt einen Überblick über die Krankheit: Sie informiert über die verschiedenen Erscheinungsformen und erläutert die
Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Das Informationsblatt richtet sich an Menschen, die mehr über Demenz wissen möchten oder befürchten, betroffen zu sein. In
der zweiten Kurzinformation „Demenz – eine Herausforderung für Angehörige“ stehen die Angehörigen im Mittelpunkt. Sie finden darin Hinweise, wie sie einem demenzkranken Menschen helfen
können und was sie vor allem für sich selbst tun können.

Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten von ihnen sind an Alzheimer erkrankt. Bis zum Jahr 2050
wird ein Anstieg auf rund drei Millionen Betroffene erwartet.

Patienteninformation im Internet:
https://www.bundesaerztekammer.de/patienteninfo-demenz

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20.09.2019 Gründung einer Selbsthilfegruppe für JUNGE ERWACHSENE MIT KREBS
Bayerische Krebsgesellschaft Nürnberg

Wir wollen in Nürnberg mit einem regionalen Treffpunkt der „Deutschen Stiftung für junge Erwachse mit Krebs“ für junge Betroffene und ihre Angehörigen im Alter von 18-40 Jahren sowie junggebliebene ältere Menschen eine Plattform zur Vernetzung einrichten.
Wir möchten gezielt...
...die gegenseitige Unterstützung im Umgang mit der Krankheit fördern,
...Hilfe bei bürokratischen Fragen zu z.B. Anträgen, Kassenleistungen, etc. anbieten,
…einen Platz für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch schaffen sowie
...die Möglichkeit bieten, altersspezifische Probleme im Alltag mit Krebs mit Betroffenen und    Angehörigen zu besprechen.

Das 1. Treffen findet am 2. Oktober 2019 um 17 Uhr
in den Räumen der Bayerischen Krebsgesellschaft, Marientorgraben 13, 90402 Nürnberg, statt.
{5 Min. von der U-Bahnhaltestelle Hauptbahnhof entfernt od. Straßenbahn Linie 8, Haltestelle Marientor, direkt vor der Tür}
Die weiteren Treffen finden jeden 1. Mittwoch im Monat um 17 Uhr statt.
Komm(t) einfach vorbei! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich!
Weitere Infos zur Gruppe:
0911 / 495 33 (Bayerische Krebsgesellschaft Nürnberg) oder
0911 / 234 94 49 (Kiss Nürnberg-Fürth-Erlangen – Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen)

19.09.2019 Reinhardt: „Klimaschutz ist immer auch Gesundheitsschutz“
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Berlin, 19.09.2019 – „Gesundheit und Wohlergehen der Menschen hängen ganz wesentlich vom Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ab. Klimaschutz ist deshalb immer auch Gesundheitsschutz. Es ist unsere ärztliche Pflicht, auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen und uns für die
Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele einzusetzen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt vor dem weltweiten Klima-Aktionstag am 20. September 2019 in Berlin.

Reinhardt kündigte an, dass sich der nächste Deutsche Ärztetag im Mai 2020 intensiv mit den gesundheitlichen Auswirkungen der Erderwärmung auf die Gesundheit befassen wird. „Wir wollen
gemeinsam mit ausgewiesenen Experten sowohl die direkten Folgen des Klimawandels auf den menschlichen Körper, als auch die indirekten Folgen für die globale Gesundheit diskutieren.
Unser Ziel ist es, dass auch gesundheitliche Aspekte in die Klimapolitik der Bundesregierung mit einfließen.“

Mit den direkten Folgen von Hitzeereignissen beschäftigten sich Wissenschaftler Anfang August in einem Schwerpunktheft des Deutschen Ärzteblattes (Web-Links siehe unten). Dazu zählen eine mögliche Zunahme von Herzinfarkten und Hitzeschlägen sowie ein temperaturbedingter Anstieg der Zahl von Wundinfektionen. Hinzu kommen indirekte gesundheitliche Auswirkungen und Risiken als Folge der Klimaänderungen: Hierzu gehören die Beeinträchtigung der Qualität und Quantität von
Trinkwasser und Lebensmitteln, eine längere Leidenszeit für Menschen mit Pollenallergien sowie das vermehrte Auftreten von tierischen Krankheitsüberträgern, wie Zecken oder Stechmücken.

Weitere spürbare Folgen des Klimawandels sind Extremwetterereignisse, Stürme, Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren und Waldbrände. Es ist davon auszugehen, dass sich diese auch auf bereits vorhandene Gesundheitsrisiken wie Armut, Hunger und Unterernährung auswirken.

Reinhardt: „Das Ausmaß klimabedingter Gesundheitsfolgen kann die Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme weltweit auf Dauer an ihre Belastungsgrenzen bringen. Damit wird der Klimawandel auch zu einer zentralen Gesundheitsfrage des 21. Jahrhunderts.“

Weiterführende Informationen:

t Deutsches Ärzteblatt: „Zukünftige Häufigkeit
temperaturbedingter Herzinfarkte in der Region Augsburg“
http://daebl.de/GT29
t Deutsches Ärzteblatt: „Assoziation von Klimafaktoren mit
Wundinfektionsraten“
http://daebl.de/KC27
t Deutsches Ärzteblatt: „Gesundheitsgefahren und
Interventionen bei anstrengungsbedingter Überhitzung“
http://daebl.de/AH92

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17.09.19 Feinfühliger Riese: weltweit erster Magnet-Roboter im SEON
uni | mediendienst | aktuell Nr. 117/2019

Magnet-Roboter macht Nanomedizin so präzise wie noch nie – Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin feiert zehnjähriges Bestehen

Ein Roboter-Riese in der Welt der Nanomedizin: Der steht nun in der Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin (SEON) der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro) des Universitätsklinikums Erlangen. Zwei Tonnen wiegt der Roboter – trotzdem sind seine Bewegungen feinfühliger als die der menschlichen Hand. Er arbeitet halbautomatisch: „Programmieren und steuern müssen ihn speziell geschulte Mitarbeiter, das passiert nie ganz autonom“, erklärt SEON-Leiter Prof. Dr. Christoph Alexiou. Der Roboter soll die SEON-Experten künftig beim Magnetischen Drug Targeting unterstützen: Dabei werden Nanopartikel aus Eisenoxid mit Medikamenten beladen und dann mit magnetischer Unterstützung gezielt in erkranktes Gewebe geführt – zum Beispiel in einen Tumor oder in entzündete und verkalkte Gefäße. Das macht Therapien effektiver und nebenwirkungsärmer.

In diesem Jahr feiern Prof. Alexiou und das SEON-Team das zehnjährige Jubiläum ihrer Einrichtung. Jüngster Meilenstein ist der neue Magnet-Roboter. „So wie die Robotik die Industrie revolutioniert hat, so erleben wir das jetzt auch in der Medizin“, erklärt Christoph Alexiou. „Wir haben das einzige Gerät dieser Art weltweit. Es wird die Nanomedizin auf ein neues Level heben. Wenn wir die entsprechenden Gelder dafür bekommen, können wir mit dem Magnet-Roboter schon in wenigen Jahren Patienten behandeln.“

Ein Roboter, der „weiß“, was er tut

Der Roboter soll die Ärzte im Kampf gegen Tumoren, Arteriosklerose, aber auch gegen Herz-Kreislauf- und Infektionskrankheiten unterstützen. „Wir haben die großen Volkskrankheiten im Blick“, bringt es Prof. Alexiou auf den Punkt. Bald soll dieses Szenario Realität sein: Der Patient liegt entspannt auf der Behandlungsliege. Über einen Katheter in der Leiste – ähnlich wie bei einer Herzkatheteruntersuchung – injizieren ihm die Ärzte ein Kontrastmittel und stellen auf einem Röntgenbild Gefäße, Gewebe und Organe dar. Auch solide Tumoren – zum Beispiel im Kopf-Hals-Bereich oder in der weiblichen Brust – sowie Gefäßverkalkungen (Plugs) werden in dieser sogenannten Angiografie sichtbar, inklusive ihrer genauen Lage und Größe. Ebenfalls über einen Katheter injizieren die Ärzte dem Patienten dann magnetische Nanopartikel aus Eisenoxid. Diese führen ein Medikament im „Huckepack“ mit sich. Sind die Partikel samt Wirkstoff im Körper angekommen, gleitet die Magnetspitze des Roboters sanft an der Haut des Patienten entlang und führt die Eisenoxidteilchen mithilfe eines Magnetfeldes genau an die Stelle, an der das Medikament – zum Beispiel ein Chemotherapeutikum – wirken soll. Im Tumor und in den befallenen Lymphknoten angelangt, reichert sich das Arzneimittel in den Krebszellen an und zerstört schließlich ihre DNA. „Das alles geschieht unheimlich präzise und unter permanenter Bildkontrolle“, erklärt Dr. Stefan Lyer, Biologe und stellvertretender SEON-Leiter. „Der Roboter ‚fühlt‘ sozusagen das Magnetfeld, ‚sieht‘ dank der Bildgebung den Tumor vor sich, und wird von uns so programmiert, dass er exakt die richtige Körperstelle trifft, mit exakt der richtigen Magnetfeldstärke“, so Dr. Lyer weiter. „Solche präzisen und koordinierten Bewegungen könnte die menschliche Hand nicht ausführen – und vor allem nicht reproduzieren. Der Roboter kann jedes Bewegungsmuster exakt wiederholen.“ Mensch und Maschine arbeiten hier Hand in Hand, denn zu jeder Zeit bedient ein geschulter Experte die kleine Steuerkonsole, die dem Roboter seine Kommandos gibt.

Eine Dekade SEON
Die Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin an der HNO-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen leistet seit zehn Jahren innovative Forschungs- und Pionierarbeit im Bereich Nanotoxikologie und Nanomedizin. SEON beschäftigt heute 18 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die weitgehend mithilfe von Drittmitteln finanziert werden – darunter Ärzte, Biologen, Chemiker, Pharmazeuten und Nanotechnologen. Elf Millionen Euro an Drittmitteln hat Prof. Alexiou bis heute für SEON eingeworben. Er ist Leiter der Sektion, Oberarzt der Erlanger HNO-Klinik und Inhaber der Else Kröner-Fresenius-Stiftungsprofessur am Uni-Klinikum Erlangen – der ersten Nanomedizin-Professur Deutschlands. Christoph Alexious Vision: (Krebs-)Medikamente sollen nur noch genau dort im Organismus wirken, wo sie gebraucht werden. Damit wären etwa Chemotherapien deutlich effektiver und ihre Nebenwirkungen viel geringer als heute. Denn bislang breiten sich Wirkstoffe gegen Krebs im ganzen Körper aus und erreichen das Tumorgewebe nur teilweise. Die Nanopartikel für das Magnetische Drug Targeting – also die zielgerichtete, magnetgesteuerte Medikamentengabe – werden in Hochreinheitslabors der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen eigens für SEON hergestellt. Es handelt sich um Teilchen in Nanometergröße – so klein wie der millionste Teil eines Millimeters. Prof. Alexiou und sein Team haben die gut verträglichen, medizinisch wirksamen Eisenoxidpartikel bereits in vitro und in vivo getestet und vielversprechende Erfolge verzeichnet. „In der Nanomedizin haben wir unser größtes Ziel aber weiterhin klar vor Augen: die Translation – die Überführung in die Klinik, zum Patienten. Mit dem neuen Roboter kommen wir dem ein großes Stück näher“, sagt Christoph Alexiou. Und auch ein Nanomedizin- und Nanotoxikologiezentrum Bayern (NZB) gehört zu den Zukunftsvisionen des Oberarztes. Er erklärt: „Das soll ein Ort werden, an dem wir die Infrastruktur dafür schaffen, Patienten nanomedizinisch zu behandeln.“ SEON wurde bisher unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen seines Spitzenclusters „Exzellenzzentrum für Medizintechnik“ gefördert sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Festsymposium und Jubiläumsband
Erzielte Erfolge feiern und den Blick in die Zukunft richten – dazu lädt das SEON-Team am Mittwoch, 18. September 2019, ab 13.00 Uhr im Rahmen eines Festsymposiums mit mehr als 250 deutschen und internationalen Gästen und namhaften Referenten ein (Rudolf-Wöhrl-Hörsaal, Östliche Stadtmauerstraße 11, Erlangen). Weitere Highlights, Hintergrundinformationen, Interviews und vieles mehr aus zehn Jahren SEON bietet auch die jetzt erschienene, über 100 Seiten umfassende Jubiläumsfestschrift.

Weitere Informationen:
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Prof. Dr. Christoph Alexiou
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13.09.2019 Welttag der Patientensicherheit - BÄK-Präsident Reinhardt: „Patientensicherheit muss oberste Priorität haben“
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„Das Wohl des Patienten steht an erster Stelle – dieser Grundsatz ärztlichen Handelns ist so alt wie die Medizin selbst. Für uns Ärzte ist er Ansporn und Verpflichtung zugleich, uns für eine positive Sicherheitskultur in Kliniken und Praxen einzusetzen. Gleiches erwarten wir von Politik und Kostenträgern. Qualität und Sicherheit müssen die Treiber im Gesundheitswesen sein – nicht Wettbewerb und Kostendruck. Patientensicherheit ist nicht verhandelbar.“ Das betonte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt vor dem ersten Welttag für Patientensicherheit
am 17. September in Berlin.
„Zeit für das Gespräch mit den Patienten, für den interdisziplinären und interprofessionellen Austausch sowie für die Reflexion des eigenen Handelns tragen entscheidend dazu bei, Fehler zu vermeiden. Diese Zeit fehlt jedoch häufig. Stattdessen arbeiten Ärzte und andere Gesundheitsberufe am Limit, um die Folgen des Wettbewerbsdrucks und der Arbeitsverdichtung für die
Patienten zu mildern“, sagte der BÄK-Präsident. Notwendig sei ein klares Bekenntnis von Politik und Kostenträgern zu Patientensicherheit – mit genauso klar erkennbaren Konsequenzen für die Versorgung. Eine kontinuierliche Nachwuchsförderung gehöre ebenso dazu, wie die Finanzierung
von Versorgungsstrukturen, die sich am tatsächlichen Behandlungsbedarf ausrichten.

Reinhardt verwies auf zahlreiche Maßnahmen und Initiativen der Ärzteschaft zur Steigerung der Patientensicherheit. Dazu zählen unter anderem Qualitätszirkel, Peer-Reviews, aber auch Konsile, Tumorkonferenzen oder Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen.
Auf institutioneller Ebene unterstützt unter anderem das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin, eine gemeinsame Einrichtung von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher
Bundesvereinigung, die Qualitätssicherung der ärztlichen Berufsausübung. Wichtige Erkenntnisse für die Fehlerprävention werden auch aus den Daten der Gutachterkommissionen und  Schlichtungs-stellen der Ärztekammern gewonnen, die bundesweit erfasst und für Fortbildungen und Qualitätssicherungsmaßnahmen ausgewertet werden.

Reinhardt: „Die Förderung von Qualität und Patientensicherheit ist nicht nur integraler Bestandteil ärztlicher Berufsausübung. Sie ist eine Gemeinschaftsaufgabe, der sich neben den Gesundheits-  berufen auch Kliniken, Kostenträger und die Politik stellen müssen. Patientensicherheit ist eine Verpflichtung für uns alle.“

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12.09.2019 Reinhardt bietet künftiger EU-Kommission enge Zusammenarbeit an
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Berlin, 12.09.2019 – Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt hat die Entscheidung der künftigen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßt, dass es auch in Zukunft ein eigenes Gesundheitsressort auf europäischer Ebene geben wird. Dies zeige, dass die neue Kommission dem Thema Gesundheit die angemessene hohe Bedeutung beimisst.
„Wir freuen uns auf eine gute und enge Zusammenarbeit mit der neuen EU-Kommission“, sagte Reinhardt anlässlich der Nominierung der zypriotischen Politikerin Stella Kyriakides als
neue EU-Gesundheitskommissarin. Die Ärzteschaft sei immer offen für den Dialog, solange es dabei um die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung in Europa geht. Ansatzpunkte sieht
Reinhardt unter anderem beim gemeinsamen Kampf gegen Antibiotikaresistenzen, der Vermeidung von Lieferengpässen für Arzneimittel und der Förderung von Forschung und Innovation.


Gleichzeitig stellt der BÄK-Präsident aber klar: „Wir erwarten, dass
die Kommission den Vertrag von Lissabon einhält. Und der
formuliert sehr eindeutig: Die Organisation der
Gesundheitssysteme ist Sache der Mitgliedsstaaten.“ Die immer
neuen Anläufe, die Gesundheitsversorgung im Sinne der
Wirtschaft europaweit zu vereinheitlichen oder
Behandlungsstandards zu nivellieren, seien damit nicht zu
vereinbaren. „Solchen Übergriffen werden wir uns auch in Zukunft
entschieden entgegenstellen“, so Reinhardt.

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11.09.2019 FAU-Forscher für Deutschen Zukunftspreis nominiert
uni | mediendienst | aktuell Nr. 112/2019

Neuroradiologe Prof. Dr. Arnd Dörfler entwickelt Ultra-Hochfeld-Magnetresonanztomographen von Siemens Healthineers mit

Prof. Dr. Arnd Dörfler, Leiter der Neuroradiologie am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist für den Deutschen Zukunftspreis 2019 nominiert worden. Im für die Auszeichnung vorgeschlagenen Dreierteam mit Siemens-Healthineers-Mitarbeiterin Dr. Christina Triantafyllou und dem Heidelberger MR-Physiker Prof. Dr. Mark E. Ladd repräsentiert Dörfler die klinische Forschung. Bereits die Nominierung würdigt die bahnbrechenden Forschungs- und Entwicklungsleistungen der Wissenschaftlerin und der beiden Wissenschaftler: Sie erzielten mit der Entwicklung des ersten für die klinische Nutzung zugelassenen Ultra-Hochfeld-MRT einen weltweiten Durchbruch für die Präzisionsmedizin. Damit kann künftig selbst Patientinnen und Patienten mit winzigen krankhaften Strukturveränderungen im Gehirn – bis dahin in der Bildgebung kaum sichtbar – wirkungsvoll geholfen werden. Die Jury trifft ihre Entscheidung am 27. November, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht den Deutschen Zukunftspreis 2019 am selben Abend noch in Berlin.

Multiple Sklerose (MS) und Epilepsie gehören zu den häufigsten neurologischen Krankheiten. Allein in Deutschland leiden mehr als 200.000 junge Erwachsene an MS, von Epilepsie sind sogar rund eine halbe Million Menschen betroffen. Gerade bei MS-Betroffenen sind frühzeitige Diagnose und schneller Therapiebeginn von großer Bedeutung, um eine spätere Behinderung zu verzögern oder ganz zu verhindern. Aber auch bei Epilepsie ist es bei ausgewählten Patientinnen und Patienten für eine gezielte Behandlung essenziell, Epilepsieherde präzise zu identifizieren, um chirurgische Eingriffe genauer zu planen. Doch im Frühstadium solcher Erkrankungen sind die Veränderungen im Gehirn häufig noch nicht so ausgeprägt, dass sie mit den klinisch etablierten MRT-Systemen bei geringeren Feldstärken diagnostiziert werden könnten. Bis zur Diagnose und zum Therapiebeginn vergeht daher oft wertvolle Zeit.

Mit dem Ultra-Hochfeld-MRT des Magnetom Terra von Siemens Healthineers gelingt es nun, durch einen deutlich höheren Kontrast und Detailgrad in der Bildgebung selbst winzige Veränderungen im Submillimeterbereich darzustellen. Darüber hinaus kann das Gerät durch innovative metabolische und funktionelle Bildgebungstechnologien sogar krankhafte Veränderungen auf Stoffwechselebene sichtbar machen, die in der strukturellen Bildgebung gar nicht zu sehen sind.

Der Grund: Für Magnetom Terra wurde eigens ein neuartiger aktiv abgeschirmter Magnet entwickelt, der mit einer Feldstärke von 7 Tesla operiert – etwa dem 140.000-fachen des Erdmagnetfeldes. Trotzdem ist das Gerät bei höherer Leistungsfähigkeit nur halb so schwer wie die Magnete der bisherigen Forschungssysteme und kann so leichter transportiert und einfacher in die bestehende Infrastruktur von Kliniken integriert werden.

Für die Entwicklung einer solchen Hochleistungsmaschine ist es unerlässlich, neben Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie MR-Physikerinnen und -Physikern von Anfang an die Medizin und die klinische Forschung mit einzubeziehen. Das interdisziplinäre Team am Universitätsklinikum Erlangen um den Neuroradiologen Arnd Dörfler und den Radiologen Prof. Dr. Michael Uder, Direktor des Radiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen, war daher bereits in der Entwicklungsphase eine der treibenden Kräfte für diesen gelungenen Technologietransfer. „Der klinische Aspekt ist einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren“, erklärt Prof. Dörfler. „Seit dem Beginn der Forschungspartnerschaft mit Siemens Healthineers im Jahr 2015 steht das Gerät direkt bei uns im Klinikum. So konnte es schon in der Entwicklungsphase am Menschen genutzt werden und liefert für unsere Patienten einen erheblichen klinischen Mehrwert. Dank des erfolgreichen Einsatzes an einer so hohen Zahl von Probanden und Patienten konnte Siemens Healthineers auf Basis der Erlanger Daten bereits im August 2017 die klinische Zulassung für Neurobildgebung und muskuloskelletales Imaging erlangen – weltweit ein Novum.“ Und Prof. Uder ergänzt: „Wir arbeiten im Moment daran, unsere Erkenntnisse auf andere Anwendungsgebiete zu übertragen. Ziel ist auch hier, zusammen mit den Ingenieurinnen und Ingenieuren von Siemens Healthineers eine klinische Zulassung für weitere Organsysteme zu ermöglichen. Dabei liegt unser Fokus nicht nur auf der Darstellung der Morphologie sondern insbesondere auch auf der Untersuchung funktioneller Aspekte.“

Aus Dörflers Sicht steht gerade dieser translationale Ansatz – also die unmittelbare Kombination von Entwicklung, Forschung und dem Einsatz am Patienten – für den Erfolg: „Für uns ist die 7-Tesla-MRT auch aus wissenschaftlicher Perspektive ganz entscheidend. Man kann mit so einem Ultra-Hochfeld-MRT nicht einfach loslegen wie wenn man etwa in einen Neuwagen einsteigt und losfährt. Ähnlich wie in der Formel 1 verlangt so ein Gerät permanente Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Insofern stehe ich im Team der Nominierten nur stellvertretend für die Leistung, die viele Forscher und Mediziner an der FAU und am Universitätsklinikum Erlangen gemeinsam erbracht haben – angefangen bei meinem radiologischen Kollegen Michael Uder und vielen klinischen Kooperationspartnern bis hin zu unserer leistungsstarken MR-Physik, repräsentiert durch die FAU-Professoren Armin Nagel, Frederik Laun und Moritz Zaiss. Auch wäre diese Erfolgsgeschichte ohne die stetige Unterstützung der Direktion des Universitätsklinikums, des Dekans der Medizinischen Fakultät und des FAU-Präsidenten nicht möglich.“

Über die Nominierung eines FAU-Forschers für den Deutschen Zukunftspreis 2019 freut sich ganz besonders auch FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger: „Ich bin unglaublich stolz darauf, dass nach der Nominierung unseres Forscherteams um Peter Wasserscheid, Wolfgang Arlt und Daniel Teichmann im vergangenen Jahr nun 2019 ein weiterer Wissenschaftler unserer FAU für den Deutschen Zukunftspreis vorgeschlagen ist. Dieser Erfolg zeigt einmal mehr, dass die FAU die Auszeichnung als innovationsstärkste Universität in Deutschland zu Recht trägt. Denn der Zukunftspreis würdigt ja vor allem die Übersetzung von Forschungsleistung in die Anwendung – und damit den Beitrag, den die Universität zum gesellschaftlichen Fortschritt und vor allem zum Wohl der Menschen in diesem Land – und darüber hinaus – leistet.“

Die Partnerschaft zwischen Siemens Healthineers, FAU und Universitätsklinikum Erlangen zur Grundlagen- und Methodenforschung auf dem Gebiet der Ultrahochfeld-MRT soll in den kommenden Jahren intensiv fortgeführt werden. Dank der Dual-Mode-Funktionalität kann der Nutzer oder die Nutzerin am Gerät unmittelbar zwischen klinischer Nutzung und Forschungsanwendung wechseln. Damit bietet das System die ideale Plattform für eine translationale Forschung – neueste Forschungsergebnisse können somit auch künftig zeitnah den Patientinnen und Patienten zugutekommen.

Der Deutsche Zukunftspreis wurde 1997 vom damaligen Bundespräsidenten Prof. Dr. Roman Herzog ins Leben gerufen und gilt seither als Symbol für die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit und Innovationskraft Deutschlands. Zu den wichtigsten Auswahlkriterien der Jury gehören, neben der Forschungsleistung, auch die Patent- und Marktfähigkeit der Entwicklung.

Bildmaterial steht zum Download bereit unter:

https://www.fau.de/2019/09/header/fau-forscher-fuer-deutschen-zukunftspreis-nominiert/

Informationen zum Deutschen Zukunftspreis finden Sie unter:
https://www.deutscher-zukunftspreis.de/de

Weitere Informationen:

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11.09.2019 Suizid bei Jugendlichen verhindern
uni | mediendienst | forschung Nr. 60/2019

Die weltweit zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen zwischen 15 und 29 Jahren ist die Selbsttötung. Jährlich nehmen sich in Deutschland rund 500 junge Menschen das Leben, was neun Prozent aller Todesfälle entspricht. Und auf jeden Suizid kommen noch einmal zwischen zehn und 20 Suizidversuche. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben jetzt das Online-Suizidpräventionsprogramm [U25] des Caritasverbands evaluiert und legen Zwischenergebnisse vor. Demnach hat sich aufgrund der besonderen Form der Beratung durch junge Menschen, die selbst maximal 25 Jahre alt sind, die allgemeine Situation bei 47 Prozent der Jugendlichen in Lebenskrisen verbessert; die Suizidgefährdung wurde signifikant reduziert.

 
Noch bis Herbst 2020 wird das FAU-Projekt, das seit 2017 läuft, vom Bundesgesundheitsministerium gefördert. Projektpartner ist der Deutsche Caritasverband. Als nächstes plant das Forschungsteam die repräsentative Befragung aller [U25]-Beraterinnen und -Berater in Deutschland.
 
Link zur ausführlichen Pressemeldung:
 
Link zum Beratungsangebot:
 
Link zur Projektseite:
 
Weitere Informationen:
Dr. Anja Hildebrand, Tel.: 09131/85-64016, anja.hildebrand@fau.de
Dr. Maren Weiss, Tel.: 09131/85-64015, maren.weiss@fau.de
 
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10.09.2019 Das Ziel vor Augen: den Gipfel des Kilimandscharo und den Krebs bezwingen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 111/2019

Erlanger Kinderonkologe will leukämiekranken Kindern und Jugendlichen mit einer besonderen Aktion helfen und bittet um Unterstützung

Im Oktober 2019 besteigt der 18-jährige Yunus den Kilimandscharo in Tansania. An seiner Seite: Mutter Cornelia, Schwester Ayla und sein Arzt Prof. Dr. Markus Metzler, Leiter der Kinderonkologie der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen. Dass Yunus den Weg auf den 5.895 Meter hohen Gipfel überhaupt antreten kann, verdankt er seinem Mut, wirksamen Medikamenten und den Erlanger Kinderonkologen. Yunus litt schon mit 12 Jahren an der chronischen myeloischen Leukämie (CML) – einer Form des Blutkrebses. Heute geht es dem Teenager wieder gut. „Damit auch andere Kinder und Jugendliche diese Chance auf Heilung bekommen, sammeln wir ab sofort Spenden für die Erforschung der CML, für die Vernetzung von Ärzten und Wissen und für eine bessere Therapie“, erklärt Prof. Metzler. Die Besteigung des Kilimandscharo vom 26. Oktober bis zum 3. November 2019 soll für die Spendenaktion werben und zeigen, wie leistungsstark Yunus und andere ehemalige CML-Patienten heute sind. Mit Prof. Metzler nehmen an der Tour 25 internationale CML-Forscher und -Ärzte sowie Patienten teil, die sich austauschen und eng vernetzen wollen.

„Wenn du den Gipfel erklimmen kannst, dann kannst du auch CML heilen!“ – mit dieser Überzeugung im Gepäck treten Markus Metzler, Yunus und seine Familie im Oktober die Tour zum höchsten Gipfel Afrikas an. Auf seinem Weg wird das Team fünf Klimazonen durchqueren und innerhalb von sieben Tagen über 4.000 Höhenmeter überwinden. „Wir machen damit auf unsere Herzensangelegenheit aufmerksam: darauf, dass wir CML heute weltweit mit guter Diagnostik und modernen Medikamenten erfolgreich bekämpfen können, wenn wir über uns hinauswachsen und unsere Komfortzone verlassen“, sagt Prof. Metzler. Seit Wochen bereitet sich der Kinderonkologe auf die Bergbesteigung vor, macht Höhentouren, geht regelmäßig joggen und fährt viel Rad. Yunus trainierte in den vergangenen Tagen unter anderem bei der Albstadt-Challenge auf der Schwäbischen Alb: Er, seine Mutter und seine Schwester liefen dort je 60 Kilometer und 1.500 Höhenmeter –  14 Stunden am Stück. „Yunus ist heute wieder mehr als fit“, sagt seine Mutter Dr. Cornelia Borowczak.

Die Spendenaktion „Klettern für Heilung“ („Climb for a Cure“) wird von der internationalen Stiftung Chronic Myeloid Leukemia Foundation (iCMLf) organisiert, die 2019 ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Die Spendengelder, die Prof. Metzler darüber hinaus einwirbt, verwaltet die Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen. Jeder gespendete Euro fließt ganz konkret in die Erforschung der Diagnostik und der Therapie von CML bei Kindern und Jugendlichen, in die CML-Behandlung am Uni-Klinikum Erlangen, in neue genetische Tests, altersgerechtes Informationsmaterial und in die psychologische Begleitung betroffener Familien. Neue Forschungsergebnisse werden der internationalen Stiftung und ihrem weltweiten Ärzte- und Forschernetzwerk zur Verfügung gestellt.

Eine Krankheit – verschiedene Gesichter

Die CML ist bei Kindern und Jugendlichen sehr selten. Sie macht nur zwei Prozent aller Leukämien bei Kindern unter 15 Jahren aus, und nur neun Prozent aller Leukämien bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren. Bislang müssen sich Ärzte auf die Therapieempfehlungen für Erwachsene stützen. „Es hat sich aber gezeigt, dass sich CML bei Kindern anders äußert“, erklärt Markus Metzler. „Wir sehen bei jungen Patienten Unterschiede beim Krankheitsbeginn und im Verlauf. Die Krankheit ist häufig viel aggressiver als bei Erwachsenen und Kinder reagieren ganz anders auf die Behandlung.“

Neue Medikamente und neue Herausforderungen

Lange galt eine Stammzelltransplantation als einzige heilende Therapie bei CML. Dabei erhält der Leukämiepatient eine Infusion mit gesunden Blutstammzellen aus dem Knochenmark oder aus dem Blut eines passenden Spenders. Diese Stammzellen wandern in das Knochenmark des Patienten und bilden dort neue gesunde Blutzellen. „Aber eine Stammzelltransplantation ist riskant und belastend. Es besteht die Gefahr, dass die fremden Zellen abgestoßen werden oder dass sie sich gegen den Empfänger richten“, weiß Prof. Metzler.

Neue Medikamente – sogenannte Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) – haben die Therapiestandards revolutioniert: TKI sind heute für erwachsene CML-Patienten die erste Wahl, und auch bei Kindern und Jugendlichen sprechen diese Medikamente gut an. Mit TKI können Patienten die Remission erreichen, also den Rückzug der Krankheit – die funktionelle Heilung. Das heißt: Im Blut sind dann vorerst keine Leukämiezellen mehr nachweisbar. „Eine Stammzelltransplantation sollte die letzte Option bleiben“, rät Markus Metzler. „Für junge Menschen bedeutet das aber auch: eine jahrzehntelange Medikamenteneinnahme. Deshalb müssen wir noch besser verstehen, wem wir trotzdem eine Transplantation anbieten sollten und bei welchen Patienten wir die medikamentöse Therapie unter bestimmten Voraussetzungen nach mehreren Jahren sicher beenden können.“

Onkologen behandeln die CML heute mit verschiedenen TKI. Bei Kindern stehen sie dabei vor neuen Herausforderungen. Prof. Metzler gibt einige Beispiele: „Junge Patienten zeigen andere Nebenwirkungen als Erwachsene. Manche Medikamente beeinträchtigen zum Beispiel den Knochenstoffwechsel und das Wachstum, sodass wir häufig die übliche Behandlung wechseln und für den Einzelfall anpassen müssen. Es spielen auch Faktoren wie die Therapietreue eine Rolle – also: Wie zuverlässig nimmt zum Beispiel ein Teenager seine Medikamente ein? Oder: Wie reagiert der Körper eines jungen Menschen, wenn wir das Medikament irgendwann wieder absetzen? Die Datenlage im pädiatrischen Bereich ist noch sehr spärlich und wir haben hier noch viel Forschungsarbeit zu leisten“, so der Kinderonkologe.

Lea (12) – kleine Tablette statt Knochenmarktransplantation

Prof. Metzler übernahm 2018 die Leitung der Studiengruppe für Kinder und Jugendliche mit CML aus ganz Deutschland. Mehr als 100 junge CML-Patienten werden von Erlangen aus mitbetreut und beraten. Auch Lea bekam 2016 die Diagnose Leukämie und ihre Ärzte rieten ihr zu einer Knochenmarktransplantation. Die damals Neunjährige und ihre Eltern hatten Angst vor dem großen Eingriff und wendeten sich an die Kinderonkologie des Uni-Klinikums Erlangen.

„Es war der 22. September 2016, als Prof. Metzler unserer Tochter Knochenmark entnahm und untersuchte – der Welt-CML-Tag“, erinnert sich Leas Vater, Darko Jankovic. Der „22.9.“ weist jährlich auf den genetischen Auslöser für die CML hin: die veränderten Chromosomen 22 und 9, die dazu führen, dass sich die weißen Blutzellen bösartig verändern und unkontrolliert vermehren. Nach und nach verdrängen diese Leukämiezellen dann die gesunden Blutzellen und es entsteht ein Mangel an Blutplättchen und funktionsfähigen weißen Blutzellen. „Wenige Stunden nach der Entnahme sagte uns Prof. Metzler, er sei sich zu 99,6 Prozent sicher, dass Lea CML hat – und keine Knochenmarktransplantation braucht.“ Im darauffolgenden Sommer hatten die Erlanger Kinderonkologen mit Medikamenten bereits die Remission der Krankheit erreicht – trotz eines extremen Ausgangsbefunds. Täglich nimmt die Zwölfjährige heute eine kleine Tablette ein. „Die vergisst sie nie“, versichert ihr Vater. „Und damit geht es ihr so gut, dass man nicht denken würde, dass sie jemals krank war.“ Prof. Metzler erklärt: „Die meisten Patienten mit CML sprechen zunächst gut auf die Behandlung an. Die unerwünschten Wirkungen der Therapie sind aber oft ein Problem – besonders bei jungen Patienten, die noch wachsen. Jetzt kümmern wir uns darum, dass wir für Lea mittelfristig eine optimale Kontrolle ihrer Erkrankung erreichen. Unser langfristiges Ziel ist es, dass sie ihr Medikament irgendwann ganz absetzen kann und gesund bleibt.“

Weitere Forschung und Hilfe nur mit Spenden möglich

Wer junge Patienten des Uni-Klinikums Erlangen, wie Lea und Yunus, ganz direkt unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende für die Aktion „Klettern für Heilung“ an die Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen tun.

Spendenkonto:
Forschungsstiftung Medizin
Bank: Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach
Verwendungszweck: Klettern für Heilung
IBAN: DE69 7635 0000 0000 0620 00
BIC: BYLADEM1ERH

Website der Aktion „Klettern für Heilung“: www.kletternfürheilung.de

Weitere Informationen:
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10.09.2019 em Geheimnis der Gallensteine auf der Spur - Mechanismen der Gallensteinbildung entschlüsselt
uni | mediendienst | forschung Nr. 59/2019

Gallensteine kommen häufig vor und können Koliken sowie Entzündungen im Bauchraum hervorrufen. Wie die Steine im Körper entstehen, war allerdings bisher unbekannt. Das Geheimnis der Gallensteine wurde nun von einem Forschungsteam der Medizinischen Kliniken 1 und 3 am Universitätsklinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gelüftet. Die Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift Immunity veröffentlicht*.

Das Team um Dr. Louis Munoz, Sebastian Böltz und Prof. Dr. Martin Herrmann von der Medizinischen Klinik 3, die im Sonderforschungsbereich 1181 sowie im Deutschen Zentrum für Immuntherapie (DZI) zusammenarbeiten und dabei von einem Team um Dr. Moritz Leppkes und Prof. Dr. Markus F. Neurath, Medizinische Klinik 1 der FAU, unterstützt wurden, hat herausgefunden, dass alle Gallensteine von Spuren einer speziellen Form der weißen Blutkörperchen – den neutrophilen Granulozyten – übersäht sind. Diese Zellen gelten als erste Abwehrfront des Körpers, sie schlagen nicht nur auf Bakterien und anderen Keime an, sondern erkennen auch Kristalle als Gefahr. Beim Versuch diese aufzunehmen, sterben sie und stülpen ihre Erbsubstanz wie ein Netz über die Kristalle. Diese Netze – englisch NETs für Neutrophil Extracellular Traps – winden sich um die Kristalle, verklumpen diese und lassen so Steine entstehen, die manchmal erstaunliche Ausmaße annehmen können.

* DOI: https://doi.org/10.1016/j.immuni.2019.07.002
Link zur ausführlichen Pressemitteilung:
https://www.fau.de/2019/09/news/wissenschaft/dem-geheimnis-der-gallensteine-auf-der-spur/


Weitere Informationen:
Dr. Luis Munoz, Tel.: 09131/85-36990, luis.munoz@uk-erlangen.de

06.09.2019 Bundesärztekammer aktualisiert Informationsliste zu Schwangerschaftsabbrüchen
Pressestelle der Dt. Ärzteschaft

Berlin, 06.09.2019 – Die Bundesärztekammer hat die von ihr im gesetzlichen Auftrag geführte Informationsliste zu Schwangerschaftsabbrüchen nach § 13 Abs. 3 Schwangerschaftskonfliktge-
setz aktualisiert. Die Liste mit Ärzten, Krankenhäusern und Einrichtungen, die Schwangerschafts-abbrüche unter den Voraussetzungen des § 218a Absatz 1 bis 3 Strafgesetzbuch durchführen,
befindet sich seit dem Start des Registrierungsverfahrens am 29. Juli 2019 im Aufbau. Sie wird in einem work-in-progress-Verfahren kontinuierlich erweitert. Mit der Liste ermöglicht der Gesetzgeber, dass Ärzte, Krankenhäuser und Einrichtungen über Leistungen zum Schwangerschaftsabbruch informieren können, ohne Gefahr zu laufen, gegen strafrechtliche Vorgaben zu verstoßen.

Gut fünf Wochen nach dem Start des Registrierungsverfahrens hat sich die Zahl der Ärzte und Einrichtungen auf der Liste weit mehr als verdoppelt und liegt aktuell bei 215 Einträgen aus allen Bundesländern. Darunter befinden sich neben ambulanten Einrichtungen auch Kliniken, die entsprechende Eingriffe vornehmen. Zahlreiche weitere Anträge auf Eintrag in die Liste durchlaufen
derzeit das Verifizierungsverfahren und werden in der nächsten Aktualisierungsrunde ergänzt.

Um den Aufbau der Liste weiter zu beschleunigen, informiert die Bundesärztekammer kontinuierlich über die Liste und das Anmeldeprozedere. Abgerufen werden kann die Liste auf der Internetsei-
te der Bundesärztekammer (siehe Links und Kontaktmail unten). Dort findet sich auch eine Suchfunktion nach Postleitzahlen und Orten. Die Liste wird außerdem von der Bundeszentrale für ge-
sundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlicht.

Die Aufnahme in die Liste ist freiwillig und kann von Ärzten und Einrichtungen, die Schwangerschafts-abbrüche unter den Voraussetzungen des § 218a Absatz 1 bis 3 Strafgesetzbuch durchführen,
auf der Internetseite der Bundesärztekammer beantragt werden. Die Registrierung nimmt etwa drei Minuten in Anspruch. Ein mehrstufiger Verifizierungsprozess gewährleistet die Sicherheit
und Korrektheit der Angaben.

Hintergrund: Mit dem am 29. März 2019 in Kraft getretenen Gesetz zur Verbesserung der Information über einen Schwangerschaftsabbruch wurde das Schwangerschaftskonfliktgesetz in § 13
ergänzt. So soll die Bundesärztekammer (BÄK) eine Liste der Ärztinnen und Ärzte sowie der Krankenhäuser und Einrichtungen führen, die ihr mitgeteilt haben, dass sie Schwangerschaftsabbrü-
che unter den Voraussetzungen des § 218a Absatz 1 bis 3 des Strafgesetzbuches durchführen. Diese Liste kann auch Angaben über die jeweils angewendeten Methoden zur Durchführung eines
Schwangerschaftsabbruchs enthalten, soweit der BÄK diese mitgeteilt werden.

Informationen zur Liste nach § 13 Abs. 3 Schwangerschaftskonflikt-
gesetz:
https://www.baek.de/aerzte/versorgung/schwangerschaftsabbruch/
Liste mit Suchfunktion nach Postleitzahlen und Orten:
https://liste.bundesaerztekammer.de/suche
Registrierung für die Liste:
https://liste.baek.de

Allgemeine Fragen zu der Liste können über die Mailadresse
liste@baek.de an die Bundesärztekammer gerichtet werden.

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

05.09.2019 Die Zunge stimulieren Kleines Implantat verhindert Atemaussetzer im Schlaf – Erlanger HNO-Ärzte bieten Komplettversorgung an
ni | mediendienst | aktuell Nr. 108/2019

Schnarchen beeinträchtigt den Schlaf – hauptsächlich den der anderen. Setzt der Atem aber dabei länger aus, wird es auch für den Schnarcher selbst gefährlich: Obstruktive Schlafapnoe (OSA) nennt sich das Phänomen, wenn während des Schlafens die Atmung kurz stillsteht, weil die Muskulatur der oberen Atemwege erschlafft. Atemmasken oder Unterkieferschienen können helfen. Werden die aber nicht vertragen oder bringen sie keinen Erfolg, kommt seit Kurzem auch ein Zungenschrittmacher infrage: ein kleines Gerät, das den Zungenmuskel stimuliert und so die Atemluft wieder fließen lässt. Die Operateure der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro) des Universitätsklinikums Erlangen implantieren diese Zungenschrittmacher und bieten Patienten eine Komplettversorgung aus einer Hand: von der Diagnose über die OP bis hin zur Nachsorge.

„Die OSA ist die häufigste nächtliche Atmungsstörung“, erklärt der geschäftsführende Oberarzt PD Dr. Maximilian Traxdorf von der Erlanger HNO-Klinik. Am häufigsten betroffen sind Männer, Ältere, Übergewichtige und Menschen, die rauchen, Alkohol oder Beruhigungsmittel konsumieren. Bei der OSA setzt die Atmung zehn Sekunden bis eine Minute lang aus, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt und der Betroffene wacht immer wieder kurz auf. „Manchmal kann es schon helfen, die Schlafposition zu ändern, sein Gewicht zu reduzieren und vor dem Schlafen keinen Alkohol zu trinken. Bei leichten bis mittelgradigen Fällen können zum Beispiel Unterkieferprotrusionsschienen zum Einsatz kommen – sie verlagern den Unterkiefer nach vorn und halten so den Atemweg offen. Der Goldstandard in der Therapie der OSA sind aber spezielle Atemmasken“, sagt Maximilian Traxdorf. Diese CPAP-Masken (continous positive airway pressure) erzeugen einen kontinuierlichen leichten Überdruck und halten so die Atemwege frei. „Sie werden aber nicht von jedem Patienten vertragen, eignen sich nicht für jede Anatomie und bringen auch nicht immer den gewünschten Erfolg“, schränkt PD Dr. Traxdorf ein.

Ein Zungenschrittmacher als kleiner Helfer

Bei einer mittelgradigen bis schweren OSA mit 15 bis 65 Atemaussetzern pro Stunde kommt dann auch eine Atemwegsstimulation infrage: Nur drei kleine Schnitte an Hals und Brustkorb sind nötig, um einen Impulsgenerator (Schrittmacher) in einer kleinen Hauttasche unterhalb des Schlüsselbeins zu implantieren. Das Prinzip ist mit dem eines Herzschrittmachers vergleichbar. Zum Zungenschrittmacher gehören ein Atemsensor und eine Stimulationselektrode. Der Sensor misst kontinuierlich den Atemrhythmus der Lunge und gibt ein entsprechendes Signal an den Impulsgenerator weiter. Dieser aktiviert die Stimulationselektrode am Zungennerv. Die Elektrode stimuliert schließlich den Zungenmuskel und verhindert, dass die Zunge und das umliegende Gewebe während des Schlafens in den oberen Atemweg zurückfallen und diesen blockieren. Dank dieses Systems bleibt der Atemweg frei und die Luft kann die ganze Nacht ungehindert ein- und ausströmen.

Den Schrittmacher schaltet der Patient vor dem Schlafengehen mit einer kleinen Fernbedienung ein – und nach dem Aufstehen wieder aus. Die Batterie hält acht bis elf Jahre lang, dann muss sie im Rahmen einer kleinen OP ausgetauscht werden. „Der Zungenschrittmacher reduziert Atemaussetzer oder verhindert sie sogar. Das führt zu weniger Schnarchen, weniger nächtlichen Wachphasen und weniger Müdigkeit am nächsten Tag, und auch andere Begleiterscheinungen der OSA werden minimiert – etwa Bluthochdruck, Kopfschmerzen oder depressive Verstimmtheit“, erklärt Maximilian Traxdorf. „In unserem Schlaflabor beraten wir jeden Patienten zu möglichen Therapien und dazu, ob ein Zungenschrittmacher aus schlafmedizinischer Sicht eventuell auch für ihn infrage käme.“

Weitere Informationen:
PD Dr. Maximilian Traxdorf
Tel.: 09131 85-36882
maximilian.traxdorf@uk-erlangen.de

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04.09.2019 Reform der Notfallversorgung – Schnellere Hilfe im Notfall?
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Notaufnahmen in den Krankenhäusern sind häufig überlaufen. Doch das aktuelle Diskussionspapier des Bundesgesundheitsministers dazu schaffe faktisch eine dritte Versorgungsebene, deren Inanspruchnahme durch die Bevölkerung in unbegrenzter Weise angeboten werde, prognostiziert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Leitartikel der Septemberausgabe des Bayerischen Ärzteblatts: „Der Entwurf zeigt meines Erachtens deutlich, wo sich das Denkmodell des Sachverständigenrates, dem der Vorschlag folgt, und die (künftige) Realität nicht zur Deckung bringen lassen werden: Im Verhalten des Patienten.“

Die Schaffung einer neuen Versorgungsebene werde das Problem nicht lösen. Der system- und problemadäquate Ansatz sei und bleibe die Kooperation der beiden Sektoren in sektorenverbindenden Einrichtungen, wie schon in Bayern und Baden-Württemberg erfolgt, wo an geeigneten Kliniken sogenannte Bereitschaftspraxen etabliert wurden, welche zu einer Entlastung der Notaufnahmen führten. „Der Notfallpatient, der nicht der stationären Krankenhausaufnahme bedarf, ist ein ambulanter Patient, der sachgerecht in der Praxis des niedergelassenen Arztes bzw. der von seiner Kassenärztlichen Vereinigung für die sprechstundenfreien Zeiten eingerichteten Bereitschaftspraxis zu versorgen ist“, so Quitterer.

„Die hohe Bedeutung eines, qualifizierten, standardisierten und softwaregestützten Ersteinschätzungsverfahrens‘ für die sachgerechte Einschätzung eines Notfallpatienten sehe auch ich“, führt Bayerns Kammer-Chef aus. Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Vereinigung (ZI) habe dafür eine Standardisierte medizinische Ersteinschätzung Deutschland (SmED) entwickelt, die in einem breiten Konsens der beteiligten Experten im medizinischen Beirat künftig zur Anwendung im Notfalldienst kommen könne. Im SmED-Beirat sei hohe Kompetenz und Praxiskenntnis vorhanden und „die Politik ist eingeladen, sich von der Qualität der dort schon geleisteten Arbeit zu überzeugen, bevor der hier deutlich sachferne Gemeinsame Bundesausschuss als der ohnehin schon überlastete ‚Alleskönner‘ einen neuen Auftrag bekommt“, so Quitterer wörtlich.

Mehr zu „Reform der Notfallversorgung – Schnellere Hilfe im Notfall?“ lesen Sie in der Septemberausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

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30.08.2019 Magnetenzephalografie macht Epilepsieoperationen erfolgreicher Studie zeigt: MEG optimiert OP-Planung und -Ergebnis
uni | mediendienst | forschung Nr. 58/2019

Eine neue Studie des Epilepsiezentrums (Sprecher: Prof. Dr. Hajo Hamer) der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab) und der Neurochirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Buchfelder) des Universitätsklinikums Erlangen beweist: Dank der Magnetenzephalografie (MEG) erzielen Epilepsiechirurgen bei Operationen deutlich bessere Ergebnisse für ihre Patienten. Die Studie unter Federführung von PD Dr. Stefan Rampp wurde jetzt im Fachmagazin „Brain – A Journal of Neurology“ veröffentlicht. Sie ist die weltweit größte Forschungsarbeit zu dem Thema, mit dem bisher längsten Untersuchungszeitraum.
 
Für ihre retrospektive Studie haben die Erlanger Forscher 1.000 Patienten aus einem Zeitraum von 28 Jahren untersucht. Sie alle hatten in den Jahren zwischen 1990 und 2018 am Epilepsiezentrum des Uni-Klinikums Erlangen eine MEG-Diagnostik erhalten; 405 Patienten unterzogen sich anschließend einer epilepsiechirurgischen Operation. Die langfristigen Effekte der MEG-Diagnostik wurden bei den Probanden mitunter bis zu 20 Jahre lang nachverfolgt.
 
Epilepsieherde identifizieren
Fokale Epilepsieanfälle gehen von umschriebenen Bereichen des Gehirns aus. Mit der richtigen Diagnostik können Anfallsherde in vielen Fällen von gesundem Gewebe abgegrenzt werden. Bei 30 Prozent der Betroffenen mit fokaler Epilepsie helfen Medikamente allerdings nicht oder nur unzureichend. Das Ziel von Epilepsiechirurgen ist es deshalb, bei diesen Patienten die Anfallsherde im Gehirn operativ zu entfernen. So kann den Betroffenen oft ein beschwerdefreies Leben ermöglicht werden. Um Epilepsieherde zu lokalisieren, nutzen Ärzte neben Verfahren wie der EEG (Elektroenzephalografie) auch die Magnetenzephalografie (MEG): Die aktiven Nervenzellen des Gehirns erzeugen magnetische Signale. Diese lassen sich in Kurven darstellen – bei Epilepsiepatienten sind diese charakteristisch. Mithilfe der MEG-Kurven lassen sich so diejenigen Areale im Gehirn ausfindig machen, von denen epileptische Anfälle ausgehen oder die an den Anfällen beteiligt sind (Lokalisation). Damit ist die MEG, auch Biomagnetismus genannt, ein wichtiges Instrument in der OP-Planung. Das Epilepsiezentrum des Uni-Klinikums Erlangen verfügt über ein eigenes MEG-Gerät. Der Patient liegt oder sitzt bequem darin, es arbeitet schonend, nicht-invasiv und ohne jede Strahlenbelastung.
 
Um das gefundene Epilepsieareal in einem 3-D-Bild des Gehirns zu verorten, kombinieren die Ärzte des Erlanger Epilepsiezentrums die MEG mit den Schichtbildern der Magnetresonanztomografie (MRT). So erhalten sie eine dreidimensionale „Landkarte“ des Gehirns mit genau markierter Epilepsieregion.
 
Signifikant bessere OP-Ergebnisse
Die Auswertung der Langzeitdaten im Rahmen der aktuellen Studie erbrachte nun drei wichtige Nachweise. Stefan Rampp erklärt: „Die MEG-Diagnostik erlaubt es uns erstens, sehr früh und sehr exakt die Patienten ausfindig zu machen, die von einer Epilepsie-OP profitieren werden. Zweitens unterstützt uns die MEG signifikant dabei, die betroffenen Hirnregionen genau zu identifizieren. Und drittens trägt das Verfahren damit zur kurz- und auch langfristigen Anfallsfreiheit nach der OP bei.“
 
Laut den Untersuchungsergebnissen liefert die MEG insbesondere dann sehr gute Resultate, wenn die Epilepsieherde außerhalb des Temporallappens des Gehirns liegen (extratemporal) und wenn keine epileptogenen Läsionen – also krankhaften Veränderungen im Gehirn –  festzustellen sind. Bei der Lokalisation des Anfallsherdes kann die MEG andere präoperative Diagnostikverfahren wie die EEG sinnvoll ergänzen und Hinweise auf Anfallsareale liefern, die die anderen Untersuchungsmethoden nicht anzeigen.
 
„In unserem Epilepsiezentrum können wir Patienten nach vorheriger MEG-Diagnostik die neueste und für sie beste Therapie anbieten“, fasst PD Rampp zusammen. „Und als Uni-Klinikum können wir Forschungserkenntnisse wie die aktuellen direkt in die Klinik überführen.“
 
Vollversion der Studie: https://academic.oup.com/brain/advance-article/doi/10.1093/brain/awz231/5543071?searchresult=1
 
Weitere Informationen:
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29.08.2019 Wenn Licht schmerzt - Humboldt-Preisträger Prof. Dr. Alexandru Babes forscht an der FAU zur pathologischen Lichtempfindlichkeit
uni | mediendienst | aktuell Nr. 103/2019

2006 kam er das erste Mal mit einem Humboldt-Forschungsstipendium an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), seither kommt Prof. Dr. Alexandru Babes fast jährlich wieder her, um sich mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auszutauschen. Im Sommer 2019 ist er wieder an der FAU – jetzt mit einem Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Babes forscht zurzeit als Gastwissenschaftler am Institut für Physiologie und Pathophysiologie mit dem Schwerpunkt Sinnesphysiologie. Er

interessiert sich dafür, wie spezielle Nervenendigungen in der Haut und anderen Organen schmerzhafte Reize oder Veränderungen der Umgebungstemperatur erkennen. An der FAU ist er Teil einer Forschungsgruppe, die unter anderem pathologische Lichtempfindlichkeit untersucht. Bei bestimmten genetischen Krankheiten klagen betroffene Menschen über Schmerzen und Juckreiz, wenn ihre Haut Sonnenlicht oder sogar künstlichem Licht ausgesetzt ist. Dies deutet darauf hin, dass ihre schmerzempfindlichen Neuronen durch Licht im UV-Bereich und sogar im sichtbaren Bereich erregt werden. Mit Hilfe von Prof. Dr. Peter Reeh, Senior Fellow of Physiology, arbeitet Babes daran, einige der Mechanismen und Signalwege aufzudecken, die an dieser abnormalen Überempfindlichkeit beteiligt sind.

Über den Preisträger


Dr. Alexandru Babes studierte an der Universität Bukarest Physik im Bachelor und Neurobiologie im Master. In den folgenden Jahren lehrte er dort als Dozent und ab 2002, nach Abschluss seiner Doktorarbeit, als PostDoc. Seit 2008 ist er Professor für Neurobiologie in der Abteilung für Tier-Physiologie und Biophysik an der Universität Bukarest. Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat verschiedene Projekte von Babes gefördert. Im Jahr 2019 hat die Stiftung ihn zum wissenschaftlichen Botschafter der Stiftung in Rumänien ernannt.

Über den Preis

Die Humboldt-Stiftung verleiht jährlich etwa 20 Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreise, die mit je 45.000 Euro dotiert sind. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland können international anerkannte Forscherinnen und Forscher aus dem Ausland nominieren, die vor nicht mehr als 18 Jahren promoviert haben. Die Gewinner kommen nach Deutschland und arbeiten gemeinsam mit Fachkolleginnen und –kollegen an einem Projekt.

Ein ausführliches Interview mit Prof. Babes finden Sie auf der FAU-Webeite: https://www.fau.de/2019/08/news/wissenschaft/prof-alexandru-babes/

Interviews mit weiteren FAU-Humboldtianern gibt es unter diesem Link: https://www.fau.de/alumni/forscher-alumni/forscher-alumni-interviews/

Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU
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23.08.2019 Resistente Malaria bekämpfen – Bindung macht Stark FAU-Wissenschaftler erforschen die Wirkung von Medikamentenhybriden
uni | mediendienst | forschung Nr. 57/2019

Resistente Malaria bekämpfen – Bindung macht Stark
FAU-Wissenschaftler erforschen die Wirkung von Medikamentenhybriden
 
Resistente Malaria-Erreger verbreiten sich zunehmend – Abhilfe könnte eine Behandlung mit Hybridverbindungen aus vorhandenen Medikamenten schaffen. Das haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausgefunden. Ihre Ergebnisse haben sie in „Angewandte Chemie International Edition“ veröffentlicht*.
 
Aufgrund zunehmender Verbreitung von Resistenzen von Malariaerregern gegen einzeln verabreichten Medikamente, wie beispielsweise Chloroquin, empfiehlt  die Weltgesundheitsorganisation (WHO) üblicherweise, Malaria mit einer Kombination aus Artemisinin, das aus der Pflanze Einjähriger Beifuß gewonnen wird, und einem weiteren Malaria-Medikament zu behandeln.
 
Prof. Dr. Svetlana B. Tsogoeva, Professorin für Organische Chemie an der FAU, hat in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen und der China Academy of Chinese Medical Sciences nun festgestellt, dass Hybride aus zwei bereits existierenden Malaria-Medikamenten, welche chemisch gebunden sind, multiresistente Malaria-Parasiten wirksamer und effizienter abtöten als die einzelnen Medikamente oder deren Gabe in Kombination. Die beiden Wirkstoffe, die in einem Hybridmolekül zusammengefügt sind, dringen somit zeitgleich in den Erreger ein. Auf diese Weise können sie sich gleichzeitig an unterschiedliche Zielproteine binden – die Krankheit wird auf zwei Arten zugleich und damit effektiver bekämpft.
 
*DOI: http://dx.doi.org/10.1002/anie.201907224
 
Mehr Informationen zu den Forschungsprojekten von Prof. Tsogoeva:
https://www.chemistry.nat.fau.eu/tsogoeva-group/research/
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Svetlana B. Tsogoeva, Tel.: 09131/85-65573, svetlana.tsogoeva@fau.de
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23.08.2019 Fehler in der Hülle - Zusammenhänge in Zellen aufgedeckt, die Nervenbahnen isolieren
uni | mediendienst | forschung Nr. 57/2019

Schwann-Zellen bilden eine Schutzhülle um Nervenfasern und sorgen für eine schnelle Weiterleitung von Nervenimpulsen. Fehlen sie oder sind sie defekt, kann es zu schweren Nervenerkrankungen kommen. Forscherinnen und Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist es gelungen, einen komplexen Zusammenhang innerhalb der Schwann-Zellen aufzuzeigen, der eine wichtige Rolle für die korrekte Zellreifung spielt. Ihre Ergebnisse haben sie in Nature Communications veröffentlicht*.
 
Nach mehr als 25 Jahren Forschung an diesem Zelltyp sind zwar mittlerweile die meisten Eiweiße und Eiweißkomplexe bekannt, die bei der Entwicklung und Ausreifung von Schwann-Zellen eine Rolle spielen. Jedoch beeinflussen sich die Eiweiße wiederum gegenseitig. Bei der Frage der Zusammenhänge in diesem regulatorischen Netzwerk steht die Forschung noch am Anfang. Der FAU-Forschungsgruppe um Dr. Franziska Fröb und Prof. Dr. Michael Wegner, Lehrstuhl für Biochemie und Pathobiochemie, ist es nun zum ersten Mal gelungen, einen solch komplexen Zusammenhang aufzuklären. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass DNA-Strukturänderungen durch Eiweiße sehr wichtig sind und auch nützlich sein könnten, um in Zukunft Therapien für Erkrankungen des peripheren Nervensystems zu entwickeln“, erklärt Prof. Wegner.
 
* DOI: http://dx.doi.org/10.1038/s41467-019-10287-w
 
Link zur ausführlichen Pressemitteilung:
https://www.fau.de/2019/08/news/wissenschaft/fehler-in-der-huelle/
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Wegner, Tel.: 09131/85-24620, michael.wegner@fau.de
 
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22.08.2019 EU fördert Pankreaskrebsforschung in Erlangen
uni | mediendienst | forschung Nr. 56/2019

Forschungsverbund sucht nach neuen Wegen, Bauchspeicheldrüsenkrebs zu behandeln – EU-Förderung in Höhe von vier Millionen Euro
 
Das vom Universitätsklinikum Erlangen aus koordinierte EU-geförderte Projekt PRECODE (PancREatic Cancer OrganoiDs rEsearch) konzentriert sich darauf, neue Modellsysteme beim Pankreaskarzinom in der Klinik zu etablieren. Ein Verbund von 15 Einrichtungen aus sieben europäischen Nationen will erforschen, wie moderne 3-D-Gewebemodelle zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs genutzt werden können. Das Projekt erhält vier Millionen Euro an EU-Fördergeldern.
 
Die operative Entfernung des Karzinoms ist zurzeit die einzige Behandlung mit Heilungsaussicht beim Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Zusätzlich ist allerdings auch eine Therapie mit krebsabtötenden Medikamenten oder mit Bestrahlungen wünschenswert“, sagt Prof. Dr. Robert Grützmann, Direktor der Chirurgischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Wir wissen aber noch nicht, welches Medikament bei welchem Patienten am besten wirkt. In dem neuen europäischen Forschungsprojekt wollen wir herausfinden, ob sich die Organoidkultur – also kleine Mikroorgane, die im Labor gezüchtet werden – für eine solche Vorhersage eignet.“
Die Organoidkultur ist ein neues Verfahren. Erste Untersuchungen zeigen, dass die Informationen aus diesem Modell sehr gut für solche Vorhersagen verwendet werden können. „Wir Erlanger Forscher und Ärzte hoffen, dass diese Methode in Zukunft auch Patienten am Uni-Klinikum Erlangen angeboten werden kann“, erklärt Projektkoordinator Prof. Dr. Christian Pilarsky. „Das internationale Graduiertenkolleg soll uns aber zunächst weitere Einblicke in dieses Konzept liefern.“
 
Internetseite des Projekts PRECODE: http://www.precode-project.eu
 
Weitere Informationen:
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12.08.2019 Der Herzmuskel auf der Streckbank - Förderung für FAU-Wissenschaftler in der Herzforschung
uni | mediendienst | forschung Nr. 55/2019

Bei Herzkrankheiten, wie Herzinsuffizienz, sinkt die Pumpkraft des Herzmuskels. Dadurch kommt es zu einem erhöhten Restfülldruck im Muskel, der die Zellwände belastet. Die Wissenschaftler Prof. Dr. Oliver Friedrich, Lehrstuhl für Medizinische Biotechnologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), und Prof. Dr. Boris Martinac, Victor Chang Cardiac Research Institute, Sydney, untersuchen nun in einem gemeinsamen Projekt, wie Zellen auf diese Dehnung reagieren, insbesondere wie mechanische Stimuli von Ionenkanälen als Signale für pathologischen Umbau der Herzwand in die Zellen transportiert wird. Das internationale Projekt wird für die nächsten drei Jahre über den CVD (Cardiovascular Disease) Senior Grant mit rund 230.000 Euro gefördert.
 
Die Wissenschaftler erwarten, dass sie mit ihren Ergebnissen Herzkrankheiten besser kontrollieren können. Für die Forschung nutzen sie eine Technologie, die von der Forschungsgruppe an der FAU entwickelt wurde. Die Opto-Biomechatronik-Entwicklung bietet die Möglichkeit, Zellen und Gewebe isotrop zu dehnen und gleichzeitig zu visualisieren. Die System-Technik soll nun weiterentwickelt werden, um den Durchsatz um ein Mehrfaches zu steigern und das Dehnen vieler Test-Kammern mit Zellen zu ermöglichen.
 
Prof. Dr. Oliver Friedrich ist ebenfalls Ehrenmitglied am Victor Chang Cardiac Research Institute, das seit Jahren in intensivem Austausch mit der Forschungsgruppe an der FAU steht.
 
Weitere Information
Prof. Dr. Dr. Oliver Friedrich
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12.08.2019 Entzündungen in 3D Erstmals Entzündungsprozesse in Gelenken mit molekularer Bildgebung räumlich dargestellt
uni | mediendienst | forschung Nr. 54/2019

Die genauen Ursachen für chronisch-entzündliche Gelenkserkrankung wie die rheumatoide Arthritis sind noch nicht vollständig verstanden. Ein Team des Universitätsklinikums Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) um Prof. Gerhard Krönke hat nun einen neuen Ansatz gewählt, um die zugrundeliegenden Mechanismen besser zu verstehen. Mit Hilfe einer eigens entwickelten Technik ist es Stephan Culemann und Dr. Anika Grüneboom aus der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie – erstmals gelungen, entzündete Gelenke transparent und somit für Licht durchsichtig zu machen, um sie mittels dreidimensionaler molekularer Bildgebung zu untersuchen. Die hierdurch gewonnenen Einblicke in die komplexe Funktionsweise unseres Immunsystem wurden im Magazin „Nature“ veröffentlicht*.
 
So zeigte sich unter anderem, dass gesunde Gelenke durch eine sich ständig selbsterneuernde Membran aus speziellen Immunzellen (Makrophagen) ummantelt werden. Während diese Barriere aus Makrophagen unsere Gelenke im Regelfall vor möglichen Attacken des eigenen Immunsystems schützt, versagt bei rheumatoider Arthritis dieser Schutzmechanismus. Hierdurch wandern plötzlich fehlerhaft aktivierte Immunzellen ein, welche letztlich die Gelenksentzündung und -zerstörung verursachen. Während Makrophagen bisher im Verdacht standen zur Gelenksentzündung beizutragen, zeigen die aktuellen Analysen, dass sie eigentlich einen wichtigen anti-entzündlichen Schutzmantel um das Gelenk bilden und Entzündungsreaktionen eindämmen können.
 
*https://www.nature.com/articles/s41586-019-1471-1
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Gerhard Krönke, Tel.: 09131/85-34742, gerhard.kroenke@uk-erlangen.de
 
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07.08.2019 Antikörper aus dem Reagenzglas
uni | mediendienst | aktuell Nr. 97/2019

Humboldt-Forschungspreisträger Prof. Dr. Maxim Berezovski erforscht an der FAU synthetische Antikörper zur Behandlung von Immunkrankheiten

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) begrüßt einen weiteren Humboldtianer in ihren Reihen: Der Biochemiker Prof. Dr. Maxim Berezovski von der University of Ottawa erhält den Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis von der Alexander von Humboldt-Stiftung – und setzt damit seine Forschung zu sogenannten „synthetischen Antikörpern“ an der FAU fort. Das Ziel ist, die Therapie von Autoimmunkrankheiten zu verbessern.

Sie werden oft als „synthetische Antikörper“ bezeichnet: Aptamere, synthetisch hergestellte, kurze einzelsträngige DNA- bzw. RNA-Stränge. Sie binden an Proteine – beispielsweise bakterielle Gifte – oder Viruspartikel ähnlich gut wie Antikörper des Immunsystems. Sie werden daher auch schon als Medikament eingesetzt, unter anderem bei der Makuladegeneration des Auges, die zu Erblindung führen kann. Weltweit führend auf dem Gebiet der Aptamere ist Prof. Dr. Maxim Berezovski. So gelang es ihm unter anderem, Aptamere künstlich so zu verändern, dass diese Zellen, Viren und Proteine spezifisch erkennen.

Synthetische Antikörper regulieren Immunsystem

An der FAU wird Berezovski zusammen mit Prof. Dr. Alexander Steinkasserer von der Immunmodulatorischen Abteilung forschen. Steinkasserer und seine Mitarbeiter untersuchen unter anderem die Eigenschaften eines Moleküls mit dem kryptischen Namen „lösliches CD83“. Dieses Molekül könnte eingesetzt werden, um Autoimmunkrankheiten zu behandeln und die Transplantatabstoßung  zu verhindern. Die FAU-Arbeitsgruppe konnte bereits mit einer biotechnologisch hergestellten Version des sCD83 Moleküls im Tiermodell für die humane Multiple Sklerose Lähmungen hemmen, und in in-vivo Modellen die Abstoßung von Herz-, Haut- und Hornhauttransplantaten verhindern. Ausgelöst wird diese Wirkung, indem sogenannte regulatorische T-Zellen (Tregs) im Körper erzeugt beziehungsweise vermehrt werden. Tregs regulieren das Immunsystem und verhindern dadurch, dass dieses sich gegen den eigenen Körper richtet.

Bisher gibt es jedoch noch keine synthetischen Antikörper, also Aptamere, um Tregs zu modifizieren. Das Ziel von Prof. Steinkasserer und Prof. Berezovski ist es daher, spezifische neutralisierende DNA-Aptamere für CD83 zu entwickeln, die die Generierung von Treg-Zellen anregen, um so Autoimmunkrankheiten zu verhindern und die Abstoßung von Transplantationen zu vermeiden.

Der Forschungspreisträger: Fokus auf biomolekulare Wechselwirkungen

Dr. Maxim Berezovski ist Full Professor an der Fakultät für Chemie der University of Ottawa, wo er das Labor für Bioanalytische und Molekulare Interaktion, die Cellular Imaging and Cytometry Core Facility und die John L. Holmes Mass Spectrometry Facility leitet. Prof. Berezovski erhielt seinen Master in Biochemie im Jahr 1994 von der staatlichen Universität Novosibirsk in Russland. Anschließend arbeitete er sechs Jahre als Geschäftsführer in einem pharmazeutischen Unternehmen in Russland, bevor er an der kanadischen York University in bioanalytischer Chemie promovierte.

Seine Forschung zielt darauf ab, molekulare Prozesse von Krebs und Immunerkrankungen zu verstehen. In seinen Projekten untersucht er grundlegende biomolekulare Wechselwirkungen und überführt dieses Wissen in die Entwicklung neuer Biosensoren und bioanalytischer Methoden.

Der Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis

Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung verleiht jährlich etwa 20 Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreise an international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, von denen erwartet wird, dass sie auch zukünftig ihr Fachgebiet durch herausragende Forschungsleistungen nachhaltig prägen werden. Der Preis ist mit 45.000 Euro dotiert. Die Preisträger können selbst gewählte Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegen für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr durchführen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Alexander Steinkasserer
Tel.: 09131/85-36725
alexander.steinkasserer@uk-erlangen.de
Bildmaterial zum Download gibt es unter:
https://www.fau.de/files/2019/08/20190802_Steinkasserer-Berezovski-Hornegger_Macharowsky5718_web.jpg   

Bildunterschrift: Der Biochemiker Prof. Dr. Maxim Berezovski (Mitte) von der University of Ottawa erhält den Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis von der Alexander von Humboldt-Stiftung. Seine Forschung setzt er nun an der FAU gemeinsam mit Prof. Dr. Alexander Steinkasserer (links), Lehrstuhl für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Leitung Immunmodulatorische Abteilung, fort. FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger hat den neuen Humboldtianer begrüßt. (Bild: FAU/Luisa Macharowsky)

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05.08.2019 Hand in Hand für Früh- und Neugeborene - Kooperation der Erlanger Kinderchirurgie mit Klinik für Kinder und Jugendliche in Hof
uni | mediendienst | aktuell Nr. 96/2019

Voller Vorfreude sehnen werdende Eltern die Geburt ihres Kindes herbei. Macht sich das Kleine allerdings deutlich zu früh auf den Weg oder stellt sich im Kreißsaal heraus, dass es krank ist und sofort operiert werden muss, überwiegt die Angst die Glücksgefühle. Die Tochter oder den Sohn in einer derartigen Ausnahmesituation in guten Händen zu wissen, ist für die Mütter und Väter eine große Hilfe. Die bestmögliche Versorgung Früh- und Neugeborener in Hof (Saale) und Umgebung wird ab sofort durch eine enge Kooperation zwischen der Kinderchirurgischen Abteilung (kommissarischer Leiter: Prof. Dr. Robert Grützmann) des Universitätsklinikums Erlangen und der Klinik für Kinder und Jugendliche (Chefarzt: Dr. Rolf Ponader) des Sana Klinikums Hof sichergestellt. Der jüngst mit Hof unterzeichnete Vertrag beinhaltet unter anderem einen 24-Stunden-Konsiliardienst in Erlangen für Früh- und Neugeborene aus Oberfranken sowie die Zusage, dass ein Erlanger Team im Notfall nach Hof fährt, um vor Ort zu operieren.

„Wir freuen uns sehr, die Hofer Klinik für Kinder und Jugendliche in unserem kinderchirurgischen Verbund begrüßen zu können“, sagte der leitende Erlanger Kinderchirurg Dr. Manuel Besendörfer bei der Vertragsunterzeichnung. Das Sana Klinikum Hof ist als Perinatalzentrum Level 2 vom Gemeinsamen Bundesausschuss gelistet. Gemäß den Richtlinien gewährleistet das Haus rund um die Uhr spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin, die Versorgung durch Hebammen sowie die Behandlung unter Leitung eines Facharztes für Kinder- und Jugendmedizin mit den Schwerpunkten Neonatologie und Kinderkardiologie sowie der Zusatzbezeichnung pädiatrische Intensivmedizin. Damit ist das Sana Klinikum Hof berechtigt, Schwangere mit der Risikokonstellation einer erwarteten Frühgeburt (Geburtsgewicht ab 1.250 g, Geburt ab der 29. Schwangerschaftswoche) aufzunehmen und die betroffenen Kinder in einem neonatologischen Intensivbereich zu versorgen. „Neben den räumlichen und aufwendigen gerätetechnischen Vorgaben erfüllen auch alle in diesem Bereich eingesetzten Mitarbeiter die erforderlichen Spezialqualifikationen“, erläuterte Dr. Ponader. „Die meisten unserer Pflegefachkräfte sind langjährig auf der Kinderintensivstation beschäftigt oder haben die Fachweiterbildung ‚Pädiatrische Intensivpflege‘ absolviert. Außerdem stehen Ärzte aus der Kinderkardiologie, der Radiologie, der Neuropädiatrie, der Augenheilkunde, der Humangenetik und der Psychologie/Psychiatrie für Konsile zur Verfügung.“

Erlanger Spezialisten umfassend vernetzt


Die Kinderchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen zeichnet sich durch eine umfassende Vernetzung im hiesigen Krankenhaus der Maximalversorgung aus, aber auch weit darüber hinaus. Die Spezialisten bringen ihre jahrelange und hochspezifische Erfahrung unter anderem im interdisziplinären Kinderoperativen Zentrum (Sprecher: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) des Uni-Klinikums Erlangen ein und arbeiten im kinderchirurgischen Verbund mit über 30 Einrichtungen in ganz Nordbayern zusammen.
Weitere Informationen:
Dr. Manuel Besendörfer
Tel.: 09131/85-32923
kinderchirurgie@uk-erlangen.de
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24.07.2019 Es kommt Bewegung in die Kommune Modelkommunen zur kommunalen Bewegungsförderung im Projekt KOMBINE ausgewählt
uni | mediendienst | forschung Nr. 51/2019

Das GKV-Bündnis für Gesundheit und das Department für Sportwissenschaft und Sport (DSS) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben mit KOMBINE ein Projekt zur Umsetzung der Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung entwickelt. Der Projektname KOMBINE steht für Kommunale Bewegungsförderung zur Implementierung der Nationalen Empfehlungen. Für die Erprobung des Projekts wurden gemeinsam sechs Modellkommunen ausgewählt.

Zu den bundesweit sechs ausgewählten Modellkommunen gehören die drei Landkreise Bad Kissingen, Kreis Segeberg und Schmalkalden-Meiningen sowie die Städte Marburg, Solingen und Stuttgart. Ziel des Projektes KOMBINE ist der Aufbau von nachhaltigen Strukturen für Bewegungsförderung in der Kommune, die wissenschaftlich fundiert, bedarfsorientiert und praxisnah sind.

Ausführliche Informationen zum Projekt KOMBINE:
https://www.gkv-buendnis.de/buendnisaktivitaeten/bundesweite-aktivitaeten/kombine/ 

Weitere Informationen:
Pressestelle GKV-Spitzenverband, Ann Marini, Tel.: 030 206 288-4201, presse@gkv-spitzenverband.de 
Pressestelle FAU, Dr. Susanne Langer, Tel.: 09131/85-70229, presse@fau.de

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24.07.2019 Bessere Lebensqualität bei schwerer Demenz
uni | mediendienst | aktuell Nr. 91/2019

Verbesserung der stationären Versorgung – Pflegeeinrichtungen für neues Forschungsprojekt gesucht
Menschen mit schwerer Demenz sind eine fast „vergessene“ Personengruppe – es gibt kaum Angebote zur Verbesserung ihrer Lebensqualität. Das Forschungsprojekt MAKS-s soll dies ändern. Prof. Dr. Elmar Gräßel, der seit zwei Jahrzehnten nicht-medikamentöse Therapieverfahren bei Demenz erfolgreich erforscht, koordiniert das neue Projekt. Gemeinsam mit seinem Team will der Leiter des Zentrums für Medizinische Versorgungsforschung der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) für alle Menschen mit Demenz ein passendes Angebot etablieren. Seit dem Projektstart Anfang Juli erarbeiten die Wissenschaftler entsprechende Materialien und treffen Vorbereitungen für den Beginn der Praxisphase. Dafür werden aktuell noch 24 stationäre Pflegeeinrichtungen in Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg gesucht, die ab Oktober 2019 an MAKS-s teilnehmen möchten. Das Projekt wird vom GKV-Spitzenverband mit rund 400.000 Euro gefördert.

Hauptziele von MAKS-s sind die Verbesserung der Lebensqualität sowie die Verringerung von psychischen und Verhaltenssymptomen bei Menschen mit schwerer Demenz. Erreicht werden soll dies durch die nicht-medikamentöse MAKS-s-Intervention. Diese besteht aus den vier Komponenten „motorisch“, „alltagspraktisch“, „kognitiv“ und „sozial“. Sie sprechen die zentralen menschlichen Grundbedürfnisse nach Bewegung („M“), sinnvoller Beschäftigung („A“), sensorischer Anregung („K“) und sozialer Interaktion („S“) an. Anhand eines strukturierten Handbuchs führen zwei geschulte Personen die MAKS-s-Therapie an drei Tagen pro Woche jeweils eine Stunde lang mit einer Kleingruppe von sechs Menschen mit schwerer Demenz („s“) durch.

Prof. Gräßel erforscht seit Jahren erfolgreich die Wirksamkeit der psychosozialen MAKS®-Therapie bei Menschen mit Demenz und kognitiven Beeinträchtigungen in Pflegeheimen und in der Tagespflege. Zu seinem erfahrenen Team gehören u. a. die Psychologin und Gerontologin Kristina Diehl sowie der Psychologe André Kratzer. „Wir benötigen in Pflegeheimen eine fördernde Betreuung von Menschen mit schwerer Demenz“, betont Elmar Gräßel. „So können wir ihre Teilhabe und ihr Wohlbefinden verbessern und gleichzeitig die Arbeitszufriedenheit der betreuenden Pflege- und Betreuungskräfte steigern.“ Die Forschungsergebnisse zeigen: MAKS® ermöglicht eine Stabilisierung der kognitiven und der alltagspraktischen Fähigkeiten, eine Verbesserung sozialer Verhaltensweisen sowie eine Verminderung neuropsychiatrischer Symptome wie Aggressionen, Unruhezustände etc.

Über das neue Projekt sollen nun auch Menschen mit schwerer Demenz von der MAKS®-Therapie profitieren. Zusätzlich untersucht das innovative Projekt die Frage, ob sich durch den Einsatz von MAKS-s auch das Belastungserleben von Pflege- und Betreuungskräften reduzieren lässt. Denn dieses wird entscheidend durch die Begleitsymptomatik von Menschen mit Demenz mitbestimmt.

Weitere Informationen:
Kristina Diehl
Tel.: 09131/85-44112
kristina.diehl@uk-erlangen.de

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22.07.2019 Notfallversorgung: Behandlung optimieren, Wartezeiten reduzieren
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 22.07.2019 – Zum Diskussionsentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zur Reform der Notfallversorgung erklärt Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt:

„Mit dem Diskussionsentwurf werden endlich konkrete Schritte zu der längst überfälligen Reform der Notfallversorgung aufgezeigt. Wir haben auf Deutschen Ärztetagen wiederholt die Einführung
eines integrierten Konzeptes für die strukturierte Inanspruchnahme der Notfallstrukturen gefordert. Dass jetzt ambulante Strukturen der Notfallversorgung in sogenannten Integrierten Notfallzentren (INZ) mit geeigneten Krankenhausstandorten in gemeinsamer Trägerschaft zusammenarbeiten sollen, unterstützt den dringend notwendigen Ausbau der Kooperation aller Beteiligten. Insbesondere die geplante, strukturierte Zuordnung des Patienten zu der jeweilig erforderlichen Behandlungsebene bietet eine Chance, die patientenindividuelle Behandlung zu optimieren, Notfallambulanzen zu entlasten und Wartezeiten zu reduzieren.“

Hierbei gelte es allerdings, ausreichend Spielraum zur Integration gewachsener Strukturen wie den bereits bundesweit etablierten 771 Notfall- und Portalpraxen und weiterer regionaler
Besonderheiten zu gewährleisten.

„Die neuen Vorschläge, so auch die geplante Einrichtung von Gemeinsamen Notfall-Leitstellen oder die Reorganisation des Rettungsdienstes, bieten grundsätzlich eine gute Grundlage für den weiteren Dialog“. Da die Neuausrichtung der Notfallversorgung in Zukunft beispielgebend für weitere,
sektorenübergreifende Versorgungsansätze sein werde, gelte es aus Sicht der Bundesärztekammer jetzt einen intensiven Austausch der Beteiligten zu den Details zu gewährleisten. „Hier gilt Qualität vor Schnelligkeit“. Dies betreffe z.B. das geplante neue Zusammenspiel zwischen Kliniken, Kassenärztlichen Vereinigungen, den Bundesländern sowie den Ärztekammern, aber auch Fragen zur notwendigen Personalverfügbarkeit, der Qualifikation sowie verlässlicher Regelungen einer
extrabudgetären, additiven Finanzierung.

„Wir sehen hier gute Chancen, gemeinsam zu einer tragfähigen Lösung zu kommen“, so Präsident Reinhardt.

Bundesärztekammer
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

18.07.2019 Weiße Blutkörperchen geben Auskunft über Therapieerfolg
FAU-Forscher arbeiten an Test für aggressiven Blasentumor-Typ

Wie lange überlebt ein Patient mit in die Muskeln eingedrungenen Blasenkrebs? Welche Therapie wirkt am besten? Fundierte Antwort auf diese Fragen könnte in Zukunft ein Test auf hohe oder niedrige Mengen weißer Blutkörperchen im Tumorgewebe solcher Tumoren geben. Das hat ein interdisziplinäres Forscherteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausgefunden und in der Fachzeitschrift „Cancer Immunology Research“ veröffentlicht*.

Muskel-invasive Blasenkarzinome (MIBC) machen etwa zwei Drittel der invasiven urothelialen Blasenkarzinome (UBC) aus und weisen eine hohe Morbidität und Mortalität auf. Männer sind mehr als dreimal so häufig von UBC betroffen wie Frauen.

Die FAU-Forscher haben nun herausgefunden, dass der Therapieerfolg und das Überleben dieser Patienten durch die Bestimmung der weißen Blutkörperchen, die als stromale tumorinfiltrierenden Lymphozyten (sTIL) bezeichnet werden, vorhergesagt werden können. Diese Lymphozyten werden dabei als einfacher morphologischer Parameter und als Biomarker eingesetzt: Ihre Menge und räumliche Verteilung innerhalb des Tumor-Immun-Milieus erlauben Prognosen über die Stadien der Tumorentzündung und Tumorsubtypen und helfen bei der Personalisierung der Patiententherapie. In weiteren Studien wollen sie ihre Ergebnisse nun überprüfen und die Methode weiterentwickeln.

Ein interdisziplinäres Forscherteam der FAU am Pathologischen Institut unter Leitung von Prof. Dr. Arndt Hartmann und Dr. Markus Eckstein analysierte in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Bernd Wullich von der urologischen Klinik und Prof. Dr. Reiner Strick von der Frauenklinik des Uni-Klinikums Erlangen für die Studie die Daten von 542 Patienten mit dem aggressivsten Typ von Blasentumor, der in die Muskelschicht eindringt.

*http://cancerimmunolres.aacrjournals.org/content/7/6/923

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Dr. Markus Eckstein, Tel.: 09131/85-22525, markus.eckstein@uk.erlangen.de

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18.07.2019 Neues Forschungsprojekt über seltene Nieren-Erkrankung
uni | mediendienst | forschung Nr. 50/2019

Ein neues Forschungsprojekt an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) über die seltene Nieren-Erkrankung fokal segmentale Glomerulosklerose (FSGS) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 400.000 Euro über eine Laufzeit von drei Jahren gefördert.

FSGS ist eine seltene Erkrankung, die schätzungsweise 2.000 Menschen in Deutschland betrifft. Sie wird durch einen im Blut zirkulierenden Faktor, der bislang noch nicht identifiziert worden ist, und/oder genetische Mutationen ausgelöst. Die Erkrankung führt häufig zu einem irreversiblen Verlust der Nierenfunktion und lebenslangen Bedarf an Dialyse. Der Forschungsverbund „STOP-FSGS“ forscht seit etwas mehr als drei Jahren zu Ursachen, Diagnostik und Therapieansätzen der primären FSGS und will zentrale Fragestellungen bezüglich der Krankheitsentstehung, Diagnose und neuen Therapien beantworten. Das nun geförderte Forschungsprojekt am Universitätsklinikum Erlangen der FAU setzt auf ein innovatives Zebrafisch-Modell. Damit wollen die Wissenschaftler unter anderem krankheitsauslösende Faktoren auf ihren Wirkmechanismus untersuchen. Eine schnelle klinische Anwendung der Ergebnisse ist das Ziel.

Am Forschungsverbund „STOP-FSGS“ sind neben Prof. Dr. Mario Schiffer, Lehrstuhl für Innere Medizin IV und Klinikdirekt der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hyertensiologie, Forscher der RWTH Aachen, der Universitätsmedizin Greifswald und der Universität Freiburg beteiligt: https://www.research4rare.de/forschungsverbuende/stop-fsgs/.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mario Schiffer, Tel.: 09131/85-39002, mario.schiffer@uk-erlangen.de

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18.07.2019 Tumorzellen aus ihrem Versteck locken - FAU-Wissenschaftler erforschen das Ausschleusen von Antigenen aus Krebszellen
uni | mediendienst | forschung Nr. 50/2019

Das Ausschleusen von Antigenen aus Krebszellen folgt einer strengen Regulation. Das haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) nachgewiesen. Ein besseres Verständnis dieses Mechanismus könnte dabei helfen, neue Strategien zur Verbesserung der Tumorerkennung zu entwickeln, wie sie in einem Artikel im „Journal of Clinical Investigation“ schreiben*.

Tumore weisen eine Vielzahl von Strategien auf, sich der direkten Erkennung durch das eigene Immunsystem zu entziehen. Typischerweise werden spezielle Proteinkomplexe nicht mehr an die Zelloberfläche gebracht, so dass das Immunsystem die Tumorzellen nicht direkt erkennen kann.

Eine Ausnahme dabei bildet die indirekte Erkennung von Tumorzellen. Das schnelle Wachstum sowie Bestrahlungs- oder Chemotherapie von Tumoren führen dazu, dass Tumorantigene durch unkontrollierten Zelltod freigesetzt und durch spezielle Immunzellen – die sogenannten antigenpräsentierenden Zellen – aufgenommen werden können. Diese spezialisierten Immunzellen sind dann wiederum in der Lage, die freigesetzten Eiweiße aus den Tumorzellen dem körpereigenen Immunsystem gegenüber zu präsentieren, wodurch eine Immunantwort wieder eingeleitet werden kann. Bislang ist jedoch kaum untersucht worden, ob die Freisetzung solcher Antigene einer strengen Regulation unterliegt oder ausschließlich unkontrolliert durch Zelltod erfolgt.

Dr. Sascha Kretschmann vom Lehrstuhl für Hämatologie/Internistische Onkologie konnte nun erstmals zeigen, dass ein bestimmtes Hilfsprotein in der Zelle ein selektives Ausschleusen aus der Tumorzelle fördert. Entscheidend dabei ist eine bestimmte Aminosäureabfolge, die im Antigen selbst kodiert sein muss.

* doi: 10.1172/JCI123105
https://www.jci.org/articles/view/123105

Weitere Informationen:
Dr. Sascha Kretschmann, Tel.: 09131/85-43169, sascha.kretschmann@uk-erlangen.de

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17.07.2019 Wie entsteht Mangelernährung im Alter? Ernährungswissenschaftlerin Prof. Volkert über Risikogruppen und Ursachen
Pressemeldung der FAU

Immer mehr alte Menschen leiden an Mangelernährung. Welche Faktoren an der Entstehung beteiligt sind und wie sie sich gegenseitig beeinflussen, untersucht Prof. Dr. Dorothee Volkert mit ihrem Team vom Institut für Biomedizin des Alterns (IBA) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Zusammen mit 33 Wissenschaftlern aus elf Ländern hat sie ein Modell entwickelt, in dem mögliche Ursachen erstmals strukturiert und gewichtet dargestellt werden. Das Modell wurde vor Kurzen im wissenschaftlichen Fachmagazin „Gerontology & Geriatric Medicine“ veröffentlicht*.

Frau Professor Volkert, was ist Mangelernährung und wie wirkt sie sich aus?

Grundsätzlich spricht man von Mangelernährung oder Malnutrition, wenn dem Körper Energie und Nährstoffe fehlen, die er für einen reibungslosen Stoffwechsel braucht. Die Folgen einer Mangelernährung sind vielfältig und hängen vom Ausmaß und von den fehlenden Nährstoffen ab. Bei einer generellen Mangelernährung, bei der anhaltend sämtliche Nährstoffe fehlen, reichen die Folgen von Gewichtsverlust über eine Schwächung des Immunsystems bis hin zu funktionellen Beeinträchtigungen der Muskulatur und aller Organe. Der Körper greift auf alle Reserven zurück.

Kann Mangelernährung jeden treffen und wie entsteht sie?


Mangelernährung kann grundsätzlich in jedem Alter auftreten, und ist insbesondere im Krankheitsfall anzutreffen, bei älteren Menschen – per Definition ab 65 Jahren – ist das Risiko für Mangelernährung durch diverse Altersversänderungen deutlich höher. Wer zum Beispiel Probleme beim Gehen oder mit dem Treppensteigen hat, kauft seltener ein und findet auch das Kochen anstrengender. Wer alleine lebt, lässt öfter mal eine Mahlzeit ausfallen. Und wer an einer Depression oder einer anderen schweren Erkrankung leidet, hat oft kaum noch Appetit.

Die Ursachen von Mangelernährung im Alter sind vielfältig, die Fachliteratur führt mehr als 120 Faktoren aus verschiedenen Lebensbereichen auf. Welche dieser sogenannten Determinanten die wichtigsten sind und wie sich die unterschiedlichen Faktoren gegenseitig beeinflussen, ist jedoch nicht geklärt. Derzeit gibt es in der wissenschaftlichen Community kein einheitliches Verständnis über die Bedeutung einzelner Faktoren und deren Zusammenspiel. Und: Die wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden sind so unterschiedlich, dass sich die Studienergebnisse kaum vergleichen lassen und kein theoretisches Rahmenmodell zur Entstehung von Mangelernährung im Alter existiert.

Wie ist Ihr Determinanten-Modell für die Entstehung von Mangelernährung im Alter aufgebaut?

Unser neu entwickeltes Modell „Determinations of Malnutrition in Aged Persons“ – kurz DoMAP – veranschaulicht mögliche Determinanten und ihre Beziehung zu Mangelernährung und will zu einem gemeinsamen Verständnis der Vielzahl von Faktoren und unterschiedlichen Entstehungsmechanismen beitragen. Es besteht aus drei ineinander liegenden Dreiecksebenen. Die Mangelernährung steht im Zentrum und ist umgeben von den drei zentralen Entstehungsmechanismen der ersten Ebene: geringe Zufuhr, erhöhter Bedarf und reduzierte Bioverfügbarkeit. Die angrenzende zweite Ebene beinhaltet Faktoren, die direkt einen dieser Mechanismen verursachen – zum Beispiel Appetitlosigkeit als Ursache für geringe Zufuhr oder Durchfall als Ursache für reduzierte Bioverfügbarkeit. Die dritte Ebene beinhaltet Faktoren, die eher indirekt wirken und den Faktoren in Ebene zwei zu Grunde liegen – zum Beispiel eine Depression als Ursache für Appetitlosigkeit oder ein Schlaganfall als Ursache für Kau- und Schluckbeschwerden, die wiederum eine geringe Zufuhr bewirken.

Wie haben Sie das Modell entwickelt?


Im Rahmen der europäischen Wissensplattform „Mangelernährung im Alter“ (MaNuEL)” haben wir in einem mehrstufigen Konsensprozess insgesamt 33 Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen eingebunden. Zunächst haben wir den aktuellen Wissensstand zusammengetragen und diskutiert und darauf basierend einen ersten Entwurf des DoMAP-Modells erarbeitet. Beim Abschlusstreffen aller MaNuEL-Partner wurde dieser Entwurf zur Diskussion gestellt und anschließend in mehreren schriftlichen Runden kommentiert und entsprechend angepasst.

Welche Auswirkungen hat das DoMAP-Modell in der Praxis?


Das DoMAP-Modell soll zu einem gemeinsamen Verständnis der Vielzahl von Faktoren beitragen, die zu einer Mangelernährung führen können. Im klinischen Alltag kann es als direkte Handreichung für Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal dienen, um rechtzeitig Personen mit erhöhtem Risiko für Mangelernährung zu identifizieren und ihnen zu helfen. Darüber hinaus hat das Determinantenmodell großes Potenzial für zukünftige Forschung. Damit die Studien in Zukunft vergleichbare Ergebnisse liefern, arbeiten wir im nächsten Schritt gerade an einem Vorschlag zur standardisierten, einheitlichen Erfassung sowohl von Mangelernährung als auch der Determinanten, die wir in unser Modell aufgenommen haben.

* doi: 10.1177/2333721419858438
https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/2333721419858438

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Dorothee Volkert
Tel.: 0911/5302-96168
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https://www.fau.de/2019/07/news/nachgefragt/wie-entsteht-mangelernaehrung-im-alter/

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16.07.2019 Pilotprojekt der Palliativmedizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 90/2019

Erster Erlanger Basiskurs für die Zusatzweiterbildung Palliativmedizin ausgebucht
Wie spreche ich mit einem unheilbar Kranken und seinen Angehörigen? Wie kann ich die Lebensqualität eines Sterbenden verbessern, ihm beispielsweise seine Schmerzen nehmen? Wie schütze ich mich selbst vor Überlastung durch die tägliche Konfrontation mit dem Tod? Diese und viele weitere Aspekte werden im Rahmen des Basiskurses Palliativmedizin erörtert, der vom 22. bis 26. Juli 2019 erstmals am Universitätsklinikum Erlangen angeboten wird. Bereits kurz nach Bekanntmachung des Termins waren alle 20 Plätze belegt. „Wir freuen uns sehr über das große Interesse und das damit verbundene Vertrauen“, sagt Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Leiter der Palliativmedizinischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen. Veranstaltet wird der Kurs unter dem Dach des Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Uni-Klinikums Erlangen.

„Der Basiskurs richtet sich an Ärzte aller Fachrichtungen, die onkologische Patienten behandeln und mehr über die palliativmedizinischen Möglichkeiten lernen wollen“, erläutert Dr. Tobias Steigleder, Koordinator Aus-, Fort- und Weiterbildung der Palliativmedizin. „Wir freuen uns, dass wir erfahrene Kollegen aus unterschiedlichen Berufsgruppen als Referenten gewinnen konnten.“ Neben theoretischen Grundlagen soll Know-how vor allem praxisnah vermittelt werden. Der 40-stündige Kurs ist auf die Zusatzweiterbildung Palliativmedizin anrechenbar, für die insgesamt 160 Stunden absolviert werden müssen. Fachärzte qualifizieren sich damit – unabhängig von ihrer Disziplin – für die Behandlung und die Begleitung von Patienten mit einer unheilbaren, weit fortgeschrittenen und fortschreitenden Erkrankung. Ziel ist es, unter Einbeziehung des sozialen Umfelds die bestmögliche Lebensqualität für den Sterbenden zu erreichen und sicherzustellen. „Wir folgen mit diesem Kurs klar den Richtlinien, die die Stiftung Deutsche Krebshilfe für die Palliativmedizin eines onkologischen Spitzenzentrums vorgibt. Dies kann die Versorgung in der Breite von schwer kranken und sterbenden Tumorpatienten am Uni-Klinikum Erlangen noch weiter verbessern“, freut sich der Direktor des CCC Erlangen-EMN, Prof. Dr. Matthias W. Beckmann.

Einladung zur Berichterstattung

Vertreter der Medien sind zum Auftakt des Kurses am Montag, 22. Juli 2019, um 8.30 Uhr, in den Seminarraum der Palliativmedizin, Krankenhausstraße 12, in Erlangen herzlich eingeladen. Zur Begrüßung spricht Prof. Beckmann, Direktor des CCC Erlangen-EMN. Anschließend führt Prof. Ostgathe mit seinem Vortrag „Grundlagen der Palliativmedizin“ in das Thema ein. Sowohl Prof. Beckmann als auch Prof. Ostgathe stehen gegen 10.00 Uhr für kurze Interviews zur Verfügung. Um Anmeldung per E-Mail an palliativmedizin@uk-erlangen.de wird gebeten.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Tel.: 09131 85-34064, christoph.ostgathe@uk-erlangen.de

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15.07.2019 Im Herzen der Pädiatrie - Prof. Dr. Joachim Wölfle ist neuer Direktor der Erlanger Kinderklinik
uni | mediendienst | aktuell Nr. 89/2019

„Ein guter Kinderarzt ist für mich jemand, der sein Spezialgebiet perfekt bedient, aber nie vergisst, auch über den Tellerrand zu schauen. Jemand, der sich kümmert und sich auch nach einer Überweisung über seine Patienten informiert.“ Diesen Anspruch hat Prof. Dr. Joachim Wölfle – er ist neuer Direktor der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Erlangen.
Mit seinen Schwerpunkten pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie ergänzt er die bisherigen Stärken der Erlanger Kinderklinik, will vor allem im Bereich der Wachstumsforschung neue Impulse setzen und die Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen ausbauen. Prof. Wölfle hat das Direktorenamt von Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfang Rascher, der der Kinderklinik 21 Jahre lang vorstand, zum 1. Juli 2019 übernommen.

Selbst die größten Babysöckchen werden irgendwann einmal zu klein, aus der ersten Latzhose schießt ein Kleinkind meist schneller heraus, als die Eltern schauen können, mit den Jahren müssen immer neue Autositze und größere Fahrräder gekauft werden. Kinder wachsen – das ist ganz normal und gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu. Was aber, wenn das Wachstum sich verzögert, wenn es zu früh beginnt oder endet? „Die Forschung zu Wachstumsstörungen liegt im Herzen der Pädiatrie“, antwortet Prof. Wölfle auf die Frage, warum er sich gerade für dieses Gebiet interessiert. „Die Ursachen können überall begründet sein – in den Hormonen zum Beispiel, in den Genen oder der Ernährung –, das finde ich spannend.“ Der neue Klinikdirektor setzt seinen Forschungsschwerpunkt in der sogenannten Perinatalen Programmierung. „Wir gehen davon aus, dass die Stoffwechselgesundheit eines Menschen nicht nur von seinen Genen geprägt ist, sondern auch von den Einflüssen im Mutterleib sowie postnatal in den ersten Lebenstagen.“ So will Prof. Wölfle etwa den Einfluss der Ernährung und der Geburtsfaktoren enträtseln, mit Fragen wie: Hat die Unterversorgung eines Kindes während der Schwangerschaft einen Einfluss auf sein späteres Wachstum, auf den Pubertätseintritt, die kognitive Entwicklung und vielleicht sogar auf sein Appetitempfinden?

Diabetes und Adipositas gut versorgt

Vor seinem Wechsel nach Erlangen war Joachim Wölfle im Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn tätig – als stellvertretender Klinikdirektor und später als kommissarischer Leiter. Hier spezialisierte sich der gebürtige Offenburger auf die Endokrinologie und setzte einen Schwerpunkt in der Diabetologie. „Diabetes ist eine Erkrankung, die leider weiter expandiert“, sagt Prof. Wölfle. „Und zwar nicht nur der Typ 2, der meist durch Umweltfaktoren entsteht, sondern besonders der von einem überreagierenden Immunsystem verursachte Typ-1-Diabetes. Zum einen wollen wir genauer herausfinden, warum das so ist. Zum anderen müssen wir in der Zwischenzeit noch bessere Behandlungsstrukturen schaffen für die, die bereits erkrankt sind.“ Viel passiere aktuell zum Beispiel in der Medizintechnik, allen voran um das sogenannte Closed-Loop-System – eine implantierte Insulinpumpe, die den Wirkstoff nicht nur automatisch ins Blut abgibt, sondern über einen Messsensor sogar eigenständig ermittelt, welche Dosierung gerade benötigt wird. Die Zulassung dieses Systems wird in Deutschland für den Herbst 2019 erwartet.

Im Zuge der Diabetesforschung befasst sich Prof. Wölfle auch mit kindlicher Adipositas, also krankhaftem Übergewicht. „Ein trauriger Trend, dem wir durch Prävention und Behandlung engagiert entgegentreten müssen“, betont er. In Bonn leitete der 54-Jährige ein ambulantes Therapieprogramm für junge Adipositaspatienten, bestehend aus Sport-, Ernährungs- und Verhaltenstherapie. Auch für die Erlanger Region möchte Prof. Wölfle ein solches Projekt etablieren. „Obwohl nicht alle Kinder und Jugendlichen es schaffen, langfristig gegen ihr Übergewicht vorzugehen, verzeichnen wir im Programm trotzdem positive Effekte, die nicht auf der Waage zu sehen sind. Viele Patienten gehen zum Beispiel psychisch gestärkt aus dem Projekt heraus.“

Seltene Erkrankungen – Behandlung unter einem Dach


Bei aller Spezialisierung den Blick über den Tellerrand nicht zu vergessen – das ist Prof. Wölfle vor allem bei der Versorgung seltener Erkrankungen wichtig. Beim Ulrich-Turner-Syndrom zum Beispiel. Hiervon betroffen sind Mädchen, die mit nur einem X-Chromosom auf die Welt kommen. Sie haben oft kardiovaskuläre Fehlbildungen, leiden an Hörstörungen und später an einer eingeschränkten Fruchtbarkeit. „Als Kinder und Jugendliche sind sie in der Regel gut und engmaschig versorgt“, sagt der neue Kinderklinikdirektor. „Als Erwachsene aber haben Ulrich-Turner-Patientinnen oft große Schwierigkeiten, kompetente Ansprechpartner für ihre Beschwerden zu finden. Ich möchte daher in Erlangen ein interdisziplinäres Versorgungszentrum aufbauen, in dem die Patientinnen in jedem Lebensalter und von erfahrenen Spezialisten unter einem Dach betreut werden.“

Engagement in der Fachgesellschaft

Prof. Wölfle studierte Medizin in Freiburg im Breisgau, arbeitete anschließend in Basel und zuletzt in Bonn. Als „perfekte Zeit“ beschreibt er auch seine drei Forschungsjahre an der US-amerikanischen Oregon Health and Science University in Portland. Seit vielen Jahren ist Joachim Wölfle in der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie aktiv und steht der Fachgesellschaft seit drei Jahren als Präsident vor. In dieser Position engagiert er sich für das kollegiale Netzwerk seines Spezialgebiets sowie für die Forschungs- und Nachwuchsförderung. Der 54-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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Prof. Dr. Joachim Wölfle, Tel.: 09131/85-33111, joachim.woelfle@uk-erlangen.de

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15.07.2019 Krankenhäuser: Keine undifferenzierte Schließungspolitik - flächendeckende Versorgung sicherstellen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 15.07.2019 – Zu der aktuell veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung mit der Forderung nach Schließung von 800 Krankenhäusern erklärt Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus
Reinhardt:

„Die von der Bundesregierung eingesetzte „Kommission gleichwertige Lebensverhältnisse“ hat gerade erst die Bedeutung der Daseinsvorsorge und Sicherung einer gut erreichbaren,
wohnortnahen Gesundheitsinfrastruktur herausgestellt und das Bundesgesundheitsministerium die Förderung von 120 kleineren Kliniken bundesweit beschlossen. Da ist es schon mehr als
befremdlich, wenn die Bertelsmann-Stiftung jetzt pauschal die Schließung von 800 Krankenhäusern fordert.“

Der Präsident der Bundesärztekammer stellt allerdings auch klar:
„In Ballungsgebieten mit erhöhter Krankenhausdichte kann es durchaus sinnvoll sein, dass Ärzte und Pflegepersonal in größeren Strukturen Patienten behandeln. Dadurch könnten Abläufe vereinfacht und die zunehmende Arbeitsverdichtung gemildert werden.“

Reinhardt warnte aber vor einer undifferenzierten Schließungspolitik: „Gerade im ländlichen Raum müssen wir die flächendeckende Versorgung der Patienten sicherstellen. Deshalb müssen wir mehr als bisher die sektorübergreifende Versorgung gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten ausbauen. Wir müssen auch sogenannte Mitversorgeraspekte berücksichtigen. In Hamburger Krankenhäusern werden ja auch Patienten aus dem weiteren Umland behandelt. Das alles zeigt, dass man diese Fragen nicht vom grünen Tisch aus entscheiden kann. Diese Fragen müssen vor Ort und von den Landes- und Kommunalpolitikern gemeinsam mit den Ärzten diskutiert werden.“ Und schließlich dienten Kliniken und Praxen nicht nur der regulären medizinischen Versorgung, so Reinhardt, sondern müssten auch aufgestellt sein für die medizinische Versorgung in Krisenfällen wie Epidemien und Großschadensereignissen.

„Wer auch immer mit welchen Ideen den Krankenhaussektor verändern will, muss dem grundgesetz-lichen Auftrag der Daseinsvorsorge, der Gleichheit der Lebensverhältnisse und dem Feuerwehrwehr-Prinzip der Krankenhäuser im Katastrophenfall gerecht werden. Vor allem aber müssen wir Optionen diskutieren, wie wir der zunehmenden Behandlungsbedürftigkeit in unserer Gesellschaft bei gleichzeitigem Fachkräftemangel begegnen wollen. Auch wenn wir die Zahl der Krankenhäuser reduzieren, reduzieren wir dadurch ja nicht die Zahl der Behandlungsfälle“, mahnt Reinhardt.
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11.07.2019 Gesundheit ist ein hohes Gut – gerade für uns Ärzte
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können“, heißt es in der Deklaration von Genf. Mit diesen Sätzen beginnt der Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Wolfgang Rechl, seinen Leitartikel in der Juli/August-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes und mahnt: „Was wir Ärztinnen und Ärzte in der Deklaration von Genf festschreiben, droht uns nach und nach abhanden zu gehen: denn, wir arbeiten heute zunehmend am Limit.“ Gründe seien unter anderem die Personalnot, Arbeitsverdichtung und ein höherer Wettbewerbsdruck. Dies könne zu körperlicher aber auch zu einer emotionalen Überbelastung von Ärzten führen.

Dies sei mit ein Grund, weshalb das Thema auf dem vergangenen Deutschen Ärztetag in Münster als Schwerpunkt diskutiert worden sei. Dort sei deutlich geworden, dass wesentliche Voraussetzungen für gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern und Arztpraxen die gesetzlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen sind. „Für gesunde Arbeitsbedingungen müssen die Leistungen des Gesundheitswesens ausreichend finanziert sein“, betonte Rechl. So habe der Deutsche Ärztetag an die Arbeitgeber appelliert, ihrer Verpflichtung für die Schaffung gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen deutlich stärker als bisher nachzukommen. Das Ärzteparlament fasste eine ganze Reihe von Beschlüssen, um das Thema Arztgesundheit in die Öffentlichkeit zu tragen. Neben der Berücksichtigung von gesundheitsgerechten Arbeitsbedingungen, der Einhaltung von Arbeitsschutzregeln und der Stärkung des betrieblichen Gesundheitsmanagements, müssten sich die zuständigen Behörden verpflichtet fühlen, die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes im ärztlichen Dienst der Klinik regelmäßig zu überprüfen. „Wir müssen unsere Kolleginnen und Kollegen auch in Sachen Bürokratie entlasten. Das heißt, dass Personalschlüssel so gestaltet werden müssen, dass jederzeit eine patienten- und aufgabengerechte Versorgung möglich ist“, appellierte der BLÄK-Vize.

Mehr zu „Gesundheit ist ein hohes Gut“ lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes unter http://www.bayerisches-aerzteblatt.de.

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10.07.2019 Forschung und Lehre auf Spitzenniveau - Aufsichtsrat freut sich über Erhöhung der staatlichen Zuschüsse und stellt die Weichen für die Zukunft
uni | mediendienst | aktuell Nr. 85/2019

Universitätsklinika sind sowohl der Patientenversorgung als auch der Forschung und der Lehre verpflichtet. Dieses spannende Aufgabenfeld stellt die Mitarbeiter aber auch vor große Herausforderungen. „Wir übernehmen überdurchschnittlich viele Notfälle, führen oft besonders aufwendige und teure Therapien durch und behandeln auch Menschen mit seltenen Erkrankungen“, erläutert Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Erlangen. „Häufig entstehen Kosten, die unsere Erlöse weit übersteigen. Deshalb bedarf es für uns besonderer Anstrengungen, das Jahr mit einer schwarzen Null abzuschließen. Dies ist uns mit vereinten Kräften auch 2018 wieder gelungen – im Unterschied zu zahlreichen anderen Uni-Klinika in Deutschland, die aufgrund des gestiegenen Kostendrucks in die roten Zahlen gerutscht sind. Darauf können wir stolz sein.“ Der ausgeglichene Jahresabschluss war eines der Themen der vergangenen Aufsichtsratssitzung. Gleichzeitig stellte das Gremium die Weichen für die Zukunft. Der Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Sibler schickte dafür gute Nachrichten aus München: Der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst setzte eine Erhöhung der staatlichen Zuschüsse für Forschung und Lehre durch. In diesem Jahr fließen über 83 Mio. Euro ans Uni-Klinikum Erlangen – eine Erhöhung um 2,16 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Der Zuschuss der öffentlichen Hand kann für laufende Zwecke in Lehre und Forschung sowie für sonstige Trägeraufgaben verwendet werden. Mit seiner Zusage nimmt der bayerische Wissenschaftsminister Druck aus den Kesseln der bayerischen Uni-Klinika. Diese mussten beispielsweise die nach den Tarifverhandlungen gestiegenen Personalkosten in den vergangenen Monaten durch Kürzungen an anderen Stellen kompensieren.

„Die zusätzlichen Mittel des Freistaats unterstützen uns dabei, wettbewerbsfähig zu bleiben und weiterhin Forschung und Lehre auf Spitzenniveau zu betreiben“, betont Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler, Dekan der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. „So ist es uns zum Beispiel möglich, renommierte Wissenschaftler in Erlangen zu halten und ihnen ideale Arbeitsbedingungen auf Stand der aktuellen Technik zu bieten.“ Außerdem fließt das Geld in die Lehre. „Das Uni-Klinikum Erlangen deckt alle medizinischen Fachbereiche ab“, führt Prof. Iro aus. „So können wir Ärzte und Fachärzte umfassend sowie interdisziplinär ausbilden. Davon profitieren dann auch die Patienten unmittelbar.“

Weitere Themen der Aufsichtsratssitzung waren die bauliche Entwicklung, die Bestellung eines Wirtschaftsprüfers und Berichte aus den unterschiedlichen Organisationseinheiten des Uni-Klinikums Erlangen.

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08.07.2019 KIONET Bayern – gemeinsam für krebskranke Kinder
uni | mediendienst | aktuell Nr. 84/2019

Sechs kinderonkologische Zentren in Bayern schließen sich zu „KIONET Bayern“ zusammen
Gemeinsam für krebskranke Kinder und Jugendliche in Bayern – dieses Motto treibt die Gründer des KIONET Bayern an. Die sechs, auf die Behandlung junger Krebspatienten spezialisierten Zentren der bayerischen Universitätskliniken Augsburg, Erlangen, Regensburg und Würzburg sowie der Technischen Universität und der Ludwig-Maximilians-Universität München, haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Dieses steht unter der Schirmherrschaft von Bernd Sibler, Staatsminister für Wissenschaft und Kunst. Das Ziel ist die verstärkte Durchführung klinischer Studien, damit Kinder und Jugendliche in Bayern verbesserten Zugriff auf neuartige Medikamente haben. Netzwerk-Sprecher ist Prof. Dr. Markus Metzler, Leiter der Kinderonkologie der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Kick-off-Veranstaltung findet heute (8. Juli 2019) im Bayerischen Landtag in München statt.

Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankungen ist eine medizinische Erfolgsgeschichte: Dank moderner Therapien werden heute rund 80 Prozent der Betroffenen geheilt. Das bedeutet allerdings auch, dass für jeden fünften Patienten die aktuellen Behandlungsmethoden nicht ausreichend sind. Für diese jungen Patienten sind innovative Ansätze dringend erforderlich. Damit neu entwickelte Medikamente und Methoden bei Kindern angewandt werden dürfen, müssen Sicherheit und Wirkung zuvor in kontrollierten Studien getestet werden. Solche Studien sind aufwändig und besonders in Deutschland streng reglementiert. Daher sind viele neu entwickelte Behandlungen bisher nur in wenigen Zentren oder im Ausland für eine kleine Zahl von Patienten zugänglich.
Um die wichtigen Studien noch effektiver umzusetzen und eine größere Zahl von Patienten einzuschließen, ist der Zusammenschluss der sechs bayerischen Zentren ein wesentlicher Meilenstein. Das Einzugsgebiet des kinderonkologischen Studiennetzwerks deckt ganz Bayern ab, sodass krebskranke Kinder und Jugendliche auf höchstem Niveau und noch dazu heimatnah versorgt werden können.

Ärzte und Pflegekräfte vernetzen sich

Schon jetzt profitieren alle Beteiligen von dem Zusammenschluss: Durch den Verbund steht nun den Betroffenen und ihren Familien in Bayern die gebündelte Fachkenntnis aller sechs kinderonkologischen Zentren zur Verfügung. Die Angleichung von Arbeitsprozessen und Standards in den verschiedenen Standorten hilft den Patienten und Familien, die an ein anderes Zentrum überwiesen werden, überall vertraute Abläufe vorzufinden.

Nicht nur die Ärzte des KIONET-Netzwerks arbeiten enger zusammen als zuvor – auch die Pflegekräfte nutzen die Möglichkeit des überregionalen Verbunds: In Arbeitsgruppen erarbeiten die Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger aller sechs kinderonkologischen Zentren einheitliche Pflegestandards und tauschen sich aus. Das hat jetzt schon so viel bewegt, dass ein Pflegeausbildungsmodul für die pädiatrische Onkologie geplant ist.

Kick-off im Bayerischen Landtag

KIONET Bayern wird von der Bayerischen Landesregierung gefördert und unterstützt. Am Montag, 8. Juli 2019, startet der Verbund mit einem offiziellen Kick-off in München. Schirmherrin der Veranstaltung ist die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Teilnehmer sind Vertreter aus der Politik, den Universitätskliniken, den pharmazeutischen Unternehmen und Vertreter der Eltern aus ganz Bayern.

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05.07.2019 Gesetz zur Sicherheit in der Arzneimittelversorgung – Licht und Schatten
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Der Bundesrat hat das Anfang Juni vom Bundestag beschlossene Gesetz zur Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) passieren lassen. Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) sieht beim GSAV beides: Licht und Schatten. „Das GSAV zielt auf mehr Sicherheit in der Versorgung der Patienten und wird daher von der BLÄK begrüßt, denn es setzt im Bereich der Arzneimittelversorgung an Schwachstellen an, die sich bei Vorfällen in der Vergangenheit gezeigt haben.“ Das GSAV stärke die Position der Aufsichtsbehörden und unterstreiche die koordinierende Rolle und die Kompetenzen (Rückrufkompetenz) der Bundesbehörden.

Darüber hinaus bringe das GSAV im Bereich der Patientenversorgung weitere Verbesserungen, wie die Herstellung von Arzneimitteln zur persönlichen Anwendung, die nur noch für Ärzte erlaubnisfrei ist oder das Verbot des Einsatzes von Frischzellen.
Die Verordnung von Arzneimitteln in elektronischer Form nennt Bayerns Ärztechef die „konsequente Folge der Neuformulierung der Fernbehandlung in der Berufsordnung“.

Doch Bayerns Ärztepräsident übt auch Kritik am neuen Gesetz: Die Modifikation der Bestimmungen über den Import für Arzneimittel ließe nicht erkennen, wie die Sicherheit der importierten Arzneimittel besser sichergestellt werden könne. „Hohe europäische Standards nützen nur, wenn ausländische Arzneimittel daran konsequent gemessen werden“, sagt Quitterer. Zudem seien keine nachhaltigen Ansätze für die Bewältigung von Versorgungsengpässen erkennbar. Zwar gebe es eine Ergänzung der Kriterien für den Abschluss von Rabattverträgen, aber keine systematische Lösung bei Produktions- und Lieferschwierigkeiten. „Die Schaffung eines wirksamen Frühwarnsystems, das alle Leistungsbereiche umfasst, ist notwendig“, so Quitterer. Ebenso die Vorhaltung einer ausreichenden Reserve für wichtige Medikamente.

„Lieferengpässe bei der Versorgung mit Medikamenten sind inakzeptabel. Sie sind auch eine Folge der Wirtschaftlichkeitsbestrebungen der Kostenträger. Eine wirtschaftliche Leistungserbringung ist wichtig, damit die Beitragszahler nicht übermäßig belastet werden. Dies darf aber am Ende nicht dazu führen, dass die Versorgungssicherheit und damit Gesundheit und Leben der Patienten in Gefahr geraten.“ Es gelte einen angemessenen Ausgleich zwischen diesen beiden Positionen herzustellen und insbesondere die Beschaffungsverträge der Gesetzlichen Krankenkassen so auszugestalten, dass beispielsweise die Versorgung nicht auf nur einen Anbieter beschränkt werde und stets ausreichend Reserven von Produzenten aus der EU zur Verfügung stünden.

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01.07.2019 Werbeverbot für Tabak – jetzt!
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Der Streit um ein Werbeverbot für Tabak ist ein besonders beschämendes Politikbeispiel“, meldet sich Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), in der aktuellen Debatte um ein Tabakwerbeverbot in Deutschland zu Wort. Quitterer unterstreicht damit die Forderung der Ärzteschaft – auch von Deutschen und Bayerischen Ärztetagen wiederholt ausgesprochen – nach einem vollständigen Verbot der Tabakwerbung. Dies müsse auch elektronische Zigaretten mit einschließen.
Umfragen nach sprechen sich 69 Prozent der Befragten für ein vollständiges Verbot der Tabakwerbung aus. „Die Bundesregierung sollte diesem Wunsch der Bevölkerung endlich nachkommen. In Anbetracht von 120.000 Tabak-Toten jährlich ist ein solches Verbot längst überfällig“, betont Quitterer.

Kein anderes EU-Land reguliere Tabakwerbung bislang so lax wie die Bundesrepublik. Nur in Deutschland dürfen Zigarettenkonzerne ihre gesundheitsgefährdenden Produkte noch auf Plakaten und Litfaßsäulen anpreisen. Ärztliche Prävention werde damit konterkariert.

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01.07.2019 Spitzenausbildung für Kinderurologen - Erlanger Kinderurologie wurde als Europäisches Ausbildungszentrum zertifiziert
uni | mediendienst | aktuell Nr. 80/2019

Entscheiden sich Mediziner nach ihrem Studium für eine Fachrichtung, können sie zum Beispiel zwischen der Pädiatrie und der Urologie wählen. Wenn sie nun aber beide Disziplinen spannend finden? Dann gibt es nach der erfolgreich abgelegten Facharztausbildung zum Urologen noch die Möglichkeit einer Weiterbildung zum Europäischen Facharzt für Kinderurologie. Das zweijährige Fellowship-Programm dürfen nur Ausbildungszentren anbieten, die durch die ESPU (European Society for Paediatric Urology) zertifiziert sind, da in diesen Zentren die hohen erforderlichen Qualitätsstandards und Fallzahlen gegeben sind, um die Ärzte umfassend zu schulen. Nur 29 dieser Zentren gibt es in ganz Europa, sechs davon in Deutschland – eines davon ist nun auch die Sektion Kinderurologie der Urologischen und Kinderurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) des Universitätsklinikums Erlangen. Im Rahmen einer Gutachterbegehung punkteten Sektionsleiterin Dr. Karin Hirsch-Koch und ihr Team vor allem mit einem sehr großen Erfahrungsschatz und einer überdurchschnittlich gut aufgestellten interdisziplinären Zusammenarbeit. Das Zertifikat wurde vor Kurzem im Rahmen des 30. ESPU-Kongresses in Lyon verliehen.

„Die gestellten Anforderungen an ein zertifiziertes Ausbildungszentrum sind hoch und wir freuen uns sehr, dass wir das geschafft haben“, sagt Dr. Hirsch-Koch stolz. Das Team der Kinderurologie des Uni-Klinikums Erlangen hat die Gutachter überzeugt und konnte alle strengen ESPU-Anforderungen erfüllen. „Beurteilt werden vor allem das operative Spektrum, das die gesamte Bandbreite der Kinderurologie abdecken muss, sowie die Fallzahlen“, erläutert Dr. Hirsch-Koch. „Ebenfalls wichtig sind die strukturelle Ausstattung der Klinik, das Nachsorgeangebot und ganz besonders die ausgezeichnete interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Kollegen der Kindernephrologie, der Kinderanästhesie, der Kinderintensivstation, der Neonatologie, der Kinderchirurgie, der Nuklearmedizin, der Kinderradiologie und nicht zu vergessen der Sonografieabteilung der Kinderklinik.“ In interdisziplinären Konferenzen werden komplexe, fachübergreifende Fälle besprochen und ein gemeinsames Behandlungskonzept festgelegt. 

In der zur Kinderurologie gehörigen Blasenschule werden Kinder mit Blasenentleerungsstörungen und Einnässproblematiken betreut. Dies erfolgt unter Aufsicht der Kinderurologen und der beiden eigens hierfür ausgebildeten Urotherapeutinnen.

Austauschprogramm für Ärzte


Das zweijährige Fellowship, das zum Erwerb des Europäischen Facharztes für Kinderurologie erforderlich ist, wird durch einen Ausbildungsplan genau organisiert. In einem Logbuch halten die Ärzte sowohl ihre Behandlungen und operativen Eingriffe, klinische Aus- und Weiterbildungen als auch ihre Teilnahme an interdisziplinären Konferenzen und Kongressen fest. Durch den Anschluss an die ESPU haben die Fellows außerdem die Möglichkeit, an europäischen Austauschprogrammen teilzunehmen und Partnerkliniken zu besuchen. Sind alle Anforderungen erfüllt, darf die Prüfung abgelegt werden. „Mit der Zertifizierung können wir zeigen, dass unsere Einrichtung hohe Qualitätsstandards auf europäischem Niveau erfüllt“, freut sich Dr. Hirsch-Koch.

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28.06.2019 Entwicklung neuer Therapien gegen Schwarzen Hautkrebs
uni | mediendienst | forschung Nr. 46/2019

Stiftung Deutsche Krebshilfe fördert Studie des Erlanger Hautklinik mit 581.775 Euro

Immuntherapien gelten als Meilensteine im Kampf gegen den metastasierten Schwarzen Hautkrebs, das sogenannte Melanom. Die Therapien sind jedoch nicht bei allen Patienten wirksam. Prof. Dr. Lucie Heinzerling, Oberärztin der Hautklinik (Direktor: Prof. Dr. med. univ. Gerold Schuler) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), will für diese Patienten im Rahmen einer Studie neue Behandlungsmethoden entwickeln. Die Leiterin des Bereichs Dermatoonkologie der Erlanger Hautklinik untersucht in Kooperation mit Kollegen der Universitätskliniken Regensburg und Würzburg, ob in solchen Fällen eine Kombination aus Immun- und Chemotherapie positiv wirken kann. Von der Stiftung Deutsche Krebshilfe erhält sie dafür Fördergelder in Höhe von 581.775 Euro.

Mehr als 20.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland am Schwarzen Hautkrebs. Wird dieser aggressive Krebs nicht rechtzeitig erkannt und therapiert, kommt es zu Metastasen in verschiedenen Organen. Die Einführung der Immuntherapie mittels der sogenannten Immuncheckpoint-Blockade (ICB) zeigt nicht nur beim metastasierten Melanom, sondern auch bei anderen Tumoren wegweisende Erfolge. Die Checkpoint-Inhibitoren verstärken die Immunabwehr der Zellen und unterstützen damit die gezielten Abwehrmechanismen des Körpers gegen die Krebszellen. „Es gibt jedoch eine große Zahl von Patienten, die auf die Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren nicht ansprechen. Für diese wollen wir neue Therapiemethoden entwickeln“, erläutert Prof. Heinzerling, die seit mehr als zwanzig Jahren Immuntherapien untersucht, insbesondere bei Melanom- und Lymphompatienten.

Das Konzept der aktuellen Studie, die in Zusammenarbeit mit PD Dr. Sebastian Haferkamp (Uni-Klinikum Regensburg) und Prof. Dr. Bastian Schilling (Uni-Klinikum Würzburg) sowie Prof. Dr. Anja Boßerhoff (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) entwickelt wurde, beruht auf der klinischen Beobachtung, dass sich Chemo- und Immuntherapie bei einer ICB-Resistenz in ihrer Wirkung ergänzen können. „Dies wollen wir mit unserer Studie testen, indem Patienten mit metastasiertem Melanom bei Resistenz gegen Checkpoint-Inhibitoren zuerst eine sichere und gut verträgliche Monochemotherapie erhalten und anschließend eine kombinierte ICB“, erläutert Prof. Heinzerling. Die Finanzierung des Projekts mit einer Fördersumme von insgesamt 581.775 Euro durch die Stiftung Deutsche Krebshilfe ermöglicht dessen Umsetzung an allen drei Standorten Erlangen, Regensburg und Würzburg. „Die Ergebnisse des neuen Therapieansatzes sollen nicht nur den Melanompatienten helfen, die auf die Immuntherapie resistent reagieren“, betont die Erlanger Wissenschaftlerin. „Mit dem Melanom als Modelltumor erwarten wir von der Studie auch wichtige Erkenntnisse zu den Mechanismen der Resistenz, die sich dann auf andere Tumorentitäten übertragen lassen.“

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24.06.2019 Förderung der Organspende ist Gemeinschaftsaufgabe
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Berlin, 24.06.2019 – „Der gemeinschaftliche Initiativplan Organspende des Bundesgesundheits-ministeriums und vieler weiterer Organisationen aus dem Gesundheitswesen kann wesentlich dazu beitragen, die Zahl der Spenderorgane zu erhöhen. Damit gibt er den mehr als 10.000 Menschen auf der Warteliste mehr Hoffnung auf Leben.“ Das sagte Dr. Günther Matheis, Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer (BÄK) und Vertreter der BÄK
bei der morgigen Vorstellung des Initiativplans in Berlin.

Der gemeinschaftliche Initiativplan Organspende, an dem sich auch die Bundesärztekammer beteiligt, knüpft unmittelbar an das 2. TPG-Änderungsgesetz an. Er soll insbesondere die Entnahme-
krankenhäuser und die Transplantationsbeauftragten weiter stärken. Die Transplantations-beauftragten sollen stärker vernetzt und ihre Tätigkeit weiter professionalisiert werden. Für die
Krankenhäuser mit wenig Erfahrung in der Organspende werden konkrete Unterstützungsleistungen beschrieben. Darüber hinaus werden Maßnahmen empfohlen, die gesamtgesellschaftlich ein
stärkeres Bewusstsein für die Organspende schaffen können.

„Die Förderung der Organspende in Deutschland ist eine Gemeinschaftsaufgabe, der sich Politik, Selbstverwaltung und die Gesellschaft insgesamt mit ganzer Kraft verschreiben müssen“,
sagte Matheis. Er betonte, dass die Förderung der Organspende und der Transplantationsmedizin für die Bundesärztekammer und für die Landesärztekammern ein besonderes Anliegen sind. „Wir engagieren uns hier seit Jahrzenten auf unterschiedlichsten Ebenen. Unter anderem trägt die Richtlinienarbeit der Bundesärztekammer wesentlich zu Rechtssicherheit und transparenten Strukturen in der Transplantationsmedizin bei.“

Bundesärztekammer (BÄK)
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17.06.2019 Keine falsche Scham - Welt-Kontinenz-Woche soll auf tabuisierte Leiden aufmerksam und Betroffenen Mut machen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 73/2019

Kein Wort kommt über ihre Lippen, sie leiden lieber jahrelang still vor sich hin als die peinlichen Probleme laut auszusprechen: Bei vielen Menschen mit Inkontinenz überwiegt die Scham. Sie vertrauen sich nicht einmal Ärzten an und so wachsen sich die Symptome immer weiter aus. Dabei muss aus ein paar Tropfen in der Unterhose keine Inkontinenz entstehen – wenn rechtzeitig die richtigen Schritte eingeleitet werden. Betroffene früh zu erreichen, ihnen Hilfe anzubieten und Mut zu machen: Das ist eines der Ziele der Welt-Kontinenz-Woche (17. – 23.06.2019), an der sich auch das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Universitätsklinikums Erlangen beteiligt. Den hiesigen Experten ist es ein großes Anliegen, nicht nur über die Behandlung bereits bestehender Probleme zu informieren, sondern auch Vorbeugungsmaßnahmen und konservative Therapiemöglichkeiten bei beginnender Harn- und/oder Stuhlinkontinenz vorzustellen.

„Inkontinenz ist das Hauptsymptom, aber die ersten Anzeichen für eine Beckenbodenschwäche sind vielfältig“, weiß PD Dr. Birgit Bittorf, Ärztin der Chirurgischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Am offensichtlichsten ist der unkontrollierte Verlust von Urin und/oder Stuhl, aber auch immer wiederkehrende Verstopfungen sind ein Hinweis auf eine entsprechende Erkrankung.“ Viele Betroffene warten viel zu lange, bis sie sich Hilfe holen. „Gerade Frauen sind den Umgang mit Binden gewohnt“, weiß Dr. Mathias Winkler, Oberarzt der Frauenklinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Sie arrangieren sich teils über viele Jahre mit dem Tröpfeln.“ Dabei sollten Patienten am besten sofort kommen und erste Symptome gleich abklären lassen. „Warten Sie nicht, bis der Leidensdruck ins Unermessliche gestiegen ist und die Inkontinenz Ihre Lebensqualität einschränkt“, rät Dr. Verena Lieb, Oberärztin der Urologischen und Kinderurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Prophylaxe ist das A und O. Mit einer ganzen Reihe von konservativen Maßnahmen können wir außerdem viel erreichen. Operationen sind häufig erst der letzte Schritt.“

Inkontinenz einfach vorbeugen
Funktionsstörungen von Blase und Darm treten bei beiden Geschlechtern und auch in jeder Altersgruppe auf. „Natürlich ist die Zahl der Betroffenen unter den Senioren am größten“, bestätigt PD Bittorf, „aber ein gesunder Lebensstil trägt viel dazu bei, dass Inkontinenz erst spät zum Thema wird.“ Die Prophylaxe ist keine Zauberei: ein normales Körpergewicht, nicht rauchen, ballaststoffreiche Ernährung zugunsten einer geregelten Darmtätigkeit, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, nicht schwer heben und körperliche Betätigung. „Wir sprechen bewusst nicht von Sport“, betont Dr. Lieb. „Es reicht, wenn Sie die Treppe statt den Aufzug nehmen und zwei-/dreimal in der Woche einen 30-minütigen Spaziergang machen. Sie müssen keine Höchstleistungen erbringen.“ Generell sollten Extreme vermieden werden: „Trinken Sie genug und vor allem gleichmäßig über den Tag verteilt“, erläutert Dr. Winkler. „Sie setzen sich und ihren Körper selbst unter Druck, wenn Sie abends noch zwei Liter Wasser hinunterstürzen.“ Eine volle Blase sollte außerdem in jedem Fall geleert werden: „Viele Menschen sitzen das dringende Bedürfnis aus, weil sie zum Beispiel gerade Stress auf der Arbeit haben“, weiß PD Bittorf. „Tun Sie das nicht! Gehen Sie aufs Klo, wenn Sie müssen.“ Die Anzahl der täglichen Toilettengänge ist übrigens kein Indiz für Inkontinenz. Beim kleinen Geschäft ist diese Zahl beispielsweise von der Trinkmenge abhängig, dabei sind ungefähr vier bis sechs Mal am Tag die Regel, doch beim Stuhlgang variiert die Häufigkeit von Mensch zu Mensch: Der eine leert seinen Darm nur zweimal in der Woche, der andere dreimal am Tag.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten ausschöpfen

Mit Patienten, die sich selbst im Kontinenzzentrum des Uni-Klinikums Erlangen vorstellen oder von einem niedergelassenen Arzt überwiesen werden, führen die Spezialisten zunächst ein ausführliches Erstgespräch. Dabei fragen sie u. a. ab, ob es sich um einmalige Ereignisse handelt oder um seit Jahren bestehende Probleme. „Wir bitten viele der Betroffenen, eine Zeit lang Tagebuch zu führen, um einen Überblick zu bekommen“, erläutert PD Bittorf. Auch vor der anschließenden Diagnostik muss sich niemand fürchten: Bei Frauen gleicht sie der normalen gynäkologischen Untersuchung. Je nach Situation führen die Ärzte Funktions- und Druckmessungen durch, spiegeln Harnblase oder Darm. Fälle, die sich tatsächlich als Funktionsstörungen der beiden Organe manifestieren, werden in der interdisziplinären Kontinenz- und Beckenbodenkonferenz gemeinsam besprochen, sodass für jeden Patienten ein individueller Behandlungsplan erstellt werden kann. „Erst schöpfen wir die konservativen Möglichkeiten aus“, sagt Dr. Winkler und nennt Beispiele: „Wir empfehlen Physiotherapie zur Aktivierung des Beckenbodens oder Biofeedbacktraining, und zur Stuhlregulation setzen wir Quellmittel wie Flohsamen ein.“ Viele Leiden lassen sich damit gut in den Griff bekommen.

Vertrauen aufbauen – Lebensqualität zurückgeben

Wenn die konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, beraten die Erlanger Experten ihre Patienten hinsichtlich einer Operation. „Bei manchen Frauen senken sich – zum Beispiel infolge von Schwangerschaften, Veranlagung oder schwerer körperlicher Arbeit – die inneren Organe“, erläutert Dr. Winkler. „Im Rahmen eines kleinen Eingriffs rekonstruieren wir das Beckenbindegewebe und können die Probleme so in der Regel beheben.“ Bei Männern tritt Inkontinenz oft nach Prostatakarzinom-OPs auf. „Ist die konservative Therapie durch Beckenbodentraining, mit dem idealerweise bereits vor der Operation begonnen wird, ausgeschöpft, kann die Einlage eines Männerbandes erwogen werden“, sagt Dr. Lieb. Leider lässt sich Inkontinenz nicht in jedem Fall erfolgreich therapieren. Erklärtes Ziel der Spezialisten ist es allerdings, die Betroffenen zu unterstützen und in jedem Fall die Lebensqualität zu steigern. „Manche ziehen sich komplett zurück, trauen sich nicht mehr, Urlaubsreisen zu unternehmen und treten aus dem Sportverein aus“, weiß PD Bittorf. „Das muss nicht sein! Auch mit Entleerungsstörungen lässt sich ein normales Leben mit sozialen Kontakten führen.“ Dank Einfühlungsvermögen und Fachwissen gelingt es den Spezialisten, ein Vertrauensverhältnis zu ihren Patienten aufzubauen. „Wir begleiten die Betroffenen so lange wie Bedarf besteht – manchmal über viele Monate und Jahre“, betont Dr. Winkler. „Wenn das Eis einmal gebrochen ist und die Patienten Vertrauen gefasst haben, kommen sie bei den nächsten Anzeichen wieder zu uns – und warten nicht zu lange.“

Kontinenzzentrum des Uni-Klinikums Erlangen


Das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Universitätsklinikums Erlangen wurde im Juli 2015 erstmals erfolgreich zertifiziert. Unter seinem Dach behandeln Experten der Chirurgischen Klinik, der Frauenklinik und der Urologischen und Kinderurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen gemeinsam Patienten und erarbeiten individuelle Therapieempfehlungen. Ziel ist die Bündelung von Fachwissen rund um das Krankheitsbild Harn- und Stuhlinkontinenz sowie verschiedene andere mit dem Beckenboden zusammenhängende Erkrankungen. Sprecher des interdisziplinären Zentrums sind Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Frauenklinik), Prof. Dr. Klaus Matzel (Koloproktologie/Chirurgie) und Prof. Dr. Bernd Wullich (Urologie).

Weitere Informationen:
Geschäftsstelle des Kontinenzzentrums
Tel.: 09131 85-42660
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17.06.2019 Die eigene Stimme gezielt steuern - FAU-Forscherin entwickelt Training für mehr Gespür im Kehlkopf
uni | mediendienst | forschung Nr. 44/2019

Nehmen wir an, ein Sänger trüge Ohrstöpsel oder Kopfhörer und könnte seine eigene Stimme nicht hören. Würde er trotzdem wissen, ob er hoch oder tief, laut oder leise singt? Ob er den richtigen Ton trifft? Das würde er, sagt Dr. Anke Ziethe aus der Hals-Nasen-Ohren-Klinik im Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Allerdings sei diese Fähigkeit bei Menschen unterschiedlich gut ausgeprägt. Die Wissenschaftlerin hat auf Basis ihrer logopädischen Forschung ein Trainingsprogramm entwickelt, das nach den ersten erfolgversprechenden Tests jetzt in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekt an Probanden erprobt werden soll.

„Was uns in die Lage versetzt, den Ton, den wir mit unserer Stimme erzeugen, gleichsam zu ‚spüren’, nennt sich kinästhetische Wahrnehmung“, erklärt die Logopädin. Es ist also eine Art Bewegungsempfindung – in diesem Fall des Kehlkopfs und der Stimmbänder. Diese kinästhetische Wahrnehmung unterscheiden Experten von der auditiven Wahrnehmung, also dem Eindruck, der entsteht, wenn wir den Ton aus unserer eigenen Kehle tatsächlich hören. Je besser unsere kinästhetische Wahrnehmung ist, desto besser funktioniert auch die kinästhetische Steuerung – also unser Einfluss auf den produzierten Ton, selbst wenn wir ihn nicht hören. Die gute Nachricht: Diese Fähigkeit lässt sich trainieren.

Dabei führt die Wissenschaftlerin zunächst eine umfassende Diagnostik durch, bei der eine Grundaufnahme der Stimme gemacht und analysiert wird, wie die Stimme klingt, wie gut die Person sie beherrscht und wie gut die auditive und kinästhetische Steuerung gelingt. Im Anschluss trainieren die Probanden und Probandinnen nach Ziethes Anleitung über fünf Wochen hinweg zweimal pro Woche. Dabei wird der Ton, den den die Person produziert, quasi „auditiv maskiert“ – zum Beispiel mit einem Störgeräusch oder indem das Gehör durch Kopfhörer komplett ausgeschaltet wird.

Am Ende der Trainingsphase misst sie erneut – und evaluiert den Erfolg des Trainings. Außerdem wird noch einmal nach drei Monaten gemessen, um zu überprüfen, ob die erlernten Fähigkeiten auch nach längerer Zeit stabil bleiben. Ihr Ziel: Menschen mit Stimmproblemen zu helfen, aber auch solchen, die ihre Stimme professionell einsetzen, ein Instrument an die Hand zu geben, um ihre eigene Tonproduktion besser erspüren und steuern zu können.

Die Trainingseinheit soll zunächst an 20 bis 30 Probandinnen und Probanden getestet werden, die möglichst noch nicht über eine professionell gebildete Stimme verfügen sollten.

Interessenten können sich bei der Wissenschaftlerin direkt melden und über das Trainingsprogramm informieren.

Bildmaterial gibt es unter: https://www.fau.de/files/2019/06/Ziehte_Anke_Joerg-Ziethe7757.jpg

Bildunterschrift: Dr. Anke Ziethe von der Phoniatrischen und Pädaudiologischen Abteilung in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen der FAU. (Bild: Jörg Ziethe)

Weitere Informationen:
Dr. Anke Ziethe
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07.06.2019 Nebenwirkungen besser verstehen – Lebensqualität verbessern
uni | mediendienst | aktuell Nr. 71/2019

Online-Register von Erlanger Wissenschaftlerin erhält Anschubfinanzierung in Höhe von 100.000 Euro
„Die Immunonkologie hat die Krebsbehandlung revolutioniert“, sagt Prof. Dr. Lucie Heinzerling, Oberärztin der Hautklinik (Direktor: Prof. Dr. med. univ. Gerold Schuler) des Universitätsklinikums Erlangen. „Doch über einige Nebenwirkungen der neuen Tumortherapien ist noch zu wenig bekannt – das wollen wir mit einem speziellen Online-Register ändern.“ Dank einer großzügigen Förderung können Prof. Heinzerling, die den Bereich Dermatoonkologie der Erlanger Hautklinik leitet, und ihr Team dieses Vorhaben schneller in die Tat umsetzen: Die Anschubfinanzierung in Höhe von 100.000 Euro wird von der Bristol-Myers Squibb-Stiftung Immunonkologie übernommen. „So ein Register hilft, Krankheitsverläufe besser zu verstehen“, begründet Dr. Michael May, Mitglied des Stiftungsvorstands, die Förderzusage. „Und dadurch verbessert sich für die Patienten dank der Immuntherapie nicht nur die Behandlung der Krebserkrankung, sondern auch die Lebensqualität.“

Seit über zehn Jahren untersucht Prof. Heinzerling zusammen mit Kollegen in Erlangen, Europa und den USA seltene und komplexe Nebenwirkungen der neuartigen Immuntherapien, die bislang insbesondere beim Melanom, dem sogenannten Schwarzen Hautkrebs, durchgeführt wurden. Da Immuntherapien zunehmend auch bei anderen Tumorerkrankungen und in früheren Stadien zum Einsatz kommen, wird das gute Management von Nebenwirkungen immer relevanter. Das Register, das die Erlanger Wissenschaftlerin und ihr Team bisher aufgebaut haben, soll nun in Kooperation mit dem Paul-Ehrlich-Institut als Online-Plattform Ärzten, die onkologische Patienten betreuen, zugänglich gemacht werden. Ziel dieser umfassenden Vernetzung ist es, die Erfahrungen der Spezialisten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zum Wohl der Patienten zu bündeln. So besteht insbesondere für neurologische Nebenwirkungen eine enge Kooperation mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin (Dr. Samuel Knauß). „Die großzügige Förderung unterstützt uns genau in der sensiblen Pilotphase und gewährleistet die Datenauswertung für ein ganzes Jahr“, freut sich Prof. Heinzerling.

Bristol-Myers Squibb-Stiftung Immunonkologie

Ziel der Bristol-Myers Squibb-Stiftung Immunonkologie ist es, die Lebenserwartung und die Lebensqualität von Menschen mit einer Krebsdiagnose zu verbessern. Zu diesem Zweck fördert die unabhängige und gemeinnützige Stiftung gezielt wissenschaftliche Arbeiten und auch Studien, die Daten zum besseren Verständnis von onkologischen Krankheitsverläufen erheben und die Lebensqualität bei onkologischen Erkrankungen erforschen.

Website der Bristol-Myers Squibb-Stiftung Immunonkologie: www.stiftung-io.org
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Prof. Dr. Lucie Heinzerling
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07.06.2019 Die Zukunft der kommunalen Krankenhäuser kann beginnen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Nach drei Monaten zähen Ringens waren die nun abgeschlossenen Tarifverhandlungen im März zunächst daran gescheitert, dass die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) nicht einmal bereit war, dem Marburger Bund die tatsächliche Geltung des von und mit ihm abzuschließenden Tarifvertrages zuzusichern“, schreibt Dr. Andreas Botzlar, 1. Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Leitartikel der Juniausgabe des Bayerischen Ärzteblattes.
Die zurückliegenden Wochen haben sehr deutlich gezeigt, wie wichtig insbesondere jüngeren angestellten Ärztinnen und Ärzten Arbeitsbedingungen seien, die sie nicht krank machen oder sozial deprivieren, die ihnen ein geordnetes gesellschaftliches Leben erlauben und unter denen die Bedürfnisse der Patienten im Mittelpunkt ihres ärztlichen Handels stehen.

„Bis zuletzt war es am schwierigsten, die VKA davon zu überzeugen, dass auch Ärztinnen und Ärzte regelmäßig freie Wochenenden brauchen“, schreibt Botzlar. Diese Hürde konnte genommen werden: Ärztinnen und Ärzte haben zukünftig an zwei Wochenenden im Monat frei. Schwer verständlich bleibe, warum von Arbeitgebern oft der bürokratische Aufwand tariflicher Regelungen beklagt wird, die VKA aber darauf besteht, dass aus Gründen der anders nicht zu gewährleistenden Patientensicherheit nicht gewährte freie Wochenenden eines Kalenderhalbjahres des Antrags der Anspruchsberechtigten bedürfen, um im Folgehalbjahr gewährt zu werden. „Ein Automatismus wäre bürokratisch deutlich weniger aufwendig. Oder sollte es am Ende darum gehen, dass möglichst viele Ärztinnen und Ärzte – aus welchem Grund auch immer – ihren Anspruch verfallen lassen?“, fragt der BLÄK-Vize.

Begrenzt wird auch die Anzahl der Bereitschaftsdienste: mehr als durchschnittlich vier im Monat werden nur noch zulässig sein. Zudem wird bei mehr als durchschnittlich vier Diensten ein Zuschlag von jeweils zehn Prozent auf die Vergütung fällig.

Als weiterer echter Fortschritt werde sich der Grundsatz erweisen, wonach die Anwesenheit im Krankenhaus als Arbeitszeit anzusehen sei. „Was auf den ersten Blick wie eine Selbstverständlich-keit wirkt, ist bisher nicht der Fall“, so Botzlar abschließend.

Mehr zu „Die Zukunft der kommunalen Krankenhäuser kann beginnen“ lesen Sie in der Juniausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Pressestelle
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04.06.2019 Leisen Killern auf der Spur -35 Millionen Euro für exzellenten Forschungsverbund zur Entwicklung neuer Immuntherapeutika für Emerging Viral Diseases
uni | mediendienst | forschung Nr. 42/2019

uni | mediendienst | forschung Nr. 42/2019 vom 4. Juni 2019

 

Leisen Killern auf der Spur

35 Millionen Euro für exzellenten Forschungsverbund zur Entwicklung neuer Immuntherapeutika für Emerging Viral Diseases

Emerging Viral Diseases – hinter diesem Begriff verbergen sich Erreger wie das Ebolavirus. Zwar können sich Menschen mithilfe von Impfungen gegen diese Krankheiten schützen, ist die Erkrankung jedoch ausgebrochen, besteht dringender Bedarf an therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten. Das neue globale Forscherkonsortium, das vom National Institute for Allergy and Infectious Diseases, USA, im Rahmen des Centres for Excellence in Translational Research Programms mit 35 Millionen Dollar gefördert wird, will genau diese weiter erforschen. Neben Partnern wie der Harvard-Universität, dem Massachusetts-Institut für Technologie (MIT), beide USA, und industriellen Projektpartnern ist die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) an dem internationalen Forschungsverbund beteiligt.

Eine Infektion mit Viren wie dem Ebola-, Lassa- oder Hantavirus kann hämorrhagische Fiebererkrankungen hervorrufen, die zu schweren Organschädigungen führen und im Fall von Ebola häufig tödlich verlaufen. In den vergangenen Jahren gab es gehäuft größere Ausbrüche von Ebola in Afrika, die sich nur schwer kontrollieren ließen. In Bayern wiederum treten immer wieder Infektionen mit dem Hantavirus auf, welches durch Mäusekot auf den Menschen übertragen wird.

Obwohl mit Hochdruck an neuen Impfungen gearbeitet wird, erschweren die Verhältnisse zum Beispiel in afrikanischen Ländern eine erfolgreiche flächendeckende Impfung. Zudem helfen Impfungen vor allem vorbeugend, nicht aber wenn die Erkrankung bereits ausgebrochen ist. Daher besteht weiterhin ein sehr großer Bedarf an therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung bereits erkrankter Menschen.

„Ziel des Konsortiums ist es, herauszufinden, wie das Immunsystem betroffener Individuen es geschafft hat, die Erkrankung zu besiegen“, sagt Prof. Dr. Falk Nimmerjahn, Leiter des Lehrstuhls für Genetik der FAU und Mitglied des internationalen Konsortiums.

In Zusammenarbeit mit der Harvard-Universität fokussieren sich die FAU-Wissenschaftler besonders auf die Analyse der Antikörperantwort. Antikörper sind Eiweißstoffe, die das Immunsystem passgenau für Erreger herstellen kann und die im Prinzip in der Lage sein sollten, solche Erkrankungen zu besiegen. Warum dies allerdings bei manchen Krankheiten nur sehr selten gelingt, ist unklar.

Aus Vorarbeiten von Prof. Dr. Erica Ollmann Saphire vom La Jolla Institut für Immunologie, USA, die das neue Konsortium leitet, ist bekannt, dass bestimmte Antikörpervarianten mit einem Schutz vor den tödlichen Erkrankungen korrelieren. Hierbei ist nicht nur wichtig, wie gut die Antikörper sich an das Virus binden, sondern vor allem wie gut sie in der Lage sind, Immunzellen zu aktivieren. „Jede Virusinfektion hinterlässt sozusagen einen molekularen Fußabdruck in Form einer spezifischen Antikörperantwort. Wenn es uns gelingt, den Code, der in diesem Abdruck vorhanden ist zu entschlüsseln und damit die Antikörpervarianten zu isolieren, die in der Lage sind, das Virus unschädlich zu machen, können wir diese Antikörper gezielt herstellen und betroffenen Patienten auch nach Ausbruch der Erkrankung verabreichen“, erläutert Prof. Nimmerjahn weiter. Das wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg, Ausbrüche schneller zu kontrollieren, und den vielen Betroffenen eine wirksame Therapie anzubieten bis effektive und flächendeckende Impfungen zur Verfügung stehen.

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Prof. Dr. Falk Nimmerjahn
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03.06.2019 Zellkommunikation entschlüsseln FAU-Forscher erhält Förderpreis für Forschungsarbeit zu Schlüsselfaktoren chronisch entzündlicher Darmerkrankungen
uni | mediendienst | forschung Nr. 41/2019

Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung verleiht dem angehenden Gastroenterologen Dr. Sebastian Zundler vom Lehrstuhl für Innere Medizin I der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg (FAU) den Ernst Jung-Karriere-Förderpreis für medizinische Forschung 2019. Den Preis erhält er für sein Forschungsprojekt zur Bedeutung von intestinalen gewebsansässigen Gedächtnis-T-Zellen, kurz TRM-Zellen, bei der Entstehung und Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Mit dem Preisgeld von insgesamt 210.000 Euro unterstützt die Stiftung über einen Zeitraum von drei Jahren Zundlers Projekt, das diesen Zelltypus mit dem Ziel zukünftiger therapeutischer Ansätze weiter erforscht.
 
Kommunizierende Zellen und Entzündungen
Mehr als 400.000 Menschen in Deutschland leiden unter den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die Erkrankungen verlaufen in Schüben, in welchen das Immunsystem im Darm fehlerhaft aktiviert und so das Darmgewebe zerstört wird. Trotz Fortschritten in der medikamentösen Behandlung kann die chronische Entzündung nach wie vor bei einer Vielzahl von Patienten nicht ausreichend kontrolliert werden. Zudem ist weitgehend unklar, wie die Entzündungsschübe ausgelöst werden.
 
Sebastian Zundler und sein Forscherteam gehen davon aus, dass intestinale TRM-Zellen bei der Entstehung dieser Darmerkrankungen sowie unter Umständen auch bei anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis eine Rolle spielen. „Vorarbeiten hatten bereits ergeben, dass TRM-Zellen eine Schlüsselrolle bei der Auslösung von Schüben zukommt und sie die Einwanderung und Entwicklung anderer Immunzellen in einem frühen Stadium der Entzündung kontrollieren“, erläutert Zundler. „Uns gelang es dann zu zeigen, dass TRM-Zellen über unterschiedliche Botenstoffe mit anderen Immunzellen kommunizieren und diese steuern.“ Dieses Kommunikationsnetzwerk will Zundler entschlüsseln und verstehen, um es für Therapieansätze nutzbar zu machen.
 
Homepage der Medizinischen Klinik 1: https://www.medizin1.uk-erlangen.de/
 
Informationen:
Dr. Sebastian Zundler
Tel.: 09131/85-35000
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27.05.2019 Neues Forschungsprojekt zur heutigen Arbeitswelt - FAU-Forscher untersuchen Ursachen und Konsequenzen der Arbeitsverdichtung
uni | mediendienst | forschung Nr. 40/2019

Mehr Arbeit in der gleichen Zeit schaffen: Die Digitalisierung macht es möglich. Doch das beschleunigte Aufkommen von Informationen und Aufgaben kann auch negative Effekte für Beschäftigte nach sich ziehen. In einem Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Psychologie, insbesondere Wirtschafts- und Sozialpsychologie sowie am Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersuchen Wissenschaftler die Anforderungen der heutigen Arbeitswelt und zeigen auf, wie Arbeitnehmer mit Belastungen umgehen können. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung fördert das Projekt mit rund 450.000 Euro.

Im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung und Vernetzung erfährt die Arbeitswelt einen tiefgreifenden Wandel. Der Zugang zu Informationen wird erleichtert, die Zusammenarbeit flexibler. Smartphones und Laptops ermöglichen, dass Beschäftigte von überall und zu jeder Zeit erreichbar sind und ihre Arbeitsaufgaben wahrnehmen können. Dadurch verschwimmen zum einen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, zum anderen verändert sich die Arbeitsumgebung, was sich auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken kann.
Was früher analog und nacheinander bearbeitet wurde, läuft jetzt vermehrt parallel über Software-Plattformen. Diese neuartigen Arbeitsprozesse führen zu einer vereinfachten und schnelleren Leistungserbringung in höherer Qualität und setzen Wachstumspotenziale frei. Das bedeutet, dass mehr Arbeit in der gleichen Zeit geleistet werden kann, aber auch, dass Kompetenzen der Beschäftigten verfallen und sie neue erlernen müssen. Auch das kann die physische und psychische Gesundheit der Arbeitnehmer gefährden. Daher sind geeignete Verfahren notwendig, um Gesundheitsgefahren durch diese Facetten von Arbeitsverdichtung zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Im Forschungsprojekt ArbeitsVerdichtung Erlangen-NUErnberg (AVENUE) untersuchen FAU-Wissenschaftler um Prof. Dr. Klaus Moser und Prof. Dr. med. Hans Drexler die Ursachen und Konsequenzen dieser Arbeitsverdichtung und stellen Analyse-Instrumente und Präventionsmaßnahmen auf einer webbasierten Plattform zusammen. Diese unterstützt betriebliche Experten wie Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Mitarbeiter des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und Betriebsärzte sowie Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger darin, neue Formen der Arbeitsverdichtung zu spezifizieren, ihre Ursachen zu identifizieren und bedarfsorientierte Ansatzpunkte für einen belastungsgünstigen Umgang aufzuzeigen.

Mehr Informationen zum Projekt: www.arbeitsverdichtung.de

Weitere Informationen:
PD Dr. Roman Soucek
Tel.: 0911/5302-245
roman.soucek@fau.de

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27.05.2019 Wir sind Vielfalt-190.000 Gesichter der Unimedizin: Deutsche Uni-Klinika setzen Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Offenheit
ni | mediendienst | aktuell Nr. 65/2019

„Im Moment ist eine sehr spannende Zeit“, findet Prof. Dr. Raja Atreya. „Denn aktuell laufen weltweit viele Studien zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und wir haben somit viele neue Erkenntnisse in Aussicht.“ Forschungsergebnisse, die nicht nur dem Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen, sondern vor allem auch seinen Patienten Hoffnung machen. Trotz verschiedener Behandlungsschemata kommt es immer wieder vor, dass Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) nicht auf die etablierten Therapien ansprechen. Eine bedauerliche Tatsache, die Prof. Atreya verändern möchte – möglichst schnell. Deswegen hat sich der Leiter des Schwerpunkts CED für die Tätigkeit an einem Universitätsklinikum entschieden. „Hier kann ich gleichzeitig forschen und Patienten behandeln“, erläutert er. „Am Wichtigsten: Ich kann die Ergebnisse meiner Forschung direkt in die Klinik übertragen, wo sie den Patienten zugutekommen.“ Das Wechselspiel zwischen Forschung, Studien und klinischer Tätigkeit stellt für ihn die ideale Kombination dar. Und es ist ihm ein Anliegen, junge Ärzte für die Vielfalt ihres Berufes, also sowohl für die Forschung als auch für die Klinik, zu begeistern. Damit ist er ein Gesicht der aktuellen Kampagne „Wir sind Vielfalt“ des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands e. V. (VUD).

Pünktlich zum Deutschen Diversity-Tag, der am Dienstag, 28. Mai 2019, gefeiert wird, startet die diesjährige VUD-Kampagne „Wir sind Vielfalt“. Aus jedem der 34 deutschen Uni-Klinika wird eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter vorgestellt. Sie stehen exemplarisch für die rund 190.000 Menschen, die sich Tag für Tag in den deutschen Uni-Klinika zum Wohl der Patienten engagieren. Die Vielfalt zeigt sich in jeglicher Hinsicht: Von den offensichtlichen Berufsgruppen über Alter, ethnische Herkunft und Nationalität sowie Geschlecht und geschlechtliche Identität bis hin zu Behinderung, Religion und Weltanschauung sowie sexuelle Orientierung und Identität.

Das perfekte Team stellte die Weichen

Dass Prof. Atreya heute die Heisenberg-Professur für translationale Immunforschung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen innehat und ein international gefragter CED-Experte ist, ist eher ein Zufall. Während seines Medizinstudiums in Mainz hatte er als Fachrichtung eigentlich die Urologie im Blick. Der Aushang einer medizinischen Doktorandenstelle führte ihn jedoch zu Prof. Dr. Markus F. Neurath in die Gastroenterologie. „Schon früh hatte ich den Wunsch, Forschung und gute Patientenversorgung zu verbinden“, erinnert sich der heute 43-Jährige. „Die Stelle in der Anzeige fand ich interessant und wollte mal Erfahrungen im Labor sammeln. Damals wusste ich nicht, dass diese Entscheidung wichtige Weichen für meine Karriere stellen würde!“ Denn das Team aus Ärzten, Biologen und medizinisch-technischen Assistenten, in das Raja Atreya schnell und herzlich aufgenommen wird, erweist sich als perfekt. Hier lernt der junge Mediziner nicht nur seine künftige Ehefrau und gute Freunde kennen, sondern wird auch für die Innere Medizin und die Erforschung und Behandlung von CED begeistert. Seine Dissertation zum Thema Morbus Crohn schließt er 2004 mit der höchsten Bewertung „summa cum laude“ ab, und elf Jahre später wird ihm der Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis, einer der weltweit renommiertesten Preise für wegweisende Forschung in der Medizinwissenschaft, verliehen.

Wichtiger Partner des Patienten
Heute leitet Prof. Atreya den Bereich CED in der Medizinischen Klinik 1 des Uni-Klinikums Erlangen und stellt selbst Teams zusammen. Dabei achtet er neben der fachlichen Qualifikation auch auf die Empathie der Kollegen. „Unsere Patienten begleiten wir jahrelang, in guten wie in schlechten Zeiten. Wir sind wichtige Partner auf einem Lebensweg, der von der chronischen Krankheit nicht überschattet werden darf“, erklärt er. „Hinzu kommt, dass wir viele Betroffene in einer Lebensphase kennenlernen, die in vielerlei Hinsicht schwierig ist. Die Diagnosen werden häufig in der Pubertät gestellt, und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind oftmals eine sehr belastende Erkrankung für den betroffenen Patienten mit entsprechenden Auswirkungen im privaten und beruflichen Bereich.“ Hier seien Einfühlungsvermögen, eine emotionale Nähe zum Patienten, die Auswahl der bestmöglichen Therapie und ein  gemeinsames Therapieziel gefragt. Dies versucht Raja Atreyas Team aus Ärzten, Pflegekräften und Studienassistenten im Bereich CED zu gewährleisten. Nur das gute Zusammenspiel dieses Teams ermöglicht den Behandlungserfolg. „Das erfordert Zeit“, sagt Raja Atreya. „Zeit, die in der Hochleistungsmedizin häufig nicht vorgesehen ist, die wir aber versuchen, uns bewusst zu nehmen.“

Seine eigene Arbeitszeit teilt der Professor bestmöglich auf die verschiedenen Teilbereiche seiner Tätigkeit auf – anders geht es nicht. Neben der Patientenversorgung und Durchführung von klinischen Studien kümmert er sich auch um die experimentelle Arbeit im Labor. „Dieses wissenschaftliche Arbeiten wird mir durch die hervorragenden Mitarbeiter meiner Arbeitsgruppe ermöglicht“, betont Raja Atreya. „Im Klinikalltag mit all seinen Anforderungen ist es nicht immer einfach, sich ausreichend Zeit für die Forschung zu nehmen. Man muss hier bereit sein, zusätzliche Zeit zu investieren.“ Die wertvolle Mischung aus Kollegen, die sich entweder ausschließlich auf die klinische Versorgung der Patienten konzentrieren  oder dies mit klinischen Studien oder experimenteller Laborarbeit verbinden, macht für ihn das erfolgreiche Wirken an einem Universitätsklinikum aus.

Wie wichtig Forschung und die weltweite Vernetzung von Forschern sind, erlebt der gebürtige Darmstädter, dessen Eltern in den 1960er-Jahren als Fachkräfte aus Indien angeworben wurden, jeden Tag in der Klinik. „In Deutschland leiden mindestens 400.000 Menschen an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung und das Auftreten von CED nimmt weltweit deutlich zu“, weiß Raja Atreya. „Der Leidensdruck ist teils enorm. Die Lebensqualität kann bei komplizierten Verläufen der Erkrankung deutlich eingeschränkt sein.“ Diesen Patienten zu helfen, ist sein Ansporn. „Im Moment wissen wir immer noch nicht, welche verschiedene Faktoren zu der Entzündung im Darm führen. Aber genau das müssen wir immunologisch verstehen, damit wir neue und gezieltere Therapien für den einzelnen Patienten entwickeln können.“ Dank dem guten Vertrauensverhältnis, das Prof. Atreya und sein Team mit ihren Patienten aufbauen, helfen ihnen diese auch bei wissenschaftlichen Studien. „Wir freuen uns über die große Bereitschaft, mitzumachen“, sagt Prof. Atreya. „Dazu trägt sicher auch der gute Ruf des Uni-Klinikums Erlangen bei und die Vorreiterrolle, die die Medizinische Klinik 1 auf diesem Gebiet schon seit Jahren einnimmt.“


VUD-Kampagne „Vielfalt“

Die 34 deutschen Universitätskliniken und ihre über 190.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen für gesellschaftliche Vielfalt und Toleranz. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Menschen, Kulturen und Nationen in medizinischer Versorgung, Forschung und Lehre trägt maßgeblich dazu bei, Patientinnen und Patienten bestmöglich zu versorgen und neue Behandlungsmethoden zu entwickeln.
Mit einer deutschlandweiten Aktion setzen die deutschen Universitätsklinika ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Offenheit. Dazu werden am Deutschen Diversity-Tag am Dienstag, 28. Mai 2019, u. a. haushohe Banner mit Porträts von realen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Gebäuden der Uni-Kliniken gehisst. Sie symbolisieren die Vielfalt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Geschichten der Menschen auf dem Banner werden ab diesem Tag auf unterschiedlichen Kanälen verbreitet. Es geht um ihre beruflichen Herausforderungen an einem Uni-Klinikum, die Zusammenarbeit in Teams, aber auch um Persönliches wie Herkunft und Lebenskonzepte. Weitere Informationen: www.uniklinika.de

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24.05.2019 Fresszellen schützen vor Wurminfektionen
Pressemeldung der FAU

FAU-Wissenschaftler veröffentlichen Ergebnisse in Science Immunology

Zellen des Immunsystems, allgemein als „Fresszellen“ bekannt, schützen uns einerseits vor Infektionen durch verschiedene Mikroorganismen und tragen andererseits dazu bei, dass Gewebeschäden wieder repariert werden. Letzteres ist besonders in Organen mit Kontakt zur Umwelt sehr wichtig, wie Haut, Lunge und Darm. In diesem Zusammenhang spielen sogenannte „alternativ aktivierte“ Makrophagen (AAM), eine Untergruppe der Fresszellen, eine Schlüsselrolle. Der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. David Vöhringer, Infektionsbiologische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), ist es nun gelungen, AAM erstmals mithilfe eines fluoreszierenden Proteins im Gewebe sichtbar zu machen. Dadurch ist es möglich zu untersuchen, wo diese Zellen in verschiedenen Organen angesiedelt sind. Sie konnten zudem zeigen, dass AAM eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Wurmparasiten und Reparatur von Gewebeschäden in der Lunge spielen – welche molekularen Mechanismen diesen Prozessen zugrunde liegen, ist Gegenstand weiterer Forschungsarbeiten.

Originalpublikation:
Krljanac et al. Sci Immunol. (2019) epub 24.5.2019. doi: 10.1126/sciimmunol.aau3814

Bildmaterial zum Downoad:
https://www.fau.de/files/2019/05/20150227_Vöhringer_David_Malter0821_web.jpg

Bildunterschrift: Prof. Dr. David Vöhringer, Infektionsbiologische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). (Bild: FAU/Erich Malter)

Weitere Informationen:
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24.03.2019 Aktiv gegen Herzschwäche- Einladung zum Patientenkongress am 28. Mai 2019
uni | mediendienst | aktuell Nr. 64/2019

Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Herzinsuffizienz: Zu dieser Informationsveranstaltung lädt das Universitäts-Herzzentrum Erlangen des Universitätsklinikums Erlangen im Rahmen des Europäischen Tags der Herzschwäche (Heart Failure Awareness Day) auch in diesem Jahr ein. Experten der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Stephan Achenbach) und der Herzchirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Weyand) referieren am Dienstag, 28. Mai 2019, ab 18.30 Uhr in den Hörsälen Medizin, Ulmenweg 18, rund um das Thema Herzschwäche. Der Eintritt ist frei. Die Themen des Patientenkongresses sind Ursachen, Diagnostik und Therapie der Herzinsuffizienz sowie Informationen zu Herztransplantation und Kunstherz. Ende der Veranstaltung ist gegen 20.30 Uhr.

Herzschwäche – eine unbekannte Erkrankung


Bei einer Herzschwäche pumpt das Herz nicht mehr richtig und kann deshalb Körper und Organe nur unzureichend mit Blut sowie Sauerstoff versorgen. Typische Symptome sind Luftnot, Erschöpfung, Wassereinlagerungen und Rhythmusstörungen. Obwohl die Herzinsuffizienz die häufigste Ursache für eine Krankenhauseinweisung in Deutschland ist, ist die Krankheit nur wenig im öffentlichen Bewusstsein. Um die Bevölkerung besser darüber zu informieren, Symptome, Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten bekannt zu machen und wo möglich der Erkrankung vorzubeugen, wurde der Europäische Tag der Herzschwäche ins Leben gerufen, welcher dieses Jahr zum neunten Mal in rund 30 europäischen Ländern stattfindet. Deutschlandweit werden in Zusammenarbeit mit vielen Kliniken und der Deutschen Herzstiftung e. V. unter Koordination des Kompetenznetzes Herzinsuffizienz und des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz zahlreiche Veranstaltungen angeboten. Weitere Informationen zum Programm des Universitäts-Herzzentrums Erlangen: www.medizin2.uk-erlangen.de

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stephan Achenbach
Tel.: 09131/85-35301
med2-info@uk-erlangen.de

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23.05.2019 Zielgerichtet den Tumor bekämpfen-Humboldt-Stipendiat Prof. Dr. Halmuthur M. Sampath Kumar erforscht am Department Chemie und Pharmazie der FAU neuartige Krebsmedikamente
uni | mediendienst | aktuell Nr. 63/2019

uni | mediendienst | aktuell Nr. 63/2019 vom 23. Mai 2019



Zielgerichtet den Tumor bekämpfen

Humboldt-Stipendiat Prof. Dr. Halmuthur M. Sampath Kumar erforscht am Department Chemie und Pharmazie der FAU neuartige Krebsmedikamente


Jährlich kommen mehrere renommierte Wissenschaftler sowie vielversprechende Nachwuchswissenschaftler an die FAU, um hier zusammen mit ihren jeweiligen Gastgebern an neuen Forschungsprojekten zu arbeiten. Gefördert wird dieser Austausch von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, in Form eines Stipendiums. Für die kommenden drei Monate wird Prof. Dr. Halmuthur M. Sampath Kumar an neuen, schonenderen Krebsmedikamente forschen.


Jährlich erkranken fast 500.000 Menschen in Deutschland an Krebs, weltweit nimmt die Häufigkeit von Krebserkrankungen in der jüngeren Vergangenheit sogar immer mehr zu – möglicherweise aufgrund einer veränderten Lebensweise in Entwicklungsländern sowie einem vermehrten Vorkommen von krebserzeugenden Substanzen in der Umwelt durch Pestizide und Chemikalien. Auch wenn sich die Behandlungsmöglichkeiten von Krebserkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten extrem verbessert haben, verlangt die Therapie den Patienten und ihren Körpern viel ab: Die chemotherapeutischen Wirkstoffe sind hochgiftig, greifen nicht nur die Krebszellen, sondern auch den eigenen Organismus an.

Zusammen mit seiner Gastgeberin Prof. Dr. Svetlana B. Tsogoeva, Professur für Organische Chemie an der FAU, wird Prof. Dr. Halmuthur M. Sampath Kumar in den nächsten drei Monaten nach alternativen Therapeutika suchen – Arzneimittel, die gezielt die Krebszellen angreifen, anstatt auch die gesunden Zellen. Die Beiden wollen dafür verschiedene, ausgewählte Krebsmedikamente an sogenannte Tumor-Homing-Peptide koppeln. Ähnliche Peptide werden bereits in anderen Medikamenten als Werkzeug genutzt, um Arzneimittel zielgerichtet an die Stelle im Körper zu bringen, wo sie wirken sollen. Ihr Konzept basiert auf der Annahme, dass Tumor-Homing-Peptide dazu neigen, sich im Tumor anzusammeln, das neuartige Medikament aus Wirkstoff und Peptid daher direkt zum Tumor geleitet wird, wo der Wirkstoff freigesetzt wird – und damit seine giftige Wirkung nur gegen den Tumor wirkt.

Über den Humboldt-Stipendiaten

Halmuthur M. Sampath Kumar erhielt seinen Master in Organischer Chemie an der Universität Gulbarga, bevor er am Indian Institute of Chemical Technology (CSIR-IICT) in Hyderabad im Bereich der biomimetischen Chemie promovierte. Im Jahr 2000 wechselte er als Alexander von Humboldt-Stipendiat zum Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie nach Dortmund, wo er im Bereich der Kernlokalisation und Gentherapie forschte. Zwei Jahre später kehrte er nach Indien zurück, um seine Forschungsarbeit zu agrochemischen und pharmazeutischen Technologieentwicklungen fortzusetzen. Viele der von Kumar entwickelten Technologien wurden in Indien und anderen Ländern vermarktet. 2004 wechselte er ans CSIR-Regional Research Laboratory, wo er eine neue Abteilung für biologische Chemie aufbaute. Zurzeit ist er Projektkoordinator des Impfimmunologie-Programms am CSIR-IICT.
Bildmaterial zum Download:
https://www.fau.de/files/2019/05/Kumar_Halmuthur-M.-Sampath_Tsogoeva3800_presse.jpg

Bildunterschrift: Humboldt-Stipendiat Prof. Dr. Halmuthur M. Sampath Kumar erforscht am Department Chemie und Pharmazie der FAU neuartige Krebsmedikamente. (Bild: FAU/Svetlana B. Tsogoeva)

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20.05.2019 Der Psychotherapeut in der Hosentasche
Pressemeldung der FAU Erlangen

Die Zahl der Menschen mit psychischen Leiden scheint immer mehr anzusteigen, ihre Chance schnell einen Therapeuten zu finden, ist jedoch gering. Prof. Dr. Matthias Berking vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der FAU, entwickelt an seinem Lehrstuhl Apps fürs Smartphone, die den Therapeuten zumindest für einige Zeit ersetzen oder dessen Arbeit ergänzen können. Auf der Tagung „Von Klangschale bis Cybercoach – Die Vielgestalt moderner Psychotherapie“, die Prof. Berking vom 29. Mai bis 1. Juni 2019 in Erlangen organisiert, wird unter anderem diese Therapieform näher betrachtet.
Wie kann man sich Psychotherapie übers Smartphone vorstellen?

Wir sehen in Smartphones eine große Chance, Patienten möglichst unkompliziert und niederschwellig psychotherapeutische Unterstützung zu bieten. Schließlich trägt heute fast jeder einen dieser kleinen Supercomputer mit sich herum und schaut unzählige Male am Tag aufs Display.

Sensoren, die in den Geräten verbaut sind, können mit den richtigen Apps zum Beispiel über Veränderungen der Gesichtsfarbe den Puls messen und dadurch das aktuelle Stresslevel bestimmen. Auf dieser Basis kann die App dann Vorschläge machen, wie der Stress wieder abgebaut werden kann. Im sogenannten „Backend“ kann ein Therapeut oder E-Coach dann verfolgen, welche Techniken der Patient angewandt hat und welchen Erfolg er dabei hatte. Bei Bedarf kann er den Patienten dann über Chat-Nachrichten, Audio- oder Video-Kommunikation beim Lernen und Einsetzen neuer Bewältigungsstrategien unterstützen. So ist der Therapeut im Alltag immer dabei.

Ein weiterer Bereich sind gamifizierte Apps zum Beispiel für Alkoholiker auf dem Weg zur Abstinenz. Für diese haben wir ein Spiel entwickelt, in dem sie Alkoholflaschen angeekelt, traurig oder ärgerlich anschauen sollen, dann verschwinden diese im Hintergrund – man schiebt sie also weg. Ein Wasserglas sollen die Patienten hingegen freundlich anlächeln und so zu sich heranziehen. So werden die Patienten mit positiven Emotionen auf gesundheitsförderliches Verhalten konditioniert. Studien belegen, dass diese Technik höchst erfolgversprechend – und mit ausgetauschten Inhalten – auch für andere psychische Störungen einsetzbar ist.
Auf der von Ihnen organisierten Tagung spannen Sie den Bogen jedoch viel weiter – nämlich „Von der Klangschale zum Cybercoach“. Worum wird es neben den digitalen Anwendungen noch gehen?

In der Psychotherapie steht uns ein breites Spektrum an Methoden zur Verfügung – eben jene Techniken, die mit künstlicher Intelligenz und Sensorik arbeiten, aber auch Techniken, die schon seit Jahren eingesetzt werden, um mit psychischen Problemen umzugehen. Die Klangschale steht für die achtsamkeitsbasierten Verfahren, die früher als unwissenschaftlich und sogar esoterisch belächelt wurden. Mittlerweile wurde die Effektivität achtsamkeitsbasierter Verfahren jedoch in vielen Studien nachgewiesen. Ich halte es für extrem wichtig, dass wir zum Wohle der Patienten vorurteilsfrei die Techniken nutzen, deren Effektivität wissenschaftlich belegt ist. Welche Vorgehensweisen wie effektiv sind und welche Wirkfaktoren für den therapeutischen Effekt verantwortlich sind, wird auf dem Kongress in über 300 wissenschaftlichen Beiträgen thematisiert. Neben den wissenschaftlichen Diskussionen wird die Tagung aber auch einen politischen Schwerpunkt haben: Das Psychotherapeutengesetz soll geändert werden. Mit der Reform wird der psychotherapeutische Nachwuchs künftig nicht länger in prekären Praktikumsverhältnissen nach dem Studium ausgebildet, sondern als Psychotherapeut mit angemessenem Gehalt für die eigenverantwortliche Tätigkeit in der ambulanten und stationären Versorgung weitergebildet sowie der Sonderweg der bisherigen Psychotherapeutenausbildung beendet. Wie bei den anderen akademischen Heilberufen wird die bewährte Struktur eines universitären Approbationsstudiums mit anschließender Weiterbildung geschaffen. Die Reform stellt außerdem sicher, dass Patienten, die einer psychotherapeutischen Behandlung bedürfen, eine qualifizierte, patientenorientierte Versorgung auf dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse erhalten. Meine Kolleginnen und Kollegen wollen in einer öffentlichen Podiumsdiskussion am 31. Mai von 15.00 bis 16.30 Uhr in der Heinrich-Lades-Halle in Erlangen mit renommierten Experten und Vertretern der politischen Parteien diskutieren, wie ein solcher Studiengang aussehen muss, damit sich die Rahmenbedingungen für die psychotherapeutische Versorgung weiter verbessern.
Sie selbst geben einen Workshop mit dem Titel „Training emotionaler Kompetenzen“. Wozu brauchen wir das?

Wie Leute reagieren, wenn sie unerwünschte Gefühle haben, hat für psychische Gesundheit eine große Bedeutung, insbesondere, wenn wir alles dafür tun, um unangenehmen Gefühlen wie beispielsweise Stress, Angst, Ärger, Traurigkeit oder depressiver Stimmung auf jeden Fall aus dem Weg zu gehen. In diesem Fall kann es dazu kommen, dass wir zu Strategien greifen, die zwar kurzfristig helfen, ein unerwünschtes Gefühl zu vermeiden, die uns aber langfristig in Teufelsküche bringen können. Ein gutes Beispiel dafür ist der Konsum von Alkohol. Dieser ist kurzfristig bei manchen Personen ein extrem effektives Mittel gegen unangenehme Gefühle wie zum Beispieil Angst, aber am nächsten Abend muss ich schon mehr trinken, wenn ich wieder denselben Effekt erzielen will, und am nächsten Abend noch mehr. Und so rutsche ich dann Schritt für Schritt in die Alkoholabhängigkeit.

Eine andere Strategie ist es, sich auf solche Affekte einzulassen: sie aushalten, nicht vermeiden, einen Weg finden, sich zu arrangieren, oder sie vielleicht sogar positiv nutzen, denn jede Emotion hat eine Funktion. So macht Angst wach, präsent, etwa bei einem Vortrag. Traurigkeit soll helfen, sich von etwas zu verabschieden, was man verloren hat. Wenn ich es nicht schaffe zu trauern, hafte ich ewig an Personen oder Dingen und sehe immer wieder, dass sie nicht da sind – und werde wieder traurig oder sogar depressiv.

Es geht also darum, negative Gefühle anders wahrzunehmen, von „ah, das ist unangenehm, das muss weg“, zu „ah, was ist das und wobei will mir das helfen?“. So eine Wandlung lässt mich viel ruhiger auf negative Emotionen reagieren, und verhindert, dass ich zu langfristig schädlichen Strategien greife. Außerdem schafft es Angstfreiheit, weil ich vor bestimmten Situationen, die mir negative Gefühle bereiten, keine Angst mehr haben muss. Ich kann schließlich mit diesen Gefühlen umgehen. Dadurch bin ich angst- und letztlich auch handlungsfreier. Ich lasse mich dann von kurzfristig unangenehmen Gefühlen nicht mehr davon abhalten, mir persönlich wichtige Ziele zu verfolgen.
Wer nimmt an so einem Training emotionaler Kompetenzen teil?

Das sind zum einen Therapeuten, die sich weitere Strategien aneignen wollen, mit denen Sie ihren Patienten möglichst gut helfen können. Aber auch andere Berufsgruppen wie zum Beispiel Lehrer, die zum einen selbst gut in der Lage sein müssen, mit belastenden Gefühlen umzugehen, zum anderen diese Kompetenz aber auch ihren Schülern vermitteln wollen. Weitere Berufsgruppen, die sich für das Thema interessieren sind Coaches, Ärzte, Polizisten, Seelsorger, Manager und Pflegekräfte. Oft kommen aber auch Personen, die einfach an ihrem persönlichen Wachstum arbeiten wollen und begriffen haben, dass ein konstruktiver Umgang mit Gefühlen für ein glückliches und erfülltes Leben von zentraler Bedeutung ist.

Weitere Informationen zur Tagung der Fachgruppe für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie an der FAU und zur öffentlichen Podiumsdiskussion zum Psychotherapeutengesetz gibt es auf deren Webseite.
Weitere Informationen:

Prof. Dr. Matthias Berking
Tel.: 09131/85-67575
matthias.berking@fau.de


20.05.2019 Dr. Gerald Quitterer im – Gesundheitsgespräch
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer


Dr. Gerald Quitterer im – Gesundheitsgespräch
Was für Ärzte brauchen die Patienten?
am Mittwoch, 22.05.2019
von 10:05 bis 11:00 Uhr
auf BAYERN 2

Wer wird Präsident der Bundesärztekammer?
Der bayerische Kammerchef Dr. Gerald Quitterer stellt sich zur Wahl - und, im Gespräch mit Dr. Marianne Koch, auch den Fragen der Anrufer. Was will er z. B. für ältere Patienten tun? Antworten des Bayerischen Ärztepräsidenten Dr. Gerald Quitterer mit Dr. Marianne Koch.
Moderation: Ulrike Ostner
Telefon: 0800 - 246 246 9 gebührenfrei

E-Mail: gesundheitsgespraech@bayern2.de
Internet: www.bayern2.de/gesundheitsgespraech
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar
Im Gesundheitsgespräch, Hörertelefon 0800/246 246 9, geschaltet immer mittwochs ab 9 Uhr und während der Sendung auf Bayern 2, ab 10.05 Uhr.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle

Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax:       089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de
www.blaek.de

16.05.2019 Erstklassige Ausbildung der Kollegen von morgen - Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen von Pharmazeuten im Praktikum als bundesweit „Beste Ausbildungsapotheke“ ausgezeichnet
uni | mediendienst | aktuell Nr. 57/2019

Ein strukturierter Ausbildungsplan, gelebte Feedbackkultur, vielfältige sowie verantwortungsvolle Aufgaben, die Möglichkeit, individuellen Interessen nachzugehen und Kollegen, die immer ein offenes Ohr für Fragen sowie hilfreiche Ratschläge haben: Dies sind nur einige der Punkte, mit denen die Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen überzeugte. Bereits zum zweiten Mal wurde sie nun vom Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V. als „Beste Ausbildungsapotheke – Krankenhaus“ ausgezeichnet. Für Chefapotheker Prof. Dr. Frank Dörje Grund zu großer Freude, aber auch Ansporn: „Die Ausbildung der Pharmazeuten im Praktikum liegt uns besonders am Herzen – schließlich sind das unsere Kollegen von morgen. Zum Wohl der Patienten möchten wir ihnen das bestmögliche Rüstzeug mit auf den Weg geben, den angehenden Apothekern aber auch die Vielfalt unseres Berufs und die Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen.“

Eine dieser künftigen Kolleginnen ist Stephanie Lichter, die ihr praktisches Halbjahr in der Uni-Klinikumsapotheke gerade abgeschlossen hat und ein überaus positives Fazit zieht. „Besonders gefallen hat mir der direkte Patientenbezug. In den sechs Monaten haben wir einen umfassenden Überblick über alle Bereiche erhalten und dazu gehörte auch die Teilnahme an interprofessionellen Visiten auf Station mit direktem Patientenkontakt“, berichtet die 26-Jährige. „Das hat mich darin bestärkt, dass ich später am besten in einer Krankenhausapotheke arbeiten möchte.“ Ein weiterer Lieblingsbereich von Stephanie Lichter war der sogenannte „Seamless Care“-Servicebereich, also die sektorenübergreifende Betreuung von Patienten an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. „Wenn ein Patient ins Krankenhaus kommt, werden zuerst auf Station alle Medikamente erfasst, die diese Person aktuell benötigt. Wir Pharmazeuten im Praktikum überprüfen diese Medikationsliste aus klinisch-pharmazeutischer Sicht unter anderem hinsichtlich möglicher Neben- und Wechselwirkungen und mit Blick auf die anstehende Therapie und den stationären Aufenthalt, aber auch hinsichtlich der Zeit nach der Entlassung“, erläutert Stephanie Lichter. „Da zunehmend ältere Patienten behandelt werden, die oft eine Vielzahl an Präparaten einnehmen, müssen wir solche Fälle in einer Medikationsanalyse bei der Aufnahme in die stationäre Behandlung intensiv prüfen. Das ist spannend und man lernt in kurzer Zeit unglaublich viel.“ Die Pharmazeuten im Praktikum besprechen ihre Arzneimittelempfehlung anschließend mit dem zuständigen Stationsapotheker. „Wir kontrollieren zwar die Arbeit der Nachwuchskräfte und haben gegebenenfalls den ein oder anderen Verbesserungsvorschlag“, sagt Dr. Tobias Borst, stellvertretender Leiter der Uni-Klinikumsapotheke und selbst Fachapotheker für klinische Pharmazie, „aber die jungen Kollegen müssen zunächst die Verantwortung übernehmen und die Arzneimittelempfehlung selbstständig erstellen.“
Vom ständigen pharmazeutisch-fachlichen Austausch profitieren in der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen beide Seiten. „Nach Durchlaufen jedes Ausbildungsbereichs gibt es ein Abschlussgespräch, in dem sowohl das verantwortliche Mitglied unseres Teams als auch der Pharmazeut im Praktikum Rückmeldung geben“, erläutert Dr. Borst. „Außerdem beinhaltet der Ausbildungsplan auch mehrere Treffen mit unserem Chefapotheker, dem diese 180-Grad-Feedback-Gespräche mit dem Berufsnachwuchs sehr am Herzen liegen. Nur durch ein regelmäßiges Hinterfragen und den systematischen Austausch von Anregungen können wir uns verbessern.“

Bewusste Entscheidung für die Ausbildung in der Krankenhausapotheke


Im Rahmen ihres Studiums müssen die angehenden Apotheker zwei Praxishalbjahre absolvieren: einmal sechs Monate in einer öffentlichen Apotheke und noch einmal sechs Monate in einer pharmazeutischen Ausbildungsstätte ihrer Wahl. „Wir können zum Beispiel ins Ausland gehen oder auch in die pharmazeutische Industrie“, sagt Stephanie Lichter, die sich jedoch bewusst für eine Krankenhausapotheke und gezielt für die Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen entschieden hat. „Hier war ich schon während meines studentischen Wahlpflichtpraktikums im sechsten Semester tätig. Die drei Wochen waren spannend, aber zu kurz: Ich wollte den Bereich noch näher kennenlernen.“ Darüber, dass dies geklappt hat, freut sich die junge Frau besonders, da sie weiß: Die Plätze sind heiß begehrt. „Pro Halbjahr vergeben wir höchstens sechs Praktikumsstellen“, erläutert Dr. Borst. „Deshalb müssen Interessenten fix sein, manche bewerben sich eineinhalb Jahre vorher.“

Am Uni-Klinikum Erlangen sind die Pharmazeuten im Praktikum fest eingeplant. „Die jungen Kollegen sind keine Arbeitskräfte ‚on top‘, sondern Teammitglieder, mit denen wir rechnen“, hebt Tobias Borst die Bedeutung der Pharmazeuten im Praktikum für den Betrieb der Apotheke hervor, die insgesamt rund 80 Mitarbeiter zählt. „Die Zeit für Anleitung und Fragen ist selbstverständlich einkalkuliert.“ Obwohl es sich bei den Nachwuchskräften um fast vollständig ausgebildete Apotheker handelt – lediglich eine Prüfung trennt sie von der Berufsbezeichnung –, übernehmen sie in der Uni-Klinikumsapotheke durchaus Tätigkeiten aller Berufsgruppen einer Apotheke. „Wir packen beispielsweise auch mal Medikamentenkisten für die Stationen und arbeiten in der Arzneimittelherstellung und -prüfung mit“, berichtet Stephanie Lichter. „Es ist immens wichtig, dass wir das alles auch selbst machen, um die Abläufe wirklich zu verstehen.“

Die Auszeichnung „Beste Ausbildungsapotheke“

Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V. setzt sich für eine gute und vergleichbare Ausbildung im Praktischen Jahr ein. Um dies zu überprüfen und zu gewährleisten, verschickt er seit 2003 an die Pharmazeuten im Praktikum Fragebögen und bittet sie um Feedback zu ihren Ausbildungsapotheken. Der Beauftragte für Jungpharmazeuten und der Evaluationskoordinator werten die Rückmeldungen aus und erstellen auf dieser Basis jährlich eine Liste mit „empfehlenswerten Ausbildungsapotheken“. Außerdem werden in den Kategorien „Öffentliche Apotheke“ und „Krankenhausapotheke“ die jeweils drei besten nationalen Ausbildungseinrichtungen gekürt und im Rahmen der wissenschaftlichen Jahrestagung des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker e. V. für den Bereich Krankenhaus geehrt. Die Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen wurde am Freitag, 10. Mai 2019, in Berlin bereits zum zweiten Mal als „Beste Ausbildungsapotheke – Krankenhaus“ ausgezeichnet.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Frank Dörje
Tel.: 09131/85-33591
frank.doerje@uk-erlangen.de

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15.05.2019 Hoffnung auf ein Leben ohne Tabletten Informationsveranstaltung am 17. Mai 2019
uni | mediendienst | aktuell Nr. 56/2019

Alternative Therapien gegen Bluthochdruck – Informationsangebote zum Welt-Hypertonie-Tag am Freitag, 17. Mai 2019, am Uni-Klinikum Erlangen
Bluthochdruck (Hypertonie) gilt als ‚stumme Krankheit‘, die wegen ihrer unspezifischen Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Ohrensausen häufig nicht erkannt wird. Oft stellt man erst bei der Diagnose Herzinfarkt, Schlaganfall oder Diabetes auch den schon lange bestehenden Bluthochdruck fest. Die Medizinische Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie (Direktor: Prof. Dr. Mario Schiffer) des Universitätsklinikums Erlangen lädt anlässlich des Welt-Hypertonie-Tags zu einer Informationsveranstaltung ein. Am Freitag, 17. Mai 2019, von 13.00 bis 16.00 Uhr, können Interessierte ihren Blutdruck messen lassen und Informationsgespräche mit Ärzten im Foyer des Internistischen Zentrums, Ulmenweg 18, führen. Auch über die neue Behandlungsmethode der Renalen Denervation, also der Verödung der Nierennerven, als therapeutische Alternative bzw. Ergänzung zur Medikamenteneinnahme gegen Hypertonie wird dabei informiert.

Blutdruck messen, Tablette einnehmen – erst nach dieser morgendlichen Routine genießt Reinhard Drebinger seinen Frühstückskaffee. Das Hantieren mit der Manschette des Blutdruckmessgeräts ist für den agilen Senior seit drei Jahrzehnten fester Teil des Tagesbeginns. Schon 1988 wurde bei dem damals 44-Jährigen ein deutlich erhöhter Blutdruck festgestellt. Die offizielle Grenze für Hypertonie liegt bei 140/90 mmHg – und seine Werte lagen deutlich darüber. Symptome verspürte Reinhard Drebinger zwar keine, er wusste aber, dass es in seiner Familie eine erbliche Vorbelastung zu erhöhten Blutdruck- und Cholesterinwerten gibt. Nachdem er zur Blutdrucksenkung bereits die allgemeinen Änderungen seines Lebensstils mit mehr Bewegung und einer massiven Ernährungsumstellung ausgeschöpft hatte, muss der kaufmännische Angestellte bis heute regelmäßig seine Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen. An jedem Morgen –- seit mehr als dreißig Jahren.

Studienprogramm erprobt alternative Therapie
Jetzt könnte sich daran etwas ändern: Die Teilnahme an dem umfassenden Studienprogramm zur Therapie der Hypertonie am Uni-Klinikum Erlangen ermöglichte dem 75-Jährigen vor sechs Monaten eine so genannte Renale Denervation. Prof. Dr. Roland Schmieder, Leiter der Klinischen Forschungsstation (CRC) für Hypertonie und Gefäßmedizin der Medizin 4 des Uni-Klinikums, erläutert dieses neue Therapieverfahren gegen Bluthochdruck: „Bei dem minimalinvasiven Eingriff wird das Nervengeflecht um die Nierenarterie mit Kathetern punktuell verödet. Das verhindert die Ausschüttung von schädlichen Hormonen, die den Blutdruck erhöhen.“

Der Eingriff war für Reinhard Debringer keine große Sache: Nach der üblichen Beobachtungszeit konnte er das Uni-Klinikum am nächsten Tag verlassen. Spürbare körperliche Veränderungen nimmt er seither nicht wahr. Positiv verändert haben sich jedoch seine Blutdruckwerte – und zwar um zehn Zähler nach unten bei beiden Messwerten. „Das spricht dafür, dass die Gefäße des Patienten gut reagieren“, freut sich Roland Schmieder bei der halbjährlichen Kontrolluntersuchung. „Ein positiver Therapieeffekt kann frühestens drei Monate nach dem Eingriff festgestellt werden“, betont der Hypertonieexperte. „Bei den leichteren Fällen ist eine Senkung der Messwerte um 10 mm Hg möglich. Das klingt nach nicht viel, entspricht aber einer verringerten Medikamenteneinnahme von einer bis anderthalb Wirksubstanzen, sprich: er braucht pro Tag ein bis zwei Tabletten weniger einzunehmen.“

Patienten profitieren von interdisziplinärer Betreuung


Bei schweren Fällen bewirkt die Renale Denervation sogar eine Senkung von bis zu 20 mmHg, weiß Prof. Schmieder, der die interdisziplinäre Ausrichtung des Schwerpunkts am Uni-Klinikum Erlangen betont. „Die gesamte Therapie der Hypertonie erfolgt durch ein Ärzteteam aus Nephrologen, Kardiologen, Neurologen und Radiologen. Wir können in Erlangen weiterhin für unsere Patienten Therapiemöglichkeiten im Rahmen eines umfassenden Studienprogramms anbieten, die im süddeutschen Raum einmalig sind.“ Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Disziplinen ist deshalb so wichtig, weil Bluthochdruck zu Erkrankungen der Herzkranzgefäße führen, eine Herzmuskelverdickung oder eine Herzinsuffizienz hervorrufen kann, aber auch Wegbereiter für Schlaganfall und Demenz ist. Nach mehr als 100 Eingriffen der Renalen Denervation am Uni-Klinikum Erlangen, die von der Radiologie vorgenommen werden, ist der erfahrene Hypertonieforscher von der Wirksamkeit dieser Therapie mehr als überzeugt. „Wir untersuchen jetzt vor allem die Frage: Welche Patienten profitieren davon am meisten?“

Teilnahme noch bis Sommer 2020 möglich


Sicher noch bis zum Sommer 2020 läuft am Uni-Klinikum das Studienprogramm, bei dem die Experten des Radiologischen Instituts (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) und der Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen die Patienten interdisziplinär betreuen. In dieser Zeit besteht auch noch die Möglichkeit, Bluthochdruckpatienten in das Studienprogramm einzuschließen. „Jeder Hypertoniepatient kann sich dafür bei uns melden“, betont Prof. Schmieder. „Wenn neue positive Studienergebnisse zum Jahresende 2020 vorliegen, kann mit der behördlichen Erlaubnis für diese alternative Behandlungsform gerechnet werden“, blickt der Experte in die nahe Zukunft. „Bis dahin bleibt dieses Verfahren Studienteilnehmern vorbehalten.“

Auch Reinhard Drebinger hofft, dank der positiven Auswirkungen des Eingriffs bald völlig auf seine Blutdrucktabletten verzichten zu können. „Jetzt habe ich neue Hoffnung auf ein Leben ohne Medikamente“, lächelt der 75-Jährige.

Bildmaterial zum Download:

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Bildunterschrift: Prof. Schmieder (links) im Gespräch mit Reinhard Drebinger über dessen aktuelle Blutdruckwerte. Der 75-jährige Studienteilnehmer unterzog sich am Uni-Klinikum Erlangen erfolgreich der neuen Behandlungsmethode der Renalen Denervation. (Bild: Barbara Mestel/Uni-Klinikum Erlangen)

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Roland Schmieder
Tel.: 09131 85-42951
info@crc-erlangen.de

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10.05.2019 Bundesärztekammer informiert über ausschließliche Fernbehandlung
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 10.05.2019 – „Nicht einmal ein Jahr nachdem der Deutsche Ärztetag im Jahr 2018 den Weg für die ausschließliche Fernbehandlung geebnet hat, ist die Umsetzung in den Ländern auf einem guten Weg. Mittlerweile haben fast alle Ärztekammern entsprechende berufsrechtliche Neuregelungen eingeleitet. Nun kommt es darauf an, Ärztinnen und Ärzte umfassend über die neuen Möglichkeiten zu informieren.“ Darauf verwies Dr. Josef Mischo, Vorsitzender des Berufsordnungsausschusses der Bundesärztekammer, anlässlich der Veröffentlichung von
Hinweisen und Erläuterungen der Bundesärztekammer zur ausschließlichen Fernbehandlung sowie eines Fragen-Antwortenkataloges. Die Informationsmaterialien wurden unter Leitung Mischos von der Arbeitsgruppe „Fernbehandlung“ der Bundesärztekammer erarbeitet und vom Vorstand verabschiedet.

Mischo stellte klar, dass alle beruflichen Rechte und Pflichten von Ärztinnen und Ärzten auch im Rahmen einer ausschließlichen Fernbehandlung gelten. Ärzte müssten stets prüfen, ob der
jeweilige Fall für eine ausschließliche Fernbehandlung in Frage kommt oder nicht. „Sind die von dem Patienten beschriebenen Beschwerden für eine Beratung oder Behandlung ausschließlich
über Kommunikationsmedien geeignet? Ist der Patient in der Lage, über eine technische Plattform zu kommunizieren? Diese und viele weitere Fragen müssen mit einem klaren ‚Ja‘ beantwortet
werden, bevor die Fernbehandlung beginnen kann.“ Darüber hinaus sind rechtliche Aspekte, technische Anforderungen und Fragen der Qualitätssicherung zu beachten. Die Bundesärztekammer hat diese und viele weitere Punkte gut verständlich in ihren Hinweisen und Erläuterungen ausgearbeitet.
Dort findet sich auch eine Checkliste mit vielen weiteren praktischen Informationen.

Mischo ist überzeugt, dass sich die Behandlung aus der Ferne zum Beispiel über Video-Sprechstunden als eine von vielen Formen ärztlicher Patientenversorgung in Deutschland etablieren
wird. Die Arbeitsgruppe wird sich deshalb in einem nächsten Schritt mit Fragen der Einbindung der ausschließlichen Fernbehandlung in die Versorgungsstrukturen befassen.

Die „Hinweise und Erläuterungen zu § 7 Abs. 4 MBO-Ä – Behandlung im persönlichen Kontakt und Fernbehandlung“ sowie der Fragen- und Antwortkatalog können im Internet unter
www.baek.de/fernbehandlung abgerufen werden.

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
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10.05.2019 Wenn Fresszellen keine Luft bekommen - Wie Infektionserreger bei Sauerstoffmangel im Gewebe kontrolliert werden
uni | mediendienst | forschung Nr. 35/2019

Infiziertes Gewebe weist eine niedrige Sauerstoffkonzentration auf. Übliche Abwehrmechanismen des Körpers funktionieren dann nur noch eingeschränkt, weil sie auf Sauerstoff angewiesen sind. Wie gelingt es dem Immunsystem dennoch, die Bakterien unter diesen Bedingungen zu kontrollieren? Die Arbeitsgruppen von PD Dr. Anja Lührmann am Institut für Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene (Direktor: Prof. Dr. Christian Bogdan) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und von Prof. Dr. Jonathan Jantsch am Institut für Klinische Mikrobiologie und Hygiene (Direktor: Prof. Dr. Dr. André Gessner) des Universitätsklinikums Regensburg sind nun in Zusammenarbeit mit weiteren Gruppen aus Erlangen, Regensburg und Jena dieser Frage nachgegangen. Die Forscher entdeckten, dass unter Sauerstoffmangel im Zitronensäurezyklus weniger Stoffwechselzwischenprodukte (Metabolite) produziert werden und sich Bakterien dadurch weniger in Makrophagen vermehren.

Makrophagen gehören zu den Fresszellen und spielen als Zellen des angeborenen Immunsystems eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Infektionen mit intrazellulären wachsenden Bakterien, wie z. B. den Erreger der Tuberkulose, der Legionellose oder des Q-Fiebers. Das Forschungsteam beobachtete, dass durch Sauerstoffmangel (Hypoxie) ausgelöste Signalwege den mitochondrialen Metabolismus der Makrophagen verändern. Dadurch sind verschiedene Metaboliten des Zitronensäurezyklus, insbesondere das Zitrat, nur noch eingeschränkt verfügbar. Dies wiederum verhindert die Bakterienvermehrung, da Zitrat ein essentieller Wachstumsfaktor für bestimmte Bakterien ist. „Unsere Resultate beschreiben einen bislang unbekannten, sauerstoffunabhängigen Weg der Erregerkontrolle“, erklärt Prof. Jantsch von der Universität Regensburg. FAU-Wissenschaftlerin PD Dr. Lührmann fügt hinzu: „Die pharmakologische Beeinflussung dieser Signalwege eröffnet neue Möglichkeiten der Bekämpfung von Infektionskrankheiten.“

Die Ergebnisse, die in von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekten erzielt wurden, sind vor Kurzem in der renommierten Fachzeitschrift Cell Reports veröffentlicht worden: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30917307 


Weitere Informationen:
PD Dr. Anja Lührmann
Tel.: 09131/85-22577
anja.luehrmann@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Jonathan Jantsch
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Bildunterschrift: PD Dr. Anja Lührmann, Lehrstuhl für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie an der FAU. (Bild: FAU/Hasso Schüler)

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Prof. Dr. Jonathan Jantsch, Professor für Bakteriologie und Infektionsabwehr am Institut für Klinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Regensburg. (Bild: UKR, Ulla Lohse)


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08.05.2019 Schlaganfall – schnelle Hilfe durch Telemedizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 48/2019

Informationen zur Akutversorgung zum Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai 2019
Halbseitige Lähmungserscheinungen, plötzliche Gefühlsstörungen in einer Körperhälfte, Sprach- und Sehstörungen sowie Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit: Etwa alle drei Minuten erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall und gerät in eine potenziell lebensbedrohliche Situation. „Time is brain“ lautet dann die Devise, denn pro Minute gehen bei einem Verschluss eines größeren Hirngefäßes etwa 1,9 Millionen Nervenzellen, 14 Milliarden Synapsen und 12 Kilometer Nervenfasern zugrunde. Das Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern STENO der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab) des Universitätsklinikums Erlangen bietet schnelle fachärztliche Versorgung mithilfe moderner Technologien.

Der Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache und die Hauptursache anhaltender Behinderungen im Erwachsenenalter. Rund 270.000 Menschen, davon 50.000 in Bayern, erleiden ihn jedes Jahr, und nur einer von vier Patienten wird wieder völlig gesund. Durch eine frühzeitige Therapie in den ersten Stunden nach Symptombeginn können dauerhafte Behinderungen gemindert oder gar völlig vermieden werden. Doch sogar im Flächenstaat Bayern sind die Wege zu einer spezialisierten medizinischen Versorgung mitunter schlicht zu weit. Gerade bei Schlaganfällen, bei denen jede Minute zählt, dauern die Fahrten zur nächstgelegenen Schlaganfallstation, einer sogenannten Stroke Unit, viel zu lang.

Mit Telemedizin gegen Zeitverzögerungen

Um die optimale Versorgung von Schlaganfallpatienten auch außerhalb der Ballungsräume sicherzustellen, wurde 2007 das Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern STENO gegründet. Unter der Koordination der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Erlangen arbeiten darin die drei Schlaganfallzentren in Erlangen, Bayreuth und Nürnberg zusammen mit 18 Kliniken der Regel- und Schwerpunktversorgung aus Mittel- und Oberfranken sowie mit Kliniken in Teilen der Oberpfalz und Südthüringens. Dabei untersuchen in der Versorgung von Schlaganfällen erfahrene Ärzte in spezialisierten Zentren die betroffenen Patienten per Videokonsultation in den regionalen Kliniken. „So kann neurologisches Know-how ohne Zeitverzögerungen jederzeit dort verfügbar gemacht werden, wo es gerade benötigt wird“, betont Netzwerkkoordinator PD Dr. Lorenz Breuer. Dank Telemedizin kann das STENO-Netzwerk in Nordbayern rund 12.500 Patienten pro Jahr rechtzeitig und kompetent versorgen. Alle teilnehmenden Kliniken und umfassende Informationen zur Versorgungsregion des STENO gibt es unter http://www.steno-netz.de/.

Schlaganfall – Symptome und Risiken


Unter einem Schlaganfall wird eine Durchblutungsstörung des Gehirns mit dadurch bedingten plötzlichen Ausfällen bestimmter Funktionen des Gehirns verstanden. Ursachen sind ein Gefäßverschluss oder eine Blutung im Gehirn. Typisch ist das plötzliche Auftreten der Symptome, die unterschiedlich ausfallen können, abhängig davon, welches Gehirnareal betroffen ist. Liegt ein Schlaganfall vor, zählt jede Minute: Der Rettungsdienst muss sofort alarmiert werden. Selbst wenn die Symptome wieder zurückgehen, sollten die Betroffenen umgehend in einem Krankenhaus untersucht werden.

Galt der Schlaganfall vor Jahren noch als schwerwiegender Schicksalsschlag, gibt es inzwischen gute Behandlungsmöglichkeiten. Dennoch oder gerade deswegen wird er als gefährliche Erkrankung vielfach unterschätzt, und Menschen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, müssen sich besonders vorsehen. Als besondere Risikofaktoren gelten zum Beispiel  zu hoher Blutdruck und die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern – beides lässt sich heute aber gut behandeln. Durch eine gesunde Lebensführung mit ausreichender körperlicher Betätigung, einer ausgewogenen Ernährung, Nichtrauchen und dem Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum lässt sich das Schlaganfallrisiko deutlich senken.

Weitere Informationen:
PD Dr. Lorenz Breuer
Tel.: 09131 85-34306
lorenz.breuer@uk-erlangen.de

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08.05.2019 Bereit für Münster
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

"Seit Jahren sind wir Ärzte der Gegenpol zu den Begehrlichkeiten, die die Politik weckt. Wir greifen als Korrektiv ein und folgen damit unserem im Sozialgesetzbuch (SGB) V als ausreichend, wirtschaftlich und zweckmäßig definierten Behandlungsauftrag, der das Maß des Notwendigen nicht überschreiten darf“, beginnt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), seinen Leitartikel der Maiausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes. Diese Bürde trügen nicht nur die Delegierten zum Deutschen Ärztetag in Münster, sondern auch jeder Arzt vor Ort.

„Unser Wissen und unsere Erfahrung müssen einfließen, wenn Gesetze formuliert werden, die das Gesundheitswesen regulieren wollen. Vor allem, wenn dabei das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient in seinen Grundfesten betroffen ist“, so Quitterer weiter. Der geschützte Raum der Arzt-Patienten-Beziehung sei unantastbar. Für Politik und kommerzielle Interessen. Wenn es darum gehe, ob ärztliches Handeln erlaubt sei, reiche die Berufsordnung dafür aus. „Wer beispielsweise kompetent über Schwangerschaftsabbrüche informiert, darf nicht der Gefahr ausgesetzt sein, hierfür bestraft zu werden“, ist Quitterer überzeugt. Die Selbstbestimmung am Lebensende und der Wunsch des Menschen, sterben zu dürfen, wenn er schwer und unheilbar erkrankt sei und nicht mehr therapierbare Schmerzen zu einem unerträglichen Leiden führten, müsse gewahrt sein. „Die Entscheidung darüber, ob wir hier als Ärzte helfen dürfen, soll nicht an einem Gesetz scheitern, das unsere besondere Fürsorgepflicht in der Betreuung unserer Patienten in dieser existenziellen Situation reglementiert und einschränkt“, schreibt Bayerns Ärztechef.

Ein weiteres Beispiel der Einflussnahme auf ärztliches Handeln sei die Idee nach Einführung einer Impfpflicht. „Pflicht führt zu Ablehnung und dem Ruf nach Ausnahmen. Wer soll diese bescheinigen“, fragt Quitterer? Sinnvoller seien Aufnahmebeschränkungen von Kindertagesstätten für Ungeimpfte und ein vernünftiges Bonusprogramm der Krankenkassen für einen kompletten Impfstatus.
Quitterer abschließend: „Auf dem 122. Deutschen Ärztetag in Münster geht es um uns und unsere Gesundheit. Sie ist nicht minder wichtig, als das Wohl unserer Patienten.“

Mehr zu „Bereit für Münster“ lesen Sie in der Maiausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes.

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07.05.2019 Vortragsreihe: Jenseits des Tellerrands – Vorträge zur Geschichte und Ethik der Medizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 45/2019

Ab 8. Mai, um 12.15 Uhr, im HS 1.011 (Alter Senatssaal), Kollegienhaus, Universitätsstr. 15, Erlangen
Die medizinhistorische Vorlesungsreihe „Jenseits des Tellerrandes“ des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) widmet sich im Mai mit vier öffentlichen Vorlesungen wieder spannenden Themen.
Dabei wird dem Verlauf und den Folgen der Spanischen Grippe nachgegangen, einer weltweiten Seuche vor 100 Jahren, die trotz 50 Millionen Toter kaum in Erinnerung geblieben ist.
An einem Beispiel aus dem 17. Jh. sollen zeitgenössische Umgangsweisen mit Intersexualität aufgezeigt und in die Geschichte der medizinischen Geschlechtsabgrenzung bis heute eingeordnet werden. Denn gesellschaftlich wandelbare Vorstellungen bestimmen, wie die Medizin Menschen wahrnimmt, die unklare Geschlechtsmerkmale aufweisen.
Im Dritten Reich wehrten sich mehrere Erlanger Ärzte gegen Vereinnahmungen durch die Nazis. So der in Erlangen habilitierte, spätere Göttinger Ordinarius für Psychiatrie Gottfried Ewald, der sich weigerte am Euthanasieprogramm teilzunehmen, oder das externe Fakultätsmitglied an der Universitätsfrauenklinik, Werner Lüttge, der sich dem Ansinnen verwehrte, Abtreibungen aus rassistischen Motiven vorzunehmen. Wie sah deren Widerstand aus?
 
Die Vorträge finden ab 8. Mai jeweils mittwochs im Alten Senatssaal, HS 1.011, des Kollegienhauses, in der Universitätsstraße 15, Erlangen, statt. Beginn ist jeweils 12.15 Uhr. Der Eintritt ist frei.
 
Programm:
08. Mai: „Die Welt ist an den Massentod gewöhnt …“ - Die Spanische Grippe 1918
                Prof. Dr. Karl-Heinz Leven
 
15. Mai: Casper und/oder Martha? - Ein Hermaphrodit beim Arzt, 1671
                Dr. Nadine Metzger
 
22. Mai: Furchtlos und ohne Kompromiss? Ärztlicher Protest gegen die NS-Euthanasie
                Dr. Susanne Ude-Koeller
 
29. Mai: Widerstand war möglich: Der Erlanger Professor Werner Lüttge und die       
                Zwangsabtreibungen im Nationalsozialismus
                Dr. Wolfgang Frobenius
 
Informationen:
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, Tel.: 09131/85- 22094, karl-heinz.leven@fau.de

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29.04.2019 Eine App für die Zeit nach dem Entzug - Appbasiertes FAU-Projekt wird mit 2,4 Millionen Euro gefördert
uni | mediendienst | forschung Nr. 32/2019

Alkoholabhängigkeit ist eine der häufigsten psychischen Störungen weltweit. Sie hat sowohl für Patientinnen und Patienten als auch ihre Angehörigen gravierende Folgen. Ein häufiges Kennzeichen der Krankheit ist ihr chronischer Verlauf – gerade in den Monaten nach einem Entzug liegt das Risiko für einen Rückfall besonders hoch. Psychologinnen und Psychologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wollen Betroffene nach einem Klinikaufenthalt mit einer Kombination aus App und Telefoncoaching helfen, passende Angebote und Maßnahmen zu finden, um dauerhaft abstinent zu bleiben. Das Projekt SmartAssistEntz wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss, dem höchsten Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, mit rund 2,4 Millionen Euro gefördert.

Obwohl das deutsche Gesundheitssystem viele Angebote für Betroffene bereithält, nimmt nur ein vergleichsweise geringer Anteil sie nach Abschluss eines stationären Alkolholentzugs in Anspruch. Somit erhalten Patientinnen und Patienten in einer Phase, die sich durch ein hohes Rückfallrisiko auszeichnet, keine angemessene Unterstützung. „Genau an diesem Punkt wollen wir ansetzen, um das passende Anschlussangebot für jeden einzelnen zu finden“, erklärt Prof. Dr. Matthias Berking, Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der FAU. Die Versorgungsforschung geht davon aus, dass bislang der überwiegende Teil der Betroffenen nach erfolgtem Entzug keine weiterführenden Versorgungsangebote in Anspruch nimmt.

Das Konzept der FAU-Forschungsteams besteht aus einer Handy-App, die durch Telefonate mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten ergänzt wird. Die App bietet ein spezielles Training, das die Betroffenen dabei unterstützt, dauerhaft auf Alkohol zu verzichten. In diesen Einheiten lernen sie die eigene Motivation zu stärken, Suchtverlangen zu erkennen und mit Risikosituationen umzugehen und die eigenen Ressourcen zu aktivieren. Darüber hinaus identifiziert die App mittels Telediagnostik Angebote für die Zeit nach einem stationären Entzug. Gemeinsam mit einem Psychotherapeuten, dem sogenannten eCoach, erarbeiten die Patienten dann in Telefongesprächen einen individuellen Plan mit Maßnahmen, die am besten zum jeweiligen Lebensumfeld passen. Das können sowohl Selbsthilfegruppen als auch klinische Ambulanzanbindung oder Paar- und Familiengespräche sein.

Der onlinebasierte Ansatz soll helfen, dass Anschlussmaßnahmen nach einem Alkoholentzug häufiger und dauerhafter genutzt und Rückfälle reduziert werden. Damit könnte die App zu geringeren direkten und indirekten Krankheitskosten führen.

Die Wissenschaftler um Prof. Berking arbeiten für das Projekt modellhaft mit Kliniken und Beratungsstellen im Raum Franken und München zusammen – eine Übertragung auf andere Regionen oder in die Regelversorgung ist möglich. Gleichzeitig untersuchen sie die Effekte ihres Konzepts. Dafür vergleichen sie insbesondere das Rückfallrisiko innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss des Entzugs mit den in der Regelversorgung erzielten Effekten. Dafür werden die Forscher Patienten sowie behandelnde Ärzte, Psychotherapeuten sowie Psychologen befragen und zudem Daten von Krankenkassen und der Rentenversicherung heranziehen.

Am Montag, 6. Mai, findet an der FAU die Auftaktveranstaltung statt, bei der es vor allem darum geht, dass sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – beteiligt ist neben der FAU noch die Universität Bamberg – sowie weitere Partner wie externe Forschungseinrichtungen, Kliniken, Krankenkassen und Beratungsstellen kennenlernen und Informationen austauschen. Medien können an diesem Kick-off-Meeting im Wassersaal der Orangerie, Schlossgarten 1 in Erlangen, um 15 Uhr ebenfalls teilnehmen. Im Anschluss an die Veranstaltung steht Prof. Berking ab 16.30 Uhr für Presseanfragen zur Verfügung.

Programm der Auftaktveranstaltung:

Begrüßung durch Projektleiter Prof. Dr. Matthias Berking, Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der FAU

Projektpräsentation durch Prof. Dr. Matthias Berking

Weitere Informationen:
Prof. Matthias Berking
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26.04.2019 Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Demenz in Wohngemeinschaften
uni | mediendienst | forschung Nr. 31/2019

Neues Forschungsprojekt unterstützt Menschen mit Demenz und kognitiven Beeinträchtigungen in ambulant betreuten Wohngemeinschaften

Eine umfassende Versorgung von Menschen mit Demenz und kognitiven Beeinträchtigungen in alternativen Wohnmodellen fördert das Forschungsprojekt DemWG, das ambulant betreute Wohngemeinschaften in Bayern, Berlin, Bremen und Hamburg einbezieht. Am Universitätsklinikum Erlangen leiten das neue Projekt Prof. Dr. Elmar Gräßel und PD Dr. Carolin Donath vom Zentrum für Medizinische Versorgungsforschung in der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber). DemWG startet im April 2019.

Ziel des bundesweiten Projekts ist es neben dem Vorbeugen von Stürzen und Krankenhauseinweisungen auch, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und kognitiven Beeinträchtigungen zu verbessern. Wenn diese in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung nicht mehr angemessen versorgt werden können, sind ambulant betreute Wohngemeinschaften eine gute Alternative zum Pflegeheim. Das familiär ausgerichtete Wohnkonzept solcher speziellen WGs schafft für sie das Gefühl eines Zuhauses, während gleichzeitig eine Betreuung durch professionelles Pflegepersonal gewährleistet ist. Das innovative Forschungsprojekt DemWG untersucht die Frage, ob sich das Risiko für Krankenhauseinweisungen in diesem alternativen Wohnmodell durch ein mehrgliedriges Förderprogramm nachweisbar minimieren lässt. Das Konzept umfasst neben der gezielten Schulung der aktiv mitarbeitenden Personen in den Wohngemeinschaften auch das stärkere Einbeziehen der zuständigen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte. Ergänzend enthält es ein spezielles Training zur Verbesserung der motorischen und kognitiven Fähigkeiten der WG-Bewohnerinnen und -Bewohner. Das gemeinsame Projekt DemWG der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Universität Bremen wird über den Innovationsfonds für Versorgungsforschung des Gemeinsamen Bundesausschusses mit rund 1,4 Millionen Euro gefördert.

Das Team von Prof. Dr. Gräßel erforscht seit Jahren erfolgreich die Wirksamkeit der psychosozialen MAKS®-Intervention bei Menschen mit Demenz und kognitiven Beeinträchtigungen in Pflegeheimen und in der Tagespflege. Die Ergebnisse zu den Aktivierungstherapien belegen bei den Betroffenen eine Stabilisierung ihrer kognitiven und alltagspraktischen Fähigkeiten, die Verbesserung sozialer Verhaltensweisen sowie eine Verminderung von neuropsychiatrischen Symptomen wie Aggressionen, Unruhezuständen und Schlafstörungen. Dank des neuen Projekts DemWG können auch die Bewohnerinnen und Bewohner von ambulant betreuten Wohngemeinschaften an den Vorteilen des Förderkonzepts teilhaben. Dazu wird das Programm für die spezielle Anwendung in den WGs modifiziert und in Kleingruppen umgesetzt. Die motorischen und kognitiven Übungen sind so angelegt, dass sie die Menschen mit Demenz und kognitiven Beeinträchtigungen positiv anregen und sie weder unter- noch überfordern. Bereits erprobte Übungen zur Sturzprophylaxe ergänzen das Konzept.


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26.04.2019 Nicht für eine Impfpflicht
Pressenachricht der Bayersichen Landesärztekammer

„Impfungen sind ein wirksamer Schutz vor Erkrankungen und retten jeden Tag vielen hunderttausend Menschen weltweit das Leben“, meldet sich Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), in der Diskussion um die Impfpflicht zu Wort.

Die aktuell diskutierten etwa 200 Fälle von Masern in den ersten zehn Wochen 2019 in Deutschland lägen innerhalb der normalen langjährigen Schwankungsbreite. „Ich bin nicht für eine Impfpflicht, denn Pflicht führt zu Ablehnung“, so der Präsident. „Wie soll die Nichteinhaltung sanktioniert werden?“ fragt Quitterer.

Bei einer Erstimpfungsrate von über 97 Prozent in Deutschland sehe er das Problem nicht in einer Überzeugung der bewusst Nicht-Geimpften, sondern eher bei einer Motivation zur Zweitimpfung. Dazu solle vermehrt die aktuell erweiterte Gesundheitsuntersuchung genutzt werden. Zudem könne dies durch ein entsprechend gestaltetes Bonusprogramm der Krankenkassen und nicht zuletzt durch ein Aufnahmeverbot von Ungeimpften in Kindertagesstätten erreicht werden.

„Impfungen sind die gesellschaftliche Verantwortung aller, für eine Verpflichtung fehlt indes die Notwendigkeit“, so Quitterer abschließend.

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25.04.2019 BLÄK-Präsident Quitterer fürchtet in Bayern um die Patientenversorgung
Presseinformation der Bayerischen Landesärztekammer

Hinsichtlich der neuesten Idee von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), regionale Krankenkassen für Versicherte in ganz Deutschland zu öffnen, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), einen „Kassenwettbewerb um jeden Preis“ voraus. Spahn plant, dass gesetzlich Krankenversicherte nicht nur zu bundesweiten Kassen wechseln, sondern auch andere regionale AOKs wählen können, die vor allem in Ostdeutschland mit vergleichsweise niedrigen Beitragssätzen aufwarten.

„Ein Preiswettbewerb schadet vor allem der Patientenversorgung in Bayern“, warnt Quitterer. Der Wettbewerbsgedanke konterkariere geradezu die Idee des Sozialstaates, der im Übrigen bereits in der Bayerischen Verfassung formuliert ist. Hier heißt es in Artikel 3: „Bayern ist ein Rechts-, Kultur- und Sozialstaat. Er dient dem Gemeinwohl. Der Staat schützt die natürlichen Lebensgrundlagen und die kulturelle Überlieferung. Er fördert und sichert gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern, in Stadt und Land.“ Diesem Auftrag komme die AOK-Bayern nach,  etwa wenn es darum gehe, die Versorgung auf dem Land sicherzustellen.

„Ich sehe keinen Vorteil darin, regionales Know-how und funktionierende Strukturen in Bayern zu zerschlagen“, so der BLÄK-Präsident. Mit ihrem hohen Marktanteil habe die AOK-Bayern einfach mehr Gestaltungsmöglichkeiten in der Region als eine bundesweit agierende Krankenkasse.

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23.04.2019 Wie krank sind wir wirklich? FAU-Professor Thomas Kühlein über den Hang zur Überdiagnostik und deren Folgen
Pressemeldung der FAU Erlangen

Liebe Journalistinnen und Journalisten,
wir möchten Sie darauf hinweisen, dass ein neuer Expertenkommentar auf der Presseseite „FAU aktuell“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg online gegangen ist:
https://www.fau.de/2019/04/news/nachgefragt/wie-krank-sind-wir-wirklich/

Auch gesunde Menschen werden immer häufiger als krank bezeichnet – bloß weil ein paar Werte von der Norm abweichen. Eine Gruppe internationaler Ärzte und Wissenschaftler hat deswegen einen Appell in der Fachzeitschrift „BMJ Evidence-Based Medicine“ veröffentlicht*: Sie wollen die Regeln, nach denen gegenwärtig Krankheiten definiert und Grenzwerte für Diagnosen festgelegt werden, verändern. Prof. Dr. Thomas Kühlein, Direktor des Allgemeinmedizinischen Instituts der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), ist einer dieser Wissenschaftler. Im Interview erklärt er, was mit Überdiagnostik gemeint ist und wie er und seine Kollegen dagegen vorgehen wollen.

Wer sich gesund fühlt, ist das noch lange nicht – zumindest per Definition gelten auch Leute als krank, obwohl diese nicht unter Symptomen leiden. Wieso ist das so?

Im Deutschen haben wir nur das Wort Krankheit. Im Englischen lässt sich dagegen in „illness“ und „disease“ unterscheiden. Dabei meint „illness“ das Leiden der Patienten, während „disease“ das Krankheitskonzept, also die Erklärung der Ärzte meint. Nun gibt es zunehmend Krankheit ohne Leiden. Und während Leiden nur fühlbar ist, ist Krankheit eben definierbar. So lassen sich viele Veränderungen bereits messen, bevor sie als Leiden fühlbar werden. Diese frühen Veränderungen führen aber keineswegs immer zu einem Leiden. Hinzu kommt die unreflektierte Vermischung von Krankheit und Risikofaktor. Einer der stärksten Risikofaktoren für eine Vielzahl von Krankheiten ist das Alter. Auch ganz normale Alterungsprozesse werden häufig mit Diagnosen belegt.

Wer formuliert die Regeln, nach denen gegenwärtig Krankheiten definiert und Diagnosen erstellt werden?
Die Medizin hat sich im Laufe der Zeit immer mehr zersplittert. So gibt es beispielsweise nur noch wenige wirklich breit aufgestellte Internisten. Stattdessen gibt es Spezialisten für immer kleinere Gebiete. Krankheitsdefinitionen werden meist von diesen Spezialisten festgelegt. Spezialisten neigen dazu, nicht den ganzen Menschen im Blick zu haben. Auch wird deren Forschung häufig von der Industrie finanziert. Beides kann zu Verzerrungen des Urteils führen und tut es wohl auch. Es ist gut belegt, dass industriefinanzierte Studien zu anderen Ergebnissen kommen und dass finanzielle Interessenkonflikte einen Einfluss auf die Bewertung von Forschungsergebnissen haben. Das ist keinesfalls mit Korruption zu verwechseln, aber eben doch eine Korrumpierung, also Beeinflussung des Urteils. Das Problem ist, dass es diesseits statistischer Signifikanz kein eindeutiges Maß dafür gibt, wann Relevanz beginnt.

Was sind Beispiele für eine Überdiagnostik?

Das bekannteste Beispiel ist die im letzten Jahr durch die US-amerikanische Fachgesellschaft für Kardiologie beschlossene Absenkung der Grenzwerte für Bluthochdruck. Danach würde jeder zweite erwachsene Mensch in den USA die Diagnose Bluthochdruck bekommen. Ein anderes Beispiel ist die Osteoporose. Etwa die Hälfte der 80-Jährigen erfüllt die dafür nötigen Kriterien. Nach der US-amerikanischen Leitlinie sollten 93 Prozent der über 75-jährigen Frauen Medikamente gegen Osteoporose erhalten, obwohl deren Wirksamkeit gegen die in diesem Alter vor allem gefürchteten Schenkelhalsbrüche sehr begrenzt ist. Die deutschen Leitlinienautoren halten sich dagegen für moderat, da nach ihrer Empfehlung geschätzt nur etwa 75 Prozent diese Medikamente erhalten sollten. Die Liste der Beispiele ließe sich lange fortsetzen.

Menschen halten sich also oft für krank, obwohl sie das nicht sind. Welche Folgen hat das?

Wenn man jemandem eine Diagnose wie Bluthochdruck mitteilt und ihm Medikamente verordnet, hält sich derjenige natürlich für krank. Er kontrolliert dann ängstlich seine Blutdruckwerte, geht zum Arzt und hat unter Umständen Nebenwirkungen – kurz: das gesamte Wohlbefinden wird gestört. Einer der wichtigsten ärztlichen Grundsätze ist das „primum nil nocere“, zu Deutsch: Man sollte zuerst einmal nicht schaden. Es ist nicht so, dass wer Blutdruckmittel nimmt, auf keinen Fall einen Herzinfarkt bekommt. Die meisten Patienten mit Bluthochdruck hätten auch ohne Medikamente nie einen Herzinfarkt bekommen. Andere bekommen auch mit diesen Medikamenten trotzdem einen Herzinfarkt. Man muss also viele Menschen umsonst behandeln, damit einer keinen Herzinfarkt erleidet. Viele haben also durch eine für sie unnötige Diagnose einen kleinen Schaden, damit einer einen großen Nutzen hat. Und man weiß natürlich nie, ob man selbst der eine ist oder nicht. Aber wie vielen Menschen darf man unnötig schaden, damit einer etwas davon hat? Und wer bestimmt das? Studien haben gezeigt, dass Spezialisten bereit sind, sehr viel mehr Patienten umsonst Medikamente nehmen zu lassen, um einem zu nutzen, als Hausärzte. Patienten erwarten einen noch höheren Nutzen von Medikamenten als ihre Ärzte. Leider kennen viele Ärzte und Patienten die tatsächlichen Effekte ihrer Medikamente nicht. Wenn man sie befragt, überschätzen sie den Nutzen und unterschätzen den möglichen Schaden.

Was schlagen Sie und Ihre Kollegen vor, um die Situation zu verbessern?

Es gibt längst eine weltweite Bewegung unter Ärzten, die das Problem der Überversorgung erkannt haben. Selbst wenn eine Therapie noch zu rechtfertigen wäre, wenn der Patient nur dieses eine Gesundheitsproblem oder Risiko hätte, wird spätestens mit zunehmendem Alter die Summe der vielen Tabletten zu einem eigenen Problem. Deshalb hat sich eine internationale Gruppe, zu denen auch die designierte Präsidentin der Weltorganisation der Hausärzte (WONCA) Anna Stavdal und andere namhafte Ärzte und Wissenschaftler gehören, zusammengetan, und dazu aufgerufen, dass Krankheiten und ihre Grenzwerte in Zukunft stärker von Generalisten, wie es die Hausärzte sind, sowie von Patienten- und Bürgervertretern definiert werden sollten. Ich selbst habe als Vorsitzender eines internationalen Klassifikationskommittees der WONCA daran teilgenommen. Auch leitet das Allgemeinmedizinische Institut am Universitätsklinikum Erlangen, dem ich als Direktor vorstehe, ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziertes Forschungsnetzwerk mit Namen PRO PRICARE. PRO PRICARE steht für „Preventing Overdiagnosis in Primary Care“, auf Deutsch „Verhinderung von Überversorgung in der ambulanten Versorgung“.

Mehr Informationen zum Forschungsnetzwerk PRO PRICARE: http://www.allgemeinmedizin.uk-erlangen.de/forschung/netzwerk-pro-pricare/
*DOI: http://dx.doi.org/10.1136/bmjebm-2018-111148

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Thomas Kühlein

Tel.:  09131/85-31140

thomas.kuehlein@uk-erlangen.de

 

 

Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auf unserer Rubrik "Nachgefragt" vorbei – dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: https://www.fau.de/category/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/

 

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16.04.2019 Den Respekt vor dem Leben bewahren
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 16.04.2019 – Anlässlich der heutigen mündlichen Verhandlung des Bundesverfassungs-gerichts über diegeschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung erklärt Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery:

„Menschen mit existenziellen Leiden benötigen medizinische Hilfe und menschliche Zuwendung. Palliativmedizin vermag dies zu leisten, geschäftsmäßige Sterbehilfe dagegen nicht. Sie ermöglicht kein Sterben in Würde, sondern verstellt den Weg für eine adäquate Behandlung und Begleitung schwer und unheilbar Erkrankter. Deshalb war es richtig, dass der Gesetzgeber der geschäfts-mäßigen Sterbehilfe im Jahr 2015 einen Riegel vorgeschoben hat.

Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten ist es, das Leben zu erhalten, die Gesundheit zu schützen und wiederherzustellen, Leiden zu lindern und Sterbenden Beistand zu leisten. Die Tötung des Patienten, auch wenn sie auf dessen Verlangen erfolgt, sowie die Beihilfe zum Suizid gehören nach den Berufsordnungen aller Ärztekammern in Deutschland nicht zu den Aufgaben von Ärztinnen und Ärzten. Wird Suizidhilfe zum akzeptierten Spektrum ärztlicher Tätigkeit erklärt, könnte in der Folge an alle
Ärztinnen und Ärzte die Erwartung gerichtet werden, dass sie bei der Selbsttötung medizinisch unterstützen müssten. Eine solche Erwartung stünde im eklatanten Widerspruch zur medizinisch-
ethischen Grundhaltung der Ärzteschaft und zu den grundlegenden Aufgaben von Ärztinnen und Ärzten.

Mit der Regelung in § 217 StGB hat der Gesetzgeber klare strafrechtliche Grenzen gesetzt. Das Verbot schützt auch vor einer Normalisierung des Suizids und es trägt vor allem dazu bei,
menschliches Leben zu schützen und bewahren. Dabei muss es bleiben.“

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12.04.2019 Zukunftsweisende Technologie für mehr Mobilität für bewegunseingeschränkte Patienten
uni | mediendienst | forschung Nr. 30/2019

Mit dem Projekt MOBILISE-D werden 50 Millionen Euro in das Erforschen neuer Therapien für bewegungseingeschränkte Patienten investiert

Beim europäischen Innovationsprojekt MOBILISE-D überwachen winzige Sensoren am Körper des Patienten dessen Alltagsaktivitäten. Gemeinsam werten internationale Forschungsinstitute und Unternehmen der pharmazeutischen Industrie digital erfasste Bewegungsdaten aus, um bessere Methoden zur akkuraten Messung, Ermittlung und Vorhersage von Mobilitätseinschränkungen zu ermöglichen. Prof. Dr. Jochen Klucken und Dr. Heiko Gassner aus der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) begleiten das Projekt für das Uni-Klinikum Erlangen gemeinsam mit Dr. Felix Kluge und Prof. Dr. Björn Eskofier vom Lehrstuhl für Maschinelles Lernen und Datenanalytik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Mobilität gilt neben Atmung, Puls, Blutdruck oder Körpertemperatur als wichtiges Zeichen für Gesundheit. Auch weil ein langsamer, eingeschränkter Gang mit einem höheren Erkrankungsrisiko, kognitivem Abbau und einem erhöhten Sturzrisiko verbunden ist, wird die Fähigkeit zu gehen als fundamentaler Vitalparameter angesehen. Beim europäischen Gemeinschaftsprojekt MOBILISE-D werden mittels wegweisender Technologie die Mobilitätsdaten der teilnehmenden Patienten ausgewertet: Kaum briefmarkengroße Sensoren erfassen rund um die Uhr ihre Alltagsbewegungen. Ziel von MOBILISE-D ist es, die Gehfähigkeit und auch die Gehgeschwindigkeit im Alltag als Bewertungskriterium für die Therapiewirkung messbar und analysierbar zu machen. Aus den validierten Messergebnissen entsteht ein medizinisches Bewertungssystem, auf dessen Grundlage neue Instrumente, Therapien und Medikamente entwickelt werden sollen. Diese sollen die Mobilität von Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson oder Multipler Sklerose, aber auch von solchen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung, Hüftfraktur und Herzinsuffizienz verbessern.

Für dieses zukunftsweisende Projekt arbeiten 34 internationale Forschungsinstitute hochrangiger Universitäten mit Mitgliedern des Europäischen Dachverbands der Arzneimittelunternehmen und -verbände (EFPIA) zusammen. Die hohe Investitionssumme von 50 Millionen Euro für das Projekt MOBILISE-D finanziert das von der Europäischen Union und EFPIA gemeinsam gegründete Unternehmen Initiative Innovative Arzneimittel (IMI2 JU), das sich für die Förderung kooperativer Forschungsprojekte einsetzt. Die Prämisse für das Projekt MOBILISE-D lautet, dass digitale Technologien, wie zum Beispiel Körpersensoren, die Mobilität von Patienten erfassen und geänderte Lebensbedingungen erkennen können. Dies ermöglicht es Ärzten, früher einzugreifen und einen verbesserten Behandlungsverlauf zu erreichen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jochen Klucken                                                           
Tel.: 09131/85-39324
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Dr. Felix Kluge
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09.04.2019 Medizinstudium - EDU Studienabschluss führt nicht automatisch zur Approbation in Deutschland
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 09.04.2019 – Die Bundesärztekammer und das maltesische Ministerium für Bildung und Beschäftigung sehen nach wie vor offene Fragen im Zusammenhang mit der Etablierung eines
privatwirtschaftlich organisierten Studiengangs in Humanmedizin auf Malta. Ein von Deutschland aus operierendes, aber in Malta angemeldetes Unternehmen (Digital Education Holdings) hatte
angekündigt, ein weitgehend digitales Medizinstudium anzubieten. Zukünftige Studenten brauchen Malta nie zu betreten, sollen aber angeblich am Ende einen maltesischen Abschluss erhalten. Obwohl bereits für die Zulassung zu diesem Studiengang in Deutschland geworben wird, sind aus Sicht der
Bundesärztekammer Fragen zu Qualität und Ausgestaltung dieses Studiengangs noch unklar.

Der Umgang mit dem Studienmodell Namens EDU war Gegenstand eines Austausches zwischen Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer und Präsident des Ständigen Ausschuss der Ärzte der EU (CPME), und dem maltesischen Minister für Bildung und Beschäftigung, Evarist Bartolo, am 4. April 2019 in Valletta/Malta. Der Minister führte dazu aus, dass Studienabschlüsse, die an einer in Malta akkreditierten Bildungseinrichtung erworben werden, zwar
grundsätzlich für die Anerkennung durch die entsprechende Richtlinie der Europäischen Union in Frage kommen. Eine Berufsausübungserlaubnis für Ärztinnen und Ärzte analog zur Approbation in Deutschland erfordert in Malta nach einem erfolgreich abgeschlossenen Medizinstudium aber auch eine entsprechende Lizenz durch den Medical Council Maltas. Diese werde Malta nach Aussage des Ministers für den bisherigen Studienabschluss der EDU nicht ausstellen.

Das Ministerium habe eine Expertengruppe gebeten, sich der Fragen anzunehmen, die mit dem Studienangebot der EDU verbunden sind. Der Ständige Ausschuss der Europäischen Ärzte
(CPME) soll zu Fragen der Anerkennungsfähigkeit der Abschlüsse in die Arbeit der Expertengruppe eingebunden werden.

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09.04.2019 Vorgeburtliche Gentests - Gesetzgeber muss Voraussetzungen und Grenzen klar definieren
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 09.04.2019 – Vor der Orientierungsdebatte des Deutschen Bundestages über vorgeburtliche genetische Bluttests am 11. April 2019 erklärt der Vorstand der Bundesärztekammer:

„Mit der Nicht-invasiven Pränataldiagnostik (NIPD) verbinden sich fundamentale ethische Fragen. Eine Verkürzung der Debatte um die Einführung der NIPD auf die Frage der Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) reicht nicht aus.

Seit der Entwicklung der NIPD lässt sich das Risiko einer autosomalen Trisomie (derzeit Trisomie 13, 18 und 21) durch die Analyse zellfreien fetalen Erbguts im Blut der Schwangeren bestimmen. Die NIPD kann – sofern sie zu einer Reduktion der durch die invasive Pränataldiagnostik bedingten Risiken, insbesondere Fehlgeburten, beiträgt – eine sinnvolle Ergänzung der vorgeburtlichen Risikoabklärung darstellen. Deshalb muss der Zugang für alle Versicherten gleichberechtigt möglich sein.

Den Anwendungsbereich für die NIPD einschließlich ihrer Voraussetzungen und Grenzen zu definieren, bleibt Aufgabe des Gesetzgebers. Dies erfordert eine breite gesellschaftspolitische Diskussion, wie die Gesellschaft mit Krankheit und Behinderung umgeht. Die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung müssen verbessert, bestehende Barrieren abgebaut und eine gleichberechtigte Teilhabe im beruflichen wie im sozialen Bereich muss durch entsprechende Förder- und Betreuungsangebote
sichergestellt werden. Dazu gehört auch ein klares Bekenntnis zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung und deren Familien.

Die Ärzteschaft wird sich auch weiterhin für die Belange von Menschen mit Behinderung und deren Integration einsetzen: Es darf durch pränatale Untersuchungen niemals zu einer Diskriminierung von Eltern kommen, die sich für ein Kind mit Behinderung bzw. einer angeborenen Erkrankung entscheiden. Vielmehr verdienen sie und die Kinder die bestmögliche Solidarität der Gesellschaft.

Mit Blick auf die Konfliktsituation kann nur eine umfassende Information und Aufklärung sowie eine kompetente Beratung die Schwangere unterstützen, eine verantwortungsbewusste und selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. Die Ärzteschaft fordert den Gesetzgeber daher auf, dafür Sorge zu tragen, dass Schwangere vor der Durchführung einer NIPD umfassend und ergebnisoffen von einem entsprechend qualifizierten Arzt über mögliche Konsequenzen dieser vorgeburtlichen genetischen Untersuchung beraten werden müssen. Diese Beratung darf nicht an Kapazitäts-problemen oder ungenügender Finanzierung scheitern.“

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09.04.2019 Mikroskopie im Körper- FAU-Forscher entwickeln Endoskopietechnik der nächsten Generation
uni | mediendienst | forschung Nr. 29/2019

Biotechnologen, Physiker und Mediziner der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben eine Technologie für mikroskopische Aufnahmen im lebenden Organismus entwickelt. Ein miniaturisiertes Multiphotonen-Mikroskop, das künftig endoskopisch eingesetzt werden kann, regt körpereigene Moleküle zum Leuchten an und ermöglicht die Abbildung von Zellen und Gewebestrukturen ohne künstliche Kontrastmittel. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal „Advanced Science“ veröffentlicht*.

Laser regt Moleküle zum Leuchten an

Zur Diagnose von Erkrankungen ist es häufig notwendig, Gewebeproben unter dem Mikroskop zu beurteilen. Dafür müssen diese Proben beispielsweise bei Darmspiegelungen entnommen und mit Kontrastmitteln versetzt werden, um die Gewebestrukturen gut gegeneinander abgrenzen zu können. Biotechnologen, Physiker und Mediziner der FAU haben nun ein Verfahren entwickelt, das die Untersuchung des Darms und anderer Organe deutlich vereinfachen könnte: Sie haben die Technologie der Multiphotonen-Mikroskopie so weit miniaturisiert, dass sie endoskopisch eingesetzt werden kann. „Ein Multiphotonen-Mikroskop sendet fokussierte Laserpulse sehr hoher Intensitäten für extrem kurze Zeiten aus“, erklärt Prof. Dr. Dr. Oliver Friedrich vom Lehrstuhl für Medizinische Biotechnologie. „Dabei interagieren zwei oder mehr Lichtteilchen gleichzeitig mit bestimmten körpereigenen Molekülen, die dadurch zum Leuchten gebracht werden können.“

Die Multiphotonen-Mikroskopie bietet entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden: Für Darstellungen von Bindegewebsbestandteilen oder Zellen müssen keine künstlichen Kontrastmittel verabreicht werden, weil die von den Photonen angeregten körpereigenen Marker selbst leuchten. Ferner dringt der Multiphotonen-Laser tief in Zellen – beispielsweise der Darmwand – ein und liefert hochaufgelöste dreidimensionale Aufnahmen von lebendem Gewebe, während die konventionelle Koloskopie an der Darmoberfläche endet. Das Verfahren könnte Biopsien ergänzen oder in bestimmten Fällen sogar überflüssig machen.

Multiphotonen-Technologie in transportablem Gerät

Multiphotonen-Mikroskope werden in der Medizin bereits eingesetzt, insbesondere an Hautoberflächen: Dermatologen beispielsweise nutzen sie für die Suche nach malignen Melanomen. Die Herausforderung für den Einsatz bei endoskopischen Untersuchungen ist die Größe der technischen Komponenten: Den FAU-Forschern ist es gelungen, die gesamte Mikroskop-Technologie einschließlich Femtosekundenlaser in einem kompakten, transportablen Gerät unterzubringen. Das Objektiv findet in einer Kanüle mit einer Länge von 32 Millimetern und einem Durchmesser von 1,4 Millimetern Platz. Für die Variation der optischen Tiefenwirkung kann der Fokuspunkt elektrisch verstellt werden. An der Spitze der Nadel befindet sich ein Prisma, das einen Seitwärtsblick im Darm erlaubt – so können von derselben Position aus verschiedene Rotationsaufnahmen vom Gewebe gemacht werden.

In aktuellen Experimenten am Kleintier erfolgt die Übertragung des Laserlichts über ein starres System – für den Einsatz in einem flexiblen Endoskop muss noch einige Forschungsarbeit geleistet werden. „Für die Leitung der Laserpulse sind spezielle photonische Kristallfasern nötig“, sagt Friedrich. „Außerdem muss zusätzlich zum Objektiv die gesamte Scanning-Mechanik miniaturisiert werden, um sie in ein flexibles Endoskop integrieren zu können.“

Multiphotonen-Atlas der Organe und Pathologien


Die Multiphotonen-Mikroendoskopie ist nicht nur für Darmuntersuchungen interessant – sie kann grundsätzlich auch in anderen Bereichen des Körpers eingesetzt werden, etwa im Mund- und Rachenraum oder in der Blase. Ziel des neuen Verfahrens ist es, dass der Arzt direkt bei der Endoskopie erkennen kann, ob Organzellen und Wandbestandteile auf kleinsten Mikrometerskalen verändert sind. Aufwändige Färbeverfahren und zeitraubende Biopsien könnten damit eingeschränkt werden. Unterstützt werden sollen die Mediziner dabei von einer Bilddatenbank, einer Art Multiphotonen-Atlas der Organe und verschiedener Krankheitsbilder – eine Vision, der sich das Team um Prof. Friedrich verschrieben hat.

Das Projekt wurde durch die Emerging Fields Initiative (EFI) der FAU gefördert. Die EFI wurde im Jahr 2010 gegründet. Ziel der Initiative ist es, herausragende Vorhaben frühzeitig und flexibel zu fördern. Speziell berücksichtigt werden hier fächerübergreifende Projekte.

* DOI: 10.1002/advs.201801735

 „Label-Free Multiphoton Endomicroscopy for Minimally Invasive In Vivo Imaging”


Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dr. Oliver Friedrich
Tel.: 09131/85-23174
oliver.friedrich@fau.de

Dr. Sebastian Schürmann
sebastian.schuermann@fau.de

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08.04.2019 Warnstreik und Notfallversorgung auch an kommunalen Krankenhäusern in Bayern am 10. April 2019
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Zu einem bundesweiten Warnstreik sowie zu einer zentralen Kundgebung am 10. April in Frankfurt/Main hat der Marburger Bund (MB) aufgerufen. Auch die kommunalen Krankenhäuser in Bayern werden von dem eintägigen Warnstreik am 10. April landesweit betroffen sein. Der Marburger Bund, Berufsverband und Fachgewerkschaft für Ärzte in Deutschland, bietet den einzelnen Kliniken eine sogenannte Notdienstvereinbarung an, so dass Notsituationen für Patienten nicht zu befürchten sind.

„Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) unterstützt die Forderungen der streikenden Ärztinnen und Ärzte und fordert die Arbeitgebervertreter, die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), auf, ein neues Angebot für die Tarifverhandlungen vorzulegen“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer. Alle Notfall-Patienten in Bayern werden selbstverständlich auch am kommenden Mittwoch, 10. April 2019, dem Streiktag, versorgt. Patienten, die keiner zeitnahen medizinischen Versorgung bedürfen, sollten sich um eine Verschiebung ihres Termins in einer VKA-Klinik bemühen bzw. diese Kliniken an einem anderen Tag aufsuchen.

Bayerische Landesärztekammer
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08.04.2019 Positionspapier der Ärzteschaft zur Europawahl: Die EU muss dem Patienten dienen, nicht allein dem Binnenmarkt
Gemeinsame Pressemitteilung der Bundesärztekammer und der KBV

Berlin, 08.04.2019 – Die Bedürfnisse der Patienten im Blick behalten und
mehr Subsidiarität wagen – das sind die zentralen gesundheitspolitischen
Forderungen, die Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztliche
Bundesvereinigung (KBV) in einem gemeinsamen Positionspapier an das
künftige Europäische Parlament und die neue EU-Kommission formulieren.

„Europa steht vor einer Schicksalswahl. Es geht darum, das Vertrauen der
Bürgerinnen und Bürger in die EU zurückzugewinnen“, sagte Prof. Dr. Frank
Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer. Das könne aber
nicht gelingen, wenn Brüssel weiter in die gesundheitspolitischen
Kompetenzen der Mitgliedsstaaten eingreife, um seinen marktwirtschaftlich
motivierten Liberalisierungskurs voranzutreiben. „Wir brauchen ein starkes
europäisches Parlament und eine Kommission, der das Wohlergehen der
Menschen mehr am Herzen liegt, als Konzernbilanzen.“

„Bei allen gesundheitspolitischen Vorhaben müssen die europäischen
Institutionen, also Parlament, Rat und Kommission, die Individualität der
Gesundheitsversorgung der Mitgliedstaaten berücksichtigen“, erklärte Dr.
Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung (KBV). „Im Sinne der Akzeptanz von Beschlüssen und
Maßnahmen aus Brüssel ist es unverzichtbar, den Besonderheiten der
Mitgliedsländer gerade im Sozial- und Gesundheitswesen ausreichend
Rechnung zu tragen. Denn diese werden von den Bürgerinnen und Bürgern


sehr geschätzt. So zeigen beispielsweise alle Studien, dass die Menschen in
Deutschland mit ihrem Gesundheitswesen insgesamt sehr zufrieden sind.“

Ein Schwerpunkt des Positionspapiers liegt auf der grenzüberschreitenden
Mobilität von Ärztinnen und Ärzten. So sei durch geeignete Prüfungen zu
garantieren, dass ausländische Ärzte die notwendigen Sprachkenntnisse
mitbringen. Ärztemigration dürfe nicht zu Lasten der Gesundheitssysteme in
den Herkunftsstaaten gehen.

BÄK und KBV erinnern daran, dass zum Patientenschutz auch ein sicheres
Arbeitsumfeld für Ärztinnen und Ärzte gehöre, das sie vor übermäßiger
Arbeitsbelastung schützt.

Beim Ausbau interoperabler europäischer e-Health-Systeme müssen nach
Auffassung der Ärzteschaft der Schutz und die Sicherheit von Patientendaten
eine zentrale Rolle spielen. Zudem sei darauf zu achten, dass der Aufwand bei
Einführung neuer digitaler Anwendungen im Verhältnis zu deren praktischem
Nutzen stehe.

Das Positionspapier finden Sie im Internet unter
www.baek.de/positioneuropawahl2019
https://www.kbv.de/html/39957.php

Ihre Ansprechpartner:

Samir Rabbata (BÄK), Tel.: 030 / 400456-700
Dr. Roland Stahl (KBV), Tel.: 030 / 4005-2201

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft:
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03.04.2019 Ist Wissen Macht?
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Ist Wissen Macht? fragt Dr. Gerald Quitterer in seinem Leitartikel der Aprilausgabe des Bayerischen Ärzteblattes 2019. Wissen sei Voraussetzung ärztlichen Handelns. Grundlage dafür seien sowohl ein universitäres Studium, als auch die anschließende kompetenzbasierte Weiterbildung. „Die Digitalisierung ermöglicht uns, dieses Wissen schneller und umfassender einsetzen und nutzen zu können. Riesige Datenmengen können gespeichert und aus diesen bestenfalls Algorithmen entwickelt werden, die für uns Ärzte und unsere Patienten von Nutzen sein sollen: Bei der Beurteilung bildgebender Verfahren, bei der Erkennung seltener Erkrankungen, bei der möglichen Interaktion von Medikamenten oder personalisierte Medizin, um nur einige zu nennen. Die Entscheidung und Verantwortung über die Behandlung des Patienten liegt in jedem Fall bei uns Ärzten“, ist Quitterer überzeugt. Doch wenn diese Algorithmen jetzt aber selbstlernende Systeme würden, bestehe die Gefahr, dass Ärzte außen vor seien. Spezialisten der Informationstechnik (IT) seien dann die Experten, die dem Algorithmus die Struktur, oder, wenn man so will, die „Denkweise“ vorgäben. Der Präsident spricht auch die künstliche Intelligenz (KI) an: „Natürlich vermag KI mithilfe komplexer Analyseprozesse schneller präzise Entscheidungen zu treffen. Doch was fehlt, ist der Raum zwischen Fragestellung und Entscheidung. Die reflektierte Betrachtung des Problems und eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Patienten“.

Schließlich stellt Bayerns Ärzte-Chef die Frage: „Und was wollen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Handelt es sich bei dem Ruf nach KI um den Griff nach der Unsterblichkeit des Menschen? „Das habe jedenfalls nichts mit der realen Patientenversorgung zu tun! Ärzte stellten im geschützten Raum die vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung sicher. Ärzte koordinierten das Wissen der KI und die Abfolge von Algorithmen mit ihrer Erfahrung und dem individuellen Bedarf des Patienten. „Die Arzt-Patienten-Beziehung ist und bleibt deshalb Basis des Gesundheitswesens“, so Quitterer.

Mehr zu „Ist Wissen Macht?“ lesen Sie in der Aprilausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

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01.04.2019 Organspende - Jeder sollte sich bekennen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 01.04.2019 – Zu dem heute vorgestellten Gesetzentwurf für eine sogenannte doppelte Widerspruchslösung bei der Organspende erklärt Bundesärztekammer-Präsident
Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery:

„Grundsätzlich ist die Bereitschaft zur Organspende da. Das zeigen Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sehen demnach die Organspende positiv. Allerdings besitzt nur ein Drittel der Bevölkerung einen Organspendeausweis. Das zeigt, dass
Aufklärung- und Informationskampagnen zwar wichtig, aber allein nicht ausreichend sind.

Nach wie vor sind die Themen Tod und Sterben in unserer Gesellschaft tabuisiert. Das führt dazu, dass viele zwar der Organspende positiv gegenüberstehen, die verbindliche Beschäftigung mit diesem Thema aber vor sich herschieben. Bei dem Modell der doppelten Widerspruchslösung müssen sich die Menschen bewusst mit der Frage auseinandersetzen, ob sie spenden wollen, oder nicht. Ganz wichtig: Niemand wird zur Organspende gezwungen. Man kann einer Organspende zu Lebzeiten widersprechen. Und nach dem Tod ist auch den Angehörigen ein Widerspruch möglich.

Trotzdem muss uns bewusst sein, dass es bei der Widerspruchslösung um ein hochsensibles Thema geht, das ethische, religiöse und verfassungsrechtliche Fragen berührt. Notwendig ist eine besonnene Diskussion mit Respekt für die Ängste und Argumente der Gegenseite. Es ist gut, dass diese Debatte in der ganzen gesellschaftlichen Breite geführt und dann aus der Mitte des Bundestags heraus entschieden werden soll.“

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29.03.2019 Ausbildung auf Spitzenniveau- Das Uni-Klinikum Erlangen gehört zu Deutschlands Top-Ausbildern
uni | mediendienst | aktuell Nr. 28/2019

Eins mit Sternchen – so ließe sich das Ergebnis zusammenfassen, wenn man die Auszubildenden des Universitätsklinikums Erlangen nach ihrer Einschätzung zur Lehre fragt. Dieses subjektive Empfinden wurde nun erneut von unabhängiger Seite bestätigt: Eine Studie der Magazine FOCUS und FOCUS Money hat das Uni-Klinikum Erlangen auch 2019 mit dem begehrten Siegel „Deutschlands beste Ausbildungsbetriebe“ gekürt. Die Maxime für die Zukunft lautet nun, sich nicht auf diesen Lorbeeren auszuruhen, sondern das Ausbildungsprogramm trotz hervorragender Kritiken weiter zu optimieren. Nur so können das hohe Niveau gehalten und die Nachwuchskräfte im Gesundheitswesen bestmöglich ausgebildet werden.

Gesundheits- und Krankenpfleger, Technische Assistenten in der Medizin oder Hebammen – die Ausbildungsmöglichkeiten unter dem Dach des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe Erlangen am Universitätsklinikum Erlangen sind sehr vielfältig. Ebenso dazu gehören Berufe, die für ein Krankenhaus zunächst ungewöhnlich erscheinen, Köche, Chemielaboranten oder Metallbauer etwa. Insgesamt profitierten im vergangenen Jahr über 700 junge Menschen von dieser Vielfalt und legten am Uni-Klinikum Erlangen den Grundstein für ihren beruflichen Werdegang. Dass das Uni-Klinikum Erlangen nun erneut mit dem FOCUS-Siegel ausgezeichnet wurde, bestätigt die herausragende Qualität der einzelnen Ausbildungen.

Für die Studie „Deutschlands beste Ausbildungsbetriebe 2019“ von FOCUS und FOCUS Money wurden die 20.000 mitarbeiterstärksten Unternehmen in Deutschland zu ihrer Ausbildungsqualität befragt.


Weitere Informationen:
Bastian Henschel
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bastian.henschel@uk-erlangen.de

 
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25.03.2019 Netzwerke machen es leichter Wissenschaftler der FAU erforschen Gesundheitsmanagement-Konzept für KMU
uni | mediendienst | forschung Nr. 27/2019

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben untersucht, wie sich das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) in kleinen und mittleren Unternehmen nachhaltig implementieren lässt und psychische Belastungen der Mitarbeiter stärker berücksichtigt werden. Im Projekt RegioKMUnet, das kurz vor dem Abschluss steht, wurden insbesondere die Vorteile regionaler Netzwerke evaluiert. Die Ergebnisse werden am Mittwoch, 10. April, auf einer Fachtagung in Erlangen vorgestellt.

Die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist ein elementarer Faktor für die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens. Neue Entwicklungen, allen voran die Digitalisierung der Arbeitswelt, lösen etablierte Verhaltensmuster auf und fordern eine enorme Flexibilität, was zu psychischen Belastungen führen kann. Seit 2013 sind Arbeitgeber verpflichtet, neben physischen auch psychische Gefährdungen zu bewerten und ihnen entgegenzuwirken. Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist das eine gewaltige Herausforderung, da sie ohnehin Schwierigkeiten haben, ein systematisches und umfassendes Gesundheitsmanagement zu etablieren.

Regionale Netzwerke – Vorteile für KMU

Vor diesem Hintergrund haben Wissenschaftler der Arbeitsgruppe „Public Health“ am Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin (IPASUM) der FAU gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) in Bayern, der Grundig-Akademie und der Peter Brehm GmbH im Januar 2016 das Projekt RegioKMUnet gestartet. Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes ist die Entwicklung eines ganzheitlichen Konzeptes zur Implementierung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements speziell in KMU. Dafür haben sich insgesamt elf Unternehmen und sieben kommunale Arbeitgeber aus Mittelfranken und dem bayerischen Odenwald mit einer Größe von 40 bis 450 Mitarbeitern in zwei regionalen Netzwerken zusammengeschlossen. „Wir wollten untersuchen, ob der Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung das betriebliche Gesundheitsmanagement voranbringen können“, erklärt Amanda Voss, Soziologin am IPASUM.

Die Gestaltung eines BGM ist entscheidend von der Unternehmensgröße abhängig: So haben kleine Firmen meist keinen Mitarbeiter, der sich hauptamtlich um das Gesundheitsmanagement kümmert. Auch die Betriebsärzte konnten innerhalb des Projekts nicht als Koordinatoren eingesetzt werden. Die Aufgabe der Netzwerkpartner im Rahmen des Projekts war es deshalb auch – sofern noch nicht erfolgt – einen festen Ansprechpartner für das BGM zu definieren, beispielsweise in der Personalabteilung oder direkt in der Geschäftsführung.

Digitalisierung nicht primärer Belastungsfaktor

Während der Projektlaufzeit wurden zwei Mitarbeiterbefragungen durchgeführt, die besonders die psychische Gesundheit im Blick hatten. Obwohl Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet sind, sämtliche mit der Arbeit verbundenen Gefährdungen zu ermitteln und mit geeigneten Maßnahmen des Arbeitsschutzes entgegenzuwirken, hat sich die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen gerade in kleinen Betrieben noch nicht flächendeckend etabliert.

Bei den Befragungen stellte sich heraus, dass Digitalisierung als Ursache für Stress und Anpassungsdruck in den beteiligten KMU eine nachrangige Rolle spielt. „Als häufigste Auslöser psychischer Belastungen haben wir Probleme in den Arbeitsprozessen und Organisationsstrukturen identifiziert“, sagt Wolfgang Fischmann, der das Projekt am IPASUM aus psychologischer Sicht betreut. „Auch Mängel in der Führungsqualität der Vorgesetzten, etwa unzureichende fachliche Kompetenz oder eine schlechte Fehlerkultur, wurden von den Mitarbeitern genannt.“

Fachtagung am 10. April


Ende April 2019 läuft das Projekt aus. Aktuell werten die Wissenschaftler die letzten Umfrageergebnisse aus. Bereits jetzt können vier zentrale Erkenntnisse aus RegioKMUnet gewonnen werden:

1.       In den beteiligten Unternehmen konnte das Bewusstsein für den Stellenwert psychischer Belastungen geschaffen bzw. geschärft werden.

2.       Den Verantwortlichen konnte die Relevanz von Mitarbeiterbefragungen zur Bedarfsanalyse und zur Ableitung von Maßnahmen vermittelt werden.

3.       Das Projekt hat den Anstoß für ein nachhaltiges BGM gegeben.

4.       Durch die Bildung regionaler Netzwerke fällt es den Unternehmen leichter, ein solches BGM zu implementieren.

Zum Abschluss des Projektes findet am 10. April die Erlanger Fachtagung zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement unter dem Titel „BGM – dazu gehört doch noch viel mehr!“ statt. In Vorträgen und Workshops sollen mögliche Wege zur Implementierung eines systematischen Gesundheitsmanagements und eine erweiterte Sicht auf neue Belastungs- und Themenfelder vorgestellt und diskutiert werden. Ausführliche Informationen zur Tagung gibt es unter www.regiokmunet.de.

Weitere Informationen:
Wolfgang Fischmann
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19.03.2019 Tag des Gesundheitsamtes - Johna fordert bessere Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin, 19.03.2019 – „Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) ist Opfer seines eigenen Erfolgs. Regelmäßig loben ihn Politiker für seine Verdienste um Gesundheitsschutz, Prävention und Ge-
sundheitsmanagement – und bürden ihm immer neue Aufgaben auf. Gleichzeitig nehmen aber die für seine Aufgabenwahrnehmung dringend erforderlichen personellen und finanziellen Ressourcen ab.“ Das sagte Dr. Susanne Johna, Mitglied im Vorstand der Bundesärztekammer und Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Öffentlicher Gesundheitsdienst“, zum 1. Tag des Gesundheitsamtes
am 19. März 2019.

Johna begrüßte, dass einige Bundesländer die Initiative ergriffen hätten, Landesämtern und Gesundheitsämtern über die regulären Stellenpläne hinaus Weiterbildungsstellen für Ärztinnen und Ärzte vorzuhalten. Das reiche aber nicht. In den vergangenen Jahren seien kontinuierlich Arztstellen weggefallen. Freie Stellen könnten nur schwer oder teilweise gar nicht nachbesetzt werden. „Ein
Grund ist die schlechtere Vergütung. Wir brauchen dringend eine tariflich abgesicherte Angleichung der Vergütung an die arztspezifischen Tarifverträge der kommunalen Krankenhäuser“, fordert
Johna. Eine angemessene Bezahlung sei Grundvoraussetzung, um hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte für den ÖGD zu gewinnen und zu halten. Notwendig sei zudem, dass Länder und Kommu-
nen eine Mitarbeiter-Statistik in den Landes- und Gesundheitsämtern führen.

„Wir sollten aber auch die vielen positiven Aspekte, die die ärztlichen Aufgaben im ÖGD mit sich bringen, herausstellen, um auch junge Kolleginnen und Kollegen für das Fach zu begeistern“, so
Johna. Es sei wichtig, Studierende bereits an der Universität über das vielseitige Tätigkeitsspektrum des ÖGD zu informieren. So fungiere er über seine Kernkompetenzen im Bereich der bevölke-
rungsmedizinischen Daseinsfürsorge hinaus zum Beispiel vielerorts als Berichterstatter und Berater der Kommunalen Gesundheitskonferenzen. Auch auf anderen Gebieten ist die Expertise der
Amtsärzte gefragt: vom Kinderschutz über Hygienemaßnahmen bis zur Pandemieplanung. Globalisierung, demografischer Wandel, Veränderungen im Sozialgefüge und neue Lebensstile bringen
weitere wichtige Aufgaben mit sich.

In einem Positionspapier zur Stärkung der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hat die Bundesärztekammer neben einer Aufgabenbeschreibung konzeptionelle Vorschläge erarbeitet und an Bund, Länder und Kommunen appelliert, für eine adäquate finanzielle, materielle und personelle Ausstattung des ÖGD zu sorgen.

Positionspapier der Bundesärztekammer zur Stärkung der Ärztin-
nen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes



Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
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25.05.2018 Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Verbindung mit dem neuen Bundesdatenschutzgesetz (BDGSneu) tritt in Kraft.
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Am 25.05.2018 tritt die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Verbindung  mit dem neuen Bundesdatenschutzgesetz (BDGSneu) in Kraft.

Diese datenschutzrechtlichen Bestimmungen sind auch für Ärztinnen und Ärzte relevant. Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben deshalb ihre Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht, Datenschutz und Datenverarbeitung in der Arztpraxis aktualisiert und ergänzt. Wegen punktueller Gesetzesänderungen im Bereich der ärztlichen Schweigepflicht infolge des Geheimnisschutz-Neuregelungsgesetzes vom November 2017 ist zudem der Abschnitt zur "Schweigepflicht" des Papiers überarbeitet worden. Begleitend zu den „Hinweisen und Empfehlungen“ bietet die Checkliste "Datenschutz-Check 2018“ eine Hilfestellung. Sie benennt die wichtigsten Aspekte zum neuen Datenschutzrecht und gibt Ärztinnen und Ärzten eine Prüfliste zur Einhaltung des Datenschutzrechts an die Hand..

Zum Hintergrund: Bei der Informationsverarbeitung in der Arztpraxis sind insbesondere die Bestimmungen der EU-Datenschutzgrundverordnung und des neu gefassten Bundesdatenschutzgesetzes von Bedeutung. Mit der von Mai an geltenden neuen Rechtslage gehen zwar keine gravierenden Änderungen einher; viele Vorgaben müssen schon jetzt in den Praxen berücksichtigt werden. Datenschutz soll aber künftig besser durchgesetzt werden. Daher sind die Befugnisse der Aufsichtsbehörden für den Datenschutz erweitert und die Bußgeldrahmen drastisch erhöht worden.

Von Ärztinnen und Ärzten sind künftig zahlreiche datenschutzrechtliche Pflichten zu erfüllen: Neuerdings muss der Verantwortliche für die Datenverarbeitung (zum Beispiel der Inhaber einer Arztpraxis) die Einhaltung der Grundsätze nachweisen können. Überdies bestehen ausgeweitete Informationspflichten gegenüber Patienten. Diese erfordern die Kenntnis der rechtlichen Voraussetzungen der Verarbeitung von Patientendaten, um Patientinnen und Patienten darüber zutreffend informieren zu können. Weil Ärzte sensible Gesundheitsdaten verarbeiten, gelten für sie besondere Bestimmungen mit erhöhten Rechtmäßigkeitsanforderungen.

Besonders relevant ist künftig die Datenschutzorganisation in der Arztpraxis. Sie beinhaltet unter anderem die Überprüfung aller Verarbeitungsvorgänge im Zusammenhang mit der Berufsausübung auf ihre datenschutzrechtliche Konformität und die Erstellung eines Verzeichnisses für Datenverarbeitungstätigkeiten. Zudem muss unter Umständen ein interner oder externer Datenschutzbeauftragter in der Arztpraxis benannt werden und es bestehen Meldepflichten bei Datenpannen. Ferner gilt es, Auskunftsrechte von Patienten zu beachten. Augenmerk muss zudem auf das Verhältnis zu externen Dienstleistern und Dritten gelegt werden.

Die Hinweise und Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht, Datenschutz und Datenverarbeitung in der Arztpraxis sowie die Publikation „Datenschutz-Check 2018: Was müssen Arztpraxen angesichts der neuen Vorschriften zum Datenschutz tun?“ können im Internet unter

http://www.bundesaerztekammer.de/recht/aktuelle-rechtliche-themen/datenschutzrecht/

abgerufen werden.

Eine Checkliste sowie die ausführlichen Hinweise von BÄK und KVB (aus Dt. Ärzteblatt v. 09.03.2018)
finden Sie hier: Checkliste und Hinweise. (pdf-Datei, 21 Seiten)


15.03.2019 Neueste Roboter-Technik für höchste chirurgische Präzision
uni | mediendienst | aktuell Nr. 20/2019

Uni-Klinikum Erlangen setzt mit da Vinci Xi das modernste roboterassistierte Operationssystem ein
Die roboterassistierte Chirurgie gehört in Kliniken noch lange nicht zum Standard, gilt aber immer mehr als Qualitätsmerkmal moderner Operationszentren. Das Universtitätsklinikum Erlangen setzte 2012 als erstes Krankenhaus in Mittelfranken einen OP-Roboter ein. Um künftig mit dem Operationssystem der neuesten Generation noch präziser arbeiten zu können, wurden jetzt mehr als 2,4 Millionen Euro in die Anschaffung des da Vinci Xi investiert.

Bei seinen Eingriffen mit dem Da-Vinci-Roboter operiert Prof. Dr. Robert Grützmann, Direktor der Chirurgischen Klinik, gerne in Socken – in diesen spürt er noch besser die Haptik der Fußpedale, über die er das Tempo der Bewegungen des OP-Roboters steuert und kontrolliert. Mit zwei Joysticks bedient der Chirurg die Instrumente, die an drei Greifarmen des Roboters montiert sind, während der vierte Arm die beleuchtete Kamera bewegt. Alle vier Arme werden über vier minimale Zugänge in den Bauchraum des Patienten eingeführt. Während der Operateur über den hochauflösenden Monitor der Konsole jede seiner Bewegungen innerhalb des Körpers beobachtet, führt der Da-Vinci-Roboter wenige Meter entfernt seine Befehle präzise aus: Eine Greifzange positioniert das Fettgewebe so, dass die Schere es sorgsam zerteilen kann, um den Zugang zum Tumor freizulegen.

Optimierte Technik und schlanker Aufbau


„Der da Vinci Xi ist viel schlanker konzipiert als sein Vorgänger, sodass wir deutlich schneller und flexibler operieren können“, lobt Prof. Grützmann den neuen Roboter-Assistenten. Die ebenfalls optimierte Kamera des da Vinci Xi liefert dem Chirurgen nicht nur eine hochauflösende und dreidimensionale Ansicht in bis zu zwölffacher Vergrößerung, sondern auch ein vollständig ausgeleuchtetes Operationsfeld im Körperinnern. „Dadurch sind auch kleinste Details und Nervenstränge sehr gut sichtbar und das eben nicht nur in zweidimensionalen Bildern. Wir können jetzt alles auch im richtigen räumlichen Verhältnis erkennen und durch den Einsatz spezieller Bildfilter die Gewebedurchblutung besser sichtbar machen“, schwärmt Oberarzt Dr. Christian Krautz, der in der Chirurgischen Klinik ebenfalls regelmäßig mit dem Da-Vinci-System operiert. Dr. Krautz hebt als entscheidende Verbesserung des neuen Da-Vinci-Roboters auch den beweglichen OP-Tisch hervor, auf dem die Patienten umgelagert werden können, ohne dass der Eingriff unterbrochen werden muss. Der Da-Vinci-Roboter passt sich den Bewegungen des OP-Tisches automatisch an und setzt dabei trotzdem die angesteuerten Befehle über die vier Greifarme präzise und zitterfrei in Echtzeit um.

Weniger Schnitte und Entlastung für den Operateur

Patienten profitieren spürbar von dieser modernsten aller OP-Techniken, weil sie eine noch geringere und schonendere Schnittführung ermöglicht als die herkömmlichen minimalinvasiven Eingriffe. Für den Chirurgen ist das Operieren an der Konsole zudem ergonomischer und weniger anstrengend, was vor allem bei mehrstündigen Eingriffen die körperlichen Belastungen deutlich reduziert.
Obwohl die Krankenkassen für den Einsatz von da Vinci bislang lediglich die wesentlich günstigeren Fallpauschalen von offenen Operationen abrechnen, genießen die Patienten die Vorteile dieser innovativen Operationsmethode ohne eigene Zuzahlung. Den finanziellen Mehraufwand für eine Da-Vinci-OP, deren Kosten deutlich höher liegen als die einer konventionellen Operation, trägt das Uni-Klinikum Erlangen.

Erfolgreicher Einsatz bei Prostata-Operationen

Derzeit kommt der Da-Vinci-Roboterassistent etwa zweimal täglich vor allem bei Operationen in der Chirurgie und in der Urologischen und Kinderurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) des Uni-Klinikums Erlangen zum Einsatz. „Der größte Vorteil am neuen da Vinci Xi ist das Operieren auf kleinstem Raum mit einer fast uneingeschränkten Bewegungsfreiheit im Körper des Patienten, da der Bewegungswinkel der Da-Vinci-Instrumente sogar den einer menschlichen Hand übertrifft“, erläutern Prof. Wullich und Dr. Hendrik Apel, die mit Unterstützung des Roboters nicht nur zahlreiche Prostata-OPs, sondern auch nierenerhaltende Tumoroperationen sowie Operationen am Nierenbecken bei angeborenen Ureterabgangsengen und Blasenoperationen ausgeführt haben. Das Uni-Klinikum Erlangen weitet sein Anwendungsspektrum für das roboterassistierte Operationssystem stetig aus. Derzeit nutzen die Operateure da Vinci vorwiegend für urologische Tumore und Tumore im Darm, setzen ihn aber auch bei speziellen Eingriffen im Magen, an der Leber und der Bauchspeicheldrüse ein. Darüber hinaus arbeiten sie bei ausgewählten gynäkologischen Operationen sowie bei komplexen Eingriffen im Bereich von Kopf und Hals mit dem Da-Vinci-Roboter.

 
Weitere Informationen:
Dr. Christian Krautz
Tel.: 09131/85-42273
christian.krautz@uk-erlangen.de

Dr. Hendrik Apel
Tel.: 09131/85-33683
hendrik.apel@uk-erlangen.de


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15.03.2019 Tagung: Medizintäter. Ärzte und Ärztinnen im Spiegel der NS-Täterforschung - ./2. April, ab 9.30 Uhr, Harald-zur-Hausen-Hörsaal, Krankenhausstr. 12, Erlangen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 20/2019

Wie keine andere Berufsgruppe waren Mediziner in die Rassen- und Vernichtungspolitik des „Dritten Reiches“ involviert. Im Zentrum der Tagung „Medizintäter. Ärzte und Ärztinnen im Spiegel der NS-Täterforschung“ am Montag und Dienstag, 1. und 2. April, an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) steht deshalb die Frage, wie Ärzte im Nationalsozialismus zu Tätern wurden. In diesem Zusammenhang referieren und diskutieren die eingeladenen Wissenschaftler über Sozialisation und Motivation der NS-Ärzte. Sie ergründen, über welche Handlungsspielräume Mediziner  in psychiatrischen Anstalten verfügten oder fragen nach dem Selbstverständnis von KZ-Ärzten.  Thematisiert wird auch der gesellschaftliche und (fach-)politische Umgang mit NS-Ärztekarrieren nach dem zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik und der DDR. Der Eintritt ist frei, um eine Anmeldung wird bis Montag, 25. März, gebeten.

Die Konferenz gliedert sich in vier Themenblöcke: Im ersten Teil stehen ideengeschichtliche Zugänge und die NS-Vorgeschichte im Zentrum. Darauf folgt der Themenbereich Zwangssterilisation und NS-„Euthanasie“. Der zweite Tag startet mit Vorträgen zu KZ-, SS- und Wehrmachtsärzten und endet mit einem Panel über NS-Vergangenheitspolitik und ärztliche Erinnerungskultur. Organisiert wird die Veranstaltung vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin; Unterstützung erfahren die Veranstalter von der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie der Forschungsstiftung Medizin am Universitätsklinikum Erlangen.

Anmeldungen sind bis Montag, 25. März, bei Renate Rittner, renate.rittner@fau.de, möglich.

Das komplette Programm sowie eine Anfahrtsskizze:
https://www.igem.med.fau.de/2019/02/19/dfg-tagung/

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, Tel.: 09131/85-22094, karl-heinz.leven@fau.de

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06.03.2019 53 Millionen Stunden oder Frühjahrsputz - 53 Millionen Stunden wenden Ärzte deutschlandweit jährlich für Bürokratie auf, knapp acht Stunden pro Woche
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

53 Millionen Stunden wenden Ärzte deutschlandweit jährlich für Bürokratie auf, knapp acht Stunden pro Woche. „Zeit, die wir lieber in die Patientenversorgung investieren würden“, beginnt Dr. Gerald Quitterer seinen Leitartikel der Märzausgabe des Bayerischen Ärzteblattes 2019. Zwar seien Dokumentationspflicht und Qualitätsmanagement selbstverständlich für ärztliches Handeln, doch dabei bleibe es nicht. Quitterer geht von der Wortbedeutung Bürokratie aus. So heiße diese: „Herrschaft der Verwaltung“. „Verwaltung wovon? Von Daten und Werten, von Anfragen und Anträgen, von Stellungnahmen und Befundberichten. Und es stellt sich mir die Frage, wem das von Nutzen ist. Da funktionieren Schnittstellen nicht, da müssen Programme für chronisch Kranke bedient werden, da regeln nicht die ärztlichen Leistungen den Honorarfluss im Krankenhaus, sondern Diagnosis Related Groups (DRG). Alles mit einem hohen bürokratischen Aufwand“, so der Präsident.

Beispielhaft spricht Quitterer die Programme für chronisch Kranke, das Entlassmanagement, die ambulanten Kodierrichtlinien und natürlich die Digitalisierung an. Letztere könne sicher einen Beitrag leisten, Prozesse zu verschlanken und effizienter zu gestalten. Voraussetzung dafür sei, dass nicht eine für den Patienten unüberschaubare Anzahl von Anbietern unterschiedlichster Gesundheitsdienstleistungen auf einer Vielzahl von Telematik-Infrastrukturen ins System dränge, ohne dass hierfür ein medizinscher Nutzen belegt sei. Zu viele Begehrlichkeiten würden den erhofften Abbau der Bürokratie ins Gegenteil verkehren.

Aber auch die Selbstverwaltung müsse an sich arbeiten. Beim neuen Formular „Empfehlung der verhaltensbezogenen Primärprävention“ handele es sich nicht um eine ärztliche Verordnung im Sinne einer veranlassten Leistung, sondern lediglich um eine Empfehlung, mit der ein Patient die entsprechende Leistung bei seiner Krankenkasse beantragen könne. „Wenn dies dem Patienten aber auch ohne diese Bescheinigung möglich ist, stellt sich die Frage nach dem Sinn dieses Formulars“, so der Präsident. Der Antrag auf eine Weiterbildungsbefugnis müsse verschlankt werden und bei der Beantragung von Fortbildungspunkten eine praktikablere Lösung angeboten werden. „Hier ist die Kammer gefragt“, schreibt Quitterer abschließend.

Mehr zu „53 Millionen Stunden oder Frühjahrsputz“ lesen Sie in der Märzausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
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01.03.2019 Wie Zellen im Gehirn miteinander kommunizieren - Neuer Bayerischer Forschungsverbund ForInter untersucht die Interaktion verschiedener Zelltypen im menschlichen Gehirn
uni | mediendienst | forschung Nr. 22/2019

Unter Federführung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist ein neuer Bayerischer Forschungsverbund gestartet. ForInter (Forschungsverbund Interaktion humaner Gehirnzellen) hat zum Ziel, die Interaktion verschiedener Zelltypen des menschlichen Gehirns in multidimensionalen Zellkultursystemen zu untersuchen. Der Verbund wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst für eine Laufzeit von vier Jahren gefördert. Sprecherin ist Prof Dr. Beate Winner, Leiterin der Stammzellbiologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen der FAU.
Im menschlichen Gehirn sind unterschiedliche, spezialisierte Zellpopulationen, wie Neuronen und Gliazellen, in einem komplexen Bauplan angeordnet. Die verschiedenen Zellen bilden funktionelle und dynamische Netzwerke und ihr Zusammenspiel ist für die unterschiedlichen Funktionen des Gehirns von grundlegender Bedeutung. Welche Rollen die unterschiedlichen Zellen für die Funktionen des Gehirns spielen – ob in gesundem oder krankem Zustand – ist noch immer ungeklärt. Für eine strukturelle Untersuchung des Gehirns steht zwar post mortem Gewebe zur Verfügung. Die neuroanatomische bzw. neuropathologische Untersuchung bildet aber nur einen definierten Zeitpunkt ab. Für ein besseres Verständnis der physiologischen und pathologischen Funktion sind daher sowohl dynamische als auch funktionelle Untersuchungen des Zusammenspiels der unterschiedlichen humanen Gehirnzellen notwendig.

Die Entwicklungen der Biologie und der Stammzellforschung der vergangenen Jahre haben die Voraussetzungen für die Generierung multidimensionaler Zellkultursysteme, also Zellkulturen mit mehreren Zelltypen und in dreidimensionalen System, und zerebraler Organoide geschaffen. Diese versprechen neuartige Einblicke in strukturelle und dynamische Interaktionen der unterschiedlichen humanen Gehirnzellen und ermöglichen funktionelle Untersuchungen des Zusammenspiels dieser Zellen sowohl während der Gehirnentwicklung als auch bei Krankheitsprozessen.

Basierend auf ihrer Arbeitshypothese, dass definierte humane Zell-Zell-Systeme – Systeme, in denen zwei oder mehrere unterschiedliche Zellen interagieren – in der Lage sind, physiologische und pathologische Interaktionen des menschlichen Gehirns zu modellieren, konzentrieren sich die Forscherinnen und Forscher des Verbundes auf die Arbeitsfelder (1) Interaktion von neuralen Zellen in der Entwicklung und unter physiologischen Bedingungen, (2) Interaktion von neuralen Zellen unter pathologischen Bedingungen, (3) bioinformatische Methoden in der Analyse und Modellierung der Interaktion von neuralen Zellen, (4) Ethik- und Rechtsfragen in der Forschung mit genomeditierten Stammzellen und Gehirn-Organoiden und den Implikationen der therapeutischen Anwendung. An der FAU untersuchen die Forscherinnen und Forscher sowohl neurodegenerative Erkrankungen als auch für die Entwicklung des Gehirns notwendige Transkriptionsfaktoren.

Interdisziplinäres Team

Im interdisziplinären Netzwerk von ForInter arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Neurobiologie, der Neuropathologie und der Neurologie, sowie der Bioinformatik und dem Gebiet von Ethik und Recht zusammen. Partner im Verbund sind neben der FAU, die Universität Regenburg, die LMU München, die TU München sowie die Universität Passau.

Weitere Informationen zu ForInter gibt es auf der Webseite des Verbunds:  www.bayfor.org/forinter

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Beate Winner
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beate.winner@uk-erlangen.de


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27.02.2019 Der Tumor spielt falsch- Forschungsverbund sucht nach winzigen Tumoranzeichen im Blut, um Krebserkrankungen früher nachzuweisen – BMBF-Förderung von insgesamt 1,3 Millionen Euro
uni | mediendienst | forschung Nr. 20/2019

Forschungsverbund sucht nach winzigen Tumoranzeichen im Blut, um Krebserkrankungen früher nachzuweisen – BMBF-Förderung von insgesamt 1,3 Millionen Euro

„Wenn wir den Tumor sehen können, ist es eigentlich schon zu spät“, sagt PD Dr. Georg Weber. Er meint damit: Wenn ein Tumor schon so groß ist, dass er in bildgebenden Verfahren nachweisbar ist, ist eine Heilung bei besonders aggressiven Krebsarten wie dem Bauchspeicheldrüsenkrebs kaum noch möglich. „Früherkennung“ lautet daher das immer lauter werdende Mantra der Onkologie. Früher nachzuweisen, dass sich eine Krebserkrankung neu bildet, könnte in Zukunft vielen Patienten das Leben retten. Eine Methode, die das möglich machen soll, ist die sogenannte Flüssigbiopsie. Ihre Rolle in der Krebsfrüherkennung untersucht PD Dr. Weber als Projektkoordinator eines neuen Forschungsverbunds. Der Oberarzt der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) des Universitätsklinikums Erlangen will Tumormarker, also kleinste Vorboten einer Krebserkrankung, im Blut identifizieren und sicher nachweisen. Bis es so weit ist, müssen die Forscher aber zunächst herausfinden, wie das, was sie suchen, überhaupt aussieht.

Das große Blutbild – es gibt Aufschluss über Cholesterin, Leberwerte oder den Blutzucker. Im Blut können auch Entzündungswerte nachgewiesen werden oder Infektionen wie das HI-Virus. Und bald auch Krebs? „Liquid Biopsy“ oder „Flüssigbiopsie“ liest man dieser Tage in den Zeitungen. Brustkrebs soll bald frühzeitig und durch eine einfache Blutentnahme erkannt werden können. Auch PD Dr. Weber forscht zu Flüssigbiopsien, aber am Beispiel gastrointestinaler Tumoren. Er und Prof. Grützmann sehen die aktuellen Schlagzeilen kritisch: „In der Krebsforschung ist die wissenschaftliche Konkurrenz groß. Es darf dabei nicht vergessen werden, dass neue Ergebnisse bei den Patienten verständlicherweise viele Hoffnungen wecken. Voreilige Versprechen führen da schnell zu Enttäuschungen“, sagt der Klinikdirektor. „Tatsächlich ist es so: Bis Krebs sicher im Blut nachweisbar ist, werden noch viele Jahre vergehen.“

Im neuen Verbundprojekt zur Erforschung der Tumormarker hat sich die Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen um PD Dr. Weber mit dem Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB), dem Center for Systems Biology, dem Dana-Farber Cancer Institute (beide Boston, USA) und dem Bioinformatik-Spezialisten Genedata zusammengeschlossen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Konsortium mit insgesamt 1,3 Millionen Euro über drei Jahre – allein 645.000 Euro davon gehen an den Erlanger Standort.

Wer spielt falsch?

Bei der Flüssigbiopsie zur Tumordiagnose geht es um die Annahme, dass ein Tumor bereits in einem frühen Stadium Zellbestandteile ins Blut abgibt. Diese sind so spezifisch für bestimmte Krebsarten, dass ein Arzt sie in einer Blutprobe nachweisen kann. Aber: Wie findet man etwas, wenn man nicht weiß, wie es aussieht? „Das ist die große Herausforderung“, erklärt PD Dr. Weber. „Wir müssen die im Blut zirkulierenden Tumor-Produkte wie die Tumor-DNA oder Tumor-Exosome zunächst identifizieren.“

Und noch eine weitere Herausforderung gibt es. Meist ist der Körper überwiegend gesund und das kranke Tumorgewebe macht nur einen winzigsten Teil aus. „Man muss sich ein gigantisches Orchester vorstellen“, beschreibt PD Dr. Weber. „Alle spielen mit ganzer Kraft und die Lautstärke ist überwältigend. Nur eine einzige kleine Geige, ein einzelner Musiker spielt falsch. Ihn müssen wir heraushören lernen.“ Eine Mammutaufgabe. Aber die Erlanger Forscher haben einen großen Vorteil: Als Chirurgen haben sie neben dem Blut auch Zugang zu dem eigentlichen Tumor ihrer Patienten, der die gesuchten Tumor-Produkte ins Blut abgibt – somit sehen sie den falsch spielenden Geiger im Scheinwerferlicht. Im Vergleich der kranken Patienten mit der gesunden Kontrollgruppe sollen die Unterschiede im Blut sicher nachgewiesen werden.

Der neue Forschungsverbund hat drei Ziele: erstens, das Identifizieren der Tumor-Produkte im Blut – und zwar mit höchster Validität. „Die Sensitivität und Spezifizität des zukünftigen Verfahrens sind uns besonders wichtig“, betont PD Dr. Weber. Das bestätigt auch Prof. Dr. Matthias Beckmann als Direktor des Comprehensive Cancer Centers Erlangen-EMN: „In der Vergangenheit wurden zu oft Patienten fälschlicherweise therapiert, weil die in den Blutuntersuchungen nachgewiesenen sogenannten ‚Tumormarker‘ nicht spezifisch waren. Neue Diagnoseverfahren müssen deshalb absolut präzise sein und krankheitsspezifische Tumorbestandteile nachweisen.“ Zweitens wollen die Wissenschaftler noch mehr über Tumoren selbst lernen, wie sie wachsen, Metastasen bilden und wie sie sich auf Gen- und Protein-Ebene verändern. Drittens sollen diese Erkenntnisse in die Entwicklung neuer Medikamente fließen.

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27.02.2019 Neue Immuntherapie gegen Krebs
uni | mediendienst | forschung Nr. 18/2019

Die T-Zell-Rezeptor-Therapie soll dem Immunsystem die zielgerichtete Bekämpfung von Krebs ermöglichen – Studienstart am Uni-Klinikum Erlangen
Die erste klinische Studie Deutschlands zu einem neuen Ansatz in der Krebsimmuntherapie startet jetzt an der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mackensen) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): Die neue T-Zell-Rezeptor-Therapie kann bei bestimmten Leukämien und Lymphomen das Immunsystem im Kampf gegen den Krebs entscheidend unterstützen. Nun erhält der erste Patient diese zelluläre Immuntherapie im Rahmen einer klinischen Phase-I-/II-Studie. Bei dem Betroffenen wurde vor fünf Jahren ein multiples Myelom diagnostiziert – eine bösartige Knochenmarkserkrankung, die den Knochen zerstören kann. Der Patient hat seitdem mehrere Chemotherapien und eine autologe Stammzelltransplantation erhalten, bei der ihm eigene, zuvor entnommene Stammzellen übertragen wurden.

 

„Es gibt bislang weltweit nur sehr wenig Erfahrung mit der neuen zellulären Immuntherapie, die unser Patient jetzt erhält“, sagt Prof. Mackensen. „Er ist deutschlandweit der Erste überhaupt, der jetzt bei uns am Uni-Klinikum Erlangen diese Zelltherapie bekommt.“ Die nun gestartete T-Zell-Rezeptor-Studie CD-TCR-001 wurde vom Biotechnologie-Unternehmen Medigene AG mit Hauptsitz in Martinsried bei München entwickelt und läuft unter der Federführung des Uni-Klinikums Regensburg. Neben den Wissenschaftlern des Uni-Klinikums Erlangen ist auch das Uni-Klinikum Würzburg an der Studie beteiligt.

 

Stammzelltransplantation: Chance und Risiko zugleich

Für Patienten mit Leukämien oder Krebserkrankungen des lymphatischen Systems ist eine Stammzelltransplantation oft die letzte Rettung. Mit den Stammzellen eines gesunden Spenders erhalten die Krebspatienten gleichzeitig ein „neues“ Immunsystem. Doch die Stammzellspende ist Chance und Risiko zugleich, denn sie kann nicht nur Heilung bringen, sondern auch lebensbedrohliche Nebenwirkungen: Bei der Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (Graft versus Host Disease, GvHD) greifen Spenderimmunzellen gesunde Gewebezellen des Krebspatienten an. Die GvHD betrifft etwa jeden zweiten Krebspatienten nach einer allogenen Stammzelltransplantation. „Deshalb forschen wir an alternativen Ansätzen der Krebstherapie – und die T-Zell-Rezeptor-Therapie ist eine davon“, erklärt Prof. Mackensen. Nun untersuchen Forscher der Uni-Klinika Regensburg, Erlangen und Würzburg gemeinsam mit der Medigene AG, ob bestimmte weiße Blutkörperchen (T-Zellen) von Leukämie- und Lymphompatienten so verändert werden können, dass sie Krebszellen abtöten. „Der Ansatz ist also ein anderer und neuer: Wir wollen das eigene Immunsystem des Patienten gegen den Krebs anstacheln“, sagt Andreas Mackensen. „Denn wir gehen davon aus, dass das schonender und risikoärmer ist, als ihm Knochenmark oder Blutstammzellen eines anderen Menschen zu transplantieren.“

 

T-Zell-Rezeptoren: Krebszellen finden und zerstören

Stammzelltransplantation und Chemotherapie sind bisher die wichtigsten Behandlungsformen bei Leukämie. Mit der T-Zell-Rezeptor-Therapie wird nun ein komplett neuer Ansatz erprobt. Indem T-Zellen bestimmte Eiweiße (Antigene) auf der Oberfläche von Krebszellen identifizieren, können sie entartete Zellen abtöten. Im Körper eines Krebspatienten gibt es jedoch keine oder nur wenige T-Zellen mit den speziellen T-Zell-Rezeptoren, die diese Eiweiße erkennen. In der nun gestarteten Studie statten die Forscher die T-Zellen des Patienten deshalb mit einem ganz bestimmten Rezeptor aus. Mit seiner Hilfe finden und zerstören die T-Zellen dann Krebszellen, die das eigene Immunsystem andernfalls nicht erkannt hätte.

 

Zunächst werden die T-Zellen aus dem Blut des Krebspatienten isoliert und dann in einem Zellkulturverfahren mit einem Rezeptor ausgestattet, der das Antigen „PRAME“ auf den Krebszellen erkennt. Die aufbereiteten, „scharf gemachten“ Immunabwehrzellen erhalten die Patienten dann als Infusion zurück. Die modifizierten T-Zellen sollen nur Krebszellen mit dem Antigen PRAME zerstören und gesundes Gewebe unversehrt lassen. „Das ist der entscheidende Unterschied zur allogenen Stammzelltransplantation“, erläutert Prof. Mackensen. „Bei der Stammzelltransplantation kann es passieren, dass sich die T-Zellen des Spenders nicht nur gegen den Krebs, sondern auch gegen das gesunde Gewebe des Empfängers richten – mit lebensbedrohlichen Folgen. Das wollen wir jetzt umgehen, indem wir den T-Zellen sozusagen eine ganz klare Beschreibung des Gegners mitgeben. Die T-Zellen sollen somit zielgerichtet gegen den Krebs kämpfen.“

 

Patienten für die T-Zell-Rezeptor-Studie

In die neue Studie werden Patienten mit akuter myeloischer Leukämie, mit myelodysplastischem Syndrom und multiplem Myelom aufgenommen, bei denen eine Chemotherapie nicht mehr wirksam ist oder die einen Rückfall erlitten haben. Zudem müssen Patienten weitere Voraussetzungen erfüllen, um in die Studie aufgenommen zu werden.

 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Andreas Mackensen

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26.02.2019 Montgomery: Erforschung Seltener Erkrankungen weiter vorantreiben
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 26.02.2019 – „Wir wissen noch immer viel zu wenig über Seltene Erkrankungen. Daher ist es besonders wichtig, die Forschung auf diesem Gebiet weiter voranzutreiben“, erklärt
Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery zum europaweiten Tag der Seltenen Erkrankungen (28. Februar 2019). Geringe Fallzahlen dürften nicht dazu führen, dass die
betroffenen Kinder und Erwachsenen vergessen werden. „Menschen mit Seltenen Erkrankungen brauchen unsere besondere Unterstützung“, so Montgomery.

Eine Krankheit gilt in der Europäischen Union als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind. Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden nach
Angaben des Bundesgesundheitsministeriums an einer Seltenen Erkrankungen.

Menschen mit Seltenen Erkrankungen sind auf verlässliche Informationen angewiesen. Daher haben Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung und das Ärztliche Zentrum für
Qualität in der Medizin gemeinsam mit der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE) e. V. zahlreiche Patienteninformationen für Betroffene entwickelt. Der Inhalt beruht auf aktuellen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und Empfehlungen von Patienten für Patienten. „Die
Kurzinformationen sollen helfen, die aktive Beteiligung der Patienten am Behandlungsprozess zu fördern und das Arzt-Patienten-Gespräch zu unterstützen“, so Montgomery.

Informationen zu Seltenen Erkrankungen sind zu finden unter Patienteninformationen, Seltene Erkrankungen.


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22.02.2019 Wissenschaftler der FAU forschen an neuer Methode zum Aufbau eines künstlichen Eierstocks
uni | mediendienst | forschung Nr. 17/2019

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum künstlichen Eierstock für Patientinnen, die an Krebs erkrankt sind, ist einem interdisziplinärem Forscherteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) unter Leitung von Prof. Aldo R. Boccaccini vom Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien) und Prof. Dr. Ralf Dittrich von der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie des Universitätsklinikums Erlangen gelungen. Gemeinsam haben sie an innovativen Techniken zur Wiederherstellung der Fruchtbarkeit bei onkologischen Patientinnen geforscht und ihre neuartigen Erkenntnisse in den „Scientific Reports“, der Open Access-Zeitschrift von Springer Nature*, veröffentlicht.

Ein künstlicher Eierstock soll Frauen helfen, schwanger zu werden – trotz Krebserkrankung und der starken Medikamente, die während einer Chemotherapie eingesetzt werden und die Fruchtbarkeit der Patientinnen einschränken können. Wie und mit welchem Material der weibliche Eierstock im Labor am besten nachgebildet werden kann, beschäftigt seit einiger Zeit die wissenschaftliche Community. Ein interdisziplinäres Forscherteam aus Ingenieuren und Werkstoffwissenschaftlern des Lehrstuhls für Biomaterialien der FAU sowie Gynäkologen und Naturwissenschaftlern der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen liefert nun neue Ansätze.

Erfolg mit Elektrospinnen

Die Wissenschaftler setzen in ihrer Studie „Elektrospinnen-strukturierte poröse Gerüste zur Unterstützung des Wachstums von Eierstockfollikeln: Eine Machbarkeitsstudie“ auf das so genannte Elektrospinnen, das aus der Werkstoffwissenschaft kommt. Die Technik basiert auf dem Anlegen eines hohen elektrischen Potenzials zwischen zwei Elektroden mit entgegengesetzter Polarität. Diese Hochspannung kann die Oberflächenspannung in einer polymeren Lösung überwinden und so die vollständige Verdampfung des Lösungsmittels und die Bildung einer Faserstruktur ermöglichen. „Das Elektrospinnen ist enorm vielseitig, da wir unterschiedlichste natürliche und synthetische Polymere verwenden können“, erklärt Dr. Liliana Liverani, die das Projekt wissenschaftlich leitet. „In unserer aktuellen Studie haben wir erstmals den biologisch abbaubaren Stoff Polyepsilon Caprolacton – und eine Mischung davon mit Gelatine – verwendet und daraus ein Gerüst aus sehr dünnen Fasern hergestellt, das die natürliche Struktur und Form des Eierstockkortex nachahmt.“ Dieses Gerüst verwendeten die Forscher in ihren in-vitro-Tests als Substrat für die Aussaat von Schweinefollikeln aus dem Eierstöcken von Schweinen und beurteilten die Lebensfähigkeit der Eizellen nach zehntägiger Kultur auf den Gerüsten. Die Ergebnisse des Live-Dead-Tests zeigten eine hohe Anzahl von lebensfähigen Follikeln, die ihre charakteristische Form beibehielten.

„Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum idealen künstlichen Eierstock, der das natürliche Organ im Hinblick auf die Umweltbedingungen für das Wachstum und die Reifung der Follikel nachahmt. Diese Ergebnisse sind sehr vielversprechend, aber vor einer Weiterentwicklung in Richtung klinische Anwendung sind noch weitere Untersuchungen erforderlich“, sind sich die Teams um die Werkstoffwissenschaftler Prof. Aldo R. Boccaccini und Dr. Liliana Liverani sowie die Gynäkologen und Naturwissenschaftler der Frauenklinik (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) Prof. Dr. Ralf Dittrich, Nathalie Raffel und Dr. Amir Fattahi einig und kündigen weitere Forschungsarbeiten an.


Krebs weiter auf dem Vormarsch


Bisher können Mädchen und Frauen, bei denen Krebs diagnostiziert wurde, ihre Chance auf eine Schwangerschaft nur erhalten, indem sie sich Eierstockgewebe entnehmen, einfrieren und nach überstandener Krebserkrankung zurück transplantieren lassen. Dieses Verfahren gilt zwar als sicher, doch bestimmte Krebsarten können in das Gewebe des Eierstocks eindringen und die Krankheit bei der Transplantation wieder einführen. Ziel der neuen Methode ist es, das kranke Gewebe vollständig durch einen künstlichen Eierstock zu ersetzen, die Fruchtbarkeit der Patientinnen wiederherzustellen und ihre Lebensqualität damit deutlich zu verbessern.

Krebserkrankungen steigen weltweit deutlich an. Das belegen der „Weltkrebsbericht 2014“ der Weltgesundheitsorganisation WHO und der „Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland“ des Robert Koch-Instituts (RKI). Auch bei rund 2.000 Kindern und Jugendlichen wird in Deutschland jährlich eine Krebserkrankung diagnostiziert und bringt große Herausforderungen in Bezug auf die behandlungsbedingten Spätfolgen mit sich. „Beide Studien sprechen aber auch von einer kontinuierlichen Verbesserung der Versorgung, die ein längeres Leben mit Krebs oder nach einer überstandenen Krebserkrankung ermöglicht“, sagt Prof. Dr. Ralf Dittrich von der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie des Universitätsklinikums Erlangen. „Die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Kindern und Jugendlichen mit Krebs liegt inzwischen bei rund 80 Prozent. Deshalb widmen wir heute der Verbesserung der Lebensqualität viel Aufmerksamkeit und suchen über alle Fachdisziplinen hinweg nach Lösungen.“

* doi: 10.1038/ s41598-018-37640-
 
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15.02.2019 Montgomery: Großer Schritt nach vorn für die Organspende
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 14.02.2019 – Zur Verabschiedung des Gesetzes zur
Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der
Organspende erklärt Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident
der Bundesärztekammer:

„Dieses Gesetz ist eine gute Nachricht für die mehr als 10.000
Menschen, die in Deutschland auf ein Spenderorgan warten. Es ist
ein großer Schritt nach vorn, weil es strukturelle Hürden beseitigt
und die Krankenhäuser bei dieser wichtigen Aufgabe nicht länger
allein lässt. Gleichzeitig war es eine kluge Entscheidung, die Frage
der Widerspruchslösung aus dem Gesetz auszuklammern. Der
Gesetzgeber hat damit den Freiraum geschaffen, den die Debatte
um eine ethisch und rechtlich so sensible Frage braucht.“

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12.02.19 Montgomery: Umfassendes Tabakwerbeverbot muss jetzt kommen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 12.02.2019 – Zur Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), sich für weitere Einschränkungen bei der Tabakwerbung einzusetzen, erklärt Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer:

„Es ist gut, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein
Werbeverbot für Tabakprodukte unterstützt. Mit einem Verbot der
Werbung an Hauswänden oder Bushaltestellen würde
Deutschland endlich zum Rest der EU aufschließen, denn in allen
anderen EU-Ländern sind solche Plakate schon längst nicht mehr
erlaubt. In Anbetracht von 120.000 Tabak-Toten jährlich reicht ein
Ende der Plakatwerbung allein allerdings nicht aus. Weitere
Schritte müssen folgen. Wir brauchen ein umfassendes
Werbeverbot, das auch die E-Zigaretten mit einschließt. Dies
fordern die Bundesärztekammer und Deutsche Ärztetage schon
seit Jahren. Natürlich würde ein konsequentes ‚Nein‘ zur
Tabakwerbung den Zigarettenherstellern nicht schmecken. Aber es
wäre ein klares Signal der Politik, dass ihr die Gesundheit der
Bevölkerung wichtiger ist als die Gewinne der Tabak-Konzerne.“

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08.02.2019 Neues Info-Magazin „Seite an Seite – Gemeinsam gegen den Krebs“ erschienen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 14/2019

Aktuellste Informationen zu Diagnose, Therapie und Experten in der Metropolregion Nürnberg für Krebspatienten
Nach einer Krebsdiagnose sind für Betroffene viele Fragen offen: Was fehlt mir genau? Welche Therapie ist jetzt richtig für mich? Wie gehen wir vor? Wie ist der aktuelle Stand der Forschung? Welche Nachsorge ist wichtig? Um diese Fragen zu beantworten und einen ersten Wegweiser bei der Krebstherapie und für die Zeit der Nachsorge zu bieten, hat das Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN ein kostenloses Informationsmagazin für Patienten, Angehörige und Interessierte erstellt.

Experten aus verschiedenen Fachbereichen stehen auf rund 100 Seiten in kurzen Interviews Rede und Antwort, stellen neue Erkenntnisse und Behandlungen vor und erklären kurz und verständlich die häufigsten Tumorarten. Die Kontaktdaten der Ansprechpartner am CCC Erlangen-EMN mit seinen weiteren Standorten in Bamberg, Bayreuth und Amberg sind in einem beiliegenden Heft übersichtlich zusammengestellt. Die Experten sind somit für Betroffene gut sichtbar und leicht erreichbar.

Die Broschüre kann kostenfrei im CCC Erlangen-EMN angefordert werden unter Telefon: 09131 85-47044 oder per E-Mail: ccc-direktion@uk-erlangen.de.

Weitere Informationen:
Dr. Sainab Egloffstein, Tel. 09131/85-47044, ccc-direktion@uk-erlangen.de

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06.02.2019 Startschuss für den Medizincampus Oberfranken
uni | mediendienst | aktuell Nr. 12/2019

Nach Kabinettsbeschluss kann das Projekt für eine bessere medizinische Versorgung jetzt beginnen

Grünes Licht aus München: Die Projektpartner – die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), die Klinikum Bayreuth GmbH, das Universitätsklinikum Erlangen und die Universität Bayreuth – begrüßen die vom Bayerischen Kabinett beschlossene Einrichtung des Medizincampus Oberfranken. „Es kann losgehen! Das haben wir gestern im Ministerrat so beschlossen“, sagt der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler.

„Mit dem Medizincampus können wir in Zukunft auch in Oberfranken jungen Menschen eine Ausbildung zur Ärztin oder zum Arzt ermöglichen und damit die Zahl der Medizinstudienplätze in Bayern weiter erhöhen. Ich freue mich darüber, dass das innovative Kooperationsmodell der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Universität Bayreuth, der Klinikum Bayreuth GmbH und dem Universitätsklinikum Erlangen von unabhängigen Gutachtern positiv bewertet wurde. Mit diesem Konzept können wir dazu beitragen, die Ärzteversorgung vor Ort sicherzustellen und die gesamte Region zu stärken. Schon heute freue ich mich darauf, die ersten Medizinstudenten und Medizinstudentinnen in Bayreuth begrüßen zu können“, sagt Sibler.

Gemeinsam hatten die Projektpartner seit Sommer 2017 ein umfangreiches Konzept erarbeitet, um ein ambitioniertes Ziel zu erreichen: Zukünftig sollen 100 Medizinstudierende pro Jahr im klinischen Studienabschnitt am Medizincampus Oberfranken ausgebildet werden. Um die Bindungen von Studieninteressierten aus der Region zu erhalten, beginnt der neue FAU-Studiengang „Humanmedizin Erlangen-Nürnberg/Bayreuth“ mit dem ersten Studienabschnitt in Erlangen und das bereits zum Wintersemester 2019/20. Die Ausbildung im zweiten Studienabschnitt erfolgt dann ab 2021 am Medizincampus Oberfranken in Bayreuth.

Viel Zeit ist also nicht mehr. So sieht das auch ein Gutachtergremium, das die Machbarkeitsstudie der Projektpartner geprüft und damit dem Bayerischen Kabinett eine Entscheidungsgrundlage gegeben hat. Die Experten, durchwegs Vertreterinnen und Vertreter hochrangiger Universitätskliniken aus dem In- und Ausland, kommen zu der Einschätzung, die bisherige Planung sei „sehr umfassend“, „belastbar“ und „realistisch“. Unter dem Strich kommen die Gutachter zu folgendem Ergebnis: „Das Konzept ist überzeugend auf das Ziel hin ausgerichtet, die Ärzteausbildung in der Region Oberfranken quantitativ deutlich auszubauen, ohne dabei Einbußen in der ärztlichen Qualifikation zu erleiden.“

Eines der zentralen Ziele, das die Bayerische Staatsregierung mit dem Medizincampus Oberfranken anstrebt, ist eine bessere ärztliche Versorgung außerhalb der Ballungsräume. Junge Ärztinnen und Ärzte sollen die Möglichkeit haben, in der Region zu bleiben, in der sie ihre Ausbildung absolviert haben.

Dass die vorklinische Ausbildung an der Medizinischen Fakultät der FAU stattfindet, werten die Gutachter als weiteren großen Vorteil des Kooperationskonzepts. Die sehr gut etablierte Medizinerausbildung an der FAU sorge dafür, dass die Qualität des Studiums von Anfang an hoch ist. Die vorklinischen Institute, darauf weisen die Gutachter hin, müssten personell und infrastrukturell verstärkt werden. Dieser gemeinsame Weg sei der richtige – wörtlich heißt es in dem Gutachten: „Dies ist dem langwierigen und kostspieligen Aufbau einer vollständigen Vorklinik am Standort Bayreuth vorzuziehen.“

Allerdings erwarten die Gutachter, dass es gut zehn Jahre dauern dürfte, bis sich dieser regionale Effekt, eventuell gemeinsam mit der sogenannten Landarztquote, spürbar auswirken und die medizinische Versorgung in Oberfranken verbessern werde.

„Mit dem Medizincampus Oberfranken tragen wir dazu bei, die medizinische Ausbildung und Versorgung in Bayern weiter zu verbessern. Die FAU verfügt nicht nur über eine traditionsreiche Universitätsmedizin mit Forschung und Lehre auf höchstem Niveau, sondern auch über ausgewiesene Kompetenz in benachbarten Disziplinen wie der Medizintechnik. Darüber hinaus bringen wir mit unserem Allgemeinmedizinischen Institut die besten Voraussetzungen mit, junge Studierende für den Beruf des Landarztes zu begeistern und so die medizinische Versorgung vor Ort zu sichern", erklärt Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Dass der Medizincampus Oberfranken einen Innovationsschub auslösen wird, dafür steht auch und gerade die Universität Bayreuth. Dort entstehen profilbildende Professuren in den Schwerpunktbereichen Public Health, Digital Health/Big Data und Molekulare Biosysteme, die nach Einschätzung der Gutachter an den bestehenden Forschungsschwerpunkten der Universitäten Bayreuth und Erlangen-Nürnberg ansetzen. „Und sie stärken den Ansatz, neue Modelle der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum zu etablieren“, schreiben die Gutachter. Darin sehen sie eine große Chance und Stärkung der Region Oberfranken.

„Mit den Profilprofessuren stärken wir die medizinnahe Forschung an der Universität Bayreuth, bieten den Studierenden des Medizincampus Oberfranken ein forschungsfreundliches Umfeld und intensivieren unsere Forschungszusammenarbeit mit der Universität Erlangen-Nürnberg. Dies hat einen direkten Nutzen für Patientinnen und Patienten aus Oberfranken und weit darüber hinaus“, sagt Prof. Dr. Stefan Leible, Präsident der Universität Bayreuth.

Auch Prof. Dr. Eckard Nagel, Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth, nimmt mit großer Freude die wichtige Entscheidung der Landesregierung zur Kenntnis. Besondere Chancen sieht er im Ausbau der Allgemeinmedizin einschließlich eines Netzwerks von Lehr- und Forschungspraxen und der zukünftigen Ausrichtung des Curriculums auf die ärztliche Tätigkeit im ländlichen Raum. So stellt das vorgelegte Konzept ein zukunftsweisendes Modell für die Regionalisierung der Ärzteausbildung unter der Verantwortung der Universitätsmedizin dar, was auch die Gutachterinnen und Gutachter besonders betont haben.

Vor den wohl tiefgreifendsten Veränderungen steht die Klinikum Bayreuth GmbH, auch dies lässt sich aus dem Positionspapier der Gutachter herauslesen. Und das nicht nur unter baulichen und infrastrukturellen Gesichtspunkten. Mit 21 habilitierten Ärzten und der Tatsache, dass die Klinikum Bayreuth GmbH seit 1984 Lehrkrankenhaus der FAU ist, sei eine solide Grundlage für eine umfassende Lehre im klinischen Abschnitt gelegt.

Allerdings bestünden noch klinische Lücken, die „sorgfältig und mit hohem akademischen Anspruch geschlossen werden müssen“. Um dies zu gewährleisten, empfiehlt das Gutachten eine weiterhin enge Kooperation zwischen der FAU und der Klinikum Bayreuth GmbH. Laut Prof. Dr. Thomas Rupprecht, dem Ärztlichen Direktor der Klinikum Bayreuth GmbH, können diese Lücken bald geschlossen werden.

Ziel müsse es sein, an der Klinikum Bayreuth GmbH neben der qualitativ hochwertigen Patientenbetreuung eine akademisch geprägte Kultur zu etablieren. Dazu bedarf es auch einer Verankerung der Wissenschaftlichkeit im klinischen Studienabschnitt und des Aufbaus einer eigenen Forschungsinfrastruktur. „Dieses Ziel war einer der Gründe für den Start des Projektes“, so Prof. Dr. Rupprecht und Dr. Joachim Haun, Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH. Dass die Projektpartner dafür ein eigenes Lehr- und Forschungsgebäude vorsehen, werten die Gutachter positiv. Ein bereits in Planung befindliches Ärztehaus wird Raum bieten, bis die beiden Neubauten des Medizincampus fertiggestellt sind.

„Der Medizincampus Oberfranken ist ein großer und wichtiger Fortschritt für unser kommunales Krankenhaus und für unsere gesamte Region“, sagt Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Hermann Hübner. Die medizinische Qualität werde weiter steigen. Und: Mit bis zu 400 zusätzlichen Studierenden und mehr als 150 neuen Arbeitsplätzen gehöre der Medizincampus zu den bedeutendsten Entwicklungszentren der kommenden Jahre. Die stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats, Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, sieht die Kabinettsentscheidung auch als Ergebnis des jahrelangen Ringens. Für Bayreuth und die Region ist die Entscheidung der Staatsregierung für dieses Projekt von ungeheuer großem Wert.“

„Die FAU und ihre Medizinische Fakultät bildet seit 275 Jahren Medizinstudierende aus, immer auf Basis der neuesten medizinischen Forschungsergebnisse, viele haben in Ober- und Mittelfranken Abitur gemacht und lassen sich hier nieder“, sagt der Dekan der Medizinischen Fakultät der FAU, Prof. Dr. Jürgen Schüttler. „Es würde mich freuen, wenn sich viele Abiturienten aus der Region bereits für das Wintersemester 2019/20 bei hochschulstart.de für das Medizinstudium Erlangen-Nürnberg/Bayreuth bewerben.“

Zahlen und Fakten zum Medizincampus Oberfranken
2019      Noch in diesem Jahr werden die ersten Medizinstudentinnen und -studenten ihre Ausbildung an der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg beginnen.

2021      In zwei Jahren werden die ersten Studierenden in ihre klinische Ausbildung in Bayreuth starten.

2026      In sieben Jahren soll der Vollausbau des Medizincampus Oberfranken erreicht sein. Im Studiengang „Humanmedizin Erlangen-Nürnberg/Bayreuth“ werden dann rund 600 angehende Ärztinnen und Ärzte eingeschrieben sein und rund 400 in Oberfranken studieren.

36           Millionen Euro: Auf diesen Betrag werden sich nach die jährlichen Gesamtkosten für den Medizincampus Oberfranken bei Vollausbau einschließlich der Profilprofessuren der Universität Bayreuth belaufen.


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Frank Schmälzle
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01.02.2019 Gesellschaft für Telematikanwendungen Montgomery: Sachverstand statt Staatsdirigismus
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin, 01.02.2019 – Zur geplanten Übernahme von 51 Prozent der
Gesellschafteranteile der gematik durch das
Bundesgesundheitsministerium erklärt Prof. Dr. Frank Ulrich
Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer:
„Im Koalitionsvertrag steht noch das klare Bekenntnis der
Regierung zu Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung. Jetzt aber
soll die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen mit einem
staatsdirigistischen Eingriff ausgehebelt werden. Denn de facto
wird die Gesellschaft für Telematikanwendungen zu einer
staatlichen Oberbehörde, wenn das Gesundheitsministerium 51
Prozent der Anteile übernimmt. Das wäre ein Systembruch, den
wir strikt ablehnen. Medizinische Notwendigkeit,
Wissenschaftlichkeit und die Einbeziehung des Sachverstands der
Beteiligten und Betroffenen in der Selbstverwaltung müssen
grundlegende Prinzipien der Weiterentwicklung unseres
Krankenversicherungssystems bleiben, nicht aber
staatsbürokratische Vorgaben.“

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01.02.2019 Moderne OP-Techniken verbessern Überleben bei Aortendissektion
uni | mediendienst | forschung Nr. 12/2019

Studie zeigt, wie Patienten mit weniger neurologischen Schäden einen lebensbedrohlichen Einriss der Hauptschlagader überleben können

Wenn die innere Gefäßwand der Hauptschlagader einreißt und sich zwischen den inneren Gefäßwänden Blut ansammelt, sprechen die Ärzte von einer lebensbedrohlichen Aortendissektion. Die Symptome des Patienten gleichen dem eines Schlaganfalls und die Sterblichkeit liegt bei ein bis zwei Prozent pro Stunde. „Neben der schnellen und richtigen Diagnostik ist die richtige OP-Technik für den Behandlungserfolg entscheidend“, weiß PD Dr. Frank Harig, Oberarzt der Herzchirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Weyand) des Universitätsklinikums Erlangen. Über zehn Jahre lang erforschte er optimale Therapien und publizierte seine Ergebnisse jetzt im „International Journal of Surgery & Surgical Techniques“.*

Hauptsymptome einer Aortendissektion sind ein heftiger messerstichartiger Rückenschmerz –  oft nach akuter Belastung wie Schneeschaufeln oder Holzhacken –, ein Kreislaufkollaps oder neurologische Störungen vielfältiger Art. Die Symptome ähneln denen eines Schlaganfalls, z. B. die halbseitige Lähmung. „Insbesondere diese neurologischen Symptome waren der Anlass, genauere Studien über optimierte OP-Techniken durchzuführen“, sagt Dr. Harig.

Der Erlanger Herzchirurg konnte zeigen, dass in bis zu jedem vierten Fall auch die Halsschlagadern von der Aortendissektion betroffen sind, sodass die Durchblutung des Gehirns vermindert ist. Das Resultat: Vor der Operation treten bereits in elf Prozent der Fälle neurologische Störungen auf, davon sind acht Prozent Halbseitenlähmungen. Männer sind 2,1-fach häufiger betroffen als Frauen. Von diesen voroperativen Ausfällen sind dank optimierter OP-Techniken 33 Prozent umkehrbar. Die Häufigkeit nachoperativer Störungen konnte um 50 Prozent vermindert werden, sodass im Laufe der vergangenen Jahre nur noch bei ca. zehn Prozent der Patienten bleibende neurologische Störungen zu beobachten waren.

Zu den genannten OP-Techniken zählt neben speziellen Kanülierungstechniken für die hirnzuführenden Arterien (selektiv antegrade Hirnperfusion) auch die Überwachung der Sauerstoffsättigung spezieller Gehirnabschnitte (Lobus frontalis) sowie eine milde Herabsenkung der Körpertemperatur (Hypothermie). Ohne Operation versterben die meisten Patienten (ca. 60 Prozent) innerhalb von zwei Tagen – 33 Prozent aufgrund eines Gefäßrisses, 15 Prozent wegen neurologischer Schäden und zwölf Prozent wegen Durchblutungsstörungen des Darms oder der Nieren. Bei acht Prozent kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel.

Mit Operation konnten die Überlebenschancen erheblich verbessert werden – von 70 auf aktuell 85 Prozent. Das Resümee von Dr. Harig: „Auch in Zukunft wird es darauf ankommen, dass der Patient so schnell wie möglich einen Arzt aufsucht, der dann rasch – meistens mittels Computertomografie – die richtige Diagnose stellt. Ambulanzärzte, egal ob Neurologen, Orthopäden oder andere Fachrichtungen, sollten auch an eine Beteiligung der Hauptschlagader denken, falls ein Patient mit sehr heftigen, plötzlich einsetzenden Rückenschmerzen zu ihnen kommt.“

* http://medwinpublishers.com/IJSST/IJSST16000132.pdf

„F. Harig et al. Optimizing Outcome in Stanford Type A Dissection – A 10 Year Analysis Focusing on Surgical Techniques and Neurological Outcome. International Journal of Surgery & Surgical Techniques 2019, 3(1):000132“.


Weitere Informationen:
PD Dr. Frank Harig
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31.01.2019 Bindegewebe auf Abwegen - wenn die Organe vernarben
uni | mediendienst | forschung Nr. 11/2019

Mediziner entdecken Eiweißmolekül, das Bindegewebszellen umprogrammiert

Die vermehrte Ablagerung von Bindegewebe ist ein Problem bei chronischen Erkrankungen vieler Organe wie der Lunge (Idiopathische Lungenfibrose), der Leber (Leberzirrhose), der Nieren (Nierenfibrose), des Darmes (Graft-versus-Host Krankheit) und der Haut (Systemische Sklerose). Bis zu 40 Prozent aller Todesfälle in Industrienationen werden durch die Ablagerung von Bindegewebe mit anschließender Gewebevernarbung verursacht. Effektive Behandlungsmöglichkeiten stehen derzeit jedoch kaum zur Verfügung. Wissenschaftler aus der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg Schett) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben jetzt ein molekulares Netzwerk entschlüsselt, das diese Prozesse kontrolliert und dadurch eine neue Möglichkeit für die Therapie von Organvernarbung darstellen könnte. Die Ergebnisse zeigen, dass das Eiweiß PU.1 die krankhafte Ablagerung von Bindegewebe verursacht. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler jetzt im renommierten Fachmagazin Nature veröffentlicht.*

Bei Bindegewebserkrankungen – sogenannten „Fibrosen“ wie beispielsweise der Systemischen Sklerose – kommt es durch eine überschießende Aktivierung von Bindegewebszellen zu einer Verhärtung des Gewebes und zu einer Narbenbildung innerhalb des betroffenen Organs. Diese Krankheiten können prinzipiell jedes Organsystem befallen und sehr häufig zur Störung der Organfunktion führen. Bindegewebszellen spielen bei Gesunden eine Schlüsselrolle bei der normalen Wundheilung. Kann jedoch die Aktivierung von Bindegewebszellen nicht abgeschaltet werden, kommt es zu fibrotischen Erkrankungen, bei denen massenhaft Matrix im Gewebe abgelagert wird, was zu einer Vernarbung und Funktionsstörung der betroffenen Gewebe führt. Warum diese Reparaturprozesse bei fibrotischen Erkrankungen ausarten, war jedoch bisher unklar.

Ein Wissenschaftlerteam um Dr. Andreas Ramming am Lehrstuhl für Innere Medizin III der FAU konnte nun einen molekularen Mechanismus entschlüsseln, der für die andauernde Aktivierung von Bindegewebszellen verantwortlich ist. In experimentellen Studien nahmen die Forscher das Eiweißmolekül PU.1 ins Visier. In der normalen Wundheilung wird die Bildung von PU.1 vom Körper gehemmt, damit am Ende des normalen Heilungsprozesses die Bindegewebszellen wieder in einen Ruhezustand zurückkehren können.

„Wir konnten nachweisen, dass PU.1 bei verschiedenen Bindegewebserkrankungen in der Haut, Lunge, Leber und der Niere aktiviert wird. PU.1 bindet an die Erbsubstanz (DNA) in Bindegewebszellen und programmiert diese um, was zu einer anhaltenden Ablagerung von Gewebsbestandteilen führt“, erklärt Dr. Ramming. PU.1 ist nicht der einzige Faktor, der an Fibrosen beteiligt ist, denn schon in der Vergangenheit wurden Faktoren identifiziert, die bei der Ablagerung von Narbengewebe beteiligt sind. Was neu entdeckt wurde, ist, dass  PU.1 eine zentrale Rolle in einem Netzwerk aus Faktoren übernimmt, die diesen Prozess steuern. „PU.1 ist gleichsam der Dirigent in einem Orchester“, erklärt Ramming, „nimmt man ihn heraus, fällt das gesamte Konzert in sich zusammen". Der Ansatz ließ sich therapeutisch bereits mit einem experimentellen Pharmakon realisieren. Dies nährt die Hoffnung, dass bald klinische Studien zur Hemmung von PU.1 starten können, mit dem Ziel Fibrose besser zu behandeln.

Die Arbeiten wurden durch den Sonderforschungsbereich 1181 „Schaltstellen der Auflösung der Entzündungsreaktion“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt.

* http://dx.doi.org/10.1038/s41586-019-0896-x

Weitere Informationen:
Dr. Andreas Ramming
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30.01.2019 Gesundheitsministerin informierte sich über „NTX 360°- Betreuungsprogramm für Nierentransplantierte soll Nachversorgung verbessern
uni | mediendienst | aktuell Nr. 10/2019

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml nutzte heute (30.01.2019) die Einladung von Prof. Dr. Mario Schiffer, der seit September 2018 neuer Direktor der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie des Universitätsklinikums Erlangen ist, um sich über das innovative Nachversorgungsprogramm für nierentransplantierte Patienten zu informieren. Prof. Schiffer hatte vor dem Wechsel nach Erlangen zusammen mit Kollegen der Medizinischen Hochschule Hannover das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Innovationsprojekt „NTX 360°“entwickelt, das jetzt auch am Uni-Klinikum Erlangen angeboten wird. Bei einem Rundgang durch die Medizin 4 betonte Gesunheitsministerin Melanie Huml: „Eine Transplantation geht mit weitreichenden Veränderungen in vielen Lebensbereichen eines Menschen einher. Nach einer erfolgreichen Nierentransplantation bedarf es daher einer intensiven Nachsorge am Patienten, um den Verlust des Organs zu verhindern und den Gesundheitszustand der Patienten auf Dauer zu erhalten. Um diese komplexe Gesamtsituation zu bewältigen, ist ein umfassendes interdisziplinäres Fachwissen erforderlich.“

NTX 360° verringert das Risiko von Organabstoßungen

In NTX 360° rücken die Transplantationszentren und die Niedergelassenen enger zusammen. Die Patienten erhalten gleichzeitig ein interdisziplinäres und individuell an ihre Bedürfnisse angepasstes Angebot, um eine möglichst lange Transplantatgesundheit zu erreichen. Prof. Schiffer sagte: „Damit können wir Nierenpatienten in der Metropolregion Nürnberg eine interdisziplinäre Versorgung auf höchstem Niveau anbieten, die weit über die Transplantation hinausgeht. Die Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Krankenkasse des Patienten dem Projekt angeschlossen hat.“ Das Innovationsprogramm NTX 360° beinhaltet auch neue Angebote, wie eine elektronische Fallakte, mit deren Hilfe Labor- und Untersuchungsergebnisse nahtlos zwischen dem Transplantationszentrum und dem niedergelassenen Arzt ausgetauscht werden können, sowie die Möglichkeit einer wohnortnahen Televisitation.

Kein Organ wird häufiger transplantiert als die Niere. Allein im Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg wurden 2018 insgesamt 68 Nieren transplantiert. Doch auch bei keinem anderen Organ ist die Warteliste so lang: Auf eine Spenderniere kommen rund sieben Patienten; die durchschnittliche Wartezeit dauert acht bis zehn Jahre – sofern die Möglichkeit einer Lebendspende durch einen Angehörigen ausscheidet. Für den Betroffenen wird die Dialysebehandlung zur überlebenswichtigen Routine. Kommt dann der Anruf, dass ein passendes Spenderorgan gefunden wurde, scheint das Ziel erreicht zu sein. Doch damit das Organ gesund bleibt und nicht abgestoßen wird, bedarf es einer exzellenten Zusammenarbeit zwischen dem Transplantationszentrum, den niedergelassenen Ärzten und dem Patienten – und das auch noch weit nach der Operation.

Hier setzt Prof. Schiffer mit NTX 360° an: Das Programm sorgt für bessere Strukturen, um die langfristige Patientenversorgung nach der Transplantation zu optimieren. Wie wichtig diese gewissenhafte Nachsorge ist, unterstreichen die Zahlen: In den ersten drei Jahren nach der Transplantation verlieren rund acht Prozent der Transplantierten ihr Organ durch Abstoßungsreaktionen. Weitere Begleiterkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems, nehmen im Verlauf zu. „Mit einer engmaschigeren Kommunikation und einer Nachsorge, die sich noch mehr auf den Patienten einstellt, könnten wir diese Zahlen korrigieren“, sagt Prof. Schiffer.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mario Schiffer
Tel.: 09131/85-39002
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28.01.2019 Zellen, die den Darm zerstören Mediziner entdecken Zelltyp, der Entzündungsschübe bei Darmerkrankungen auslöst
uni | mediendienst | forschung Nr. 8/2019

Mehr als 400.000 Menschen in Deutschland sind von den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa betroffen. Die Erkrankungen verlaufen in Schüben und führen zu einer Zerstörung des Darmgewebes. Trotz immenser Fortschritte in der medikamentösen Behandlung kann die chronische Entzündung nach wie vor bei einer Vielzahl von Patienten nicht ausreichend in den Griff bekommen werden. Ferner war bisher weitgehend unklar, wie Entzündungsschübe ausgelöst werden. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nun in Zusammenarbeit mit Kollegen aus den Niederlanden zeigen können, dass bestimmten Zellen im Darm eine Schlüsselrolle bei der Auslösung von Erkrankungsschüben zukommt. Hierdurch ergeben sich innovative Ansätze für zukünftige Therapien. Die Ergebnisse der Untersuchungen haben sie nun in der renommierten Zeitschrift „Nature Immunology“ veröffentlicht.*

Der Entstehung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen liegt ein komplexes Zusammenspiel zahlreicher Faktoren zugrunde. Dieses führt letztendlich zu einer übersteigerten Aktivierung des darmeigenen Immunsystems und im Zuge der so hervorgerufenen Entzündung zu oft schwerwiegenden Krankheitssymptomen. Zum Immunsystem des Darms gehören auch sogenannte gewebsansässige Gedächtnis-T-Zellen, kurz TRM (Tissue Resident Memory)-Zellen. Deren Rolle bei der Entstehung chronischer Entzündung im Darm war bislang unklar.

Ein Forscherteam am Universitätsklinikum Erlangen um Dr. Sebastian Zundler und Prof. Dr. Markus F. Neurath, Direktor der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie, hat diese nun entschlüsselt. In Kooperation mit dem niederländischen Sanquin Research Institut zeigten die Wissenschaftler unter anderem, dass TRM-Zellen ein hohes entzündungsförderndes Potenzial besitzen und offenbar Entzündungsschübe auslösen. Die Daten legen zudem nahe, dass TRM-Zellen die Einwanderung und Differenzierung anderer Immunzellen regulieren und damit zentral sind, um die Immunantwort zu steuern. Dementsprechend haben Patienten mit hohem Anteil an TRM-Zellen in der Darmschleimhaut ein höheres Risiko, im Verlauf der Erkrankung Schübe zu entwickeln als solche mit niedrigem Anteil.

„Welche Rolle TRM-Zellen bei immunologisch vermittelten Erkrankungen spielen, war bislang völlig unklar“, erklärt Prof. Dr. Markus F. Neurath. „Wir gehen davon aus, dass sich unsere Erkenntnisse auch auf andere chronisch-entzündliche Erkrankungen übertragen lassen.“ Außerdem hoffen die Forscher mit ihrer Entdeckung die Grundlagen für potenzielle zukünftige Therapieansätze zu legen. „Durch die Schlüsselrolle von TRM-Zellen bei chronischer Entzündung im Darm, stellen sie ein interessantes Therapieziel dar“, prognostiziert Dr. Sebastian Zundler, „möglicherweise könnten so sehr frühe Ereignisse im Rahmen der Krankheits- beziehungsweise Schubentwicklung unterdrückt werden.“

* http://dx.doi.org/10.1038/s41590-018-0298-5 


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28.01.2019 Organspende - Montgomery: „Hauruck-Verfahren bei Widerspruchslösung würde die Menschen verunsichern“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 28.01.2019 – „Für die Menschen auf der Warteliste ist es
höchste Zeit, dass der Gesetzgeber die strukturellen Hürden für
die Organspende in Deutschland beseitigt. Mit dem von der
Bundesregierung vorgelegten Entwurf für ein Gesetz zur
Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der
Organspende kommen wir hier ein großes Stück weiter.“ Das
sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich
Montgomery vor der öffentlichen Anhörung des Bundestags-
Gesundheitsausschusses zum Entwurf eines „Zweiten Gesetzes
zur Änderung des Transplantationsgesetzes“ am kommenden
Mittwoch.
„Die Entnahmekrankenhäuser betreiben einen erheblichen
Aufwand, bleiben aber häufig auf ihren Kosten sitzen. Deshalb ist
es besonders wichtig, dass die Organentnahme in Zukunft
ausreichend finanziert wird“, betonte Montgomery. Ebenso
notwendig sei eine bundeseinheitliche Freistellungsregelung für
die Transplantationsbeauftragten. Sie könne
Transplantationsbeauftragten dabei helfen, sich voll auf ihre
Aufgaben zu konzentrieren.

Montgomery begrüßte, dass die Regierung die Frage der
Widerspruchslösung aus der Gesetzesinitiative ausgeklammert
hat. „Bei der Widerspruchslösung geht es um ein hochsensibles
Thema, das ethische, religiöse und verfassungsrechtliche Fragen
berührt. Daher muss die Debatte in der ganzen gesellschaftlichen
Breite geführt und dann aus der Mitte des Bundestags heraus
entschieden werden. Ein Hauruck-Verfahren würde die Menschen
verunsichern. Im Interesse der Patienten auf der Warteliste sollte
das unbedingt vermieden werden.“

In ihrer schriftlichen Stellungnahme zu dem Entwurf bezeichnet
die Bundesärztekammer (BÄK) die Gesetzesinitiative als geeignet,
die Organspende als Gemeinschaftsaufgabe „in einem plural
organisierten Transplantationswesen weiter zu stärken“. Nach
Auffassung der BÄK könne sie mit dazu beitragen, den Menschen
auf der Warteliste deutlich bessere Lebenschancen zu eröffnen.
Unter anderem hebt die BÄK die vorgesehene Einrichtung eines
neurologischen konsiliarärztlichen Bereitschaftsdienstes hervor.
Dadurch würden die Entnahmekrankenhäuser bei der Erfüllung
ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Feststellung des irreversiblen
Hirnfunktionsausfalls besser unterstützt. Für die Menschen auf
der Warteliste könne so eine größtmögliche Identifikation
potentieller Organ- und Gewebespender erreicht werden.
Allerdings sei die für die Einrichtung des neurologischen
konsiliarärztlichen Bereitschaftsdienstes vorgesehene Frist
deutlich zu knapp bemessen. Die Bundesärztekammer schlägt
vor, die Frist um ein Jahr, bis zum 31. Dezember 2020 zu
verlängern.

Stellungnahme der Bundesärztekammer zum Entwurf eines
Zweiten Gesetzes zur Änderung des Transplantationsgesetzes –
Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der
Organspende

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23.01.2019 Quitterer kandidiert in Berlin für BÄK
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Der kommende 122. Deutsche Ärztetag im Mai 2019 in Münster wird auch ein Wahl-Ärztetag. Der amtierende Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), Dr. Gerald Quitterer, hat seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten der Bundesärztekammer (BÄK) angemeldet. Quitterer, Klasse 1956, ist Facharzt für Allgemeinmedizin und seit 1986 in Eggenfelden/Niederbayern niedergelassen. Hier betreibt er eine überörtliche Gemeinschaftspraxis mit vier angestellten Ärztinnen und Ärzten.

Quitterer ist Hausarzt „mit Leib und Seele“ und in der Berufspolitik kein Neuling: So ist der BLÄK-Präsident nach seiner langjährigen Erfahrung in der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) ebenso Bezirksvorsitzender für Niederbayern des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV).

Auf seiner Agenda für die BÄK steht für Quitterer vor allem die Stärkung des Berufsbildes Arzt. „Das uns tag täglich von den Patienten entgegengebrachte Vertrauen und die damit verbundene Wertschätzung für uns Ärzte muss auch in Berlin – auf der Seite der Politik – deutlicher spürbar und erlebbar werden“, sagt Quitterer. Hier sieht er eine gewisse Diskrepanz und fordert das Ende einer immer tiefer gehenden regulierenden Gesetzgebung, wie es sich bspw. aktuell mit dem „Terminservice- und Versorgungsgesetz“ (TSVG) abzeichnet. Der Erhalt und die Stärkung der Freiberuflichkeit der Ärzte – egal ob in Praxis oder in der Klinik tätig, die Gestaltungsmöglichkeiten für die ärztliche Selbstverwaltung, der Bürokratieabbau – das alles seien Zukunftsthemen, um sowohl die jetzt Tätigen als auch den ärztlichen Nachwuchs mitnehmen zu können. Das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis bilde dabei das Fundament der Profession Arzt. „Der gefühlte Verlust der Entscheidungshoheit über unsere eigenen beruflichen Belange darf niemals Oberwasser über unsere ärztliche Tätigkeit erlangen“, ist der Hausarzt überzeugt. Seit vielen Jahren engagiert sich Quitterer zudem für die Medizinischen Fachangestellten, die wichtige Teammitglieder in der Patientenversorgung sind.
Welche Themen wird Quitterer künftig in den Fokus rücken? Was die Ärzte tatsächlich bedrückt, interessiert, beschäftigt und wo sie dringend Handlungsbedarf sehen, weiß Quitterer ganz genau, ist er doch ein „Vertragsarzt an der Basis“. Einen Namen machte sich der gremienerfahrene Quitterer vor allem im BHÄV im Engagement um bessere Arbeitsbedingungen und Honorare in der hausärztlichen Versorgung. Dabei scheute er in der Diskussion über diverse Gesundheitsreformen auch den Konflikt mit der der Politik nicht.

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21.01.2019 Neu entdecktes Blutgefäßsystem in Knochen Netzwerk versorgt Knochen und hilft Immunzellen, schnell zu Entzündungsherden zu kommen
uni | mediendienst | forschung Nr. 7/2019

Ein bisher übersehenes Netzwerk aus feinsten Blutgefäßen, das das Knochenmark direkt mit der Zirkulation der Knochenhaut verbindet, hat eine Wissenschaftlergruppe unter Leitung der Universität Duisburg-Essen (UDE) identifiziert. An der Studie waren auch Forscher des Universitätsklinikums Essen, des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sowie von Forschungseinrichtungen in Jena, Berlin, Dresden und Bern beteiligt. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt im renommierten Fachmagazin „Nature Metabolism“ publiziert.*

Knochen sind zwar sehr harte Organe, sie haben aber auch ein dichtes Netzwerk von Blutgefäßen in ihrem Inneren, wo sich das Knochenmark befindet, sowie auf der mit Knochenhaut bedeckten Außenseite. Deshalb bluten beispielsweise Knochenbrüche erheblich. Allerdings können durch dieses Gefäßsystem auch neu gebildete Blutzellen das Knochenmark verlassen und in den Körper auswandern.

„Wie jedes Organ benötigt ein Knochen für diese Funktionen einen geschlossenen Blutkreislauf. Während frisches Blut über Arterien in das Organ hineintransportiert wird, fließt über die Venen das verbrauchte Blut wieder heraus. Wie dieser geschlossene Blutkreislauf von Röhrenknochen genau aussieht, war allerdings bisher noch nicht ganz klar“, erklärt Dr. Anika Grüneboom, Medizinische Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Uni-Klinikums Erlangen, die ihre Promotion in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Matthias Gunzer an der UDE angefertigt hat.

Teils über tausend Blutgefäße

In Knochen von Mäusen fand die Wissenschaftlergruppe nun teils über tausend bisher unbekannte Blutgefäße, die auf der gesamten Länge quer durch den kompakten Knochen, die sogenannte Kortikalis, verlaufen. Deshalb bezeichneten die Forscher sie als „Transkortikalgefäße“. Weiter konnten sie zeigen, dass durch dieses neu entdeckte Gefäßsystem die überwiegende Menge sowohl des arteriellen als auch des venösen Blutes fließt. Das bedeutet, dass das System zentral ist, um den Knochen mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass das Gefäßsystem von den Immunzellen im Knochenmark genutzt wird, um in den Blutkreislauf zu gelangen – gerade bei entzündlichen Krankheiten ist es wichtig, dass die Immunzellen den Entzündungsherd schnell erreichen. Das Gefäßsystem reagiert zudem auf Erkrankungen, die mit Knochen in Verbindung stehen wie Osteoporose oder rheumatoide Arthritis: Je nach Erkrankung werden mehr oder weniger Blutgefäße gebildet und dementsprechend variiert die Zahl der Immunzellen, die aus dem Knochen ins Blut auswandern können.

Prof. Gunzer: „Die bisherigen Konzepte beschrieben lediglich einige wenige arterielle Zuflüsse und zwei venöse Abflüsse bei Knochen. Das ist vollkommen unvollständig und spiegelt die natürliche Situation überhaupt nicht wider. Es ist schon erstaunlich, dass man im 21. Jahrhundert noch neue anatomische Strukturen finden kann, die in keinem Lehrbuch beschrieben werden.“

Möglich wurde dies durch eine einmalige Mischung aus modernsten Bildgebungsverfahren, die über die Jahre aufgebaut und perfektioniert wurden. „Viele davon wurden von uns zum ersten Mal eingesetzt, um den Blutfluss in Knochen zu untersuchen“, sagt Prof. Gunzer, „etwa die sogenannte Lichtblattmikroskopie oder die ultrahochaufgelöste 7-Tesla-Magnetresonanztomografie.“

Mit persönlichem Körpereinsatz

Mit diesen Techniken wurde gezeigt, dass Transkortikalgefäße auch in einigen Bereichen der deutlich dickeren Knochen beim Menschen vorkommen. Die Studie erforderte von allen Teilnehmern vollen – auch körperlichen – Einsatz. So legte sich Prof. Gunzer für die 7-Tesla-Untersuchungen an der UDE insgesamt etwa sechs Stunden selbst ins Gerät, bis die hochaufgelösten Bilder endlich „im Kasten“ waren.

In der Zukunft soll nun untersucht werden, welche Rolle Transkortikalgefäße für die normale Knochenphysiologie und bei Krankheiten wie zum Beispiel Osteoporose oder Tumoren, die in den Knochen metastasieren, spielen.

* http://doi.org/10.1038/s42255-018-0016-5 

Weitere Informationen:
Dr. Anika Grüneboom
anika.grueneboom@uk-erlangen.de  
Prof. Dr. Georg Schett
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21.01.2019 Verlagert- Forscher der FAU, des Deutschen Krebsforschungszentrums und des BIH decken die genetischen Ursachen von Speicheldrüsentumoren auf
uni | mediendienst | forschung Nr. 6/2019

Unter den verschiedenen bösartigen Formen des Speicheldrüsenkrebses ist das Azinuszellkarzinom die dritthäufigste. Diese Tumoren ähneln normalem Speicheldrüsengewebe und treten vor allem in der Ohrspeicheldrüse auf. Die molekularen Ursachen der Erkrankung waren bisher unbekannt. Forscher des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg sowie des Berlin Institute of Health (BIH) konnten diese nun aufklären.

Mithilfe der Genomsequenzierung von Tumorgeweben haben die Wissenschaftler eine Umlagerung von genetischem Material, eine sogenannte Translokation, zwischen den Chromosomen 4 und 9 identifiziert, die in allen untersuchten Azinuszellkarzinomen vorlag. Typischerweise führen solche Translokationen in Tumoren zur Neukombination von Genen, die dann neue onkogene, also krebsauslösende, Eigenschaften erwerben. Beim Azinuszellkarzinom führt die jetzt entdeckte Translokation hingegen dazu, dass regulatorische Elemente der DNA von einer aktiven Chromosomenregion zu einem normalerweise inaktiven Onkogen verlagert werden.

Bei dieser ungewöhnlichen Form der Translokation stammen die regulatorischen Elemente aus einem Bereich, in dem Gene liegen, die Funktionen im Speichelsekret ausüben und die deswegen in Speicheldrüsenzellen hoch aktiv sind. Durch die chromosomale Umlagerung gelangen diese stark aktiven regulatorischen Elemente in räumliche Nähe zu dem normalerweise nach Abschluss der Embryonalentwicklung abgeschalteten Gen NR4A3. Dieses wird durch die Aktivierungssignale der regulatorischen Elemente beim Azinuszellkarzinom wieder angeschaltet. NR4A3 reguliert als Transkriptionsfaktor die Aktivität von zahlreichen weiteren Genen, die dann Zellteilung und -wachstum und damit auch das Tumorwachstum auslösen. Die Forscher konnten diesen Mechanismus durch molekulare Untersuchungen von Tumorgeweben und funktionelle Analysen an eigens hergestellten Zellkulturmodellen belegen.

„Mit den neuen Erkenntnissen können wir Azinuszellkarzinome der Speicheldrüse besser diagnostizieren und die biologischen Grundlagen der Tumorentstehung verstehen. Wir hoffen langfristig, ausgehend von diesen neuen Erkenntnissen, auch neue Therapieansätze für die Patienten entwickeln zu können“, erklärt Prof. Dr. Florian Haller vom Institut für Pathologie der FAU. Ähnliche genetische Umlagerungen von regulatorischen Elementen der DNA als Entstehungsursachen von bösartigen Tumoren wurden kürzlich auch bei einer Form von kindlichen Hirntumoren beobachtet und dort als „Enhancer-Hijacking“ bezeichnet.

Kooperationen über Institutsgrenzen hinweg

Dass die Forscher die molekularen Ursachen jetzt klären konnten, liegt dabei in der Kooperation mit anderen Instituten begründet, wie Prof. Dr._Stefan Wiemann vom Deutschen Krebsforschungszentrum, betont: „Unsere Studie zeigt, wie erfolgreich die Verknüpfung von molekularen und funktionellen Untersuchungen klinische Fragestellungen in einer engen wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen großen Forschungsinstituten und klinischen Einrichtungen beantworten kann.“ Prof. Dr. Abbas Agaimy, Institut für Pathologie der FAU, fügt hinzu: „Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen eindrucksvoll den Zusammenhang zwischen histomorphologischer Tumorerscheinung, also dem Phänotyp, und der zugrundeliegenden genetischen Veränderung, dem Genotyp. Bei der relativen Seltenheit von Speicheldrüsentumoren war diese Studie nur in Zusammenarbeit mit einer großen HNO-Klinik mit überregionalem exzellentem Ruf und hohen Patientenzahlen möglich.“ Und auch Matthias Bieg vom Berlin Institute of Health (BIH) sagt: „Diese Studie zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, Forscher aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen. Nur durch die fruchtbare Kooperation konnten wir die bestmöglichen Ergebnisse aus den zugrundeliegenden Daten extrahieren. Wir haben in dieser interdisziplinären Zusammenarbeit gezeigt, dass die Umlagerung von epigenetischen Kontrollelementen einen großen Einfluss auf die Entstehung von Tumoren haben kann.“

Die Ergebnisse dieser kooperativen Studie wurden heute in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht: https://doi.org/10.1038/s41467-018-08069-x 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Florian Haller
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21.01.2019 BÄK lehnt Referentenentwurf zur Psychotherapeutenausbildung strikt ab
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 21.01.2019 – Die Bundesärztekammer (BÄK) lehnt den
vom Bundesministerium für Gesundheit vorgelegten
Referentenentwurf für eine Reform der Psychotherapeuten-
ausbildung strikt ab. Der Entwurf verfehlt völlig das Ziel einer
verbesserten Ausbildung in diesem wichtigen Versorgungsbereich.
Vielmehr führt er zu einer Gefährdung der Patientinnen und
Patienten, warnt die BÄK. Menschen mit psychischen und
psychosomatischen Erkrankungen dürfen in ihrer Behandlung
nicht aus dem medizinischen Versorgungssystem ausgegliedert
werden. Die im Gesetzentwurf vorgeschlagene Ausbildungsreform
der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und
Jugendlichenpsychotherapeuten aber würde unweigerlich zu
getrennten Versorgungsbereichen führen.

Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und
Jugendlichenpsychotherapeuten mit ihren jeweils spezifischen
Kompetenzen ergänzen das therapeutische Angebot sinnvoll, sie
können aber keinesfalls die ganzheitliche ärztliche Expertise in
Diagnose und Therapie ersetzen. Denn psychische Erkrankungen
gehen häufig mit behandlungsbedürftigen somatischen
Erkrankungen einher. Oft bedingen sich beide wechselseitig und
verstärken sich sogar. Aber anstatt auf eine ganzheitliche
Betrachtung und Behandlung komplexer Krankheitsbilder
hinzuwirken, bedroht die vorgesehene Reform eine individuelle,
somatische wie psychische Aspekte integrierende Versorgung der
Patientinnen und Patienten. Diese Reform führt damit zu einer
Verschlechterung der Patientenversorgung.

Aus gutem Grund ist die Verordnung von Arzneimitteln allein
Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Die Mehrheit der
Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und
Jugendlichenpsychotherapeuten anerkennt diese originäre
ärztliche Kompetenz und lehnt deshalb eine Aufgabenübernahme
in diesem Bereich der Pharmakotherapie ab. Denn eine sichere
und schonende Anwendung von Psychopharmaka ist nur auf der
Grundlage eines Medizinstudiums möglich. In dem
Reformentwurf ist jedoch ein Modellversuchsstudiengang
vorgesehen, in dem Nicht-Ärzten Kompetenzen zur Feststellung,
Verordnung und Überprüfung psychopharmakologischer
Maßnahmen vermittelt werden sollen. Das gefährdet die
Sicherheit der Patientinnen und Patienten, die auf Grund ihrer
Erkrankung unter Umständen besonders zu schützen sind, in
ganz erheblichem Maße.

Die vorgesehene Reduktion der Berufsbezeichnung der
Psychologischen Psychotherapeuten sowie der Kinder- und
Jugendlichenpsychotherapeuten auf „Psychotherapeut“ ist eine
Mogelpackung. Dadurch werden Patienten in die Irre geführt. Man
kann nicht einen Behandlungsansatz zu einem Beruf erheben und
darüber hinwegtäuschen, dass auch und gerade Ärztinnen und
Ärzte mit Facharztstatus nach sechsjähriger Ausbildung und
mindestens fünfjähriger Weiterbildung als hochqualifizierte
Psychotherapeuten tätig sind. Mit der Mogelpackung
„Psychotherapeut“ für eine deutlich weniger umfangreiche Aus-
und Weiterbildung wird Patienten vorgegaukelt, sie erhielten auf
Basis höherer Qualifikation psychotherapeutische Verfahren. Das
ist politisch, vor allem aber medizinisch nicht zu verantworten. Im
Interesse des Patientenschutzes müssen die jeweilige fachliche
Expertise sowie deren Grenzen klar erkennbar bleiben.

Die Bundesärztekammer fordert das Bundesgesundheits-
ministerium auf, den vorgelegten Referentenentwurf umfassend
zu überarbeiten und dabei die bereits vorliegenden, die
ursprünglichen Reformziele unterstützenden, Vorschläge der
Bundesärztekammer zu berücksichtigen. Gemeinsames Ziel von
Politik und allen beteiligten Professionen muss es bleiben, die seit
vielen Jahren bewährte multidisziplinäre Zusammenarbeit in der
psychotherapeutischen Versorgung zu stärken und im Interesse
einer qualitätsgesicherten, evidenzbasierten Psychotherapie weiter
zu entwickeln. Dafür setzt sich die gesamte verfasste Ärzteschaft
ein.

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18.01.2019 Erlanger Zentrum für Seltene Nierenerkrankungen gegründet
uni | mediendienst | aktuell Nr. 7/2019

Ärzte verschiedener Disziplinen bündeln ihre Kompetenzen für Patienten mit seltenen Nierenfunktionsstörungen und Systemerkrankungen mit Nierenbeteiligung

Nephronophthise – mit diesem Begriff wird eine Gruppe seltener, nicht heilbarer Erbkrankheiten der Niere bezeichnet. Um Krankheitsbilder dieser Art sowie weitere seltene Systemerkrankungen mit Nierenbeteiligung zu erforschen, wirksame Therapien zu entwickeln und Patienten adäquat betreuen zu können, bündeln Ärzte des Universitätsklinikums Erlangen ihre Kompetenzen jetzt in einem interdisziplinären Zentrum. Das Zentrum für Seltene Nierenerkrankungen Erlangen (ZSN), dessen Sprecher Prof. Dr. Mario Schiffer ist, ist eine Anlaufstelle für Erwachsene und Kinder, die an seltenen erblichen syndromalen und nicht-syndromalen Nierenerkrankungen leiden.

Vier Millionen Menschen in Deutschland haben eine seltene Erkrankung. Selten heißt: Nicht mehr als fünf von 10.000 sind betroffen. Im Falle von Nephronophthise ist die Prävalenz mit 1:100.000 noch um ein Vielfaches geringer. Bis ein Patient die richtige Diagnose erhält, vergehen oft Jahre. Eine Zeit, die geprägt ist von unzähligen Besuchen bei verschiedenen Ärzten, etlichen Therapieversuchen und psychischen Belastungen. Und wenn endlich Klarheit über die Symptome besteht, müssen Patienten oft damit zurechtkommen, dass es für sie noch keine Therapie gibt, die über die bloße symptomatische Behandlung hinausgeht. Genau hier setzt das jetzt gegründete Zentrum für Seltene Nierenerkrankungen an.

Gemeinsam stark für Patienten

Das ZSN bietet Patienten verschiedene Spezialambulanzen. Eine enge Kooperation zwischen Nephrologen und Spezialisten der Urologischen und Kinderurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) des Uni-Klinikums Erlangen, der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher), der Nephropathologischen Abteilung (Leiterin: Prof. Dr. Kerstin Amann) und des Humangenetischen Instituts (Direktor: Prof. Dr. André Reis) gewährleistet, dass Patienten die modernste und aktuellste Therapie erhalten. Zudem arbeiten die Ärzte der verschiedenen medizinischen Disziplinen auch bei der Erforschung seltener Nierenerkrankungen zusammen.

Das ZSN gehört zum Zentrum für Seltene Erkrankungen Erlangen (Sprecherin: Prof. Dr. Beate Winner) – einer gemeinsamen Einrichtung des Uni-Klinikums Erlangen und der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Ausführliche Informationen: www.zsn.uk-erlangen.de

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16.01.2019 Angehende Ärztinnen und Ärzte sind keine kostenlosen Stationshilfen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 16.01.2019 – „Ärztliche Nachwuchsförderung fängt im Medizinstudium an und muss vernünftige Rahmenbedingungen für das Praktische Jahr (PJ) mit einschließen. Deshalb unterstützen wir die Forderungen der PJ-Studierenden nach vernünftigen Arbeitszeiten, einer angemessenen Vergütung und guten Lernbedingungen im Praktischen Jahr.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery anlässlich des heutigen Aktionstages zum Praktischen Jahr (PJ) an den Medizinischen Fakultäten.

Viel zu oft würden PJ-Studierende für bloße Routinetätigkeiten,
Botengänge und Dokumentationen herangezogen. Angesichts der
angespannten Personalsituation auf den Stationen bleibe zu wenig
Zeit für den eigentlichen Zweck des PJ, die Wissensvermittlung.
Montgomery bekräftigte deshalb die Forderung des letzten
Deutschen Ärztetages, die Qualität des Praktischen Jahres durch
eine hochwertige praktische Lehre mittels zusätzlichem für die
Lehre freigestellten ärztlichen Personal zu verbessern.

Montgomery: „PJ-Studierende sind keine kostenlosen
Stationshilfen, sondern angehende Ärztinnen und Ärzte. Sie sollen
im Rahmen ihres Praktischen Jahres auf ihre verantwortungsvolle
Tätigkeit in der Patientenversorgung vorbereitet werden.
Einsparungen bei der Qualität der ärztlichen Ausbildung gehen
immer auch auf Kosten der Patientensicherheit. Diesen
Zusammenhang sollten Politik und Krankenhausträger bedenken -
und endlich handeln.“

Petition des BVMD für ein faires Praktisches Jahr im
Medizinstudium:

www.openpetition.de/petition/online/petition-fuer-ein-faires-
praktisches-jahr-im-medizinstudium

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16.01.2019 - Prosit 2019!
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten“. – „Wir machen die Passage aus dem Genfer Gelöbnis zum Thema und halten eine Innenschau. Auf dem kommenden Deutschen Ärztetag im Mai in Münster werden wir uns voraussichtlich mit dem Titel ‚Arztgesundheit – wenn der Beruf krank macht‘ beschäftigen. Wir kümmern uns um uns selbst. Um den Mensch Arzt. Der Erhalt unserer eignen Gesundheit soll einen anderen Stellenwert bekommen.“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer in der Januar-/Februarausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes.

In einer Zeit der geforderten Rundumverfügbarkeit ärztlicher Leistungen sei dies dringend geboten. Was können und was müssen Ärztinnen und Ärzte leisten? Die Frage dürfe gestellt werden vor dem Hintergrund einer Milliarde Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr in Deutschland, im Durchschnitt 17 pro Patient. Es sei richtig, dass jeder Kranke zu jeder Zeit und an jedem Ort die erforderliche medizinische Behandlung auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse erhalte. Die Notaufnahme eines Krankenhauses mit Bagatellerkrankungen zu überlaufen, gehöre jedenfalls nicht dazu. „Die Forderungen nach einer Terminvergabe rund um die Uhr und nach immer mehr Sprechstunden bedienen eine falsche Erwartungshaltung bei den Patienten und bringen uns Ärzte in ein Dilemma. In die Position derer, die einerseits die Patienten nicht wegschicken dürfen, andererseits am Bedarf vorbei behandeln und damit wiederum die Patientenerwartung auf eine 24-Stunden-Versorgung von Befindlichkeiten nähren“, schreibt Quitterer.

Arztgesundheit bedeute sowohl die Einhaltung der Arbeitszeitgesetze in den Krankenhäusern als auch die Entlastung im ärztlichen Bereitschaftsdienst, wie dies in Bayern durch dessen Neuorganisation ermöglicht wurde. Eine gesunde „Work-life-balance“ geling dort nicht, wo der Beruf krank mache: Durch Arbeitszeitverdichtung infolge zunehmender Kommerzialisierung und Ökonomisierung. Diese halte dort Einzug, wo sich Konzerne im Gesundheitswesen breit machten und Leistungszahlen forderten. „Ich konstatiere, dass jemand, der nie an einem Operationstisch stand, nicht nachvollziehen kann, dass ein Operationssaal kein Fließband, sondern ein Hochrisikobereich ist“, schreibt Bayerns Ärztechef. Stattdessen kämen in immer kürzeren Abständen Gesetze, die ärztliches Tun reglementierten sowie Aussagen, die mit Wertschätzung des Berufsstandes nichts zu tun haben, „denn natürlich betreiben wir Ärzte in unserer Freizeit auch Sport – und das ist zu begrüßen“.

Mehr zu „Prosit 2019!“ lesen Sie in der Januar-Februarausgabe 2019 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

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14.01.2019 Heilende Wirkung von Radon Serielle Radonbäder wirken schmerzlindernd und immunmodulierend
uni | mediendienst | forschung Nr. 2/2019

Seit über 100 Jahren wird natürliches radonhaltiges Thermalwasser zur Therapie von chronisch-degenerativen, entzündlichen und muskuloskelettalen Beschwerden eingesetzt. Die meisten Patienten empfinden nach einer Radonkur eine deutliche Schmerzreduktion, jedoch sind die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen weitestgehend unerforscht. In der Placebo-kontrollierten RAD-ON02-Studie (EudraCT Nr. 2016-002085-31) nach dem deutschen Arzneimittel-Gesetz (AMG) werden deshalb nun im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der Strahlenklinik (Direktor: Prof. Dr. Rainer Fietkau) des Universitätsklinikums Erlangen und dem Kurort-Forschungsverein Bad Steben die immunologischen und schmerzlindernden Wirkungen von seriellen Radonbädern bei Patienten mit muskuloskelettalen Beschwerden untersucht.

 

Arthritis, Arthrose und Fersensporn gehören zu den häufigsten chronisch-degenerativen und muskuloskelettalen Erkrankungen, die Schmerzen und Entzündungen verursachen und damit die Mobilität und die Lebensqualität einschränken. Obwohl es eine Vielzahl von „klassischen“ Therapien gibt, sprechen einige Patienten nur schlecht und nicht dauerhaft darauf an. In solchen Fällen kann eine Radonbadekur die Beschwerden lindern. Im Zuge einer solchen Kur erhalten die Patienten serielle Bäder mit radonhaltigem Thermalwasser. Die kurze und sehr geringfügige Strahlenexposition, die von dem Element Radon ausgeht, scheint für die Therapieeffekte verantwortlich zu sein.

 

Um die schmerzlindernde und immunmodulierende Wirkung von Radon und seine positiven Effekte auf den Knochenstoffwechsel wissenschaftlich fundiert zu belegen, wurde die RAD-ON02-Studie initiiert. Sie wird gemäß AMG nach höchsten Qualitätsstandards durchgeführt. Eine temporäre Placebo-Gruppe steigert die Aussagekraft der Studienergebnisse. Auch potenzielle Nebenwirkungen von Radonbädern werden in Zusammenarbeit mit Kollegen der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH in Darmstadt, des Universitätsklinikums Frankfurt und der TU Darmstadt untersucht.

 

In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsbad Bad Steben erhalten 100 in die Studie eingeschlossene Patienten serielle Radonbäder. Dabei badet zunächst nur die Hälfte der Patienten in radonhaltigem Thermalwasser, während die anderen Probanden ein Placebobad erhalten, ohne darüber informiert zu werden. Anschließend werden alle Studienteilnehmer klinisch und immunologisch über einen längeren Zeitraum untersucht. Um jedoch keinem Patienten das Therapeutikum vorzuenthalten, werden in einer zweiten Badeserie die Patientengruppen getauscht. Die Betreuung der Studienteilnehmer und die angeschlossenen medizinischen Untersuchungen übernimmt ein Team um Dr. Gerhard Klein, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Dabei werden vor und nach der Badekur das Schmerzempfinden, die Herz-Kreislauf-Wirkung und der oxidative Stress erfasst und ausgewertet.

 

Um die osteoimmunologischen Veränderungen im Detail zu verfolgen, wird außerdem das Blut der Patienten engmaschig molekularbiologisch analysiert. Unter Leitung von Prof. Dr. Udo Gaipl und PD Dr. Benjamin Frey untersucht das Team der Erlanger Strahlen-Immunbiologie insbesondre, inwiefern sich der Immunstatus der Patienten temporär ändert. Dafür werden u. a. 26 verschiedene Immunzelltypen, ihre Anzahl und ihr Aktivierungszustand gemessen und Botenstoffe im Blutserum ermittelt, die mit Entzündungen und mit dem Knochenstoffwechsel zusammenhängen.

 

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Prof. Dr. Udo Gaipl

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12.01.2019 Montgomery: „Ausbau der sprechenden Medizin nicht nur fordern, sondern auch fördern“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 12.01.2019 – „Gut gemeint ist noch lange nicht gut
gemacht. Das trifft auch auf die mit dem Terminservice- und
Versorgungsgesetz vorgesehene gestufte Steuerung der
psychotherapeutischen Behandlung zu. Statt Engpässe in der
Versorgung zu beseitigen, werden neue Zugangsbarrieren für
Patienten geschaffen. Viel sinnvoller wäre es, bei den
Behandlungsstrukturen anzusetzen, sie zu stärken und die
psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung noch enger in den
somatischen Behandlungskontext einzubinden.“ Das sagte
Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery
im Vorfeld der öffentlichen Anhörung zum Terminservice- und
Versorgungsgesetz (TSVG).

Bei den Reformüberlegungen sollte auch und gerade der
spezifisch ärztlichen Expertise der Behandlung psychisch Kranker
besondere Aufmerksamkeit zukommen. Denn Patienten könnten
auf ein sehr breit gestuftes Angebot zurückgreifen, das von der
psychosomatischen Grundversorgung durch Haus- und Fachärzte
bis hin zur fachärztlichen psychiatrischen, psychosomatischen
und psychotherapeutischen Versorgung reiche. Dies sei umso
wichtiger, weil psychische Erkrankungen häufig mit
behandlungsbedürftigen somatischen Erkrankungen einhergingen
und sich beide wechselseitig sogar noch verstärken könnten.

Das im Entwurf des TSVG vorgesehene Modell der „gestuften und
gesteuerten Versorgung“ in der Psychotherapie sieht vor, dass
besonders qualifizierte Ärzte und psychologische
Psychotherapeuten in Voruntersuchungen festlegen, welches
Hilfe- oder Therapieangebot die Betroffenen wahrnehmen dürfen.
„Damit beschränkt der Gesetzgeber nicht nur die Wahlfreiheit der
Patienten, eine solche Regelung speziell für Menschen mit
psychischen Erkrankungen diskriminiert die betroffenen
Patientengruppen auch“, kritisierte Montgomery. Er forderte die
Streichung des entsprechenden Passus im TSVG.

Der Bundesärztekammer-Präsident stellte klar: „Die meisten
psychischen Erkrankungen sind gut behandelbar – aber sie
müssen eben auch behandelt werden. Andernfalls drohen
Chronifizierungen und schwere Verläufe. Deshalb sollten Politik
und Kostenträger den Ausbau der sprechenden Medizin durch
Haus- und Fachärzte nicht nur fordern, sondern auch fördern.“

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21.12.2018 Vorsorgliche Willensbekundungen - ÄK und ZEKO geben Hinweise und Empfehlungen zum Umgang mit Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 21.12.2018 – Der Umgang mit nicht einwilligungsfähigen
Menschen ist für Ärztinnen und Ärzte beruflicher Alltag, aber niemals
alltäglich. Vor allem wenn es darum geht, den Willen dieser
Patientinnen und Patienten zu eruieren, kann es zu Unsicherheiten bei
Ärzten und Angehörigen kommen. Vorsorglichen Willensbekundungen
kommen in diesen Situationen besondere Bedeutung zu.

Wie kann für den Fall der Einwilligungsunfähigkeit vorgesorgt werden?
Welche Arten von vorsorglichen Willensbekundungen gibt es und
welche rechtlichen Vorgaben sind zu beachten? Diese und weitere
Fragen beantworten Bundesärztekammer (BÄK) und Zentrale
Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (ZEKO) in ihren
aktualisierten „Hinweisen und Empfehlungen zum Umgang mit
Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen im ärztlichen Alltag“.
Diese sollen Ärzten, aber auch Patienten, eine grundlegende
Orientierung im Umgang mit vorsorglichen Willensbekundungen
geben. Zudem werden die zugrundeliegenden Rechtsvorschriften
verständlich dargestellt.

„Niemand muss seinen Willen vorsorglich bekunden. In bestimmten
Fällen kann es aber sinnvoll sein, wenn Ärzte gegenüber ihren
Patienten die Möglichkeiten vorsorglicher Willensbekundungen
ansprechen, zum Beispiel wenn in einem absehbaren Zeitraum der
Eintritt der Einwilligungsunfähigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit zu
erwarten ist“, erläutert Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank
Ulrich Montgomery. Die überarbeiteten Empfehlungen gäben hier eine
Hilfestellung.

Die Unterschiede der verschiedenen Instrumente vorsorglicher
Willensbekundung erklärt Prof. Dr. iur. Jochen Taupitz, Vorsitzender
der ZEKO: „Mit der Patientenverfügung entscheidet der Betroffene für
den Fall seiner zukünftigen Einwilligungsunfähigkeit selbst, welche
medizinischen Maßnahmen in bestimmten Situationen durchgeführt
werden sollen. Zusätzlich kann und sollte mit der Vorsorgevollmacht
und der Betreuungsverfügung ein Stellvertreter bestimmt werden, der
in der jeweiligen Situation im Sinne des Patienten entscheidet.“ Dabei
sei eine Vorsorgevollmacht am besten geeignet, um für den Fall der
eigenen Einwilligungsunfähigkeit dem Willen Geltung zu verschaffen.

Prof. Dr. jur. Volker Lipp, Mitglied im Ausschuss für ethische und
medizinisch-juristische Grundsatzfragen sowie gleichfalls in der ZEKO,
weist darauf hin, dass Patientenverfügungen konkrete Maßnahmen für
konkrete Situationen beschreiben sollten. Andernfalls seien sie „nur“
ein Hinweis auf den mutmaßlichen Willen. „Je nachdem, wie der
Patient formuliert, kann er aber auch seinem Vertreter einen
Entscheidungsspielraum einräumen“, ergänzt er.

Die Bundesärztekammer hatte erstmals im Jahr 1999 Handreichungen
für Ärzte zum Umgang mit Patientenverfügungen vorgelegt und diese
immer wieder überarbeitet. Die nunmehr erneut aktualisierten
Hinweise und Empfehlungen berücksichtigen insbesondere die
aktuelle Rechtsprechung. Die Gliederung wurde im Interesse der
besseren Handhabung leicht verändert sowie ein Inhaltsverzeichnis
vorangestellt.

Hinweise und Empfehlungen zum Umgang mit Vorsorgevollmachten
und Patientenverfügungen im ärztlichen Alltag

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18.12.2018 Eine Uniklinik für Niederbayern ist eine hervorragende Idee
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Eine Uniklinik für Niederbayern ist eine hervorragende Idee“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Vehement widerspricht der Präsident jedoch jüngsten Medien-berichten, die die künftigen Studienplätze am Campus Metten der österreichischen privaten wissenschaftlichen Hochschule Krems, die Bachelorstudiengänge für Angewandte Gesundheitswissenschaften an der Technischen Hochschule Deggendorf (THD), die Bachelor- und Masterstudiengänge am European Campus in Pfarrkirchen oder die Hebammenstudienplätze an bayerischen Hochschulen dazurechnen. Der Campus Metten sei mit einem universitären Medizinstudium nicht vergleichbar und die Gesundheitswissenschaften an der THD hätten mit der Ausbildung zum Arzt nichts zu tun. „Man kann die hier genannten Zahlen an Ausbildungsstätten für medizinische Berufe nicht einfach hochrechnen, wenn man auch die Hebammenplätze hinzuzählt“, so Quitterer.

Die Aussage in der Koalitionsvereinbarung zwischen CSU und FREIE WÄHLER laute: „Wir werden die Medizinerausbildung durch die Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 an die aktuellen Erfordernisse anpassen. Wir erhöhen die Zahl der Studienplätze um über 2.000 Plätze.“ Quitterer: „Ich begrüße die in einem gemeinsamen Antrag von SPD und FDP formulierte Forderung nach einer Medizinischen Fakultät in Passau.“ Zu überlegen ist, in welcher Form das geschehen kann – ob per Kooperation mit einer anderen, bereits existenten Universität (z. B. Erlangen/Bayreuth) oder einer eigenen Medizinischen Fakultät an einer Universität (bspw. Augsburg). Für die ärztliche Ausbildung reklamiert Quitterer wiederholt eine akademisch-universitäre Ausbildung. „Wir stehen vor einem dramatischen Problem der gesunkenen Studienplatzzahlen (seit der deutschen Wiedervereinigung) bei einem zeitgleichen Wandel des Arztberufes angesichts der demografischen Entwicklung sowie neuer Arbeitsbiografien“, so der Präsident. Es obliege dem Staat, Universitäten mit Medizinischen Fakultäten in ausreichender Anzahl bereitzustellen und zu finanzieren. Dies sei sein Bildungsauftrag und Teil seiner Daseinsvorsorge. „Wir benötigen eine universitäre Medizinerausbildung, weil wir in einem globalen Wettbewerb auf mehr und nicht weniger wissenschaftlich orientierten Inhalt und Fähigkeit zum Umgang mit sich überlagernden Themen setzen müssen“, so Bayerns Ärztechef abschließend.

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17.12.2018 Neues digitales Register für Demenz - Diagnostik und Versorgung von Patienten in Bayern verbessern
uni | mediendienst | forschung Nr. 111/2018

Jahr für Jahr steigt die Zahl der Menschen, die an Demenz erkranken. Um sie besser versorgen zu können, ihre Angehörigen zu unterstützen und den Langzeitverlauf von Behandlungen untersuchen zu können, startet im Januar 2019 das „Digitale Demenzregister Bayern (DigiDEM)“. Gefördert wird das Projekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), des Universitätsklinikums Erlangen und des Innovationsclusters Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg von der Bayerischen Staatsregierung. Den Förderbescheid über 2,2 Millionen Euro für die ersten zwei Jahre hat Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml nun in Nürnberg übergeben.


Mit derzeit 50 Millionen Betroffenen weltweit gilt die Demenz als eine große Herausforderung unserer Zeit. Allein in Bayern leben derzeit mehr als 240.000 Menschen mit Demenz. Aufgrund der demografischen Veränderungen kann bis 2030 von einem Anstieg auf 300.000 Patienten ausgegangen werden. Die zukünftige Versorgung und Pflege dieser Menschen stellt nicht nur für das Gesundheitssystem, sondern auch für die Gesellschaft eine der größten Herausforderungen dar. Dieser Herausforderung begegnet die Bayerische Staatsregierung mit der Umsetzung der ressortübergreifenden Bayerischen Demenzstrategie.

Patienten und ihre Angehörigen im Fokus

Der Versorgung von Menschen mit Demenz widmet sich das Forschungsprojekt „Digitales Demenzregister Bayern (DigiDEM)“, das im Januar 2019 startet und im Rahmen des Handlungsfelds "Grundlagen- und Versorgungsforschung" der Bayerischen Demenzstrategie gefördert wird. Ziele von DigiDEM sind die Bereitstellung digitaler Angebote für Menschen mit Demenz und kognitiven Beeinträchtigungen sowie die Einrichtung eines digitalen Wegweisers Demenz für Betroffene und deren pflegende Angehörige. Zusätzlich zielt DigiDEM darauf ab, eine digitale Unterstützungsplattform für das ehrenamtliche Engagement in der Betreuung von Menschen mit Demenz aufzubauen sowie eine digitale Form der Partizipation für die Bürgerinnen und Bürger Bayerns zu schaffen.

Register soll Erkenntnisse zur Versorgungsforschung liefern

DigiDEM baut auf den Ergebnissen des kürzlich durchgeführten Projekts „Bayerischer Demenz Survey (BayDem)“ mit insgesamt über 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (Menschen mit Demenz und pflegende Angehörige) auf. Über die Bereitstellung und Erforschung von digitalen Angeboten hinaus, soll DigiDEM die Versorgungsforschung im Bereich Demenz stärken. Ziel ist es deshalb, ein digitales Register in Bayern einzurichten, um unter anderem die klinische Komplexität und den Langzeitverlauf demenzieller Erkrankungen besser zu verstehen. Dazu werden flächendeckend Langzeitdaten zur Behandlung, Versorgung und Angebotsnutzung von Menschen mit Demenz sowie zur Belastung pflegender Angehöriger in allen sieben Regierungsbezirken Bayerns erhoben. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die Lebensverhältnisse der Menschen mit Demenz und ihrer pflegenden Angehörigen insbesondere in den ländlichen Regionen Bayerns zu verbessern.

DigiDEM ist ein Verbund bestehend aus der FAU, vertreten durch das Interdisziplinäre Zentrum für Health Technology Assessment und Public Health (Leitung: Prof. Dr. Peter Kolominsky-Rabas) und dem Lehrstuhl für Medizinische Informatik (Leitung: Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch), dem Uni-Klinikum Erlangen, vertreten durch das Zentrum für Medizinische Versorgungsforschung (Leitung: Prof. Dr. Elmar Gräßel) und dem Innovationscluster Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg (Vorstände: Prof. Dr. Erich R. Reinhardt und Prof. Dr. Jürgen Schüttler). Für den beantragten Bewilligungszeitraum 01.01.2019 – 31.12.2020 wird DigiDEM vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege mit 2,2 Millionen Euro gefördert.

Weitere Informationen in der Pressemeldung des Bayerischen Gesundheitsministeriums: https://www.stmgp.bayern.de/presse/22-millionen-euro-fuer-digitales-demenz-forschungsprojekt-bayerns-gesundheitsministerin/ 

Weitere Informationen:
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vom 17. Dezember 2018    

17.12.2018 DFG-Förderung für FAU-Forschungsgruppe - FAU-Wissenschaftler untersuchen die Grundlagen der rheumatoiden Arthritis
uni | mediendienst | forschung Nr. 110/2018

 Rheumatoide Arthritis (RA) zählt zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen und betrifft circa ein Prozent der Menschen weltweit. Wie bei anderen Autoimmunerkrankungen richtet sich hierbei das Immunsystem der Betroffenen fälschlicherweise gegen den eigenen Körper und greift Knochen und Gelenke an. Trotz großer Fortschritte in der Therapie ist bis heute keine vollständige Heilung möglich. Eine Forschergruppe am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) möchte nun die Frühphase der RA genauer untersuchen und verstehen lernen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert dieses Vorhaben der Erlanger Forscher zukünftig im Rahmen einer DFG Forschungsgruppe.
 
Ursachen erforschen

Warum bei RA Patienten eine gegen den Bewegungsapparat gerichtete Autoimmunreaktion entsteht und bei Betroffenen zu schmerzhaften Gelenksentzündungen führt, möchte die Forschungsgruppe „Pathways triggering Autoimmunity and Definig Onset of early Reumatoid Arthritis“ (FOR2886 PANDORA) eingehender untersuchen. Die FAU-Forscher um deren Sprecher Prof. Dr. Gerhard Krönke, Professor für Translationale Immunologie, und Dr. Mario Zaiss am Lehrstuhl für Innere Medizin III, möchten hierbei die Ursachen der Krankheit besser verstehen um neue therapeutische Angriffspunkte für Patienten zu identifizieren. Eine zentrale Frage hierbei ist auch der modulierende Einfluss der natürlichen Bakterienflora sowie verschiedener äußerer Faktoren wie beispielsweise Ernährung, Alkohol und Salzkonsum auf unser Immunsystem beziehungsweise die Entstehung dieser Autoimmunerkrankung.
 
Heilungsmöglichkeiten suchen
Die Krankheit und ihre Zusammenhänge auf kleinster, also molekularer und zellulärer Ebene zu verstehen, soll nicht nur neue effektivere und individuellere Therapiestrategien ermöglichen, sondern erstmals die Möglichkeit zur Heilung in greifbare Nähe rücken lassen. „Im Rahmen von PANDORA haben wir eine Studie geplant“, erklärt Prof. Krönke, „bei der wir durch die kombinierte Verabreichung mehrerer therapeutischer Eiweiße, sogenannter Biologika, das gegen den eigenen Körper gerichtete Immunsystem der Betroffenen neu programmieren wollen um zukünftig Chancen auf einen nachhaltigeren Therapieerfolg zu ermöglichen“.
Die geplante Förderdauer von PANDORA durch die DFG beträgt zwei mal drei Jahre. Mit vorerst 4 Millionen Euro für 3 Jahre werden hierbei insgesamt 10 Teilprojekte an der FAU und am Universitätsklinikum Erlangen gefördert.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Gerhard Krönke
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17.12.2018 Blaues Licht macht Schüler munter- Lichtstudie zeigt den Effekt von blauem und rotem Licht auf die Aufmerksamkeit von Jugendlichen
uni | mediendienst | forschung Nr. 109/2018

Abends im Bett noch das Handy in der Hand und sich dann wundern, warum es mit dem Einschlafen nicht klappt? Zahlreiche Studien haben sich schon mit den negativen Auswirkungen von abendlichem Medienkonsum auf den Schlaf von Jugendlichen befasst. Neben weiteren Gründen für schlechteren Schlaf, scheint auch das bläuliche Licht des Handy-Displays eine Rolle zu spielen, weil es dem aktivierenden Licht am Tagesanfang ähnelt. Während die Effekte von rotem und blauem Licht auf Erwachsene bereits relativ gut erforscht sind, gibt es kaum Studien mit Jugendlichen – bis jetzt. Denn: Ein Team um Dr. Petra Studer, Neurowissenschaftlerin, und PD Dr. Oliver Kratz, leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit (Leiter: Prof. Dr. Gunther Moll) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), verglich jetzt die Effekte von rotem und blauem Licht auf den Schlaf und auf das Aufmerksamkeitsvermögen Erlanger Schüler. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift „Physiology & Behavior“ (Vol. 199, S. 11–19).


Können sich Schüler besser konzentrieren und sind sie leistungsfähiger, wenn sie von einer bestimmten Lichtfarbe umgeben sind? Dieser Frage ging jetzt ein Studienteam um Dr. Studer und PD Dr. Kratz nach und verglich den Einfluss von rötlichem und blauem Licht auf Aufmerksamkeit und Schlafqualität. An dem Projekt der Kinderpsychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen nahmen rund 30 Gymnasialschüler im Alter zwischen 11 und 17 Jahren teil. An zwei Studientagen kamen sie jeweils morgens und abends ins „Lichtlabor“, ein Raum mit starker Ausleuchtung – einmal mit blauem Licht, einmal mit rotem. Nach 20 bis 60 Minuten in dieser Umgebung absolvierten die Jugendlichen Aufmerksamkeitstests, die zum einen das Rechen- und Leseverständnis abfragten und zum anderen die Aufmerksamkeitsleistung anhand eines computergestützten Tests erfassten.

Morgens blau, abends rot


Das Ergebnis der Forscher: Wie schon die Erwachsenen, zeigten auch die Schüler in blauer Lichtumgebung eine gesteigerte Aufmerksamkeitsleistung, gemessen an ihren Fehlern und der Konstanz ihrer Reaktionsgeschwindigkeit – in zwei von drei Aufmerksamkeitsaufgaben schnitten sie besser ab als unter rotem Lichteinfluss. Auf das Leseverständnis hingegen hatten die Lichtfarben keinen Einfluss. Warum aber machen unterschiedliche Lichtfarben einen Unterschied für die Aufmerksamkeit? „Die Lichtstimmungen sprechen unsere innere Uhr an, also den natürlichen Wechsel von Tag und Nacht“, erklärt Dr. Studer. „Bläuliches Licht ähnelt den Verhältnissen am Morgen und unser Gehirn stellt sich darauf ein, aktiv zu werden und einen Tag lang Leistung zu bringen. Rotes Licht hingegen erzeugt die innere Abendstimmung und signalisiert uns, dass wir zur Ruhe kommen sollen. Erste Ergebnisse der Studie zeigen bei Jugendlichen einen minimal verbesserten Schlaf nach rotem abendlichen Lichteinfluss im Vergleich zu blauem Licht.“

Dies erklärt auch, warum manche Menschen schlechter schlafen, wenn sie vor dem Zubettgehen noch ihr Handy benutzen: unter anderem aufgrund des blauen Lichts des Displays. Abends wird durch dieses Licht das Gehirn zum falschen Zeitpunkt stimuliert. Manche Hersteller bieten daher auch einen Nachtmodus für ihre Geräte an, der eher rote Farben abgibt und die Augen und das Gehirn beruhigen soll. Die Studie von Dr. Studer und Kollegen soll dazu anregen, die Wirkung von Licht auf die Aufmerksamkeit und den Schlaf bei Jugendlichen weiter zu untersuchen. Zum Beispiel könnten Beleuchtungen entwickelt werden, die gute Bedingungen für aufmerksames Lernen und gesunden Schlaf schaffen.

Die Studie ist zu finden unter: www.spektrum.de/news/konzentriert-dank-blauem-licht/1608654 


Weitere Informationen:
Dr. Petra Studer
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13.12.2018 TSVG: Gesetzgeber konterkariert seine eigenen guten Ansätze
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 13.12.2018 – „In Politik und Medizin gilt gleichermaßen:
Nur wenn die Diagnose stimmt, kann die Therapie anschlagen.
Leider ist beim geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetz
(TSVG) schon die Grundannahme falsch, dass vermeintliche
Versorgungsengpässe von unzureichenden Sprechstundenzeiten
herrühren. Richtig ist: Ärztinnen und Ärzte arbeiten schon jetzt am
Limit und oftmals auch darüber hinaus. Wer spürbare
Verbesserungen für die Patienten will, muss genau hier ansetzen
und für Entlastung sorgen.“ Das sagte Bundesärztekammer-
Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery zur heutigen ersten
Lesung des TSVG im Deutschen Bundestag. Notwendig seien
mehr Medizinstudienplätze, attraktive Arbeitsbedingungen und
nicht zuletzt wirksame Maßnahmen gegen Kommerzialisierung
und Konzernbildung im deutschen Gesundheitswesen. Darauf
sollte der Gesetzgeber abzielen, statt die Arbeit von Ärzten und
Selbstverwaltung mit Reglementierung und Kontrollbürokratie
weiter zu belasten.

Mit Blick auf die geplanten offenen Sprechstunden und die
Ausweitung der Mindestsprechstundenzeiten warnte
Montgomery: „Viele gute Ansätze in dem Gesetzentwurf werden
teilweise durch massive Eingriffe in die Praxisabläufe und in die
Arbeit der Selbstverwaltung konterkariert. Statt junge Ärztinnen
und Ärzte mit starren staatlichen Vorgaben für ihre
Berufsausübung zu vergraulen, brauchen wir flexible Lösungen,
die sich sowohl an den Bedürfnissen der Patienten, als auch an
denen der jungen Ärztegeneration orientieren.“ Solche
praxisnahen Regelungen könnten nur von der Selbstverwaltung


kommen. Dafür müsse ihr die Politik aber auch die notwendige
Gestaltungsfreiheit geben.

Positiv hob Montgomery hervor, dass mit dem TSVG zusätzliche
Leistungen auch zusätzlich vergütet werden sollen. „Damit nähern
wir uns der Entbudgetierung zumindest etwas an.“ Richtig sei
auch, dass der Gesetzgeber erste Weichenstellungen für ein
sektorenübergreifendes Konzept der Notfall- und Akutversorgung
vornimmt. Darauf könne und müsse man aufbauen.

Zumindest punktuell gehe die Koalition auch das Problem der
zunehmenden Konzernbildung im Gesundheitswesen an.
Hintergrund ist, dass Medizinische Versorgungszentren (MVZ)
neben Pflegeeinrichtungen mehr und mehr zu beliebten
Spekulationsobjekten für teilweise völlig fachfremde
Finanzinvestoren werden. Die Bundesärztekammer unterstützt
Forderungen der Bundesländer, die Vorgaben im TSVG zu
verschärfen und hat dies in einem gemeinsamen Schreiben mit
weiteren ärztlichen und zahnärztlichen Spitzenorganisationen an
das Bundesgesundheitsministerium bekräftigt. Die Ärzteschaft
spricht sich dafür aus, die Gründungsberechtigung von
Krankenhäusern für MVZ auf medizinisch-fachliche und räumliche
Bezüge einzugrenzen. Es gehe darum, Monopole zu verhindern
und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sagte
Montgomery.


Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

Ansprechpartner:
Alexander Dückers
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12.12.2018 DFG-Förderung für innovative Augenforschung FAU-Forschergruppe entwickelt Monitoring für Therapieansätze gegen neuroretinale Degeneration
uni | mediendienst | forschung Nr. 107/2018

Patientinnen und Patienten mit der Diagnose „erbliche Netzhautdystrophie“ erwartet ein schweres Schicksal. Aufgrund neuroretinaler Degeneration drohen ihnen der Verlust des Augenlichts und das zum Teil bereits in jungen Jahren. Um gen- und zellbasierte Therapien zur Behandlung der derzeit unheilbaren Erblindungskrankheiten in einem deutschlandweiten Netzwerk zu entwickeln, fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in einem Schwerpunktprogramm Experten aus der Sehforschung und der klinischen Ophthalmologie. Darunter ist auch die Forschergruppe um Prof. Dr. Jan Kremers und Dr. Cord Huchzermeyer an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die an der Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen tätigen Wissenschaftler erhalten eine Förderung von 400.000 Euro. Sie übernehmen in dem thematisch hochaktuellen Projekt einen wichtigen Beitrag bei der Entwicklung innovativer Verfahren zum Monitoring der neu entwickelten Therapien.

Die menschliche Netzhaut (Retina) ist ein komplexes Gebilde aus verschiedenen Zellen und Schichten. Ihre Aufgabe besteht darin, als sensorischer Teil des Auges Lichtreize in elektronische Impulse umzuwandeln und an den Sehnerv weiterzuleiten. Die Netzhaut macht aber noch viel mehr. Sie verarbeitet die Signale, damit Eigenschaften wie Farbe, Helligkeit und zeitliche Muster bereits dort codiert werden. Eine Erkrankung der Retina führt daher zu erheblichen Sehbehinderungen bis zur kompletten Erblindung. Viele dieser Erkrankungen wie beispielsweise Retinitis pigmentosa, Makuladegeneration sowie Stäbchen- und Zapfendystrophien sind erblich bedingt. 

Das Schwerpunktprogramm SPP 2127 „Gen- und zellbasierte Therapien zur Behandlung von neuroretinaler Degeneration“, ist interdisziplinär ausgerichtet und besteht aus einem deutschlandweiten Konsortium von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Augenheilkunde (Ophthalmologie), visuelle Wahrnehmung, molekulare Biologie, Gentherapie, Zelltherapie, Pharmakologie, Immunologie, Vektorologie und Physiologie. In den nächsten drei Jahren sollen mit einer Fördersumme von insgesamt etwa acht Millionen Euro und der Aussicht auf eine weitere Förderung über drei Jahre, Therapien für bisher nicht behandelbare erbliche Netzhauterkrankungen entwickelt werden. Parallel dazu werden klinische Untersuchungsmethoden etabliert, mit denen die Sehfunktion in bisher nicht gekannter Detailliertheit gemessen werden kann. Bei der Entwicklung dieser innovativen Verfahren zur Therapieüberwachung nimmt die Erlanger Forschergruppe eine wichtige Rolle ein.   

Neuartiges therapeutisches Messverfahren  in der Augenheilkunde

Die bereits in der Grundlagenforschung an der FAU entwickelten, validierten und etablierten Sehtests, mit denen die visuelle Wahrnehmung unter sehr genau beschriebenen Bedingungen – „Silent Substitution“ genannt – untersucht wird, sind bei Patienten in der Augenheilkunde bislang noch nicht zum Einsatz gekommen.  Die Technik beruht darauf, die Aktivitäten der Sehzellen und deren nachgeschalteten Nervenzellen in Wahrnehmungsversuchen mit Flimmerreizen bei gesunden Menschen und bei Patienten nach Zelltyp getrennt messen zu können. Die Trennung geschieht durch die Wahl der Farbe und Intensität der Reize. Die Wissenschaftler können dann die Antworten der Stäbchen oder einem der drei Zapfentypen isolieren. Wenn die Versuchsperson einen Reiz wahrnimmt, dann weiß das Forscherteam, dass die Wahrnehmung in dem isolierten Sehzelltyp entsteht. Wenn bei einer Messung die Schwelle – das heißt die Stärke eines Reizes, bei der die Versuchsperson das Flimmern gerade noch sieht – bei einem Patient im Vergleich zu einem Normalprobanden erhöht ist, schließen die Wissenschaftler daraus, dass die Sehbahn, die mit diesem Sehzelltyp verbunden ist, durch die Erkrankung betroffen sein muss. Auch zum Therapieerfolg lässt die Methode Aussagen zu. Denn eine erfolgreiche Behandlung muss im Umkehrschluss dazu führen, dass die Schwelle bei den therapierten Patienten wieder sinkt.

LEDs im Laboreinsatz

Die Reize werden mit einem Leuchtdioden-Stimulator erzeugt, der im Labor eigens für diese Zwecke angepasst und programmiert wurde und per Rechner extrem genau angesteuert werden kann. Leuchtdioden bieten den Vorteil,  dass ihre Farbe und Helligkeit sehr genau eingestellt werden kann. Diese Vorteile nutzt das Elektrophysiologie-Labor der Augenklinik auch für eine sehr genaue Messung der Wahrnehmungsschwellen. Sie ermöglichen detaillierte Aussagen bezüglich der Sehzellen und sogar der nachgeschalteten Sehbahnen. So ist mit den Versuchen nicht nur nachvollziehbar, wo und was sich in der Netzhaut krankheitsbedingt verändert hat, sondern auch, wie es sich verändert hat.

Die höchst präzise Methode der Erlanger Forschergruppe ermöglicht ein Monitoring der im Schwerpunktprogramm entwickelten Therapieansätze gegen neuroretinale Degeneration. Im Projektverlauf soll eine weitere Verfeinerung und Verbesserung des methodischen Ansatzes erfolgen. Daneben werden die Ergebnisse in die Grundlagenforschung eingebunden, um eine insgesamt noch bessere Beschreibung der Funktion der Netzhaut zu erhalten. Das klinische Langzeitziel besteht darin, die Methode auch bei anderen Erkrankungen wie Glaukom, aber eventuell auch Alzheimer oder Diabetes einzusetzen, um bei Patienten die Progression der Erkrankung zu verfolgen, aber auch Therapien zu testen. „Wir sind froh, dass unsere Arbeit aufgrund der engen Zusammenarbeit von Ärzten und Grundlagenforschern erfolgreich ist und wir uns damit eine exzellente Position in der klinischen Forschung in Deutschland und in diesem thematisch hochaktuellen Schwerpunktprogramm erarbeiten konnten“, erklärt Prof. Kremers und Dr. Huchzermeyer ergänzt: „Das Projekt zeigt sehr deutlich, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen klinischer und Grundlagenforschung möglich ist“.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Jan Kremers
Tel.: 09131/85-44595
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PD Dr. Cord Huchzermeyer
Tel.: 09131/ 85-44711
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10.12.2018 Vorstand der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft wiedergewählt
Pressemeldung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 10.12.2018 – Die ordentlichen Mitglieder der Arzneimittelkommission der
deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) haben auf ihrer Mitgliederversammlung am 07.12.2018
in Berlin ihren Vorstand gewählt. Vorsitzender ist der Berliner Internist, Hämatologe
und Onkologe Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, der seit 2007 dieses Amt innehat. Als
sein Stellvertreter wurde der Facharzt für Allgemeinmedizin Prof. Dr. Wilhelm
Niebling (Titisee-Neustadt) gewählt. Weitere Mitglieder des Vorstands der AkdÄ sind
der Gastroenterologe Prof. Dr. Daniel Grandt (Saarbrücken), der Klinische
Pharmakologe Prof. Dr. Bernd Mühlbauer (Bremen) und Frau PD Dr. Martina Pitzer,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (Eltville), die
ebenfalls bereits dem bisherigen Vorstand angehört hatten.

Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Dr. Max Kaplan, überbrachte die
Glückwünsche des Vorstands der Bundesärztekammer und würdigte die Arbeit des
Vorstands der AkdÄ. In seinen Worten hob er die wichtige Funktion der AkdÄ als
unabhängiger wissenschaftlicher Fachausschuss der Bundesärztekammer hervor.

In einer ersten Stellungnahme betonte Prof. Ludwig, dass die weitere Beteiligung an
den Verfahren zur Nutzenbewertung von neu zugelassenen Arzneimitteln und die
unabhängige Information der deutschen Ärzteschaft zur rationalen Pharmakotherapie
auch künftig die Arbeitsschwerpunkte der AkdÄ sein werden. Und auch die
Arzneimittel(therapie)sicherheit bleibt weiterhin ein wichtiges Ziel der Arbeit der
AkdÄ.

Ein Video-Interview mit Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der AkdÄ, können
Sie hier herunterladen: https://youtu.be/5kWNt1hm604.

Kontakt:
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
Geschäftsstelle
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Telefon 030 400456-500
Telefax 030 400456-555
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10.12.2018 Letzte Hoffnung für die kleine Ilanna - Aktion „Kinderherz-OP“ soll schwer herzkrankes Mädchen aus Kenia retten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 168/2018

Pressetermin am Donnerstag, 13. Dezember 2018, 14.00 Uhr

Über 6.000 Kilometer liegen zwischen dem ostafrikanischen Nairobi in Kenia und dem mittelfränkischen Erlangen. So weit musste die kleine, schwer herzkranke Ilanna reisen, um die Chance zu bekommen, von den Spezialisten der Kinderkardiologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Sven Dittrich) und der Kinderherzchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) des Universitätsklinikums Erlangen behandelt und operiert zu werden. Bei einer Notoperation in Erlangen am 16. November 2018 konnte der komplexe Herzfehler des kleinen Mädchens nur etwas korrigiert werden – die eigentliche große, lebensrettende Operation kann erst durchgeführt werden, wenn das Kind ein halbes Jahr alt ist und die Operationskosten von rund 30.000 Euro gedeckt sind. Im Rahmen der Aktion „Kinderherz-OP“ bitten die Kinderherz-Spezialisten des Uni-Klinikums Erlangen die Bevölkerung jetzt um Spenden für Ilanna.


Das Mädchen kam in Kenia per Not-Kaiserschnitt zur Welt. Als die Kleine sieben Wochen alt war, fing sie an, komisch zu atmen. Ilannas Tante Julian John berichtet: „Wenn meine Schwester Juliet sie stillen wollte, hat sie schlecht getrunken, immer geschnauft und geschwitzt. Es war sehr schwer, in Kenia einen Arzt zu finden, der die richtige Diagnose stellt. Schließlich sagte uns endlich ein Kardiologe, dass Ilanna einen tödlichen Herzfehler hat und schnell operiert werden muss.“ Julian John lebt seit 17 Jahren in Deutschland und arbeitet in Mainz als Altenpflegerin. Sie kontaktierte das Uni-Klinikum Erlangen und übernahm gemeinsam mit ihrem Mann die Reisekosten für ihre Schwester, die in Kenia nur ein kleines Einkommen hat. Nur dank der familiären Unterstützung konnten Juliet Mwema und Ilanna Ende Oktober nach Deutschland fliegen – da war das kleine Mädchen gerade einmal zweieinhalb Monate alt. Die zweijährige Schwester von Ilanna und ihr Vater mussten in der Zwischenzeit in Nairobi bleiben.

Lebensrettende Herz-OP muss mit sechs Monaten erfolgen

Mittlerweile ist Ilanna vier Monate alt. Sie leidet seit ihrer Geburt an einem komplexen Herzfehler: Ilanna hat einen Defekt der Scheidewand (AV-Kanal) und der Segelklappen zwischen den Herzvorhöfen und den Herzkammern und außerdem ein noch immer offenes Blutgefäß zwischen der Haupt- und der Lungenschlagader (Ductus arteriosus Botalli). Prof. Dr. Sven Dittrich, der Leiter der Kinderkardiologischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen, erklärt: „Über das offene Blutgefäß – den Ductus – umgeht das Blut die Lunge des Kindes während der Zeit im Mutterleib. Sauerstoff bekommt der Fötus in dieser Zeit über das Plazentablut der Schwangeren. Mit den ersten Atemzügen des Neugeborenen schließt sich dann eigentlich der Ductus und das Blut wird ab sofort über die Atmung des Babys mit Sauerstoff angereichert. Bei Ilanna hat sich der Ductus aber nicht geschlossen, sodass sich dadurch der Blutfluss im Lungenkreislauf gefährlich erhöhte.“

Ilannas Lunge wurde sozusagen mit einem hohen Blutvolumen „überflutet“. Um das Organ zu schützen, drosselte Prof. Dr. Robert Cesnjevar, Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen, in einem ersten Eingriff den Blutstrom und engte den Lungenkreislauf mit einem Bändchen um die Pulmonalarterie künstlich ein. „Um das Leben des Kindes zu retten, mussten wir diese Operation in den ersten Lebensmonaten durchführen. Durch den Eingriff geht es Ilanna vorerst entscheidend besser. Sie kann gestillt werden und hat etwas zugenommen. Die eigentliche rettende Korrektur-Operation können wir aber erst im Alter von sechs Monaten vornehmen“, erklärt Prof. Cesnjevar. „Dann wollen wir die beiden ‚Löcher‘ in Ilannas Herz verschließen, die fehlgebildeten Herzklappen rekonstruieren und das Bändchen, das momentan die Lungendurchblutung drosselt, wieder entfernen. Wir bereiten die OP vor, sobald wir sie finanzieren können.“ Wenn die Ärzte Ilannas Herzfehler erfolgreich korrigiert haben, kann das Mädchen ein normales Leben führen.

Einladung für Medienvertreter

Am Donnerstag, 13. Dezember 2018, um 14.00 Uhr werden Ilanna, ihre Mutter und ihre Tante erneut für eine Untersuchung in die Kinderkardiologie des Uni-Klinikums Erlangen kommen (Kinderkardiologische Hochschulambulanz im Erdgeschoss des C-Baus der Kinder- und Jugendklinik, Loschgestraße 15, 91054 Erlangen). Dann sind auch Film- und Fotoaufnahmen mit der Familie sowie Interviews mit den behandelnden Ärzten möglich. Um eine Anmeldung wird gebeten.

Aktion „Kinderherz-OP“

Die Aktion „Kinderherz-OP“ ist eine Initiative der Kinderkardiologischen Abteilung und der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen. Ziel der Initiative ist es, bedürftige, schwer herzkranke Kinder aus dem Ausland in Erlangen zu heilen. Als Anstalt des öffentlichen Rechts ist das Uni-Klinikum Erlangen dafür auf Spenden angewiesen. Die Gelder werden ohne Abzug von Verwaltungskosten, Kontogebühren oder Sonderhonoraren ausschließlich für die medizinische Behandlung verwendet.

Weitere Informationen: http://www.uker.de/kinderherzop
Spendenkonto:
Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach
IBAN: DE11 7635 0000 0000 0007 70
BIC: BYLADEM1ERH
Verwendungszweck: „Kinderherz-OP“

Bildmaterial zum Download gibt es unter: https://www.fau.de/files/2018/12/18_KE_KH_Ilanna_Maennel_Uni-KlinikumErlangen.jpg  

Bildunterschrift: Die kleine Ilanna zusammen mit ihrer Mutter Juliet Mwema. Die Folgen von Ilannas Herzfehler sind unter anderem eine Herzschwäche, Trinkstörungen und ein zu niedriges Körpergewicht. Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen

Weitere Informationen:

Für Journalisten
Johannes Eissing
Tel.: 09131 85-36102
presse@uk-erlangen.de
Aktion „Kinderherz-OP“
Tel.: 09131 85-33750
kinderherzop@uk-erlangen.de

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06.12.2018 Jahresbericht 2017/2018 der Prüfungskommission und der Überwachungskommission zur Prüfung der Herz-, Lungen-, Leber-, Nieren- und Pankreastransplantationsprogramme vorgelegt
Pressemeldung der Bundesärztekammer u.a.

Bundesärztekammer - Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern /
Deutsche Krankenhausgesellschaft/GKV-Spitzenverband

Überwachungskommission gem. § 11 TPG – Prüfungskommission gem. § 12 TPG
Berlin, 06.12.2018


Die für die Prüfung der Transplantationszentren in Deutschland zuständigen
Kontrollgremien von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKVSpitzenverband
haben bei der Vorstellung ihres Jahresberichtes 2017/2018 eine positive
Bilanz ihrer Arbeit gezogen. „In den Transplantationszentren hat in den vergangenen Jahren
ein wahrer Struktur- und Kulturwandel stattgefunden“, sagte der Vorsitzende der
Überwachungskommission, Prof. Dr. med. habil. Dr. h. c. Hans Lippert. Ursächlich für diese
positive Entwicklung sei nicht nur, dass jedes Zentrum bei Richtlinienverstößen mit Aufdeckung
und gegebenenfalls dienstrechtlichen und/oder strafrechtlichen Konsequenzen rechnen
müsse. Vielmehr trügen die bundesweiten Prüfungen auch zur Fehlerprävention bei.
„Mitunter kommt es aus bloßer Unkenntnis oder aufgrund von Missverständnissen zu
ungewollten Richtlinienverstößen. Deshalb ist es uns so wichtig, im ständigen Dialog mit
den Transplantationszentren zu bleiben, Hilfestellung zu leisten und gemeinsam mit den
Transplantationszentren, den Landesministerien und den Landesärztekammern eine offene
Fehlerkultur zu fördern“, so Lippert.
Um dem Auftrag des Gesetzgebers und dem besonderen Informationsinteresse der
Öffentlichkeit zu entsprechen, veröffentlichen die Prüfungskommission und die
Überwachungskommission unterjährig sämtliche Stellungnahmen zu bisherigen Prüfungen
in anonymisierter Form auf der Internetseite der Bundesärztekammer und fassen ihre
Ergebnisse einmal im Jahr in ihrem Jahresbericht zusammen.

Danach halten sich die meisten Kliniken in Deutschland an die Richtlinien der
Bundesärztekammer für die Organvergabe. So stellten Prüfungskommission und
Überwachungskommission im Bereich der Nieren-, Pankreas- und kombinierten Nieren-
Pankreastransplantation keine Auffälligkeiten fest. „Das bestätigt einmal mehr die positiven
Eindrücke, die wir in den letzten sechs Jahren gewinnen konnten“, sagte die Vorsitzende der
Prüfungskommission, Anne-Gret Rinder, Vorsitzende Richterin am Kammergericht i. R..
Auch im Bereich der Herz-, Lungen- und Lebertransplantationen wurde weit überwiegend
ordnungsgemäß und korrekt gearbeitet. „Hier kam es lediglich in einzelnen Zentren zu
Fehlern, die allerdings keine systematische Vorgehensweise erkennen ließen“, berichtete
Rinder. Hingegen stellten die Experten bei den Prüfungen des
Herztransplantationsprogramms am Universitätsklinikum Köln-Lindenthal und des
Lebertransplantationsprogramms am Universitätsklinikum Frankfurt/Main systematische
Unregelmäßigkeiten fest. Hierüber informierten die Kommissionen neben den Ärztlichen
Direktoren und den Landesärztekammern die zuständigen Landesbehörden und die
Staatsanwaltschaften.
Rinder stellte außerdem die Kompetenzen der Prüfungs- und der
Überwachungskommission in Abgrenzung zu den Kompetenzen und Befugnissen der
Staatsanwaltschaften dar. Der gesetzliche Auftrag der Kommissionen beschränke sich auf
die Feststellung von Verstößen gegen das Transplantationsgesetz und einschlägige
untergesetzliche Regelungen, wie die Richtlinien der Bundesärztekammer. Prüfgegenstand
sei die ordnungsgemäße Durchführung und Dokumentation der in diesem Zusammenhang
von den Transplantationszentren zu treffenden Maßnahmen, insbesondere die korrekte
Meldung zutreffender Daten an Eurotransplant, nicht aber die Überprüfung der ärztlichen
Indikationsstellung als solche. Nach der Weiterleitung festgestellter Unregelmäßigkeiten an
die zuständigen Behörden der Länder entschieden dann diese über weitere Schritte in
eigener Zuständigkeit und Prüfungskompetenz.

Prof. Dr. jur. Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation, wies
darauf hin, dass die Erkenntnisse aus der Arbeit der Prüfungs- und der
Überwachungskommission kontinuierlich in die Richtlinienarbeit der Bundesärztekammer
einfließen. „Wir lernen also aus der Praxis für die Praxis“, betonte Lilie und hob in diesem
Zusammenhang die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem
Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hervor.
„Durch die Genehmigung des BMG erhalten unsere Richtlinien ein juristisches Gütesiegel. Die Richtlinien der Bundesärztekammer sind damit eine verbindliche Grundlage für die Vielzahl der tagtäglich in den Transplantationszentren zu treffenden Entscheidungen.“

Prof. Dr. jur. Ruth Rissing-van Saan, Leiterin der Vertrauensstelle Transplantationsmedizin,
gab einen Überblick über die Arbeit der Vertrauensstelle. Deren Aufgabe ist es, auf
vertraulicher Basis Hinweise auf Auffälligkeiten im Bereich der Organspende und der
Organtransplantation entgegenzunehmen und in Kooperation mit der Prüfungskommission
und der Überwachungskommission zu klären. „Im vergangenen Jahr sind insgesamt 40
Eingaben bei der Vertrauensstelle eingegangen“, berichtete Rissing-van Saan. Neben
anonymen Anfragen sei die Vertrauensstelle auch von Beschäftigten in
Transplantationszentren sowie von anderen in das Transplantationsgeschehen
eingebundenen Stellen kontaktiert worden. Es seien insbesondere die Lebendorganspende
betreffende Fragestellungen, wie etwa die Zulässigkeit von Cross-over-Lebendspenden,
sowie Anfragen zur Wartelistenführung und Verteilungsgerechtigkeit bei postmortalen
Organspenden eingegangen. Weiterhin gingen Fragen zur medizinischen Versorgung von
Asylbewerbern ein sowie zur Zulässigkeit von Anschlussbehandlungen und zur Übernahme
der Kosten bei Transplantationen im Ausland.
Weitere Informationen unter: www.bundesaerztekammer.de/pkpruefergebnisse2018


06.12.2018 Neue Regelung für die Leichenschau
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer und des ÄKBV

„Die Leichenschau ist in der gültigen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) gnadenlos unterbewertet“, erinnert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Dies werde der Bedeutung einer qualifizierten Leichenschau, die nicht nur den Tod, sondern auch die Begleitumstände und die Ursachen feststellt, nicht gerecht. „Bei der Leichenschau handelt es sich um eine verantwortungsvolle und aufwändige ärztliche Tätigkeit. Die Leistung der Kolleginnen und Kollegen muss dringend mehr Wertschätzung erfahren“, so Quitterer. Werde der Arzt beispielsweise durch die Polizei zu einer Leichenschau gerufen, könne er dabei lediglich den einfachen Satz der Gebührenordnung in Höhe von 14,52 Euro ansetzen (Nr. 100 GOÄ) plus Wegegebühren. Zuschläge für eine Durchführung am Wochenende oder nachts könnten nicht berechnet werden, da sie in der Gebührenordnung nicht vorgesehen seien und die Nr. 100 keine zuschlagsberechtigte Ziffer sei. Quitterer fordert daher „eine adäquate Vergütung – jetzt“ und keine Vertröstung auf eine bessere Regelung in der anstehenden Novellierung der GOÄ, auf die die Ärztinnen und Ärzte seit 20 Jahren warteten. „Die Nr. 100 plus Wegegeld – das bildet die Anforderungen an die Todesfeststellung einfach nicht ab, was auch die Bundesregierung in einer Stellungnahme im Jahr 2016 befand“. Deshalb plädiert Bayerns Ärztechef bei der Leichenschau für „eine Herausnahme der Vergütung aus der GOÄ für Ärzte und für die Schaffung eines eigenen Rechtsrahmens“.

In München gebe es, so berichtet Dr. Christoph Emminger, Vorsitzender des Ärztlichen Kreis- und Bezirksverbandes (ÄKBV), auf Initiative des ÄKBV seit Jahren eine Gruppe von Ärztinnen und Ärzten, die sich mit hohem Engagement und regelmäßig zum Thema Leichenschau fortbilde und gleichzeitig sicherstelle, dass unverzüglich eine Ärztin/ein Arzt aus dieser Gruppe der Anforderung der Polizei, wenn diese eine Leichenschau veranlasse, nachkomme. „Das verringert in diesen Fällen die sonst häufig langen Wartezeiten für die Polizei und gewährleistet einen hohen Qualitätsstandard der Leichenschau, die meist unter sehr schwierigen Umständen und zu ungünstigen Zeiten stattfindet. Das Engagement dieser Ärztinnen und Ärzte zu Qualifikation, Fortbildung und zeitnah zu erbringender Leichenschau verdient höchsten Respekt aller, auch der Öffentlichkeit, der Politik und derer, die dafür Verantwortung tragen. Leider kommt dies derzeit auch noch nicht im Honorar für diese Arbeit zum Ausdruck“, so der ÄKBV-Vorsitzende, der auch die Bereitschaft von Prof. Dr. Oliver Peschel vom Institut der Rechtsmedizin der LMU, verantwortlich für Qualifikation und Fortbildung der Kolleginnen und Kollegen, ausdrücklich hervorhebt. Welche Bedeutung dieser sogenannte „Forensische Leichenschau-Dienst“ (FLSD) in und für München habe, wurde schlaglichtartig deutlich, als Münchner Printmedien im November 2018 berichteten: „Ein in München festgenommener Hilfspfleger steht unter sechsfachem Mordverdacht.“ Der Umstand, dass einer der Ärzte dieses FLSD den Toten gründlich untersuchte und einen Verdacht äußerte, führte zu weiteren Ermittlungen von Polizei und Gerichtsmedizin. „Es muss im Interesse der Öffentlichkeit und der Ermittlungsbehörden liegen, dass diese von der Polizei angeforderten Leichenschauen, auch künftig fachlich kompetent und qualitätsgesichert vorgenommen werden. Und es muss sich im Honorar widerspiegeln, da wir sonst riskieren, diese Ärztinnen und Ärzte zu verlieren“, so Emminger abschließend.
 
Bayerische Landesärztekammer
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05.12.2018 Koalitionsvertrag schwarz-orange
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Unter dem Titel „Für ein bürgernahes Bayern – menschlich, nachhaltig und modern“ heißt es in der Koalitionsvereinbarung 2018 bis 2023 zwischen CSU und FREIE WÄHLER: „4. Für eine menschliche Gesundheits- und Pflegepolitik“, was Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Leitartikel der Dezemberausgabe des Bayerischen Ärzteblattes folgendermaßen bewertet: „Der Abschnitt Gesundheitspolitik des Koalitionsvertrages ist grundsätzlich positiv; ich sehe aber auch Anlass für Kritik“.

Erfreulich sei das Bekenntnis zu einer flächendeckenden und wohnortnahen ärztlichen Versorgung. Auch die Ankündigung: „Wir werden die Medizinerausbildung durch die Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 an die aktuellen Erfordernisse anpassen. Wir erhöhen die Zahl der Studienplätze um über 2.000 Plätze. Für den Zugang zum Studium wollen wir eine Flexibilisierung und zusätzliche eignungsbezogene Zulassungskriterien, zum Beispiel eine Vorausbildung, baldmöglichst umsetzen“ lasse in dem Koalitionspapier aufhorchen. Mit Skepsis liest Quitterer hingegen: „Wir werden die Kommunen noch stärker in die Gesundheitsversorgung vor Ort einbeziehen. Wir wollen Kommunen dabei unterstützen, einen Beitrag für die medizinische Versorgung in ihrer jeweiligen Gemeinde zu leisten“. Quitterer: „Wir kennen doch bereits heute die Problematik, dass Kommunen eine Menge Geld in die Hand nehmen, um Vertragsarztsitze auszukaufen. So konterkariert eine eigentlich gut gemeinte Idee die Versorgungsrealität und junge, niederlassungswillige Ärztinnen und Ärzte bleiben außen vor“. Weniger konkret werde das Ganze dann beim Thema Krankenhäuser. Die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags müssten hier in den kommenden Monaten noch mit Leben gefüllt werden, biete der Text doch viel Raum für Interpretationen, gerade bei der Investitionsförderung.

„Das, was wir vor allem brauchen sind junge Leute, die in die Medizin und in die Pflege gehen. Sie benötigen Wertschätzung und die Anerkennung, dass sie ihre Aufgabe gut machen. Nicht aber kann die zukünftige Lösung sein, dass ärztliche Leistungen an die Pflege delegiert werden, da Pflege kein nichtärztlicher Assistenzberuf ist“, so der Präsident und reklamiert für die ärztliche Ausbildung weiterhin eine universitäre Ausbildung.

Mehr zu „Koalitionsvertrag schwarz-orange“ lesen Sie in der Dezemberausgabe 2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

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04.12.2018 Wissenschaftler entdecken „Gehirn-Hot-Spot“ für Medikamente gegen Angst
uni | mediendienst | forschung Nr. 104/2018

Erkenntnisse könnten zu einem neuen Therapieansatz führen

Bei der Funktionsweise von Psychopharmaka auf der Ebene neuronaler Netze sind bislang noch viele Fragen offen. Ein Team von Wissenschaftlern um Dr. Wulf Haubensak, Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien, und Prof. Dr. Andreas Hess, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), konnte nun einen neuronalen Kreislauf im Gehirn identifizieren, der eine wichtige Rolle bei Angstzuständen spielt – und zeigen, wie gewöhnliche psychiatrische Medikamente darauf wirken. Die Studie wurde nun in der Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry“ veröffentlicht*.

Angststörungen sind ein medizinisches Problem, das einen Großteil der Bevölkerung betrifft. Sie können mit einer Reihe von Psychopharmaka behandelt werden, darunter eine Gruppe von Substanzen, die als Benzodiazepine (BZDs) bezeichnet werden. BZDs werden seit 50 Jahren zur Behandlung von Patienten mit Angstzuständen eingesetzt, und ihre Wirkungsweise auf molekularer und zellulärer Ebene ist gut erforscht. Hingegen wissen Ärzte und Neurowissenschaftler noch wenig über die Wechselwirkungen zwischen den neuronalen Schaltkreisen, durch die BZDs ihre angstlösende Wirkung entfalten.

Ein Forscherteam um Dr. Wulf Haubensak vom IMP und Prof. Dr. Andreas Hess von der FAU hat jetzt eine Kombination innovativer Methoden, die Genetik, Informationen zu neuronalen Schaltkreisen und zur funktionellen Gehirnkartierung verknüpft, eingesetzt. Sie fanden heraus, dass BZD die Weiterleitung aversiver Signale durch die Amygdala, dem Mandelkern, stören und charakterisierten die betroffenen Schaltkreise.

„Angst entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Kreisläufe im Gehirn. In diesem Netzwerk haben wir einen entscheidenden biomedizinischen ‚Hot-Spot‘ identifiziert, der der angstlösenden Therapie zugrunde liegt ", sagt Dr. Haubensak. „Diesem Hotspot auf die Spur zu kommen, war nur möglich, indem Erkenntnisse über die Verbindungen von Neuronen im Gehirn, dem Konnektom, mit genetischen Techniken kombiniert wurden, die die funktionale Visualisierung und Manipulation bestimmter Neuronenpopulationen im Tiermodell ermöglichen – Methoden und Informationen, die dies ermöglich, stehen erst seit kurzem zur Verfügung.“

Die Wissenschaftler verglichen ihre an Mäusen gewonnenen Erkenntnisse mit funktionellen menschlichen Gehirnscans und fanden Hinweise darauf, dass die gleichen Mechanismen auch beim Menschen wirksam sind. Dies öffnet neue Perspektiven für die Entwicklung von Medikamenten.

Prof. Hess, Mitautor der Studie, betont die Wichtigkeit der funktionellen Bildgebung des Gehirns: „Nichtinvasive Bildgebung wie die Magnetresonanztomografie ist der Schlüssel für die Untersuchung neurobiologischer Funktionen auf der gesamten Gehirnebene. Wir haben dies mit neuartigen Datenanalyse-Strategien kombiniert, um die modulatorischen Auswirkungen kleiner neuronaler Schaltkreise zu charakterisieren, die eine wichtige Gehirnfunktion ausmachen – in diesem Fall Angst.“

„Da wir nun die exakten Netzwerke von Neuronen kennen, die den anxiolytischen Effekt von BZD vermitteln, können wir jetzt versuchen, sie gezielt zu erreichen. Dies könnte die Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung von Angstzuständen ermöglichen, ohne die Nebenwirkungen, die bei derzeitigen Anxiolytika üblich sind “, sagt Johannes Griessner, Doktorand und Erstautor der Studie und fügt perspektivisch an, wie die Ergebnisse in weiteren Studien verwendet werden könnten: „Die Psychiatrie benötigt eine starke biologische Basis, die gezielte therapeutische Interventionen ermöglicht. Unser Ansatz könnte als Blaupause für eine experimentelle Strategie dienen, mit der die Auswirkungen psychoaktiver Medikamente im Allgemeinen besser charakterisiert werden können. “

* https://doi.org/10.1038/s41380-018-0310-3

Mehr zum Haubensak Lab am IMP sowie zum Vienna BioCenter:
https://www.imp.ac.at/groups/wulf-haubensak/

http://www.viennabiocenter.org

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Andreas Hess
Tel.: 09131/85-22003
andreas.hess@fau.de

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03.11.2018 Bieten für berühmte Bären-Online-Auktionsportal versteigert Steiff-Teddys aus Privatsammlung zugunsten des Kinderpalliativteams
uni | mediendienst | aktuell Nr. 164/2018

Jahrelang sammelte Claudia Rübner aus Schwabach die berühmten Teddybären der Marke Steiff – bis sie beschloss, sich für einen guten Zweck von ihrer Sammlung zu trennen. Ihre Freundin Anja Kratschmer, die in der Hospizarbeit tätig ist, regte an, eine Aktion für Kinder zu organisieren. So werden die 52 Bären von Claudia Rübner mit einem geschätzten Gesamtwert von ca. 10.000 Euro jetzt nach und nach beim Charity--Auktionsportal United Charity versteigert. Den Erlös bekommt das Kinderpalliativteam der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher) des Universitätsklinikums Erlangen. Das Team betreut schwerst- und sterbenskranke Kinder und Jugendliche in ganz Mittel- und Oberfranken.

Stofftiere dürfen unter anderem aus hygienischen Gründen nicht direkt an kranke Kinder verschenkt werden. Am Ende sollen die kleinen Patienten aber doch etwas von den berühmten Bären haben. „Deshalb haben wir uns entschlossen, eine Online-Auktion auf die Beine zu stellen, alle Teddys einzeln zu begutachten, zu fotografieren und zu katalogisieren“, berichtet Michelle Dotzauer, Pädagogin im Kinderpalliativteam. So gibt es unter anderem mehrere Teddy-Weihnachtsmänner, ein Teddy-Ehepaar mit Brautkleid und Zylinder und einen Steiff-Bären mit Lederhose und Karohemd. Bei den Stofftieren handelt es sich überwiegend um limitierte Replikas, das heißt um „alte“ Teddybären, die die Firma Steiff als Vorlage genommen und in limitierter Auflage neu auf den Markt gebracht hat.

„Mit der Aktion wollen wir Sammler und große Steiff-Liebhaber ebenso erreichen wie Bieter, die einfach so etwas Gutes tun wollen. Es sollen sich möglichst viele an der Auktion beteiligen“, wünscht sich Michelle Dotzauer. Der Erlös kommt vollständig dem Kinderpalliativteam (Leitung: Dr. Chara Gravou-Apostolatou) des Uni-Klinikums Erlangen zugute. Zum Team gehören Kinderärzte und Pflegekräfte, Sozialpädagogen, Psychologen und Seelsorger. Jedes Jahr fahren sie Zehntausende von Kilometern zu unheilbar kranken Kindern und Jugendlichen, um sie zu Hause zu versorgen. Viele der betreuten Patienten sind an Krebs erkrankt, haben schwere Herzfehler oder angeborene Fehlbildungen. Auch Eltern und Geschwisterkinder leiden unter der Situation und werden vom Kinderpalliativteam psychologisch und seelsorgerisch mitbetreut. Ziel des Kinderpalliativteams ist es, den Betroffenen so lange wie möglich die größtmögliche Lebensqualität zu schenken.

„Wir sind auf Spenden wie die aus der Steiff-Bären-Auktion angewiesen, um zum Beispiel unsere Fahrzeuge zu unterhalten oder den Familien mit Kleinigkeiten eine Freude zu machen. Im Namen unserer kleinen und jugendlichen Patienten also ganz herzlichen Dank an Claudia Rübner und Anja Kratschmer“, sagt Dr. Chara-Gravou-Apostolatou zum Start der Versteigerung.

Link zur Auktion: https://www.unitedcharity.de/Specials/Steiff-Kuscheltiere

Bildmaterial gibt es unter:


https://www.fau.de/files/2018/12/18_KI_Steiffbaeren_presse_uniklinikum-erlangen_01.jpg 

Von Bären umzingelt: Prof. Rascher mit allen Steiff-Teddybären, die in der Online-Auktion versteigert werden. (Bild: Michelle Dotzauer/Uni-Klinikum Erlangen)

https://www.fau.de/files/2018/12/18_KI_Steiffbaeren_presse_uniklinikum-erlangen_02.jpg 

Unter anderem für diesen limitierten Steiff-Weihnachtsmann-Teddy mit Ponyschlitten kann ab jetzt online ein Gebot abgegeben werden. Weltweit gibt es ihn nur 4.000-mal. (Bild: Michelle Dotzauer/Uni-Klinikum Erlangen)

Weitere Informationen:
Dr. Chara Gravou-Apostolatou
Tel.: 09131 85-33118
chara.gravou-apostolatou@uk-erlangen.de



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30.11.2018 Spezialzentrum für seltene bösartige Tumoren gegründet
uni | mediendienst | aktuell Nr. 163/2018

Uni-Klinikum Erlangen etabliert Sarkomzentrum und wird damit Anlaufstelle für Betroffene im gesamten nordbayerischen Raum

Sarkome gehören zu den eher seltenen Krebsarten – in Deutschland erkranken jährlich etwa 2.000 Menschen an den bösartigen Tumoren des Weichgewebes oder des Knochens. Um betroffene Patienten umfassend und adäquat behandeln zu können, hat das Universitätsklinikum Erlangen seine jahrelange Erfahrung nun in einem Sarkomzentrum gebündelt. Der Leiter des neu gegründeten Zentrums, Prof. Dr. Robert Grützmann, erklärt: „Die vielen Strukturen, Tumorboards und spezialisierten Behandlungsverfahren, die wir in den vergangenen Jahren etabliert haben, bilden die ideale Basis für das Sarkomzentrum.“

Zentrale Kooperationspartner des interdisziplinären Zentrums sind neben der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) die Medizinische Kliniken 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath), die Medizinische Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mackensen), das Pathologische (Direktor: Prof. Dr. Arndt Hartmann) sowie das Radiologische Institut (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) und die Strahlenklinik (Direktor: Prof. Dr. Rainer Fietkau) des Uni-Klinikums Erlangen. Darüber hinaus besteht eine enge Zusammenarbeit mit Gynäkologen, Dermatologen, Nuklearmedizinern, Kinderonkologen sowie mit Psychoonkologen, dem Sozialdienst, Physiotherapeuten, Palliativmedizinern, Humangenetikern und Studieneinheiten. Von großer Bedeutung ist außerdem das Mitwirken von Plastischen Chirurgen und Gefäßchirurgen.

Dass im Erlanger Sarkomzentrum viele Spezialisten vereinigt sind, zeigt sich auch darin, dass die Ausarbeitung der weltweit ersten S3-Leitlinie – also der Empfehlung höchster wissenschaftlicher Qualität – derzeit unter Beteiligung von drei Medizinern des Uni-Klinikums Erlangen erfolgt: Neben Prof. Dr. Robert Grützmann gehören Dr. Rolf Janka, Radiologie, und Prof. Dr. Abbas Agaimy, Pathologie dazu.

Gute Chancen auf Heilung


Das Zusammenwirken verschiedener medizinischer Disziplinen ist deshalb wichtig, weil Sarkome an jeder Körperstelle auftreten können und schon die Diagnose schwierig ist, da sich die Tumoren oft als harmlos aussehende Schwellung zeigen. Sarkom ist der Oberbegriff für ca. 100 verschiedene Tumorarten. Viele treten als Folge von Mutationen auf, ohne dass ein Auslöser für diese ausgemacht werden kann. Dabei verändert sich das Erbgut der Zellen und ihr Wachstum gerät außer Kontrolle. Anders als bei anderen Krebsarten gibt es daher auch keine klassischen Risikofaktoren, die es im Vorfeld zu vermeiden gilt. Wird der Krebs frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen gut. Die Patienten des Sarkomzentrum Erlangen werden im täglich stattfindenden Tumorboard interdisziplinär besprochen, um die optimale Therapie für jeden Patienten individuell auszuwählen. Die Behandlung für jeden Einzelfall ist komplex sowie multimodal und kann deshalb nur in einem spezialisierten Zentrum erarbeitet und durchgeführt werden.

Zertifizierte Qualität


Aufgrund des seltenen Vorkommens von Sarkomen gibt es deutschlandweit nur wenige Spezialzentren. Das Sarkomzentrum des Uni-Klinikums Erlangen ist zudem eines von wenigen, das bereits einen Zertifizierungsprozess der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) durchläuft. Eine Begehung durch die Auditoren hat bereits stattgefunden und Anfang 2019 wird das Verfahren voraussichtlich positiv abgeschlossen.

Ausführliche Informationen zum Sarkomzentrum: http://www.sarkomzentrum.uk-erlangen.de.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Robert Grützmann
Tel.: 09131/85-33855
robert.gruetzmann@uk-erlangen.de

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29.11.2018 Welt-Aids-Tag 2018: „Eine Impfung wäre der wirksamste Schutz“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 161/2018

Neue Impfstoffe sollen bis 2020 am Menschen getestet werden

Weltweit leben 36,9 Millionen Menschen mit HIV, dem Humanen Immundefizienz-Virus, aus dem sich die Immunschwächekrankheit Aids entwickelt. Rund 1,8 Millionen HIV-Infizierte kamen allein im Jahr 2016 dazu. In Deutschland sind 88.400 Menschen mit dem Virus infiziert, in Bayern sind es mehr als 11.700 „Aids ist immer noch nicht heilbar und erfordert eine Therapie bis zum Lebensende“, erklärt Prof. Dr. Klaus Überla, Direktor des Virologischen Instituts des Universitätsklinikums Erlangen, anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember 2018. Weil lebenslange HIV-Therapien, die 15.000 Euro jährlich kosten, in vielen Regionen der Welt kaum finanzierbar sind, haben HIV-Impfstoffe eine große Bedeutung.

„HIV-Infektionen und Aids werden nicht mehr als großes gesellschaftliches Problem wahrgenommen. Und das, obwohl die Ansteckungsgefahr gleichbleibend hoch ist“, beklagt Prof. Überla. „Die Menschen sind unvorsichtig geworden. Mehr als jeder Tausendste ist bundesweit HIV-infiziert – das ist mehr als jemals zuvor.“

Angesichts der konstanten Ansteckungsgefahr sind HIV-Impfstoffe dringend nötig. Prof. Überla erforscht sie seit über 20 Jahren. „Um einen wirksamen Impfstoff generieren zu können, müssen wir zum einen besser verstehen, wie bestimmte Proteine an der Oberfläche des HI-Virus funktionieren, die Angriffspunkt für wirksame Antikörper sind. Zum anderen brauchen wir die Unterstützung der körpereigenen T-Helferzellen – also eben jener Immunzellen, die das HI-Virus befällt und zerstört“, so der HIV-Experte. „Es gibt viel Aufklärung über Aids, Schutzmaßnahmen wie Kondome und für Nicht-Infizierte mit einem hohen Ansteckungsrisiko sogar vorbeugende PrEP-Medikamente (HIV-Prä¬ex¬positions¬prophylaxe), die aber eine regelmäßige Tabletteneinnahme voraussetzen. Doch eine Impfung wäre nach wie vor der wirksamste und kostengünstigste Schutz vor Aids, allen voran für die Menschen in Afrika. Allerdings schützt der beste bisher getestete Impfstoff nur zu 30 Prozent – wir arbeiten an einer deutlichen Steigerung.“

Prof. Überla ist als Erlanger Experte auch im Konsortium EAVI2020 (European Aids Vaccine Initiative) vertreten, das im November 2015 an den Start ging und in dem seit drei Jahren Wissenschaftler aus 22 Institutionen und Unternehmen in Europa, Australien, Kanada und den USA ihr Wissen zu HIV bündeln. Ihr Ziel ist es, präventive und therapeutische Impfstoffe zu entwickeln. Bis 2020 sollen die ersten experimentellen Vakzinen am Menschen getestet werden. „Zur Verbesserung der HIV-Impfstoffe nutzen wir Immunantworten, die von bereits zugelassenen Impfstoffen hervorgerufen werden“, erklärt Klaus Überla. „Zuerst arbeiteten wir mit dem Impfstoff gegen Tetanus, aktuell machen wir uns die Wirkung der Hepatitis-B-Impfung zunutze. Die Idee ist, nicht bei jeder Impfung von vorn zu beginnen, sondern bereits bestehende Immunantworten für unsere Zwecke ,einzuspannen‘.“ Existierende Impfstoffe aktivieren die T-Helferzellen des Körpers – wichtige Zellen des Immunsystems, die Viren, Bakterien und Parasiten erkennen. Die T-Helferzellen identifizieren körperfremde Eindringlinge anhand bestimmter Eiweiße auf deren Oberfläche. Ziel ist es, diese Erkennungsmechanismen in einen HIV-Impfstoff einzubauen und so auch die Immunantwort gegen das HI-Virus zu verbessern.

Hintergrund: HIV und Aids

Über 90 Prozent der HIV-Neuinfektionen in Deutschland gehen laut Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf eine sexuelle Übertragung zurück. Vor allem Männer, die mit Männern Sex haben, sowie Menschen, die aus Ländern mit einer hohen HIV-Verbreitung stammen, sind gefährdet. Kondome spielen als Schutzmaßnahme gegen HIV eine zentrale Rolle, weil sie verhindern, dass potenziell infektiöse Flüssigkeiten in den Körper gelangen. Eine besonders hohe Ansteckungsgefahr besteht zu Beginn einer Infektion – dann, wenn sich die HI-Viren im Körper sehr stark vermehren. Gerade in dieser Anfangsphase wissen die meisten Menschen noch gar nicht, dass sie infiziert sind und andere leicht anstecken können. In Deutschland ist Hochrechnungen zufolge 12.700 Menschen nicht bekannt, dass sie HIV haben. Im Jahr 2016 nahmen bundesweit 64.900 Menschen HIV-Medikamente ein, um den Ausbruch von Aids zu verhindern – das sind 86 Prozent derer, die eine HIV-Diagnose erhalten haben.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Klaus Überla
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klaus.ueberla@uk-erlangen.de

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29.11.2018 Welt-Aids-Tag 2018 am 1. Dezember 2018
Pressemeldung Kreisverband Erlangen

Weltweit leben etwa 36,7 Millionen Menschen mit HIV (Humane Immundefizienz-Virus). Rund 1,8 Millionen kamen allein im Jahr 2016 dazu. In Deutschland sind geschätzt 88.400 Menschen mit HIV infiziert.
„Aids ist immer noch nicht heilbar und erfordert eine lebenslange Therapie“, erklärt Prof. Dr. med. Klaus Überla, Direktor des Virologischen Institutes des Universitätsklinikums Erlangen, anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember. Da lebenslange HIV Therapien in vielen Regionen der Welt kaum
zu finanzieren sind, kommt der Entwicklung von HIV-Impfstoffen eine besondere Bedeutung zu.

Der Welt-Aids-Tag soll dafür sensibilisieren, wie wichtig ein Miteinander ohne Vorurteile und Ausgrenzung ist und aufzeigen, dass wir alle gut zusammenleben können. HIV-Infektionen und Aids würden in der Öffentlichkeit fälschlicherweise kaum mehr als gesellschaftliches Problem wahrge-
nommen. „Die Ansteckungsgefahr durch Aids ist unverändert hoch“, betont Dr. Florian Schuch, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes Erlangen, „viele sind sich dieser Tatsache aber nicht bewusst“. Über 90 Prozent der Neuinfektionen in Deutschland gehen laut Angaben der Bundes-
zentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf eine sexuelle Übertragung zurück. Vor allem Männer, die mit Männern Sex haben, sowie Menschen, die aus Ländern mit einer hohen HIV-Verbreitung stammen, sind durch HIV gefährdet. Mit „Safer Sex“ könne man sich vor HIV schützen
und senke zudem das Risiko, sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) anzustecken. Kondome spielten dabei eine zentrale Rolle, denn diese könnten beim Sex verhindern, dass möglicherweise infektiöse Körperflüssigkeiten in den Körper gelangen. Kondome schützen
aber nur dann richtig, wenn sie die richtige Größe haben und korrekt angewendet werden. Eine besonders hohe Ansteckungsgefahr bestehe zu Beginn einer Infektion, dann vermehrten sich die
HI-Viren im Körper sehr stark. Gerade in dieser Anfangsphase wissen die meisten Menschen noch
gar nicht, dass sie infiziert sind und dass sie andere Menschen beim Sex besonders leicht anstecken könnten. Die beste Möglichkeit, um eine Ansteckung zu vermeiden, ist sich über Risiken und Schutzmöglichkeiten zu informieren, mit seinem Partner oder seiner Partnerin darüber zu reden
und sich entsprechend zu schützen. Eine weitere Möglichkeit, HIV-Infektionen zu verhindern, ist die sogenannte Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP). Dabei nehmen nicht infizierte Menschen mit einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ein HIV-Medikament ein. Allerdings können dabei zum Teil ernste Nebenwirkungen entstehen, deshalb sollte eine PrEP nur mit ärztlicher Begleitung erfolgen. Eine PrEP schütze auch nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Ausführliche Infos gibt es im
Internet auf den Seiten

www.liebesleben.de
und
www.gib-aids-keine-chance.de/

Ärztlicher Kreisverband Erlangen    Bauhofstraße 6     91052 Erlangen
www.aekv-erlangen.de

29.11.2018 Vortrag am, 10. 12. 2018 : Warum sind Pflanzen so virtuose Chemiker?
Pressemeldung der FAU

 10. Dezember, 18.30 bis 20 Uhr, Energie Campus Nürnberg (EnCN), Fürther Straße 250, Forum 2. Obergeschoss, Nürnberg

Woher kommen eigentlich Morphin, Codein, Chinin, Taxol, Vinblastin und andere wichtige Arzneistoffe? Dieser Frage geht Prof. Dr. Wolfgang Kreis, Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologe der der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wissenschaft auf AEG“ am Montag, 10. Dezember, nach.

Tatsächlich werden die genannten Arzneimittel auch in unserer modernen Zeit noch aus Pflanzen isoliert. Denn die chemische Synthese dieser Stoffe ist zwar grundsätzlich möglich, allerdings viel zu aufwändig. Pflanzen bilden eine Vielzahl von Naturstoffen, die auch potenzielle Arzneistoffe darstellen. Etwa zweihunderttausend davon sind schon in ihrer chemischen Struktur aufgeklärt. Welche Vorteile bieten solche Stoffe den Pflanzen? Über welche Synthesepläne und -maschinerien verfügen sie? Wie können mit der limitierten Menge von Informationen, die im Erbgut festgeschrieben sind, immer wieder neue Naturstoffe gebildet werden? Prof. Kreis erläutert in seinem Vortrag, wie neue Erkenntnisse zu „latenten Stoffwechselvorgängen“, „stummen Metaboliten“ und „promisken Enzymen“ dazu beitragen, das ständige Entstehen und auch Verschwinden pflanzlicher Naturstoffe zu begreifen. Zudem erfahren die Gäste, wie dieses Wissen biotechnologisch nutzbar gemacht wird.

Alle Termine und Themen der Reihe im Überblick: www.wissenschaft-auf-aeg.de.

Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU, Tel.: 09131/85-70229, presse@fau.de

 

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27.11.2018 Ausstellung: Der Schatz auf einem Erlanger Dachboden -mehr als 1000 historische Briefe des Mediziners Johann Lukas Schönlein (1793-1864)
uni | mediendienst | aktuell Nr. 159/2018

2. bis 16. Dezember, 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr, Eröffnung am 30. November, 17.00 Uhr, Universitätsbibliothek, Schuhstr. 1a, Erlangen

Überraschung beim Aufräumen: Im Spätsommer 2017 taucht auf einem Erlanger Dachboden ein wahrer Schatz auf – mehr als 1000 historische Briefe des Mediziners Johann Lukas Schönlein (1793 bis 1864). Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben die Schreiben untersucht und präsentieren ihre Erkenntnisse in einer Ausstellung mit herausragenden Fundstücken sowie in einem Symposium. Die Ausstellung „Der Schatz auf einem Erlanger Dachboden“ wird am Freitag, 30. November, um 17 Uhr im Neubau der Universitätsbibliothek Erlangen (UB) eröffnet – am 225. Geburtstag Johann Lukas Schönleins. Von 2. bis 16. Dezember ist die Schau täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Das öffentliche Symposium findet am Samstag, 1. Dezember, im Altbau der UB, Universitätsstr. 4 in Erlangen, von 10 bis 16 Uhr statt.

Der Bamberger Johann Lukas Schönlein hatte Professuren in Würzburg, Zürich und Berlin inne und gilt in der Medizingeschichte als die zentrale Figur des Übergangs einer von der Schelling‘schen Naturphilosophie inspirierten zu einer explizit auf naturwissenschaftlichen Verfahren und Erkenntnisweisen beruhenden Medizin. Zu den besonderen Problemen der Schönlein-Forschung gehört indes, dass Schönlein seine wesentlichen Arbeiten nicht publiziert hat – zu den zentralen Dokumenten seiner klinischen Methode gehören von seinen Hörern publizierte Vorlesungsmitschriften, deren Authentizität Schönlein vehement bestritt. Umso wichtiger ist die Korrespondenz des Mediziners. Der Nachlass des Begründers der „deutschen Klinik“ mit den an Schönlein gerichteten und von ihm empfangenen Schreiben aus dem Kollegen-, Patienten- und Familienkreis galt bislang als verschollen – und ist nun im Umfang von über 1000 Schreiben unerwartet auf einem Erlanger Dachboden aufgetaucht. Eine kleine Arbeitsgruppe am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin um Prof. Dr. Renate Wittern-Sterzel und Prof. Dr. Fritz Dross sowie an der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie um Prof. Dr. Bernhard Manger hat den Bestand gesichtet und ausgewertet.

Das komplette Programm für die Ausstellungseröffnung sowie zum Symposium: https://www.igem.med.fau.de/2018/11/26/der-schatz-auf-einem-erlanger-dachboden-ausstellung/.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Fritz Dross, Tel.: 09131/85-26433, fritz.dross@fau.de 

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27.11.2018 Entlassmanagement reformieren und verschlanken
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Die seit 2017 bestehende gesetzliche Regelung des Entlassmanagements ist viel zu kompliziert und nicht zielführend“, ist Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) überzeugt. Ärztinnen und Ärzten in Praxen und Krankenhäusern werde wertvolle Zeit für die Behandlung ihrer Patienten geraubt. Quitterer wünscht sich beim Entlassmanagement vor allem „weniger Bürokratie und ein früheres Einbinden des Hausarztes und seines Praxisteams“. Die Regelungen hätten einen gesetzlich verordneten bürokratischen Ballast statt einer gut funktionierenden Kommunikation erbracht, was keinen Mehrwert für die Patienten darstelle.
„Das Entlassmanagement ist ein schlechtes Signal für unsere Bemühungen um eine Verbesserung der sektorenverbindenden Versorgung unserer Patienten“, meint der Präsident und weiter: „Was wir benötigen sind keine Übergriffe in die jeweils andere Versorgungsebene, sondern vielmehr frühzeitige gegenseitige Kommunikation – auch unter Zuhilfenahme digitaler Vernetzung“.

Alle Beteiligten wüssten nur allzu genau, dass ein gut organisierter und strukturierter Übergang, beispielsweise von der stationären in die ambulante Versorgungsebene, sowohl im Interesse der Patienten als auch der behandelnden Ärzte, unverzichtbar sei. „Der vom Gesetzgeber festgelegte Prozess eines strukturiertes Entlassmanagement schießt jedoch weit über das Ziel hinaus, ist zu umfassend und zu bürokratisch“, so Quitterer. „Ich begrüße eine patientenfreundliche Lösung, die vorsieht, dass jeder Patient im Krankenhaus Anspruch auf das Entlassmanagement hat. Der tatsächliche Umfang des Entlassmanagements – z. B. ob die Verschreibung eines Heil- oder Hilfsmittels sofort notwendig ist – ist ja auch abhängig von der individuellen Patientensituation“, ergänzt der BLÄK-Präsident.
Grundlage des Entlassmanagements ist der Rahmenvertrag zwischen GKV-Spitzenverband, Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG), der seit dem 1. Oktober 2017 gilt. Diesem Vertrag zufolge müssen die Krankenhäuser ein standardisiertes Entlassmanagement in multidisziplinärer Zusammenarbeit sicherstellen. Dafür müssen sie zum Beispiel die schriftliche Einwilligung der Patienten einholen, die zu ihrer Entlassung einen Entlassbrief erhalten müssen. Dabei geht es ebenso um die Versorgung mit Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln für einen kurzen Zeitraum nach der Entlassung.

Pressestelle
Bayerische Landesärztekammer

Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de
www.blaek.de

20.11.2018 Ökonomisierung im Gesundheitswesen - Patientenversorgung unter Druck
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin, 20.11.2018 - „Ökonomisches Handeln hat in unserem Gesundheitswesen
seine Berechtigung. Aber die Ökonomie muss den Zielen der Medizin dienen –
und nicht umgekehrt.“ Das sagte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK),
Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, zur Eröffnung der Tagung „BÄK im Dialog -
Patientenversorgung unter Druck“ am vergangenen Samstag in Berlin.
Vertreter aus Klinik und Praxis sowie aus Wissenschaft, Wirtschaft und Selbstverwaltung
diskutierten Dimension und Folgen der Kommerzialisierung im deutschen Gesundheitswesen sowie den Umgang mit ihr.

„Eine qualitativ hochwertige Versorgung in Stadt und Land bedingt, dass Monopole
vermieden und der freiberufliche Charakter der ärztlichen Tätigkeit sowie die
Wahlfreiheit der Patienten erhalten werden“, sagte Montgomery mit Blick auf
Übernahmen von Gesundheitseinrichtungen durch sogenannte Private-Equity-
Gesellschaften. „Wir brauchen Regelungen, mit denen die Größe von
Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Ketten auf ein für die Versorgung
sinnvolles Maß begrenzt wird. Vorstellbar ist auch eine zeitliche Begrenzung der
Zulassung von MVZ.“

Deutschland sei erst am Anfang einer Entwicklung, die in anderen Ländern schon
weiter fortgeschritten ist, berichtete Dr. Franz-Robert Klingan von der
Unternehmensberatung Bain & Company. „Viele Private-Equity-Fonds wollen die
Wachstumschancen in der Gesundheitsbranche nutzen, die sich aus der
Demografie, dem anhaltenden Kostendruck und der eingesetzten Konsolidierung
ergeben.“ Aus seiner Sicht wird Regulierung im Gesundheitswesen auch weiterhin
eine große Rolle spielen. Sie wird sich aber an den Bedürfnissen der Beteiligten
orientieren müssen, um qualitätsgerechte Versorgung zu sichern.

Prof. Dr. Georg Marckmann, Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und
Theorie der Medizin der Ludwig-Maximilians-Universität München, forderte eine
„ethisch verantwortete Ökonomie“. Dies bedürfe einer konzertierten Aktion von
Gesundheitspolitik, Krankenhausträgern und Ärzteschaft. Wie sich die zunehmende
Ökonomisierung in der Medizin auf besonders schutzbedürftige Patientengruppen
auswirkt, erläuterte Dr. Annic Weyersberg vom „Cologne Center for Ethics, Rights,
Economics, and Social Sciences of Health“ der Universität zu Köln am Beispiel der
Kinderheilkunde. Die mehrdimensionale Vulnerabilität von Kindern verlange ein
besonderes Maß an Fürsorge und Gesundheitsförderung. Ausreichende
Sicherstellungszuschläge sowie eine Anpassung des Fallpauschalensystems in den
Kliniken sind aus ihrer Sicht mögliche Wege. Auch Prof. Dr. Paul Ulrich Unschuld
von der Charité – Universitätsmedizin Berlin warnte vor den Folgen der
Kommerzialisierung: „Das System droht zu entgleisen.“ Diagnose, Therapie und
auch die Prävention würden zunehmend dem Diktat einer Industrialisierung der
Abläufe und der Strukturen unterworfen.

„Für uns klinisch tätige Ärzte ist der ökonomische Druck durch Benchmarking und
Zielvorgaben sowie Arbeitsverdichtung und Personalabbau täglich spürbar“,
berichtete BÄK-Vorstandsmitglied Dr. Susanne Johna. Sie forderte einen
„Strategiewechsel“ der Politik. Der Fokus müsse auf eine bedarfsorientierte
Versorgung, statt auf die Reduktion der Kosten gelegt werden. Ihre BÄKVorstandskollegin
Dr. Heidrun Gitter ging auf sogenannte Zielvereinbarungen in
Chefarztverträgen ein und berichtete über die Arbeit der eigens hierfür
eingerichteten Koordinierungsstelle bei der Bundesärztekammer.
„Zielvereinbarungen können sinnvoll sein, etwa wenn sie die Verbesserung der
Versorgungsqualität und der Abläufe oder die Nutzung von Beinahe-
Fehlermeldesystemen zum Inhalt haben. Problematisch wird es dann, wenn
Zielvereinbarungen dazu führen, dass ärztliche Entscheidungen zu Lasten des
Patienten beeinflusst werden."
Dr. Ellen Lundershausen, ebenfalls Mitglied im Vorstand der Bundesärztekammer, richtete den Blick auch auf die eigenen Reihen und appellierte an die Chefärzte und Weiterbilder, Haltung zu zeigen. „Wenn junge Ärzte einen kritischen Chef haben, werden sie selbst einmal kritischer gegenüber
der Geschäftsführung auftreten“, sagte sie.

Diese Pressemitteilung finden Sie auch im Internet unter www.bundesaerztekammer.de
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.baek.de
presse@baek.de

16.11.2018 Bundesärztekammer beschließt neue (Muster-) Weiterbildungsordnung für Ärztinnen und Ärzte in Deutschland
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 16.11.2018 - Der Vorstand der Bundesärztekammer hat einstimmig die
Gesamt-Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) für Ärztinnen und

Ärzte beschlossen. Er gab damit den Startschuss für eine vollständige
Neuausrichtung der ärztlichen Weiterbildung. Kompetenzbasiert und flexibel,
Inhalte statt Zeiten – dafür steht das neue Regelwerk, auf dessen Grundlage sich
künftig Ärztinnen und Ärzte in ganz Deutschland zur Fachärztin beziehungsweise
zum Facharzt weiterbilden lassen können.
Mit dem Beschluss hat eine Weiterbildungsreform ihren Abschluss gefunden, die
im Jahr 2012 auf dem 115. Deutschen Ärztetag in Nürnberg begann. Damals erteilte
der Ärztetag den Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer den Auftrag, eine
kompetenzbasierte Weiterbildungsordnung mit dem Ziel einer hohen
Weiterbildungsqualität zu entwickeln. In enger Abstimmung mit den
Wissenschaftlich-Medizinischen Fachgesellschaften und mit den Berufsverbänden
erarbeiteten Bundesärztekammer und Landesärztekammern nicht nur die
fachlichen Anforderungen, sondern auch die didaktische Ausrichtung der neuen
MWBO.
Die zu erwerbenden Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten werden künftig
aufgeteilt in „Kognitive und Methodenkompetenzen“ sowie in
„Handlungskompetenzen“. Sie werden den folgenden vier Kategorien zugeordnet:
Inhalte, die der Weiterzubildende zu beschreiben hat; Inhalte, die der
Weiterzubildende systematisch einordnen und erklären soll sowie Fertigkeiten, die
der Weiterzubildende unter Anleitung erfüllt, und solche, die der Weiterzubildende
selbstverantwortlich durchführt.
Die MWBO ist die Grundlage für die rechtlich verbindlichen
Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern. Bereits im Mai dieses Jahres
hatte der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt die strukturellen Vorgaben für die neue
MWBO einstimmig beschlossen. Im Anschluss berieten Bundesärztekammer und
Landesärztekammern die konkrete Ausgestaltung der 61 Facharzt-, 10 Schwerpunktund
56 Zusatz-Weiterbildungen. Der BÄK-Vorstand empfahl den Ländern, die jetzt
von ihm verabschiedete Gesamt-Novelle in Landesrecht umzusetzen.
Die (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 kann auf der Homepage der
Bundesärztekammer abgerufen werden:
http://www.bundesaerztekammer.de/aerzte/aus-weiter-fortbildung/weiterbildung/muster-weiterbildungsordnung/

Diese Pressemitteilung finden Sie auch im Internet unter www.bundesaerztekammer.de
Pressestelle der
deutschen Ärzteschaft
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Weiterbildung

16.11.2018 Europäischer Antibiotikatag - Montgomery fordert gemeinsamen Kampf gegen Antibiotika- Resistenzen
Pressemldung der Bundesärztekammer

Berlin, 16.11.2018 - „Antibiotika-Resistenzen sind eine globale Gefahr, der wir mit
einem internationalen Schulterschluss begegnen müssen.“ Das erklärte Prof. Dr.
Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), im Vorfeld
des Europäischen Antibiotikatages am 18. November 2018. Gerade die
Industrieländer stünden in der Pflicht, mehr in Forschung und Entwicklung neuer
Antibiotika, alternativer Therapien und besserer Testverfahren zu investieren.
Montgomery betonte, dass Deutschland in den letzten Jahren eine Vorreiterrolle im
Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen übernommen habe. „Diesen Weg müssen wir
konsequent weitergehen“, forderte er. So sei es notwendig, den Einsatz von
Antibiotika in der Tiermast weiter zu senken. Die Ärzteschaft sei sich ihrer
besonderen Verantwortung im Kampf gegen resistente Keime bewusst. In der
ärztlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung werden umfangreiche Kenntnisse über
Antibiotika-Resistenzen und einer rationalen Antibiotika-Therapie vermittelt.
Strategien zum rationalen Einsatz von Antiinfektiva bilden einen Schwerpunkt der
strukturierten curricularen Fortbildung „Antibiotic Stewardship“ der
Bundesärztekammer. Das Thema Antibiotika-Einsatz ist fester Bestandteil vieler
weiterer Fortbildungsangebote der Landesärztekammern.
Montgomery mahnte auch eine bessere Personalausstattung in den
Krankenhäusern an. „Studien belegen, dass eine hohe Arbeitsdichte das größte
Risiko für nosokomiale Infektionen darstellt. Wir brauchen deshalb, insbesondere in
Risikobereichen wie Intensivstationen, dringend mehr Ärzte und Pflegekräfte", so
der BÄK-Präsident.

Pressemitteilung
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14.11.2018 Optimale Therapie bei Kopf-Hals-Tumoren
uni | mediendienst | forschung Nr. 98/2018

Verbessert die Kombination aus Strahlen- und Immuntherapie die Heilungschancen?

In einer bundesweiten Patientenstudie wird unter Leitung der Strahlenklinik (Direktor: Prof. Dr. Rainer Fietkau) des Universitätsklinikums Erlangen die Wirksamkeit einer Radioimmuntherapie als Primärtherapie bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren untersucht. Für die innovative Therapie werden Patienten anhand des immunologischen Status ihres Tumors ausgewählt. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Pathologischen Institut (Direktor: Prof. Dr. Arndt Hartmann) und der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro) des Uni-Klinikums Erlangen sowie dem Deutschen Zentrum Immuntherapie (DZI).

Die multizentrische CheckRad-CD8-Studie untersucht erstmals die Wirksamkeit einer Strahlentherapie in Kombination mit zwei Antikörpern, die eine vom Tumor ausgehende Hemmung des Immunsystems aufheben können. Für diese Art von Immuntherapie erhielten die Immunologen James P. Allison und Tasuku Honjo 2018 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Um geeignete Patienten für die innovative Radioimmuntherapie zu identifizieren, erhalten alle Erkrankten zunächst eine Induktions-Chemo-Immuntherapie. Im Anschluss wird ihnen erneut Tumorgewebe entnommen und vom Pathologen begutachtet. Kommt es zu einem Anstieg von zytotoxischen T-Zellen im Tumor, wird eine Radioimmuntherapie durchgeführt. Patienten ohne Erhöhung dieser Immunzellen, die den Tumor abtöten können, erhalten eine Standardtherapie. Zusätzlich wird im Bereich Strahlenimmunbiologie der Strahlenklinik unter der Federführung von Prof. Dr. Udo Gaipl und PD Dr. Benjamin Frey ein detailliertes Immunomonitoring durchgeführt. So können Patienten, die besonders von einer Radioimmuntherapie profitieren würden, künftig noch besser identifiziert werden. Die CheckRad-CD8-Studie wird durch die Firma AstraZeneca gefördert.

Die Strahlentherapie ist eine klassische Tumortherapie, die bei über 60 Prozent aller Krebspatienten angewendet wird – insbesondere mit dem Ziel, den Tumor lokal zu kontrollieren und Krebszellen abzutöten. Weil das Wissen über die immunologischen Effekte von Strahlung stetig wächst und es neue Kombinationsmöglichkeiten mit Immuntherapeutika gibt, erweitert sich das Anwendungsspektrum der Strahlentherapie gerade sehr stark.

An der CheckRad-CD8-Studie sind neben dem Uni-Klinikum Erlangen noch sechs weitere radioonkologische Zentren in Deutschland beteiligt. Ein wesentlicher Unterschied dieser Studie zu anderen Untersuchungen mit Immuntherapeutika ist, dass für die Patienten nicht nur eine Lebensverlängerung erreicht werden soll, sondern eine komplette Heilung von der Tumorerkrankung. Wenn die Einschlusskriterien erfüllt sind, werden auch aktuell noch Patienten in die Studie aufgenommen. CheckRad-CD8 wird vom Studiensekretariat der Strahlenklink des Uni-Klinikums Erlangen koordiniert, das mehrere deutschlandweite Studien betreut. Zurückliegende Erlanger Studien (z. B. CAO/ARO/AIO-94) haben bereits zu wesentlichen Verbesserungen onkologischer Therapiekonzepte geführt.

Bildmaterial zum Download: https://www.fau.de/files/2018/11/18_ST_CheckRad-CD8_Studie_04_presse.jpg 

Bildunterschrift: Dr. Markus Eckstein (r., Pathologe) sowie PD Dr. Benjamin Frey (translationale Forschung) und Sandra Rutzner (Studiensekretariat) von der Erlanger Strahlenklinik bei der Dokumentation des ersten CheckRad-CD8-Patienten. (Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen)

Weitere Informationen:

PD Dr. Benjamin Frey
Tel.: 09131 85-44258
benjamin.frey@uk-erlangen.de
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14.11.2018 Und sie bewegt sich doch …„Bayern hat eine neue Weiterbildungsordnung auf den Weg gebracht“
Pressemeldung der Bayerischen Landesäreztekammer

„Bayern hat eine neue Weiterbildungsordnung auf den Weg gebracht“, ist Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) begeistert im Leitartikel der Novemberausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. Die Delegierten des diesjährigen 77. Bayerischen Ärztetages in Nürnberg stimmten einem entsprechenden Antrag, bei nur einer Enthaltung und einer Gegenstimme, zu. Dieser Beschluss könne zu Recht als historischer Schritt in eine neue Zukunft der Weiterbildung für die Ärztinnen und Ärzte in Bayern bezeichnet werden.

Der Prozess der Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) zieht sich bereits seit sechs Jahren hin und ist auch auf Bundesebene noch nicht zu Ende, fehlen doch noch die Inhalte der Zusatz-Weiterbildungen, was gegebenenfalls wieder Anpassungen bei den Inhalten der Gebiete erfordert. Vor allem aber fehlt das elektronische Logbuch, in dem die Weiterbildungsinhalte abgebildet werden. „Wir warten hier auf die Fertigstellung durch die Bundesärztekammer“, so Quitterer. Des Weiteren muss noch der Paragrafenteil geändert werden, vor allem, was den zentralen Stellenwert der Befugnisse anbelangt.

Der „Temporäre Ausschuss“ zur Umsetzung der MWBO hatte sich vorerst mit den großen Gebieten beschäftigt und war in einem äußerst zeit- und denkintensiven Diskussionsprozess zu dem Schluss gekommen, dem Bayerischen Ärztetag einige Elemente der auf dem diesjährigen Deutschen Ärztetag beschlossenen MWBO jetzt schon zur Übernahme in die bestehende Weiterbildungsordnung für die Ärzte Bayerns vorzuschlagen – auch, um ein Zeichen zu setzen.

Dem Ausschuss waren Ergänzungen in den Gebietsdefinitionen unter Versorgungsaspekten; Änderungen der Weiterbildungszeiten, dort wo es deutliche Verschiebungen in den ambulanten Bereich oder den Erwerb von Kompetenzen gibt; die Aufnahme neuer Weiterbildungsinhalte sowie der Erhalt der Befugnisse in den jeweiligen Gebieten wichtig.

Diesen Empfehlungen ist der Bayerische Ärztetag gefolgt und hat damit den Paradigmenwechsel – weg von Erfahrungen, Fertigkeiten und Fähigkeiten hin zu Kompetenzen und neuen Inhalten – eingeleitet.

Mehr zu „Und sie bewegt sich doch …“ lesen Sie in der November-Ausgabe 2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

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12.11.2018 Mit körpereigenem Protein Herpes bekämpfen - Erlanger Forscher finden neuen antiviralen Mechanismus gegen Herpesviren
uni | mediendienst | forschung Nr. 97/2018

Werden wir von einem Virus infiziert, erkennt unser Körper diesen Angriff und startet eine ganze Kaskade von Abwehrreaktionen. Eine Forschergruppe um Dr. Florian Full und Prof. Dr. Armin Ensser vom Virologischen Institut (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) des Universitätsklinikums Erlangen entdeckte in Zusammenarbeit mit Forschern der University of Chicago in den USA jetzt eine neue Abwehrreaktion gegen Herpesviren. „Unsere Ergebnisse beschreiben einen bisher unbekannten Mechanismus des Körpers zur Abwehr von Herpesviren“, sagt Dr. Full. Die Arbeit wurde in der aktuellen Ausgabe der renommierten Zeitschrift „Nature Microbiology“ publiziert.

Die meisten Menschen erwerben Herpesviren bereits in der frühen Kindheit. Nach einmaliger Infektion bleiben die Viren lebenslang im Körper. Zu den acht bekannten menschlichen Herpesviren gehören unter anderen das Herpes-simplex-Virus, das die bekannten Bläschen im Mundbereich verursacht, das Varizella-Zoster-Virus, das Windpocken und Gürtelrose hervorruft, und das Epstein-Barr-Virus, das das Pfeiffersche Drüsenfieber auslöst und zudem an der Entstehung  zahlreicher Krebserkrankungen beteiligt ist. Obwohl Infektionen mit Herpesviren bei den meisten Menschen die Gesundheit nicht nachhaltig beeinträchtigen, haben Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem – beispielsweise nach Transplantationen – Schwierigkeiten, die Viren unter Kontrolle zu halten. Das kann zu Abstoßungsreaktionen und schweren Organschädigungen bis hin zum Tod führen.

TRIM43 hemmt die Vermehrung von Herpesviren

Um den Risiken von Herpesviren entgegenzuwirken, sind Wissenschaftler des Virologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen auf der Suche nach körpereigenen Proteinen, die die Viren in Schach halten können. „Wir interessieren uns für die sogenannte intrinsische Immunantwort, also Eiweißmoleküle, die die Vermehrung von Viren direkt in den Zellen verhindern können“, erklärt Dr. Full. Fündig wurde das Forscherteam bei sogenannten TRIM-Proteinen. TRIM steht für „tripartite motif“, ein dreiteiliges Proteinmotiv, das andere Proteine binden und deren Abbau veranlassen kann. Es konnte gezeigt werden, dass eines der TRIM-Proteine, das bisher unbeschriebene TRIM43, den Abbau eines anderen zellulären Proteins namens Perizentrin hervorruft. Der Abbau von Perizentrin führt zu Veränderungen in der Architektur des Zellkerns und hemmt so die Vermehrung der Herpesviren. TRIM43 war gegen alle in der Studie getesteten Herpesviren aktiv.

Hoffnung auf neue Therapien

Bemerkenswert war, dass Zellen als Antwort auf die Virusinfektion sehr große Mengen von TRIM43 herstellen. „In normalen Zellen ist TRIM43 fast nicht nachweisbar, aber nach einer Virusinfektion ist die Zelle voll mit dem Protein“ so Dr. Full. In Zusammenarbeit mit Dr. Klaus Korn, Leiter der Virusdiagnostik am Virologischen Institut, und Prof. Dr. Michael Stürzl, Leiter der Molekularen und Experimentellen Chirurgie an der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) des Uni-Klinikums Erlangen, konnte das Forscherteam zeigen, dass ein Anstieg des TRIM43-Proteins auch in Patientenproben mit akuter Herpesvirusinfektion und sogar in Tumorzellen, die ein Herpesvirus tragen, nachweisbar ist. „Das beweist, dass TRIM43 bei der Infektion im Menschen eine Rolle spielt, und weckt die Hoffnung, dass es möglich sein könnte, auf Basis der Ergebnisse neue Therapien gegen Herpesviren zu entwickeln“, fasst Florian Full die Studie zusammen.

Außerdem wies das Forscherteam nach, dass die Produktion von TRIM43 als Antwort auf eine Virusinfektion abhängig von DUX4 ist – einem Gen, das unter normalen Umständen nur in der ganz frühen Embryonalentwicklung aktiv ist. Wieso die Infektion mit Herpesviren zu einer Aktivierung des embryonalen Gens DUX4 führt, und ob es sich dabei allgemein um eine bisher unbekannte Immunantwort gegen Viren handelt, ist Gegenstand eines neuen Forschungsprojektes am Uni-Klinikum Erlangen, das vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung an der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Rahmen eines Teilprojektes für zweieinhalb Jahre gefördert wird.

Die wissenschaftliche Arbeit wurde von Dr. Florian Full im Labor von Prof. Dr. Michaela Gack (Harvard University, Boston, USA und University of Chicago, Chicago, USA) begonnen und wird am Virologischen Institut des Uni-Klinikums Erlangen im Labor von Prof. Dr. Armin Ensser fortgeführt.

Link zur Originalpublikation: www.dx.doi.org/10.1038/s41564-018-0285-5

 
Weitere Informationen:
Dr. Florian Full
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florian.full@uk-erlangen.de


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12.11.2018 Von Augenkrankheiten und Horrorfilmen - FAU-Vortragsreihen „Wissenschaft auf AEG“ und „Wissenschaft im Schloss“ starten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 152/2018

Ein abwechslungsreiches Programm ist garantiert: Im November starten die Vortragsreihen „Wissenschaft auf AEG“ und „Wissenschaft im Schloss“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Das Spektrum der Themen reicht von Augenkrankheiten und pflanzlichen Arzneistoffen über den Werkstoff Stahl und dem Genre Horrorfilme bis hin zu neuen Arbeitswelten und das christliche Abendmahl. Interessierte, Schüler und Studierende erhalten einen Einblick in aktuelle Forschungsprojekte an der Universität. Die Nürnberger Zeitung begleitet die Vorträge als Medienpartner.

„Wissenschaft auf AEG“ beginnt am Montag, 19. November, mit einem Vortrag von Prof. Dr. Friedrich Paulsen, Lehrstuhl für Anatomie II. Der Wissenschaftler beschäftigt sich mit dem Thema „Tränen und Trockenes Auge – woher kommen unsere Tränen und warum weinen wir?“. Das Trockene Auge ist nicht nur die häufigste Erkrankung des Auges, sondern eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Allein in Deutschland leiden daran etwa 12 Millionen Menschen. So kommt fast jeder zweite Patient, der einen niedergelassenen Augenarzt aufsucht, wegen dieser Volkskrankheit. Die Ursachen des Trockenen Auges sind allerdings noch unzureichend geklärt. Außer Geschlecht und Alter gehen bestimmte Medikamente, ungünstige Verhältnisse am Arbeitsplatz oder das Tragen von Kontaktlinsen mit einer Häufung dieser Krankheit einher. Prof. Paulsen erläutert in seinem Vortrag, woher unsere Tränenflüssigkeit überhaupt kommt, was sie macht, warum wir manchmal weinen, was man über das Trockene Auge weiß und auch, was man dagegen tun kann.

Zwei weitere Vorträge beleuchten am Montag, 10. Dezember, pflanzliche Arzneistoffe und am Montag, 21. Januar, den Werkstoff Stahl. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 18.30 Uhr und finden am Energie Campus Nürnberg (EnCN), Fürther Straße 250, Forum 2. Obergeschoss, Nürnberg, statt. Weitere Informationen gibt es unter www.wissenschaft-auf-aeg.de. Der Eintritt ist frei.

„Wissenschaft im Schloss“ startet am Montag, 26. November, mit Dr. Peter Podrez, Lehrstuhl für Medienwissenschaft, und seinem Vortrag „Genre der Extreme – Grenzüberschreitungen im Horrorfilm“. Seit seiner Anfangszeit besteht die Kunst des Horrorfilms darin, seine Zuschauer zu Angst und Ekel zu verführen und sie diese Affekte gleichzeitig genussvoll erleben zu lassen. Ermöglicht wird dies durch das permanente Ausloten und Überschreiten von neuen und extremen Grenzen – sei es im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen der filmischen Form und dem Publikum, das Aufrufen von Bedrohungsszenarien und Figurationen des Monströsen oder die Exzessivität von Gewaltdarstellungen. Der Medienwissenschaftler zeigt anhand konkreter Filmbeispiele die historischen Entwicklungslinien des Horrorfilmgenres auf und diskutiert dabei dessen narrative, ästhetische und ideologische Strategien der Grenzüberschreitung. Diese sind, wie er anhand verschiedener kulturwissenschaftlicher Theorien von der Psychoanalyse bis hin zur Genderforschung zeigen wird, keinesfalls Selbstzweck, sondern erfüllen verschiedene relevante, kulturelle Funktionen. Aufgrund der geplanten Filmbeispiele ist der Vortrag nicht für Minderjährige geeignet.

Weitere Vorträge folgen am Montag, 17. Dezember, über die Arbeitswelt der Zukunft und am Montag, 28. Januar, zur kulinarischen Geschichte des Abendmahls. Sie beginnen jeweils um 18.30 Uhr und finden in der Aula des Erlanger Schlosses, Schlossplatz 4, Erlangen, statt. Zusätzliche Informationen sind unter www.wissenschaft-im-schloss.de zu finden. Der Eintritt ist frei.

„Wissenschaft auf AEG“, Energie Campus Nürnberg

Montag, 19. November, 18.30 bis 20 Uhr
Tränen und Trockenes Auge – woher kommen unsere Tränen und warum weinen wir?
Prof. Dr. Friedrich Paulsen, Lehrstuhl für Anatomie II

Montag, 10. Dezember 2018, 18.30 bis 20 Uhr
Warum sind Pflanzen so virtuose Chemiker?
Prof. Dr. Wolfgang Kreis, Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie

Montag, 21. Januar 2019, 18.30 bis 20 Uhr
Stahl, ein wandlungsfähiger Werkstoff mit Zukunftspotenzial
Prof. Dr. Peter Felfer, Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Allgemeine Werkstoffeigenschaften)

„Wissenschaft im Schloss“, Erlanger Schloss

Montag, 26. November 2018, 18.30 bis 20.00 Uhr
Genre der Extreme – Grenzüberschreitungen im Horrorfilm
Dr. Peter Podrez, Lehrstuhl für Medienwissenschaft

Montag, 17. Dezember 2018, 18.30 bis 20.00 Uhr
Die Zukunft der Arbeit: Wohin geht die Reise?
Prof. Dr. Kathrin Möslein, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Innovation und Wertschöpfung

Montag, 28. Januar 2019, 18.30 bis 20.00 Uhr
Gott essen. Eine kulinarische Geschichte des Abendmahls
Prof. Dr. Anselm Schubert – Lehrstuhl für Kirchengeschichte II (Neuere Kirchengeschichte)

Weitere Informationen:
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12.11.2018 Europas Ärzte wählen Prof. Montgomery zu ihrem Präsidenten
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 12.10.2018 – Die Generalversammlung des Ständigen
Ausschusses der Ärzte der europäischen Union (CPME) in Genf
wählte am 10. November den Präsidenten der
Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, mit
überwältigender Mehrheit (22:6 Stimmen) zu ihrem Präsidenten.

Montgomery, der seit dem Jahr 2011 auch Präsident der
Bundesärztekammer ist, wird das Amt am 1. Januar 2019 von dem
Schweizer Dr. Jacques de Haller übernehmen. Montgomery
vertritt dann die Interessen der europäischen Ärztinnen und Ärzte
gegenüber der Europäischen Kommission und dem
Europaparlament für die nächsten drei Jahre.

„Zwei große Ereignisse stehen Europa ins Haus: Brexit und
Wahlen. Beides stellt eine Herausforderung für die Ärztinnen und
Ärzte und das Gesundheitswesen dar. Mein Ziel ist es, in der
Debatte um den Brexit gleichermaßen sichere Arbeitsbedingungen
für Ärztinnen und Ärzte sowie eine hohe Qualität der Versorgung
zu erhalten. Europäische Ärzte leisten wichtige Dienste im
Vereinigten Königreich – ohne sie bräche nach dem Brexit die
Versorgung zusammen. Das gilt es im Interesse der Patienten zu
verhindern“, betonte Montgomery. Mit Blick auf die Wahlen zum
Europaparlament und die Wahl einer neuen Kommission sagte er:
„Wir Ärzte hoffen auf ein starkes, am Gemeinwohl orientiertes
Parlament und eine Kommission, die Gesundheit voranstellt.
´Health in all policies` ist wichtiger als europäische Bürokratie
und übergroße Industriefreundlichkeit.“


Im Namen der Ärztinnen und Ärzte Europas bot Montgomery der
Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament eine
enge Zusammenarbeit an, zum Beispiel bei Projekten, die den
Zugang zur medizinischen Versorgung verbessern können.
Gleichzeitig stellte er klar, dass das CPME den für die
Gesetzgebung zuständigen Akteuren genau auf die Finger sehen
werde, insbesondere dann, wenn die Union das
Subsidiaritätsprinzip verletze und in die Kompetenz der
Mitgliedstaaten eingreife. „Der Binnenmarkt darf nicht als
Argument missbraucht werden, um die Autonomie der EU-
Mitglieder bei der Organisation ihrer Gesundheitssysteme
einzuschränken“, warnte Montgomery.

Dem Ständigen Ausschuss der Europäischen Ärzte gehören die
nationalen Ärzteorganisationen der Mitgliedstaaten der
Europäischen Union an. Er hat zum Ziel, Auffassungen und
Interessen der ärztlichen Berufsorganisationen zu koordinieren.
Auf unterschiedlichen Gebieten der Gesundheits- und Sozialpolitik
werden die Auffassungen der einzelnen nationalen Ärzteschaften
aufeinander abgestimmt, um so als eine Stimme der Ärzte
Europas vor den europäischen Institutionen aufzutreten.

Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
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08.11.2018 Gedenkveranstaltung Ärzteschaft erinnert an Approbationsentzug jüdischer Ärzte in Deutschland vor 80 Jahren
Gemeinsame Pressemitteilung der BÄK und der KBV

Berlin, 09.11.2018 –

Vor 80 Jahren, am 30. September 1938, wurde jüdischen Ärzten im
Deutschen Reich die Approbation entzogen.

Der Entrechtung folgte die Vertreibung und oft auch die Ermordung in Vernichtungslagern. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Bundesärztekammer haben gestern an die verfolgten jüdischen Ärzte und an alle Opfer des NS-Regimes erinnert und dazu eine Gedenktafel auf dem Herbert-Lewin-Platz in Berlin-Charlottenburg errichtet. Die Gedenktafel wurde unter anderem im Beisein des stellvertretenden Parlamentspräsidenten Israels, dem Vize-Speaker der Knesset, Yehiel
Bar sowie des Präsidenten des Weltärztebundes, Prof. Leonid Eidelman, der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau, und des Bundesministers für Gesundheit, Jens Spahn, feierlich eingeweiht.

Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer:
„Der Gedanke an diese dunkelste Zeit der deutschen Ärzteschaft schmerzt. Aber
Gedanken und Gedenken halten die Erinnerung an das Geschehene wach. Sie halten uns
wachsam, Unrecht und Unmenschlichkeit nicht einmal im Ansatz zuzulassen.
Forschung auf diesem Gebiet ist wichtig und wird von der Ärzteschaft gefördert. Ein
ebenso wichtiger Bestandteil der Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit ist ein
ehrlicher, regelmäßiger Austausch mit den Nachfahren und den Kolleginnen und
Kollegen aus Israel, den die Bundesärztekammer seit Jahren mit dem Israelischen
Ärzteverband pflegt.“

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung:
„Was vor 80 Jahren geschah, ist uns Mahnung und Auftrag zugleich. Wir werden
Intoleranz und Ausgrenzung nicht dulden, wir werden Hass und Gewalt entschieden
entgegentreten. Und wir werden die Aufarbeitung dieses Unrechts weiter vorantreiben,
unter anderem indem wir die Akten der damaligen Kassenärztlichen Vereinigung
Deutschlands systematisch erfassen und katalogisieren. Wir werden sie der Forschung
zugänglich machen, um die Verstrickung in die Verbrechen des Nationalsozialismus
aufzuarbeiten. Das ist unsere Verantwortung als Ärzte sowie als Bürger dieses Landes.“
Die Gedenktafel hat diese Inschrift: „Die Vergangenheit ist uns Verpflichtung für die
Zukunft. Gegen Antisemitismus und Ausgrenzung. In Erinnerung an unsere jüdischen
Kolleginnen und Kollegen und alle Opfer des menschenverachtenden NS-Regimes.“
I

hre Ansprechpartner:
Samir Rabbata (BÄK), Tel.: 030 / 400456-700
Dr. Roland Stahl (KBV), Tel.: 030 / 4005-2201
Pressestelle der
deutschen Ärzteschaft:
Tel. (030) 40 04 56-700
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Gedenkveranstaltung - Presseerklärung der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

08.11.2018 Herzwochen 2018: „Herz außer Takt“ -Einladung zum Patientenkongress am 15. 11. 2018 des Universitäts-Herzzentrums Erlangen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 150/2018

Datum: 15.11.2018
Uhrzeit: 18.00 - 20.00 Uhr


„Herz außer Takt – Vorhofflimmern und Gerinnungshemmung“: So lautet das diesjährige Motto der bundesweiten Herzwochen der Deutschen Herzstiftung e.V., an denen sich das Universitätsklinikum Erlangen mit einem Patientenkongress beteiligt. Dieser findet am Donnerstag, 15. November 2018, von 18.00 bis ca. 20.30 Uhr in den Hörsälen Medizin, Ulmenweg 18, in Erlangen statt. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Themen des Patientenkongresses sind Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern: Welche Beschwerden deuten auf eine gefährliche Erkrankung hin und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Referenten sind Prof. Dr. Stephan Achenbach, Direktor der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie, PD Dr. Martin Arnold, PD Dr. Mohamed Marwan und PD Dr. Dorette Raaz-Schrauder, alle Oberärzte der Medizin 2.

Vorhofflimmern kann Schlaganfall auslösen


Das Herz rast plötzlich völlig unregelmäßig und schnell mit einem Puls von bis zu 160 Schlägen pro Minute: Allein in Deutschland leiden schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen an Vorhofflimmern, mit dem Alter steigt das Risiko, an dieser Herzrhythmusstörung zu erkranken. Mit gefährlichen Folgen: Aufgrund des unregelmäßigen Herzschlags können sich im Herzen, in einer Ausbuchtung des Vorhofs, Blutgerinnsel bilden. Werden diese ausgeschwemmt und gelangen mit dem Blutstrom in den Kopf, können sie ein Hirngefäß verstopfen und so zum Schlaganfall führen. Um das zu verhindern, muss Vorhofflimmern frühzeitig vom Arzt diagnostiziert und konsequent mit – in den meisten Fällen – gerinnungshemmenden Medikamenten therapiert werden. „Viele Menschen mit Herzrhythmusstörungen sind unsicher, ob diese harmlos oder gefährlich sind und wie sie behandelt werden können. Das kann nur ein Kardiologe nach ausführlicher Untersuchung des Patienten entscheiden“, betont Prof. Dr. Stephan Achenbach. „Betroffene, die plötzlich unter Anfällen von Herzrasen leiden, sollten dies ärztlich abklären lassen.“

Das Tückische an der Erkrankung ist, dass sich Vorhofflimmern nur bei etwa der Hälfte der Betroffenen mit spürbaren Beschwerden wie Herzstolpern und Herzrasen, Druckgefühl im Brustkorb, Angst, Luftnot, Schwindelgefühl und Leistungsschwäche bemerkbar macht. Bei der anderen Hälfte tritt Vorhofflimmern ohne Symptome auf. Das gilt vor allem für ältere Patienten ab 60 Jahren, bei denen gehäuft Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und koronare Herzkrankheit auftreten. Daher ist es wichtig, dass Herzkranke und Menschen ab 60 Jahren ihren Herzschlag regelmäßig vom Arzt bei Routinekontrollen überprüfen lassen. Im Rahmen der Herzwochen 2018 wollen Herzspezialisten bundesweit auf die Erkrankung aufmerksam machen und die Öffentlichkeit über Diagnose und Therapiemöglichkeiten informieren.

Programm des Patientenkongresses:

18.00 Uhr: Begrüßung
Prof. Dr. Stephan Achenbach

18.10Uhr: Herzrhythmusstörungen: Wann sind sie harmlos, wann gefährlich?
Prof. Dr. md. Stephan Achenbach

18.35 Uhr: Vorhofflimmern: Beschwerden, Erkennung, Bedeutung, Behandlung
PD Dr. med. Dorette Raaz-Schrauder

19.05 Uhr: Vorhofflimmern – Blutungen unter Gerinnungshemmern: Der Vorhofohrverschluss als Alternative
PD Dr. med. M. Marwan

19.25 Uhr: Vorhofflimmern: Kathetereingriff als Therapie - für welche Patienten? Mit welchen Erfolgen und Risiken?
PD Dr. med. M. Arnold

19.50 Uhr: Diskussion

Raum    Kleiner Hörsaal

Hörsäle Medizin
Ulmenweg 18
91054 Erlangen

Hinweis zum Veranstaltungsort: Barrierefreier Zugang, Barrierefreies WC über Aufzug Nr. 19 erreichbar, Induktionsschleife für Hörgeschädigte in Reihe 2-7.
Zielgruppe    Patienten/Öffentlichkeit


Weitere Informationen:
Annika D’Agata
Tel.: 09131 85-46679
annika.dagata@uk-erlangen.de


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08.11.2018 Mikroskop misst Muskelschwäche - FAU-Forscher vereinfachen Diagnose von Muskelerkrankungen mit 3D-Bildgebung
uni | mediendienst | forschung Nr. 96/2018

Biotechnologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben ein System entwickelt, mit dem sich strukturelle Veränderungen im Muskelgewebe und dadurch bedingte Muskelschwäche genau quantifizieren lassen. Die neue Methode erlaubt die Beurteilung der Muskelfunktion durch Bildgebungsverfahren ohne aufwändige biomechanische Aufzeichnungen und könnte als Vision künftig sogar die Entnahme von Gewebeproben zur Diagnostik von Myopathien überflüssig machen. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal „Light: Science & Application” veröffentlicht*.
 
Der Muskel ist ein streng hierarchisch organisiertes Organ. Das betrifft nicht nur die parallele Bündelung von Muskelfasern, sondern auch die Struktur einzelner Zellen. So bestehen die für die Kontraktion zuständigen Myofibrillen wiederum aus hunderten hintereinandergeschalteten Baueinheiten mit gleichem Aufbau. Diese Ordnung bestimmt die gerichtete Kraftabgabe und damit die Kraftleistung des Muskels. Entzündliche, degenerative oder auch Krebserkrankungen können zu einem chronischen Umbau dieser Struktur führen, etwa zu Vernarbungen, Versteifungen oder Verzweigungen von Muskelfasern, was eine dramatische Einschränkung der Muskelfunktion zur Folge hat. Solche Veränderungen der Muskelmorphologie lassen sich bereits nichtinvasiv mittels Multiphotonen-Mikroskopie verfolgen – allerdings war eine zuverlässige Beurteilung der Muskelkraft allein durch Bildgebung bislang nicht möglich.

Neues System korreliert Struktur und Kraft


Forscher vom Lehrstuhl für Medizinische Biotechnologie haben jetzt ein System entwickelt, das die optische Bewertung der Muskelarchitektur und die Messung strukturell bedingter Muskelschwäche miteinander kombiniert. „Wir haben eine selbstentwickelte miniaturisierte Biomechatronik-Apparatur in ein Multiphotonen-Mikroskop integriert und können so parallel zur Aufzeichnung struktureller Anomalien die Kraftleistung und Elastizität einzelner Muskelfasern direkt bestimmen“, erklärt Prof. Dr. Dr. Oliver Friedrich. Zum Nachweis der Kontraktionsfähigkeit tauchten die Forscher die Muskelzellen in Lösungen mit zunehmendem Anteil freier Kalzium-Ionen – Kalzium ist auch im Körper von Menschen und Tieren für die Auslösung von Muskelkontraktionen zuständig. Außerdem wurde die Viskoelastizität der Fasern gemessen, indem sie schrittweise gedehnt wurden. Ein hochsensibler Detektor zeichnete den mechanischen Widerstand auf, den die Muskelfasern auf die Einspannvorrichtung ausübten.

Datenpool für einfachere Diagnostik


Diese von den FAU-Wissenschaftlern entwickelte Technologie ist jedoch nur die Vorstufe einer deutlich vereinfachten Diagnostik von Muskelerkrankungen: „Durch die Messung der isometrischen Kraft und der passiven Viskoelastizität in Verbindung mit der optischen Darstellung der Morphometrie von Muskelzellen haben wir erstmals direkte Struktur-Funktion-Datenpaare gewonnen“, sagt Oliver Friedrich. „Damit etablieren wir signifikante lineare Korrelationen zwischen Muskelstruktur und -funktion auf der Ebene einzelner Fasern.“ Der Datenpool wird künftig die Basis dafür sein, allein anhand dreidimensionaler SHG-Bilder – die Abkürzung steht für „Second Harmonic Generation“ und bezeichnet mit einem Laser erzeugte Oberton-Frequenz-Bilder – zuverlässige Vorhersagen über Kräfte und biomechanische Leistungen in Skelettmuskeln zu treffen, ohne dass dafür aufwändige Kraftmessungen durchgeführt werden müssen. Noch ist für die Multiphotonen-Mikroskopie eine Entnahme von Muskelzellen aus dem Körper notwendig. Eine fortschreitende Miniaturisierung dieser Technologie könnte das unnötig machen – dann wäre die Untersuchung der Muskelfunktion beispielsweise per Mikro-Endoskop möglich.

* doi: 10.1038/s41377-018-0080-3

„Optical prediction of single muscle fiber force production using a combined biomechatronics and second harmonic generation imaging approach”

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dr. Oliver Friedrich
Tel.: 09131/85-23174
oliver.friedrich@fau.de

 
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08.11.2018 17. Ethiktag: Joghurt – ein ethischer Problemfall?
uni | mediendienst | aktuell Nr. 149/2018

Samstag, 10. November, 10.00 bis 17.30 Uhr, Neues Hörsaalzentrum, Ulmenweg 18, Erlangen

Wie ein Becher Joghurt ein Problem für die Menschenrechte darstellen kann, darüber – und über vieles mehr – diskutieren Wissenschaftler, Ärzte und Pflegende beim 17. Ethiktag von Klinikum und Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Anlässlich des 70. Jahrestags der Verabschiedung der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (1948) widmet sich der Ethiktag am Samstag, 10. November, der Umsetzung der Menschenrechte im Krankenhaus. Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind zur Berichterstattung herzlich eingeladen.  

Kranke sind verletzlicher; sie haben weniger Kraft, sich Selbstbestimmung, Privatheit und Respekt zu bewahren. Sie sind darauf angewiesen, dass Pflegende und Ärzte – trotz steigender Arbeitsbelastung, Zeit- und Kostendruck – achtsam mit der Würde ihrer Patienten umgehen. Doch wie bewusst sind den Pflegenden und Ärzten die Menschenrechte und deren Umsetzung im klinischen Alltag? Diesen und weiteren Themen gehen Experten aus Wissenschaft, Gesundheitswesen und Politik in einer Reihe von Vorträgen, aber auch mit Debatten und Workshops nach und finden dabei auch Antworten auf die Frage, ob Joghurt mit untergemischten Medikamenten oder künstliche Ernährung am Lebensende menschenrechtskonform sind.


www.igem.med.fau.de
Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Andreas Frewer, M.A., Tel.: 09131/85-26431, andreas.frewer@fau.de


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07.11. 2018 Vorlesungsreihe: Jenseits des Tellerrands
uni | mediendienst | aktuell Nr. 148/2018

Ab 14. November, mittwochs, 12.15 Uhr, HS 1.011 (Alter Senatssaal), Kollegienhaus, Universitätsstr. 15, Erlangen

Von den ersten Medizinstudentinnen über Soldaten im Ersten Weltkrieg bis hin zu jüdischen Medizinstudierenden nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Vortragsreihe „Jenseits des Tellerrads“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat für ihre Besucherinnen und Besucher im Wintersemester 2018/19 wieder spannende Themen. Die öffentlichen Mittagsvorträge werden vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der FAU veranstaltet und beginnen jeweils um 12.15 Uhr.

Den Auftakt bildet der Vortrag von Prof. Dr. Karl-Heinz-Leven am 14. November zur Erlanger Gelehrtenfamilie Rosenthal: Das Schicksal schien es gut gemeint zu haben mit Werner Rosenthal (1870-1942). Er wurde geboren als Sohn von Isidor Rosenthal (1836-1915), der 1872 als Professor für Hygiene an die Universität Erlangen berufen worden war und insgesamt 41 Jahre Ordinarius an der Medizinischen Fakultät war – länger als jeder andere vor oder nach ihm. Werner Rosenthal, unterdessen habilitierter Pathologe an der Universität Göttingen, befand sich im November 1934 unter demütigenden Umständen auf einem Schiff, das ihn mit seiner Familie in die Emigration nach Indien bringen sollte. Der Vortrag von Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, beleuchtet das Schicksal der Rosenthals, einer deutschen Gelehrtenfamilie jüdischer Herkunft, deren Weg in Erlangen begann und deren Nachkommen heute in der ganzen Welt verstreut leben.

Die weiteren Vorträge im Überblick:

Mittwoch, 21. November

Die bayerische Studentin ist eine seltene Erscheinung. Erste Erlanger Medizinstudentinnen und ihre Berufswege

Dr. Nadine Metzger, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin

Mittwoch, 28. November

Der Sieg wird da sein, wo die stärkeren Nerven sind. Nervenschwache Soldaten als Risikogruppe im Ersten Weltkrieg

Dr. Susanne Ude-Koeller, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin

Mittwoch, 5. Dezember

Im Land der Täter. Jüdische Medizinstudenten in Erlangen nach 1945

Andreas Thum, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin


Weitere Informationen zu den einzelnen Terminen finden Sie unter
https://www.igem.med.fau.de/studium-und-lehre/weitere-lehrveranstaltungen/mittagsvorlesung-tellerrand/


Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, Tel.: 09131/85-22094, karl-heinz.leven@fau.de,

 
Vortragsreihe: Die Zukunft der Forschung – Highlights aus den fünf Fakultäten

14. November bis 12. Dezember, mittwochs, 19 Uhr, Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, Nürnberg

 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sitzen im Elfenbeinturm und grübeln über Dingen, die sonst niemand versteht? Weit gefehlt! Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zeigen in einer fünfteiligen Vortragsreihe ab dem 14. November im Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Nürnberg, wie Wissen geschaffen, erweitert und vermittelt wird. Bei der Reihe anlässlich des 275-jährigen Bestehens der Universität wird ein besonderer Schwerpunkt auf die Zukunft der Forschung gelegt. Tickets sind vor Ort erhältlich und kosten 7,50 Euro, ermäßigt 5,00 Euro. Die Buchung der gesamten Reihe ist über das Bildungszentrum der Stadt Nürnberg (BZ-Kurs-Nr. 00 910) für 30 Euro möglich. Für Studierende und Beschäftigte der FAU mit gültigem Studierenden- bzw. Mitarbeiterausweis ist der Eintritt frei.

 

In der Vortragsreihe präsentiert die FAU Wissenschaft aus ihren fünf Fakultäten.

 

Mittwoch, 14. November

Licht in den Lebenswissenschaften – Wie Physik zur Grundlagenforschung in der Medizin beitragen kann

Prof. Dr. Vahid Sandoghdar, Naturwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Experimentalphysik und Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts

Durch Fortschritte in Biophysik und Nanooptik ist eine neue Ära angebrochen, in der Physiker ihre experimentellen und theoretischen Werkzeugkästen – vor allem im Bereich Optik –  für fundamentale Fragestellungen in der medizinischen Forschung und Zellbiologie anwenden können. In diesem Vortrag werden jüngste Trends dieses aufregenden Forschungszweigs sowie die Aktivitäten im Rahmen des neugegründeten Zentrums für Physik und Medizin in Erlangen diskutiert.


Mittwoch, 21. November


Autonome Lenksysteme & Co. – Wer haftet für neue Technologien?

Prof. Dr. Franz Hofmann, LL.M., Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Recht des Geistigen Eigentums und Technikrecht

Während Gründer in neuen technischen Möglichkeiten Geschäftschancen sehen, erweisen sich Juristen nicht selten als Bedenkenträger. Freilich muss das Recht differenziert ausgestaltet sein: Einerseits darf Innovationen durch restriktive Rechtsregeln nicht von vorneherein jegliche Bewährungschance genommen werden. Andererseits können gerade Haftungsregeln Anreize schaffen, neue Produkte sicherer zu machen. Im Vortrag werden juristische Haftungskonzepte vorgestellt und namentlich für selbstfahrende Autos oder Roboterrasenmäher etc. ausgefüllt.

Mittwoch, 28. November

Mit Biotechnologie in eine nachhaltige Zukunft: Über das Zusammenspiel natürlicher und synthetischer Komponenten

Prof. Dr. Kathrin Castiglione, Technische Fakultät, Lehrstuhl für Bioverfahrenstechnik

Zu den Zielen der biotechnologischen Forschung gehört es, den Übergang von einer erdölbasierten zu einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaft zu ermöglichen. Durch das Nachahmen natürlicher Strategien zum Aufbau komplexer Moleküle, das Nutzen biologischer Katalysatoren und ihre Kombination mit künstlichen Bestandteilen können Prozesse entwickelt werden, die viele Vorteile gegenüber der klassischen Synthese haben.


Mittwoch, 5. Dezember

Bodykult und Bodywork – soziologische Perspektiven auf den Körper und die Praxis der Körperarbeit

Prof. Dr. Renate Liebold, Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie, Professur für qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung

Forever Young – Schönheit, Attraktivität und Fitness tragen aktuell zum Erfolg einer Industrie bei, die von der Kommerzialisierung des Körpers lebt und sie zugleich vorantreibt. Dabei ist die Liste der gegenwärtig unter dem Label (Selbst-)Optimierung firmierenden Praktiken lang: Kosmetik, Tätowierung, Bartpflege, Nageldesign und Haarstyling sind nur einige Beispiele. Sozial- und kulturwissenschaftlichen Analysen zufolge wird dieser „Körperboom“ als Ausdruck eines kulturellen Gesellschaftswandels interpretiert, in dem das Aussehen als zentrale Ressource für Erfolg und Anerkennung bearbeitet wird. Der Beitrag fokussiert sowohl auf aktuelle Körperdiskurse als auch auf die Arbeit der Dienstleistungsakteure, die das gewünschte Aussehen übersetzen.

 

Mittwoch, 12. Dezember

Molekulare Medizin – Wie verändert sich unser Medizinverständnis?

Prof. Dr. Anja Boßerhoff, Medizinische Fakultät, Lehrstuhl für Biochemie und Molekulare Medizin
Das molekulare Verständnis von Krankheitsursachen, auch angetrieben durch das „Humangenomprojekt“ (Human Genome Project), wächst stetig an. Dies ermöglicht innovative und sehr zielgerichtete Therapien, die zum Teil sogar auf individuelle Patienten abgestimmt werden können. Weitere Fortschritte werden dazu beitragen, langfristig unser Medizinverständnis und therapeutische Konzepte zu ändern.

Weitere Informationen:

Dr. Michael Jungert, Tel.: 09131/85-23032, michael.jungert@fau.de


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07.11.2018 Wissen erfolgreich vermitteln-Preis für gute Lehre 2018 für zwei FAU-Dozenten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 147/2018

Zwei Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind mit dem „Preis für gute Lehre an den staatlichen Universitäten in Bayern“ des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet worden: Prof. Dr. Tilmann Volk und Dr. Marc Reichenbach.

Physiologie veranschaulichen

Die Veranstaltungen von Prof. Dr. Tilmann Volk, Professur für Herz-Kreislaufphysiologie, zeichnen sich dadurch aus, dass er komplexes Wissen anschaulich und verständlich vermittelt, wie es in der Begründung heißt. Als Mediziner gelingt es ihm, den Studierenden bereits in der Vorklinik klinische Perspektiven aufzuzeigen, indem er mit Klinikkollegen Patientenvorstellungen, bei denen Krankheitsursachen von Patienten besprochen werden, durchführt. Er will die Studierenden für die menschliche Physiologie begeistern und möchte, dass sie die Inhalte nicht nur verstehen müssen, sondern es auch wollen. Für seine Kollegen und Studierenden repräsentiert er in idealer Weise die Einheit von Lehre und Forschung.

Prof. Volk ist seit 2003 als Professor für Herz-Kreislaufphysiologie am Institut für Zelluläre und Molekulare Physiologie der Medizinischen Fakultät der FAU tätig. In der Forschung liegen seine Interessen unter anderem in der Untersuchung von kardialen Ionenkanälen, also den Proteinen, die entscheidend an der Entstehung und der Steuerung des Herzrhythmus beteiligt sind.


Interdisziplinäre Informatik
Für Dr. Marc Reichenbach, Lehrstuhl für Informatik 3 (Rechnerarchitektur), spielt die Interdisziplinarität eine große Rolle: Er möchte, dass die Studierenden die Zusammenhänge unterschiedlicher Veranstaltungen ihres Fachgebiets erkennen. Zudem versucht er mit Hilfe von ausführlichen Vorlesungsunterlagen, Erläuterungen und Diskussionen – gerne außerhalb des Hörsaals oder nach der Vorlesung – auch schwächere Studierende zum Studienerfolg zu bringen.

Dr. Reichenbach hat in Jena Informatik studiert und danach an der FAU promoviert, wo er seit 2010 Lehrveranstaltungen im Vertiefungsbereich der Bachelor- und Masterstudiengänge Informatik sowie Informations- und Kommunikationstechnik anbietet. Zudem engagiert er sich in der Studienkommission Informatik als Vertreter der wissenschaftlichen Mitarbeiter. In der Forschung beschäftigt er sich unter anderem mit der Architektur, das heißt dem Aufbau, von neuen Prozessoren mit passenden Beschleunigerschaltkreisen für den Einsatz in selbstfahrenden Autos und der Nutzung von innovativen Technologien wie nicht-flüchtigen Speichern für neue energieeinsparende Prozessorarchitekturen.

Der Preis

Die Kriterien für die Auszeichnung sind eine herausragende Lehrleistung über die Dauer von wenigstens zwei Studienjahren an einer Universität in Bayern, eine Beteiligung der Studierenden an der Auswahl sowie der Vorschlag der jeweiligen Universität. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Tilmann Volk
Tel.: 09131/85-24033
tilmann.volk@fau.de

Dr. Marc Reichenbach
Tel.: 09131/85-27915
marc.reichenbach@fau.de

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30.10.2018 - Beschlüsse vom 77. Bayerischen Ärztetag: Drei Tage voller Gesundheits- und ärztlicher Berufspolitik in Nürnberg
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer



Beschlüsse vom 77. Bayerischen Ärztetag in Nürnberg



Am 26. Oktober 2018 begann der 77. Bayerische Ärztetag in Nürnberg. Zu diesem Anlass kamen 180 ärztliche Delegierte aus ganz Bayern für drei Tage in die Frankenmetropole, um gesundheitspolitische Impulse zu setzen und wichtige berufspolitische Themen zu beraten. Eröffnet wurde der Bayerische Ärztetag von Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), in der Nürnberger Meistersingerhalle im Beisein der Bayerischen Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml (CSU), sowie dem Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Dr. Ulrich Maly (SPD).

Regulierung und Selbstbestimmung
Prof. Dr. Matthias S. Fifka, Leiter des Instituts für Wirtschaftswissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, sprach zum Thema „Zwischen Regulierung und Selbstbestimmung – Werteorientierung im Arztberuf“. Inhalte des Impulsreferats werden die Herausforderungen für Ärztinnen und Ärzte im 21. Jahrhundert sein und die ethischen Dilemmata, die durch sie aufgeworfen werden. Es wird erörtert, wie diese Herausforderungen moralisch zu bewerten sind und wie mit ihnen umgegangen werden kann. Inwiefern kann eine Werteorientierung dabei hilfreich sein?

Weiterbildung und Berufsordnung

Weiterbildung, das Kernthema der BLÄK, steht traditionell auf der Tagesordnung Bayerischer Ärztetage. Auf Bundesebene wird seit Jahren an einer Novelle der Muster-Weiterbildungsordnung (M-WO) gearbeitet und 2017 und 2018 haben Deutsche Ärztetage Beschlüsse dazu gefasst, die nun eine Umsetzung auf Länderebene ermöglichen. Der „Temporäre Ausschuss zur Umsetzung der M-WO“ in Bayern hat dazu in intensiven Beratungen zu einem guten Konsens gefunden und einen entsprechenden Antrag formuliert. Bayern hat jetzt die Chance, wesentliche Vorgaben der neuen M-WO umzusetzen und damit der jungen Ärztegeneration den Weg in die kompetenzbasierte Weiterbildung zum Facharzt zu ermöglichen.
Bei der Berufsordnung stehen zwei Änderungen auf der Tagesordnung: Die Erweiterung der Fernbehandlungsmöglichkeiten und die Stärkung der ärztlichen Unabhängigkeit. Abzustimmen ist über eine neue Formulierung des Paragrafen 7, Absatz 4 zur „ausschließlichen Fernbehandlung“. Hierzu hat der BLÄK-Vorstand einen Leitantrag vorbereitet, der eine ausschließliche Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien unter bestimmten Voraussetzungen zulässt.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de

23.10.2018 Ungekannte Einblicke gewähren FAU-Forscher erhalten EU-Förderung zur Entwicklung eines neuartigen Röntgenmikroskops
uni | mediendienst | forschung Nr. 90/2018 - www.fau.de

Wenn die Knochen im Alter leichter brechen, steckt dahinter oft Osteoporose. Allerdings ist immer noch nicht ausreichend verstanden, wie die Krankheit entsteht und abläuft. Um dem Abhilfe zu schaffen und eine raschere Therapieerfolge zu ermöglichen, entwickelt ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Helmholtz-Zentrums für Materialien und Energie in Berlin (HZB) ein neues bildgebendes Verfahren. Damit soll erstmals Röntgenmikroskopie am lebenden Menschen ermöglicht werden. Der Europäische Forscherrat (ERC) fördert das Projekt mit einem ERC-Synergy-Grant. Die Förderhöhe beträgt 12,3 Millionen Euro.
 
Weltweit nimmt die Zahl älterer und hochbetagter Menschen zu, und damit auch die Anzahl von Patienten, die an Osteoporose leiden. Allein in Europa sind dies etwa 27 Millionen. Die Knochenkrankheit beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich und führt zu hohen gesellschaftlichen Kosten. Um bessere Therapieerfolge zu ermöglichen, sind Methoden notwendig, um die Veränderung der Knochenstruktur im Laufe der Zeit, insbesondere an den Betroffenen selbst, tiefergehend zu analysieren. Diese Methoden stehen bisher aber nicht zur Verfügung, insbesondere solche nicht, die große statistisch aussagekräftige Studien erlauben.
 
Untersuchungen in mehreren Größenordnungen
Dies wollen die FAU-Wissenschaftler Prof. Dr. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 des Universitätsklinikums Erlangen, und Prof. Dr. Andreas Maier, Lehrstuhl für Informatik 5 der FAU, sowie Prof. Dr. Silke Christiansen vom HZB ändern. „Wir möchten das Wissen über Osteoporose revolutionieren. Dafür müssen wir die Knochenstruktur und -anatomie besser verstehen“, sagt Prof. Schett. Hierfür wollen die Forscher Knochen in verschiedenen Makro- und Nanoskalen genau untersuchen und beobachten, wie sich die Struktur unter Belastung und durch die Einnahme von Medikamenten im Laufe der Zeit verändert. Letzteres ist nur am Individuum möglich. Hierfür planen sie ein schnell scannendes und niedrig dosiertes Röntgenmikroskop zu entwickeln. Das Team modifiziert die Hard- und Software eines schon existierenden Gerätetyps der Firma Carl Zeiss Microscopy, indem es eine neue Hochleistungsröntgenquelle und einen ultraschnellen Auslesedetektor sowie zur Datenauswertung neueste maschinelle Lernverfahren einsetzt.
 
„Damit wird es möglich, Auswirkungen von Alter, Hormonstatus, Entzündungsprozessen, Medikamenten oder anderen Therapieansätzen auf den Knochen zu beurteilen“, sagt Prof. Schett. Die Methode lässt sich jedoch auch jenseits der medizinischen Forschung einsetzen: Sie ermöglicht auch in Studien dynamische Prozesse, wie Korrosionsprozesse und Mikrofrakturen, in natürlichen und synthetischen Materialien zu beobachten und zu dokumentieren. Das Projekt unter dem Namen 4D+nanoSCOPE erhält dafür für die nächsten sechs Jahre eine Förderung von insgesamt 12,3 Millionen Euro durch den ERC.
 
Informationen:
Prof. Dr. Georg Schett
Tel.: 09131/85-39133
georg.schett@uk-erlangen.de
 
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19.10.2018 Ein offenes Ohr für Patienten – seit 25 Jahren-Dank an Patientenfürsprecherinnen bei Jubiläumsfeier für ehrenamtliches Engagement
uni | mediendienst | aktuell Nr. 140/2018

Wenn Patienten Rat suchen oder einen Ansprechpartner für eine Beschwerde wünschen, dann haben die Patientenfürsprecher des Universitätsklinikums Erlangen ein offenes Ohr – und das bereits seit 25 Jahren. Dieses Jubiläum feierten die beiden aktuellen Patientenfürsprecherinnen Prof. Dr. Margareta Klinger und Claudia Gall-Kayser heute auch stellvertretend für ihre Vorgänger und gemeinsam mit dem Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, Erlangens Oberbürgermeister Dr. Florian Janik, den Bürgermeisterinnen Dr. Elisabeth Preuß und Susanne Lender-Cassens, Ruth Nowak, Amtschefin im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, und mit weiteren geladenen Gästen.

Während die einen absolut zufrieden sind, gibt es bei anderen Grund zur Beschwerde: Nicht alle Patienten erleben ihren Krankenhausaufenthalt gleich und nicht immer läuft in Sachen Kommunikation alles „glatt“. Damit die Patienten und ihre Angehörigen unabhängige Ansprechpartner haben, die ihre Anliegen aufnehmen und an die richtigen Stellen tragen, gibt es die ehrenamtlichen Patientenfürsprecher. Am Uni-Klinikum Erlangen sind das aktuell Prof. Dr. Margareta Klinger und Claudia Gall-Kayser. Die ehemalige Oberärztin der Neurochirurgie und die Diplompsychologin arbeiten unabhängig, aber gut vernetzt und mit einem guten Gespür für alle involvierten Parteien. „Unzufriedenheit bei Patienten entsteht zum Beispiel durch fehlende oder gestörte Kommunikation sowie durch lange Wartezeiten“, erklärt Prof. Klinger. „Wir helfen, indem wir vermitteln, anhören, organisieren und schlichten.“

Arbeit in einem sensiblen Feld
Eine Aufgabe, die nicht zu unterschätzen ist, wie Dr. Janik in seinem Jubiläumsgruß anmerkte: „Die Europäische Metropolregion Nürnberg ist europaweit führend, wenn es um medizinische Innovationen geht. Wichtig ist aber nicht nur modernste Technik, sondern vor allem, dass der einzelne Mensch gesund wird. Dabei spielt das Zwischenmenschliche eine ebenso große Rolle wie neueste Geräte.“ Deshalb dankte der Erlanger Oberbürgermeister den Patientenfürsprecherinnen des Uni-Klinikums Erlangen für ihre Arbeit in einem sensiblen Feld. Wie sensibel dieses sein kann, das erläuterte Prof. Iro: „Viele Patienten sehen sich heute als ‚Kunden‘, die sich so versorgen lassen wollen, wie es für sie am bequemsten ist. Auf der anderen Seite stehen Ärzte und Pflegekräfte, die trotz eines hohen Leistungsdrucks ihrer Verantwortung dem Patienten gegenüber gerecht werden wollen. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Umso mehr danke ich als Ärztlicher Direktor allen Patientenfürsprechern für ihr ehrenamtliches Engagement. Sie unterstützen nicht nur unsere Patienten, sondern auch uns als Mitarbeiter.“

Uni-Klinikum Erlangen mit Vorreiterrolle

Das Uni-Klinikum Erlangen war 1993 eines der ersten Krankenhäuser in Nordbayern, das seinen Patienten einen unabhängigen Ansprechpartner an die Seite stellte. Seitdem hat sich dieses Angebot bewährt: Nach Prof. Dr. Alfred Sigel (1993–2000), Rudolf Frank (2000–2009) und Walter Ketzinger (2009–2011) sind Prof. Klinger und Claudia Gall-Kayser bereits die vierte Generation von Erlanger Patientenfürsprechern. Bei ihrer Jubiläumsfeier plädierten die beiden dafür, dieses Angebot auch an weiteren bayerischen Kliniken zu etablieren.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Margareta Klinger
09131 85-36789
margareta.klinger@uk-erlangen.de  
Bild zum Download: https://www.fau.de/files/2018/10/18_UK_25-Jahre_Patientenfuersprecher_01_presse.jpg 

Bildunterschrift: Feierten gemeinsam die 25-Jahr-Feier der Patientenfürsprecher am Uni-Klinikum Erlangen (v. l.): Ruth Nowak (Amtschefin/Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege), Claudia Gall-Kayser (Patientenfürsprecherin), Prof. Dr. Margareta Klinger (Patientenfürsprecherin), Susanne Lender-Cassens (Bürgermeisterin/Stadt Erlangen) und Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro (Ärztlicher Direktor/Uni-Klinikum Erlangen). (Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen)

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18.10.2018 Mehr als nur Integration: mentale Gesundheit syrischer Flüchtlinge
uni | mediendienst | forschung Nr. 88/2018


„Dass Flüchtlinge überdurchschnittlich oft unter psychischen Beschwerden leiden, haben mehrere Untersuchungen bestätigt“, sagt Prof. Dr. (TR) Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). „Unklar war aber bisher, inwiefern bestimmte Faktoren die psychische Gesundheit beeinflussen – etwa die Länge des Aufenthalts und der Aufenthaltsstatus in Deutschland, die Lebensbedingungen der Geflüchteten oder die Dauer und Umstände ihrer Flucht.“ Eine neue Studie der Psychosomatik des Uni-Klinikums Erlangen, die im Magazin https://www.frontiersin.org/journals/psychiatry  veröffentlicht wurde, gibt darauf jetzt Antworten.

Die Studie untersucht die mentale Gesundheit syrischer Flüchtlinge in Deutschland. Dabei betrachten die Forscher nicht nur die Lebensbedingungen der Geflüchteten in ihrem Heimatland, sondern auch ihre aktuelle Lebenssituation in Deutschland sowie die Umstände der Flucht. Die Wissenschaftler um Prof. Erim identifizierten für ihre Untersuchung 518 erwachsene syrische Flüchtlinge in Erlangen, die eine Aufenthaltserlaubnis besitzen; 200 von ihnen nahmen schließlich an der Studie teil. Die Forscher interessierten sich vor allem für posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Depressionen und die generalisierte Angststörung sowie für Faktoren, die nach der Migration nach Deutschland zum Tragen kommen – etwa den Aufenthaltsstatus oder die allgemeinen Lebensumstände der Zuwanderer.

Fast jeder dritte Flüchtling psychisch erkrankt


Die große Mehrheit der Studienteilnehmer (75,3 Prozent) hat selbst Traumatisches erlebt oder ist Zeuge traumatischer Ereignisse geworden. Mehr als jeder Zehnte (11,4 Prozent) zeigt Symptome einer PTBS. Moderate bis schwere Depressionen wurden bei 14,5 Prozent der Flüchtlinge festgestellt, moderate bis schwere Formen der generalisierten Angststörung bei 13,5 Prozent. Bei etwas mehr als 30 Prozent der Teilnehmer fanden die Forscher Hinweise für mindestens eine der genannten psychischen Erkrankungen. Prof. Erim: „Wir stellten fest, dass schwere Formen von PTBS eher bei solchen Flüchtlingen auftreten, die schon älter sind und deren Aufenthaltserlaubnis nicht mehr so lange gültig ist. Depressionen fanden wir eher bei jüngeren Flüchtlingen, die eine verhältnismäßig kurze Flucht hinter sich haben. PTBS und Depressionen sind jeweils umso wahrscheinlicher, je mehr traumatische Ereignisse jemand erlebt habt und je mehr generalisierte Angstsymptome er zeigt.“ Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Leidet ein Flüchtling an einer generalisierten Angststörung, ist die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht, dass er auch von einer PTBS oder einer Depression betroffen ist. Dabei entwickeln weibliche Flüchtlinge eher eine generalisierte Angststörung als Männer.

„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass syrische Flüchtlinge in Deutschland eine extrem verwundbare Bevölkerungsgruppe sind – vor allem, wenn sie viele traumatische Ereignisse erlebt oder beobachtet haben“, fasst Yesim Erim zusammen. „Trotzdem sind die psychischen Beschwerden und Belastungen niedriger als in ähnlichen Gruppen von Geflüchteten. Das geht sicher auf die Willkommenskultur der Stadt Erlangen und die vielen Unterstützungsangebote zurück.“ Prof. Erim hat in der Erlanger Hartmannstraße eine Spezialambulanz für Geflüchtete aufgebaut. Dort werden Betroffenen Kriseninterventionen und ambulante Gruppentherapien in deutscher und arabischer Sprache angeboten. „Wir haben festgestellt, dass sich Zuwanderer oft zuerst auf die Integration in das neue Land konzentrieren und dass psychische Beschwerden mit der Zeit zunehmen“, erklärt Yesim Erim. „Wenn Geflüchtete aber nach ihrer Migration sofort günstige Lebensumstände und positive Zukunftsaussichten vorfinden, kann sich das vorteilhaft auf ihre psychische Gesundheit auswirken – auch das hat unsere Studie gezeigt.“

Link zur Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6121182/ 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. (TR) Yesim Erim
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18.10.2018 Experten diskutierten Strategien zur Verbesserung der Patientensicherheit in der Arzneimitteltherapie
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Montgomery: „Produktionsstätten aus Billiglohnländern zurück nach
Europa holen“

Berlin, 18.10.2018 - „In der Arzneimitteltherapie lassen sich Nebenwirkungen
nicht immer vermeiden. Umso wichtiger ist es, Patienten vor unnötigen
Risiken zu schützen und die Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland
weiter voranzubringen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr.
Frank Ulrich Montgomery anlässlich des 5. Deutschen Kongresses für
Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie in Berlin. Montgomery hob
die vielfältigen Maßnahmen zur Vermeidung von Medikationsfehlern im
Rahmen der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) hervor.
Selbstverständlich müssten aber auch die Arzneimittel selbst höchsten
Qualitätsanforderungen genügen, sagte er mit Blick auf jüngste Fälle von
Arzneimittel-Verunreinigungen mit einem potenziell krebserregenden Stoff.
Mittlerweile kämen rund 80 Prozent der in Deutschland verfügbaren
Wirkstoffe aus Billiglohnländern wie China und Indien. „Wir brauchen
wirksame Kontrollmechanismen, die den Import verunreinigter Arzneimittel
nach Deutschland verhindern. Notwendig sind außerdem Anreize für die
Industrie, ihre Produktionsstätten wieder in Europa anzusiedeln. Das würde
nicht nur die Arzneimittelsicherheit erhöhen, sondern auch das Problem der
Lieferengpässe entschärfen“, sagte Montgomery.
Der Deutsche Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie
ist die zentrale Plattform für den Austausch zwischen Ärzten, Apothekern,
Patienten und den Entscheidern im Gesundheitswesen in Fragen der
Arzneimitteltherapiesicherheit. Prof. Dr. Daniel Grandt, Kongresspräsident,
Vorstandsmitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I am Klinikum Saarbrücken, wies
auf das steigende öffentliche Interesse an AMTS hin. Noch wichtiger sei
aber, dass risikominimierende Maßnahmen die Patienten in der
Routineversorgung auch erreichen. Grandt: „Weder kann AMTS verordnet,
noch durch Technik als „plug-and-play-Lösung“ erreicht werden.“ Notwendig
sei eine enge interprofessionelle und intersektorale Zusammenarbeit in der
Arzneimittelversorgung. Grandt forderte, AMTS im Sozialgesetzbuch V zu
verankern und sie zu einem festen Bestandteil der externen
Qualitätssicherung zu machen. Positiv hob er die Aktionspläne zu AMTS
hervor, die seit dem Jahr 2008 vom Bundesministerium für Gesundheit
gemeinsam mit der Selbstverwaltung und Patientenorganisationen
umgesetzt werden.
„Der Aktionsplan AMTS hat wesentlich dazu beigetragen, das Bewusstsein
für die Arzneimitteltherapiesicherheit in den Fachkreisen zu stärken und die
Diskussion um die Verbesserung der AMTS zu intensivieren“, sagte Thomas
Müller, Leiter der Abteilung 1 Arzneimittel/Medizinprodukte im
Bundesministerium für Gesundheit. Ein Schwerpunkt der Arbeit der
Bundesregierung, so Müller weiter, ist die Digitalisierung im
Gesundheitswesen, bei der Arzneimittelversorgung insbesondere
Entwicklungen wie das E-Rezept, der digitale Medikationsplan und digitale
Ergänzungen zum Beipackzettel. So können wichtige Informationen und
Warnhinweise zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit für alle
Beteiligten schnell und IT-gestützt bereitgestellt werden.
Hannelore Loskill, Bundesvorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft
Selbsthilfe e. V, sieht den bislang nur in Papierform verfügbaren
Medikationsplan als einen ersten Schritt zur Entwicklung eines vollständigen
Medikationsplans auf der elektronischen Gesundheitskarte. Loskill betonte,
dass die Sicherheit medikamentöser Therapie insbesondere für chronisch
kranke Menschen von großer Bedeutung sei.
„Neue Möglichkeiten des bundeseinheitlichen Medikationsplans werden sich
eröffnen, wenn der elektronische Medikationsplan barrierefrei zwischen Arzt,
Apotheker, Krankenhaus und Patient elektronisch transportiert werden
kann“, sagte Dr. Sibylle Steiner, Dezernentin und Leiterin des
Geschäftsbereichs Ärztliche und veranlasste Leistungen der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung. Auch Steiner betonte die Notwendigkeit des
Zusammenwirkens aller Beteiligten in der Arzneimitteltherapie. Ebenso
wichtig sei aber auch eine eindeutige Aufgabenverteilung bei klar definierten
Zuständigkeiten.
Der vom 18. bis zum 19. Oktober 2018 tagende 5. Deutsche Kongress für
Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie wird von der Arzneimittelkommission
der deutschen Ärzteschaft veranstaltet und vom Bundesministerium für Gesundheit
gefördert. An der Veranstaltung nehmen rund 320 Experten aus verschiedenen
Professionen teil. Vertieft wird die Thematik in parallel zu den Plenumssitzungen
stattfindenden Workshops und Posterausstellungen. Weitere Informationen zu dem 5.
Deutschen Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie finden sich
im Internet unter www.patientensicherheit2018.de


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17.10.2018 Krankenhausaufenthalte von Menschen mit Demenz verringern
uni | mediendienst | forschung Nr. 87/2018

Neues Forschungsprojekt der FAU-Mediziner
Menschen mit Demenz in ambulant betreuten Wohngemeinschaften sollen seltener ins Krankenhaus eingewiesen werden. Das ist Ziel eines Forschungsprojektes der Universität Bremen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), das im März 2019 beginnt. Einbezogen werden Demenz-Wohngemeinschaften in Bayern, Berlin, Bremen und Hamburg. In Erlangen verantwortet Prof. Dr. Elmar Gräßel, Leiter des Zentrums für Medizinische Versorgungsforschung der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klink des Universitätsklinikums Erlangen, das Projekt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss, das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland, fördert das praxisorientierte Forschungsvorhaben mit 1,3 Millionen Euro. Das Geld kommt aus dem Innovationsfonds für Versorgungsforschung.

Fokus auf Wohngemeinschaften

Ambulant betreute Wohngemeinschaften sind eine Wohnform für Menschen, auch mit Demenz, die in ihrer angestammten Häuslichkeit nicht mehr angemessen versorgt werden können, aber nicht in einem Pflegeheim leben möchten. Bewohnerinnen und Bewohner einer Demenz-Wohngemeinschaft werden durch professionelles Pflegepersonal betreut – gleichzeitig bleiben Angehörige eng eingebunden. Durch gemeinsame Alltagsaktivitäten kann eine familiäre Atmosphäre entstehen, die Möglichkeiten zu sozialer Teilhabe bietet.

Erhöhtes Risiko


Dennoch haben Menschen mit Demenz ein erhöhtes Risiko für stationäre Krankenhausaufenthalte, die für sie oftmals besonders krisenhafte Belastungen mit starker Einschränkung der Lebensqualität darstellen. Sie gehen häufig mit gesundheitlichen Verschlechterungen einher. Zudem steigt das Risiko, danach noch stärker hilfe- und pflegebedürftig zu werden. Im Projekt sollen geeignete Maßnahmen angewandt werden, um die Lebensqualität zu verbessern, herausfordernde Verhaltensweisen wie beispielsweise Unruhe zu verringern, das Sturzrisiko zu senken und kognitive Fähigkeiten zu stabilisieren.

„Mehr Lebensqualität“

Um dieses Ziel zu erreichen, setzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Team von Prof. Dr. Elmar Gräßel (Universitätsklinikum Erlangen) und Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann (Universität Bremen) auf Schulung des Pflegepersonals, frühzeitigen Einbezug der zuständigen Haus- und Fachärzte sowie spezielle Therapien, bei denen motorische und kognitive Fähigkeiten gezielt trainiert werden. „Von den Ergebnissen unseres Forschungsprojektes können alle profitieren: die Menschen mit Demenz durch weniger Krankenhausaufenthalte und mehr Lebensqualität, was wiederum auch die Angehörigen entlastet, die Pflegefachkräfte durch verbesserte Abläufe sowie die Demenz-Wohngemeinschaften selbst durch die Erweiterung um ein innovatives Angebot“, so die Überzeugung der Projektverantwortlichen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Elmar Gräßel
Universitätsklinikum Erlangen
Tel.: 09131/85-34810
elmar.graessel@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann
Universität Bremen
Tel.: 0421/218-68960
wolf-ostermann@uni-bremen.de

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16.10.2018 Entzündungsspiel gewinnt Kindersoftwarepreis - Lernspiel „INFLAMMANIA – Fight for Cure“ erhält den 2. Platz in der Kategorie PC-Spiele
uni | mediendienst | aktuell Nr. 136/2018

Den Kindersoftwarepreis TOMMI erhalten innovative und gewaltfreie digitale Spiele, die Eltern helfen, ihre Kinder im Umgang mit Medien zu fördern und zu begleiten. Auf der Frankfurter Buchmesse hat nun Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, den Deutschen Kindersoftwarpreis 2018 überreicht. Im Rahmen des DFG-Sonderforschungsbereichs (SFB) 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ entwickelte ein interdisziplinäres Team unter Leitung der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg Schett) des Universitätsklinikums Erlangen das digitale Lernspiel „INFLAMMANIA – Fight for Cure“, um Vorgänge des Immunsystems anschaulich und für jedermann verständlich zu erklären. Das Spiel hat nach der Fachjury nun auch die Kinderjury überzeugt und ist mit dem 2. Platz in der Kategorie PC-Spiele ausgezeichnet worden.

Das menschliche Immunsystem ist hochkomplex. Wenn es jedoch von Eindringlingen angegriffen wird, reagiert es mit Entzündung. Bei gewissen Erkrankungen kann der Körper die Entzündung nicht mehr abstellen, was zur Organschädigung führt. Was gegen überschießende Entzündungen bei Erkrankungen im Gelenk (Arthritis), im Darm (Colitis) und in der Lunge (Asthma) hilft und welche Zellen wichtig sind, vermittelt das Spiel „INFLAMMANIA – Fight for Cure“.

Nach der Fachjury konnte das Entzündungsspiel aus Erlangen nun auch über 3.500 Kinder in ganz Deutschland überzeugen. Die Kinderjury sagt: „INFLAMMANIA gewinnt den 2. Preis beim TOMMI in der Kategorie PC, weil wir den menschlichen Körper gegen Krankheiten verteidigen mussten. Wir reisten in den Körper, um Menschen wieder gesund zu machen. Dabei wurden wir zu Ärzten, die dem kranken Menschen mit Abwehrkörpern halfen. In Lunge und Darm ging es richtig zur Sache. Doch das war zum Teil echt schwer und ohne Taktik ging es nicht. In dem Spiel gehörten wir zu den Guten und wir bekamen dabei sogar richtig Lust, selbst Ärzte zu werden. Denn gelernt haben wir dank der Infos auch eine ganze Menge.“

Lernen soll Spaß machen

Ziel des Entzündungsspiels ist es, Jung und Alt für die faszinierende Welt des Immunsystems zu begeistern und mit viel Spielspaß komplexe molekulare Vorgänge des Körpers zu vermitteln. Die Auszeichnung mit dem TOMMI 2018 ist für die Wissenschaftskommunikation des SFB 1181, die durch Sandra Jeleazcov von der Medizin 3 des Uni-Klinikums Erlangen koordiniert wird, ein großer Erfolg. Denn nicht nur Erwachsene empfehlen das Spiel, sondern auch Kinder haben es getestet und als unterhaltsam, lehrreich und spannend bewertet.

Zum Browsergame: www.inflammania.de

Weitere Informationen:
Sandra Jeleazcov
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sandra.jeleazcov@uk-erlangen.de

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11.10.2018 BÄK veröffentlicht Erklärung zur Bedeutung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls als sicheres Todeszeichen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 11.10.2018 - „Die Bedeutung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls (IHA)
als sicheres Todeszeichen ist naturwissenschaftlich begründet.“ So lautet die
Kernaussage einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit, die in dieser Woche im
Deutschen Ärzteblatt erscheint und die im Auftrag des Vorstandes der
Bundesärztekammer (BÄK) von einer Expertengruppe des Wissenschaftlichen
Beirates der BÄK erstellt wurde. Die Autoren beantworten wichtige Fragen zu dem
umgangssprachlich als „Hirntod“ bezeichneten IHA und stellen dessen
medizinisch-naturwissenschaftliche Bedeutung als sicheres Todeszeichen fest.

In Deutschland hat der Gesetzgeber der BÄK die Aufgabe übertragen, den Stand der
Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft für die Regeln zur Feststellung des
IHA in Richtlinien festzustellen. Die Richtlinie wurde zuletzt im Jahr 2015 auf
Empfehlung eines Arbeitskreises des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK mit
Genehmigung des Bundesgesundheitsministeriums fortgeschrieben. „Diesen
gesetzlichen Auftrag zur Richtlinienerstellung verstehen wir auch als Verpflichtung,
über die Bedeutung und die Sicherheit dieses diagnostischen Verfahrens sowie über
die Folgen des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls für die Betroffenen aufzuklären“,
sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery.
Die zweifelsfreie Feststellung des IHA sei nicht nur zwingende Voraussetzung für
eine mögliche Organ- oder Gewebespende, sondern auch unabhängig davon für
die gesamte Intensivmedizin unverzichtbar.

„Die richtlinienkonforme Diagnose des IHA ist sicher. Es ist kein Fall bekannt, bei
dem trotz korrekter Anwendung der BÄK-Richtlinie die Feststellung des IHA
unzutreffend gewesen wäre“, fasste der Vorsitzende des Wissenschaftlichen
Beirats, Prof. Dr. Peter C. Scriba, ein wichtiges Ergebnis der von einem Arbeitskreis
unter der Federführung von Prof. Dr. Stephan Brandt, Charité-Universitätsmedizin
Berlin, erstellten Expertise zusammen. Darin erläutern die Autoren, dass sich alle


Zustände nur verminderter und alle Zustände nur vorübergehend fehlender
Hirnfunktion durch richtliniengemäßes diagnostisches Vorgehen eindeutig vom
IHA unterscheiden lassen. Die bei allen Menschen gleichen biologischen
Gegebenheiten bedingten die Bedeutung des IHA als sicheres Todeszeichen. „Mit
dem IHA fehlen die mit dem Gehirn verbundenen Regelungskreise sowie die
körperliche Grundlage für das Bewusstsein und die Personalität; sowohl die
Spontanität der anderen Organfunktionen als auch deren Integration zur Einheit
des Menschen als Lebewesen ist unmöglich geworden“, heißt es in der
Übersichtsarbeit.

Um den Text auch einer internationalen Leserschaft zugänglich zu machen, wird er
als deutschsprachiger sowie anschließend als englischsprachiger wissenschaftlicher
Fachartikel publiziert. Die Veröffentlichung wird durch eine Erklärung der
Bundesärztekammer zur Bedeutung des IHA als sicheres Todeszeichen im
Deutschen Ärzteblatt begleitet.

Übersichtsarbeit zur Bedeutung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls als sicheres
Todeszeichen

Erklärung der Bundesärztekammer zur Bedeutung des irreversiblen
Hirnfunktionsausfalls als sicheres Todeszeichen

Richtlinie gemäß § 16 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 TPG für die Regeln zur Feststellung des
Todes nach § 3 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 TPG und die Verfahrensregeln zur Feststellung des
endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des
Kleinhirns und des Hirnstamms nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 TPG, Vierte Fortschreibung

Pressestelle der Bundesärztekammer
Berlin

11.10.2018 Die lange Bank der Entscheidungen? Ärztetag in Nürnberg
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Vom 26. bis 28. Oktober findet in der Meistersingerhalle in Nürnberg der 77. Bayerische Ärztetag statt. Auf dem Programm der Auftaktveranstaltung am Freitagabend stehen Grußworte von Melanie Huml (CSU), Staatsministerin für Gesundheit und Pflege sowie vom Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly (SPD). Interessant wird sicherlich auch das Impulsreferat von Professor Dr. Matthias S. Fifka, Leiter des Instituts für Wirtschaftswissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), zum Thema „Zwischen Regulierung und Selbstbestimmung – Werteorientierung im Arztberuf“. Im Leitartikel der Oktober-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes schreibt BLÄK-Präsident Dr. Gerald Quitterer: „Darum geht es doch. Wohin geht die Profession Arzt? Warum haben wir Nachwuchsprobleme? Warum werden Haus- und Facharztpraxen nicht mehr nachbesetzt und warum finden die Klinken nicht genug Ärztinnen und Ärzte?

 

Was fehle, seien mutige Schritte, wie zum Beispiel, den Masterplan Medizinstudium 2020 endlich umfänglich umzusetzen, oder den Zugang zum Medizinstudium so zu reformieren, dass die Abiturnote tatsächlich in den Hintergrund rücke. Vor allem aber, mehr universitäre Studienplätze für Medizin zu schaffen, damit nicht der Mediziner über Bachelor- und Masterstudiengänge oder gar der „Physician Assistant“ eines Tages den Arzt heutiger Profession ersetze. „Regulierung also dort, wo sie erforderlich ist, aber nicht dort, wo sie die Selbstverwaltung gängelt“, schreibt Quitterer, so wie derzeit im geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetz, oder dort, wo sie Ärztinnen und Ärzte unter Druck setze, wie beispielsweise beim angedrohten Honorarverlust im Zusammenhang mit der Anbindung an die Telematikinfrastruktur.

Bei der Berufsordnung stünden zwei Änderungen auf der Tagesordnung: Die Erweiterung der Fernbehandlungsmöglichkeiten und die Stärkung der ärztlichen Unabhängigkeit. Abzustimmen ist über eine neue Formulierung des Paragrafen 7, Absatz 4 zur „ausschließlichen Fernbehandlung“. Hierzu habe der Vorstand einen Leitantrag vorbereitet, der eine ausschließliche Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien unter bestimmten Voraussetzungen zulässt. Vorausgegangen waren auch dazu die Beschlüsse des diesjährigen Deutschen Ärztetages.

Mehr zu „Die lange Bank der Entscheidungen?“ lesen Sie in der Oktober-Ausgabe 2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
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08.10.2018 „Wer (alkoholfreies) Bier trinkt, lebt hundert Jahre“
uni | mediendienst | forschung Nr. 84/2018

Bierinhaltsstoffe als Mittel gegen Entzündungen und Fettleibigkeit? Forscher um Prof. Dr. Claus Hellerbrand, Institut für Biochemie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), haben für ihr Forschungsprojekt, das Bierinhaltsstoffe hinsichtlich ihrer entzündungshemmenden Wirkung untersucht, den Forschungspreis der European Foundation for Alcohol Research und der European Brewery Convention über 60.000 Euro erhalten.


„Wer Bier trinkt, lebt hundert Jahre“, so lautet ein italienisches Sprichwort, in dem vielleicht mehr Wahrheit steckt, als erwartet. Bier enthält die Stoffe Xanthohumol und Iso-Alphasäuren. Laut Studien der Arbeitsgruppe von Prof. Hellerbrand hemmt Xanthohumol die durch Übergewicht und Fehlernährung hervorgerufene Leberverfettung und verhindert, dass die Leber vernarbt. Zudem tötet es Leberkrebszellen ab und verhindert bei Überernährung die Gewichtszunahme. Auch die Iso-Alphasäuren haben eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Sie hemmen Leberschäden und beeinflussen den Fett- und Zuckerstoffwechsel positiv.


In neuen Forschungsarbeiten fanden die Wissenschaftler gemeinsam mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ina Bergheim, Universität Wien, außerdem heraus, dass die beiden Substanzen biologische Prozesse besonders in der Kombination günstig beeinflussen. Zusammen hemmen sie beispielsweise Entzündungsprozesse noch effektiver. Bereits sehr niedrige Konzentrationen bremsen deutlich die Produktion von Entzündungsfaktoren in Leber- und Blutzellen. Ob auch noch weitere Krankheitsmechanismen wie Diabetes oder Krebs durch die Kombination der beiden Substanzen effektiver bekämpft werden können, soll in dem nun geförderten Forschungsprojekt untersucht werden. Ferner sollen die Mechanismen, die dieser guten kombinatorischen Wirkung zugrunde liegen, entschlüsselt werden.

Hopfen – Gelbes Gold

Xanthohumol gehört zu den Pflanzenpolyphenolen – den aromatischen Verbindungen, die für Farbe und Geschmack der Pflanzen sorgen. Der Stoff ist ausschließlich im Hopfen zu finden und für den gelben Farbton der Hopfenblüten verantwortlich. Hopfen spielt eine wichtige Rolle beim Brauen von Bier, bei dem Xanthohumol jedoch in großen Teilen abgebaut wird. Im Bier selbst liegt nur ein geringer Anteil des Stoffes vor. Ein weiterer Inhaltsstoff des Hopfens sind die Bittersäuren, die den typischen Biergeschmack hervorrufen. Eine Gruppe von ihnen sind die alpha-Säuren, die durch die Erhitzung beim Brauprozess in Iso-Alphasäuren umgewandelt werden.

Minuspunkt: Alkohol

Die derzeit einzige Art, wie Xanthohumol und Iso-Alphasäuren vom Menschen aufgenommen werden, ist über den Genuss von Bier, wenn auch hier in relativ geringer Konzentration. Bier ist jedoch keine Medizin. Der Grund: der Alkoholgehalt. „Es ist jedoch denkbar, dass durch den Konsum von alkoholfreiem Bier oder anderen hopfenhaltigen Nahrungsmitteln und Getränken wie Hopfenlimonade oder Hopfentee eine positive Wirkung zu erzielen ist. Gerade zur Behandlung oder Prävention von Leberschädigung durch Fettleibigkeit scheinen Xanthohumol und Iso-Alphasäuren sehr vielversprechend“, erläutert Hellerbrand.


Weitere Informationen:
Prof. Dr. Claus Hellerbrand
Tel.: 09131/85-24191 (Sekretariat)
claus.hellerbrand@fau.de


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04.10.2018 Bornavirus kann für Menschen tödlich sein
uni | mediendienst | forschung Nr. 83/2018

Forschergruppe wies Virus bei Patienten mit Gehirnentzündung nach
Das von Erkrankungen bei Pferden und Schafen bekannte klassische Bornavirus (BoDV-1) kann auch bei gesunden Menschen tödliche Gehirnentzündungen auslösen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschergruppe um Prof. Dr. Armin Ensser vom Virologischen Institut (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) des Universitätsklinikums Erlangen in einer jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlichten Arbeit. „Die von uns untersuchten tödlichen Krankheitsfälle zeigten das Krankheitsbild einer schweren Gehirnentzündung, die eindeutig von einer Bornavirus-Infektion ausgelöst wurde“, sagt Prof. Ensser.

Das untersuchte Krankheitsbild habe große Ähnlichkeit mit der Bornaschen Krankheit bei Pferd und Schaf sowie mit den sehr seltenen Bornavirus-Infektionen bei Haltern exotischer Bunthörnchen in Deutschland. Nach heutigem Wissensstand ist das ursächliche Bornavirus regional begrenzt in Teilen Ost- und Süddeutschlands, Österreichs, der Schweiz und Liechtensteins verbreitet. „Bei Patienten mit schweren neurologischen Erkrankungen sollte daher das Bornavirus insbesondere in diesen Risikogebieten als möglicher Erreger berücksichtigt werden“, sagt Prof. Ensser. „Die Dunkelziffer von Bornavirus-Infektionen bei tödlichen Gehirnentzündungen ist unbekannt, da die Infektion bislang bei Routineuntersuchungen nicht in Betracht gezogen wurde.“ Weitere Forschungen sollen nun unter anderem klären, wie häufig Bornavirus-Infektionen beim Menschen tatsächlich sind, wie das Virus rechtzeitig diagnostiziert und der tödliche Infektionsverlauf verhindert werden kann. Derzeit gibt es noch keine zugelassene antivirale Therapie.

Spitzmäuse sind mögliche Infektionsquelle

Die „hitzige Kopfkrankheit der Pferde“, die durch das Virus der Bornaschen Krankheit ausgelöst wird, wurde erstmals 1813 beschrieben. Ihren Namen erhielt die Krankheit 1894, als ein ganzer Stall voller Kavalleriepferde in der Stadt Borna erkrankte. Das natürliche Reservoir des Bornavirus ist die Feldspitzmaus. Bisher war bekannt, dass das Virus von Spitzmäusen über den Urin und Speichel ausgeschieden und gelegentlich auf andere Säugetiere – sogenannte Fehlwirte dieses Virus – übertragen wird, bei denen es dann zur Bornaschen Krankheit kommen kann. Vor allem Pferde und Schafe sind davon betroffen. Während infizierte Feldspitzmäuse keine Anzeichen einer Erkrankung zeigen, befällt das Virus bei den Fehlwirten das zentrale Nervensystem und es kommt, wahrscheinlich durch den Angriff von körpereigenen Immunzellen, zu umfangreichen Zerstörungen im Gehirn. Eine Übertragung des Virus von infizierten Pferden oder Schafen untereinander oder auf andere Säugetiere wurde bisher nicht nachgewiesen. Das Virus wird von den Fehlwirten nicht ausgeschieden und ist auch in ihrem Blut kaum nachweisbar.


Nachdem zwei Patienten ohne bekannte Risikofaktoren und trotz intensiver Behandlung an einer schweren Gehirnentzündung unbekannter Ursache verstorben waren, hatte das Forscherteam aus Neuropathologen und Virologen unter Federführung von Prof. Ensser deren Gewebeproben mittels moderner Next-Generation-Sequencing-Verfahren untersucht. Dazu wurden die RNA-Sequenzen von Millionen von RNA-Molekülen bestimmt und bioinformatisch mit Sequenzdatenbanken bekannter Pathogene verglichen. Hierdurch identifizierten die Wissenschaftler im Gehirn eines der verstorbenen Patienten große Mengen der Erbsubstanz eines Virus. Die Nukleinsäuresequenz dieses Virus war eindeutig dem klassischen Borna-Disease-Virus 1 (BoDV-1) zuzuordnen. In anschließenden methodisch unabhängigen Untersuchungsverfahren konnte die Diagnose einer Bornavirus-Infektion durch Antigennachweis mittels klassischer Immunohistochemie, RT-PCR (Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion) und den Nachweis virusspezifischer Antikörper im Patientenserum eindeutig bestätigt werden. Von einer anderen Forschergruppe konnte das Bornavirus auch bei drei Empfängern von Spenderorganen eines postmortalen Organspenders nachgewiesen werden, der als Virusüberträger gilt. Zwei der immunsupprimierten Organempfänger verstarben im weiteren Verlauf, der Dritte überlebte mit schweren Gehirnschäden.

Die untersuchten Fälle stellen keine Bestätigung der in der Vergangenheit veröffentlichten Studien zu einem weitverbreiteten Vorkommen von BoDV-1-Infektionen beim Menschen und bei bestimmten neuropsychiatrischen Erkrankungen dar. „Insbesondere waren – außer im Gehirn – kein Virus und keine Virusbestandteile in anderen Geweben und Körperflüssigkeiten nachweisbar, sodass eine Übertragung des Virus über normale zwischenmenschliche Kontakte auszuschließen ist“, so Prof. Ensser. Alle Patienten und der Organspender stammten aus einem der bekannten Verbreitungsgebiete von BoDV-1.

Die Studienergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine publiziert: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc1800724


Weitere Informationen:
Prof. Dr. Armin Ensser
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02.10.2018 44.000 Euro für die weitere Entwicklung einer Therapie im Mutterleib
uni | mediendienst | aktuell Nr. 127/2018

Schweizer Stiftung unterstützt Forschung zur Ektodermalen Dysplasie

Ein Herzensanliegen von Elisabeth Forberg war es, mit den Mitteln ihrer Stiftung Institutionen zu unterstützen, die Hilfeleistungen für notleidende Kinder und deren Familien erbringen. In diesem Jahr fördert die gemeinnützige Schweizer Stiftung deshalb die Forschung von Prof. Dr. Holm Schneider, Oberarzt der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Rascher) und Sprecher des Zentrums für Ektodermale Dysplasien Erlangen des Universitätsklinikums Erlangen, mit 50.000 Schweizer Franken, also rund 44.000 Euro. Wie im Frühjahr 2018 berichtet, ist es dem Kinderarzt und seinen Kollegen erstmals weltweit gelungen, die lebensbedrohliche Erbkrankheit Ektodermale Dysplasie mit einem Medikament schon im Mutterleib erfolgreich zu behandeln. Seitdem läuft die Forschung zu dieser neuartigen Therapie auf Hochtouren.

Drei Kinder mit Ektodermaler Dysplasie entwickelten dank einer Proteinspritze ins Fruchtwasser ihrer Mutter nicht nur deutlich mehr Zahnanlagen als ihre unbehandelten Geschwister, sondern auch Schweißdrüsen – die bei Patienten mit derselben Form der Ektodermalen Dysplasie sonst fehlen. Die Erlanger Forscher gehen davon aus, dass die bisher behandelten Kinder nun lebenslang normal schwitzen können und nicht mehr von Überhitzung bedroht sind. Sollten ihre Mütter aber irgendwann erneut mit einem betroffenen Kind schwanger sein, wäre die gleiche Therapie nur möglich, wenn sich im Zuge der ersten Behandlung keine Antikörper gegen das therapeutische Protein gebildet haben. Um herauszufinden, ob solche Antikörper entstanden sind, müssen mütterliche Blutproben untersucht werden, die vor und nach der Verabreichung des Proteins entnommen wurden.

Damit sind auch einige grundlegende Fragen verbunden: Ist die Plazentaschranke der Schwangeren – also jener Gewebefilter, der den mütterlichen vom kindlichen Blutkreislauf trennt – dicht genug, um eine unerwünschte Antikörperbildung verlässlich zu verhindern? Und falls nicht: Würde ein Fremdprotein, das der Fetus aus dem Fruchtwasser aufnimmt, dann vielleicht von lokalen Toleranzmechanismen in der Plazenta profitieren und gar keine Immunantwort der Schwangeren hervorrufen?

Die Unterstützung der Forberg-Stiftung ermöglicht es, diesen Fragen nachzugehen. Zugleich sollen Tests etabliert werden, die später auch für eine multizentrische Studie nutzbar sind – mit dem Ziel, das vorgeburtliche Therapieverfahren zur Zulassung zu bringen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Holm Schneider
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28.09.2018 Psychologische Beratung für die Generation Smartphone
uni | mediendienst | forschung Nr. 82/2018

FAU-Forscher beteiligen sich an EU-Projekt zur Entwicklung von Leitlinien für Online-Beratungen und Therapie

Psychische Erkrankungen unter Jugendlichen sind stark angestiegen. Um die Betroffenen leichter mit Hilfsangeboten zu erreichen, können Therapeuten dank sozialer Medien und Smartphone neue Wege beschreiten. Hierfür entwickelten Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) im Rahmen der zweijährigen EU-Initiative Therapy 2.0 zusammen mit Partnern aus sieben verschiedenen Ländern Leitlinien und Trainingsmaterial für Berater, Therapeuten, Lehrer und Flüchtlingshelfer. 

WhatsApp, Facebook, Skype und das Smartphone: die sogenannte Generation Smartphone nutzt neue Kommunikationswege. Damit verändern sich auch deren Konsumgewohnheiten – Onlineangebote sind die Norm. Wer diese Generation erreichen will, muss deshalb neue Wege beschreiten. Dies gilt auch für jene, die therapeutisch oder beratend tätig sind und jungen Erwachsenen mit psychischen, psychosozialen und psychosomatischen Störungen wie beispielsweise Depressionen, Angstzuständen oder Panikstörungen helfen wollen. Hier empfehlen sich laut des Barmer Arztreport 2018 niederschwellige Formen wie Online-Angebote, um die Betroffenen zu erreichen. Dass dieser Ansatz notwendig ist, zeigt der Arztreport ebenfalls: In Deutschland stieg die Zahl der 18- bis 25-jährigen Menschen mit psychischen Erkrankungen und Störungen zwischen 2005 und 2016 um 38 Prozent von 1,4 Millionen auf 1,9 Millionen. Somit war 2016 etwa ein Viertel der gesamten Altersgruppe von einer psychischen Erkrankung bedroht oder betroffen. 

Die neuen Möglichkeiten der Online-Welt

Um das Bewusstsein für und das Potenzial von Informations- und Kommunikationstechnologie in Beratungs- und Therapieprozessen zu schärfen, haben sich acht Partner aus sieben europäischen Ländern in den letzten zwei Jahren in der Initiative „Therapy 2.0 – Counselling and Therapeutic Interactions with Digital Natives“ zusammengetan. Gefördert wurde dieses Projekt durch das EU-Erasmus + - Programm. Ziel der Initiative war es, Beratern und Therapeuten zu helfen, ihre Tätigkeiten auf Online-Angebote auszuweiten. Hierfür entwickelten die Teilnehmer der Therapy 2.0-Initiative verschiedene Instrumente, die sich leicht in die therapeutische Praxis einbinden lassen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Lern-Innovation (ILI) der FAU leiteten dabei die inhaltliche Entwicklung der Instrumente. „Eine unserer Aufgaben war es, zu Beginn eine europaweite Bedarfsanalyse zu erstellen“, sagt Psychologin Evelyn Schlenk vom ILI. Hierfür befragten die FAU-Forscher unter anderem Berater, Therapeuten, Berufsverbände und Flüchtlingshelfer. Dabei zeigte sich, dass in Deutschland und anderen europäischen Staaten die Möglichkeiten moderner Kommunikationstechnologie noch nicht weit in den Therapiealltag eingebunden ist. In Ländern wie Kroatien oder Slowenien gibt es hingegen bereits ausgefeilte Online-Beratungsstrukturen.

„Es besteht zudem vor allem in technischer und rechtlicher Hinsicht Unsicherheit“, sagt Schlenk. „Therapeuten und Berater fragen sich zum Beispiel, welche Vorteile und mögliche Einschränkungen es möglicherweise bei Online-Angeboten gibt oder für welche Beratungs- und Behandlungsformen diese überhaupt geeignet sind. Hinzu kommen noch praktische Fragen nach beispielsweise Daten- und Patientenschutz, Kosten oder Abrechnungsmöglichkeiten.“ Hierfür entwickelten die Projektpartner Leitlinien, die Beratern und Therapeuten helfen, ihre Kompetenzen auf eine Online-Umgebung umzusetzen, Schulungsmaterial als Ergänzung dieser Leitlinien, Sammlungen weltweiter Beispiele aus der Praxis, eine Plattform als virtuelle Lernumgebung sowie eine App, die sämtliche Materialen beinhaltet.

Auch in der Flüchtlingshilfe einsetzbar

Dieser Online-Ansatz soll auch jungen Flüchtlingen zugutekommen. Die meisten von ihnen haben traumatische Erfahrungen gemacht und leiden häufig an posttraumatischen Belastungsstörungen. Ihre wichtigsten Kommunikationsmittel sind Smartphones. Da ihre Sprachkenntnisse oft schlecht sind, braucht die konventionelle Beratung einen weiteren Ansatz, der Medien nutzt, in denen diese Jugendlichen zu Hause sind. Nicht zuletzt eröffnet dies auch Wege der Gewaltprävention, die mit traumatischen Fluchterfahrungen zusammenhängen können.

Mehr Informationen unter www.ecounselling4youth.eu
Weitere Informationen:
Evelyn Schenk
Tel.: 09131/85-61117
evelyn.schlenk@fau.de

 
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25.09.2018 Langzeitfolgen von Herz-OPs im frühen Kindesalter untersucht
uni | mediendienst | forschung Nr. 81/2018

Neue Studie verdeutlicht: Kinder entwickeln sich trotz OP altersgerecht – die Eltern können positiv dazu beitragen
Entwickelt sich ein Kind, das in der frühen Kindheit aufgrund eines Ventrikelseptumdefekts (VSD, ein Loch in der Herzscheidewand) operiert wurde, psychisch anders als Gleichaltrige ohne eine solche OP? Inwiefern sind Eltern durch den frühen Eingriff bei ihrem Kind belastet? Welche Faktoren wirken sich positiv auf den weiteren Entwicklungsverlauf aus und welche Kinder und Eltern sind besonders von Langzeitfolgen betroffen? Diesen Fragen gingen Wissenschaftler und Ärzte der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit (Leiter: Prof. Dr. Gunther H. Moll) und der Kinderherzchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) des Universitätsklinikums Erlangen nach. Die von der Robert-Enke-Stiftung mit 41.000 Euro geförderte Studie unter der Leitung von Dr. Anna Eichler zeigte, dass die Kinder ihren Altersgenossen in nichts nachstehen, wenn bestimmte Entwicklungen beachtet werden.

Wie die Studie darlegt, entwickeln sich Kinder, die im Alter von null bis zwei Jahren wegen eines einfachen VSD operiert wurden, kognitiv und motorisch altersgerecht. Auch ihr Wohlbefinden gleicht im Zeitraum des Grundschulalters dem Gleichaltriger. Die sprachlichen Fähigkeiten der jungen Patienten waren ebenfalls unbeeinträchtigt – unter einer Voraussetzung: Die Mutter zeigte viel Engagement bei der Erziehung ihres Kindes. Neurologische Auffälligkeiten scheinen durch mütterliches Erziehungsverhalten kompensiert werden zu können. Besondere Erlebens- und Verhaltensauffälligkeiten zeigen sich bei operierten Kindern nur, wenn Mütter verstärkt Ängste entwickeln. Durch Speichelproben konnten die Forscher auch neurobiologische Marker einbeziehen. Es zeigte sich, dass das Stresssystem der betroffenen Kinder unverändert arbeitete, wohingegen deren Mütter höhere Stresshormonwerte aufwiesen als die Vergleichsmütter. „Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass es wichtig ist, die Mütter im Umgang mit ihrem herzkranken Kind und ihren eigenen Ängsten an die Hand zu nehmen, um eine verantwortungsbewusste Mutter-Kind-Interaktion zu fördern und Ängste der Eltern zu reduzieren“, erklärt Dr. Eichler, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Erlanger Kinderpsychiatrie und Studienleiterin. „Geeignete Angebote, die bereits während der Schwangerschaft ansetzen und die Familie in der darauffolgenden Zeit begleiten, gilt es zu entwickeln und zu evaluieren.“

In der Kooperationsstudie wurden 39 Kinder im Grundschulalter von sechs bis neun Jahren untersucht, die im Laufe ihrer ersten drei Lebensjahre aufgrund eines angeborenen einfachen VSD in der Kinderherzchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen operiert wurden. Mitarbeiter der Erlanger Kinderpsychiatrie erfassten deren aktuellen Entwicklungsstand in emotionalen, kognitiven, sozialen und motorischen Bereichen und verglichen ihn mit den Ergebnissen einer Kontrollgruppe. Sie werteten sowohl Intelligenz- und Entwicklungstest der Kinder aus, als auch Fragebögen, die die jungen Probanden und ihre Eltern ausfüllten. Ebenfalls wurden Einflussfaktoren wie Elternängste, Komplikationen bei der OP und die Belastung durch die Operationsnarbe berücksichtigt. Neben den Vergleichen der Patienten- mit den gesunden Kontrollkindern wurde auch innerhalb der operierten Patientengruppe nach Einflussfaktoren auf den Entwicklungsstand gesucht, die mit der Operation und dem Krankenhausaufenthalt in Zusammenhang standen. Die Ergebnisse legen einen Zusammenhang zwischen der Dauer des Klinikaufenthaltes und der Entwicklung von Intelligenz und Psychomotorik nahe. Die sprachliche Entwicklung war auch in diesem Zusammenhang vor allem durch das mütterliche Erziehungsverhalten und nicht durch die Parameter der Operation beeinflusst. Aus kinderherzchirurgischer Sicht zeigten sich ein früher Eingriff, das heißt im Laufe des ersten Lebensjahres, und ein positives Narbenoutcome als förderlich für die psychische Entwicklung der kleinen Patienten.

„Die Studie liefert bedeutende Erkenntnisse, um die Behandlung herzkranker Kinder weiter zu optimieren und um Familien zu unterstützen“, erklärt Teresa Enke, Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, die die Studie förderte. Die Stiftung unterstützt Projekte, Maßnahmen und Einrichtungen, die über Herzkrankheiten von Kindern sowie Depressionskrankheiten aufklären und deren Erforschung oder Behandlung dienen.
Zur Webseite der Robert-Enke-Stiftung: https://robert-enke-stiftung.de/

Weitere Informationen:
Dr. Anna Eichler
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21.09.2018 Petition: Fristverlängerung Telematikinfrastruktur
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) unterstützt die Petition zur Fristverlängerung bei der Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) und hat dazu auf ihrer Internetseite unter www.blaek.de einen Link eingerichtet. Zur Unterzeichnung aufgerufen sind nicht nur alle Vertragsärzte und Psychotherapeuten, sondern alle von der TI tangierten Personenkreise, beispielsweise auch Klinikärzte und Praxismitarbeiterinnen. Bis Ende 2018 müssten nach aktueller Gesetzeslage alle Praxen der niedergelassenen Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten an die TI angebunden sein. „Aufgrund der verzögerten Marktentwicklung für die benötigte Hardware ist dieser Termin für viele Praxen nicht haltbar und somit der angedrohte Honorarabzug nicht hinzunehmen“, erklärt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK. Deshalb sei es wichtig, dass möglichst viele die Petition unterzeichneten. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite der KVB unter www.kvb.de/petition-ti.

 

Direktlink zur Petition:

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2018/_08/_22/Petition_83509.nc.html

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
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20.09.2018 Neue Wege für die Demenz-Behandlung
uni | mediendienst | aktuell Nr. 125/2018

FAU-Graduiertenkolleg zeigt: bessere Versorgung – weniger Krankheitssymptome

Vergessen verhindern: Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) liefern neue Erkenntnisse zur Demenzbehandlung und zeigen auf, wie Prävention, nicht-pharmakologische Therapie und Versorgung bei Demenz optimiert werden können. Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung hat das Graduiertenkolleg bei der Forschung unterstützt.

„Wir wissen, dass die Alzheimer-Krankheit sehr langsam im Gehirn abläuft; wer mit 70 Jahren eine Alzheimer-Demenz diagnostiziert bekommt, bei dem läuft die Erkrankung unbemerkt vermutlich ab dem 40. Lebensjahr. In diesem Zeitraum, also gerade im mittleren Lebensalter, gilt es, den Ausbruch der Alzheimer-Demenz zu verhindern“, betont Prof. Dr. Johannes Kornhuber, Leiter der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik des Universitätsklinikum Erlangen. Prävention, nicht-medizinische Behandlung und Versorgung sind demnach von besonderer Bedeutung, um Alzheimer zu verhindern oder zu behandeln.

Mit diesen Themen setzt sich das Graduiertenkolleg „Optimierungsstrategien bei Demenz" (OptiDem) der FAU auseinander. Elf Doktoranden haben international verfügbare Literatur analysiert und wichtige Erkenntnisse zum Umgang mit Demenz herausgefunden: Etwa senken geistige und körperliche Aktivitäten Verhaltensauffälligkeiten bei Demenzerkrankten. Ebenso helfen Massagetherapien bei Unruhezuständen und telefonische Beratung bei depressiven Demenzpatienten.

Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml lobt die Wissenschaftler für ihre Errungenschaften: „Durch Ihre Forschungsarbeit helfen Sie maßgeblich mit, das Wissen insbesondere über mögliche Demenztherapien zu mehren. Ein Erkenntnisgewinn, der auch zur Weiterentwicklung der Bayerischen Demenzstrategie beitragen kann.“

Seit 2015 erforschen Wissenschaftler aus drei deutschen Universitäten in Bayern, Baden-Württemberg und Brandenburg unter Leitung von Prof. Dr. Elmar Gräßel (FAU) die Krankheit Demenz: PD Carolin Donath, Prof. Dr. Peter Kolominsky-Rabas (Universitätsklinikum Erlangen), Prof. Dr. Andreas Frewer (FAU), Prof. Dr.Stefanie Joos (Universitätsklinikum Tübingen) und Prof. Dr. Michael Rapp (Universität Potsdam). Die Ergebnisse werden Ende des Jahres veröffentlicht.


Weitere Informationen:
Prof. Dr. Elmar Gräßel
Tel.: 09131/85-34810
elmar.graessel@uk-erlangen.de

 

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19.09.2018 Seit 1926: Bayerische Ärzteblatt-Ausgaben im Internet verfügbar
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Waren die Ausgaben des Bayerischen Ärzteblattes ab dem Jahrgang 1932 bereits seit 2009 im Internet abrufbar, so konnte dieses historische Archiv nun um weitere Jahrgänge erweitert werden. Ab sofort sind die von 1926 bis 1931 publizierten Bayerischen Ärzteblätter schnell und bequem elektronisch verfügbar. Alle gedruckten, verfügbaren Ausgaben wurden eingescannt und stehen auf der Internetseite www.bayerisches-aerzteblatt.de unter der Rubrik Archiv zum Herunterladen, Durchblättern oder Lesen bereit. Die monatlichen Ausgaben von Januar 1926 bis Mai 2001 sind als pdf-Datei abgespeichert. Zu den Jahrgängen gibt es zusätzlich Jahresinhaltsverzeichnisse, die ein Sachregister beinhalten. Bei den Ausgaben ab Juni 2001 kann jeweils auf den einzelnen Artikel direkt zugegriffen werden. Mit der Suchmaschine auf www.bayerisches-aerzteblatt.de ist auch eine gewisse Textsuche möglich.

Die neu ins Archiv hinzugekommenen Ausgaben firmieren unter dem Titel „Bayerisches Aerztliches Correspondenzblatt“ bzw. „Bayerische Ärztezeitung“ und zählen zu herausragenden zeithistorischen Dokumenten. Beiträge wie „Ärzte, bleibt Künstler“ von Dr. Karl Matzdorff (1/1926), „Das Aerztegesetz im Bayerischen Landtage“ von Ministerialrat Wirschinger (15/1927), „Wirtschaftslage des ärztlichen Standes, insbesondere die Krankenversicherung“ von Sanitätsrat Dr. Scholl, München (43/1930) oder „Die Arbeitsdienstbewegung vom hygienischen Standpunkt“ von Dr. Th. Fürst (2/1931) geben Einblicke in die publizistische Tätigkeit der Bayerischen Landesärztekammer von damals. Auch zahlreiche Werbeanzeigen, von Arzneimitteln über Musikinstrumente bis hin zu Kraftfahrzeugen, finden sich in den Ausgaben wieder. „Mit der Bereitstellung des Archivs des Bayerischen Ärzteblattes im Internet wollen wir Ärztinnen und Ärzten sowie allen Interessierten einen schnellen Zugang zu diesen historischen Dokumenten ermöglichen. Die Lektüre des ein oder anderen Beitrags lässt Parallelen zu heutigen Themen aufkommen oder kann zum Verständnis historischer Zeitläufe dienen“, so BLÄK-Präsident Dr. Gerald Quitterer.

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19.09.2018 77. Bayerischer Ärztetag, vom 26. bis 28. Oktober 2018 in Nürnberg
Pressemeldung sder Bayerischen Landesärztekammer

Vor-Pressekonferenz am Montag, 22. Oktober 2018, um 13.30 Uhr im

PresseClub München


Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich lade ich Sie zu Pressekonferenz, Auftaktveranstaltung und Arbeitstagung anlässlich des 77. Bayerischen Ärztetages der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), der vom 26. bis 28. Oktober 2018 in Nürnberg stattfindet, ein.

Der 77. Bayerische Ärztetag wird am Freitag, den 26. Oktober 2018, um 18.30 Uhr in der Nürnberger Meistersingerhalle, Münchener Straße 21, 90478 Nürnberg, Kleiner Saal, eröffnet. Professor Dr. Matthias S. Fifka, Leiter des Instituts für Wirtschaftswissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, spricht zum Thema „Zwischen Regulierung und Selbstbestimmung – Werteorientierung im Arztberuf“. Grundsätzliche Inhalte des Impulsreferats werden die Herausforderungen für Ärztinnen und Ärzte im 21. Jahrhundert sein und die ethischen Dilemmata, die durch sie aufgeworfen werden. Es wird erörtert, wie diese Herausforderungen moralisch zu bewerten sind und wie mit ihnen umgegangen werden kann. Inwiefern kann eine Werteorientierung dabei hilfreich sein?

Die anschließende Arbeitstagung befasst sich mit der aktuellen Sozial-, Gesundheits- und Berufspolitik, dem Tätigkeitsbericht und den Finanzen der BLÄK, Fragen der Weiterbildungs- und Berufsordnung sowie der ärztlichen Fortbildung.

Der Bayerische Ärztetag ist die Delegiertenversammlung der BLÄK. Die ärztlichen Kreis- und Bezirksverbände sowie die medizinischen Fakultäten der sechs Landesuniversitäten entsenden insgesamt 180 Delegierte zu der mindestens einmal im Jahr tagenden Versammlung.

Wir dürfen Sie schon heute auf zwei Pressetermine hinweisen:

Vor-Pressekonferenz in München

Montag, 22. Oktober 2018, um 13.30 Uhr,

PresseClub München, Marienplatz 22/IV (Eingang Rindermarkt), 80331 München


Pressegespräch in Nürnberg

Freitag, 26. Oktober 2018, um 11.00 Uhr,

Meistersingerhalle, Münchener Straße 21, 90478 Nürnberg, Konferenzraum 2

Mit freundlichen Grüßen

Dagmar Nedbal

Leiterin der Pressestelle, Bayerisches Ärzteblatt, Internet

14.09.2018 Frühe Fehler, späte Folgen-Prof. Dr. Dieter Chichung Lie über die Gehirnentwicklung und Nervenkrankheiten bei Erwachsenen
Pressemeldung der FAU

Wie hängt die Gehirnentwicklung mit dem Auftreten von Krankheiten im Erwachsenenalter wie Depression, Schizophrenie, Parkinson und weiteren Nervenerkrankungen zusammen? Mit dieser Frage beschäftigen sich an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) mehr als 20 Nachwuchswissenschaftler in einem Graduiertenkolleg der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Von 19. bis 21. September veranstaltet das Kolleg das Symposium „Neurodevelopment and Vulnerability of the Central Nervous System”, zu dem hochkarätige Forscher aus aller Welt nach Erlangen kommen. Wir haben mit Prof. Dr. Dieter Chichung Lie, Sprecher des Graduiertenkollegs, über das noch junge Forschungsfeld und die Arbeit der Doktoranden gesprochen.

Auf welche Weise steht die embryonale Gehirnentwicklung mit späteren Erkrankungen des Gehirns in Verbindung?

Während der embryonalen Gehirnentwicklung werden Nervenzellen und Gliazellen – sie unterstützen die Nervenzellen bei ihren Aufgaben – gebildet, die sich wiederum zu funktionellen Netzwerken verbinden. Diese Netzwerke sind die Grundlage von Lernen, Gedächtnis, Verhalten, Emotion und Bewegung, um nur einige Funktionen zu nennen. Entsprechend können Störungen der embryonalen Gehirnentwicklung zum Beispiel zu geistigen und motorischen Behinderungen führen, die schon im Kindesalter offensichtlich werden. Befunde der vergangenen Jahre deuten jedoch darauf hin, dass Störungen von Entwicklungsmechanismen auch eine Rolle in der Entstehung von Erkrankungen des Erwachsenenalters spielen könnten. So haben beispielsweise manche bekannte Erkrankungsgene oder Risikogene für die Schizophrenie oder den Morbus Parkinson bereits eine Funktion in der Gehirnentwicklung. Es stellt sich daher die Frage, ob nicht kleine Fehler in der Entwicklung die Verletzlichkeit des Gehirn für Erkrankungen im Erwachsenenalter festlegen und diese Erkrankungen dann zutage treten, wenn weitere Faktoren wie Alterung hinzukommen. Ein weiterer Punkt ist, dass einige Entwicklungsfaktoren und -mechanismen im erwachsenen Gehirn aktiv sind und Plastizitäts- und Reparaturprozesse unterstützen. Hier ist die Vorstellung, dass kontinuierliche Fehler in diesen Prozessen nach vielen Jahren zum Auftreten von Krankheitssymptomen führen.

Das Graduiertenkolleg 2162 „Entwicklung und Vulnerabilität des Zentralnervensystems“ beschäftigt sich mit diesem Forschungsgebiet. Welche Schwerpunkte setzen Sie an der FAU?

Wir beschäftigen uns insbesondere mit der Aufgabe, die genaue entwicklungsbiologische Funktion von Erkrankungsgenen für neuropsychiatrische und neurodegenerative Erkrankungen zu entschlüsseln und der Frage, wie Mutationen in Entwicklungsgenen die Anfälligkeit des Zentralnervensystems für Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Morbus Parkinson erhöhen. Wir nutzen neben klassischen Modellen auch modernste Methoden der Stammzelltechnologie in Kombination mit sogenannten Genscheren, die uns erlauben, die Auswirkungen von Genmutationen auf die Entwicklung und Funktion von menschlichen Nerven und Gliazellen in der Zellkultur nachzustellen. Dass wir hierzu die Möglichkeit haben, ist nicht zuletzt das Ergebnis des bayerischen Forschungsverbundes ForIPS, der in den vergangenen Jahren diese wegweisenden Technologien am Standort Erlangen etabliert hat.

Was ist das Besondere an dem Kolleg?

Zum einen der Ausbildungsaspekt für die kommende Generation Neurowissenschaftler. Das Forschungsgebiet ist noch sehr jung und die Wissenschaftler kommen in ihrem Studium nur wenig in Kontakt mit diesem Feld. Im Graduiertenkolleg 2162 forschen sie nicht nur in diesem sich rasch entwickelnden Forschungsgebiet, sondern werden durch Seminare, Vorlesungen und Expertenvorträge mit den neuesten Erkenntnissen konfrontiert. Zum anderen ist die Interdisziplinarität des Graduiertenkollegs hervorzuheben: Im Kolleg forschen Grundlagenwissenschaftler aus der Biologie, Biochemie, Anatomie und Physiologie mit Humangenetikern, Neurologen und Psychiatern gemeinsam an einer übergeordneten Fragestellung. Diese Kombination bereichert die Forschungsprojekte und führt dazu, Fragestellungen aus den verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten. Diese Verzahnung von Grundlagenwissenschaften und Klinik zeigt sich auch am 19. September, an dem die Eröffnung des Symposiums nahtlos an das Festsymposium „10 Jahre Molekulare Neurologie“ anschließt, und Zuhörer einen Einblick in grundlagenwissenschaftliche und klinische Forschung erhalten.

Das Symposium ist kostenfrei zugänglich, die Vorträge finden auf Englisch statt. Das komplette Programm: www.grk2162.med.fau.de.

Das Programm zum Festsymposium finden Sie unter: www.molekulare-neurologie.uk-erlangen.de/aktuelles/veranstaltungen/.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dieter Chichung Lie
Tel.: 09131/ 85-24622
chi.lie@fau.de

Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auf unserer Rubrik "Nachgefragt" vorbei - dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/   

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30. 08. 2018 Bessere Tumorheilung durch Kombination von Strahlen- und Immuntherapie
uni | mediendienst | aktuell Nr. 114/2018

Erstmals wird in bundesweiter Patientenstudie die Wirksamkeit einer Kombinationstherapie bei metastasierten Kopf-Hals-Tumoren untersucht
 
In einer bundesweiten Studie unter Leitung der Strahlenklinik des Universitätsklinikums Erlangen wird erstmals die Wirksamkeit einer Kombination von Strahlentherapie und Immuntherapie bei Patienten mit metastasierten Kopf-Hals-Tumoren im Vergleich zur alleinigen Immuntherapie untersucht. Kooperationspartner der IMPORTANCE-Studie sind zehn weitere radioonkologische und onkologische Zentren in Deutschland, die Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen und das Deutsche Zentrum Immuntherapie (DZI).
 
Bereits seit 2007 werden in der Erlanger Strahlenimmunbiologie unter Leitung von Prof. Dr. Udo Gaipl die immunmodulatorischen Effekte einer Strahlentherapie intensiv erforscht. „Die ersten vorklinischen Studienerfolge haben bereits ein Umdenken angestoßen: Lokale Bestrahlung tötet nicht nur Krebszellen, sondern kann auch positive Effekte im Immunsystem auslösen“, erläutert Prof. Gaipl. „Die Strahlentherapie wird dadurch in ein anderes Licht gerückt: Sie ist nicht nur eine Therapiemöglichkeit für die lokale Tumorkontrolle, sondern unter bestimmten Voraussetzungen in Kombination mit einer Immuntherapie auch entscheidend für die systemische Tumorheilung.“ Die multizentrische randomisierte Phase II-Studie zur Immunstimulation mit Pembrolizumab in Kombination mit Strahlentherapie wird von der MSD SHARP & DOHME GMBH gefördert. Am Standort Erlangen ist die Studie in das Deutsche Zentrum Immuntherapie integriert, dessen Ziel die Bündelung aller Aktivitäten ist, um gezielt und systemisch Krebs zu bekämpfen. Weitere Informationen für Patienten gibt es über die DZI-Hotline unter Tel.: 09131 85-44944.
 
Nach Ansicht von Prof. Gaipl kann gerade in der metastasierten Situation, wie beispielsweise bei Kopf-Hals-Tumorpatienten, die Strahlentherapie durch die Erforschung der so genannten „abskopalen Effekte“ einen ganz neuen Stellenwert einnehmen. Die abskopalen (lateinisch: weg vom Ziel, also in diesem Fall von der bestrahlten Tumorzelle) Effekte gewinnen mehr und mehr an Bedeutung und wurden in der Strahlenklinik in Erlangen bereits beforscht, als ihre Existenz noch größtenteils bezweifelt wurde. Dr. Markus Hecht, Oberarzt der Erlanger Strahlenklinik, erläutert: „Pembrolizumab ist ein Antikörper aus der Gruppe der Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die eine vom Tumor ausgehende Immununterdrückung aufheben, so dass die immunmodulatorischen Effekte einer Strahlentherapie klinisch relevante Effekte erzielen können.“ Unter der Leitung von Dr. Dorota Lubgan werden mit der IMPORTANCE-Studie insgesamt 23 multizentrische Studien im hauseigenen Studiensekretariat der Strahlenklinik koordiniert.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Udo Gaipl
Tel.: 09131 85-32311
udo.gaipl@uk-erlangen.de
 
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28.08.2018 Chronischer Juckreiz: häufiges Symptom, wenig beachtet
uni | mediendienst | forschung Nr. 72/2018

Erste Pruritus-Forschergruppe in Deutschland – auch Wissenschaftler des Uni-Klinikums Erlangen beteiligt

Chronischer Juckreiz – fachsprachlich Pruritus – betrifft bis zu 25 Prozent der Bevölkerung im Lauf des Lebens. „Ein relevantes Problem also, das aber in der Medizin deutlich unterschätzt wird“, sagt Dr. Dr. Andreas Kremer von der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen. Im Rahmen des translationalen Projekts „PRUSEARCH“ hat sich deshalb jetzt die erste Forschergruppe Deutschlands zum chronischen Juckreiz zusammengeschlossen. Sie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und von Prof. Dr. Martin Schmelz von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg geleitet. In Erlangen sind die Medizin 1 sowie das Institut für Physiologie und Pathophysiologie (Leiter: Prof. Dr. Christian Alzheimer) der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg beteiligt.

Chronischer Juckreiz, der sechs Wochen oder länger anhält, schränkt die Lebensqualität stark ein. Er kommt nicht nur bei dermatologischen Erkrankungen wie Schuppenflechte oder Neurodermitis vor, sondern zum Beispiel auch bei Leber- und Gallenstörungen, bei Niereninsuffizienz, Diabetes und Krebs, als Folge von Krebstherapien sowie bei psychiatrischen und neuro-logischen Krankheiten. Überdurchschnittlich oft plagt der chronische Juckreiz ältere Menschen. Doch: Zielgerichtete Behandlungen fehlen bis heute. „Weil die Therapie schwierig ist, wird das Symptom oft negiert – genau wie der chronische Schmerz noch vor 30 Jahren“, erklärt Dr. Dr. Kremer. Hauptanliegen der neuen Forschergruppe ist es deshalb, Mediatoren des chronischen Pruritus im Menschen zu identifizieren, strukturelle und funktionelle Veränderungen von Nocizeptoren – also freien sensorischen Nervenendigungen – bei chronischem Pruritus zu charakterisieren und mögliche Mechanismen der neuronalen Sensibilisierung aufzuzeigen.

Kranke Leber führt zum Kratzen

Im Rahmen eines Teilprojekts von PRUSEARCH beschäftigt sich die Arbeitsgruppe von Dr. Dr. Andreas Kremer in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Peter Reeh vom Institut für Physiologie und Pathophysiologie der FAU Erlangen-Nürnberg mit dem cholestatischen Juckreiz, der durch Erkrankungen der Leber oder der Galle ausgelöst wird. „Ob entzündete Gallenwege, Hepatitis C, Leberzirrhose oder Lebertumor – bei allen Erkrankungen, die die Leber oder die Gallenwege betreffen, kann chronischer Pruritus auftreten. Er ist vor allem bei solchen mit cholestatischem Verlauf ein häufiges Symptom – also dann, wenn die Ausscheidung der Gallensäuren gestört ist“, erklärt Andreas Kremer. Der cholestatische Juckreiz ist besonders quälend und durch Kratzen nicht zu stillen. Am stärksten empfinden ihn Patienten am Abend und in den frühen Nachtstunden. Er kommt insbesondere an den Extremitäten vor, kann aber auch am gesamten Körper auftreten.

In den vergangenen Jahren hat die Forschung Fortschritte gemacht und einige klinische Studien mit dem Ziel, den chronischen Juckreiz zu stoppen, angestoßen. Daran wollen Dr. Dr. Kremer und sein Team jetzt anknüpfen. Einen Auslöser des Juckreizes konnte Andreas Kremer bereits identifizieren: die Lysophosphatidsäure, kurz LPA. Das kleine Lipid ist ein Zwischenprodukt des intrazellulären Fettstoffwechsels, und seit Längerem ist bekannt, dass LPA u. a. Muskelzellen und Thrombozyten, den Blutdruck und Entzündungsprozesse sowie die Tumorentstehung und -ausdehnung beeinflusst. Hinzu kommt nun die juckreizauslösende Wirkung des Lipids. In diesem Zusammenhang erkannte Dr. Dr. Kremer, dass auch das LPA-bildende Enzym Autotaxin (ATX) ein wichtiger „Mitspieler“ bei der Entstehung des chronischen Pruritus ist. „Wir untersuchen aktuell, wie LPA auf molekularer Ebene genau funktioniert und wie das Lipid neuronale und nicht-neuronale Zellen aktiviert – und das translational, also von der In-vitro-Forschung bis hin zu Untersuchungen am Menschen“, sagt der Wissenschaftler.

Am Menschen beobachten die Erlanger Forscher den Einfluss von LPA mittels Psychophysik: Dazu injizieren sie die Substanz gezielt in die Haut des Probanden und lassen ihn dann sein Empfinden beurteilen – zum Beispiel Jucken, aber auch Schmerz. Außerdem soll mittels Mikroneurografie untersucht werden, welche Subklassen von somatosensiblen Nervenfasern durch LPA aktiviert werden. „Dazu punktieren wir mit einer sehr dünnen Metallmikroelektrode den sogenannten Nervus peroneus und führen eine zweite Elektrode in die Haut. Solche Elektroden erlauben es, die Impulse einzelner Nervenfasern abzuleiten, also wie ein Telefon-kabel ‚abzuhören‘, und einzelne Nervenfasern elektrisch zu stimulieren“, erläutert PD Dr. Barbara Namer, die ebenfalls zum Team gehört. Um die Eigenschaften dieser Nervenfasern zu testen, werden am Fußrücken neben LPA verschiedene Reize appliziert – etwa Druck, Hitze, Kälte oder Histamin. „Neben einem besseren Verständnis für LPA hoffen wir, in Zukunft noch weitere Juckreiz-Mediatoren identifizieren zu können. Dies ist die Grundlage für neue, kausal wirksame Medikamente“, sagt Dr. Dr. Kremer.


PRUSEARCH-Mitglieder


Neben den Standorten Heidelberg/Mannheim und Erlangen sind auch die Westfälische Wil-helms-Universität Münster, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Julius-Maximilians-Universität Würzburg, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg an PRUSEARCH beteiligt. Prof. Dr. Martin Schmelz, Sprecher der neuen DFG-Forschergruppe, ist ein ehemaliger Mitarbeiter des Instituts für Physiologie und Pathophysiologie der FAU Erlangen-Nürnberg und heute in Mannheim tätig.
Link zur DFG-Forschergruppe: http://www.prusearch.net/

Weitere Informationen:
Dr. Dr. Andreas Kremer
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28.08.2018 Die tödliche Huntington-Krankheit beginnt schon in der Kindheit
uni | mediendienst | forschung Nr. 71/2018

Internationales Forscherteam gewinnt Erkenntnisse über den frühen Verlauf und neue Therapiemöglichkeiten
Obwohl die Symptome der tödlichen Huntington-Krankheit oftmals erst im Alter von 30 Jahren oder sogar später auftreten, wirkt das verursachende, mutierte Gen schon in der Kindheit. Diesen Rückschluss lassen neueste Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sowie der Universitäten Cardiff und Lund zu. Außerdem belegen die Forscher in ihren Studien, dass die Krankheit in diesem frühen Lebensabschnitt möglicherweise bereits mit Medikamenten therapiert werden könnte.

Wie Alzheimer oder Parkinson gehört die Huntington-Krankheit zu den neurodegenerativen Krankheiten, also Krankheiten, bei denen Nervenzellen im Hirn nach und nach absterben. Allein bei der Huntington-Krankheit ist die Ursache bekannt: ein mutiertes Gen, das von einem Elternteil vererbt wird und dafür sorgt, dass ein wichtiges Eiweißmolekül, das Huntingtin-Protein, sich in eine giftige Form verwandelt, das sogenannte „mutierte Huntingtin-Protein“, und sich im Laufe des Lebens im Hirn der Erkrankten anhäuft.

Als Konsequenz sterben langsam bestimmte Gruppen von Hirnzellen ab, die für Muskelsteuerung und grundlegende mentale Funktionen wichtig sind. Die Folge: Die Patienten leiden unter Bewegungsstörungen, zeigen veränderte Verhaltensweisen und verlieren ihre geistigen Fähigkeiten. Die Huntington-Krankheit kann bereits vor Ausbrechen dieser schweren Symptome durch genetische Tests diagnostiziert werden. Die Krankheitsanzeichen zeigen sich in der Regel aber erst im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Über einen Zeitraum von 20 Jahren führt Huntington dazu, dass die Patienten rund um die Uhr Betreuung und Pflege benötigen, und endet schließlich immer tödlich.

„Die Medizin kennt noch immer kein Heilmittel für diese rein erbliche Form einer neurodegenerativen Erkrankung“, sagt Studienleiter und Seniorautor Prof. Dr. Stephan von Hörsten, Professor für Experimentelle Biomedizin an der FAU. „Daher ist es wichtig, dass wir verstehen, was bei Trägern des Huntington-Gens im Laufe des gesamten Lebens im Gehirn passiert, besonders auch, um möglichst früh wirksame Behandlungen einsetzen zu können.“ Speziell über den Einfluss des Gens im Säuglingsalter und in der Kindheit ist nur wenig bekannt. Deshalb wollte das internationale Team von Wissenschaftlern herausfinden, wie die Mutation das Gehirn während dieser Entwicklungsphase beeinflusst und ob bereits zu diesem Zeitpunkt der Einfluss des mutierten Huntingtin-Proteins zurückgedrängt werden kann.

„Wir haben uns Modelle der Huntington-Krankheit in frühen Lebensstadien angeschaut, um zu sehen, ob das Gen bereits zu diesen Zeitpunkten Veränderungen im Gehirn verursacht und in der Folge auch das Verhalten und die Nervenneubildung beeinflusst“, erklärt der Molekularmediziner und Erstautor der Studie, Dr. Florian Siebzehnrübl von der Universität Cardiff.

Die Ergebnisse bestätigten die Vermutung der Wissenschaftler: Die Modelle zeigten, dass das Huntingtin-Gen bereits in der Kindheit die Gehirnentwicklung verändert und dass dies durch Medikamente, die die „Übersetzung“ des genetischen Codes in Eiweißmoleküle modulieren, aufzuhalten ist. „Im nächsten Schritt möchten wir erforschen, ob diese Beobachtung auch auf Patienten übertragbar ist, die das Huntington-Gen tragen, aber noch nicht schwer erkrankt sind,“, sagt Professor von Hörsten. „Auf diesem Weg könnten wir in Zukunft testen, ob mögliche Therapien bereits in einem jüngeren Alter begonnen werden können, um den Ausbruch der tödlichen Krankheit zu verzögern oder ganz aufzuhalten.“

Diese Studie wurde in den Proceedings der National Academy of Sciences veröffentlicht.
doi: 10.1073/pnas.1807962115

Ansprechpartner für die Medien:
Prof. Dr. Stephan von Hörsten
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stephan.v.hoersten@uk-erlangen.de

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13.09.2018 Rundumversorgung für Nierenkranke: auch vor und nach der Transplantation
uni | mediendienst | aktuell Nr. 117/2018

Prof. Dr. Mario Schiffer ist seit 1. September 2018 neuer Direktor der Medizin 4

Nach Stationen in den USA und Hannover ist Prof. Dr. Mario Schiffer nach Erlangen zurückgekehrt – hier begann er vor 19 Jahren seine Facharztausbildung. Jetzt ist er der neue Direktor der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie des Universitätsklinikums Erlangen. Sein erstes Projekt: die Versorgung von Transplantationspatienten weiter auszubauen.

Kein Organ wird häufiger transplantiert als die Niere. Allein im Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg wurden 2017 insgesamt 72 Nieren transplantiert. Doch auch bei keinem anderen Organ ist die Warteliste so lang: Auf eine Spenderniere kommen rund sieben Patienten; die durchschnittliche Wartezeit dauert acht bis zehn Jahre – sofern die Möglichkeit einer Lebendspende von einem Angehörigen ausscheidet. Für den Betroffenen wird die Dialysebehandlung zur überlebenswichtigen Routine. Kommt dann der Anruf, dass ein passendes Spenderorgan gefunden wurde, scheint das Ziel erreicht zu sein. Doch damit das Organ gesund bleibt und nicht abgestoßen wird, bedarf es einer exzellenten Zusammenarbeit zwischen dem Transplantationszentrum, den niedergelassenen Ärzten und dem Patienten – und das noch weit nach der Operation.

Hier setzt Prof. Schiffer an: Er möchte bessere Strukturen schaffen, um die langfristige Patientenversorgung nach der Transplantation zu optimieren. Wie wichtig diese gewissenhafte Nachsorge ist, unterstreichen die Zahlen: In den ersten drei Jahren nach der Transplantation verlieren rund acht Prozent der Transplantierten ihr Organ durch Abstoßungsreaktionen. Weitere Begleiterkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems, nehmen im Verlauf zu. „Mit einer engmaschigeren Kommunikation und einer Nachsorge, die sich noch mehr auf den Patienten einstellt, könnten wir diese Zahlen korrigieren“, sagt Prof. Schiffer.

Mit „NTX 360°“ zur engmaschigen und wohnortnahen Nachversorgung

Dafür entwickelte Prof. Schiffer mit Kollegen in Hannover das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Innovationsprojekt „NTX 360°“. Dieses möchte er jetzt auch am Uni-Klinikum Erlangen anbieten.

In „NTX 360°“ rücken die Transplantationszentren und die Niedergelassenen enger zusammen. Die Patienten erhalten gleichzeitig ein interdisziplinäres und individuell an ihre Bedürfnisse angepasstes Angebot, um eine möglichst lange Transplantatgesundheit zu erreichen. Prof. Schiffer freut sich über die guten Voraussetzungen, die das Uni-Klinikum Erlangen diesem Vorhaben bietet: „Gemeinsam können wir Nierenpatienten eine Versorgung auf höchstem Niveau anbieten, die weit über die Transplantation hinausgeht.“ Das Innovationsprogramm „NTX 360°“ beinhaltet auch neue Angebote, wie eine elektronische Fallakte mit deren Hilfe Labor- und Untersuchungsergebnisse nahtlos zwischen dem Transplantationszentrum und Niedergelassenem ausgetauscht werden können sowie die Möglichkeit einer wohnortnahen Televisitation.

Neben der Transplantation ist Prof. Schiffer auch der Bereich der seltenen Nierenerkrankungen ein Anliegen. „Ich denke vor allem an seltene genetische und proteinurische Nierenerkrankungen. Jeder Patient soll die auf ihn abgestimmte beste Versorgung erhalten“, betont der Klinikdirektor.

Forschungslücken schließen


In der Grundlagenforschung möchte Prof. Schiffer neue Wege am Uni-Klinikum Erlangen gehen und nennt zwei Beispiele: „Einer meiner wissenschaftlichen Schwerpunkte liegt bei der Proteinurie, also dem übermäßigen Proteinverlust über den Urin. Viele Nierenerkrankungen verschlimmern sich hierdurch zusätzlich.“ Noch gibt es keine Medikamente gegen das Phänomen – Prof. Schiffer möchte das ändern. „Einen weiteren Fokus lege ich auf die Hypertonieforschung bei Transplantationspatienten. Hier gibt es bisher keine Leitlinie und kaum validierte Daten. Da die Medizin 4 am Uni-Klinikum Erlangen aber auf dem Gebiet der Bluthochdruckforschung bereits national und international mit führend ist, bin ich sicher, dass wir diese Wissenslücke in Zukunft werden schließen können.“

Ein hochkarätiger Forscher

Das Uni-Klinikum Erlangen ist für Mario Schiffer kein Neuland: Nach seinem Studium an der Freien Universität Berlin und dem King’s College London, begann er seine Facharztausbildung an der Medizin 4 – damals noch unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Bernd Sterzel. Als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft arbeitete er anschließend von 2000 bis 2004 am Albert Einstein College of Medicine in New York City. Zurück in Deutschland erhielt der vielfach ausgezeichnete Nierenspezialist mit dem Emmy-Noether-Stipendium und dem Heisenberg-Stipendium die beiden angesehensten Stipendien der Deutschen Forschungsgemeinschaft und arbeitete über zehn Jahre lang an der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen der Medizinischen Hochschule Hannover – zuletzt als leitender Oberarzt und stellvertretender Abteilungsleiter. Am Uni-Klinikum Erlangen hat er zum 1. September 2018 neben der Klinikleitung auch den Lehrstuhl von Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) übernommen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mario Schiffer
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17.08.2018 Der Therapieresistenz bei Krebs auf der Spur
uni | mediendienst | forschung Nr. 65/2018

Deutsche Leberstiftung zeichnet wegweisende Publikation von FAU-Forschern aus – Patent zur Therapie eingereicht
Immer häufiger treten in Europa und den USA schwarzer Hautkrebs und Leberkrebs auf. Beide Krankheiten verlaufen sehr unterschiedlich, zählen aber zu den Krebsarten, die in westlichen Ländern am häufigsten zum Tod führen. Die drei Forschergruppen vom Institut für Biochemie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg (FAU) um Prof. Dr. Anja Bosserhoff, Dr. Dr. Peter Dietrich und Prof. Dr. Claus Hellerbrand haben nun gemeinsam einen Mechanismus aufgedeckt, der bei beiden Krebsarten das Wachstum der Krebszellen steuert – und deshalb von großer Bedeutung für zukünftige Therapiestrategien ist. Die Arbeit der Forscher wurde nun mit dem renommierten Preis der Deutschen Leberstiftung für eine wegweisende Publikation im Bereich der Leberforschung ausgezeichnet.
 
Auf den ersten Blick gibt es bei zwei so unterschiedlichen Krebsarten wie dem schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) und dem Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom) nicht sehr viele Gemeinsamkeiten. Die größten Risikofaktoren für den schwarzen Hautkrebs sind eine zu starke Sonnenbestrahlung, Sonnenbrände sowie genetische Veranlagung. Leberkrebs dagegen entsteht sehr häufig in einer durch Alkohol oder Verfettung geschädigten Leber oder im Rahmen einer chronischen Virushepatitis. Beide Krebsarten zeichnen sich jedoch durch unkontrolliertes Wachstum bösartiger Zellen aus. Diese zerstören am Ende lebenswichtige Gewebe und Organe des Körpers und führen damit – oft über viele Jahre, manchmal aber auch innerhalb sehr kurzer Zeit – den Tod der Patienten herbei.
 
Ähnlichkeiten in der Therapie

In der Therapie beider Krebsarten werden ähnliche Chemotherapeutika angewendet. „Trotz der sehr unterschiedlichen Lokalisation dieser Tumorarten setzen die Therapeutika am gleichen Signalweg an und hemmen das Wachstum und die Teilung der Krebszellen“, erklärt Dr. Dr. Peter Dietrich. „In den ersten Wochen wirken diese Therapeutika seht gut, doch dann kommt es leider fast immer nach wenigen Monaten zu einer Resistenz der Krebszellen.“ Forschergruppen des Instituts für Biochemie der FAU haben nun einen Mechanismus aufgedeckt, der bei beiden Krebsarten sowohl das Wachstum der Krebszellen als auch deren Chemotherapie-Resistenz steuert.
 
Neue Wege für neue Therapieansätze
Die Wissenschaftler der FAU gingen für ihre Forschung einen neuen Weg, indem Expertinnen und Experten für so unterschiedliche Krebsarten wie schwarzer Hautkrebs und Leberkrebs zusammenarbeiteten. Gemeinsam versuchten sie, allgemeingültigere Mechanismen der Krebsentstehung und der Entstehung von Therapieresistenzen zu entschlüsseln. Mit Erfolg: Die Teams der Forschergruppe um Prof. Dr. Anja Bosserhoff, Dr. Dr. Peter Dietrich und Prof. Dr. Claus Hellerbrand fanden heraus, dass sowohl Haut- als auch Leberkrebszellen ein bestimmtes Protein – genannt KRAS – vermehrt bilden und während einer Therapie sogar noch weiter heraufregulieren, so dass sie von diesem Protein abhängig werden.
 
„Der gemeinsame Grund, warum so unterschiedliche Krebsarten dieses Protein vermehrt bilden können, liegt an einem äußerst kleinen RNA-Molekül, einer sogenannten microRNA“, erklärt Prof. Dr. Anja Bosserhoff. „Diese microRNA reguliert das wachstums- und resistenzfördernde KRAS Protein normalerweise herunter und fungiert somit als Stoppschild – wie eine eingebaute Sicherung – in gesunden Zellen. Und genau diese microRNA ist in beiden Krebsarten stark vermindert vorhanden oder sogar ganz verloren, weshalb das Krebsgen KRAS freigesetzt wird und ungehindertes Voranschreiten des Krebswachstums sowie die Entstehung einer Therapieresistenz hervorrufen kann“.
 
Zur Patentierung angemeldet
Dieser Mechanismus kann zukünftig für eine wirksame Therapieanwendung genutzt werden. Auf der Grundlage ihrer neuen Erkenntnisse wollen die Forscher das Tumorwachstum hemmen und das Entstehen einer Resistenz verhindern. „Es gibt mehrere Wege, die in unseren Studien erfolgreich waren,“ betont Dr. Dr. Peter Dietrich. „Man kann den Krebszellen auf gentechnischem Weg die verlorene microRNA zurückgeben und damit das enthemmte KRAS-Protein wieder regulieren. Weiterhin kann KRAS selbst in den Zellen direkt ausgeschaltet werden, was ebenso zur Durchbrechung einer Therapieresistenz führen könnte. Daneben wurden neue Wirkstoffe zur KRAS-Hemmung mit Erfolg angewendet. Diese Wirkstoffe könnten, auch in Kombination mit den bisherigen Medikamenten, eine Grundlage für neue und wirksame Therapieformen darstellen“. Auch Prof. Dr. Claus Hellerbrand ist vom Konzept überzeugt: „Der Ansatz hat großes Potenzial und wird weiterentwickelt. Daher hat die FAU diese Entdeckung mittlerweile als Therapieoption bei Haut- und Leberkrebs zur Patentierung angemeldet.“
 
Preis der Deutschen Leberstiftung
Ihre Entdeckungen konnten die Forscher der FAU mittlerweile im Rahmen mehrerer Publikationen in angesehen Fachjournalen veröffentlichen (DOI 10.1111/pcmr.12698; DOI 10.18632/oncotarget.23188; DOI 10.1136/gutjnl-2017-315402; DOI 10.1038/onc.2017.391). Eine der Arbeiten wurde in „GUT“, einem der führenden Fachjournale im Bereich der Leberforschung, veröffentlicht – und nun mit dem „Preis der Deutschen Leberstiftung 2018“ ausgezeichnet. Dieser zählt zu den renommiertesten Preisen im Bereich der Leberforschung im deutschsprachigen Raum und wird jährlich für eine wegweisende Publikation vergeben.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Anja Bosserhoff
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anja.bosserhoff@fau.de
 
Dr. Peter Dietrich
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Prof. Dr. Claus Hellerbrand
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07.08.2018 Radar statt Stethoskop? FAU-Forscher entwickeln Verfahren zur berührungslosen Detektion der Herztöne
uni | mediendienst | forschung Nr. 60/2018

Elektrotechniker der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben gemeinsam mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus und der Palliativmedizinischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen ein Verfahren entwickelt, mit dem Herztöne per Radar zuverlässig detektiert und diagnostiziert werden können. Mobile Radargeräte könnten künftig herkömmliche Stethoskope ersetzen, außerdem ist eine permanente berührungslose Überwachung der Vitalfunktionen mit stationärem Radar möglich. Die Ergebnisse wurden jetzt im renommierten Fachjournal „Scientific Reports” veröffentlicht*.
Das Stethoskop ist – neben dem weißen Kittel – das Markenzeichen von Ärztinnen und Ärzten. Es wird verwendet, um Geräusche von Herz und Lunge zu diagnostizieren. Beim klassischen „Abhorchen“ werden Schwingungen der Körperoberfläche auf eine Membran im Kopf des Stethoskops übertragen, an das Trommelfell des Untersuchenden weitergeleitet und als Töne wahrgenommen. Akustische Stethoskope sind vergleichsweise preiswert und arbeiten seit vielen Jahrzehnten zuverlässig, aber sie haben einen Nachteil: Die Diagnose von Herzgeräuschen, etwa die Beurteilung der Herzklappenfunktion, erfolgt subjektiv und ist unmittelbar von der Erfahrung des Arztes abhängig.
Radar kann Herztöne messen
In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt haben Erlanger Forscher vom Lehrstuhl für Technische Elektronik (LTE) jetzt ein Verfahren entwickelt, das die klassische Phonokardiologie eines Tages ablösen könnte: Mittels eines sogenannten Sechstor-Dauerstrich-Radarsystems messen sie Vibrationen der Haut, die durch den Herzschlag verursacht werden. „Wir bedienen uns im Grunde einer ähnlichen Methode, die auch bei der Geschwindigkeitsmessung im Straßenverkehr zum Einsatz kommt“, erklärt Christoph Will, Doktorand am LTE. „Dabei wird eine Radarwelle auf die Oberfläche eines Objektes gerichtet und reflektiert. Bewegt sich das Objekt, ändert sich die Phase der reflektierten Welle. Daraus errechnen wir dann die Stärke und Frequenz der Bewegung, in unserem Fall des Brustkorbes.“ Im Unterschied zum Verkehrsüberwachungsradar ist das biomedizinische Radarsystem in der Lage, Bewegungsänderungen im Bereich weniger Mikrometer zu erfassen – eine wichtige Voraussetzung dafür, selbst kleinste Anomalien zu diagnostizieren, zum Beispiel Insuffizienzen, Stenosen oder nicht korrekt schließende Herzklappen.
So zuverlässig wie etablierte Messverfahren
Die ersten Testversuche verliefen überaus erfolgreich: Die Probanden wurden in verschiedenen Aktivierungszuständen – in Ruhe, nach dem Sport – untersucht und ihre Herztöne detektiert. Der direkte Abgleich des Radarsystems mit herkömmlichen Standardinstrumenten – einem digitalen Stethoskop und einem Elektrokardiografen – zeigte eine sehr hohe Korrelation. Kilin Shi, ebenfalls Doktorand am LTE: „Bei der Diagnose des S1, des ersten Herztons, beispielsweise erreichen wir eine Übereinstimmung von 92 Prozent mit dem EKG. Im direkten Vergleich der Signalformen mit dem digitalen Stethoskop liegt die Korrelation bei 83 Prozent. Das ist absolut zuverlässig.“ Die geringen Abweichungen erklären die Forscher damit, dass die gleichzeitigen Messungen von Radar- und Referenzwerten nicht an exakt derselben Stelle des Körpers vorgenommen werden können. Außerdem erfasst das Radarsystem im Unterschied zum Stethoskop eine Fläche und nicht einen einzelnen Punkt – auch das ein Grund für unterschiedliche Messwerte.
Berührungslos und objektiv
Die Erlanger Wissenschaftler sind optimistisch, dass mobile Radarsysteme in naher Zukunft die klassischen Stethoskope bei der Diagnose der Herzfunktion ersetzen könnte. Ein großer Vorteil des Radars liegt darin, dass die Werte digital erfasst und somit objektiviert werden – der Mensch als Fehlerquelle bei der Diagnose von Anomalien oder Krankheiten kann so zunehmend ausgeschlossen werden. Vorstellbar wäre auch, biomedizinische Radarsysteme eines Tages für automatisierte prophylaktische Untersuchungen beispielsweise in Wartezimmern von Arztpraxen, in Arbeitsumgebungen oder auch zuhause einzusetzen.
In einem weiteren Projekt arbeiten die Forscher bereits daran, die Vitalfunktionen von schwerkranken Patienten mittels stationärer Radarsysteme zu überwachen – rund um die Uhr und ohne störende Verkabelungen. „Ein berührungsloses und somit belastungsfreies Erfassen von Vitalparametern wie den Herztönen hat das Potenzial, die klinische Versorgung und die Forschung beispielsweise im Bereich der Palliativmedizin zu revolutionieren“, erklärt Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Leiter der Palliativmedizin des Universitätsklinikums Erlangen der FAU und Mitautor der Studie. „Zum Beispiel könnten wir Angehörige bei Beginn der Sterbephase deutlich schneller informieren, weil Änderungen des Gesundheitszustandes vom Radar sofort erkannt werden. Auch das Erfassen leidvoller Symptome bei Patienten, die sich nicht äußern können, wird möglich.“

* „Scientific Reports”: „Radar-Based Heart Sound Detection“, doi: 10.1038/s41598-018-29984-5
 
Bilder zum Download gibt es unter:
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Bildunterschrift: FAU-Wissenschaftler des Lehrstuhls für Technische Elektronik haben ein Radarsystem entwickelt, das Herztöne berührungslos messen kann. (Bild: FAU/Kilin Shi)
https://www.fau.de/files/2018/08/31072018_Herztöne_Kilin-Shi1894.jpg
Bildunterschrift: FAU-Wissenschaftler des Lehrstuhls für Technische Elektronik haben ein Radarsystem entwickelt, das Herztöne berührungslos messen kann. Die roten Strahlen zeigen, wo gemessen wird. (Bild: FAU/Kilin Shi)

Weitere Informationen
Technische Details:
Kilin Shi
Tel.: 09131/85-67733
kilin.shi@fau.de

Medizinische Informationen:
Prof. Dr. Christoph Ostgathe
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03.08.2018 Neue Humboldt-Stipendiaten: Von Prothesen und Strömungen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 107/2018 v

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) genießt international einen hervorragenden Ruf. Beweis für diese Reputation sind nicht zuletzt die vielen international renommierten Wissenschaftler, die sich die FAU als Gastuniversität aussuchen, um zusammen mit FAU-Kollegen im Rahmen eines Stipendiums oder Forschungspreises der Alexander-von-Humboldt-Stiftung zu forschen.

Innovative Beschichtungen für Prothesen und Implantate

Der menschliche Körper stößt medizinische Prothesen oft ab, die Implantate können sich lockern oder die Umgebung kann sich entzünden. Verändert man jedoch die Oberflächen der Prothesen, kann die Bioaktivität, also die Förderung körpereigener Regeneration, und die Befestigung am oder im Knochen verbessert werden.

Mit den Problemen bei der Herstellung und Verwendung von Prothesen setzt sich die Materialwissenschaftlerin Prof. Dr. Josefina Ballarre auseinander und sucht nach Lösungswegen. Sie beschäftigt sich vor allem mit zwei Vorgehensweisen: Dem Beschichten von Prothesen mit Hilfe von anodischer Oxidation, bei der Stoffe mit Hilfe von Strom oxidieren, oder mit einem Kieselgel. In dem Gel können bioaktive Partikel hinzugefügt werden, welche die Befestigung am Knochen verbessern. Am Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien) der FAU erarbeitet Prof. Dr. Ballarre eine Methode, wie das Kieselgel leichter und kostengünstiger aufgetragen werden kann: und zwar mit einer Airbrush-Pistole. Das ermöglicht das Beschichten von komplexen Formen, wie sie zum Beispiel bei orthopädischen Knochenschrauben vorliegen. Zudem hat sie eine Ummantelung entwickelt, die dank enthaltener Glas- und Nanopartikel sowie Antibiotika Infektionen abwendet. Diese günstige und sichere Methode kann von lokalen Prothesenherstellern genutzt werden und so Kosten und Infektionen durch preisgünstige Implantate einsparen.

Seit Mai 2018 ist Prof. Dr. Ballarre als Humboldt-Stipendiatin am Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien), der von Prof. Dr. Aldo Boccaccini geleitet wird. 2003 hat die gebürtige Argentinierin ihren Master in Materialwissenschaft an der National University of Mar del Plata absolviert und 2009 dort promoviert. Sie ist am National Scientific and Technical Research Council Argentina, am National Institute of Materials Science and Technology in Mar del Plata und an der National University of Mar del Plata tätig.

Koppeln und Entkoppeln von Strömungen

Grundwasserströmungen, industrielle Filter und Erdölgewinnung. Bei all diesen komplexen Prozessen wird Simulationstechnik gebraucht. Denn hier werden ein freier Fluidstrom und eine Strömung in einem porösen Medium gekoppelt. Um diese Strömungen simulieren zu können und die gekoppelten Systeme zu lösen, müssen Mathematiker und Informatiker ans Werk.

Am Lehrstuhl für Systemsimulation der FAU, geleitet von Prof. Dr. Ulrich Rüde, untersucht Dr. Xiaoming He eine neue Technik zur mathematischen Modellierung, die Phasenfeldmodellierung, für gekoppelte mehrphasige Fluidströme. Er und seine Kollegen wollen zwei Arten von numerischen Methoden entwickeln, vergleichen und anwenden, um die zugrundeliegenden Gleichungen zu lösen. Er ist hierbei vor allem für die mathematische Modellierung und die Entwicklung der numerischen Algorithmen verantwortlich.

Von März bis August 2018 vertieft Dr. He seine Forschung am Lehrstuhl für Systemsimulation der FAU. Er stammt aus China, wo er von 1998 bis 2005 einen Bachelor und einen Master in Computermathematik an der Sichuan University absolvierte. Von 2005 bis 2007 war er Masterstudent in Mathematik an der Virginia Tech, wo er 2009 auch promoviert wurde. Zudem war Dr. He von 2009 bis 2010 Postdoktorand am Department of Scientific Computing der Florida State University und ist seit 2010 Privatdozent am Department of Mathematics and Statistics an der Missouri University of Science and Technology. Des Weiteren wurde er zum Associate Professor des Department of Mathematics & Statistics der Missouri University of Science & Technology befördert. Außerdem ist Dr. He Gründungspräsident der SIAM (Society for Industrial and Applied Mathematics) Central States Section. Die SIAM Central States Section wurde 2014 gebildet und vereint Mitglieder aus den Staaten Arkansas, Colorado, Iowa, Kansas, Mississippi, Missouri, Nebraska und Oklahoma. Ziel der Section ist es unter anderem, die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Grundlagenforschung sowie die Anwendung der Mathematik in der Industrie und den Wissenschaften voranzutreiben.


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02.08.2018 Wie Krebszellen Winterschlaf halten
uni | mediendienst | forschung Nr. 57/2018

Bundesweites Schwerpunktprogramm erforscht Entstehung von Knochenmetastasen
In den kommenden sechs Jahren arbeiten Wissenschaftler aus ganz Deutschland eng zusammen, um Knochenmetastasen nach einer vorherigen Brust- oder Prostatakrebserkrankung frühzeitig zu erkennen und deren Entstehung zu verhindern. Insgesamt 7,8 Millionen Euro stehen für das vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden aus koordinierte, bundesweite DFG-Schwerpunktprogramm 2084 „μBONE – Kolonisierung und Interaktionen von Tumorzellen innerhalb der Knochenmikroumgebung“ in den kommenden drei Jahren zur Verfügung. Das Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist mit einem Projekt beteiligt.

Jede achte Frau sowie jeder achte Mann erkrankt im Laufe des Lebens an Brust- beziehungsweise Prostatakrebs. Diese beiden Karzinome sind bei den beiden Geschlechtern somit die am häufigsten auftretenden Krebsarten. „Es ist leider oft klinischer Alltag, dass wir Patientinnen mit Brustkrebs und Patienten mit Prostatakrebs sehen, deren Tumorerkrankung bereits vor mehreren Jahren besiegt schien, bei denen die Krankheit aber in Form von Knochenmetastasen zurückkehrt“, sagt Prof. Dr. Lorenz Hofbauer, Altersmediziner und Knochenspezialist am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und Koordinator des µBONE-Konsortiums. Die Folge sind Knochenbrüche, starke Schmerzen und eine Einschränkung der Lebensqualität. „Gerade das Mammakarzinom und das Prostatakarzinom neigen bei fortgeschrittener Erkrankung in bis zu 80 Prozent der Fälle zur Ansiedlung in den Knochen.“ Die Krebszellen halten im menschlichen Knochenmark über Jahre eine Art „Winterschlaf“ und zerstören nach dem Erwachen den Knochen relativ rasch. Die Forscher wollen die Prozesse verstehen, die zu dieser Entwicklung führen.

„Die genauen Mechanismen und die einzelnen Entwicklungsschritte der Knochen- und Tumorzellen auf dem Weg zur klinisch erkennbaren Knochenmetastase sind unzureichend erforscht, stellen aber eine Grundvoraussetzung für eine frühzeitige Diagnose sowie eine verbesserte Prävention und Therapie dar“, sagen die beteiligten Erlanger Forscher Prof. Dr. Aline Bozec von der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg Schett) und Prof. Dr. Tobias Bäuerle vom Radiologischen Institut (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) des Uni-Klinikums Erlangen. Ziel ist es, die Entstehung von Knochenmetastasen besser zu verstehen. Prof. Bozec und Prof. Bäuerle sind im µBONE-Konsortium mit dem Projekt „Die Rolle von Adipozyten in der Tumor-Mikroumgebung des Knochens“ vertreten.

Schwerpunktprogramm 2084 der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Im Rahmen des Schwerpunktprogramms sollen Schlüsselmechanismen der Knochenbesiedlung durch Tumoren und die nachgeschaltete Kommunikation zwischen den Zellen aufgeklärt werden. Dieses Wissen soll dazu dienen, bessere Strategien zur Behandlung von Knochenmetastasen zu entwickeln. Die Erlanger Wissenschaftler der Radiologie und der Medizin 3 arbeiten mit Kollegen aus Dresden, Hamburg, Heidelberg, Lübeck, Würzburg, Berlin, Regensburg, Frankfurt am Main und Münster zusammen.

Weitere Informationen zum Schwerpunktprogramm: www.dfg.de/gefoerderte_projekte/programme_und_projekte/listen/

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Tobias Bäuerle
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tobias.baeuerle@uk-erlangen.de

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01.08.2018 Lymphozyten gegen Rheuma? mmunologen der FAU identifizieren Schlüsselrolle von ILC2 bei der Entstehung entzündlicher Arthritis
uni | mediendienst | forschung Nr. 56/2018

Immunologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben gezeigt, dass ILC2, eine Gruppe seltener lymphoider Zellen, eine Schlüsselrolle bei der Entstehung entzündlicher Arthritis spielen. ILCs haben viele funktionelle Ähnlichkeiten mit T-Zellen und sind wichtige Akteure des angeborenen Immunsystems. Die Erkenntnisse der FAU-Forscher könnten neue Therapieansätze bei der Behandlung von Rheuma begründen. Die Ergebnisse wurden jetzt im renommierten Fachjournal „Cell Reports” veröffentlicht*.

Rheumatoide Arthritis ist die häufigste Form entzündlicher Gelenkerkrankungen. Anders als bei der Arthrose, der degenerativen Veränderung der Gelenke, treten die Symptome der Arthritis – Überwärmung, Schwellungen und Rötungen – in Schüben auf und werden zumeist durch Störungen des Immunsystems hervorgerufen. Betroffene Körperregionen sind vor allem Finger und Zehen, ferner auch Knie-, Schulter und Hüftgelenke. Etwa ein Prozent der Menschen leidet darunter, Frauen rund dreimal so häufig wie Männer. Therapeutische Maßnahmen zielen im Wesentlichen auf die Linderung von Schmerzen und die Abschwächung des Krankheitsverlaufs – heilen lässt sich die rheumatoide Arthritis nicht.

Seltene Immunzelle reguliert Arthritis

Immunologen der FAU haben jetzt nachgewiesen, dass ILC2, eine Form seltener Lymphozyten, eine Schlüsselrolle bei der Entstehung rheumatoider Arthritis spielt. ILCs, sogenannte „innate lymphoid cells“, haben zwar keine T- und B-Zell-Rezeptoren und auch keine Zelltypmarker, die für Lymphozyten typisch sind, nehmen jedoch zentrale Aufgaben bei der Abwehr von Infektionserregern im menschlichen Körper wahr. Häufig sind sie die Ersthelfer, die das Immunsystem alarmieren, bevor die eigentliche Immunisierung beginnt. „Von früheren Untersuchungen wissen wir, dass ILC2 durch die Produktion des Zellsignalmoleküls IL-9 die Rückbildung chronischer Entzündungen einleiten kann”, sagt Projektleiter Dr. Mario Zaiss von der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Universitätsklinikums Erlangen. „In unserer aktuellen Studie haben wir nun gezielt die Rolle von ILC2s in der Initiationsphase von rheumatoider Arthritis untersucht.”

ILC2 hilft nur vor Ausbruch der Krankheit

Zaiss und seine Forscherkollegen konnten zunächst zeigen, dass die Zahl von ILC2 im peripheren Blut und den Gelenken von Patienten mit rheumatoider Arthritis im Vergleich zu gesunden Menschen deutlich erhöht ist. Laborversuche bestätigten die regulatorische Funktion von ILC2: Wurde die Zahl dieser Immunzellen genetisch reduziert, verschlimmerte sich der spätere Krankheitsverlauf; die therapeutische Verstärkung von ILC2 hingegen schwächte die Arthritis signifikant ab. Die Hoffnungen, Patienten mit bestehender entzündlicher Arthritis künftig durch gezielte Anreicherung von ILC2 heilen zu können, müssen die Forscher allerdings dämpfen: „An der essenziellen regulatorischen Rolle von ILC2 bei der Initiierung von Arthritis besteht kein Zweifel”, erklärt Mario Zaiss. „Allerdings müsste eine Therapie vor Ausbruch der Krankheit erfolgen – ein späterer Transfer von ILC2 führt zu keiner Verbesserung des klinischen Bildes.”

Für die weitere Forschung der Arthritis-Therapie stehen nun zwei wesentliche Aspekte im Fokus: Zum einen gilt es, sichere Methoden zu finden, die Zahl von ILC2 im Körper gezielt anzureichern. Zum anderen muss nach neuen, verlässlichen Möglichkeiten gesucht werden, Anzeiger für Arthritis noch vor Ausbruch der Krankheit zu erkennen – denn nur so können die seltenen Lymphozyten überhaupt therapeutisch eingesetzt werden.
 
* doi: 10.1016/j.celrep.2018.06.005
„Group 2 Innate Lymphoid Cells Attenuate Inflammatory Arthritis and Protect from Bone Destruction in Mice“, „Cell Reports”
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mario.zaiss@uk-erlangen.de
 
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20.07.2018 Staus im Gehirn - FAU-Forscher identifizieren gestörte Transportwege in Nervenzellen als eine Ursache von Parkinson
uni | mediendienst | forschung Nr. 54/2018

Staus sind auch im Gehirn möglich – und schädlich. Das haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) jetzt bestätigen können. Sie konnten belegen, dass gestörte Transportwege in Nervenzellen eine bedeutende Ursache für die Entstehung der Parkinson-Krankheit sein können. Ihre Forschungsergebnisse haben sie nun in der renommierten Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht*.

Charakteristisch für die Form einer Nervenzelle sind ihre feinen Fortsätze, die bis zu einem Meter lang werden können und Kontaktstellen zu anderen Nervenzellen bilden. Um diese wichtige Aufgabe, nämlich die Kommunikation mit anderen Nervenzellen, zu erledigen, müssen die fein verästelten Fortsätze und deren Enden, die Synapsen, aus dem Zellkörper heraus regelmäßig mit Energie versorgt werden. Wird die Versorgung unterbrochen, gehen die Synapsen zugrunde. Es werden Verbindungen zwischen Nervenzellen gestört, was zum Absterben der Zellen führen kann. Dieser Ablauf ist typisch für die Entstehung von Gehirnerkrankungen wie der Parkinson-Krankheit.

Welche Mechanismen zum Absterben der Nervenzellen bei der Parkinson-Krankheit führen, ist bisher unklar. Den FAU-Wissenschaftlern um Dr. Iryna Prots und Prof. Dr. Beate Winner aus der Stammzellbiologischen Abteilung in Zusammenarbeit mit Forschern der Molekularen Neurologie (Janina Grosch, Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) ist es nun gelungen zu zeigen, dass eine Art Verkehrsstau in den Nervenzellen eine Ursache sein könnte.

Auslöser des Staus, so haben die FAU-Forscher herausgefunden, ist ein Eiweiß, namens alpha-Synuklein, das auch in gesunden Nervenzellen vorkommt. In erkrankten Nervenzellen lagert sich das Eiweiß ab, verklumpt sogar, und führt zu einem Stau, der die Energieversorgung der Zellfortsätze stört und letztendlich die Synapsen schädigt.

Diesen Mechanismus konnten die Wissenschaftler auch in Zellkulturen von Parkinson-Patienten nachweisen. Dazu wurde betroffenen Patienten eine kleine Hautprobe entnommen. Diese Hautzellen wurden dann in Stammzellen umgewandelt, die zu jedem beliebigen Zelltyp weiterentwickelt werden können – in diesem Fall zu Nervenzellen.

In ersten Versuchen der Wissenschaftler ist es gelungen, die Bildung von alpha-Synuklein-Klumpen zu unterdrücken und somit den Transport in den Nervenzellfortsätzen zu verbessern. Allerdings ist die verwendete Substanz, noch nicht klinisch zugelassen. Dennoch: „Mit unseren Erkenntnissen können wir die Entstehungsmechanismen bei der Parkinson-Krankheit besser verstehen und die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien im Verlauf der Krankheit vorantreiben“, sagt die Erstautorin der Studie Dr. Iryna Prots.  doi: 10.1073/pnas.1713129115
I. Prots, J. Grosch, R.-M. Brazdis, K. Simmnacher, V. Veber, S. Havlicek, C. Hannappel, F. Krach, M. Krumbiegel, O. Schütz, A. Reis, W. Wrasidlo, D.R. Galasko, T.W. Groemer, E. Masliah, U. Schlötzer-Schrehardt, W. Xiang, J. Winkler, and B. Winner. α-Synuclein oligomers induce early axonal dysfunction in human iPSC-based models of synucleinopathies. PNAS July 10, 2018. 201713129; published ahead of print July 10, 2018.

Weitere Informationen:
Dr. Iryna Prots
Tel. 09131/85-39303
Iryna.Prots@uk-erlangen.de
Prof. Dr. Beate Winner
Tel. 09131/85-39301
Beate.Winner@fau.de

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19.07.2018 Verdienstkreuz für Prof. Dr. Hans Drexler
Pressestelle der FAU

Große Ehre für FAU-Arbeits- und Umweltmediziner

Engagement – ob in der Forschung oder im Ehrenamt: Das Wort trifft gut auf Prof. Dr. Hans Drexler, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), zu. Und das Engagement in der Arbeitsmedizin wie auch die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens sind mit einem Verdienstkreuz am Bande vom Bundespräsidenten gewürdigt worden. Bayerns Innenminister Joachim Hermann überreichte ihm das Verdienstkreuz im Rahmen einer Feierstunde in der Orangerie.

Schon länger als 25 Jahre engagiert sich Prof. Dr. Hans Drexler in der Forschung und Lehre in der Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, seit 2000 als Ordinarius für Arbeits- und Sozialmedizin an seiner Alma Mater, der FAU. Seit 2006 ist er der Studiendekan der medizinischen Fakultät. Als anerkannter Experte für Arbeits- und Umweltmedizin verfügt er über eine breit gefächerte Kompetenz in den Bereichen Haut- und Geschlechtskrankheiten, Sozialmedizin sowie Allergologie. Seit 2007 ist er Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Health Technology Assessment und Public Health (IZPH) an der FAU. Zudem ist er in vielen Vereinen aktiv und übernimmt nicht selten die Rolle des Vorsitzenden: Im Jahre 2012 trat Drexler die Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin (DGAUM) an, wo er sich für die Verbesserung der physischen und psychischen Gesundheit von Arbeitnehmern einsetzt, und seit 2005 ist er Vorsitzender des Bayerischen Forschungsverbundes Public Health (BFVPH).

Daneben engagiert er sich in weiteren Fach- und Forschungsverbänden, wie etwa unter anderem in der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe und deren Arbeits- und Untergruppen. Er pflegt damit die Verbindung der Arbeitsmedizin zu Gesellschaft und Wirtschaft und berät politische Entscheider. Als gewählter Gutachter des DFG-Fachkollegiums vertrat er von 2012 bis 2015 die Interessen der Arbeitsmedizin und der klinisch orientierten Umweltmedizin. Des Weiteren ist er im Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte und in der Gesellschaft für Hygiene, Umwelt- und Präventivmedizin (GHUP) aktiv.

Über den Orden 

Mit seinen Ordensverleihungen möchte der Bundespräsident die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf hervorragende Leistungen lenken, denen er für das Gemeinwesen besondere Bedeutung beimisst. Der Verdienstorden wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, wie zum Beispiel im sozialen und karitativen Bereich.

Weitere Informationen:
Hans Drexler, Tel.: 09131/85-22312, hans.drexler@fau.de

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16.07.2018 Berlin im Blick - Terminvorschau der Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Berlin im Blick - vom 16. bis 29. Juli 2018

Hier der aktuelle Blick nach Berlin

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Berlin im Blick

05.07.2018 Aggressive Abwehrzellen verstärken Parkinson-Krankheit
uni | mediendienst | forschung Nr. 50/2018

FAU-Forscher identifizieren Schüttellähmung als mögliche Autoimmunerkrankung

Die Parkinson-Krankheit, früher auch als Schüttelähmung bezeichnet, zählt zu den häufigsten Bewegungserkrankungen des Nervensystems. Mediziner der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind jetzt einer möglichen Ursache der Erkrankung auf die Spur gekommen – im Immunsystem der Patienten. Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler im renommierten Magazin „Cell Stem Cell“ veröffentlicht.

Weltweit sind rund 4,1 Millionen Menschen an Parkinson erkrankt, alleine in Deutschland leben mehr als 300.000 Betroffene. Typische Symptome der Erkrankung sind verlangsamte Bewegungen, das Erstarren der Muskulatur, heftiges Zittern und eine zunehmend gebeugte Körperhaltung. Ursache ist das stetige Absterben von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin produzieren.

Welche Mechanismen zu dem Verlust von Nervenzellen führen, die Dopamin produzieren, versucht die Wissenschaft zu verstehen. Bisher wusste man wenig darüber, ob menschliche Abwehrzellen bei der Parkinsonerkrankung eine wichtige Rolle spielen. Hier ist den Stammzellforscherinnen Dr. Annika Sommer, Dr. Iryna Prots und Prof. Dr. Beate Winner von der FAU und deren Team in der Erforschung der Krankheit ein gewaltiger Schritt nach vorn gelungen. Die Erlanger Wissenschaftler konnten belegen, dass bei der Parkinsonerkrankung Abwehrzellen des Immunsystems, die so genannten T-Zellen, Dopamin produzierende Nervenzellen des Mittelhirns angreifen und töten.

Ausgangspunkt der Untersuchungen des FAU-Teams war eine verblüffende Beobachtung: Im Mittelhirn von Parkinsonpatienten fanden die Wissenschaftler ungewöhnlich viele T-Zellen. Diese Zellen sind im Gehirn bei Erkrankungen zu finden, bei denen das Immunsystem das Hirn angreift. Bei gemeinsamen Untersuchungen mit der Bewegungsambulanz (Molekulare Neurologie) am Universitätsklinikum Erlangen (Prof. Jürgen Winkler) fanden die Forscher im Blut von Parkinsonpatienten eine erhöhte Zahl von bestimmten T-Zellen, spezifisch der Th17-Zellen, ganz ähnlich wie bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis.

Diese Ergebnisse nahmen die Forscher zum Anlass für die Entwicklung einer sehr ungewöhnlichen Zellkultur aus menschlichen Zellen. Dazu wurde betroffenen Patienten sowie gesunden Testpersonen eine kleine Hautprobe entnommen. Diese Hautzellen wurden dann in Stammzellen umgewandelt, die sich zu jedem beliebigen Zelltyp entwickeln können. Diese differenzierte das Forschungsteam weiter zu patienteneigenen Mittelhirnnervenzellen aus. Diese Mittelhirnnervenzellen wurden dann mit frischen T-Zellen desselben Patienten in Kontakt gebracht. Das Ergebnis: Die Abwehrzellen von Parkinsonpatienten töteten eine große Anzahl ihrer Nervenzellen, dies war jedoch nicht bei den gesunden Testpersonen nachweisbar. Hoffnung gibt jedoch ein weiteres Ergebnis: Antikörper, die die Wirkung der Th17-Zellen blockieren, und sogar ein bereits im Klinikalltag bei Schuppenflechte angewandter Antikörper konnten den Tod der Nervenzellen weitgehend verhindern.

„Mit unseren Untersuchungen ist es uns gelungen, klar nachzuweisen, dass und auch wie T-Zellen an der Entstehung des Parkinsonsyndroms beteiligt sind“, erklärt Prof. Dr. Beate Winner. „Die Erkenntnisse aus unserer Studie bieten eine wichtige Grundlage für neue Behandlungsmöglichkeiten der Parkinson-Krankheit.“

Ansprechpartner für die Medien:

Prof. Dr. Beate Winner

Tel.: 09131/85-39301     beate.winner@uk-erlangen.de

Dr. Iryna Prots          Tel.: 09131/85-39353     Iryna.prots@uk-erlangen.de

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04.07.2018 Plädoyer für eine „Vorabquote“ zum Medizinstudium in Bayern.
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, plädiert im Leitartikel der der Juliausgabe 2018 des Bayerischen Ärzteblattes für eine zusätzliche „Vorabquote“ zum Medizinstudium in Bayern.

Quitterer sieht die ärztliche medizinische Versorgung in Deutschland und damit auch in Bayern gefährdet, Zum einen, weil sich zu wenige Ärztinnen und Ärzte, hier vor allem die Hausärzte in ländlichen Gebieten, niederließen. Zum anderen, weil die demografische Entwicklung ein Ausscheiden vieler Ärzte aus der Versorgung in den nächsten Jahren bewirken werde. Wohl griffen die Stipendienprogramme wie auch die Förderung der Niederlassung durch die Bayerische Staatsregierung und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns. Die Reform des Bereitschaftsdienstes sowie die abgewehrte Regressbedrohung bei der Verordnung von Arzneimitteln seien Maßnahmen, die die Niederlassung wieder attraktiver gestalteten. Und dennoch fänden viele ausgebildete Mediziner den Weg in die Versorgung nicht. „Es kann keine Lösung sein, ausländische Ärztinnen und Ärzte, deren Abiturzeugnisse offenbar keine Rolle spielen und die wir damit der ärztlichen Versorgung in ihren Heimatländern entziehen, anzuwerben“, schreibt der Präsident. Gleichzeitig könnten deutsche Abiturienten, die sich für eine Niederlassung entscheiden würden, nicht Humanmedizin studieren, wenn sie den geforderten Notendurchschnitt von 1,0 nicht erreichten.

„Wir benötigen deshalb mehr Studienplätze für Medizin in Deutschland und eine dringend notwendige Reform des Zugangs zu diesem Studium – jetzt“, so Quitterer. Aktuell brauche es darüber hinaus eine zusätzliche Vorabquote für niederlassungswillige Abiturienten, die sich vor dem Beginn des Studiums verpflichteten, nach dessen Abschluss in ein unterversorgtes Gebiet zu gehen; daneben aber auch für solche, die eine bestehende Praxis übernehmen wollten und sich dafür vertraglich festlegten. Dies könne beispielsweise auf Orte einer bestimmten Größe beschränkt sein. Hier komme dem Staat im Rahmen seiner Gemeinwohlverpflichtung, die auch die ärztliche Versorgung umfasse, eine tragende Rolle zu. Rechtlich sei – aus Quitterers Sicht – beides darstellbar.

Mehr zu „Plädoyer für eine „Vorabquote“ lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe 2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
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25.06.2018 Teilnehmer für Studie der FAU-Altersforscher gesucht - Das Gedächtnis stärken durch die „Kraft der Poesie“?
uni | mediendienst | aktuell Nr. 83/2018

Helfen Gedichte gegen Vergesslichkeit? Das Institut für Psychogerontologie (IPG) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) möchte neue Erkenntnisse zur Gedächtnisleistung erforschen. Hierfür sucht das IPG Studienteilnehmer ab 60 Jahren.

Im Laufe des Lebens häufen sich die Momente der Vergesslichkeit. Dies weißt in der Regel auf mangelnde Konzentration hin, nicht auf ernsthafte Gedächtnisprobleme. Dennoch ist es hilfreich, das Gedächtnis im höheren Alter regelmäßig zu trainieren. Zahlreiche Studien, die die Effektivität unterschiedlicher Trainingsmaßnahmen untersucht haben, liegen bereits vor. Gemeinsam mit der Poetry Slammerin und Psychologiestudentin Lara Ermer forschen FAU-Wissenschaftler, ob und wie sich der kreative Umgang mit Poesie auf die Gedächtnisleistung auswirkt – eine bisher einzigartige Studie.

Für die Studie werden noch Interessierte ab 60 Jahren gesucht, die an einem 1,5 stündigen Workshop zum Schreiben und Vortragen von Gedichten teilnehmen wollen. Mittels mehrerer Online-Fragebögen werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusätzlich zu ihrer Gedächtnisleistung sowie zu ihrer Einstellung und Erfahrung im Umgang mit Literatur und Poesie befragt.

Interessierte können sich von Montag, 2. Juli, bis Donnerstag, 5. Juli, jeweils von 9 bis 17 Uhr unter Tel.: 0911/5302-96115 anmelden oder gerne auch per E-Mail an ipg-bega@fau.de.

Weitere Informationen:
Lara Ermer und Dr. Roland Rupprecht, Tel.: 0911/5302-96115, ipg-bega@fau.de

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18.06.2018 CD83-Protein ist essentiell für die Kontrolle von Autoimmunreaktionen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 46/2018

Immunologen der FAU veröffentlichen richtungsweisende Studie, die die Bedeutung des CD83-Proteins bei der Vermeidung von Autoimmunerkrankungen spezifiziert

Regulatorische T-Zellen, kurz „Tregs“ genannt, sorgen dafür, dass das Immunsystem keine körpereigenen Zellen oder Gewebe angreift. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Oberflächenprotein CD83. Immunologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist es nun gelungen, dieses Protein näher unter die Lupe zu nehmen und seine herausragende Bedeutung bei der Regulation von Autoimmunreaktionen zu beweisen. Die in Fachkreisen vielbeachtete Studie kann wichtige Impulse für die krankheitsorientierte Grundlagenforschung und langfristig für die Entwicklung von neuen Verfahren zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen geben. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „JCI insight“* veröffentlicht.

So effektiv die eigenen Abwehrmechanismen im menschlichen Körper auch funktionieren, so gefährlich ist es, wenn deren Regulation versagt. Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Multiple Sklerose (MS), Colitis, Arthritis aber auch Allergien können die Folge sein. Ein wichtiges Mitglied in dem körperimmanenten Abwehrtrupp sind die sogenannten „Tregs“, die die Immunantwort gegen körpereigene Zellen und Organe gezielt hemmen. Das CD83-Protein ist auf spezifischen Immunzellen zu finden. In welchem Maße das Protein aber an der Funktion der „Tregs“ beteiligt ist, war bislang nicht vollständig geklärt. Ein Grund mehr für das Team um Prof. Dr. Alexander Steinkasserer von der Immunmodulatorischen Abteilung der FAU die Bedeutung von CD83 zu untersuchen und hier erstmals Klarheit zu schaffen. Sie konnten in Zusammenarbeit mit Spezialisten vom Limes-Institut in Bonn und dem Universitätsklinikum in Regensburg nachweisen, dass CD83 essentiell für die Aufrechterhaltung der immunologischen Toleranz ist und somit Autoimmunreaktionen verhindert.

Methodische Grundlagen

Um das komplexe Vorhaben zu verwirklichen, haben die Wissenschaftler neben in-vitro-Untersuchungen an Zellkulturen im Labor auch in-vivo-Studien an Mausmodellen vorgenommen, bei denen das CD83-Protein gezielt in „Tregs“ ausgeschaltet wurde. Es zeigte sich, dass ohne das CD83-Molekül nicht nur erhöhte Krankheitssymptome, zum Beispiel Lähmungserscheinungen wie bei der Multiplen Sklerose (MS) oder Darmentzündungen wie bei Colitis, auftraten, sondern dass diese auch nicht mehr abklangen. „Ohne CD83 war es nicht mehr möglich, die Autoimmunreaktionen gegen die körpereigenen Zellen  zu kontrollieren“, stellte der Untersuchungsleiter Prof. Alexander Steinkasserer fest, „was unsere Hypothese von der Wichtigkeit des CD83-Moleküls für die Vermeidung von Autoimmunerkrankungen untermauert“.

Zukunftsweisende Anwendungspotentiale

Die Studie führt zu einem grundlegend besseren Verständnis der „Tregs“ und der Funktion des CD83-Proteins innerhalb der Zellen bei der körpereigenen Abwehr und der Kontrolle von gefährlichen Autoimmunreaktionen. Sie leistet somit einen wichtigen Beitrag für die krankheitsorientierte Grundlagenforschung. Langfristig könnten diese Erkenntnisse dann aber auch zur Entwicklung neuer Therapien beitragen. „Bis unsere Erkenntnisse zu CD83 aber Eingang in die klinische Erprobung finden, ist es noch ein weiter Weg, der viel Zeit, Energie und weiterer finanzieller Mittel bedarf“, so Prof. Steinkasserer. „Wir haben aber die Basis gelegt, auf die weitere Untersuchungen und klinische Studien aufbauen können.“

*Die Forschungsergebnisse wurden unter dem Titel „CD83 expression is essential for Treg cell differentiation and stability“ in der renommierten Fachzeitschrift „JCI insight https://doi.org/10.1172/jci.insight.99712 veröffentlicht.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Alexander Steinkasserer, PhD
Tel.: 09131/85-36725
alexander.steinkasserer@uk-erlangen.de  

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13.06.2018 Was wollten Sie schon immer mal über das Immunsystem wissen?Tag der Immunologie am Samstag, 16. Juni, 10 bis 16 Uhr, Hugenottenplatz, Erlangen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 73/2018

Wie schützt sich unser Körper vor Krankheitserregern? Wie funktioniert unser Immunsystem? Und wie kann ich mich mit Hilfe von Impfungen vor Krankheiten schützen? Im Rahmen des Tags der Immunologie ermöglichen Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen Einblicke ins Gefecht zwischen Immunsystem und Krankheitserregern. Am Samstag, 16. Juni, von 10 bis 16 Uhr, bieten sie mitten in Erlangen, am Hugenottenplatz, ein spannendes und abwechslungsreiches Programm und informieren über alle Aspekte rund um das Thema Immunologie.

Jeden Tag schützt das Immunsystem den menschlichen Körper vor Milliarden von Keimen, ohne dass wir es merken. Nur wenn es uns einmal im Stich lässt, schenken wir ihm Aufmerksamkeit. Am Tag der Immunologie präsentieren junge Wissenschaftler für jeden verständlich die Geheimnisse der menschlichen Abwehr gegen Krankheitserreger. Dabei gibt es nicht nur Interessantes rund um die Bereiche Infektion und Impfung zu erfahren. Vielmehr können alle Besucher selbst spielerisch entdecken, wie das Immunsystem den menschlichen Körper gegen Eindringlinge von außen verteidigt. Speziell für Kinder gibt es die Möglichkeit, an Mitmach-Stationen die Welt der menschlichen Abwehr zu erkunden. Dabei können sie attraktive Preise gewinnen.

Die Abteilung für Molekulare Immunologie an der Medizinischen Klinik 3 des Uni-Klinikums Erlangen, das Graduiertenkolleg 1660 „Schlüsselsignale der adaptiven Immunantwort“ und das integrierte Graduiertenkolleg „B-Zellen ohne Grenzen“ des Transregio 130 (Leiter Prof. Dr. Hans-Martin Jäck) des Universitätsklinikums Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg FAU organisieren wie schon in den Vorjahren den diesjährigen Aktionstag zum Tag der Immunologie in Erlangen.

Ziel des europaweiten Tags der Immunologie ist, das Augenmerk der Entscheidungsträger aus Wissenschaft und Forschung auf dieses für die Volksgesundheit so wichtige Fachgebiet innerhalb der Medizin und Biologie zu lenken. Außerdem soll die Öffentlichkeit Einblick in die aktuelle Forschung auf dem Gebiet der Immunabwehr erhalten – und in diesem Jahr im Speziellen über die Impfstoffentwicklung im Bereich Tuberkulose aufgeklärt werden.

Weitere Informationen:

https://www.lymphozyten.med.fau.de
http://www.bcells-and-beyond.de
Prof. Dr. Hans-Martin Jäck, Tel.: 09131/85-35913, E-Mail: hans-martin.jaeck@fau.de
Dr. Anja Glanz , Tel.: 09131/85-43219, E-Mail: anja.glanz@uk-erlangen.de
Dr. Agnes Giniewski, Tel.: 09131/85-43219, E-Mail: agnes.giniewski@uk-erlangen.de


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08.06.2018 Menschenrechte und Ethik in der Medizin für Ältere - Neues Graduiertenkolleg startet an der FAU
uni | mediendienst | aktuell Nr. 72/2018

Um ihre Nachwuchswissenschaftler zu unterstützen, bietet die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ein neues Programm an. In einem neuen Graduiertenkolleg beschäftigen sich Doktorandinnen und Doktoranden mit Menschenrechten und Ethik in der Medizin für Ältere. Am Freitag, 15. Juni, findet ab 14.00 Uhr im Wassersaal der Orangerie im Schlossgarten 1 in Erlangen ein Auftaktsymposium statt. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung zur Platzreservierung ist sinnvoll.

In Zeiten des demographischen Wandels wie auch angesichts der Pflegekrise in unserer Gesellschaft ist die Wahrnehmung ethischer und menschenrechtlicher Aspekte bei der Betreuung älterer Patienten von immer größerer Bedeutung. Dieses Jahr startet an der FAU mit Förderung der Josef und Luise Kraft-Stiftung ein neues Forschungskolleg zur strukturierten Promotion im Gebiet „Menschenrechte und Ethik in der Medizin für Ältere“. Dies bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Chance, zu diesem gleichermaßen gesellschaftlich zentralen wie zukunftsweisenden Themenfeld vertieft zu forschen. Einzelne Themen des Kollegs sind etwa der Umgang mit dem Willen Älterer im Rahmen von Vorausverfügungen, die Unterstützung von Menschen mit Demenz, die ethische differenzierte Betreuung am Lebensende oder auch rechtliche Fragen von „BigData“ für ältere Menschen. Dabei unterstützen und betreuen Experten aus den Bereichen Menschenrechte, Ethik, Philosophie, Medizin, Geriatrie, Psychogerontologie, Medizinrecht sowie auch Public Health die Forschenden thematisch.


Zur Eröffnung des neuen Graduiertenkollegs findet ein Auftaktsymposium statt, bei dem Experten in Kurzvorträgen sowie in einer Keynote Lecture von Prof. Dr. Hartmut Remmers, Universität Osnabrück, referieren. Daran anschließend werden Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik, sowie Prof. Dr. Andreas Frewer, Professur für Ethik in der Medizin, eine Podiumsdiskussion moderieren, bei der das Publikum mitdiskutieren kann.


Weitere Hinweise zu dem Programm finden Sie unter https://www.grk.menschenrechte-und-ethik.med.fau.de/2018/04/23/auftaktsymposium/.

Informationen: Prof. Dr. Andreas Frewer, M.A., Tel.: 09131/85-26431, E-Mail: andreas.frewer@fau.de

Platzreservierung: Kerstin Wagner, M.A., Sekretariat, Tel.: 09131/85-26430, E-Mail: kerstin.wagner@fau.de
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07.06.2018 Proteine als „Shuttle Service“ für eine zielgenaue Medikamentenvergabe
uni | mediendienst | forschung Nr. 43/2018

Biotechniker der FAU veröffentlichen wegweisende Studie, die als Modell für einen zielgenauen und gewebespezifischen Einsatz von Medikamenten dienen kann

Medikamente, die da ankommen, wo sie wirken sollen, ohne den restlichen Körper zu belasten, das ist keine Zukunftsvision mehr. Biotechnikern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist es gelungen, Proteine zu entwickeln, die einem Shuttle ähnlich Medikamente direkt an der Stelle im Körper freisetzen, an der sie auch wirklich gebraucht werden. Ihre Studie kann Modellcharakter haben und könnte die zukünftige ziel- und gewebespezifische Vergabe von Medikamenten ermöglichen. Die Ergebnisse wurden in der angesehenen Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS)* veröffentlicht.

Medikamente gezielt einzusetzen und sie an ihren Wirkungsort zu bringen, ohne dass diese unterwegs in gesundem Gewebe Schaden anrichten können, ist eine sehr aktuelle Fragestellung der pharmazeutischen Forschung. Mitarbeitende des Lehrstuhls Biotechnik der FAU mit ihrem Leiter Prof. Dr. Yves Muller und der Erstautorin der Studie, Karin Schmidt, haben für diesen Prozess einen neuen Lösungsweg entwickelt. Sie konnten in Zusammenarbeit mit Kollegen der Friedrich-Schiller-Universität Jena aufzeigen, dass eine bestimmte Gruppe von Proteinen zu gewebespezifischen Medikamentenshuttles umgebaut werden kann.

Methodische Grundlagen


Um das schwierige Unterfangen, Proteine gezielt so zu designen, dass Wirkstoffe – sogenannte Legate – an sie gebunden werden können, bedarf es neben eines am Lehrstuhl Biotechnik selbst entwickelten computergestützten Verfahrens auch einer experimentellen Überprüfung im Labor. Dieses wurde besonders mit Hilfe der Kristallographie vorgenommen. In einem „Ping-Pong-Spiel“ zwischen Computeranwendung und Labor gelang es der Arbeitsgruppe, das humane Ursprungsprotein Antichymotrypsin in Proteine umzuwandeln, die zum einen ein bekanntes Antibiotikum (Doxycyclin) und zum anderen ein weitverbreitetes Zytostatikum (Doxorubicin), das zur Behandlung von Krebs und  Autoimmunerkrankungen verwendet wird, an sich zu binden. Im Zielgewebe wird das gebundene Medikament wieder frei gesetzt, indem das Shuttleprotein durch ein Enzym, eine sogenannte Proteinase, gespalten wird. Die nun veröffentlichte Studie erbrachte den experimentellen Nachweis, dass und auf welche Weise die Medikamente an die Proteine angebunden wurden und legen damit die Grundlage für eingehendere Untersuchungen. 

Zukunftsweisende Anwendungspotentiale

Durch den Einsatz der Proteinshuttles könnten Medikamente gezielt, ohne große Eingriffe und mit wenigen Nebenwirkungen in geringeren Dosen eingesetzt werden. So können Körper und Organe geschont und ein effizienterer Einsatz der Wirkstoffe ermöglicht werden. „Bis bestimmte Proteine aber als Shuttle Service medizinisch eingesetzt werden können, ist es noch ein langer und steiniger Weg“, ist sich der Studienleiter Prof. Dr. Yves Muller gewiss. Zunächst muss die Bindeaffinität der Wirkstoffe an die Shuttleproteine weiter erhöht werden. „Der Schlüssel muss noch genauer in das Schlüsselloch passen“, so der Untersuchungsleiter. Ein Projekt, dass den Lehrstuhl Biotechnik an der FAU in der kommenden Zeit intensiv beschäftigen wird.

In einem nächsten Schritt muss das Projekt auf die klinisch angewandte Forschung ausgeweitet werden. Experimentelle Nachweise müssen dann zeigen, dass die Mechanismen auch im Gewebe funktionieren. Die Wissenschaftler sind dennoch zuversichtlich, dass die von Ihnen vorgestellte Modellstudie das Potential für die Entwicklung von gerichteten Medikamentenshuttles besitzt und wegweisend für eine gezielte und effiziente Medikamentenvergabe sein kann.

*Die Forschungsergebnisse wurden unter dem Titel „Design of an allosterically modulated doxycycline and doxorubicin drug-binding protein“ in der renommierten Fachzeitschrift „Proceedings oft he National Academy of Sciences“ (PNAS) https://doi.org/10.1073/pnas.1716666115 veröffentlicht.

Bildmaterial zum Download gibt es unter:

https://www.fau.de/files/2018/06/Medikamentenschuttle_IMGP2607_Johannes-Schweininger.jpg

Bildunterschrift: Die FAU-Wissenschaftler Prof. Dr. Yves Muller und Karin Schmidt, beide vom Lehrstuhl für Biotechnik (Proteinstruktur und -design), erstellen an der lehrstuhleigenen Röntgenanlage Röntgendiffraktionsbilder. (Bild: FAU/Johannes Schweininger)

https://www.fau.de/files/2018/06/Medikamentenshuttle_IMGP2603_Johannes-Schweininger.jpg

Bildunterschrift: Die FAU-Wissenschaftler Prof. Dr. Yves Muller und Karin Schmidt, beide vom Lehrstuhl für Biotechnik (Proteinstruktur und -design), bei der computergestützten Berechnung der Ligandenbindetaschen des Proteins. (Bild: FAU/Johannes Schweininger)

Weitere Informationen:
Karin Schmidt
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karin.schmidt@fau.de 


Prof. Dr. Yves Muller
09131/85-23082
yves.muller@fau.de 

 
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07.06.2018 Goldstandard trotz Fernbehandlung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Fernbehandlung soll nicht die Bedürfnisse der Patienten nach mehr Bequemlichkeit bedienen, sondern allenfalls für einen besonderen Bedarf zur Verfügung stehen“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer in der Juniausgabe 2018 des Bayerischen Ärzteblattes. Die Fernbehandlung war eines der großen Themen auf dem 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt Anfang Mai. Die Abgeordneten haben mit großer Mehrheit beschlossen, eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien im Einzelfall zu erlauben. Konkret sei dies möglich, wenn die Fernbehandlung ärztlich vertretbar sei, die erforderliche ärztliche Sorgfalt durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung und Dokumentation gewahrt werde und der Patient über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt werde. Moderne Kommunikationsmedien hätten ihren Platz in der Gesundheitsversorgung. Es müssten aber eine Reihe von Voraussetzungen geklärt werden. Die Patientensicherheit und der Schutz der Gesundheitsdaten beispielsweise müssten an erster Stelle stehen. Für die behandelnden Ärzte sei, wie in den Praxen auch, Facharztstatus zu fordern. Es dürfe keine Etablierung einer neuen Versorgungsebene oder eine Konkurrenz zu bestehenden Versorgungsverträgen geben. Darüber hinaus sei zu bedenken, dass diese Form der Behandlung unter Umständen zusätzliche Kosten generiere, deren Bezahlung geklärt werden müsse. Teleärzte säßen teilweise im Ausland und behandelten nicht mehr in Deutschland. Damit unterlägen

sie auch nicht mehr unserer Berufsordnung. „Ich halte nach wie vor den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient für nicht ersetzbar. Eine Diagnose, die auf einer Untersuchung mit allen fünf Sinnen basiert, ist fundierter als eine reduzierte Beurteilung nur mit Augen und Ohren über ein Kommunikationsmedium“, erklärt Quitterer. Mehr zu „Goldstandard trotz Fernbehandlung“ lesen Sie in der Ausgabe 6/2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.
 
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06.06.2018 Sieben Millionen Euro für Erforschung chronischer Darmentzündungen - Sonderforschungsbereich/Transregio 241 startet an der FAU
uni | mediendienst | forschung Nr. 42/2018

Ab Juli 2018 startet an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) der neue Sonderforschungsbereich/Transregio 241 „Immun-Epitheliale Signalwege bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen“. Gemeinsam mit der Berliner Charité forschen Erlanger Mediziner und Biotechnologen daran, das Zusammenspiel von Schleimhaut- und Immunzellen im Darm besser zu verstehen und wirksamere Therapiemethoden bei chronischen Entzündungen zu entwickeln. Für die erste Förderperiode bis 2022 stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft insgesamt 11,5 Millionen Euro bereit, knapp sieben Millionen Euro davon entfallen auf die FAU.

CED nehmen zu

Heftige Durchfälle, Bauchschmerzen, Krämpfe – das sind die häufigsten Symptome chronischer entzündlicher Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Rund 400.000 Menschen in Deutschland leiden daran, und ihre Zahl nimmt stetig zu. CED verlaufen zumeist in Schüben, was die Betroffenen in ihrer Lebensqualität und körperlichen Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt. „Trotz des Einsatzes starker Medikamente bleiben chronisch entzündliche Darmerkrankungen schwer therapierbar“, sagt Prof. Dr. Christoph Becker, Forschungsleiter der Medizinischen Klinik 1 am Universitätsklinikum Erlangen der FAU und Sprecher des Sonderforschungsbereichs. „Akute Schübe werden häufig noch mit Cortikosteroiden behandelt, die jedoch nur in einem Teil der Fälle zu einem Abklingen der Beschwerden führen. Viele Patienten müssen verschiedene immunsupressive Substanzen einnehmen.“ Zudem manifestierten sich oft Begleitkrankheiten wie Arthritis, akute Entzündungen des Fettgewebes und chronische Entzündungen der Gallenwege in der Leber.

Molekulare und zelluläre Mechanismen kaum erforscht

CED sind deshalb so schwer zu therapieren, weil das Zusammenwirken der vielen verschiedenen Zellpopulationen im Darm bislang kaum verstanden wird. „Neuere Befunde zeigen, dass die Darmschleimhaut nicht einfach als physikalische Barriere betrachtet werden kann. Sie ist vielmehr ein hochdynamisches Gewebe, das auf eine Vielzahl von Umweltreizen einschließlich der Darmflora sowie auf lokale oder systemische Signale reagiert“, erklärt Christoph Becker. „Das Immunsystem im Darm reguliert die Barrierefunktion der Darmwand und die Zusammensetzung der Darmflora und umgekehrt beeinflusst die Darmbarriere das Immunsystem.“ Dennoch fehlen Erkenntnisse darüber, wie die Wechselwirkung zwischen Epithel- und Immunzellen die langfristigen zellulären Reaktionen beeinflusst, die bei der Steuerung chronischer Entzündungsprozesse eine Rolle spielen.

Neues Konzept für neue Therapien

Genau hier setzen die Erlanger und Berliner Forscher an: In den kommenden Jahren wollen sie Erkenntnisse über die Regulation und Funktion des Immunsystems im Darm und aktuelle Daten zur anti-mikrobiellen Verteidigung an der Schleimhautbarriere in ein neues Konzept integrieren. Vor allem die Rolle einer fehlgesteuerten Kommunikation zwischen Epithel- und Immunzellen bei der Pathogenese von CED steht im Fokus der einzelnen Projekte. Langfristiges Ziel der Wissenschaftler ist es, Medikamente zu entwickeln, die die Ursachen von Darmentzündungen gezielt bekämpfen und zugleich die Fähigkeit des Immunsystems zur Bekämpfung von Infekten und Krebszellen erhalten. Außerdem wird nach diagnostischen Verfahren gesucht, mit denen das Ansprechen auf Therapien vorhergesagt werden kann – ein Ziel, das nicht nur der schnellen Linderung der Symptome dient, sondern auch zur Senkung der Therapiekosten beitragen soll.

14 Projekte mit Erlanger Beteiligung

Das wissenschaftliche Programm des SFB/TRR 241 gliedert sich in drei Forschungsbereiche: Der Bereich A „Immunregulation intestinaler Barrierefunktionen“ umfasst Projekte, in denen die Effekte akuter und chronischer Entzündungen auf Epithelzellen liegt, speziell auf deren Zellhomöostase und barrierebildenden Funktionen. Im Bereich B „Epithel als Regulator von Immunität und Entzündung im Darm“ werden die Auswirkungen von Barrierestörungen und Antigentranslokationen auf das mukosale Immunsystem erforscht. Der Projektbereich C „Diagnose und therapeutische Intervention von CED“ zielt darauf ab, innovative therapeutische und diagnostische Ansätze zu entwickeln und klinisch zu evaluieren. Der SFB/TRR 241 umfasst insgesamt 22 Projekte, 14 davon in Erlangen oder unter Erlanger Mitwirkung. Beteiligt sind die Medizinische Klinik 1: Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie, die Medizinische Klinik 3: Rheumatologie und Immunologie, die Chirurgische Klinik, die Hautklinik sowie das Institut für Medizinische Biotechnologie. Mit den knapp sieben Millionen Euro, die die FAU in den kommenden vier Jahren erhält, werden unter anderem 23 Stellen und neun Stipendien finanziert. 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christoph Becker
Tel.: 09131 85-35886
christoph.becker@uk-erlangen.de
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29.05.2018- Innovative Ideen gesucht - Bewerbung für das Falling Walls Lab an der FAU ab sofort möglich
uni | mediendienst | aktuell Nr. 68/2018

Ein Rollstuhl, der über das Gehirn gesteuert wird, ein Computerprogramm, das krankheitsübertragende Moskitoarten erkennt, Biomarker zur frühzeitigen Eierstockkrebsdiagnose: Innovative Köpfe stellen ihre Ideen weltweit auf den Falling Walls Labs vor, die die Chance auf eine Teilnahme an der internationalen Falling Walls Konferenz in Berlin ermöglichen. Dieses Jahr wird eines von zwei Labs in Deutschland von der Digital Tech Academy der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) veranstaltet. Bis zum 15. Juni können sich Forscherinnen und Forscher, Studierende sowie Alumni aller Disziplinen bewerben.

Das Falling Walls Lab richtet sich an innovative Köpfe aller Disziplinen. Studierende, Forscherinnen und Forscher sowie Alumni von Universitäten und (Fach-) Hochschulen in Süddeutschland haben die Möglichkeit sich mit ihrer Idee oder ihrem Start-up über das Falling Walls Portal für eine Teilnahme zu bewerben. Ein Komitee der FAU wählt die Kandidatinnen und Kandidaten aus, die ihre Idee auf dem Falling Walls Erlangen-Nuremberg präsentieren dürfen. Die ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben dort jeweils drei Minuten Zeit, um auf drei Folien ihre Forschungsprojekte, Unternehmenskonzepte oder sozialen Initiativen vorzustellen und die Expertenjury zu überzeugen. Vertreterinnen und Vertreter der FAU und anderer Universitäten sowie namhafter Unternehmen Süddeutschlands entscheiden, wer als erste Siegerin oder erster Sieger im November am weltweiten Falling Walls Lab Finale in Berlin und an der Falling Walls Konferenz teilnimmt. Die drei Gewinnerinnen und Gewinner des Finales erhalten die Chance, ihre Idee auf der Falling Walls Konferenz vor internationalen Expertinnen und Experten zu präsentieren. Sie werden zudem als „Falling Walls Young Innovator of the Year“ ausgezeichnet und erhalten einen Geldpreis. Zu dem von der FAU veranstalteten Falling Walls Lab Erlangen-Nuremberg sind Vertreterinnen und Vertreter der Medien herzlich eingeladen. Dieses findet am Montag, 16. Juli, ab 14.00 Uhr in der Orangerie der FAU im Schlossgarten 1 in Erlangen statt. Anmelden können sich Interessiert unter http://falling-walls.com/lab/apply
Weitere Informationen zu den Falling Walls Labs finden Sie hier: http://www.falling-walls.com/lab/locations

Digitalisierung aktiv mitgestalten

Organisiert wird das Falling Walls Lab von der Digital Tech Academy der FAU. Die Digital Tech Academy bildet Studierende, Promovierende sowie Beschäftigte aus Wissenschaft und Wissenschaftsmanagement aller Disziplinen und Entwicklungsstufen im Bereich „Digital Entrepreneurship“ aus, wendet sich aber auch an die Wirtschaft. Lisa Wittenzellner weiß, dass die Digitalisierung in heutigen Geschäftsmodellen nicht mehr wegzudenken ist. „Ziel der FAU Digital Tech Academy ist deshalb, qualifizierte Menschen auf die unternehmerischen Herausforderungen der Digitalisierung vorzubereiten und sie methodisch zu innovativen TOP-Talenten auszubilden “, sagt die FAU-Mitarbeiterin. Zwei Säulen tragen die Digital Tech Academy: Digital Tech Fellows ist ein einjähriges extracurriculares englischsprachiges Programm zur Qualifizierung besonders talentierter Studierender. Digital Tech Inspire ergänzt die Entrepreneurship-Qualifizierung mit Lehrangeboten im Bereich Digitalisierung und Entrepreneurship. Zu den vermittelten Methoden gehören unter anderem Storytelling, Design Thinking und Innovation Games.   

Weitere Informationen zur Digital Tech Academy der FAU finden Sie hier: www.dta.fau.de
Weitere Informationen:
Lisa Wittenzellner
Tel.: 09131/85-25925
lisa.wittenzellner@fau.de

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28.05.2018 Wenn Teddy einen Gips braucht
uni | mediendienst | aktuell Nr. 67/2018

Das Teddybärkrankenhaus schlägt vom 4. bis 6. Juni 2018 seine Zelte im Schlossgarten auf und macht Stofftiere wieder kuschelfit

Hat Brummbär versehentlich einen Legostein verschluckt oder sich die Pfote in der Kinderküche verbrannt? Kein Problem! Ein Besuch im Teddybärkrankenhaus wird den Plüschpatienten wieder heilen. Denn die Teddydocs der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), die ihre temporäre Klinik, einen Rettungswagen und weitere Attraktionen im Erlanger Schlossgarten gleich hinter dem Kollegienhaus bereithalten, sind auf solche Fälle spezialisiert. Teddy-Sprechstunde ist von Montag, 4. Juni 2018, bis Mittwoch, 6. Juni 2018, jeweils von 9.00 bis 16.30 Uhr, am Dienstag gibt es eine Abendsprechstunde bis 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Ein Besuch im Teddybärkrankenhaus beginnt damit, die mitgebrachten Kuscheltiere anzumelden. Es folgt eine Anamnese: „Was ist denn passiert?“, fragen die Docs die Teddy-Mamas und -Papas. Dann werden die Plüschhasen und Puppen gewogen und vermessen – das kennen die Kinder selbst von Besuchen beim Arzt. Bauchschmerzen, Halsweh oder eine gebrochene Pfote werden anschließend fachmännisch versorgt. Es wird geröntgt, mit dem Ultraschall gearbeitet, es gibt eine Bandagier-Station und sogar einen Not-OP. Die Kinder erhalten dann noch ein Rezept für Medikamente, das sie in der integrierten Apotheke einlösen können.

Das Teddybärkrankenhaus, das nun schon zum 11. Mal stattfindet, vermittelt den Kindern spielerisch, wie ein Arztbesuch abläuft. Es nimmt ihnen damit mögliche Ängste und hilft dabei, Vertrauen zu Ärzten aufzubauen. Sie lernen außerdem viel über gesunde Ernährung und richtiges Zähneputzen. Aber auch die Teddydocs, die alle Studenten der Human- und der Zahnmedizin sind und die Aktion ehrenamtlich organisieren und veranstalten, profitieren: Sie lernen, auf die spezifischen Bedürfnisse und auch Sorgen von Kindern einzugehen. In den Vorjahren war die Veranstaltung immer ein voller Erfolg: 2017 haben 218 Teddydocs insgesamt 1.116 Kuscheltiere versorgt.

Weitere Informationen:
Katharina Deike
teddydocs.erlangen@gmail.com
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25.05.2018 Medizin, die Gesichter verändert und Lebensqualität steigert 20. Informationsveranstaltung des Erlanger Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-Zentrums
uni | mediendienst | aktuell Nr. 66/2018

Bereits zum 20. Mal findet am Samstag, 16. Juni 2018, das Symposium des Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-Zentrums (Sprecher: Prof. Dr. Lina Gölz, Prof. Dr. Dr. Marco Kesting) des Universitätsklinikums Erlangen statt. Ärzte und Logopäden werden in ausgewählten wissenschaftlichen und praxisnahen Vorträgen das Themengebiet der Lippen-Kiefer-Gaumenspalten erörtern. Die Experten beantworten außerdem Fragen von Patienten und deren Familien. Darüber hinaus bietet die Veranstaltung für Betroffene einen hervorragenden Rahmen, um sich untereinander auszutauschen und auch mit Vertretern der Selbsthilfevereinigung für Lippen-Gaumen-Fehlbildungen e. V. – Wolfgang-Rosenthal-Gesellschaft in Kontakt zu treten. Der Informationstag beginnt um 10.30 Uhr im Hörsaal II der Zahn-Mund-Kieferklinik, Glückstraße 11, in Erlangen und endet um 14.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
 
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten stellen mit einer Häufigkeit von einem betroffenen Neugeborenen auf 500 Geburten die häufigste Gesichtsfehlbildung dar. „Das Erlanger LKG-Zentrum blickt auf eine lange Tradition in der Behandlung von Patienten mit Spaltfehlbildungen zurück und bietet dank der engen interdisziplinären Vernetzung das gesamte Spektrum modernster Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten“, erklärt Prof. Gölz. Zu den beteiligten Fachdisziplinen gehören die Zahnklinik 3 – Kieferorthopädie (Direktorin: Prof. Dr. Lina Gölz), die Mund‑, Kiefer- und Gesichtschirurgische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. Marco Kesting), die Logopädie, die Phoniatrie und Pädaudiologie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro), das Universitäts-Perinatalzentrum Franken (Sprecher: Prof. Dr. Matthias Beckmann), die Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Rascher) und das Humangenetische Institut (Direktor: Prof. Dr. André Reis).
 
Ärzte und Mitarbeiter des LKG-Zentrums und der beteiligten Kliniken begleiten die Patienten und ihre Familien von der Diagnosestellung in der Schwangerschaft bis ins junge Erwachsenenalter. „Wir unterstützen unsere Patienten in jeder Therapiephase mit dem grundlegenden Ziel, die Ernährung und Sprechfähigkeit sowie das Gehör zu rehabilitieren und zu normalisieren. Im Fokus stehen außerdem ästhetische Korrekturen“, sagt Prof. Kesting. Kinder mit Spaltfehlbildungen sollen sich von Geburt an möglichst unbeeinträchtigt entwickeln können. „Da das Krankheitsbild sehr viele verschiedene Formen annehmen kann, sind Behandlungsabläufe schwer standardisierbar und müssen individuell festgelegt werden.“
 
Interessierte Patienten und Angehörige, die an der Veranstaltung teilnehmen möchten, können sich über das Sekretariat der MKG-Chirurgie bis zum 7. Juni 2018 anmelden.
 
Weitere Informationen:
 
Katrin Förster
Tel.: 09131 85-33616
mkg-chirurgie@uk-erlangen.de
 
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16.05.2018 Die eine Pille zu viel? – Autofahren und Medikamente
uni | mediendienst | forschung Nr. 37/2018

Bestimmte Medikamente sind ein Risiko für sicheres Autofahren – das ist bekannt und gut untersucht. Was hingegen weitaus unklarer ist: Welche negativen Wechselwirkungen entstehen, wenn mehrere Medikamente kombiniert werden – wie es vor allem bei älteren Menschen häufig der Fall ist? Genau diese Frage will ein Forscherteam des Instituts für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Zentrums für Altersmedizin des Klinikums Nürnbergs in der bundesweit bislang einzigartigen Studie „FahrMed“ in den kommenden sechs Monaten untersuchen.

„Die Einnahme dieses Medikaments kann das sichere Führen eines Kraftfahrzeugs beeinträchtigen.“ Diesen Satz hat wohl jeder schon einmal im Beipackzettel eines verordneten Medikaments gelesen. Die Tatsache, dass bestimmte Medikamente ein Risiko für das sichere Autofahren darstellen, ist nichts Neues. Weitaus weniger Klarheit herrscht dagegen darüber, welche negativen Wechselwirkungen aus der Kombination von mehreren Medikamenten – der sogenannten Polypharmazie – entstehen können. Bei bis zu vier eingenommenen Medikamenten liegt das Risiko für solch unerwünschte Nebenwirkungen bei etwa fünf Prozent, bei sechs verschiedenen Medikamenten liegt es bereits bei rund 20 Prozent und steigt ab sieben bis acht täglich eingenommenen Medikamenten auf über 30 Prozent.

Ältere Personen über 65 Jahre verwenden aufgrund der unterschiedlichsten Erkrankungen durchschnittlich vier bis sechs Präparate täglich, aber auch zehn bis 15 Medikamente sind keine Seltenheit. Ob diese Polypharmazie negative Folgen für die Fahrtüchtigkeit von Seniorinnen und Senioren hat, wollen Forscher des Instituts für Psychogerontologie der FAU unter der Leitung von Prof. Dr. Frieder R. Lang in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Altersmedizin des Klinikums Nürnberg unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. med. univ. Markus Gosch in einer Studie nachgehen.

Studienteilnehmer gesucht

Teilnehmen können aktive Autofahrerinnen und Autofahrer im Alter von 75 Jahren und älter, die täglich Medikamente einnehmen. Neben einer ausführlichen Untersuchung der zum sicheren Autofahren wichtigen Leistungsbereiche erhalten die Teilnehmer eine ausführliche ärztliche Beratung über ihre individuelle Medikation. Die Untersuchungsergebnisse werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt und für die Studie anonymisiert. Interessierte können unter Tel.: 0911 / 5302-95115 bzw. per Mail an ipg-bega@fau.de Kontakt mit den Forschern aufnehmen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Frieder Lang
FAU, Institut für Psychogerontologie
0911 / 5302-96115.
ipg-bega@fau.de

Univ.-Prof. Dr. med. univ. Markus Gosch (PMU Salzburg)
Klinikum Nürnberg
Tel.: 0911 / 398-2434
Markus.Gosch@klinikum-nuernberg.de

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14.05.2018 „Studienplatzklagen sind in anderen Fächern zu befürchten“
Preessenachnachricht der FAU

Hochschulrechtler Prof. Dr. Max-Emanuel Geis zu den Konsequenzen des NC-Urteils in der Medizin
Das 3. NC-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 19. Dezember 2017 erklärte wesentliche Komponenten des geltenden Zulassungsrechts im Fach Medizin für verfassungswidrig. Hintergrund dieses Gerichtsurteils zum Numerus Clausus war die Klage mehrerer Bewerberinnen und Bewerber um einen Studienplatz im Fach Medizin. Welche Konsequenzen sich aus diesem Urteil ergeben, ist Thema des Deutschen Hochschulrechtstag, der an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) stattfindet. Organisiert wird die Tagung von Prof. Dr. Max-Emanuel Geis, Lehrstuhl für Deutsches und Bayerisches Staats- und Verwaltungsrecht an der FAU sowie Direktor der Forschungsstelle für Wissenschafts- und Hochschulrecht am Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Öffentliches Recht an der FAU. Er war im aktuellen NC-Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht Prozessbevollmächtigter der Stiftung für Hochschulzulassung in Dortmund und von 14 Bundesländern. Im Interview erläutert Professor Geis mögliche Konsequenzen des NC-Urteils.

Prof. Geis, was für Schwierigkeiten und Herausforderungen stellen sich jetzt für den Gesetzgeber?

Das erste Problem ist schon, wer eigentlich „der Gesetzgeber“ ist, der jetzt in der Pflicht steht. Bislang beruht das Hochschulzulassungsrecht im Bereich der Medizin auf dem insoweit immer noch geltenden Hochschulrahmengesetz, das einen Staatsvertrag der Bundesländer vorsieht, den diese in ihrem Landeshochschulrecht umzusetzen haben. Seit der Föderalismusreform I von 2006 besitzt allerdings auch der Bund nach Art. 74 Abs. 1 Zf. 33 GG eine konkurrierende Gesetzgebungs-kompetenz für eine (bundesweit einheitliche) Regelung der Hochschulzulassung, von der er allerdings bislang keinen Gebrauch gemacht hat. Derzeit ist nicht ersichtlich, ob er das überhaupt erwägt.

Damit bleibt der Ball im Spielfeld der Länder. Die große Herausforderung liegt weniger darin, verfassungskonforme Kriterien neu zu erfinden, da in vielen Bundesländern taugliche Systeme seit Langem praktiziert werden. Spannend ist hingegen, ob es innerhalb der vom Bundesverfassungsgericht gegebenen Frist bis Ende 2019 gelingt, sich auf einen gemeinsamen Katalog zu einigen – die Kultusministerkonferenz gehört bekanntlich nicht zu den schnellsten Lokomotiven der Politik – und den vom Gericht als unabdingbar vorausgesetzten, aber in der Praxis hochkomplexen IT-Einsatz rechtzeitig für das Massenverfahren tauglich zu machen.


Das Urteil gilt für die Medizin, doch gibt es viele weitere NC-beschränkte Fächer. Wird es auch da zu Gesetzesänderungen kommen?


Das Urteil gilt zwar de jure nur im Bereich der (Human-) Medizin. Die Fragen sind jedoch nicht auf die Medizin beschränkt, sondern gelten für alle Bereiche, in denen der kapazitären Verfügbarkeit von Studienplätzen eine höhere Anzahl an Bewerbungen gegenübersteht. In diesem Fall sind Beschränkungen des grundrechtlichen Anspruchs auf die Freiheit der Ausbildung und die freie Wahl der Ausbildungsstätte (Art. 12 Abs. 1 GG) unumgänglich. Da allerdings zu befürchten ist, dass die Länder zunächst im geltenden System verharren werden, wird es irgendwann auch in anderen Fächern zu entsprechenden Studienplatzklagen kommen. Solche sind insbesondere BWL, Psychologie und weitere Fächer, in denen ein strenger Numerus Clausus herrscht. Auch andere medizinische Fächer (insb. die Zahnmedizin) sind natürlich Kandidaten, wobei in solchen die Frage von Eignungstests und Auswahlgesprächen durchaus anders zu bewerten sein kann.


Welche Bedingungen müssen Alternativkriterien erfüllen, damit diese gesetzeskonform sind?

Zum einen: Das Bundesverfassungsgericht hat die Abiturnote als maßgebliches Kriterium nicht verworfen, sondern nur weitere Forderungen hinsichtlich der Vergleichbarkeit aufgestellt. Hier stecken allerdings Tücken im Detail: Eine Bildung von Länderquoten wie in allgemeinen Auswahlverfahren ist in den Auswahlverfahren der Hochschulen wegen der viel geringeren Studienplatzzahl nicht praktikabel und können zu reinen Zufallstreffern führen. Hier müssen andere Mechanismen gefunden werden.

Zum zweiten: Im Auswahlverfahren an den Hochschulen fordert das Gericht neben der Abiturnote mindestens ein weiteres notenunabhängiges Kriterium wie standardisierte Eignungstests oder Auswahlgespräche. Letztere müssen normiert und strukturiert sein, um subjektive Bevorzugungen oder Benachteiligungen möglichst auszuschließen. Auch die Frage der Zeitkapazität für die Auswahlverfahren spielt dabei sicherlich eine Rolle, wenn eine medizinische Fakultät nicht durch wochenlange Gesprächsrunden lahmgelegt werden soll. Freilich darf auch nicht übersehen werden, dass an den meisten Universitäten diese Anforderungen schon heute erfüllt werden: Lediglich im Staatsvertrag hat dies noch keinen adäquaten Niederschlag gefunden. Das Gericht hat aber weder verlangt, das bundesweit bzw. innerhalb der Länder zwingend einheitliche Kriterien aufgestellt werden. Jede Fakultät könnte also die Frage der notenunabhängigen Auswahlkriterien individuell regeln. Wichtig ist nur, dass die möglichen Kriterien im Hochschulrecht in einem Auswahlkatalog normiert sind; eine freie Schöpfung allein durch die Hochschule oder Fakultät ist nicht möglich.

Zum dritten hält das Gericht eine Wartezeit, die „dritte Säule“ des Zulassungssystems, von mehr als vier Jahren für verfassungswidrig, wobei diese Aussage eher dezisionistisch daherkommt (das gehört auch zu den dogmatisch schwächsten Passagen des Urteils). Doch lässt das Gericht auch recht eindeutig durchblicken, dass die Wartezeitregelung von Verfassungs wegen weder zwingend geboten noch unzulässig ist. Sie könnte in einem novellierten Zulassungssystem also auch entfallen und die frei werdende Quote auf die anderen beiden Quoten verteilt werden. Dies wird derzeit stark diskutiert.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Max-Emanuel Geis
Tel.: 09131/22818
Max-Emanuel.Geis@fau.de

Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auf unserer Rubrik "Nachgefragt" vorbei - dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/       


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14.05.2018 Das schwache Herz - Patientenkongress zum Europäischen Tag der Herzschwäche
uni | mediendienst | aktuell Nr. 63/2018

Ursache und Therapiemöglichkeiten der Herzinsuffizienz: Zu dieser Informationsveranstaltung lädt das Universitäts-Herzzentrum Erlangen des Universitätsklinikums Erlangen im Rahmen des Europäischen Tags der Herzschwäche (Heart Failure Awareness Day) ein. Experten der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Stephan Achenbach) und der Herzchirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Weyand) referieren am Dienstag, 15. Mai 2018, ab 18.00 Uhr in den Hörsälen Medizin, Ulmenweg 18, rund um das Thema Herzschwäche. Der Eintritt ist frei.

Die Themen des Patientenkongresses sind Ursachen und Therapie der Herzschwäche, der aktuelle Stand zu Herztransplantation und Kunstherz sowie Sport und Lebensführung bei Herzschwäche. Ende der Veranstaltung ist gegen 20.00 Uhr.

Herzschwäche – eine unbekannte Erkrankung

Bei einer Herzschwäche pumpt das Herz nicht mehr richtig und kann deshalb Körper und Organe nur unzureichend mit Blut sowie Sauerstoff versorgen. Typische Symptome sind Luftnot, Erschöpfung, Wassereinlagerungen und Rhythmusstörungen. Obwohl die Herzinsuffizienz die häufigste Ursache für eine Krankenhauseinweisung in Deutschland ist, ist die Krankheit nur wenig im öffentlichen Bewusstsein. Um die Bevölkerung besser darüber zu informieren, Symptome, Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten bekannt zu machen und, wo möglich, der Erkrankung vorzubeugen, wurde der Europäische Tag der Herzschwäche ins Leben gerufen, welcher dieses Jahr zum achten Mal stattfindet. Bundesweit werden in Zusammenarbeit mit vielen Kliniken und der Deutschen Herzstiftung e. V. unter Koordination des Kompetenznetzes Herzinsuffizienz und des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz zahlreiche Veranstaltungen angeboten. Weitere Informationen zum Programm des Universitäts-Herzzentrums Erlangen: www.medizin2.uk-erlangen.de

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Stephan Achenbach, Tel.: 09131 85-35301, E-Mail:  med2-info@uk-erlangen.de


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09.05.2018 Die eine Pille zu viel? – Autofahren und Medikamente (FahrMed
uni | mediendienst | aktuell Nr. 59/2018

Alternsforscher untersuchen Wirkung von Mehrfachmedikation auf ältere Autofahrer – Einladung zum Pressegespräch

Bestimmte Medikamente sind ein Risiko für sicheres Autofahren – das ist bekannt und gut untersucht. Was hingegen weitaus unklarer ist: Welche negativen Wechselwirkungen entstehen, wenn mehrere Medikamente kombiniert werden wie es vor allem bei älteren Menschen häufig der Fall ist? Genau diese Frage will ein Forscherteam des Instituts für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Zentrums für Altersmedizin des Klinikums Nürnbergs in einer bundesweit bislang einzigartigen Studie untersuchen.

Am Mittwoch, 16. Mai, laden die Wissenschaftler zu einem Pressegespräch ein
um 14:00 Uhr
im Zentrum für Altersmedizin,
Klinikum Nürnberg Standort Nord
Haus 10 EG rechts, Zi. 77, Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1, 90419 Nürnberg.

Als Gesprächspartner sind vor Ort:

Prof. Dr. Frieder Lang, Institut für Psychogerontologie der FAU
Univ.-Prof. Dr. med. univ. Markus Gosch , Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, im Klinikum Nürnberg

Bitte geben Sie uns bis 14. Mai unter ipg-bega@fau.de Bescheid, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen.

Informationsveranstaltung für potenzielle Teilnehmer am 16. Mai von 14:30 bis 16:00 Uhr

Im Anschluss an das Pressegespräch laden die Studienleiter Interessierte sowie potenzielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer von 14.30 Uhr bis 16.00 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ein, in der sie das Projekt vorstellen. An der Studie teilnehmen können aktive Autofahrerinnen und Autofahrer im Alter von 75 Jahren und älter, die täglich Medikamente einnehmen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Frieder Lang
Tel.: 0911 / 5302-95115
ipg-bega@fau.de
 
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09.05.2018 Schwerpunkt Digitalisierung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Mehr als zwei Drittel der über 16-Jährigen nutzen heute das Internet und Onlineplattformen zur Beschaffung gesundheitsrelevanter Informationen. Neben der Informationsflut entwickeln sich auch die Technologien in der Medizin weiter“, schreibt Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer in der Maiausgabe 2018 des Bayerischen Ärzteblattes. Bereits heute falle es schwer die Übersicht zu behalten. Doch: Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie sei nach wie vor der erstmalige persönliche Arzt-Patienten-Kontakt. Bisher durfte eine Videosprechstunde bundesweit nur bei bekannten Patienten durchgeführt werden. Da-mit ist die ausschließliche Fernbehandlung nach § 7 Abs. 4 der (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärzte berufsrechtlich untersagt. In Baden-Württemberg kann die ärztliche Behandlung – ausschließlich über Kommunikationsnetze – nach einer Genehmigung durch die Landesärztekammer für Modellprojekte gestattet werden.

Auf dem 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt werden wir das Thema diskutieren. „Wir sehen vor allem die Notwendigkeit einer Digitalisierungsstrategie, die unter anderem ethische Grundlagen zum Umgang mit neuem Wissen und Methoden schafft, die Rolle digitaler Methoden in der Gesundheitsversorgung sowie Grundsätze des Datenschutzes definiert und Antworten auf offene Finanzierungsfragen bietet“, schreibt Rechl. Und weiter: „Als not-wendig erachten wir auch die Einführung eines bundeseinheitlichen Güte-siegels von sogenannten Gesundheits-Apps, das zum Schutz der Patienten Datensicherheit und Datenzuverlässigkeit gewährleisten soll. Digitale Gesundheitsanwendungen sollten analysiert und im Hinblick auf Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und medizinische Qualität bewertet werden“.

Hinsichtlich des Themas Fernbehandlung schaut auch Vize Rechl gespannt nach Erfurt. So sei denkbar, dass eine ausschließliche Beratung oder Behandlung auf Facharztniveau über elektronische Kommunikati-onsmedien erlaubt werde, wenn dies im Einzelfall ärztlich vertretbar sei. Voraussetzung dabei müsse jedoch sein, dass der Patient über die „Besonderheiten“ einer reinen Onlinebehandlung aufgeklärt werde, die Onlinebehandlung eine unmittelbare ärztliche Behandlung nicht ersetze und der Arzt alle Befunde und Behandlungen sorgfältig dokumentiere.

Mehr zu „Schwerpunkt Digitalisierung“ lesen Sie in der Ausgabe 5/2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

Pressestelle
Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de

08.05.2018 121. Deutscher Ärztetag in Erfurt eröffnet
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin, 08.05.2018 - Mit Kritik in der Sache, aber auch mit einem klaren Bekenntnis zur konstruktiven Zusammenarbeit mit der Politik, hatheute Bundesärztekammerpräsident Prof. Dr. Frank Ulrich
Montgomery den 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt eröffnet.
Montgomery betonte die Bereitschaft der Ärzteschaft, bei den anstehenden Reformen Verantwortung zu übernehmen undreklamierte eine Beteiligung der Ärzteschaft an den vorgesehenen Expertenkommissionen zur Sektorenübergreifenden Versorgung sowie zu Gebührenordnungsfragen. „Wir brauchen hier die Expertise derjenigen, die im Gesundheitswesen tätig sind. Gemeinsam mit der
Politik können wir viel bewegen“, sagte Montgomery in seiner Eröffnungsrede vor rund 1.000 Delegierten und Gästen des Ärztetages.
Der Bundesärztekammerpräsident begrüßte die von derBundesregierung geplanten Maßnahmen zur Verbesserung derPersonalsituation in der Pflege, insbesondere die vorgesehene Refinanzierung von Tarifsteigerungen. Dieser Schritt sei jedoch nicht nur für die Pflege dringend erforderlich, sondern für alle Beschäftigten in den Kliniken, auch für die „jungen Ärztinnen und Ärzte, die unter die arzt-spezifischen Tarifverträge fallen“, stellte Montgomery klar.
Angesichts des Fachkräftemangels müsse ein so reiches Land wie Deutschland mehr unternehmen, damit die Berufe im Gesundheitswesen wieder attraktiver werden.
Deutliche Kritik äußerte Montgomery an den geplanten Reformmaßnahmen im ambulanten Bereich. Mit Blick auf die vorgesehene Erhöhung der Pflichtsprechstundenzahl erinnerte er an die ohnehin schon enorme Arbeitsbelastung der Vertragsärzte in einem budgetierten System. Wenn die Politik steuernd eingreifen wolle, sollte sie sich fragen, ob sie ausschließlich beim Arzt ansetzen sollte.

Mit Blick auf die nach wie vor ungelösten Probleme in den häufig völlig überlasteten Notfallambulanzen forderte der BÄK-Präsident: „Man muss die Patienten steuern, damit das knapp gewordene Gut ‚Arztstunden‘ denen zugutekommt, die es wirklich benötigen.“ Das jüngst verabschiedete Notfallkonzept des Gemeinsamen Bundesausschusses bringe jedoch weder mehr Ärzte, noch mehr Kapazitäten für notleidende Patienten.
Montgomery erneuerte seine Forderung an die Bundesländer, zusätzliche Studienplätze in der Humanmedizin zu finanzieren. „Arztstunden, ja Ärzte insgesamt sind knapp geworden.“ Es sei auch kein Ausweg, Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen, um Versorgungslücken zu schließen. „Diese Kollegen sind uns sehr willkommen“, stellte er klar. Sie fehlten aber in ihren Herkunftsländern, außerdem müsse für eine Tätigkeit in Deutschland neben der Sprachprüfung auch eine intensive Prüfung der medizinischen Kenntnisse erfolgen. Der Deutsche Ärztetag werde die Forderung diskutieren, dass alle Ärztinnen und Ärzte aus Drittstaaten für eine Tätigkeit in Deutschland ein deutsches Staatsexamen ablegen müssen, kündigte er an. Der Patientenschutz gebiete Qualitätsnachweise zum Kenntnisstand.
Ein weiteres Thema, das in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv diskutiert wurde, ist der Umgang mit dem Paragraphen 219a (Verbot von Werbung für Abtreibungen). Montgomery warnte vor einer erneuten Grundsatzdebatte über Abtreibung und sprach sich stattdessen für pragmatische Lösungen aus. Denkbar sei ein leicht zugängliches Internetportal, betrieben von einer unabhängigen Institution im gesetzlichem Auftrag, über das sich Frauen über den Eingriff als solchen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Beratungsinstanzen und auch über die Ärztinnen und Ärzte
informieren können, die den Eingriff vornehmen. „Hilfe für Menschen in Not: Das muss unser Ziel sein“, sagte der BÄK-Präsident.
Mit besonderer Spannung erwartet werden die Ärztetagsberatungen zur ausschließlichen Fernbehandlung. Der letztjährige Deutsche Ärztetag hatte der Bundesärztekammer einen Prüfauftrag für eine mögliche Änderung der (Muster-)Berufsordnung erteilt. „Wenn nicht wir diese Behandlungsform gestalten, wird sie wohl dennoch zu uns kommen“, sagte Montgomery mit Blick auf entsprechende Angebote zur Fernbehandlung aus dem Ausland. Er forderte in diesem Regelungsbereich ein Vorgehen mit „Augenmaß“, bei dem Patientensicherheit, Datenschutz, aber auch die rechtliche Sicherheit des Arztes gewährleistet sind.
Die 250 Abgeordneten des Deutschen Ärztetages befassen sich bis Freitag mit gesundheits-, berufs- und sozialpolitischen Themen. Dabei wird neben der Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung und der Gebührenordnung für Ärzte die Versorgung psychisch kranker Menschen beraten. „Die Abgeordneten werden sich gemeinsam mit namhaften Referenten den Möglichkeiten ärztlicher Psychotherapie im Hinblick auf Diagnostik, Therapie und Prävention widmen und Versorgungskonzepte diskutieren“, kündigte der BÄK-Präsident an.
Folgen Sie der Bundesärztekammer und dem Deutschen Ärztetag unter #daet2018 auch auf Twitter und halten Sie sich über die Diskussionen auf dem Laufenden.
Druckfähige Fotos von der Eröffnungsveranstaltung stehen am 8. Mai 2018 ab ca. 15.00 Uhr unter www.aerzteblatt.de/bildservice zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Pressemitteilung der Bundesärztekammer
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Seite 4 von 4
Die Rede von Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery zur Eröffnung finden Sie unter:

http://www.bundesaerztekammer.de/aerztetag/121-deutscher-aerztetag-2018/eroeffnungsrede-prof-montgomery/

Pressemitteilung
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Pressestelle der
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Herbert-Lewin-Platz 1
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Fax (030) 40 04 56-707
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08.05.2018 Wissenschaft auf AEG: Warum unsere Vorstellungen vom Älterwerden dazu beitragen, wie gesund wir älter werden und wie lange wir leben
FAU: Meldungen und Termine

Viele Menschen können heutzutage erwarten, dass sie ein hohes Alter erreichen werden. Dies geht meist mit dem Wunsch einher, bei möglichst guter Gesundheit alt zu werden. Die Gene tragen nur zu rund einem Viertel dazu bei, wie gesund Menschen sind, während der Lebensstil eine viel größere Rolle für die Gesundheit spielt. Wie Menschen leben und was sie für ihre Gesundheit tun, ist mit dadurch bestimmt, welche Vorstellungen sie vom Älterwerden haben. Erwarte ich zunehmende Verluste, habe ich weiterhin viele Pläne? Der Vortrag von Prof. Dr. Susanne Wurm, Lehrstuhl für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), am 14. Mai auf dem Energie Campus Nürnberg stellt die Rolle von solchen Altersbildern für die Gesundheit vor und erläutert, wie man seinen eigenen negativen Altersstereotypen auf die Schliche kommen kann – der Gesundheit zuliebe.

Der Vortrag ist Teil der Vortragsreihe „Wissenschaft auf AEG“. Weitere Informationen und Termine zu der Reihe gibt es unter

https://www.fau.de/universitaet/das-ist-die-fau/veranstaltungen/wissenschaft-auf-aeg/.


Informationen:

Dr. Sebastian Teichert, Tel. 09131/85-26337, sebastian.teichert@fau.de
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08.05.2018 Presseeinladung: 13. Deutscher Hochschulrechtstag 2018 - Über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Numerus Clausus im Fach Medizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 58/2018

Am 15. Mai steht auf dem Deutschen Hochschulrechtstag, der dieses Jahr von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) veranstaltet wird, das 3. NC-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 19. Dezember 2017 auf der Tagungsagenda. Dieses erklärte wesentliche Komponenten des geltenden Zulassungsrechts im Fach Medizin für verfassungswidrig. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen werden auf dem Deutschen Hochschulrechtstag erörtert.
Dazu laden wir Vertreterinnen und Vertreter der Medien herzlich ein:

Dienstag, 15. Mai, ab 11 Uhr,
in der Orangerie der FAU, Schlossgarten 1, 91054 Erlangen

Hintergrund des Gerichtsurteils zum Numerus Clausus war die Klage mehrerer Bewerberinnen und Bewerber um einen Studienplatz im Fach Medizin. Für die Umsetzung seiner Rüge hat das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber eine Frist bis Ende 2019 eingeräumt. Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Urteil? Wie sind zukünftig rechtskonforme Auswahlkriterien zu gestalten? Hat das Urteil auch für andere kapazitätsbegrenzte Studienfächer Wirkung? Diese und weitere Fragen werden von Referentinnen und Referenten aus verschiedenen Blickwinkeln erörtert. In zwei Diskussionsrunden erhält auch das Publikum Gelegenheit zur Teilnahme.

Das Tagungsprogramm finden Sie unter:
http://www.hochschulrechtstag.de/downloads/files/ProgrammHRT2018.pdf
Bitte teilen Sie uns bis 14. Mai per E-Mail an max-emanuel.geis@fau.de mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen.
Weitere Informationen:
Ingrid Mümmler, Tel.: 09131/85-29373, max-emanuel.geis@fau.de

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02.05.2018 Neue Hoffnung für Patienten mit Depressionen und Angst
uni | mediendienst | forschung Nr. 30/2018

FAU-Forscher entdecken starken Zusammenhang von Depressionen und Angsterkrankungen mit einer chronischen Erkrankung der Schilddrüse
Es besteht ein starker Zusammenhang von Depressionen und Angsterkrankungen mit der Autoimmunthyreoiditis (AIT), einer chronischen Erkrankung der Schilddrüse, die etwa 10 Prozent der Bevölkerung betrifft. Eine spezielle Therapie könnte vielen Betroffenen – vor allem Frauen – helfen. Dies haben Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) nachgewiesen. Die Ergebnisse wurden nun im international führenden Psychiatriemagazin „JAMA Psychiatry“ der American Medical Association veröffentlicht.*

Depressionen und Angststörungen zählen weltweit zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Allein in Deutschland wurden – nach Angaben des Statistischen Bundesamts – im Jahr 2016 mehr als 260.000 Patientinnen und Patienten aufgrund einer Depression vollstationär im Krankenhaus behandelt.

Selbst zahlreiche Fälle untersucht

Einen starken Zusammenhang von Depression und Angsterkrankungen mit der Autoimmunthyreoiditis (AIT) hat Dr. Teja Wolfgang Grömer, niedergelassener Arzt in Bamberg und Privatdozent am Lehrstuhl für Psychiatrie und Psychotherapie der FAU, unterstützt durch Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Johannes Kornhuber und Wissenschaftlern der Psychiatrischen Klinik der Universität Bonn nun nachgewiesen. „Ich habe in meiner Sprechstunde inzwischen viele hundert Menschen mit Depression und Angst gesehen“, berichtet der Psychiater und ehemalige Max-Planck-Forscher. „Ende 2015 fiel mir der starke Zusammenhang zwischen AIT und den beiden Krankheiten, insbesondere wenn beide vorliegen, auf. Ich plante eine Forschungsarbeit, da es bei mehr als jedem zweiten Fall von Angst und Depression – und nur in diesen Fällen, nicht bei anderen Erkrankungen – zu einem positiven Antikörpernachweis kam.“ Daraufhin erarbeitete der Forscher mit Unterstützung einer Studentin im Fach Psychologie an der Universität Bamberg, Eva-Maria Siegmann, und den Mitautoren eine systematische Übersichtsarbeit zum gegenwärtigen Forschungsstand und berechnete auch statistisch die Stärke des Zusammenhangs. Für seine Metastudie kombinierte der Psychiater 21 voneinander unabhängige Studien mit insgesamt 36.174 Teilnehmern. Davon litten 35.168 an Depressionen, 34.094 an Angsterkrankungen.

Erstdiagnose von Autoimmunthyreoiditidis

„Die meisten Patienten zeigten sich durch die Stellung der Diagnose befreit“, betont Dr. Grömer, „denn oft hatten sie vorher keine Erklärung für ihr Krankheitsbild.“ Bei einer Autoimmunthyreoiditidis kommt es zu einer anhaltenden Entzündung der Schilddrüse, deren Hormone sowohl den Stoffwechsel und zellulären Energiehaushalt als auch die gefühlte Energie und die Psyche beeinflussen. AIT führt bei Betroffenen zu spezifischen psychischen Symptomen, unter anderem innerer Unruhe, Anspannung und Erschöpfung. Meist erkranken Menschen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. Da der Beginn der Erkrankung oft mit den Wechseljahren zusammenfällt und normalerweise keine Schmerzen verursacht, wird die Schilddrüsenentzündung jedoch leicht übersehen oder als „Wechseljahrsbeschwerden“ oder eben als reine Depression oder Angst fehlgedeutet.

Große Zahl von Betroffenen

Tatsächlich zeigte sich in der Berechnung, dass das Risiko für einen Patienten mit AIT für eine Depression 3,5-fach erhöht ist, bei der Diagnose Angst 2,3-fach. Dies klingt zunächst moderat, da alle drei Erkrankungen aber sehr häufig sind, ergibt sich daraus, dass mehr als 40 Prozent der Depressionen und 30 Prozent der Angsterkrankungen bei Patienten mit AIT vorkommen. In seinem Artikel beschreibt Dr. Grömer ausführlich ein Modell der Erkrankung.

Erkennt der behandelnde Arzt die Zusammenhänge, so wird im Artikel anhand umfassender Literaturrecherche beschrieben, kann er eine spezielle Therapie anwenden und frühzeitig gewichtsneutrale Antidepressiva sowie das Spurenelement Selen zur Behandlung einsetzen. Wesentlich ist auch die umfassende Information der Patienten. Dr. Grömer empfiehlt daher, bei allen Patienten mit Depression und Angst ein Screening für AIT mit der Bestimmung von Antikörpern durchzuführen. Darüber hinaus müssten in künftigen psychiatrischen Forschungsarbeiten zu Depression oder Angst die AIT-Erkrankten eine eigene Gruppe darstellen, um die Zusammenhänge noch näher zu beleuchten.

*doi:10.1001/jamapsychiatry.2018.0190

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PD Dr. med. Teja Wolfgang Grömer
fogroemer@gmail.com
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30.04.2018 Brücken schlagen zwischen Forschung und Versorgung - Prof. Dr. Holger Hackstein ist der neue Leiter der Erlanger Transfusionsmedizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 55/2018

Neue Aufgaben für ihn und frische Impulse für das Universitätsklinikum Erlangen: Prof. Dr. Holger Hackstein übernahm jetzt die Leitung der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung. Er löst Prof. Dr. Reinhold Eckstein ab, der der Abteilung 26 Jahre lang vorstand. Prof. Hackstein prägte zuvor maßgeblich die Entwicklung der Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg – zuletzt als stellvertretender Direktor. Am Uni-Klinikum Erlangen legt er seinen Schwerpunkt auf die Verzahnung von Patientenversorgung und Forschung sowie auf den Ausbau der Blutspende. Sein Ziel: die Selbstversorgung des Uni-Klinikums Erlangen mit Blutprodukten.

Selbst die modernste Spitzenmedizin kommt heute nicht ohne Blut aus. Vor allem in Krankenhäusern wie dem Uni-Klinikum Erlangen, wo große Herz- und Tumoroperationen sowie Chemo- und Strahlentherapien an der Tagesordnung sind, ist der Bedarf an Blutbestandteilen für die Patienten enorm. Eine lückenlose Versorgung durch die Transfusionsmediziner ist daher unverzichtbar. In seinem neuen Amt möchte Prof. Hackstein vor allem interne Brücken schlagen: „Indem wir unsere Patientenversorgung und Forschung einander näherbringen, beschleunigen wir den Wissenstransfer zugunsten unserer Patienten und Mitarbeiter“ betont er. „Die Verknüpfung dieser beiden Seiten ist eine der größten Herausforderungen an die moderne Medizin. Ich freue mich, diese Aufgabe in Erlangen anzugehen.“

Prozessoptimierung in der Gerinnungsambulanz

Die meisten Patienten bekommen von der Arbeit der Transfusionsmediziner wenig mit – und doch sind die Blut- und Gerinnungsexperten bei jeder Operation und vielen Immuntherapieverfahren direkt beteiligt. In der Gerinnungsambulanz helfen sie außerdem Menschen mit angeborenen Gerinnungsstörungen oder einer Thromboseneigung. „Unsere Gerinnungssprechstunde wird in Zukunft weiter ausgebaut“, sagt Holger Hackstein. „Wir werden die Wartezeiten verkürzen, mehr Räumlichkeiten anbieten und die Terminvergabe optimieren.“
 
Die Blutspende auf eigenen Beinen

Ein ebenfalls unersetzlicher Baustein ist die Blutspende. Ob Vollblut- oder Spezialspende, bei der nur einzelne Blutbestandteile wie Erythrozyten, Plasma oder Thrombozyten gewonnen werden – am Uni-Klinikum Erlangen sorgen die Transfusionsmediziner für eine sofortige Bereitstellung sowie für die Aufbereitung und Lagerung der kostbaren Produkte. „Aktuell ist unser Bedarf so hoch, dass wir derzeit noch Blutprodukte hinzukaufen müssen“, erklärt Prof. Hackstein. Eines seiner größten Projekte ist deshalb der Ausbau der Blutspende, vor allem im Hinblick auf die weitere Entwicklung: „Durch den demografischen Wandel sind immer weniger Menschen spendefähig, während die Nachfrage nach Blutkonserven steigt. Einen wichtigen ersten Schritt gehen wir mit einem bereits bewilligten Neubau. Dort haben wir deutlich mehr Platz als aktuell in der Schillerstraße und können noch mehr Spender gleichzeitig empfangen. Langfristig strebe ich eine Selbstversorgung des Uni-Klinikums Erlangen an – also die Bereitstellung aller benötigten Blutbestandteile ohne hinzukaufen zu müssen. Ein anspruchsvolles Ziel, das aber nicht unmöglich ist.“

Neue Ansätze und Räume für die Forschung

Auch der Forschungsbereich erhält bald neue Räumlichkeiten: Die Labors und Arbeitsplätze für die Transfusionsmedizin im Translational Research Center sind jetzt bezugsbereit. Die Stellenausschreibungen für Forschungsgruppen laufen. „Die Erlanger Transfusionsmedizin ist bereits eine der führenden deutschen Einrichtungen auf ihrem Gebiet. Um diese Rolle auch in Zukunft zu sichern, müssen wir uns wissenschaftlich stärker engagieren“, erklärt Prof. Hackstein. „Ich lege viel Wert auf zukunftsweisende Ideen, die interdisziplinär mit weiteren klinischen Einrichtungen verknüpft sind. Außerdem müssen die Ansätze translational, also schnell in die Klinik überführbar sein.“ Er selbst wirkte am Uni-Klinikum Gießen und Marburg an der Entwicklung einer neuen Therapieform mit: Bei der Miniphotopherese werden Medikamente im Blut durch UV-Licht aktiviert. „In dieser neuen Form eignet sich das Immuntherapieverfahren auch für knochenmarkstransplantierte Kinder und Jugendliche, denen mit herkömmlichen Verfahren nicht geholfen werden kann. Die Behandlung ist deutschlandweit stark nachgefragt und ich möchte sie unseren Patienten möglichst bald auch in Erlangen anbieten können.“

Entwicklungspotenzial erkennen und ausschöpfen

Bevor Prof. Hackstein die Erlanger Transfusionsmedizin und den zugehörigen Lehrstuhl an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg übernahm, begleitete er zunächst als leitender Oberarzt, später als stellvertretender Direktor der Transfusionsmedizin, die Fusion der beiden Uni-Kliniken Gießen und Marburg. So bekam er die Möglichkeit, aktiv den Ausbau der Einrichtung mitzuprägen. Zuvor arbeite Holger Hackstein zweieinhalb Jahre lang am Thomas E. Starzl Transplantation Institute der University of Pittsburgh, USA, und leitete das Gießener Stammzelllabor. Seine experimentellen Arbeiten zur funktionellen Modulation dendritischer Zellen des Immunsystems sind mit renommierten Preisen verschiedener Fachgesellschaften, unter anderem mit dem Rudolf-Pichlmayr-Preis der Deutschen Transplantationsgesellschaft, ausgezeichnet worden. Zusätzlich absolvierte er ein betriebswirtschaftliches Studium, das er mit einem „Master of Business Administration“ abschloss.


Weitere Informationen:
Prof. Dr. Holger Hackstein
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30.04.2018 Besser gerüstet im Kampf gegen Lungenkrebs
uni | mediendienst | forschung Nr. 29/2018

FAU-Wissenschaftler entdecken neuen Ansatz für die Therapie von Lungenkrebs
Lungenkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland, sowohl Männer wie auch Frauen erkranken daran. Doch Immuntherapien sind nur in 20 Prozent der Fälle erfolgreich. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben eine spezielle Schaltstelle entdeckt, die das Tumorwachstum bei Lungenkrebs reguliert. Dies eröffnet neue Möglichkeiten bei der Behandlung von Lungenkrebspatienten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Oncoimmunology veröffentlicht.*
Das Immunsystem bekämpft nicht nur Krankheitserreger, sondern ist auch fähig, krankhaft veränderte Zellen zu erkennen und zu beseitigen. „Manchmal antwortet das Immunsystem auf den Lungenkrebs, manchmal versagt die körpereigene Immunabwehr – und der Krebs gewinnt“, sagt Prof. Dr. Susetta Finotto, Leiterin der Molekular-Pneumologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. Warum bei Lungentumorpatienten die Immunantwort ausgeschaltet ist, ist bislang nicht hinreichend erforscht.
Auf Tumorzellen reagiert der Körper normalerweise mit einer Immunantwort. Zur Tumorabwehr trägt dabei ein wichtiges Signalmolekül bei, der sogenannte Transkriptionsfaktor T-bet, wobei T-Helferzellen der Gruppe 1 (Th1-Zellen) und CD8 T-Zellen (die Tumorzellen bekämpfen) gebildet werden. Fehlt in Immunzellen T-bet, wächst der Lungentumor. Dies hat das Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Susetta Finotto bereits in früheren Untersuchungen nachgewiesen.

In einer aktuellen Studie untersuchte nun Dr. Katharina Kachler im Rahmen ihrer Dissertation im Team von Prof. Susetta Finotto die Rolle von sogenannten T-reg-Zellen bei Lungenkrebs genauer. Durchgeführt wurde die translationale Studie in Kooperation mit Dr. Denis Trufa und Prof. Dr. Horia Sirbu, beide von der Thoraxchirurgischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen.

T-reg-Zellen sind bei der Regulierung des Immunsystems von besonderer Bedeutung. Während T-reg-Zellen bei der Verhinderung von Entzündungsreaktionen der Lunge eine wichtige Rolle spielen, ist ihre Funktion bei Lungenkarzinomen unzureichend untersucht. Bisherige Untersuchungen zeigten jedoch, dass T-reg-Zellen die Anti-Tumor-Antwort des Körpers unterdrücken und somit das Tumorwachstum fördern.

Nun fanden die Forscher heraus, dass der Lungentumor in der Lage ist, die Immunantwort umzuprogrammieren: Er produziert den Botenstoff TGF-beta, – ein Protein, dass das Zellwachstum reguliert – und induziert in der Umgebung T-reg-Zellen. Dies bedeutet, dass Zellen nicht gegen den Krebs aktiv werden, sondern umgekehrt das Tumorwachstum gefördert wird. „Es werden genau die Th1-Zellen mit T-bet ausgeschaltet, die für die Anti-Tumor-Immunabwehr zuständig sind“, sagt Prof. Susetta Finotto.

„Diese neu identifizierte TGF-beta-abhängige Schaltstelle bei Lungenkrebs hat eine wichtige Bedeutung für die Regulation von Tumorwachstum in der Lunge und bietet neue Ansätze zur Therapie von Lungenkrebs“, erläutert sie. Die Entdeckung, die die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Oncoimmunology publiziert haben, könnte dazu führen, die Überlebenschancen von Lungenkrebspatienten zu erhöhen. „Damit die klinische Immuntherapie, die bislang nur in 20 Prozent der Fälle erfolgreich ist, zukünftig erfolgreicher sein kann, wäre die Lösung, zusätzlich zur herkömmlichen Immuntherapie Hemmer von TGF-beta zu geben und damit die Blockade von T-reg-Zellen  aufzuheben, die die Tumorabwehr blockiert“, erklärt Prof. Finotto.

* doi: 10.1080/2162402X.2018.1456612
The role of Foxp3 and Tbet co-expressing Treg cells in lung carcinoma

Katerina Kachler, Corinna Holzinger, Denis Trufa, Horia Sirbu and Susetta Finotto

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Susetta Finotto
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27.04.2018 Von Quantenphysik, Klimawandel und Ethik in der Medizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 53/2018

FAU-Vortragsreihen „Wissenschaft auf AEG“ und „Wissenschaft im Schloss“ starten

Auch im Sommersemester 2018 erhalten Interessierte, Schüler und Studierende einen Einblick in so vielfältige Themen wie Quantenphysik, Klimawandel und Ethik in der Medizin. Die Veranstaltungsreihen „Wissenschaft auf AEG“ und „Wissenschaft im Schloss“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) stellen aktuelle Forschungsprojekte vor. Die Nürnberger Zeitung begleitet die Vorträge als Medienpartner.

„Wissenschaft auf AEG“ wird am Montag, 7. Mai, mit einem Vortrag von Prof. Dr. Florian Marquardt, Lehrstuhl für Theoretische Physik und Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts, über Quantenphysik und „Schrödingers Spiegel“ eröffnet. Erwin Schrödinger war einer der Gründerväter der Quantenmechanik. Sein berühmtes Gedankenexperiment von 1935 beschreibt eine Katze, die sich in einer sogenannten Quanten-Überlagerung aus tot und lebendig befindet. Sein Ziel war es damals zu betonen, wie mysteriös und unverstanden die Quantenphysik ist. Heutzutage jedoch versuchen Wissenschaftler tatsächlich, Überlagerungszustände von makroskopischen Objekten zu erzeugen, um die Grenzen der Quantenphysik genauer zu erforschen. Zur Hilfe kommt ihnen dabei eine Idee, die sogar noch etwas älter ist als die der Katze: Schrödingers Spiegel.

Drei weitere Termine von „Wissenschaft auf AEG“ finden am Montag, 14. Mai, Montag, 4. Juni, und Montag, 11. Juni, statt. Alle Vorträge beginnen um 18.30 Uhr. Veranstaltungsort ist der Energie Campus Nürnberg (EnCN), Auf AEG, Fürther Straße 250, in Nürnberg. Weitere Informationen stehen auf www.wissenschaft-auf-aeg.de bereit. Der Eintritt ist frei.

Den Auftakt für „Wissenschaft im Schloss“ am Montag, 18. Juni, bildet der Vortrag von Prof. Dr. Milan Kivala, Lehrstuhl für Organische Chemie I, der sich mit Kohlenstoff und seinen Eigenarten beschäftigt. Das Element Kohlenstoff bildet nicht nur die Grundlage des gesamten Lebens auf unserem Planeten, es ist auch einer der wichtigsten Bestandteile zahlreicher aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenkender Materialien. Dies ist vor allem der einzigartigen Fähigkeit des Kohlenstoffs zu verdanken, chemische Bindungen mit sich selbst sowie mit anderen Elementen einzugehen und eine schier grenzenlose Vielfalt an Verbindungen mit verschiedensten Eigenschaften zu bilden. Bis zur Entdeckung der sogenannten Fullerene in den 1980er-Jahren glaubten Wissenschaftler, der in der Natur vorkommende Diamant und Graphit seien die einzigen Formen des elementaren Kohlenstoffs. Heute wissen wir, dass eine ganze Reihe von Verknüpfungsmöglichkeiten der einzelnen Kohlenstoffatome zu neuartigen Formen mit ungewöhnlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften führt. Prof. Kivala stellt die aktuellsten Forschungsansätze vor und geht auf Ideen zur Anwendung der neuen Materialien ein.

Weitere Termine von „Wissenschaft im Schloss“ folgen am Montag, 25. Juni, und Montag, 9. Juli. Die Vorträge beginnen um 18.30 Uhr, Veranstaltungsort ist das  Kollegienhaus, Universitätsstr. 15, in Erlangen. Mehr Informationen sind auf www.wissenschaft-im-schloss.de zu finden. Der Eintritt ist frei.

 „Wissenschaft auf AEG“, Energie Campus Nürnberg

Montag, 7. Mai, 18.30 – 20 Uhr
Schrödingers Spiegel
Prof. Dr. Florian Marquardt, Lehrstuhl für Theoretische Physik

 
Montag, 14. Mai, 18.30 – 20 Uhr
Warum unsere Vorstellungen vom Älterwerden dazu beitragen, wie gesund wir älter werden und wie lange wir leben
Prof. Dr. Susanne Wurm, Professur für Psychogerontologie

Montag, 4. Juni, 18.30 – 20 Uhr
Im Labyrinth des Klimawandels: Atmosphäre, Eis, Ozean und irgendwo der Mensch
Prof. Dr. Thomas Mölg, Professur für Klimatologie


Montag, 11. Juni, 18.30 – 20 Uhr
Wer hat Angst vor Konflikten in der Medizin? Zur Praxis klinischer Ethikberatung
Prof. Dr. Andreas Frewer, M.A., Professur für Ethik in der Medizin


„Wissenschaft im Schloss“, Erlanger Kollegienhaus

Montag, 18. Juni, 18.30 – 20 Uhr
Vom Ruß bis hin zum Wundermaterial: Kohlenstoff und seine Eigenarten
Prof. Dr. Milan Kivala, Lehrstuhl für Organische Chemie I

Montag, 25. Juni, 18.30 – 20 Uhr
Echte Rockstars: Spiel und Ernst in performativen Identitäten des Heavy Metal
Prof. Dr. Gerd Bayer, Institut für Anglistik und Amerikanistik


Montag, 9. Juli, 18.30 – 20 Uhr
Ernährung und Sport bei Krebspatienten
Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Lehrstuhl für Innere Medizin I

 
Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU
Tel.: 09131/85-70229
presse@fau.de

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Kommunikation und Presse
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27.04.2018 Spielend Erkrankungen erforschen und deren Behandlung erlernen - Neues Modul im Entzündungsspiel „Game In Flame“ erklärt Rheuma
uni | mediendienst | aktuell Nr. 52/2018

Zocken, bis der Arzt kommt: Das Entzündungsspiel „Game In Flame – Battle Against Inflammation“ erklärt, wie unser Immunsystem arbeitet und Medikamente bei Entzündungen und Autoimmunerkrankungen wirken. Jetzt wurde das Strategiespiel – nach Gicht, Darmentzündung und Asthma – um ein Modul zur rheumatoiden Arthritis erweitert. Mit einem gezielten Medikamenteneinsatz kontrolliert der Spieler ein fatales Quartett bestehend aus Makrophagen, T-Zellen, B-Zellen und dem Botenstoff TNF. Das Browserspiel wurde im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ unter Leitung der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg Schett) entwickelt, um spielerisch über neueste Erkenntnisse aus der Entzündungsforschung aufzuklären.

Eine Vielzahl von Immunzellen wirkt zusammen, um die Gesundheit des Körpers aufrechtzuerhalten. Doch Feinde lauern überall: Wir atmen Viren ein oder nehmen Krankheitserreger über verunreinigte Nahrungsmittel auf. Um uns zu schützen, reagiert das Immunsystem mit einer Entzündung. Im Strategiespiel „Game In Flame“ erhält der User einen Einblick in diese faszinierende Welt der körpereigenen Abwehr. Seit dem Launch vor einem Jahr bekämpfen täglich mehr als 100 Menschen mit Geschick einen Gichtanfall, schützen die Epithelbarriere bei Darmentzündungen, verhindern einen Asthmaanfall und löschen seit neuestem Entzündungsherde bei Rheuma. „In der neuen Spielwelt lernt man nicht nur die verschiedenen Immunzellen kennen, sondern das Spiel erklärt auch die unterschiedlichen Medikamente und ihre Wirkmechanismen – entsprechend den aktuellen Behandlungsleitlinien“, erklärt Prof. Schett.

Wissen hilft, Verhalten zu optimieren

Von chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn oder Asthma sind Millionen von Menschen betroffen – darunter viele jungen Alters. Schmerzen, die Zerstörung der Organfunktion und eine herabgesetzte Lebensqualität sind wesentliche Konsequenzen dieser Erkrankungen. Bisher sind chronisch-entzündliche Erkrankungen nicht heilbar, aber gezielte, immunmodulierende Medikamente und Therapien können die Krankheitsanzeichen reduzieren. „Game In Flame“ trägt zur gesundheitlichen Aufklärung über molekulare Wirkmechanismen und über Behandlungsansätze bei und schärft das Bewusstsein, Therapien langfristig zu verfolgen. So bietet es den Spielern beispielsweise ein „Immuxikon“, das Informationen über die Eigenschaften und Funktionen der Immunzellen sowie der Medikamente bereitstellt. Mit dem Rheuma-Update wurde das Spiel um eine Erkrankung erweitert und steht nun auch in englischer Sprache online (www.gameinflame.de) sowie für mobile Endgeräte als iOS-App und als Android-App zur Verfügung.

Weitere Informationen:
Sandra Jeleazcov
Tel.: 09131/85-39109
sandra.jeleazcov@uk-erlangen.de

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27.04.2018 Medizinhistorische Vortragsreihe: ein Blick zurück
uni | mediendienst | aktuell Nr. 51/2018

7. Mai und 18. Juni, 18.15 Uhr, Kollegienhaus, Hörsaal 1.016, Universitätsstr. 15, Erlangen

Ein Blick zurück in die Geschichte der Medizin – das ist die Idee hinter der Medizinhistorischen Vortragsreihe an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Im Sommersemester veranstaltet das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin zwei weitere Vorträge: Die erste  Veranstaltung beschäftigt sich mit Embryologie im Mittelalter, die zweite mit der Geschichte des Organspendeausweises.

Am Montag, 7. Mai, widmet sich Saskia Wilhelmy, RWTH Aachen, in ihrem Vortrag „Von welhen Sachen ain Fraw swanger werde… – Embryologie im Mittelalter“ dem „Buch der Natur“, geschrieben von Konrad von Megenberg (1309 bis 1374). Darin geht der Autor unter anderem auf Schwangerschaft und Geburt ein. Anhand seiner Beschreibungen erläutert die Medizinhistorikerin die damaligen Vorstellungen von der Entwicklung des menschlichen Embryos.

Im zweiten Vortrag am Montag, 18. Juni, steht das Thema Organspendeausweis im Mittelpunkt. In ihrem Vortrag „Ich hab noch einen alten aus Papier – empirische Einblicke in die Geschichte des Organspendeausweises“ zeigt Annerose Böhrer, Institut für Soziologie der FAU, anhand der Geschichte wie das kleine, unscheinbare Dokument sowohl ein Symbol für die private und medizinische Entscheidung als auch für gesellschaftspolitische Fragen ist.

Die Vorträge im Kollegienhaus beginnen jeweils um 18.15 Uhr, der Eintritt ist frei.

nformationen:
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven
Tel.: 09131/85-22094
karl-heinz.leven@fau.de

Vortragsreihe: Jenseits des Tellerrands
ab 9. Mai, 12.15 Uhr, Senatssaal im Kollegienhaus, Universitätsstraße 15, Erlangen

Vom Erlanger Baby über Sterbefasten bis hin zum Contergan-Skandal – bei der Vortragsreihe „Jenseits des Tellerrads“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erwartet Besucherinnen und Besucher im Sommersemester wieder spannende Themen. Die öffentlichen Mittagsvorträge werden vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der FAU veranstaltet und beginnen jeweils um 12.15 Uhr.

Den Auftakt macht am Mittwoch, 9. Mai, der Vortrag „Schneewittchen erwartet ein Kind… - das Erlanger Baby (1992) im Spiegel der Presse“. Darin stellt Medizinhistoriker Prof. Dr. Karl-Heinz Leven die Medienkampagne rund um die Schwangerschaft einer hirntoten Frau vor und analysiert das Phänomen zeithistorisch. Die Presse berichtete damals nahezu pausenlos und vor allem ungehemmt über den spektakulären Fall.

Alle Themen im Überblick:

Mittwoch, 9. Mai
Schneewittchen erwartet ein Kind… – das Erlanger Baby (1992) im Spiegel der Presse
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, Lehrstuhl für Geschichte der Medizin

Mittwoch, 16. Mai
Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit am Lebensende – Sterbefasten aus ethischer Sicht
PD Dr. Martina Schmidhuber, Professur für Ethik in der Medizin

Mittwoch, 30. Mai
Das Paradepferd der Nazis? Zur Rolle des Erlanger Gynäkologen und Radiologen Hermann Wintz im „Dritten Reich“ 
Philipp Rauh, Lehrstuhl für Geschichte der Medizin

Mittwoch, 6. Juni
Es ist schon genug Unsinn (…) geschrieben worden… – Erlanger Universitätsmedizin der 1950er Jahre im Spiegel der Öffentlichkeit
Andreas Thum, Lehrstuhl für Geschichte der Medizin

Mittwoch, 13. Juni
Stärkender Schlaf, frisches Erwachen – Contergan und seine Folgen
Dr. Susanne Ude-Koeller, Lehrstuhl für Geschichte der Medizin

Weitere Informationen zu den einzelnen Vorträgen:
https://www.igem.med.fau.de/studium-und-lehre/weitere-lehrveranstaltungen/mittagsvorlesung-tellerrand/

Informationen:
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven
Tel.: 09131/85-22094
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26.04.2018 Weltweit erste erfolgreiche Therapieversuche bei Erbkrankheit Ektodermale Dysplasie
uni | mediendienst | aktuell Nr. 50/2018

Drei Kinder dank vorgeburtlicher Proteinspritze außer Lebensgefahr

Eines von 30.000 Kindern erkrankt an Ektodermaler Dysplasie. Die blassen Kinder mit den spitzen Zähnen fallen durch ihr Äußeres auf: Sie sehen aus wie kleine Vampire. Doch viel schwerer wiegen ihre körperlichen Defizite, allen voran die fehlenden Schweißdrüsen. Betroffene Kinder können nicht schwitzen und drohen an einer Überhitzung zu sterben. Im Rahmen vorgeburtlicher Heilversuche hat ein Ärzteteam um Prof. Dr. Holm Schneider von der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher) des Universitätsklinikums Erlangen diese Erbkrankheit durch eine Proteinspritze ins Fruchtwasser der werdenden Mutter korrigiert. Die Ergebnisse der erfolgreichen Heilversuche wurden jetzt im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht.


Joshua, der fünfjährige Sohn von Corinna und Tobias T. aus der Nähe von Bremen, leidet unter der Erbkrankheit Ektodermale Dysplasie. Joshua hat nur drei spitze Zähne, kaum Haare, eine blasse, trockene Haut – und er kann nicht schwitzen. Ist die Umgebung zu warm, legt sich Joshua reflexartig auf den kalten Fußboden. Denn: Die Überwärmung seines Körpers könnte für ihn tödlich sein. Als Joshuas Eltern die Krankheit erkannten und erfuhren, dass Corinna T. Trägerin des Gendefekts ist, standen sie vor der Frage: Wollen wir ein zweites Kind? Das Risiko, erneut ein Baby mit Ektodermaler Dysplasie zu bekommen, lag bei 50:50.

Dann wurde Corinna T. mit Zwillingen schwanger. Die traurige Gewissheit: Auch sie würden krank sein. „Es tut uns leid, wir haben nur zwei Zahnanlagen gesehen“, sagte der Frauenarzt nach dem Feinultraschall. Über eine Selbsthilfegruppe stand das Paar bereits in Kontakt mit den Experten für Ektodermale Dysplasie am Uni-Klinikum Erlangen. Um den Zwillingen Linus und Maarten ein besseres Leben zu ermöglichen, entschlossen sich Corinna und Tobias T. zum weltweit ersten Heilversuch im Mutterleib. „Wir hatten nichts zu verlieren. Irgendwer muss ja Vorreiter sein“, sagt Corinna T. Die Behandlung wurde im Februar 2016 von Prof. Dr. Holm Schneider, Oberarzt der Kinderklinik und Sprecher des Zentrums für Ektodermale Dysplasien Erlangen, und Oberarzt PD Dr. Florian Faschingbauer von der Frauenklinik (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Uni-Klinikums Erlangen durchgeführt.

Proteinersatztherapie im Mutterleib

Ektodysplasin A1 (EDA1) ist ein Protein, das normalerweise im Körper vorkommt. Während der Entwicklung des Kindes im Mutterleib sorgt es dafür, dass sich Haare, Zähne und Hautanhangsgebilde wie die Schweißdrüsen bilden. Föten mit X-chromosomaler Hypohidrotischer Ektodermaler Dysplasie (XLHED) fehlt das EDA1-Protein – so auch bei den Zwillingen Linus und Maarten.

Im Rahmen des erfolgreichen Heilversuchs am Uni-Klinikum Erlangen haben Prof. Schneider und PD Faschingbauer ein Ersatzprotein in die Gebärmutter von Corinna T. injiziert: zuerst in die Fruchthöhlen der beiden Zwillinge, jeweils in der 26. Schwangerschaftswoche, ein zweites Mal 39 Tage später. Einen dritten Jungen behandelten die Erlanger Ärzte nur einmal: im Alter von 26 Schwangerschaftswochen. Unter Ultraschallkontrolle spritzte PD Faschingbauer jeweils 15 ml des Medikaments vorsichtig in die flüssigkeitsgefüllte Fruchtblase, ohne den Fötus zu berühren. Die ungeborenen Kinder schluckten das Protein mit dem Fruchtwasser und nahmen es über ihren Darm in den eigenen Blutkreislauf auf. „Das Medikament würde über den Blutkreislauf der Mutter nicht in den Körper des Kindes gelangen, weil es die Plazentaschranke nicht überwindet – also den Gewebefilter, der den mütterlichen vom kindlichen Blutkreislauf trennt“, erklärt Prof. Schneider. „Die einzige Möglichkeit, dass EDA1 den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes erreicht, war deshalb die direkte Gabe ins Fruchtwasser.“ EDA1 allein genügt jedoch nicht. Das eigentlich Geniale an der neuen Behandlungsmethode ist nämlich das Vehikel, mit dem das Ersatzprotein in den Blutkreislauf transportiert wird: die sogenannte Fc-Komponente menschlicher Antikörper. Für diese existiert im kindlichen Darm ein spezieller Aufnahmemechanismus, der bei Säuglingen dafür sorgt, dass Antikörper aus der Muttermilch ins Blut des Kindes gelangen. Diesen Mechanismus nutzten Prof. Schneider und seine Kollegen, um das therapeutische Protein im Huckepackverfahren mit einzuschleusen. 

Bei allen drei im Mutterleib behandelten Kindern bildeten sich dank der Proteininjektion Schweißdrüsen und zusätzliche Zahnanlagen. Bei dem einzelnen Jungen hat sich die Schweißproduktion nach der Geburt ausreichend entwickelt. Die Zwillinge Linus und Maarten schwitzen sogar wie gesunde Kinder – das haben Prof. Schneiders regelmäßige Messungen im Abstand von acht bis zwölf Wochen sowie mikroskopische Aufnahmen der Schweißdrüsen belegt. „Am anschaulichsten war wohl das Foto einer nassgeschwitzten Babyschale, das Corinna T. mir einige Monate nach der Geburt der Zwillinge zuschickte. So etwas kannte sie von ihrem Sohn Joshua ja nicht“, sagt Holm Schneider. „Und wer schwitzen kann, der darf auch rennen – nach Herzenslust“, wie es die beiden bald Zweijährigen inzwischen tun.

Dank des Heilversuchs haben die drei behandelten Kinder auch deutlich mehr Zähne als ihre unbehandelten älteren Geschwister mit Ektodermaler Dysplasie. „Wir haben das EDA1-Protein jahrelang erforscht und das Medikament in klinischen Studien getestet“, erklärt Prof. Schneider. „Die letzte Studie, in der das Protein erkrankten Neugeborenen verabreicht wurde, hat uns gezeigt, dass wir nach der Geburt die Entwicklung von Schweißdrüsen nicht mehr beeinflussen können. Unsere Schlussfolgerung war: Die Behandlung muss im Mutterleib erfolgen – sonst ist es zu spät.“ Der Therapieerfolg gibt den Erlanger Ärzten Recht: Für die drei behandelten Kinder besteht nun nicht mehr die Gefahr, an einer Überwärmung zu sterben – ein Schicksal, das Kinder mit XLHED immer wieder trifft.

Müttern, die Überträgerinnen dieser Form der Ektodermalen Dysplasie sind, bietet das neue Verfahren wahrscheinlich die Möglichkeit, Nachwuchs zu bekommen, der die gravierendsten Symptome der Erkrankung nicht mehr zeigt. Für die betroffenen Familien bedeutet das einen enormen Zugewinn an Lebensqualität. Außerdem könnten Proteinersatztherapien im Mutterleib künftig vielleicht auch bei anderen fetalen Entwicklungsstörungen, zum Beispiel bei Spaltbildungen im Gesicht, angewandt werden.

Strenge ethische Anforderungen – multizentrische klinische Studie folgt

Die am Uni-Klinikum Erlangen durchgeführte Behandlung fand noch nicht im Rahmen einer klinischen Studie statt, sondern „nur“ als medizinischer Heilversuch an drei Kindern. Dabei galten strenge ethische Auflagen. „Wir wollten das Protein früh genug in der Schwangerschaft injizieren, um noch Einfluss auf die Entwicklung von Schweißdrüsen und Zähnen nehmen zu können“, erläutert Prof. Schneider. „Andererseits wollten wir den Zeitpunkt der Injektion so weit wie möglich nach hinten schieben, um keinesfalls eine extreme Frühgeburt auszulösen, die das Leben der Kinder gefährden könnte.“ Die Schweißdrüsen bilden sich beim Fötus zwischen der 20. und der 30. Schwangerschaftswoche. Nach ausführlichen Abwägungen und Beratungen mit dem klinischen Ethikkomitee des Uni-Klinikums Erlangen wurde die 26. Schwangerschaftswoche als frühestmöglicher Zeitpunkt für eine Injektion festgesetzt.

Linus und Maarten wurden in der 33. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt entbunden, der dritte vorgeburtlich behandelte Junge kam in der 39. Woche zur Welt. Alle drei Kinder haben deutlich von der Therapie im Mutterleib profitiert. „Wir wollen jetzt gemeinsam mit anderen Zentren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien eine klinische Studie an einer größeren Gruppe von ungeborenen Kindern anschließen, um die positiven Effekte der intrauterinen Therapie zu belegen“, kündigt Prof. Schneider an. Dabei kooperieren die Erlanger Experten mit der gemeinnützigen Schweizer Stiftung EspeRare, die Medikamente für die Behandlung seltener Erkrankungen entwickelt.

Prof. Schneider betreut und behandelt Kinder und Jugendliche mit Ektodermaler Dysplasie seit fast 20 Jahren. Er klärt Eltern darüber auf, wie sie ihr krankes Kind vor einem Hitzschlag schützen können, wie man am besten mit ständig verstopften Nasen und Ohren, häufigen Infektionen und trockenen Augen umgeht und wie sich die fehlenden Zähne Betroffener durch Prothesen oder mithilfe von Implantaten ersetzen lassen. Er weiß: „Das besondere äußere Erscheinungsbild der Patienten ist nicht das Hauptproblem. Schwerer wiegen die Lebensgefahr durch Überhitzung und die großen Einbußen an Lebensqualität, die mit der gestörten Temperaturregulation einhergehen. Nicht schwitzen können, so hat es einer meiner Patienten erklärt, ‚das ist wie Fahren mit einem Motor ohne Kühlung‘.“ Mit der pränatalen Proteinersatztherapie haben Prof. Schneider und seine Kollegen nach jahrzehntelanger Vorarbeit nun eine erbliche Entwicklungsstörung korrigiert, die bislang unheilbar war.



Hintergrund: Ektodermale Dysplasien

Ektodermale Dysplasien sind vererbte Gendefekte. Sie rufen Fehlbildungen (Dysplasien) an denjenigen Strukturen hervor, die vom Ektoderm abstammen. Dabei handelt es sich um das äußere Keimblatt des Embryos, aus dem die Haut und ihre Anhangsgebilde entstehen. Von Fehlbildungen betroffen sind u. a. Haut, Schweiß-, Talg- und Duftdrüsen, Haare, Nägel, Zähne, Brustdrüsen und die Augenlider.

Es gibt über 150 Arten der Ektodermalen Dysplasie. In 80 bis 90 Prozent der Fälle liegt eine X-chromosomal vererbte Hypohidrotische Ektodermale Dysplasie (XLHED) vor. Bei den Erkrankten ist das Gen EDA, das sich auf dem X-Chromosom befindet, mutiert. Weil Jungen nur ein X-Chromosom besitzen, sind sie schwerer betroffen als Mädchen, die neben dem kranken noch ein gesundes X-Chromosom haben. Entsprechend dem X-chromosomalen Erbgang gilt: Ist der Vater (ein X-Chromosom) von XLHED betroffen, sind seine Söhne immer gesund, aber jede seiner Töchter trägt den Gendefekt. Ist die Mutter (zwei X-Chromosomen) erkrankt, haben ihre Söhne und Töchter den Gendefekt mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit.

Menschen mit XLHED fallen durch typische äußerliche Merkmale auf: wenige, häufig spitz zulaufende Zähne, tiefliegende, abstehende Ohren, fehlende Wimpern und Augenbrauen, dünnes, kaum pigmentiertes Haupthaar, schuppige, extrem trockene Haut, dunkle Augenschatten und ein eingesunkener Nasenrücken. Das Fehlen der Schweißdrüsen bedeutet für die Betroffenen Lebensgefahr, vor allem bis zum Alter von zwei Jahren: „Kleine Kinder können noch nicht selbst für Abkühlung sorgen – zum Beispiel, wenn sie schutzlos der Sonne ausgesetzt sind, im Sommer draußen herumtollen oder sich in einem aufgeheizten Raum oder Fahrzeug befinden. Die Gefahr eines lebensbedrohlichen Hitzschlags ist dann groß“, sagt Prof. Schneider. Fehlende Zahnanlagen beim Fötus geben einen deutlichen Hinweis auf Ektodermale Dysplasie. Die Zahnanlagen können im Mutterleib schon ab der 19. Schwangerschaftswoche ausgezählt werden. In Verbindung mit einem Gentest der Eltern lässt sich die Erbkrankheit so frühzeitig nachweisen.

Bildmaterial zum Download gibt es unter:

https://www.fau.de/files/2018/04/18_KI_Ektodermale_Dysplasie_45_presse.jpg

Corinna und Tobias T. haben sich für ihren ältesten Sohn Joshua Geschwister gewünscht. Linus und Maarten, geboren im April 2016, wissen noch nicht, dass es das Größte für ihre Eltern ist, wenn sich auf den Nasen der Kleinen Schweißperlen bilden. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

https://www.fau.de/files/2018/04/18_KI_FK_Ektodermale_Dysplasien_Labor_05_presse.jpg

Mit der Injektion eines Ersatzproteins in die Fruchtblase haben Prof. Dr. Holm Schneider (r.) und PD Dr. Florian Faschingbauer eine erbliche Entwicklungsstörung korrigiert, die bislang unheilbar war. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Holm Schneider
Tel.: 09131 85-33775       
holm.schneider@uk-erlangen.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
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24.04.2018 Gefährliche Erbkrankheit bei Ungeborenen weggespritzt
uni | mediendienst | aktuell Nr. 46/2018

Weltweit erste erfolgreiche Therapieversuche bei lebensbedrohlicher Erbkrankheit Ektodermale Dysplasie – Einladung zur Pressekonferenz

Die blassen Kinder mit den spitzen Zähnen fallen durch ihr Äußeres auf: Sie sehen aus wie kleine Vampire. Doch viel schwerer wiegen ihre körperlichen Defizite, allen voran die fehlenden Schweißdrüsen. Betroffene Kinder können nicht schwitzen und drohen an einer Überhitzung zu sterben. Die Krankheit ist erblich: Eines von 30.000 Kindern leidet an Ektodermaler Dysplasie. Im Rahmen vorgeburtlicher Heilversuche hat jetzt ein Ärzteteam um Prof. Dr. Holm Schneider, Sprecher des Zentrums für Ektodermale Dysplasien Erlangen des Universitätsklinikums Erlangen, diese Erbkrankheit durch eine Proteinspritze ins Fruchtwasser der werdenden Mutter korrigiert – mit großem Erfolg.

Die Forscher möchten die Ergebnisse der erfolgreichen Heilversuche im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellen. Sie findet statt am Donnerstag, 26. April, um 10.30 Uhr im Internistischen Zentrum des Universitätsklinikums Erlangen, Ulmenweg 18, 3. Obergeschoss, im Konferenzraum des Klinikumsvorstandes (bitte den gläsernen Aufzug links neben der Pforte nutzen).

Teilnehmer der Pressekonferenz sind:

Corinna T. (40) und Tobias T. (36) mit Joshua (5) und den Zwillingen Linus und Maarten (2)

Prof. Dr. Holm Schneider (Sprecher des Zentrums für Ektodermale Dysplasien Erlangen)

Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Direktor der Frauenklinik)

PD Dr. Florian Faschingbauer (Oberarzt der Frauenklinik)

Caroline Kant (Gründerin und Geschäftsführerin der Stiftung EspeRare)

 
Um Anmeldung unter Tel.: 09131 85-36102 oder per E-Mail an presse@uk-erlangen.de wird gebeten.

Weitere Informationen:

Johannes Eissing
Tel.: 09131 85-36102
presse@uk-erlangen.de
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Tel: +49 9131 85-70229
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16.04.2018 Sachliche Informationen nicht unter Strafe stellen – § 219a StGB modifizieren
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Bitte beachten Sie folgende Presseinformation!
München, 16. April 2018  -  Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) spricht sich für eine Änderung des § 219a Strafgesetzbuch (StGB) aus. Beim Tatbestand dürfte der „Vermögensvorteil“ nicht auf Informationen über ärztliche Tätigkeiten bezogen sein, habe doch jeder Arzt einen Anspruch auf Honorierung seiner Leistungen. „Patientinnen und Patienten müssen freien Zugang zu allen für sie relevanten Informationen haben“, so BLÄK-Präsident Dr. Gerald Quitterer. Dazu gehörten ärztliche Informationen über medizinische Untersuchungs- und Behandlungsverfahren, wie beispielsweise die Ankündigung von ärztlichen Leistungen auf der Homepage. Für Patientinnen schließe dieses Recht ein, sachliche Informationen über die rechtlichen Rahmenbedingungen und die medizinischen Belange eines Schwangerschaftsabbruchs ohne Einschränkungen zu erlangen. Sachliche Informationen dürften nicht unter Strafe stehen und Ärztinnen und Ärzte, die diesen Eingriff vornehmen, nicht weiter kriminalisiert werden.

Pressestelle
Bayerische Landesärztekammer
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de

16.04.2018 Neuer Ansatzpunkt im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen
uni | mediendienst | forschung Nr. 25/2018

Wissenschaftler der FAU und der University of Oxford entdecken neuen regulatorischen Kontrollpunkt in der bakteriellen Genexpression

Jährlich sterben laut WHO rund 700.000 Menschen an den Folgen von Antibiotikaresistenzen, in Deutschland sind es rund 6.000 Menschen, denen mit Antibiotika nicht gegen bakterielle Infekte geholfen werden kann. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der britischen University of Oxford haben herausgefunden, dass es einen Punkt im Herstellungsweg der Proteine gibt, an dem Bakterien diesen regulieren können. Das könnte ein Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Antibiotika sein und dabei helfen, Antibiotikaresistenzen zu überwinden.*

Antibiotika sind Medikamente, die zur Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten eingesetzt werden. Die Arzneimittel hindern die Bakterien daran, sich zu vermehren und töten sie ab, die Infektion geht zurück und der Patient gesundet. In den vergangenen Jahren haben jedoch immer mehr Bakterien eine so genannte Antibiotikaresistenz, also Abwehreigenschaften gegen Antibiotika, entwickelt. In der Folge verlieren die Medikamente ihre Wirkung, und die multiresistenten Bakterien können sich umso stärker ausbreiten.

Frühe Phase der RNA-Herstellung untersucht

Die Entdeckung der Wissenschaftler, die sie in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht haben, könnte einen völlig neuen Ansatzpunkt in der Entwicklung von Antibiotika darstellen. „Nun könnten Präparate entwickelt werden, die auf unseren Erkenntnissen aufbauen und die krankheitsverursachenden Bakterien töten“, hofft Dr. David Dulin vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung der FAU. Gemeinsam haben die Erlanger Wissenschaftler um Dr. David Dulin und das Team von Achillefs Kapanidis von der University of Oxford herausgefunden, dass die frühe Phase der Produktion von Ribonukleinsäure – im Englischen ribonucleic acid und deshalb mit RNA abgekürzt – ein Schlüsselpunkt ist, um die Regulation der Genexpression in Bakterien zu kontrollieren. Als Genexpression wird die Bildung eines von einem Gen kodierten Genprodukts, vor allem von Proteinen oder RNA-Molekülen, bezeichnet.

In Bakterien wird die RNA mit Hilfe eines großen Proteinkomplexes, der RNA-Polymerase (RNAP), hergestellt. Diese RNAP liest die DNA-Sequenz aus und stellt eine RNA-Kopie her, indem sie Nukleotide – die fundamentalen Bausteine der RNA – während der sogenannten Transkription verbindet. Da diese RNA-Produktion für das Überleben der Bakterien elementar ist, wurde sie bereits intensiv untersucht und als Ansatzpunkt für Antibiotika, zum Beispiel gegen Tuberkulose, genutzt. Dennoch war bisher unklar, wie die RNA-Produktion auch in der frühen Phase der Transkription, in der die RNAP gerade erst begonnen hat, die ersten Bausteine der RNA zusammenzusetzen, reguliert wird. Diese Fragestellung haben die Wissenschaftler nun untersucht.

Die Forscher setzten auf die High-End-Fluoreszenzmikroskopie und konnten einzelne RNAP-Moleküle während des Beginns der RNA-Herstellung verfolgen. So fanden sie heraus, dass die initiale RNA-Synthese stark reguliert ist: Eine bestimmte DNA-Sequenz zwingt die RNAP, für mehrere Sekunden zu pausieren. Erst danach ist es ihr wieder möglich, mit der RNA-Produktion fortzufahren.

Dieses Forschungsergebnis verändert das bisherige Bild der initialen RNA-Synthese in Bakterien völlig. „Die Tatsache, dass die RNAP für längere Zeit gleichzeitig an die DNA und das kurze RNA-Stück gebunden sein kann, war für uns sehr überraschend, da es dem bisherigen Wissensstand widerspricht“, sagt Dr. Dulin. Die Entdeckung dieses neuen Kontrollpunkts in der Genexpression kann für die Entwicklung neuer Antibiotika genutzt werden. „Zum Beispiel könnten Präparate entwickelt werden, die die RNAP in dem pausierten Zustand festhalten und dadurch die krankheitsverursachenden Bakterien töten“, stellt sich Dr. Dulin vor. Ein Hoffnungsschimmer im weltweiten Kampf gegen Antibiotikaresistenzen.

*doi: 10.1038/s41467-018-03902-9
Weitere Informationen:
Dr. David Dulin
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12.04.2018 Weltraumforschung auf dem Prüfstand - Erlanger Neurologe übernimmt Vorsitz der Gutachterkammer für DLR-Forschungsprojekte im Bereich „Research under Space Conditions“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 42/2018

Nutzt Weltraumforschung uns allen, nutzt sie dem Otto Normalverbraucher? Oder hat uns dieses teure und „exotische“ Unterfangen bisher nur die Teflonpfanne beschert? Die Fülle wissenschaftlicher Fragestellungen, die beantwortet werden müssen, um nicht nur unsere Fernseh- und Telefon-Satelliten sicher ins Weltall zu bringen, sondern die technischen und biologischen Voraussetzungen für langfristige Weltraummissionen, wie etwa Flüge zum Mars, zu ermöglichen, wird in Deutschland vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erforscht. Die einzelnen Forschungsprojekte werden regelmäßig überprüft. Den Vorsitz der Gutachterkammer im Bereich „Research under Space Conditions“ hat in der jetzigen Prüfrunde Prof. Dr. Max Hilz, Oberarzt der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Stefan Schwab), übernommen.

Das DLR ist eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen der renommierten Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist ein Verbund aus 18 hochkarätigen Forschungszentren und wacht darüber, wie die Gelder für teure Weltraumforschung eingesetzt werden. Bevor weitere Finanzmittel für künftige Forschungsprojekte bewilligt werden, lädt die Helmholtz-Gemeinschaft alle vier Jahre Experten ein, die Forschungsleistungen des DLR zu beurteilen und Empfehlungen zu künftigen Forschungsarbeiten auszusprechen. Die DLR-Forschungsaufgaben sind in verschiedene Gebiete unterteilt, wie etwa Kommunikation und Navigation, Erdbeobachtung, Weltraumerforschung und mehrere andere Bereiche. Internationale Expertengruppen mit Spezialkenntnissen in den verschiedenen Gebieten erstellen dabei gemeinsam eine detaillierte Bewertung der Forschungsergebnisse und -ziele und stellen somit sicher, dass Steuergelder sinnvoll eingesetzt werden.

Das Überleben im Weltall erforschen

Einer der spannendsten Themenbereiche betrifft die Forschung unter Weltraumbedingungen. Sie befasst sich zum einen mit physikalisch-technischer Forschung, unter anderem mit Studien zu materialwissenschaftlichen Entwicklungen unter Bedingungen der Schwerelosigkeit, zum anderen mit entscheidenden medizinischen Fragen dazu, wie Menschen im Weltall überleben können. Die Ergebnisse und Ziele dieses Gebiets beurteilen aktuell der Mediziner Max Hilz und mehrere Naturwissenschaftler. Der Neurologe und Experte im Bereich des sogenannten autonomen oder vegetativen Nervensystems sagt: „Ohne besondere Vorkehrungen würden binnen kurzer Zeit im Weltall Muskeln schrumpfen, Knochen schwinden, die Kreislaufregulation versagen und eine vorschnelle Alterung eintreten. Zudem sind Astronauten im Weltall einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt.“ Seine Gutachtergruppe kommt zu dem Schluss, dass es den Forscherteams aus dem Bereich „Research under Space Conditions“ gelingt, unter Bedingungen der Schwerelosigkeit neue und verbesserte Werkstoffe hervorzubringen, die beispielsweise zur Entwicklung stabilerer und im Verbrauch kostengünstigerer Flugzeugantriebsturbinen führen.

Weltraumforschung nutzt allen Menschen

Als einziger Mediziner in der Gutachterrunde ist Prof. Hilz besonders von den medizinischen Erkenntnissen und neuen Therapieansätzen begeistert. Die Ergebnisse der DLR-Forscher im Bereich „Research under Space Conditions“ können nach seiner Einschätzung für Volkskrankheiten wie Schlafstörungen und Alterungsprozesse wie Osteoporose und Muskelschwund, Kreislaufstörungen mit Schwindel und Ohnmachtsanfällen und viele andere Krankheitsbilder wichtige Erkenntnisse und neue Therapieansätze liefern. „Die Veränderungen, die ein Raumfahrer in wenigen Wochen und Monaten im All durchlebt, gleichen dem Alterungsprozess des Menschen – nur eben im Schnelldurchlauf“, erklärt der Erlanger Neurologe. Die unter Bedingungen der Schwerelosigkeit gewonnen Ergebnisse liefern demnach wichtige Erkenntnisse zu vielen medizinischen Problemen und zu deren Therapie, die unter anderen Umständen kaum zu gewinnen wären.

Weitere Informationen:
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10.04.2018 Verletzliches Nervensystem: Was beeinflusst die Schutzhülle?
uni | mediendienst | forschung Nr. 23/2018

FAU-Forscher bringen Licht in den komplexen biochemischen Mechanismus

Etwa 200.000 Menschen in Deutschland leiden laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft an Multipler Sklerose (MS), einer schweren unheilbaren neurologischen Erkrankung. Die Ursachen sind noch lange nicht geklärt, bekannt ist aber, dass das Immunsystem irrtümlich die Umhüllung der körpereigenen Nervenfasern angreift. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) um Prof. Dr. Michael Wegner fanden nun zusammen mit Forschern aus Münster heraus, wie die Bildung dieser Schutzhülle durch Eiweißmoleküle reguliert wird. In der Zukunft könnte mit diesem Wissen zum Beispiel MS-Patienten geholfen werden, indem nach einem Schub die Bildung neuer Myelinscheiden angeregt wird.*

Das menschliche Gehirn entspricht einem Hochleistungsrechner, in dem es darauf ankommt, die zahlreichen einzelnen Prozessoren möglichst effizient miteinander über Hochgeschwindigkeitskabel zu verschalten. Die einzelnen Nervenzellen – zwischen 90 und 100 Milliarden – stellen die Prozessoren dar, ihre von Mark- oder Myelinscheiden umgebenen Fortsätze die Glasfaserkabel. Dabei ist die Geschwindigkeit der Informationsleitung ganz entscheidend von der Qualität der Myelinscheide abhängig, die von besonderen Gehirnzellen, den Oligodendrozyten, gebildet wird. Schädigungen der Markscheide oder der Zellen, aus denen sie hervorgeht, führen zu schweren Erkrankungen wie der MS. In deren Verlauf gehen schließlich auch die Nervenzellen selbst zugrunde.

Komplexe Mechanismen steuern die Myelinbildung
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Michael Wegner, Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie und Pathobiochemie der FAU, erforscht, wie Oligodendrozyten die Bildung ihrer Myelinscheiden steuern. Nur mit diesem Wissen ist es möglich, neurologische Erkrankungen, wie die MS, zu verstehen. Die Arbeitsgruppe hat bereits Eiweißmoleküle, wie „Sox10“, identifiziert, die die Bildung und den Erhalt der Myelinscheiden regulieren.

Ziel des neuen Projektes war, zu verstehen, wie die bereits bekannten regulatorischen Eiweiße in den Oligodendrozyten bei der Myelinbildung zusammenwirken. Dabei stellte sich heraus, dass zum erfolgreichen Zusammenspiel der bekannten Moleküle weitere benötigt werden, die als „Nfat-Proteine“ bezeichnet werden. Sie sind vor allem wegen ihrer Funktion im Immunsystem bekannt. Nur wenn Nfat-Proteine in den Oligodendrozyten vorhanden sind, können auch alle anderen benötigten Eiweißmoleküle gemeinsam in diesen Zellen existieren, ohne sich gegenseitig zu verdrängen.

Forschungsergebnisse können in der Zukunft MS-Patienten helfen
In ihrer Arbeit, die gerade in Nature Communications erschienen ist, zeigte die Arbeitsgruppe von Prof. Wegner um Dr. Matthias Weider in Zusammenarbeit mit der Gruppe von Prof. Dr. Tanja Kuhlmann am Universitätsklinikum Münster die genaueren biochemischen Mechanismen: Eine Hemmung der Nfat-Proteine beeinträchtigt die Fähigkeit von Oligodendrozyten der Ratte, der Maus, aber auch des Menschen zur Myelinbildung. Tatsächlich ist bei MS-Patienten das Vorkommen dieser Proteine in den Oligodendrozyten der von der Krankheit betroffenen Hirnbereiche verringert. Ob das aber eine der Ursachen für die Schäden ist, bleibt bisher unklar. „Die Zusammenhänge sind sehr komplex“, betont Michael Wegner.

Das Forschungsprojekt ist sehr eng an die Fragestellungen angelehnt, an denen Wissenschaftler der Naturwissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkolleg der FAU zur „Entwicklung und Vulnerabilität des Zentralnervensystems“ arbeiten. Die gewonnenen Erkenntnisse haben nicht nur eine Bedeutung für die Grundlagenforschung, sondern auch für die Medizin. Denn eine gezielte Stimulierung der Nfat-Proteine könnte beispielsweise künftig dazu genutzt werden, die Bildung neuer Myelinscheiden zu fördern, etwa nach einem Schub bei MS-Patienten.

Weitere Substanzen müssen noch entwickelt werden
Derzeit sind solche stimulierenden Substanzen allerdings noch nicht verfügbar. Bisher wurden nur Stoffe entwickelt, die Nfat-Proteine in ihrer Aktivität hemmen: Cyclosporin A und Tacrolimus. Sie werden in der Medizin vor allem eingesetzt, um das Immunsystem in Schach zu halten und so zum Beispiel eine Organabstoßung bei Transplantatempfängern zu verhindern. Interessanterweise findet man bei diesen Patienten nicht selten neurologische Störungen, die durch einen Verlust der Myelinscheiden hervorgerufen werden. Die neuen Forschungsergebnisse legen nahe, dass diese schwerwiegenden Nebenwirkungen eine direkte Folge der medikamentösen Hemmung von Nfat-Proteinen sind. Deshalb wäre es hier dringend erforderlich, die Medikation zu verbessern.
Die Daten machen die Bedeutung der Nfat-Proteine für die Myelinbildung deutlich und eröffnen einen neuen Ansatz für die Behandlung bisher unheilbarer neurologischer Krankheiten.

* doi: 10.1038/s41467-018-03336-3

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06.04.2018 Die Not mit dem Notfall
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Letztlich geht es darum, die Notaufnahme und die dort arbeitenden Kolleginnen und Kollegen vor der ständigen Überlastung zu schützen, die heute vielfach die Regel ist“, schreibt Dr. Andreas Botzlar, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Leitartikel der Aprilausgabe des Bayerischen Ärzteblattes.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Anzahl der Patienten in den Notaufnahmen Deutschlands verdoppelt – auf inzwischen rund 25 Millionen Fälle pro Jahr, darunter rund 60 Prozent ambulante Fälle. Etwa 40 Prozent davon hätten genauso gut vom Ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) behandelt werden können. Viele Patienten wüssten nicht, welche Versorgungsebene für sie die richtige sei.

Ein wichtiger Schritt sei es, die 116 117 als bundesweite Rufnummer des KV-Notdienstes viel stärker bekannt zu machen. Es sei deshalb sehr zu begrüßen, wenn die KVen nun gemeinsam in einer bundesweiten Kampagne nicht nur die Rufnummer 116 117, sondern damit auch den Ärztlichen Bereitschaftsdienst bekannter machen. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns habe schon ein dichtes Netz an Bereitschaftspraxen geknüpft, viele davon an Klinken. Das allein werde aber nicht ausreichen, um die derzeitigen Kommunikationsbrüche und Fehlallokationen zu beheben. „Die Politik muss unter anderem die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Rufnummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 nicht nur tagsüber, wie es in Bayern bereits etabliert wird, erreicht werden kann, sondern auch mit der Notfallnummer 112 koordiniert wird“, schreibt Botzlar. Notfallpatienten sollten zukünftig durch eine standardisierte, dabei aber unkomplizierte Ersteinschätzung durch entsprechend geschultes Personal in allen Anlaufstellen der Notfallversorgung ohne Umwege in die für sie passende Versorgungsebene geleitet werden. Es müsse sichergestellt werden, dass die wirklichen Notfälle – die Schwerkranken und Schwerverletzten – rasch jene Hilfe bekommen, die sie benötigten. Je länger die Notaufnahmen in den Kliniken mit Patienten überfüllt blieben, die ebenso gut im ambulanten Bereich versorgt werden könnten, desto größer werde die Gefährdung derjenigen Patienten, die tatsächlich ein Notfall sind.

Mehr zu „Die Not mit dem Notfall“ lesen Sie in der Ausgabe 4/2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

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03.04.2018 Behandlungsfehlerstatistik der Bundesärztekammer Crusius: „Fehlerprävention durch offene Fehlerkultur fördern, statt Pfuschvorwürfe gegen Ärzte“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 04.04.2018 – „Wir Ärzte können Patienten keine Heilung versprechen, wohl aber, dass wir uns mit ganzer Kraft für ihre Heilung, für die Qualität ihrer Behandlung und damit für ihre Sicherheit einsetzen.“ Das sagte heute Dr. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer, bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik für das Jahr 2017 in Berlin. Dass Ärzte diesem Versprechen gerecht werden, belegen die vielfältigen von der Ärzteschaft entwickelten Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Fehlerprophylaxe. Qualitätszirkel, Peer-Reviews aber auch Konsile, Tumorkonferenzen oder Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen sowie anonyme Fehlermeldesysteme gehören in medizinischen Einrichtungen längst zum Alltag. „Am wichtigsten für die Patientensicherheit ist aber,dass wir Ärzte uns tagtäglich unserer enormen Verantwortung bewusst sind und uns ständig
vergegenwärtigen, dass zwischen heilen und schaden oft nur ein schmaler Grat liegt“, so Crusius.

Zahl der festgestellten Fehler im Promillebereich

Dies gelte insbesondere in einem immer stärker von Behandlungsdruck und ökonomischen Vorgaben geprägten Gesundheitssystem. Für das Erhebungsjahr 2016 meldet das Statistische Bundesamt 19,5 Millionen Behandlungsfälle in den Krankenhäusern. Hinzu kommen rund eine Milliarde Arztkontakte jährlich in den Praxen. „Gemessen an dieser enormen Gesamtzahl der Behandlungsfälle liegt die Zahl der festgestellten Fehler Gott sei Dank im Promillebereich“, sagte Crusius. Jeder Fehler sei einer zu viel. Und hinter jeder Komplikation könnten schwere menschliche Schicksale stehen. Dennoch gebe es für Panikmache und Pfuschvorwürfe keinen Grund. Beides schade der mittlerweile
gut etablierten offenen Fehlerkultur und damit der Fehlerprävention in der Medizin.

Wie Kerstin Kols, Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, berichtete, haben die Gutachterkommissionen und Schlichtungs-
stellen im Jahr 2017 bundesweit insgesamt 7.307 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen (Vorjahr: 7.639). Es lag in 2.213 Fällen ein Behandlungsfehler vor (Vorjahr: 2.245). Davon wurde in 1.783 Fällen ein Behandlungsfehler / Risikoaufklärungsmangel als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf
Entschädigung begründete (Vorjahr: 1845). Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehler-vorwürfen führten, waren Knie- und Hüftgelenksarthrosen sowie Unterschenkel- und
Sprunggelenk-frakturen. In 430 Fällen lag ein Behandlungsfehler / Risikoaufklärungsmangel vor, der jedoch keinen kausalen Gesundheitsschaden zur Folge hatte.

„Von den Möglichkeiten der außergerichtlichen Streitbeilegung durch Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen profitieren sowohl Patienten als auch Ärzte“, sagte Prof. Dr. Walter
Schaffartzik, Vorsitzender der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern. In den Einrichtungen seien hochqualifizierte Fachgutachter tätig, die gemeinsam mit Juristen prüften, ob ein Behandlungsfehlervorwurf gerechtfertigt sei oder nicht. Die Verfahren seien niedrigschwellig und für alle beteiligten Parteien unbürokratisch. Patienten müssten lediglich einen formlosen Antrag stellen. Das Verfahren sei für sie kostenfrei.

Auch Uwe Brocks, Fachanwalt für Medizinrecht, hat gute Erfahrungen mit den Stellen gemacht. Er empfiehlt seinen Klienten das Schlichtungsverfahren nicht nur weil es für sie kostenfrei ist.
Ein maßgeblicher Aspekt sei die Objektivität, mit der es betrieben werde sowie die dahinter stehende medizinische und juristische Expertise. Wenn es nach einem Schlichtungsverfahren doch vor
Gericht gehe, erweise sich die medizinisch-fachliche Bewertung des Behandlungsgeschehens fast ausnahmslos als gerichtsfest.

Weitere Informationen zu den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern sowie zur Behandlungsfehlerstatistik können im Internet unter
http://www.bundesaerztekammer.de/patienten/gutachterkommissionen-schlichtungsstellen/ abgerufen werden.
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29.03.2018 BÄK legt Ärztestatistik 2017 vor
Pressenachricht der Bundesärztekammer

Berlin, 29.03.2018 – „Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland steigt, aber wer nur Köpfe zählt, macht es sich zu einfach. Die Realität ist komplexer. Uns fehlen Arztstunden. Und
wenn wir nicht endlich entschieden gegensteuern und mehr Ärzte ausbilden, dann wird sich dieser Mangel verschärfen.“ So kommentierte Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der
Bundesärztekammer (BÄK), die Ärztestatistik für das Jahr 2017.

Wie aus den Daten der Bundesärztekammer hervorgeht, waren im Jahr 2017 im Bundesgebiet 385.149 Ärztinnen und Ärzte ärztlich tätig. Dies waren zwar etwas mehr als im Vorjahr (+ 6.542),
gleichzeitig steigt aber in einer Gesellschaft des langen Lebens der Behandlungsbedarf. Derzeit prognostiziert das Statistische Bundesamt bis zum Jahr 2040 eine Steigerung des Bevölkerungs-anteils der über 67-jährigen um 42 Prozent. Für das Statistikjahr 2016 meldet das Amt 19,5 Millionen Behandlungsfälle in den Krankenhäusern. Hinzu kommen rund eine Milliarde Arztkontakte jährlich in den Praxen.

Nach der Statistik der Bundesärztekammer stieg die Zahl der Krankenhausärzte nur leicht um 2,1 Prozent auf 198.500. Bei der Zahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist sogar ein Rückgang um 1.285 auf 118.356 zu verzeichnen; dies entspricht einem Minus von 1,1 Prozent. Montgomery begrüßte in diesem Zusammenhang die im Koalitionsvertrag angelegten Maßnahmen zur Bekämpfung des Ärztemangels. Dirigistische Eingriffe wie die geplanten Mindestsprechstundenzeiten trügen jedoch nicht dazu bei, die Niederlassung in eigener Praxis attraktiver zu machen.

Statt einer Erhöhung der Mindestsprechstundenzeiten sei eine stärkere Flexibilisierung notwendig.

Tatsächlich arbeiten niedergelassene Vertragsärzte schon jetzt durchschnittlich mehr als 50 Stunden. In den Krankenhäusern ist es ähnlich: Nach Erhebungen des Marburger Bundes sind viele
Ärzte im Krankenhaus (40 Prozent) 49 bis 59 Stunden pro Woche im Einsatz, jeder fünfte hat sogar eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 60 bis 80 Stunden, inklusive aller Dienste und Überstunden. Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt beziffert die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland auf 35,6 Stunden.

„Ein großer Teil unserer Ärzte arbeitet am Limit. Gleichzeitig sind gerade in der jungen Generation viele nicht mehr bereit, sich auf Kosten der eigenen Gesundheit aufzureiben“, sagte Montgomery mit Blick darauf, dass sich immer mehr Ärzte für eine Festanstellung im ambulanten Bereich entscheiden.
Nach der Ärztestatistik ist der Anteil der Ärztinnen an der Gesamtzahl der berufstätigen Ärzteschaft im vergangenen Jahr weiter angestiegen und hat jetzt 46,8 Prozent (2016: 46,5 Prozent) erreicht.
Aus der aktuellen Statistik wird auch deutlich, dass der demografische Wandel längst die Ärzteschaft selbst betrifft. So hat sich die Verteilung der berufstätigen Ärzte auf die Altersgruppen
weiter zu den höheren Altersjahren verschoben. Der Anteil der unter 35-jährigen Ärzte ist zwar um 0,1 Prozentpunkte auf 18,9 Prozent gestiegen, aber gleichzeitig ist der Anteil der über 59-Jährigen auf 18,4 Prozent angewachsen (Vorjahr: 17,9 Prozent). Weiterhin ist der Anteil der 40- bis 49-Jährigen von 23,3 Prozent auf 22,7 Prozent zurückgegangen und der Anteil der 50-bis 59-Jährigen von 28,4 Prozent auf 28,2 Prozent gesunken. Dennoch gibt es viel mehr 50- bis 59-Jährige (108.559) als 40- bis 49-Jährige (87.280).

Das Durchschnittsalter der Krankenhausärztinnen und -ärzte stieg um 0,1 Jahre auf 41,7 Jahre. Während der Anteil der Krankenhausärztinnen und -ärzte, die jünger als 35 Jahre sind, bei 33,4 Prozent stagniert, erhöhte sich der Anteil der über 59-Jährigen auf 7,3 Prozent (Vorjahr: 7 Prozent). Bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten stagnierte der Anteil der unter 40-Jährigen bei 2,7 Prozent. Zugleich ist der Anteil der mindestens 60-Jährigen von 32,6 Prozent auf 33,9 Prozent gestiegen.

Diese Entwicklungen tragen dazu bei, dass in Zukunft trotz steigender Arztzahlen in Deutschland Ärzte fehlen werden. Für den BÄK-Präsidenten liegen die Ursachen klar auf der Hand: „Es handelt sich hier in erster Linie nicht um ein Verteilungs-, sondern um ein Kapazitätsproblem. Wir bilden zu wenig Ärzte aus.“ Daher dürfe die Politik bei der Umsetzung des „Masterplans Medizinstudium 2020“ nicht weiter trödeln. „Bund und Länder stehen gemeinsam in der Pflicht, die Zahl der Medizinstudienplätze um mindestens zehn Prozent zu erhöhen“, fordert Montgomery.

Nach der Ärztestatistik haben im vergangenen Jahr 1.965 Ärztinnen und Ärzte Deutschland verlassen. Die beliebtesten Auswanderungsländer sind – wie in den vergangenen Jahren – die
Schweiz (641), Österreich (268) und die USA (84). Für etwas Entlastung sorgt die weiterhin recht hohe Zuwanderung aus dem Ausland. Der Ärztestatistik zufolge ist die Zahl der in Deutschland
gemeldeten Ärztinnen und Ärzte aus EU-Ländern und aus sogenannten Drittländern im Jahre 2017 um 4.088 auf 50.809 gestiegen.

„Gerade in ländlichen Regionen leisten Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung. Wir können und sollten aber nicht versuchen, unser Fachkräfteproblem im ärztlichen Dienst durch Zuwanderung aus dem Ausland zu lösen“, sagte Montgomery. Die zugewanderten Kollegen fehlten in ihren Herkunftsländern. Auch seien enorme Anstrengungen nötig, die für eine gute Patientenversorgung notwendigen Fachsprachen-Kenntnisse zu prüfen. Die Ärztekammern engagierten sich auf diesem Gebiet in besonderer Weise.

Montgomery erneuerte in diesem Zusammenhang seine Forderung, dass ausländische Ärzte aus Staaten, die nicht der Europäischen Union angehören, einen Nachweis über ihre Kenntnisse und Fähigkeiten durch Teilnahme am medizinischen Staatsexamen, d. h. durch Ablegen einer Prüfung analog dem 2. Abschnitt der „Ärztlichen Prüfung“ und durch Teilnahme am 3. Abschnitt der „Ärztlichen Prüfung“ erbringen sollten, um in Deutschland eine Zulassung zu erhalten. „Patienten haben einen
Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Behandlung. Deshalb muss auch bei zugewanderten Medizinern aus dem Ausland zweifelsfrei geklärt werden, dass sie über die gleichen Fähigkeiten
und Kenntnisse verfügen, wie ihre in Deutschland ausgebildeten Kollegen“, sagte Montgomery.

Die Ärztestatistik im Internet unter
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16.03.2018 Bei minus 130 Grad den Schmerz einfrieren- Die neue Kältekammer der Medizin 3 lindert Schmerzen und Entzündungen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 28/2018

Wer regelmäßig in die Sauna geht, weiß, wie gut der schnelle Temperaturwechsel dem eigenen Körper tut. Doch nicht nur Hitze hat diesen positiven Effekt: Kälte kann das auch. In der neuen Ganzkörperkältekammer der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr.  Georg Schett) des Universitätsklinikums Erlangen können Patienten das erfahren. Menschen, die an rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte oder chronischen Schmerzen leiden, berichten nach einer Kältetherapie nicht nur von schneller Symptomlinderung, sondern bei regelmäßiger Anwendung sogar von bis zu vier Monaten Beschwerdefreiheit – ganz ohne Medikamente. Ab Anfang April ist eine ambulante Behandlung im Uni-Klinikum Erlangen möglich.

Minus 130 Grad Celsius – das ist so kalt, wie es sich kaum jemand vorstellen kann. Trotzdem steigt Leander Schubert, Masseur und medizinischer Bademeister der Medizin 3, ganz entspannt in die kupferfarbene Kapsel der Ganzkörperkältekammer im Internistischen Zentrum. Bekleidet ist er nur mit Unterwäsche und seinen Straßenschuhen. Es zischt, über seinem Kopf gehen die Lichter an und um ihn herum entstehen so extreme Temperaturen, wie sie ein Mensch sonst nirgends erfahren würde. Trotz der fehlenden Kleidung: von Zittern keine Spur. "Es fühlt sich nicht so kalt an, wie man es sich vorstellt", beschreibt der Mitarbeiter das Gefühl. Auch nach zwei Minuten Extremklima sieht er entspannt aus. „Natürlich ist es kalt, aber ich habe nicht den Drang, schnell wieder raus zu wollen", sagt er, kurz bevor die Zeit vorbei ist und sich die Kapsel wieder öffnet. "Hinterher ist einem ganz wunderbar warm, weil sich die Gefäße schnell weiten."

Was von außen ein bisschen nach Raumfahrt aussieht, verspricht Schmerz- und Entzündungspatienten anhaltende Linderung – ganz ohne Medikamente. Seit die Ganzkörperkältekammer in den 1980er-Jahren in Japan entwickelt wurde, reihen sich die wissenschaftlichen Studien aneinander, die bestätigen: Der regelmäßige Einsatz extremer Kälte für einen kurzen Zeitraum ist eine wirksame Therapie gegen Schmerzen und Entzündungsschübe. Dr. Christoph Bleh, ärztlicher Leiter der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin der Medizin 3 am Uni-Klinikum Erlangen, erklärt: "Die kurzzeitige Kälte hemmt die Schmerzweiterleitung zum Gehirn durch eine Blockade der Schmerzrezeptoren. Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen profitieren zusätzlich von einer Reduzierung der entzündungsaktivierenden Botenstoffe, sodass ein Krankheitsschub vermindert werden kann." Für den Einstieg empfiehlt der Mediziner eine Behandlungsserie von 20 Einheiten à zwei bis drei Minuten in zehn Tagen.

Überhaupt erst ermöglicht wurde das Erlanger Kältetherapie-Angebot von der Manfred-Roth-Stiftung. Diese spendete 2015 50.000 Euro an die Physikalische und Rehabilitative Medizin der Medizin 3.

Noch ist die Kältetherapie keine von den gesetzlichen Krankenkassen unterstützte Leistung. "Wir hoffen, dass weitere Studien und Behandlungserfolge dies in Zukunft ändern", betont Dr. Bleh. Ab April können Interessierte und Patienten das Erlanger Angebot der Ganzkörperkältekammer nutzen.

Weitere Informationen:

Dr. Christoph Bleh

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14.03.2018 17. Suchtforum mit dem Titel „Grundfragen der medizinischen Verwendung von Cannabis“
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Sehr geehrte Damen und Herren,
seit März 2017 ist Cannabis in Deutschland als „Medikament letzter Wahl“ zugelassen. Dieses Großexperiment wird von einigen mit Freude, von anderen mit Sorge betrachtet, da die Risiken des Missbrauchs der Verordnungen aus suchtmedizinischer Sicht offensichtlich sind. Die Parallele zur Janusköpfigkeit der Opioide ist dabei durchwegs zu beachten. Das 17. Suchtforum in Bayern informiert über den aktuellen Stand der Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis rund um Cannabis als Medizin. Neben pharmazeutisch-praktischen Aspekten wird Grundlagenwissen zur Verordnung und zum Einsatz von Cannabis als Arzneimittel unter Berücksichtigung aktueller Erfahrungen aus der Behandlungspraxis sowie der Begutachtungspraxis seitens des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung in Bayern vermittelt. In der Pressekonferenz vor dem 17. Suchtforum möchten wir Medienvertreter in Kurzform über diese Themen informieren.

Wir laden Sie herzlich zur Pressekonferenz ein:
Datum: Mittwoch, 11. April 2018, 11.00 Uhr


Ort: Klinikum rechts der Isar, Ismaninger Straße 22, 81675 München, Hörsaal „Pavillon“ im Hörsaaltrakt Eingang von der Einsteinstraße / Max-Weber-Platz (U4/U5)

Das 17. Suchtforum mit dem Titel „Grundfragen der medizinischen Verwendung von Cannabis“ ist eine Kooperationsveranstaltung der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen (BAS), der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK), der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) und der Bayerischen Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (PTK Bayern).

Ihre Gesprächspartner im Pressegespräch sind:

• Dr. Heidemarie Lux, Suchtbeauftragte des Vorstandes der BLÄK

• Ulrich Koczian, Vizepräsident der BLAK

• Prof. Dr. Dr. Dr. Felix Tretter, Vorstand der BAS

• Dipl.-Psych. Birgit Gorgas, Vorstandsmitglied der PTK Bayern

Bitte melden Sie sich bis spätestens Montag, 9. April 2018, per E-Mail an s.keller@blaek.de oder per Fax an.

Für Einzelinterviews stehen Ihnen die Gesprächspartner der verschiedenen Berufsgruppen im An-schluss an die Pressekonferenz gerne zur Verfügung.

Sie können auch nach der Pressekonferenz am 17. Suchtforum, das von 13.00 Uhr bis zirka 17.00 Uhr im Hörsaal A des gleichen Gebäudes stattfindet, teilnehmen.

Weitere Informationen zum 17. Suchtforum entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Flyer.

Jodok Müller

Pressestelle, Bayerisches Ärzteblatt, Internet
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81677 München
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14.03.2018 Gene auf Glatteis Ursache von Kinderleukämien weiter aufgeklärt.
uni | mediendienst | forschung Nr. 15/2018

In Deutschland erkranken pro Jahr ca. 600 Kinder unter 15 Jahren an Leukämie. Für die Betroffenen ist es besonders dramatisch, wenn diese schwere Erkrankung bereits bei, oder kurz nach der Geburt auftritt. Untersuchungen am Lehrstuhl für Genetik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) mit Unterstützung des Instituts für Humangenetik haben jetzt eine weitere molekulare Ursache für eine besonders aggressive Art der Säuglingsleukämie aufgezeigt. Die Ergebnisse wurden in der angesehenen Fachzeitschrift „Blood“ publiziert. *
 
Während Tumorerkrankungen vor allem im fortgeschrittenen Lebensalter ein gesundheitliches Problem darstellen, sind Leukämien (Blutkrebs) auch im Kindesalter häufiger eine medizinische Herausforderung. Eine spezielle und besonders schwierig zu behandelnde Art von Leukämie, die besonders bei den jüngsten Patienten auftritt, ist Gegenstand der Forschungen der Arbeitsgruppe von Prof. Robert Slany am Lehrstuhl für Genetik der FAU.
 
Bei dieser Erkrankung hat das Erbgut in den betroffenen weißen Blutzellen eine kleine Veränderung erfahren, die zwei Chromosomen sozusagen über Kreuz miteinander verbindet. Dadurch entsteht ein abnormales Eiweiß, das die Kontrolle des Zellwachstums stört „Je länger wir diese Klasse von Eiweißen studieren, desto klarer wird, auf welch beklemmend elegante Weise diese Moleküle so tief in die zelluläre Wachstumskontrolle eingreifen, dass eine normale Steuerung quasi unmöglich wird“, sagt Prof. Slany. Die neuesten Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Proteine nicht nur die Produktionsmaschinerie der Zelle durch eine Hyperaktivierung des Ablesemechanismus von bestimmten Genen stören, sondern zusätzlich auch die Genstruktur selbst verändern, was die abnormale Umsetzung der Geninformation noch verstärkt. „Man kann sich das so vorstellen, als ob man mit dem Auto auf Glatteis unterwegs ist. Ein Bremsen wird unmöglich!“, erklärt Prof. Slany. Die Herausforderung der Zukunft ist es nun zu sehen, ob man ein „Streumittel“ finden kann, das die überhöhte Produktionsgeschwindigkeit in den Leukämiezellen auf ein normales Maß reduzieren kann, ohne die nicht betroffenen, anderen Zellen des Körpers ebenfalls zu schädigen. Die Ergebnisse der Untersuchung sind nun in der Fachzeitschrift „Blood“ mit dem Titel „The interaction of ENL with PAF1 mitigates polycomb silencing and facilitates murine leukemogenesis” publiziert worden. (doi: 10.1182/blood-2017-11-815035)
 
Information:
Prof. Dr. Robert Slany
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robert.slany@fau.de
 
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13.03.2018 Reform der Notfallversorgung Montgomery: „Wir brauchen eine konzertierte Aktion von Bund, Ländern und Selbstverwaltung“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 13.03.2018 – „Die neue Bundesregierung wird morgen vereidigt und in der Gesundheitspolitik muss sich die Koalition nun als erstes der Neugestaltung der Notfallversorgung widmen.“ Das forderte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery heute in Berlin. Die aktuelle Grippewelle habe die ohnehin schonangespannte Situation in den Ambulanzen noch einmal verschärft.
Dabei sei deutlich geworden, dass ausreichende Notfallkapazitäten in Krisenzeiten unerlässlich sind. „Wir brauchen deshalb eine konzertierte Aktion von Bund, Ländern und Selbstverwaltung für eine gute
Notfallversorgung in Deutschland. Was wir nicht brauchen, sind unausgegorene Reformkonzepte, wie sie derzeit im Gemeinsamen Bundesausschuss beraten und womöglich demnächst beschlossen
werden.“
Das sogenannte Stufenkonzept des G-BA beinhaltet Vorgaben für Kliniken, die diese erfüllen müssen, um an der Notfallversorgung teilnehmen zu können. „Bislang fehlt jedoch eine aussagekräftige
Folgeabschätzung für diese weitreichende Reform. Sie ist unerlässlich, damit es nicht zu einem Abbau von dringend notwendigen Versorgungskapazitäten kommt, der die Situation noch weiter
verschärft“, so der BÄK-Präsident.
In einem Schreiben an den Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschuss, Prof. Dr. Josef Hecken, sprach sich Montgomerydafür aus, vor einer Beschlussfassung im G-BA die Ergebnisse der
Folgeabschätzung abzuwarten und auch stärker regionale Versorgungsstrukturen in dem Konzept zu berücksichtigen. Der BÄKPräsident schlug außerdem vor, dass Bund, Länder und Selbstverwaltung gemeinsam ein Procedere erarbeiten, das auf der nächsten Gesundheitsministerkonferenz am 20. und 21. Juni 2018 beraten werden könnte.
Ein Video-Statement von Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank
Ulrich Montgomery finden Sie unter: https://youtu.be/QEm7HaLwvv4

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09.03.2018 Sensoren sollen Stürze von Parkinson-Patienten verhindern
uni | mediendienst | forschung Nr. 13/2018

Neues EIT-Health-Forschungsprojekt zur telemedizinischen Gang- und Sturzanalyse gestartet

Ein für Parkinson-Patienten wegweisendes Projekt des European Institute of Innovation and Technology Health (EIT Health) mit dem Titel „MoveIT“ wurde jetzt unter der Federführung der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) des Universitätsklinikums Erlangen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und anderen europäischen Partnern gestartet. Mit Hilfe von Sensoren im Schuh und am Oberkörper sollen Besonderheiten im Gang und bei Stürzen von Parkinson-Patienten telemedizinisch analysiert werden. „Deutet ein bestimmtes Gangmuster auf einen drohenden Sturz hin, sollen die Patienten oder Betreuer dann künftig rechtzeitig gewarnt werden“, sagte Forschungsleiter Prof. Dr. Jochen Klucken aus der Molekularen Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen. Die im Rahmen der telemedizinischen Heim-Monitoring-Lösung erfassten Daten sollen auch für weitere Forschungsprojekte zur interdisziplinären Versorgung von Parkinson-Patienten mittels Medizintechnik genutzt werden. Das einjährige Projekt wird mit 500.000 Euro von EIT-Health gefördert.

„MoveIT“ gliedert sich erfolgreich in weitere Forschungsprojekte des Konsortiums um Prof. Klucken aus der Molekularen Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen und Prof. Dr. Björn Eskofier vom Lehrstuhl für Maschinelles Lernen und Datenanalytik (Heisenberg-Professur) der FAU Erlangen-Nürnberg zum Thema neue digitale Versorgungskonzepte des Parkinson-Syndroms ein. Dazu zählen zwei weitere EIT-Projekte und ein vom Medical Valley Award unterstütztes Projekt (FallRiskPD) zum Sturzrisiko. Das neue EIT-Health-Projekt soll eng mit dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) Erlangen unter der Leitung von Christian Weigand verzahnt werden, um die entsprechenden IT-Infrastrukturen für eine bessere Kommunikation zwischen Ärzten, Therapeuten, Patienten und Technologie aufzubauen und eine optimale Patientenversorgung zu ermöglichen. Die weiteren regionalen und europäischen Partner sind die Universität Luxemburg , das niederländische Radboudumc Universitätsklinikum in Nijmegen sowie Philips Research, ITTM S.A. und die Portabiles HealthCare Technologies GmbH (HCT)„Die verschiedenen Partner ermöglichen es uns, die Erfahrungen aus anderen EU-Ländern sowie die industrielle Sicht auf die Entwicklungen der digitalen Medizin in unser Projekt einzubinden“, so Prof. Klucken.

Mit mehr als 140 Partnern aus 17 europäischen Ländern ist EIT Health eine der weltweit größten Gesundheitsinitiativen. Die FAU Erlangen-Nürnberg ist ein Core Partner im Konsortium EIT Health. Auch das Fraunhofer IIS ist als „Associate Member“ mit an Bord.  Ziel von EIT Health ist es, Forschung, Unternehmertum und Innovation in den Bereichen „Gesundes Leben und Aktives Altern“ zu fördern, um in ganz Europa die Lebensqualität, die medizinische Versorgung und das Gesundheitswesen zu verbessern. Im Rahmen von EIT Health werden innovative Produkte, Bildungsangebote und Dienstleistungen entwickelt, die zur Lösung der demografischen Herausforderungen in Europa beitragen und das europäische Gesundheitswesen optimieren sollen. Mit einem Gesamtprojektvolumen von über 2 Milliarden Euro, davon bis zu 700 Millionen Euro an Fördermitteln, handelt es sich bei EIT Health um eine der weltweit größten öffentlich geförderten Initiativen im Bereich Gesundheit. Jährlich sollen 80 Millionen Euro Förderung für die nächsten sieben bis 15 Jahre in das Projekt fließen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jochen Klucken
Tel.: 09131 85-39324
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09.03.2018 EU-Datenschutzgrundverordnung - BÄK und KBV legen Informationen für niedergelassene Ärzte vor
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 09.03.2018 – Die Datenschutzgrundverordnung der
Europäischen Union gilt vom 25. Mai 2018 an. Zusammen mit dem im
Juli 2017 neu gefassten Bundesdatenschutzgesetz erfolgte eine
grundlegende Neuordnung des Datenschutzrechts in Deutschland.
Diese datenschutzrechtlichen Bestimmungen sind auch für Ärztinnen
und Ärzte relevant. Die Bundesärztekammer (BÄK) und die
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben deshalb ihre
Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht, Datenschutz und
Datenverarbeitung in der Arztpraxis aktualisiert und ergänzt. Wegen
punktueller Gesetzesänderungen im Bereich der ärztlichen
Schweigepflicht infolge des Geheimnisschutz-Neuregelungsgesetzes
vom November 2017 ist zudem der Abschnitt zur "Schweigepflicht" des
Papiers überarbeitet worden. Begleitend zu den „Hinweisen und
Empfehlungen“ bietet die Checkliste "Datenschutz-Check 2018“ eine
Hilfestellung. Sie benennt die wichtigsten Aspekte zum neuen
Datenschutzrecht und gibt Ärztinnen und Ärzten eine Prüfliste zur
Einhaltung des Datenschutzrechts an die Hand.

Zum Hintergrund: Bei der Informationsverarbeitung in der Arztpraxis
sind insbesondere die Bestimmungen der EU-Datenschutzgrundverordnung
und des neu gefassten Bundesdatenschutzgesetzes
von Bedeutung. Mit der von Mai an geltenden neuen Rechtslage gehen
zwar keine gravierenden Änderungen einher; viele Vorgaben müssen
schon jetzt in den Praxen berücksichtigt werden. Datenschutz soll aber
künftig besser durchgesetzt werden. Daher sind die Befugnisse der
Aufsichtsbehörden für den Datenschutz erweitert und die
Bußgeldrahmen drastisch erhöht worden.

Von Ärztinnen und Ärzten sind künftig zahlreiche datenschutzrechtliche
Pflichten zu erfüllen: Neuerdings muss der Verantwortliche für die
Datenverarbeitung (zum Beispiel der Inhaber einer Arztpraxis) die
Einhaltung der Grundsätze nachweisen können. Überdies bestehen
ausgeweitete Informationspflichten gegenüber Patienten. Diese
erfordern die Kenntnis der rechtlichen Voraussetzungen der
Verarbeitung von Patientendaten, um Patientinnen und Patienten
darüber zutreffend informieren zu können. Weil Ärzte sensible
Gesundheitsdaten verarbeiten, gelten für sie besondere Bestimmungen
mit erhöhten Rechtmäßigkeitsanforderungen.

Besonders relevant ist künftig die Datenschutzorganisation in der
Arztpraxis. Sie beinhaltet unter anderem die Überprüfung aller
Verarbeitungsvorgänge im Zusammenhang mit der Berufsausübung auf
ihre datenschutzrechtliche Konformität und die Erstellung eines
Verzeichnisses für Datenverarbeitungstätigkeiten. Zudem muss unter
Umständen ein interner oder externer Datenschutzbeauftragter in der
Arztpraxis benannt werden und es bestehen Meldepflichten bei
Datenpannen. Ferner gilt es, Auskunftsrechte von Patienten zu
beachten. Augenmerk muss zudem auf das Verhältnis zu externen
Dienstleistern und Dritten gelegt werden.

Die Hinweise und Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht,
Datenschutz und Datenverarbeitung in der Arztpraxis sowie die
Publikation „Datenschutz-Check 2018: Was müssen Arztpraxen
angesichts der neuen Vorschriften zum Datenschutz tun?“ können im
Internet unter http://www.bundesaerztekammer.de/recht/aktuellerechtliche-
themen/ds/ abgerufen werden.


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07.03.2015 Lasst den Worten Taten folgen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Die Verhandler der Großen Koalition (GroKo) setzten beim Thema Gesundheit an vielen Stellen durchaus richtige Impulse“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Leitartikel der Märzausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. Nur beispielhaft nennt Quitterer die vorgesehenen Maßnahmen gegen den Ärztemangel, wie die Förderungen von Landärzten und den Ausbau der Strukturfonds. Mit der Förderung der sektorenverbindenden Versorgung, Neuregelungen bei der Notfallversorgung und der Reform des Medizinstudiums seien wichtige Zukunftsthemen angesprochen.

„Ich begrüße insbesondere die im Koalitionsvertrag angedachte Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze. Hier darf es nicht bei einem bloßen Lippenbekenntnis bleiben“, fordert der BLÄK-Präsident. Unstrittig dürfte es sein, dass hierzulande mehr Ärztinnen und Ärzte, insbesondere in der hausärztlichen und demnächst auch in der fachärztlichen Versorgung gebraucht würden. Dafür müssten mehr universitäre Studienplätze für Medizin in Deutschland geschaffen werden. Nachdem es originäre Aufgabe der Ärztekammer sei, den Staat in Fragen der Gesundheitspolitik und der medizinischen Versorgung zu beraten und zu unterstützen, drängt Quitterer hier auf eine Mitwirkung auf Länderebene.
Positiv zu werten seien die vorgesehene weitere Stärkung der Hospiz- und Palliativversorgung, die geplante Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes und der Ausbau des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Es sei vernünftig, dass die GroKo-Verhandler das zuletzt heftig diskutierte Thema der Ärzte-Vergütung nicht unter Zeitdruck entscheiden wollten.

Zum Regierungsvorhaben, die einschränkenden Regelungen zur Fernbehandlung auf den Prüfstand stellen zu wollen, schreibt Bayerns Ärzte-Chef: „Cave: Mehr Ärzte und weniger Fernbehandlung lautet hier mein Credo. Die sogenannte Fernbehandlung ist nur als Erstbehandlung bzw. einleitende Therapie bei akuten Erkrankungen gedacht, sofern die Patienten ihre behandelnde Ärztin bzw. Arzt nicht erreichen. Keinesfalls ist sie Ersatz für das persönliche Arzt-Patient-Verhältnis.“

Quitterer geht in seinem Beitrag auch auf das Mindestsprechstundenangebot der Vertragsärzte für die Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten ein und thematisiert die gemeinsame Sicherstellung der Notfallversorgung durch die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Landeskrankenhausgesellschaften: „Wir brauchen hier vernünftige Lösungen. Bayerns Ärzteschaft ist bereit, sich in die anstehenden Beratungen konstruktiv einzubringen.“

Mehr zu „Lasst den Worten Taten folgen“ lesen Sie in der Ausgabe 3/2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
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05.03.2018 Auch in Bayern: Fachsprachenprüfung auf dem Level C1!
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Derzeit thematisieren die AfD Bayern und rechtsorientierte Internetblogs die Fachsprachenprüfung für ausländische Ärztinnen und Ärzte in Bayern. In einer Presserklärung vom 26. Februar 2018 behauptet die AfD Bayern fälschlicher Weise: „ … in Bayern genügt es, wenn sich Mediziner auf dem allgemeinsprachlichen B2-Level verständigen können. Andere Bundesländer verlangen den höheren C1-Standard.“ Das ist unwahr, muss doch auch in Bayern seit April 2017 von ausländischen Ärztinnen und Ärzten eine Fachsprachenprüfung (FSP) auf dem Level C1 absolviert werden.

Die FSP für Ärztinnen und Ärzte aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland haben seit April 2017 in Bayern 342 Prüflinge bestanden; 369 sind durchgefallen. Bei 711 durchgeführten Prüfungen lag die Bestehensquote bei 48 Prozent. „Die Prüfungen dienen als Nachweis über die für die Berufsausübung erforderlichen Sprachkenntnisse bei allen internationalen Ärzten, die ihre Ausbildung außerhalb des Bundesgebietes absolviert haben und keine Deutsch-Muttersprachler sind“, so Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Die 87. Gesundheitsministerkonferenz 2014 hatte einstimmig Eckpunkte zur Überprüfung der für die Berufsausübung erforderlichen Deutschkenntnisse in den akademischen Heilberufen beschlossen. Auf dieser Grundlage haben das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gemeinsam mit der BLÄK eine mit den Regierungen abgestimmte Verfahrensordnung für Sprachtests vereinbart. Die BLÄK nimmt im Auftrag der Regierungen seit April 2017 den Sprachtest auf dem Sprachniveau C1 ab.

Weiter werden in der Veröffentlichung der AfD Bayern Interviewpassagen von Bundesärztekammer-Präsident Professor Dr. Frank Ulrich Montgomery im Deutschen Ärzteblatt unzulässig verkürzt wiedergegeben.

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28.02.2018 30. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen am 27. Februar 2018 - Patientensicherheit ist integraler Bestandteil der medizinischen Versorgung
Pressenachricht der Bundesärztekammer

Wie lassen sich Fehler und unerwünschte Ereignisse in der Patientenversorgung vermeiden? Wie kann gute Kommunikation zu mehr Patientensicherheit beitragen? Mit diesen und weiteren Fragen
beschäftigte sich die 30. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen auf ihrer Jahrestagung am 27. Februar in Berlin.

„Wichtige Voraussetzungen für die qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in Deutschland und damit für die Sicherheit der Patientinnen und Patienten sind gute Ausbildungsmöglichkeiten,
motivierende berufliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Anerkennung für alle Beschäftigten in unserem Gesundheitswesen.“
Darauf verwies zu Beginn der Tagung Dr. Max Kaplan, Vize-Präsident der Bundesärztekammer und Vorsitzender der Fachberufekonferenz. Kaplan bezeichnete es als richtig und wichtig, dass sich Union und SPD für eine Stärkung und Weiterentwicklung der Gesundheitsfachberufe einsetzen und
insbesondere auch attraktive Ausbildungsmöglichkeiten schaffen wollen. „Mit Blick auf den Fachkräftemangel in nahezu allen Bereichen unseres Gesundheitswesens ist dies das richtige Signal zur richtigen Zeit.“

Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, stellte die vielfältigen Instrumente auf Ebene der gemeinsamen Selbstverwaltung zur Erhöhung der Patientensicherheit heraus. Als Beispiele nannte Hecken die Verankerung von einrichtungs-übergreifenden Fehlermeldesystemen in Krankenhäusern, die Entwicklung von Entscheidungshilfen für Patienten und Versicherte auch in leichter Sprache – oder die Bereitstellung von aussagekräftigen
Informationen über die Ausstattung und die Leistungen eines


Krankenhauses. Auch mit dem Innovationsfonds rücke die Patientensicherheit stärker in den Fokus. So fördere der Innovationsausschuss beispielsweise Projekte zur Verbesserung der
Kommunikation, der Delegation, zur Förderung der Gesundheitskompetenz und Erhöhung der Medikationssicherheit.

„Wir haben kein Erkenntnisproblem. Wir haben ein Umsetzungsproblem. In der klinischen Praxis sowie Aus- und Fortbildung in Medizin und Pflege muss zur Erreichung der Patientensicherheit die Zwischenmenschlichkeit in der Kommunikation gestärkt werden“, so Prof. Dr. Annegret Hannawa,
Universität Lugano. Viele schwere Schadensfälle entstünden aus unsicherer Kommunikation. Die fünf Kernkompetenzen einer „sicheren Kommunikation“ nach ihrem SACCIA-Modell förderten ein einheitliches Verständnis unter den Beteiligten und sorgten so für mehr Patientensicherheit (SACCIA: Sufficiency-Accuracy-Clarity-Contextualisation-Interpersonal Adaptation). In Deutschland könnten
hiermit täglich Schadensfälle vermieden und bis zu 15 Prozent der Krankenhausausgaben eingespart werden. Sichere Kommunikation bedeute also nicht nur mehr Patientensicherheit und mehr Sicherheit für Kliniker, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen – sie helfe auch dem Gesundheitswesen, sie spart Zeit, spart Geld und erhöht die Berufszufriedenheit.

Die vom Vorstand der Bundesärztekammer im Jahr 1989 initiierte Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen traf sich zu ihrer 30. Sitzung. Ziel dieser ständigen Einrichtung von 42 Verbänden ist, den Dialog und die interprofessionelle sowie sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachberufen zu fördern und aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Berufsausübung zu beraten.

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27.02.2018 Ein Zeichen setzen für die Nöte von Patienten mit Seltenen Erkrankungen
Pressenachricht der Bundesärzteklammer

„Wir müssen uns stärker um die Nöte und
Anliegen von vier Millionen Kindern und Erwachsenen mit seltenen Erkrankungen in Deutschland kümmern“, fordert Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer,
zum Internationalen Tag der Seltenen Erkrankungen am 28. Februar. Der Tag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Setz dein Zeichen für die Seltenen“. „Bei Seltenen Erkrankungen haben wir
nur wenige gesicherte Erkenntnisse. Wir müssen deshalb die Forschung auf diesem Gebiet noch mehr intensivieren“, sagt Montgomery.

Gerade Menschen, die an einer Seltenen Erkrankung leiden, brauchen verlässliche Informationen. Daher haben Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung und das
Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin gemeinsam mit der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE) e. V. diverse Patienteninformationen für Betroffene entwickelt. „Die
Kurzinformationen sollen helfen, die aktive Beteiligung der Patienten am Behandlungsprozess zu fördern und das Arzt-Patienten-Gespräch zu unterstützen“, so Montgomery.

Eine Krankheit gilt in der Europäischen Union als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind. Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden nach
Angaben des Bundesgesundheitsministeriums an einer der bis zu 8.000 weltweit bekannten Seltenen Erkrankungen.

Informationen zu Seltenen Erkrankungen sind zu finden unter Patienteninformationen,

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22.02.2018 Emmy-Noether-Förderung für Tinnitusforschung
uni | mediendienst | forschung Nr. 8/2018

Neuro-Forscherin erhält 1-Million-Euro-Nachwuchsförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Dr. Nadia Müller-Voggel aus der Neurochirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Buchfelder) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat für ihre Forschung zur Gehirnaktivität bei Tinnituspatienten jetzt die Emmy-Noether-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten. Mit dem Emmy-Noether-Programm wird die von Dr. Müller-Voggel geleitete Nachwuchsforschergruppe am Uni-Klinikum Erlangen für mindestens drei Jahre mit einer Million Euro gefördert.

In Deutschland leiden 10 bis 15 Prozent der Menschen unter einem Tinnitus. Wegen der dauernden Störgeräusche im Ohr ist die Lebensqualität der Betroffenen oft stark eingeschränkt. Ein Tinnitus entsteht im Gehirn und ist die Folge einer Übererregung des auditorischen Systems. Aber auch nicht-auditorische Vorgänge tragen dazu bei, dass lästige Ohrgeräusche auftauchen – etwa Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprozesse.

„Es gibt viele Therapieansätze bei Tinnitus, doch keiner funktioniert zu hundert Prozent befriedigend“, erklärt Dr. Nadia Müller-Voggel. „Das liegt daran, dass wir noch immer nicht sicher wissen, wie sich ein Tinnitus genau entwickelt.“ Dr. Müller-Voggels Forschung hat deshalb einen besonderen Fokus: „Wir untersuchen den Tinnitus im Verlauf: Welche Hirnaktivität messen wir, bevor die Ohrgeräusche entstehen? Was sind Risikofaktoren dafür, dass sich irgendwann ein Tinnitus entwickelt? Und: Wie ist die Situation im akuten und im chronischen Stadium?“

Im Rahmen einer Langzeitstudie erforscht die Nachwuchswissenschaftlerin also, wie sich Tinnitus und Gehirnaktivität bei Betroffenen mit den Jahren verändern. Die Studienteilnehmer erhalten zum Beispiel Aufgaben, die ihre Aufmerksamkeit fordern; parallel dazu wird mithilfe der Magnetenzephalografie die Hirnaktivität gemessen. „Eine unserer Fragen ist: Wird der Tinnitus leiser, wenn sich die Aufmerksamkeit verlagert?“, sagt Nadia Müller-Voggel. Außerdem wissen die Forscher, dass negative Gefühle die Störgeräusche verschlimmern können. „Wir erzeugen bei den Studienteilnehmern also auch negative Emotionen, schauen, ob der Tinnitus dadurch lauter wird, und beobachten, was währenddessen im Gehirn passiert.“

Ziel ist es, die subjektiv empfundenen, objektiv nicht messbaren Ohrgeräusche mit messbaren Hirnaktivitäten zusammenzubringen. „So erhoffen wir uns, die genannten Risikofaktoren zu identifizieren – also bestimmte neuronale Gegebenheiten, die einen Tinnitus begünstigen“, erklärt Dr. Müller-Voggel. „Ebenso halten wir Ausschau nach den spontanen Selbstheilungskräften des Gehirns – denn bei manchen Betroffenen verschwindet der Tinnitus ganz plötzlich von selbst.“

Dr. Nadia Müller-Voggel war bis 2013 als Postdoc am Center for Mind/Brain Sciences an der Universität Trient tätig. Dank eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes kam sie anschließend ans Uni-Klinikum Erlangen, wo ihr nun die begehrte Emmy-Noether-Förderung bewilligt wurde.

Emmy-Noether-Programm der DFG

Das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft soll herausragenden Forschern die Möglichkeit geben, durch die Leitung einer Nachwuchsgruppe und spezielle Lehraufgaben die Voraussetzungen für eine Berufung als Hochschullehrer zu erlangen. Die geförderten Wissenschaftler müssen eine zweijährige Postdoc-Erfahrung sowie internationale Forschungserfahrung nachweisen und erklären, dass sie ihre wissenschaftliche Karriere im Anschluss an die Förderung in Deutschland fortsetzen.

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Dr. Nadia Müller-Voggel
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21.02.2018 Von der Sackgasse zur (Daten-)Autobahn-MIRACUM-Patientendaten besser für die Forschung und die Patientenversorgung nutzbar machen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 18/2018

-MIRACUM-Konsortium lädt zum Kick-Off-Symposium am 22. und 23. Februar im Hörsaalgebäude der Medizinischen Fakultät, Ulmenweg 18, Erlangen ein
Patientendaten besser für die Forschung und die Patientenversorgung nutzbar machen – das ist
das Ziel von MIRACUM, einem Konsortium das vom Lehrstuhl für Medizinische Informatik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) koordiniert wird. Es ist eines von vier Konsortien, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt 120 Millionen Euro bis 2021 gefördert werden. Am 22. und 23. Februar feiert MIRACUM im Hörsaalgebäude der Medizinischen Fakultät, Ulmenweg 18, in Erlangen nun sein offizielles Kick-Off mit einem Symposium – und stellt dabei bereits allererste Ergebnisse vor: So hat eine erste Analyse ergeben, dass eine neue, schonendere Behandlungsoption bei Schlaganfällen zwar insgesamt zunehmend häufiger angewendet wird, es jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Einrichtungen gibt.

Das MIRACUM-Konsortium (Medical Informatics in Research and Care in University Medicine) wird im Rahmen der Medizininformatik-Initiative (MI-I) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ab 2018 mit 32,1 Millionen Euro gefördert. Hinter MIRACUM stehen acht Universitäten mit Universitätskliniken, zwei Hochschulen und ein Industriepartner. Ziel von MIRACUM ist es, die derzeit sehr unterschiedlichen Dateninseln aus Krankenversorgung und Forschung in Datenintegrationszentren zusammenzuführen, um die Daten mit Hilfe von innovativen IT-Lösungen für Forschungsprojekte und konkrete Therapieentscheidungen zentral nutzen zu können. Klinische Befunde, bildgebende Diagnostik sowie genetische und molekulare Untersuchungen sind Beispiele von Informationen aus der Klinik, die MIRACUM vernetzt, um zukünftig beispielsweise Lungenerkrankungen oder auch Hirntumoren mit verbesserter Trennschärfe verschiedenen Untergruppen zuzuordnen, und Patienten somit zielgerichteter und wirkungsvoller behandeln zu können. Prof. Dr. Jürgen Schüttler, Dekan der Medizinischen Fakultät: „Das Engagement im MIRACUM-Konsortium fügt sich hervorragend in das Forschungsszenario unserer Fakultät ein. Eines unserer Leuchtturmprojekte ist unser vor 10 Jahren ebenfalls mit Hilfe des BMBF gestartete Exzellenzzentrum für Medizintechnik, das Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg. MIRACUM bietet nun eine ausgezeichnete Möglichkeit für eine komplementäre Ergänzung der mehr technisch ausgerichteten Medical-Valley-Aktivitäten durch die systematische Bearbeitung des Gesamtfelds von Datenakquisition und vernetztem Datenmanagement im Gesundheitswesen.“

Die ersten Ergebnisse

Bereits in der Konzeptphase hat das MIRACUM-Konsortium erste Ergebnisse erzielt. Inspiriert von einem Besuch verschiedener exzellenter medizininformatischer Forschungsstandorte in New York, Boston und Nashville, setzten die Forscher auf den pragmatischen Beispielen und Vorarbeiten der Amerikaner auf und konzipierten in kürzester Zeit eine erste Version ihrer Datenintegrationszentren. Diese wurden auch bereits mit anonymisierten Datensätzen befüllt.

Darauf aufbauend analysierten die Wissenschaftler eine erste klinische Fragestellung. Sie gingen der Frage nach, inwiefern eine neue Behandlungsoption, die sogenannte Thrombektomie, bereits bei Schlaganfall-Patienten eingesetzt wurde. Die Thrombektomie ist ein relativ schonendes Verfahren, um Blutgerinnsel zu entfernen. Auf der Basis von etwa drei Millionen dezentral und anonymisiert bereitgestellten Krankenhausfällen aus den acht Konsortialkliniken konnten die Wissenschaftler unter anderem nachweisen, dass sich von 2014 bis 2016 die Thrombektomierate bei Schlaganfallpatienten fast verdoppelte (von durchschnittlich 4,7 auf 9,6 Prozent). Gleichzeitig griffen die MIRACUM-Kliniken den neuen Therapieansatz unterschiedlich häufig auf: Im Jahr 2016 schwankten die Werte der acht Kliniken zwischen 5,8 und 17 Prozent. „Dies ist nur der erste Schritt, den das MIRACUM-Konsortium unter Nutzung von Abrechnungsdaten – Diagnosen und Prozeduren – bereits in der Konzeptphase umsetzen konnte“, erläutert Prof. Dr. Ulli Prokosch, der Erlanger Koordinator des MIRACUM-Konsortiums. „In den kommenden vier Jahren werden wir an den demnächst zehn oder elf MIRACUM-Standorten Datenintegrationszentren aufbauen, in denen wir die Vielzahl der in der Krankenversorgung dokumentierten klinischen Daten und Bilddaten, aber auch Forschungsdaten, zum Beispiel aus genomischen und molekularen Hochdurchsatzanalysen integrieren, standortübergreifend harmonisieren und für deutlich weitergehende Analysen nutzbar machen werden. Letztendlich etablieren wir IT-Infrastrukturen, die den Forschern eine Vielzahl von Werkzeugen für unterschiedlichste Analysen zur Verfügung stellen und damit dem medizinischen Erkenntnisgewinn dienen sollen.“ Prof. Schüttler fügt hinzu: „Im Sinne der konsequenten Umsetzung von S3-Leitlinien könnten diese Ergebnisse ausschlaggebend sein für  eine verbesserte Patientenversorgung an allen Standorten.“

Der nächste Schritt

MIRACUM ist das größte geförderte Konsortium der Medizininformatik-Initiative – und wächst voraussichtlich noch weiter. Denn im nächsten Schritt sollen bisher nicht geförderte Universitätsklinikstandorte an die Konsortien angeschlossen werden. Dafür stellt das BMBF weitere 30 Millionen Euro zur Verfügung. MIRACUM stimmt sich dafür mit den Universitätskliniken Dresden, Greifswald und Lübeck ab. Im Falle einer positiven Begutachtung durch das internationale Gutachtergremium würde MIRACUM bereits ein Drittel aller deutschen Universitätskliniken umfassen.

MIRACUM-Kick-Off-Symposium

Auf seinem Kick-Off-Symposium am 22. und 23. Februar im Hörsaalgebäude der Medizinischen Fakultät im Ulmenweg stellt das Konsortium seine ersten Projektergebnisse sowie das MIRACUM-Gesamtkonzept der Öffentlichkeit vor. Dabei werden auch die drei definierten Anwendungsszenarien anhand derer MIRACUM den Wert der gemeinsamen Datennutzung demonstrieren will, präsentiert: Patientenrekrutierung bei klinischen Studien, Prädiktionsmodelle für Patienten mit Asthma/COPD bzw. Hirntumoren und Präzisionsmedizin in der Tumortherapie am Beispiel Molekularer Tumorboards. Zudem werden Vortragende aus der New York Columbia University, dem Memorial Sloan Cattering Cancer Center in New York, dem NIH in Washington, aus dem Human Brain Project, dem Academic Medical Center of the University of Amsterdam, dem DKFZ in Heidelberg der Medizinischen Informatik der Universität Graz und der Standardisierungsorganisation HL7 internationales Wissen beisteuern.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.miracum.org/symposium-2018/programme/ 
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Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch
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16.02.2018 Wichtige Erkenntnisse in der ADHS-Therapie-Neurofeedback bei ADHS: Meta-Analyse bestätigt anhaltende Effekte
uni | mediendienst | forschung Nr. 7/2018 v

Können mit einer Neurofeedback-Therapie bei Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) längerfristige Effekte erzielt werden?
Dieser Frage ging ein internationales Studienteam nach, dem auch Forscher der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit (Leiter: Prof. Dr. Gunther Moll) des Universitätsklinikums Erlangen sowie der Eberhard Karls Universität Tübingen angehörten. Mit einer Meta-Analyse fanden sie heraus, dass die positiven Effekte bisheriger Therapiestudien über mindestens sechs Monate hinweg anhielten. Außerdem: Das Neurofeedback schnitt in der Nachuntersuchung nicht schlechter ab als gängige Therapien – zum Beispiel die Medikation. Die Meta-Analyse wurde jetzt im Fachjournal  „European Child & Adolescent Psychiatry“ veröffentlicht.
Beim Neurofeedback handelt es sich um ein computergestütztes Verfahren, bei dem den Kindern ihre Hirnaktivität (EEG) in Echtzeit rückgemeldet werden kann. Sie trainieren, ihre Hirnaktivität gezielt zu regulieren und damit auch ihr Verhalten besser zu steuern. „Neurofeedback kann in Form eines Computerspiels ablaufen. Ein Torwart hält zum Beispiel einen Elfmeter nur dann, wenn sich im EEG ein Muster zeigt, das einer bestimmten Form von Konzentration entspricht“, erklärt Prof. Dr. Hartmut Heinrich, einer der Erlanger Mitautoren.

In die Meta-Analyse wurden Daten von mehr als 500 Kindern mit ADHS aus zehn randomisierten kontrollierten Studien einbezogen. In diesen wurden überwiegend sogenannte Standard-Neurofeedback-Protokolle eingesetzt. Um eine ausgewogene und kritische Interpretation der Daten zu gewährleisten, arbeiteten in der internationalen Forschergruppe – mit Mitgliedern aus Deutschland, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten – Wissenschaftler unterschiedlicher Positionen zum Neurofeedback zusammen.

Die Ergebnisse zeigen: Kinder mit ADHS profitieren auch sechs Monate nach den Behandlungseinheiten vom Neurofeedback. Ihre Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität hatten sich tendenziell sogar noch weiter verringert. „In den bisherigen Studien hat Neurofeedback bei den Nachuntersuchungen nicht schlechter abgeschnitten als gängige Therapien einschließlich der Medikation“, fügt der niederländische Kollege Dr. Martijn Arns hinzu. Er hatte die Meta-Analyse initiiert. Für andere Kontrollbedingungen, die in den Studien eingesetzt wurden, wie etwa kognitives Training, wurde nur direkt nach Ende der Behandlung ein signifikanter Effekt gefunden – nicht aber in der Nachuntersuchung.

Somit weisen die Ergebnisse der Meta-Analyse darauf hin, dass Neurofeedback eine weitere wichtige und längerfristig wirksame Behandlungsoption für Kinder mit ADHS werden könnte.

Van Doren, J., Arns, M., Heinrich, H. et al. Eur Child Adolesc Psychiatry (2018). https://doi.org/10.1007/s00787-018-1121-4.

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14.02.2018 Wertschätzung von Öffentlichkeit und Politik! - BLÄK-Präsident Dr. Gerald Quitterer im Leitartikel des Bayerischen Ärzteblattes
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Mit großer Freude trete ich dieses Amt an. In der Berufspolitik bin ich kein Neuling. Ich kann auf eine breite Erfahrung aus meiner Tätigkeit im Hausärzteverband, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) zurückgreifen. Mein Engagement gilt der Vertretung der gesamten Ärzteschaft: Haus- und Fachärzten – ebenso wie Klinikärzten“, schreibt der neu gewählte BLÄK-Präsident Dr. Gerald Quitterer im Leitartikel der Januar/Februar-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. In seinem Beitrag thematisiert der Eggenfeldener Hausarzt die Schwerpunkte seines Programms: Ärztlicher Nachwuchs, Weiterbildung zum Facharzt, Mitgliederbetreuung, Bezirke, KVB, Politik, Niedergelassene Ärzte, Krankenhaus, GOÄ, Europa, Ökonomisierung und Freiberuflichkeit des Arztes.

Zum Thema Digitalisierung schreibt Quitterer, dass es in einer Zeit fortschreitender Digitalisierung der Weitsicht bedürfe, Nutzen und Vorteile zu erkennen, die diese Technik für Praxen und in der Patientenbetreuung bedeuten könne. „Wie begegnen wir dem Thema ‚Gesundheitskarte‘, wenn darüber eine Patientensteuerung im Sinne der Krankenkassen erfolgen soll? Wie der Telemedizin? Digitalisierung hat meines Erachtens nur dann einen Sinn, wenn sie den Ärzten nützt, sie nicht zusätzlich belastet und kein zusätzliches Geld kostet.“ Hier gelte es, mitzuentscheiden, um nicht plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, beispielsweise, „dass Fernbehandlung und Speicherung von Patientendaten nicht mehr in unserer Hand liegen“.

Von diesen Entwicklungen seien alle betroffen: Hausärzte wie Fachärzte und Klinikärzte, Selbstständige wie Angestellte und im Gesundheitsdienst Tätige, Ärzte in Forschung, Wissenschaft und Lehre. „Bei allem Respekt unserem Beruf gegenüber und der nötigen Demut sind wir es, die eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau sicherstellen. Und dies verdient Wertschätzung von Öffentlichkeit und Politik. Die Freiberuflichkeit des Arztes muss bestehen bleiben! Dazu brauchen wir eine starke Berufsvertretung, die sich nicht in Splitterinteressen verliert, sondern die ihre Gemeinsamkeiten als ihre größte Stärke begreift“, so der Präsident abschließend.

Mehr zu „Wertschätzung von Öffentlichkeit und Politik!“ lesen Sie in der Ausgabe 1-2/2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de


Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
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12.02.2018 Wie der Entzündung das Benzin ausgeht-FAU-Forscher zeigen, wie ein Sauerstoff-Sensor im Körper die Entzündung hemmt
uni | mediendienst | forschung Nr. 6/2018

Entzündung benötigt Energie. Diese wird nicht zuletzt aus Sauerstoff generiert, der für die Arbeit der Zellen des Immunsystems unerlässlich ist. Dabei ist Sauerstoff einerseits ein essenzielles Element für das Überleben von Zellen, andererseits fungiert dieser aber auch als „Benzin“ für das Feuer der Entzündung. Jetzt konnten Forscher der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausfinden, dass der Körper diesen Prozess geschickt ausnützt, um Entzündungen zu löschen. Dabei wird Immunzellen Sauerstoffmangel vorgegaukelt, so dass sich diese, um Energie zu sparen, vom Entzündungsgeschehen zurückziehen. Diese neuen Erkenntnisse wurden nun im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht (DOI: 10.1038/s41467-017-02683-x).

Sauerstoffkonzentrationen werden im Körper engmaschig kontrolliert. Hierzu stehen dem Körper Sensoren für Sauerstoff zur Verfügung, die die Konzentration in den Zellen messen. Fällt der Sauerstoffgehalt, zum Bespiel durch ein geringeres Angebot oder durch vermehrten Verbrauch, werden diese Sensoren aktiviert. Der wichtigste Sauerstoffsensor im Körper ist dabei ein Eiweiß namens Hypoxie induzierter Faktor, kurz HIF, welches durch einen geringen Sauerstoffgehalt aktiviert wird. 
Nun konnte Prof. Dr. Aline Bozec an der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg Schett) des Universitätsklinikums Erlangen zeigen, dass eine vermehrte Aktivierung von HIF-1α in Immunzellen zur Auflösung von Entzündung führt. Dabei ist es gelungen,einen neuen molekularen Mechanismus aufzudecken, der schwerwiegende entzündliche Krankheiten des menschlichen Körpers wie Arthritis und Multiple Sklerose in Schach hält.

„HIF agiert dabei quasi als eine Art Psychotherapeut für eine gewisse Sorte von Immunzellen, den B-Lymphozyten“, erklärt Professorin Bozec. Unter der Einwirkung von HIF beginnen B-Lymphozyten, die normalerweise bei der überschießenden Immunantwort eine zentrale Rolle spielen, den regulierenden Botenstoff Interleukin-10 zu produzieren und den Entzündungsprozess damit zu hemmen. Durch Aktivierung von HIF werden B-Lymphozyten sozusagen „vom Saulus zum Paulus“.

Das Team um Professorin Bozec hat den Sauerstoff-Sensor HIF in B-Zellen ausgeschaltet und beobachtet, dass sich dann Entzündungen nicht mehr auflösen und es zu chronisch-entzündlichen Erkrankungen kommt. Damit erschließen sich neue Möglichkeiten zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis oder Multipler Sklerose durch Medikamente, die HIF anschalten. Die Arbeiten von Professorin Bozec werden durch den Sonderforschungsbereich 1181 „Schaltstellen für die Auflösung der Entzündung“ unterstützt.

Ansprechpartnerin für die Medien:
Prof. Dr. Aline Bozec
Telefon: 09131 85 29032
E-Mail: aline.bozec@uk-erlangen.de
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07.02.2018 Transplantationsrisiken minimieren - FAU-Forscher entschlüsseln, wie gefährliche Entzündungen nach einer Stammzelltransplantation entstehen
uni | mediendienst | forschung Nr. 4/2018

Häufig ist eine Knochenmarktransplantation für Patienten mit Leukämie die rettende Therapie, doch das Risiko von Komplikationen ist groß. Trotz der aufwendigen und häufig langen Suche nach einem geeigneten Spender, kommt es bei fast der Hälfte der Patienten zu einer unerwünschten Reaktion des Immunsystems, die sich oft gegen die Haut und Leber und in bis zu 50 Prozent der Fälle gegen den Darm richtet. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten nun entschlüsseln, wie es zu diesen teils lebensgefährlichen Darmentzündungen kommt und einen möglichen Behandlungsansatz aufzeigen. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachmagazin Journal of Clinical Investigation (DOI: 10.1172/JCI89242) veröffentlicht.

Auslöser der heftigen Immunreaktion ist eine spezielle Form von Abwehrzellen des Spenders. Diese so genannten T-Lymphozyten erkennen die Körperzellen des Empfängers als fremd und attackieren sie. Die FAU-Forscher konnten nun zeigen, dass diese besondere Form der T-Lymphozyten von einem Protein namens BATF (engl. „basic leucin zipper ATF-like transcription factor“) gesteuert wird. „Das BATF-Eiweiß arbeitet wie ein Zentralschalter in den Spender-T-Lymphozyten“, sagt Prof. Dr. Kai Hildner von der Medizinischen Klinik 1- Gastroenterologie Pneumologie, Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath). „Wird das Protein angeschaltet, können sich hoch aggressive Immunzellen entwickeln, die die Entzündungsvorgänge massiv verstärken und dann im Wechselsp