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Pressemeldungen

09.04.2021 Keine Kürzung von Biontech-Lieferungen an Haus- und Facharztpraxen!
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Jetzt wird bei den nieder­ge­las­se­nen Haus- und Fachärz­ten gegen Covid-19 geimpft. Das soll Vertrauen bei den Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten schaf­fen und Schwung in die Impf­kam­pa­gne brin­gen. Mit Unver­ständ­nis hat daher Dr. Gerald Quit­te­rer, Präsi­dent der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer (BLÄK), auf Medien­be­richte reagiert, wonach der Bund offen­bar seine zuge­sag­ten Impf­stofflie­fe­run­gen an die Praxen von Haus- und Fachärz­ten um die Hälfte gekürzt habe: „Das würde ein Ausbrem­sen der Impf­kam­pa­gne in den Arzt­pra­xen und einen großen Vertrau­ens­ver­lust bedeu­ten“.

So sollen offen­bar den Praxen in der Woche ab dem 19. April statt wie bisher rund eine Million Impf­stoff­do­sen von Bion­tech nur noch 463.000 Dosen zur Verfü­gung stehen. Das Bion­tech-Kontin­gent soll statt­des­sen an die Impf­zen­tren der Länder gehen.

„Diese Kürzung der Bion­tech-Impf­do­sen – mehr als die Hälfte weni­ger von dem, was der Bund an die Praxen auslie­fern wollte – wäre ein Unding“, so Quit­te­rer. Bayerns Ärzte­chef forderte zudem mehr Trans­pa­renz darüber, wer diese Grund­satzent­schei­dung über die Impf­stoff­ver­tei­lung zwischen den Bundes­län­dern und dem Phar­ma­groß­han­del trifft.

Pressemedlung der Bayerischen Landesärztekammer München

08.04.2021 Ärztestatistik 2020 -Ärztlicher Nachwuchsförderung höchste Priorität beimessen

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft                                                                                                Berlin, 08.04.2021 – „Die Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig Ärztinnen und
Ärzte für ein funktionierendes Gesundheitswesen und damit für unser
gesamtes gesellschaftliches Wohlergehen sind. Die konsequente ärztliche
Nachwuchsförderung und bessere Ausbildungsbedingungen gehören
deshalb dringend auf die politischen Agenden von Bund und Ländern.“ Das
sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt anlässlich der
Vorstellung der aktuellen Ärztestatistik. Nach den Daten der
Bundesärztekammer stieg zwar die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und
Ärzte (+1,7%) sowie die der Facharztanerkennungen (+0,6%), jedoch fiel der
Zuwachs deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Bei den jungen
Ärztinnen und Ärzte aus dem Inland, die sich erstmalig bei einer (Landes-
)Ärztekammer anmeldeten, verzeichnet die Statistik sogar einen Rückgang
um 1,1 Prozent.

„Wir betrachten diese Entwicklung mit Sorge. Denn wir brauchen dringend
eine ausreichende Anzahl von Ärztinnen und Ärzten, um die Folgen des
anhaltenden Trends zur Teilzeitarbeit, des steigenden Durchschnittsalters
der Ärzteschaft und des demografischen Wandels zu bewältigen. Sinkt die
Zahl der zur Verfügung stehenden Arztstunden, wird das nicht gelingen“,
warnte Reinhardt mit Blick auf den hohen Behandlungsbedarf in einer älter
werdenden Gesellschaft. Unabhängig von Corona kommt es in den Praxen
zu rund einer Milliarde Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr. Für den
stationären Bereich meldet das Statistische Bundesamt für das letzte
Erhebungsjahr 2019 rund 19,4 Millionen Behandlungsfälle. Deutschland ist
eine der ältesten Gesellschaften der Welt. Und in den kommenden Jahren ist
mit einem weiteren Anstieg des Behandlungsbedarfs zu rechnen. Derzeit


prognostiziert das Statistische Bundesamt bis zum Jahr 2040 eine
Steigerung des Bevölkerungsanteils der über 67-jährigen um bis zu 42
Prozent.

Ein Lichtblick ist immerhin die Anzahl von Ärztinnen und Ärzten bei den
Gesundheitsämtern, die im Jahr 2020 um 14 Prozent auf knapp 3.000
anstieg.

Das gebremste Wachstum betrifft fast alle Bereiche der
Gesundheitsversorgung: Bei den im Krankenhaus tätigen Ärztinnen und
Ärzte gab es ein Plus von 2,3 Prozent (Vorjahr: +2,7%). Die Zahl der
ambulant tätigen Ärzte stieg um 1,0 Prozent (Vorjahr: +1,6%). Am stärksten
war der Einbruch des Wachstums in sonstigen Tätigkeitsbereichen (+1,3%;
Vorjahr: +6,2%).

Auch bei den Facharztanerkennungen fiel der Zuwachs im Jahr 2020
geringer aus. Er stieg lediglich um 0,6 Prozent (Vorjahr: +3,3%) auf knapp
14.000 an.

Für etwas Entlastung konnte die Zuwanderung aus dem Ausland sorgen. So
ist die Zahl der in Deutschland gemeldeten ausländischen Ärztinnen und
Ärzte im Jahr 2020 um 6,8 Prozent (Vorjahr: +7,9%) auf rund 56.000
Personen gestiegen. Treibende Kraft waren dabei Ärzte aus Ländern
außerhalb der EU (+11,1 Prozent; Vorjahr: 11,9%). Bei den Ärzten aus EU-
Ländern war ein Plus von lediglich 1,5 Prozent zu verzeichnen (Vorjahr:
+3,3%).

Ebenfalls vorteilhaft wirkt sich der deutliche Rückgang der ins Ausland
abwandernden Ärztinnen und Ärzte aus. Im Jahr 2020 wanderten mit knapp
1.700 Personen rund zehn Prozent weniger Ärzte ab als noch im Vorjahr.
Insbesondere die Abwanderung von Ärzten mit deutscher
Staatsangehörigkeit ging um rund 17 Prozent auf rund 900 Personen zurück.


Die beliebtesten Zielländer waren, wie in den Vorjahren, die Schweiz und
Österreich.

Sorge bereitet weiterhin die Entwicklung des Altersdurchschnitts der
deutschen Ärzteschaft. So bestätigen die aktuell erfassten Zahlen die
Tendenz zur Stagnation des Anteils der Ärztinnen und Ärzte unter 35 Jahre
(19,1%; Vorjahr: 18,9%). Der Anteil der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte,
die das 60. Lebensjahr bereits vollendet haben, steigt kontinuierlich an.
Knapp 34.000 Ärzte (8,2% aller berufstätigen Ärzte; Vorjahr: 8,0%)
erreichten bereits das 66. Lebensjahr und somit das Renteneintrittsalter.
Weitere knapp 52.000 berufstätige Ärzte (12,6% aller berufstätigen Ärzte;
Vorjahr: 12,2%) sind zwischen 60 und 65 Jahre alt. Der Anteil der Ärzte, die
sich mittlerweile im Ruhestand befinden, stieg im Vergleich zum Vorjahr um
vier Prozent an.

Weitere Informationen zur Ärztestatistik des Jahres 2020 finden Sie unter:
https://www.bundesaerztekammer.de/ueber-uns/aerztestatistik/aerztestatistik-2020/



08.04.2021MRNA-Impfstoffe und vektorbasierte Impfstoffe in die Praxen!
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Das flächendeckende Impfen gegen Covid-19 durch die Hausärztinnen und Hausärzte wird entscheidend sein zur Verhinderung von schweren Covid-19-Verläufen, die eine Krankenhausbehandlung erforderlich machen, sowie von Todesfällen. „Gut gelingen kann die Impfkampagne jedoch nur, wenn den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, insbesondere den Hausärztinnen und Hausärzten, auch alle zugelassenen Impfstoffe zur Verfügung stehen“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Bayerns Ärztechef fordert, dass sowohl mRNA-Impfstoffe (bspw. von Biontech/Pfizer), als auch vektorbasierte Vaxine (bspw. von AstraZeneca) dauerhaft in die Praxen kommen. „Je nach Indikation können wir unsere Patientinnen und Patienten mit dem für sie geeigneten Impfstoff versorgen“. Durch die große Erfahrung und Expertise der Hausärztinnen und Hausärzte, könne der Bevölkerung ein breiteres und adäquates Angebot gemacht werden. Die Entscheidung, welcher Impfstoff verabreicht werde, sei eine medizinische. Alle bisher zugelassenen Impfstoffe gegen COVID-19 hätten eine gute Wirksamkeit.

Quitterer warnt in diesem Zusammenhang davor, die Mitwirkungsbereitschaft der niedergelassenen Ärzte durch ein Hin und Her bei den Impfstoffen zu gefährden, die den Praxen zur Verfügung gestellt werden.

Pressestelle Bayerische Landesärztekammer München

06.04.2021 Chronische Entzündungen besser verstehen
uni | mediendienst | forschung Nr. 29/2021

Obwohl Entzündungen normalerweise von selbst wieder abklingen, können sie unter bestimmten Umständen immer wieder auftreten und sich in der Folge zu chronisch entzündlichen Erkrankungen auswachsen. Ein Team der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat herausgefunden, warum das so ist.  
Der Begriff „Gewebspriming“ beschreibt die Veränderung des Gewebes dahingehend, dass eine Entzündung bevorzugt an gleicher Stelle verstärkt wiederauftaucht. Anhand des Beispiels entzündlicher Gelenkserkrankungen zeigt das internationale Forschungsteam aus Erlangen, Birmingham, Zürich, Wien, Cardiff, Belgrad, Lübeck und Münster, dass im Gewebe angesiedelte Zellen, sogenannte Fibroblasten, für das entzündliche Gewebspriming verantwortlich sind. Durch wiederholte entzündliche Reize werden die Fibroblasten nach und nach in einen aggressiven Zustand versetzt. Diese umprogrammierten Fibroblasten bewirken, dass weitere entzündliche Reize eine erhöhte und verlängerte Entzündungsreaktion auslösen.
Die Studie schafft eine Basis für neue Therapieformen für chronisch entzündliche Erkrankungen wie Arthritis. Medikamente unterdrücken zwar effektiv akute Entzündungen, diese treten aber üblicherweise wieder auf werden die Medikamente abgesetzt. Das Forschungsteam vermutet nun, dass das entzündliche Gewebspriming die Ursache dafür ist. Da die dauerhafte Weitereinnahme von entzündungshemmenden Medikamenten aber mit Nebenwirkungen einhergeht, suchen das Team nach alternativen Therapiemethoden. Ein Ansatz ist der Versuch, den nach erster Entzündung veränderten Firoblastenstoffwechsel auf den Normalzustand zurückzusetzen und damit die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Entzündung zu minimieren.
Link zur Veröffentlichung im Fachmagazin Immunity: https://doi.org/10.1016/j.immuni.2021.03.003  
Weitere Informationen:
Dr. Markus Hoffmann
Tel.: 09131/85-43024
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01.04.2021 Mit Sicherheit High End
uni | mediendienst | aktuell Nr. 27/2021

Unfallchirurgie und Orthopädie des Uni-Klinikums Erlangen bieten High-End-Versorgung auf wissenschaftlicher Grundlage.
Ob Sportverletzung oder Unfall, langwierige Rückenschmerzen, der Austausch einer Hüftprothese oder Gelenkprobleme: Die Unfallchirurgische Klinik – Orthopädische Chirurgie des Universitätsklinikums Erlangen unter der Leitung von Prof. Dr. Mario Perl ist die erste Anlaufstelle für alle Anliegen rund um den Stütz- und Bewegungsapparat – von A wie Arthrose bis Z wie Zervikalsyndrom. Oft lassen sich Beschwerden auch ohne eine Operation behandeln. Wird ein Eingriff doch nötig, setzt das Team um Prof. Perl auf die neuesten Hightechgeräte und wissenschaftliche Studien. Die enge Zusammenarbeit mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ermöglicht hier Wissenschaft auf höchstem internationalen Niveau – zur Sicherheit der Patientinnen und Patienten.
Interdisziplinarität: „Wir treffen uns an der Wirbelsäule“
Im interdisziplinären Wirbelsäulenzentrum (Sprecher: Prof. Dr. Mario Perl und Prof. Dr. Michael Buchfelder) des Uni-Klinikums Erlangen sind Menschen mit allen Arten von Rückenschmerzen – ob akut oder chronisch – bestens aufgehoben. Probleme mit der Wirbelsäule können oft konservativ behandelt werden, z. B. mit Medikamenten, manueller Therapie, Bewegungsübungen, einer speziellen Schmerztherapie oder einer Rehabilitation. „Vielen Patienten können wir so zunächst auch ohne eine Operation helfen“, erklärt Prof. Perl. Doch manchmal braucht es den chirurgischen Eingriff eben doch, z. B. wenn selbst intensivste nicht-operative Therapien erfolglos bleiben. „Dann profitieren die Patienten von unserem universitären Setting“, betont Prof. Perl. „An der Wirbelsäule treffen sich unterschiedliche Disziplinen. Unfallchirurgen, Orthopäden und Neurochirurgen operieren gemeinsam und jeder bringt seine Expertise optimal ein. Der Unfallchirurg stabilisiert mit Stäben und Schrauben, der Neurochirurg legt z. B. die sensiblen Nerven frei.“ Hier braucht es viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Der Vorteil des Uni-Klinikums Erlangen: Auch Spezialisten aus Neurologie, Neuroradiologie, Anästhesie, Schmerztherapie und Psychosomatik werden zum Wohle des Patienten in die Behandlung integriert.
OP-Navigation: „Das System schaut uns auf die Finger“
Im OP-Saal mit dabei ist fast immer auch ein 3-D-Navigations- und Bildgebungssystem der neuesten Generation. Mario Perl erläutert: „Das System schaut uns genau auf die Finger und kontrolliert uns Operateure: Ist das Instrument exakt angesetzt? Liegt das Implantat millimetergenau richtig am Knochen? Das macht OPs noch sicherer und präziser.“ Während des Eingriffs liefert das „3-D-Navi“ virtuelle animierte Bilder aus der operierten Körperregion: Knochen, Gewebe, OP-Instrumente, Implantate und Schrauben. „Wir sehen sozusagen mit drei Augenpaaren“, erklärt Prof. Perl: „Zum einen haben wir unsere eigenen Augen, dazu die herkömmliche Röntgenkontrolle während der OP und die virtuelle Animation als zusätzliche Sicherheit und Qualitätskontrolle.“ Mario Perl und sein Team können so insbesondere komplexe Eingriffe an teilweise schwer zugänglichen Bereichen wie der Hals- oder Brustwirbelsäule oder dem hinteren Beckenring noch präziser durchführen. Dank des neuen Navis muss während einer Prozedur insgesamt viel weniger geröntgt werden – das senkt die Strahlenbelastung für den Patienten und das OP-Team ganz erheblich.
Robotik: Forschung gibt Sicherheit
High-End-Versorgung mit modernsten Geräten ist der Anspruch einer universitären Orthopädie und Unfallchirurgie. Doch Prof. Perl schränkt ein: „Einen OP-Roboter setzen wir aktuell in der alltäglichen klinischen Wirbelsäulenchirurgie noch nicht ein, weil für uns wissenschaftlich noch nicht ausreichend bewiesen ist, dass wir mit einem Roboter für den Patienten tatsächlich bessere Ergebnisse erzielen als ohne.“ In einigen Krankenhäusern wird in der Wirbelsäulenchirurgie bereits mit OP-Robotern gearbeitet. „Wir wollen da aber noch einmal genauer hinschauen und die Datenlage gründlich prüfen“, so Mario Perl. „Der Benefit für unsere Patientinnen und Patienten und ihre Sicherheit sind für uns immer das Wichtigste.“ So startet die Unfallchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen im Rahmen der Hightech Agenda Bayern gemeinsam mit dem Institut für Anatomie der FAU und der Industrie jetzt eine eigene Studie. Die Untersuchung wird klären, was tatsächlich für die robotergestützte Wirbelsäulenchirurgie spricht.
Von der Anbindung an die FAU profitiert die Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie in größerem Maße: Im neu eingerichteten Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (AIBE) wird die FAU den Brückenschlag zwischen Medizin und Technik, für den die Universität schon lange steht, weiter stärken: Zurzeit laufen die Berufungsverfahren für drei Lehrstühle für Medizinrobotik. „Wir werden diese mit international anerkannten Expertinnen und Experten besetzen“, sagt FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger. An den Medizinrobotik-Lehrstühlen forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von den Grundlagen bis zur Anwendung, zum Beispiel an der Verarbeitung von biomedizinischen Daten oder der Entwicklung von Prothesen und Chirurgierobotern. „Damit werden wir die Forschung im Bereich Medizinrobotik sehr kliniknah vorantreiben“, erklärt Prof. Hornegger.
Weitere Informationen für Patienten:
Wirbelsäulenzentrum des Uni-Klinikums Erlangen:
Tel.: 09131 85-40927
www.wirbelsaeulen-zentrum.uk-erlangen.de
Andere Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat:
Tel.: 09131 85-33272
E-Mail: unfallchirurgie@uk-erlangen.de
www.unfallchirurgie.uk-erlangen.de
Weitere Informationen für Medien:
Prof. Dr. Mario Perl
Tel.: 09131 85-33272
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30.03.2021 Für die Immunmedizin von morgen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 24/2021


BMBF empfiehlt Förderung des Erlanger Advanced-Clinician-Scientist-Programms am Deutschen Zentrum Immuntherapie
In der Immunmedizin sind in den letzten Jahren bahnbrechende Fortschritte erzielt worden, etwa im Bereich der Immuntherapien bei Krebs und Entzündungen oder der Impfungen bei Infektionen. Um die neuesten Erkenntnisse aus der Wissenschaft in der Immunmedizin schnell zum Patienten zu bringen, müssen Forschung, Lehre und Krankenversorgung eng miteinander verbunden sein. Das gelingt besonders in der Erlanger Universitätsmedizin. Eine entscheidende Rolle spielen dabei exzellente wissenschaftlich tätige Ärztinnen und Ärzte, die sowohl in der Krankenversorgung als auch in der Forschung tätig sind. Bisher gibt es jedoch nur wenige Förderangebote für forschende Ärzte, die bereits die Facharztweiterbildung abgeschlossen haben – sogenannte Advanced Clinician Scientists. Dies wird sich nun ändern: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Programm „iIMMUNE – Interfaces in Immunomedicine“ unter der Leitung von Prof. Dr. Beate Winner, Leiterin der Stammzellbiologischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen, über einen Zeitraum von fünf Jahren. Damit bekommen zehn forschende Fachärztinnen und -ärzte die Möglichkeit, neben ihrer Tätigkeit in der Patientenversorgung auch über längere Zeiträume hinweg zu forschen und im Bereich moderner patientenzentrierter Immunmedizin am Deutschen Zentrum Immuntherapie (DZI) ausgebildet zu werden. Die Förderung umfasst pro Advanced Clinician Scientist 130.000 Euro pro Jahr.
Die Advanced Clinician Scientists sollen am DZI zur Entwicklung innovativer diagnostischer und therapeutischer Strategien in der Immunmedizin bei autoimmunen, entzündlichen, infektiösen, degenerativen und onkologischen Erkrankungen beitragen. „Das BMBF fördert die Implementierung von Ausbildungskonzepten mit Modellcharakter für Advanced-Clinician-Scientist-Programme in der Universitätsmedizin. Wir sind stolz darauf, dass wir mit unserem Konzept in der Immunmedizin überzeugen konnten und Erlangen eine Förderempfehlung erhalten hat“, freut sich Prof. Winner. Sie hatte den Forschungsantrag zusammen mit ihren Kollegen Prof. Dr. Dimitrios Mougiakakos, geschäftsführender Oberarzt der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie, und Prof. Dr. Maximilian Waldner, Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie, gestellt. Zusätzlich werden Prof. Dr. Miriam Kalbitz, Oberärztin der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie, und Prof. Dr. Veit Rothhammer, leitender Oberarzt der Neurologischen Klinik, im Vorstand von „iIMMUNE“ mitwirken.
„Beim Ausbildungsprogramm sollen der fachliche Austausch zwischen klinischen Fachgebieten in der Immunmedizin sowie Schnittstellen der Immunmedizin zu Biophysik, künstlicher Intelligenz und digitaler Medizin im Fokus stehen“, so Prof. Mougiakakos. Das Uni-Klinikum Erlangen und die Medizinische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bieten den forschenden Fachärztinnen und -ärzten optimale Voraussetzungen für ihre wissenschaftliche Tätigkeit: Im DZI, einer deutschlandweit einzigartigen Einrichtung, wird die Kompetenz von Kliniken und Forschungsinstituten am Standort Erlangen gebündelt. Ziel der Einrichtung ist es, Immunmedizin mit modernsten wissenschaftlichen Methoden der Biophysik und der künstlichen Intelligenz mit digitaler Gesundheitstechnologie zu verknüpfen. Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen können Immuntherapien für Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen und Krebs hier angewendet und weiterentwickelt werden. „Die Mediziner können ihr klinisches Wissen unmittelbar in die Forschung einbringen und Erfolg versprechende Forschungsergebnisse in Form von neuen Therapien direkt an die Patientinnen und Patienten in der Klinik weitergeben“, sagt Prof. Waldner. Das „iIMMUNE“-Programm am DZI wird Anfang 2022 starten.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Beate Winner
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29.03.2021 FAU-Vizepräsidenten und -präsidentinnen gewählt
uni | mediendienst | aktuell Nr. 23/2021

Prof. Dr. Georg Schett folgt Prof. Dr. Günter Leugering im Leitungsgremium nach

Der Universitätsrat der FAU hat ein neues Mitglied für die Universitätsleitung gewählt und drei weitere im Amt bestätigt. Der Mediziner Prof. Dr. Georg Schett übernimmt ab 1. April das Amt des Vizepräsidenten Research von Mathematiker Prof. Dr. Günter Leugering, der in Ruhestand tritt. Die bisherigen Leitungsmitglieder Prof. Dr. Friedrich Paulsen, Vizepräsident People, Prof. Dr. Bärbel Kopp, Vizepräsidentin Education, und Prof. Dr. Kathrin M. Möslein, Vizepräsidentin Outreach, wurden per Briefwahl wiedergewählt. Die neuen Amtszeiten der vier Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten laufen bis zum 31. März 2024.

Prof. Dr. Georg Schett ist seit 2006 Lehrstuhlinhaber für Innere Medizin an der FAU und seitdem auch Direktor der Medizinischen Klinik 3 am Universitätsklinikum Erlangen. Schett studierte Medizin an der Universität Innsbruck, wo er 1994 auch seine Promotion abschloss. Bis 1996 war er Assistent am Institut für Biomedizinische Alternsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seine Facharztausbildung für Innere Medizin erfolgte bis 2001 an der Universität Wien, wo er im Anschluss als Facharzt tätig war, ab 2004 als Oberarzt. Bereits 2003 habilitierte er sich dort im Fach Innere Medizin. 2004 absolvierte er einen Forschungsaufenthalt bei Amgen, in Thousand Oaks, Kalifornien, USA. Im gleichen Jahr wurde er als Facharzt für Rheumatologie anerkannt.

Professor Schett hat eine Vielzahl von Preisen und Ehrungen erhalten, zuletzt 2019 die Dr. Franciscus Blondel-Medaille für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Rheumatologie der Stadt Aachen. Er hat in acht großen Drittmittelprojekten mitgewirkt. So ist er zum Beispiel Sprecher des 2015 eingerichteten Sonderforschungsbereichs 1181 (Checkpoints for Resolution of Inflammation) sowie Principal Investigator des ERC Synergy Grant (4D+ NanoSCOPE) (Beginn 2018) und der BMBF-Förderung MASCARA (Molecular Assessment of Signatures Characterizing the Remission of Arthritis; Beginn 2020).

Prof. Schetts wissenschaftliche Expertise ist international gefragt. Er war 2009 Visiting Professor an der University of California San Diego, USA; 2012 an der University of Xian und University of Guangzhou, beide China; 2014 am Hospital of Special Surgery in New York und 2018 an der New York University, USA. Er ist Mitglied im DFG-Fachkollegium, Gutachter für zahlreiche wissenschaftliche Fachgesellschaften und Journale und wirkte an der Organisation einer Vielzahl von internationalen Kongressen mit. Er pflegt seit seiner Berufung an die FAU eine stetig wachsende Anzahl nationaler und internationaler Kooperationen zu gemeinsamen Projekten, wie beispielsweise mit dem Flämischen Institut für Biotechnologie (Vlaams Instituut voor Biotechnologie, VIB) in Gent, Belgien, dem Karolinska-Institut in Stockholm, Schweden und dem Kennedy Institute of Rheumatology in Oxford, UK.

Schetts Amtsvorgänger Prof. Dr. Günter Leugering tritt zum 1. April in Ruhestand und stand daher nicht mehr zur Wahl. Er bleibt der FAU aber weiterhin als Senior Fellow sowie als Sonderbeauftragter des Präsidenten für die Lange Nacht der Wissenschaften verbunden. Leugering war seit 2015 als Vizepräsident tätig, zunächst für Internationales, seit 2018 dann für den Bereich Research.

Informationen zu den übrigen Mitgliedern der Universitätsleitung: www.fau.de/universitaet/leitung-und-gremien/leitung

Bild zum Download von Prof. Schett: https://www.fau.de/files/2015/05/Schett-Georg-Prof-Dr_Erich-Malter.jpg

Bildunterschrift: Prof. Dr. Georg Schett, Lehrstuhl für Innere Medizin III der FAU. (Bild: FAU/Erich Malter)


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29.03.2021 Installation eines Hightech-Schwergewichts
uni | mediendienst | aktuell Nr. 22/2021

Konsequente Fortsetzung der Spitzenforschung zur Magnetresonanzbildgebung am Uni-Klinikum Erlangen

Die Installation des 7-Tesla-Magnetresonanztomografen (MRT) Magnetom Terra am heutigen Montag (29.3.2021) direkt in den Kopfkliniken des Universitätsklinikums Erlangen während des laufenden Klinikbetriebs ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur klinischen Anwendung des Ultrahochfeldscanners. Mit seiner hohen Feldstärke – 140.000-mal stärker als das Magnetfeld der Erde – verbessert der Scanner nicht nur die konventionelle MR-Bildgebung, sondern erlaubt vor allem deutlich tiefere Einblicke in vielfältige Organfunktionen und Stoffwechselvorgänge.

Bereits heute ist erkennbar, wie sehr Patientinnen und Patienten von der verbesserten Ultrahochfeld-Bildgebung profitieren, wenn diese zur klinischen Anwendung kommt. Insbesondere neurologische Erkrankungen, wie Epilepsie, Multiple Sklerose und Morbus Parkinson sowie Hirntumoren oder kleinste Verletzungsfolgen nach Schädel-Hirn-Traumata, können mit dem Ultrahochfeld-MRT besser und früher erkannt und damit effektiver behandelt werden. Bei Erkrankungen der Gelenke und des Bewegungsapparates lassen sich dank der sehr hohen Bildauflösung Verletzungen kleinster Bandstrukturen ebenso deutlich darstellen wie die Substanz und der Zustand von Gelenkknorpeln. Ein weiterer Fokus liegt auf der onkologischen Bildgebung zur Diagnostik von Prostata- und Brustkrebs. „Die Installation des 7-Tesla-MR-Scanners in den Kopfkliniken ist ein Musterbeispiel für die gelungene Verknüpfung von universitärer Spitzenmedizin und innovativer Technik zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten“, erklärt der Ärztliche Direktor des Uni-Klinikums Erlangen, Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro.

Tiefere Einblicke dank funktioneller und metabolischer Bildgebung

Darüber hinaus bietet der 7-Tesla-Scanner dank seiner funktionellen und metabolischen MR-Bildgebungsmethoden deutlich tiefere Einblicke in Organfunktionen und Stoffwechselvorgänge. Diese verschaffen dem Radiologischen Institut (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) und der Neuroradiologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Arnd Dörfler) des Uni-Klinikums Erlangen völlig neue klinische und wissenschaftliche Möglichkeiten. Dazu gehören zum Beispiel die frühzeitige Diagnose von rheumatischen, entzündlichen oder neurodegenerativen Erkrankungen, eine verbesserte Differentialdiagnostik und ein patientenindividuelles Therapiemonitoring.

Internationale Referenz für Forschung und Medizin

Dank der klinischen Installation des 7-Tesla-MRT werden Wissenschaftler aus dem In- und Ausland das Uni-Klinikum Erlangen als internationale Anlaufstelle nutzen, um einen intensiven Wissensaustausch zu pflegen und Forschungskooperationen weiterzuentwickeln. „Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen Siemens Healthineers und dem Uni-Klinikum Erlangen stärkt den Forschungsschwerpunkt Medizintechnik und ist gleichzeitig Kondensationspunkt vieler interdisziplinärer klinischer Forschungsprojekte“, bekräftigt Prof. Dr. Markus F. Neurath, Dekan der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

So schwer wie vier Elefanten


Trotz der immensen Gewichtseinsparung um 50 Prozent, verglichen mit den üblichen 7-Tesla-MRTs, bedeutete die Integration des fast 25 Tonnen schweren Hightechgeräts in ein 50 Jahre altes Gebäude für die KlinikMedBau GmbH Erlangen bei laufendem Klinikbetrieb einen planerischen und technischen Kraftakt. Diesen meisterte die Tochtergesellschaft des Uni-Klinikums Erlangen unter der Leitung von Geschäftsführer Robert Stark mit Bravour: Allein der Ganzkörpermagnet des 7-Tesla-MRTs hat ein Eigengewicht von fast 20 Tonnen – und wiegt damit so viel wie vier ausgewachsene Elefanten.

Klinischer 7-Tesla-MRT als Weltpremiere in Erlangen bereits 2015


Rückblick: Im Jahr 2015 erfolgte die weltweite Erstinstallation eines klinischen 7-Tesla-MRT in einem separaten Forschungsgebäude am Uni-Klinikum Erlangen. Bereits im Herbst 2017 konnte das Erlanger Expertenteam aus Ärzten, Physikern und Ingenieuren dann als weiteres Novum die klinische Zulassung des Ultrahochfeldscanners für die Neuro- und muskuloskelettale Bildgebung für Europa und die USA vermelden. Dr. Arthur Kaindl, Leiter des Geschäftsgebiets MRT bei Siemens Healthineers, sagt: „Mit der Installation des neuen Magnetom Terra wird die Erfolgsgeschichte unserer langjährigen Entwicklungspartnerschaft und Forschungskooperation mit dem Universitätsklinikum Erlangen fortgeschrieben.“ Eine Anerkennung von höchster Stelle erfuhr diese erfolgreiche Entwicklungspartnerschaft von FAU, Siemens Healthineers und Uni-Klinikum Erlangen durch die Nominierung für den Endausscheid des Deutschen Zukunftspreises 2019.

Bild und Videomaterial kann auf Wunsch angefordert werden.

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29.03.2021 Hoffnung für Menschen mit überempfindlichen Zähnen
uni | mediendienst | forschung Nr. 26/2021

Internationales Forschungsteam der FAU entschlüsselt Mechanismus der Kälteempfindlichkeit von Zähnen.
Der Kältesensor TRPC5 ist für die Kälteempfindlichkeit von Zähnen verantwortlich. Das hat ein internationales Forschungsteam um Prof. Dr. Katharina Zimmermann von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) entdeckt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ihre Erkenntnisse im renommierten Wissenschaftsjournal „Science Advances“ publiziert.*
„Zahnschmerzen sind für viele Menschen der Horror, und überempfindliche Zähne sind nicht weniger belastend“, weiß Prof. Dr. Katharina Zimmermann von der Anästhesiologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen der FAU. „Wer gerne Eis isst und empfindliche Zähne hat, kennt das Problem: Kaum berührt das Eis den Zahn, schlägt der Blitz ein.“
Kältesensor liegt direkt auf den Odontoblasten
Dafür verantwortlich ist ein körpereigener Mechanismus, der die menschlichen Zähne vor Überlastung schützt. „Die Natur hat in den Zähnen den stärksten Schutzreflex im Körper installiert“, erklärt die FAU-Schmerzforscherin. „Denn Zähne heilen nicht, wenn sie einmal brechen.“ Der Reflex schützt deshalb das Zahnmark und die empfindlichen Zellen des Zahngewebes, die sogenannten Odontoblasten. Diese bilden die Hartsubstanz des Zahns, also das Zahnbein und den Zahnschmelz.
Die Odontoblasten funktionieren aber auch als Kältesensoren, das hat das Forschungsteam nun erstmals nachgewiesen. Denn direkt auf den Fortsätzen der Odontoblasten liegt der Ionenkanal TRPC5, der als Kaltrezeptor fungiert. Ionenkanäle sind Poren in Zellmembranen, die wie molekulare Schließmuskeln wirken. Nach dem Erkennen eines Signals, wie beispielsweise einer Temperaturänderung, öffnen sich die Kanäle und lassen Ionen in die Zelle fließen. Dies erzeugt einen elektrischen Impuls, der zur Informationsübermittlung weitergeleitet wird.
„Der Zellkörper der Odontoblasten und ihre Nervenendigungen liegen am äußeren Rand des Zahnmarks“, erklärt Professorin Zimmermann. „Sie besitzen einen Fortsatz, der in einem feinen Kanälchen im Zahnbein verläuft, wo er die Temperaturänderungen misst und sie elektrisch an das Gehirn weitergibt und so die schmerzhafte Reaktion auslöst.“
Ansatzpunkt für Mittel gegen Zahnschmerz
Bereits früher war die FAU-Forscherin an der Entdeckung der Kaltsensitivität des Ionenkanals TRPC5 beteiligt. „Jetzt haben wir herausgefunden, dass der gleiche Ionenkanal für das Kälteempfinden in Zähnen verantwortlich ist. Das ist ein hervorragender Ansatzpunkt für künftige Mittel gegen Zahnschmerz und kälteüberempfindliche Zähne.“ Da der Rezeptor im Zahn auf den spezialisierten Sinneszellen und weniger auf Nerven vorkommt, vermutet das Team der Anästhesiologischen Klinik, dass die üblichen Nebenwirkungen einer Leitungsanästhesie, wie Taubheit und Lähmung im Kieferbereich, ausbleiben werden. Darüber hinaus fanden die Forscherinnen und Forscher auch gleich eine Erklärung für den Wirkmechanismus eines uralten Hausmittels gegen Zahnschmerzen: Der Hauptbestandteil von Nelkenöl ist Eugenol – und das blockiert den TRPC5-Rezeptor.
Mechanismus der Kälteempfindlichkeit entschlüsselt
Entschlüsselt haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen Mechanismus der Kälteempfindlichkeit durch Experimente an Mäusezähnen. Das Forschungsteam entwickelte eine neue Methode, elektrische Impulse von Zahnnerven intakter Mäusezähne zu registrieren. „Durch eine spezielle Technik mit Glaselektroden konnte ich normale Mäuse mit Mäusen vergleichen, denen das Molekül TRPC5 fehlte“, erklärt die Elektrophysiologin Dr. Laura Bernal (jetzt Universidad Alcalá in Spanien). „Es zeigte sich, dass TRPC5 für einen Großteil der Kaltantworten im Zahn entscheidend ist und dass TRPC5-Antagonisten die Kaltantworten blockieren.“ In Verhaltensversuchen an Mäusen stellte FAU-Forscherin Dr. Christine König schließlich fest, dass die Mäuse, denen der TRPC5-Rezeptor fehlt, auch keine Zahnschmerzen mehr nach einer Zahnentzündung entwickeln. Darauf dürfen nun auch Menschen mit kälteempfindlichen Zähnen hoffen, denn in entzündeten Zähnen mit Karies fand das Team besonders viele TRPC5- Rezeptoren.
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23.03.2021Bund-Länder-Beschlüsse -Reinhardt: „Wir brauchen Alternativen zum Dauerlockdown in Deutschland“
Pressenachricht der Bundesärztekammer

Berlin, 23.03.2021 – Zu den aktuellen Beschlüssen der
Bundeskanzlerin und der Regierungschefs der Länder erklärt
Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt:


„Wir müssen die beginnende dritte Welle schon jetzt abflachen, um eine Überforderung des Gesundheitswesens zu verhindern.
Die von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen können dabei helfen. Letztlich aber kommt es auf das verantwortliche Handeln eines jeden Einzelnen an. Untersuchungen zeigen, dass
es fast ausschließlich in Innenräumen und bei längeren ungeschützten Kontakten ohne medizinische Maske zu Ansteckungen kommt, im privaten Rahmen oder auf der Arbeitsstelle. Hier kann der breite Einsatz von Corona-Schnelltests für echte Entlastung sorgen.

Sogar Teil-Öffnungen des gesellschaftlichen Lebens sind möglich, wenn ausreichend Schnelltests zur Verfügung stehen. Dies zeigen beispielsweise die kombinierten Test- und Öffnungsstrategien aus
Tübingen und Rostock. Bund und Länder sollten solche Projekte zur schrittweisen Öffnung des gesellschaftlichen Lebens fördern, evaluieren und für andere Regionen anpassen. Sie wären eine
echte Alternative zu den zermürbenden Jo-Jo-Dauerlockdowns in Deutschland.

Um möglichst viele Menschen vor einer Infektion zu schützen, sollten die verfügbaren Impfdosen schnell verabreicht und - wenn überhaupt - allenfalls deutlich reduzierte Reserven für die
Zweitimpfung zurückgehalten werden. Angesichts der vom Bund in Aussicht gestellten Liefermengen ab dem zweiten Quartal 2021 sollten für die Zweitimpfung ausreichend Kapazitäten zur
Verfügung zu stehen. Zudem zeigen Studien, dass der zeitliche Abstand für die Zweitimpfung ohne Nachteile ausgeschöpft werden kann und bereits nach der ersten Dosis eine gute
Schutzwirkung vorhanden ist. Davon sollten jetzt möglichst viele Menschen profitieren, vor allem aus den Risikogruppen.

Wir sollten außerdem diskutieren, ob eine stärkere Nutzung digitaler Bewegungsdaten zur Kontaktnachverfolgung in Kauf genommen werden sollte, um die Pandemie effektiver bekämpfen
zu können. Der Schutz persönlicher Daten hat in Deutschland aus nachvollziehbaren Gründen einen hohen Stellenwert. Angesichts der aktuellen Infektionslage und der seit Monaten andauernden
Einschränkungen von Grundrechten ist aber jetzt der Zeitpunkt gekommen, Nutzen und Risiken einer natürlich zweckgebundenen Auswertung persönlicher Daten zur Unterbrechung von
Infektionsketten gegenüber anderen persönlichen Freiheitsrechten abzuwägen.“                                                                                                                                  Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
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23.03.2021Mit Prodrugs gegen Krebszellen
uni | mediendienst | forschung Nr. 25/2021

FAU-Forschungsteam entwickelt neuartige Substanzen
Krebs bekämpfen, ohne gesunde Zellen zu beeinträchtigen – das ist das Ziel bei der Suche nach neuen Therapien gegen Krebs. Ein internationales Forschungsteam von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat nun Prodrugs entwickelt, die eine krebshemmende Wirkung zeigen, dabei jedoch normale Zellen kaum beeinträchtigen.
Prodrugs sind Substanzen, die erst bei der Verstoffwechselung im Körper eine Wirkung entfalten. Die Prodrugs des FAU-Forschungsteams um Prof. Dr. Andriy Mokhir von der Professur für Organische Chemie werden im Organismus über eine chemische Reaktion mit bestimmten Sauerstoff enthaltenden Molekülen, sogenannten reaktiven Sauerstoffspezies, aktiviert. Diese Moleküle kommen in Krebszellen in großen Mengen vor. Die Forschenden zeigten, dass ihre Prodrugs unter anderem sowohl in Zelllinien als auch im Nemeth-Kellner-Lymphom-Mausmodell wirksam waren, das als Modell für eine Blutkrebserkrankung beim Menschen dient. Der Wirkmechanismus: Prodrugs rufen Stress im endoplasmatischen Retikulum (ER) von Krebszellen hervor, dem Ort in Zellen, der für den Organismus wichtige Proteine herstellt. Dieser ER-Stress hemmt die Vermehrung der Krebszellen. Andere Medikamente wie Bortezomib und Carilzomib, die diesen Effekt ebenfalls verstärken, führen bislang zu unterwünschten Nebenwirkungen. Die Prodrugs beeinträchtigen normale Zellen jedoch kaum.
Link zur Veröffentlichung im Fachmagazin Angewandte Chemie:
https://doi.org/10.1002/anie.202100054
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Andriy Mokhir, Professur für Organische Chemie, Tel.: 09131/85-65582, andriy.mokhir@fau.de

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23.03.2021 Blutspender nach Infektion mit Corona-Mutante gesucht
uni | mediendienst | aktuell Nr. 21/2021

Erlanger Transfusionsmedizin sucht ehemalige Corona-Patienten mit nachgewiesener Virusvariante – Plasmaspenden sollen Leben retten
Ein Jahr Corona-Pandemie: ein Jahr, in dem die Menschheit viel über SARS-CoV-2 gelernt hat – und das Virus viel über die Menschen. Denn mittlerweile dominiert die sogenannte britische Variante B1.1.7 das Infektionsgeschehen in Deutschland. „Wir beobachten diese Entwicklung sehr genau, da diese Variante deutlich ansteckender ist als andere Mutanten“, sagt Prof. Dr. Holger Hackstein, Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. „Aber auch wir haben dazugelernt und können nun auf unseren Erfahrungen und Erkenntnissen aufbauen. Hier in Erlangen arbeiten wir seit einem Jahr intensiv an einer Immunplasmatherapie.“ Die Ärzte und Wissenschaftler rufen deshalb ehemalige Corona-Patientinnen und -Patienten, denen ein schriftlicher Nachweis vorliegt, dass sie mit einer Virusvariante infiziert waren, dazu auf, sich unter der E-Mail-Adresse tr-covid19@uk-erlangen.de zu melden.
„Wir waren überwältigt von der immensen Zahl der ehemaligen Corona-Patienten, die sich uns nach unserem ersten Aufrufen als Spender angeboten haben“, berichtet Prof. Hackstein. „Da erste Anwendungen des Immunplasmas bereits positiv verliefen und wir aktuell eine klinische Prüfung dieser Therapie durchführen, reaktivieren wir den Aufruf und bitten ausdrücklich darum, dass sich ehemalige Corona-Patienten mit nachgewiesener Virusvariante bei uns melden.“ Prof. Hackstein und sein Team gehen davon aus, dass die inzwischen genesenen Menschen mit ihrer Blutplasmaspende den Krankheitsverlauf von schwer kranken COVID-19-Patientinnen und -Patienten verbessern können.
Hintergrund ist, dass der Körper nach einer COVID-19-Erkrankung spezifische Antikörper gegen das Virus gebildet hat. Die Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen möchte diese Antikörper aus dem Blut der ehemaligen Erkrankten gewinnen und das Blutplasma schwer erkrankten COVID-19-Patientinnen und -Patienten geben. So kann sich deren Immunsystem besser gegen das Virus wehren.
Voraussetzungen und Ablauf
Wichtig ist der schriftliche Nachweis einer Infektion mit einer Virusmutation oder Virusvariante (z. B. B1.1.7 oder andere). Interessierte müssen zudem seit mindestens zwei Wochen von ihrer COVID-19-Erkrankung genesen sein und einen negativen SARS-CoV-2-PCR-Befund erhalten haben. Außerdem benötigen die Mitarbeitenden der Transfusionsmedizin einen Hinweis, ob noch eine häusliche Quarantäne angeordnet ist und eine Telefonnummer für die erste Kontaktaufnahme. Im Rahmen dieses Telefonats wird geklärt, ob und wann eine spezielle Plasmaspende infrage kommt.
Weitere Informationen für Medien:
Barbara Mestel
Tel.: 09131/85-36237
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19.03.2021 Impfkampagne: Einbeziehung von Arztpraxen wird Impf-Akzeptanz steigern
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Berlin, 19.03.2021 – „Mit den heutigen Beschlüssen von Bund und Ländern wurden die administrativen Voraussetzungen für den Impfstart in den Arztpraxen geschaffen. Das ist gut und richtig. Die Beschlüsse bleiben aber Makulatur, wenn nicht ausreichend Impfstoff sowohl für die Impfzentren als auch für die Arztpraxen zur Verfügung gestellt werden kann. Bund und EU müssen deshalb auf die Einhaltung der ursprünglich zugesagten Impfstoff-Liefermengen drängen. Sie müssen außerdem sicherstellen, dass ausreichend Verbrauchsmaterialien wie Spritzen und Kanülen zur Verfügung stehen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt nach dem heutigen Impfgipfel der Bundeskanzlerin und der Regierungschefs der Länder in Berlin. Er betonte: „Wenn alle Impfzentren unter Volllast laufen, vor allem aber 50.000 Arztpraxen mit ihrem Knowhow aus den jährlichen Grippeschutzimpfungen in die Impfkampagne eingebunden werden, haben wir eine echte Chance, bis zum Sommer allen Erwachsenen ein Impfangebot zu machen.“

Nicht nachvollziehbar ist für Reinhardt die in dem heutigen Beschluss enthaltene Opt-out-Regelung für Bundesländer, die sich im April noch nicht an den Impfungen in den Praxen beteiligen wollen. „Auch wenn die Impfstoffmengen im Moment noch begrenzt sind, sollten alle Arztpraxen schnellstmöglich in die Lage versetzt werden, zumindest für besonders gefährdete Patientengruppen separate Impfsprechstunden anbieten zu können. Gerade für ältere Patienten wäre ein Impfangebot bei ihrem vertrauten Hausarzt und in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld eine echte Alternative zu dem Besuch eines möglicherweise weit entfernten Impfzentrums.“

Großflächige Impfungen in den Arztpraxen könnten nach Meinung Reinhardts auch dazu beitragen, dem durch den vorrübergehenden Impfstopp des AstraZeneca-Vakzins ausgelösten Vertrauensverlust in die Impfkampagne entgegenzuwirken. „Viele Menschen sind verunsichert und können die tatsächlichen Impfrisiken nicht richtig einordnen. Sie wünschen sich Impfberatung, Anamneseerhebung, Impfung und wenn nötig auch Nachbetreuung durch ihnen vertraute Ärztinnen und Ärzte. Das können die Impfzentren beim besten Willen nicht leisten“, so der BÄK-Präsident.

Dass zunächst vor allem immobile Patientinnen und Patienten in der eigenen Häuslichkeit sowie Personen mit Vorerkrankungen geimpft werden sollen, sei aufgrund der begrenzten Impfstoffkapazitäten angemessen. Gut ist auch, dass Ärzten darüber hinaus die Möglichkeit eingeräumt wird, in Einzelfällen von diesem Impfschema abweichen zu können, wenn dies aus ihrer fachlichen Sicht medizinisch geboten ist. Schließlich wissen sie am besten, welche Patienten besonders gefährdet sind“, so Reinhardt.

18.03.2021 Mehr Appetit durch Pflanzenproteine
uni | mediendienst | forschung Nr. 24/2021

Internationales Forschungsprojekt untersucht neue Ansätze gegen Mangelernährung älterer Menschen.

Können innovative Pflanzenprotein-Ballaststoff-Produkte und körperliche Aktivität zur Vorbeugung von Mangelernährung bei Seniorinnen und Senioren mit schlechtem Appetit beitragen? Das untersucht das Projekt „Innovative Ansätze mit Pflanzenproteinen, Ballaststoffen und körperlicher Aktivität zur Steigerung des Appetits und Vorbeugung von Mangelernährung bei Senioren“ (APPETITE). Die Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Dorothee Volkert vom Institut für Biomedizin des Alterns (IBA) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) leitet als Koordinatorin das multidisziplinäre Konsortium von acht Institutionen aus sechs europäischen Staaten.

Im Mittelpunkt des Projekts APPETITE stehen Seniorinnen und Senioren, die zuhause leben und sich selbstständig um ihre Ernährung kümmern – aber verringerten Appetit und damit ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung haben. Mit ihnen zusammen entwickelt das Forschungsteam Pflanzenprotein-Ballaststoff-Produkte, die leicht anzuwenden sind und deshalb für einen breiten Einsatz geeignet sind.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, wie der menschliche Körper die pflanzlichen Proteine und Ballaststoffe im Vergleich zu tierischen Proteinquellen verwertet. Anschließend prüfen sie die Effekte ausgewählter Produktvarianten und körperlicher Aktivität auf den Appetit und das Auftreten von Mangelernährung bei älteren Menschen mit reduziertem Appetit.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert das internationale Projekt, das im April startet, mit 125.000 Euro im Rahmen der Joint-Programming-Initiative „A healthy diet for a healthy life“ (JPI-HDHL).

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15.03.2021 Aussetzung der AstraZeneca-Impfungen - „Wir brauchen völlige Transparenz“
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 15.03. 2021 – Zu der heute bekannt gewordenen vorübergehenden Aussetzung der Impfungen mit dem Covid-19-Impfstoff des Herstellers AstraZeneca erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt:

„Dass das Paul-Ehrlich-Institut die Notbremse gezogen und die Impfung mit AstraZeneca vorübergehend ausgesetzt hat, ist richtig und wichtig. Denn es gibt Bedenken zu möglichen
Nebenwirkungen nach AstraZeneca-Impfungen, wie nicht-eindeutig erklärbare schwerwiegende thrombotische Ereignisse. Wir dürfen kein Risiko eingehen, aber wir müssen jetzt schnell und
umfassend die Datenlage analysieren und die möglichen Nebenwirkungen auf das Risikopotential hin überprüfen. Es muss geklärt werden, ob die aufgetretenen Fälle statistisch relevant sind
und es sich um kausal durch die Impfung ausgelöste Ereignisse oder um eine zufällige Koinzidenz handelt. Entscheidend sind und bleiben die völlige Transparenz bei jedem Prozessschritt und die
unmittelbare Information dazu, ansonsten geht Vertrauen verloren.“

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12.03.21 Bunt macht gesund!
uni | mediendienst | aktuell Nr. 20/2021

Nachsorgeprogramm Bunter Kreis Erlangen betreut frühgeborene und kranke Kinder

Bei schwer kranken Kindern kommt es nicht nur auf die medizinische Behandlung im Krankenhaus an – auch danach brauchen betroffene Familien oft noch Unterstützung. Diese bietet der „Bunte Kreis Erlangen“: Bis zu drei Monate nach der Krankenhausentlassung ist das Nachsorgeteam für die Kinder und ihre Eltern da. Der Bunte Kreis ist in der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen untergebracht. Eine vorherige Behandlung am Uni-Klinikum ist aber keine Voraussetzung dafür, die sozialmedizinische Nachsorge in Anspruch nehmen zu können. Im Schnitt betreut der Bunte Kreis parallel 50 bis 60 Familien in Erlangen und in den Landkreisen Erlangen-Höchstadt und Forchheim. Nicole und Thomas Heid aus Gräfenberg sind bis heute dankbar für dieses Angebot und hätten es für sich und ihre Kinder am liebsten noch viel länger genutzt.

Nicole Heid brachte Emma und Lucas im Oktober 2019 in der Frauenklinik (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Uni-Klinikums Erlangen zur Welt – viel zu früh, in der 27. Schwangerschaftswoche. Jeder der beiden Zwillinge wog nur etwas über 900 Gramm. Zehn Wochen lang mussten Bruder und Schwester in der Neonatologie des Uni-Klinikums Erlangen überwacht und aufgepäppelt werden, bis sie endlich nach Hause durften. „Wir wussten ja, dass es Frühchen werden“, sagt Nicole Heid. „Aber dass sie dann so früh kamen – das war schon ein Schock und sehr belastend.“ Zu Hause in Gräfenberg ging es für Nicole Heid und ihren Mann Thomas dann „so richtig los“, wie er sagt. „Wir waren erst mal ganz auf uns allein gestellt, hatten viele Fragen und waren einfach unsicher im Umgang mit den Kindern“, erklärt der Vater der Zwillinge.

Notfall oder falscher Alarm?

„Beim ersten Kind ist für Eltern sowieso alles neu“, weiß Ingrun Löwe, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin im Bunten Kreis. „Und dann waren es bei der ersten Schwangerschaft von Nicole Heid gleich Zwillinge, die auch noch zu früh kamen.“ Drei Monate lang besuchte Ingrun Löwe Familie Heid zu Hause – jede Woche einmal. „Es geht uns immer darum, den Eltern bei der Versorgung ihrer Kinder Sicherheit zu vermitteln“, sagt sie. Denn der reine Mutter- oder Vaterinstinkt reiche bei Frühchen anfangs manchmal nicht aus. „Diese Kinder neigen wegen ihrer Unreife oft zu Unruhezuständen und es fällt ihnen schwerer, sich selbst zu regulieren“, erklärt Ingrun Löwe. „Man braucht viel Feingefühl, um ihre Signale richtig zu deuten und auf ihre Bedürfnisse einzugehen.“ Bei Lucas sahen die Ärzte in den ersten Monaten immer wieder die Gefahr, dass er Krampfanfälle erleiden könnte. Er bekam deshalb einen Überwachungsmonitor mit nach Hause, der seine Vitalzeichen maß – Herzfrequenz, Atmung, Sauerstoffsättigung im Blut. „Es war wichtig, den Eltern zu erklären, wie sich Neugeborenenkrämpfe äußern, wie sie auf einen Alarm der Überwachungseinheit reagieren sollen und wann der Kleine welche Medikamente bekommt“, zählt Ingrun Löwe auf. Lucas’ Zwillingsschwester Emma erlitt parallel einen Nabelbruch und brauchte ebenfalls besondere Aufmerksamkeit.

Bezugspersonen für Kinder – und Eltern

Wie bei Nicole und Thomas Heid agiert der Bunte Kreis immer direkt vor Ort, bei den Familien zu Hause. So schafft er einen sanften Übergang von der Klinik in die gewohnte Umgebung. Das Team aus Pflegefachkräften, Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen und Therapeuten unterstützt bei der Pflege, der Medikamentengabe, der Ernährungsplanung und der Organisation des Alltags. Dabei beurteilen erfahrene Betreuerinnen wie Ingrun Löwe auch, ob sich die Kinder altersgerecht entwickeln. „Wir haben einen ganzheitlichen Blick auf das gesamte Familiensystem und arbeiten mit den Eltern vertrauensvoll zusammen“, sagt sie. Vater Thomas Heid bestätigt das: „Wir konnten Frau Löwe wirklich immer anrufen – selbst bei Kleinigkeiten. Wenn sich die Haut der Kinder kalt anfühlte und wir Angst hatten, dass ihre Körpertemperatur zu niedrig ist; wenn sie auf einmal unerklärlichen Ausschlag bekamen oder viel weinten. Frau Löwe kam immer, so schnell es ging, vorbei.“ Mutter Nicole Heid erinnert sich: „Einmal bin ich sehr erschrocken, als der Inhalt von Lucas’ Windel dunkelgrün war. Frau Löwe hat mich beruhigt und mir erklärt, dass das mit den Eisentabletten zusammenhängen kann, die er bekommt.“ Nicht nur dieses medizinische Wissen, auch der emotionale Beistand durch den Bunten Kreis bedeutete Nicole und Thomas Heid sehr viel. „Frau Löwe war für uns mehr als nur eine fachliche Ansprechpartnerin für die Kinder“, berichtet Thomas Heid. „Sie hat immer auch gefragt, wie es uns Eltern geht, hat sich viel Zeit genommen und uns alle dadurch entspannt.“ Ingrun Löwe ergänzt: „Bei Frühgeburten erleben wir es oft, dass in der Nachsorge die ganzen schwierigen Erfahrungen und Ängste aus der Schwangerschaft und aus dem Krankenhaus wieder hochkommen. Das ist ja alles bis dahin noch gar nicht verarbeitet worden. Hier hören wir zu und vernetzen die Mütter und Väter gegebenenfalls mit Therapeuten.“

Neben Frühchen begleitet der Bunte Kreis auch schwer und chronisch kranke Kinder bis 14 Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen haben sie nach einem längeren Krankenhausaufenthalt Anspruch auf eine Nachsorge. Diese wird entweder noch in der Klinik veranlasst oder später von einem niedergelassenen Kinderarzt verschrieben. Die Krankenkassen tragen weitestgehend die Kosten. „Es gibt aber auch Nachsorgemaßnahmen, die die Kassen nicht übernehmen – solche Dinge sind dann spendenfinanziert“, erklärt Dagmar Kußberger, Fallmanagerin und Koordinatorin im Bunten Kreis. „Dazu zählt unter anderem Material, um die Eltern besser anleiten zu können, zum Beispiel eine therapeutische Puppe oder ein Tragetuch.“ Der Bunte Kreis hilft, unterschiedliche Akteure miteinander zu vernetzen und weitere Hilfen anzubahnen – etwa bei sozialrechtlichen Fragen und weiterführenden Therapien. „Wohnt eine Familie weiter weg, kümmern wir uns darum, dass sie stattdessen an eine andere wohnortnahe Nachsorge angebunden wird“, so Dagmar Kußberger.

Lucas und Emma geht es heute sehr gut – sie sind inzwischen anderthalb Jahre alt. „Wir hätten die Nachsorge gern länger als drei Monate in Anspruch genommen“, gesteht Nicole Heid. „Als uns Frau Löwe nicht mehr regelmäßig besucht hat, war das eine ganz schöne Umstellung für uns und wir mussten erst mal allein klarkommen. Mittlerweile haben wir aber mehr Routine. Bei Fragen rufen wir unseren Kinderarzt an, der wirklich sehr gut ist – oder die Oma.“

Spenden an den Bunten Kreis Erlangen:

Universitätsklinikum Erlangen

Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach

IBAN: DE84 7635 0000 0000 0464 04

BIC: BYLADEM1ERH

Verwendungszweck: 34012344 Bunter Kreis Erlangen

Weitere Informationen:

Dagmar Kußberger

Tel.: 09131 85-41172

formularium.kinder@uk-erlangen.de

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09.03.2021 Impfen in Arztpraxen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Wir sind an einem gewissen Wendepunkt angekommen, an dem das staatliche Impfstoff-Monopol nicht mehr weiter aufrechterhalten werden kann“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Ärztinnen und Ärzte sollten jetzt unkompliziert und unbürokratisch in die Impfungen gegen das SARS-CoV-2-Virus eingebunden werden. Wenn selbst der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) konstatiere, dass die Vorgaben der Bundesimpfverordnung, die grundsätzlich sinnvoll seien, großflächig durchbrochen würden, sei es an der Zeit, das strenge Priorisierungsschema lediglich als „Handlungsempfehlung“ für die Ärztinnen und Ärzte zu interpretieren. Ein Modellierungskonzept für die Nationale Impfstrategie sei zudem laut Gesundheitsministerkonferenz (GMK) in Planung.

Daher äußert Bayerns Ärztechef drei Kernbotschaften:

•    Geeigneter Impfstoff für die Praxen steht zur Verfügung, also können Ärzte mit der Impfung gegen das SARS-CoV-2-Virus starten.
•    Ärzte sollten selbst anhand dieser „Empfehlungen“ die Entscheidungen über die Priorisierung ihrer eigenen Patientinnen und Patienten treffen und die Dokumentation in Impfpass und Praxissoftware vornehmen.
•    Es sollte weder eine ausufernde Dokumentation noch eine Registrierung über das Online-Terminvereinbarungs-Portal BayIMCO nötig sein.

Quitterer will das Impfen der Patienten in den Arztpraxen, insbesondere in den Hausarztpraxen, ermöglichen. Praxen sollten keine „Außenstellen der Impfzentren“ darstellen, sondern unkompliziert ihre Patienten impfen.

Pressestelle      Bayerische Landesärztekammer

Dagmar Nedbal
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05.03.2021 Experten fordern neue Kennzahl zur Steuerung der Pandemie- Maßnahmen
Ärztlicher Pandemierat der Bundesärztekammer

Berlin, 05.03.2021 – Die Zahl neuer beatmungspflichtiger COVID-19-
Intensivpatienten sollte als zusätzlicher Faktor zur Steuerung der Pandemie-
Maßnahmen herangezogen werden. Das fordert eine Expertengruppe des
Ärztlichen Pandemierats der Bundesärztekammer (BÄK). Dieser Wert sei
aufgrund der Meldepflicht an das DIVI-Intensivregister ein sehr
zuverlässiger Parameter zur Beurteilung des Pandemiegeschehens, heißt es
in dem Positionspapier "Weiteres Vorgehen zum Umgang mit dem
epidemischen Geschehen - Empfehlungen aus ärztlicher Sicht". Nach dem
Thesenpapier zu Teststrategien und dem Schutzkonzept für Alten- und
Pflegeheime ist es das dritte Papier, dass das fächerübergreifend besetzte
Expertengremium nun vorlegt.

"Die aktuell verwendeten Parameter bergen zahlreiche Schwächen", kritisiert
Prof. Dr. Manfred Dietel, Leiter der Arbeitsgruppe und Mitglied im
Wissenschaftlichen Beirat der BÄK. Kennzahlen wie der Inzidenzwert oder
der R-Wert seien ein zu grobes Maß, um als Basis für politische
Entscheidungen mit erheblichen Konsequenzen für alle Bürger
herangezogen zu werden. So sage auch die Anzahl der Neuinfektionen
nichts über die Krankheitslast in der Bevölkerung aus. Problematisch sei
ebenso die erhebliche Dunkelziffer, die aufgrund der vielen
asymptomatischen Verläufe und je nach Zahl und Art der Tests, der
Teststrategie und der Fähigkeit zur Kontaktnachverfolgung stark variiere.

Aus Sicht des Expertengremiums stellt eine erweiterte Teststrategie in
Ergänzung zur Impfstrategie einen weiteren wichtigen Baustein in der
Pandemie-Bekämpfung dar. Der Einsatz von Schnelltests und Selbsttests
durch Laien solle weiter forciert werden. Dazu seien klare Verhaltensweisen
zu definieren. So sollten positive Ergebnisse unbedingt durch einen PCR-


Test, der weiterhin der Goldstandard sei, bestätigt werden. Anzustreben sei
auch, möglichst viele Ergebnisse im Sinne eines bevölkerungsbezogenen
Monitorings an eine zentrale Stelle zu melden, um eine bessere Übersicht
über das wirkliche Geschehen zu erhalten. Um die Entwicklung von SARS-
CoV-2-Mutationen besser zu überwachen, sei außerdem die anlassbezogene
Genomsequenzierung PCR-positiver Fälle von großer Bedeutung.

Zur Ausweitung der Impfkapazitäten und zur Erhöhung der Akzeptanz der
Impfung wird die Beteiligung von niedergelassenen Ärzten und
Betriebsärzte gefordert „Die von Bund und Ländern beschlossene
Einbindung muss jetzt schnellstmöglich umgesetzt werden“, so Dietel.

Eine Senkung der Infektionszahlen auf null halten die Experten in der
aktuellen Situation für nicht realistisch. "Wir werden lernen müssen, mit der
COVID-19-Erkrankung auch in den nächsten Jahren zu leben", schreiben sie
in ihrem Papier. Vor diesem Hintergrund plädieren sie dafür, einen
interdisziplinär besetzten nationalen Pandemierat zu gründen. Dieser könne
"Entscheidungen der Politik transparent und unabhängig vorbereiten und so
die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Anti-Corona-Maßnahmen
verbessern."

Das Papier "Weiteres Vorgehen zum Umgang mit dem epidemischen
Geschehen – Empfehlungen aus ärztlicher Sicht" der Arbeitsgruppe 5 des
Ärztlichen Pandemierats kann im Internet heruntergeladen werden unter:
https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-
Ordner/Corona/BAEKAErztlPandemieratAG5AusstiegsszenarioPositionspapier20210304final.pdf

Der Ärztliche Pandemierat der Bundesärztekammer ist ein
Zusammenschluss von Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher
Fachdisziplinen zum Austausch über die aktuelle pandemische Situation

und den sich daraus ergebenden Handlungsnotwendigkeiten. Der
Pandemierat setzt sich zusammen aus Vertretern der Bundesärztekammer,
des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer sowie
nachfolgenden Organisationen: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin
und Familienmedizin e.V. (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für
Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS),
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V. (DGG), Deutsche Gesellschaft für
Hygiene und Mikrobiologie e.V. (DGHM), Deutsche Gesellschaft für
Infektiologie e.V. (DGI), Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V.
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04.03.2021 Unsichtbare Entzündungen der Darmschleimhaut erklären Nahrungsmittelunverträglichkeiten
uni | mediendienst | forschung Nr. 18/2021

Erlanger Forscherteam untersucht neue diagnostische Verfahren, um Nahrungsmittelunverträglichkeiten besser feststellen zu können
 
Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Basisdiagnostik für Nahrungsmittelallergien – eine spezielle Form von Unverträglichkeiten – stellen weiterhin sogenannte Prick-Tests auf der Haut und laborchemische Untersuchungen von spezifischen Antikörpern im Blut dar. Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Kohlenhydraten können mithilfe von Atemtests diagnostiziert werden, und die Beschwerden bessern sich durch eine einfache Ernährungsumstellung. Viele Patienten mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben jedoch ein komplexeres Beschwerdebild mit vorwiegend gastrointestinalen, aber auch allgemeinen Beschwerden, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Oft bleibt bei diesen Patienten die oben beschriebene Diagnostik weitgehend ohne Ergebnis. Auch endoskopische Untersuchungen zeigen häufig eine unauffällige Darmschleimhautoberfläche. Diese Patienten haben meist einen langen Leidensweg hinter sich und ihr Speiseplan ist aufgrund von selbstauferlegten Diäten oft sehr eingeschränkt, was zu Mangelernährung und körperlicher Schwäche führen kann.
 
Eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Yurdagül Zopf von der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen untersuchte deshalb Darmgewebeproben von Patienten mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Dabei verglichen die Wissenschaftler die Ergebnisse derjenigen Patienten mit bekannten und nachgewiesenen Nahrungsmittelallergien mit den Darmgewebeproben von Patienten mit unklaren Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
 
Entzündung gibt Hinweis auf Unverträglichkeit
Die Forscher konnten zeigen, dass eine differenzierte Analyse von Darmgewebe – im Vergleich zu anderen Verfahren – die sensitivste und zuverlässigste Methode ist, um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit nachzuweisen. Gewebeassoziierte Immunglobuline E (IgE) – also spezielle Antikörper, die zum Abwehrsystem des Körpers gehören, und ein erhöhter Tumor-Nekrose-Faktor-α (TNF-α) – ein Signalstoff des Immunsystems, der an Entzündungsprozessen beteiligt ist, stehen im direkten Zusammenhang mit einer Nahrungsmittelallergie. Patienten mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit unklaren Ursprungs zeigen jedoch nur sehr geringe gewebeassoziierte IgE- und TNF-α-Werte, dafür aber ein sehr hohes Level an Interferon-f. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das bei Entzündungen gebildet wird.
 
„Das weist auf eine geringgradige Entzündung der Darmschleimhaut hin“, erklärt Prof. Zopf. „Wir konnten damit erstmals nachweisen, dass bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit unklaren Ursprungs eine entzündliche Reaktion der Darmschleimhaut vorliegt“, so die Ernährungsmedizinerin. „Wenn die Endoskopie des Darms unauffällig ist, der Patient aber Beschwerden hat, sollten die Darmgewebeproben deshalb weiter aufbereitet werden, um eine Entzündung abzuklären und damit eine Unverträglichkeit nachzuweisen.“
 
Diese spezielle Untersuchung wird im Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport in der Medizin 1 des Uni-Klinikums Erlangen im Rahmen von Studien durchgeführt. Die Erlanger Wissenschaftler um Prof. Zopf vermuten, dass eine Veränderung der Darmflora mitverantwortlich für die Entzündung der Schleimhaut sein könnte. Der Einfluss des Darmmikrobioms und die weitere Charakterisierung der Schleimhautentzündung sollen in Folgestudien untersucht werden.
 
Link zur Studie: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33600102/
 
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03.03.2021 Zwischen Hoffnung und Gefahr
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Der positive Trend der vergangenen Wochen setzt sich Ende Februar offenbar nicht mehr fort. Doch dank der verschiedenen zugelassenen Corona-Impfstoffe verfügen wir nun über die Mittel, SARS-CoV-2 mittelfristig in Schach zu halten“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Leitartikel der März-Ausgabe 2021 des Bayerischen Ärzteblatts. In der aktuellen Mangelsituation gehe es darum, mit allen zugelassenen Impfstoffen schwere Krankheitsverläufe zu verhindern bzw. eine Covid-19-Erkrankung zu vermeiden. Daher gelte: die Impfstoffe nicht schlechtreden, sondern insgesamt das Potenzial anerkennen, das in der Impfung stecke. Dies gebe Anlass zur Hoffnung auf eine Normalisierung des Lebens in der zweiten Jahreshälfte 2021.

Zu starke Lockerungen des Lockdowns sowie der Kontaktbeschränkungen könnten leicht wieder zu einem erheblichen Anstieg der Neuinfektionen führen und die Erfolge der ersten Monate des Jahres zunichtemachen. Vorsicht und das weitere Beachten der Hygiene- und Abstandsregeln seien die Gebote der Stunde. Gleichzeitig dürften auch die Kehrseiten des Lockdowns sowie der Kontaktbeschränkungen nicht aus dem Blickfeld geraten. Denn fehlende soziale Kontakte, Stress, Langeweile und vermeintliche Bewältigungsstrategien können auch zu ungesunden Verhaltensweisen führen. Die Gefahr bestehe, dass bei einigen Personen aus dem vermehrten Alkoholkonsum eine Gewohnheit werde, was ein höheres Risiko für eine Abhängigkeit nach sich ziehen könnte. Außerdem sei ein Anstieg des Tabakkonsums, von Übergewicht in Folge von Bewegungsmangel sowie von psychischen Auffälligkeiten zu beobachten. Gerade in der derzeitigen Situation sollten Ärztinnen und Ärzte der Prävention sowie den psychischen Problemen der Patienten besondere Aufmerksamkeit widmen.
Der Präsident plädiert auch für eine Überarbeitung der Impfpriorisierung. Es könne nicht abgewartet werden, bis alle Anspruchsberechtigten einer Gruppe durchgeimpft seien, ehe mit der nächsten begonnen werde. Dabei müsse die Ärzteschaft Teil der ersten Gruppe sein. Es bestehe ein hoher Bedarf an der Ressource Arzt. „Diese brauchen wir derzeit in Praxen und Kliniken zur Versorgung der Patienten mit Gesundheitsproblemen jenseits von COVID-19. Impfzentren auszubauen und dafür noch mehr Ärzte aus der Versorgung abzuziehen ist angesichts der Tatsache, dass die Hausärzte ihre eigenen Patienten jetzt in ihren Praxen impfen wollen und könnten, nicht nachvollziehbar“, so Quitterer abschließend.

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23.02.2021Erweiterte Gesundheitskompetenz dank Künstlicher Intelligenz
uni | mediendienst | forschung Nr. 16/2021

FAU leitet Verbundprojekt über gesundheitsfördernde Interaktion von Mensch und Künstlicher Intelligenz
Wie muss ein intelligentes Assistenzsystem gestaltet sein, damit möglichst viele Menschen es für die alltägliche Verbesserung ihrer Gesundheit nutzen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Verbundprojekts „Erweiterte Gesundheitsintelligenz für persönliche Verhaltensstrategien im Alltag“ (Eghi), das jetzt unter Leitung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gestartet ist. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt im Rahmen des Förderschwerpunkts „Adaptive Technologien für die Gesellschaft – Intelligentes Zusammenwirken von Mensch und Künstlicher Intelligenz“ mit rund 1,8 Millionen Euro für eine Laufzeit von drei Jahren.
„Obwohl das Interesse und Engagement für die eigene Gesundheit in der Bevölkerung insgesamt steigt, ist es für die Einzelnen oft schwer, entsprechende Maßnahmen im Alltag umzusetzen“, beschreibt der Koordinator des Verbundprojekts Prof. Dr. Oliver Amft. Er ist Lehrstuhlinhaber für Digital Health an der FAU und betont: „Bestehende Angebote werden oft nur von Personen genutzt, die ohnehin ein gutes Gesundheitsverhalten zeigen. Bei dieser Gruppe sind sogenannte Wearables wie Fitness-Armbänder und Smartwatches schon sehr beliebt.“
Lernendes Assistenzsystem
In dem neuen Projekt will die FAU – zusammen mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, der Universität Duisburg-Essen, BODYMED und der Interactive Wear AG – ein lernendes Assistenzsystem entwickeln, das auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert und Menschen bei einem gesunden Alltagsverhalten unterstützt. „Wir setzen auf personalisierte, situative Verhaltensempfehlungen, die einen direkten Bezug zu relevanten Erlebnissen der Menschen haben und leicht umzusetzen sind“, erklärt Professor Amft. „Ganz egal ob es um die individuelle Reduktion von Gesundheitsrisiken geht oder um mehr Bewegung im Alltag allgemein.“
Als Beispiel skizziert der Forscher folgendes Szenario: „Eine Nutzerin fährt mit der Straßenbahn zu einem Termin. Das intelligente Assistenzsystem Eghi merkt während der Fahrt, dass das Wetter schön ist und noch ausreichend Zeit bis zum Termin verbleibt. Es hat auch häufiger beobachtet, dass die Nutzerin bei schönem Wetter einen Spaziergang macht. Also fragt Eghi die Nutzerin, ob sie eine Station früher aussteigen und laufen möchte, um ein wenig in Bewegung zu bekommen.“ Während eine solche Empfehlung in dieser Situation für einen Menschen ganz selbstverständlich ist, muss eine Künstliche Intelligenz das erst modellieren. „Das ist ein anspruchsvolles Problem, das wir in diesem Projekt angehen wollen“, sagt der Projektkoordinator. „Die Verfahren, um personalisierte, situative Interaktion und Handlungsanstöße zu erzeugen, existieren heute noch nicht.“ Darüber hinaus fehlen bisher auch KI-Methoden, die Nutzerinnen und Nutzer aktiv und verständlich in Entscheidungsprozesse einbinden und – als erweiterte Intelligenz – die Ausbildung von persönlichen Verhaltensstrategien unterstützen.
Multidisziplinärer Forschungsansatz
Ziel des Eghi-Projekts ist es, das Konzept der erweiterten Intelligenz auf die Unterstützung von gesundem Alltagsverhalten zu übertragen und insbesondere die Ausbildung von persönlichen Verhaltensstrategien zu unterstützen. Dafür setzt das Projektteam auf einen multidisziplinären Forschungsansatz und verknüpft Methoden der Künstlichen Intelligenz mit Methoden der Verhaltensmodellierung und Konzepten zur Mensch-Technik-Interaktion. Im ersten Schritt schaffen die Forschenden durch die sensorgestützte Beobachtung der Aktivitäten der Nutzerinnen und Nutzer und ihrer Verhaltensmuster eine Art gemeinsamen Erfahrungsschatz und eine gemeinsame Kommunikationsebene zwischen Mensch und KI. Danach verdichten sie mit Hilfe von KI die Nutzerdaten so, dass personalisierte Handlungsempfehlungen abgeleitet und ausgesprochen werden können. „Weil diese Empfehlungen einen Bezug zu relevanten Erlebnissen haben, sind sie für den Menschen leicht umsetzbar und verständlich“, ist sich der Projektleiter sicher. In einer eingespielten Mensch-KI-Beziehung kann eine kurze Vibration des Smartphones oder ein optisches Symbol auf einem Armband zum Beispiel an die Vorbereitung eines gesunden Abendessens erinnern. „Die Hinweise sollen den Menschen neue Möglichkeiten eröffnen, um gesundheitsbewusst zu handeln. Wir entwickeln eine intelligente Assistenz für gesunde Ernährung, Bewegung im Alltag oder Unterstützung im Alter – keine Kontrolle“, betont Prof. Dr. Oliver Amft.
Zum Projekt Eghi: https://www.eghi-projekt.de/
Link zum Lehrstuhl: https://www.cdh.med.fau.de
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Oliver Amft
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18.02.2021 Was beeinflusst den Krankheitsverlauf von Covid-19?
uni | mediendienst | forschung Nr. 14/2021

Neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zu SARS-Cov-2

Manche Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, merken kaum etwas davon. Andere wiederum erkranken schwer und müssen stationär behandelt werden. Als einen wichtigen Frühindikator dafür, ob die Virusinfektion mild oder schwer verlaufen wird, hat die Arbeitsgruppe „Cellular immunity in inflammation and cancer“ am Universitätsklinikum Erlangen den Immunbotenstoff Interleukin-3 identifiziert. Die Ergebnisse der Untersuchung erscheinen in der Zeitschrift „Nature Communications“*.

Die Forschenden um PD Dr. med. Georg Weber, stellvertretender Klinikdirektor und Leitender Oberarzt an der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen, und Dr. Alan Bénard, Mitarbeiter an der Chirurgischen Klinik, beschäftigen sich auf zellulärer Ebene mit immunologischen Mechanismen bei entzündlichen und bösartigen Erkrankungen. Nun haben sie in einer Studie nachgewiesen, dass ein niedriger Interleukin-3-Spiegel im Blutplasma häufig mit einem schweren Covid-19-Krankheitsverlauf einhergeht.

Das Zytokin Interleukin-3 spielt für die Organisation der Immunantwort des Körpers nämlich eine große Rolle. Es regt am Ort des Geschehens einer Entzündung – zum Beispiel einer Lungenentzündung ausgelöst durch SARS-Cov-2 – die dortigen Zellen dazu an, das Protein CXCL12 zu bilden. „Dieses Protein kommuniziert mit den plasmazytoiden dendritischen Zellen – unspezifischen Immunzellen, die normalerweise in der Blutbahn zirkulieren. CXCL12 ‚lockt‘ sie gewissermaßen in die entzündete Lunge, wo sie die Vermehrung der auslösenden Viren eindämmen“, erklärt Dr. Weber.

Exaktere Evaluation des Risikos

Dafür, ob für eine Person, die sich mit dem Coronavirus infiziert hat, das Risiko eines schweren Verlaufs besteht, liefert der Interleukin-3-Spiegel also einen wichtigen Anhaltspunkt. Bisher konnte man diese Einschätzung nur an weitaus gröberen Kriterien festmachen – etwa am Alter oder bestimmten Vorerkrankungen. „Es können aber auch Menschen, die keinerlei Risikogruppe angehören, wenig Interleukin-3 im Blut haben. Bei diesen kam bislang ein schwerer Verlauf eher überraschend und eine adäquate medizinische Versorgung möglicherweise zu spät“, gibt Dr. Weber zu bedenken.

 Nun könnten auf Grundlage der Studienergebnisse zu einem früheren Zeitpunkt wichtige Entscheidungen über die Behandlung von Covid-19-Patienten getroffen werden. Perspektivisch sei auch denkbar, eine Immuntherapie zu entwickeln, bei der Interleukin-3 in Form eines Inhalats zum Einsatz komme, um zielgenau die Lunge vor dem Befall durch Viren zu schützen.

 *Doi: https://www.nature.com/articles/s41467-021-21310-4

Website: https://www.chirurgie.uk-erlangen.de/en/research-teaching/cellular-immunity-in-inflammation-and-cancer/

 Weitere Informationen:

PD Dr. Georg Weber

Chirurgische Klinik des Universitätsklinikums Erlangen

Tel. 09131/85-33296

E-Mail: georg.weber@uk-erlangen.de

 Dr. Alan Bénard

Chirurgische Klinik des Universitätsklinikums Erlangen

Tel. 09131/85-42055

E-Mail: alan.benard@uk-erlangen.de

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18.02.2021 Aus dem Takt
uni | mediendienst | forschung Nr. 13/2021

Von FAU-Team entwickeltes Radar misst Herzratenvariabilität

Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Vitalfunktionen per Radar zuverlässig detektiert und diagnostiziert werden können. In einer neuen Studie* zeigen die Forschenden nun, dass das Radar auch die Herzratenvariabilität (HRV) zuverlässig messen kann. Das Radar könnte zukünftig durch Langzeitbeobachtungen der HRV pathologische Veränderungen frühzeitig erkennen und so schweren Krankheitsverläufen vorbeugen.

Das menschliche Herz schlägt nicht gleichmäßig wie ein Metronom, sondern variiert je nach Gefühlslage der zugehörigen Person: Stress, Schmerzen und Depressionen können die Herzratenvariabilität (HRV) verändern. Aber auch chronische Krankheiten wie Diabetes und Herzerkrankungen wirken sich auf die HRV aus. Um die HRV mit dem Radar zu erfassen, hat das Team  der FAU und der Technischen Universität Hamburg die Radartechnik mit Methoden des maschinellen Lernens kombiniert. Im Rahmen eines klinischen Experiments am Universitätsklinikum Erlangen konnte das Team die Zuverlässigkeit des Verfahrens bestätigen. Beim sogenannten Eiswasser-Test halten die Testpersonen ihre Hand für eine bestimmte Zeit in Eiswasser, so dass eine Schmerzreaktion ausgelöst wird, die zu einer abrupten Änderung der HRV führt. Diese Änderung zeichnete das Team sowohl mit dem Radar als auch mit einem EKG als Referenz auf. Beim Vergleich zeigte sich eine sehr hohe Übereinstimmung zwischen den Methoden. Neben dem potenziellen Einsatz zur Beobachtung von Patientinnen und Patienten im Krankenhaus, etwa um eine Sepsis oder einen plötzlichen Herzstillstand frühzeitig erkennen zu können, könnte das Verfahren auch im heimischen Bereich eingesetzt werden, um eine Langzeitbeobachtung der HRV durchzuführen.

 *https://www.nature.com/articles/s41598-021-81101-1     

 Weitere Informationen:

Technischer Ansprechpartner: Kilin Shi, Lehrstuhl für Technische Elektronik, kilin.shi@fau.de 

Medizinischer Ansprechpartner: Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Professur für Palliativmedizin, christoph.ostgathe@fau.de 

Zwei Proteine sind mitverantwortlich für Parkinson

FAU-Forschende untersuchen Protein-Struktur und deren Einfluss auf die Krankheit

 Zwei Proteine sind maßgeblich an der Entstehung der Parkinson-Krankheit beteiligt. Welche Struktur sie haben, wie sie miteinander interagieren und welchen Einfluss sie auf die Krankheit haben, untersuchen Prof. Dr. Friederike Zunke und PD Dr. Philipp Arnold von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Das Forschungsprojekt* wird von der Michael J. Fox Foundation for Parkinson's Research (MJFF) mit 149.500 US-Dollar für ein Jahr gefördert.

Parkinson ist eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems und gilt bislang als unheilbar. Aktuell leiden mehr als 300.000 Deutsche an Parkinson, die Ursache der Erkrankung ist bei vielen Patientinnen und Patienten unbekannt. Allerdings können bestimmte Risikogene mit einer Parkinsonerkrankung verknüpft werden. Von zwei dieser Risikogene untersucht Prof. Dr. Friederike Zunke, Juniorprofessorin für translationale Neurowissenschaften an der FAU, zusammen mit PD Dr. Philipp Arnold vom Institut für Anatomie der FAU die Proteinstruktur.

 Zwei Proteine – Beta-Gluccocerebrosidase (GCase) und LIMP-2 – arbeiten in der Zelle zusammen: Sie treffen sich, gehen eine Verbindung ein und wandern zum Lysosom, das sich um die Entfernung von Zellabfällen kümmert. Ein teilweiser Ausfall von GCase ist bei rund fünf bis 15 Prozent der Parkinson-Erkrankten für den Ausbruch der Krankheit mitverantwortlich. Wie die beiden Proteine interagieren, will das Forschungsteam bestimmen, indem es den Komplex der beiden Proteine künstlich herstellt. Die Ergebnisse können möglicherweise pharmakologisch genutzt werden.

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Friederike Zunke, Tel.: 09131/85-34492, friederike.zunke@fau.de

PD Dr. Philipp Arnold, Institut für Anatomie, Tel.: 09131/85-22830, philipp.arnold@fau.de

https://www.michaeljfox.org/grant/limp-2-scaffolding-protein-characterize-pd-associated-gcase-variants  

 

18.02.2021 Sprachmuster in Zeiten der Corona-Pandemie
uni | mediendienst | forschung Nr. 13/2021

Sprachmuster in Zeiten der Corona-Pandemie

FAU-Forscher analysieren Sprache bei Verschwörungstheorien und Rechtspopulismus

 Welche Sprachmuster häufen sich in Verschwörungstheorien über Corona? Das untersuchen zwei Sprachwissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Ihr Projekt „Tracking the infodemic: Conspiracy theories in the corona crisis“ wird von der Volkswagen Stiftung im Rahmen der Initiative „Corona Crisis and Beyond“ für eineinhalb Jahre mit 120.000 Euro gefördert.

Die anhaltende Corona-Pandemie führt bei vielen Menschen zu großer Unsicherheit und ist ein fruchtbarer Boden für die Verbreitung von Fehlinformationen und Verschwörungstheorien. Viele dieser Erzählungen sind zwar absurd und widersprüchlich, finden aber immer mehr Anhängerinnen und Anhänger. Prof. Dr. Fabian Schäfer, Inhaber des Lehrstuhls für Japanologie, und Prof. Dr. Stefan Evert, Inhaber des Lehrstuhls für Korpus- und Computerlinguistik, untersuchen nun, welche Sprachmuster bei Corona-Lügen verwendet werden und was diese mit rechtspopulistischer Sprache verbindet. Dafür setzen die beiden FAU-Sprachwissenschaftler auf innovative korpuslinguistische Methoden. Sie verwenden also authentische Sprachdaten der Verschwörungstheoretiker/-innen, analysieren deren Äußerungen und vergleichen sie mit der von Rechtspopulist/-innen verwendeten Sprache – vor allem in Sozialen Medien wie Twitter. Ziel der beiden Forscher ist es, die Methoden so zu operationalisieren und zu automatisieren, dass in Zukunft Hinweise auf Verschwörungstheorien bereits im Ansatz erkannt werden können.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Fabian Schäfer, Tel.: 09131/85-29145, fabian.schaefer@fau.de

Prof. Dr. Stefan Evert, Tel.: 09131/85-22426, stefan.evert@fau.de

 

Wie Sprache, Visualisierungen und Konzepte Corona erklären

FAU-Institut untersucht Wandel der Wissenschaftskommunikation im Lauf der Pandemie

Wie wurden wissenschaftliche Erkenntnisse über Corona vermittelt und wie änderte sich dies im Zeitverlauf? Das erforscht das Zentralinstitut für Wissenschaftsreflexion und Schlüsselqualifikationen (ZiWiS) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) im Projekt „Language, Visualizations and Concepts – On the Evolution of the Corona Discourse“ (LaViCo). Die VolkswagenStiftung fördert das Vorhaben im Rahmen der Initiative „Corona Crisis and Beyond“ eineinhalb Jahre lang mit 120.000 Euro.

War das Wissen über das neue Virus zu Beginn der Pandemie noch auf eine kleine Gruppe von Expertinnen und Experten beschränkt, können heute fast alle mitreden. Aber wie erfolgte diese Wissensvermittlung, wie hat sie sich im Pandemieverlauf verändert und welches Wissen setzte sich schließlich warum durch? Die Linguistin Dr. Katrin Götz-Votteler, die Kunsthistorikerin Dr. Simone Hespers und der Philosoph Dr. Sebastian Schuol analysieren gemeinsam die Veränderung von Sprache, Visualisierungen und Konzepten im Lauf der Pandemie. Die Ergebnisse dieses interdisziplinären Forschungsprojekts sollen eine Grundlage für die Wissenschaftskommunikation zu ähnlichen Themen in der Zukunft bilden.

 Ausführliche Informationen zu LaViCo und dem wissenschaftlichen Ansatz: https://www.ziwis.fau.de/forschung/forschungsprojekte/lavico/ 

 Weitere Informationen:

Dr. Sebastian Schuol, Tel.: 09131/85-22503, sebastian.schuol@fau.de

18.02.2021 Ärztliche Verbände und Organisationen: Alle zugelassenen Impfstoffe wirksam und deshalb nutzen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die in der Impfverordnung vorgesehene Priorisierung hat das Ziel, möglichst rasch diejenigen vor schwerer Covid-19-Erkrankung zu schützen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer beruflichen Tätigkeit in der Altenpflege und in Krankenhäusern besonders gefährdet sind. Wir unterstützen diese Strategie, weil dadurch die hohe Anzahl schwerer Krankheitsverläufe und Sterbefälle schneller gesenkt werden kann und gleichzeitig medizinischem und pflegerischem Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und Rettungsdiensten frühzeitig eine Impfung gegen SARS-CoV-2 ermöglicht werden kann.

In der aktuellen Mangelsituation geht es darum, mit den verfügbaren Impfstoffdosen möglichst viel gesundheitlichen Schaden durch die COVID-19-Pandemie abzuwenden, Erkrankungen zu vermeiden und Übertragungen von SARS-CoV-2 zu vermindern, soweit die verfügbaren Impfstoffe eine Unterbrechung oder Reduktion von Transmissionen wirksam leisten können.

Für jeden COVID-19-Impfstoff, für den eine Zulassung erteilt wird, müssen Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit in klinischen Prüfungen nachgewiesen und ein günstiges Nutzen/Risiko-Profil bescheinigt werden. Die derzeit in Deutschland verfügbaren Impfstoffe von Astrazeneca, Biontech/Pfizer und Moderna haben diese Prüfung durchlaufen und werden für die bislang in Deutschland dominierenden Virusvarianten als geeignet zum Individualschutz und zur Bekämpfung der Pandemie angesehen. Sie helfen, schwere Krankheitsverläufe und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

Wir werben deshalb mit Nachdruck dafür, dass alle prioritär impfberechtigten Beschäftigten in der ambulanten und stationären Versorgung jetzt die Chance der Impfung gegen SARS-CoV-2 ergreifen. Jede Impfung ist auch ein Beitrag zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit des Gesundheitswesens, das gerade in den vergangenen Wochen durch COVID-19 besonders belastet war.

 Angesichts der Zunahme von Virusmutanten auch in Deutschland drängt die Zeit, so dass alle Impfstoffe, die die Prüfung durch die europäische Zulassungsbehörde bestanden haben, zügig entsprechend der vorliegenden Priorisierung verimpft werden sollten.

Wer nicht geimpft ist, hat ein deutlich höheres Risiko, an COVID-19 zu erkranken. Wer sich impfen lässt, kann sich bestmöglich davor schützen und gleichzeitig einen Beitrag zum Aufbau einer Grundimmunisierung in der Bevölkerung leisten.

17.02.21 Experten fordern mehr Fachpersonal zum Schutz vulnerabler Gruppen
Ärztlicher Pandemierat der Bundesärztekammer

Berlin, 17.02.2021 – Wie können alte und pflegebedürftige Menschen
besser vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt werden?
Diese Frage beantwortet eine Expertengruppe des Ärztlichen
Pandemierats der Bundesärztekammer in einem aktuellen
Positionspapier. Nach den Thesen zum verantwortungsvollen Umgang
mit Corona-Schnelltests vom Dezember vergangenen Jahres ist es das
zweite Papier, dass das fächerübergreifend besetzte Expertengremium
nun vorlegt.
„Bewohner in Senioren- und Pflegeheimen tragen ein besonderes hohes
Risiko, schwer an einer Corona-Infektion zu erkranken oder sogar daran
zu sterben. Es ist eine zentrale Aufgabe des Krisenmanagements in der
Pandemie, diese Menschen besser zu schützen“, sagt Dr. Klaus
Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, anlässlich der
Vorstellung des Positionspapiers. Heime müssten noch stärker als
bisher bei der Umsetzung von Hygieneplänen unterstützt werden. „Wir
brauchen pragmatische Lösungen, um schnell und unbürokratisch
zusätzliche Mitarbeiter zur Infektionsprävention und zur Kompensation
von infizierten und erkrankten Mitarbeitern zu qualifizieren“, so
Reinhardt. Der Schutz vulnerabler Gruppen sei Grundvoraussetzung für
die Lockerung der Corona-Maßnahmen und die schrittweise Rückkehr
zur gesellschaftlichen Normalität.

„Die Corona-Pandemie hat deutlich aufgezeigt, welche strukturellen
Defizite während der Pandemie bei einem relevanten Teil der Heime
vorlagen“, betont Prof. Dr. Jürgen Bauer, Mitautor des Positionspapiers
und Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie. Eine
Pandemie sei nicht aus der Versorgungsroutine heraus zu bewältigen.

„Wir werden in bessere Strukturen investieren müssen, wenn wir
zukünftig besser vorbereitet sein wollen“, so Bauer.


Die Expertengruppe des Pandemierats weist in diesem Zusammenhang
auf den schon lange bekannten Fachkräftemangel in den Heimen hin.
Es sei nun geboten, „eine bedarfsgerechte qualitative und quantitative
Personalausstattung der Pflegeeinrichtungen zu definieren, die am
tatsächlichen Versorgungsbedarf der Bewohner orientiert ist“, fordern
die Experten. Um die Attraktivität des Pflegeberufs zu steigern, reiche
eine höhere Vergütung allein nicht aus. Notwendig seien auch bessere
Arbeitsbedingungen, Ausbildungsanreize und
Personalentwicklungskonzepte.

Zudem weist der Rat auf die Bedeutung einer adäquaten Information
und Kommunikation zur Vorbeugung von Infektionen hin. Es bedürfe
hochwertiger Beratungen und Schulungen durch erfahrenes
Hygienefachpersonal vor Ort. Notwendig seien zudem Informations-
materialien, die die Heterogenität der Mitarbeiter bezüglich ihrer
Vorkenntnisse und ihrer Sprachniveaus berücksichtigen, heißt es in dem
Positionspapier. Darüber sollten die Alten- und Pflegeheime bei der
Entwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten von
interdisziplinären und interprofessionellen Teams fachlich beraten
werden.

Das Papier „Schutzkonzept für Alten- und Pflegeheime: Lessons
Learned“ der Arbeitsgruppe II des Ärztlichen Pandemierats kann im
Internet unter www.baek.de/pandemierat-schutzkonzept
heruntergeladen werden.

Mit der Frage effizienter und nachhaltiger Testkonzepte in Wohn- und
Pflegeeinrichtungen für Senioren wird sich auch die Arbeitsgruppe
Teststrategie des Ärztlichen Pandemierats befassen.

Der Ärztliche Pandemierat der Bundesärztekammer ist ein
Zusammenschluss von Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher
Fachdisziplinen zum Austausch über die aktuelle pandemische
Situation und den sich daraus ergebenden Handlungsnotwendigkeiten.
Der Pandemierat setzt sich zusammen aus Vertretern der
Bundesärztekammer, des Wissenschaftlichen Beirats der
Bundesärztekammer sowie nachfolgenden Organisationen: Deutsche
Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM),
Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und
Epidemiologie e.V. (GMDS), Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V.
(DGG), Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e.V.
(DGHM), Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI), Deutsche
Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), Deutsche Gesellschaft für
Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Deutsche
Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin e.V.
(DGINA), Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und
Notfallmedizin e.V. (DIVI), Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie
und lntensivmedizin e.V. (DGAI), Akkreditierte Labore in der Medizin
e.V. (ALM), Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und
Laboratoriumsmedizin e. V. (DGKL), Deutsche Gesellschaft für
Neurologie e.V. (DGN), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und
Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN),
Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin e.V. (DGKJ),
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP), Deutsche
Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft für
Pharmakologie e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin e.V. (DGP), Gesellschaft für Virologie e.V. (GfV),
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale
Gesundheit (DTG) e.V., Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Bundesverband der
Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V.,
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15.02.2021 Mehr Sicherheit bei der Medikation von Kindern
uni | mediendienst | aktuell Nr. 14/2021

Neue evidenzbasierte Datenbank unter Erlanger Federführung unterstützt Ärzte und Apothekerinnen – Informationen jetzt online

Nur ein kleiner Teil der Arzneimittelpräparate in Deutschland ist speziell für Kinder und Jugendliche zugelassen. Oft fehlen Angaben zur genauen Dosierung und zu kindgerechten Darreichungsformen. Dieser Umstand zwingt Ärzte regelmäßig zum sogenannten Off-Label-Use, also zur Verschreibung eines Medikaments ohne die für diesen Zweck explizite Zulassung durch die Arzneimittelbehörden. „Das ist kein Idealzustand – keine Frage. Kein Arzt und kein Apotheker macht so etwas gerne oder leichtfertig“, bestätigt Prof. Dr. Antje Neubert, Apothekerin und Wissenschaftlerin in der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen. „Um allen Beteiligten mehr Sicherheit zu bieten, haben wir eine evidenzbasierte Datenbank entwickelt. Darauf können deutschlandweit Ärzte, Apotheker, Therapeuten und Pflegefachkräfte kostenlos zugreifen und nachlesen, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es zur Verordnung der gelisteten Medikamente bei Kindern und Jugendlichen gibt.“ Das Projekt „Kinderformularium.DE“ wird von Prof. Neubert gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher, ehemaliger Direktor der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen, geleitet und vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

 „Vereinfacht gesagt, können wir eine Tablette für ein Kind nicht einfach halbieren – die Sache ist komplizierter“, erläutert Prof. Neubert. „Die Gabe eines Medikaments ist von zahlreichen Faktoren abhängig, beispielsweise vom Körpergewicht oder vom Entwicklungsstatus.“ Viele Arzneimittel sind nur für Erwachsene zugelassen, da es keine ausreichende Studienlage für die Verabreichung bei Kindern und Jugendlichen gibt. „Das muss aber nicht bedeuten, dass ein Medikament für Heranwachsende gefährlich ist“, betont Antje Neubert. „Wir können das Nutzen-Risiko-Verhältnis in sehr vielen Fällen mithilfe von wissenschaftlicher Literatur beurteilen.“ Auf dieser Grundlage bewerten Experten die wissenschaftliche Basis für Empfehlungen, ob und in welcher Dosierung das Arzneimittel Kindern und Jugendlichen gegeben werden kann. „Diese aufwendige Abwägung kann natürlich nicht jeder niedergelassene Kinderarzt im Praxisalltag selbst übernehmen“, ergänzt die Naturwissenschaftlerin. „Deswegen haben wir das Kinderformularium entwickelt. Dort erhalten unsere Kollegen mit einem Klick Dosierungsempfehlungen sowie weitere Pädiatrie-spezifische Arzneimittelinformationen. So ist ein sachgerechter und ungefährlicher Off-Label-Use möglich.“ Ziele der Erlanger Experten sind zum einen die bessere und sicherere Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Arzneimitteln. Zum anderen wollen sie die entsprechenden Informationen für Ärzte und Apotheker in Deutschland einfach und kostenfrei zugänglich machen.

Initiative aus Erlangen

Prof. Neubert, die auch die Zentrale für klinische Studien in der Pädiatrie in der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen leitet, und ihr Team arbeiten schon seit vielen Jahren intensiv zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei Kindern und Jugendlichen. Mit ihrer Idee wandten sie sich an das Bundesministerium für Gesundheit, das sie im Rahmen des Aktionsplans Arzneimitteltherapiesicherheit förderte. „Wir mussten das Rad glücklicherweise nicht ganz neu erfinden“, erläutert Prof. Neubert. „Um ein nachhaltiges Arzneimittelinformationssystem für Kinder und Jugendliche zu etablieren und vorhandene Kenntnisse zu nutzen, haben wir einen Lizenzvertrag mit dem niederländischen Kinderformularium geschlossen.“ Das NKFK – Nederlands Kenniscentrum Farmacotherapie bij Kinderen bot sich als Projektpartner an, da sich das Zentrum auf nationaler Ebene bereits etabliert hat und seine Dosierungsempfehlungen größtenteils auf systematischen Recherchen der Primärliteratur, den sogenannten Nutzen-Risiko-Analysen, basieren. „Damit war das niederländische Kinderformularium für uns der ideale Ausgangspunkt, um das Kinderformularium.DE zu entwickeln“, sagt Antje Neubert.

Ausführliche und sorgfältig geprüfte Informationen

Die bestehenden Inhalte wurden von den Erlanger Experten für Kinderarzneimittel sorgfältig geprüft, durch eigene Recherchen erweitert und auf Deutschland angepasst. Darüber hinaus haben sie Informationen zum Zulassungsstatus, zu kinderspezifischen Nebenwirkungen, zu Kontraindikationen sowie Warnhinweise ergänzt. Anschließend wurde die Datenbank bundesweit im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie geprüft. Unter dem Dach des Projekts „KiDSafe“, das durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert wird, durften Kollegen in zwölf Kliniken und über 150 Arztpraxen das deutsche Kinderformularium exklusiv nutzen und kritisch unter die Lupe nehmen. „Mit Kinderformularium.DE ist es uns gelungen, ein umfangreiches Arzneimittelinformationssystem zur evidenzbasierten Anwendung von Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen online sowie kostenlos zur Verfügung zu stellen“, freut sich Prof. Neubert. „Es ist gleichzeitig ein wichtiger Schritt in Richtung eines international harmonisierten Werkes.“

 Website Kinderformularium.DE: www.kinderformularium.de

 Publikation über die Entwicklung und Evaluation der Datenbank: https://www.mdpi.com/2226-4787/9/1/8

 Weitere Informationen:

 Prof. Dr. Antje Neubert

Tel.: 09131 85-36874

formularium.kinder@uk-erlangen.de

 

12.02.2021 Höhere Priorität für Krebspatienten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 13/2021

Neue Coronavirus-Impfverordnung ermöglicht Menschen mit Krebserkrankung frühere COVID-19-Schutzimpfung

Die Angst vor der Ansteckung ist weiterhin groß: Niemand weiß, ob eine Infektion mit SARS-CoV-2 im eigenen Körper nur leichte Symptome verursacht oder fulminant verläuft und bis auf die Intensivstation, wenn nicht sogar bis zum Tod führt. Vor allem Menschen, die bereits unter einer anderen Erkrankung leiden, fürchten das Coronavirus und würden sich größtenteils gerne so schnell wie möglich impfen lassen. „Krebspatientinnen und Krebspatienten haben – insbesondere unter medikamentöser Therapie – ein deutlich höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf als ihre gesunden Mitmenschen“, erläutert Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Direktor des Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN am Universitätsklinikum Erlangen. „Leider standen sie bisher auf der Prioritätenliste nicht weit genug oben. Glücklicherweise hat sich das nun geändert.“ Am 8. Februar 2021 veröffentlichte das Bundesministerium für Gesundheit nämlich eine aktualisierte Fassung der „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2“, die sogenannte Coronavirus-Impfverordnung. Eine der Änderungen: Personen mit Krebserkrankungen wurden jetzt eine Stufe höher eingruppiert und sollen ab sofort „mit hoher Priorität“ geimpft werden.

 „Ich begrüße es sehr, dass Menschen mit Krebserkrankungen nun schneller Anspruch auf eine COVID-19-Schutzimpfung haben“, betont Prof. Beckmann. „Wir stehen mit unseren Patientinnen und Patienten in engem Kontakt und wissen, wie groß deren Sorgen sind. Mussten sie bisher ‚nur‘ ihre Krebserkrankung bewältigen, kommt nun zur Zeit der Pandemie auch noch die Angst vor dem Coronavirus hinzu. Die Betroffenen wissen, dass eine Ansteckung für sie lebensgefährlich sein kann. Der Anspruch auf baldige Impfung ist für diese Menschen entscheidend und reduziert ihre Sorgen!“

 Unter § 3 der Corona-Impfverordnung sind alle Personengruppe gelistet, die „mit hoher Priorität Anspruch auf Schutzimpfung“ haben. Hier stehen seit dem 08.02.2021 nun auch „Personen mit malignen hämatologischen Erkrankungen oder behandlungsbedürftigen soliden Tumorerkrankungen, die nicht in Remission sind oder deren Remissionsdauer weniger als fünf Jahre beträgt“ – also Menschen mit bösartigen Krebserkrankungen oder soliden Tumoren, die akut behandelt werden oder deren Erkrankung noch nicht länger als fünf Jahre zurückliegt. Ehemalige Krebspatienten, die seit mehr als fünf Jahren beschwerdefrei sind, haben laut § 4 der Corona-Impfverordnung „mit erhöhter Priorität Anspruch auf Schutzimpfung“.

 Sofort zur COVID-19-Schutzimpfung anmelden

Falls noch nicht geschehen, empfiehlt Prof. Beckmann allen Menschen mit Krebserkrankungen, sich möglichst zeitnah zur COVID-19-Schutzimpfung anzumelden und explizit auf ihre Krebserkrankung hinzuweisen. Dies ist beispielsweise über die Website des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege sowie das beigefügte Formular möglich.

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Matthias W. Beckmann

Tel.: 09131 85-47029

ccc-direktion@uk-erlangen.de

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 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Presse und Kommunikation

Schlossplatz 4

11.02.2021 Drei Millionen Euro für Bayerns Ultrafeinstaub-Forschung
uni | mediendienst | forschung Nr. 11/2021

FAU leitet den neuen bayerischen Projektverbund

Bayern startet neue Forschungsprojekte zu Ultrafeinstaub. Ein Projektverbund unter Leitung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht dabei Eigenschaften und die Wirkung von ultrafeinen Partikeln. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber hat zusammen mit Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU, und dem Leiter des Projektverbunds Prof. Dr. Hans Drexler in Erlangen den Startschuss zu dem Projektverbund gegeben. Mit rund drei Millionen Euro unterstützt das Bayerische Umweltministerium den Projektverbund in den kommenden drei Jahren.

„Ultrafeine Partikel sind ein wissenschaftlich junges Forschungsfeld. Bayern ist Vorreiter und treibt die Forschung zum Ultrafeinstaub weiter voran. Wir wollen wissen, wie viel ultrafeine Partikel tatsächlich in der Luft enthalten sind und wie sie wirken. Gesunde Luft ist eines der wichtigsten Themen. Mit dem neuen Projektverbund stärken wir die Wirkungsforschung zu ultrafeinen Partikeln in Bayern massiv und bauen die Kompetenzen an bayerischen Hochschulen deutlich aus. Die bayerische Ultrafeinstaub-Strategie steht damit auf einem starken Fundament“, erklärt Thorsten Glauber. Im Rahmen des Projektverbunds arbeitet das Umweltministerium Hand in Hand mit der Wissenschaft an ehrgeizigen Forschungsvorhaben für eine gute Luftqualität. Leiter des Projektverbunds ist Prof. Hans Drexler, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin an der FAU. „Unsere Projekte verfolgen nicht primär akademische Interessen, sondern haben einen praktischen Nutzen für alle Bürgerinnen und Bürger“, betont Prof. Drexler. Unter seiner Leitung laufen insgesamt sechs Teilprojekte an der FAU, der Universität Bayreuth, der Ludwig-Maximilians-Universität in München und dem Universitätsklinikum Würzburg. An einigen Teilprojekten ist auch das Helmholtz Zentrum München beteiligt. Die Projekte erforschen die Wirkung von Ultrafeinstaub auf Mensch und Umwelt, widmen sich der Methodenoptimierung zur chemischen Analyse von ultrafeinen Partikeln und erweitern die bisherige Datenbasis. Ultrafeinstaub ist noch feiner als Feinstaub. Die Partikel dieses Staubs sind kleiner als 0,1 Mikrometer und damit ist ihre Größe geringer als beispielsweise Tabakrauch.

Neben der Koordination des Gesamtprojekts unter der Leitung von Prof. Drexler wird sich an der FAU Prof. Dr. Simone Schmitz-Spanke, Professur für Biomarker in der Arbeitsmedizin, mit der „Biologischen Antwort auf Partikel im Lungenmodell“ beschäftigen. Ultrafeine Partikel dringen tief in die Lunge ein und stehen im Verdacht, die Gesundheit zu beeinträchtigen. Möglich wird dies durch ihre besonderen physikalisch-chemische Eigenschaften. Sie dringen nicht nur in die Lungenzellen ein, sondern werden auch über das Blut in alle Organe verteilt. Die Partikel verursachen in allen Zellen über die Bildung reaktiver oxidativer Spezies entzündliche Vorgänge. In dem Teilprojekt wird die Wissenschaftlerin mit ihrem Team untersuchen, wie sich die Zusammensetzung der ultrafeinen Partikel auswirkt, wie hoch sie konzentriert sein und wie lange sie auf die Lunge einwirken müssen, damit sie gesundheitsschädlich sind. Bisher ist über diese Zusammenhänge nur sehr wenig bekannt.

 Die anderen vier Projekte untersuchen, wie sich die Methoden zur chemischen Analyse von Ultrafeinstaub optimieren lassen, wie die Partikel toxikologisch bewertet werden können, welche akuten gesundheitlichen Effekte sie haben und wie sich Ultrafeinstaub über lange Zeit hinweg auf den Menschen auswirkt.

 Ausführliche Informationen zum Projektverbund BayUFP (verfügbar ab 15.2.): www.ultrafeinepartikel.de

Link zum Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin: www.ipasum.med.fau.de 

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Hans Drexler

Lehrstuhl für Arbeits- und Sozialmedizin

Tel.: 09131/85-22312

hans.drexler@fau.de 

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11.02.2021 Subtyp entwickelt sich in frühen Vorläuferstadien von Blasenkrebs
uni | mediendienst | forschung Nr. 10/2021

FAU-Forschungsteam veröffentlicht erste Studie zur Entstehung molekularer Subtypen von muskelinvasivem Harnblasenkrebs

Wie entstehen die unterschiedlichen molekularen Subtypen von Blasenkrebs? Eine Antwort darauf gibt die erste Studie zur Entstehung molekularer Subtypen des urothelialen Harnblasenkarzinoms, die ein interdisziplinäres Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in der Fachzeitschrift „Cancer Research“ veröffentlicht hat.*

Urotheliale Blasenkarzinome sind eine der häufigsten bösartigen Krebserkrankungen weltweit. Allein in Deutschland erkranken pro Jahr rund 16.000 Menschen an Blasenkrebs, Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen. Rund ein Drittel der Erkrankungen sind muskelinvasive Blasenkarzinome (MIBC) und werden in der Regel mit einer Zystektomie, einer radikalen Entfernung der Harnblase, in Kombination mit einer Chemotherapie behandelt. Wie frühere Studien zeigten, ist besonders das Ansprechen auf die Chemotherapie vom molekularen Subtyp – es werden luminale und basale Subtypen unterschieden – abhängig.

Wie diese basalen und luminalen Subtypen während der Entwicklung von muskelinvasivem Blasenkrebs entstehen, untersuchte ein Forschungsteam unter Leitung von Dr. Markus Eckstein vom Pathologischen Institut der FAU in Zusammenarbeit mit dem Labor für molekulare Medizin der Frauenklinik des Uni-Klinikums Erlangen (Prof. Dr. Reiner Strick) und den Kliniken für Urologie am Universitätsklinikum Erlangen (Prof. Dr. Bernd Wullich) und Regensburg (Prof. Dr. Maximilian Burger). Im Rahmen der Studie analysierte das Team multiple Gewebeproben von 22 Patientinnen und Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs. Unter Verwendung einer besonderen Technik – dem sogenannten Harnblasenmapping, bei dem die komplette Harnblase systematisch aufgearbeitet wird und so die komplette Entstehung von Blasenkrebs widerspiegelt – zeigte sich, dass sich die molekularen Subtypen des Tumors bereits im frühen Vorläuferstadien, vor allem im Carcinoma in situ, ausprägen. Diese Ergebnisse können dazu beitragen, dass therapeutische Möglichkeiten in Zukunft bereits in früheren Stadien optimal untersucht und ausgewählt werden können.

 *https://cancerres.aacrjournals.org/content/early/2021/01/19/0008-5472.CAN-20-2336.short?rss=1      

 Weitere Informationen:

Dr. Markus Eckstein

Tel.: 09131/85-47792

markus.eckstein@uk.erlangen.de  

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01.02.2021 Hoffnung auf neue Therapie gegen Herpesviren
uni | mediendienst | forschung Nr. 8/2021

BMBF fördert aussichtsreichen Ansatz von Erlanger Forschungsgruppe mit über zwei Millionen Euro
Herpesviren sind allgegenwärtig. Rund 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind mit Herpesviren infiziert – oft ohne es zu wissen und meist ohne Folgen. Für Babys oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann eine Infektion allerdings lebensgefährlich sein. Um diese Patientinnen und Patienten schnell und bestmöglich zu behandeln, fehlen bisher jedoch geeignete Medikamente. Eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Florian Full vom Virologischen Institut – Klinische und Molekulare Virologie (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) des Universitätsklinikums Erlangen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) möchte dies ändern und verfolgt einen vielversprechenden neuen Ansatz. Die Arbeit des Forschungsteams, die hoffentlich zur Entwicklung eines neuen Medikaments gegen Herpesviren führt, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den kommenden fünf Jahren mit bis zu 2,34 Millionen Euro gefördert.
Die meisten Menschen erwerben Herpesviren bereits in der frühen Kindheit. Nach einer einmaligen Infektion verbleiben die Viren lebenslang im Körper. Zu den neun menschlichen Herpesviren zählt unter anderem das Herpes-simplex-Virus, das die bekannten Bläschen im Mundbereich verursacht. Auch das Varizella-Zoster-Virus, das Windpocken und Gürtelrose hervorruft, und das Epstein-Barr-Virus, das das Pfeiffersche Drüsenfieber verursacht und zudem an der Entstehung zahlreicher Krebserkrankungen beteiligt ist, sind Herpesviren. Obwohl Infektionen mit Herpesviren bei den meisten Menschen die Gesundheit nicht nachhaltig beeinträchtigen, haben Patientinnen und Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem – beispielsweise nach Transplantationen – Schwierigkeiten, die Viren unter Kontrolle zu halten. Das kann zu schwersten Schädigungen unterschiedlicher Organe bis hin zum Tod führen. Außerdem ist es möglich, dass Herpesviren bei Neugeborenen schwere Infektionen auslösen. Bei einer Ansteckung während der Geburt kommt das Neugeborene mit seinem unreifen Immunsystem direkt mit dem aggressiven Virus in Kontakt. Für den Säugling ist das lebensgefährlich.
Scheinbar funktionsloses Protein könnte entscheidende Rolle einnehmen
Das Ziel der Erlanger Forschungsgruppe „Duxdrugs“ ist die Entwicklung neuartiger Medikamente für herpesvirale Infektionen. Der Fokus liegt dabei auf dem zellulären Protein DUX4. Das Team konnte bereits zeigen, dass die Herpesviren DUX4 anschalten und für ihre Vermehrung nutzen. DUX4 spielt in der frühen Embryonalentwicklung des Menschen eine Rolle, im Erwachsenen hat es aber keine Funktion mehr. Deshalb stellt das Protein ein attraktives Ziel für antivirale Medikamente dar. „Zur Behandlung von herpesviralen Infektionen gibt es im Moment nur wenige antivirale Medikamente, die jeweils lediglich gegen einzelne Herpesviren wirksam sind“, erklärt Dr. Full. „Das Besondere an unserer Strategie ist der Versuch, ein breit wirksames Medikament zu entwickeln, das theoretisch gegen alle menschlichen Herpesviren wirksam ist.“
Hervorragendes Forschungsumfeld
„Unser Projekt profitiert sehr vom hervorragenden wissenschaftlichen Umfeld hier am Uni-Klinikum Erlangen und an der FAU Erlangen-Nürnberg“, betont Dr. Full. Insbesondere die Unterstützung durch das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) sei hier hervorzuheben. „Die Förderung durch das IZKF in den vergangenen drei Jahren hat es uns ermöglicht, genügend Forschungsergebnisse zu generieren, um uns im kompetitiven Wettbewerb um eine BMBF-Nachwuchsgruppe durchzusetzen“, berichtet Florian Full. Für die Arbeit mit seinem Team erhält er in den kommenden fünf Jahren insgesamt bis zu 2,34 Millionen Euro. Das Geld stammt aus der BMBF-Fördermaßnahme „Nachwuchsgruppen in der Infektionsforschung“.
Weitere Informationen:
Dr. Florian Full
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29.01.2021 Höchste Präzision dank navigierter Chirurgie
uni | mediendienst | aktuell Nr. 7/2021

Erlanger Unfallchirurgie kombiniert neueste Navigationstechnik mit intraoperativer dreidimensionaler Bildgebung für ein genaueres und schonenderes Operieren
Ein ‚Navi‘, das nicht beim Autofahren, sondern bei Operationen unterstützt: Seit einigen Monaten operieren Prof. Dr. Mario Perl, Direktor der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie des Universitätsklinikums Erlangen, und sein Chirurgenteam mit einem neuen, über Infrarot gesteuerten Navigationssystem. Die Besonderheit: „Wir speisen in die Navigation dreidimensionale Datensätze ein, die das mobile Röntgengerät während der Operation erzeugt.“ Für die Operateure bietet diese Kombination den Vorteil, Eingriffe an schwer zugänglichen Bereichen, wie z. B. am hinteren Beckenring, mit höchster Präzision durchführen zu können. Vor allem Patientinnen und Patienten mit Wirbelsäulenverletzungen, Beckenbrüchen oder komplexen Gelenkeingriffen profitieren von dieser innovativen Technik. Diese ermöglicht nicht nur kleinere OP-Schnitte, sondern auch eine Qualitätskontrolle bereits während der Operation, sodass im Fall von notwendigen Korrekturen kein zusätzlicher Eingriff vorgenommen werden muss.
Zum Navigationsgerät gehören spezielle chirurgische Instrumente, an deren Spitze sich sogenannte Markerkugeln befinden. Die in den Markerkugeln integrierten Reflektoren kommunizieren über Infrarot mit dem Gerät. Klinikdirektor Mario Perl: „Der 3D-Scanner ermöglicht uns aktuelle Aufnahmen während des Eingriffs. So erhalten wir Bilder des Operationsbereichs und können damit navigieren. Das Navigationsgerät blendet zusätzlich die eingesetzten Instrumente ein, sodass der Chirurg zum Beispiel genau sehen kann, wo er gerade mit dem Bohrer ansetzt.“ Gerade, wenn bei komplexen Eingriffen im Hals- und Brustwirbelbereich oder am hinteren Beckenring Implantate gesetzt werden müssen, sei die Präzision des neuen Systems Gold wert, erläutert Dr. Holger Keil, Oberarzt der Unfallchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen: „Es ist ein hervorragendes Hilfsmittel und eine massive Arbeitserleichterung. Vor allem, wenn zum Beispiel eine durch Morbus Bechterew ausgelöste massive Verknöcherung an der Wirbelsäule vorliegt und diese die konventionelle Bildgebung erschwert.“
System bringt Vorteile für die Patientinnen und Patienten
Aufgrund des neu gegründeten Wirbelsäulenzentrums des Uni-Klinikums Erlangen operieren Prof. Perl und sein Chirurgenteam zunehmend rückenschmerzgeplagte Patientinnen und Patienten aus der Metropolregion, wenn andere Therapiemaßnahmen zuvor keine Linderung bewirkt haben. „Wir führen jeden Monat etwa 20 bis 30 komplexe Eingriffe an der Wirbelsäule durch und nutzen dafür das neue Navigationssystem, sofern das möglich ist“, erläutert Prof. Perl, der als einer von zwei Sprechern auch das neue Wirbelsäulenzentrum leitet. Der Vorteil für die Patientinnen und Patieten liegt – neben kleineren Schnitten und einer schnelleren Rekonvaleszenz – auch in einer deutlich kürzeren OP-Dauer, wie Dr. Keil berichtet: „Dank der Navigation können wir sehr zielgerichtet operieren und die Implantate präzise positionieren. Mehrere Studien belegen zudem, dass bei navigierten Eingriffen die Strahlung für den Patienten geringer ist und die Präzision der Schraubenplatzierung deutlich genauer erfolgen kann als bei Operationen ohne Navigationssystem. Zudem ist die Strahlenexposition für das Personal erheblich reduziert, da der Kontrollbereich während der 3D-Scans verlassen werden kann und während der Navigation keine Röntgenstrahlung benötigt wird.“
Navigation unterstützt auch bei Krebsoperationen
Darüber hinaus unterstützt das navigierte Operationssystem die Chirurgen auch beim Entfernen von Tumoren – etwa, wenn sich diese im Kniegelenk oder am Schienbeinkopf befinden, erklärt Holger Keil, der in der Unfallchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen die Akuttraumatologie leitet. „Die intraoperativen 3D-Aufnahmen bestimmen dank der genauen Navigationskoordinaten die Tumorgrenzen und die notwendigen Schnittlinien absolut präzise.“ Dennoch gibt der Chirurg – genau wie die Fahrzeuglenkerin beim Autofahren mit ‚Navi‘ – beim navigierten Operieren den Ablauf jedes Eingriffs selbst vor und führt auch die Instrumente mit seinen eigenen Händen, betont Klinikdirektor Mario Perl: „Die neue Navigationstechnik bietet uns eine wertvolle Verlässlichkeit, die Operation und das Platzieren von Implantaten so präzise und sicher wie möglich durchführen zu können.“
Über das interdisziplinäre Wirbelsäulenzentrum
In dem am 1. Juli 2020 neu gegründeten Wirbelsäulenzentrum des Universitätsklinikums Erlangen arbeiten Spezialisten aus Neurochirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie zusammen, um Patientinnen und Patienten die bestmögliche Therapie auf höchstem universitären Niveau anbieten zu können. Das Zentrum bindet zusätzlich die fachliche Kompetenz von Expertinnen und Experten aus Neurologie, Neuroradiologie, Anästhesie, Schmerztherapie und Psychosomatik ein. Das Wirbelsäulenzentrum ist unter der Telefonnummer 09131 85-40927 zur Sprechstundenkoordination und für Rückfragen erreichbar. Weitere Informationen sind unter http://www.wirbelsaeulen-zentrum.uk-erlangen.de zu finden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mario Perl
Tel.: 09131 85-33272
jeannine.rauch@uk-erlangen.de

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27.01.2021 Hoffnung für schwerst kranke COVID-19-Patienten
uni | mediendienst | forschung Nr. 4/2021

IPCO-Studie unter Federführung des Uni-Klinikums Erlangen untersucht Wirksamkeit und Sicherheit von Therapie mit Rekonvaleszentenplasma
Auch ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie existiert immer noch keine zugelassene, spezifische antivirale Therapie zur Behandlung schwerst kranker COVID-19-Patienten. Das möchten die Experten des Universitätsklinikums Erlangen endlich ändern. Unter Federführung von Prof. Dr. Holger Hackstein, Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung, und Prof. Dr. Mario Schiffer, Direktor der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie, bündeln zahlreiche Spezialisten unterschiedlicher Fachdisziplinen ihr Wissen. Im Rahmen der IPCO-Studie untersuchen die Wissenschaftler die Wirksamkeit und die Sicherheit von Rekonvaleszentenplasma bei der Behandlung von schwer an COVID-19 erkrankten beatmeten Patienten.

Menschen, die infolge einer SARS-CoV-2-Infektion schwer erkranken, müssen intensivmedizinisch behandelt und in den meisten Fällen künstlich beatmet werden. Mit 40 bis 50 Prozent weisen diese Betroffenen die höchste Sterblichkeitsrate aller COVID-19-Patientengruppen auf. Ein Erfolg versprechender Ansatz ist die Therapie mit Blutplasma von genesenen COVID-19-Patienten. Dieses bereits unter Studienbedingungen praktizierte Vorgehen wird von den Erlanger Forschern nun im Rahmen der IPCO-Studie klinisch überprüft. Falls sich die Annahme bestätigt und sich das Verfahren als sicher erweist, kann die Therapie offiziell zugelassen werden und die Sterblichkeitsrate dieser Patientengruppe hoffentlich senken.

IPCO – neues Studiendesign

Die IPCO-Studie unterscheidet sich wesentlich von den bisherigen Studien und Fallserien mit Rekonvaleszentenplasma, bei denen zumeist ein bis zwei Präparate eingesetzt wurden. Im Rahmen von IPCO erhalten die Patienten randomisiert – also nach dem Zufallsprinzip – mindestens drei Plasmen. Die Zahl der mittels Infusion übertragenen Präparate lässt sich auf bis zu sechs Plasmen pro Patient erhöhen. Die Daten aus der IPCO-Studie werden gemeinsam mit den Partnern im COPERIMOplus-Forschungsverbund (COPERIMO: COronavirus PErsonalisierte RIsiko MOdelle), das von den Fraunhofer-Instituten für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen (SCAI) und für Translationale Medizin und Pharmakologie (ITMP) geleitet wird, mithilfe von KI-Algorithmen in besonderer Tiefenschärfe analysiert. Obwohl schon einige Studien mit Rekonvaleszentenplasma durchgeführt wurden, erwarten die Erlanger Forscher durch das Studiendesign und die Analytik einen deutlichen Erkenntnisgewinn zum Stellenwert dieser Therapie bei schwer erkrankten Patienten.

Beteiligung von Spezialisten aus Erlangen und Nürnberg

Außer der Transfusionsmedizin und der Medizinischen Klinik 4 unterstützen zahlreiche weitere Einrichtungen des Uni-Klinikums Erlangen die IPCO-Studie: die Medizinische Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath), die Anästhesiologische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler), das Virologische Institut – Klinische und Molekulare Virologie (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) und das Center for Clinical Studies (Leiter: Dr. Bernd Gebhardt). Außerdem sind der Lehrstuhl für Medizinische Informatik (Inhaber: Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch) der FAU Erlangen-Nürnberg und die Klinik für Innere Medizin 8, Schwerpunkt Kardiologie (Leiter des Funktionsbereichs Intensivmedizin: Prof. Dr. Stefan John) des Klinikums Nürnberg beteiligt.

Die Genehmigung der IPCO-Studie durch das Paul-Ehrlich-Institut – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel liegt bereits vor und die Ethikkommission des Uni-Klinikums Erlangen hat eine positive Stellungnahme abgegeben. Die klinische Studie wird finanziell unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, von der Manfred-Roth-Stiftung und im Rahmen von COPERIMOplus von der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Holger Hackstein

Tel.: 09131/85-36972
trans-sekretariat@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Mario Schiffer
Tel.: 09131/85-39002

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22.01.2020 Maskenekzem durch richtige Pflege vorbeugen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 5/2021

Mit pH-neutraler Reinigung und Pflege sowie viel frischer Luft die Haut vor Unreinheiten schützen


Seit Montag, 18. Januar 2021, ist das Tragen einer hochwertigen Schutzmaske (FFP2 bzw. deren Alternativen mit der Kennung KN95 oder N95) beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr bayernweit Pflicht. Die hochwertigen Vliesmasken schützen ihre Träger u. a. deshalb, weil sie eng am Gesicht anliegen. Doch wie reagiert die Gesichtshaut auf das andauernde Maskentragen? Dr. Nicola Wagner, Leiterin der Allergieambulanz der Hautklinik (Direktorin: Prof. Dr. Carola Berking) des Universitätsklinikums Erlangen und Sprecherin des Allergiezentrums, erläutert, was jetzt bei der Hautpflege besonders zu beachten ist. 

Nicht nur das Atmen fühlt sich durch eine FFP2-Maske ein bisschen anstrengender an, auch an die Haut dringt durch das schützende Vlies und dessen hohe Filterwirkung weniger Luft als z. B. durch eine Alltagsmaske, eine sogenannte Community-Maske, z. B. aus einlagiger Baumwolle. Das wirke sich auch auf das Hautmilieu aus, erklärt Dr. Wagner: „Unter der Maske nimmt die Feuchtigkeit auf der Haut zu. Es gibt aktuelle Studien, die belegen, dass nicht nur der pH-Wert ansteigt, sondern auch die Talgsekretion. Zusätzlich werden auch die Innenseiten der Masken im Verlauf der Benutzung bakteriell besiedelt. Dadurch können sich Hautrötungen oder auch kleine Pickel bilden.“ Um hier gegenzusteuern, sollte die Gesichtshaut mit pH-neutralen Reinigungsmitteln ohne Alkohol gereinigt werden, empfiehlt die Dermatologin. „Wichtig ist, der Haut so oft wie möglich eine Maskenpause an der frischen Luft zu verschaffen.“ Zwar verändere sich das Hautmilieu unter den FFP2-Masken etwas stärker als unter einem einfachen medizinischen Mund-Nasen-Schutz, jedoch: „In den meisten Fällen entstehen für die Gesichtshaut durch die unterschiedlichen Maskenvarianten keine wesentlichen Unterschiede.“

Masken lösen eher selten Allergien aus

Allergische Reaktionen der Gesichtshaut auf die eng anliegende Maske träten eher selten auf, berichtet Nicola Wagner. „Kommt es zu Kontaktallergien, werden diese vor allem durch die Gummibänder im Bereich der Kontaktstellen an Wangen und Ohren ausgelöst. Wenn sich deshalb an den Kontaktflächen der Masken oder Haltebänder anhaltende, juckende Ekzeme bilden oder diese aufgrund von anhaltendem Druck oder Scheuern entstehen, z. B. weil die Maske zu straff sitzt, ist eine medizinische Behandlung erforderlich“, betont die Allergologin. Um die schützende Filterleistung der hochwertigen Schutzmasken zu erhalten, sollten diese möglichst nur über die Gummischlaufen berührt und nicht geknickt werden.

Vorbeugen durch intensive Gesichtspflege

Dermatologisch vorbelastete Menschen können ihre Gesichtshaut durch die entsprechende Pflege ebenfalls vor zusätzlichen Reizungen schützen, die das vermehrte Maskentragen auslöst. Dr. Wagner: „Neurodermitiker sollten ihrem Hautbefund angepasst auf eine ausreichende Pflege mit Feuchtigkeit und gegebenenfalls – bei zu großer Trockenheit – auch auf eine leichte Rückfettung achten. Menschen mit einer Neigung zu Akne oder Rosacea sollten hingegen ihre Haut weiterhin ausreichend mit ‚nicht-komedogener‘ Feuchtigkeitscreme versorgen.“

Allergieambulanz des Uni-Klinikums Erlangen

Die Allergieambulanz der Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen bietet unter der Leitung von Dr. Nicola Wagner Betroffenen die Diagnostik und Behandlung von allergisch bedingten Krankheiten wie Heuschnupfen, Insektengiftallergie, Nahrungsmittelallergie, Arzneimittelallergie, allergischem Asthma, chronischer Nesselsucht (Urticaria), atopischem Ekzem (Neurodermitis) sowie Kontaktallergien. Mitzubringen sind der Überweisungsschein und die Versicherungskarte.

Zu erreichen ist die allgemeine Sprechstunde der Allergieambulanz von Montag bis Freitag, jeweils 8.00 – 13.00 Uhr, im Internistischen Zentrum, Ulmenweg 18, 91054 Erlangen, Raum: C 1 im 1. OG. Eine vorherige telefonische Terminvereinbarung ist erforderlich unter Tel. 09131 85-33836 (8.00 – 13.00 Uhr).

Weitere Informationen:   Dr. Nicola Wagner

Allergieambulanz der Hautklinik Tel.: 09131 85-33836     nicola.wagner@uk-erlangen.de

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22.01.2020 Studie beleuchtet Anforderungen von Hausärztinnen und -ärzten an digitale Informationen
uni | mediendienst | forschung Nr. 2/2021


Übersichtlich, zuverlässig und aktuell

Hausärztinnen und Hausärzte sind bei fast allen Fragen zu Gesundheit und Krankheit die erste Anlaufstelle. Dementsprechend brauchen sie Informationsquellen, die möglichst breit die verschiedenen Felder der Medizin abdecken, zugleich aber spezifisch genug sind, um auf den konkreten individuellen Fall angewendet werden zu können. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat zusammen mit der Cochrane Collaboration und der Universität Freiburg untersucht, wie Hausärztinnen und -ärzte an medizinische Informationen kommen und welche Anforderungen sie an digitale Angebote haben. Die Überblicksstudie, die vom Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses im Rahmen des Projekts „Gut informierte Kommunikation zwischen Arzt und Patient“ (GAP) gefördert wurde, ist nun im international renommierten „Journal of Medical Internet Research“ erschienen.*

Wie diese Anforderungen aussehen, wurde bisher im wissenschaftlichen Diskurs wenig behandelt. Die Forscherinnen und Forscher um Dr. Piet van der Keylen und Dr. Luca Frank vom Allgemeinmedizinischen Institut der FAU konzentrierten sich dabei auf das Internet, das eine Fülle an Wissen bietet. Aber wie  kommen Ärztinnen und Ärzte an die für sie relevanten Informationen?

Aus 41 wissenschaftlichen Arbeiten analysierte das Team die Anforderungen der Hausärzteschaft. Hauptproblem bei der Beschaffung digitaler Inhalte ist der beruflich bedingte, notorische Zeitmangel – Informationen müssen schnell abrufbar sowie präzise und knapp formuliert sein. Trotz der nötigen Kürze muss dennoch deren Qualität stimmen. Sie sollen übersichtlich, zuverlässig und aktuell sein.

Ein weiteres Bedürfnis von Hausärztinnen und Hausärzten ist, dass die Informationen für den Alltag relevant sein und nicht nur rein wissenschaftlich-theoretische Bedürfnisse bedienen sollen. Wichtige Anforderungen an die Ergebnisse von Onlinerecherchen sind einerseits die Unterstützung der ärztlichen Entscheidungsfindung und andererseits die Nützlichkeit der Information für die Patientinnen und Patienten.

Es existieren Anforderungen an die Fähigkeiten der Ärztinnen und Ärzte selbst. Nachdrückliche Hürden sind fehlende Kompetenz im Umgang mit Onlinemedien und deren kritischer Bewertung im Sinne evidenzbasierter Medizin. Mitunter wird auch der fachlich-kollegiale Erfahrungsaustausch untereinander einer Onlinerecherche vorgezogen. Als weitere Barrieren für den Zugang zu digitalen Informationsangeboten werden deren Kosten, technische Voraussetzungen und Bedienbarkeit aufgeführt.

Das Fazit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Die Art der Vermittlung von relevanten Informationen für das hausärztliche Arbeiten hat bis jetzt nicht mit den Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung Schritt halten können. Neben weiterer Forschung dazu ist es aus ihrer Sicht notwendig, dass bereits während des Studiums entsprechende wissenschaftliche und digitale Kompetenzen stärker vermittelt werden. An der FAU bietet hierzu das Allgemeinmedizinische Institut seit einiger Zeit ein eigenes Wahlfach für den Umgang mit evidenz-basierter Medizin und digitalen Informationen an, um später im Praxisalltag fundierte Entscheidungen treffen zu können.

* https://doi.org/10.2196/18816

Weitere Informationen:   Dr. Piet van der Keylen    Lehrstuhl für Allgemeinmedizin

Tel.: 09131/85-44953   piet.keylen@uk-erlangen.de

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21.01.2020 Spenderherz rettet das Leben von Andrada in letzter Minute
uni | mediendienst | aktuell Nr. 4/2021

16-Jährige litt unter lebensbedrohlicher Herzmuskelschwäche – sie ist „unendlich dankbar“ für Transplantation

Das Spenderherz kam per Hubschrauber mitten in der Nacht im Universitätsklinikum Erlangen an. In einer mehrstündigen Operation transplantierte Prof. Dr. Michael Weyand, Direktor der Herzchirurgischen Klinik, gemeinsam mit einem sechsköpfigen Team das neue Herz erfolgreich in den Brustkorb der 16-jährigen Andrada aus Regensburg. Heute steht fest: Die Schülerin überstand die schwere Operation Ende der vergangenen Woche ohne Komplikationen und hat damit jetzt die Chance auf ein neues Leben mit einem gesunden Herzen. Das Mädchen litt aufgrund einer angeborenen Herzmuskelerkrankung unter einer schweren Herzmuskelschwäche und lag seit Anfang Dezember 2020 in lebensbedrohlichem Zustand auf der Kinderkardiologischen Intensivstation des Uni-Klinikums Erlangen.

Ende März 2020 wurde die bis zu diesem Zeitpunkt vollkommen gesunde Realschülerin mit einem Schlaganfall zunächst in die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Uni-Klinikums Regensburg eingewiesen. „Als sich herausstellte, dass der Schlaganfall durch eine massiv verminderte Herzfunktion ausgelöst worden war, ließen die Regensburger Kollegen sie in unsere Abteilung verlegen“, berichtet Dr. Martin Schöber, Oberarzt der Kinderkardiologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Sven Dittrich) des Uni-Klinikums Erlangen, der das Mädchen seither in der Herzinsuffizienzsprechstunde für Kinder und Jugendliche behandelt.

Genetisch bedingte schwere Herzschwäche

„Die bei Andrada diagnostizierte Non-Compaction-Kardiomyopathie ist eine seltene Form einer Herzmuskelerkrankung. Bei dieser kann sich das Herzmuskelgewebe nicht weiter zur endgültigen Herzgewebestruktur entwickeln, sondern verbleibt in seinem embryonalen Zustand. Die Folge ist eine zunehmende Herzschwäche. Die Prognose für Betroffene mit dieser vermutlich genetisch bedingten Erkrankung ist leider sehr schlecht.“ Trotz herzstärkender Medikamente und engmaschiger Betreuung verschlechterte sich das Befinden des Teenagers innerhalb weniger Monate rapide. Dr. Schöber: „Bereits im September 2020 war Andrada nicht mehr in der Lage, eine Treppe hinaufzusteigen. Im Oktober musste ich dann mit der Familie über die Notwendigkeit einer Herztransplantation sprechen.“

Innerer Zwiespalt der schwer kranken Jugendlichen 

Doch trotz der aussichtslosen Situation und der Bitte seiner Eltern lehnte das Mädchen die lebensrettende Transplantation zunächst ab. „Andrada wollte auf gar keinen Fall aus dem Tod eines anderen Menschen einen persönlichen Vorteil ziehen“, erklärt Martin Schöber den inneren Konflikt seiner jungen Patientin. Erst durch weitere Gespräche mit Prof. Weyand und Dr. Schöber sowie durch Andradas Kontakt mit einer früheren Transplantationspatientin des Uni-Klinikums Erlangen, den der Kinderkardiologe vermittelte, ließ sich die Jugendliche überzeugen. Keinen Augenblick zu früh: Mitte Dezember 2020 – nur vier Wochen nach ihrer Aufnahme auf die Eutransplant-Warteliste – verschlechterte sich der Zustand der jungen Patientin massiv und sie musste auf die kinderkardiologische Intensivstation des Uni-Klinikums Erlangen verlegt werden, wo sie intravenös mit lebenserhaltenden Herzmedikamenten versorgt wurde. Ihre Listung wurde auf den Status „High Urgency“, also lebensbedrohlich, hochgestuft. „Andradas Werte zeigten die schlechteste Herzfunktion, die ich bisher in meiner medizinischen Laufbahn echokardiografisch gesehen hatte“, erklärt Dr. Schöber, der das Kinderherz-Ultraschall-Labor des Uni-Klinikums Erlangen leitet.

Kaum Spenderorgane für Kinder vorhanden

Dass für das schwer kranke Mädchen bereits am 14. Januar 2021 ein geeignetes Spenderherz zur Verfügung stehen konnte, bezeichnete der Kinderkardiologe als großes Glück: „Gerade bei Kindern und Jugendlichen müssen die gespendeten Organe nicht nur die passenden Blutgruppenwerte aufweisen, sondern auch die richtige Größe haben, um in den noch nicht ausgewachsenen Brustkorb transplantiert werden zu können.“

Glücklich und dankbar über die Rettung

Klinikdirektor Prof. Weyand hat seit Beginn seiner herzchirurgischen Laufbahn mehrere hundert Herzen transplantiert. Den mehrstündigen schweren Eingriff hat seine junge Patientin sehr gut überstanden: „Ich bin allen, die mir hier geholfen haben, so unendlich dankbar“, sagt die 16-Jährige, die sich jetzt vor allem darauf freut, wieder zurück nach Hause zu dürfen und ihre beiden Geschwister wiederzusehen. Doch ein bisschen Geduld muss die Schülerin noch haben, bevor sie das Uni-Klinikum Erlangen verlassen kann. „In den nächsten vier Wochen kontrollieren wir mit regelmäßigen Tests, ob Andradas Körper das fremde Organ nicht wieder abstößt und stellen die Patientin auf die dafür nötigen immunsuppressiven Medikamente ein. Diese muss sie ab jetzt für den Rest ihres Lebens regelmäßig einnehmen“, erklärt Prof. Weyand, der auch Sprecher des interdisziplinären Transplantationszentrums des Uni-Klinikums Erlangen ist. „In den folgenden Monaten geht es dann vor allem darum, ihr geschwächtes Immunsystem vor gefährlichen Infektionen zu schützen.“ Auch mit dem Team der Erlanger Kinderkardiologie wird Andrada in den kommenden Jahren weiterhin in engem Kontakt bleiben, weiß Dr. Schöber: „Jede Herztransplantation erfordert eine engmaschige Nachsorge, um den Erfolg dauerhaft zu gewährleisten.“

Aktion „Ich lauf um Dein Leben“ wirbt um Organspenden für herzkranke Kinder

Andrada hat großes Glück: Weniger als 30 Spenderherzen können jährlich deutschlandweit bei Kindern und Jugendlichen transplantiert werden, weil es für sie noch weniger geeignete Spender gibt als für Erwachsene. Mit dem am 11. Januar 2021 gestarteten digitalen https://www.dgthg-jahrestagung.de/spendenlauf zugunsten des Aktionsbündnisses Angeborene Herzfehler e. V. wollen die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e. V. (DGTHG) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler e. V. (DGPK) Kinder und Jugendliche unterstützen, die dringend eine Herztransplantation brauchen. Präsident der interdisziplinären Tagung „Herzmedizin 2021“, bei dem Ende Februar das erste Etappenziel des Spendenlaufs präsentiert wird, ist Prof. Dr. Robert Cesnjevar, der Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Michael Weyand

Tel.: 09131 85-33319

herz-sekretariat@uk-erlangen.de

Bilder zum Download:

https://www.fau.de/files/2021/01/21_hc_ke_herztransplantation_andrada_presse.jpg

Freuen sich, dass ihre tapfere Patientin diese lebensrettende Chance bekam: die beiden Kinderkardiologen Dr. Martin Schöber und Dr. Ulrike Doll beim täglichen Besuch von Andrada nach der Herztransplantation. Foto: Kerstin Bönisch/Uni-Klinikum Erlangen

https://www.fau.de/files/2021/01/andrada_privat_presse.jpg

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21.01.2020 „OP-Masken sind ein standardisierter, wirksamer und einfach anwendbarer Schutz in der Öffentlichkeit“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 3/2021

Krankenhaushygieniker begrüßen Bund-Länder-Beschluss zum Tragen eines definierten Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Raum

Die Krankenhaushygieniker der bayerischen Universitätsklinika begrüßen den aktuellen Bund-Länder-Beschluss, dass in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften anstelle von undefinierbaren Alltagsmasken neben FFP2-Masken auch ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz (sogenannte OP-Maske) getragen werden darf: „Der zertifizierte medizinische Mund-Nasen-Schutz ist für die Bürgerinnen und Bürger einfach und sicher anzuwenden, ohne Behinderung der Atmung zu tragen und entfaltet eine völlig ausreichende Schutzwirkung im öffentlichen Raum. Hinzu kommt, dass er deutlich preiswerter ist als eine FFP2-Maske. Gleichzeitig werden die Ressourcen an FFP2-Masken geschont und stehen dort dauerhaft zur Verfügung, wo sie wirklich notwendig sind: als Bestandteil des Arbeitsschutzes in Kliniken und anderen Versorgungseinrichtungen.“ Wären die FFP2-Masken nun in allen Bundesländern verpflichtend eingeführt worden, hätte dies unweigerlich zu einem massiven Versorgungsproblem der Kliniken und anderer Versorgungseinrichtungen geführt.

Eine generelle Verpflichtung zum Tragen einer Atemschutzmaske vom Typ FFP2 im öffentlichen Raum halten die Krankenhaushygieniker aus folgenden Gründen für problematisch:

1. FFP2-Masken sind keine selbsterklärenden Alltagsartikel. Der korrekte Gebrauch muss trainiert und überprüft werden. Bei falscher Anwendung (z. B. nicht korrekter Sitz über Mund und Nase mit Dichtschluss an der glatten Gesichtshaut) bieten FFP2-Masken keinen zusätzlichen Schutzvorteil gegenüber einem zertifizierten Mund-Nasen-Schutz oder einer Alltagsmaske; im Gegenteil, die Schutzwirkung liegt dann unter der Schutzwirkung eines korrekt getragenen medizinischen Mund-Nasen-Schutzes.

2. Das Tragen von FFP2-Masken wird ein falsches Gefühl von Sicherheit erzeugen, das zur Vernachlässigung anderer Schutzvorgaben (z. B. Abstandsregeln) führt. Diese Form von Sorglosigkeit ist mitunter sogar beim ärztlichen und pflegerischen Fachpersonal zu beobachten. Insofern kann von der Allgemeinbevölkerung nicht erwartet werden, hier bewusster und professioneller zu handeln.

3. FFP2-Masken führen, wenn sie denn wirklich die normgerechte Filtrationsleistung erbringen und richtig sitzen, zu einer deutlichen Erhöhung des Atemwiderstands. Um dies zu umgehen, erzeugen die Menschen beim Tragen von FFP2-Masken bewusst Leckagen (z.B. durch fehlendes Anmodellieren des Nasenstegs) oder wählen Maskentypen, die sehr locker sitzen oder gar ein Ausatemventil aufweisen. All dies führt faktisch zu einem Verlust der Schutzwirkung, und zwar sowohl der Schutzwirkung für den Träger als auch für sein Gegenüber.

4. FFP2-Masken müssen regelmäßig gewechselt werden, üblicherweise spätestens nach 8 Stunden Tragezeit. Eine Aufbereitung von FFP2-Masken ist technisch aufwendig und daher im häuslichen Bereich nicht praktikabel. Die derzeit zirkulierenden „Aufbereitungsanleitungen“ sind allesamt nicht validiert und führen dazu, dass die Masken ihre Schutzwirkung nicht mehr erfüllen. Dies führt zur Verwendung von nicht mehr geeigneten FFP2-Masken in der Öffentlichkeit, die insofern nicht die erwartete Schutzwirkung haben.

5. Übertragungswege und Alltagsmaskenpflicht bei allen anderen Situationen außerhalb ÖPNV und Einzelhandel bleiben unverändert bestehen. Dies betrifft besonders Veranstaltungen im Sinne des Art. 8 des Grundgesetzes (vgl. §7 11. BayIfSMV), aber natürlich auch die Zuwiderhandlungen gegen die Regelungen der 11. BayIfSMV (z. B. im Rahmen privater Treffen ohne Masken über die erlaubte Personenzahl hinaus). Nach unserem Kenntnisstand sind diese Übertragungswege für die Entwicklung der Pandemie wesentlich relevanter als die Situation im Einzelhandel oder im ÖPNV.

Die bayerischen Krankenhaushygieniker belegen ihre Einschätzungen zur Schutzwirkung des medizinischen Mund-Nasen-Schutzes mit ihren Erfahrungen während der COVID19-Pandemie in den Kliniken: „Wir haben in den bayerischen Universitätskliniken in den vergangenen Monaten auf der Grundlage der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts wirksame und auf breiter Basis vom Personal akzeptierte und umgesetzte Hygienekonzepte entwickelt, die in entsprechenden Situationen selbstverständlich den Einsatz von FFP2-Masken vorsehen, insbesondere bei Risikoexpositionen und der Versorgung von COVID-19-Patient*innen. Wir sind aber davon überzeugt und können dies anhand der Fallzahlen beim medizinischen Personal auch gut belegen, dass in vielen Situationen im medizinischen Bereich bei der Regelversorgung von Patient*innen ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz, der korrekt getragen wird, eine völlig ausreichende Schutzwirkung entfaltet.“

Prof. Dr. med. Christian Bogdan     Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie

Direktor des Mikrobiologischen Instituts – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene

Universitätsklinikum Erlangen

Dr. med. Bernd Kunz

Oberarzt und Leiter der Sektion Krankenhaushygiene

Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

Universitätsklinikum Erlangen

Dr. med. Markus Werner

Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

Krankenhaushygieniker

Universitätsklinikum Erlangen

Dr. med. Béatrice Grabein

Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Leitende Ärztin

Stabsstelle Klinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene

LMU Klinikum München

 

Dr. med. Nina Wantia

Oberärztin

Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Krankenhaushygienikerin

Technische Universität München

Dr. med. Friedemann Gebhardt

Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Stabstelle Krankenhaushygiene

Klinikum rechts der Isar der TU München

Prof. Dr. med. Dirk Busch

Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie

Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene

Technische Universität München

Prof. Dr. med. Jörg Steinmann

Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Leiter des Instituts für Klinikhygiene, Medizinische Mikrobiologie und Klinische Infektiologie

Universitätsinstitut der Paracelsus Medizinisches Privatuniversität

Klinikum Nürnberg

Prof. Dr. med. Wulf Schneider

Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

Leiter der Abteilung Krankenhaushygiene und Infektiologie

Universitätsklinikum Regensburg

Prof. Dr. med. Ulrich Vogel

Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Professur für Krankenhaushygiene und Medizinische Mikrobiologie – Stabsstelle Krankenhaushygiene

Universitätsklinikum Würzburg

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18.01.2021 „Impfen polarisiert – in Politik, Gesellschaft und Ärzteschaft.
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

COVID-19 – da capo

Befürworter einer allgemeinen Impfpflicht stehen Impfgegnern gegenüber. Wir müssen kritische Fragen ernst nehmen“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Leitartikel der Januar/Februar-Ausgabe 2021 des Bayerischen Ärzteblatts.

Die Ärztinnen und Ärzte in Kliniken und Praxen seien mit einer Vielzahl von verunsicherten Patientinnen und Patienten konfrontiert. Gleichzeitig seien die Ärzte ein entscheidender Faktor für die Entscheidungen ihrer Patienten im Hinblick auf die Sars-CoV-2-Impfung.

„Was ist bislang über die komplexen Immunantworten, die das neuartige Coronavirus im menschlichen Körper induziert, bekannt? Was lässt sich über Wirkweise und Sicherheit der einzelnen COVID-Vakzine-Kandidaten ableiten? Wie ist der Forschungsstand?“ Dies seien laut Quitterer Fragen, mit welchen die Ärzteschaft von Patienten konfrontiert werde.

Es sei deshalb auch eine Aufgabe der Ärzte, vorliegende wissenschaftliche Ergebnisse zu interpretieren, Nutzen und Risiken abzuwägen und - wie bei anderen neuen Therapien - ihre Erfahrung einzubringen. „Wir können nach derzeitigem Wissensstand unsere Patienten darüber aufklären, dass eine Impfung Sinn macht. Jeder weitere Impfstoff ist eine Chance mehr, sich gegen die Erkrankung zu schützen“, erläutert Quitterer.

Gleichzeitig sei wichtig, dass die Möglichkeit geschaffen werde, die Imp-fung nicht nur in Impfzentren, sondern auch in den Praxen durchzuführen, sobald ein Impfstoff zur Verfügung stehe, der geringere logistische Heraus-forderungen mit sich bringe. „Dort finden sich gewachsene Strukturen, auf die man zurückgreifen kann“, so Quitterer.

Eine Impfpflicht oder eine Ausgrenzung nicht Geimpfter lehnt der Präsident ab.

Mehr zu „COVID-19 – da capo“ lesen Sie im Leitartikel der Januar/Februar-Ausgabe 2021 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerz-teblatt.de.

08.01.2020 Bayerische Landesärztekammer dankt Staatsministerin Huml für die gute Zusammenarbeit
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) dankt der Bayerischen Staats-ministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, für die gute und konstruktive Zusammenarbeit.

„Ministerin Melanie Huml war für uns eine offene und präsente Gesundheitsministerin. Mit ihr kam es zu richtungsweisenden Entscheidungen zum Wohle der Ärzteschaft und der medizinischen Versorgung in Bayern“, äußert sich Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK. „Sie hat als dienstäl-teste Gesundheitsministerin in Deutschland seit 2013 die Anliegen der bay-erischen Ärztinnen und Ärzte wahrgenommen und sich für deren Interessen eingesetzt. Sie stand dazu stets in engem Kontakt mit der verfassten Ärzteschaft und hat sich in bundesweiten Gesetzgebungsverfahren vehe-ment für die bayerischen Belange eingebracht. Während ihrer Amtszeit wurde eine Landarztquote beim Studienzugang eingeführt. Des Weiteren hat sie die Niederlassungsförderung für Landärzte zur Landarztprämie weiterentwickelt. Beides sehe ich als wichtige Meilensteine, um eine flächen-deckende ärztliche Versorgung im ländlichen Raum voranzubringen. Es konnten so mehr als 500 Neuniederlassungen gefördert werden“.

„Die bestmögliche medizinische Versorgung der Bevölkerung stand für sie immer im Vordergrund“, so Dr. Andreas Botzlar, Vizepräsident der BLÄK. „Für die neue Aufgabe in der Staatskanzlei als Ministerin für Europa und Internationales wünschen wir ihr alles Gute und Erfolg.“

Mit dem neuen Gesundheitsminister Klaus Holetschek setzt das Präsidium der BLÄK auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit und wünscht ihm für seine neue Aufgabe, gerade in dieser herausfordernden Pandemiezeit, Kraft und gute Entscheidungen.

08.01.2020 Ich lauf um Dein Leben!
uni | mediendienst | aktuell Nr. 1/2021

Digitaler Spendenlauf für Kinder, die ein Spenderherz benötigen – Start am 11. Januar 2021

Mit der Aktion „Ich lauf um Dein Leben“, die am 11. Januar 2021 startet, rufen die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e. V. (DGTHG) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler e. V. (DGPK) zu einem digitalen Spendenlauf auf. Er soll Kinder und Jugendliche unterstützen, die dringend eine Herztransplantation brauchen. Ab 11. Januar 2021 kann jeder mitlaufen und unter anderem durch den Kauf eines Aktions-T-Shirts spenden. Bei der interdisziplinären Jahrestagung „Herzmedizin 2021“ der DGTHG und der DGPK Ende Februar wird das erste Etappenziel des Spendenlaufs präsentiert.

Schwerst herzkranke Kinder warten in Deutschland oft ein Jahr oder länger auf ein geeignetes, lebensrettendes Spenderherz. Die Fachgesellschaften DGTHG und DGPK wollen deshalb die Aufmerksamkeit auf Herztransplantationen bei Kindern lenken. „Der Organspendemangel trifft vor allem herzkranke Kinder“, berichtet PD Dr. Christian Heim, stellvertretender Klinikdirektor der Herzchirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Weyand) des Universitätsklinikums Erlangen und Tagungssekretär des Kongresses „Herzmedizin 2021“. „Denn für Kinder gibt es noch mal weniger geeignete Spender als für Erwachsene. Deshalb können bei den jungen Patienten jährlich nur sehr wenige Herzen transplantiert werden“, so Dr. Heim weiter.

Bei Erwachsenen konnten die Transplanteure der Herzchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen 2019 und 2020 jeweils nur knapp zehn Herzen verpflanzen. Kinderherzen hingegen werden selbst an spezialisierten Einrichtungen wie dem Uni-Klinikum Erlangen nur ein- bis zweimal pro Jahr transplantiert; in ganz Deutschland sind es jährlich weniger als 30. Auf der Warteliste für ein neues Herz stehen in Deutschland aktuell ca. 60 Kinder und Jugendliche.

Spendenaktion: Jeder kann immer und überall mitmachen

An der Aktion „Ich lauf um Dein Leben“ kann jeder jederzeit und überall teilnehmen – ob auf dem Hometrainer, als Profiläufer, Gelegenheitsjogger oder Nordic Walker. Im Rahmen ihrer digitalen Jahrestagung „Herzmedizin 2021“ Ende Februar 2021 verkünden die Fachgesellschaften DGTHG und DGPK dann den vorläufigen Spendenerlös. Er kommt dem Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler e. V. zugute und unterstützt so Kinder, die auf ein Spenderherz warten, und deren Angehörige. „Das Gute: Der Spendenlauf, den wir 2021 erstmals organisieren, hilft nicht nur herzkranken Kindern, sondern stärkt auch das eigene Herz-Kreislauf-System. Also runter mit dem Corona-Speck und ab zum Sport! Nutzen Sie beispielsweise Ihre Mittagspause im Homeoffice für eine Laufrunde für den guten Zweck“, rät Prof. Dr. Robert Cesnjevar, Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen und Tagungspräsident des Kongresses „Herzmedizin 2021“.

Weitere Informationen zum Spendenlauf: http://www.ichlaufumdeinleben.de

Weitere Informationen:

PD Dr. Christian Heim

Tel.: 09131 85-33319

christian.heim@uk-erlangen.de

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21.12.2020 Dem Alter entsprechend
uni | mediendienst | forschung Nr. 93/2020

Neue Referenzwerte für modernes Messverfahren zur Ermittlung der Körperzusammensetzung bei älteren Menschen

Die Körperzusammensetzung des Menschen unterliegt im Laufe seines Lebens unterschiedlichen Veränderungen. Muskelmasse und Körperwasseranteil nehmen mit der Zeit ab, während das Körperfettgewebe üblicherweise zunimmt. Neben diesen altersbedingten Prozessen lassen sich auch bei bestimmten Erkrankungen gravierende Veränderungen der Körperzusammensetzung beobachten. Dies gilt zum Beispiel für Krebs und Adipositas. „Bei uns im Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport erhalten Patienten eine individuell auf sie angepasste Ernährungs- und Sporttherapie“, erläutert Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Leiterin des Hector-Centers in der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen. Um den Behandlungsverlauf beurteilen und die Maßnahmen gegebenenfalls anpassen zu können, muss die Körperzusammensetzung der Patienten regelmäßig neu bestimmt werden. Die Erlanger Expertinnen und Experten verwenden dafür die segmentale multifrequente Bioelektrische Impedanzanalyse (SMF-BIA).

„Allerdings haben wir festgestellt, dass es bisher nur Referenzwerte für die Altersgruppe 18 bis 65 Jahre gibt. Dadurch hatte die Bioelektrische Impedanzanalyse für einen Teil unserer Patienten nur wenig Aussagekraft“, bedauert Dr. Dejan Reljic, der den Bereich Sportwissenschaft des Hector-Centers leitet. „Das hat uns motiviert, eine Studie durchzuführen, mit deren Hilfe wir nun Referenzwerte für die Altersgruppe ab 65 Jahren festlegen konnten.“ Dank dieses neuen Maßstabs ist es Fachkollegen weltweit nun möglich, Therapien individuell für ihre älteren Patienten zu planen beziehungsweise auf sie anzupassen.

Gerade Krebserkrankungen sind aufgrund unterschiedlicher Faktoren häufig mit einem beschleunigten Muskelabbau verbunden, während Adipositas durch eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe charakterisiert ist. „Ein wichtiges Ziel unserer Ernährungs- und Sporttherapie ist es daher, die Muskelmasse unserer Patienten zu erhalten beziehungsweise aufzubauen und insbesondere bei stark Übergewichtigen auch die Körperfettmasse zu reduzieren“, erläutert Dr. Reljic. „Wir kontrollieren den Therapieverlauf kontinuierlich und passen die Maßnahmen entsprechend an. Dafür ist eine regelmäßige Bestimmung der Körperzusammensetzung von zentraler Bedeutung.“ Solche Messungen lassen sich mithilfe der BIA schnell und unkompliziert durchführen. Im Hector-Center wird sogar die SMF-BIA eingesetzt: „Dabei handelt es sich um die fortschrittlichste und präziseste unter den vorhandenen BIA-Methoden“, erklärt Dr. Hans Joachim Herrmann, Leiter des Bereichs Ernährungswissenschaft des Hector-Centers, der die Bioelektrische Impedanzanalyse bereits seit vielen Jahren in der ernährungstherapeutischen Betreuung von Patienten einsetzt.

Vermessung von über 500 Freiwilligen
Wer etwas misst, der beurteilt seine Zahlen mithilfe eines Maßstabs. Mediziner sprechen vom Referenzbereich: Werten, die an einer gesunden Referenzgruppe ermittelt wurden und deren Über- oder Unterschreiten auf eine Erkrankung hinweisen kann. „Als wir die Körperzusammensetzung unserer älteren Patienten erstmals mithilfe der SMF-BIA bestimmten, mussten wir leider feststellen, dass wir auf keine passenden Referenzwerte zugreifen konnten“, berichtet Dr. Reljic. „Referenzwerte waren bisher nur für 18- bis 65-Jährige definiert worden – nicht aber für Ältere.“ Das Team des Hector-Centers entschied kurzerhand, diese Lücke selbst zu schließen. Im Rahmen einer Studie vermaßen die Wissenschaftler insgesamt 567 Frauen und Männer im Alter von 65 bis 97 Jahren aus Erlangen und Umgebung und generierten so entsprechende Referenzwerte. „Im Vergleich mit den Referenzwerten für die Altersgruppe 18 bis 65 Jahre zeigte sich in der Gruppe der über 65-Jährigen eine deutliche altersbedingte Abnahme unterschiedlicher Parameter der Körperzusammensetzung, was die Wichtigkeit einer Etablierung von neuen, altersspezifischeren Referenzwerten verdeutlicht“, so Prof. Zopf im Namen der drei Studienleiter. „Es ist fachlich nicht vertretbar, einen 70-Jährigen nach dem gleichen Maßstab ernährungs- und sporttherapeutisch zu behandeln wie einen 30-Jährigen.“ Laut den Wissenschaftlern des Erlanger Hector-Centers werden sich dank der neuen Referenzwerte SMF-BIA-Messungen bei älteren Menschen nun besser interpretieren und krankhafte Veränderungen der Körperzusammensetzung präziser feststellen lassen können.

Link zur Studie: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33214337/

Weitere Informationen:
Dr. Dejan Reljic
Tel.: 09131/85-45220
med1-hector-center@uk-erlangen.de

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21.12.2020 Coronaviren per Hitze beikommen VolkswagenStiftung fördert FAU-Projekt zu Schmierinfektionen
uni | mediendienst | forschung Nr. 94/2020

Gleich über 100 Forschungsprojekte zu Corona fördert die VolkswagenStiftung mit ihrer Initiative „Corona Crisis and Beyond“. Mit dabei in der Auswahl aus den insgesamt mehr als 1100 Anträgen: Prof. Dr. Karl Mandel und sein Team von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Chemikerinnen und Chemiker beschäftigen sich mit der Frage, wie sich Schmierinfektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus über Oberflächen vermeiden lassen. Dafür erhalten sie in den kommenden eineinhalb Jahren 120.000 Euro.

Im öffentlichen Raum werden Kontaktflächen normalerweise mithilfe von Desinfektionsmitteln behandelt. Kritische Punkte sind hier das ordentliche Aufbringen der Mittel, der Schutz der Reinigungskräfte sowie die fachgerechte Entsorgung der verwendeten Materialien.
Viren können aber auch durch Hitze unschädlich gemacht werden. Deshalb prüfen die Forscherinnen und Forscher um Prof. Mandel ein alternatives Verfahren, das sich der Induktion bedient. Dazu wollen sie eine Silikonschicht mit synthetischen Magnetpartikeln entwickeln, die ohne großen Aufwand auf Oberflächen wie etwa Türklinken aufgebracht werden kann. In dem nun zu prüfenden Verfahren wird ein mobiler Induktor über diese entsprechend präparierte Oberfläche geführt, um die enthaltenen Magnetpartikel für den Bruchteil einer Sekunde lokal zu erhitzen und so die Viren auf der Oberfläche abzutöten, während das darunterliegende Material unbeschädigt bleibt.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karl Mandel, Tel.: 09131/85-27396, karl.mandel@fau.de

Chance auf körpereigene Waffe gegen COVID-19
DFG fördert FAU-Projekt mit Fokus-Förderung COVID-19

Die Fokus-Förderung COVID-19 der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) fördert 33 Forschungsvorhaben zu „Immunität, Wirtssuszeptibilität und Pathomechanismen der Infektion mit SARS-CoV-2“ mit insgesamt 3,6 Millionen Euro. Mit 99.600 Euro wird ein Projekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gefördert: Prof. Dr. Armin Ensser, Forschungsgruppenleiter am Lehrstuhl für Klinische und Molekulare Virologie der FAU, untersucht welche Rolle TRIM-Proteine und andere Wirtszellfaktoren bei der Eindämmung von SARS-CoV-2 spielen. Die DFG hat die Fokus-Förderung COVID-19 eingerichtet, um besonders drängende und kurzfristige Fragen zur Corona-Pandemie zu beantworten.
Körpereigene und geschlechtsspezifische Faktoren haben eine Auswirkung auf die Virusanfälligkeit. Männer und Frauen erkranken bekanntermaßen unterschiedlich stark und häufig an COVID-19. Inzwischen ist wissenschaftlich anerkannt, dass körpereigene Tripartite Motif (TRIM)-Proteine, von denen es mehr als 70 gibt, die Vermehrung von RNA- und DNA-Viren beeinflussen. „TRIM-Proteine können die virale Replikation hemmen. Beispielsweise sorgen sie für den Abbau von viralen Komponenten oder sie verstärken die angeborene Immunantwort“, erklärt Prof. Dr. Ensser.  Seine Annahme: Auch bei SARS-CoV-2 haben bisher nicht identifizierte TRIM-Proteine Einfluss auf die Anfälligkeit von Wirtszellen und auf die Virenreplikation. Bestätigt sich die Annahme, hätte man eine neue Möglichkeit bei der Behandlung von COVID-19. Prof. Dr. Ensser möchte die bei SARS-CoV-2 relevanten TRIM-Proteine identifizieren, ihren Mechanismus aufklären und so Ausgangspunkte für weitere Forschung liefern. Hierzu nutzt das Forschungsteam selbst entwickelte rekombinante Viren und ein Replikon-Marker-System.
Die Förderung steht in engem Zusammenhang mit der Kommission für Pandemieforschung der DFG. Diese wählt Themenfelder mit besonderem Forschungsbedarf in Bezug auf die Corona-Pandemie. Besonders an der Fokus-Förderung ist das vereinfachte Bewerbungsverfahren. Forschende beschreiben ihr wissenschaftliches Vorhaben im Förderungsantrag auf maximal fünf Seiten. Außerdem sollten sie fachlich besonders ausgewiesen sein und über etablierte Forschungsinfrastruktur, Methodenrepertoire und Untersuchungsmaterial verfügen. Die Förderung richtet sich sowohl an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaft, als auch an außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Einrichtungen des Gesundheitswesens.
Weitere Informationen zu den geförderten Projekten:
Förderprojekte im Rahmen der ersten Ausschreibung „Immunität, Wirtssuszeptibilität und Pathomechanismen der Infektion mit SARS-CoV-2“:
www.dfg.de/foerderung/corona_informationen/dfg_forschung_zu_corona/index.html#anker105638505
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Armin Ensser, Tel.: 09131/85-22104, armin.ensser@fau.de

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17.12.2020 „Je jünger man ist, desto besser steht man das durch“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 144/2020

Bei der „Ein Herz für Kinder“-Gala 2020 traf die zwölfjährige Sontje Helene Fischer wieder. Das einst leukämiekranke Mädchen ist heute ein gesunder Teenager.


„Der Kontakt zwischen Sontje und Helene Fischer ist nie abgerissen“, sagt Sontjes Mutter Rebecca. Die Sängerin habe in den vergangenen Jahren mehrfach Geburtstagsgeschenke für das Mädchen geschickt; Sontje habe im Gegenzug Grußvideos gesendet und erzählt, wie es ihr geht. „Der Umgang zwischen den beiden war immer ganz natürlich und liebevoll“, so Sontjes Mutter. Kennengelernt hatten sich das Mädchen und der Schlagerstar Ende 2015 in der Kinderonkologie des Universitätsklinikums Erlangen. Damals war Sontje sieben Jahre alt und litt an Leukämie. Im Rahmen der TV-Gala ein „Ein Herz für Kinder“ erzählte Helene Fischer Sontjes Geschichte und bat um Spenden für krebskranke Kinder. Dank dieser Unterstützung konnten die Erlanger Kinderonkologen ein neues Gerät zur Identifikation von Tumor-DNA in Blutproben anschaffen und kleinen Patienten wie Sontje eine bessere Diagnostik und Therapie ermöglichen. Sontjes Krebsbehandlung in der Erlanger Kinderonkologie begann 2015 und dauerte zwei Jahre. Immer wieder wurde sie in dieser Zeit stationär aufgenommen. Bis heute kommt die Zwölfjährige, die mit ihrer Mutter und ihrem elfjährigen Bruder Tizian im Landkreis Bamberg lebt, ins Uni-Klinikum Erlangen – allerdings nur noch einmal pro Jahr zur Nachsorge.

Die Krankheit immer im Hinterkopf

Prof. Dr. Markus Metzler, Leiter der Kinderonkologie in der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Uni-Klinikums Erlangen, und sein Team behandelten Sontje mit mehreren Chemotherapien. „Zum Glück schlugen die Medikamente an und wir brauchten keine weiteren Behandlungsoptionen auszuschöpfen. Heute ist Sontje sehr leistungsfähig und hat keinerlei Folgeerkrankungen“, sagt Prof. Metzler. „Äußerlich hat sie von ihrer Erkrankung ein paar Narben davongetragen und bestimmt auch ein paar kleinere seelische. Aber es geht ihr sehr gut“, versichert Sontjes Mutter. Am Hals und an der Brust ihrer Tochter sind noch die Spuren des Hickman-Katheters zu sehen: Dieser zentrale Venenkatheter wurde ihr für die Chemotherapie implantiert. Über ihn bekam Sontje lange Zeit immer wieder Medikamente und Infusionen. Auf ihre „Mutperlenkette“ fädelte das Mädchen für jedes Ereignis, das sie im Krankenhaus durchstand, eine andere farbige Kugel auf – eine weiße für eine Operation, eine grüne für einen „scheiß Tag“, eine kleine Obstperle für einen „Nüchterntag“ und viele andere. Die Anschaffung einer „Nüchternperle“ hatte Sontje selbst initiiert. „Weil nichts essen und nichts trinken zu dürfen für mich immer schlimmer war als die Knochenmarkpunktion an sich“, erklärt sie und ergänzt: „Wenn ich ans Uni-Klinikum denke, dann eigentlich nur positiv.“ Dieser Satz, der ein bisschen vorformuliert klingt, stammt tatsächlich von der Zwölfjährigen selbst und sie begründet ihn so: „Je jünger man ist, desto besser kann man die Leukämie durchstehen. Es war damals immer in meinem Hinterkopf, dass ich krank bin. Aber dass das alles tödlich ist, daran habe ich nicht wirklich gedacht.“ Irgendwann möchte Sontje, die zurzeit die sechste Klasse einer Realschule besucht, vielleicht ein Buch schreiben – einen Ratgeber für krebskranke Kinder. Er soll junge Patienten während der Zeit im Krankenhaus begleiten. „Ich hatte damals selbst auch so ein Mutmachbuch, das mir geholfen hat“, erinnert sie sich.

„Sie hat ein wirklich großes Herz und irgendwie immer alles im Griff. Sontje war und ist sehr selbstbestimmt“, charakterisiert Mutter Rebecca ihre Tochter. „Schon damals, auf Station, hat sie gefühlt alle ihre Zimmernachbarn adoptiert, ihre Essensbestellungen mit ausgefüllt und auch sonst einiges gemanagt.“ Sontje erklärt das so: „Ich dachte einfach: ‚Ich habe jetzt schon 140 Bilder gemalt, ich kann alle Lieder auswendig und habe auch schon genug Fernsehen geguckt. Was gibt es sonst noch zu tun?‘“ Im Alter von nur acht Jahren verabreichte sich Sontje ihre Thrombosespritzen selbst. „Sie wollte das, weil sie so unabhängig war und zum Beispiel auch mal bei Freundinnen übernachten konnte“, erklärt ihre Mutter.

Wiedersehen mit Helene Fischer

Bei der diesjährigen TV-Spenden-Gala „Ein Herz für Kinder“ gab es schließlich ein Wiedersehen für Sontje und Helene Fischer – das Mädchen tauchte plötzlich als Überraschungsgast auf. Getrennt durch eine Glasscheibe saßen sich beide fünf Jahre nach ihrer ersten Begegnung am Uni-Klinikum Erlangen wieder gegenüber. „Ich habe mich gefreut, Helene wiederzusehen. Sie wusste wirklich nicht, dass ich komme“, berichtet Sontje. Nach der Show habe sich die Sängerin in ihrer Garderobe eine Stunde Zeit für das Mädchen genommen. „Wir haben uns ein bisschen unterhalten – über damals im Krankenhaus und über meine jetzigen Hobbys: Showtanz, Reiten und Gitarre spielen. Helene tanzt ja auch und sie ist eine starke, selbstbewusste Frau. Da kann ich mir vielleicht ein bisschen was abgucken.“

Ende Dezember 2020 feiert Sontje ihren 13. Geburtstag – ohne Leukämie, aber wegen der Corona-Pandemie diesmal auch ohne ihre beiden besten Freundinnen. „Ich wollte sie zum Übernachten einladen. Aber wir holen das besser mal im Sommer nach. Dieses Jahr sind zumindest meine Patin, meine Mama und mein Bruder bei mir“, sagt das Mädchen. Insgeheim rechnet Sontje auch mit einem Geburtstagsgruß von Helene Fischer. Sie lässt sich überraschen …

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Markus Metzler

Tel.: 09131 85-33731

markus.metzler@uk-erlangen.de

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16.12.2020 Rhinoviren effektiv bekämpfen - Neue Wege für die Immunantwort bei Asthma bronchiale
uni | mediendienst | forschung Nr. 90/2020

Mit dem Herbst beginnt in unseren Breitengraden die Hochsaison für Rhinoviren, denn diese fühlen sich bei nasskaltem Wetter am wohlsten. Sie verursachen Erkältungssymptome, die für die meisten Menschen nicht weiter gefährlich sind. Anders jedoch etwa bei Kindern, die unter Asthma bronchiale leiden. Kommt es zu einer Infektion mit Rhinoviren, kann sich deren Gesundheitszustand erheblich verschlechtern. Wie sich das verhindern lässt, erforschte unlängst ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am Universitätsklinikum Erlangen (UKER) in Zusammenarbeit mit internationalen Kolleginnen und Kollegen. Die Ergebnisse sind im „European Respiratory Journal“ erschienen.*


Untersucht wurden Vorgänge auf molekularer Ebene, denn für eine erfolgreiche Bekämpfung der Viren durch das körpereigene Immunsystem spielen bestimmte Rezeptoren auf der Zelloberfläche eine große Rolle. Prof. Susetta Neurath-Finotto, Professorin für Molekulare Pneumologie und Leiterin der Abteilung für Molekulare Pneumologie am UKER, erklärt: „Normalerweise eliminiert das Immunsystem die Rhinoviren. Jedoch muss es zunächst zu einer Immunantwort angeregt werden.“ Dies geschieht vor allem mittels des Botenstoffs Interferon-alpha, der wiederum über entsprechend Rezeptoren in die vom Virus befallenen Zellen gelangt. Bei den asthmatischen Kindern funktioniert das jedoch nicht optimal. Das Interferon-alpha gelangt nicht ausreichend in die Zellen und das Virus breitet sich weiter aus.

Mithilfe des am UKE untersuchten Moleküls R848 können allerdings die Rezeptoren für Interferon-lambda aktiviert werden. Dies hat die Forschungsgruppe anhand von In-Vitro-Tests mit Blutzellen von Kindern mit und ohne Asthma nachgewiesen. „Die Behandlung mit R848 ebnet dem Interferon-lambda den Weg in die Zellen, so dass eine antivirale Immunantwort ermöglicht wird“, sagt Prof. Neurath-Finotto  

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Susetta Finotto, Abteilung für Molekulare Pneumologie (UKER), Tel. 09131/85-42454, susetta.neurath-finotto@uk-erlangen.de

Astrozyten beeinflussen das Verhalten Internationales Forschendenteam entdeckt die wichtige Rolle von Gliazellen bei der Entscheidungsfindung

Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben gemeinsam mit spanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern herausgefunden, dass Astrozyten im präfrontalen Kortex (PFC) eine wesentliche Rolle spielen, wenn das Gehirn bei zielgerichteten Verhaltensweisen Vor- und Nachteile einer Entscheidung gegeneinander abwägt. Ihre Forschungsergebnisse haben sie in der Zeitschrift Nature Neuroscience veröffentlicht*.

Häufig wird bisher davon ausgegangen, dass bei der Entscheidungsfindung ausschließlich Neuronen eine Rolle spielen, also die Zellen, die dafür sorgen, dass Erregungen im Gehirn weitergeleitet werden. Eine Zusammenarbeit des Labors von Prof. Dr. Alexey Ponomarenko, Professur für Physiologie der FAU, und Dr. Gertrudis Perea von spanischen Cajal Institute in Kooperation mit dem New York University Langone Medical Center hat jedoch die zentrale Rolle der Astrozyten bei der Entscheidungsfindung nachgewiesen. Astrozyten gehören zu den Gliazellen, die das Stützgerüst für die Nervenzellen bilden. Die Experimente von Dr. Sara Mederos, der ersten Autorin der Studie, konnten nachweisen, dass die sternförmigen Zellen im PFC das nötige Gleichgewicht zwischen Neuronen, die Signale senden, und inaktiven Neuronen herstellen. Damit machen sie gelingende und schnelle Entscheidungsfindungen erst möglich.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass auch die Astrozyten auf die Signale der Botenstoffe im Gehirn reagieren, ohne die neuronalen Netzwerke untereinander keine Signale übertragen können. So sind Astrozyten empfindlich für den hemmenden Neurotransmitter GABA. Die Experimente im Labor mit Mäusen zeigten, dass diese besseren Entscheidungen treffen, wenn der Neurotransmitter in den Astrozyten die schnelle Gamma-Oszillation positiv beeinflusst. Die Hirn-Oszillation ist eine Art interner Zeitgeber für die Aktivität der Neuronen, sie sind gleichsam der Rhythmus, in dem die Zellen arbeiten. Als das Forschendenteam die Astrozyten mit Hilfe von Lichtimpulsen zusätzlich aktivierte, verbesserte dies die Gamma-Oszillation und damit die gesamte kognitive Leistung. Die Optogenetik, also die Lichtstimulation der Zellen, ist ein bewährtes Verfahren, für das Zellen durch genetische Veränderung lichtempfindlich gemacht werden.

Das Forschungsprojekt hat gezeigt, dass Gehirnfunktionen, die von den Astrozyten abhängen, durch Optogenetik verbessert werden können und dies zu schnelleren und richtigeren Entscheidungen führt. Wie effektiv die Modulation von Hirn-Oszillationen durch Lichtimpulse ist, wird derzeit in vielen Bereichen erforscht, so etwa bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Die Forschungen über die Funktionsweise der Astrozyten liefern nun für die Praxis weitere wertvolle Impuls

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Alexey Ponomarenko, Professur für Physiologie, Tel.: 09131/85-29302, alexey.ponomarenko@fau.de

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16.12.2020 Neue Handreichung zu Gesundheits-Apps gibt Ärztinnen und Ärzten Antworten auf drängende Fragen
Gemeinsame Pressemitteilung der BÄK, der KBV und des ÄZQ

Neue Handreichung zu Gesundheits - Apps gibt Ärztinnen und Ärzten Antworten auf drängende Fragen

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Gemeinsame Pressemitteilung der BÄK, der KBV und des ÄZQ

16.12.2020 Uhrentest digital- Eine App soll den Uhrentest durchführen und künftig Demenzen erkennen
uni | mediendienst | forschung Nr. 91/2020

Der Uhrentest ist seit Jahrzehnten ein einfaches und effektives Verfahren, um räumliche Orientierungsstörungen und Demenzen zu diagnostizieren. Am Lehrstuhl für Mustererkennung im Department Informatik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler künstliche neuronale Netze mit 2500 solcher Tests „gefüttert“, um ihnen beizubringen, diese selbständig auszuwerten. Die Ergebnisse erscheinen in der Fachzeitschrift Scientific Reports*. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler planen zudem, eine Open Source Software auf den Markt zu bringen, die medizinischen und neuropsychologischen Fachleuten weltweit die Diagnose von Demenz erleichtern kann.

Uhrentest schafft mehr Gewissheit

Immer mehr Menschen erkranken an Demenz, sichere und einfache Diagnosemethoden sind entscheidend, um die Betroffenen möglichst früh medizinisch begleiten zu können. Weltweit wenden Ärztinnen und Ärzte hierfür den Uhrentest an. Das Verfahren ist standardisiert und einfach: Der Patient bekommt ein Blatt Papier mit einem vorgezeichneten Kreis vorgelegt und soll die Ziffern einer Uhr einzeichnen, um anschließend zum Beispiel die Uhrzeit 11.10 Uhr einzutragen.

Je nachdem, wie stark die Zeichnung von der richtigen Lösung abweicht, lassen sich Rückschlüsse auf das Ausmaß der Hirnfunktionsstörung ziehen. Die behandelnde medizinische Fachperson vergibt in der Bewertung des Tests üblicherweise Punkte, ähnlich wie Schulnoten zwischen eins und sechs. Ein Punkt bedeutet eine perfekte Lösung, bei drei ist die Uhr schon fehlerhaft, so ist vielleicht nur ein Zeiger eingezeichnet, aber die visuell-räumliche Darstellung ist noch in Ordnung. Mit steigender Punktzahl werden die gezeichneten Uhren immer unklarer: Die Zwischenräume zwischen den Ziffern sind ungleichmäßig, die Reihenfolge stimmt nicht, nur wenige Ziffern sind eingetragen, sie stehen außerhalb des Kreises, sind nur noch Kritzeleien. Ab drei Punkten gehen Medizinerinnen und Mediziner von einer relevanten kognitiven Störung, oft im Rahmen einer Demenz aus.


Der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie Prof. Dr. med. Markus Weih war früher Leiter der Gedächtnisambulanz an der psychiatrischen Klinik, ist Buchautor und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen.  Aktuell ist er im Medic Center in Nürnberg tätig und externes Mitglied des Lehrstuhls für Neurologie der FAU, wo er in der Lehre tätig ist. Er sammelte drei bis vier Jahre lang in seiner Praxis 2500 Uhrentest von 1315 Patientinnen und Patienten.

Das Ziel von Prof. Andreas Maier vom Lehrstuhl für Mustererkennung der FAU war es, die Auswertung künstlichen neuronalen Netzen beizubringen, um medizinische und psychologische Fachleute in der Praxis zu unterstützen. Prof. Weih scannte Uhren und Testergebnisse ein und schickte die Daten an den Lehrstuhl.

Neuronale Netze füttern

Dort begann ein Team unter der Leitung von Prof. Maier damit, die Daten zu digitalisieren. Im Rahmen seiner Masterarbeit übernahm Harb Alnasser Alabdalrahim die Aufgabe, die tiefen neuronalen Netze der Hochleistungsrechner mit den Uhren zu „füttern“. In kurzer Zeit lernten diese, den Zeichnungen die richtige Diagnose zuzuordnen. „In über 96 Prozent der Fälle ordnen die neuronalen Netzwerke richtig zu, ob es sich um einen nicht-pathologischen oder einen pathologischen Befund handelt“, erklärt Prof. Maier. Und in über 98 Prozent der Fälle sei die zugeordnete Erkrankungsstufe korrekt. „Das sind sehr gute Ergebnisse.“ Neu sind dabei nicht die Prozesse, es ist bekannt, wie in den tiefen Netzen die Verschaltungen gelernt werden, wobei sich der Lernalgorithmus deutlich von dem im menschlichen Gehirn unterscheidet.

Im Lehrstuhl für Mustererkennung speisen Forscherinnen und Forschere häufig Röntgenbilder oder Aufnahmen von Computertomographien und Magnetresonanztomographien in die künstlichen Netze ein, um diese für die Diagnostik einsetzbar zu machen. „Beim Uhrentest haben wir im Unterschied dazu mit Zeichnungen gearbeitet“, sagt Prof. Maier. Die große Datenmenge, die Prof. Weih aus seiner Praxis liefern konnte, sei ein Glücksfall gewesen. Nach über 1000 Trainingsiterationen konnten die künstlichen neuronalen Netze sehr genaue Ergebnisse liefern.

Ein einfacher aber guter Test

Die Hoffnung der Forschenden ist es, dass künftig eine einfach zu handhabende App medizinisches Personal in der Diagnose von Demenz weltweit unterstützen kann. „Das Personal muss natürlich auch künftig den Uhrentest kennen und standardisiert anwenden“, macht Prof. Maier deutlich, „doch anschließend kann es die App nutzen, um damit den Test abzufotografieren und sofort eine Auswertung zu bekommen.“  Wer sich in der Bewertung eines Tests unsicher sei, erhalte über die App eine Art Zweitmeinung. Dies bringe mehr Zuverlässigkeit in den Diagnosen sowie eine bessere Graduierung und Abgrenzung von Demenzfällen. Letzteres sei in der klinischen Forschung von großem Interesse.

*https://www.nature.com/articles/s41598-020-74710-9

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Andreas Maier

Lehrstuhl für Mustererkennung

Tel.: 09131/8527775

andreas.maier@fau.de

Prof. Dr. Markus Weih

Medic Center Nürnberg

Tel.: 0911/667085

m.weih@mediccenter.net

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15.12.2020 Neue Therapien für erbliche Muskelerkrankungen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 143/2020

Neue Bessel-Preisträgerin Dr. Ana Ferreiro Sieiro forscht an der FAU

Kongenitale Myopathien sind eine Gruppe genetisch bedingter Muskelerkrankungen, die sich bereits in der Kindheit manifestieren. Sie führen zu Muskelschwäche und Muskelschwund sowie häufig zu Herz- oder Atemversagen. Bis heute gibt es keine spezifische Behandlung für diese Krankheiten, die die Patientinnen und Patienten stark einschränken und oft tödlich verlaufen. Dr. Ana Ferreiro Sieiro, eine international anerkannte Expertin auf diesem Gebiet, erhält den Friedrich-Wilhelm-Bessel-Forschungspreis 2021 der Alexander von Humboldt-Stiftung. Dank der mit 45.000 Euro dotierten Auszeichnung kann sie einen längeren Forschungsaufenthalt am Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) verbringen.

Die Arbeit von Dr. Ana Ferreiro Sieiro spielte in den vergangenen zwanzig Jahren eine zentrale Rolle bei der Identifizierung mehrerer Gendefekte, die kongenitale Myopathien verursachen. So hat ihre klinische und genetische Forschung bereits dazu beigetragen, die Diagnostik bei erkrankten Kindern zu verbessern und bestimmte Folgeerkrankungen zu verhindern. Auch eine krankheitsspezifische Beratung der betroffenen Familien ist nun möglich. Dr. Ferreiro forscht aktuell zur Entwicklung und den Mechanismen, die von einem bestimmten Gendefekt zu einer fortschreitenden Schädigung der Skelettmuskulatur führen. Dieses Wissen bildet die Grundlage für neue therapeutische Ansätze. Ihre Arbeit hat bereits zur Identifizierung der ersten Medikamente geführt, die im Zell- und Tiermodell bei angeborenen Myopathien wirksam sind. Daran schließen sich nun die ersten therapeutischen Studien an.

Paris und Erlangen bündeln ihre Kräfte in der Myopathieforschung
Im Jahr 2019 begannen die Gruppen von Dr. Ferreiro in Paris und Prof. Dr. Rolf Schröder vom Neuropathologischen Institut in Erlangen eine wissenschaftliche Zusammenarbeit zur Untersuchung der Pathophysiologie seltener Muskelerkrankungen. Erste Ergebnisse ihrer gemeinsamen Forschung konnten sie bereits in der international renommierten Fachzeitschrift Circulation publizieren. Die Verleihung des Bessel-Forschungspreis ermöglicht ihnen nun eine weitere Intensivierung ihrer gemeinsamen Forschungsarbeit. In einer Reihe von Projekten werden sie neue pharmakologische Therapieansätze in Tier- und Zellmodellen für seltene menschliche Myopathien in ihrer Wirksamkeit testen.

Dr. Ferreiro ist Fachärztin für Neurologie am Institut für Myologie des Pitié-Salpêtrière-Hospital in Paris, einem international anerkannten Zentrum für Kinder und Erwachsene mit seltenen neuromuskulären Erkrankungen. Darüber hinaus ist sie Forschungsdirektorin am INSERM, dem französischen Nationalen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung, und Leiterin des Labors „Grundlegende und translationale Myologie“ an der Université de Paris, Frankreich. Seit 2019 steht sie außerdem dem European Neuro Muscular Center (ENMC) in Baarn, Niederlande, als Forschungsdirektorin vor.

Der Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis
Die Alexander von Humboldt-Stiftung verleiht jährlich etwa 20 Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreise an international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, von denen erwartet wird, dass sie auch zukünftig ihr Fachgebiet durch herausragende Forschungsleistungen prägen werden. Der Preis ist mit 45.000 Euro dotiert und ermöglicht die Durchführung selbst gewählter Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegeninnen und -kollegen für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Rolf Schröder
Tel.: 09131/85-34782
rolf.schroeder@uk-erlangen.de

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10.12.2020 „Mobile Miniapotheken“ im Praxistest: Forscher untersuchen den Einsatz einer neuartigen Zelltherapie gegen Krebs
uni | mediendienst | forschung Nr. 88/2020

Forscherteams der Universitäten in Erlangen, Hannover, Münster und Regensburg erhalten sechs Millionen Euro Bundesmittel für die Entwicklung einer neuen CAR-T-Zell-Therapie

Wenn Chemotherapie oder Medikamente nicht jede einzelne bösartige Zelle zerstören können und so die Krankheit wiederkehrt, ist sie die Hoffnung vieler Krebspatienten: die CAR-T-Zell-Therapie. Bei dieser Behandlung sollen gentechnisch veränderte Immunzellen – sogenannte T-Lymphozyten – die Krebszellen aufspüren und vernichten. Um die Einsatzmöglichkeiten dieses Ansatzes zu untersuchen, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) jetzt ein nationales Verbundprojekt, an dem Wissenschaftler aus vier deutschen Uni-Klinika gemeinsam mit einem Biotechnologieunternehmen arbeiten, mit sechs Millionen Euro. „Ziel ist es, hochwirksame CAR-T-Zellen zu entwickeln, die nicht nur bestimmte Formen der Leukämie erfolgreich behandeln können, sondern auch andere bösartige Tumoren mit bislang ungünstiger Prognose“, erklärt Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Universitätsklinikums Erlangen, der das Forschungsprojekt am Standort Erlangen koordiniert.

Bei einigen Leukämien und Lymphomen ist es bereits gelungen, die wirksamsten Abwehrzellen des körpereigenen Immunsystems – die T-Zellen – so zu verändern, dass sie die Krebszellen als fremd erkennen und abstoßen. Dazu werden den Patienten T-Zellen aus dem Blut entnommen und mit speziellen „Fühlern“ für die Krebszellen ausgestattet – sogenannten chimären Antigen-Rezeptoren, kurz CAR. Nach einer milden und kurzen Chemotherapie werden dem Patienten die Zellen zurückgegeben. Im Körper vermehren sie sich, spüren Krebszellen auf und vernichten diese. „Anschließend schützen die CAR-T-Zellen den Patienten oft noch über viele Monate und sogar Jahre gegen eine Rückkehr der Erkrankung“, betont Prof. Mackensen. Bisher wurde die Behandlung mit CAR-T-Zellen nur bei sehr wenigen Krebserkrankungen erfolgreich angewendet. Gegen die meisten Tumoren reicht die Wirksamkeit verfügbarer CAR-T-Zell-Therapeutika nicht aus, denn: Solide Tumoren können sich sehr gut gegen das Abwehrsystem schützen.

Deshalb erarbeitet eine Forschergruppe aus Erlangen, Hannover, Münster und Regensburg gemeinsam mit dem Biotechnologieunternehmen Miltenyi Biotec ein neues Wirkprinzip, das die Aktivität von CAR-T-Zellen gegen solche widerstandsfähigen Tumoren gezielt verstärkt. Dafür tragen die Therapiezellen einen Wirkstoff in sich, den sie erst nach der Bindung an die Tumorzellen freigeben. Dabei handelt es sich um einen starken Botenstoff des Abwehrsystems, der die Wirkung der T-Zellen gegen den Tumor vervielfacht und es ihnen ermöglicht, sich im Tumor zu vermehren und optimal zu funktionieren. „CAR-T-Zellen werden also wie mobile Miniapotheken benutzt, die den Wirkstoff dahin tragen, wo er gebraucht wird. Das soll Nebenwirkungen an gesunden Geweben vermeiden“, erläutert Andreas Mackensen. Das im Verbund entwickelte Zellprodukt erkennt ein Merkmal, das auf Neuroblastomen – bösartigen Tumoren des Kindesalters – vorkommt. Zudem findet sich dieses Merkmal auch bei einigen Fällen von Knochensarkomen und Brustkrebs.

Die Förderung durch das BMBF in Höhe von sechs Millionen Euro ermöglicht die klinische Prüfung dieser neuen, vielversprechenden Strategie. In einer Vorbereitungszeit von zwei Jahren werden die Wissenschaftler in ihren Laboren die neuen CAR-T-Zellen weiterentwickeln. Gleichzeitig wird an den zwei akademischen Standorten Münster und Erlangen die Herstellung des Zellprodukts nach pharmazeutischen Sicherheitsstandards etabliert. Schließlich werden in einer klinischen Studie an allen vier beteiligten Standorten die Sicherheit und die Wirksamkeit der klinischen Anwendung des neuen CAR-T-Zell-Produkts bei Kindern und Erwachsenen mit bislang unheilbaren Krebserkrankungen geprüft.

Weitere Informationen: 

Prof. Dr. Andreas Mackensen

Tel.: 09131 85-35954

andreas.mackensen@uk-erlangen.de

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09.12.2020 Wenn Parkinsonpatienten online gehen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 139/2020

Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2020 geht an Molekulare Neurologie

Flüssige Bewegungen sind für Menschen mit Parkinson schwer. Doch Betroffene, die ihren Körper regelmäßig bewegen, kommen im Alltag besser zurecht. Sportwissenschaftler Dr. Heiko Gaßner und sein Team von der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) des Universitätsklinikums Erlangen haben deshalb zusammen mit Christine Enders und Wolf-Jürgen Aßmus, den Leitern der Erlanger Selbsthilfegruppe der Deutschen Parkinsonvereinigung e. V., ein Trainingsprogramm für Parkinsonpatientinnen- und -patienten entwickelt. Doch weil die ambulante Rehasportgruppe am Uni-Klinikum Erlangen momentan nicht regelmäßig stattfinden kann, wechselt das Training vom Offline- in den Online-Modus: Zum einen demonstrieren die Erlanger Therapeuten Übungen in verschiedenen Videos. Zusätzlich testet das Team um Dr. Gaßner derzeit die App „Parkinson-Rehasport@Home“, mit der Betroffene individuell zu Hause üben können. Jetzt wurde das Projekt von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung mit dem Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2020 ausgezeichnet und erhält eine Förderung in Höhe von 10.000 Euro.


Mit einem Nordic-Walking-Stock zeichnet Rehasporttherapeut Heiko Gaßner große Kreise vor dem Körper, streckt den rechten Arm und das rechte Bein gleichzeitig zur Seite aus, macht Schwimmbewegungen mit den Armen, Ausfallschritte nach links und rechts. In bisher fünf Videos, zu finden unter www.uker.de/mn-rehasport, demonstrieren Dr. Gaßner und Physiotherapeutin Kathrin Kinscher verschiedene Übungen für drinnen und draußen. Vor allem in der Corona-Krise, in der Gruppenangebote und Physiotherapietermine nicht immer wahrgenommen werden können, hilft das Heimtraining Patientinnen und Patienten, in Bewegung zu bleiben – ortsunabhängig und kostenfrei. „Beim Parkinson-Syndrom geht es vor allem darum, das Gleichgewicht und den Gang zu schulen, Stürzen vorzubeugen, Kraft und Beweglichkeit zu verbessern“, erklärt Heiko Gaßner. Während des Lockdowns können Betroffene zu Hause oder in der Natur trainieren und so den motorischen Symptomen entgegenwirken. „Von 10.000 Videoaufrufen im Mai 2020 sind die Klicks bis Ende November auf 43.000 geklettert. Die Beiträge wurden in der Corona-Zeit deutlich häufiger aufgerufen“, berichtet Heiko Gaßner.

App für individuelles Üben mit Therapeutenunterstützung

Ergänzt werden die Videos durch die App „Parkinson-Rehasport@Home“, die von der Ulmer Firma NeuroSys konfiguriert wurde. Dr. Gaßner erklärt: „Wir testen die Anwendung gerade im Rahmen einer Pilotstudie mit unseren Patienten. Jeder Betroffene wurde zuerst ambulant von uns befragt und untersucht. Daraufhin haben wir ein individuelles Trainingsprogramm zusammengestellt und in der App hinterlegt. Es kann sein, dass bei jemandem hauptsächlich die Gangsicherheit verbessert werden soll. Bei jemand anderem liegt der Fokus vielleicht auf der Verbesserung der Muskelsteifigkeit oder der Feinmotorik.“ Entsprechend dieser Analyse bekommt jeder Betroffene über die App seine persönlichen Übungen angezeigt. „Bei Fragen und wenn Hilfestellung nötig ist, können die Nutzer über die App auch einen Therapeuten kontaktieren – das ist ein großer Mehrwert für die Patienten“, sagt Heiko Gaßner. Videos und App sollen in Corona-Zeiten zum einen digital unterstützen und zum anderen Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Diese zwei Kriterien bewogen vermutlich auch die Jury der Hertie-Stiftung dazu, das Erlanger Team als einen von drei Preisträgern auszuzeichnen.

 Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe

Mit ihrem Engagement-Preis würdigt die Hertie-Stiftung Aktionen von Einzelpersonen oder Selbsthilfegruppen zugunsten von Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen oder Multipler Sklerose. In Zeiten von Corona rief die Hertie-Stiftung zusätzlich Menschen zur Bewerbung auf, deren Projekt erst im Rahmen der Krise entstanden ist oder das wegen der aktuellen Umstände noch mehr an Bedeutung gewinnt.

Erlanger Regionalgruppe der Deutschen Parkinsonvereinigung e. V.: https://erlangen.parkinson-vereinigung.de/Hertie-Preis.html


Weitere Informationen:
Dr. Heiko Gaßner                                                          

Tel.: 09131/85-39324

heiko.gassner@uk-erlangen.de

 

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09.12.2020 EU-Förderungen in Millionenhöhe- Drei FAU-Forschende erhalten ERC Consolidator Grants
uni | mediendienst | forschung Nr. 87/2020

Ein erneuter Erfolg für die Forschenden an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): Gleich drei ERC Consolidator Grants haben sich FAU-Forschende sichern können. Prof. Dr. Gerhard Krönke und Prof. Dr. Aline Bozec, beide Lehrstuhl für Innere Medizin 3, sowie Henry Dube, Lehrstuhl für Organische Chemie I, erhalten für ihre neuesten Projekte jeweils einen der begehrten ERC Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrates (ERC).

Rheumatoide Arthritis in ihrer Entstehungsphase erforschen

Projektleiter Prof. Dr. Gerhard Krönke möchte mit seinem Grant Rheumatoide Arthritis in der Frühphase untersuchen, um so die Entwicklung neuer Therapien zu ermöglichen. Rheumatoide Arthritis zählt zu den häufigsten entzündlichen Autoimmunerkrankungen weltweit. Die Ursache hierfür ist eine Fehlfunktion des eigenen Immunsystems, durch die es zu chronischen und schmerzhaften Gelenksentzündungen sowie Gelenksdestruktion kommt. Die Krankheit ist (noch) nicht heilbar, allerdings lassen sich die schmerzhaften Symptome mittels Therapie lindern und das Voranschreiten der Krankheit verlangsamen. „Um zukünftig bessere und innovativere Therapien zu entwickeln, müssen wir Rheumatoide Arthritis in ihrer Frühphase besser verstehen“, sagt Prof. Krönke.  Mit Hilfe des ERC Consolidator Grants plant er deshalb, unterschiedliche neue molekulare Analyseverfahren wie Einzelzellsequenzierung und 3D-Bildgebungsverfahren weiterzuentwickeln und zu kombinieren. Dafür stellt der Europäische Forschungsrat für die nächsten fünf Jahre zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Prof. Dr. Gerhard Krönke konnte sich im Rennen um EU-Fördermittel schon einmal durchsetzen. Der ERC bewilligte 2014 einen ERC Starting Grant in Höhe von 1,5 Millionen Euro für ein Projekt, um neue Methoden zur Untersuchung der koordinierten Phagozytose, also die Aufnahme von Partikel in eine Zelle, und der Weiterverarbeitung von Krankheitserregern und toten körpereigenen Zellen zu entwickeln. Der gebürtige Wiener Krönke hat 2002 seinen Doktor an der Medizinischen Universität Wien erworben. Als Postdoc forschte und arbeitete Dr. Gerhard Krönke dort im Anschluss am Institut für Gefäßbiologie. Nach einem zweijährigen Forschungsaufenthalt an der University of Virginia, Charlottesville, USA, kam Krönke an das Universitätsklinikum Erlangen (UKER). Dort war er zunächst als Assistenzarzt in der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie –  tätig. Seit 2009 ist er zusätzlich als Forschungsgruppenleiter im Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin aktiv. Seit 2013 ist er Oberarzt an der Medizinischen Klinik 3 und hat zudem seit 2016 die Professur für Translationale Immunologie an der FAU inne und leitet die Arbeitsgruppe Translationale Immunologie an der Medizinischen Klinik 3.

 Langlebige Zellen in Knochen und lokale Knochenerkrankungen

Projektleiterin Prof. Dr. Aline Bozec möchte mit ihrem Projekt neue Einblicke in den lokalen Knochenstoffwechsel ermöglichen, insbesondere wie das Osteozytensterben auf molekularer Ebene reguliert wird. Osteozyten sind langlebige Zellen innerhalb der Knochenmatrix und mit Abstand die häufigsten Zellen im Knochen. Sie steuern die mechanisch belastungsinduzierten Knochenerneuerung auf systemischer Ebene. „Wie Osteozyten absterben und wie sich dieser Vorgang auf den lokalen Knochenstoffwechsel auswirkt, ist wenig erforscht“, sagt Prof. Bozec. „Dabei sind mehrere lokale Knochenerkrankungen wie Frakturen, Osteonekrose – also das Absterben von Knochengewebe – und Arthritis durch ein verstärktes Absterben von Osteozyten und lokalem Knochenabbau gekennzeichnet.“ Mit ihrem Projekt zielt sie darauf ab, das Osteozytensterben und den molekularen Zusammenhang zwischen Osteozytensterben und der Stimulation von knochenabbauenden Zellen im Zusammenhang mit lokalen Knochenerkrankungen wie Frakturen, Osteonekrose und Arthritis zu charakterisieren. Dafür stellt der Europäische Forschungsrat für die nächsten fünf Jahre mehr als zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Aline Bozecs wissenschaftliche Laufbahn begann 2001 mit dem Abschluss ihres Masterstudiums in Biochemie in Lyon, Frankreich. Die Promotion erfolgte 2004, ebenfalls an der Universität Lyon, und wurde vom französischen Ministerium für Bildung und Forschung ausgezeichnet. Nach weiteren Forschungsstationen in Wien und Madrid, kam sie 2011 als Emmy-Noether-Nachwuchsgruppenleiterin an die FAU und wurde auf die eigens eingerichtete Professur für Osteoimmunologie berufen. Hier war sie maßgeblich an der Einrichtung des Sonderforschungsbereichs 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ beteiligt und leitete ein Teilprojekt im DFG-Schwerpunktprogramm „Osteoimmunology“. 2016 wurde ihr der mit 20.000 Euro dotierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis verliehen. Im Jahr 2018 habilitierte sie an der FAU und hat seit 2019 die Professur für Experimentelle Immuntherapie inne.

Schalter für molekulare Maschinen

Prof. Dr. Henry Dube, Lehrstuhl für Organische Chemie I, ist ein Ingenieur der besonderen Art: Er baut molekulare Maschinen. Die Herausforderung: Miniaturisiert man Technologie auf Molekülgröße, stellt sich die Frage, wie sich auf molekularer Ebene überhaupt noch Informationen verarbeiten lassen und die Technologie sich letztlich bedienen lässt. Dabei hat sich ein Ansatz aus der Photochemie bewährt: Bescheint man ein Molekül mit Licht, bewegt es sich von einem Zustand A in einen Zustand B – und dient auf diese Weise als „Photoschalter“. Prof. Dube arbeitet daran, Photoschalter zu bauen, die nicht nur in zwei, sondern in eine Vielzahl von Schaltzuständen versetzt werden können, also eine höhere Informationsdichte haben. Molekulare Maschinen könnten damit für viel komplexere Aufgaben eingesetzt werden und viel präziser arbeiten als bisher. Materialien etwa könnten auf diese Weise verschiedene Eigenschaften annehmen oder Robotiksysteme feinste Greifbewegungen ausführen.

Wie genau aber kommt ein Molekül von einem Zustand in den anderen? In den von Prof. Dube untersuchten Systemen finden winzige Bewegungen innerhalb des Moleküls statt, es rotieren beispielsweise Molekülteile gegeneinander. Sein Ziel: diese Bewegungen kontrollieren zu lernen. Auf diese Weise erhielte er winzige Einheiten, die sich gerichtet bewegen lassen, und er könnte so molekulare Maschinen konstruieren, die – wie eine kleine Nanofabrik – ihrerseits bestimmte neue Moleküle zusammenbauen. Erstmals ließen sich damit Stoffe mechanisch herstellen – ein Vorgang, für den in anderen Zusammenhängen etwa katalytische Reaktionen eingesetzt werden. Das Anwendungsspektrum wäre immens – von neuartigen Polymeren bis Energiespeicher. Dafür stellt der Europäische Forschungsrat für die nächsten fünf Jahre fast zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Prof. Dr. Henry Dube studierte an der Philipps-Universität Marburg und an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München Chemie. 2008 promovierte er an der ETH Zürich in der Schweiz über das Thema „Synthetische Modelle für Hämproteine“. Nach einem dreieinhalb-jährigen Forschungsaufenthalt am Scripps Research Institute in La Jolla, USA kehrte er an die LMU zurück, wo er zuletzt Leiter einer Emmy-Noether-Forschungsgruppe war. 2019 erhielt er einen Ruf an die Universität zu Köln, entschied sich dann jedoch, den Ruf auf die W3-Professur für Organische Chemie an der FAU anzunehmen.

Weitere Informationen:   Prof. Dr. Gerhard Krönke     Lehrstuhl für Innere Medizin 3

Tel.: 09131/85-39379      gerhard.kroenke@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Aline Bozec    Lehrstuhl für Innere Medizin 3

Tel.: 09131/85-29002   aline.bozec@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Henry Dube     Lehrstuhl für Organische Chemie I        Tel.: 09131/85-65571      henry.dube@fau.de

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09.12.2020 Künstliche Intelligenz und Lasertechnik
Pressemeldung der FAU

DFG-Förderung für die nächste Generation der Stimmdiagnostik an der FAU
 
Forschende an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erhalten insgesamt 1,32 Millionen Euro an Fördermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Entwicklung neuartiger Verfahren zur Stimmdiagnostik, mit denen Stimmstörungen, Heiserkeit und ihre Ursachen untersucht und ermittelt werden.
 
Die DFG stellt 800.000 Euro für die Entwicklung eines endoskopischen laserbasierten Messsystems zur Echtzeitanalyse der sichtbaren 3D-Kehlkopfoberfläche zur Verfügung, mit dem sich die Kehlkopfoberfläche schonend für von Stimmstörungen Betroffenen darstellen lässt. Beteiligt an der Umsetzung sind der Lehrstuhl für Photonische Technologien unter Leitung von Prof. Michael Schmidt, der Lehrstuhl für Graphische Datenverarbeitung unter der Leitung von Prof. Marc Stamminger und die Phoniatrie und Pädaudiologie an der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik, Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Iro) unter der Leitung von Prof. Michael Döllinger.
 
Mit 508.000 Euro fördert die DFG ein Projekt zu Studien zur Heiserkeit unter der Leitung von Dr. Anne Schützenberger, Abteilung Phoniatrie/Pädaudiologie des Lehrstuhls für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, und Prof. Michael Döllinger, Professur für Computational Medicine. Sie und ihr Team entwickeln Methoden und Software zur Diagnose und Therapiestatus bei Stimmstörungen, die auf dem zur Künstlichen Intelligenz gehörenden Maschinellen Lernen basieren. 12.607 Euro von der Forschungsstiftung Medizin am Universitätsklinikum Erlangen (UKER) gehen zudem an Dr. Andreas Kist, Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Klinik, der sich mit der Anwendung von Deep-Learning-Verfahren bei der Beurteilung der Stimmbandfunktion beschäftigt.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Döllinger, Professur für Computational Medicine, Tel.: 09131/85-33814, michael.doellinger@uk-erlangen.de
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03.12.2020 Die Klimakrise macht krank – vier Vorschläge für eine gesunde Zukunft
Gemeinsame Presseinformation

Die Klimakrise macht krank – vier Vorschläge für eine gesunde Zukunft

Morgen erscheint mit dem Lancet Countdown der neue Bericht zum weltweiten Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit. Er zeigt, dass die Gesundheitsrisiken durch ein sich veränderndes Klima weltweit zunehmen, auch in Deutschland - und dass Gegenmaßnahmen möglich sind.

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels betreffen bereits heute viele Menschen weltweit. Immer häufiger kommt es zu Hitzewellen in Deutschland, die vor allem für ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen tödlich verlaufen können. Hinzu kommen weitere Gesundheitsgefahren durch Extremwetter oder neuartige Krankheitserreger. Expertinnen und Experten verschiedener Fachdisziplinen fordern deshalb im „Lancet Countdown 2020“ von den politisch Verantwortlichen entschiedene Maßnahmen zur Erreichung der UN-Klimaschutzziele sowie zum Abwenden klimabedingter Gesundheitsschäden.

Der Lancet Countdown 2020 wird am 03.12.2020 veröffentlicht. Der jährliche Bericht zu Klima und Gesundheit wird von der international renommierten medizinischen Fachzeitschrift „Lancet“ herausgegeben. Erstellt wurde er von weltweit 38 führenden akademischen Institutionen und UN-Organisationen. Flankiert wird der internationale Bericht von einem wissenschaftlichen Politikpapier (Policy Brief) für Deutschland. Projektpartner sind die Bundesärztekammer, das Institut für Epidemiologie des Helmholtz Zentrums München, die medizinische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die Organisationen betonen, dass die Corona-Pandemie die medizinischen, die gesellschaftlichen und auch die wirtschaftlichen Folgen einer globalen gesundheitlichen Krise deutlich vor Augen geführt habe. Die Krise zeige aber auch, wie wichtig weltweite wissenschaftliche Zusammenarbeit und entschlossenes politisches Handeln bei der Krisen-Bewältigung sind. Nach Überzeugung der Projektpartner lässt sich daraus viel für die Bekämpfung des Klimawandels lernen.

„Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten ist es, die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels darzulegen und Gegenmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit nicht nur zu fordern, sondern aktiv zu unterstützen. Dafür leistet der Deutschland-Bericht des Lancet-Countdown mit zahlreichen Empfehlungen für die Politik einen wichtigen Beitrag“, sagt Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer.

Das Politikpapier für Deutschland stellt mehrere Punkte heraus, für die dringender Handlungsbedarf gesehen wird:

1. Erfolgreicher Klima- und Gesundheitsschutz sowie eine aktive Wirtschaftspolitik hängen voneinander ab und können sich gegenseitig verstärken. Deshalb sollten bei Initiativen zur Stärkung und zum Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie Synergieeffekte für den Klimaschutz genutzt werden. Andernfalls drohten drastische Folgen für Leben und Gesundheit sowie eine Negativ-Entwicklung, die auch das Schicksal künftiger Generationen prägen wird. „Gesunde Menschen auf einem gesunden Planeten, darum geht es. Wir sollten die Milliarden an kurzfristigen Coronahilfen für die Wirtschaft nutzen, um gleichzeitig auch etwas gegen die langfristige Klimakrise zu tun“, sagt Prof. Dr. Dr. Sabine Gabrysch, die die erste Universitätsprofessur für Klimawandel und Gesundheit an der Charité innehat und am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung die Abteilung „Klimaresilienz“ leitet.

 2. Die Ernährung ist ein wichtiger Faktor, mit dem jede Bürgerin und jeder Bürger Einfluss auf das Klima nehmen kann. Die Nahrungsmittelproduktion ist für etwa ein Viertel der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – wichtigster Faktor ist hierbei die Tierhaltung. Gleichzeitig hat unsere Art der Ernährung, mit einem großen Anteil tierischer und hoch verarbeiteter Lebensmittel, großen Anteil an chronischen und lebensbedrohenden Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Rheuma und Krebs. „Die Umsteuerung auf eine gesunde und nachhaltige Ernährungsweise ist gleichzeitig klimafreundlich“, so Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. „Gemeinsam mit mehr aktiver Bewegung kann das den hohen Anteil nicht-infektiöser Krankheiten (NCDs) deutlich reduzieren.“

 3. In Europa ist der Verkehrssektor für etwa ein Viertel der Treibhausgas- Emissionen verantwortlich. Immer deutlicher wird, dass Luftverschmutzung auch ein erheblicher Risikofaktor für viele Krankheiten ist, vermutlich auch für Covid-19. Nicht-motorisierte Bewegung hingegen wirkt dem Klimawandel entgegen, senkt die Luftverschmutzung und fördert gleichzeitig die Gesundheit. Eine konsequent auf Emissionsverringerung ausgerichtete Verkehrspolitik mit fußgängerfreundlichen Straßen, Radwegen und einem nutzerfreundlichen öffentlichen Personennahverkehr ist deshalb zentral für Gesundheit und Klima. Hier zeigt sich erneut die wichtige Rolle, welche die Kommunen in der nötigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft einnehmen.

 4. Urbane Räume heizen nicht nur das Klima auf, sie haben gleichzeitig das Potenzial, den notwendigen transformativen Wandel zur Nachhaltigkeit massiv voranzutreiben. Das städtische Umfeld nimmt entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit der Bewohner. Lokale und kommunale Maßnahmen können diese Räume so transformieren, dass sie die Gesundheit fördern, während sie gleichzeitig die soziale, ökonomische und ökologische Entwicklung vorantreiben. Umwelt- und Gesundheitseffekte müssen deshalb in die Stadt- und Regionalplanung integriert werden.

 „Ziele zu formulieren, reicht nicht aus – wir müssen handeln, jetzt!“, sagt Dr. Martin Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) und Mitautor des Berichts. „Bei den Gesundheitsberufen ist die Dringlichkeit des Themas angekommen. Auch Politik und Gesellschaft haben durch die Pandemie erkannt, wie dramatisch sich die Welt verändern kann.“

Weitere Informationen und Einschätzungen erhalten Sie auf der Online-Launch- Veranstaltung am 3. Dezember 2020, ab 10 Uhr. Informationen dazu unter https://klimagesund.de/

An der Veranstaltung nehmen teil:

• Prof. Dr. Dr. Sabine Gabrysch, Lehrstuhl für Klimawandel und Gesundheit an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Leiterin der Forschungsabteilung Klimaresilienz am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

• Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie, Helmholtz Zentrum München

• Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer

• Prof. Dr. Dr. Anja Bosy-Westphal, Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten – DANK, Präsidentin Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin

• Prof. Dr. Tadj Oreszczyn, Energy Institute, University College London, Representative Lancet Countdown

• Dr. Martin Herrmann, Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit - KLUG

 Den Policy Brief für Deutschland 2020 können Sie am 03.12. ab 0.30 Uhr hier abrufen: http://www.lancetcountdown.org/resources/

sowie den globalen Report hier:

http://www.lancetcountdown.org/2020-report/

Medienkontakte:

Bundesärztekammer Pressestelle der deutschen Ärzteschaft Tel.: +49 30 400 456 - 700 presse@baek.de

Charité – Universitätsmedizin Berlin Geschäftsbereich Unternehmenskommunikation Tel.: +49 30 450 570 400 presse@charite.de

Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) Tel.: +49 177 2847467 martin.wilmen@klimawandel-gesundheit.de

Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt Abteilung Kommunikation Tel.: +49 89 3187-2711 presse@helmholtz-muenchen.de

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tel: +49 331 288 2507 presse@pik-potsdam.de

03.12.2020 FAU: Hightech Agenda Bayern in voller Fahrt
uni | mediendienst | aktuell Nr. 137/2020

KI-Department gegründet, Spitzenleute berufen

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) kann auf ein erstes erfolgreiches Jahr der Hightech Agenda Bayern (HTA) zurückblicken: Im jüngst gegründeten Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (AIBE) forschen bereits die ersten Professorinnen und Professoren an Projekten rund um Künstliche Intelligenz (KI) in der Medizin. Auch die Leitung des Departments ist inzwischen mit Prof. Dr. Björn Eskofier besetzt. Die ihr zugewiesenen 54 Professuren aus der HTA hat die Universität in einem internen Wettbewerb dort platziert, wo geplante Forschungsvorhaben den besten Beitrag zu den Zielen der Hightech Agenda leisten können.

Mit Prof. Dr. Björn Eskofier hat FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger einem seiner ausgewiesenen KI-Experten den Auftrag erteilt, das Department weiter auf- und auszubauen. Eskofier leitet derzeit den Lehrstuhl für Informatik 14 (Maschinelles Lernen und Datenanalytik) und ist Zweitmitglied in der Medizinischen Fakultät. Nun wird er organisatorisch mit seinem ganzen Team aus dem Department Informatik in das neue Department umziehen. Dort sind vor allem die KI-Professuren aus der HTA verortet, darüber hinaus aber auch weitere Professuren, die das Thema KI in der Medizin inhaltlich voranbringen. Das Besondere: Alle Professorinnen und Professoren im Department AIBE sind Mitglied sowohl in der Medizinischen als auch in der Technischen Fakultät und arbeiten interdisziplinär und fachübergreifend an der Schnittstelle zwischen Medizin und Ingenieurwissenschaften.

Der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler verfolgt die Geschwindigkeit der HTA-Berufungen an der FAU mit Spannung: „Mit der Hightech Agenda Bayern und dem Beschleunigungsprogramm Hightech Agenda Plus haben wir für unsere bayerischen Hochschulen ein einmaliges und deutschlandweit beispielhaftes Investitionsprogramm aufgelegt. Die FAU ist als Gesundheitsknoten in unserem bayernweiten KI-Netzwerk eine tragende Säule in der KI-Entwicklung. Sie ist ein erstklassiger Innovationsstandort für Künstliche Intelligenz in der Medizin. Ich freue mich sehr, dass die Universität ihre Gestaltungsspielräume so hervorragend nutzt, um neue Technologien zu entwickeln und damit unser Leben Tag für Tag besser zu machen. Dank des großen Engagements unserer Hochschulen kann sich die große Kraft dieses Forschungsturbos hervorragend entfalten.“

„Nachdem Ministerpräsident Dr. Markus Söder die HTA ins Leben gerufen hatte, haben wir mit der zügigen Gründung des Departments AIBE ohne viel Federlesens dafür gesorgt, dass die HTA an der FAU schnell Fahrt aufnehmen kann. Wir konnten Spitzentalente damit gleich strategisch berufen und ihnen auch klare Perspektiven in Aussicht stellen“, sagt Präsident Joachim Hornegger. „Die HTA ist aus meiner Sicht nach wie vor der große Wurf: So viel Spielraum, inhaltliche Schwerpunkte zu setzen und die Weichen in Richtung Exzellenz zu stellen, gab es an der FAU kaum je – und vermutlich auch an den anderen bayerischen Universitäten nicht.“

Doch wie lassen sich ebendiese Weichen am besten stellen? Mit dem Department AIBE hat die FAU einen ersten Akzent gesetzt; weitere Professuren aber sollen innerhalb der FAU dort angedockt werden, wo die Profilbildung der Universität besonders profitiert: „Klar war von Anfang an: Eine solche Chance bekommen wir nur einmal – und mit dem Gießkannenprinzip wäre es eine vertane Chance. Und ich selbst bin immer schon der Meinung, dass Exzellenz nur durch Wettbewerb entsteht. Wir haben deshalb ein internes Ausschreibungsverfahren mit harten Kriterien. Und auf Basis der Anträge entschieden, wo wir als FAU am sinnvollsten strategisch investieren. Diejenigen Fakultäten oder Departments, die mit ihren Forschungsvorhaben – von Digital Humanities bis hin zu den Naturwissenschaften – das Profil der FAU am besten schärfen, haben damit die einmalige Möglichkeit, internationale Spitzenkandidatinnen und -kandidaten mit attraktiven Paketen an die FAU – und damit an den Hightech-Standort Bayern – locken.“

 Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU
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03.12.2020 Bioaktive Gläser als neuer Ansatz in der Knochenkrebstherapie
uni | mediendienst | forschung Nr. 85/2020

FAU entwickelt bioaktive Gläser für Knochenkrebsforschung

Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) unter Leitung von Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini, Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien), produziert bioaktive Gläser, die im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem Universitätsklinikum Heidelberg dort auf ihre Eignung in der Therapie von Riesenzelltumoren des Knochens überprüft werden. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit rund 212.000 Euro.

Die winzigen Glaspartikel, die biologisch aktive Ionen wie Zink, Magnesium oder Bor enthalten, werden auf die Bildung von kohlensäurehaltigem Hydroxylapatit (CHA) bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten untersucht. Die Ausbildung einer solchen CHA-Schicht ermöglicht den Glaspartikeln, Wechselwirkungen mit dem Knochengewebe einzugehen. Das Forschungsteam der FAU unter Leitung von Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini gehört zu den weltweit führenden Gruppen, die sich mit der Entwicklung, Herstellung und Charakterisierung von bioaktiven Gläsern beschäftigen.

In der Therapie von Knochenbrüchen profitieren heute schon Patientinnen und Patienten von bioaktiven Gläsern, die das Knochenwachstum anregen. Doch darüber hinaus können diese Gläser auch einen zellschädigenden Effekt haben. Und genau diesen wollen sich die Forscherinnen und Forscher am Universitätsklinikum Heidelberg zunutze machen. Denn anscheinend reagieren Krebszellen des Riesenzelltumors des Knochens empfindlicher als gesunde Knochenzellen. Das Ziel ist dabei, dass so Krebszellen gezielt abgetötet und Lokalrezidive, also wiederkehrende Tumore, verhindert werden können. Rezidive treten bei Riesenzelltumoren verhältnismäßig häufig auf und können zu einem schwerwiegenden Verlauf der Erkrankung führen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen, die Versorgung der Krebspatientinnen und -patienten mit den Gläsern verbessern zu können.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini, Tel.: 09131/85-28601, aldo.boccaccini@fau.de

 

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02.12.2020 Rekordauflösung in der Röntgenmikroskopie
uni | mediendienst | aktuell Nr. 135/2020

Chemiker der FAU erreichen neue Dimension der direkten Bildgebung

Forschenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), des Schweizer Paul-Scherrer-Instituts und weiterer Einrichtungen aus Paris, Hamburg und Basel ist ein neuer Rekord in der Röntgenmikroskopie gelungen: Mit verbesserten Beugungslinsen und exakterer Positionierung der Proben erreichten sie eine räumliche Auflösung im einstelligen Nanometerbereich. Diese neue Dimension der direkten Bildgebung könnte wichtige Impulse für die Erforschung von Nanostrukturen geben und beispielsweise die Entwicklung von Solarzellen und neuartigen magnetischen Datenspeichern vorantreiben. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal „Optica“ unter dem Titel „Soft x-ray microscopy with 7 nm resolution“ veröffentlicht.*

Die Mikroskopie mit weicher Röntgenstrahlung, also mit Röntgenstrahlen niedriger Energie, wird zur Untersuchung von Materialeigenschaften im Nanobereich eingesetzt. Mit der Technologie kann beispielsweise die Struktur organischer Filme bestimmt werden, die in der Solarzellen- und Batterieentwicklung eine wichtige Rolle spielen. Ebenso können chemische Prozesse oder katalytische Reaktionen von Partikeln beobachtet werden. Darüber hinaus lassen sich sogenannte Spin-Dynamiken untersuchen: Elektronen können nicht nur elektrische Ladung transportieren, sie haben auch einen inneren Drehsinn, der für neuartige magnetische Datenspeicher genutzt werden könnte.

Um diese Prozesse künftig besser erforschen zu können, ist ein „Zoom“ in den einstelligen Nanometerbereich erforderlich. Theoretisch ist das mit weicher Röntgenstrahlung möglich, praktisch konnte eine räumliche Auflösung von unter 10 Nanometern jedoch bislang nur mit indirekt bildgebenden Methoden erreicht werden, die eine nachträgliche Rekonstruktion erfordern. „Für dynamische Prozesse, etwa chemische Reaktionen oder magnetische Interaktionen von Partikeln, benötigen wir jedoch einen direkten Blick auf die Strukturen“, erklärt Prof. Dr. Rainer Fink vom Lehrstuhl für Physikalische Chemie II der FAU. „Die Röntgenmikroskopie ist dafür besonders geeignet, weil sie deutlich flexibler in magnetischen Umgebungen genutzt werden kann als etwa die Elektronenmikroskopie.“

Bessere Fokussierung und Kalibrierung

Gemeinsam mit dem Paul-Scherrer-Institut und weiteren Einrichtungen aus Paris, Hamburg sowie Basel haben die Forschenden der FAU nun eine „Schallmauer“ der Röntgenmikroskopie durchbrochen: Ihnen gelang eine Rekordauflösung von 7 Nanometern in gleich mehreren verschiedenen Experimenten. Dieser Erfolg basiert nicht primär auf leistungsstärkeren Röntgenquellen, sondern auf einer besseren Fokussierung der Strahlen durch Beugungslinsen und einer exakteren Kalibrierung der untersuchten Proben. „Wir haben die Strukturgrößen sogenannter Fresnel-Zonenplatten optimiert, mit denen die Röntgenstrahlen gebündelt werden“, erklärt Rainer Fink. „Zusätzlich konnten wir die Proben mit einer sehr viel höheren Genauigkeit im Gerät positionieren, und zwar reproduzierbar.“ Gerade die eingeschränkte Positionierung und die Stabilität des Gesamtsystems haben eine bessere Auflösung bei der direkten Bildgebung bislang verhindert.

Bemerkenswert ist, dass die Rekordauflösung nicht nur mit speziell designten Teststrukturen, sondern auch in praktischen Anwendungen erreicht wurde: Mit ihren neuen Optiken haben die Wissenschaftler beispielsweise die magnetische Orientierung von Eisenpartikeln in Größen von 5 bis 20 Nanometern untersucht. Fink: „Wir gehen davon aus, dass unsere Ergebnisse die Erforschung insbesondere von Energiematerialien und Nanomagnetismus voranbringen wird. In diesen Bereichen liegen die relevanten Strukturgrößen häufig unterhalb des bisherigen Auflösungslimits.“

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und vom Forschungs- und Innovationsprogramm EU-H2020 gefördert.

 DOI: 10.1364/OPTICA.399885

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Rainer Fink

Lehrstuhl für Physikalische Chemie II

Tel.: 09131 85-27322

rainer.fink@fau.de

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02.12.2020 Corona-Jahr 2020
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Am Ende dieses schwierigen Jahres 2020, das wohl unter dem Titel „Corona-Jahr“ in die Geschichte eingehen wird, mit seinen für uns alle harten wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen, mit Lockdowns, Kontaktreduzierung, Homeoffice und Homeschooling, Video- und Telefonkonferenzen uvm.  steht mehr denn je für die Gesundheitspolitik fest: Der Staat setzt die Rahmenbedingungen – die Ausgestaltung der Vorgaben obliegt den Ärztinnen und Ärzten“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Leitartikel der Dezemberausgabe des Bayerischen Ärzteblatts. Weder könnten in dieser pandemischen Krise Verweigerungshaltung oder Populismus weiterhelfen noch gut gemeinte aber eben nicht zu Ende gedachte Ideen, wie Impfen durch Apotheker oder Zahnärzte, staatliche Impf-aufrufe oder „Jedermanns-PCR-Tests“.

Gesetze sind Rechtsnormen, welche menschliches Verhalten regeln, definieren, was in einer Gemeinschaft erlaubt oder verboten ist oder welche Verpflichtungen oder Ansprüche der Einzelne hat. „Eine Vielzahl von Gesetzen und Rechtsverordnungen in einem Jahr, sodass sich die Frage stellt, ob hier tatsächlich der Bedarf für neue Rechtsnormen in diesem Ausmaß gegeben ist, oder es sich um Aktionismus handelt, der teilweise dazu führt, dass man Gesetze benötigt, um vorangegangene Gesetze zu korrigieren“, schreibt Quitterer weiter. Mitte November beschloss der Deutsche Bundestag ein „Drittes Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“. Im Kern steht eine Konkretisierung der Regelungen im Infektionsschutzgesetz, mit denen die Bundesregierung die weitgehenden Alltagsbeschränkungen in der Pandemie auf ein festeres rechtliches Fundament stellt. „Das ist hart, aber erforderlich, um in der Situation der Pandemie die not-wendigen Maßnahmen ergreifen und sie auf eine rechtliche Grundlage stellen zu können“, so Bayerns Ärzte-Chef.

Dennoch blickt Quitterer hoffnungsvoll nach vorne! Bis Ostern 2021 könnten nicht nur ein, zwei Handvoll Corona-Impfstoffe zur Verfügung stehen, sondern zudem hochwirksame und noch dazu in großer Menge. Das sei Grund genug, schon jetzt darüber nachzudenken, welche Impfstrategie die beste ist. Ein friedvolles und harmonisches Weihnachtsfest und ein glückliches, erfolgreiches und gesundes neues Jahr 2021!

Mehr zu „Corona-Jahr 2020“ lesen Sie im Leitartikel der Dezemberausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de. Pressestelle

01.12.2020 Psychotherapie am Arbeitsplatz
uni | mediendienst | forschung Nr. 83/2020

Forschungsprojekt hilft Menschen mit psychischen Belastungen direkt im Betrieb – Unternehmen als Kooperationspartner gesucht

Psychische Erkrankungen waren laut Auswertungen der Krankenkassen bereits vor COVID-19 eine der häufigsten Ursachen für Krankheitstage in Deutschland. Durch die Pandemie ergaben sich nun zusätzlich massive Veränderungen für Beschäftigte unterschiedlicher Branchen. Wesentliche Probleme im Zusammenhang mit psychischen Beschwerden am Arbeitsplatz sind die oft erst spät gestellten Diagnosen und die langen Wartezeiten für eine Behandlung. Außerdem trauen sich die Betroffenen häufig nicht, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen bzw. zur Psychotherapie zu gehen oder sie finden nicht sofort den richtigen Therapeuten. Genau an diesem Punkt setzt nun das Verbundprojekt „Frühe Intervention am Arbeitsplatz“ (FRIAA) der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Ulm sowie weiteren Verbundpartnern an.

Im Rahmen des Forschungsprojekts verlassen die Wissenschaftler ihre Klinik und kommen in das Lebensumfeld ihrer Patienten – wenn erwünscht, direkt an den Arbeitsplatz. „Die psychosomatische Sprechstunde unserer Fachärzte und Psychotherapeuten findet in mehreren Zentren in der Region statt“, erläutert Prof. Dr. (TR) Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatik des Uni-Klinikums Erlangen. „Unser Ziel ist es, psychisch belastete Beschäftigte schnell zu erkennen und zu behandeln und damit ihren Verbleib am Arbeitsplatz zu fördern.“ Mit ihrem alltagsnahen Angebot erhoffen sich die Verbundpartner, einerseits das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhöhen und andererseits die kooperierenden Unternehmen zu unterstützen.

„Die frühe Intervention vor Ort ermöglicht es den Betroffenen, rechtzeitig geeignete Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aber auch dem jeweiligen Unternehmen ist geholfen, da Arbeitsausfälle reduziert und die Sozialkassen entlastet werden“, sagen die Initiatoren der Studie Prof. Dr. Harald Gündel und Dr. Eva Rothermund vom Uni-Klinikum Ulm. Die Co-Studienleitung hat Prof. Dr. Peter Angerer vom Universitätsklinikum Düsseldorf inne. Weitere Beteiligte sind Prof. Dr. Christoph Kröger von der Stiftung Universität Hildesheim und Prof. Dr. Volker Köllner vom Reha-Zentrum Seehof. Die qualitativen Untersuchungen werden von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin übernommen. Die Universität Heidelberg und das Bezirkskrankenhaus Günzburg unterstützen bei der Datenauswertung.

 Vertrauliche Beratung

Innerhalb der psychosomatischen Sprechstunde erhalten alle interessierten Mitarbeiter eine Diagnostik und Beratung zu möglichen Behandlungsoptionen. Falls notwendig können anschließend Therapiesitzungen wahrgenommen werden. Alle Termine finden anonym statt: Der Arbeitgeber weiß nicht, wer zu den Beratungen und zur Therapie kommt und erhält keinerlei Informationen darüber. Der Betriebsarzt wird mit Einverständnis des Beschäftigten hinzugezogen, unterliegt aber der Schweigepflicht.

Probanden gesucht

Dieses Angebot hat in Vorstudien bereits vielversprechende Ergebnisse geliefert. Die Wirksamkeit soll jetzt in einer deutschlandweiten randomisierten und kontrollierten Untersuchung überprüft werden. Die Studie, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschen Rentenversicherung mit 2,3 Mio. Euro gefördert wird, soll bis zu 600 Teilnehmer an fünf Standorten einschließen. Die Probanden – psychisch belastete Beschäftigte der kooperierenden Unternehmen – werden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt. Die eine Gruppe erhält eine umfangreiche Diagnostik und eine Erstberatung durch die Therapeuten des Uni-Klinikums Erlangen und wird im Anschluss an ambulante Anbieter verwiesen. Bei der anderen Gruppe folgt auf die Diagnostik und die Erstberatung noch eine Kurzzeittherapie mit Arbeitsplatzbezug durch die Studientherapeuten. Ein wesentlicher Bestandteil der Psychotherapie ist die Unterstützung bei der anschließenden Reintegration an den Arbeitsplatz; hierbei werden auch die Betriebsärzte in den Kreis der Helfenden aufgenommen. An der Studie teilnehmen können psychisch erkrankte Arbeitnehmer, die z. B. an Angststörungen, Schlafstörungen oder unter somatoformen Störungen wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Schmerzsymptomen leiden. Die Aufnahme in die Studie erfolgt durch die Betriebsärzte, ist aber auch auf eigenen Wunsch der Betroffenen möglich.

 Zoom-Meetings für interessierte Unternehmen am 13. und 28. Januar 2021

Mit den Beratungen und den Therapien soll im September 2021 begonnen werden. Dafür suchen die Wissenschaftler aktuell kleine und mittelständische, aber auch große Unternehmen aus der Region als Kooperationspartner. Im Rahmen von vier Zoom-Meetings am Mittwoch, 13. Januar 2021, und am Donnerstag, 28. Januar 2021, stellen die Wissenschaftler das Projekt vor und beantworten Fragen. Die Videokonferenzen finden an beiden Tagen jeweils um 16.00 Uhr und um 19.00 Uhr statt. Auf Wunsch ist außerdem ein persönlicher Kontakt mit dem Forscherteam möglich.

Link zu den Zoom-Meetings am 13.01.2020:

https://fau.zoom.us/j/91398217639?pwd=elJSK1VibVVUT255QUhnZmt4S2F5dz09

 Link zu den Zoom-Meetings am 28.01.2020:

https://fau.zoom.us/j/96334678928?pwd=VlV3QXZqNFhoR1BqcEVxTmJkeHZkUT09

 Hohe Leistungsbereitschaft – Gefahr für psychische Gesundheit

„In Franken leben wir in einer Region mit Menschen, die von sich selbst höchste Leistungen abverlangen“, so Prof. Erim. „Die hohe Arbeitsmoral hat diese Region einerseits zu einer Wiege von Wissenschaft und Innovationen gemacht. Andererseits hat die anhaltend hohe Verausgabungsbereitschaft – manchmal gepaart mit doppelten Belastungen durch Lohnarbeit und familiäre Notwendigkeiten – Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit zur Folge. Unsere Studie will ausloten, ob frühe Interventionen, die in den Betrieben beginnen, die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten deutlich erhöhen können.“ Ziel der Studie sei letztlich die dauerhafte Etablierung der psychosomatischen Sprechstunde am Arbeitsplatz im Katalog der gesetzlichen Krankenversicherungen. „Das Projekt wird auch einen Beitrag dazu leisten, dass die Erschöpfungszustände, die durch hohe Arbeitsanforderungen zustande kommen, von Betroffenen und behandelnden Ärzten früher erkannt werden“, sagt Prof. Erim. „Schließlich sollen Menschen mit psychischen Störungen nicht diskriminiert, sondern diagnostiziert und zeitnah behandelt werden.“

 Weitere Informationen:

Sinja Hondong

Tel.: 09131 85-44652

sinja.hondong@uk-erlangen.de

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30.11.2020 „Wenn Not am Mann ist, bin ich da“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 132/2020

Medizinstudent Tim Tartler unterstützt das Uni-Klinikum Erlangen in der Corona-Krise – weitere Helfer werden dringend gesucht.

Seit März 2020 ist Medizinstudent Tim Tartler im Einsatz am Universitätsklinikum Erlangen: als studentische Hilfskraft in der Corona-Pandemie. Bis heute unterstützt er das Team der Intensivstation der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie (Direktor: Prof. Dr. Mario Schiffer) bei der Versorgung von intensivpflichtigen COVID-19-Patienten. „Ich fand es damals direkt sinnvoll, mich auf den Aufruf des Uni-Klinikums hin zu melden“, sagt der 24-Jährige. „Ich bin Medizinstudent. Mein Ziel ist es, Menschen zu helfen. Außerdem habe ich Vorerfahrungen: Ich habe schon im Rettungsdienst gearbeitet und mein Freiwilliges Soziales Jahr auf einer Intensivstation gemacht. Für mich war es selbstverständlich, meine Unterstützung anzubieten, und auch irgendwie eine Art gesellschaftliche Verpflichtung.“

Am Uni-Klinikum Erlangen werden derzeit 61 Corona-Patienten versorgt – 19 davon auf Intensivstationen. Auf Tim Tartlers Station werden derzeit sechs Patienten mit COVID-19 behandelt. Bevor er das Zimmer eines Corona-Patienten betritt, muss sich der Student „einschleusen“ – Handschuhe, Kittel, Schutzbrille und FFP2-Maske anlegen. „Alle geben sehr darauf Acht, dass die Hygieneregeln im Dienst eingehalten werden. Aber wir machen zum Beispiel auch getrennt Pause, sodass nicht zu viele Leute zusammenkommen“, sagt er. Der Student sieht es als seine Aufgabe, den examinierten Pflegefachkräften auf Station „den Rücken freizuhalten“. Das tut er unter anderem, indem er den Kollegen Materialien ins Isolationszimmer reicht, Notfallwägen anhand einer Checkliste überprüft, Zimmer für neue Patienten herrichtet und Material auffüllt. Er werde aber auch zur Unterstützung bei der Pflege von COVID-19 Patienten gebraucht. „Schwer erkrankte beatmete Corona-Patienten drehen wir zum Beispiel für 16 Stunden täglich auf den Bauch – dann ist die Lungenbelüftung besser. Um einen Patienten zu bewegen, braucht es zwei Pflegekräfte und einen Arzt“, erläutert Tim Tartler. „Wenn es viele Neuaufnahmen auf Station gibt oder wenn sich COVID-19-Patienten kritisch verschlechtern, geht es auch mal stressiger zu“, berichtet er. „Aber die Stimmung bei uns ist gut. Wir halten zusammen.“

Der 24-jährige ist im zehnten Semester seines Medizinstudiums, steht kurz vor dem zweiten Staatsexamen. „Im Frühjahr habe ich in den Semesterferien Vollzeit als Hilfskraft gearbeitet, aktuell übernehme ich einen Dienst pro Woche – also Früh-, Spät- oder Nachtschicht. Was die Dienstplanung angeht, kommt man uns Studenten da sehr entgegen, finde ich.“ Stationsleiter Andreas Goldhardt ist dankbar, Mitarbeiter wie Tim Tartler zu haben, die sein Stammteam unterstützen. Drei Studierende sind dem Stationsleiter und seinem Team aus der ersten Corona-Welle Anfang des Jahres geblieben. Von ihrem Wissen können jetzt neue Hilfskräfte profitieren. „Niemand muss bei uns Aufgaben übernehmen, bei denen er sich noch nicht sicher fühlt“, betont Andreas Goldhardt. „Wer sich als studentische Hilfskraft bewirbt, wird früher oder später auch an Corona-Patienten arbeiten – aber erst, wenn alle fachlichen Abläufe und alle Hygieneregeln sicher sitzen.“

 So selbstverständlich es für Tim Tartler ist, in der Krise mitanzupacken, so selbstverständlich ist das für den Stationsleiter keineswegs: „Ich finde diese Hilfe für unser Team extrem anerkennenswert“, sagt Andreas Goldhardt. „Tim ist seit der ersten Stunde dabei. Vor allem damals wusste noch niemand, wie das alles weitergeht. Dementsprechend hatten die Unterstützungsangebote auch einen sehr hohen moralischen Wert für mich – und haben es auch weiterhin.“ Doch wenn jeder Studierende im Drei-Schicht-System nur einen Dienst pro Woche übernimmt, braucht das Team der Intensivstation für sieben Wochentage 20 bis 25 Hilfskräfte – die es im Moment nicht hat.

 Weitere Unterstützung dringend gesucht

Am gesamten Uni-Klinikum Erlangen gibt es zur Bewältigung der Corona-Krise weiterhin Bedarf an studentischen Hilfskräften – unter anderem auf den COVID-19-Infektstationen, auf den Intensivstationen und in der Notaufnahme. Interessenten können sich telefonisch unter 09131 85-46886 bewerben und werden dann im Schnellverfahren eingestellt. Studentische Hilfskräfte sollten eine pflegerische oder medizinische Ausbildung oder ein FSJ absolviert haben

einschlägige Erfahrungen als Pflegehilfskraft haben oder ein mindestens dreimonatiges Pflegepraktikum absolviert haben und mindestens sieben bis acht Stunden pro Woche einsatzfähig sein.

 Bislang konnten am Uni-Klinikum Erlangen 85 Studierende mit Pflegeerfahrung als Hilfskräfte zur Bewältigung der aktuellen Corona-Welle gefunden werden. Weitere werden nun dringend gesucht. Bei der Dienstplanung wird auf das parallel laufende Medizinstudium Rücksicht genommen. Tim Tartler will weitermachen, solange ihn das Uni-Klinikum Erlangen braucht. „Wenn Not am Mann ist, bin ich da“, sagt er.

 Weitere Informationen:

Katharina Diemer

katharina.diemer@uk-erlangen.de

Tel.: 09131 85-46886


 

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27.11.2020 Wo das Coronavirus im Darm andockt
uni | mediendienst | forschung Nr. 81/2020

Erlanger Wissenschaftler untersuchen die Auswirkungen von Sars-CoV-2 auf den Darm.

Weltweit haben sich bereits mehr als 55 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, das bislang 1,3 Millionen Todesopfer gefordert hat. Bei den meisten an COVID-19 erkrankten Patienten stehen zwar respiratorische Symptome im Vordergrund, das Virus breitet sich allerdings nicht nur in den Atemwegen aus, sondern kann auch andere Organe in Mitleidenschaft ziehen. Häufig handelt es sich dabei um den Magen-Darm-Trakt. Ein Team um Prof. Dr. Christoph Becker von der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen hat nun gemeinsam mit Kollegen der Charité – Universitätsmedizin Berlin herausgefunden, dass sich die Andockstellen des Coronavirus in besonders hoher Dichte auf der Darmoberfläche befinden. Die Ergebnisse der Studie wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlicht. *

Bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 heften sich die Viren an die Oberfläche der Wirtszellen an. Dies geschieht über bestimmte Oberflächenmerkmale, sogenannte Rezeptoren. Nach der Bindung der Virushülle an den ACE2-Rezeptor spaltet das körpereigenes Enzym TMPRSS2 ein virales Protein, wodurch der Eintritt in die Wirtszelle erfolgen kann. Diese wird daraufhin vom Virus dazu verwendet, die Bestandteile für weitere Viren zu produzieren. Sind sie in ausreichender Menge hergestellt worden, können die Viren aus der Wirtszelle ausbrechen und wiederum andere Zellen infizieren. Aufgrund der Bedeutung von ACE2 und TMPRSS2 für das Eindringen von Sars-CoV-2 in die Zelle stellen die beiden Moleküle potenzielle Ansatzpunkte für ein wirksames Medikament gegen das Coronavirus dar.

 Darmschleimhaut als Zielscheibe

Die Erlanger und Berliner Forscher haben nun entdeckt, dass bestimmte Zellen der Darmschleimhaut, sogenannte Enterozyten, bei gesunden Menschen hohe Konzentrationen von ACE2 und TMPRSS2 aufweisen und somit Zielzellen des Coronavirus sein können. Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass Patienten mit Darmentzündungen weniger ACE2-Rezeptoren besitzen und dass sowohl ACE2 als auch TMPRSS2 ihre Lokalisation in den Enterozyten verändern. Das könnte bedeuten, dass der Darm von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn resistenter gegenüber Sars-CoV-2 ist als der Darm gesunder Menschen. „Allerdings stehen groß angelegte Studien zur Bedeutung der Infektion des Darms mit dem Coronavirus noch aus“, sagt Prof. Becker.

Die Forschungen ergaben zudem, dass die Bildung von ACE2 und TMPRSS2 auf der Zelloberfläche von außen beeinflusst werden kann. So führt etwa eine Stimulation der Zellen über bestimmte mikrobielle Signale und Botenstoffe des Immunsystems zu einer geringeren Ausschüttung von ACE2 im Darmepithel. „Unsere Erkenntnisse zeigen, dass die für eine Infektion mit Sars-CoV-2 notwendigen Moleküle auf der Zelloberfläche möglicherweise therapeutisch beeinflussbar sind“, so Dr. Jay Patankar, Erlanger Mitautor der Studie. Als Nächstes planen die Forscher Infektionsexperimente an Zellen, um diese These zu überprüfen.

Möglich wurde die Studie durch ein Forschungsnetzwerk zwischen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Beide Standorte sind deutschlandweit führend auf dem Gebiet der Darmforschung. In einem Sonderforschungsbereich untersuchen Wissenschaftler beider Städte gemeinsam entzündliche Erkrankungen des Darms. Herzstück des Sonderforschungsbereichs ist die gemeinsame Gewebebank „IBDome“, in der Proben des Darms von gesunden Probanden und Patienten mit Darmentzündungen gesammelt und analysiert werden. „Dank IBDome konnten wir in kürzester Zeit auf eine sehr große Zahl biologischer Proben zugreifen“, freut sich Prof. Becker. Die Forscher wollen nun gemeinsam herausfinden, welchen Einfluss das Coronavirus konkret auf den Darm und die Funktionen der dort vorhandenen Zellen hat.

 *https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0016508520352781?

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Christoph Becker

Tel.: 09131 85-35886

christoph.becker@uk-erlangen.de

 

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27.11.2020 Kooperation der Quanten, Erforschung von Metastasen-Bildung und neuartige Katalysatoren
uni | mediendienst | forschung Nr. 80/2020

Drei neue Sonderforschungsbereiche für die FAU

 Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat drei neue Sonderforschungsbereiche/Transregios (SFB/TRR) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) bewilligt. Ziel des SFB/TRR 305 ist es, die molekulare Mechanismen der Metastasenentstehung zu verstehen und auf dieser Basis neue Therapieansätze gegen Krebs-Metastasen zu schaffen. Im SFB/TRR 306 möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das kollektive Verhalten von Quantensystemen erforschen. Im SFB CLINT wird ein grundlegend neuer Ansatz in der chemischen Reaktionstechnik verfolgt, um technische Katalysatoren mit neuartigen Eigenschaften zu erzeugen.

 Neue Therapien bei Krebs 

Der Forschungsverbund TRR 305 "Striking a moving target: From mechanisms of metastatic organ colonisation to novel systemic therapies" wird vier Jahre lang mit fast 12 Mio. Euro gefördert. Tumormetastasen sind auch heute noch für etwa 90% aller Krebs-assoziierten Todesfälle verantwortlich. Die Forschenden möchten untersuchen, welche molekularen Mechanismen für die oft nach einer zunächst erfolgreichen Therapie auftretenden Metastasen wirksam sind. Prof. Dr. Thomas Brabletz, Lehrstuhl für Experimentelle Medizin I mit dem Schwerpunkt Pathogeneseforschung der FAU und einer der beiden Sprecher des DFG-Projektes, erläutert: „Wir wollen herausfinden, welche Faktoren ausschlaggeben dafür sind, ob die gestreuten Krebszellen unter Kontrolle bleiben oder beginnen, Metastasen zu bilden. Wir gehen auch der Frage nach, was für die Bildung von Metastasen verantwortlich ist.“

 Ziel sei es auch, den Weg für eine neue Generation von Therapien zu bereiten, sagt der zweite Sprecher des Forschungsprojektes, Prof. Dr. Christoph Klein, Lehrstuhl für Experimentelle Medizin und Therapieverfahren an der Universität Regensburg. „Diese Therapien könnten es schaffen, die spätere Bildung von Metastasen im Körper von Krebspatienten zu verhindern.“ Dank der Expertise der Fraunhofer-Gesellschaft, die an dem Forschungsprojekt mitwirkt, und ihrer anwendungsorientierten Forschung, erhofft sich das Team um die Professoren Klein und Brabletz die erwarteten Forschungsergebnisse rasch in der medizinischen Praxis anwenden zu können.

 Wie kooperieren Quanten?

Die Forscherinnen und Forscher des TRR 306 "QuCoLiMa" (Quantenkooperativität von Licht und Materie) werden sich ab 2021 für vier Jahre dem quantenkollektiven Verhalten von physikalischen Systemen an der Schnittstelle von Quantenoptik und kondensierter Materie widmen. Das Forschungsprojekt soll mit insgesamt rund 11 Millionen Euro gefördert werden. „Mit diesem Forschungsprogramm soll das neue Forschungsfeld der Vielteilchenphysik quantenkooperativer Licht-Materie etabliert werden“, betonen der Sprecher des TRR 306 „QuCoLiMa“, Prof. Dr. Joachim von Zanthier, Professur für Experimentalphysik, und der Vizesprecher, Prof. Dr. Kai Phillip Schmidt, Professur für Theoretische Physik der FAU.

Die insgesamt 29 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des TRR 306 wollen verstehen, wie kooperatives Verhalten in der Quantenwelt entsteht und wie es kontrolliert werden kann. Dies soll für quantentechnologische Anwendungen wie verbesserte Sensoren, abhörsichere Kommunikation oder Quantencomputer genutzt werden können. Neben der FAU als Sprecherhochschule sind hier noch die Universität Saarbrücken, die Universität Mainz sowie die Universität Linz, die Universität Jena, die TU Kaiserslautern, das Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts und das Deutsche Elektronen-Synchrotron an dem Forschungsprojekt beteiligt, während das Forschungszentrum Jülich seine Quantencomputer-Ressourcen für das Vorhaben zur Verfügung stellt.

Technische Katalysatoren mit neuartigen Eigenschaften

Mit "CLINT" (Katalyse an flüssigen Grenzflächen) hat die FAU ein einen dritten Sonderforschungsbereich bewilligt bekommen, dessen Sprecher Prof. Dr. Peter Wasserscheid, Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik, ist. Der SFB verfolgt einen grundlegend neuen Ansatz in der chemischen Reaktionstechnik: Er will die hochdynamische, anisotrope Umgebung gasförmig-flüssiger beziehungsweise flüssig-fester Grenzflächen nutzen, um technische Katalysatoren mit neuartigen Eigenschaften und einer bisher unerreichten Produktivität, Stabilität und Handhabbarkeit zu erzeugen. Dabei soll das Verständnis katalytischer Vorgänge mit einer gezielten Materialentwicklung verbunden werden, weshalb die Untersuchungen von Modellsystemen bis zu Realkatalysatoren reichen und unter anderem auch In-situ-Methoden einschließen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Thomas Brabletz

Lehrstuhl für Experimentelle Medizin I mit dem Schwerpunkt Pathogeneseforschung

Tel.: 09131/85-29104

thomas.brabletz@fau.de

 Prof. Dr. Joachim von Zanthier

Professur für Experimentalphysik

Tel.: 09131/85-27603

joachim.vonzanthier@physik.uni-erlangen.de

 Prof. Dr. Peter Wasserscheid

Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik

Tel.: 09131/85-27420

peter.wasserscheid@fau.de

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25.11.2020 Wie lebt es sich im Lockdown light?
uni | mediendienst | forschung Nr. 79/2020

Langzeitstudie über Arbeit und Gesundheit – Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesuch.

Bisher konnten die meisten Menschen ganz gut mit Social Distancing und Homeoffice in Zeiten der Corona-Pandemie umgehen, äußern jedoch auch Kritikpunkte an der Arbeit von zu Hause. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Doch wie wirkt sich der aktuelle Lockdown light auf die gesundheitliche Situation von Erwerbstätigen aus? Um diese Frage in einer Langzeitstudie beantworten zu können, werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eine zweite Befragungswelle gesucht.

 Die erste Erhebungswelle der „Langzeitstudie Gesundheit und Arbeit infolge der Corona-Krise“ (LaGACo) des Instituts und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der FAU fand von Juni bis August statt. Fast 600 Beschäftigte verschiedener Berufsgruppen und unterschiedlichen Alters nahmen im Sommer an der Online-Befragung teil. Anonym beantworteten sie Fragen rund um ihre Arbeitsbelastung und ihren Gesundheitszustand ebenso wie Fragen nach Einstellungen, Werten, Geschlechterrollen und ihren Möglichkeiten zur Nutzung von Homeoffice und digitaler Gesundheitsversorgung.

 Zufrieden mit dem Homeoffice

„Der überwiegende Teil der Befragten arbeitet teilweise im Homeoffice“, fasst Regina Lösch, eine der Wissenschaftlerinnen, die Ergebnisse der ersten Befragungswelle zusammen. „In den letzten drei Monaten waren 17,5 Prozent der Befragten vollständig im Homeoffice tätig und 45,7 Prozent teilweise – nur 36,8 Prozent der Befragten arbeiteten nicht im Homeoffice.“ Die Mehrzahl der Befragten ist – laut der Studie – sowohl mit den Lichtverhältnissen als auch mit der Luftqualität im Homeoffice zufrieden. Im Vergleich schätzen die Befragten die Luftqualität im Homeoffice sogar besser ein als im Betrieb.

Anders sieht es mit der ergonomischen und technischen Ausstattung des Arbeitsplatzes aus. Beides wird von den Befragten für den Arbeitsplatz im Betrieb besser als für das Homeoffice eingeschätzt. So verfügen 36,8 Prozent der Befragten an ihrem Arbeitsplatz über eine ergonomische Ausstattung, aber nur 16,7 Prozent im Homeoffice. Die technische Ausstattung ihres Arbeitsplatzes halten 47,5 Prozent der Befragten im Betrieb für angemessen und 40,5 Prozent im Homeoffice. Klar im Vorteil ist das Homeoffice dann wieder bei den Konferenzsystemen. Diese können 34,7 Prozent der Befragten im Homeoffice problemlos und störungsfrei nutzen. Am Arbeitsplatz im Betrieb sind das nur 27,4 Prozent.

Erste Zwischenergebnisse liegen auch zum Umgang mit Social Distancing, zu den größten Sorgen der Menschen in Bezug auf die aktuelle Situation mit Covid-19 und zum Thema „Einsamkeit und Freunde“ vor. „Der Kontakt zu nahestehenden Menschen fehlt den Befragten besonders. Dennoch fühlt sich der größte Teil der Befragten selten ausgeschlossen oder einsam. Die größte Sorge unter den Befragten ist, dass nahestehende Menschen sich mit dem Virus infizieren“, fasst Elisabeth Wischlitzki, eine weitere Wissenschaftlerin des Forschungsteams zusammen.

 Freiwillig und anonym

 Doch wie sieht das jetzt – im Herbst und Winter und dem Lockdown light aus? Auch das wollen die Forscherinnen wissen und suchen für ihre Online-Studie deshalb möglichst viele erwerbstätige Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeden Alters. „Je mehr Beschäftigte an unserer Befragung teilnehmen, desto genauer wird das Bild, wie Erwerbstätige die Corona-Krise und den Lockdown light erleben“, sagt Lösch. „Indem wir die bisherigen Entwicklungen dokumentieren, können wir künftig auftretende Veränderungen und Anforderungen besser einschätzen und darauf reagieren.“

Die neu dazugekommenen Fragen drehen sich um die Arbeitsgestaltungskompetenz und um Präsentismus – also um die Anwesenheit am Arbeitsplatz, obwohl der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitsnehmerin krank ist. Darüber hinaus interessieren sich die Forscherinnen für einige Aspekte der Pausen- und Ruhezeiten noch intensiver und befassen sich auch mit dem Thema Corona-Impfung. Eine Frage dazu lautet zum Beispiel: Würden sie sich am Arbeitsplatz sicherer fühlen, wenn die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist?

Die anonyme Befragung ist freiwillig, dauert rund 30 Minuten und wird über die Plattform LimeSurvey durchgeführt. Die dritte Befragungswelle im Rahmen der Langzeitstudie soll im Frühjahr 2021 stattfinden.

 Link zur Online-Befragung: https://bmq-evaluation.limequery.com/895758?lang=de

 Link zu den ersten Zwischenergebnissen: https://www.ipasum.med.fau.de/2020/11/25/langzeitstudie-zu-arbeit-und-gesundheit-infolge-der-corona-krise/

 Weitere Informationen:

Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin
Tel.: 09131/85-23105
ipasum-lagaco@fau.de

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25.11.2020 Ausweitung der Krankschreibung per Videosprechstunde nur bei „Bestandspatienten“
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

 

Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), spricht sich gegen die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) aus, die Arbeitsunfähigkeits-bescheinigung (AU) per Videosprechstunde auch im Rahmen der ausschließlichen Fernbehandlung zu ermöglichen. „Damit wären auch Fälle erfasst, in denen der Patient der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt nicht persönlich bekannt ist oder bei denen er in der Vergangenheit nicht bereits persönlich in der Sprechstunde vorstellig wurde“, erklärt BLÄK-Präsident Quitterer. Ein entsprechender Referentenentwurf sehe vor, die AU-Richtlinie diesbezüglich anzupassen.
 
Ausgeschlossen blieb bislang eine Krankschreibung per Videosprechstunde bei Patienten, die in der betreffenden Arztpraxis bislang noch nie persönlich vorstellig geworden sind, sowie die Feststellung einer AU ausschließlich auf Basis z. B. eines Online-Fragebogens, einer Chat-Befragung oder eines Telefonates. „Die persönliche Anamnese ist und bleibt der Goldstandard. Kennt der Arzt den Patienten nicht, ist zu befürchten, dass sich Angebote am Markt etablieren, die sich gezielt auf die elektronische AU konzentrieren und damit werben. Das lehne ich ab, da damit die Versorgungsqualität und die Patientensicherheit beeinträchtigt werden“, so Quitterer.
Ärztinnen und Ärzte können ihnen bekannte Patienten künftig auch nach einer Videosprechstunde krankschreiben. Dafür hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Juli die AU-Richtlinie entsprechend geändert.
Voraussetzungen: Der Patient ist in der Praxis bekannt, die Krankheit kann in einer Videosprechstunde untersucht werden.
 
 
Dagmar Nedbal
Leiterin der Pressestelle, Bayerisches Ärzteblatt, Internet
Bayerische Landesärztekammer
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: +49 89 4147-714
Fax: + 49 89 4147-202
E-Mail: d.nedbal@blaek.de

24.11.2020 „Wir werden nicht einfach etwas durchwinken“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 129/2020

Zwei Mitglieder der Ständigen Impfkommission kommen aus Erlangen und entscheiden mit über die bundesweite COVID-19-Impfstrategie – Impfstart „wahrscheinlich Anfang 2021“

In der Berufungsperiode von 2020 bis 2023 hat die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut 18 Mitglieder – zwei von ihnen kommen aus dem Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): Prof. Dr. Christian Bogdan, Direktor des Mikrobiologischen Instituts – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene, und Prof. Dr. Klaus Überla, Direktor des Virologischen Instituts – Klinische und Molekulare Virologie. In der STIKO arbeiten die beiden Erlanger Wissenschaftler mit an einer COVID-19-Impfstrategie für Deutschland. Diese könnte noch in diesem Jahr feststehen.

Die STIKO entwickelt Impfempfehlungen für ganz Deutschland. Sie ist ein unabhängiges Expertengremium, das von der Ge¬schäfts¬stelle im Fach¬gebiet Impf¬prävention des Robert-Koch-Instituts koordiniert und unterstützt wird. Erst wenn die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und das deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) einen Impfstoff zugelassen haben – wenn er also aufgrund klinischer Phase-III-Studien als wirksam, sicher und qualitativ hochwertig gilt –, kann die STIKO eine Impfempfehlung aussprechen. Die Kommission berücksichtigt dabei nicht nur gesundheitliche Nutzen-Risiko-Aspekte für den Einzelnen, sondern bewertet Impfungen auch hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung.

Arbeitsgruppe „COVID-19-Impfung“
In der STIKO-Arbeitsgruppe „COVID-19-Impfung“ leisten Prof. Bogdan und Prof. Überla
die Vorarbeit für eine bundesweite Impfstrategie. Neben Virologen und Mikrobiologen gehören auch Kinderärzte, niedergelassene Allgemeinmediziner, Vertreter des Öffentlichen Gesundheitsdiensts, Ethiker, Statistiker und andere Fachleute zur AG. „In der Arbeitsgruppe analysieren wir die umfangreiche Literatur zu COVID-19. Es geht vor allem um die Frage, was man mit der COVID-19-Impfung erreichen will und wer geimpft werden soll“, erklärt Prof. Bogdan – seit 2011 STIKO-Mitglied. Die Arbeitsgruppe entwirft eine Empfehlung, über die dann wiederum die gesamte STIKO abstimmt. Dabei können jederzeit Korrekturen vorgenommen werden – die AG bekommt also ein neutrales Feedback. Dann geht die Beschlussvorlage an den Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen (G-BA). Der befindet darüber, ob die Impfung in die Schutzimpfungs-Richtlinie aufgenommen wird und damit von den Krankenkassen erstattet werden muss.

„Wir sind angenehm überrascht“ – erste Impfstoffzulassung im Dezember 2020 wahrscheinlich
Derzeit trifft sich die COVID-19-AG der STIKO alle zwei Wochen online. Arbeitsgruppenmeetings finden damit viel häufiger statt als vor der Corona-Pandemie. „Ich gehe davon aus, dass die Zulassung eines oder mehrerer COVID-19-Impfstoffe noch im Dezember 2020 erfolgen wird und dass wir auch zeitnah unsere Strategie veröffentlichen. Verabreicht werden könnte der Impfstoff wahrscheinlich schon Anfang 2021“, schätzt Prof. Bogdan. Das Besondere: Normalerweise beurteilt die STIKO einen Impfstoff erst dann, wenn dieser bereits zugelassen ist. „Eine Impfstoffentwicklung hat in der Vergangenheit manchmal 10 bis 15 Jahre gedauert“, erklärt Prof. Überla, der seit 2017 Mitglied der STIKO ist. Bei der Corona-Impfung ist es anders: Die STIKO evaluiert die Impfstoffe parallel zum Zulassungsverfahren von EMA und PEI. Viele Verwaltungs- und Entscheidungsprozesse wurden extrem beschleunigt. „Wir wollen keine Zeit verlieren. Trotzdem werden wir nicht einfach irgendetwas durchwinken“, versichert Prof. Bogdan. Die Zahlen zur Wirksamkeit seien momentan aber „sehr vielversprechend“. „Von drei verschiedenen Impfstoffherstellern wurden jetzt Schutzraten von 90 Prozent und höher berichtet, was uns angenehm überrascht hat.“ Bei der Grippeimpfung gebe es zum Beispiel einen deutlich niedrigeren Schutz von nur 50 bis 60 Prozent, je nach Saison. „Trotzdem müssen wir auch für die Corona-Impfung eine detaillierte Nutzen-Risiko-Bewertung vornehmen. An den Regeln und Sicherheitsanforderungen hat sich trotz des rasanten Tempos nichts geändert“, so Prof. Bogdan weiter.

Zulassung mehrerer Impfstoffe für unterschiedliche Personengruppen möglich
Die Daten aus klinischen Phase-I- und Phase-II-Studien mit ersten Impfstoffkandidaten liegen bereits vor und auch die Ergebnisse aus den Phase-III-Studien soll die STIKO in Kürze erhalten. In den derzeit laufenden Phase-III-Studien wird überprüft, ob Geimpfte neutralisierende Antikörper gegen das Virus SARS-CoV-2 bilden und ob bei den Probanden zudem eine spezifische Immunantwort aufgebaut wird, die durch T-Lymphozyten – also bestimmte weiße Blutzellen – vermittelt wird. „In den Studien wird erfasst, wie viele COVID-19-Infektionen bei den Geimpften im Vergleich zu einer ungeimpften Kontrollgruppe auftreten. So kann die Wirksamkeit eines Impfstoffs abschließend beurteilt werden“, erklärt Prof. Überla. „Wenn die Studienunterlagen dann zur STIKO kommen, prüfen wir, ob Wirksamkeit und Sicherheit ausreichend nachgewiesen wurden und ob der Nutzen der Impfung für die Bevölkerung so groß ist, dass wir eine Empfehlung aussprechen können. Wir müssen auch darüber entscheiden, welche Personengruppen den Impfstoff überhaupt erhalten sollen bzw. wer ihn zuerst bekommt. Oberste Ziele sind, Risikogruppen wie Ältere und Menschen mit Grunderkrankungen bestmöglich zu schützen und eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern.“

Dabei kann es auch passieren, dass die STIKO über verschiedene zugelassene Impfstoffe befinden muss und dass diese eventuell für unterschiedliche Personengruppen infrage kommen. Da es noch viele Monate dauern wird, bis größere Bevölkerungsgruppen geimpft sind, sollten sich die Menschen nach Ansicht der Erlanger Experten nicht vorschnell in Sicherheit wiegen. „Ein Impfstoff wird uns nicht erlauben, alle Hygienemaßnahmen schlagartig über Bord zu werfen“, betont Prof. Bogdan. „Wir werden zunächst nur einen Teil der Gesellschaft durch eine Impfung schützen können und müssen dann sehen, wie gut es mit der Produktion und Verteilung der Impfstoffe und mit der Durchführung der Impfungen vorangeht.“

„Persönlich hoffe ich dennoch, dass es uns als Gesellschaft gelingt, innerhalb von 90 Tagen nach Zulassung 90 Prozent der Hochrisikogruppen mit einem Impfstoff zu schützen, der mindestens eine Wirksamkeit von 90 Prozent aufweist. Für mich sind das die 90-90-90-Ziele der COVID-19-Impfung“, so Prof. Überla. „Damit könnten wir einen großen Teil der COVID-19-Todesfälle vermeiden und das Risiko der Überlastung des Gesundheitssystems bannen. Wenn wir das erreichen, kann eine Neubewertung der Kontaktreduktionsmaßnahmen erfolgen, die natürlich auch die vielen negativen Folgen für jeden Einzelnen, die Wirtschaft und die Gesellschaft berücksichtigt.“

Nebenwirkungen umfassend dokumentieren – „Langzeitfolgen sind sehr selten“
Das Gute: Die Phase-III-Studien für den Corona-Impfstoff sind deutlich größer angelegt als bei vielen früher zugelassenen Impfstoffen. „Wir sprechen schon jetzt von über 43.000 Personen, die einen der sogenannten COVID-19-mRNA-Impfstoffe im Rahmen einer Phase-III-Studie erhalten haben. Im Rahmen der laufenden Phase-III-Studie zu einem der Adenovirus-basierten COVID-19-Impfstoffe ist der Einschluss von bis zu 60.000 Probanden vorgesehen. Bei so großen Gruppen können wir auch seltene Nebenwirkungen erkennen, die zum Beispiel bei weniger als einem von 1.000 Geimpften auftreten. Dabei ist immer auch zu prüfen, ob Nebenwirkungen kausal auf die Impfung zurückzuführen sind oder ob sie einfach zufällig mit einer Impfung zusammentrafen. Deshalb muss es eine langfristige gründliche Dokumentation von unerwünschten Ereignissen geben, die möglicherweise mit der Impfung in Verbindung stehen“, erklärt Prof. Bogdan. „Es geht letztlich immer um eine Nutzen-Risiko-Abwägung. Sehr seltene Nebenwirkungen werden wir erst beobachten können, wenn der Impfstoff längerfristig genutzt wird und wenn wir Anwendungsstudien machen können. Langzeitfolgen sind aber sehr selten. Die meisten unerwünschten Ereignisse treten schon zwei, drei Wochen nach einer Impfung auf“, ergänzt Prof. Überla.

STIKO: strenge Regularien und Unabhängigkeit
Alle STIKO-Mitglieder arbeiten komplett ehrenamtlich als unabhängige Experten. Für die Aufnahme in die Kommission gelten strenge Befangenheitsregeln. Bei STIKO-Mitgliedern dürfen keine Interessenkonflikte in Bezug auf eine Impfstoffentwicklung bestehen – etwa, weil jemand ein Pharmaunternehmen berät, entsprechende Aktien besitzt oder an einer Universität Industrieforschung betreibt. Alles muss offengelegt werden. „Wenn es da irgendeinen Anschein der Befangenheit gibt, wird man für Jahre für STIKO-Abstimmungen über Impfstoffe des entsprechenden Unternehmens gesperrt“, betont Klaus Überla. „Als Mitglieder der STIKO sind wir nur unserem Gewissen und der unparteiischen Erfüllung unserer Aufgaben verpflichtet.“

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23.11.2020 Den digitalen Wandel verantwortungsvoll gestalten
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Doctors going digital. How to future-proof skills“: Gemeinsame Konferenz von BÄK und CPME

Digitale Anwendungen werden in der Zukunft genauso selbstverständlich zur gesundheitlichen Versorgung gehören, wie heute Medikamente oder medizinische Instrumente. Damit Ärztinnen und Ärzte ein Grundverständnis für die neuen digitalen Technologien entwickeln können, sollte E-Health künftig noch stärker im Medizinstudium sowie in der ärztlichen Weiter- und Fortbildung verankert werden. So lautete eine der Kernaussagen der Konferenz „Doctors going digital. How to future-proof skills“ der Bundesärztekammer (BÄK) und des europäischen Dachverbands nationaler Ärzteorganisationen (CPME) am 20. November 2020. Auf der virtuellen Konferenz diskutierten nationale und internationale Experten im Beisein von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn über den digitalen Wandel in der Medizin und die sich daraus ergebenden Handlungsnotwendigkeiten.

„Leider wird die Diskussion über die digitale Medizin viel zu oft auf die rein technischen Aspekte verkürzt. Dabei ist es mindestens genauso wichtig, über die ethischen Grenzen und die zukünftige Rolle der Ärztinnen und Ärzte in der digitalen Gesundheitsversorgung zu sprechen“, sagte Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, in seiner Eröffnungsansprache. Die Konferenz stelle einmal mehr die Bereitschaft der Ärztinnen und Ärzte unter Beweis, sich den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung zu stellen. Sie seien dabei aber auf die Unterstützung durch die Politik angewiesen. „Es ist die Aufgabe des Gesetzgebers, klare rechtliche Rahmenbedingungen für die digitale Medizin zu schaffen“, forderte Reinhardt. Die Ärzteschaft werde sich dabei mit ihrer Expertise einbringen.

Für den CPME ergänzte dessen Präsident, Prof. Frank Ulrich Montgomery, aus europäischer Perspektive: „Die Digitalisierung ist zunehmend Realität in den Gesundheitssystemen in ganz Europa. Wir möchten sicherstellen, dass sich der digitale Wandel verantwortungsvoll, positiv und durchdacht vollzieht. Aus diesem Grund haben wir die heutige Konferenz zu digitalen Kompetenzen von Ärztinnen und Ärzten organisiert.“

„Die Botschaft des Tages ist Vertrauen. Wenn wir die nächsten Schritte in der digitalen Medizin gehen und diese erfolgreich weiterentwickeln wollen, brauchen wir Vertrauen in die neuen Technologien“, sagte Dr. Peter Bobbert, Co-Vorsitzender des BÄK-Ausschusses „Digitalisierung der Gesundheitsversorgung“. Vertrauen sei die Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung der digitalen Medizin. Ähnlich sieht es auch Prof. Dr. Claudia Schmidtke. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung betonte, dass die Nutzung digitaler Anwendungen stets freiwillig bleiben müsse. Patienten, die die digitale Medizin ablehnten, dürften nicht benachteiligt werden.

Lina Mosch von der europäischen Vereinigung der Medizinstudierenden wies darauf hin, dass Ärztinnen und Ärzte keine Fachleute für Programmierung und Algorithmen sein müssten. Sie sollten aber ein Grundverständnis für den Mechanismus der Algorithmen und die Technologien haben, um sie in der Patientenversorgung einsetzen zu können. Die Vermittlung digitaler Kompetenzen sollte deshalb stärker in die ärztliche Ausbildung integriert werden.

Die virtuell ausgetragene Konferenz mit Teilnehmern aus mehr als 30 europäischen Ländern war Teil des assoziierten Rahmenprogramms der deutschen EU-Ratspräsidentschaft.

23.11.2020 Schnelle Babys
uni | mediendienst | forschung Nr. 76/2020

Wie Nervenzellen überlebenswichtige Bewegungen bei Neugeborenen steuern

Babys sind in der Lage, äußerst schnelle Bewegungen durchzuführen. Dies ist ein wesentlicher Baustein in der Entwicklung des menschlichen Nervensystems. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat nun eine Methode entwickelt, mit der sich diese Bewegungen auf der Ebene einzelner Nervenzellen quantitativ auswerten lassen. Später könnte diese Methode einmal verwendet werden, um Entwicklungsstörungen in der Steuerung des Bewegungsapparats frühzeitig zu erkennen.

Wer schon einmal ein Baby gewickelt weiß: Auch wenn sie noch winzig sind, die Neugeborenen können ihre Gliedmaßen sehr schnell bewegen. Die schnellen Bewegungen sind wichtig, um in dieser sehr frühen Phase robuste Verknüpfungen im Nervensystem zu ermöglichen und eine einwandfreie Funktion des Bewegungsapparats zu gewährleisten. Ein internationales Team um Prof. Dr. Alessandro Del Vecchio, Juniorprofessor für Neuromuscular Physiology and Neural Interfacing an der FAU, untersuchte, wie diese Bewegungen entstehen. Hierzu haben sie eine nicht-invasive Methode entwickelt, die zeigt, wie die menschlichen Nervenzellen die Bewegungen von Gliedmaßen steuern.

Schnelle Bewegungen sind wichtig für die Entwicklung des Nervensystems

Für die Steuerung der Muskelbewegungen sind besondere Zellen verantwortlich, die sogenannten Motoneuronen. Sie verknüpfen das Gehirn mit den Muskeln. Bei Neugeborenen sind viele dieser Motoneuronen extrem synchronisiert, im Bereich von Millisekunden. Sie geben gleichzeitig dieselben Signale ab und tragen damit zu einer erfolgreichen Verknüpfung des Nervensystems in dieser sehr frühen Phase bei. Denn Nervenzellen, die gleichzeitig Signale abgeben, verknüpfen sich bevorzugt. Mit ihrer neuen Methode sind Del Vecchio und sein Team in der Lage, die Aktivität einzelner Motoneuronen in den Bewegungen von Babys zu identifizieren.

Synchronisierte Bewegungen ersetzen mangelnde Muskelkraft

Die Wissenschaftler fanden nun heraus, dass die starke Synchronisierung der Nervenzellen bei Babys noch einen anderen Zweck hat. Durch die schwach ausgeprägte Muskulatur mangelt es Babys an Kraft. Dies gleichen sie durch sehr hohe Synchronisierung, sprich die gleichzeitige Kontraktion der einzelnen Muskelfasern, teilweise aus. Somit sind Babys schon sehr früh – wenige Stunden nach der Geburt – zu überlebenswichtigen Bewegungen, wie beispielsweise Reflexen, in der Lage.

Früherkennung von Bewegungsstörungen

Das bessere Verständnis des Zusammenspiels zwischen Motoneuronen und Bewegungen bei Babys kann möglicherweise dazu beitragen, Entwicklungsstörungen im Bewegungsapparat zukünftig besser zu erkennen und zu therapieren. Die von Del Vecchio entwickelte, nicht-invasive Methode lässt sich bei Neugeborenen einfach und schmerzfrei anwenden.

Prof. Dr. Alessandro Del Vecchio forscht als Juniorprofessor für Neuromuscular Physiology and Neural Interfacing am neu eingerichteten Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering. Die Professur von Alessandro del Vechhio ist eine von insgesamt vier Juniorprofessuren im Rahmen des Nachwuchsförderungsprogramms d.hip Campus-bavarian.aim der FAU und der Siemens Healthcare GmbH.

Ihre Erkenntnisse haben Del Vecchio und sein Team in der renommierten Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht, der englischsprachige Artikel ist im Internet frei zugänglich:

Del Vecchio A, Sylos-Labini F, Mondì V, Paolillo P, Ivanenko Y, Lacquaniti F, Farina D (2020) Spinal motoneurons of the human newborn are highly synchronized during leg movements. Science Advances,  20 Nov 2020: Vol. 6, no. 47, eabc3916, DOI: 10.1126/sciadv.abc3916

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Alessandro Del Vecchio

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23.11.2020 Ärztlicher Pandemierat startet Beratungen in Arbeitsgruppen
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Ärztlicher Pandemierat startet Beratungen in Arbeitsgruppen

Der ärztliche Pandemierat der Bundesärztekammer hat seine Arbeit aufgenommen und befasst sich in separaten Arbeitsgruppen mit prioritären Handlungsfeldern der Corona-Bekämpfung. Konkret widmen sich die Vertreter von Bundesärztekammer, wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften und Öffentlichem Gesundheitsdienst der Entwicklung von Schutzkonzepten für vulnerable Gruppen, der Forschungsförderung, der Weiterentwicklung der Teststrategie sowie Konzepten zur Vermeidung von „Kollateraleffekten“ der Corona-Bekämpfung. „Wir wollen den Handlungsbedarf in diesen Bereichen analysieren und auf dieser Grundlage in komprimierter Form möglichst konkrete Empfehlungen für die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern entwickeln“, sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt zum Start der Beratungen in den Arbeitsgruppen. Die Ergebnisse sollen möglichst noch im Dezember mit allen Teilnehmern des Pandemierats erörtert werden.

Unter anderem werden sich die Experten mit der Frage befassen, wie sich die unterschiedlichen Risikogruppen spezifizieren lassen und welche speziell auf sie zugeschnitten Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Der Pandemierat wird auch einen Fokus auf die Forschungsförderung zur Corona-Bekämpfung legen und den Forschungsbedarf im Bereich der Diagnostik, Therapie und Prävention erörtern. Beraten werden außerdem Notwendigkeiten Pressemitteilung der Bundesärztekammer zum besseren Verständnis des Infektionsgeschehens, zum Beispiel durch eine Steigerung der Obduktionsrate.

Ferner wird sich der Pandemierat mit der aktuellen Anpassung der Nationalen Teststrategie für symptomatische Patienten und der Frage der Nachverfolgung von Kontaktpersonen befassen. Ebenfalls erörtert werden die Verfügbarkeit von Tests, die Testung von medizinischem Personal sowie Antigen-Schnelltestkonzepte zur Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.

Zur Vermeidung sogenannter Kollateraleffekte wird der Pandemierat auch die psycho-sozialen Auswirkungen der Pandemie analysieren. Darüber hinaus werden Möglichkeiten zur Sicherstellung des Zugangs zur medizinischen Akutversorgung und zu notwendigen Vorsorgeleistungen diskutiert.

Der ärztliche Pandemierat der Bundesärztekammer ist ein Zusammenschluss von Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher Fachdisziplinen zum Austausch über die aktuelle pandemische Situation und den sich daraus ergebenden Handlungsnotwendigkeiten. Der Pandemierat setzt sich zusammen aus Vertretern der Bundesärztekammer, des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer sowie nachfolgenden Organisationen: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS), Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V. (DGG), Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e.V. (DGHM), Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI), Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Pressemitteilung der Bundesärztekammer Notfallmedizin (DGIIN), Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin e.V. (DGINA), Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI), Akkreditierte Labore in der Medizin e.V. (ALM), Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin e.V. (DGKJ), Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft für Pharmakologie e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP), Gesellschaft für Virologie e.V. (GfV), Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V. (DTG), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V.

20.11.2020 Stoppt das Pilotprojekt Impfen in Apotheken!
Gemeinsame Presseinformation von "Bayerischer Hausärzteverband", "Kassenärztliche Vereinigung Bayern" und "Bayerische Landesärztekammer"

In einer gemeinsamen Erklärung fordern Bayerischer Hausärzteverband, Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) und Bayerische Landesärztekammer (BLÄK), das Pilotprojekt Impfen in Apotheken umgehend einzustellen.
 
München, 20.11.2020 - „Der Impfstoff gegen saisonale Grippe ist weiterhin knapp. Umso mehr muss darauf geachtet werden, dass die noch verfügbaren Impf-Dosen zuallererst bei den Risikogruppen ankommen“, erklärt Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes. „Den besten Überblick, wer priorisiert geimpft werden sollte, hat immer noch der Hausarzt, der seine Patienten in der Regel über viele Jahre kennt und betreut. Es ist doch absurd, wenn sich junge und gesunde Bürger in der Apotheke impfen lassen können, während Hausärzte zum Teil keinen Impfstoff für chronisch Kranke, Ältere und andere vulnerable Gruppen haben!“

Auch Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der KVB, hält das Pilotprojekt Impfen in der Apotheke, an dem in Bayern einige Apotheken in der Oberpfalz beteiligt sind, gerade in der jetzigen Situation für kontraproduktiv: „Wenn in Apotheken potentiell Patienten ohne Risikokonstellation geimpft werden und die Apotheker auch noch eine höhere Vergütung als Ärzte für die Impfleistung erhalten, kommt das einer strukturellen Förderung von medizinischer Fehlversorgung gleich“, kritisiert er.

Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, sieht in dem Pilotprojekt einen Griff nach ärztlicher Kompetenz, der die Patientensicherheit gefährdet. „Schutzimpfungen müssen als eine komplexe spezifische Präventionsleistung in ärztlicher Hand bleiben“, fordert er. „Zum Impfen gehört ja nicht nur die bloße Verabreichung des Impfstoffs, sondern auch eine Beratung, die Erhebung des Impfstatus, der Ausschluss von Kontraindikationen und die Kompetenz, bei – wenn auch seltenen – Impfkomplikationen unverzüglich ärztliche Notfallmaßnahmen einleiten zu können.“

„Aus den genannten Gründen fordern wir alle Beteiligten auf, dieses Projekt umgehend zu stoppen“, sind sich Dr. Markus Beier, Dr. Wolfgang Krombholz und Dr. Gerald Quitterer einig.  

Ansprechpartner Presse:

Bayerischer Hausärzteverband e. V.       
Ruth Sharp                                                                             
Tel  089 / 127 39 27 61                           
presse@bhaev.de                                        
www.hausaerzte-bayern.de          

Dagmar Nedbal
Leiterin der Pressestelle, Bayerisches Ärzteblatt, Internet
Bayerische Landesärztekammer
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: +49 89 4147-714
Fax: + 49 89 4147-202
E-Mail: d.nedbal@blaek.de

20.11.2020 32. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Experten diskutieren Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen.

Welche Auswirkungen hat die derzeitige Corona- Pandemie auf die Versorgung der Patientinnen und Patienten? Wie verändert sich die Berufsausübung unter diesen Bedingungen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die 32. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen auf ihrer Jahrestagung am 19. November 2020 in Berlin.

„Die Corona-Pandemie stellt den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf eine enorme Bewährungsprobe. Die Folgen der Pandemie begleiten uns in unserem Alltag auf Schritt und Tritt“, sagte Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer und Vorsitzende der Fachberufekonferenz. „Der permanente Ausnahmezustand, die Kontaktbeschkränkungen und die Sorge um Angehörige zehren an unser aller Nerven.“ Leider werde dieser Stress aber mitunter an die im Gesundheitswesen Tätigen als primäre Ansprechpartner weitergeben. „Die Anspannung ist in Anbetracht der Umstände verständlich. Trotzdem sollten wir uns mit Rücksicht und Geduld begegnen. Dann kommen wir gemeinsam besser durch die Krise.“

„Medizinische Fachangestellte in der ambulanten Versorgung stellen sich Tag für Tag mit großem Engagement den Herausforderungen der Pandemie. Es ist ausgesprochen demotivierend, dass weder die Politik noch die Öffentlichkeit diesen Einsatz wahrnehmen, während die Medizinischen Fachangestellten am Limit sind“, erklärte Hannelore König, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V.

Aus Sicht von Gertrud Stöcker, Gründungsmitglied und Ehrenpräsidentin des Deutschen Pflegerates, ist die Pandemie ein Stresstest für das Gesundheitssystem. „Gerade mit Blick auf die Pflegeberufe wird deutlich, welche Auswirkungen der lange bekannte Mangel an Personalressourcen hat“, so Stöcker.

Viele Fragen sieht der Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Eckhard Nagel von der Universität Bayreuth durch die Erfahrungen der zurückliegenden Monate aufgeworfen: „Gibt es eine nationale und internationale Solidarität im Umgang mit der Pandemie? Steht die Solidargemeinschaft für alle notwendigen medizinischen Aufwendungen ein? Und wie lassen sich Konflikte zwischen wirtschaftlichen Interessen und der Gefährdung der leiblichen Existenz lösen?“ Die zukünftige Struktur des Gesundheitswesens müsse auf den in der Pandemie gewonnenen Erkenntnissen aufbauen, so Nagel. Dafür sei eine gezielte Verlaufsbeobachtung unerlässlich. Nur sie könne Aufschluss geben über nachteilige Folgen von Veränderungen der Versorgungssituation auf Gesundheit und Wohlbefinden der Patienten.

Die vom Vorstand der Bundesärztekammer im Jahr 1989 initiierte Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen traf sich zu ihrer 32. Sitzung. Ziel dieser ständigen Einrichtung von 42 Verbänden ist, den Dialog und die interprofessionelle sowie sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachberufen zu fördern und aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Berufsausübung zu beraten.

18.11.2020 30 Minuten Bewegung pro Woche – so bleiben Adipöse arbeitsfähig
uni | mediendienst | forschung Nr. 74/2020

Erlanger Studie zeigt: Intervallausdauertraining wirkt positiv auf Herz-Kreislauf-System, Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität

 Eine aktuelle Studie des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport an der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen zeigt: Knapp 30 Minuten körperliche Aktivität pro Woche in Form eines neuartigen Intervallausdauertrainings können bei stark adipösen Arbeitnehmern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken und die Arbeitsfähigkeit sowie die Lebensqualität verbessern.

Adipositas, die ausgeprägteste Form von Übergewicht, geht mit einem erhöhten Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen einher – zum Beispiel Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Formen von Krebs. Adipositas kann nachweislich auch zu häufigeren Fehlzeiten am Arbeitsplatz sowie zu einer geringeren Arbeitsleistung führen. Eine gesunde, an den Bedarf angepasste Ernährung und ein ausreichendes Maß an regelmäßiger körperlicher Aktivität sind wichtige Eckpfeiler in der Prävention und Therapie der Adipositas. „In einer von zunehmender Technisierung geprägten Umwelt schaffen es mittlerweile jedoch nur noch die wenigsten Berufstätigen, sich die allgemein empfohlenen 150 Minuten pro Woche zu bewegen“, erläutert Dr. Dejan Reljic, der die neue Studie am Erlanger Hector-Center geleitet hat. „Stark Übergewichtige sind aufgrund von körperlichen Einschränkungen auch häufig nicht mehr in der Lage, ein solches Pensum an Aktivität durchzuführen“, ergänzt Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Leiterin des Hector-Centers und Sprecherin des Adipositaszentrums des Uni-Klinikums Erlangen. „Einer unser Forschungsschwerpunkte liegt daher darin, innovative Bewegungskonzepte zu entwickeln, die einerseits effektiv sind und einen gesundheitlichen Nutzen mit sich bringen, die gleichzeitig aber auch von Patienten mit chronischen Erkrankungen realisiert werden können“, so Dr. Reljic.

 Zweimal 14 Minuten verbessern die Gesundheit

In der aktuellen Studie des Hector-Centers absolvierten 36 stark adipöse Arbeitnehmer mit einem durchschnittlichen Body-Mass-Index von 40 kg/m2 zweimal wöchentlich ein von Dr. Reljic entwickeltes neuartiges, extrem effizientes Intervallausdauertraining, das pro Trainingseinheit lediglich 14 Minuten dauert. Begleitend dazu erhielten die Studienteilnehmer eine Ernährungsberatung zur Unterstützung der Gewichtsreduktion. Nach der 12-wöchigen Trainingsphase konnten die Studienteilnehmer nicht nur ihr Körpergewicht signifikant reduzieren, sondern unter anderem auch erstaunliche Verbesserungen von kardiometabolischen Risikofaktoren erzielen, zum Beispiel eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um im Mittel 12 mmHg, sowie eine klinisch relevante Steigerung der Herz-Kreislauf-Leistung. Zudem berichteten die Teilnehmer am Ende des Programms über eine deutlich verbesserte subjektive Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität. „Bereits zweimal 14 Minuten – also knapp 30 Minuten gezielte Bewegung pro Woche –, gepaart mit gesünderer, kalorienreduzierter Ernährung, können entscheidend zu besserer Gesundheit, höherem Wohlbefinden und mehr Leistungsfähigkeit beitragen“, so das Resümee des Studienleiters.

 Dr. Reljic und Prof. Zopf hoffen nun, dass diese Ergebnisse auch dazu beitragen, Arbeitgeber zu motivieren, künftig mehr in Programme zur Gesundheitsförderung durch Bewegung und ausgewogene Ernährung zu investieren – insbesondere für die Risikogruppen unter den Beschäftigten. Solche Maßnahmen müssen nicht mit einem großen Zeitaufwand verbunden sein, wie die aktuelle Studie zeigt.

 Originalpublikation: https://dx.doi.org/10.1186%2Fs12967-020-02592-6.

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 Dr. Dejan Reljic

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16.11.2020 Erste „Video-Taufe“ in der Kinderklinik

Dank Webcam und Co. konnte die Familie des kleinen Ludwig trotz Corona zusammenkommen

Neue Zeiten erfordern neue Wege: Trotz der gebotenen sozialen Distanz gelang es jetzt in der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen auf ganz besondere Weise, Nähe und Verbundenheit herzustellen: bei der ersten „Video-Taufe“ eines Babys. Mit knapp zwei Monaten wurde der kleine Ludwig Ende Oktober von der evangelischen Pfarrerin und Seelsorgerin der Kinderklinik Kathrin Kaffenberger getauft. Schwester, Großeltern, Cousine, Tante, Onkel und Patin des kleinen Jungen waren zu Hause an den Bildschirmen mit dabei.

Erst kürzlich hatte die Kinderklinik zwei neue Laptops erhalten. Warum also nicht diese Technik nutzen, um Ludwigs Angehörige per Video-Konferenz an seiner Taufe teilhaben zu lassen? „Der Impuls kam von den Pflegekräften der Kinderintensivstation, auf der Ludwig seit seiner dritten Lebenswoche liegt. Ludwigs Eltern und ich fanden die Idee super“, berichtet Kathrin Kaffenberger. Wie immer bereitete die Pfarrerin einen schön dekorierten Tauftisch vor und taufte Ludwig schließlich im Beisein seiner Eltern und seines Paten auf der Intensivstation der Kinderklinik. Der Junge wird dort unter anderem wegen einer Krebserkrankung behandelt.

„Die Möglichkeit, eine Video-Konferenz mit den Daheimgebliebenen zu starten, hat der ganzen Corona-Situation ihre Schwere genommen“, findet Kathrin Kaffenberger. „Die Angehörigen konnten dabei sein. Sie konnten über ihre Mikros ihre Segenswünsche sprechen. Ich habe alles erklärt, die Taufkerze in die Kamera gehalten und auch Ludwigs große Schwester zu Hause immer wieder mit einbezogen. Das hat allen sehr gutgetan.“

Ludwigs Eltern sind dankbar, dass die Taufe unter den gegebenen Umständen so liebevoll gestaltet wurde. „Wir fanden es sehr schön und haben auch nur Positives von allen gehört, die daheim dabei waren“, so der Vater. „Wir wollten Ludwig mit der Taufe Kraft geben und Frau Kaffenberger hat das wirklich sehr einfühlsam gemacht. Ein großes Lob auch an alle Pflegekräfte, die das Bestmögliche aus der aktuellen Situation machen!“

Eingeschränkte Besuchsmöglichkeiten

Derzeit gelten am Uni-Klinikum Erlangen coronabedingt wieder strengere Besuchsregeln. In der Kinderklinik darf aktuell je Patient nur eine erziehungsberechtigte, symptomfreie Person mit aufgenommen werden. Der zweite Elternteil kann für eine Stunde täglich zu Besuch kommen. „Virtuelle Taufen wie bei Ludwig oder Ähnliches möchte ich in Zukunft auch anderen Eltern anbieten“, erklärt Kathrin Kaffenberger. „Die Pflegekräfte und Ärzte der Kinderklinik machen hier jeden Tag so viel möglich – trotz Corona! Ich kann immer wieder so viel Einfühlsamkeit, Engagement und Improvisationstalent beobachten – das ist wirklich toll!“

 Weitere Informationen zu den Besuchsregeln am Uni-Klinikum Erlangen: http://www.uk-erlangen.de → „Hinweise zum Coronavirus“

 Weitere Informationen:

Kathrin Kaffenberger

Tel.: 09131 85-46846

kathrin.kaffenberger@uk-erlangen.de

16.11.2020 Kritik an Bayern-Reserve
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Es kann nicht sein, dass die Bayerische Staatsregierung zum Impfstofflager wird und dass auf diese Weise Grippeimpfstoff nicht in den sonst üblichen Vertrieb gelangt und damit der Ärzteschaft nicht zur Verfügung steht“, kritisiert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayeri-schen Landesärztekammer, die Bayern-Reserve von 550.000 Grippe-Impfdosen. „Wir müssen Patientinnen und Patienten vertrös-ten, während Impfstoff zur Reserve gelagert wird, was immer man unter Reserve verstehen mag, wenn die Knappheit in unseren Pra-xen schon offensichtlich ist“, so der Präsident weiter. Mehr als eine halbe Million Grippe-Impfdosen würden in Bayern noch immer als Reserve zurückgehalten. Sie sollen nach Medienbe-richten „demnächst verteilt werden“. Das Bayerische Staatsministe-rium für Gesundheit und Pflege (StMGP) verwies auf einen Kabi-nettsbeschluss vom 23. Juni, der die Vorratshaltung vorsehe. Dies sei auch öffentlich mitgeteilt worden. „Seit Wochen warnen wir, dass der vorbestellte Grippeimpfstoff be-reits verimpft ist bzw. knapp wird und wir am Markt keinen Nach-schub mehr erhalten“, sagte Quitterer. Auch der diesjährige 79. Bayerische Ärztetag Anfang Oktober hatte auf die Problematik aufmerk-sam gemacht und dabei auch auf die zahlreichen Impfappelle von Gesundheitspolitikern sowie des StMGP verwiesen.

16.11.2020 Virus im Fokus
uni | mediendienst | forschung Nr. 72/2020

Infektionsforschungsprojekt profitiert von Nachwuchsgruppenförderung durch das BMBF

Wie sich Viren übertragen, ist aufgrund der Coronakrise ein allgegenwärtiges Thema. Anders als das SARS-CoV-2, das sich vorwiegend über Aerosole in der Luft verbreitet, finden Infektionen mit dem Humanen T-Zell-Leukämie-Virus Typ 1 über zellhaltige Körperflüssigkeiten statt. Wie die Bezeichnung dieses Retrovirus mit dem Kürzel HTLV-1 bereits verrät, kann es Leukämie verursachen. Dem Virus auf der Spur ist nun am Uniklinikum Erlangen (UKE) eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Andrea Thoma-Kreß vom Lehrstuhl für Klinische und Molekulare Virologie (Direktor Prof. Dr. med. Klaus Überla) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt mit bis zu 2,3 Millionen Euro.

Das Projekt trägt den Namen „Milk TV“ – dies steht für „Milk-Transmission of Viruses”, also die Übertragung von Viren über die Muttermilch. „Das ist ein bevorzugter Ansteckungsweg mit HTLV-1 und ist deshalb besonders tückisch, weil Muttermilch ansonsten viele gesundheitliche Vorteile bietet, etwa beim Aufbau der Immunabwehr im Säuglings- und Kleinkindalter“, sagt Dr. Thoma-Kreß.

Die Infektion, die quasi mit der Muttermilch aufgesogen wird, verläuft zunächst unauffällig. Doch später im Leben kann sie schwere Erkrankungen hervorrufen, wie etwa Leukämie, da das Virus vor allem weiße Blutkörperchen befällt. Weltweit sind mindestens 10 Millionen Menschen – meist unwissentlich – mit HTLV-1 infiziert, viele davon in Brasilien, der Karibik, Japan, Sub-Sahara-Afrika oder Zentralaustralien.

Einfach komplett vom Stillen abzuraten, sei jedoch laut Dr. Thoma-Kreß nicht praktikabel. „In vielen Ländern, in denen das Virus stark verbreitet ist, besteht schlicht aufgrund begrenzter Ressourcen nicht die Möglichkeit, zu Ersatzprodukten zu greifen. Die Mütter sind darauf angewiesen, ihre Babys zu stillen“, sagt die Molekularmedizinerin. Um Infektionsketten dennoch wirksam unterbrechen zu können, gilt es zunächst, mehr über die Übertragung von den Müttern auf die Säuglinge herauszufinden. Die Ergebnisse aus dem Projekt „Milk-TV“ sollen als Grundlage für die Entwicklung von Präventionsstrategien dienen, die das Stillen weiterhin erlauben.

„Unser Projekt profitiert sehr vom hervorragenden wissenschaftlichen Umfeld hier am Universitätsklinikum Erlangen und der FAU“, betont Dr. Thoma-Kreß. Neben interdisziplinären Kollaborationen innerhalb der FAU, wie etwa mit dem Graduiertenkolleg GRK2504 zu neuen antiviralen Strategien am Virologischen Institut, sei auch eine internationale Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Belgien, Brasilien, Australien sowie mit Hebammen und Patientenorganisationen geplant.

Die Arbeit des Teams, das aktuell neben der Projektleiterin aus fünf Doktorandinnen und Doktoranden, einer Medizinisch-Technischen Laborassistenz, einer Masterstudentin und einer wissenschaftlichen Hilfskraft besteht, wird mit insgesamt rund 2,3 Millionen Euro vom BMBF gefördert. Dies erfolgt im Rahmen des neuen Förderinstruments für Nachwuchsgruppen in der Infektionsforschung im klinischen und anwendungsorientierten Bereich. Ziel ist es, besonders geeigneten wissenschaftlichen Nachwuchs mittelfristig dazu zu befähigen, eine Berufung in die Hochschullehre zu erlangen.

Weitere Informationen:

Dr. Andrea Thoma-Kreß

Lehrstuhl für Klinische und Molekulare Virologie

Tel.: 09131 85-26429

andrea.thoma-kress@uk-erlangen.de

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14.11.2020 Ärztlicher Pandemierat der Bundesärztekammer konstituiert
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Auf Initiative der Bundesärztekammer hat sich ein ärztlicher Pandemierat aus Vertretern wissenschaftlich-medizinischer Fachgesellschaften und des Öffentlichen Gesundheitsdienstes gebildet. Schwerpunkt der ersten Sitzung am 10.11.2020 war der fachliche Austausch zur aktuellen pandemischen Situation und den sich daraus ergebenden Handlungsnotwendigkeiten.

Konkret diskutierten die Mitglieder unter anderem die Definition besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen und die Entwicklung entsprechender Schutzkonzepte, Maßnahmen zur Entlastung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie Möglichkeiten und Grenzen von Corona-Testungen symptomatischer und asymptomatischer Patienten. Weitere Schwerpunkte der Beratungen waren die Möglichkeiten der Vermeidung gesundheitlicher „Kollateraleffekte“ bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie sowie die grenzüberschreitende intensivmedizinische Notfallhilfe zur Versorgung von Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung.

Darüber hinaus erörterte der Pandemierat Strategien zur Forschungsförderung. Im Fokus standen dabei die Ausweitung der Obduktionen im Zusammenhang mit an Covid-19-Erkrankung Verstorbenen, die Weiterentwicklung von Diagnoseverfahren, aktuelle Therapieansätze, die Identifizierung von Risikofaktoren für die Erkrankung und den Krankheitsverlauf sowie die Intensivierung der Versorgungsforschung zur Bewertung der eingesetzten Maßnahmen.

Der ärztliche Pandemierat verständigte sich darauf, diese und weitere Themen in eigenen Arbeitsgruppen zu vertiefen und medizinische Handlungsempfehlungen für die Corona-Politik von Bund und Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Ländern zu entwickeln. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sind Grundlage der Beratungen des ärztlichen Pandemierats, zu denen themenbezogen weitere Fachgesellschaften geladen werden.

An der ersten Sitzung des ärztlichen Pandemierats teilgenommen haben neben Vertretern der Bundesärztekammer und dem Wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer:

- Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM)

- Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

- Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V. (DGG)

- Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e.V. (DGHM)

- Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI)

- Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)

- Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN)

- Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin e.V. (DGINA)

- Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI)


- Akkreditierte Labore in der Medizin e.V.

- Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)

- Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)

- Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)

- Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP)

- Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP)

- Deutsche Gesellschaft für Pharmakologie e.V. (DGP)

- Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP)

- Gesellschaft für Virologie e.V. (GfV)

- Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V. (DTG)

- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF)

- Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V.

 

13.11.2020Entschlüsselung neuer Mechanismen des Leberkrebses
uni | mediendienst | forschung Nr. 71/2020

Walter-Siegenthaler-Gesellschaft zeichnet FAU-Forscher aus

Leberkrebs ist eine äußerst bösartige Tumorart, an der jährlich circa 800.000 Menschen weltweit sterben. Alleine in Deutschland erkranken pro Jahr 9.000 Menschen neu an Leberkrebs. Er gehört damit zu den häufigsten Krebstodesursachen. Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) hat einen Mechanismus entschlüsselt, bei dem Leberkrebszellen für Ihr bösartiges Wachstum einen Stoff ausnutzen, der von gutartigen Leberzellen gebildet wird. Für diese grundlegende Arbeit zeichnet die Walter-Siegenthaler-Gesellschafft für Fortschritte in der Inneren Medizin den Leiter der Studie, Dr. Peter Dietrich, Medizinische Klinik 1, Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie des UKER sowie Lehrstuhl für Biochemie und Molekulare Medizin der FAU, mit dem Wissenschaftspreis 2020 aus. Die Ergebnisse der Studie veröffentlicht das Forschungsteam im Journal of Clinical Investigation.*

Leberkrebs entsteht meist in einer „vorgeschädigten“ Leber, einer sogenannten Leberzirrhose. Diese entwickelt sich zum Beispiel nach jahrelangem schwerem Alkoholkonsum oder einer chronischen Virushepatitis. Einem interdisziplinären Forschungsteam der FAU und des UKER ist es nun gelungen, einen Mechanismus aufzudecken, der entscheidend zu den bösartigen Eigenschaften von Leberkrebszellen beiträgt. Dabei ist das kurzkettige Eiweißmolekül Neuropeptid Y (NPY) entscheidend, welches normalerweise in Nervenfasern gebildet wird und das Nervensystem mit verschiedenen Organen und dem Immunsystem verbindet. NPY ist beispielsweise an der Appetitregulation sowie der Regulierung von Immunantworten bei Entzündungen beteiligt.

 Eine Antenne für NPY

NPY wirkt auf verschiedene Zelltypen über Rezeptoren, die wie Antennen auf der Zelloberfläche sitzen und Signale in das Innere der Zellen weiterleiten. Die aktuelle Studie zeigt auf, dass eine sehr hohe Menge solcher „Rezeptor-Antennen“ für NPY auf der Oberfläche von Leberkrebszellen vorhanden ist. Wenn NPY an die Rezeptoren bindet, werden diese aktiviert und dies kann dann zu beschleunigtem Wachstum der Krebszellen sowie zur Metastasierung führen. Eine Hemmung der „NPY-Antennen“ mit speziellen Medikamenten konnte im Tiermodell bereits stark das Wachstum von Lebertumoren bremsen.

 Ein Lockstoff für Leberkrebszellen

Leberkrebszellen selbst bilden jedoch kein NPY, sondern nur die gutartigen Leberzellen, die den Tumor umgeben. Durch bösartiges Krebswachstum bilden sich Entzündungsstoffe, welche die normalen Leberzellen dazu anregen, große Mengen an NPY zu produzieren. Dadurch, dass NPY außerhalb vom Tumor gebildet wird, die Tumorzellen aber viele Antennen für NPY besitzen, wirkt NPY wie ein Lockstoff, welcher die Wanderung von Krebszellen in die Umgebung auslöst und somit zur Metastasierung beitragen kann.

 Diabetesmittel könnte Leberkrebswachstum aufhalten

Das Forschungsteam konnte zeigen, dass ein besonderes Eiweißmolekül, die sogenannte Dipeptidylpeptidase 4 (DPP4), die Leberkrebszellen ebenfalls in erhöhtem Maße bilden, sogar zu einer noch stärkeren Aktivierung der NPY-Antennen führt. Da Hemmstoffe, sogenannte Gliptine, gegen DPP4 bereits bei Diabetes eingesetzt werden, ließen sich diese einsetzen, um die Aktivierung der NPY-Antennen auf den Krebszellen abzuschwächen. In Zukunft könnten Medikamente eingesetzt werden, um dieses Verhalten der Leberkrebszellen vielversprechend zu verhindern.

 Walter-Siegenthaler-Gesellschaft für Fortschritte in der Inneren Medizin

Das Ziel der Walter-Siegenthaler-Gesellschaft für Fortschritte in der Inneren Medizin ist es, klinische und wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Inneren Medizin zu fördern. Von der Gesellschaft wird alle zwei Jahre die „Walter-Siegenthaler-Medaille in Silber“ für grundlegende wissenschaftliche Arbeiten über aktuelle Themen der Inneren Medizin verliehen. In diesem Jahr würdigt das Preiskomitee die Arbeit des Erlanger Forscherteams und zeichnet Dr. Peter Dietrich mit der renommierten Walter-Siegenthaler-Medaille in Silber aus. Aufgrund der Corona-Pandemie wird die feierliche Übergabe der Medaille und des Preisgeldes an Herrn Dietrich im Rahmen eines Symposiums der Walter-Siegenthaler-Gesellschaft 2021 erfolgen.

 *doi: 10.1172/JCI131919

 Weitere Informationen:

Dr. Peter Dietrich

Medizinische Klinik 1, Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie

peter.dietrich@uk-erlangen.de

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06.11.2020 Elektronischer Heilberufsausweis

„Die Landesärztekammern sind gut für die nächste Ausbaustufe der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens gerüstet. Bundesweit können Ärztinnen und Ärzte den neuen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) über die Mitgliederportale ihrer Landesärztekammer, beziehungsweise über die Bezirksärztekammern bestellen.“ Das sagt Erik Bodendieck, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer (BÄK) und Co-Vorsitzender des Digitalisierungs-Ausschusses der BÄK. Um Anwendungen wie Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte, den eArztbrief, die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und das E-Rezept nutzen zu können, brauchen Ärztinnen und Ärzte einen eHBA. Mit der Karte weisen diese gegenüber dem System nach, dass sie tatsächlich Ärztin bzw. Arzt sind. „Der eHBA ist der Türöffner für das digital vernetzte Gesundheitswesen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die neueste Generation des eHBA zu beantragen“, betont Bodendieck.

Als Anbieter der notwendigen technischen Infrastruktur haben sich am Markt vier Unternehmen platziert: Die Bundesdruckerei, medisign, T-Systems und SHC Stolle & Heinz Consultants. „Wir nehmen einen deutlichen Anstieg der Nachfrage bei unseren Kolleginnen und Kollegen wahr, auch wenn wir natürlich mit einem niedrigen Ausstattungsgrad starten. Das liegt daran, dass Anwendungen, die den eHBA zwingend notwendig machen, erst jetzt einsatzbereit sind oder es in den kommenden Monaten sein werden“, erläutert Bodendieck. Die Funktionen der Karte seien ein Grundbaustein für einen vertrauensvollen und sicheren Austausch Pressemitteilung der Bundesärztekammervon sensiblen Gesundheitsdaten zwischen Arzt und Patient sowie ärztlichen Kolleginnen und Kollegen untereinander.

Weitere Informationen zum eHBA:

 www.bundesaerztekammer.de/aerzte/telematiktelemedizin/earztausweis/

 WWW.AERZTEBLATT.DEEHBA

05.11.2020 FAU feiert 277. Jubiläum - Künstliche Intelligenz in der Medizin in diesem Jahr Schwerpunktthema der Veranstaltung
Pressemeldung der FAU


Vordenker, Wegbereiter, kluge Köpfe, die mit ihren Ideen und Erfindungen dazu beitragen, die Welt voranzubringen und die Zukunft mitzugestalten. Davon gibt es sehr viele an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) – ganz gleich ob Studentin, Nachwuchswissenschaftler, Professorin oder Alumnus. All jene Menschen standen im Mittelpunkt der Feier zum 277. Jubiläum der FAU am 4. November.
https://www.dies.fau.de/
Um rund hundert neue kreative Denker werde die FAU schon in den nächsten Wochen und Monaten wachsen, berichtete der FAU-Präsident Prof. Dr.-Ing. Joachim Hornegger in seiner Rede zum Dies academicus – dank neu eingerichteter Professuren. „Gelingen konnte dies mit der großartigen Unterstützung des Freistaats Bayern und seinem Professorenprogramm der Hightech Agenda, mit Bundesprogrammen und beeindruckenden Initiativen von Industrie- und Forschungspartnern wie adidas, Siemens Healthineers oder Fraunhofer“, betonte Professor Hornegger. Einige der neuen Professorinnen und Professoren sind sogar schon berufen, andere werden in den kommenden Monaten anfangen, an der FAU zu lehren und zu forschen.

„Mit diesen Professuren gründen wir neue Departments, verzahnen Fächer, digitalisieren Geschichte und Geisteswissenschaften, stärken die Data Sciences, gewinnen internationale Top-Stars, begnadete Lehrende und faszinierende Forschende, wir machen die Medizintechnik nicht nur künstlich intelligent, sondern haben ihr in diesem Jahr sogar ein neues Department gewidmet, das sich ganz konkret mit der künstlichen Intelligenz in der Medizintechnik und Gesundheit befasst.“

Letzteres ist auch eines der zukunftsträchtigen Forschungsfelder, auf denen die FAU auf große Erfolge verweisen kann – dank einer großen Medizinischen Fakultät, jahrzehntelanger Erfahrung in der Erforschung von künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen und Mustererkennung sowie starken Kooperationspartnern in der Wirtschaft wie den Siemens Healthineers. Und dieses Engagement lohne sich, sagte der FAU-Präsident: „Der Freistaat Bayern hat uns als ,KI Gesundheitsknoten Erlangen‘ ausgezeichnet. Und wir liefern.“

Im Corona-Jahr rückt die FAU-Familie zusammen
Doch: „Es sind die Menschen, die eine Universität ausmachen“, erklärte Professor Hornegger in seiner Rede. Das wurde besonders deutlich im Corona-Jahr. Der FAU-Präsident hob die großen Anstrengungen hervor, die Angehörige der FAU – das Wissenschaftspersonal, Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sowie Studierende – gemeinsam vollbracht haben, um das Corona-Jahr an der FAU erträglicher zu machen. Zum Beispiel mit der Initiative #FAU4FAU.
Diese Initiative haben FAU-Angehörige ins Leben gerufen, als mitten in der Corona-Pandemie viele der Studierenden ihre Jobs verloren. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren aufgerufen, für die Studierenden zu spenden. Mehr als 90 Studierenden konnte so einfach und unbürokratisch geholfen werden.

Auch die Digitalisierung der Lehre, schon in den vergangenen Jahren ein wichtiges Thema, entwickelte sich im Corona-Jahr zu einem gewaltigen Gemeinschaftsprojekt an der FAU: Viel Engagement und viele Stunden Arbeit flossen in die Aufbereitung von Lehrinhalten für das Internet, so dass im Sommersemester 1250 Vorlesungen und Seminare online angeboten werden konnten. „Dieser Kraftakt konnte nur mit vereinten Kräften und mit allergrößter Motivation und Durchhaltevermögen der Lehrenden, Studierenden, der Studiendekane und aller Kolleginnen und Kollegen gelingen. Ihnen gelten  mein größter Respekt und meine Anerkennung für die gemeinsame Arbeit durch diese Krise“, sagte der FAU-Präsident in seiner Rede.  

Auch die Feier zum Dies academicus selbst blieb von der Pandemie nicht unberührt und fand aus Corona-Schutz-Gründen ohne Publikum statt. Angehörige, Freunde und Freundinnen sowie Förderer der Universität konnten sich den Festakt bequem von zuhause als Stream im Internet oder im regulären Programm von Franken Fernsehen anschauen. Dort wird die Sendung am Samstag, 7. November, 21 bis 23 Uhr, wiederholt. Im Internet ist die Sendung in Kürze auf fau.tv abrufbar.

Grußworte der Bayerischen Staatsminister
Geburtstagsgrüße von der Bayerischen Staatsregierung überbrachten in diesem Jahr Wissenschaftsminister Bernd Sibler und Innenminister Joachim Herrmann.

Der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler lobte in seinem Grußwort die FAU insbesondere für die Auszeichnung als „KI-Gesundheitsknoten Erlangen“ und die Erfolge in der High-Tech-Agenda, beides Förderprojekte, die die Bayerische Staatsregierung ins Leben gerufen habe. Auch im baulichen Bereich habe man in den vergangenen Wochen und Monaten viel für die FAU auf den Weg gebracht, betonte der Minister. „Sanierungs- und Baumaßnahmen, die unterstreichen, dass wir auf diesen Standort setzen und wissen, dass wir hier eine hohe Verantwortung haben und gerade auch bei der baulichen Infrastruktur die Voraussetzungen für Exzellenz schaffen müssen.“ Man habe eine faire Partnerschaft aufgebaut und nehme viel Geld in die Hand, um mit neuen Professorenstellen neue Möglichkeiten zu schaffen und letztendlich an der FAU beste Forschung und Lehre für die Studierenden anbieten zu können, erklärte der Minister.

Innenminister Joachim Herrmann verwies auf die großartige und lange Erfolgsgeschichte der nun 277-jährigen Friedrich-Alexander-Universität und versicherte, dass die Staatsregierung der FAU stets als verlässlicher Partner zur Seite stehe. „So haben wir beispielsweise für umfassende bauliche Modernisierungen Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zugesagt“, betonte Herrmann. Damit sollen unter anderem die Erziehungswissenschaften einen Neubau im Nürnberger Norden erhalten und auch der Startschuss für die Um- und Neugestaltung der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie sei bereits gefallen. Die Planungen für den zweiten Bauabschnitt des Chemikums und für den Neubau für die Technische Chemie laufen auf Hochtouren. Und: Auch in der Corona-Krise werde der Freistaat an seinen Förderzusagen festhalten, erklärte Minister Herrmann.

Rede der Studierendenvertretung
Glückwünsche zum Jubiläum überbrachten im Namen der Studierendenvertretung die Studentinnen Lisa Heger und Lasvini Suganthan. „Die FAU bewirbt sich am liebsten mit dem Wort innovativ. Das bedeutet neu, gewagt, bahnbrechend – und es bedeutet mutig“, sagten sie. Sie erhofften sich von der FAU mutige Entscheidungen und den Mut, sich ihrer gesellschaftlichen Rolle bewusst zu Sein und mahnten: „Treffen Sie Entscheidungen, denken Sie weiter, setzen Sie Prioritäten, seien Sie sich der gesellschaftlichen Verantwortung der FAU und Ihrer zukünftigen Absolventinnen und Absolventen bewusst und nicht nur der Verantwortung gegenüber der Wirtschaft oder bestimmten politischen Agendas.“

Künstliche Intelligenz in der Medizin im Mittelpunkt
Als Träger des neuen Titels „KI Gesundheitsknoten Erlangen“ fiel der FAU die Wahl des Schwerpunktthemas der Jubiläumsveranstaltung leicht: Über „Künstliche Intelligenz in der Medizin“ sprach Prof. Dr. Peter Dabrock, Ethiker und Theologe an der FAU sowie früherer Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, über Chancen und Herausforderungen von künstlicher Intelligenz in der Medizin.

Anschließend diskutierten die FAU-Wissenschaftlerinnen bzw. -Wissenschaftler Prof. Katharina Breininger, Juniorprofessorin für Digital Health, Prof. Dr. Peter Dabrock, Prof. Dr. Markus Neurath, Dekan der Medizinischen Fakultät, und Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Lehrstuhl für Soziologie mit dem Schwerpunkt Technik – Arbeit – Gesellschaft, sowie Dr. Bernd Montag, Geschäftsführer von Siemens Healthineers, mit FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger über „KI in der Medizin: Die FAU als Innovationstreiber“.

Mehr Informationen zu Vortrag und Diskussion gibt es hier:
https://www.dies.fau.de/speakers/prof-dr-peter-dabrock/
https://www.dies.fau.de/podiumsdiskussion-zum-thema-ki-in-der-medizin/

Ehrungen und Geehrte
Erstmals lenkte die Universität bei ihrem Dies academicus den Blick auf ihre besonders kreativen Köpfe und ehrte die „FAU Innovatorinnen und –Innovatoren“ des Jahres.

Kategorie Forschung: Elisabeth Hoppe
Elisabeth Hoppe ist Informatikerin und Doktorandin am Lehrstuhl für Mustererkennung an der FAU. Im Wettbewerb der Gesellschaft für Informatik wurde die Expertin für MR-Bildgebung und Deep Learning zur KI-Newcomerin des Jahres 2019 gewählt.

Kategorie Alumni: Dr. Isabel Schellinger
Die Ärztin und FAU-Alumna Dr. Isabel Schellinger entwickelte in der von ihr begründeten Firma Angiolutions das erste minimal-invasive Gerät, das verhindert, dass kleine Bauchaortenaneurysmen wachsen und eine potenziell lebensbedrohliche Größe erreichen. Das brachte sie auf die Forbes-Liste der 30 wichtigsten Menschen unter 30 in Europa im Jahr 2018 im Bereich „Science & Healthcare“. Außerdem ist Isabel Schellinger zu einer der fünf Präsidien der Jungen Akademie ernannt worden.

Kategorie Studierende: Sagithjan Surendra
Sagithjan Surendra studiert Molekulare Medizin an der FAU und ist vom Deutschen Hochschulverband und Deutschen Studentenwerk für die Gründung des Aelius Förderwerks als „Student des Jahres 2020“ ausgezeichnet worden. Das Förderwerkt unterstützt Kinder und Jugendliche bei ihrer Ausbildung.

Wie bereits in den vergangenen Jahren hatte FAU-Präsident Hornegger im Vorfeld des Dies academicus zu einer kleinen Feier geladen, um wichtige FAU-Preise zu vergeben.

Würde eines Ehrensenators
Die Ehrensenatorenwürde, die höchste Auszeichnung der Universität, erhielt in diesem Jahr
Dr. Wilhelm Polster. Mit dieser Ehrung bedankt sich die FAU für die außerordentlichen Verdienste Dr. Polsters um die Förderung der Wissenschaft an der FAU, unter anderem als Vorstand der Manfred-Roth-Stiftung. Hier ist insbesondere die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich der Medizin als wichtiger Beitrag zur heutigen Innovationsstärke der FAU zu nennen.

Würde eines FAU-Botschafters
Zum FAU-Botschafter hat die FAU in diesem Jahr Prof. Dr. Ken-ichi Kakimoto ernannt, in Würdigung seines besonderen Verdienstes um den Ausbau der internationalen Reputation und Sichtbarkeit der FAU in Forschung und Lehre. Professor Kakimoto ist Materialforscher und Vizepräsident des Nagoya Institute of Technology. Er pflegt seit mehr als zehn Jahren enge Kontakte zu den Materialwissenschaften an der FAU in Forschung und Lehre. Ein Botschafter bzw. eine Botschafterin soll die Interessen der FAU im jeweiligen Heimatland vertreten und im eigenen wissenschaftlichen Umfeld von den Erfahrungen an der FAU berichten.

Renate-Wittern-Sterzel-Preis
Den Renate-Wittern-Sterzel-Preis, mit dem die FAU innovative Projekte zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern ehrt, erhielt das Team von „Mach MINT! Science Made by Women“ der Naturwissenschaftlichen und Technischen Fakultät. Geehrt wurden jeweils die Dekane der Technischen und der Naturwissenschaftlichen Fakultät sowie die Frauenbeauftragten der beiden Fakultäten.

Prof. Dr. Andreas Paul Fröba, Dekan der Technischen Fakultät
Prof. Dr. Jürgen Schatz, Dekan der Naturwissenschaftliches Fakultät
Prof. Dr. Barbara Kappes, Frauenbeauftragte der Technischen Fakultät
Prof. Dr. Friedlinde Götz-Neunhoeffer, Frauenbeauftragte der Naturwissenschaftlichen Fakultät

Preis der Hans-Wilhelm und Helga Schüßler-Stiftung und DAAD-Preis
Mit dem Hans-Wilhelm und Helga Schüßler-Preis und dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD-Preis) werden internationale Studierende der FAU ausgezeichnet, die sich während ihres Studiums in Deutschland durch herausragende akademische Leistungen und bemerkenswertes interkulturelles oder gesellschaftliches Engagement hervorgetan haben.

Den Hans Wilhelm und Helga Schüßler-Preis erhielt Danijela Dimitrijević, die aus Serbien stammt und Geowissenschaften im Master studiert. Geehrt wurde sie für ihre herausragenden Leistungen trotz erschwerter Studienbedingungen und ihr außergewöhnliches soziales und ehrenamtliches Engagement, zum Beispiel als Beraterin für ihre internationalen Kommilitoninnen und Kommilitonen oder in der Studierenden-Initiative „Climate Change Action Team“.   

Mit dem DAAD-Preis wurde Hoda Mahmoud, ägyptische Studentin im Masterstudiengang Development Economics and International Studies, geehrt. Neben ihren exzellenten Studienleistungen zeigt Hoda Mahmoud herausragendes gesellschaftliches Engagement: Mit drei weiteren Studierenden gründete sie das soziale Projekt „integra“, das sich zum Ziel gesetzt hat, internationalen Studierenden sowie Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern der Metropolregion Nürnberg einen reibungslosen Übergang in Deutschland zu ermöglichen, sie besser in die Gesellschaft zu integrieren und die kulturelle Vielfalt unter jungen Menschen in der Region zu fördern.

Habilitationspreise
Die vom Universitätsbund Erlangen-Nürnberg gestifteten Habilitationspreise wurden in diesem Jahr an folgende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für ihre Habilitationsschriften verliehen:

Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie
PD Dr. Tanja Gojny
Dr. Sven Grampp

Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
PD Dr. Dr. Albrecht Fritzsche

Medizinische Fakultät - Thiersch-Preis
PD Dr. Regina Jitschin, PhD

Naturwissenschaftliche Fakultät - Emmy-Noether-Preis
Dr. Florian Frank

Technische Fakultät - Wolfgang-Finkelnburg-Preis
PD Dr. Benoit Merle

Lehrpreis der FAU für herausragende Lehre
Seit 2016 verleiht die FAU den universitätsweiten Lehrpreis, mit dem die Universität jährlich hervorragende Leistungen in der Lehre würdigt.

Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie
Dr. Susanne Gruß

Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Eva Altenhöfer

Medizinische Fakultät
Dr. Christian Ehli

Naturwissenschaftliche Fakultät
Silvia Viola Kusminskiy, PhD

Technische Fakultät
Dr. Stephan E. Wolf

ALEX-Lehrpreis 2020 (neu in diesem Jahr)
Das Sommersemester 2020, das Corona-Semester, hat die Lehrenden der FAU stark gefordert: Schnell musste die Online-Lehre geplant und umgesetzt werden. Viele haben trotz der kurzen Zeit sehr durchdachte Formate und Unterstützungsangebote für ihre Studierenden entwickelt. Mit dem ALEX Lehrpreis 2020 möchte die FAU das Engagement ihrer Lehrenden belohnen und die besten Ansätze prämieren.

Mehr Informationen zu den Preiskategorien: https://www.fau.de/2020/07/news/studium/alex-der-fau-schnell-digital-lehrpreis/

Best of schnell-digital Award
Laura Kirste, Technische Fakultät

Newcomer Award
Lisa Bauereisen, Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie

Team-Spirit Award
Andrea Rau, Medizinische Fakultät

ILI Innovation Award
Benedict Herzog, Technische Fakultät

Student’s Choice Award
Prof. Dr. Andreas Maier, Technische Fakultät

Support & Interaction Award
Birte Oetjen, Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie

Detaillierte Informationen zu der Veranstaltung haben wir auf www.dies.fau.de zusammengestellt.

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04.11.2020 Die Verantwortung der Profession Arzt

„Den Griff nach ärztlicher Kompetenz gilt es immer wieder zu parieren“, beginnt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), seinen Leitartikel der November-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblatts.

Das zeige sich am Beispiel des Aufrufes zu Grippeschutzimpfungen durch die Politik. Nach ärztlicher Indikation wurde hier nicht gefragt, sondern medienwirksam etwas empfohlen, das ohne ausreichende Verfügbarkeit angeboten wurde. Das zeige sich am Beispiel der Grippeschutzimpfung durch Apotheker mit dem vorgeschobenen Argument, dadurch die Impfquoten zu erhöhen, als ob das durch die Ärzteschaft nicht gewährleistet wäre.

Nach Quitterers Auffassung sollten Ärztinnen und Ärzte, die die infektiologische Sinnhaftigkeit einer Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) in Frage stellen, nicht den weitgehend gesellschaftlichen Konsens über das Tragen von solchen MNB, die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und nicht zuletzt die Grundsatzentscheidung des Verordnungsgebers ignorieren. „Auch, wenn das Tragen einer MNB keinen absoluten Schutz darstellt, hilft es doch, die Auswirkungen der Pandemie etwas einzudämmen. Die AHA-L-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen und regelmäßiges Lüften) sind sinnvoll und sollten von uns allen beachtet werden“ ist Bayerns Ärzte-Chef überzeugt.

Die etablierten Versorgungsebenen seien gut aufgestellt. Hier sei neben dem ambulanten insbesondere der stationäre Sektor zu nennen. „In allen Bereichen haben die Ärztinnen und Ärzte zusammen mit dem Pflegepersonal und den Medizinischen Fachangestellten, oft unter Zurückstellung der eigenen Gesundheit, enormes geleistet“, so Quitterer abschließend.

Mehr zu „Die Verantwortung der Profession Arzt“ lesen Sie im Leitartikel der November-Ausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Pressestelle Bayerische Landesärztekammer

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Mühlbaurstraße 16
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03.11.2020 Für Erlangen entschieden Heisenberg-Professor forscht zu Multipler Sklerose und entwickelt neue Therapieansätze für neuroimmunologische Erkrankungen
uni | mediendienst | forschung Nr. 66/2020

„Hervorragende Forschungsbedingungen, fächerübergreifende Vernetzung, Patientenversorgung auf höchstem Niveau in einer der größten neurologischen Kliniken Deutschlands“, zählt Prof. Dr. Veit Rothhammer einige der Gründe auf, warum er sich für einen Wechsel von München ans Universitätsklinikum Erlangen entschieden hat. Zum 1. September 2020 ist der 41-Jährige mit seiner Heisenberg-Professur für Neuroimmunologie in die Neurologische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab) des Uni-Klinikums Erlangen umgezogen. Neben seiner umfassenden Expertise hatte Prof. Rothhammer auch mehrere Mitarbeiter und beachtliche Forschungsgelder im Gepäck.
 
Neuroimmunologische Erkrankungen wie die Multiple Sklerose (MS), die Myasthenie und inflammatorische Neuropathien sind sein klinischer, die Spätphase der MS sein wissenschaftlicher Schwerpunkt. „MS verläuft schubweise. Anfangs können wir unseren Patienten noch gut helfen. Indem bewährte Medikamente in der Frühphase richtig und rechtzeitig eingesetzt werden, lässt sich das Fortschreiten der Krankheit signifikant hinauszögern“, erläutert der Neurologe. „Ist die Spätphase allerdings erst einmal eingetreten, gibt es nur selten ein Zurück. Der Zustand der Betroffenen verschlechtert sich langsam, aber stetig. Über dieses Krankheitsstadium, für das es bisher nur sehr wenige wirksame Arzneimittel gibt, wissen wir noch viel zu wenig und können unsere Patienten deshalb in vielen Fällen nur symptomatisch behandeln. Hier möchte ich mit meiner Forschung etwas verändern!“
 
Dafür richtet Veit Rothhammer seinen Fokus insbesondere auf sogenannte Gliazellen: Gehirnzellen, von denen Ärzte und Wissenschaftler bisher dachten, dass es sich nur um Stütz- und Hilfszellen im Zentralnervensystem handelt. Tatsächlich scheinen diese Zellen aber einen wesentlichen Anteil am Fortschreiten der Multiplen Sklerose zu haben. „MS ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der Immunzellen fälschlicherweise Gehirnzellen angreifen“, erklärt Prof. Rothhammer. „Wir wissen, dass die Entzündungsherde im Gehirn Symptome verursachen, die nach und nach wieder abflauen; wir sprechen von Schüben.“ Was die Wissenschaftler allerdings noch nicht verstehen: In der Spätphase der Erkrankung kommt es zu keiner neuen Attacke, sondern Immunzellen, die zu früheren Zeitpunkten ins Gehirn eingewandert sind, interagieren mit Gliazellen und Neuronen und bedingen so den Untergang von Nervenzellen und Hüllstrukturen. Aber wie genau und warum? „Diese Vorgänge möchten wir durch unsere Arbeit besser verstehen, damit wir in Zukunft auch Spätphasen der MS behandeln können“, sagt Veit Rothhammer.
 
Vom Krankenbett ins Labor und wieder zurück
Im Moment leben in Deutschland schätzungsweise 220.000 bis 250.000 Menschen mit Multipler Sklerose. Die Ärzte und Pflegefachkräfte in der Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen behandeln jährlich rund 2.000 Betroffene. „Unsere MS-Patienten begleiten wir oft über viele Jahre, teils Jahrzehnte“, weiß Prof. Rothhammer, der für die Spezialambulanz für Multiple Sklerose und Neuroimmunologie und das dazugehörige Labor verantwortlich ist. „Eine große Klinik mit entsprechend vielen Patienten, wie hier in Erlangen, bietet ideale Voraussetzungen für eine Krankenversorgung auf höchstem Niveau. Die enge Zusammenarbeit mit unseren niedergelassenen Kollegen ist hierbei von zentraler Bedeutung, um jeden Patienten bestmöglich zu betreuen und maßgeschneiderte Behandlungsstrategien zu erarbeiten. Die enge Verzahnung zwischen Krankenversorgung und Wissenschaft ist darüber hinaus eine optimale Basis für die klinische und die experimentelle Forschung. Indem wir neue Erkenntnisse aus dem Labor ans Krankenbett übertragen, aber auch Erfahrungen von der Station und aus der Hochschulambulanz in die wissenschaftliche Arbeit einfließen lassen, können wir komplexe Fragestellungen umfassend bearbeiten und so innovative Therapieansätze entwickeln.“
 
Vorstellen und vernetzen
Zwar hat er in Erlangen bisher nie gelebt und gearbeitet, doch nicht alles ist neu für Prof. Rothhammer. Unter den neuen Kollegen sind einige alte Bekannte, mit denen er in der Vergangenheit schon in der Klinik und bei Forschungsprojekten zusammengearbeitet hat. „Im Moment führe ich trotzdem viele Gespräche, um mich vorzustellen, gemeinsame Ideen und Vorhaben zu entwickeln“, berichtet er. „Ich freue mich auf Kooperationen mit anderen Fachdisziplinen des Uni-Klinikums Erlangen – aber auch darüber hinaus. Dank der Nachbarschaft zur Universität ergeben sich weitere interessante Vernetzungsmöglichkeiten, beispielsweise mit Einrichtungen der Naturwissenschaftlichen Fakultät.“
 
Ungebremster Forscherdrang
Nach seinem Medizinstudium in Würzburg nahm Veit Rothhammer seine erste Stelle in Düsseldorf an. „Für die Neurologie hatte ich mich im Laufe des Studiums entschieden. An dem Fachgebiet gefällt mir insbesondere, dass man auf Basis der klinischen Untersuchung häufig schon vermuten kann, in welchem Bereich des Nervensystems das Problem besteht“, erläutert er und ergänzt: „Außerdem hat die Disziplin enormes Potenzial sowohl in der Klinik als auch in der Forschung. Es gibt so viele neurologische Krankheitsbilder, die wir noch nicht vollständig verstehen.“ Mit seinem Mentor Prof. Dr. Bernhard Hemmer wechselte Dr. Rothhammer von Düsseldorf nach München, wo er in dessen Arbeitsgruppe sowie in der Gruppe von Prof. Dr. Thomas Korn tätig war. 2014 ermöglichte ihm ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einen vierjährigen Forschungsaufenthalt an der Harvard Medical School in Boston (USA) in der renommierten Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Francisco Quintana. Hier richtete Veit Rothhammer seinen Fokus erstmals intensiv auf die Gliazellen und ihre Rolle bei neuroimmunologischen Erkrankungen.
 
Zurück in München vertiefte Prof. Rothhammer seine Forschungsarbeit weiter und warb renommierte Fördermittel ein: darunter einen ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrats in Höhe von 1,5 Millionen Euro und ein Heisenberg-Stipendium der DFG. Außerdem ist er am DFG-Sonderforschungsbereich/Transregio 274 „Checkpoints in der Regeneration des zentralen Nervensystems“ beteiligt. Bleibt da noch Zeit für anderes? „Nicht viel“, lacht Veit Rothhammer, der in seiner Freizeit gerne klassische Literatur zur Hand nimmt. „Zum Ausgleich gehe ich joggen. Ich freue mich auf neue Laufrunden durch den Meilwald oder den Tennenloher Forst.“
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Veit Rothhammer
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29.10.2020 Neue Regenerationsansätze bei Sehnenverletzungen
uni | mediendienst | forschung Nr. 65/2020

EU fördert internationales Konsortium mit 4 Millionen Euro

Sehnenverletzungen nehmen weltweit zu. Um neue therapeutische und diagnostische Möglichkeiten zur Behandlung von Sehenversetzungen unter zur Hilfenahme der Nanomedizin zu entwickeln, fördert die EU im Rahmen des Forschungsprogramms „Horizon 2020“ das Konsortium „P4 FIT“ für die nächsten vier Jahren mit rund 4 Millionen Euro. Zu den Mitgliedern gehört unter anderem auch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Werden Bänder und Sehnen falsch oder überbelastet, kommt es zu feinen Rissen, sogenannten Mikrorupturen in dem Gewebe, und schließlich zu Entzündungen. Die Folge sind Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Da sich Sehnen im Vergleich zu Muskeln oder Knochen schlechter regenerieren, ist der Heilungsprozess oft langwierig. Hier setzt das neue Konsortium P4 FIT an. Ziel der beteiligten Forscherinnen und Forscher ist es, verschiedene medizinische Forschungsansätze zu kombinieren. Dabei sollen Nanopartikel zum Einsatz kommen, die mehrere spezifische Wirkstoffe beinhalten – sogenannte Multidrug-Nanovektoren. Die Sehnen sollen mittels Tissue Engineering, also die Züchtung von künstlichem Gewebe, sowie durch pharmakologische Konzepte, Wirkstoffe, die das Immunsystem in gewünschter Weise verändern, generiert werden.

 Elektrospinnen für die Sehnenreparatur

Neben den sechs Konsortiumsmitgliedern besteht P4 FIT aus 21 weiteren Partnerorganisationen. Insgesamt werden 15 Nachwuchsforscherinnen und -forscher durch das Projekt finanziert. Die Federführung bei P4 FIT hat die Universität Helsinki inne. Der Fokus des Programms liegt dabei darauf, Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in diesem Bereich auszubilden. An der FAU ist das Projekt am Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien) von Prof. Aldo R. Boccaccini angesiedelt. Hier werden drei Doktoranden an der Herstellung und Charakterisierung innovativer Gewebegerüste, die mit Multidrug-Nanovektoren für die Sehnenreparatur beladen sind, forschen. Eine der Haupttechniken, die am Lehrstuhl für Biomaterialien für dieses Projekt zur Verfügung stehen, ist das Elektrospinnen. Damit können faserige Biopolymerstrukturen hergestellt werden, die der natürlichen Morphologie von Sehnen entsprechen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini

Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien)

aldo.boccaccini@fau.de

23.10.2020 Krankheitszeichen im MRT noch früher erkennen
uni | mediendienst | forschung Nr. 64/2020

Forscher von FAU und der TU Graz wollen durch spezielles Verfahren den Zellstoffwechsel in der Bildgebung deutlicher sichtbar machen.

Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich in der heutigen Medizin vor allem die Weichteile im menschlichen Körper sehr gut darstellen – und helfen in der Diagnostik, Veränderungen wie Tumoren zu erkennen. Viele Erkrankungen lösen allerdings bereits Veränderungen im Zellstoffwechsel aus, bevor im MRT tatsächlich eine substanzielle Strukturveränderung des Gewebes zu erkennen ist. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) um Prof. Dr. Moritz Zaiß, Professur für Multimodale Bildgebung in der klinischen Forschung, und der Technischen Universität Graz arbeitet jetzt an einem Verfahren, um bereits diese Stoffwechseländerungen im MRT sichtbar zu machen und so einen wichtigen Beitrag für die Früherkennung von Krankheiten durch MR-Biomarker zu leisten. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem österreichischen Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung mit 650.000 Euro gefördert.

 Magnetresonanztomografie ist ein in der Medizin sehr bedeutendes Untersuchungsverfahren, mit dem – anders als beim Röntgen, das Knochenstrukturen sichtbar macht – vor allem die Weichteile des Körpers und verschiedene Gewebetypen mit einer hohen räumlichen Auflösung dargestellt werden können. Der Grund: Mit Hilfe des Magnetfeldes im MRT lassen sich die Protonen im Kern von Wasserstoffatomen räumlich aufgelöst messen – und damit auch das Körpergewebe, das ja zu großen Teil aus Wasser besteht.

Für die Diagnostik, gerade für die Früherkennung bestimmter Erkrankungen, wäre es allerdings wichtig, Gewebeveränderungen bereits in einem Stadium zu identifizieren, wenn sich lediglich im Zellstoffwechsel Unregelmäßigkeiten finden – typische frühe Anzeichen, dass etwas mit der Zelle nicht stimmt.  Könnte man diesen Zellstoffwechsel ebenfalls in 3D sichtbar machen und auf diese Weise feststellen, wie hoch zum Beispiel der Kreatin-Gehalt oder der pH-Wert an bestimmten Stellen im Gewebe ist, wäre dies ein immenser Gewinn für die Medizin. Denn solche Werte sind häufig so genannte Biomarker, also messbare Hinweise im Körper auf bestimmte Erkrankungen.

Grundsätzlich könnte die Magnetresonanztomografie dies leisten, gerade die neuen leistungsstarken Hochfeld-Magnetresonanztomografen mit Feldstärken von sieben Tesla oder mehr. In verschiedenen Molekülen nämlich, die in der zellulären Struktur oder im Zellstoffwechsel vorkommen – etwa Proteine und Stoffwechselzwischenprodukte, so genannte Metaboliten – sind ebenfalls Wasserstoffatome enthalten sind, allerdings in deutlich geringerer Konzentration als in Wasser selbst. Ein Lösungsansatz ist das so genannte CEST-MRT: Die Abkürzung CEST steht für den „chemical exchange saturation transfer“, ein Verfahren, das sich den chemischen Prozess des Protonenaustauschs zu Nutze macht, um die Sensitivität des MRT so zu erhöhen, dass es auch auf die geringen Konzentrationen von Wasserstoffprotonen in Proteinen und Metaboliten anspringt. Das interessante an der CEST-MRT-Methode ist, dass sie nicht-invasiv ist und keine Kontrastmittel benötigt.

Für eine Nutzung von CEST-MRT als Standard in der Diagnostik sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen: Aktuell zum Beispiel dauert eine Untersuchung, um genügend hohe Mengen an Daten zu erheben, noch zu lange und könnte Patientinnen oder Patienten überfordern. Auch die Auswertung der Datenmassen und die optimale Steuerung des CEST-MRT – die Forscher setzen dafür Radiofrequenzsignale ein – sind ungelöste Probleme.

Prof. Dr. Moritz Zaiß und seine Kolleginnen und Kollegen aus den Fachbereichen Physik, Radiologie, Ingenieurwesen und Mathematik wollen zwei Lösungsansätze parallel verfolgen: Zum einen setzen sie darauf, perfekte passende Radiofrequenzsignale zu entwickeln. Gleichzeitig wollen sie die Untersuchung durch neuartige Mess- und Rekonstruktionsverfahren um mehr als das zehnfache beschleunigen. Dafür arbeiten sie vor allem am Ultra-Hochfeld-MRT Magnetom Terra, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FAU und des Universitätsklinikums Erlangen selbst mit entwickelt haben (https://www.fau.de/2019/09/header/fau-forscher-fuer-deutschen-zukunftspreis-nominiert/). So hoffen die Forscher, einen entscheidenden Beitrag zu leisten für eine bessere und patientenfreundliche Erfassung molekularer Information durch die Magnetresonanzbildgebung – und damit eine Basis zu schaffen für eine breitere klinische Anwendung in der Biomarker-Bildgebung und der Präzisionsmedizin.

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Moritz Zaiß

Professur für Multimodale Bildgebung in der klinischen Forschung

Tel.: 09131/85-39388 oder -25530

moritz.zaiss@uk-erlangen.de

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23.10.2020 Mit Daten Menschen in allen Lebensphasen gesund halten
Pressemitteilung der FAU

Curious-Mind-Forscherpreis für FAU-Informatiker Prof. Dr. Björn Eskofier

Die Hall of Fame der deutschen Forschung würdigt jedes Jahr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die durch ihre Leistung Deutschland als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort zukunftsfähig machen. Prof. Dr. Björn Eskofier vom Lehrstuhl für Informatik 14 (Maschinelles Lernen und Datenanalytik) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erhält in diesem Jahr den „Curious-Mind-Forscherpreis“ in der Kategorie Life Sciences, vergeben vom Manager Magazin und der Firma Merck. Der Preis zeichnet Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler unter 40 Jahren aus, deren Arbeit schon heute erkennen lässt, dass sie Impulse für die Zukunft der deutschen Wirtschaft geben wird. Wir haben Prof. Eskofier zu seiner Forschung und ihrer Bedeutung für die Wirtschaft befragt.

Prof. Eskofier, Sie beschäftigen sich mit maschinellem Lernen und Datenanalytik. Wo finden sich hier die Berührungspunkte zum Thema Life Sciences?

In meinem Forschungsgebiet sind wir besonders gut darin, in großen Datenmengen Zusammenhänge zu erkennen. Weil gerade in den Life Sciences solche großen Datenmengen vorliegen, ist die Zusammenarbeit sehr fruchtbar. Dazu kommt, dass durch maschinelles Lernen und Datenanalytik erzielte Ergebnisse nachvollziehbar und objektiv sind, also nicht von subjektiven Einschätzungen wie beispielsweise in der medizinischen Diagnostik abhängig sind.

Warum sind Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen so wichtig für Ihre Arbeit?

Mir ist es in der Forschung wichtig, sowohl zu den Grundlagen beizutragen, als auch relevante Anwendungen zu ermöglichen. Gerade in der Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen können wir unser Wissen einbringen, um Anwendungen zu optimieren und damit die Ergebnisse für den Menschen zu verbessern. In diesem Prozess steckt unheimlich viel Innovationspotenzial – denn auch die Fragestellungen von Unternehmen liefern oft den nächsten Ansatzpunkt für unsere Forschung.

Einer Ihrer Forschungsschwerpunkte sind intelligente Gesundheitssysteme. Welchen Beitrag können Sie hiermit zu einer verbesserten Lebensqualität leisten?

Es ist schon seit Jahren absehbar, dass Faktoren wie die demografische Entwicklung die Kosten der Gesundheitsversorgung so stark erhöhen, dass Gesundheitssysteme weltweit an ihre Grenzen stoßen. Um dies zu verhindern, konzentriert sich einer unserer Ansätze darauf, Menschen durch sogenannte Primär- und Sekundärprävention in allen Lebensphasen „gesund zu halten“. Dies erfordert die Entwicklung sensorbasierter Unterstützungssysteme, welche die Gesundheit und damit die Lebensqualität auch der alternden Bevölkerung verbessern sollen.

Was bedeutet die Verleihung des Curious-Minds-Forscherpreises für Sie persönlich?

Als der Anruf vom Manager Magazin kam, dass ich den Preis gewonnen habe, war ich erstmal völlig aus dem Häuschen. Schließlich bewerben sich auf solche Preise hunderte, äußerst fähige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Umso mehr hat es mich gefreut, dass mit diesem Preis natürlich auch der eigene Beitrag positiv bewertet und ausgezeichnet wird – und der Beitrag meines Teams, ohne den solche Erfolge nicht möglich wären. Deshalb erhöht der Preis für mich persönlich die Motivation, mit dem gleichen Enthusiasmus weiter zu forschen, und für mein Team wird es sicher eine ordentliche Party geben – natürlich erst dann, wenn das auch wieder möglich ist.

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Björn Eskofier

Lehrstuhl für Informatik 14 (Maschinelles Lernen und Datenanalytik)

Tel.: 09131/85-27297

bjoern.eskofier@fau.de

 Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auch auf unserer Rubrik „Nachgefragt“ vorbei – dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/   

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15.10.2020 Hohe Nachfrage bei Grippeimpfungen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Naturgemäß verkürzen Politiker-Schlagzeilen manchmal komplizierte Sachverhalte, daher kann ich die Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, es bestünden ‚Keine Engpässe bei Grippeimpfstoffen‘ nicht so stehen lassen“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Fakt sei, dass in Bayern viele Praxen noch nicht einmal die vorbestellten Impfstoffe komplett erhalten hätten. Nachbestellungen seien derzeit zwar möglich, jedoch zeitlich nicht absehbar. „Ob in Zukunft fristgerecht geliefert werden wird, ist eine Hypothek auf die Zu-kunft“, so Bayerns Kammerchef. Die Nachfrage bei Grippeimpfungen sei in diesem Jahr auch in Bayern sehr hoch. Daher seien in einigen Hausarztpraxen die ersten Impfdosen bereits verimpft. Quitterers Appell an die Politik: „Nicht nur die Bevölkerung zum Impfen aufrufen, sondern auch sicherstellen, dass die impfwilligen Patientinnen und Patienten, vor allem die Risikopatienten und chronisch Kranken, diese Impfung auch erhalten können.“

Pressestelle Bayerische Landesärztekammer

Dagmar Nedbal
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10.10.2020 Professionelle Impfberatung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Delegierten des 79. Bayerischen Ärztetages (BÄT) forderten bei ihrer Arbeitstagung am 10. Oktober den Gesetzgeber auf, sicherzustellen, dass Schutzimpfungen als komplexe spezifische Prophylaxe im Kontext aller potenziellen Präventionsleistungen in ärztlicher Kompetenz verbleiben.

Die Pilotprojekte nach § 132j Sozialgesetzbuch V (Grippeimpfung durch Apotheker) müssten zügig evaluiert werden, auch hinsichtlich etwaiger Zwischenfälle. Die Evaluation sollte auch untersuchen, ob durch eventuell unterlassene Arztbesuche ärztliche Präventionsbemühungen unterlaufen werden. Besonderes Augenmerk müsse in den Regionen, in denen die Modellversuche zur Grippeimpfung in Apotheken laufen, auch der gerechten Verteilung des Impfstoffes im Fall der Verknappung geschenkt werden. Es könne nicht angehen, dass in Arztpraxen Patienten, die nicht unter die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts fallen, mit Rücksicht auf knapp werdende Ressourcen unter Um-ständen nicht geimpft werden, dann in Apotheken geimpft werden. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege wurde aufgefordert, regelmäßig über die in Bayern zur Verfügung stehenden Impfdosen zu berichten und Empfehlungen hinsichtlich des zu impfenden Personen-kreises abzugeben, an die sich die Ärzte und Apotheker gleichermaßen halten sollen.

Durch die Ärzteschaft könne eine Diagnose möglicher akuter Erkrankungen und die Erfassung des komplexen Impfstatus der Patientinnen und Patienten erfolgen und notwendige Impfungen möglichst passgenau, niedrigschwellig und in Kombination ärztlich injiziert und begleitet werden. Im Falle von seltenen, aber durchaus schwerwiegenden Impfkomplikationen, wie etwa allergischen Reaktionen, könnten so ärztliche Notfallmaßnahmen ohne gefährliche Zeitverzögerung eingeleitet werden. Der Arztbesuch könne darüber hinaus als adäquater Anlass zur professionellen Beratung und Zuleitung zu weiteren Präventionsangeboten genutzt werden. So könne das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis nicht nur die Durch-führung der notwendigen (Kombinations-)Impfung im Gesamtkontext der potenziellen Präventionsleistungen ermöglichen, sondern auch zur Förderung und Prägung des Gesundheitsbewusstseins beitragen.

10.10.2020 Aussagekraft von PCR-Tests auf SARS-CoV-2 erhöhen
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Delegierten des 79. Bayerischen Ärztetags haben am 10. Oktober in München die Bayerische Staatsregierung dazu aufgefordert, Anstrengungen zu unternehmen, die millionenfach durchgeführten RT-PCR-Tests auf SARS-CoV-2 mit Aussagekraft zur tatsächlichen Infektiosität eines Trägers des Coronavirus auszustatten.

In mehreren wissenschaftlichen Arbeiten sei der Zusammenhang zwischen der Zahl der Amplifikationszyklen im PCR-Zyklus bis zum Auftreten eines positiven Signals und der Nachweisbarkeit eines kultivierbaren Virus belegt worden, so der Beschlusstext.

Im Rahmen eines PCR-Tests werden die in einer Probe enthaltenen Erb-gutspuren in mehreren Zyklen immer wieder verdoppelt. Ist eine einzelne Spur des Virus vorhanden, so sind es nach dem zweiten Zyklus bereits zwei, nach drei Zyklen vier, nach zehn 1.024 etc., bis zum Auftreten eines positiven Signals. Bei Proben mit viel Virusmaterial schlägt der Test relativ schnell an. Sind dazu mehr als 35 Runden nötig, trägt der Patient laut führenden Virologen in der Regel aber eine geringe Viruslast in sich, die mit großer Wahrscheinlichkeit nicht vermehrungsfähig ist.

Nach Ansicht des Ärztetags sollten einschränkende infektionshygienische Maßnahmen auf solche PCR-positive Personen beschränkt werden, bei denen ein nennenswertes – im politischen Diskurs festzulegendes – Risiko für die Weiterverbreitung von COVID-19 bestehe.

Derzeit sieht die Gesetzeslage vor, dass sich alle positiv auf das Virus getesteten Personen in Quarantäne begeben müssen.

Pressestelle Bayerische Landesärztekammer

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09.10.2020 Neues Medikament gegen Darmerkrankung Colitis ulcerosa getestet
uni | mediendienst | aktuell Nr. 107/2020

Internationale klinische Phase-II-Studie unter Erlanger Leitung veröffentlicht

Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), die weltweit immer häufiger vorkommt. Die Patienten leiden an anhaltenden blutigen Durchfällen und krampfartigen Bauchschmerzen, die die Lebensqualität oft stark beeinträchtigen. Therapieziel ist es, einen akuten Schub der Erkrankung erfolgreich zu behandeln, erneute Schübe zu verhindern und die entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut zum Abheilen zu bringen. Prof. Dr. Raja Atreya, Leiter des Schwerpunkts CED sowie Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof Dr. Markus F. Neurath) und des Deutschen Zentrums Immuntherapie am Universitätsklinikum Erlangen, leitete deshalb eine klinische Phase-II-Studie an 91 Zentren in zwölf europäischen Ländern, die einen neuartigen Behandlungsansatz zur Behandlung der Colitis ulcerosa testete. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachmagazin Lancet Gastroenterology & Hepatology veröffentlicht.

 Im Rahmen der von Prof. Atreya geleiteten klinischen Studie wurde der neue Wirkstoff Cobitolimod lokal als Klysma (Einlauf) bei Colitis-ulcerosa-Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Krankheitsaktivität eingesetzt. „Die Mehrzahl der Colitis-ulcerosa-Patienten ist von der sogenannten linksseitigen Colitis betroffen. In die Studie wurden deshalb gezielt Patienten mit linksseitiger Ausdehnung der Darmentzündung eingeschlossen. Bei diesen Probanden werden die entzündeten Areale mit dem als Klysma verabreichten Wirkstoff gezielt und komplett bedeckt. Die anderen von der Entzündung nicht betroffenen Abschnitte des Dickdarms bleiben hingegen frei“, erläutert Raja Atreya.

 Der Wirkstoff Cobitolimod bindet an einen spezifischen Rezeptor – den Toll-like Rezeptor 9 (TLR9). Dieser erkennt Strukturen, die ausschließlich auf oder in Krankheitserregern vorkommen. Dank dieser Bindung wird das körpereigene Immunsystem der behandelten Patienten moduliert. „Schon 2019 haben wir unter Federführung von Dr. Heike Schmitt aus meiner Arbeitsgruppe den Wirkmechanismus des neuen Medikaments entschlüsselt“, sagt Prof. Atreya. „Wir konnten zeigen, dass Cobitolimod durch die Modulation des Rezeptors TLR9 in der Lage ist, die Bildung von entzündungsfördernden Zellen im Darm zu unterdrücken und dafür die Bildung von entzündungshemmenden Zellen zu stimulieren, die letztlich die Entzündung im Darm zurückdrängen.“

 Für die klinische Phase-II-Studie, die vor allem die Wirksamkeit, den Dosierungsrahmen und die Sicherheit von Cobitolimod ermitteln sollte, wurden 213 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer linksseitiger Colitis ulcerosa nach dem Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt. Ihnen wurden innerhalb von drei Wochen entweder verschiedene Dosen von Cobitolimod (zweimal 31 Milligramm, zweimal 125 Milligramm, viermal 125 Milligramm oder zweimal 250 Milligramm) oder ein Scheinmedikament (Placebo) als Klysma verabreicht. Die Behandlung zielte darauf ab, die klinische Erkrankungsaktivität zu stoppen und die entzündete Darmschleimhaut zum Abheilen zu bringen (klinische Remission).

 Für diejenigen Patienten, die mit zweimal 250 Milligramm Cobitolimod die jeweils höchste Dosierung bekamen – zu Beginn und drei Wochen später –, konnte eine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber dem Placebo nachgewiesen werden. Mit zweimal 250 Milligramm Cobitolimod erreichten 21,4 Prozent der Behandelten die gewünschte klinische Remission bereits zu Woche sechs. Bei den mit dem Placebo behandelten Patienten waren es nur 6,8 Prozent.

 „Aufgrund der lokalen Applikation als Klysma erreicht der Wirkstoff am Ort der Entzündung im Darm eine hohe Konzentration und wir erzielen dort einen sehr starken antientzündlichen Effekt. Die lokale Anwendung als Klysma sorgt auch für die Sicherheit und gute Verträglichkeit des Medikaments, da der gesamte Körper nur minimalsten Mengen der Substanz ausgesetzt wird“, erläutert Raja Atreya. „Das spiegelt sich auch darin wider, dass es durch Cobitolimod bei den Behandelten – im Vergleich zur Placebogruppe – keine zusätzlichen Nebenwirkungen gab.“

 Mit International Award ausgezeichnet

Für die aktuelle Studie wurde Prof. Atreya mit dem International Award der renommierten US-amerikanischen Fachgesellschaft American College of Gastroenterology ausgezeichnet. Eine weitere klinische Studie zu Cobitolimod, die im Idealfall zur Zulassung des Medikaments zur Behandlung der Colitis ulcerosa führt, befindet sich bereits in Planung.

 Link zur Studie: https://www.thelancet.com/journals/langas/article/PIIS2468-1253(20)30301-0/fulltext

 Weitere Informationen:

 Prof. Dr. Raja Atreya

Tel.: 09131 85-35204

raja.atreya@uk-erlangen.de

06.10.2020 Tragen Kinder zur unkontrollierten SARS-CoV-2-Ausbreitung bei?
uni | mediendienst | forschung Nr. 57/2020

Uni-Klinikum Erlangen an bayernweiter Studie „COVID Kids Bavaria“ beteiligt – Testungen starten Mitte Oktober 2020
Stellen Kinderbetreuungsstätten eine Gefahr für eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 dar? Welchen Einfluss hat die COVID-19-Pandemie auf die Kindergesundheit? Diese zentralen Fragen soll die flächendeckende Studie „COVID Kids Bavaria“, an der auch das Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt ist, beantworten. Bis Januar 2020 werden über 12.000 Corona-Abstriche in 138 bayerischen Grundschulen, Kinderkrippen und Kindergärten gesammelt und auf das Virus untersucht. Getestet werden Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren sowie Lehrer und Betreuer. Erste Ergebnisse gibt es voraussichtlich im Frühjahr 2021. „COVID Kids Bavaria“ wird von der Ludwig-Maximilians-Universität München koordiniert; die Uni-Klinika Erlangen, Augsburg, Regensburg und Würzburg sowie das Klinikum rechts der Isar sind Kooperationspartner. Der Freistaat Bayern trägt die Studienkosten in Höhe von einer Million Euro.

Nach den Pfingstferien besuchten die ersten Schüler in Bayern wieder die Schule. Im Juli durften auch alle Kindergarten- und Krippenkinder in ihre Einrichtungen zurückkehren. Seitdem begleiten Forschungsteams an den sechs bayerischen Uni-Klinika die Öffnung von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen wissenschaftlich. Fragen der „COVID Kids Bavaria“-Studie: Können die Einrichtungen wie bisher geöffnet bleiben oder geht von Kindern eine erhöhte und unkontrollierbare Ansteckungsgefahr aus? „Wir haben bisher keine umfassenden und wissenschaftlich belastbaren Daten zu der Frage, wie infektiös Klein- und Schulkinder tatsächlich sind. Dieses Wissen wollen wir jetzt gewinnen“, erklärt Prof. Dr. Joachim Wölfle, Direktor der Kinder- und Jugendklinik des Uni-Klinikums Erlangen.

Erlangen: Abstrichentnahme ab Mitte Oktober 2020

Geleitet wird das Erlanger Studienteam von Prof. Dr. Antje Neubert. Die Forschungsgruppe ist für die Probenentnahme in den acht Bundestagswahlkreisen Erlangen, Bamberg, Bayreuth, Hof, Fürth, Nürnberg Nord, Nürnberg Süd und Roth zuständig. „Wir machen Rachenabstriche in je einer ausgewählten Grundschule und ein bis zwei Kinderbetreuungseinrichtungen pro Wahlkreis. Natürlich sind die Abstriche freiwillig – Elternbeiräte, Erzieher und natürlich auch die Eltern und die Kinder selbst müssen zustimmen“, erklärt Antje Neubert, Leiterin der Zentrale für Klinische Studien in der Kinderklinik. Allein das Erlanger Forschungsteam sammelt so an drei Erhebungszeitpunkten im Oktober 2020, zum Jahresende 2020 und zu Beginn des Jahres 2021 ca. 1.500 bis 2.000 Abstriche. „Wir sind immer noch auf der Suche nach Grundschulen und Kindertagesstätten, die an der Erhebung teilnehmen wollen. Denn der Status quo der Öffnungen kann nur erhalten bleiben, wenn wir auch wissenschaftlich begründen können, dass das jetzige Prozedere tatsächlich unproblematisch ist“, appelliert Prof. Neubert.

In ganz Bayern sollen in je 46 Grundschulen, Kinderkrippen und Kindergärten Atemwegsproben entnommen werden – insgesamt über 12.000 Stück. Diese schicken die sechs regionalen Forschungsteams zur Testung an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim. „Wenn ein Kind, ein Betreuer oder Lehrer in ‚unseren‘ Wahlkreisen positiv getestet wird, übergeben wir den Fall an das jeweilige lokale Gesundheitsamt, das das weitere Vorgehen festlegt“, erläutert Dr. Irmgard Toni vom Erlanger Studienteam. Unterwegs sind die mobilen Forschungsteams mit Fahrzeugen, die die BMW AG extra für „COVID Kids Bavaria“ zur Verfügung gestellt hat.
Neben den geplanten 12.000 Corona-PCR-Tests (Polymerase-Ketten-Reaktion) im Labor werden mithilfe von Online-Fragebögen auch psychosoziale Faktoren evaluiert. So geht es darin etwa um die Frage, ob und wie stark sich die COVID-19-Pandemie auf die Befindlichkeit und die Gesundheit von Kindern ausgewirkt hat – ob zum Beispiel geplante Arztbesuche aus Sorge vor einer Ansteckung abgesagt wurden oder ob das Kind Probleme mit dem Mund-Nasen-Schutz hatte.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Antje Neubert

Tel.: 09131 85-41100

ki-covidkids@uk-erlangen.de

 

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06.10.2020 7. Lauf gegen Krebs – die Aktionswoche beginnt
uni | mediendienst | aktuell Nr. 103/2020

Anmeldungen bis zum Zeitraumende am 18. Oktober 2020 möglich – alle können teilnehmen!
 
Bereits zum siebten Mal findet der Lauf gegen Krebs statt – in diesem Jahr allerdings virtuell. Im Zeitraum vom 10. bis 18. Oktober 2020 können Teilnehmende Lauf- oder Radrunden sammeln, sich anderweitig sportlich, aber auch künstlerisch oder musikalisch betätigen und ihre Leistung mittels „Action-Foto“ und GPS-Tracking auf der Website festhalten. Zur Veranstaltung lädt der Verein für Ernährungsmedizin, Bewegung & Sport bei Krebs e. V. in Kooperation mit dem Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen und dem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) ein. Ziel ist es, auch in diesem Jahr zu signalisieren, wie wichtig Sport und Bewegung für die Gesundheit sind und gleichzeitig einen Beitrag für die Krebsforschung zu leisten. So unterstützen auch heuer die U23-Fußballer der SPVGG GREUTHER FÜRTH den Benefizlauf, indem sie einen Trainingslauf beisteuern werden.
 
Der virtuelle Lauf kann überall allein oder in einer kleinen Gruppe (mit der zulässigen Personenzahl entsprechend den aktuellen Kontaktbeschränkungen) stattfinden: im Wald, auf der Straße oder auf dem Laufband. Auch Radfahren, andere sportliche Aktivitäten und künstlerische sowie musikalische Darbietungen zählen in diesem Jahr dazu. Anmeldungen sind einzeln oder auch als Team für den Bambini-Lauf (unter 6 Jahre), den Lauf für Schülerinnen und Schüler (6 bis 13 Jahre), den Lauf für Jugendliche (ab 14 Jahre) und Erwachsene, den Novartis-Run 25', die X-Road-Biketour, für eine andere sportliche Aktivität und für eine künstlerische oder musikalische Betätigung möglich. Die Beteiligung am virtuellen Lauf gegen Krebs ist kostenlos, eine Anmeldung ist ab sofort bis zum Ende des Veranstaltungszeitraums am 18. Oktober 2020, um 20.00 Uhr, möglich. Über Preise freuen dürfen sich die Kindergartengruppe oder der Verein mit den meisten Teilnehmenden beim Bambini-Lauf, die ersten drei Schulklassen mit den meisten Teilnehmenden im Schülerlauf (im Verhältnis zur Gesamtschülerzahl) sowie die ersten drei Läuferinnen und die ersten drei Läufer, die beim Novartis-Run in 25 Minuten die längste Strecke gelaufen sind. Diese Leistung muss mit einem Lauf-Tracker dokumentiert werden.
 
Auch mit dem 7. Lauf gegen Krebs möchten die Organisatorinnen und Organisatoren ein Zeichen für die Bedeutung von Bewegung und Ernährung in der Vorsorge und der Therapie einer onkologischen Erkrankung setzen. Wer die ernährungs- und sportmedizinische Therapie bei Krebserkrankungen unterstützen möchte, kann an den gemeinnützigen Verein spenden – unabhängig von der aktiven Teilnahme am Lauf.
 
Website des Laufs gegen Krebs mit weiteren Informationen und Link zur Anmeldung: www.laufgegenkrebs.de
 
Weitere Informationen:
Ursula Nastri-Niederweis
Tel.: 09131 85-46826
ursula.nastri-niederweis@uk-erlangen.de
 
 
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05.10.2020 Pandemie und Digitalisierung
Pressemeldung de Bayerischen Landesärztekammer

 Im Leitartikel der Oktober-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblatts erläutert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), dass er einen flächendeckenden Ausbau der technischen Infrastruktur zur Durchführung von zertifizierten Videokonferenzen zwischen Ärzten und ihren Patienten für erforderlich halte.

Seit Beginn der Pandemie würden Video- und Telefonsprechstunden vermehrt in Anspruch genommen, da viele Patientinnen und Patienten, welche Risikogruppen angehören, aus Angst vor einer Infektion teilweise dringend notwendige persönliche Besuche bei ihrem Arzt nicht auf sich nehmen wollten. „In einem solchen Fall stellt diese Form des Arzt-Patienten-Kontaktes ein adäquates Mittel dar, um unseren Patienten eine Behandlung anzubieten, auch wenn sie selbstverständlich den persönlichen Austausch mit dem Arzt und Präsenzuntersuchungen nicht ersetzen kann“, so der Präsident. Kritisch sieht Quitterer in diesem Zusammenhang einige expandierende telemedizinische Anbieter, welche ausschließlich im virtuellen Raum agierten. Mit Lockrufen nach schnellen Terminen, keinen Wartezeiten oder Online-Bescheinigungen für Schulen gelinge es diesen Unternehmen zunehmend, an Marktmacht zu gewinnen. Gleichzeitig trügen diese Firmen im Gegensatz zu niedergelassenen Ärzten nicht das unternehmerische Risiko einer Praxisgründung und die damit einhergehenden Personal-, Raum-, und Gerätekosten. „Dieses Geschäftsmodell funktioniert vor dem Hintergrund, dass solche Plattformen bei komplexeren Krankheitsfällen oder Komplikationen letzten Endes doch auf den niedergelassenen Arzt oder das Krankenhaus als Rückfallebene zurückgreifen und könnte deshalb durchaus als parasitär bezeichnet werden“, erklärt der Präsident.

Eindeutig zu den positiven Effekten des Digitalisierungsschubs zählt für Quitterer eine stärkere Verbreitung von Telekonsilen sowie von digitalen, sensorgestützten Monitorings bei Patienten in häuslicher Quarantäne, in Pflegeeinrichtungen sowie bei chronisch kranken Patienten. „Gerade die Bewohner von Pflegeheimen, welche durch die Pandemie besonders gefährdet sind, können von einem digitalen, sensorgestützten Monitoring ihrer Vitaldaten profitieren“, so Quitterer.

Mehr zu „Pandemie und Digitalisierung“ lesen Sie im Leitartikel der Oktober-Ausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

                                       
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05.10.2020 Wenn Tumorzellen den Halt verlieren
uni | mediendienst | forschung Nr. 56/2020

Kooperationsprojekt von Erlanger und Züricher Wissenschaftlern erhält 900.000 Euro Förderung

Metastasen sind die häufigste Todesursache bei Krebspatienten. Die Streuung von Tumorzellen aus dem Primärtumor in andere Organe hängt unter anderem von der Verbindung zwischen den Tumorzellen und dem sie umgebenden Gewebe ab. Ein Kooperationsprojekt, bei dem Wissenschaftler untersuchen, wie Tumorzellen „den Halt verlieren können“, erhält jetzt eine Förderung in Höhe von 900.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Schweizerischen Nationalfonds. Das Projekt steht unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Stürzl, Inhaber der Professur für Molekulare und Experimentelle Chirurgie der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) des Universitätsklinikums Erlangen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), und Prof. Dr. Michael Scharl, Leiter Forschung der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des Universitätsspitals Zürich.
Integrine sind Eiweißmoleküle, die sich an der Oberfläche von Zellen befinden und diese mit anderen Zellen sowie mit der sie umgebenden Matrix verbinden. In zurückliegenden Arbeiten fanden Prof. Scharl und Prof. Stürzl bereits heraus, dass Integrin-β-6, das im Normalgewebe fest mit der Oberfläche der Darmzellen verbunden ist, bei Patientinnen und Patienten mit metastasierenden kolorektalen Karzinomen in deutlich erhöhten Konzentrationen im Serum nachweisbar ist. Im aktuellen Kooperationsprojekt gehen die Wissenschaftler nun folgenden Fragen nach: Stellt die Ablösung des Integrins von den Tumorzellen ein aktives Signal zur Aktivierung der Metastasierung dar? Oder handelt es sich um eine Art Nebenreaktion, bei der das Protein während des Gewebsumbaus im Rahmen des Tumorwachstums von den Zellen abgespalten wird, wodurch die Tumorzellen ihren Halt verlieren und aus dem Tumor auswandern können?

Die finanzielle Unterstützung erfolgt im Rahmen einer bilateralen Projektförderung, die besonders die Forschungsinteraktion zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz voranbringen möchte („Lead Agency“-Verfahren D-A-CH). Prof. Stürzl freut sich sehr, dass es gelang, sich im hochkompetitiven Verfahren gegen andere Bewerber durchzusetzen. „Besonders attraktiv ist die Kooperation aufgrund des regelmäßigen Austauschs zwischen den Forschern der beteiligten Institutionen“, erläutert er. „Bei einem Erfolg könnte das Projekt neue Ansätze liefern: zum einen, um das Fortschreiten der Krankheit genauer zu bestimmen; zum anderen, um neue Therapieziele für die Behandlung von Darmkrebs zu definieren.“

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Stürzl
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02.10.2020 Hoffnung auf ein eigenes Kind trotz Krebs
uni | mediendienst | aktuell Nr. 102/2020

Bereits zum 100. Mal transplantierten Ärzte des Universitäts-Fortpflanzungszentrums Franken erfolgreich Eierstockgewebe
 

Eine Familie zu gründen, liegt in der Natur der meisten Menschen. Aber der Weg zum eigenen Kind kann mitunter sehr steinig sein. Erkrankt eine Frau etwa an Krebs, wird ihre Fruchtbarkeit durch medikamentöse Therapie und Bestrahlung erheblich beeinträchtigt. Doch auch wenn die Erfüllung des Kinderwunsches nach erfolgreicher Krebsbehandlung aussichtslos scheint, gibt es ein inzwischen etabliertes Verfahren, das Mut macht: die Transplantation von tiefgefrorenem Eierstockgewebe. Ärzte des Universitäts-Fortpflanzungszentrums Franken (Sprecher: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) konnten dadurch nun bereits der 100. Frau zu neuer Fruchtbarkeit verhelfen. Dafür transplantierten sie gesundes Ovarialgewebe, das sie der Patientin vor Beginn der Krebstherapie entnommen hatten.
 
Ein eigenes Kind wollten auch Sandra M. und ihr Mann David immer haben. Als die Braunschweigerin im Alter von 38 Jahren jedoch an Brustkrebs erkrankte, geriet nicht nur ihr Kinderwunsch ins Wanken, sondern ihr ganzes Leben. Von jetzt auf gleich musste sie sich mit Themen wie Chemotherapie, Bestrahlung und Tumor-OP auseinandersetzen. „An Familienplanung war im Moment der Krebsdiagnose überhaupt nicht zu denken“, sagt Sandra M. heute. „Mein behandelnder Onkologe hat uns aber zum Glück darüber aufgeklärt, dass meine Fruchtbarkeit durch die Chemo Schaden nehmen wird. Er hat deshalb empfohlen, uns im Vorfeld der Therapie von Spezialisten behandeln zu lassen. Die Wahl fiel auf das Universitätsklinikum Erlangen, da die Forschung in diesem Bereich bereits damals schon sehr innovativ war. Auch wenn zwischen Braunschweig und Erlangen 430 Kilometer liegen, haben wir den Weg gern auf uns genommen.“
 
Um die Chance auf eine Schwangerschaft nach der Krebsbehandlung zu erhöhen, können neben dem Eierstockgewebe auch Eizellen eingefroren werden. „Diese Therapie setzt allerdings eine hormonelle Stimulationsbehandlung voraus“, erklärt Prof. Dr. Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen. „Bei Sandra M. war das jedoch nicht möglich, weil die Chemotherapie sehr schnell erfolgen musste. Die Zeit, die nötig ist, um die Eizellen im Körper heranreifen zu lassen, war nicht gegeben. Die Kryokonservierung, also das Einfrieren von Eierstockgewebe in flüssigem Stickstoff, ist hingegen innerhalb von 48 Stunden abgeschlossen, was genau in solchen Fällen ein entscheidender Vorteil ist. Das Verfahren hat sich inzwischen bewährt, wird aber nur in wenigen spezialisierten Kliniken in Deutschland angeboten.“
 
Mutterglück auf Eis
Das konservierte Gewebe kann prinzipiell unendlich lange aufbewahrt werden, ohne Schaden zu nehmen. Nach fast sechs Jahren erfolgreicher Brustkrebstherapie ließ sich Sandra M. jetzt das Eierstockgewebe wieder transplantieren. „Hinter jeder Transplantation steht das Schicksal einer ganzen Familie“, sagt Prof. Beckmann. „Deshalb legen wir größten Wert darauf, jede unserer Patientinnen mit der nötigen Sensibilität und Menschlichkeit zu behandeln.“ Das betonen auch Sandra M. und ihr Mann David: „Wir wurden jederzeit liebevoll umsorgt und haben sogar ein Herzkissen bekommen, das für Brustkrebspatientinnen ein praktischer Alltagshelfer ist. So war die lange Rückfahrt mit dem Auto nach Braunschweig viel besser zu bewältigen, weil der Anschnallgurt nirgends drückte.“ Das Paar hofft nun, auf natürlichem Weg schwanger zu werden.
 
Mit ca. 1.500 Konservierungen ist Erlangen eines der größten Lager für Ovarialgewebe in Deutschland. „Dabei sind die Gründe zum Einfrieren von Eierstockgewebe vielfältig“, erklärt Prof. Dr. Ralf Dittrich, wissenschaftlicher Leiter der Reproduktionsmedizin des Universitätsklinikums Erlangen. „Neben der Wiederherstellung der Fertilität infolge einer Tumorerkrankung wird das Verfahren auch angewendet, wenn sich die Ovarialreserve verringert und somit die Menopause vorzeitig eintritt. Außerdem kommt es zum Einsatz, wenn es um das Thema Social Freezing geht, also darum, dass Frauen mit dem Kinderkriegen so lange warten wollen, bis das Arbeits- oder Privatleben ein Kind zulässt oder der richtige Partner gefunden ist.“ Auch diese Frauen können am Uni-Klinikum Erlangen Eizellen oder Ovarialgewebe einfrieren lassen und zu einem späteren Zeitpunkt schwanger werden.
 
Weitere Informationen:
 
Prof. Dr. Ralf Dittrich
Tel.: 09131 85-33553
ralf.dittrich@uk-erlangen.de
 
 
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01.10.2020 Mit vereinten Kräften durch die Krise
uni | mediendienst | aktuell Nr. 100/2020

Experten des Uni-Klinikums Erlangen an sieben Projekten des Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin beteiligt – Förderung durch das BMBF mit insgesamt 150 Mio. Euro
 

An 7 von 13 Verbundprojekten, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin (NUM) mit insgesamt 150 Millionen Euro fördert, sind Experten des Universitätsklinikums Erlangen beteiligt. Wie Bundesministerin Anja Karliczek heute (01.10.2020) bei einer Pressekonferenz verkündete, erhalten diese 13 Forschungskooperationen für eine Dauer von zehn Monaten finanzielle Unterstützung, um ihre unterschiedlichen Ansätze zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie weiterzuverfolgen. Ziel der Anstrengungen von Spezialisten aus allen 34 deutschen Uni-Klinika ist es, die Krise in all ihren Facetten gemeinsam zu meistern. Im Fokus haben die interdisziplinären Teams insbesondere die individuelle Behandlung von Patienten, die Optimierung der Therapieoptionen bei einer SARS-CoV-2-Infektion und die Unterstützung der Entwicklung von Immunisierungsverfahren gegen das neue Coronavirus.
 
Beim NUM handelt es sich um ein einmaliges wissenschaftliches Projekt, wie die Bundesministerin bei dessen Vorstellung Ende März 2020 betonte. Unter seinem Dach vereinen die 34 deutschen Uni-Klinika ihre exzellente Expertise und nutzen diese noch besser als bisher, um die für Deutschland größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam zu bewältigen, so Anja Karliczek. Konkret bedeutet dies beispielsweise, dass alle Uni-Klinika die Daten ihrer COVID-19-Patienten systematisch sowie sicher erfassen und in eine gemeinsame Datenbank einpflegen. Das geteilte Wissen und der aktive Austausch untereinander sollen u. a. dazu beitragen, die Versorgung von Menschen mit einer SARS-CoV-2-Infektion schnell zu verbessern und das medizinische Personal bestmöglich zu schützten. Die 13 geförderten Verbundprojekte wurden aus Hunderten eingereichter Vorschläge ausgewählt. Koordiniert wird das NUM von der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
 
An folgenden sieben Projekten sind Experten des Uni-Klinikums Erlangen beteiligt:
 
B-FAST – Surveillance- und Teststrategie-Plattform
Das Verbundprojekt B-FAST hat das Ziel, eine nachhaltig einsetzbare, skalierbare und auf zukünftige Pandemien übertragbare Surveillance- und Teststrategie zu entwickeln und in unterschiedlichen Anwendungsbereichen zu erproben. Aufgabe des Erlanger Projektpartners Prof. Dr. Klaus Überla (Direktor des Virologischen Instituts – Klinische und Molekulare Virologie des Uni-Klinikums Erlangen) ist es, für die Antikörpertestung gegen SARS-CoV-2 Standardreagenzien zu entwickeln, die es erlauben, die Leistungsfähigkeit der Testsysteme unterschiedlicher Hersteller zu vergleichen und standortübergreifend zu harmonisieren. Gleichzeitig ermöglicht Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch (Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Informatik der FAU Erlangen-Nürnberg und CIO des Uni-Klinikums Erlangen) die Nutzbarmachung Erlanger Daten für die NUM-Datenplattform.
 
COVIM – Immunologie-Plattform
COVIM dient dem Verständnis schützender Immunität gegen SARS-CoV-2 und es schafft Strukturen zur schnellen und effizienten Nutzbarmachung von immunologischen Schutzmechanismen für die klinische Anwendung. Die Erlanger Projektpartner Prof. Dr. Hans-Martin Jäck (Leiter der Molekular-Immunologischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen), Prof. Dr. Klaus Überla (Direktor des Virologischen Instituts – Klinische und Molekulare Virologie des Uni-Klinikums Erlangen) und Prof. Dr. Thomas Winkler (Inhaber der Professur für Genetik der FAU Erlangen-Nürnberg) optimieren im Rahmen von COVIM die rasche Gewinnung schützender Antikörper gegen neue Infektionserreger durch Impfung von Mäusen mit einem menschlichen Antikörper-Repertoire.
 
DEFEAT PANDEMIcs – Autopsie-Plattform
Obduktionen durch Pathologen haben wesentliche neue Erkenntnisse zur COVID-19-Erkrankung erzielt. Es wurde gezeigt, dass spezifische Grunderkrankungen häufig mit einem schweren Verlauf der Erkrankung assoziiert sind, die meisten Patienten aber an und nicht mit der Infektion versterben. Das Ziel von DEFEAT PANDEMIcs ist der Aufbau eines deutschlandweiten Obduktionsnetzwerks für den Pandemiefall, um systematisch Daten, Materialien und Erkenntnisse möglichst vollständig, umfassend und zeitnah zu erfassen. Über das Netzwerk werden die Generierung und Verbreitung von Evidenz zum Umgang mit Epidemien und zur Unterstützung eines Krisenmanagements durch die Erarbeitung standardisierter Vorgehensweisen erreicht. DEFEAT PANDEMIcs liefert so einen wertvollen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen COVID-19-Pandemie sowie zur schnellen Reaktion auf künftige Pandemien. Erlanger Projektpartner ist Prof. Dr. Arndt Hartmann (Direktor des Pathologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen).
 
EViPan Unimed – Pandemiemanagement
Das EViPan-Projekt hat das Ziel, die Mitarbeitergesundheit während der Pandemie zu sichern. Arbeitsausfälle, etwa durch Infektionen der Mitarbeiter oder infolge von psychischen Belastungen, sollen präventiv verhindert werden. In einem Teilprojekt in diesem Verbund leitet Prof. Dr. (TR) Yesim Erim (Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen) die webbasierte Befragung „Analysen der psychischen Gesundheit und standardisierte Evaluationsmethodik zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit“. Zum ersten Messzeitpunkt hatten 8.000 Personen aus dem Gesundheitswesen an der Studie teilgenommen und Fragen zu psychischen Belastungen, aber auch zu Quellen der persönlichen Resilienz beantwortet. Gleichzeitig wurden Aspekte zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und situative arbeitsplatzbezogene Belastungen untersucht.
 
FoDaPl – Forschungsdatenplattform
Mit der Forschungsdatenplattform (FoDaPl) wird eine sichere, erweiterbare und interoperable Plattform zur Bereitstellung von Forschungsdaten zu COVID-19 aufgebaut, die bundesweit alle Uni-Klinika verbindet. So sollen der Wissenschaft strukturierte Daten mit hoher Qualität zur Verfügung gestellt und damit neuartige Auswertungen ermöglicht werden. Aus unterschiedlichen Datenquellen soll eine möglichst kurzfristig verfügbare Datenbasis geschaffen werden, die den Anforderungen der Forschungsethik (sog. FAIR-Prinzipien) und der EU-Datenschutzgrundverordnung entspricht. Dazu werden die Datenintegrationszentren aus der Medizininformatik-Initiative (MII) – insbesondere eine Reihe von Tools, die im von Erlangen koordinierten MIRACUM-Konsortium entstanden – genutzt. Mit der Plattform sollen auch komplexe Forschungsfragen beantwortet und die Patientenversorgung unterstützt werden. Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch (Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Informatik der FAU Erlangen-Nürnberg und CIO des Uni-Klinikums Erlangen) übernimmt in diesem Projekt die Koordination der Entwicklung und Verteilung der dezentralen Komponenten. Klinische und Forschungsdaten des Uni-Klinikums Erlangen werden hierfür federführend von der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath; stv. Direktor: PD Dr. Richard Strauß; Taskforce Manager: PD Dr. Andreas Kremer) erfasst.
 
PallPan – Palliativmedizin
Auch in Pandemiezeiten ist die Versorgung von Schwerkranken und Sterbenden wichtig. In der aktuellen Pandemie war dieser Bereich nicht im Fokus und eine angemessene Versorgung nur mit Einschränkungen möglich. PallPan wird Empfehlungen erarbeiten, um hierauf in zukünftigen Pandemiephasen besser vorbereitet zu sein. Das Uni-Klinikum Erlangen ist unter der Federführung von Prof. Dr. Christoph Ostgathe (Leiter der Palliativmedizinischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen) an einem Teilprojekt beteiligt, das in den Krisenstäben die Berücksichtigung der Situation der Versorgung von schwer kranken, sterbenden und trauernden Menschen mit und ohne COVID-19 untersucht. Prof. Ostgathe betont: „Palliativversorgung endet nicht mit Beginn einer Krise. Im Gegenteil: Der Bedarf nimmt zu. Daher sollte auch in Krisenstäben die Palliativversorgung berücksichtigt werden.“
 
RACOON – Radiologie-Plattform
Im Verlauf von Lungeninfektionen kann die radiologische Bildgebung an mehreren Weichen eine entscheidende Rolle spielen. Die hohe Verfügbarkeit und die schnellen, verlässlichen Ergebnisse lassen ihr eine Schlüsselrolle in der Pandemiebewältigung zukommen. Die infrastrukturelle Vernetzung aller Uni-Klinika eines Landes zur Erhebung von Lungenveränderungen ist weltweit einzigartig. Strukturierte Befundung, Annotation und 3-D-Segmentierung werten die Datenqualität entscheidend auf und versprechen so epidemiologische Kenntnisse, die frühzeitige Erkennung von Hotspots und die automatisierte Auswertung mittels künstlicher Intelligenz. Damit kann zum einen COVID-19 besser verstanden und bekämpft, zum anderen eine „Pandemic Preparedness“ für zukünftige Bedrohungen hergestellt werden. Das Erlanger Teilprojekt von RACOON (Radiological COOperative Network) wird von Prof. Dr. Michael Uder (Direktor des Radiologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen) und PD Dr. Matthias May (Oberarzt des Radiologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen) geleitet.
 
Ausführliche Informationen über das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin finden sich auf dessen Website: http://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de
 
Weitere Informationen:
 
PD Dr. Andreas Kremer
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30.09.2020 Die Nesselsucht im Fokus
uni | mediendienst | aktuell Nr. 98/2020

Online-Urtikaria-Woche 2020: Allergieambulanz des Uni-Klinikums Erlangen informiert über Symptome und Behandlung der Hauterkrankung
 

Brennendes Kribbeln am ganzen Körper und quälenden Juckreiz verspüren Menschen, die unter Nesselsucht (Urtikaria) leiden, oft mehrmals täglich. Etwa jeder Vierte erkrankt einmal in seinem Leben kurzzeitig an einer akuten Urtikaria, die zu den häufigsten Hauterkrankungen zählt. Woran Betroffene die Nesselsucht erkennen und wie diese am besten zu behandeln ist, erläutert Dr. Nicola Wagner, Leiterin der Allergieambulanz der Hautklinik (Direktorin: Prof. Dr. Carola Berking) des Universitätsklinikums Erlangen. Die Allergologin nimmt als eine von 20 bundesweit ausgewählten Expertinnen und Experten an der ersten Online-Urtikaria-Woche des Deutschen Allergie- und Asthmabunds (DAAB) vom 1. – 8. Oktober 2020 teil.
 
In ihrem Podcast „Nesselsucht erkennen und behandeln“ informiert Dr. Wagner am Mittwoch, 7. Oktober 2020, ab 17.15 Uhr, über die vielfältigen Krankheitsbilder der Urtikaria sowie über die Behandlungsmöglichkeiten. Zu den belastenden Symptomen zählen zum Beispiel Angioödeme, schmerzhafte und anhaltende Schwellungen der tieferen Hautschichten, die auch die Lippen oder die Augen betreffen können.
 
Zertifikat als weltweit anerkanntes Urtikaria-Zentrum
Die Erlanger Hautexpertin ist außerdem Sprecherin des Allergiezentrums des Uni-Klinikums Erlangen, das 2019 das Zertifikat als Urtikaria-Zentrum des weltweiten Netzwerks GA²LEN (Global Allergy und Asthma European Network) erhielt. Durch die Teilnahme des Uni-Klinikums Erlangen am Programm GA²LEN UCARE haben die Erlanger Nesselsuchtpatientinnen und -patienten Zugang zu aktuellen Studien über diese schwer zu behandelnde Krankheit sowie zu neuesten Forschungsergebnissen.
 
Welt-Urtikaria-Tag 2020
Seit 2014 gilt der 1. Oktober als jährlicher Welt-Urtikaria-Tag, um über die quälende und weitverbreitete Hautkrankheit zu informieren und den Austausch zwischen Dermatologinnen und Dermatologen sowie Betroffenen weiter zu verbessern. Während der Online-Urtikaria-Woche des DAAB vom 1. Bis 8. Oktober 2020 werden auf der Website http://www.online-urtikariawoche.de täglich Livebeiträge freigeschaltet. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung vorab jedoch erforderlich. Alle Beiträge sind bis zum 12. Oktober 2020 abrufbar.
 
Weitere Informationen:
 
Dr. Nicola Wagner
Tel.: 09131 85-33836
nicola.wagner@uk-erlangen.de
 
 
Bildunterschrift: Der Podcast „Nesselsucht erkennen und behandeln“ von Dr. Nicola Wagner ist am Mittwoch, 7. Oktober 2020, ab 17.15 Uhr, auf http://www.online-urtikariawoche.de erstmals online abrufbar. Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
 
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29.09.2020 Uni-Klinikum Erlangen hat jetzt Hypertoniezentrum
uni | mediendienst | aktuell Nr. 96/2020

Erfolgreiche Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie
 
Die Medizinische Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie (Direktor: Prof. Dr. Mario Schiffer) des Universitätsklinikums Erlangen wurde jetzt gemäß den Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN) erfolgreich als „Zentrum für Hypertonie“ zertifiziert. Zeitgleich erhielt die Klinik von der DGfN das Zertifikat „Nephrologische Schwerpunktklinik DGfN“ (NSK) mit Schwerpunkt Nierentransplantation. Damit ist das Uni-Klinikum Erlangen neben dem Klinikum rechts der Isar der TU München und dem Klinikum Bayreuth eines von nur drei zertifizierten Hypertoniezentren in Bayern und eine von fünf bayerischen NSK – neben München (Klinikum rechts der Isar, München Klinik Harlaching), Nürnberg (Paracelsus Medizinische Privatuniversität) und Bayreuth (Klinikum Bayreuth).
 
Die Auditoren bezeichneten die Erlanger Medizin 4 insgesamt als eine „Vorzeigeklinik“. Sie beurteilten die personelle Besetzung der Einrichtung als „sehr gut“ – sowohl im ärztlichen als auch im pflegerischen Bereich. Die Beschäftigten identifizieren sich stark mit „ihrer“ Klinik, was zu einer geringen Fluktuation und zu einem großen Interesse unter Nachwuchskräften führe. Beim Audit wurden keinerlei Abweichungen festgestellt. Wegen der besonderen Erlanger Expertise im Bereich der Bluthochdruckbehandlung vergaben die Auditoren des internationalen Zertifizierungsinstituts ClarCert das Zertifikat „Zentrum für Hyptertonie“. „Wir freuen uns, dass dieses Siegel die Qualität unserer Klinik – unserer Mitarbeiter und die der Behandlungen, die wir vornehmen – jetzt so deutlich nach außen trägt“, freut sich Prof. Dr. Mario Schiffer, Direktor der Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen.
 
Nieren und Bluthochdruck
Bluthochdruck (Hypertonie) ist ein „stiller Killer“. Oft bleibt er lange unerkannt. Nichtsdestotrotz leidet jeder dritte Mensch in Deutschland an dem gefährlichen Überdruck in den Gefäßen. Angesichts der alternden Bevölkerung wird diese Zahl noch steigen. Langfristig schädigt Bluthochdruck das Herz und die Gefäße, er verursacht Herzinfarkte und Schlaganfälle. Auch mit den Nieren ist der Blutdruck eng verbunden: Hypertonie kann zu Nierenerkrankungen führen; andersherum begünstigen Nierenleiden oft Bluthochdruck.
 
In einer Spezialsprechstunde der Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen werden vor allem Patienten mit schwer einstellbarem Bluthochdruck und mit seltenen Formen von Hypertonie beraten und behandelt. „Ist zum Beispiel Eiweiß oder Blut im Urin nachweisbar, kann eine Nierenerkrankung dahinterstecken. Betroffene sollten dann unbedingt einen Nephrologen konsultieren“, rät Klinikdirektor Prof. Schiffer. Die Patienten werden u. a. auch mit modernen interventionellen Methoden wie der Nierennervenablation behandelt.
 
Schwerpunkt Nierentransplantation
Neben der Anerkennung als „Zentrum für Hypertonie“ erhielt die Medizin 4 auch das Zertifikat „Nephrologische Schwerpunktklinik DGfN“. Kriterien hierfür waren unter anderem: die Möglichkeit zur Facharztweiterbildung in der Nephrologie, eine 24/7-Rufbereitschaft, Mindestmengen an nephrologischen Patientenfällen und Untersuchungen pro Jahr, ein sehr gut ausgestatteter Dialysebereich, die Möglichkeit, Notfälle angemessen zu versorgen sowie die Betreuung von Patienten vor und nach einer Nierentransplantation.
 
Kommt es zu schweren Nierenerkrankungen bis hin zur Niereninsuffizienz, stehen in der Medizin 4 insgesamt 16 Dialyseplätze zur Verfügung; auch eine Nachtdialyse ist möglich. Das Blutreinigungsverfahren überbrückt die Zeit bis zu einer rettenden Transplantation. Nierentransplantationen mit Organen von lebenden oder verstorbenen Spendern sind ein Kernstück der Erlanger Medizin 4. Am Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg (Sprecher: Prof. Dr. Michael Weyand) am Uni-Klinikum Erlangen wurden 2019 insgesamt 68 Nieren transplantiert. Die Eingriffe werden von Nephrologen in Kooperation mit den Ärzten der Urologischen und Kinderurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) und der Gefäßchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Werner Lang) des Uni-Klinikums Erlangen vorgenommen. Da die Medizin 4 über eine eigene Intensivstation mit zehn Betten verfügt, liegt die gesamte Behandlung – vom ambulanten Erstgespräch bis hin zur stationären Versorgung von Notfällen und Schwerstkranken – in einer Hand.
 
Mit dem Nachsorgeprogramm „NTX360°“ wollen die Erlanger Nephrologen die Lebensqualität von Patienten, die eine Spenderniere erhalten haben, langfristig verbessern. „Denn die gelungene Transplantation ist das eine, die langfristige Gesunderhaltung des neuen Organs das andere“, weiß Prof. Schiffer.
 
Das Team der Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen versorgte 2019 über 5.000 ambulante, mehr als 1.700 stationäre und 285 teilstationäre Patienten.
 
 
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25.09.2020 BÄK gibt wichtige Hinweise für Organisation von Videosprechstunden
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei erhalten Sie eine aktuelle Presseinformation der Bundesärztekammer.

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23.09.2020 eues Krebszentrum für Bayern mit Erlanger Beteiligung
uni | mediendienst | aktuell Nr. 95/2020


In Bayern entsteht ein neuer Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen mit vier Standorten in Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg.

Die Erforschung von Krebs vorantreiben und möglichst vielen Patientinnen und Patienten Zugang zu den neuesten Behandlungsmethoden verschaffen: Auf diesen Nenner lässt sich die Aufgabe des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) bringen. Zwei Standorte hat das Zentrum bereits, sie sind in Heidelberg und Dresden angesiedelt. Nun kommen vier neue dazu. Das gab Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, am Mittwoch, 23. September 2020, bei einer Pressekonferenz in Berlin bekannt.

Die neu ausgewählten NCT-Standorte erhalten zunächst eine Förderung für eine einjährige Konzeptphase. In dieser Zeit können sie eine gemeinsame Strategie für den Aufbau und die Umsetzung des erweiterten NCT erarbeiten. Werden das Gesamtkonzept und die Beiträge der einzelnen Standorte dann positiv begutachtet, folgt eine dauerhafte Förderung durch den Bund und die Länder.

Kooperation im Netzwerk WERA

Einer der vier neuen NCT-Standorte liegt in Bayern. Eingerichtet wird er unter Federführung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, des Universitätsklinikums Würzburg und des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken – im Verbund mit den Universitäten, Universitätsklinika und CCCs in Erlangen, Regensburg und Augsburg. Diese Partner kooperieren im Netzwerk WERA (Würzburg, Erlangen, Regensburg, Augsburg). Nach der erfolgreichen Bewerbung um die Aufnahme in das Nationale Centrum agieren sie nun unter dem Namen NCT WERA. Für die einjährige Konzeptphase erhalten sie 300.000 Euro.
„Wir freuen uns, dass wir mit unserem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN im Verbund mit unseren bayerischen Forschungspartnern als NCT-Standort gefördert werden. Damit können wir unseren Patientinnen und Patienten noch besser an modernsten Forschungen, insbesondere im Bereich der Immuntherapien, teilhaben lassen“, sagte Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Direktor des CCC Erlangen-EMN.

Forschungsprogramm des neuen Zentrums

Koordinator des NCT WERA ist der Würzburger Professor Hermann Einsele, Krebsexperte und Direktor der Medizinischen Universitätsklinik II: „Unsere Arbeit zielt darauf ab, auch die Menschen in überwiegend ländlich geprägten Regionen mit innovativen Krebstherapien zu versorgen und ihnen Zugang zu Therapiestudien zu verschaffen.“

Um dieses Ziel zu erreichen, haben die WERA-Partner ein umfassendes Forschungsprogramm etabliert. Es fußt auf zwei großen Linien: zum einen auf der gesamten Bandbreite neuer Immuntherapien, bei denen speziell präparierte CAR-T-Zellen – das sind Immunzellen, die mit einem neuen Rezeptor ausgestattet sind – die Tumoren zielgerichtet attackieren. „Mit diesem Forschungsschwerpunkt schließt das NCT WERA hervorragend an die Forschungsarbeiten im Deutschen Zentrum für Immuntherapie an, das wir im vergangenen Jahr am Uni-Klinikum Erlangen gegründet haben“, sagte Prof. Beckmann. Zum anderen steht die Analyse von krebsauslösenden Proteinen im Mittelpunkt. Der kontrollierte Abbau dieser Proteine spielt im Krankheitsgeschehen eine wichtige Rolle und bietet Angriffspunkte für grundlegend neue Krebstherapien.

Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN

Das Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN ist ein interdisziplinäres onkologisches Exzellenzzentrum mit einer Kombination von Patientenversorgung, Forschung und Lehre. Es versteht sich als gemeinsam getragene, interdisziplinäre Plattform der beteiligten Kliniken, selbstständigen Abteilungen und Institute. Weltweit sind Spitzenleistungen in der Onkologie zunehmend an solche Zentren gebunden, die sowohl in der Patientenversorgung als auch in der Forschung über das gesamte Spektrum onkologischer Kompetenz und Technologie verfügen.

Das CCC Erlangen-EMN ist eine gemeinsame Struktur der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und des Universitätsklinikums Erlangen, der Sozialstiftung Bamberg, der Klinikum Bayreuth GmbH und des Klinikums St. Marien Amberg. Grundlage der Kooperation ist die Zertifizierung der Standorte als Onkologisches Zentrum nach Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft. Alle vier Standorte des CCC Erlangen-EMN verfügen über ein von der DKG zertifiziertes Onkologisches Zentrum.Das CCC Erlangen-EMN berät alle Patienten kostenlos unter Tel.: 0800 85 100 85 (Montag bis Freitag, 8.00 bis 12.00 Uhr). Website des CCC Erlangen-EMN: www.ccc.uk-erlangen.de

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Matthias W. Beckmann
Tel.: 09131/85-47029
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21.09.2020 Begleitung und Orientierung bei Krebs
uni | mediendienst | aktuell Nr. 93/2020


Onkologische Patientenlotsen des CCC Erlangen-EMN unterstützen Betroffene künftig während ihrer Therapie
Sie helfen Patientinnen und Patienten, nach der Diagnose ‚Krebs‘ die Informationsflut zu bewältigen: Elke Putzek-Holzapfel und Carsten Willin-Fuhrmann sind die ersten beiden Patientenlotsen des Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Universitätsklinikums Erlangen. Das Team begleitet und unterstützt Menschen mit einer onkologischen Erkrankung während ihrer Therapien.
Wer ist mein Ansprechpartner in der Zeit zwischen zwei Behandlungen in verschiedenen Einrichtungen? Was bedeuten die onkologischen Fachbegriffe? Wie ist der Therapieverlauf, und in welcher Reihenfolge müssen die Termine vereinbart werden? Bei solchen und ähnlichen Fragen leistet das Lotsenteam wertvolle Unterstützung. „Gesprächsbedarf besteht fast immer“, berichtet Carsten Willin-Fuhrmann, der Patientinnen und Patienten mit Tumorerkrankungen des Darmtrakts betreuen wird. „Mein Ziel ist es, die an Krebs erkrankten Menschen auf ihrem Behandlungsweg so hilfreich zu begleiten, dass sie sich stets gut aufgehoben fühlen.“

Immer ansprechbar


Kompetente Beratung bieten die beiden onkologischen Lotsen den zu behandelnden Personen auch in den Therapiepausen an: „Wir fungieren während der kompletten Behandlung als koordinierendes Bindeglied zwischen den verschiedenen Einrichtungen, z. B. bei der Vermittlung von unterstützenden Behandlungsangeboten“, erklärt Carsten Willin-Fuhrmann, der aus seiner langjährigen Arbeit als Pflegefachkraft die Sorgen und Nöte von Menschen mit einer Krebserkrankung gut kennt. „Die Diagnose ‚Krebs‘ ist für die meisten der Betroffenen auch eine starke psychische Belastung. Bei Bedarf stellen wir Kontakt zu Psychoonkologen her oder organisieren einen Begleitservice, wenn jemand keinen persönlichen Beistand hat“, ergänzt die frühere Palliativpflegefachkraft Elke Putzek-Holzapfel, die Patientinnen mit Genitalkrebserkrankungen begleiten wird.

Wertvolle Orientierungshilfe

„Die Patientenlotsen koordinieren die vorhandenen Diagnostik- und Therapieangebote und dienen den zu behandelnden Personen auch als örtliche Wegweiser innerhalb der Gebäude des Uni-Klinikums Erlangen und zwischen den verschiedenen Einrichtungen“, erläutert Dr. Mandy Wahlbuhl-Becker, Leiterin der Geschäftsstelle des CCC Erlangen-EMN. „Die neuen Lotsen unterstützen gleichermaßen stationäre und ambulante Patientinnen und Patienten mit ihrer Kompetenz und vermitteln diesen in jedem Therapieabschnitt die Sicherheit, gut versorgt zu sein.“

 Kontakt und Sprechzeiten


Die Patientenlotsen sind telefonisch erreichbar unter den Telefonnummern 09131 85--47072 und -47071. Die täglichen Sprechzeiten sind wie folgt: Mo – Do 8.00 – 14.00 Uhr, Fr 8.00 – 12.00 Uhr

Weitere Informationen:
Dr. Mandy Wahlbuhl-Becker
Tel.: 09131/85-47029
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16.09.2020 Teilnehmer für Asthmastudie gesucht
uni | mediendienst | aktuell Nr. 90/2020

Uni-Klinikum Erlangen untersucht die Rolle der Immunität bei der Entstehung der Krankheit Asthma bronchiale

Für eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Erlangen werden Studienteilnehmer zwischen 18 und 65 Jahren gesucht, die unter Asthma bronchiale leiden oder – als Probanden für die Kontrollgruppe – Personen, bei denen keine Asthmaerkrankung diagnostiziert ist. Die Molekular-Pneumologische Abteilung (Leiterin: Prof. Dr. Dr. Susetta Finotto) und die Medizinische Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Uni-Klinikums Erlangen wollen in einer gemeinsamen Studie die Rolle der Immunität bei der Krankheitsentstehung von Asthma bronchiale untersuchen. Alle Studienteilnehmer werden gründlich untersucht und erhalten eine Fahrtkostenerstattung. Weitere Informationen unter Tel.: 09131 85-42497.

Ziel der Studie mit dem Titel „AZCRA“ ist es, die Rolle der Immunität und die Funktion von zellregulierenden Proteinen wie den Zytokinen, Chemokinen sowie ihren Rezeptoren bei der Entstehung des allergischen Asthmas besser zu verstehen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, Rückschlüsse auf die Prognose und den Verlauf der Erkrankung zu ermöglichen.

Teilnahme an der Studie

Die Studienteilnehmer erhalten einen Fragebogen zum Ausfüllen und werden u. a. mithilfe einer Lungenfunktionsmessung (Spirometer), einer Blutabnahme sowie eines Wangen- und Nasenabstrichs untersucht. Anschließend sollen sie ein Tagebuch über ihre Krankheitssymptome führen. Tritt während der Dauer der Studie bei den teilnehmenden Probanden eine akute Erkältung auf, wird diese ebenfalls umfassend untersucht.

Ausführliche Informationen zur Studie unter: http://www.molekulare-pneumologie.uk-erlangen.de

Weitere Informationen:

Cristina Sicorschi Gutu, Tel. 09131 85-42497, cristina.sicorschigutu@uk-erlangen.de

Susanne Krammer, Tel. 09131 85-42497, susanne.krammer@uk-erlangen.de

11.09.2020 Sportinduzierte Myokine bekämpfen Krebszellen
uni | mediendienst | forschung Nr. 52/2020

FAU-Forschungsteam analysiert die Effekte von Sport bei fortgeschrittener Krebserkrankung

 Sport und Bewegung scheinen neben den verschiedenen positiven Auswirkungen auf Körper und Geist auch einen direkten Einfluss auf die Entstehung und das Fortschreiten einer Krebserkrankung zu haben. Nun konnte ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zeigen, dass diese direkten anti-tumoralen Mechanismen auch bei schwer erkrankten Krebspatientinnen und -patienten durch eine Sporttherapie aktiviert werden können. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift The Journal of Physiology* veröffentlicht.

 Der Skelettmuskel sondert durch Stimulation Myokine, also hormonähnliche Botenstoffe, ab. Myokine schaffen eine entzündungshemmende Umgebung und vermitteln die positiven Effekte von Sport und Bewegung auf den Körper. In Gesunden und Krebserkrankten im Frühstadium wurde bereits beschrieben, dass bewegungskonditioniertes Serum – und darin enthaltene Myokine – das Wachstum von Krebszellen beeinflusst. Das FAU-Forschungsteam konnte nun erstmals zeigen, dass die schonende, aber effektive Trainingsmethode der Ganzkörper-Elektromyostimulation bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung Myokine ausschüttet, die das Wachstum von malignen Tumorzellen verhindern und gleichzeitig deren Zelltod verstärken. Mittels weiterer Studien wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun beteiligte Myokine mit anti-tumoraler Wirkung identifizieren, um wertvolle Hinweise zur Entwicklung multimodaler Krebstherapien zu erhalten.

 Für die Studie analysierte das Forschungsteam des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie des Universitätsklinikums Erlangen und des Lehrstuhls für Innere Medizin I der FAU unter der Leitung von Prof. Dr. Yurdagül Zopf Blutproben von Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Prostata- oder Darmkrebserkrankung, die an einer 12-wöchigen Sport- und Ernährungstherapie im Hector-Center teilgenommen haben. Die Publikation entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Oliver Friedrich, Leiter des Lehrstuhls für Medizinische Biotechnologie der FAU. 

 *Originalpublikation: https://doi.org/10.1113/JP279150   

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf, Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport, Tel.: 09131/85-45220, med1-hector-center@uk-erlangen.de   

09.09.2020 Alkohol verlängert das Leben von Nematoden
uni | mediendienst | forschung Nr. 51/2020

Forschungsteam untersucht Wirkung von Alkohol auf Larven von Fadenwürmern

 Unter extremen Umweltbedingungen reagieren viele Organismen mit Verteidigungsprogrammen, die ihnen das Überleben ermöglichen. Diese Mechanismen zu verstehen, kann zu Möglichkeiten führen, das Leben menschlicher Zellen zu verlängern. In einer kürzlich in der Fachzeitschrift Aging Cell veröffentlichten Arbeit* hat ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden und der TU Dresden sowie des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin (MPZPM) in Erlangen entdeckt, dass Alkohol die Lebensdauer von Nematodenlarven verdoppeln kann.

 Alkohol als unendliche Energiequelle

Nematoden – oder Fadenwürmer – leben in Böden rund um den Globus und zählen bis zu 40.000 Arten. Der Wurm Caenorhabditis elegans (C.elegans), der als Modellorganismus in der Biologie dient, kann seine Entwicklung anpassen, um auf Nahrungsmittelmangel, Überbevölkerung oder extreme Temperaturen zu reagieren: Er bildet die spezielle, nicht-fressende „Dauerlarve“, die von der Umgebung abgeschottet bleibt und ohne Futter etwa vier Wochen überleben kann. Biologinnen und Biologen glaubten lange, dass die Dauerlarve ein geschlossenes System ist und kaum Materie mit der Umwelt austauscht. Zufällig entdeckte das Forschungsteam jetzt jedoch, dass Dauer-Larven, die in einer Lösung mit Alkohol gehalten wurden, viel länger überleben.

Die Forschungsgruppe von Prof. Dr. Teymuras Kurzchalia vom MPI-CBG fand heraus, dass der Wurm Alkohol aus der Umwelt aufnehmen und verstoffwechseln kann. Alkohol aktiviert einen Schalter, der das metabolische Netzwerk der Larven umformt: Das Ethanol wird in Fettspeicher geleitet, wo daraus Aminosäuren und Zucker hergestellt werden; die daraus entstehende Energie ernährt den Wurm. Darüber hinaus überlebten mit Alkohol versorgte Larven Austrocknung, indem sie zusätzliche Mengen des Zuckers Trehalose produzierten.

 Warum sterben die Larven trotzdem?

Trotz Alkohol als quasi unendlicher Energieversorger – in der Natur könnte Ethanol von Hefen und Bakterien in verrottenden Früchten und Pflanzenstängeln produziert werden – leben die Würmer zwar länger, sterben aber schließlich doch. Warum?

 Um diese Frage zu beantworten, wandte sich die Kurzchalia-Gruppe an Prof. Dr. Vasily Zaburdaev und sein Team vom Lehrstuhl für Mathematik in den Lebenswissenschaften der FAU und dem MPZPM. Sie entwickelten ein mathematisches Modell des Stoffwechselwegs von Dauerlarven, mit dem die Lebensdauer von Würmern für verschiedene Ethanolkonzentrationen und mögliche Mutationen im Stoffwechselweg vorhergesagt werden können. Basierend auf dem Modell schlussfolgert das Team, dass die Anreicherung toxischer Verbindungen dazu führt, dass die Würmer trotz reichlich vorhandener Energieressourcen letztendlich sterben.

Zukünftig wollen die Forscherinnen und Forscher diese toxischen Verbindungen identifizieren und versuchen, ihre Wirkung zu mildern, um die Lebensdauer von Würmern noch weiter zu verlängern.

Das Lernen und Verstehen von Überlebensmechanismen und Stresstoleranz, die später zur Erhaltung des Lebens menschlicher Zellen genutzt werden können, ist das Ziel des interdisziplinären Projekts, an dem vier Gruppen in Erlangen und Dresden beteiligt sind und das von der „Leben?“-Initiative der Volkswagen Stiftung gefördert wird.

 *Link zur Publikation: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/acel.13214

08.09.2020 Gemeinsam für die Krebstherapie
uni | mediendienst | aktuell Nr. 85/2020

Virtueller Lauf gegen Krebs vom 10. bis 18. Oktober 2020 – alle können teilnehmen!

Auch heuer findet der Lauf gegen Krebs statt – wenn auch anders als in den Jahren zuvor: Aufgrund der Corona-Pandemie ist eine gemeinsame sportliche Betätigung mit über 2.000 Läuferinnen und Läufern im Erlanger Schlossgarten nicht möglich. Daher lädt der Verein für Ernährungsmedizin, Bewegung & Sport bei Krebs e. V. in Kooperation mit dem Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen und dem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) in diesem Jahr zum virtuellen Benefizlauf ein. Im Zeitraum vom 10. bis 18. Oktober 2020 können Teilnehmende Lauf- oder Radrunden sammeln, sich anderweitig sportlich, aber auch künstlerisch oder musikalisch betätigen und ihre Leistung mittels „Action-Foto“, GPS-Tracking oder Video auf der Website festhalten. Ziel ist es, zu signalisieren, wie wichtig Sport und Bewegung für die Gesundheit sind und gleichzeitig einen Beitrag für die Krebsforschung zu leisten.

 Der virtuelle Lauf kann überall allein oder in einer kleinen Gruppe (mit der zulässigen Personenzahl entsprechend den aktuellen Kontaktbeschränkungen) stattfinden: im Wald, auf der Straße oder auf dem Laufband. Auch Radfahren, andere sportliche Aktivitäten und künstlerische sowie musikalische Darbietungen zählen in diesem Jahr dazu. Anmeldungen sind einzeln oder auch als Team für den Bambini-Lauf (unter 6 Jahre), den Lauf für Schülerinnen und Schüler (6 bis 13 Jahre), den Lauf für Jugendliche (ab 14 Jahre) und Erwachsene, den Novartis-Run 25', die X-Road-Biketour, für eine andere sportliche Aktivität und für eine künstlerische oder musikalische Betätigung möglich. Die Beteiligung am virtuellen Lauf gegen Krebs ist kostenlos, eine Anmeldung ist ab sofort bis zum Ende des Veranstaltungszeitraums am 18. Oktober 2020, um 20.00 Uhr, möglich. Über Preise freuen dürfen sich die Kindergartengruppe oder der Verein mit den meisten Teilnehmenden beim Bambini-Lauf, die ersten drei Schulklassen mit den meisten Teilnehmenden im Schülerlauf (im Verhältnis zur Gesamtschülerzahl) sowie die ersten drei Läuferinnen und die ersten drei Läufer, die beim Novartis-Run in 25 Minuten die längste Strecke gelaufen sind. Diese Leistung muss mit einem Lauf-Tracker dokumentiert werden. 

Teilnahme und Spende für den guten Zweck

Sport, Bewegung und eine gesunde Ernährung können nicht nur das Risiko für eine Krebserkrankung senken, sie haben auch einen entscheidenden Einfluss auf die Behandlung und die Prognose nach einer Krebstherapie. Mit dem 7. Lauf gegen Krebs möchten die Organisatorinnen und Organisatoren ein Zeichen für die Bedeutung von Bewegung und Ernährung in der Vorsorge und der Therapie einer onkologischen Erkrankung setzen. Schirmherr der Veranstaltung ist Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

 Wer die ernährungs- und sportmedizinische Therapie bei Krebserkrankungen unterstützen möchte, kann an den gemeinnützigen Verein spenden – unabhängig von der aktiven Teilnahme am Lauf. Von einer Spende profitieren unmittelbar Krebserkrankte aus der Region, indem ihnen auch weiterhin hocheffiziente Trainingsprogramme angeboten werden können. Mit dem virtuellen Lauf gegen Krebs möchten die Organisatorinnen und Organisatoren für diesen Zweck eine Gesamt-Spendensumme in Höhe von 40.000 Euro erreichen.

 Website des Laufs gegen Krebs mit weiteren Informationen und Link zur Anmeldung: www.laufgegenkrebs.de

04.09.2020 Anfallsfrei durch Epilepsie-Operationen im Gehirn / Chronische Darmentzündungen
uni | mediendienst | forschung Nr. 49/2020

Forschungsteam der FAU und Uni-Klinik Utrecht wertet Europäische Kohorte mit mehr als 9000 Operationen aus

Die Weltgesundheitsorganisation stuft Epilepsien als häufige und schwerwiegende Erkrankungen des Gehirns ein. Ein Drittel aller Patienten sprechen nicht auf eine medikamentöse Therapie an. Bei sogenannten fokalen Epilepsien, wo der Ursprung in einem bestimmten Gehirnareal liegt, kann eine Operation am Gehirn helfen und sogar heilen. Dies konnte ein Forscherteam des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Utrecht zeigen. Sie untersuchten bei mehr als 9000 Patientinnen und Patienten aus 37 Epilepsie-Zentren in 18 Europäischen Ländern den kurz-, mittel-, und langfristigen Erfolg von Epilepsie-Operationen sowie die Medikamenteneinnahme nach der Operation. Die Ergebnisse wurden nun in dem Wissenschaftsjournal Lancet Neurology* veröffentlicht.

 In dem EU-geförderten „European Epilepsy Brain Bank-Konsortium“ hat das Team um Prof. Dr. Ingmar Blümcke von der FAU und Prof. Dr. Kees Braun vom Uni-Klinikum Utrecht die Ergebnisse Epilepsie-Operationen untersucht, die zwischen 2000 und 2012 an 37 Europäischen Epilepsie-Zentren durchgeführt wurden: Erlitten die Patientinnen und Patienten nach der Operation noch Anfälle? Wie lange währte ein Behandlungserfolg? Benötigten die Erkrankten nach der Operation weiterhin Medikamente oder durften sie darauf verzichten?

Das Ergebnis: Epilepsie-Operationen sind sehr erfolgversprechend. 72 Prozent der Patientinnen und Patienten hatten ein Jahr nach der Operation keine Anfälle mehr. Nach zwei Jahren waren es noch 68 Prozent und nach fünf Jahren 66 Prozent. Wie gut der neurochirurgische Eingriff hilft, hängt allerdings auch mit den zugrundeliegenden Gewebsveränderungen in der Anfalls-auslösenden Gehirnregion zusammen: Wurde die Epilepsie durch gutartige Hirntumoren, fehlgebildete Blutgefäße oder Verlust von Nervenzellen im Hippocampus ausgelöst, waren über 70 Prozent der Patientinnen und Patienten nach zwei Jahren frei von Anfällen; bei Erkrankten ohne mikroskopisch erkennbare Veränderungen im chirurgisch entfernten Gehirnareal war dies bei ungefähr 50 Prozent der Fall. Nach fünf Jahren hatten 45 Prozent der Kinder und 28 Prozent der Erwachsenen auch ihre Anfallsmedikamente vollständig abgesetzt. „Nach diesem Zeitraum können wir praktisch von einer Heilung sprechen“, kommentiert Prof. Ingmar Blümcke. Eine längere Dauer der Epilepsie – vom ersten Anfall bis zum Zeitpunkt der Operation – verschlechterte allerdings die Chance auf eine vollständige Anfallsfreiheit. „Unsere Studi

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Ingmar Blümcke, Lehrstuhl für Neuropathologie, Tel.: 09131/85-26031, ingmar.bluemcke@fau.de    

Chronische Darmentzündungen vermindern

FAU-Forschungsteam untersucht entzündungshemmenden Stoff

 Wenn sich das Immunsystem gegen die Darmflora richtet, kommt es zu chronischen Darmentzündungen, die mit einem großen Leidensdruck der betroffenen Patientinnen und Patienten einhergehen. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat einen neuen Behandlungsweg erforscht. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Journal of Crohn's and Colitis“ veröffentlicht.

 Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die zu Durchfall, Darmblutungen und Krampfanfällen führt. Ausgelöst wird sie durch eine überschießende Immunantwort gegen die Darmflora. Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FAU um PD Dr. Benno Weigmann und Prof. Dr. Markus Neurath, Lehrstuhl für Innere Medizin I und Medizinische Klinik 1 des Universitätsklinikums Erlangen, herausgefunden, dass der Hemmstoff Tofacitinib bei Patientinnen und Patienten mit Colitis ulcerosa die Produktion von entzündungsverursachenden Zytokinen sowie die Migration von T-Zellen signifikant verminderte. Im experimentellen Modell hat das Team jedoch beobachtet, dass der Hemmstoff zum programmierten Zelltod von Darmepithelzellen führte und – bei höherer Dosierung – die Wundheilung der Schleimhaut verzögern kann. „Unsere Studie legt nahe, dass Tofacitinib in niedrigen Konzentrationen bei der Behandlung chronischer Darmentzündungen wirksam ist“, sagt PD Dr. Benno Weigmann.

 Im SFB 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ an der FAU gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen der Medizin und der Biologie den grundlegenden Mechanismen der Auflösung der Entzündungsreaktion auf die Spur und testen diese auf ihre klinische Bedeutung.

 

 

04.09.2020 Mehr Zeit für Patientinnen und Patienten statt ausufernder Kontrollbürokratie
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Bundesärztekammer sieht die Entwicklung der gesetzlichen Vorgaben zu Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement kritisch. Der bürokratische Aufwand stehe in keinem Verhältnis mehr zum potenziellen Nutzen für die Patientenversorgung. Die immensen (Dokumentations- )Anforderungen hätten sich zu einem Selbstzweck entwickelt, bei dem der Fokus nicht auf dem eigentlichen Ziel der Qualitätsverbesserung liege, sondern vor allem auf der externen Kontrolle, heißt es in dem aktuellen Memorandum der BÄK „Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement 2020 aus ärztlicher Sicht – Mehrwert für die Patientenversorgung“.

Die externe Qualitätssicherung habe einen Weg eingeschlagen, der dem Grundgedanken der Qualitätsförderung zuwiderlaufe. Sie verfehle damit ihr Ziel, zur Gewährleistung von Qualität und Sicherheit der Versorgung von Patientinnen und Patienten beizutragen. Die ohnehin knappen personellen Ressourcen in den Arztpraxen und Krankenhäusern würden mit ausufernden bürokratisch-formalistischen Anforderungen gebunden - Zeit und Ressourcen, die in der Konsequenz in der direkten Versorgung fehlen. Qualitätsmanagement richtig gedacht und gut gemacht unterstützt Ärztinnen und Ärzte in der Patientenversorgung, anstatt sie mit aufwändigen Dokumentationstätigkeiten zu überfrachten, deren Nutzen sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für die Ärzteschaft kaum mehr nachvollziehbar ist, betonten die beiden Vorsitzenden der Qualitätssicherungsgremien Pressemitteilung der Bundesärztekammer der Bundesärztekammer, Dr. Susanne Johna und Dr. Günther Jonitz.

Die BÄK fordert eine Rückbesinnung auf den eigentlichen Kern von Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement - der Verbesserung der Patientenversorgung. Notwendig sei eine Verschlankung der gesetzlich formulierten Anforderungen. Diese müssten sich daran messen lassen können, inwiefern ein tatsächlicher Mehrwert für die Qualität der Patientenversorgung geschaffen wird.

Memorandum „Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement 2020 aus ärztlicher Sicht – Mehrwert für die Patientenversorgung“

02.09.2020 Belastungen von Kinderwunschpaaren minimieren
Pressinformation der Bayerischen Landesärztekammer

„Rasanter medizinisch-wissenschaftlicher Fortschritt auf der einen Seite und jahrelanger gesetzgeberischer Stillstand auf der anderen. Das ist das Spannungsfeld, in dem sich die Reproduktionsmedizin seit vielen Jahren bewegt. Es ist höchste Zeit, das 30 Jahre alte Embryonenschutzgesetz an die aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse anzupassen. Nur so lassen sich unnötige seelische Belastungen von Menschen mit Kinderwunsch vermeiden und gesundheitliche Risiken für werdende Mütter und ihre Kinder minimieren.“ Das sagte Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), anlässlich der Vorstellung des Memorandums der BÄK „Dreierregel, Eizellspende und Embryonenspende im Fokus“. Reinhardt appellierte an den Gesetzgeber, die in dem Papier enthaltenen Regelungsvorschläge zur Grundlage für eine Überarbeitung des Embryonenschutzgesetzes spätestens in der nächsten Legislaturperiode zu machen.

Das von dem Arbeitskreis „Offene Fragen der Reproduktionsmedizin“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer erarbeitete Papier greife mit der sogenannten Dreierregel, der Eizellspende und der Embryonenspende gezielt nur die wichtigsten Problembereiche aus der reproduktionsmedizinischen Behandlungspraxis auf, erläuterte Prof. Dr. Dr. Peter C. Scriba, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats: „Unser Ziel ist es, dem Gesetzgeber konkrete, wissenschaftlich fundierte und möglichst schnell umsetzbare Vorschläge für eine Reform des Embryonenschutzgesetzes an die Hand zu geben.“

„Im Zentrum unseres täglichen ärztlichen Handelns steht das Wohl des Kinderwunschpaares und seines Kindes“, betonte Prof. Dr. Jan-Steffen Krüssel, Federführender des Arbeitskreises „Offene Fragen der Pressemitteilung der Bundesärztekammer.

Reproduktionsmedizin“. Als besonders problematisch sieht er die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern etwa fünfmal höhere Rate von höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften nach Kinderwunschbehandlung an. Dadurch steige die Frühgeburtlichkeit, die mit hohen Risiken für Mütter und Kinder verbunden sei. Die Bundesärztekammer spricht sich deshalb für die Aufhebung der sogenannten Dreierregel aus, die den Transfer von bis zu drei Embryonen erlaubt und damit Mehrlingsschwangerschaften begünstigt. Stattdessen sollte nach Möglichkeit die Methode des Single Embryo Transfer zur Anwendung kommen. Dabei wird nur der Embryo transferiert, bei dem durch Kultivierung und Beobachtung bis zum Blastozystenstadium ein höheres Entwicklungspotential identifiziert wurde.

Darüber hinaus plädiert die BÄK für die Zulassung der nicht kommerziellen Eizellspende in engen Grenzen sowie für die Regelung der Voraussetzungen, des Verfahrens und der damit verbundenen Rechtsfolgen einer Spende überzähliger pränidativer Embryonen.

Zuletzt hatte der Deutsche Ärztetag im Jahr 2017 klargestellt, dass nur der Gesetzgeber Antworten auf offene gesellschaftspolitische Fragestellungen der Reproduktionsmedizin geben könne und nicht eine Richtlinie der Bundesärztekammer. Mit der Richtlinie zur Entnahme und Übertragung von menschlichen Keimzellen im Rahmen der assistierten Reproduktion hatte die BÄK im Jahr 2018 dementsprechend die medizinisch-wissenschaftlichen Fragestellungen klar von den gesellschaftspolitischen Aspekten getrennt.

Davon unbenommen stehe die Bundesärztekammer in der Verantwortung, den politischen Diskussions- und Meinungsbildungsprozess mit ihrer fachlichen Expertise zu unterstützen und voranzutreiben, betonte BÄK-Präsident Reinhardt. Das heute vorgelegte Memorandum sei dafür ein wichtiger Schritt.

Dreierregel, Eizellspende und Embryonenspende im Fokus – Memorandum für eine Reform des Embryonenschutzgesetzes.

02.09.2020 Corona ist nicht vorbei
Presseinformation der Bayerischen Landesärztekammer

Im Leitartikel der September-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblatts beschreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), dass die Infektionen wieder ansteigen, was vorherzusehen gewesen sei. Die Zunahme von Urlaubsreisen und die Missachtung von Ab-standsregeln trügen dazu bei. Kontrollen der Einhaltung des Tragens der Mund-Nasen-Bedeckung in öffentlichen Verkehrsmitteln fänden nicht oder nur ungenügend statt. „Dafür sucht man das Heil in unbegrenzten Testun-gen“, so Quitterer. Und weiter: „Wir müssen uns darüber im Klaren sein: Diese Testungen sind Momentaufnahmen und sagen nichts über eine schon morgen mögliche Ansteckung eines Menschen aus.“

Der Präsident wörtlich: „Wir sollten uns deshalb nicht auf die ungezielte, kostenlose Testung Gesunder, sondern vielmehr auf die frühzeitige Erfassung symptomatischer Patienten, von Risikogruppen oder Sentineltestungen konzentrieren. Bestimmte Gruppen, wie pädagogisches, pflegerisches und medizinisches Personal müssen priorisiert werden.“

Überdies müssten bereits jetzt Konzepte für eine „gestaffelte Verimpfung“ eines möglichen Corona-Impfstoffs durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte entwickelt werden, denn vermutlich würden nicht auf einen Schlag ausreichend Impfdosen für alle Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung ste-hen. Es müssten Verteilungswege und die Vorbereitung bzw. Koordinierung der Patientenversorgung von der Politik festgelegt werden. „Ich möchte darauf hinweisen, dass wir Ärztinnen und Ärzte es zwar durchaus gewohnt sind, tagein, tagaus stille Rationierung zu betreiben, genau unter diesem Faktum aber am meisten leiden und regelmäßig einfordern, dass nicht uns die Rationierungsentscheidung auferlegt wird, sondern dass sich die Politik offen dazu bekennt“, schreibt Quitterer. Dabei dürfe verfügbarer Impfstoff weder zum Spielball von wirtschaftlichen Interessen werden, noch dürfe die Pharmaindustrie uns Ärztinnen und Ärzten diktieren, welchen Impfstoff die Ärzte verwenden müssten. Daher sei es notwendig, bereits jetzt Kriterien für eine spätere Vergabe festzulegen und nicht die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, mit diesen Entscheidungen alleine zu lassen.

Mehr zu „Corona ist nicht vorbei“ lesen Sie im Leitartikel der September- Ausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Pressestelle

26.08.2020 Eigener Tarifvertrag für Amtsärzte unverzichtbar
Neuen Untertitel eingeben

Die Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern leisten in der Corona-Pandemie trotz chronischer Unterbesetzung und unzureichender Ausrüstung Herausragendes. Die kommunalen Arbeitgeber sollten endlich damit aufhören, sie als Ärzte zweiter Klasse zu behandeln, indem sie ihnen einen eigenen Tarifvertrag verweigern. Damit würdigen sie nicht nur die Arbeit der Amtsärztinnen und -ärzte in Deutschland herab. Sie konterkarieren den von Bund und Ländern geschlossenen Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), der die personelle und strukturelle Förderung der Gesundheitsämter zum Ziel hat.“ Das sagte Bundesärztekammer- Präsident Dr. Klaus Reinhardt vor den morgigen Gesprächen von Bund und Ländern über die weitere Pandemie-Politik in Deutschland.

Zuvor hatte der Vorstand der Bundesärztekammer in einer Resolution gefordert, die Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in den Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Kliniken einzubeziehen. In diesem Sinne hat sich BÄK-Präsident Reinhardt in einem Schreiben an die Länder gewandt. Reinhardt forderte sie auf, die jeweiligen kommunalen Arbeitgeber zu beauftragen, die bereits zugesagten Tarifverhandlungen mit der Ärztegewerkschaft Marburger Bund für angestellte Ärztinnen und Ärzte im kommunalen Dienst außerhalb der Krankenhäuser wieder aufzunehmen.

Hintergrund sind die schlechten Vergütungsbedingungen und die daraus resultierende Personalnot. So ist die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern von 5 000 im Jahr 1970 (nur West-Deutschland) auf 2 561 im Jahr 2019 gesunken. Weitere personelle Engpässe sind absehbar, weil rund 72 Prozent der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Pressemitteilung der Bundesärztekammer Gesundheitsdienst 50 Jahre oder älter sind und bei Eintritt in den Ruhestand ersetzt werden müssen.

„Die Ärztinnen und Ärzte im ÖGD sind keine Verwaltungsangestellten, sie üben wichtige ärztliche Tätigkeiten aus. Der Öffentliche Gesundheitsdienst wird nur dann attraktiv für junge Ärztinnen und Ärzte, wenn die tariflich garantierten Arbeitsbedingungen und Gehälter arztspezifisch und konkurrenzfähig ausgestaltet werden. Mit den im Konjunkturpaket der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen stehen die finanziellen Mittel zur Verfügung. Es fehlt aber offensichtlich noch am politischen Willen der kommunalen Arbeitgeber“, betonte der Bundesärztekammer-Präsident.

Die Länder dürften bei dieser wichtigen Frage nicht am Rand stehen, sondern sollten sich im Sinne einer wirksamen Pandemiebekämpfung und -prävention für die Ärztinnen und Ärzte in den kommunalen Gesundheitsämtern einsetzen.

Resolution des Vorstands

19.08.2020 Mit Rhythmus gegen den Blues
uni | mediendienst | forschung Nr. 45/2020

Studie erforscht Wirksamkeit der TaKeTiNa-Rhythmustherapie bei Depressionen – Teilnehmer gesucht.

Kann die Rhythmus- und Musiktherapie „TaKeTiNa“ die Symptome von depressiven Patienten lindern und womöglich sogar das Immunsystem stärken? Das erforscht eine neue Studie der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Untersuchung startet im Oktober 2020. Erste Informationsveranstaltungen für Interessierte finden im September 2020 statt.

GaMaLaTaKi, GaMaLaTa – diese und andere Silbenkombinationen werden im TaKeTiNa zum Rhythmus einer Trommel gesprochen und immer wieder wiederholt. Dazu machen die Teilnehmer Schritte und betonen einzelne Laute durch Klatschen – alles angeleitet von einem Rhythmustherapeuten. TaKeTiNa wurde von dem Komponisten und Musiker Reinhard Flatischler begründet und wird seit über 20 Jahren u. a. im klinischen Umfeld genutzt und bereits ergänzend in der Behandlung von Schmerzen, Burn-out, Traumata und Depressionen eingesetzt. „Wir wollen nun wissenschaftlich erforschen, wie hilfreich TaKeTiNa für Menschen mit Depression ist. Das ist das erste Forschungsprojekt dieser Art überhaupt“, erklärt Studienleiterin Dr. Claudia von Zimmermann von der Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen.

 Depression im Blut

„TaKeTiNa verankert das Bewusstsein im Hier und Jetzt, erklärt Rhythmuspädagoge und Facharzt für Innere Medizin Dr. Ali Behzad von der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mackensen) des Uni-Klinikums Erlangen. „Durch das rhythmische Sprechen und Bewegen bauen die Teilnehmer eine immer stärkere Verbindung zu sich und zu ihrer inneren Kraft auf. Sie werden psychisch, emotional und körperlich belastbarer. Wiederholtes Üben über mehrere Wochen hat möglicherweise einen nachhaltigen depressionshemmenden Effekt“, sagt Dr. Behzad. Durch den Wechsel zwischen Stabilisierung und Destabilisierung vertiefe sich das Vertrauen der Teilnehmer in den Rhythmus, der immer da ist und sie stützt, und mit der Zeit auch das Vertrauen in das Leben, das sie gleichermaßen trägt.

 Neben dem Einfluss auf depressive Symptome soll das Forschungsprojekt klären, ob TaKeTiNa auch das Immunsystem beeinflusst und ob sich durch die Musiktherapie Blutwerte verändern – etwa das LDL-Cholesterin, das in Zusammenhang mit Depressionen steht, oder bestimmte Entzündungswerte. „Damit wollen wir dazu beitragen, die biologischen, messbaren Aspekte von Depressionen besser zu verstehen und die Erkrankung gezielt zu behandeln“, erklärt Dr. Christiane Mühle, Arbeitsgruppenleiterin in der Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen. In einer Pilotstudie hatte Dr. Behzad bereits 2018 den Einfluss von TaKeTiNa auf Leukämiepatienten, die eine Stammzelltransplantation erhalten hatten, untersucht. Die Studie zeigte eine verbesserte Lebensqualität und einen Trend zu weniger Abstoßungsreaktionen bei den TaKeTiNa-Teilnehmern.

 18- bis 70-jährige Teilnehmer gesucht

Der erste Durchgang der neuen Depressionsstudie beginnt im Oktober 2020 – für April und Oktober 2021 sind dann zwei weitere Runden geplant. Die Musiktherapie in der Gruppe dauert jeweils acht Wochen mit je einem wöchentlichen Termin. Anmelden können sich Menschen zwischen 18 und 70 Jahren mit einer diagnostizierten Depression. „Jeder Interessent wird vorab in der Hochschulambulanz der Psychiatrie untersucht, um seine Eignung sicherzustellen“, erklärt Dr. Claudia von Zimmermann. Die Depressivität wird monatlich mithilfe von Fragebögen ermittelt; hinzu kommen mehrere Blutabnahmen.

 Für den 9. und den 16. September 2020, jeweils mittwochs um 17.30 Uhr, sind Informationsabende für Studienteilnehmer am Uni-Klinikum Erlangen geplant. Interessierte können sich per E-Mail anmelden: taketina.ps@uk-erlangen.de.

Über diese Adresse kann auch weiteres Material angefordert werden. Über den Ort der Veranstaltung werden die Teilnehmer im September per E-Mail informiert. Alle Veranstaltungen finden selbstverständlich unter Berücksichtigung der besonderen Hygiene- und Schutzbestimmungen aufgrund von COVID-19 statt.

19.08.2020 Fördervolumen den ambitionierten Vorhaben anpassen
Pressmeldung der Bayerischen Landesärztekammer

 
 Fördervolumen den ambitionierten Vorhaben anpassen

 „Das Gesetz geht in die richtige Richtung. Es wird aber nur dann seinem Namen gerecht, wenn es nicht bei einem einmaligen Sonderprogramm bleibt und die Fördermittel des Bundes von derzeit drei Milliarden auf fünf Milliarden Euro aufgestockt werden.“ Mit diesen Worten kommentierte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt den Entwurf für ein Krankenhauszukunftsgesetz. Neben dem Ausbau der Digitalisierung der Kliniken sieht der Entwurf vor, dass Notfallkapazitäten räumlich ausgebaut und digital optimiert werden sollen. „Wir stehen voll hinter diesen Vorhaben. Umsetzen lassen sie sich aber nur, wenn das Fördervolumen der Vielzahl förderfähiger Vorhaben angepasst wird“, sagte Reinhardt.

Dies gelte umso mehr, da die Zahl der zur Verfügung stehenden Notfallmediziner wie auch insbesondere der IT-Experten für Kliniken begrenzt ist. Die geplante Erhöhung des Digitalisierungsgrades müsse diesen Personalbedarf in ausreichendem Maße berücksichtigen, anderenfalls würde es wieder zu Quersubventionierungen innerhalb des Krankenhauses mit den bekannten Folgen für die Patientenversorgung kommen, so die Bundesärztekammer in ihrer schriftlichen Stellungnahme zu dem Entwurf.

Die vorgesehene Finanzierungsbeteiligung der Länder in Höhe von jeweils 30 Prozent der Fördermittel beurteilt die Bundesärztekammer als angemessen. Die ebenfalls geplante Option einer alleinigen Übernahme der Kofinanzierung durch einzelne Krankenhausträger lehnt sie jedoch ab. Schon jetzt sei absehbar, dass es als Folge der Pandemie und des Lockdowns zu erheblichen Steuerausfällen kommen wird. Weitere Ausfälle seien zu erwarten. „So werden viele Klinken trotz eines realen Innovationsbedarfes absehbar nicht die notwendige Kofinanzierung für eine mögliche Teilnahme an dem neuen Förderprogramm aufbringen können.“ Die BÄK warnt in diesem Zusammenhang vor Fehlanreizen, wenn Finanzmittel für Investitionen zum Beispiel durch Fokussierung auf lukrative Leistungen oder unerwünschte Einsparungen bei Personal- und Sachkosten erzielt werden.

Die BÄK ist unverändert der Auffassung, dass es nach wie vor Reformbedarf im Bereich der stationären Versorgung gibt. Dennoch hält sie die vorgesehene Kopplung der Förderung in Verbindung mit einer Reduktion der Bettenkapazität für viel zu eindimensional. Die Bewältigung der ersten Phase der Corona-Pandemie sei unter anderem auch deshalb gelungen, weil Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern über ein ausreichendes Maß an Krankenhausbetten, vor allem im Bereich der intensivmedizinischen Versorgung, verfügt und gleichzeitig in relativ kurzer Zeit weitere Kapazitäten ausbauen konnte. Die im Gesetzentwurf vorgesehene Malus-Regelung bei Nicht-Einhaltung der zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal definierten Zielkriterien hält die BÄK aus grundsätzlichen Erwägungen für ungeeignet.

Wünschenswert wäre es, wenn das geplante Zukunftsprogramm Kooperationen zwischen Kliniken mit unterschiedlichen Schwerpunkten berücksichtigen und fördern würde.

Bei Berücksichtigung der notwendigen Korrekturen könne das Gesetz dazu beitragen, die Zukunftsfähigkeit der Kliniken in bestimmten Bereichen zu verbessern. „Insgesamt steht allerdings unabhängig von diesem Gesetzesentwurf das eigentliche Zukunftsprogramm für die Krankenhäuser noch aus: Eine umfassende und bedarfsgerechte Reform der Finanzierung der stationären Versorgung, eine zukunftsorientierte Betriebsmittel- und Investitionsfinanzierung der Kliniken unter Berücksichtigung der Vorhaltekosten sowie eine aktive Krankenhausplanung“, so BÄK-Präsident Reinhardt.

Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Formulierungshilfe für die Koalitionsfraktionen für einen aus der Mitte des Deutschen Bundestages einzubringenden Entwurf eines Gesetzes für ein Zukunftsprogramm Krankenhäuser (Krankenhauszukunftsgesetz – KHZG).

14.08.2020 Klimawandel: BÄK fordert Aktionspläne für Hitzeschutz
Pressemittelung der Bayerischen Landesärztekammer

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels sind keine ferne Bedrohung mehr, sie sind weltweit Realität. Auch in Deutschland kommt es immer häufiger zu extremen Hitzewellen, die sich negativ auf die Gesundheit vieler Menschen auswirken können. Es ist Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten, sowohl die direkten Folgen des Klimawandels auf den menschlichen Körper als auch die indirekten Folgen für die globale Gesundheit zu benennen und sich für die Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele einzusetzen.“ Das sagte Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), mit Blick auf die kommende Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes, die sich schwertpunkmäßig mit dem Thema Klimawandel und Gesundheit beschäftigt. Reinhardt forderte Bund und Länder auf, die Kliniken sowie Not- und Rettungsdienste durch ausreichende Ressourcen und Personal besser auf Extremwetterereignisse vorzubereiten. Der BÄK-Präsident geht auch in der aktuellen Ausgabe seines Podcasts „Sprechende Medizin“ auf die Auswirkungen der Erderwärmung auf die menschliche Gesundheit ein.

Typische Begleiterscheinungen wie Hitzestress oder hohe bodennahe Ozonkonzentrationen können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Das gilt insbesondere für ältere Menschen und solche mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Darauf wiesen Dr. Peter Bobbert und Dr. Gerald Quitterer hin, die sich im Vorstand der Bundesärztekammer schwerpunktmäßig mit dem Thema „Gesundheitliche Auswirkungen des Klimawandels“ befassen. Nach ihrer Überzeugung ist es dringend erforderlich, Hitzeschutzaktionspläne auf Landes- und kommunaler Ebene mit Pressemitteilung der Bundesärztekammer besonderem Augenmerk auf schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen umzusetzen, sie kontinuierlich zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

„Hitzewellen bedeuten Schwerstarbeit für den Körper. Daher ist es mit Blick auf die ärztliche Versorgung wichtig, besonders gefährdete Patientinnen und Patienten über die gesundheitlichen Risiken und die adäquaten Gegenmaßnahmen aufzuklären“, sagte Quitterer. Zu den Risikogruppen zählten insbesondere ältere Menschen, Säuglinge, chronisch Kranke sowie Personen, die schwere körperliche Arbeit im Freien verrichteten.

„Die vielfältigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit müssen deutlich stärker als bisher in der Aus-, Weiter- und Fortbildung angesprochen werden. Das gilt für Ärzte ebenso wie für Medizinische Fachangestellte oder Pflegekräfte“, betonte Bobbert. So seien die Auswirkungen von Hitzewellen beispielsweise bei der Dosierung von Blutdrucksenkern ebenso zu beachten wie bei der Versorgung von Operationswunden.

Die Experten warnten, dass nach aktuellen Studien bis zum Ende dieses Jahrhunderts jährlich bis zu fünf zusätzliche Hitzewellen in Norddeutschland und bis zu 30 in Süddeutschland zu erwarten sind, wenn weiter so viel Treibhausgas ausgestoßen wird wie bisher. Aus ärztlicher Sicht sei es jetzt höchste Zeit, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Deutsches Ärzteblatt / Schwerpunkt Klima und Gesundheit http://daebl.de/DN64

Podcast „Sprechende Medizin“ mit BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt www.bundesaerztekammer.de/podcast




13.08.2020 Auf dem Weg zu einer neuen Darmkrebs-Therapie
uni | mediendienst | forschung Nr. 44/2020

FAU-Forschungsteam untersucht Zusammenhang zwischen Bindegewebszellen und Darmkrebs

 Ein Zusammenhang zwischen Bindegewebszellen und der Entwicklung von Darmkrebs wurde seit Langem vermutet. Nun hat ein internationales Forschungsteam unter Federführung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gezeigt, dass die Aktivierung spezieller Bindegewebszellen einen wichtigen Faktor bei Darmkrebs darstellt. Diese sogenannten Tumorfibroblasten fördern in entzündlicher Umgebung die Produktion und Freisetzung von Botenstoffen und weiteren Faktoren, die das Darmkrebswachstum aktiv begünstigen können. Die Ergebnisse der FAU-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler um Dr. Clemens Neufert wurden in der Juli-Ausgabe der Fachzeitschrift „GUT“ publiziert.

 Originalpublikation: http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2019-319200   

 Video-Abstract: https://www.youtube.com/watch?v=cQWzIOXVDeg  

 Detaillierte Pressemeldung: https://www.fau.de/2020/08/news/auf-dem-weg-zu-einer-neuen-darmkrebs-therapie/ 

 Weitere Informationen:

PD Dr. Dr. Clemens Neufert, Tel.: 09131/85-45062, clemens.neufert@uk-erlangen.de 

 Kann man Leukämie einfach „aushungern“?

FAU-Forschungsteam erforscht den Einfluss der Ernährung auf den Krankheitsverlauf von Blutkrebs

Ist es möglich, den Krankheitsverlauf einer aggressiven Leukämie durch eine spezielle Ernährung so zu beeinflussen, dass die Heilungschancen verbessert werden? Darauf deuten Ergebnisse des Forschungsteams um Prof. Dr. Robert Slany, Lehrstuhl für Genetik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), hin, die in der Fachzeitschrift „BloodAdvances“ veröffentlicht wurden.

 Bei der Untersuchung des Entstehungsmechanismus einer besonders aggressiven Art von Leukämie, also Blutkrebs, die vor allem im Kindesalter, aber manchmal auch bei Erwachsenen auftritt, konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Lehrstuhls für Genetik der FAU, der Medizinischen Klinik V und der Abteilung für Kinderonkologie und Hämatologie des Universitätsklinikums Erlangen aufklären, wie die betroffenen Blutzellen ihre abnormal schnelle Vermehrung sicherstellen können. „Durch die genetischen Veränderungen in den Leukämiezellen werden diese dazu gezwungen, sich unablässig und rasch zu teilen. Und obwohl sie ihren Stoffwechsel anpassen, führt das zu einem erhöhten Bedarf an bestimmten Eiweißbestandteilen, die die entarteten Zellen zusätzlich aus dem Blut aufnehmen müssen“, erklärt Prof. Slany. Dieser Effekt lässt sich im Tiermodell ausnutzen, um den Krankheitsverlauf entscheidend zu verlangsamen: Dazu wird ein spezielles Futter verabreicht, das die für die Leukämiezellen notwendigen Eiweißbausteine nicht enthält. Allein durch diese spezifische Ernährung konnten Effekte erzielt werden, die sonst nur durch die Verabreichung von hochwirksamen Chemotherapeutika erreichbar sind. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler prüfen nun, ob und wie diese Strategie ihren Weg auch in die Klinik finden kann.

 Link zur Publikation: https://doi.org/10.1182/bloodadvances.2020001710

11.08.2020 Enzymmangel verursacht Hautkrankheit
uni | mediendienst | forschung Nr. 43/2020

Medizinerinnen und Mediziner der FAU entdecken Auslöser für schwere Form der Schuppenflechte

Humangenetikerinnen und -genetiker der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben einen Enzymmangel als Auslöser der generalisierten pustulösen Psoriasis, einer besonders schweren Form der Schuppenflechte, identifiziert. Die Ergebnisse der Studie, die jetzt im American Journal of Human Genetics* veröffentlicht wurden, könnten zu neuen Therapieansätzen führen.

Die generalisierte pustulöse Psoriasis (GPP) ist eine seltene, schwere Form der Schuppenflechte, bei der es zu einer allgemeinen Entzündungsreaktion des Körpers mit teils lebensbedrohlichen Zuständen kommt. GPP wird durch ein Ungleichgewicht entzündungsfördernder und entzündungshemmender Proteine eines Botenstoffes in der Haut ausgelöst. Für etwa ein Viertel der Betroffenen ist bekannt, dass dieses Ungleichgewicht durch Defekte im sogenannten IL36RN-Gen verursacht wird – für die übrige Gruppe der Patientinnen und Patienten war die genetische Ursache der Erkrankung bisher ungeklärt.

In einer Studie im Rahmen des DFG-Sonderforschungsbereichs 1181 mit insgesamt 74 Patientinnen und Patienten haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FAU unter Leitung von Prof. Dr. Ulrike Hüffmeier vom Humangenetischen Institut nach weiteren Ursachen für die Entstehung der GPP geforscht – und sind fündig geworden: Bei etwa 20 Prozent der Patientinnen und Patienten konnten Defekte in einem Gen nachgewiesen werden, das das Enzym Myeloperoxidase (MPO) kodiert. Sämtliche gefundenen Defekte des MPO-Gens führen zu einem partiellen oder vollständigen Mangel des Enzyms. MPO kommt in der häufigsten Zellart der weißen Blutkörperchen vor, den sogenannten neutrophilen Granulozyten. Diese Zellart ist zentral bei der Entzündungsreaktion der seltenen Schuppenflechteform. MPO reguliert Entzündungen durch oxidative Prozesse und auf Zellebene.

 Da eine medikamentöse Hemmung der MPO als mögliche Therapie für Artheriosklerose und andere kardiovaskuläre Erkrankungen verfolgt wird, könnten die Erkenntnisse nicht nur neue Therapieansätze bei Hautkrankheiten begründen, sondern auch Konsequenzen für diesen kardiologischen Therapieansatz bedeuten.

 * Doi: 10.1016/j.ajhg.2020.07.001„Myeloperoxidase Modulates Inflammation in Generalized Pustular Psoriasis and Additional Rare Pustular Skin Diseases“

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Ulrike Hüffmeier

Tel.: 09131/85-45629

ulrike.hueffmeier@uk-erlangen.de   

 

11.08.2020 Wir sind in einer neuen Normalität“ FAU-Mediziner spricht über Corona und vergangene Seuchen
Pressestelle der FAU

Pandemien sind ein Begleiter der Menschheit und verbreiten seit tausenden Jahren Angst und Schrecken. Was wir von den Seuchen der Vergangenheit über den Umgang mit Corona lernen können, darüber spricht FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger mit Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, der an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) den Lehrstuhl für Geschichte der Medizin leitet.

 Eine historische Betrachtung hat stets den Charakter eines Vergleichs. Medizinhistorikerinnen und -historiker richten folglich ihren Blick in die Vergangenheit und suchen nach Ereignissen, die sich mit Corona vergleichen lassen: „Wir finden eine Vielzahl von Seuchen, auch pandemische Geschehnisse, in der Geschichte und können schauen, was ist heute anders – denn es gibt große Unterschiede –, aber was ist auch gleichgeblieben. Es gibt nämlich sehr viele Phänomene, die in den Seuchen immer wiederkehren“, erklärt Prof. Leven.

 Wie wirkt sich die Pandemie zum Beispiel auf die Gesellschaft aus? „Meistens ist eine Seuche ein Phänomen, das von außen kommt, beziehungsweise wird sie oft so verstanden“, sagt Leven. Hierbei sei es von Bedeutung, wie die jeweilige Gesellschaft dieses Phänomen interpretiert: „Wir haben ein naturwissenschaftliches Erklärungsmuster, für uns ist die Seuche ein virologisches Geschehen. Den Erreger kennen wir, wir haben ihn identifiziert und genetisch analysiert.“ In der Vergangenheit hingegen habe es andere medizinische Konzepte gegeben, die Menschen hätten andere Ursachen für Seuchen gesehen. Gleichwohl ähnelten sich die Reaktionsweisen: „Für die Gesellschaft ist es im täglichen Leben nicht so wichtig, ob man weiß, dass ein Virus XY der Auslöser ist oder dass man denkt, es ist ein Gift, was an irgendwelchen Sachen haftet – das war nämlich eine Erklärungsweise für Pestepidemien im Mittelalter“, führt Prof. Leven aus.

 In dem Gespräch geht der Historiker zudem auf die Herausforderung ein, welcher sich die Medizin stellen muss: „Oft ist es so gewesen, dass Pandemien die Medizin in einem Stadium erwischen, in dem sie auf diese Bedrohung nicht adäquat reagieren kann.“ Die Ausbreitung des Corona-Virus könne nicht gestoppt, sondern lediglich durch Maßnahmen wie die Kontaktsperre oder die Abstandsregelung, die so schon in der Frühen Neuzeit zum Einsatz kamen, eingedämmt werden. Man greife also auf Reaktionsformen zurück, die sich in der Geschichte bewährt hätten – „Europa hat in der Geschichte aus der Auseinandersetzung mit der Pest gelernt“. Gegenwärtig sei die Entwicklung eines Impfstoffes kompliziert und erfordere Geduld. Das Virus könne dementsprechend nicht kurzfristig eliminiert werden und die Menschheit zu einer alten Normalität zurückkehren. „Wir sind schon jetzt in einer neuen Normalität und daran müssen wir uns gewöhnen“, erklärt Leven.

 Auch die vermehrt aufkommenden Verschwörungstheorien werden in dem Gespräch aufgegriffen. Pandemien riefen Angst und Unsicherheit hervor, die Bedrohung solle begreiflich gemacht werden. „Viele dieser Verschwörungstheorien füllen eine Lücke aus“, erklärt er. Wenn die Menschen nicht mehr in der Religion nach Erklärungen suchten, würden sie sich solchen Theorien zuwenden, um einen Sinn zu stiften und die Frage nach der Schuld zu beantworten.

 Im Gespräch geht es zudem um die Rolle der Politik in der Pandemie: „Die Pest ist die Stunde der Exekutive“ – die Strategien, die zur Eindämmung der Seuche dienen, stärken die die Exekutive. Dieses Vorgehen sei zwar erfolgreich, beruhe allerdings auch auf der Anwendung von Zwangsmitteln und der Aussetzung von Grundrechten. „Darüber muss man kritisch nachdenken“ ergänzt er. Dieses Phänomen sei in der gesamten Seuchengeschichte zu beobachten.

 Zuletzt gibt Professor Leven einen Ausblick, was über Corona in den kommenden Geschichtsbüchern stehen könnte: „Wir sind jetzt im Augenblick in einem ganz bestimmten Paradigma und das ist eine gewisse Zeitenwende. Und deshalb wird man wahrscheinlich von einer Zeit vor Corona und von einer Zeit nach Corona sprechen. Aber wir sind in der Gegenwart noch in der Zeit mit Corona und das wird noch eine Zeit lang so bleiben.“

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Karl-Heinz Leven

Lehrstuhl für Geschichte der Medizin

Tel.: 09131/85-22094

karl-heinz.leven@fau.de  

 Eine Übersicht aller Videotalks ist zu finden unter: https://www.fau.de/corona/videos/ 

 Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auch auf unserer Rubrik „Nachgefragt“ vorbei – dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/   

07.08.2020 Der Depression davonklettern
uni | mediendienst | forschung Nr. 42/2020

Überzeugende Ergebnisse der Studie „Klettern und Stimmung“ – Boulderpsychotherapie für ambulante Patienten mit Depression langfristig wirksam

Körperliche Aktivität gehört zu den wirksamsten Methoden in der Therapie von Menschen mit Depression. Im Vergleich zu Psychotherapie und medikamentöser Behandlung ist sie weniger stigmatisiert und wirkt sich zudem positiv auf die körperliche Verfassung der Erkrankten aus. Diese Vorteile bildeten den Ausgangspunkt für „Klettern und Stimmung“ der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Im Rahmen dieses Projekts entwickelten die Wissenschaftler den neuen Ansatz der Boulderpsychotherapie. Nach den Ergebnissen der Pilotstudie liegen nun auch die Ergebnisse der groß angelegten Folgestudie vor. Diese zeigen: Die Boulderpsychotherapie ist deutlich wirksamer als eine körperliche Aktivierung allein und mindestens genauso wirksam wie der Goldstandard in der Depressionsbehandlung, die Verhaltenstherapie. Hinzu kommt: Die positiven Effekte können nach der Therapie mindestens ein Jahr lang aufrechterhalten werden!

„Klettern und Stimmung“ wurde 2013 von der Projektleiterin PD Dr. Katharina Luttenberger und ihrem Team ins Leben gerufen. Die Idee bestand in der Verbindung der handlungsorientierten Elemente des Boulderns (eine Form des Kletterns ohne Seil in Absprunghöhe) mit psychotherapeutischen Ansätzen zur Behandlung von Depressionen. Dies führte zur Erarbeitung einer ersten Version der Boulderpsychotherapie, die seither stetig weiterentwickelt wurde. In zehn Einheiten bearbeiten die Therapeuten mit ihren Patienten unterschiedliche Themen – anders als in der klassischen Psychotherapie nicht im Gespräch, sondern im direkten Erleben an der Kletterwand. So können die Betroffenen beispielsweise beim Thema „soziale Beziehungen“ die Erfahrung machen, welche Gefühle und Gedanken auftauchen, wenn sie mit anderen über ein Seil verbunden sind und die Boulderroute gemeinsam bewältigen müssen. Außerdem hilft die für das Klettern nötige Konzentration, im Hier und Jetzt zu sein und Grübelschleifen, die ein Hauptsymptom der Depression sind, zu durchbrechen.

Obwohl das therapeutische Bouldern oder Klettern bereits an einer Vielzahl von Krankenhäusern angeboten wurde, gab es bisher keine ausgearbeiteten Standards für die Umsetzung in der Behandlung von Depressionen und keine qualitativ hochwertigen Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit. Deshalb untersuchten die Erlanger Wissenschaftler in einer ersten zwischen 2013 und 2015 durchgeführten Pilotstudie die Wirksamkeit der neu entwickelten Boulderpsychotherapie im Vergleich zu einer reinen Wartelisten-Kontrollgruppe. Eine zweite groß angelegte Studie wurde ab 2016 in mehreren Regionen Deutschlands – in Berlin, der Europäischen Metropolregion Nürnberg und der ländlichen Region Weyarn/Holzkirchen – durchgeführt. Diesmal untersuchten die Erlanger Wissenschaftler die Wirksamkeit der Boulderpsychotherapie im Vergleich zu bereits etablierten Verfahren in der Depressionsbehandlung: zum einen ein allgemeines sportliches Aktivierungsprogramm, zum anderen eine verhaltenstherapeutische Depressionsbewältigungsgruppe – der aktuelle Goldstandard.

Deutliche Verringerung der depressiven Symptomatik

Insgesamt nahmen 233 Personen, bei denen zum Zeitpunkt der Studie die Kriterien für eine Depression erfüllt waren, teil. Sie wurden zufällig einer der drei Gruppen zugeteilt und nach der Behandlung bis zu ein Jahr lang weiter begleitet. Es zeigte sich: Alle Ansätze waren wirksam! In der Gruppe, die die Boulderpsychotherapie erhielt, zeigte sich eine sichtbare Verringerung der depressiven Symptomatik in Form einer Verschiebung von einer moderaten zu einer milden Depression. Die Verbesserungen waren deutlich stärker ausgeprägt als in der Gruppe, die mit dem sportlichen Aktivierungsprogramm zu Hause trainiert hatte. In der verhaltenstherapeutischen Depressionsbewältigungsgruppe zeigten sich wie erwartet ebenfalls deutliche Verbesserungen der depressiven Symptomatik, die allerdings nicht größer waren als die in der Boulderpsychotherapiegruppe. Auch in den Bereichen Angst, Körperbild, Bewältigungsmechanismen, Selbstwertgefühl und Sozialverhalten ergaben sich deutliche Verbesserungen durch die Boulderpsychotherapie. Somit konnte gezeigt werden, dass die neue Therapieform mühelos mit bewährten Behandlungsmethoden mithalten kann und eine sinnvolle Erweiterung der Therapieangebote darstellt.

Nominiert für Gesundheitspreis – stimmen Sie ab!

Die positiven Studienergebnisse ermutigten das Forscherteam zur Bewerbung für den MSD Gesundheitspreis 2020. Mit der Auszeichnung verfolgt das Gesundheitsunternehmen das Ziel, herausragende und innovative Versorgungslösungen zu würdigen und ihre Weiterentwicklung zu unterstützen. Eine hochkarätig besetzte Jury hat aus allen Bewerbern zehn innovative Projekte für den mit 5.000 Euro dotierten Publikumspreis nominiert – darunter auch die Boulderpsychotherapie des Erlanger Projekts „Klettern und Stimmung“. Im Rahmen einer öffentlichen Online-Abstimmung können nun alle Interessierten bis Dienstag, 8. September 2020, 12.00 Uhr, ihre Stimme abgeben und so gemeinsam den Publikumssieger wählen: http://www.msd.de/jede-stimme-zählt

Katharina Luttenberger ist stolz auf die Nominierung: „Aus vielen innovativen Ideen ausgewählt zu werden, zeigt uns, dass wir mit unserem Projekt auf dem richtigen Weg sind!“ Nun hofft das Team natürlich, einen der insgesamt acht Preise zu gewinnen. Einen konkreten Verwendungszweck für das Preisgeld haben die Wissenschaftler bereits: „Unsere Vision ist, eine digitale Version des Manuals zu veröffentlichen, mit der die Boulderpsychotherapie überall in Deutschland leicht durchgeführt werden kann“, erläutert PD Luttenberger. „Damit könnten wir dazu beizutragen, dass immer mehr Therapeuten dieses Angebot in ihre Behandlung miteinbeziehen.“

Website des Projekts „Klettern und Stimmung“: http://www.studiekus.de

Weitere Informationen:

PD Dr. Katharina Luttenberger

Tel.: 09131 85-44621

studiekus.psych@uk-erlangen.de

05.08.2020 Reinhardt: „Kinder sind kein besonderes Infektionsrisiko“
Pressemitteliung der Bundesärztekammer

 Schulstart unter Corona-Bedingungen

„Kinder und Jugendliche gehören offensichtlich nicht zu den Risikogruppen der Corona-Pandemie. Wir müssen aber verhindern, dass sie durch Kitaschließungen und den stark eingeschränkten Präsenzbetrieb in den Schulen zu besonderen Verlierern der Corona-Krise werden.“ Das hat Bundesärztekammer- Präsident Dr. Klaus Reinhardt in der gegenwärtigen Debatte über die Ausgestaltung des Kita- und Schulbetriebes nach den Sommerferien gefordert.

Um das Infektionsrisiko zu vermindern, seien pragmatische Lösungen gefragt. „Masken in Aufenthaltsräumen und auf Schulhöfen können nützlich sein. Während des Unterrichts beeinträchtigen sie jedoch die Aufmerksamkeit, weil sie auf Dauer körperlich belastend sind. Sinnvoller ist es, besonders große Klassen zu trennen. Wir brauchen eine Bestuhlung mit möglichst großem Abstand, ausreichend Waschbecken und natürlich Seife für die Handhygiene sowie feste Zeiten für regelmäßiges Lüften“, sagte Reinhardt. Außerdem sollten Länder und Kommunen Möglichkeiten für regelmäßige Corona-Tests von Lehrern und Erziehern durch die Gesundheitsämter schaffen.

„Kinder sind keine ‚Keimschleudern‘. Das zeigen auch alle aktuellen Studienergebnisse, wie zuletzt eine Auswertung der Universität Leipzig. Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder und Jugendliche in der aktuellen COVID-19-Pandemie keine herausragende Rolle in der Ausbreitungsdynamik spielen und kein besonderes Infektionsrisiko darstellen. Vielmehr bestätigt die Studie bereits vorangegangene Untersuchungsergebnisse, nach denen bei Kindern und Lehrern nur selten Antikörper auf das Corona-Virus und damit Hinweise auf eine Pressemitteilung der Bundesärztekammer

bereits durchgemachte Infektion festgestellt wurden“, sagte Reinhardt. Insofern stelle der Unterricht auch für Lehrkräfte kein höheres Infektionsrisiko dar, als dies bei anderen beruflichen Tätigkeiten mit zahlreichen Sozialkontakten gegeben sei.

„Die Bundesländer müssen jetzt den Mut haben, unter Einhaltung notwendiger Hygienekonzepte ein möglichst breites Spektrum von Präsenzunterricht in den Schulen sowie Betreuungsmöglichkeiten in den Kitas zu schaffen. Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen, dass dies ärztlich vertretbar ist“, betonte Reinhardt. Gänzlich ausschließen ließen sich Infektionen in Pandemiezeiten zwar nicht. Unter Federführung der Gesundheitsämter könnten aber Stufenkonzepte für ein effektives Ausbruchsmanagement erstellt werden. Damit könnten Infektionsketten an Kitas und Schulen schnell nachvollzogen und unterbrochen werden. Insbesondere bei Infektionshäufungen in der Allgemeinbevölkerung einer Region, ohne direkten Bezug zu einer Kita oder Schule, sollte eine Schließung dieser Einrichtungen immer nur die letzte Option sein.

Sorgen bereiten dem Bundesärztekammer-Präsidenten mögliche Folgeschäden durch Kita- und Schulschließungen. „Heranwachsende haben nicht nur ein Recht auf Bildung, sie brauchen für ihr seelisches und körperliches Wohlbefinden strukturierte Tagesabläufe, Kontakt zu Gleichaltrigen und pädagogisch geschulte Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte“, sagte Reinhardt, der selbst Hausarzt ist. Wenn das nicht gegeben ist, drohten Angststörungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen. Hinzu komme, dass Schulen und Kitas auch Schutzräume für Heranwachsende seien. Bei einem Lockdown müsse davon ausgegangen werden, dass Kinder im Stillen leiden, weil Spuren von Misshandlungen im Verborgenen bleiben. Vor diesem Hintergrund hält Reinhardt die Aufnahme eines Pressemitteilung der Bundesärztekammer weitgehenden Regelbetriebes in Schulen und Kitas für zwingend erforderlich. Im Übrigen forderte er die Wiederaufnahme und Nachholung versäumter Schuleingangsuntersuchungen, um Gewalt und Verwahrlosung frühzeitig zu erkennen.

Reinhardt: „Wir müssen uns bewusst machen, dass Kitas und Schulen mehr sind als Betreuungs- und Bildungseinrichtungen. Sie geben Kindern und Jugendlichen Schutz, Halt und Orientierung. Für die Gesunderhaltung der Heranwachsenden sind sie unerlässlich.“

03.08.2020 Macht eine „Immunthrombose“ das Coronavirus so gefährlich? FAU-Forschende ermitteln Vorgänge bei schweren SARS-CoV2-Verläufen
uni | mediendienst | forschung Nr. 41/2020

Das Coronavirus hat bis Mitte 2020 weltweit mehr als 600.000 Tote gefordert. Die Prozesse im Körper, die eine Infektion mit SARS-CoV2 so gefährlich werden lassen, sind bislang nicht vollständig geklärt. Ein Forschendenteam um Dr. med. Moritz Leppkes von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat jetzt herausgefunden, dass bei Covid-19 bestimmte weiße Blutkörperchen, die neutrophilen Granulozyten, besonders stark aktiviert werden, sich zusammenballen und Netze oder sogenannte Neutrophil Extracellular Traps (NETs) in den Blutgefäßen der Lunge bilden.

Die Blutgefäße verstopfen – und zwar nicht nur durch klassische Blutgerinnungsprozesse, sondern auch durch diese immunologisch bedingten Vorgänge, weshalb die Forscherinnen und Forscher hier zusätzlich von einer Immunthrombose sprechen. Die Folge: Die Sauerstoffversorgung beziehungsweise der Gasaustausch des Körpers ist nicht länger gewährleistet, was schwere Krankheitsverläufe nach sich zieht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden im Fachmagazin „EBioMedicine by The Lancet“ (https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2020.102925).

 Die ausführliche Pressemeldung unter: https://www.fau.de/2020/08/news/wissenschaft/macht-eine-immunthrombose-das-coronavirus-so-gefaehrlich/ 

Weitere Informationen:

Dr. Moritz Leppkes, Lehrstuhl für Innere Medizin I, Tel.: 09131/85-35000, moritz.leppkes@uk-erlangen.de

Wie beeinflusst Corona unsere Vorstellung vom Altern?

FAU-Gerontologinnen und -Gerontologen erhalten Förderung für Corona-Studie

 Das internationale Projekt „Alter(n) als Zukunft“ des Instituts für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat im April eine Begleitstudie zur Corona-Pandemie aufgenommen. Für die Durchführung der Studie „Corona und Alter“ ist es den Projektbeteiligten Prof. Dr. Frieder Lang und Fiona Rupprecht, beide vom Institut für Psychogerontologie der FAU, sowie Prof. Dr. Helene Hoi-Lam Fung von der Chinese University of Hongkong gelungen, zusätzliche Mittel der VolkswagenStiftung einzuwerben. Für eine Laufzeit von 18 Monaten erhalten die Forscherinnen und Forscher eine zusätzliche Förderung in Höhe von 118.900 Euro, um ihre Studie auszubauen. Das Gesamtprojekt wurde bisher bereits mit mehr als 3 Millionen Euro gefördert.

Die Begleitstudie „Corona und Alter“ untersucht die persönlichen Erfahrungen, Einstellungen, Sorgen und Verhaltensweisen bezüglich COVID-19 in Deutschland und Hongkong. Außerdem geht es darum, wie Menschen ihr eigenes Altern wahrnehmen und inwiefern sie sich um ältere Menschen Gedanken machen. Da die Studie in das Projekt „Alter(n) als Zukunft“ integriert ist, kann so erforscht werden, inwiefern sich die Vorstellung des Alter(n)s, das Zukunftserleben und das Vorsorgehandeln für das Alter während und nach der Corona-Pandemie verändern.

 „Die Studie wird dazu beitragen, die Krise und die sozialen Veränderungen, die sie bewirkt, besser zu verstehen“, sagt Prof. Dr. Frieder Lang. „Wenn sich durch die Corona-Pandemie verändert, wie Menschen über die Zukunft denken, wird sich auch verändern, wie sie für sich selbst oder für andere vorsorgen. Daher können wir die Ergebnisse dazu nutzen, die Zukunft des Alterns und die Vorsorge für das Alter in unserer Gesellschaft zu gestalten.“

 Um mögliche Entwicklungen während der andauernden Pandemie zu untersuchen, wird die Online-Befragung über die nächsten Monate hinweg in zeitlichen Abständen wiederholt. Die Teilnahmemöglichkeit und Informationen zu den Zwischenergebnissen gibt es unter: https://www.geronto.fau.de/forschung/alternsbilder/covid-19-studie/

 Weiterführende Informationen zu dem Projekt „Alter(n) als Zukunft“: https://www.phil.fau.de/2020/08/03/wie-beeinflusst-corona-unsere-vorstellung-vom-altern/  

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Frieder R. Lang, Fiona Rupprecht, M.Sc., Institut für Psychogerontologie, ipg-gerotest@fau.de

31.07.2020 Stethoskop um den Hals, aber kein Blatt vor dem Mund - Bundesärztekammer startet Podcast
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Ehrliche, verständliche und hintergründige Gespräche rund um das Thema Gesundheit – das verspricht der neue Podcast „Sprechende Medizin“ der Bundesärztekammer. Gelegenheitspatient Daniel Finger, nebenbei auch Moderator und Wissenschaftsjournalist, stellt die Fragen. Dr. Klaus Reinhardt, Hausarzt und Präsident der Bundesärztekammer, antwortet.

Alle 14 Tage sprechen die beiden über Ärzte und Patienten, Medizin und Politik, Leiden und Linderung, Forschung und Fortschritt. Am 31. Juli geht es im Premieren-Podcast unter anderem um die Frage, warum ökonomisches Denken auch in der Gesundheitsversorgung seinen Platz hat, die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens aber das Patientenwohl gefährdet. „Medizin ist nicht der Versuch, einen Maximalerlös zu produzieren“, stellt Reinhardt klar. Ganz im Gegenteil: Die Renditeerwartungen von Investoren gefährdeten das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis.

Pünktlich zum Ferienende geht es in einer weiteren Folge von „Sprechende Medizin“ um Schulunterricht in Zeiten der Corona- Pandemie. Darum, wie Lehrer und Schüler gesund bleiben können, wie Klassenzimmer nicht zu Hotspots werden und warum die Schuleingangsuntersuchung, die in diesem Jahr ausfällt, unbedingt nachgeholt werden sollte.

Hören können Sie „Sprechende Medizin“ auf der Seite der Bundesärztekammer unter www.blaek.de/podcast und auf allen gängigen Podcast-Plattformen.

 Gern können Sie O-Töne aus dem Podcast auch für Ihre Berichterstattung verwenden. Sollten Sie dabei technische Unterstützung benötigen, melden Sie sich bitte per Mail an podcast@baek.de.

Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer

Der 1960 in Bonn geborene Facharzt für Allgemeinmedizin ist seit 1993 in Bielefeld in einer Gemeinschaftspraxis niedergelassen. Seit 2005 ist er Vizepräsident der Landesärztekammer Westfalen-Lippe. Seit 2011 ist er Bundesvorsitzender des Hartmannbundes. 2015 wurde Reinhardt in den Vorstand der Bundesärztekammer gewählt und ist seit 2019 ihr Präsident.

Daniel Finger

Daniel Finger ist mit Leib und Seele Autor und Moderator mit einem Hang zu Themen rund um Wissenschaft und Digitalisierung. Er ist regelmäßig auf radioeins zu hören, unter anderem in seiner beliebten Sonntags-Sendung Zwei auf Eins.

30.07.2020 Entzündungshemmer senken das Risiko für eine Infektion
uni | mediendienst | forschung Nr. 40/2020

Entzündungshemmende Medikamente sollen laut Erlanger Corona-Studie weiter eingenommen werden.

Die über 2.000 Teilnehmer umfassende Corona-Antikörperstudie des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen wurde nun im renommierten wissenschaftlichen Journal „Nature Communications“ veröffentlicht. Die Wissenschaftler des DZI haben bereits sehr früh mit Antikörpertests gegen das neue Coronavirus begonnen, da viele Patienten mit Erkrankungen wie Arthritis, Darmentzündungen oder Schuppenflechte mit Medikamenten behandelt werden, die in Entzündungsprozesse und damit auch in das Immunsystem eingreifen. Daher bestand Sorge, dass diese Patienten sehr empfindlich auf das neue Coronavirus reagieren. Die Erlanger Forscher untersuchten Probanden auf klinische Zeichen von Atemwegsinfekten, befragten sie zum Kontakt mit Infizierten und testeten sie auf Antikörper gegen das Coronavirus. Gleichzeitig wurde im Rahmen der Erlanger Corona-Antikörperstudie auch eine große Zahl gesunder Probanden untersucht.

 „Wir fanden heraus, dass die Häufigkeit einer Infektion mit dem neuen Coronavirus in der Normalbevölkerung in Bayern derzeit 2,2 Prozent beträgt“, sagt Studienleiter Prof. Dr. med. univ. Georg Schett, einer der beiden Sprecher des DZI und Direktor der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Uni-Klinikums Erlangen. „Dies ist ein vergleichsweise niedriger Wert und vermutlich dem strikten Einhalten der Hygienemaßnahmen sowie der erfolgreichen frühen ,Lockdown‘-Politik in Bayern geschuldet. Interessanterweise zeigen unsere Ergebnisse aber auch, dass neun von zehn Infektionen mit dem Coronavirus unterschwellig und ohne größere Symptome verlaufen. Hierbei ist zu bedenken, dass die Häufigkeit bestätigter diagnostizierter COVID-19-Fälle in Bayern mit 0,3 Prozent bei nur ca. einem Zehntel der Infektionsrate unserer Corona-Antikörperstudie liegt.“

 „Hinsichtlich ihrer Symptomatik zeigten viele Menschen, die Kontakt mit dem neuen Coronavirus hatten, Zeichen von Atemwegssymptomen, die sich grundsätzlich nicht von anderen Atemwegsinfekten unterschieden“, geben Dr. David Simon und Dr. Koray Tascilar von der Medizin 3 des Uni-Klinikums Erlangen zu bedenken. Da Atemwegsinfekte sehr häufig sind und nur ein geringer Teil von ihnen tatsächlich auf das neue Coronavirus zurückzuführen ist, ist es von besonderer Wichtigkeit, solche Symptome angemessen abzuklären und gegebenenfalls eine Virustestung durchzuführen. Geruchsverlust stellt hier möglicherweise eine Ausnahme dar, denn diese Symptomatik zeigte sich bei Menschen mit Antikörpern gegen das neue Coronavirus deutlich häufiger.

Was aber passiert, wenn Menschen entzündungshemmende Medikamente für chronische Erkrankungen wie Arthritis, entzündliche Darmerkrankungen oder Schuppenflechte einnehmen? In diesem Fall lag ursprünglich der Verdacht nahe, dass diese Menschen empfindlicher gegenüber Infektionen mit dem neuen Coronavirus sind. „Dem ist aber nicht so!”, führen Prof. Dr. Markus F. Neurath, DZI-Sprecher und Direktor der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie des Uni-Klinikums Erlangen, und Prof. Dr. Raja Atreya, Oberarzt am DZI und an der Medizin 1, aus. „Patienten mit Morbus Crohn oder der Colitis ulcerosa, die Entzündungshemmer einnehmen, zeigten ein niedrigeres und eben kein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus.“ Zu einem ähnlichen Schluss kommen ihre Kollegen Prof. Dr. Carola Berking, Direktorin der Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen, und ihr Stellvertreter Prof. Dr. Michael Sticherling: „Auch Patienten mit Schuppenflechte, einer der häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Menschen, weisen kein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus auf, wenn sie mit speziellen entzündungshemmenden Medikamenten therapiert werden.“ Ähnliche Ergebnisse wurden auch für entzündliche Gelenkerkrankungen wie die Rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew gefunden, wie die Oberärzte Dr. Arndt Kleyer und Prof. Dr. Gerhard Krönke aus dem Bereich Rheumatologie und Immunologie der Medizin 3 bestätigen.

 Diese Ergebnisse haben eine große Bedeutung für Menschen mit entzündlichen Erkrankungen, denn sie zeigen, dass die Weiterführung der entzündungshemmenden Therapie in Zeiten der Coronavirus-Pandemie im Wesentlichen unbedenklich ist und dass diese Patienten weder aufgrund ihrer Erkrankung noch aufgrund der Therapie zur Risikogruppe für schwere Verläufe der Infektion gehören.

 Die Erlanger Corona-Studie entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Forschern des DZI sowie mit Prof. Dr. Klaus Überla und Prof. Dr. Matthias Tenbusch vom Virologischen Institut – Klinische und Molekulare Virologie des Uni-Klinikums Erlangen. Die Studie wurde durch den Sonderforschungsbereich 1181 der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF-Projekt MASCARA) und die Schreiber-Stiftung unterstützt.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. med. univ. Georg Schett

Tel.: 09131/85-39109

georg.schett@uk-erlangen.de

 

30.07.2020 Sensorschuh hilft Parkinsonpatienten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 77/2020

Das tragbare Sensorsystem „Mobile GaitLab“ erfasst die Gangqualität und wurde jetzt als Medizinprodukt zertifiziert

 Wie sicher bewegen sich Parkinsonpatienten im Alltag und was sagt das über ihren Krankheitsverlauf aus? Antworten auf diese Fragen können die behandelnden Mediziner künftig von „Mobile GaitLab“ erhalten – einem Sensorschuh, der die Gangqualität der Patienten während ihres Alltags kontinuierlich erfasst. Durch die Zertifizierung als Medizinprodukt kann das tragbare Sensorsystem künftig für die Versorgung von Parkinsonpatienten eingesetzt werden. Prof. Dr. Jochen Klucken von der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) des Universitätsklinikums Erlangen entwickelte „Mobile GaitLab“ gemeinsam mit dem Erlanger Start-up-Unternehmen Portabiles HealthCare Technologies sowie Prof. Dr. Björn Eskofier vom Lehrstuhl für Informatik 14 (Maschinelles Lernen und Datenanalytik) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Besonders beim Parkinsonsyndrom ist das Entwickeln einer individuellen Therapie für die Patienten eine große Herausforderung und ein langwieriger Prozess. „Durch das Erheben von kontinuierlichen Parametern zur Gangqualität im Patientenalltag besteht die Möglichkeit ein völlig neues Versorgungskonzept zu entwickeln“, erläutert Prof. Winkler. „Die Zertifizierung als Medizinprodukt belegt die Qualität, den Nutzen und die Sicherheit dieser Lösung und ist für den Patienten ein wichtiges Vertrauensmerkmal.“

 Gangqualität als wichtige Information

Mithilfe intelligenter Technologie stellt das System von „Mobile GaitLab“ klinisch validierte Parameter zur Verfügung, die sowohl dem behandelnden Arzt als auch den Patienten wertvolle Informationen über den Verlauf der Erkrankung liefern sowie ein Feedback zur Wirksamkeit der Therapie geben. „In vielen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die auf diese Weise berechneten Gangparameter sehr gut mit den relevanten Symptomen korrelieren. Dank ‚Mobile GaitLab‘ erhalte ich somit objektive Daten, die es mir ermöglichen, die Patienten zielgerichteter zu behandeln“, berichtet Prof. Klucken. „Auch der Patient kann sich mithilfe der Informationen, die das Sensorsystem liefert, besser einschätzen und erhält durch eine individuell ausgerichtete Therapie eine verbesserte Mobilität“, betont der Experte. Bisher konnte die tragbare Sensorik von „Mobile GaitLab“ Patienten lediglich im Rahmen von Forschungsstudien zur Verfügung gestellt werden. Durch die Zertifizierung als Medizinprodukt ist die Anwendung nun nicht länger auf Studienteilnehmer begrenzt, sondern kann für die Versorgung im Alltag genutzt werden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jürgen Winkler                                                             

Tel.: 09131/85-39324

juergen.winkler@uk-erlangen.de 

 

23.07.2020 Lehren aus der Corona-Pandemie: Bundesärztekammer fordert Personaloffensive für Gesundheitsämter
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Eine der zentralen Lehren der Corona- Pandemie ist die wesentliche Bedeutung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes für den Schutz der Bevölkerung. Dabei hat sich gezeigt, dass die Gesundheitsämter technisch und personell zwingend besser ausgestattet werden müssen“, erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt anlässlich der Veröffentlichung des BÄK-Positionspapiers „Lehren aus der Corona-Pandemie: Dauerhafte Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes dringend erforderlich“.

In einem Schreiben an den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Gesundheitsminister der Länder und die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags begrüßte Reinhardt gleichzeitig den von der Bundesregierung angekündigten Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst. „Dringend erforderlich ist angesichts der erschreckend schlechten personellen Situation des ÖGD insbesondere die Gewinnung ärztlichen Nachwuchses“, forderte Reinhardt darin.

Voraussetzung dafür ist aus Sicht der Ärzteschaft ein arztspezifischer Tarifvertrag. „Die Kollegen in den Gesundheitsämtern sind keine Verwaltungsangestellten, sondern Ärzte. Dies ist entsprechend zu vergüten“, stellte der BÄK-Präsident klar. Nur so könnten Gesundheitsämter mit anderen medizinischen Einrichtungen um hochmotivierte Ärztinnen und Ärzte konkurrieren. Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Für die Bewältigung einer möglichen zweiten (Corona-)Pandemiewelle müssen aus Sicht der Bundesärztekammer folgende Schritte umgehend umgesetzt werden bzw. die Voraussetzungen hierfür geschaffen werden:

1. Zügige Bereitstellung der mit dem „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ beschlossenen finanziellen Mittel, um eine erneute Überlastung des ÖGD zu verhindern.

2. Bei der Einrichtung und dem Betrieb von stationären sowie mobilen Diagnostikeinheiten (Abstrichzentren) während akuter Pandemiephasen sind sowohl der ÖGD als auch Kliniken, Arztpraxen und Kassenärztliche Vereinigungen einzubeziehen.

3. Sicherstellung einer kurzfristigen Unterstützung in akuten epidemischen Lagen, bevorzugt durch medizinisch vorgebildetes Personal.

4. Beständige Sicherstellung der Versorgung des medizinischen Personals aller Versorgungsbereiche mit ausreichend persönlicher Schutzausrüstung.

5. Beschleunigung der Meldeverfahren: Grundlegende Verbesserungen der technischen und digitalen Ausstattung durch eine zügige Umsetzung von DEMIS (Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz) und eine flächendeckende Anbindung des ÖGD.

6. Entwicklung einer geeigneten Impfstrategie.

Damit der ÖGD seine wesentlichen Funktionen als dritte Säule der Gesundheitsversorgung erfüllen kann, müssen darüber hinaus folgende strukturelle Voraussetzungen auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene geschaffen werden:

 Nachwuchsförderung

Um den dringend erforderlichen ärztlichen Nachwuchs zu finden, ist die entscheidende Voraussetzung ein arztspezifischer Tarifvertrag für den ÖGD.

Zusätzlich bedarf es

• der Stärkung des Stellenwerts des ÖGD im Medizinstudium durch eine stärkere Verankerung von Themen des öffentlichen Gesundheitswesens/Public Health in den Ausbildungszielen und -inhalten,

• der Änderung der Approbationsordnung, mit dem Ziel, dass Famulatur und Praktisches Jahr auch beim ÖGD absolviert werden können, und

• der Verstetigung des Einsatzes von Medizinstudierenden im ÖGD (nicht nur in Ausnahmesituationen oder Pandemie-Zeiten).

Mitarbeiterstatistik

Einführung einer bundesweiten, öffentlich zugänglichen Statistik für das ÖGD-Personal, aus der die aktuelle personelle Situation des ÖGD hervorgeht, differenziert nach beruflicher Qualifikation, Pressemitteilung der Bundesärztekammer Stellenanteil sowie dem sich abzeichnenden Nachbesetzungsbedarf.


21.07.2020 Einmalige Entlastungsaktion Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen leitet bundesweite Herstellung eines wichtigen intensivmedizinischen Arzneimittels
uni | mediendienst | aktuell Nr. 75/2020

Mitten in der Krise gehen lebenswichtige Medikamente aus – eine nicht auszudenkende Katastrophe! „Es klingt unvorstellbar, ist aber leider Fakt: Auch bei uns in Deutschland bestehen im Moment teils schwierige Arzneimittelengpässe. Die Corona-Pandemie hat die Situation noch einmal verschärft“, berichtet Prof. Dr. Frank Dörje, Chefapotheker des Universitätsklinikums Erlangen. Eines dieser Medikamente ist Midazolam: überlebensnotwendig für beatmete Patienten auf Intensivstationen – aber derzeit nur eingeschränkt lieferbar. „Der Weltmarkt ist leer gekauft“, schildert Prof. Dörje die aktuelle Lage. „Um die Versorgung in Deutschland sicherzustellen, haben sich die Apotheken zwölf deutscher Krankenhäuser vernetzt und stellen das Sedativum nun selbst her.“ Die beispiellose Entlastungsaktion, die das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. gemeinsam initiierten, wird von Erlangen aus geleitet: Prof. Dörje und sein Team koordinieren die deutschlandweite Produktion und Abgabe, um einen substanziellen Versorgungsengpass zu verhindern.

 „Dass die Bundesrepublik Deutschland im April überhaupt noch zehn Kilogramm des Wirkstoffs kaufen konnte, war eine organisatorische und logistische Meisterleistung“, sagt Ralph Heimke-Brinck, der in der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen den Bereich Arzneimittelherstellung leitet. „Gemeinsam mit professionellen Wirkstoffbeschaffern aus der Industrie sind wir im ständigen gegenseitigen Informationsaustausch auf dem Weltmarkt selbst auf die Jagd nach dem Wirkstoff gegangen. Schließlich erhielten wir ein Angebot aus Israel, wo sich die Corona-Pandemie zu dem Zeitpunkt gerade erst ausbreitete. Nur weil das Bundesministerium den Kaufvertrag binnen Stunden unterschrieb, konnten wir den Wirkstoff aus Israel noch erwerben.“

 Zwölf Herstellungsorte in ganz Deutschland

Prof. Dörje, derzeit ADKA-Präsident, und Ralph Heimke-Brinck, Vorsitzender des ADKA-Ausschusses „Herstellung und Analytik“, holten in kürzester Zeit elf weitere Krankenhausapotheken mit ins Boot. „Ausschlaggebend waren deren Herstellungsmöglichkeiten und -kompetenz“, erklärt Ralph Heimke-Brinck. „Um im Bedarfsfall eine schnelle Belieferung in Not geratener Krankenhäuser gewährleisten zu können, haben wir die Produktionsstandorte strategisch über das ganze Bundesgebiet verteilt.“ An der einmaligen Aktion zur Entlastung der sehr angespannten Situation sind nun Experten für die Arzneimittelherstellung in Krankenhausapotheken aus Dresden, Düsseldorf, Erlangen, Essen, Halle, Köln, Lübeck, Mainz, München, Münster, Nürnberg und Rostock beteiligt. Von der Herstellungsvorschrift über das Etikett und die Gebrauchsinformation bis hin zur Qualitätskontrolle: Die Mitarbeiter der zwölf involvierten Krankenhausapotheken gehen bei der Herstellung identisch vor, um das intravenös zu verabreichende Arzneimittel qualitätsgesichert zu produzieren. „Um alles abzustimmen, saß ich stundenlang am Telefon“, erinnert sich Ralph Heimke-Brinck. „Von Erlangen aus haben wir die Kollegen in anderen Bundesländern beispielsweise auch unterstützt, damit diese möglichst schnell die Erlaubnis der zuständigen lokalen Überwachungsbehörden erhielten, das Medikament herzustellen.“

 „Dass dies alles überhaupt möglich war, verdanken wir unserer sehr guten Vernetzung, unseren Verbandsstrukturen und der dezentral vorgehaltenen Eigenherstellungskompetenz von Krankenhausapotheken in Deutschland“, betont ADKA-Präsident Frank Dörje. „Wir haben ja bereits vor der Corona-Pandemie sehr gut zusammengearbeitet. In Krisenzeiten dann auf ein so großes Engagement und kollegialen Austausch setzen zu können, ist Gold wert.“ So sei es möglich, die Arzneimittelversorgung für Midazolam in der Intensivmedizin bundesweit in der pandemischen Krisenzeit sicherzustellen.

 7.000 Flaschen innerhalb von fünf Tagen

Ziel der Aktion ist es, insgesamt 100.000 Flaschen Injektions-/Infusionslösung Midazolam herzustellen. Mitte Juni war dieses Vorhaben bereits zur Hälfte erreicht. „Da der Wirkstoff länger haltbar ist als das zubereitete Medikament, belassen wir es zunächst dabei und halten die andere Hälfte als Reserve für eine eventuelle zweite Welle im Herbst zurück“, erläutert Ralph Heimke-Brinck. „Bei uns am Uni-Klinikum Erlangen haben sechs Mitarbeiter innerhalb von fünf Tagen 7.000 Flaschen hergestellt. Produziert wurde in unseren Reinräumen nach dem international für die Arzneimittelherstellung gültigen Standard ‚Good Manufacturing Practice‘, kurz GMP. Da wir den Wirkstoff bereits vor einigen Jahren für unser eigenes Uni-Klinikum verarbeitet haben, konnten wir jetzt auf diese Erfahrungen zurückgreifen.“ Die 7.000 Einheiten Midazolam lagern nun in der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen und können von Apotheken anderer Krankenhäuser bei Bedarf bestellt werden.

 Über Midazolam

Midazolam ist ein Benzodiazepin, das auf Intensivstationen zur Sedierung von Patienten eingesetzt wird, die beatmet werden müssen. „Es handelt sich um kein spezielles COVID-19-Medikament“, erklärt Prof. Dörje. „Da Menschen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben und deren Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt, allerdings vergleichsweise lange beatmet werden müssen, ist der weltweite Bedarf im Frühjahr 2020 extrem gestiegen. Das, was wir selbst im März in Erlangen und anderswo miterlebt haben, hat uns drastisch gezeigt, dass Medikamente wie Midazolam für die Patienten überlebenswichtig sind und dass wir Engpässen frühzeitig wirksam entgegentreten müssen. Dass in Deutschland die Krankenhausapotheken in die Bresche springen können und mit ihrer Herstellungsexpertise die Arzneimittelversorgung gewährleisten, verdient höchste Anerkennung.“

 TV-Beitrag am Dienstag, 21. Juli 2020, im ARD-Magazin „FAKT“

Ein Fernsehbeitrag über die einmalige BMG-ADKA-Entlastungsaktion Midazolam i. v. wird am Dienstag, 21. Juli 2020, zwischen 21.45 und 22.15 Uhr im ARD-Magazin „FAKT“ ausgestrahlt. Gedreht wurde auch in der Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen.

 

14.07.2020 Uni-Klinikum Erlangen unter Top-Kliniken im stern-Ranking 2020
uni | mediendienst | aktuell Nr. 74/2020