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Pressemeldungen

13.09.2018 Rundumversorgung für Nierenkranke: auch vor und nach der Transplantation
uni | mediendienst | aktuell Nr. 117/2018

Prof. Dr. Mario Schiffer ist seit 1. September 2018 neuer Direktor der Medizin 4

Nach Stationen in den USA und Hannover ist Prof. Dr. Mario Schiffer nach Erlangen zurückgekehrt – hier begann er vor 19 Jahren seine Facharztausbildung. Jetzt ist er der neue Direktor der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie des Universitätsklinikums Erlangen. Sein erstes Projekt: die Versorgung von Transplantationspatienten weiter auszubauen.

Kein Organ wird häufiger transplantiert als die Niere. Allein im Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg wurden 2017 insgesamt 72 Nieren transplantiert. Doch auch bei keinem anderen Organ ist die Warteliste so lang: Auf eine Spenderniere kommen rund sieben Patienten; die durchschnittliche Wartezeit dauert acht bis zehn Jahre – sofern die Möglichkeit einer Lebendspende von einem Angehörigen ausscheidet. Für den Betroffenen wird die Dialysebehandlung zur überlebenswichtigen Routine. Kommt dann der Anruf, dass ein passendes Spenderorgan gefunden wurde, scheint das Ziel erreicht zu sein. Doch damit das Organ gesund bleibt und nicht abgestoßen wird, bedarf es einer exzellenten Zusammenarbeit zwischen dem Transplantationszentrum, den niedergelassenen Ärzten und dem Patienten – und das noch weit nach der Operation.

Hier setzt Prof. Schiffer an: Er möchte bessere Strukturen schaffen, um die langfristige Patientenversorgung nach der Transplantation zu optimieren. Wie wichtig diese gewissenhafte Nachsorge ist, unterstreichen die Zahlen: In den ersten drei Jahren nach der Transplantation verlieren rund acht Prozent der Transplantierten ihr Organ durch Abstoßungsreaktionen. Weitere Begleiterkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems, nehmen im Verlauf zu. „Mit einer engmaschigeren Kommunikation und einer Nachsorge, die sich noch mehr auf den Patienten einstellt, könnten wir diese Zahlen korrigieren“, sagt Prof. Schiffer.

Mit „NTX 360°“ zur engmaschigen und wohnortnahen Nachversorgung

Dafür entwickelte Prof. Schiffer mit Kollegen in Hannover das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Innovationsprojekt „NTX 360°“. Dieses möchte er jetzt auch am Uni-Klinikum Erlangen anbieten.

In „NTX 360°“ rücken die Transplantationszentren und die Niedergelassenen enger zusammen. Die Patienten erhalten gleichzeitig ein interdisziplinäres und individuell an ihre Bedürfnisse angepasstes Angebot, um eine möglichst lange Transplantatgesundheit zu erreichen. Prof. Schiffer freut sich über die guten Voraussetzungen, die das Uni-Klinikum Erlangen diesem Vorhaben bietet: „Gemeinsam können wir Nierenpatienten eine Versorgung auf höchstem Niveau anbieten, die weit über die Transplantation hinausgeht.“ Das Innovationsprogramm „NTX 360°“ beinhaltet auch neue Angebote, wie eine elektronische Fallakte mit deren Hilfe Labor- und Untersuchungsergebnisse nahtlos zwischen dem Transplantationszentrum und Niedergelassenem ausgetauscht werden können sowie die Möglichkeit einer wohnortnahen Televisitation.

Neben der Transplantation ist Prof. Schiffer auch der Bereich der seltenen Nierenerkrankungen ein Anliegen. „Ich denke vor allem an seltene genetische und proteinurische Nierenerkrankungen. Jeder Patient soll die auf ihn abgestimmte beste Versorgung erhalten“, betont der Klinikdirektor.

Forschungslücken schließen


In der Grundlagenforschung möchte Prof. Schiffer neue Wege am Uni-Klinikum Erlangen gehen und nennt zwei Beispiele: „Einer meiner wissenschaftlichen Schwerpunkte liegt bei der Proteinurie, also dem übermäßigen Proteinverlust über den Urin. Viele Nierenerkrankungen verschlimmern sich hierdurch zusätzlich.“ Noch gibt es keine Medikamente gegen das Phänomen – Prof. Schiffer möchte das ändern. „Einen weiteren Fokus lege ich auf die Hypertonieforschung bei Transplantationspatienten. Hier gibt es bisher keine Leitlinie und kaum validierte Daten. Da die Medizin 4 am Uni-Klinikum Erlangen aber auf dem Gebiet der Bluthochdruckforschung bereits national und international mit führend ist, bin ich sicher, dass wir diese Wissenslücke in Zukunft werden schließen können.“

Ein hochkarätiger Forscher

Das Uni-Klinikum Erlangen ist für Mario Schiffer kein Neuland: Nach seinem Studium an der Freien Universität Berlin und dem King’s College London, begann er seine Facharztausbildung an der Medizin 4 – damals noch unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Bernd Sterzel. Als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft arbeitete er anschließend von 2000 bis 2004 am Albert Einstein College of Medicine in New York City. Zurück in Deutschland erhielt der vielfach ausgezeichnete Nierenspezialist mit dem Emmy-Noether-Stipendium und dem Heisenberg-Stipendium die beiden angesehensten Stipendien der Deutschen Forschungsgemeinschaft und arbeitete über zehn Jahre lang an der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen der Medizinischen Hochschule Hannover – zuletzt als leitender Oberarzt und stellvertretender Abteilungsleiter. Am Uni-Klinikum Erlangen hat er zum 1. September 2018 neben der Klinikleitung auch den Lehrstuhl von Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) übernommen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mario Schiffer
Tel.: 09131/85-39002
med4@uk-erlangen.de

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17.08.2018 Der Therapieresistenz bei Krebs auf der Spur
uni | mediendienst | forschung Nr. 65/2018

Deutsche Leberstiftung zeichnet wegweisende Publikation von FAU-Forschern aus – Patent zur Therapie eingereicht
Immer häufiger treten in Europa und den USA schwarzer Hautkrebs und Leberkrebs auf. Beide Krankheiten verlaufen sehr unterschiedlich, zählen aber zu den Krebsarten, die in westlichen Ländern am häufigsten zum Tod führen. Die drei Forschergruppen vom Institut für Biochemie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg (FAU) um Prof. Dr. Anja Bosserhoff, Dr. Dr. Peter Dietrich und Prof. Dr. Claus Hellerbrand haben nun gemeinsam einen Mechanismus aufgedeckt, der bei beiden Krebsarten das Wachstum der Krebszellen steuert – und deshalb von großer Bedeutung für zukünftige Therapiestrategien ist. Die Arbeit der Forscher wurde nun mit dem renommierten Preis der Deutschen Leberstiftung für eine wegweisende Publikation im Bereich der Leberforschung ausgezeichnet.
 
Auf den ersten Blick gibt es bei zwei so unterschiedlichen Krebsarten wie dem schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) und dem Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom) nicht sehr viele Gemeinsamkeiten. Die größten Risikofaktoren für den schwarzen Hautkrebs sind eine zu starke Sonnenbestrahlung, Sonnenbrände sowie genetische Veranlagung. Leberkrebs dagegen entsteht sehr häufig in einer durch Alkohol oder Verfettung geschädigten Leber oder im Rahmen einer chronischen Virushepatitis. Beide Krebsarten zeichnen sich jedoch durch unkontrolliertes Wachstum bösartiger Zellen aus. Diese zerstören am Ende lebenswichtige Gewebe und Organe des Körpers und führen damit – oft über viele Jahre, manchmal aber auch innerhalb sehr kurzer Zeit – den Tod der Patienten herbei.
 
Ähnlichkeiten in der Therapie

In der Therapie beider Krebsarten werden ähnliche Chemotherapeutika angewendet. „Trotz der sehr unterschiedlichen Lokalisation dieser Tumorarten setzen die Therapeutika am gleichen Signalweg an und hemmen das Wachstum und die Teilung der Krebszellen“, erklärt Dr. Dr. Peter Dietrich. „In den ersten Wochen wirken diese Therapeutika seht gut, doch dann kommt es leider fast immer nach wenigen Monaten zu einer Resistenz der Krebszellen.“ Forschergruppen des Instituts für Biochemie der FAU haben nun einen Mechanismus aufgedeckt, der bei beiden Krebsarten sowohl das Wachstum der Krebszellen als auch deren Chemotherapie-Resistenz steuert.
 
Neue Wege für neue Therapieansätze
Die Wissenschaftler der FAU gingen für ihre Forschung einen neuen Weg, indem Expertinnen und Experten für so unterschiedliche Krebsarten wie schwarzer Hautkrebs und Leberkrebs zusammenarbeiteten. Gemeinsam versuchten sie, allgemeingültigere Mechanismen der Krebsentstehung und der Entstehung von Therapieresistenzen zu entschlüsseln. Mit Erfolg: Die Teams der Forschergruppe um Prof. Dr. Anja Bosserhoff, Dr. Dr. Peter Dietrich und Prof. Dr. Claus Hellerbrand fanden heraus, dass sowohl Haut- als auch Leberkrebszellen ein bestimmtes Protein – genannt KRAS – vermehrt bilden und während einer Therapie sogar noch weiter heraufregulieren, so dass sie von diesem Protein abhängig werden.
 
„Der gemeinsame Grund, warum so unterschiedliche Krebsarten dieses Protein vermehrt bilden können, liegt an einem äußerst kleinen RNA-Molekül, einer sogenannten microRNA“, erklärt Prof. Dr. Anja Bosserhoff. „Diese microRNA reguliert das wachstums- und resistenzfördernde KRAS Protein normalerweise herunter und fungiert somit als Stoppschild – wie eine eingebaute Sicherung – in gesunden Zellen. Und genau diese microRNA ist in beiden Krebsarten stark vermindert vorhanden oder sogar ganz verloren, weshalb das Krebsgen KRAS freigesetzt wird und ungehindertes Voranschreiten des Krebswachstums sowie die Entstehung einer Therapieresistenz hervorrufen kann“.
 
Zur Patentierung angemeldet
Dieser Mechanismus kann zukünftig für eine wirksame Therapieanwendung genutzt werden. Auf der Grundlage ihrer neuen Erkenntnisse wollen die Forscher das Tumorwachstum hemmen und das Entstehen einer Resistenz verhindern. „Es gibt mehrere Wege, die in unseren Studien erfolgreich waren,“ betont Dr. Dr. Peter Dietrich. „Man kann den Krebszellen auf gentechnischem Weg die verlorene microRNA zurückgeben und damit das enthemmte KRAS-Protein wieder regulieren. Weiterhin kann KRAS selbst in den Zellen direkt ausgeschaltet werden, was ebenso zur Durchbrechung einer Therapieresistenz führen könnte. Daneben wurden neue Wirkstoffe zur KRAS-Hemmung mit Erfolg angewendet. Diese Wirkstoffe könnten, auch in Kombination mit den bisherigen Medikamenten, eine Grundlage für neue und wirksame Therapieformen darstellen“. Auch Prof. Dr. Claus Hellerbrand ist vom Konzept überzeugt: „Der Ansatz hat großes Potenzial und wird weiterentwickelt. Daher hat die FAU diese Entdeckung mittlerweile als Therapieoption bei Haut- und Leberkrebs zur Patentierung angemeldet.“
 
Preis der Deutschen Leberstiftung
Ihre Entdeckungen konnten die Forscher der FAU mittlerweile im Rahmen mehrerer Publikationen in angesehen Fachjournalen veröffentlichen (DOI 10.1111/pcmr.12698; DOI 10.18632/oncotarget.23188; DOI 10.1136/gutjnl-2017-315402; DOI 10.1038/onc.2017.391). Eine der Arbeiten wurde in „GUT“, einem der führenden Fachjournale im Bereich der Leberforschung, veröffentlicht – und nun mit dem „Preis der Deutschen Leberstiftung 2018“ ausgezeichnet. Dieser zählt zu den renommiertesten Preisen im Bereich der Leberforschung im deutschsprachigen Raum und wird jährlich für eine wegweisende Publikation vergeben.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Anja Bosserhoff
09131/85-24190
anja.bosserhoff@fau.de
 
Dr. Peter Dietrich
Tel.: 09131/85-29384
peter.dietrich@fau.de
 
Prof. Dr. Claus Hellerbrand
09131/85-24644
claus.hellerbrand@fau.de
 
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07.08.2018 Radar statt Stethoskop? FAU-Forscher entwickeln Verfahren zur berührungslosen Detektion der Herztöne
uni | mediendienst | forschung Nr. 60/2018

Elektrotechniker der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben gemeinsam mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus und der Palliativmedizinischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen ein Verfahren entwickelt, mit dem Herztöne per Radar zuverlässig detektiert und diagnostiziert werden können. Mobile Radargeräte könnten künftig herkömmliche Stethoskope ersetzen, außerdem ist eine permanente berührungslose Überwachung der Vitalfunktionen mit stationärem Radar möglich. Die Ergebnisse wurden jetzt im renommierten Fachjournal „Scientific Reports” veröffentlicht*.
Das Stethoskop ist – neben dem weißen Kittel – das Markenzeichen von Ärztinnen und Ärzten. Es wird verwendet, um Geräusche von Herz und Lunge zu diagnostizieren. Beim klassischen „Abhorchen“ werden Schwingungen der Körperoberfläche auf eine Membran im Kopf des Stethoskops übertragen, an das Trommelfell des Untersuchenden weitergeleitet und als Töne wahrgenommen. Akustische Stethoskope sind vergleichsweise preiswert und arbeiten seit vielen Jahrzehnten zuverlässig, aber sie haben einen Nachteil: Die Diagnose von Herzgeräuschen, etwa die Beurteilung der Herzklappenfunktion, erfolgt subjektiv und ist unmittelbar von der Erfahrung des Arztes abhängig.
Radar kann Herztöne messen
In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt haben Erlanger Forscher vom Lehrstuhl für Technische Elektronik (LTE) jetzt ein Verfahren entwickelt, das die klassische Phonokardiologie eines Tages ablösen könnte: Mittels eines sogenannten Sechstor-Dauerstrich-Radarsystems messen sie Vibrationen der Haut, die durch den Herzschlag verursacht werden. „Wir bedienen uns im Grunde einer ähnlichen Methode, die auch bei der Geschwindigkeitsmessung im Straßenverkehr zum Einsatz kommt“, erklärt Christoph Will, Doktorand am LTE. „Dabei wird eine Radarwelle auf die Oberfläche eines Objektes gerichtet und reflektiert. Bewegt sich das Objekt, ändert sich die Phase der reflektierten Welle. Daraus errechnen wir dann die Stärke und Frequenz der Bewegung, in unserem Fall des Brustkorbes.“ Im Unterschied zum Verkehrsüberwachungsradar ist das biomedizinische Radarsystem in der Lage, Bewegungsänderungen im Bereich weniger Mikrometer zu erfassen – eine wichtige Voraussetzung dafür, selbst kleinste Anomalien zu diagnostizieren, zum Beispiel Insuffizienzen, Stenosen oder nicht korrekt schließende Herzklappen.
So zuverlässig wie etablierte Messverfahren
Die ersten Testversuche verliefen überaus erfolgreich: Die Probanden wurden in verschiedenen Aktivierungszuständen – in Ruhe, nach dem Sport – untersucht und ihre Herztöne detektiert. Der direkte Abgleich des Radarsystems mit herkömmlichen Standardinstrumenten – einem digitalen Stethoskop und einem Elektrokardiografen – zeigte eine sehr hohe Korrelation. Kilin Shi, ebenfalls Doktorand am LTE: „Bei der Diagnose des S1, des ersten Herztons, beispielsweise erreichen wir eine Übereinstimmung von 92 Prozent mit dem EKG. Im direkten Vergleich der Signalformen mit dem digitalen Stethoskop liegt die Korrelation bei 83 Prozent. Das ist absolut zuverlässig.“ Die geringen Abweichungen erklären die Forscher damit, dass die gleichzeitigen Messungen von Radar- und Referenzwerten nicht an exakt derselben Stelle des Körpers vorgenommen werden können. Außerdem erfasst das Radarsystem im Unterschied zum Stethoskop eine Fläche und nicht einen einzelnen Punkt – auch das ein Grund für unterschiedliche Messwerte.
Berührungslos und objektiv
Die Erlanger Wissenschaftler sind optimistisch, dass mobile Radarsysteme in naher Zukunft die klassischen Stethoskope bei der Diagnose der Herzfunktion ersetzen könnte. Ein großer Vorteil des Radars liegt darin, dass die Werte digital erfasst und somit objektiviert werden – der Mensch als Fehlerquelle bei der Diagnose von Anomalien oder Krankheiten kann so zunehmend ausgeschlossen werden. Vorstellbar wäre auch, biomedizinische Radarsysteme eines Tages für automatisierte prophylaktische Untersuchungen beispielsweise in Wartezimmern von Arztpraxen, in Arbeitsumgebungen oder auch zuhause einzusetzen.
In einem weiteren Projekt arbeiten die Forscher bereits daran, die Vitalfunktionen von schwerkranken Patienten mittels stationärer Radarsysteme zu überwachen – rund um die Uhr und ohne störende Verkabelungen. „Ein berührungsloses und somit belastungsfreies Erfassen von Vitalparametern wie den Herztönen hat das Potenzial, die klinische Versorgung und die Forschung beispielsweise im Bereich der Palliativmedizin zu revolutionieren“, erklärt Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Leiter der Palliativmedizin des Universitätsklinikums Erlangen der FAU und Mitautor der Studie. „Zum Beispiel könnten wir Angehörige bei Beginn der Sterbephase deutlich schneller informieren, weil Änderungen des Gesundheitszustandes vom Radar sofort erkannt werden. Auch das Erfassen leidvoller Symptome bei Patienten, die sich nicht äußern können, wird möglich.“

* „Scientific Reports”: „Radar-Based Heart Sound Detection“, doi: 10.1038/s41598-018-29984-5
 
Bilder zum Download gibt es unter:
https://www.fau.de/files/2018/08/31072018_Herztöne_Kilin-Shi1873.jpg
Bildunterschrift: FAU-Wissenschaftler des Lehrstuhls für Technische Elektronik haben ein Radarsystem entwickelt, das Herztöne berührungslos messen kann. (Bild: FAU/Kilin Shi)
https://www.fau.de/files/2018/08/31072018_Herztöne_Kilin-Shi1894.jpg
Bildunterschrift: FAU-Wissenschaftler des Lehrstuhls für Technische Elektronik haben ein Radarsystem entwickelt, das Herztöne berührungslos messen kann. Die roten Strahlen zeigen, wo gemessen wird. (Bild: FAU/Kilin Shi)

Weitere Informationen
Technische Details:
Kilin Shi
Tel.: 09131/85-67733
kilin.shi@fau.de

Medizinische Informationen:
Prof. Dr. Christoph Ostgathe
Tel.: 09131/85-34063
christoph.ostgathe@uk-erlangen.de

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03.08.2018 Neue Humboldt-Stipendiaten: Von Prothesen und Strömungen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 107/2018 v

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) genießt international einen hervorragenden Ruf. Beweis für diese Reputation sind nicht zuletzt die vielen international renommierten Wissenschaftler, die sich die FAU als Gastuniversität aussuchen, um zusammen mit FAU-Kollegen im Rahmen eines Stipendiums oder Forschungspreises der Alexander-von-Humboldt-Stiftung zu forschen.

Innovative Beschichtungen für Prothesen und Implantate

Der menschliche Körper stößt medizinische Prothesen oft ab, die Implantate können sich lockern oder die Umgebung kann sich entzünden. Verändert man jedoch die Oberflächen der Prothesen, kann die Bioaktivität, also die Förderung körpereigener Regeneration, und die Befestigung am oder im Knochen verbessert werden.

Mit den Problemen bei der Herstellung und Verwendung von Prothesen setzt sich die Materialwissenschaftlerin Prof. Dr. Josefina Ballarre auseinander und sucht nach Lösungswegen. Sie beschäftigt sich vor allem mit zwei Vorgehensweisen: Dem Beschichten von Prothesen mit Hilfe von anodischer Oxidation, bei der Stoffe mit Hilfe von Strom oxidieren, oder mit einem Kieselgel. In dem Gel können bioaktive Partikel hinzugefügt werden, welche die Befestigung am Knochen verbessern. Am Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien) der FAU erarbeitet Prof. Dr. Ballarre eine Methode, wie das Kieselgel leichter und kostengünstiger aufgetragen werden kann: und zwar mit einer Airbrush-Pistole. Das ermöglicht das Beschichten von komplexen Formen, wie sie zum Beispiel bei orthopädischen Knochenschrauben vorliegen. Zudem hat sie eine Ummantelung entwickelt, die dank enthaltener Glas- und Nanopartikel sowie Antibiotika Infektionen abwendet. Diese günstige und sichere Methode kann von lokalen Prothesenherstellern genutzt werden und so Kosten und Infektionen durch preisgünstige Implantate einsparen.

Seit Mai 2018 ist Prof. Dr. Ballarre als Humboldt-Stipendiatin am Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien), der von Prof. Dr. Aldo Boccaccini geleitet wird. 2003 hat die gebürtige Argentinierin ihren Master in Materialwissenschaft an der National University of Mar del Plata absolviert und 2009 dort promoviert. Sie ist am National Scientific and Technical Research Council Argentina, am National Institute of Materials Science and Technology in Mar del Plata und an der National University of Mar del Plata tätig.

Koppeln und Entkoppeln von Strömungen

Grundwasserströmungen, industrielle Filter und Erdölgewinnung. Bei all diesen komplexen Prozessen wird Simulationstechnik gebraucht. Denn hier werden ein freier Fluidstrom und eine Strömung in einem porösen Medium gekoppelt. Um diese Strömungen simulieren zu können und die gekoppelten Systeme zu lösen, müssen Mathematiker und Informatiker ans Werk.

Am Lehrstuhl für Systemsimulation der FAU, geleitet von Prof. Dr. Ulrich Rüde, untersucht Dr. Xiaoming He eine neue Technik zur mathematischen Modellierung, die Phasenfeldmodellierung, für gekoppelte mehrphasige Fluidströme. Er und seine Kollegen wollen zwei Arten von numerischen Methoden entwickeln, vergleichen und anwenden, um die zugrundeliegenden Gleichungen zu lösen. Er ist hierbei vor allem für die mathematische Modellierung und die Entwicklung der numerischen Algorithmen verantwortlich.

Von März bis August 2018 vertieft Dr. He seine Forschung am Lehrstuhl für Systemsimulation der FAU. Er stammt aus China, wo er von 1998 bis 2005 einen Bachelor und einen Master in Computermathematik an der Sichuan University absolvierte. Von 2005 bis 2007 war er Masterstudent in Mathematik an der Virginia Tech, wo er 2009 auch promoviert wurde. Zudem war Dr. He von 2009 bis 2010 Postdoktorand am Department of Scientific Computing der Florida State University und ist seit 2010 Privatdozent am Department of Mathematics and Statistics an der Missouri University of Science and Technology. Des Weiteren wurde er zum Associate Professor des Department of Mathematics & Statistics der Missouri University of Science & Technology befördert. Außerdem ist Dr. He Gründungspräsident der SIAM (Society for Industrial and Applied Mathematics) Central States Section. Die SIAM Central States Section wurde 2014 gebildet und vereint Mitglieder aus den Staaten Arkansas, Colorado, Iowa, Kansas, Mississippi, Missouri, Nebraska und Oklahoma. Ziel der Section ist es unter anderem, die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Grundlagenforschung sowie die Anwendung der Mathematik in der Industrie und den Wissenschaften voranzutreiben.


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02.08.2018 Wie Krebszellen Winterschlaf halten
uni | mediendienst | forschung Nr. 57/2018

Bundesweites Schwerpunktprogramm erforscht Entstehung von Knochenmetastasen
In den kommenden sechs Jahren arbeiten Wissenschaftler aus ganz Deutschland eng zusammen, um Knochenmetastasen nach einer vorherigen Brust- oder Prostatakrebserkrankung frühzeitig zu erkennen und deren Entstehung zu verhindern. Insgesamt 7,8 Millionen Euro stehen für das vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden aus koordinierte, bundesweite DFG-Schwerpunktprogramm 2084 „μBONE – Kolonisierung und Interaktionen von Tumorzellen innerhalb der Knochenmikroumgebung“ in den kommenden drei Jahren zur Verfügung. Das Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist mit einem Projekt beteiligt.

Jede achte Frau sowie jeder achte Mann erkrankt im Laufe des Lebens an Brust- beziehungsweise Prostatakrebs. Diese beiden Karzinome sind bei den beiden Geschlechtern somit die am häufigsten auftretenden Krebsarten. „Es ist leider oft klinischer Alltag, dass wir Patientinnen mit Brustkrebs und Patienten mit Prostatakrebs sehen, deren Tumorerkrankung bereits vor mehreren Jahren besiegt schien, bei denen die Krankheit aber in Form von Knochenmetastasen zurückkehrt“, sagt Prof. Dr. Lorenz Hofbauer, Altersmediziner und Knochenspezialist am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und Koordinator des µBONE-Konsortiums. Die Folge sind Knochenbrüche, starke Schmerzen und eine Einschränkung der Lebensqualität. „Gerade das Mammakarzinom und das Prostatakarzinom neigen bei fortgeschrittener Erkrankung in bis zu 80 Prozent der Fälle zur Ansiedlung in den Knochen.“ Die Krebszellen halten im menschlichen Knochenmark über Jahre eine Art „Winterschlaf“ und zerstören nach dem Erwachen den Knochen relativ rasch. Die Forscher wollen die Prozesse verstehen, die zu dieser Entwicklung führen.

„Die genauen Mechanismen und die einzelnen Entwicklungsschritte der Knochen- und Tumorzellen auf dem Weg zur klinisch erkennbaren Knochenmetastase sind unzureichend erforscht, stellen aber eine Grundvoraussetzung für eine frühzeitige Diagnose sowie eine verbesserte Prävention und Therapie dar“, sagen die beteiligten Erlanger Forscher Prof. Dr. Aline Bozec von der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg Schett) und Prof. Dr. Tobias Bäuerle vom Radiologischen Institut (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) des Uni-Klinikums Erlangen. Ziel ist es, die Entstehung von Knochenmetastasen besser zu verstehen. Prof. Bozec und Prof. Bäuerle sind im µBONE-Konsortium mit dem Projekt „Die Rolle von Adipozyten in der Tumor-Mikroumgebung des Knochens“ vertreten.

Schwerpunktprogramm 2084 der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Im Rahmen des Schwerpunktprogramms sollen Schlüsselmechanismen der Knochenbesiedlung durch Tumoren und die nachgeschaltete Kommunikation zwischen den Zellen aufgeklärt werden. Dieses Wissen soll dazu dienen, bessere Strategien zur Behandlung von Knochenmetastasen zu entwickeln. Die Erlanger Wissenschaftler der Radiologie und der Medizin 3 arbeiten mit Kollegen aus Dresden, Hamburg, Heidelberg, Lübeck, Würzburg, Berlin, Regensburg, Frankfurt am Main und Münster zusammen.

Weitere Informationen zum Schwerpunktprogramm: www.dfg.de/gefoerderte_projekte/programme_und_projekte/listen/

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Tobias Bäuerle
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01.08.2018 Lymphozyten gegen Rheuma? mmunologen der FAU identifizieren Schlüsselrolle von ILC2 bei der Entstehung entzündlicher Arthritis
uni | mediendienst | forschung Nr. 56/2018

Immunologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben gezeigt, dass ILC2, eine Gruppe seltener lymphoider Zellen, eine Schlüsselrolle bei der Entstehung entzündlicher Arthritis spielen. ILCs haben viele funktionelle Ähnlichkeiten mit T-Zellen und sind wichtige Akteure des angeborenen Immunsystems. Die Erkenntnisse der FAU-Forscher könnten neue Therapieansätze bei der Behandlung von Rheuma begründen. Die Ergebnisse wurden jetzt im renommierten Fachjournal „Cell Reports” veröffentlicht*.

Rheumatoide Arthritis ist die häufigste Form entzündlicher Gelenkerkrankungen. Anders als bei der Arthrose, der degenerativen Veränderung der Gelenke, treten die Symptome der Arthritis – Überwärmung, Schwellungen und Rötungen – in Schüben auf und werden zumeist durch Störungen des Immunsystems hervorgerufen. Betroffene Körperregionen sind vor allem Finger und Zehen, ferner auch Knie-, Schulter und Hüftgelenke. Etwa ein Prozent der Menschen leidet darunter, Frauen rund dreimal so häufig wie Männer. Therapeutische Maßnahmen zielen im Wesentlichen auf die Linderung von Schmerzen und die Abschwächung des Krankheitsverlaufs – heilen lässt sich die rheumatoide Arthritis nicht.

Seltene Immunzelle reguliert Arthritis

Immunologen der FAU haben jetzt nachgewiesen, dass ILC2, eine Form seltener Lymphozyten, eine Schlüsselrolle bei der Entstehung rheumatoider Arthritis spielt. ILCs, sogenannte „innate lymphoid cells“, haben zwar keine T- und B-Zell-Rezeptoren und auch keine Zelltypmarker, die für Lymphozyten typisch sind, nehmen jedoch zentrale Aufgaben bei der Abwehr von Infektionserregern im menschlichen Körper wahr. Häufig sind sie die Ersthelfer, die das Immunsystem alarmieren, bevor die eigentliche Immunisierung beginnt. „Von früheren Untersuchungen wissen wir, dass ILC2 durch die Produktion des Zellsignalmoleküls IL-9 die Rückbildung chronischer Entzündungen einleiten kann”, sagt Projektleiter Dr. Mario Zaiss von der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Universitätsklinikums Erlangen. „In unserer aktuellen Studie haben wir nun gezielt die Rolle von ILC2s in der Initiationsphase von rheumatoider Arthritis untersucht.”

ILC2 hilft nur vor Ausbruch der Krankheit

Zaiss und seine Forscherkollegen konnten zunächst zeigen, dass die Zahl von ILC2 im peripheren Blut und den Gelenken von Patienten mit rheumatoider Arthritis im Vergleich zu gesunden Menschen deutlich erhöht ist. Laborversuche bestätigten die regulatorische Funktion von ILC2: Wurde die Zahl dieser Immunzellen genetisch reduziert, verschlimmerte sich der spätere Krankheitsverlauf; die therapeutische Verstärkung von ILC2 hingegen schwächte die Arthritis signifikant ab. Die Hoffnungen, Patienten mit bestehender entzündlicher Arthritis künftig durch gezielte Anreicherung von ILC2 heilen zu können, müssen die Forscher allerdings dämpfen: „An der essenziellen regulatorischen Rolle von ILC2 bei der Initiierung von Arthritis besteht kein Zweifel”, erklärt Mario Zaiss. „Allerdings müsste eine Therapie vor Ausbruch der Krankheit erfolgen – ein späterer Transfer von ILC2 führt zu keiner Verbesserung des klinischen Bildes.”

Für die weitere Forschung der Arthritis-Therapie stehen nun zwei wesentliche Aspekte im Fokus: Zum einen gilt es, sichere Methoden zu finden, die Zahl von ILC2 im Körper gezielt anzureichern. Zum anderen muss nach neuen, verlässlichen Möglichkeiten gesucht werden, Anzeiger für Arthritis noch vor Ausbruch der Krankheit zu erkennen – denn nur so können die seltenen Lymphozyten überhaupt therapeutisch eingesetzt werden.
 
* doi: 10.1016/j.celrep.2018.06.005
„Group 2 Innate Lymphoid Cells Attenuate Inflammatory Arthritis and Protect from Bone Destruction in Mice“, „Cell Reports”
 Weitere Informationen:
Dr. Mario Zaiss
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20.07.2018 Staus im Gehirn - FAU-Forscher identifizieren gestörte Transportwege in Nervenzellen als eine Ursache von Parkinson
uni | mediendienst | forschung Nr. 54/2018

Staus sind auch im Gehirn möglich – und schädlich. Das haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) jetzt bestätigen können. Sie konnten belegen, dass gestörte Transportwege in Nervenzellen eine bedeutende Ursache für die Entstehung der Parkinson-Krankheit sein können. Ihre Forschungsergebnisse haben sie nun in der renommierten Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht*.

Charakteristisch für die Form einer Nervenzelle sind ihre feinen Fortsätze, die bis zu einem Meter lang werden können und Kontaktstellen zu anderen Nervenzellen bilden. Um diese wichtige Aufgabe, nämlich die Kommunikation mit anderen Nervenzellen, zu erledigen, müssen die fein verästelten Fortsätze und deren Enden, die Synapsen, aus dem Zellkörper heraus regelmäßig mit Energie versorgt werden. Wird die Versorgung unterbrochen, gehen die Synapsen zugrunde. Es werden Verbindungen zwischen Nervenzellen gestört, was zum Absterben der Zellen führen kann. Dieser Ablauf ist typisch für die Entstehung von Gehirnerkrankungen wie der Parkinson-Krankheit.

Welche Mechanismen zum Absterben der Nervenzellen bei der Parkinson-Krankheit führen, ist bisher unklar. Den FAU-Wissenschaftlern um Dr. Iryna Prots und Prof. Dr. Beate Winner aus der Stammzellbiologischen Abteilung in Zusammenarbeit mit Forschern der Molekularen Neurologie (Janina Grosch, Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) ist es nun gelungen zu zeigen, dass eine Art Verkehrsstau in den Nervenzellen eine Ursache sein könnte.

Auslöser des Staus, so haben die FAU-Forscher herausgefunden, ist ein Eiweiß, namens alpha-Synuklein, das auch in gesunden Nervenzellen vorkommt. In erkrankten Nervenzellen lagert sich das Eiweiß ab, verklumpt sogar, und führt zu einem Stau, der die Energieversorgung der Zellfortsätze stört und letztendlich die Synapsen schädigt.

Diesen Mechanismus konnten die Wissenschaftler auch in Zellkulturen von Parkinson-Patienten nachweisen. Dazu wurde betroffenen Patienten eine kleine Hautprobe entnommen. Diese Hautzellen wurden dann in Stammzellen umgewandelt, die zu jedem beliebigen Zelltyp weiterentwickelt werden können – in diesem Fall zu Nervenzellen.

In ersten Versuchen der Wissenschaftler ist es gelungen, die Bildung von alpha-Synuklein-Klumpen zu unterdrücken und somit den Transport in den Nervenzellfortsätzen zu verbessern. Allerdings ist die verwendete Substanz, noch nicht klinisch zugelassen. Dennoch: „Mit unseren Erkenntnissen können wir die Entstehungsmechanismen bei der Parkinson-Krankheit besser verstehen und die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien im Verlauf der Krankheit vorantreiben“, sagt die Erstautorin der Studie Dr. Iryna Prots.  doi: 10.1073/pnas.1713129115
I. Prots, J. Grosch, R.-M. Brazdis, K. Simmnacher, V. Veber, S. Havlicek, C. Hannappel, F. Krach, M. Krumbiegel, O. Schütz, A. Reis, W. Wrasidlo, D.R. Galasko, T.W. Groemer, E. Masliah, U. Schlötzer-Schrehardt, W. Xiang, J. Winkler, and B. Winner. α-Synuclein oligomers induce early axonal dysfunction in human iPSC-based models of synucleinopathies. PNAS July 10, 2018. 201713129; published ahead of print July 10, 2018.

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Dr. Iryna Prots
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Iryna.Prots@uk-erlangen.de
Prof. Dr. Beate Winner
Tel. 09131/85-39301
Beate.Winner@fau.de

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19.07.2018 Verdienstkreuz für Prof. Dr. Hans Drexler
Pressestelle der FAU

Große Ehre für FAU-Arbeits- und Umweltmediziner

Engagement – ob in der Forschung oder im Ehrenamt: Das Wort trifft gut auf Prof. Dr. Hans Drexler, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), zu. Und das Engagement in der Arbeitsmedizin wie auch die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens sind mit einem Verdienstkreuz am Bande vom Bundespräsidenten gewürdigt worden. Bayerns Innenminister Joachim Hermann überreichte ihm das Verdienstkreuz im Rahmen einer Feierstunde in der Orangerie.

Schon länger als 25 Jahre engagiert sich Prof. Dr. Hans Drexler in der Forschung und Lehre in der Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, seit 2000 als Ordinarius für Arbeits- und Sozialmedizin an seiner Alma Mater, der FAU. Seit 2006 ist er der Studiendekan der medizinischen Fakultät. Als anerkannter Experte für Arbeits- und Umweltmedizin verfügt er über eine breit gefächerte Kompetenz in den Bereichen Haut- und Geschlechtskrankheiten, Sozialmedizin sowie Allergologie. Seit 2007 ist er Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Health Technology Assessment und Public Health (IZPH) an der FAU. Zudem ist er in vielen Vereinen aktiv und übernimmt nicht selten die Rolle des Vorsitzenden: Im Jahre 2012 trat Drexler die Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin (DGAUM) an, wo er sich für die Verbesserung der physischen und psychischen Gesundheit von Arbeitnehmern einsetzt, und seit 2005 ist er Vorsitzender des Bayerischen Forschungsverbundes Public Health (BFVPH).

Daneben engagiert er sich in weiteren Fach- und Forschungsverbänden, wie etwa unter anderem in der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe und deren Arbeits- und Untergruppen. Er pflegt damit die Verbindung der Arbeitsmedizin zu Gesellschaft und Wirtschaft und berät politische Entscheider. Als gewählter Gutachter des DFG-Fachkollegiums vertrat er von 2012 bis 2015 die Interessen der Arbeitsmedizin und der klinisch orientierten Umweltmedizin. Des Weiteren ist er im Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte und in der Gesellschaft für Hygiene, Umwelt- und Präventivmedizin (GHUP) aktiv.

Über den Orden 

Mit seinen Ordensverleihungen möchte der Bundespräsident die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf hervorragende Leistungen lenken, denen er für das Gemeinwesen besondere Bedeutung beimisst. Der Verdienstorden wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, wie zum Beispiel im sozialen und karitativen Bereich.

Weitere Informationen:
Hans Drexler, Tel.: 09131/85-22312, hans.drexler@fau.de

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16.07.2018 Berlin im Blick - Terminvorschau der Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Berlin im Blick - vom 16. bis 29. Juli 2018

Hier der aktuelle Blick nach Berlin

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Berlin im Blick

05.07.2018 Aggressive Abwehrzellen verstärken Parkinson-Krankheit
uni | mediendienst | forschung Nr. 50/2018

FAU-Forscher identifizieren Schüttellähmung als mögliche Autoimmunerkrankung

Die Parkinson-Krankheit, früher auch als Schüttelähmung bezeichnet, zählt zu den häufigsten Bewegungserkrankungen des Nervensystems. Mediziner der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind jetzt einer möglichen Ursache der Erkrankung auf die Spur gekommen – im Immunsystem der Patienten. Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler im renommierten Magazin „Cell Stem Cell“ veröffentlicht.

Weltweit sind rund 4,1 Millionen Menschen an Parkinson erkrankt, alleine in Deutschland leben mehr als 300.000 Betroffene. Typische Symptome der Erkrankung sind verlangsamte Bewegungen, das Erstarren der Muskulatur, heftiges Zittern und eine zunehmend gebeugte Körperhaltung. Ursache ist das stetige Absterben von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin produzieren.

Welche Mechanismen zu dem Verlust von Nervenzellen führen, die Dopamin produzieren, versucht die Wissenschaft zu verstehen. Bisher wusste man wenig darüber, ob menschliche Abwehrzellen bei der Parkinsonerkrankung eine wichtige Rolle spielen. Hier ist den Stammzellforscherinnen Dr. Annika Sommer, Dr. Iryna Prots und Prof. Dr. Beate Winner von der FAU und deren Team in der Erforschung der Krankheit ein gewaltiger Schritt nach vorn gelungen. Die Erlanger Wissenschaftler konnten belegen, dass bei der Parkinsonerkrankung Abwehrzellen des Immunsystems, die so genannten T-Zellen, Dopamin produzierende Nervenzellen des Mittelhirns angreifen und töten.

Ausgangspunkt der Untersuchungen des FAU-Teams war eine verblüffende Beobachtung: Im Mittelhirn von Parkinsonpatienten fanden die Wissenschaftler ungewöhnlich viele T-Zellen. Diese Zellen sind im Gehirn bei Erkrankungen zu finden, bei denen das Immunsystem das Hirn angreift. Bei gemeinsamen Untersuchungen mit der Bewegungsambulanz (Molekulare Neurologie) am Universitätsklinikum Erlangen (Prof. Jürgen Winkler) fanden die Forscher im Blut von Parkinsonpatienten eine erhöhte Zahl von bestimmten T-Zellen, spezifisch der Th17-Zellen, ganz ähnlich wie bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis.

Diese Ergebnisse nahmen die Forscher zum Anlass für die Entwicklung einer sehr ungewöhnlichen Zellkultur aus menschlichen Zellen. Dazu wurde betroffenen Patienten sowie gesunden Testpersonen eine kleine Hautprobe entnommen. Diese Hautzellen wurden dann in Stammzellen umgewandelt, die sich zu jedem beliebigen Zelltyp entwickeln können. Diese differenzierte das Forschungsteam weiter zu patienteneigenen Mittelhirnnervenzellen aus. Diese Mittelhirnnervenzellen wurden dann mit frischen T-Zellen desselben Patienten in Kontakt gebracht. Das Ergebnis: Die Abwehrzellen von Parkinsonpatienten töteten eine große Anzahl ihrer Nervenzellen, dies war jedoch nicht bei den gesunden Testpersonen nachweisbar. Hoffnung gibt jedoch ein weiteres Ergebnis: Antikörper, die die Wirkung der Th17-Zellen blockieren, und sogar ein bereits im Klinikalltag bei Schuppenflechte angewandter Antikörper konnten den Tod der Nervenzellen weitgehend verhindern.

„Mit unseren Untersuchungen ist es uns gelungen, klar nachzuweisen, dass und auch wie T-Zellen an der Entstehung des Parkinsonsyndroms beteiligt sind“, erklärt Prof. Dr. Beate Winner. „Die Erkenntnisse aus unserer Studie bieten eine wichtige Grundlage für neue Behandlungsmöglichkeiten der Parkinson-Krankheit.“

Ansprechpartner für die Medien:

Prof. Dr. Beate Winner

Tel.: 09131/85-39301     beate.winner@uk-erlangen.de

Dr. Iryna Prots          Tel.: 09131/85-39353     Iryna.prots@uk-erlangen.de

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04.07.2018 Plädoyer für eine „Vorabquote“ zum Medizinstudium in Bayern.
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, plädiert im Leitartikel der der Juliausgabe 2018 des Bayerischen Ärzteblattes für eine zusätzliche „Vorabquote“ zum Medizinstudium in Bayern.

Quitterer sieht die ärztliche medizinische Versorgung in Deutschland und damit auch in Bayern gefährdet, Zum einen, weil sich zu wenige Ärztinnen und Ärzte, hier vor allem die Hausärzte in ländlichen Gebieten, niederließen. Zum anderen, weil die demografische Entwicklung ein Ausscheiden vieler Ärzte aus der Versorgung in den nächsten Jahren bewirken werde. Wohl griffen die Stipendienprogramme wie auch die Förderung der Niederlassung durch die Bayerische Staatsregierung und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns. Die Reform des Bereitschaftsdienstes sowie die abgewehrte Regressbedrohung bei der Verordnung von Arzneimitteln seien Maßnahmen, die die Niederlassung wieder attraktiver gestalteten. Und dennoch fänden viele ausgebildete Mediziner den Weg in die Versorgung nicht. „Es kann keine Lösung sein, ausländische Ärztinnen und Ärzte, deren Abiturzeugnisse offenbar keine Rolle spielen und die wir damit der ärztlichen Versorgung in ihren Heimatländern entziehen, anzuwerben“, schreibt der Präsident. Gleichzeitig könnten deutsche Abiturienten, die sich für eine Niederlassung entscheiden würden, nicht Humanmedizin studieren, wenn sie den geforderten Notendurchschnitt von 1,0 nicht erreichten.

„Wir benötigen deshalb mehr Studienplätze für Medizin in Deutschland und eine dringend notwendige Reform des Zugangs zu diesem Studium – jetzt“, so Quitterer. Aktuell brauche es darüber hinaus eine zusätzliche Vorabquote für niederlassungswillige Abiturienten, die sich vor dem Beginn des Studiums verpflichteten, nach dessen Abschluss in ein unterversorgtes Gebiet zu gehen; daneben aber auch für solche, die eine bestehende Praxis übernehmen wollten und sich dafür vertraglich festlegten. Dies könne beispielsweise auf Orte einer bestimmten Größe beschränkt sein. Hier komme dem Staat im Rahmen seiner Gemeinwohlverpflichtung, die auch die ärztliche Versorgung umfasse, eine tragende Rolle zu. Rechtlich sei – aus Quitterers Sicht – beides darstellbar.

Mehr zu „Plädoyer für eine „Vorabquote“ lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe 2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
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25.06.2018 Teilnehmer für Studie der FAU-Altersforscher gesucht - Das Gedächtnis stärken durch die „Kraft der Poesie“?
uni | mediendienst | aktuell Nr. 83/2018

Helfen Gedichte gegen Vergesslichkeit? Das Institut für Psychogerontologie (IPG) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) möchte neue Erkenntnisse zur Gedächtnisleistung erforschen. Hierfür sucht das IPG Studienteilnehmer ab 60 Jahren.

Im Laufe des Lebens häufen sich die Momente der Vergesslichkeit. Dies weißt in der Regel auf mangelnde Konzentration hin, nicht auf ernsthafte Gedächtnisprobleme. Dennoch ist es hilfreich, das Gedächtnis im höheren Alter regelmäßig zu trainieren. Zahlreiche Studien, die die Effektivität unterschiedlicher Trainingsmaßnahmen untersucht haben, liegen bereits vor. Gemeinsam mit der Poetry Slammerin und Psychologiestudentin Lara Ermer forschen FAU-Wissenschaftler, ob und wie sich der kreative Umgang mit Poesie auf die Gedächtnisleistung auswirkt – eine bisher einzigartige Studie.

Für die Studie werden noch Interessierte ab 60 Jahren gesucht, die an einem 1,5 stündigen Workshop zum Schreiben und Vortragen von Gedichten teilnehmen wollen. Mittels mehrerer Online-Fragebögen werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusätzlich zu ihrer Gedächtnisleistung sowie zu ihrer Einstellung und Erfahrung im Umgang mit Literatur und Poesie befragt.

Interessierte können sich von Montag, 2. Juli, bis Donnerstag, 5. Juli, jeweils von 9 bis 17 Uhr unter Tel.: 0911/5302-96115 anmelden oder gerne auch per E-Mail an ipg-bega@fau.de.

Weitere Informationen:
Lara Ermer und Dr. Roland Rupprecht, Tel.: 0911/5302-96115, ipg-bega@fau.de

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18.06.2018 CD83-Protein ist essentiell für die Kontrolle von Autoimmunreaktionen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 46/2018

Immunologen der FAU veröffentlichen richtungsweisende Studie, die die Bedeutung des CD83-Proteins bei der Vermeidung von Autoimmunerkrankungen spezifiziert

Regulatorische T-Zellen, kurz „Tregs“ genannt, sorgen dafür, dass das Immunsystem keine körpereigenen Zellen oder Gewebe angreift. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Oberflächenprotein CD83. Immunologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist es nun gelungen, dieses Protein näher unter die Lupe zu nehmen und seine herausragende Bedeutung bei der Regulation von Autoimmunreaktionen zu beweisen. Die in Fachkreisen vielbeachtete Studie kann wichtige Impulse für die krankheitsorientierte Grundlagenforschung und langfristig für die Entwicklung von neuen Verfahren zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen geben. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „JCI insight“* veröffentlicht.

So effektiv die eigenen Abwehrmechanismen im menschlichen Körper auch funktionieren, so gefährlich ist es, wenn deren Regulation versagt. Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Multiple Sklerose (MS), Colitis, Arthritis aber auch Allergien können die Folge sein. Ein wichtiges Mitglied in dem körperimmanenten Abwehrtrupp sind die sogenannten „Tregs“, die die Immunantwort gegen körpereigene Zellen und Organe gezielt hemmen. Das CD83-Protein ist auf spezifischen Immunzellen zu finden. In welchem Maße das Protein aber an der Funktion der „Tregs“ beteiligt ist, war bislang nicht vollständig geklärt. Ein Grund mehr für das Team um Prof. Dr. Alexander Steinkasserer von der Immunmodulatorischen Abteilung der FAU die Bedeutung von CD83 zu untersuchen und hier erstmals Klarheit zu schaffen. Sie konnten in Zusammenarbeit mit Spezialisten vom Limes-Institut in Bonn und dem Universitätsklinikum in Regensburg nachweisen, dass CD83 essentiell für die Aufrechterhaltung der immunologischen Toleranz ist und somit Autoimmunreaktionen verhindert.

Methodische Grundlagen

Um das komplexe Vorhaben zu verwirklichen, haben die Wissenschaftler neben in-vitro-Untersuchungen an Zellkulturen im Labor auch in-vivo-Studien an Mausmodellen vorgenommen, bei denen das CD83-Protein gezielt in „Tregs“ ausgeschaltet wurde. Es zeigte sich, dass ohne das CD83-Molekül nicht nur erhöhte Krankheitssymptome, zum Beispiel Lähmungserscheinungen wie bei der Multiplen Sklerose (MS) oder Darmentzündungen wie bei Colitis, auftraten, sondern dass diese auch nicht mehr abklangen. „Ohne CD83 war es nicht mehr möglich, die Autoimmunreaktionen gegen die körpereigenen Zellen  zu kontrollieren“, stellte der Untersuchungsleiter Prof. Alexander Steinkasserer fest, „was unsere Hypothese von der Wichtigkeit des CD83-Moleküls für die Vermeidung von Autoimmunerkrankungen untermauert“.

Zukunftsweisende Anwendungspotentiale

Die Studie führt zu einem grundlegend besseren Verständnis der „Tregs“ und der Funktion des CD83-Proteins innerhalb der Zellen bei der körpereigenen Abwehr und der Kontrolle von gefährlichen Autoimmunreaktionen. Sie leistet somit einen wichtigen Beitrag für die krankheitsorientierte Grundlagenforschung. Langfristig könnten diese Erkenntnisse dann aber auch zur Entwicklung neuer Therapien beitragen. „Bis unsere Erkenntnisse zu CD83 aber Eingang in die klinische Erprobung finden, ist es noch ein weiter Weg, der viel Zeit, Energie und weiterer finanzieller Mittel bedarf“, so Prof. Steinkasserer. „Wir haben aber die Basis gelegt, auf die weitere Untersuchungen und klinische Studien aufbauen können.“

*Die Forschungsergebnisse wurden unter dem Titel „CD83 expression is essential for Treg cell differentiation and stability“ in der renommierten Fachzeitschrift „JCI insight https://doi.org/10.1172/jci.insight.99712 veröffentlicht.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Alexander Steinkasserer, PhD
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13.06.2018 Was wollten Sie schon immer mal über das Immunsystem wissen?Tag der Immunologie am Samstag, 16. Juni, 10 bis 16 Uhr, Hugenottenplatz, Erlangen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 73/2018

Wie schützt sich unser Körper vor Krankheitserregern? Wie funktioniert unser Immunsystem? Und wie kann ich mich mit Hilfe von Impfungen vor Krankheiten schützen? Im Rahmen des Tags der Immunologie ermöglichen Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen Einblicke ins Gefecht zwischen Immunsystem und Krankheitserregern. Am Samstag, 16. Juni, von 10 bis 16 Uhr, bieten sie mitten in Erlangen, am Hugenottenplatz, ein spannendes und abwechslungsreiches Programm und informieren über alle Aspekte rund um das Thema Immunologie.

Jeden Tag schützt das Immunsystem den menschlichen Körper vor Milliarden von Keimen, ohne dass wir es merken. Nur wenn es uns einmal im Stich lässt, schenken wir ihm Aufmerksamkeit. Am Tag der Immunologie präsentieren junge Wissenschaftler für jeden verständlich die Geheimnisse der menschlichen Abwehr gegen Krankheitserreger. Dabei gibt es nicht nur Interessantes rund um die Bereiche Infektion und Impfung zu erfahren. Vielmehr können alle Besucher selbst spielerisch entdecken, wie das Immunsystem den menschlichen Körper gegen Eindringlinge von außen verteidigt. Speziell für Kinder gibt es die Möglichkeit, an Mitmach-Stationen die Welt der menschlichen Abwehr zu erkunden. Dabei können sie attraktive Preise gewinnen.

Die Abteilung für Molekulare Immunologie an der Medizinischen Klinik 3 des Uni-Klinikums Erlangen, das Graduiertenkolleg 1660 „Schlüsselsignale der adaptiven Immunantwort“ und das integrierte Graduiertenkolleg „B-Zellen ohne Grenzen“ des Transregio 130 (Leiter Prof. Dr. Hans-Martin Jäck) des Universitätsklinikums Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg FAU organisieren wie schon in den Vorjahren den diesjährigen Aktionstag zum Tag der Immunologie in Erlangen.

Ziel des europaweiten Tags der Immunologie ist, das Augenmerk der Entscheidungsträger aus Wissenschaft und Forschung auf dieses für die Volksgesundheit so wichtige Fachgebiet innerhalb der Medizin und Biologie zu lenken. Außerdem soll die Öffentlichkeit Einblick in die aktuelle Forschung auf dem Gebiet der Immunabwehr erhalten – und in diesem Jahr im Speziellen über die Impfstoffentwicklung im Bereich Tuberkulose aufgeklärt werden.

Weitere Informationen:

https://www.lymphozyten.med.fau.de
http://www.bcells-and-beyond.de
Prof. Dr. Hans-Martin Jäck, Tel.: 09131/85-35913, E-Mail: hans-martin.jaeck@fau.de
Dr. Anja Glanz , Tel.: 09131/85-43219, E-Mail: anja.glanz@uk-erlangen.de
Dr. Agnes Giniewski, Tel.: 09131/85-43219, E-Mail: agnes.giniewski@uk-erlangen.de


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08.06.2018 Menschenrechte und Ethik in der Medizin für Ältere - Neues Graduiertenkolleg startet an der FAU
uni | mediendienst | aktuell Nr. 72/2018

Um ihre Nachwuchswissenschaftler zu unterstützen, bietet die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ein neues Programm an. In einem neuen Graduiertenkolleg beschäftigen sich Doktorandinnen und Doktoranden mit Menschenrechten und Ethik in der Medizin für Ältere. Am Freitag, 15. Juni, findet ab 14.00 Uhr im Wassersaal der Orangerie im Schlossgarten 1 in Erlangen ein Auftaktsymposium statt. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung zur Platzreservierung ist sinnvoll.

In Zeiten des demographischen Wandels wie auch angesichts der Pflegekrise in unserer Gesellschaft ist die Wahrnehmung ethischer und menschenrechtlicher Aspekte bei der Betreuung älterer Patienten von immer größerer Bedeutung. Dieses Jahr startet an der FAU mit Förderung der Josef und Luise Kraft-Stiftung ein neues Forschungskolleg zur strukturierten Promotion im Gebiet „Menschenrechte und Ethik in der Medizin für Ältere“. Dies bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Chance, zu diesem gleichermaßen gesellschaftlich zentralen wie zukunftsweisenden Themenfeld vertieft zu forschen. Einzelne Themen des Kollegs sind etwa der Umgang mit dem Willen Älterer im Rahmen von Vorausverfügungen, die Unterstützung von Menschen mit Demenz, die ethische differenzierte Betreuung am Lebensende oder auch rechtliche Fragen von „BigData“ für ältere Menschen. Dabei unterstützen und betreuen Experten aus den Bereichen Menschenrechte, Ethik, Philosophie, Medizin, Geriatrie, Psychogerontologie, Medizinrecht sowie auch Public Health die Forschenden thematisch.


Zur Eröffnung des neuen Graduiertenkollegs findet ein Auftaktsymposium statt, bei dem Experten in Kurzvorträgen sowie in einer Keynote Lecture von Prof. Dr. Hartmut Remmers, Universität Osnabrück, referieren. Daran anschließend werden Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik, sowie Prof. Dr. Andreas Frewer, Professur für Ethik in der Medizin, eine Podiumsdiskussion moderieren, bei der das Publikum mitdiskutieren kann.


Weitere Hinweise zu dem Programm finden Sie unter https://www.grk.menschenrechte-und-ethik.med.fau.de/2018/04/23/auftaktsymposium/.

Informationen: Prof. Dr. Andreas Frewer, M.A., Tel.: 09131/85-26431, E-Mail: andreas.frewer@fau.de

Platzreservierung: Kerstin Wagner, M.A., Sekretariat, Tel.: 09131/85-26430, E-Mail: kerstin.wagner@fau.de
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07.06.2018 Proteine als „Shuttle Service“ für eine zielgenaue Medikamentenvergabe
uni | mediendienst | forschung Nr. 43/2018

Biotechniker der FAU veröffentlichen wegweisende Studie, die als Modell für einen zielgenauen und gewebespezifischen Einsatz von Medikamenten dienen kann

Medikamente, die da ankommen, wo sie wirken sollen, ohne den restlichen Körper zu belasten, das ist keine Zukunftsvision mehr. Biotechnikern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist es gelungen, Proteine zu entwickeln, die einem Shuttle ähnlich Medikamente direkt an der Stelle im Körper freisetzen, an der sie auch wirklich gebraucht werden. Ihre Studie kann Modellcharakter haben und könnte die zukünftige ziel- und gewebespezifische Vergabe von Medikamenten ermöglichen. Die Ergebnisse wurden in der angesehenen Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS)* veröffentlicht.

Medikamente gezielt einzusetzen und sie an ihren Wirkungsort zu bringen, ohne dass diese unterwegs in gesundem Gewebe Schaden anrichten können, ist eine sehr aktuelle Fragestellung der pharmazeutischen Forschung. Mitarbeitende des Lehrstuhls Biotechnik der FAU mit ihrem Leiter Prof. Dr. Yves Muller und der Erstautorin der Studie, Karin Schmidt, haben für diesen Prozess einen neuen Lösungsweg entwickelt. Sie konnten in Zusammenarbeit mit Kollegen der Friedrich-Schiller-Universität Jena aufzeigen, dass eine bestimmte Gruppe von Proteinen zu gewebespezifischen Medikamentenshuttles umgebaut werden kann.

Methodische Grundlagen


Um das schwierige Unterfangen, Proteine gezielt so zu designen, dass Wirkstoffe – sogenannte Legate – an sie gebunden werden können, bedarf es neben eines am Lehrstuhl Biotechnik selbst entwickelten computergestützten Verfahrens auch einer experimentellen Überprüfung im Labor. Dieses wurde besonders mit Hilfe der Kristallographie vorgenommen. In einem „Ping-Pong-Spiel“ zwischen Computeranwendung und Labor gelang es der Arbeitsgruppe, das humane Ursprungsprotein Antichymotrypsin in Proteine umzuwandeln, die zum einen ein bekanntes Antibiotikum (Doxycyclin) und zum anderen ein weitverbreitetes Zytostatikum (Doxorubicin), das zur Behandlung von Krebs und  Autoimmunerkrankungen verwendet wird, an sich zu binden. Im Zielgewebe wird das gebundene Medikament wieder frei gesetzt, indem das Shuttleprotein durch ein Enzym, eine sogenannte Proteinase, gespalten wird. Die nun veröffentlichte Studie erbrachte den experimentellen Nachweis, dass und auf welche Weise die Medikamente an die Proteine angebunden wurden und legen damit die Grundlage für eingehendere Untersuchungen. 

Zukunftsweisende Anwendungspotentiale

Durch den Einsatz der Proteinshuttles könnten Medikamente gezielt, ohne große Eingriffe und mit wenigen Nebenwirkungen in geringeren Dosen eingesetzt werden. So können Körper und Organe geschont und ein effizienterer Einsatz der Wirkstoffe ermöglicht werden. „Bis bestimmte Proteine aber als Shuttle Service medizinisch eingesetzt werden können, ist es noch ein langer und steiniger Weg“, ist sich der Studienleiter Prof. Dr. Yves Muller gewiss. Zunächst muss die Bindeaffinität der Wirkstoffe an die Shuttleproteine weiter erhöht werden. „Der Schlüssel muss noch genauer in das Schlüsselloch passen“, so der Untersuchungsleiter. Ein Projekt, dass den Lehrstuhl Biotechnik an der FAU in der kommenden Zeit intensiv beschäftigen wird.

In einem nächsten Schritt muss das Projekt auf die klinisch angewandte Forschung ausgeweitet werden. Experimentelle Nachweise müssen dann zeigen, dass die Mechanismen auch im Gewebe funktionieren. Die Wissenschaftler sind dennoch zuversichtlich, dass die von Ihnen vorgestellte Modellstudie das Potential für die Entwicklung von gerichteten Medikamentenshuttles besitzt und wegweisend für eine gezielte und effiziente Medikamentenvergabe sein kann.

*Die Forschungsergebnisse wurden unter dem Titel „Design of an allosterically modulated doxycycline and doxorubicin drug-binding protein“ in der renommierten Fachzeitschrift „Proceedings oft he National Academy of Sciences“ (PNAS) https://doi.org/10.1073/pnas.1716666115 veröffentlicht.

Bildmaterial zum Download gibt es unter:

https://www.fau.de/files/2018/06/Medikamentenschuttle_IMGP2607_Johannes-Schweininger.jpg

Bildunterschrift: Die FAU-Wissenschaftler Prof. Dr. Yves Muller und Karin Schmidt, beide vom Lehrstuhl für Biotechnik (Proteinstruktur und -design), erstellen an der lehrstuhleigenen Röntgenanlage Röntgendiffraktionsbilder. (Bild: FAU/Johannes Schweininger)

https://www.fau.de/files/2018/06/Medikamentenshuttle_IMGP2603_Johannes-Schweininger.jpg

Bildunterschrift: Die FAU-Wissenschaftler Prof. Dr. Yves Muller und Karin Schmidt, beide vom Lehrstuhl für Biotechnik (Proteinstruktur und -design), bei der computergestützten Berechnung der Ligandenbindetaschen des Proteins. (Bild: FAU/Johannes Schweininger)

Weitere Informationen:
Karin Schmidt
Tel.: 09131/85-23073
karin.schmidt@fau.de 


Prof. Dr. Yves Muller
09131/85-23082
yves.muller@fau.de 

 
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07.06.2018 Goldstandard trotz Fernbehandlung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Fernbehandlung soll nicht die Bedürfnisse der Patienten nach mehr Bequemlichkeit bedienen, sondern allenfalls für einen besonderen Bedarf zur Verfügung stehen“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer in der Juniausgabe 2018 des Bayerischen Ärzteblattes. Die Fernbehandlung war eines der großen Themen auf dem 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt Anfang Mai. Die Abgeordneten haben mit großer Mehrheit beschlossen, eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien im Einzelfall zu erlauben. Konkret sei dies möglich, wenn die Fernbehandlung ärztlich vertretbar sei, die erforderliche ärztliche Sorgfalt durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung und Dokumentation gewahrt werde und der Patient über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt werde. Moderne Kommunikationsmedien hätten ihren Platz in der Gesundheitsversorgung. Es müssten aber eine Reihe von Voraussetzungen geklärt werden. Die Patientensicherheit und der Schutz der Gesundheitsdaten beispielsweise müssten an erster Stelle stehen. Für die behandelnden Ärzte sei, wie in den Praxen auch, Facharztstatus zu fordern. Es dürfe keine Etablierung einer neuen Versorgungsebene oder eine Konkurrenz zu bestehenden Versorgungsverträgen geben. Darüber hinaus sei zu bedenken, dass diese Form der Behandlung unter Umständen zusätzliche Kosten generiere, deren Bezahlung geklärt werden müsse. Teleärzte säßen teilweise im Ausland und behandelten nicht mehr in Deutschland. Damit unterlägen

sie auch nicht mehr unserer Berufsordnung. „Ich halte nach wie vor den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient für nicht ersetzbar. Eine Diagnose, die auf einer Untersuchung mit allen fünf Sinnen basiert, ist fundierter als eine reduzierte Beurteilung nur mit Augen und Ohren über ein Kommunikationsmedium“, erklärt Quitterer. Mehr zu „Goldstandard trotz Fernbehandlung“ lesen Sie in der Ausgabe 6/2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.
 
Bayerische Landesärztekammer
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06.06.2018 Sieben Millionen Euro für Erforschung chronischer Darmentzündungen - Sonderforschungsbereich/Transregio 241 startet an der FAU
uni | mediendienst | forschung Nr. 42/2018

Ab Juli 2018 startet an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) der neue Sonderforschungsbereich/Transregio 241 „Immun-Epitheliale Signalwege bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen“. Gemeinsam mit der Berliner Charité forschen Erlanger Mediziner und Biotechnologen daran, das Zusammenspiel von Schleimhaut- und Immunzellen im Darm besser zu verstehen und wirksamere Therapiemethoden bei chronischen Entzündungen zu entwickeln. Für die erste Förderperiode bis 2022 stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft insgesamt 11,5 Millionen Euro bereit, knapp sieben Millionen Euro davon entfallen auf die FAU.

CED nehmen zu

Heftige Durchfälle, Bauchschmerzen, Krämpfe – das sind die häufigsten Symptome chronischer entzündlicher Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Rund 400.000 Menschen in Deutschland leiden daran, und ihre Zahl nimmt stetig zu. CED verlaufen zumeist in Schüben, was die Betroffenen in ihrer Lebensqualität und körperlichen Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt. „Trotz des Einsatzes starker Medikamente bleiben chronisch entzündliche Darmerkrankungen schwer therapierbar“, sagt Prof. Dr. Christoph Becker, Forschungsleiter der Medizinischen Klinik 1 am Universitätsklinikum Erlangen der FAU und Sprecher des Sonderforschungsbereichs. „Akute Schübe werden häufig noch mit Cortikosteroiden behandelt, die jedoch nur in einem Teil der Fälle zu einem Abklingen der Beschwerden führen. Viele Patienten müssen verschiedene immunsupressive Substanzen einnehmen.“ Zudem manifestierten sich oft Begleitkrankheiten wie Arthritis, akute Entzündungen des Fettgewebes und chronische Entzündungen der Gallenwege in der Leber.

Molekulare und zelluläre Mechanismen kaum erforscht

CED sind deshalb so schwer zu therapieren, weil das Zusammenwirken der vielen verschiedenen Zellpopulationen im Darm bislang kaum verstanden wird. „Neuere Befunde zeigen, dass die Darmschleimhaut nicht einfach als physikalische Barriere betrachtet werden kann. Sie ist vielmehr ein hochdynamisches Gewebe, das auf eine Vielzahl von Umweltreizen einschließlich der Darmflora sowie auf lokale oder systemische Signale reagiert“, erklärt Christoph Becker. „Das Immunsystem im Darm reguliert die Barrierefunktion der Darmwand und die Zusammensetzung der Darmflora und umgekehrt beeinflusst die Darmbarriere das Immunsystem.“ Dennoch fehlen Erkenntnisse darüber, wie die Wechselwirkung zwischen Epithel- und Immunzellen die langfristigen zellulären Reaktionen beeinflusst, die bei der Steuerung chronischer Entzündungsprozesse eine Rolle spielen.

Neues Konzept für neue Therapien

Genau hier setzen die Erlanger und Berliner Forscher an: In den kommenden Jahren wollen sie Erkenntnisse über die Regulation und Funktion des Immunsystems im Darm und aktuelle Daten zur anti-mikrobiellen Verteidigung an der Schleimhautbarriere in ein neues Konzept integrieren. Vor allem die Rolle einer fehlgesteuerten Kommunikation zwischen Epithel- und Immunzellen bei der Pathogenese von CED steht im Fokus der einzelnen Projekte. Langfristiges Ziel der Wissenschaftler ist es, Medikamente zu entwickeln, die die Ursachen von Darmentzündungen gezielt bekämpfen und zugleich die Fähigkeit des Immunsystems zur Bekämpfung von Infekten und Krebszellen erhalten. Außerdem wird nach diagnostischen Verfahren gesucht, mit denen das Ansprechen auf Therapien vorhergesagt werden kann – ein Ziel, das nicht nur der schnellen Linderung der Symptome dient, sondern auch zur Senkung der Therapiekosten beitragen soll.

14 Projekte mit Erlanger Beteiligung

Das wissenschaftliche Programm des SFB/TRR 241 gliedert sich in drei Forschungsbereiche: Der Bereich A „Immunregulation intestinaler Barrierefunktionen“ umfasst Projekte, in denen die Effekte akuter und chronischer Entzündungen auf Epithelzellen liegt, speziell auf deren Zellhomöostase und barrierebildenden Funktionen. Im Bereich B „Epithel als Regulator von Immunität und Entzündung im Darm“ werden die Auswirkungen von Barrierestörungen und Antigentranslokationen auf das mukosale Immunsystem erforscht. Der Projektbereich C „Diagnose und therapeutische Intervention von CED“ zielt darauf ab, innovative therapeutische und diagnostische Ansätze zu entwickeln und klinisch zu evaluieren. Der SFB/TRR 241 umfasst insgesamt 22 Projekte, 14 davon in Erlangen oder unter Erlanger Mitwirkung. Beteiligt sind die Medizinische Klinik 1: Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie, die Medizinische Klinik 3: Rheumatologie und Immunologie, die Chirurgische Klinik, die Hautklinik sowie das Institut für Medizinische Biotechnologie. Mit den knapp sieben Millionen Euro, die die FAU in den kommenden vier Jahren erhält, werden unter anderem 23 Stellen und neun Stipendien finanziert. 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christoph Becker
Tel.: 09131 85-35886
christoph.becker@uk-erlangen.de
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29.05.2018- Innovative Ideen gesucht - Bewerbung für das Falling Walls Lab an der FAU ab sofort möglich
uni | mediendienst | aktuell Nr. 68/2018

Ein Rollstuhl, der über das Gehirn gesteuert wird, ein Computerprogramm, das krankheitsübertragende Moskitoarten erkennt, Biomarker zur frühzeitigen Eierstockkrebsdiagnose: Innovative Köpfe stellen ihre Ideen weltweit auf den Falling Walls Labs vor, die die Chance auf eine Teilnahme an der internationalen Falling Walls Konferenz in Berlin ermöglichen. Dieses Jahr wird eines von zwei Labs in Deutschland von der Digital Tech Academy der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) veranstaltet. Bis zum 15. Juni können sich Forscherinnen und Forscher, Studierende sowie Alumni aller Disziplinen bewerben.

Das Falling Walls Lab richtet sich an innovative Köpfe aller Disziplinen. Studierende, Forscherinnen und Forscher sowie Alumni von Universitäten und (Fach-) Hochschulen in Süddeutschland haben die Möglichkeit sich mit ihrer Idee oder ihrem Start-up über das Falling Walls Portal für eine Teilnahme zu bewerben. Ein Komitee der FAU wählt die Kandidatinnen und Kandidaten aus, die ihre Idee auf dem Falling Walls Erlangen-Nuremberg präsentieren dürfen. Die ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben dort jeweils drei Minuten Zeit, um auf drei Folien ihre Forschungsprojekte, Unternehmenskonzepte oder sozialen Initiativen vorzustellen und die Expertenjury zu überzeugen. Vertreterinnen und Vertreter der FAU und anderer Universitäten sowie namhafter Unternehmen Süddeutschlands entscheiden, wer als erste Siegerin oder erster Sieger im November am weltweiten Falling Walls Lab Finale in Berlin und an der Falling Walls Konferenz teilnimmt. Die drei Gewinnerinnen und Gewinner des Finales erhalten die Chance, ihre Idee auf der Falling Walls Konferenz vor internationalen Expertinnen und Experten zu präsentieren. Sie werden zudem als „Falling Walls Young Innovator of the Year“ ausgezeichnet und erhalten einen Geldpreis. Zu dem von der FAU veranstalteten Falling Walls Lab Erlangen-Nuremberg sind Vertreterinnen und Vertreter der Medien herzlich eingeladen. Dieses findet am Montag, 16. Juli, ab 14.00 Uhr in der Orangerie der FAU im Schlossgarten 1 in Erlangen statt. Anmelden können sich Interessiert unter http://falling-walls.com/lab/apply
Weitere Informationen zu den Falling Walls Labs finden Sie hier: http://www.falling-walls.com/lab/locations

Digitalisierung aktiv mitgestalten

Organisiert wird das Falling Walls Lab von der Digital Tech Academy der FAU. Die Digital Tech Academy bildet Studierende, Promovierende sowie Beschäftigte aus Wissenschaft und Wissenschaftsmanagement aller Disziplinen und Entwicklungsstufen im Bereich „Digital Entrepreneurship“ aus, wendet sich aber auch an die Wirtschaft. Lisa Wittenzellner weiß, dass die Digitalisierung in heutigen Geschäftsmodellen nicht mehr wegzudenken ist. „Ziel der FAU Digital Tech Academy ist deshalb, qualifizierte Menschen auf die unternehmerischen Herausforderungen der Digitalisierung vorzubereiten und sie methodisch zu innovativen TOP-Talenten auszubilden “, sagt die FAU-Mitarbeiterin. Zwei Säulen tragen die Digital Tech Academy: Digital Tech Fellows ist ein einjähriges extracurriculares englischsprachiges Programm zur Qualifizierung besonders talentierter Studierender. Digital Tech Inspire ergänzt die Entrepreneurship-Qualifizierung mit Lehrangeboten im Bereich Digitalisierung und Entrepreneurship. Zu den vermittelten Methoden gehören unter anderem Storytelling, Design Thinking und Innovation Games.   

Weitere Informationen zur Digital Tech Academy der FAU finden Sie hier: www.dta.fau.de
Weitere Informationen:
Lisa Wittenzellner
Tel.: 09131/85-25925
lisa.wittenzellner@fau.de

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28.05.2018 Wenn Teddy einen Gips braucht
uni | mediendienst | aktuell Nr. 67/2018

Das Teddybärkrankenhaus schlägt vom 4. bis 6. Juni 2018 seine Zelte im Schlossgarten auf und macht Stofftiere wieder kuschelfit

Hat Brummbär versehentlich einen Legostein verschluckt oder sich die Pfote in der Kinderküche verbrannt? Kein Problem! Ein Besuch im Teddybärkrankenhaus wird den Plüschpatienten wieder heilen. Denn die Teddydocs der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), die ihre temporäre Klinik, einen Rettungswagen und weitere Attraktionen im Erlanger Schlossgarten gleich hinter dem Kollegienhaus bereithalten, sind auf solche Fälle spezialisiert. Teddy-Sprechstunde ist von Montag, 4. Juni 2018, bis Mittwoch, 6. Juni 2018, jeweils von 9.00 bis 16.30 Uhr, am Dienstag gibt es eine Abendsprechstunde bis 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Ein Besuch im Teddybärkrankenhaus beginnt damit, die mitgebrachten Kuscheltiere anzumelden. Es folgt eine Anamnese: „Was ist denn passiert?“, fragen die Docs die Teddy-Mamas und -Papas. Dann werden die Plüschhasen und Puppen gewogen und vermessen – das kennen die Kinder selbst von Besuchen beim Arzt. Bauchschmerzen, Halsweh oder eine gebrochene Pfote werden anschließend fachmännisch versorgt. Es wird geröntgt, mit dem Ultraschall gearbeitet, es gibt eine Bandagier-Station und sogar einen Not-OP. Die Kinder erhalten dann noch ein Rezept für Medikamente, das sie in der integrierten Apotheke einlösen können.

Das Teddybärkrankenhaus, das nun schon zum 11. Mal stattfindet, vermittelt den Kindern spielerisch, wie ein Arztbesuch abläuft. Es nimmt ihnen damit mögliche Ängste und hilft dabei, Vertrauen zu Ärzten aufzubauen. Sie lernen außerdem viel über gesunde Ernährung und richtiges Zähneputzen. Aber auch die Teddydocs, die alle Studenten der Human- und der Zahnmedizin sind und die Aktion ehrenamtlich organisieren und veranstalten, profitieren: Sie lernen, auf die spezifischen Bedürfnisse und auch Sorgen von Kindern einzugehen. In den Vorjahren war die Veranstaltung immer ein voller Erfolg: 2017 haben 218 Teddydocs insgesamt 1.116 Kuscheltiere versorgt.

Weitere Informationen:
Katharina Deike
teddydocs.erlangen@gmail.com
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

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25.05.2018 Medizin, die Gesichter verändert und Lebensqualität steigert 20. Informationsveranstaltung des Erlanger Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-Zentrums
uni | mediendienst | aktuell Nr. 66/2018

Bereits zum 20. Mal findet am Samstag, 16. Juni 2018, das Symposium des Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-Zentrums (Sprecher: Prof. Dr. Lina Gölz, Prof. Dr. Dr. Marco Kesting) des Universitätsklinikums Erlangen statt. Ärzte und Logopäden werden in ausgewählten wissenschaftlichen und praxisnahen Vorträgen das Themengebiet der Lippen-Kiefer-Gaumenspalten erörtern. Die Experten beantworten außerdem Fragen von Patienten und deren Familien. Darüber hinaus bietet die Veranstaltung für Betroffene einen hervorragenden Rahmen, um sich untereinander auszutauschen und auch mit Vertretern der Selbsthilfevereinigung für Lippen-Gaumen-Fehlbildungen e. V. – Wolfgang-Rosenthal-Gesellschaft in Kontakt zu treten. Der Informationstag beginnt um 10.30 Uhr im Hörsaal II der Zahn-Mund-Kieferklinik, Glückstraße 11, in Erlangen und endet um 14.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
 
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten stellen mit einer Häufigkeit von einem betroffenen Neugeborenen auf 500 Geburten die häufigste Gesichtsfehlbildung dar. „Das Erlanger LKG-Zentrum blickt auf eine lange Tradition in der Behandlung von Patienten mit Spaltfehlbildungen zurück und bietet dank der engen interdisziplinären Vernetzung das gesamte Spektrum modernster Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten“, erklärt Prof. Gölz. Zu den beteiligten Fachdisziplinen gehören die Zahnklinik 3 – Kieferorthopädie (Direktorin: Prof. Dr. Lina Gölz), die Mund‑, Kiefer- und Gesichtschirurgische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. Marco Kesting), die Logopädie, die Phoniatrie und Pädaudiologie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro), das Universitäts-Perinatalzentrum Franken (Sprecher: Prof. Dr. Matthias Beckmann), die Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Rascher) und das Humangenetische Institut (Direktor: Prof. Dr. André Reis).
 
Ärzte und Mitarbeiter des LKG-Zentrums und der beteiligten Kliniken begleiten die Patienten und ihre Familien von der Diagnosestellung in der Schwangerschaft bis ins junge Erwachsenenalter. „Wir unterstützen unsere Patienten in jeder Therapiephase mit dem grundlegenden Ziel, die Ernährung und Sprechfähigkeit sowie das Gehör zu rehabilitieren und zu normalisieren. Im Fokus stehen außerdem ästhetische Korrekturen“, sagt Prof. Kesting. Kinder mit Spaltfehlbildungen sollen sich von Geburt an möglichst unbeeinträchtigt entwickeln können. „Da das Krankheitsbild sehr viele verschiedene Formen annehmen kann, sind Behandlungsabläufe schwer standardisierbar und müssen individuell festgelegt werden.“
 
Interessierte Patienten und Angehörige, die an der Veranstaltung teilnehmen möchten, können sich über das Sekretariat der MKG-Chirurgie bis zum 7. Juni 2018 anmelden.
 
Weitere Informationen:
 
Katrin Förster
Tel.: 09131 85-33616
mkg-chirurgie@uk-erlangen.de
 
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16.05.2018 Die eine Pille zu viel? – Autofahren und Medikamente
uni | mediendienst | forschung Nr. 37/2018

Bestimmte Medikamente sind ein Risiko für sicheres Autofahren – das ist bekannt und gut untersucht. Was hingegen weitaus unklarer ist: Welche negativen Wechselwirkungen entstehen, wenn mehrere Medikamente kombiniert werden – wie es vor allem bei älteren Menschen häufig der Fall ist? Genau diese Frage will ein Forscherteam des Instituts für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Zentrums für Altersmedizin des Klinikums Nürnbergs in der bundesweit bislang einzigartigen Studie „FahrMed“ in den kommenden sechs Monaten untersuchen.

„Die Einnahme dieses Medikaments kann das sichere Führen eines Kraftfahrzeugs beeinträchtigen.“ Diesen Satz hat wohl jeder schon einmal im Beipackzettel eines verordneten Medikaments gelesen. Die Tatsache, dass bestimmte Medikamente ein Risiko für das sichere Autofahren darstellen, ist nichts Neues. Weitaus weniger Klarheit herrscht dagegen darüber, welche negativen Wechselwirkungen aus der Kombination von mehreren Medikamenten – der sogenannten Polypharmazie – entstehen können. Bei bis zu vier eingenommenen Medikamenten liegt das Risiko für solch unerwünschte Nebenwirkungen bei etwa fünf Prozent, bei sechs verschiedenen Medikamenten liegt es bereits bei rund 20 Prozent und steigt ab sieben bis acht täglich eingenommenen Medikamenten auf über 30 Prozent.

Ältere Personen über 65 Jahre verwenden aufgrund der unterschiedlichsten Erkrankungen durchschnittlich vier bis sechs Präparate täglich, aber auch zehn bis 15 Medikamente sind keine Seltenheit. Ob diese Polypharmazie negative Folgen für die Fahrtüchtigkeit von Seniorinnen und Senioren hat, wollen Forscher des Instituts für Psychogerontologie der FAU unter der Leitung von Prof. Dr. Frieder R. Lang in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Altersmedizin des Klinikums Nürnberg unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. med. univ. Markus Gosch in einer Studie nachgehen.

Studienteilnehmer gesucht

Teilnehmen können aktive Autofahrerinnen und Autofahrer im Alter von 75 Jahren und älter, die täglich Medikamente einnehmen. Neben einer ausführlichen Untersuchung der zum sicheren Autofahren wichtigen Leistungsbereiche erhalten die Teilnehmer eine ausführliche ärztliche Beratung über ihre individuelle Medikation. Die Untersuchungsergebnisse werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt und für die Studie anonymisiert. Interessierte können unter Tel.: 0911 / 5302-95115 bzw. per Mail an ipg-bega@fau.de Kontakt mit den Forschern aufnehmen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Frieder Lang
FAU, Institut für Psychogerontologie
0911 / 5302-96115.
ipg-bega@fau.de

Univ.-Prof. Dr. med. univ. Markus Gosch (PMU Salzburg)
Klinikum Nürnberg
Tel.: 0911 / 398-2434
Markus.Gosch@klinikum-nuernberg.de

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14.05.2018 „Studienplatzklagen sind in anderen Fächern zu befürchten“
Preessenachnachricht der FAU

Hochschulrechtler Prof. Dr. Max-Emanuel Geis zu den Konsequenzen des NC-Urteils in der Medizin
Das 3. NC-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 19. Dezember 2017 erklärte wesentliche Komponenten des geltenden Zulassungsrechts im Fach Medizin für verfassungswidrig. Hintergrund dieses Gerichtsurteils zum Numerus Clausus war die Klage mehrerer Bewerberinnen und Bewerber um einen Studienplatz im Fach Medizin. Welche Konsequenzen sich aus diesem Urteil ergeben, ist Thema des Deutschen Hochschulrechtstag, der an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) stattfindet. Organisiert wird die Tagung von Prof. Dr. Max-Emanuel Geis, Lehrstuhl für Deutsches und Bayerisches Staats- und Verwaltungsrecht an der FAU sowie Direktor der Forschungsstelle für Wissenschafts- und Hochschulrecht am Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Öffentliches Recht an der FAU. Er war im aktuellen NC-Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht Prozessbevollmächtigter der Stiftung für Hochschulzulassung in Dortmund und von 14 Bundesländern. Im Interview erläutert Professor Geis mögliche Konsequenzen des NC-Urteils.

Prof. Geis, was für Schwierigkeiten und Herausforderungen stellen sich jetzt für den Gesetzgeber?

Das erste Problem ist schon, wer eigentlich „der Gesetzgeber“ ist, der jetzt in der Pflicht steht. Bislang beruht das Hochschulzulassungsrecht im Bereich der Medizin auf dem insoweit immer noch geltenden Hochschulrahmengesetz, das einen Staatsvertrag der Bundesländer vorsieht, den diese in ihrem Landeshochschulrecht umzusetzen haben. Seit der Föderalismusreform I von 2006 besitzt allerdings auch der Bund nach Art. 74 Abs. 1 Zf. 33 GG eine konkurrierende Gesetzgebungs-kompetenz für eine (bundesweit einheitliche) Regelung der Hochschulzulassung, von der er allerdings bislang keinen Gebrauch gemacht hat. Derzeit ist nicht ersichtlich, ob er das überhaupt erwägt.

Damit bleibt der Ball im Spielfeld der Länder. Die große Herausforderung liegt weniger darin, verfassungskonforme Kriterien neu zu erfinden, da in vielen Bundesländern taugliche Systeme seit Langem praktiziert werden. Spannend ist hingegen, ob es innerhalb der vom Bundesverfassungsgericht gegebenen Frist bis Ende 2019 gelingt, sich auf einen gemeinsamen Katalog zu einigen – die Kultusministerkonferenz gehört bekanntlich nicht zu den schnellsten Lokomotiven der Politik – und den vom Gericht als unabdingbar vorausgesetzten, aber in der Praxis hochkomplexen IT-Einsatz rechtzeitig für das Massenverfahren tauglich zu machen.


Das Urteil gilt für die Medizin, doch gibt es viele weitere NC-beschränkte Fächer. Wird es auch da zu Gesetzesänderungen kommen?


Das Urteil gilt zwar de jure nur im Bereich der (Human-) Medizin. Die Fragen sind jedoch nicht auf die Medizin beschränkt, sondern gelten für alle Bereiche, in denen der kapazitären Verfügbarkeit von Studienplätzen eine höhere Anzahl an Bewerbungen gegenübersteht. In diesem Fall sind Beschränkungen des grundrechtlichen Anspruchs auf die Freiheit der Ausbildung und die freie Wahl der Ausbildungsstätte (Art. 12 Abs. 1 GG) unumgänglich. Da allerdings zu befürchten ist, dass die Länder zunächst im geltenden System verharren werden, wird es irgendwann auch in anderen Fächern zu entsprechenden Studienplatzklagen kommen. Solche sind insbesondere BWL, Psychologie und weitere Fächer, in denen ein strenger Numerus Clausus herrscht. Auch andere medizinische Fächer (insb. die Zahnmedizin) sind natürlich Kandidaten, wobei in solchen die Frage von Eignungstests und Auswahlgesprächen durchaus anders zu bewerten sein kann.


Welche Bedingungen müssen Alternativkriterien erfüllen, damit diese gesetzeskonform sind?

Zum einen: Das Bundesverfassungsgericht hat die Abiturnote als maßgebliches Kriterium nicht verworfen, sondern nur weitere Forderungen hinsichtlich der Vergleichbarkeit aufgestellt. Hier stecken allerdings Tücken im Detail: Eine Bildung von Länderquoten wie in allgemeinen Auswahlverfahren ist in den Auswahlverfahren der Hochschulen wegen der viel geringeren Studienplatzzahl nicht praktikabel und können zu reinen Zufallstreffern führen. Hier müssen andere Mechanismen gefunden werden.

Zum zweiten: Im Auswahlverfahren an den Hochschulen fordert das Gericht neben der Abiturnote mindestens ein weiteres notenunabhängiges Kriterium wie standardisierte Eignungstests oder Auswahlgespräche. Letztere müssen normiert und strukturiert sein, um subjektive Bevorzugungen oder Benachteiligungen möglichst auszuschließen. Auch die Frage der Zeitkapazität für die Auswahlverfahren spielt dabei sicherlich eine Rolle, wenn eine medizinische Fakultät nicht durch wochenlange Gesprächsrunden lahmgelegt werden soll. Freilich darf auch nicht übersehen werden, dass an den meisten Universitäten diese Anforderungen schon heute erfüllt werden: Lediglich im Staatsvertrag hat dies noch keinen adäquaten Niederschlag gefunden. Das Gericht hat aber weder verlangt, das bundesweit bzw. innerhalb der Länder zwingend einheitliche Kriterien aufgestellt werden. Jede Fakultät könnte also die Frage der notenunabhängigen Auswahlkriterien individuell regeln. Wichtig ist nur, dass die möglichen Kriterien im Hochschulrecht in einem Auswahlkatalog normiert sind; eine freie Schöpfung allein durch die Hochschule oder Fakultät ist nicht möglich.

Zum dritten hält das Gericht eine Wartezeit, die „dritte Säule“ des Zulassungssystems, von mehr als vier Jahren für verfassungswidrig, wobei diese Aussage eher dezisionistisch daherkommt (das gehört auch zu den dogmatisch schwächsten Passagen des Urteils). Doch lässt das Gericht auch recht eindeutig durchblicken, dass die Wartezeitregelung von Verfassungs wegen weder zwingend geboten noch unzulässig ist. Sie könnte in einem novellierten Zulassungssystem also auch entfallen und die frei werdende Quote auf die anderen beiden Quoten verteilt werden. Dies wird derzeit stark diskutiert.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Max-Emanuel Geis
Tel.: 09131/22818
Max-Emanuel.Geis@fau.de

Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auf unserer Rubrik "Nachgefragt" vorbei - dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/       


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14.05.2018 Das schwache Herz - Patientenkongress zum Europäischen Tag der Herzschwäche
uni | mediendienst | aktuell Nr. 63/2018

Ursache und Therapiemöglichkeiten der Herzinsuffizienz: Zu dieser Informationsveranstaltung lädt das Universitäts-Herzzentrum Erlangen des Universitätsklinikums Erlangen im Rahmen des Europäischen Tags der Herzschwäche (Heart Failure Awareness Day) ein. Experten der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Stephan Achenbach) und der Herzchirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Weyand) referieren am Dienstag, 15. Mai 2018, ab 18.00 Uhr in den Hörsälen Medizin, Ulmenweg 18, rund um das Thema Herzschwäche. Der Eintritt ist frei.

Die Themen des Patientenkongresses sind Ursachen und Therapie der Herzschwäche, der aktuelle Stand zu Herztransplantation und Kunstherz sowie Sport und Lebensführung bei Herzschwäche. Ende der Veranstaltung ist gegen 20.00 Uhr.

Herzschwäche – eine unbekannte Erkrankung

Bei einer Herzschwäche pumpt das Herz nicht mehr richtig und kann deshalb Körper und Organe nur unzureichend mit Blut sowie Sauerstoff versorgen. Typische Symptome sind Luftnot, Erschöpfung, Wassereinlagerungen und Rhythmusstörungen. Obwohl die Herzinsuffizienz die häufigste Ursache für eine Krankenhauseinweisung in Deutschland ist, ist die Krankheit nur wenig im öffentlichen Bewusstsein. Um die Bevölkerung besser darüber zu informieren, Symptome, Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten bekannt zu machen und, wo möglich, der Erkrankung vorzubeugen, wurde der Europäische Tag der Herzschwäche ins Leben gerufen, welcher dieses Jahr zum achten Mal stattfindet. Bundesweit werden in Zusammenarbeit mit vielen Kliniken und der Deutschen Herzstiftung e. V. unter Koordination des Kompetenznetzes Herzinsuffizienz und des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz zahlreiche Veranstaltungen angeboten. Weitere Informationen zum Programm des Universitäts-Herzzentrums Erlangen: www.medizin2.uk-erlangen.de

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Stephan Achenbach, Tel.: 09131 85-35301, E-Mail:  med2-info@uk-erlangen.de


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09.05.2018 Die eine Pille zu viel? – Autofahren und Medikamente (FahrMed
uni | mediendienst | aktuell Nr. 59/2018

Alternsforscher untersuchen Wirkung von Mehrfachmedikation auf ältere Autofahrer – Einladung zum Pressegespräch

Bestimmte Medikamente sind ein Risiko für sicheres Autofahren – das ist bekannt und gut untersucht. Was hingegen weitaus unklarer ist: Welche negativen Wechselwirkungen entstehen, wenn mehrere Medikamente kombiniert werden wie es vor allem bei älteren Menschen häufig der Fall ist? Genau diese Frage will ein Forscherteam des Instituts für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Zentrums für Altersmedizin des Klinikums Nürnbergs in einer bundesweit bislang einzigartigen Studie untersuchen.

Am Mittwoch, 16. Mai, laden die Wissenschaftler zu einem Pressegespräch ein
um 14:00 Uhr
im Zentrum für Altersmedizin,
Klinikum Nürnberg Standort Nord
Haus 10 EG rechts, Zi. 77, Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1, 90419 Nürnberg.

Als Gesprächspartner sind vor Ort:

Prof. Dr. Frieder Lang, Institut für Psychogerontologie der FAU
Univ.-Prof. Dr. med. univ. Markus Gosch , Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, im Klinikum Nürnberg

Bitte geben Sie uns bis 14. Mai unter ipg-bega@fau.de Bescheid, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen.

Informationsveranstaltung für potenzielle Teilnehmer am 16. Mai von 14:30 bis 16:00 Uhr

Im Anschluss an das Pressegespräch laden die Studienleiter Interessierte sowie potenzielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer von 14.30 Uhr bis 16.00 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ein, in der sie das Projekt vorstellen. An der Studie teilnehmen können aktive Autofahrerinnen und Autofahrer im Alter von 75 Jahren und älter, die täglich Medikamente einnehmen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Frieder Lang
Tel.: 0911 / 5302-95115
ipg-bega@fau.de
 
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09.05.2018 Schwerpunkt Digitalisierung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Mehr als zwei Drittel der über 16-Jährigen nutzen heute das Internet und Onlineplattformen zur Beschaffung gesundheitsrelevanter Informationen. Neben der Informationsflut entwickeln sich auch die Technologien in der Medizin weiter“, schreibt Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer in der Maiausgabe 2018 des Bayerischen Ärzteblattes. Bereits heute falle es schwer die Übersicht zu behalten. Doch: Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie sei nach wie vor der erstmalige persönliche Arzt-Patienten-Kontakt. Bisher durfte eine Videosprechstunde bundesweit nur bei bekannten Patienten durchgeführt werden. Da-mit ist die ausschließliche Fernbehandlung nach § 7 Abs. 4 der (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärzte berufsrechtlich untersagt. In Baden-Württemberg kann die ärztliche Behandlung – ausschließlich über Kommunikationsnetze – nach einer Genehmigung durch die Landesärztekammer für Modellprojekte gestattet werden.

Auf dem 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt werden wir das Thema diskutieren. „Wir sehen vor allem die Notwendigkeit einer Digitalisierungsstrategie, die unter anderem ethische Grundlagen zum Umgang mit neuem Wissen und Methoden schafft, die Rolle digitaler Methoden in der Gesundheitsversorgung sowie Grundsätze des Datenschutzes definiert und Antworten auf offene Finanzierungsfragen bietet“, schreibt Rechl. Und weiter: „Als not-wendig erachten wir auch die Einführung eines bundeseinheitlichen Güte-siegels von sogenannten Gesundheits-Apps, das zum Schutz der Patienten Datensicherheit und Datenzuverlässigkeit gewährleisten soll. Digitale Gesundheitsanwendungen sollten analysiert und im Hinblick auf Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und medizinische Qualität bewertet werden“.

Hinsichtlich des Themas Fernbehandlung schaut auch Vize Rechl gespannt nach Erfurt. So sei denkbar, dass eine ausschließliche Beratung oder Behandlung auf Facharztniveau über elektronische Kommunikati-onsmedien erlaubt werde, wenn dies im Einzelfall ärztlich vertretbar sei. Voraussetzung dabei müsse jedoch sein, dass der Patient über die „Besonderheiten“ einer reinen Onlinebehandlung aufgeklärt werde, die Onlinebehandlung eine unmittelbare ärztliche Behandlung nicht ersetze und der Arzt alle Befunde und Behandlungen sorgfältig dokumentiere.

Mehr zu „Schwerpunkt Digitalisierung“ lesen Sie in der Ausgabe 5/2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

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08.05.2018 121. Deutscher Ärztetag in Erfurt eröffnet
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin, 08.05.2018 - Mit Kritik in der Sache, aber auch mit einem klaren Bekenntnis zur konstruktiven Zusammenarbeit mit der Politik, hatheute Bundesärztekammerpräsident Prof. Dr. Frank Ulrich
Montgomery den 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt eröffnet.
Montgomery betonte die Bereitschaft der Ärzteschaft, bei den anstehenden Reformen Verantwortung zu übernehmen undreklamierte eine Beteiligung der Ärzteschaft an den vorgesehenen Expertenkommissionen zur Sektorenübergreifenden Versorgung sowie zu Gebührenordnungsfragen. „Wir brauchen hier die Expertise derjenigen, die im Gesundheitswesen tätig sind. Gemeinsam mit der
Politik können wir viel bewegen“, sagte Montgomery in seiner Eröffnungsrede vor rund 1.000 Delegierten und Gästen des Ärztetages.
Der Bundesärztekammerpräsident begrüßte die von derBundesregierung geplanten Maßnahmen zur Verbesserung derPersonalsituation in der Pflege, insbesondere die vorgesehene Refinanzierung von Tarifsteigerungen. Dieser Schritt sei jedoch nicht nur für die Pflege dringend erforderlich, sondern für alle Beschäftigten in den Kliniken, auch für die „jungen Ärztinnen und Ärzte, die unter die arzt-spezifischen Tarifverträge fallen“, stellte Montgomery klar.
Angesichts des Fachkräftemangels müsse ein so reiches Land wie Deutschland mehr unternehmen, damit die Berufe im Gesundheitswesen wieder attraktiver werden.
Deutliche Kritik äußerte Montgomery an den geplanten Reformmaßnahmen im ambulanten Bereich. Mit Blick auf die vorgesehene Erhöhung der Pflichtsprechstundenzahl erinnerte er an die ohnehin schon enorme Arbeitsbelastung der Vertragsärzte in einem budgetierten System. Wenn die Politik steuernd eingreifen wolle, sollte sie sich fragen, ob sie ausschließlich beim Arzt ansetzen sollte.

Mit Blick auf die nach wie vor ungelösten Probleme in den häufig völlig überlasteten Notfallambulanzen forderte der BÄK-Präsident: „Man muss die Patienten steuern, damit das knapp gewordene Gut ‚Arztstunden‘ denen zugutekommt, die es wirklich benötigen.“ Das jüngst verabschiedete Notfallkonzept des Gemeinsamen Bundesausschusses bringe jedoch weder mehr Ärzte, noch mehr Kapazitäten für notleidende Patienten.
Montgomery erneuerte seine Forderung an die Bundesländer, zusätzliche Studienplätze in der Humanmedizin zu finanzieren. „Arztstunden, ja Ärzte insgesamt sind knapp geworden.“ Es sei auch kein Ausweg, Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen, um Versorgungslücken zu schließen. „Diese Kollegen sind uns sehr willkommen“, stellte er klar. Sie fehlten aber in ihren Herkunftsländern, außerdem müsse für eine Tätigkeit in Deutschland neben der Sprachprüfung auch eine intensive Prüfung der medizinischen Kenntnisse erfolgen. Der Deutsche Ärztetag werde die Forderung diskutieren, dass alle Ärztinnen und Ärzte aus Drittstaaten für eine Tätigkeit in Deutschland ein deutsches Staatsexamen ablegen müssen, kündigte er an. Der Patientenschutz gebiete Qualitätsnachweise zum Kenntnisstand.
Ein weiteres Thema, das in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv diskutiert wurde, ist der Umgang mit dem Paragraphen 219a (Verbot von Werbung für Abtreibungen). Montgomery warnte vor einer erneuten Grundsatzdebatte über Abtreibung und sprach sich stattdessen für pragmatische Lösungen aus. Denkbar sei ein leicht zugängliches Internetportal, betrieben von einer unabhängigen Institution im gesetzlichem Auftrag, über das sich Frauen über den Eingriff als solchen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Beratungsinstanzen und auch über die Ärztinnen und Ärzte
informieren können, die den Eingriff vornehmen. „Hilfe für Menschen in Not: Das muss unser Ziel sein“, sagte der BÄK-Präsident.
Mit besonderer Spannung erwartet werden die Ärztetagsberatungen zur ausschließlichen Fernbehandlung. Der letztjährige Deutsche Ärztetag hatte der Bundesärztekammer einen Prüfauftrag für eine mögliche Änderung der (Muster-)Berufsordnung erteilt. „Wenn nicht wir diese Behandlungsform gestalten, wird sie wohl dennoch zu uns kommen“, sagte Montgomery mit Blick auf entsprechende Angebote zur Fernbehandlung aus dem Ausland. Er forderte in diesem Regelungsbereich ein Vorgehen mit „Augenmaß“, bei dem Patientensicherheit, Datenschutz, aber auch die rechtliche Sicherheit des Arztes gewährleistet sind.
Die 250 Abgeordneten des Deutschen Ärztetages befassen sich bis Freitag mit gesundheits-, berufs- und sozialpolitischen Themen. Dabei wird neben der Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung und der Gebührenordnung für Ärzte die Versorgung psychisch kranker Menschen beraten. „Die Abgeordneten werden sich gemeinsam mit namhaften Referenten den Möglichkeiten ärztlicher Psychotherapie im Hinblick auf Diagnostik, Therapie und Prävention widmen und Versorgungskonzepte diskutieren“, kündigte der BÄK-Präsident an.
Folgen Sie der Bundesärztekammer und dem Deutschen Ärztetag unter #daet2018 auch auf Twitter und halten Sie sich über die Diskussionen auf dem Laufenden.
Druckfähige Fotos von der Eröffnungsveranstaltung stehen am 8. Mai 2018 ab ca. 15.00 Uhr unter www.aerzteblatt.de/bildservice zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Pressemitteilung der Bundesärztekammer
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Die Rede von Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery zur Eröffnung finden Sie unter:

http://www.bundesaerztekammer.de/aerztetag/121-deutscher-aerztetag-2018/eroeffnungsrede-prof-montgomery/

Pressemitteilung
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08.05.2018 Wissenschaft auf AEG: Warum unsere Vorstellungen vom Älterwerden dazu beitragen, wie gesund wir älter werden und wie lange wir leben
FAU: Meldungen und Termine

Viele Menschen können heutzutage erwarten, dass sie ein hohes Alter erreichen werden. Dies geht meist mit dem Wunsch einher, bei möglichst guter Gesundheit alt zu werden. Die Gene tragen nur zu rund einem Viertel dazu bei, wie gesund Menschen sind, während der Lebensstil eine viel größere Rolle für die Gesundheit spielt. Wie Menschen leben und was sie für ihre Gesundheit tun, ist mit dadurch bestimmt, welche Vorstellungen sie vom Älterwerden haben. Erwarte ich zunehmende Verluste, habe ich weiterhin viele Pläne? Der Vortrag von Prof. Dr. Susanne Wurm, Lehrstuhl für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), am 14. Mai auf dem Energie Campus Nürnberg stellt die Rolle von solchen Altersbildern für die Gesundheit vor und erläutert, wie man seinen eigenen negativen Altersstereotypen auf die Schliche kommen kann – der Gesundheit zuliebe.

Der Vortrag ist Teil der Vortragsreihe „Wissenschaft auf AEG“. Weitere Informationen und Termine zu der Reihe gibt es unter

https://www.fau.de/universitaet/das-ist-die-fau/veranstaltungen/wissenschaft-auf-aeg/.


Informationen:

Dr. Sebastian Teichert, Tel. 09131/85-26337, sebastian.teichert@fau.de
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08.05.2018 Presseeinladung: 13. Deutscher Hochschulrechtstag 2018 - Über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Numerus Clausus im Fach Medizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 58/2018

Am 15. Mai steht auf dem Deutschen Hochschulrechtstag, der dieses Jahr von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) veranstaltet wird, das 3. NC-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 19. Dezember 2017 auf der Tagungsagenda. Dieses erklärte wesentliche Komponenten des geltenden Zulassungsrechts im Fach Medizin für verfassungswidrig. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen werden auf dem Deutschen Hochschulrechtstag erörtert.
Dazu laden wir Vertreterinnen und Vertreter der Medien herzlich ein:

Dienstag, 15. Mai, ab 11 Uhr,
in der Orangerie der FAU, Schlossgarten 1, 91054 Erlangen

Hintergrund des Gerichtsurteils zum Numerus Clausus war die Klage mehrerer Bewerberinnen und Bewerber um einen Studienplatz im Fach Medizin. Für die Umsetzung seiner Rüge hat das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber eine Frist bis Ende 2019 eingeräumt. Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Urteil? Wie sind zukünftig rechtskonforme Auswahlkriterien zu gestalten? Hat das Urteil auch für andere kapazitätsbegrenzte Studienfächer Wirkung? Diese und weitere Fragen werden von Referentinnen und Referenten aus verschiedenen Blickwinkeln erörtert. In zwei Diskussionsrunden erhält auch das Publikum Gelegenheit zur Teilnahme.

Das Tagungsprogramm finden Sie unter:
http://www.hochschulrechtstag.de/downloads/files/ProgrammHRT2018.pdf
Bitte teilen Sie uns bis 14. Mai per E-Mail an max-emanuel.geis@fau.de mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen.
Weitere Informationen:
Ingrid Mümmler, Tel.: 09131/85-29373, max-emanuel.geis@fau.de

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02.05.2018 Neue Hoffnung für Patienten mit Depressionen und Angst
uni | mediendienst | forschung Nr. 30/2018

FAU-Forscher entdecken starken Zusammenhang von Depressionen und Angsterkrankungen mit einer chronischen Erkrankung der Schilddrüse
Es besteht ein starker Zusammenhang von Depressionen und Angsterkrankungen mit der Autoimmunthyreoiditis (AIT), einer chronischen Erkrankung der Schilddrüse, die etwa 10 Prozent der Bevölkerung betrifft. Eine spezielle Therapie könnte vielen Betroffenen – vor allem Frauen – helfen. Dies haben Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) nachgewiesen. Die Ergebnisse wurden nun im international führenden Psychiatriemagazin „JAMA Psychiatry“ der American Medical Association veröffentlicht.*

Depressionen und Angststörungen zählen weltweit zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Allein in Deutschland wurden – nach Angaben des Statistischen Bundesamts – im Jahr 2016 mehr als 260.000 Patientinnen und Patienten aufgrund einer Depression vollstationär im Krankenhaus behandelt.

Selbst zahlreiche Fälle untersucht

Einen starken Zusammenhang von Depression und Angsterkrankungen mit der Autoimmunthyreoiditis (AIT) hat Dr. Teja Wolfgang Grömer, niedergelassener Arzt in Bamberg und Privatdozent am Lehrstuhl für Psychiatrie und Psychotherapie der FAU, unterstützt durch Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Johannes Kornhuber und Wissenschaftlern der Psychiatrischen Klinik der Universität Bonn nun nachgewiesen. „Ich habe in meiner Sprechstunde inzwischen viele hundert Menschen mit Depression und Angst gesehen“, berichtet der Psychiater und ehemalige Max-Planck-Forscher. „Ende 2015 fiel mir der starke Zusammenhang zwischen AIT und den beiden Krankheiten, insbesondere wenn beide vorliegen, auf. Ich plante eine Forschungsarbeit, da es bei mehr als jedem zweiten Fall von Angst und Depression – und nur in diesen Fällen, nicht bei anderen Erkrankungen – zu einem positiven Antikörpernachweis kam.“ Daraufhin erarbeitete der Forscher mit Unterstützung einer Studentin im Fach Psychologie an der Universität Bamberg, Eva-Maria Siegmann, und den Mitautoren eine systematische Übersichtsarbeit zum gegenwärtigen Forschungsstand und berechnete auch statistisch die Stärke des Zusammenhangs. Für seine Metastudie kombinierte der Psychiater 21 voneinander unabhängige Studien mit insgesamt 36.174 Teilnehmern. Davon litten 35.168 an Depressionen, 34.094 an Angsterkrankungen.

Erstdiagnose von Autoimmunthyreoiditidis

„Die meisten Patienten zeigten sich durch die Stellung der Diagnose befreit“, betont Dr. Grömer, „denn oft hatten sie vorher keine Erklärung für ihr Krankheitsbild.“ Bei einer Autoimmunthyreoiditidis kommt es zu einer anhaltenden Entzündung der Schilddrüse, deren Hormone sowohl den Stoffwechsel und zellulären Energiehaushalt als auch die gefühlte Energie und die Psyche beeinflussen. AIT führt bei Betroffenen zu spezifischen psychischen Symptomen, unter anderem innerer Unruhe, Anspannung und Erschöpfung. Meist erkranken Menschen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. Da der Beginn der Erkrankung oft mit den Wechseljahren zusammenfällt und normalerweise keine Schmerzen verursacht, wird die Schilddrüsenentzündung jedoch leicht übersehen oder als „Wechseljahrsbeschwerden“ oder eben als reine Depression oder Angst fehlgedeutet.

Große Zahl von Betroffenen

Tatsächlich zeigte sich in der Berechnung, dass das Risiko für einen Patienten mit AIT für eine Depression 3,5-fach erhöht ist, bei der Diagnose Angst 2,3-fach. Dies klingt zunächst moderat, da alle drei Erkrankungen aber sehr häufig sind, ergibt sich daraus, dass mehr als 40 Prozent der Depressionen und 30 Prozent der Angsterkrankungen bei Patienten mit AIT vorkommen. In seinem Artikel beschreibt Dr. Grömer ausführlich ein Modell der Erkrankung.

Erkennt der behandelnde Arzt die Zusammenhänge, so wird im Artikel anhand umfassender Literaturrecherche beschrieben, kann er eine spezielle Therapie anwenden und frühzeitig gewichtsneutrale Antidepressiva sowie das Spurenelement Selen zur Behandlung einsetzen. Wesentlich ist auch die umfassende Information der Patienten. Dr. Grömer empfiehlt daher, bei allen Patienten mit Depression und Angst ein Screening für AIT mit der Bestimmung von Antikörpern durchzuführen. Darüber hinaus müssten in künftigen psychiatrischen Forschungsarbeiten zu Depression oder Angst die AIT-Erkrankten eine eigene Gruppe darstellen, um die Zusammenhänge noch näher zu beleuchten.

*doi:10.1001/jamapsychiatry.2018.0190

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PD Dr. med. Teja Wolfgang Grömer
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30.04.2018 Brücken schlagen zwischen Forschung und Versorgung - Prof. Dr. Holger Hackstein ist der neue Leiter der Erlanger Transfusionsmedizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 55/2018

Neue Aufgaben für ihn und frische Impulse für das Universitätsklinikum Erlangen: Prof. Dr. Holger Hackstein übernahm jetzt die Leitung der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung. Er löst Prof. Dr. Reinhold Eckstein ab, der der Abteilung 26 Jahre lang vorstand. Prof. Hackstein prägte zuvor maßgeblich die Entwicklung der Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg – zuletzt als stellvertretender Direktor. Am Uni-Klinikum Erlangen legt er seinen Schwerpunkt auf die Verzahnung von Patientenversorgung und Forschung sowie auf den Ausbau der Blutspende. Sein Ziel: die Selbstversorgung des Uni-Klinikums Erlangen mit Blutprodukten.

Selbst die modernste Spitzenmedizin kommt heute nicht ohne Blut aus. Vor allem in Krankenhäusern wie dem Uni-Klinikum Erlangen, wo große Herz- und Tumoroperationen sowie Chemo- und Strahlentherapien an der Tagesordnung sind, ist der Bedarf an Blutbestandteilen für die Patienten enorm. Eine lückenlose Versorgung durch die Transfusionsmediziner ist daher unverzichtbar. In seinem neuen Amt möchte Prof. Hackstein vor allem interne Brücken schlagen: „Indem wir unsere Patientenversorgung und Forschung einander näherbringen, beschleunigen wir den Wissenstransfer zugunsten unserer Patienten und Mitarbeiter“ betont er. „Die Verknüpfung dieser beiden Seiten ist eine der größten Herausforderungen an die moderne Medizin. Ich freue mich, diese Aufgabe in Erlangen anzugehen.“

Prozessoptimierung in der Gerinnungsambulanz

Die meisten Patienten bekommen von der Arbeit der Transfusionsmediziner wenig mit – und doch sind die Blut- und Gerinnungsexperten bei jeder Operation und vielen Immuntherapieverfahren direkt beteiligt. In der Gerinnungsambulanz helfen sie außerdem Menschen mit angeborenen Gerinnungsstörungen oder einer Thromboseneigung. „Unsere Gerinnungssprechstunde wird in Zukunft weiter ausgebaut“, sagt Holger Hackstein. „Wir werden die Wartezeiten verkürzen, mehr Räumlichkeiten anbieten und die Terminvergabe optimieren.“
 
Die Blutspende auf eigenen Beinen

Ein ebenfalls unersetzlicher Baustein ist die Blutspende. Ob Vollblut- oder Spezialspende, bei der nur einzelne Blutbestandteile wie Erythrozyten, Plasma oder Thrombozyten gewonnen werden – am Uni-Klinikum Erlangen sorgen die Transfusionsmediziner für eine sofortige Bereitstellung sowie für die Aufbereitung und Lagerung der kostbaren Produkte. „Aktuell ist unser Bedarf so hoch, dass wir derzeit noch Blutprodukte hinzukaufen müssen“, erklärt Prof. Hackstein. Eines seiner größten Projekte ist deshalb der Ausbau der Blutspende, vor allem im Hinblick auf die weitere Entwicklung: „Durch den demografischen Wandel sind immer weniger Menschen spendefähig, während die Nachfrage nach Blutkonserven steigt. Einen wichtigen ersten Schritt gehen wir mit einem bereits bewilligten Neubau. Dort haben wir deutlich mehr Platz als aktuell in der Schillerstraße und können noch mehr Spender gleichzeitig empfangen. Langfristig strebe ich eine Selbstversorgung des Uni-Klinikums Erlangen an – also die Bereitstellung aller benötigten Blutbestandteile ohne hinzukaufen zu müssen. Ein anspruchsvolles Ziel, das aber nicht unmöglich ist.“

Neue Ansätze und Räume für die Forschung

Auch der Forschungsbereich erhält bald neue Räumlichkeiten: Die Labors und Arbeitsplätze für die Transfusionsmedizin im Translational Research Center sind jetzt bezugsbereit. Die Stellenausschreibungen für Forschungsgruppen laufen. „Die Erlanger Transfusionsmedizin ist bereits eine der führenden deutschen Einrichtungen auf ihrem Gebiet. Um diese Rolle auch in Zukunft zu sichern, müssen wir uns wissenschaftlich stärker engagieren“, erklärt Prof. Hackstein. „Ich lege viel Wert auf zukunftsweisende Ideen, die interdisziplinär mit weiteren klinischen Einrichtungen verknüpft sind. Außerdem müssen die Ansätze translational, also schnell in die Klinik überführbar sein.“ Er selbst wirkte am Uni-Klinikum Gießen und Marburg an der Entwicklung einer neuen Therapieform mit: Bei der Miniphotopherese werden Medikamente im Blut durch UV-Licht aktiviert. „In dieser neuen Form eignet sich das Immuntherapieverfahren auch für knochenmarkstransplantierte Kinder und Jugendliche, denen mit herkömmlichen Verfahren nicht geholfen werden kann. Die Behandlung ist deutschlandweit stark nachgefragt und ich möchte sie unseren Patienten möglichst bald auch in Erlangen anbieten können.“

Entwicklungspotenzial erkennen und ausschöpfen

Bevor Prof. Hackstein die Erlanger Transfusionsmedizin und den zugehörigen Lehrstuhl an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg übernahm, begleitete er zunächst als leitender Oberarzt, später als stellvertretender Direktor der Transfusionsmedizin, die Fusion der beiden Uni-Kliniken Gießen und Marburg. So bekam er die Möglichkeit, aktiv den Ausbau der Einrichtung mitzuprägen. Zuvor arbeite Holger Hackstein zweieinhalb Jahre lang am Thomas E. Starzl Transplantation Institute der University of Pittsburgh, USA, und leitete das Gießener Stammzelllabor. Seine experimentellen Arbeiten zur funktionellen Modulation dendritischer Zellen des Immunsystems sind mit renommierten Preisen verschiedener Fachgesellschaften, unter anderem mit dem Rudolf-Pichlmayr-Preis der Deutschen Transplantationsgesellschaft, ausgezeichnet worden. Zusätzlich absolvierte er ein betriebswirtschaftliches Studium, das er mit einem „Master of Business Administration“ abschloss.


Weitere Informationen:
Prof. Dr. Holger Hackstein
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30.04.2018 Besser gerüstet im Kampf gegen Lungenkrebs
uni | mediendienst | forschung Nr. 29/2018

FAU-Wissenschaftler entdecken neuen Ansatz für die Therapie von Lungenkrebs
Lungenkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland, sowohl Männer wie auch Frauen erkranken daran. Doch Immuntherapien sind nur in 20 Prozent der Fälle erfolgreich. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben eine spezielle Schaltstelle entdeckt, die das Tumorwachstum bei Lungenkrebs reguliert. Dies eröffnet neue Möglichkeiten bei der Behandlung von Lungenkrebspatienten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Oncoimmunology veröffentlicht.*
Das Immunsystem bekämpft nicht nur Krankheitserreger, sondern ist auch fähig, krankhaft veränderte Zellen zu erkennen und zu beseitigen. „Manchmal antwortet das Immunsystem auf den Lungenkrebs, manchmal versagt die körpereigene Immunabwehr – und der Krebs gewinnt“, sagt Prof. Dr. Susetta Finotto, Leiterin der Molekular-Pneumologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. Warum bei Lungentumorpatienten die Immunantwort ausgeschaltet ist, ist bislang nicht hinreichend erforscht.
Auf Tumorzellen reagiert der Körper normalerweise mit einer Immunantwort. Zur Tumorabwehr trägt dabei ein wichtiges Signalmolekül bei, der sogenannte Transkriptionsfaktor T-bet, wobei T-Helferzellen der Gruppe 1 (Th1-Zellen) und CD8 T-Zellen (die Tumorzellen bekämpfen) gebildet werden. Fehlt in Immunzellen T-bet, wächst der Lungentumor. Dies hat das Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Susetta Finotto bereits in früheren Untersuchungen nachgewiesen.

In einer aktuellen Studie untersuchte nun Dr. Katharina Kachler im Rahmen ihrer Dissertation im Team von Prof. Susetta Finotto die Rolle von sogenannten T-reg-Zellen bei Lungenkrebs genauer. Durchgeführt wurde die translationale Studie in Kooperation mit Dr. Denis Trufa und Prof. Dr. Horia Sirbu, beide von der Thoraxchirurgischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen.

T-reg-Zellen sind bei der Regulierung des Immunsystems von besonderer Bedeutung. Während T-reg-Zellen bei der Verhinderung von Entzündungsreaktionen der Lunge eine wichtige Rolle spielen, ist ihre Funktion bei Lungenkarzinomen unzureichend untersucht. Bisherige Untersuchungen zeigten jedoch, dass T-reg-Zellen die Anti-Tumor-Antwort des Körpers unterdrücken und somit das Tumorwachstum fördern.

Nun fanden die Forscher heraus, dass der Lungentumor in der Lage ist, die Immunantwort umzuprogrammieren: Er produziert den Botenstoff TGF-beta, – ein Protein, dass das Zellwachstum reguliert – und induziert in der Umgebung T-reg-Zellen. Dies bedeutet, dass Zellen nicht gegen den Krebs aktiv werden, sondern umgekehrt das Tumorwachstum gefördert wird. „Es werden genau die Th1-Zellen mit T-bet ausgeschaltet, die für die Anti-Tumor-Immunabwehr zuständig sind“, sagt Prof. Susetta Finotto.

„Diese neu identifizierte TGF-beta-abhängige Schaltstelle bei Lungenkrebs hat eine wichtige Bedeutung für die Regulation von Tumorwachstum in der Lunge und bietet neue Ansätze zur Therapie von Lungenkrebs“, erläutert sie. Die Entdeckung, die die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Oncoimmunology publiziert haben, könnte dazu führen, die Überlebenschancen von Lungenkrebspatienten zu erhöhen. „Damit die klinische Immuntherapie, die bislang nur in 20 Prozent der Fälle erfolgreich ist, zukünftig erfolgreicher sein kann, wäre die Lösung, zusätzlich zur herkömmlichen Immuntherapie Hemmer von TGF-beta zu geben und damit die Blockade von T-reg-Zellen  aufzuheben, die die Tumorabwehr blockiert“, erklärt Prof. Finotto.

* doi: 10.1080/2162402X.2018.1456612
The role of Foxp3 and Tbet co-expressing Treg cells in lung carcinoma

Katerina Kachler, Corinna Holzinger, Denis Trufa, Horia Sirbu and Susetta Finotto

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27.04.2018 Von Quantenphysik, Klimawandel und Ethik in der Medizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 53/2018

FAU-Vortragsreihen „Wissenschaft auf AEG“ und „Wissenschaft im Schloss“ starten

Auch im Sommersemester 2018 erhalten Interessierte, Schüler und Studierende einen Einblick in so vielfältige Themen wie Quantenphysik, Klimawandel und Ethik in der Medizin. Die Veranstaltungsreihen „Wissenschaft auf AEG“ und „Wissenschaft im Schloss“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) stellen aktuelle Forschungsprojekte vor. Die Nürnberger Zeitung begleitet die Vorträge als Medienpartner.

„Wissenschaft auf AEG“ wird am Montag, 7. Mai, mit einem Vortrag von Prof. Dr. Florian Marquardt, Lehrstuhl für Theoretische Physik und Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts, über Quantenphysik und „Schrödingers Spiegel“ eröffnet. Erwin Schrödinger war einer der Gründerväter der Quantenmechanik. Sein berühmtes Gedankenexperiment von 1935 beschreibt eine Katze, die sich in einer sogenannten Quanten-Überlagerung aus tot und lebendig befindet. Sein Ziel war es damals zu betonen, wie mysteriös und unverstanden die Quantenphysik ist. Heutzutage jedoch versuchen Wissenschaftler tatsächlich, Überlagerungszustände von makroskopischen Objekten zu erzeugen, um die Grenzen der Quantenphysik genauer zu erforschen. Zur Hilfe kommt ihnen dabei eine Idee, die sogar noch etwas älter ist als die der Katze: Schrödingers Spiegel.

Drei weitere Termine von „Wissenschaft auf AEG“ finden am Montag, 14. Mai, Montag, 4. Juni, und Montag, 11. Juni, statt. Alle Vorträge beginnen um 18.30 Uhr. Veranstaltungsort ist der Energie Campus Nürnberg (EnCN), Auf AEG, Fürther Straße 250, in Nürnberg. Weitere Informationen stehen auf www.wissenschaft-auf-aeg.de bereit. Der Eintritt ist frei.

Den Auftakt für „Wissenschaft im Schloss“ am Montag, 18. Juni, bildet der Vortrag von Prof. Dr. Milan Kivala, Lehrstuhl für Organische Chemie I, der sich mit Kohlenstoff und seinen Eigenarten beschäftigt. Das Element Kohlenstoff bildet nicht nur die Grundlage des gesamten Lebens auf unserem Planeten, es ist auch einer der wichtigsten Bestandteile zahlreicher aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenkender Materialien. Dies ist vor allem der einzigartigen Fähigkeit des Kohlenstoffs zu verdanken, chemische Bindungen mit sich selbst sowie mit anderen Elementen einzugehen und eine schier grenzenlose Vielfalt an Verbindungen mit verschiedensten Eigenschaften zu bilden. Bis zur Entdeckung der sogenannten Fullerene in den 1980er-Jahren glaubten Wissenschaftler, der in der Natur vorkommende Diamant und Graphit seien die einzigen Formen des elementaren Kohlenstoffs. Heute wissen wir, dass eine ganze Reihe von Verknüpfungsmöglichkeiten der einzelnen Kohlenstoffatome zu neuartigen Formen mit ungewöhnlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften führt. Prof. Kivala stellt die aktuellsten Forschungsansätze vor und geht auf Ideen zur Anwendung der neuen Materialien ein.

Weitere Termine von „Wissenschaft im Schloss“ folgen am Montag, 25. Juni, und Montag, 9. Juli. Die Vorträge beginnen um 18.30 Uhr, Veranstaltungsort ist das  Kollegienhaus, Universitätsstr. 15, in Erlangen. Mehr Informationen sind auf www.wissenschaft-im-schloss.de zu finden. Der Eintritt ist frei.

 „Wissenschaft auf AEG“, Energie Campus Nürnberg

Montag, 7. Mai, 18.30 – 20 Uhr
Schrödingers Spiegel
Prof. Dr. Florian Marquardt, Lehrstuhl für Theoretische Physik

 
Montag, 14. Mai, 18.30 – 20 Uhr
Warum unsere Vorstellungen vom Älterwerden dazu beitragen, wie gesund wir älter werden und wie lange wir leben
Prof. Dr. Susanne Wurm, Professur für Psychogerontologie

Montag, 4. Juni, 18.30 – 20 Uhr
Im Labyrinth des Klimawandels: Atmosphäre, Eis, Ozean und irgendwo der Mensch
Prof. Dr. Thomas Mölg, Professur für Klimatologie


Montag, 11. Juni, 18.30 – 20 Uhr
Wer hat Angst vor Konflikten in der Medizin? Zur Praxis klinischer Ethikberatung
Prof. Dr. Andreas Frewer, M.A., Professur für Ethik in der Medizin


„Wissenschaft im Schloss“, Erlanger Kollegienhaus

Montag, 18. Juni, 18.30 – 20 Uhr
Vom Ruß bis hin zum Wundermaterial: Kohlenstoff und seine Eigenarten
Prof. Dr. Milan Kivala, Lehrstuhl für Organische Chemie I

Montag, 25. Juni, 18.30 – 20 Uhr
Echte Rockstars: Spiel und Ernst in performativen Identitäten des Heavy Metal
Prof. Dr. Gerd Bayer, Institut für Anglistik und Amerikanistik


Montag, 9. Juli, 18.30 – 20 Uhr
Ernährung und Sport bei Krebspatienten
Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Lehrstuhl für Innere Medizin I

 
Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU
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27.04.2018 Spielend Erkrankungen erforschen und deren Behandlung erlernen - Neues Modul im Entzündungsspiel „Game In Flame“ erklärt Rheuma
uni | mediendienst | aktuell Nr. 52/2018

Zocken, bis der Arzt kommt: Das Entzündungsspiel „Game In Flame – Battle Against Inflammation“ erklärt, wie unser Immunsystem arbeitet und Medikamente bei Entzündungen und Autoimmunerkrankungen wirken. Jetzt wurde das Strategiespiel – nach Gicht, Darmentzündung und Asthma – um ein Modul zur rheumatoiden Arthritis erweitert. Mit einem gezielten Medikamenteneinsatz kontrolliert der Spieler ein fatales Quartett bestehend aus Makrophagen, T-Zellen, B-Zellen und dem Botenstoff TNF. Das Browserspiel wurde im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ unter Leitung der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg Schett) entwickelt, um spielerisch über neueste Erkenntnisse aus der Entzündungsforschung aufzuklären.

Eine Vielzahl von Immunzellen wirkt zusammen, um die Gesundheit des Körpers aufrechtzuerhalten. Doch Feinde lauern überall: Wir atmen Viren ein oder nehmen Krankheitserreger über verunreinigte Nahrungsmittel auf. Um uns zu schützen, reagiert das Immunsystem mit einer Entzündung. Im Strategiespiel „Game In Flame“ erhält der User einen Einblick in diese faszinierende Welt der körpereigenen Abwehr. Seit dem Launch vor einem Jahr bekämpfen täglich mehr als 100 Menschen mit Geschick einen Gichtanfall, schützen die Epithelbarriere bei Darmentzündungen, verhindern einen Asthmaanfall und löschen seit neuestem Entzündungsherde bei Rheuma. „In der neuen Spielwelt lernt man nicht nur die verschiedenen Immunzellen kennen, sondern das Spiel erklärt auch die unterschiedlichen Medikamente und ihre Wirkmechanismen – entsprechend den aktuellen Behandlungsleitlinien“, erklärt Prof. Schett.

Wissen hilft, Verhalten zu optimieren

Von chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn oder Asthma sind Millionen von Menschen betroffen – darunter viele jungen Alters. Schmerzen, die Zerstörung der Organfunktion und eine herabgesetzte Lebensqualität sind wesentliche Konsequenzen dieser Erkrankungen. Bisher sind chronisch-entzündliche Erkrankungen nicht heilbar, aber gezielte, immunmodulierende Medikamente und Therapien können die Krankheitsanzeichen reduzieren. „Game In Flame“ trägt zur gesundheitlichen Aufklärung über molekulare Wirkmechanismen und über Behandlungsansätze bei und schärft das Bewusstsein, Therapien langfristig zu verfolgen. So bietet es den Spielern beispielsweise ein „Immuxikon“, das Informationen über die Eigenschaften und Funktionen der Immunzellen sowie der Medikamente bereitstellt. Mit dem Rheuma-Update wurde das Spiel um eine Erkrankung erweitert und steht nun auch in englischer Sprache online (www.gameinflame.de) sowie für mobile Endgeräte als iOS-App und als Android-App zur Verfügung.

Weitere Informationen:
Sandra Jeleazcov
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sandra.jeleazcov@uk-erlangen.de

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27.04.2018 Medizinhistorische Vortragsreihe: ein Blick zurück
uni | mediendienst | aktuell Nr. 51/2018

7. Mai und 18. Juni, 18.15 Uhr, Kollegienhaus, Hörsaal 1.016, Universitätsstr. 15, Erlangen

Ein Blick zurück in die Geschichte der Medizin – das ist die Idee hinter der Medizinhistorischen Vortragsreihe an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Im Sommersemester veranstaltet das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin zwei weitere Vorträge: Die erste  Veranstaltung beschäftigt sich mit Embryologie im Mittelalter, die zweite mit der Geschichte des Organspendeausweises.

Am Montag, 7. Mai, widmet sich Saskia Wilhelmy, RWTH Aachen, in ihrem Vortrag „Von welhen Sachen ain Fraw swanger werde… – Embryologie im Mittelalter“ dem „Buch der Natur“, geschrieben von Konrad von Megenberg (1309 bis 1374). Darin geht der Autor unter anderem auf Schwangerschaft und Geburt ein. Anhand seiner Beschreibungen erläutert die Medizinhistorikerin die damaligen Vorstellungen von der Entwicklung des menschlichen Embryos.

Im zweiten Vortrag am Montag, 18. Juni, steht das Thema Organspendeausweis im Mittelpunkt. In ihrem Vortrag „Ich hab noch einen alten aus Papier – empirische Einblicke in die Geschichte des Organspendeausweises“ zeigt Annerose Böhrer, Institut für Soziologie der FAU, anhand der Geschichte wie das kleine, unscheinbare Dokument sowohl ein Symbol für die private und medizinische Entscheidung als auch für gesellschaftspolitische Fragen ist.

Die Vorträge im Kollegienhaus beginnen jeweils um 18.15 Uhr, der Eintritt ist frei.

nformationen:
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven
Tel.: 09131/85-22094
karl-heinz.leven@fau.de

Vortragsreihe: Jenseits des Tellerrands
ab 9. Mai, 12.15 Uhr, Senatssaal im Kollegienhaus, Universitätsstraße 15, Erlangen

Vom Erlanger Baby über Sterbefasten bis hin zum Contergan-Skandal – bei der Vortragsreihe „Jenseits des Tellerrads“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erwartet Besucherinnen und Besucher im Sommersemester wieder spannende Themen. Die öffentlichen Mittagsvorträge werden vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der FAU veranstaltet und beginnen jeweils um 12.15 Uhr.

Den Auftakt macht am Mittwoch, 9. Mai, der Vortrag „Schneewittchen erwartet ein Kind… - das Erlanger Baby (1992) im Spiegel der Presse“. Darin stellt Medizinhistoriker Prof. Dr. Karl-Heinz Leven die Medienkampagne rund um die Schwangerschaft einer hirntoten Frau vor und analysiert das Phänomen zeithistorisch. Die Presse berichtete damals nahezu pausenlos und vor allem ungehemmt über den spektakulären Fall.

Alle Themen im Überblick:

Mittwoch, 9. Mai
Schneewittchen erwartet ein Kind… – das Erlanger Baby (1992) im Spiegel der Presse
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, Lehrstuhl für Geschichte der Medizin

Mittwoch, 16. Mai
Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit am Lebensende – Sterbefasten aus ethischer Sicht
PD Dr. Martina Schmidhuber, Professur für Ethik in der Medizin

Mittwoch, 30. Mai
Das Paradepferd der Nazis? Zur Rolle des Erlanger Gynäkologen und Radiologen Hermann Wintz im „Dritten Reich“ 
Philipp Rauh, Lehrstuhl für Geschichte der Medizin

Mittwoch, 6. Juni
Es ist schon genug Unsinn (…) geschrieben worden… – Erlanger Universitätsmedizin der 1950er Jahre im Spiegel der Öffentlichkeit
Andreas Thum, Lehrstuhl für Geschichte der Medizin

Mittwoch, 13. Juni
Stärkender Schlaf, frisches Erwachen – Contergan und seine Folgen
Dr. Susanne Ude-Koeller, Lehrstuhl für Geschichte der Medizin

Weitere Informationen zu den einzelnen Vorträgen:
https://www.igem.med.fau.de/studium-und-lehre/weitere-lehrveranstaltungen/mittagsvorlesung-tellerrand/

Informationen:
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven
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26.04.2018 Weltweit erste erfolgreiche Therapieversuche bei Erbkrankheit Ektodermale Dysplasie
uni | mediendienst | aktuell Nr. 50/2018

Drei Kinder dank vorgeburtlicher Proteinspritze außer Lebensgefahr

Eines von 30.000 Kindern erkrankt an Ektodermaler Dysplasie. Die blassen Kinder mit den spitzen Zähnen fallen durch ihr Äußeres auf: Sie sehen aus wie kleine Vampire. Doch viel schwerer wiegen ihre körperlichen Defizite, allen voran die fehlenden Schweißdrüsen. Betroffene Kinder können nicht schwitzen und drohen an einer Überhitzung zu sterben. Im Rahmen vorgeburtlicher Heilversuche hat ein Ärzteteam um Prof. Dr. Holm Schneider von der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher) des Universitätsklinikums Erlangen diese Erbkrankheit durch eine Proteinspritze ins Fruchtwasser der werdenden Mutter korrigiert. Die Ergebnisse der erfolgreichen Heilversuche wurden jetzt im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht.


Joshua, der fünfjährige Sohn von Corinna und Tobias T. aus der Nähe von Bremen, leidet unter der Erbkrankheit Ektodermale Dysplasie. Joshua hat nur drei spitze Zähne, kaum Haare, eine blasse, trockene Haut – und er kann nicht schwitzen. Ist die Umgebung zu warm, legt sich Joshua reflexartig auf den kalten Fußboden. Denn: Die Überwärmung seines Körpers könnte für ihn tödlich sein. Als Joshuas Eltern die Krankheit erkannten und erfuhren, dass Corinna T. Trägerin des Gendefekts ist, standen sie vor der Frage: Wollen wir ein zweites Kind? Das Risiko, erneut ein Baby mit Ektodermaler Dysplasie zu bekommen, lag bei 50:50.

Dann wurde Corinna T. mit Zwillingen schwanger. Die traurige Gewissheit: Auch sie würden krank sein. „Es tut uns leid, wir haben nur zwei Zahnanlagen gesehen“, sagte der Frauenarzt nach dem Feinultraschall. Über eine Selbsthilfegruppe stand das Paar bereits in Kontakt mit den Experten für Ektodermale Dysplasie am Uni-Klinikum Erlangen. Um den Zwillingen Linus und Maarten ein besseres Leben zu ermöglichen, entschlossen sich Corinna und Tobias T. zum weltweit ersten Heilversuch im Mutterleib. „Wir hatten nichts zu verlieren. Irgendwer muss ja Vorreiter sein“, sagt Corinna T. Die Behandlung wurde im Februar 2016 von Prof. Dr. Holm Schneider, Oberarzt der Kinderklinik und Sprecher des Zentrums für Ektodermale Dysplasien Erlangen, und Oberarzt PD Dr. Florian Faschingbauer von der Frauenklinik (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Uni-Klinikums Erlangen durchgeführt.

Proteinersatztherapie im Mutterleib

Ektodysplasin A1 (EDA1) ist ein Protein, das normalerweise im Körper vorkommt. Während der Entwicklung des Kindes im Mutterleib sorgt es dafür, dass sich Haare, Zähne und Hautanhangsgebilde wie die Schweißdrüsen bilden. Föten mit X-chromosomaler Hypohidrotischer Ektodermaler Dysplasie (XLHED) fehlt das EDA1-Protein – so auch bei den Zwillingen Linus und Maarten.

Im Rahmen des erfolgreichen Heilversuchs am Uni-Klinikum Erlangen haben Prof. Schneider und PD Faschingbauer ein Ersatzprotein in die Gebärmutter von Corinna T. injiziert: zuerst in die Fruchthöhlen der beiden Zwillinge, jeweils in der 26. Schwangerschaftswoche, ein zweites Mal 39 Tage später. Einen dritten Jungen behandelten die Erlanger Ärzte nur einmal: im Alter von 26 Schwangerschaftswochen. Unter Ultraschallkontrolle spritzte PD Faschingbauer jeweils 15 ml des Medikaments vorsichtig in die flüssigkeitsgefüllte Fruchtblase, ohne den Fötus zu berühren. Die ungeborenen Kinder schluckten das Protein mit dem Fruchtwasser und nahmen es über ihren Darm in den eigenen Blutkreislauf auf. „Das Medikament würde über den Blutkreislauf der Mutter nicht in den Körper des Kindes gelangen, weil es die Plazentaschranke nicht überwindet – also den Gewebefilter, der den mütterlichen vom kindlichen Blutkreislauf trennt“, erklärt Prof. Schneider. „Die einzige Möglichkeit, dass EDA1 den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes erreicht, war deshalb die direkte Gabe ins Fruchtwasser.“ EDA1 allein genügt jedoch nicht. Das eigentlich Geniale an der neuen Behandlungsmethode ist nämlich das Vehikel, mit dem das Ersatzprotein in den Blutkreislauf transportiert wird: die sogenannte Fc-Komponente menschlicher Antikörper. Für diese existiert im kindlichen Darm ein spezieller Aufnahmemechanismus, der bei Säuglingen dafür sorgt, dass Antikörper aus der Muttermilch ins Blut des Kindes gelangen. Diesen Mechanismus nutzten Prof. Schneider und seine Kollegen, um das therapeutische Protein im Huckepackverfahren mit einzuschleusen. 

Bei allen drei im Mutterleib behandelten Kindern bildeten sich dank der Proteininjektion Schweißdrüsen und zusätzliche Zahnanlagen. Bei dem einzelnen Jungen hat sich die Schweißproduktion nach der Geburt ausreichend entwickelt. Die Zwillinge Linus und Maarten schwitzen sogar wie gesunde Kinder – das haben Prof. Schneiders regelmäßige Messungen im Abstand von acht bis zwölf Wochen sowie mikroskopische Aufnahmen der Schweißdrüsen belegt. „Am anschaulichsten war wohl das Foto einer nassgeschwitzten Babyschale, das Corinna T. mir einige Monate nach der Geburt der Zwillinge zuschickte. So etwas kannte sie von ihrem Sohn Joshua ja nicht“, sagt Holm Schneider. „Und wer schwitzen kann, der darf auch rennen – nach Herzenslust“, wie es die beiden bald Zweijährigen inzwischen tun.

Dank des Heilversuchs haben die drei behandelten Kinder auch deutlich mehr Zähne als ihre unbehandelten älteren Geschwister mit Ektodermaler Dysplasie. „Wir haben das EDA1-Protein jahrelang erforscht und das Medikament in klinischen Studien getestet“, erklärt Prof. Schneider. „Die letzte Studie, in der das Protein erkrankten Neugeborenen verabreicht wurde, hat uns gezeigt, dass wir nach der Geburt die Entwicklung von Schweißdrüsen nicht mehr beeinflussen können. Unsere Schlussfolgerung war: Die Behandlung muss im Mutterleib erfolgen – sonst ist es zu spät.“ Der Therapieerfolg gibt den Erlanger Ärzten Recht: Für die drei behandelten Kinder besteht nun nicht mehr die Gefahr, an einer Überwärmung zu sterben – ein Schicksal, das Kinder mit XLHED immer wieder trifft.

Müttern, die Überträgerinnen dieser Form der Ektodermalen Dysplasie sind, bietet das neue Verfahren wahrscheinlich die Möglichkeit, Nachwuchs zu bekommen, der die gravierendsten Symptome der Erkrankung nicht mehr zeigt. Für die betroffenen Familien bedeutet das einen enormen Zugewinn an Lebensqualität. Außerdem könnten Proteinersatztherapien im Mutterleib künftig vielleicht auch bei anderen fetalen Entwicklungsstörungen, zum Beispiel bei Spaltbildungen im Gesicht, angewandt werden.

Strenge ethische Anforderungen – multizentrische klinische Studie folgt

Die am Uni-Klinikum Erlangen durchgeführte Behandlung fand noch nicht im Rahmen einer klinischen Studie statt, sondern „nur“ als medizinischer Heilversuch an drei Kindern. Dabei galten strenge ethische Auflagen. „Wir wollten das Protein früh genug in der Schwangerschaft injizieren, um noch Einfluss auf die Entwicklung von Schweißdrüsen und Zähnen nehmen zu können“, erläutert Prof. Schneider. „Andererseits wollten wir den Zeitpunkt der Injektion so weit wie möglich nach hinten schieben, um keinesfalls eine extreme Frühgeburt auszulösen, die das Leben der Kinder gefährden könnte.“ Die Schweißdrüsen bilden sich beim Fötus zwischen der 20. und der 30. Schwangerschaftswoche. Nach ausführlichen Abwägungen und Beratungen mit dem klinischen Ethikkomitee des Uni-Klinikums Erlangen wurde die 26. Schwangerschaftswoche als frühestmöglicher Zeitpunkt für eine Injektion festgesetzt.

Linus und Maarten wurden in der 33. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt entbunden, der dritte vorgeburtlich behandelte Junge kam in der 39. Woche zur Welt. Alle drei Kinder haben deutlich von der Therapie im Mutterleib profitiert. „Wir wollen jetzt gemeinsam mit anderen Zentren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien eine klinische Studie an einer größeren Gruppe von ungeborenen Kindern anschließen, um die positiven Effekte der intrauterinen Therapie zu belegen“, kündigt Prof. Schneider an. Dabei kooperieren die Erlanger Experten mit der gemeinnützigen Schweizer Stiftung EspeRare, die Medikamente für die Behandlung seltener Erkrankungen entwickelt.

Prof. Schneider betreut und behandelt Kinder und Jugendliche mit Ektodermaler Dysplasie seit fast 20 Jahren. Er klärt Eltern darüber auf, wie sie ihr krankes Kind vor einem Hitzschlag schützen können, wie man am besten mit ständig verstopften Nasen und Ohren, häufigen Infektionen und trockenen Augen umgeht und wie sich die fehlenden Zähne Betroffener durch Prothesen oder mithilfe von Implantaten ersetzen lassen. Er weiß: „Das besondere äußere Erscheinungsbild der Patienten ist nicht das Hauptproblem. Schwerer wiegen die Lebensgefahr durch Überhitzung und die großen Einbußen an Lebensqualität, die mit der gestörten Temperaturregulation einhergehen. Nicht schwitzen können, so hat es einer meiner Patienten erklärt, ‚das ist wie Fahren mit einem Motor ohne Kühlung‘.“ Mit der pränatalen Proteinersatztherapie haben Prof. Schneider und seine Kollegen nach jahrzehntelanger Vorarbeit nun eine erbliche Entwicklungsstörung korrigiert, die bislang unheilbar war.



Hintergrund: Ektodermale Dysplasien

Ektodermale Dysplasien sind vererbte Gendefekte. Sie rufen Fehlbildungen (Dysplasien) an denjenigen Strukturen hervor, die vom Ektoderm abstammen. Dabei handelt es sich um das äußere Keimblatt des Embryos, aus dem die Haut und ihre Anhangsgebilde entstehen. Von Fehlbildungen betroffen sind u. a. Haut, Schweiß-, Talg- und Duftdrüsen, Haare, Nägel, Zähne, Brustdrüsen und die Augenlider.

Es gibt über 150 Arten der Ektodermalen Dysplasie. In 80 bis 90 Prozent der Fälle liegt eine X-chromosomal vererbte Hypohidrotische Ektodermale Dysplasie (XLHED) vor. Bei den Erkrankten ist das Gen EDA, das sich auf dem X-Chromosom befindet, mutiert. Weil Jungen nur ein X-Chromosom besitzen, sind sie schwerer betroffen als Mädchen, die neben dem kranken noch ein gesundes X-Chromosom haben. Entsprechend dem X-chromosomalen Erbgang gilt: Ist der Vater (ein X-Chromosom) von XLHED betroffen, sind seine Söhne immer gesund, aber jede seiner Töchter trägt den Gendefekt. Ist die Mutter (zwei X-Chromosomen) erkrankt, haben ihre Söhne und Töchter den Gendefekt mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit.

Menschen mit XLHED fallen durch typische äußerliche Merkmale auf: wenige, häufig spitz zulaufende Zähne, tiefliegende, abstehende Ohren, fehlende Wimpern und Augenbrauen, dünnes, kaum pigmentiertes Haupthaar, schuppige, extrem trockene Haut, dunkle Augenschatten und ein eingesunkener Nasenrücken. Das Fehlen der Schweißdrüsen bedeutet für die Betroffenen Lebensgefahr, vor allem bis zum Alter von zwei Jahren: „Kleine Kinder können noch nicht selbst für Abkühlung sorgen – zum Beispiel, wenn sie schutzlos der Sonne ausgesetzt sind, im Sommer draußen herumtollen oder sich in einem aufgeheizten Raum oder Fahrzeug befinden. Die Gefahr eines lebensbedrohlichen Hitzschlags ist dann groß“, sagt Prof. Schneider. Fehlende Zahnanlagen beim Fötus geben einen deutlichen Hinweis auf Ektodermale Dysplasie. Die Zahnanlagen können im Mutterleib schon ab der 19. Schwangerschaftswoche ausgezählt werden. In Verbindung mit einem Gentest der Eltern lässt sich die Erbkrankheit so frühzeitig nachweisen.

Bildmaterial zum Download gibt es unter:

https://www.fau.de/files/2018/04/18_KI_Ektodermale_Dysplasie_45_presse.jpg

Corinna und Tobias T. haben sich für ihren ältesten Sohn Joshua Geschwister gewünscht. Linus und Maarten, geboren im April 2016, wissen noch nicht, dass es das Größte für ihre Eltern ist, wenn sich auf den Nasen der Kleinen Schweißperlen bilden. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

https://www.fau.de/files/2018/04/18_KI_FK_Ektodermale_Dysplasien_Labor_05_presse.jpg

Mit der Injektion eines Ersatzproteins in die Fruchtblase haben Prof. Dr. Holm Schneider (r.) und PD Dr. Florian Faschingbauer eine erbliche Entwicklungsstörung korrigiert, die bislang unheilbar war. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

Weitere Informationen:
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24.04.2018 Gefährliche Erbkrankheit bei Ungeborenen weggespritzt
uni | mediendienst | aktuell Nr. 46/2018

Weltweit erste erfolgreiche Therapieversuche bei lebensbedrohlicher Erbkrankheit Ektodermale Dysplasie – Einladung zur Pressekonferenz

Die blassen Kinder mit den spitzen Zähnen fallen durch ihr Äußeres auf: Sie sehen aus wie kleine Vampire. Doch viel schwerer wiegen ihre körperlichen Defizite, allen voran die fehlenden Schweißdrüsen. Betroffene Kinder können nicht schwitzen und drohen an einer Überhitzung zu sterben. Die Krankheit ist erblich: Eines von 30.000 Kindern leidet an Ektodermaler Dysplasie. Im Rahmen vorgeburtlicher Heilversuche hat jetzt ein Ärzteteam um Prof. Dr. Holm Schneider, Sprecher des Zentrums für Ektodermale Dysplasien Erlangen des Universitätsklinikums Erlangen, diese Erbkrankheit durch eine Proteinspritze ins Fruchtwasser der werdenden Mutter korrigiert – mit großem Erfolg.

Die Forscher möchten die Ergebnisse der erfolgreichen Heilversuche im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellen. Sie findet statt am Donnerstag, 26. April, um 10.30 Uhr im Internistischen Zentrum des Universitätsklinikums Erlangen, Ulmenweg 18, 3. Obergeschoss, im Konferenzraum des Klinikumsvorstandes (bitte den gläsernen Aufzug links neben der Pforte nutzen).

Teilnehmer der Pressekonferenz sind:

Corinna T. (40) und Tobias T. (36) mit Joshua (5) und den Zwillingen Linus und Maarten (2)

Prof. Dr. Holm Schneider (Sprecher des Zentrums für Ektodermale Dysplasien Erlangen)

Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Direktor der Frauenklinik)

PD Dr. Florian Faschingbauer (Oberarzt der Frauenklinik)

Caroline Kant (Gründerin und Geschäftsführerin der Stiftung EspeRare)

 
Um Anmeldung unter Tel.: 09131 85-36102 oder per E-Mail an presse@uk-erlangen.de wird gebeten.

Weitere Informationen:

Johannes Eissing
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16.04.2018 Sachliche Informationen nicht unter Strafe stellen – § 219a StGB modifizieren
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Bitte beachten Sie folgende Presseinformation!
München, 16. April 2018  -  Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) spricht sich für eine Änderung des § 219a Strafgesetzbuch (StGB) aus. Beim Tatbestand dürfte der „Vermögensvorteil“ nicht auf Informationen über ärztliche Tätigkeiten bezogen sein, habe doch jeder Arzt einen Anspruch auf Honorierung seiner Leistungen. „Patientinnen und Patienten müssen freien Zugang zu allen für sie relevanten Informationen haben“, so BLÄK-Präsident Dr. Gerald Quitterer. Dazu gehörten ärztliche Informationen über medizinische Untersuchungs- und Behandlungsverfahren, wie beispielsweise die Ankündigung von ärztlichen Leistungen auf der Homepage. Für Patientinnen schließe dieses Recht ein, sachliche Informationen über die rechtlichen Rahmenbedingungen und die medizinischen Belange eines Schwangerschaftsabbruchs ohne Einschränkungen zu erlangen. Sachliche Informationen dürften nicht unter Strafe stehen und Ärztinnen und Ärzte, die diesen Eingriff vornehmen, nicht weiter kriminalisiert werden.

Pressestelle
Bayerische Landesärztekammer
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de

16.04.2018 Neuer Ansatzpunkt im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen
uni | mediendienst | forschung Nr. 25/2018

Wissenschaftler der FAU und der University of Oxford entdecken neuen regulatorischen Kontrollpunkt in der bakteriellen Genexpression

Jährlich sterben laut WHO rund 700.000 Menschen an den Folgen von Antibiotikaresistenzen, in Deutschland sind es rund 6.000 Menschen, denen mit Antibiotika nicht gegen bakterielle Infekte geholfen werden kann. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der britischen University of Oxford haben herausgefunden, dass es einen Punkt im Herstellungsweg der Proteine gibt, an dem Bakterien diesen regulieren können. Das könnte ein Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Antibiotika sein und dabei helfen, Antibiotikaresistenzen zu überwinden.*

Antibiotika sind Medikamente, die zur Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten eingesetzt werden. Die Arzneimittel hindern die Bakterien daran, sich zu vermehren und töten sie ab, die Infektion geht zurück und der Patient gesundet. In den vergangenen Jahren haben jedoch immer mehr Bakterien eine so genannte Antibiotikaresistenz, also Abwehreigenschaften gegen Antibiotika, entwickelt. In der Folge verlieren die Medikamente ihre Wirkung, und die multiresistenten Bakterien können sich umso stärker ausbreiten.

Frühe Phase der RNA-Herstellung untersucht

Die Entdeckung der Wissenschaftler, die sie in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht haben, könnte einen völlig neuen Ansatzpunkt in der Entwicklung von Antibiotika darstellen. „Nun könnten Präparate entwickelt werden, die auf unseren Erkenntnissen aufbauen und die krankheitsverursachenden Bakterien töten“, hofft Dr. David Dulin vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung der FAU. Gemeinsam haben die Erlanger Wissenschaftler um Dr. David Dulin und das Team von Achillefs Kapanidis von der University of Oxford herausgefunden, dass die frühe Phase der Produktion von Ribonukleinsäure – im Englischen ribonucleic acid und deshalb mit RNA abgekürzt – ein Schlüsselpunkt ist, um die Regulation der Genexpression in Bakterien zu kontrollieren. Als Genexpression wird die Bildung eines von einem Gen kodierten Genprodukts, vor allem von Proteinen oder RNA-Molekülen, bezeichnet.

In Bakterien wird die RNA mit Hilfe eines großen Proteinkomplexes, der RNA-Polymerase (RNAP), hergestellt. Diese RNAP liest die DNA-Sequenz aus und stellt eine RNA-Kopie her, indem sie Nukleotide – die fundamentalen Bausteine der RNA – während der sogenannten Transkription verbindet. Da diese RNA-Produktion für das Überleben der Bakterien elementar ist, wurde sie bereits intensiv untersucht und als Ansatzpunkt für Antibiotika, zum Beispiel gegen Tuberkulose, genutzt. Dennoch war bisher unklar, wie die RNA-Produktion auch in der frühen Phase der Transkription, in der die RNAP gerade erst begonnen hat, die ersten Bausteine der RNA zusammenzusetzen, reguliert wird. Diese Fragestellung haben die Wissenschaftler nun untersucht.

Die Forscher setzten auf die High-End-Fluoreszenzmikroskopie und konnten einzelne RNAP-Moleküle während des Beginns der RNA-Herstellung verfolgen. So fanden sie heraus, dass die initiale RNA-Synthese stark reguliert ist: Eine bestimmte DNA-Sequenz zwingt die RNAP, für mehrere Sekunden zu pausieren. Erst danach ist es ihr wieder möglich, mit der RNA-Produktion fortzufahren.

Dieses Forschungsergebnis verändert das bisherige Bild der initialen RNA-Synthese in Bakterien völlig. „Die Tatsache, dass die RNAP für längere Zeit gleichzeitig an die DNA und das kurze RNA-Stück gebunden sein kann, war für uns sehr überraschend, da es dem bisherigen Wissensstand widerspricht“, sagt Dr. Dulin. Die Entdeckung dieses neuen Kontrollpunkts in der Genexpression kann für die Entwicklung neuer Antibiotika genutzt werden. „Zum Beispiel könnten Präparate entwickelt werden, die die RNAP in dem pausierten Zustand festhalten und dadurch die krankheitsverursachenden Bakterien töten“, stellt sich Dr. Dulin vor. Ein Hoffnungsschimmer im weltweiten Kampf gegen Antibiotikaresistenzen.

*doi: 10.1038/s41467-018-03902-9
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12.04.2018 Weltraumforschung auf dem Prüfstand - Erlanger Neurologe übernimmt Vorsitz der Gutachterkammer für DLR-Forschungsprojekte im Bereich „Research under Space Conditions“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 42/2018

Nutzt Weltraumforschung uns allen, nutzt sie dem Otto Normalverbraucher? Oder hat uns dieses teure und „exotische“ Unterfangen bisher nur die Teflonpfanne beschert? Die Fülle wissenschaftlicher Fragestellungen, die beantwortet werden müssen, um nicht nur unsere Fernseh- und Telefon-Satelliten sicher ins Weltall zu bringen, sondern die technischen und biologischen Voraussetzungen für langfristige Weltraummissionen, wie etwa Flüge zum Mars, zu ermöglichen, wird in Deutschland vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erforscht. Die einzelnen Forschungsprojekte werden regelmäßig überprüft. Den Vorsitz der Gutachterkammer im Bereich „Research under Space Conditions“ hat in der jetzigen Prüfrunde Prof. Dr. Max Hilz, Oberarzt der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Stefan Schwab), übernommen.

Das DLR ist eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen der renommierten Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist ein Verbund aus 18 hochkarätigen Forschungszentren und wacht darüber, wie die Gelder für teure Weltraumforschung eingesetzt werden. Bevor weitere Finanzmittel für künftige Forschungsprojekte bewilligt werden, lädt die Helmholtz-Gemeinschaft alle vier Jahre Experten ein, die Forschungsleistungen des DLR zu beurteilen und Empfehlungen zu künftigen Forschungsarbeiten auszusprechen. Die DLR-Forschungsaufgaben sind in verschiedene Gebiete unterteilt, wie etwa Kommunikation und Navigation, Erdbeobachtung, Weltraumerforschung und mehrere andere Bereiche. Internationale Expertengruppen mit Spezialkenntnissen in den verschiedenen Gebieten erstellen dabei gemeinsam eine detaillierte Bewertung der Forschungsergebnisse und -ziele und stellen somit sicher, dass Steuergelder sinnvoll eingesetzt werden.

Das Überleben im Weltall erforschen

Einer der spannendsten Themenbereiche betrifft die Forschung unter Weltraumbedingungen. Sie befasst sich zum einen mit physikalisch-technischer Forschung, unter anderem mit Studien zu materialwissenschaftlichen Entwicklungen unter Bedingungen der Schwerelosigkeit, zum anderen mit entscheidenden medizinischen Fragen dazu, wie Menschen im Weltall überleben können. Die Ergebnisse und Ziele dieses Gebiets beurteilen aktuell der Mediziner Max Hilz und mehrere Naturwissenschaftler. Der Neurologe und Experte im Bereich des sogenannten autonomen oder vegetativen Nervensystems sagt: „Ohne besondere Vorkehrungen würden binnen kurzer Zeit im Weltall Muskeln schrumpfen, Knochen schwinden, die Kreislaufregulation versagen und eine vorschnelle Alterung eintreten. Zudem sind Astronauten im Weltall einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt.“ Seine Gutachtergruppe kommt zu dem Schluss, dass es den Forscherteams aus dem Bereich „Research under Space Conditions“ gelingt, unter Bedingungen der Schwerelosigkeit neue und verbesserte Werkstoffe hervorzubringen, die beispielsweise zur Entwicklung stabilerer und im Verbrauch kostengünstigerer Flugzeugantriebsturbinen führen.

Weltraumforschung nutzt allen Menschen

Als einziger Mediziner in der Gutachterrunde ist Prof. Hilz besonders von den medizinischen Erkenntnissen und neuen Therapieansätzen begeistert. Die Ergebnisse der DLR-Forscher im Bereich „Research under Space Conditions“ können nach seiner Einschätzung für Volkskrankheiten wie Schlafstörungen und Alterungsprozesse wie Osteoporose und Muskelschwund, Kreislaufstörungen mit Schwindel und Ohnmachtsanfällen und viele andere Krankheitsbilder wichtige Erkenntnisse und neue Therapieansätze liefern. „Die Veränderungen, die ein Raumfahrer in wenigen Wochen und Monaten im All durchlebt, gleichen dem Alterungsprozess des Menschen – nur eben im Schnelldurchlauf“, erklärt der Erlanger Neurologe. Die unter Bedingungen der Schwerelosigkeit gewonnen Ergebnisse liefern demnach wichtige Erkenntnisse zu vielen medizinischen Problemen und zu deren Therapie, die unter anderen Umständen kaum zu gewinnen wären.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Max J. Hilz
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10.04.2018 Verletzliches Nervensystem: Was beeinflusst die Schutzhülle?
uni | mediendienst | forschung Nr. 23/2018

FAU-Forscher bringen Licht in den komplexen biochemischen Mechanismus

Etwa 200.000 Menschen in Deutschland leiden laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft an Multipler Sklerose (MS), einer schweren unheilbaren neurologischen Erkrankung. Die Ursachen sind noch lange nicht geklärt, bekannt ist aber, dass das Immunsystem irrtümlich die Umhüllung der körpereigenen Nervenfasern angreift. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) um Prof. Dr. Michael Wegner fanden nun zusammen mit Forschern aus Münster heraus, wie die Bildung dieser Schutzhülle durch Eiweißmoleküle reguliert wird. In der Zukunft könnte mit diesem Wissen zum Beispiel MS-Patienten geholfen werden, indem nach einem Schub die Bildung neuer Myelinscheiden angeregt wird.*

Das menschliche Gehirn entspricht einem Hochleistungsrechner, in dem es darauf ankommt, die zahlreichen einzelnen Prozessoren möglichst effizient miteinander über Hochgeschwindigkeitskabel zu verschalten. Die einzelnen Nervenzellen – zwischen 90 und 100 Milliarden – stellen die Prozessoren dar, ihre von Mark- oder Myelinscheiden umgebenen Fortsätze die Glasfaserkabel. Dabei ist die Geschwindigkeit der Informationsleitung ganz entscheidend von der Qualität der Myelinscheide abhängig, die von besonderen Gehirnzellen, den Oligodendrozyten, gebildet wird. Schädigungen der Markscheide oder der Zellen, aus denen sie hervorgeht, führen zu schweren Erkrankungen wie der MS. In deren Verlauf gehen schließlich auch die Nervenzellen selbst zugrunde.

Komplexe Mechanismen steuern die Myelinbildung
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Michael Wegner, Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie und Pathobiochemie der FAU, erforscht, wie Oligodendrozyten die Bildung ihrer Myelinscheiden steuern. Nur mit diesem Wissen ist es möglich, neurologische Erkrankungen, wie die MS, zu verstehen. Die Arbeitsgruppe hat bereits Eiweißmoleküle, wie „Sox10“, identifiziert, die die Bildung und den Erhalt der Myelinscheiden regulieren.

Ziel des neuen Projektes war, zu verstehen, wie die bereits bekannten regulatorischen Eiweiße in den Oligodendrozyten bei der Myelinbildung zusammenwirken. Dabei stellte sich heraus, dass zum erfolgreichen Zusammenspiel der bekannten Moleküle weitere benötigt werden, die als „Nfat-Proteine“ bezeichnet werden. Sie sind vor allem wegen ihrer Funktion im Immunsystem bekannt. Nur wenn Nfat-Proteine in den Oligodendrozyten vorhanden sind, können auch alle anderen benötigten Eiweißmoleküle gemeinsam in diesen Zellen existieren, ohne sich gegenseitig zu verdrängen.

Forschungsergebnisse können in der Zukunft MS-Patienten helfen
In ihrer Arbeit, die gerade in Nature Communications erschienen ist, zeigte die Arbeitsgruppe von Prof. Wegner um Dr. Matthias Weider in Zusammenarbeit mit der Gruppe von Prof. Dr. Tanja Kuhlmann am Universitätsklinikum Münster die genaueren biochemischen Mechanismen: Eine Hemmung der Nfat-Proteine beeinträchtigt die Fähigkeit von Oligodendrozyten der Ratte, der Maus, aber auch des Menschen zur Myelinbildung. Tatsächlich ist bei MS-Patienten das Vorkommen dieser Proteine in den Oligodendrozyten der von der Krankheit betroffenen Hirnbereiche verringert. Ob das aber eine der Ursachen für die Schäden ist, bleibt bisher unklar. „Die Zusammenhänge sind sehr komplex“, betont Michael Wegner.

Das Forschungsprojekt ist sehr eng an die Fragestellungen angelehnt, an denen Wissenschaftler der Naturwissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkolleg der FAU zur „Entwicklung und Vulnerabilität des Zentralnervensystems“ arbeiten. Die gewonnenen Erkenntnisse haben nicht nur eine Bedeutung für die Grundlagenforschung, sondern auch für die Medizin. Denn eine gezielte Stimulierung der Nfat-Proteine könnte beispielsweise künftig dazu genutzt werden, die Bildung neuer Myelinscheiden zu fördern, etwa nach einem Schub bei MS-Patienten.

Weitere Substanzen müssen noch entwickelt werden
Derzeit sind solche stimulierenden Substanzen allerdings noch nicht verfügbar. Bisher wurden nur Stoffe entwickelt, die Nfat-Proteine in ihrer Aktivität hemmen: Cyclosporin A und Tacrolimus. Sie werden in der Medizin vor allem eingesetzt, um das Immunsystem in Schach zu halten und so zum Beispiel eine Organabstoßung bei Transplantatempfängern zu verhindern. Interessanterweise findet man bei diesen Patienten nicht selten neurologische Störungen, die durch einen Verlust der Myelinscheiden hervorgerufen werden. Die neuen Forschungsergebnisse legen nahe, dass diese schwerwiegenden Nebenwirkungen eine direkte Folge der medikamentösen Hemmung von Nfat-Proteinen sind. Deshalb wäre es hier dringend erforderlich, die Medikation zu verbessern.
Die Daten machen die Bedeutung der Nfat-Proteine für die Myelinbildung deutlich und eröffnen einen neuen Ansatz für die Behandlung bisher unheilbarer neurologischer Krankheiten.

* doi: 10.1038/s41467-018-03336-3

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06.04.2018 Die Not mit dem Notfall
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Letztlich geht es darum, die Notaufnahme und die dort arbeitenden Kolleginnen und Kollegen vor der ständigen Überlastung zu schützen, die heute vielfach die Regel ist“, schreibt Dr. Andreas Botzlar, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Leitartikel der Aprilausgabe des Bayerischen Ärzteblattes.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Anzahl der Patienten in den Notaufnahmen Deutschlands verdoppelt – auf inzwischen rund 25 Millionen Fälle pro Jahr, darunter rund 60 Prozent ambulante Fälle. Etwa 40 Prozent davon hätten genauso gut vom Ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) behandelt werden können. Viele Patienten wüssten nicht, welche Versorgungsebene für sie die richtige sei.

Ein wichtiger Schritt sei es, die 116 117 als bundesweite Rufnummer des KV-Notdienstes viel stärker bekannt zu machen. Es sei deshalb sehr zu begrüßen, wenn die KVen nun gemeinsam in einer bundesweiten Kampagne nicht nur die Rufnummer 116 117, sondern damit auch den Ärztlichen Bereitschaftsdienst bekannter machen. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns habe schon ein dichtes Netz an Bereitschaftspraxen geknüpft, viele davon an Klinken. Das allein werde aber nicht ausreichen, um die derzeitigen Kommunikationsbrüche und Fehlallokationen zu beheben. „Die Politik muss unter anderem die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Rufnummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 nicht nur tagsüber, wie es in Bayern bereits etabliert wird, erreicht werden kann, sondern auch mit der Notfallnummer 112 koordiniert wird“, schreibt Botzlar. Notfallpatienten sollten zukünftig durch eine standardisierte, dabei aber unkomplizierte Ersteinschätzung durch entsprechend geschultes Personal in allen Anlaufstellen der Notfallversorgung ohne Umwege in die für sie passende Versorgungsebene geleitet werden. Es müsse sichergestellt werden, dass die wirklichen Notfälle – die Schwerkranken und Schwerverletzten – rasch jene Hilfe bekommen, die sie benötigten. Je länger die Notaufnahmen in den Kliniken mit Patienten überfüllt blieben, die ebenso gut im ambulanten Bereich versorgt werden könnten, desto größer werde die Gefährdung derjenigen Patienten, die tatsächlich ein Notfall sind.

Mehr zu „Die Not mit dem Notfall“ lesen Sie in der Ausgabe 4/2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

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03.04.2018 Behandlungsfehlerstatistik der Bundesärztekammer Crusius: „Fehlerprävention durch offene Fehlerkultur fördern, statt Pfuschvorwürfe gegen Ärzte“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 04.04.2018 – „Wir Ärzte können Patienten keine Heilung versprechen, wohl aber, dass wir uns mit ganzer Kraft für ihre Heilung, für die Qualität ihrer Behandlung und damit für ihre Sicherheit einsetzen.“ Das sagte heute Dr. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer, bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik für das Jahr 2017 in Berlin. Dass Ärzte diesem Versprechen gerecht werden, belegen die vielfältigen von der Ärzteschaft entwickelten Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Fehlerprophylaxe. Qualitätszirkel, Peer-Reviews aber auch Konsile, Tumorkonferenzen oder Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen sowie anonyme Fehlermeldesysteme gehören in medizinischen Einrichtungen längst zum Alltag. „Am wichtigsten für die Patientensicherheit ist aber,dass wir Ärzte uns tagtäglich unserer enormen Verantwortung bewusst sind und uns ständig
vergegenwärtigen, dass zwischen heilen und schaden oft nur ein schmaler Grat liegt“, so Crusius.

Zahl der festgestellten Fehler im Promillebereich

Dies gelte insbesondere in einem immer stärker von Behandlungsdruck und ökonomischen Vorgaben geprägten Gesundheitssystem. Für das Erhebungsjahr 2016 meldet das Statistische Bundesamt 19,5 Millionen Behandlungsfälle in den Krankenhäusern. Hinzu kommen rund eine Milliarde Arztkontakte jährlich in den Praxen. „Gemessen an dieser enormen Gesamtzahl der Behandlungsfälle liegt die Zahl der festgestellten Fehler Gott sei Dank im Promillebereich“, sagte Crusius. Jeder Fehler sei einer zu viel. Und hinter jeder Komplikation könnten schwere menschliche Schicksale stehen. Dennoch gebe es für Panikmache und Pfuschvorwürfe keinen Grund. Beides schade der mittlerweile
gut etablierten offenen Fehlerkultur und damit der Fehlerprävention in der Medizin.

Wie Kerstin Kols, Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, berichtete, haben die Gutachterkommissionen und Schlichtungs-
stellen im Jahr 2017 bundesweit insgesamt 7.307 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen (Vorjahr: 7.639). Es lag in 2.213 Fällen ein Behandlungsfehler vor (Vorjahr: 2.245). Davon wurde in 1.783 Fällen ein Behandlungsfehler / Risikoaufklärungsmangel als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf
Entschädigung begründete (Vorjahr: 1845). Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehler-vorwürfen führten, waren Knie- und Hüftgelenksarthrosen sowie Unterschenkel- und
Sprunggelenk-frakturen. In 430 Fällen lag ein Behandlungsfehler / Risikoaufklärungsmangel vor, der jedoch keinen kausalen Gesundheitsschaden zur Folge hatte.

„Von den Möglichkeiten der außergerichtlichen Streitbeilegung durch Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen profitieren sowohl Patienten als auch Ärzte“, sagte Prof. Dr. Walter
Schaffartzik, Vorsitzender der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern. In den Einrichtungen seien hochqualifizierte Fachgutachter tätig, die gemeinsam mit Juristen prüften, ob ein Behandlungsfehlervorwurf gerechtfertigt sei oder nicht. Die Verfahren seien niedrigschwellig und für alle beteiligten Parteien unbürokratisch. Patienten müssten lediglich einen formlosen Antrag stellen. Das Verfahren sei für sie kostenfrei.

Auch Uwe Brocks, Fachanwalt für Medizinrecht, hat gute Erfahrungen mit den Stellen gemacht. Er empfiehlt seinen Klienten das Schlichtungsverfahren nicht nur weil es für sie kostenfrei ist.
Ein maßgeblicher Aspekt sei die Objektivität, mit der es betrieben werde sowie die dahinter stehende medizinische und juristische Expertise. Wenn es nach einem Schlichtungsverfahren doch vor
Gericht gehe, erweise sich die medizinisch-fachliche Bewertung des Behandlungsgeschehens fast ausnahmslos als gerichtsfest.

Weitere Informationen zu den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern sowie zur Behandlungsfehlerstatistik können im Internet unter
http://www.bundesaerztekammer.de/patienten/gutachterkommissionen-schlichtungsstellen/ abgerufen werden.
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29.03.2018 BÄK legt Ärztestatistik 2017 vor
Pressenachricht der Bundesärztekammer

Berlin, 29.03.2018 – „Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland steigt, aber wer nur Köpfe zählt, macht es sich zu einfach. Die Realität ist komplexer. Uns fehlen Arztstunden. Und
wenn wir nicht endlich entschieden gegensteuern und mehr Ärzte ausbilden, dann wird sich dieser Mangel verschärfen.“ So kommentierte Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der
Bundesärztekammer (BÄK), die Ärztestatistik für das Jahr 2017.

Wie aus den Daten der Bundesärztekammer hervorgeht, waren im Jahr 2017 im Bundesgebiet 385.149 Ärztinnen und Ärzte ärztlich tätig. Dies waren zwar etwas mehr als im Vorjahr (+ 6.542),
gleichzeitig steigt aber in einer Gesellschaft des langen Lebens der Behandlungsbedarf. Derzeit prognostiziert das Statistische Bundesamt bis zum Jahr 2040 eine Steigerung des Bevölkerungs-anteils der über 67-jährigen um 42 Prozent. Für das Statistikjahr 2016 meldet das Amt 19,5 Millionen Behandlungsfälle in den Krankenhäusern. Hinzu kommen rund eine Milliarde Arztkontakte jährlich in den Praxen.

Nach der Statistik der Bundesärztekammer stieg die Zahl der Krankenhausärzte nur leicht um 2,1 Prozent auf 198.500. Bei der Zahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist sogar ein Rückgang um 1.285 auf 118.356 zu verzeichnen; dies entspricht einem Minus von 1,1 Prozent. Montgomery begrüßte in diesem Zusammenhang die im Koalitionsvertrag angelegten Maßnahmen zur Bekämpfung des Ärztemangels. Dirigistische Eingriffe wie die geplanten Mindestsprechstundenzeiten trügen jedoch nicht dazu bei, die Niederlassung in eigener Praxis attraktiver zu machen.

Statt einer Erhöhung der Mindestsprechstundenzeiten sei eine stärkere Flexibilisierung notwendig.

Tatsächlich arbeiten niedergelassene Vertragsärzte schon jetzt durchschnittlich mehr als 50 Stunden. In den Krankenhäusern ist es ähnlich: Nach Erhebungen des Marburger Bundes sind viele
Ärzte im Krankenhaus (40 Prozent) 49 bis 59 Stunden pro Woche im Einsatz, jeder fünfte hat sogar eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 60 bis 80 Stunden, inklusive aller Dienste und Überstunden. Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt beziffert die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland auf 35,6 Stunden.

„Ein großer Teil unserer Ärzte arbeitet am Limit. Gleichzeitig sind gerade in der jungen Generation viele nicht mehr bereit, sich auf Kosten der eigenen Gesundheit aufzureiben“, sagte Montgomery mit Blick darauf, dass sich immer mehr Ärzte für eine Festanstellung im ambulanten Bereich entscheiden.
Nach der Ärztestatistik ist der Anteil der Ärztinnen an der Gesamtzahl der berufstätigen Ärzteschaft im vergangenen Jahr weiter angestiegen und hat jetzt 46,8 Prozent (2016: 46,5 Prozent) erreicht.
Aus der aktuellen Statistik wird auch deutlich, dass der demografische Wandel längst die Ärzteschaft selbst betrifft. So hat sich die Verteilung der berufstätigen Ärzte auf die Altersgruppen
weiter zu den höheren Altersjahren verschoben. Der Anteil der unter 35-jährigen Ärzte ist zwar um 0,1 Prozentpunkte auf 18,9 Prozent gestiegen, aber gleichzeitig ist der Anteil der über 59-Jährigen auf 18,4 Prozent angewachsen (Vorjahr: 17,9 Prozent). Weiterhin ist der Anteil der 40- bis 49-Jährigen von 23,3 Prozent auf 22,7 Prozent zurückgegangen und der Anteil der 50-bis 59-Jährigen von 28,4 Prozent auf 28,2 Prozent gesunken. Dennoch gibt es viel mehr 50- bis 59-Jährige (108.559) als 40- bis 49-Jährige (87.280).

Das Durchschnittsalter der Krankenhausärztinnen und -ärzte stieg um 0,1 Jahre auf 41,7 Jahre. Während der Anteil der Krankenhausärztinnen und -ärzte, die jünger als 35 Jahre sind, bei 33,4 Prozent stagniert, erhöhte sich der Anteil der über 59-Jährigen auf 7,3 Prozent (Vorjahr: 7 Prozent). Bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten stagnierte der Anteil der unter 40-Jährigen bei 2,7 Prozent. Zugleich ist der Anteil der mindestens 60-Jährigen von 32,6 Prozent auf 33,9 Prozent gestiegen.

Diese Entwicklungen tragen dazu bei, dass in Zukunft trotz steigender Arztzahlen in Deutschland Ärzte fehlen werden. Für den BÄK-Präsidenten liegen die Ursachen klar auf der Hand: „Es handelt sich hier in erster Linie nicht um ein Verteilungs-, sondern um ein Kapazitätsproblem. Wir bilden zu wenig Ärzte aus.“ Daher dürfe die Politik bei der Umsetzung des „Masterplans Medizinstudium 2020“ nicht weiter trödeln. „Bund und Länder stehen gemeinsam in der Pflicht, die Zahl der Medizinstudienplätze um mindestens zehn Prozent zu erhöhen“, fordert Montgomery.

Nach der Ärztestatistik haben im vergangenen Jahr 1.965 Ärztinnen und Ärzte Deutschland verlassen. Die beliebtesten Auswanderungsländer sind – wie in den vergangenen Jahren – die
Schweiz (641), Österreich (268) und die USA (84). Für etwas Entlastung sorgt die weiterhin recht hohe Zuwanderung aus dem Ausland. Der Ärztestatistik zufolge ist die Zahl der in Deutschland
gemeldeten Ärztinnen und Ärzte aus EU-Ländern und aus sogenannten Drittländern im Jahre 2017 um 4.088 auf 50.809 gestiegen.

„Gerade in ländlichen Regionen leisten Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung. Wir können und sollten aber nicht versuchen, unser Fachkräfteproblem im ärztlichen Dienst durch Zuwanderung aus dem Ausland zu lösen“, sagte Montgomery. Die zugewanderten Kollegen fehlten in ihren Herkunftsländern. Auch seien enorme Anstrengungen nötig, die für eine gute Patientenversorgung notwendigen Fachsprachen-Kenntnisse zu prüfen. Die Ärztekammern engagierten sich auf diesem Gebiet in besonderer Weise.

Montgomery erneuerte in diesem Zusammenhang seine Forderung, dass ausländische Ärzte aus Staaten, die nicht der Europäischen Union angehören, einen Nachweis über ihre Kenntnisse und Fähigkeiten durch Teilnahme am medizinischen Staatsexamen, d. h. durch Ablegen einer Prüfung analog dem 2. Abschnitt der „Ärztlichen Prüfung“ und durch Teilnahme am 3. Abschnitt der „Ärztlichen Prüfung“ erbringen sollten, um in Deutschland eine Zulassung zu erhalten. „Patienten haben einen
Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Behandlung. Deshalb muss auch bei zugewanderten Medizinern aus dem Ausland zweifelsfrei geklärt werden, dass sie über die gleichen Fähigkeiten
und Kenntnisse verfügen, wie ihre in Deutschland ausgebildeten Kollegen“, sagte Montgomery.

Die Ärztestatistik im Internet unter
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16.03.2018 Bei minus 130 Grad den Schmerz einfrieren- Die neue Kältekammer der Medizin 3 lindert Schmerzen und Entzündungen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 28/2018

Wer regelmäßig in die Sauna geht, weiß, wie gut der schnelle Temperaturwechsel dem eigenen Körper tut. Doch nicht nur Hitze hat diesen positiven Effekt: Kälte kann das auch. In der neuen Ganzkörperkältekammer der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr.  Georg Schett) des Universitätsklinikums Erlangen können Patienten das erfahren. Menschen, die an rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte oder chronischen Schmerzen leiden, berichten nach einer Kältetherapie nicht nur von schneller Symptomlinderung, sondern bei regelmäßiger Anwendung sogar von bis zu vier Monaten Beschwerdefreiheit – ganz ohne Medikamente. Ab Anfang April ist eine ambulante Behandlung im Uni-Klinikum Erlangen möglich.

Minus 130 Grad Celsius – das ist so kalt, wie es sich kaum jemand vorstellen kann. Trotzdem steigt Leander Schubert, Masseur und medizinischer Bademeister der Medizin 3, ganz entspannt in die kupferfarbene Kapsel der Ganzkörperkältekammer im Internistischen Zentrum. Bekleidet ist er nur mit Unterwäsche und seinen Straßenschuhen. Es zischt, über seinem Kopf gehen die Lichter an und um ihn herum entstehen so extreme Temperaturen, wie sie ein Mensch sonst nirgends erfahren würde. Trotz der fehlenden Kleidung: von Zittern keine Spur. "Es fühlt sich nicht so kalt an, wie man es sich vorstellt", beschreibt der Mitarbeiter das Gefühl. Auch nach zwei Minuten Extremklima sieht er entspannt aus. „Natürlich ist es kalt, aber ich habe nicht den Drang, schnell wieder raus zu wollen", sagt er, kurz bevor die Zeit vorbei ist und sich die Kapsel wieder öffnet. "Hinterher ist einem ganz wunderbar warm, weil sich die Gefäße schnell weiten."

Was von außen ein bisschen nach Raumfahrt aussieht, verspricht Schmerz- und Entzündungspatienten anhaltende Linderung – ganz ohne Medikamente. Seit die Ganzkörperkältekammer in den 1980er-Jahren in Japan entwickelt wurde, reihen sich die wissenschaftlichen Studien aneinander, die bestätigen: Der regelmäßige Einsatz extremer Kälte für einen kurzen Zeitraum ist eine wirksame Therapie gegen Schmerzen und Entzündungsschübe. Dr. Christoph Bleh, ärztlicher Leiter der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin der Medizin 3 am Uni-Klinikum Erlangen, erklärt: "Die kurzzeitige Kälte hemmt die Schmerzweiterleitung zum Gehirn durch eine Blockade der Schmerzrezeptoren. Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen profitieren zusätzlich von einer Reduzierung der entzündungsaktivierenden Botenstoffe, sodass ein Krankheitsschub vermindert werden kann." Für den Einstieg empfiehlt der Mediziner eine Behandlungsserie von 20 Einheiten à zwei bis drei Minuten in zehn Tagen.

Überhaupt erst ermöglicht wurde das Erlanger Kältetherapie-Angebot von der Manfred-Roth-Stiftung. Diese spendete 2015 50.000 Euro an die Physikalische und Rehabilitative Medizin der Medizin 3.

Noch ist die Kältetherapie keine von den gesetzlichen Krankenkassen unterstützte Leistung. "Wir hoffen, dass weitere Studien und Behandlungserfolge dies in Zukunft ändern", betont Dr. Bleh. Ab April können Interessierte und Patienten das Erlanger Angebot der Ganzkörperkältekammer nutzen.

Weitere Informationen:

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14.03.2018 17. Suchtforum mit dem Titel „Grundfragen der medizinischen Verwendung von Cannabis“
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Sehr geehrte Damen und Herren,
seit März 2017 ist Cannabis in Deutschland als „Medikament letzter Wahl“ zugelassen. Dieses Großexperiment wird von einigen mit Freude, von anderen mit Sorge betrachtet, da die Risiken des Missbrauchs der Verordnungen aus suchtmedizinischer Sicht offensichtlich sind. Die Parallele zur Janusköpfigkeit der Opioide ist dabei durchwegs zu beachten. Das 17. Suchtforum in Bayern informiert über den aktuellen Stand der Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis rund um Cannabis als Medizin. Neben pharmazeutisch-praktischen Aspekten wird Grundlagenwissen zur Verordnung und zum Einsatz von Cannabis als Arzneimittel unter Berücksichtigung aktueller Erfahrungen aus der Behandlungspraxis sowie der Begutachtungspraxis seitens des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung in Bayern vermittelt. In der Pressekonferenz vor dem 17. Suchtforum möchten wir Medienvertreter in Kurzform über diese Themen informieren.

Wir laden Sie herzlich zur Pressekonferenz ein:
Datum: Mittwoch, 11. April 2018, 11.00 Uhr


Ort: Klinikum rechts der Isar, Ismaninger Straße 22, 81675 München, Hörsaal „Pavillon“ im Hörsaaltrakt Eingang von der Einsteinstraße / Max-Weber-Platz (U4/U5)

Das 17. Suchtforum mit dem Titel „Grundfragen der medizinischen Verwendung von Cannabis“ ist eine Kooperationsveranstaltung der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen (BAS), der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK), der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) und der Bayerischen Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (PTK Bayern).

Ihre Gesprächspartner im Pressegespräch sind:

• Dr. Heidemarie Lux, Suchtbeauftragte des Vorstandes der BLÄK

• Ulrich Koczian, Vizepräsident der BLAK

• Prof. Dr. Dr. Dr. Felix Tretter, Vorstand der BAS

• Dipl.-Psych. Birgit Gorgas, Vorstandsmitglied der PTK Bayern

Bitte melden Sie sich bis spätestens Montag, 9. April 2018, per E-Mail an s.keller@blaek.de oder per Fax an.

Für Einzelinterviews stehen Ihnen die Gesprächspartner der verschiedenen Berufsgruppen im An-schluss an die Pressekonferenz gerne zur Verfügung.

Sie können auch nach der Pressekonferenz am 17. Suchtforum, das von 13.00 Uhr bis zirka 17.00 Uhr im Hörsaal A des gleichen Gebäudes stattfindet, teilnehmen.

Weitere Informationen zum 17. Suchtforum entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Flyer.

Jodok Müller

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14.03.2018 Gene auf Glatteis Ursache von Kinderleukämien weiter aufgeklärt.
uni | mediendienst | forschung Nr. 15/2018

In Deutschland erkranken pro Jahr ca. 600 Kinder unter 15 Jahren an Leukämie. Für die Betroffenen ist es besonders dramatisch, wenn diese schwere Erkrankung bereits bei, oder kurz nach der Geburt auftritt. Untersuchungen am Lehrstuhl für Genetik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) mit Unterstützung des Instituts für Humangenetik haben jetzt eine weitere molekulare Ursache für eine besonders aggressive Art der Säuglingsleukämie aufgezeigt. Die Ergebnisse wurden in der angesehenen Fachzeitschrift „Blood“ publiziert. *
 
Während Tumorerkrankungen vor allem im fortgeschrittenen Lebensalter ein gesundheitliches Problem darstellen, sind Leukämien (Blutkrebs) auch im Kindesalter häufiger eine medizinische Herausforderung. Eine spezielle und besonders schwierig zu behandelnde Art von Leukämie, die besonders bei den jüngsten Patienten auftritt, ist Gegenstand der Forschungen der Arbeitsgruppe von Prof. Robert Slany am Lehrstuhl für Genetik der FAU.
 
Bei dieser Erkrankung hat das Erbgut in den betroffenen weißen Blutzellen eine kleine Veränderung erfahren, die zwei Chromosomen sozusagen über Kreuz miteinander verbindet. Dadurch entsteht ein abnormales Eiweiß, das die Kontrolle des Zellwachstums stört „Je länger wir diese Klasse von Eiweißen studieren, desto klarer wird, auf welch beklemmend elegante Weise diese Moleküle so tief in die zelluläre Wachstumskontrolle eingreifen, dass eine normale Steuerung quasi unmöglich wird“, sagt Prof. Slany. Die neuesten Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Proteine nicht nur die Produktionsmaschinerie der Zelle durch eine Hyperaktivierung des Ablesemechanismus von bestimmten Genen stören, sondern zusätzlich auch die Genstruktur selbst verändern, was die abnormale Umsetzung der Geninformation noch verstärkt. „Man kann sich das so vorstellen, als ob man mit dem Auto auf Glatteis unterwegs ist. Ein Bremsen wird unmöglich!“, erklärt Prof. Slany. Die Herausforderung der Zukunft ist es nun zu sehen, ob man ein „Streumittel“ finden kann, das die überhöhte Produktionsgeschwindigkeit in den Leukämiezellen auf ein normales Maß reduzieren kann, ohne die nicht betroffenen, anderen Zellen des Körpers ebenfalls zu schädigen. Die Ergebnisse der Untersuchung sind nun in der Fachzeitschrift „Blood“ mit dem Titel „The interaction of ENL with PAF1 mitigates polycomb silencing and facilitates murine leukemogenesis” publiziert worden. (doi: 10.1182/blood-2017-11-815035)
 
Information:
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13.03.2018 Reform der Notfallversorgung Montgomery: „Wir brauchen eine konzertierte Aktion von Bund, Ländern und Selbstverwaltung“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 13.03.2018 – „Die neue Bundesregierung wird morgen vereidigt und in der Gesundheitspolitik muss sich die Koalition nun als erstes der Neugestaltung der Notfallversorgung widmen.“ Das forderte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery heute in Berlin. Die aktuelle Grippewelle habe die ohnehin schonangespannte Situation in den Ambulanzen noch einmal verschärft.
Dabei sei deutlich geworden, dass ausreichende Notfallkapazitäten in Krisenzeiten unerlässlich sind. „Wir brauchen deshalb eine konzertierte Aktion von Bund, Ländern und Selbstverwaltung für eine gute
Notfallversorgung in Deutschland. Was wir nicht brauchen, sind unausgegorene Reformkonzepte, wie sie derzeit im Gemeinsamen Bundesausschuss beraten und womöglich demnächst beschlossen
werden.“
Das sogenannte Stufenkonzept des G-BA beinhaltet Vorgaben für Kliniken, die diese erfüllen müssen, um an der Notfallversorgung teilnehmen zu können. „Bislang fehlt jedoch eine aussagekräftige
Folgeabschätzung für diese weitreichende Reform. Sie ist unerlässlich, damit es nicht zu einem Abbau von dringend notwendigen Versorgungskapazitäten kommt, der die Situation noch weiter
verschärft“, so der BÄK-Präsident.
In einem Schreiben an den Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschuss, Prof. Dr. Josef Hecken, sprach sich Montgomerydafür aus, vor einer Beschlussfassung im G-BA die Ergebnisse der
Folgeabschätzung abzuwarten und auch stärker regionale Versorgungsstrukturen in dem Konzept zu berücksichtigen. Der BÄKPräsident schlug außerdem vor, dass Bund, Länder und Selbstverwaltung gemeinsam ein Procedere erarbeiten, das auf der nächsten Gesundheitsministerkonferenz am 20. und 21. Juni 2018 beraten werden könnte.
Ein Video-Statement von Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank
Ulrich Montgomery finden Sie unter: https://youtu.be/QEm7HaLwvv4

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09.03.2018 Sensoren sollen Stürze von Parkinson-Patienten verhindern
uni | mediendienst | forschung Nr. 13/2018

Neues EIT-Health-Forschungsprojekt zur telemedizinischen Gang- und Sturzanalyse gestartet

Ein für Parkinson-Patienten wegweisendes Projekt des European Institute of Innovation and Technology Health (EIT Health) mit dem Titel „MoveIT“ wurde jetzt unter der Federführung der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) des Universitätsklinikums Erlangen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und anderen europäischen Partnern gestartet. Mit Hilfe von Sensoren im Schuh und am Oberkörper sollen Besonderheiten im Gang und bei Stürzen von Parkinson-Patienten telemedizinisch analysiert werden. „Deutet ein bestimmtes Gangmuster auf einen drohenden Sturz hin, sollen die Patienten oder Betreuer dann künftig rechtzeitig gewarnt werden“, sagte Forschungsleiter Prof. Dr. Jochen Klucken aus der Molekularen Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen. Die im Rahmen der telemedizinischen Heim-Monitoring-Lösung erfassten Daten sollen auch für weitere Forschungsprojekte zur interdisziplinären Versorgung von Parkinson-Patienten mittels Medizintechnik genutzt werden. Das einjährige Projekt wird mit 500.000 Euro von EIT-Health gefördert.

„MoveIT“ gliedert sich erfolgreich in weitere Forschungsprojekte des Konsortiums um Prof. Klucken aus der Molekularen Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen und Prof. Dr. Björn Eskofier vom Lehrstuhl für Maschinelles Lernen und Datenanalytik (Heisenberg-Professur) der FAU Erlangen-Nürnberg zum Thema neue digitale Versorgungskonzepte des Parkinson-Syndroms ein. Dazu zählen zwei weitere EIT-Projekte und ein vom Medical Valley Award unterstütztes Projekt (FallRiskPD) zum Sturzrisiko. Das neue EIT-Health-Projekt soll eng mit dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) Erlangen unter der Leitung von Christian Weigand verzahnt werden, um die entsprechenden IT-Infrastrukturen für eine bessere Kommunikation zwischen Ärzten, Therapeuten, Patienten und Technologie aufzubauen und eine optimale Patientenversorgung zu ermöglichen. Die weiteren regionalen und europäischen Partner sind die Universität Luxemburg , das niederländische Radboudumc Universitätsklinikum in Nijmegen sowie Philips Research, ITTM S.A. und die Portabiles HealthCare Technologies GmbH (HCT)„Die verschiedenen Partner ermöglichen es uns, die Erfahrungen aus anderen EU-Ländern sowie die industrielle Sicht auf die Entwicklungen der digitalen Medizin in unser Projekt einzubinden“, so Prof. Klucken.

Mit mehr als 140 Partnern aus 17 europäischen Ländern ist EIT Health eine der weltweit größten Gesundheitsinitiativen. Die FAU Erlangen-Nürnberg ist ein Core Partner im Konsortium EIT Health. Auch das Fraunhofer IIS ist als „Associate Member“ mit an Bord.  Ziel von EIT Health ist es, Forschung, Unternehmertum und Innovation in den Bereichen „Gesundes Leben und Aktives Altern“ zu fördern, um in ganz Europa die Lebensqualität, die medizinische Versorgung und das Gesundheitswesen zu verbessern. Im Rahmen von EIT Health werden innovative Produkte, Bildungsangebote und Dienstleistungen entwickelt, die zur Lösung der demografischen Herausforderungen in Europa beitragen und das europäische Gesundheitswesen optimieren sollen. Mit einem Gesamtprojektvolumen von über 2 Milliarden Euro, davon bis zu 700 Millionen Euro an Fördermitteln, handelt es sich bei EIT Health um eine der weltweit größten öffentlich geförderten Initiativen im Bereich Gesundheit. Jährlich sollen 80 Millionen Euro Förderung für die nächsten sieben bis 15 Jahre in das Projekt fließen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jochen Klucken
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09.03.2018 EU-Datenschutzgrundverordnung - BÄK und KBV legen Informationen für niedergelassene Ärzte vor
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 09.03.2018 – Die Datenschutzgrundverordnung der
Europäischen Union gilt vom 25. Mai 2018 an. Zusammen mit dem im
Juli 2017 neu gefassten Bundesdatenschutzgesetz erfolgte eine
grundlegende Neuordnung des Datenschutzrechts in Deutschland.
Diese datenschutzrechtlichen Bestimmungen sind auch für Ärztinnen
und Ärzte relevant. Die Bundesärztekammer (BÄK) und die
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben deshalb ihre
Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht, Datenschutz und
Datenverarbeitung in der Arztpraxis aktualisiert und ergänzt. Wegen
punktueller Gesetzesänderungen im Bereich der ärztlichen
Schweigepflicht infolge des Geheimnisschutz-Neuregelungsgesetzes
vom November 2017 ist zudem der Abschnitt zur "Schweigepflicht" des
Papiers überarbeitet worden. Begleitend zu den „Hinweisen und
Empfehlungen“ bietet die Checkliste "Datenschutz-Check 2018“ eine
Hilfestellung. Sie benennt die wichtigsten Aspekte zum neuen
Datenschutzrecht und gibt Ärztinnen und Ärzten eine Prüfliste zur
Einhaltung des Datenschutzrechts an die Hand.

Zum Hintergrund: Bei der Informationsverarbeitung in der Arztpraxis
sind insbesondere die Bestimmungen der EU-Datenschutzgrundverordnung
und des neu gefassten Bundesdatenschutzgesetzes
von Bedeutung. Mit der von Mai an geltenden neuen Rechtslage gehen
zwar keine gravierenden Änderungen einher; viele Vorgaben müssen
schon jetzt in den Praxen berücksichtigt werden. Datenschutz soll aber
künftig besser durchgesetzt werden. Daher sind die Befugnisse der
Aufsichtsbehörden für den Datenschutz erweitert und die
Bußgeldrahmen drastisch erhöht worden.

Von Ärztinnen und Ärzten sind künftig zahlreiche datenschutzrechtliche
Pflichten zu erfüllen: Neuerdings muss der Verantwortliche für die
Datenverarbeitung (zum Beispiel der Inhaber einer Arztpraxis) die
Einhaltung der Grundsätze nachweisen können. Überdies bestehen
ausgeweitete Informationspflichten gegenüber Patienten. Diese
erfordern die Kenntnis der rechtlichen Voraussetzungen der
Verarbeitung von Patientendaten, um Patientinnen und Patienten
darüber zutreffend informieren zu können. Weil Ärzte sensible
Gesundheitsdaten verarbeiten, gelten für sie besondere Bestimmungen
mit erhöhten Rechtmäßigkeitsanforderungen.

Besonders relevant ist künftig die Datenschutzorganisation in der
Arztpraxis. Sie beinhaltet unter anderem die Überprüfung aller
Verarbeitungsvorgänge im Zusammenhang mit der Berufsausübung auf
ihre datenschutzrechtliche Konformität und die Erstellung eines
Verzeichnisses für Datenverarbeitungstätigkeiten. Zudem muss unter
Umständen ein interner oder externer Datenschutzbeauftragter in der
Arztpraxis benannt werden und es bestehen Meldepflichten bei
Datenpannen. Ferner gilt es, Auskunftsrechte von Patienten zu
beachten. Augenmerk muss zudem auf das Verhältnis zu externen
Dienstleistern und Dritten gelegt werden.

Die Hinweise und Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht,
Datenschutz und Datenverarbeitung in der Arztpraxis sowie die
Publikation „Datenschutz-Check 2018: Was müssen Arztpraxen
angesichts der neuen Vorschriften zum Datenschutz tun?“ können im
Internet unter http://www.bundesaerztekammer.de/recht/aktuellerechtliche-
themen/ds/ abgerufen werden.


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Pressestelle der
deutschen Ärzteschaft

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07.03.2015 Lasst den Worten Taten folgen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Die Verhandler der Großen Koalition (GroKo) setzten beim Thema Gesundheit an vielen Stellen durchaus richtige Impulse“, schreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Leitartikel der Märzausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. Nur beispielhaft nennt Quitterer die vorgesehenen Maßnahmen gegen den Ärztemangel, wie die Förderungen von Landärzten und den Ausbau der Strukturfonds. Mit der Förderung der sektorenverbindenden Versorgung, Neuregelungen bei der Notfallversorgung und der Reform des Medizinstudiums seien wichtige Zukunftsthemen angesprochen.

„Ich begrüße insbesondere die im Koalitionsvertrag angedachte Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze. Hier darf es nicht bei einem bloßen Lippenbekenntnis bleiben“, fordert der BLÄK-Präsident. Unstrittig dürfte es sein, dass hierzulande mehr Ärztinnen und Ärzte, insbesondere in der hausärztlichen und demnächst auch in der fachärztlichen Versorgung gebraucht würden. Dafür müssten mehr universitäre Studienplätze für Medizin in Deutschland geschaffen werden. Nachdem es originäre Aufgabe der Ärztekammer sei, den Staat in Fragen der Gesundheitspolitik und der medizinischen Versorgung zu beraten und zu unterstützen, drängt Quitterer hier auf eine Mitwirkung auf Länderebene.
Positiv zu werten seien die vorgesehene weitere Stärkung der Hospiz- und Palliativversorgung, die geplante Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes und der Ausbau des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Es sei vernünftig, dass die GroKo-Verhandler das zuletzt heftig diskutierte Thema der Ärzte-Vergütung nicht unter Zeitdruck entscheiden wollten.

Zum Regierungsvorhaben, die einschränkenden Regelungen zur Fernbehandlung auf den Prüfstand stellen zu wollen, schreibt Bayerns Ärzte-Chef: „Cave: Mehr Ärzte und weniger Fernbehandlung lautet hier mein Credo. Die sogenannte Fernbehandlung ist nur als Erstbehandlung bzw. einleitende Therapie bei akuten Erkrankungen gedacht, sofern die Patienten ihre behandelnde Ärztin bzw. Arzt nicht erreichen. Keinesfalls ist sie Ersatz für das persönliche Arzt-Patient-Verhältnis.“

Quitterer geht in seinem Beitrag auch auf das Mindestsprechstundenangebot der Vertragsärzte für die Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten ein und thematisiert die gemeinsame Sicherstellung der Notfallversorgung durch die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Landeskrankenhausgesellschaften: „Wir brauchen hier vernünftige Lösungen. Bayerns Ärzteschaft ist bereit, sich in die anstehenden Beratungen konstruktiv einzubringen.“

Mehr zu „Lasst den Worten Taten folgen“ lesen Sie in der Ausgabe 3/2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
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05.03.2018 Auch in Bayern: Fachsprachenprüfung auf dem Level C1!
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Derzeit thematisieren die AfD Bayern und rechtsorientierte Internetblogs die Fachsprachenprüfung für ausländische Ärztinnen und Ärzte in Bayern. In einer Presserklärung vom 26. Februar 2018 behauptet die AfD Bayern fälschlicher Weise: „ … in Bayern genügt es, wenn sich Mediziner auf dem allgemeinsprachlichen B2-Level verständigen können. Andere Bundesländer verlangen den höheren C1-Standard.“ Das ist unwahr, muss doch auch in Bayern seit April 2017 von ausländischen Ärztinnen und Ärzten eine Fachsprachenprüfung (FSP) auf dem Level C1 absolviert werden.

Die FSP für Ärztinnen und Ärzte aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland haben seit April 2017 in Bayern 342 Prüflinge bestanden; 369 sind durchgefallen. Bei 711 durchgeführten Prüfungen lag die Bestehensquote bei 48 Prozent. „Die Prüfungen dienen als Nachweis über die für die Berufsausübung erforderlichen Sprachkenntnisse bei allen internationalen Ärzten, die ihre Ausbildung außerhalb des Bundesgebietes absolviert haben und keine Deutsch-Muttersprachler sind“, so Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Die 87. Gesundheitsministerkonferenz 2014 hatte einstimmig Eckpunkte zur Überprüfung der für die Berufsausübung erforderlichen Deutschkenntnisse in den akademischen Heilberufen beschlossen. Auf dieser Grundlage haben das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gemeinsam mit der BLÄK eine mit den Regierungen abgestimmte Verfahrensordnung für Sprachtests vereinbart. Die BLÄK nimmt im Auftrag der Regierungen seit April 2017 den Sprachtest auf dem Sprachniveau C1 ab.

Weiter werden in der Veröffentlichung der AfD Bayern Interviewpassagen von Bundesärztekammer-Präsident Professor Dr. Frank Ulrich Montgomery im Deutschen Ärzteblatt unzulässig verkürzt wiedergegeben.

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28.02.2018 30. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen am 27. Februar 2018 - Patientensicherheit ist integraler Bestandteil der medizinischen Versorgung
Pressenachricht der Bundesärztekammer

Wie lassen sich Fehler und unerwünschte Ereignisse in der Patientenversorgung vermeiden? Wie kann gute Kommunikation zu mehr Patientensicherheit beitragen? Mit diesen und weiteren Fragen
beschäftigte sich die 30. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen auf ihrer Jahrestagung am 27. Februar in Berlin.

„Wichtige Voraussetzungen für die qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in Deutschland und damit für die Sicherheit der Patientinnen und Patienten sind gute Ausbildungsmöglichkeiten,
motivierende berufliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Anerkennung für alle Beschäftigten in unserem Gesundheitswesen.“
Darauf verwies zu Beginn der Tagung Dr. Max Kaplan, Vize-Präsident der Bundesärztekammer und Vorsitzender der Fachberufekonferenz. Kaplan bezeichnete es als richtig und wichtig, dass sich Union und SPD für eine Stärkung und Weiterentwicklung der Gesundheitsfachberufe einsetzen und
insbesondere auch attraktive Ausbildungsmöglichkeiten schaffen wollen. „Mit Blick auf den Fachkräftemangel in nahezu allen Bereichen unseres Gesundheitswesens ist dies das richtige Signal zur richtigen Zeit.“

Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, stellte die vielfältigen Instrumente auf Ebene der gemeinsamen Selbstverwaltung zur Erhöhung der Patientensicherheit heraus. Als Beispiele nannte Hecken die Verankerung von einrichtungs-übergreifenden Fehlermeldesystemen in Krankenhäusern, die Entwicklung von Entscheidungshilfen für Patienten und Versicherte auch in leichter Sprache – oder die Bereitstellung von aussagekräftigen
Informationen über die Ausstattung und die Leistungen eines


Krankenhauses. Auch mit dem Innovationsfonds rücke die Patientensicherheit stärker in den Fokus. So fördere der Innovationsausschuss beispielsweise Projekte zur Verbesserung der
Kommunikation, der Delegation, zur Förderung der Gesundheitskompetenz und Erhöhung der Medikationssicherheit.

„Wir haben kein Erkenntnisproblem. Wir haben ein Umsetzungsproblem. In der klinischen Praxis sowie Aus- und Fortbildung in Medizin und Pflege muss zur Erreichung der Patientensicherheit die Zwischenmenschlichkeit in der Kommunikation gestärkt werden“, so Prof. Dr. Annegret Hannawa,
Universität Lugano. Viele schwere Schadensfälle entstünden aus unsicherer Kommunikation. Die fünf Kernkompetenzen einer „sicheren Kommunikation“ nach ihrem SACCIA-Modell förderten ein einheitliches Verständnis unter den Beteiligten und sorgten so für mehr Patientensicherheit (SACCIA: Sufficiency-Accuracy-Clarity-Contextualisation-Interpersonal Adaptation). In Deutschland könnten
hiermit täglich Schadensfälle vermieden und bis zu 15 Prozent der Krankenhausausgaben eingespart werden. Sichere Kommunikation bedeute also nicht nur mehr Patientensicherheit und mehr Sicherheit für Kliniker, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen – sie helfe auch dem Gesundheitswesen, sie spart Zeit, spart Geld und erhöht die Berufszufriedenheit.

Die vom Vorstand der Bundesärztekammer im Jahr 1989 initiierte Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen traf sich zu ihrer 30. Sitzung. Ziel dieser ständigen Einrichtung von 42 Verbänden ist, den Dialog und die interprofessionelle sowie sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachberufen zu fördern und aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Berufsausübung zu beraten.

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27.02.2018 Ein Zeichen setzen für die Nöte von Patienten mit Seltenen Erkrankungen
Pressenachricht der Bundesärzteklammer

„Wir müssen uns stärker um die Nöte und
Anliegen von vier Millionen Kindern und Erwachsenen mit seltenen Erkrankungen in Deutschland kümmern“, fordert Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer,
zum Internationalen Tag der Seltenen Erkrankungen am 28. Februar. Der Tag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Setz dein Zeichen für die Seltenen“. „Bei Seltenen Erkrankungen haben wir
nur wenige gesicherte Erkenntnisse. Wir müssen deshalb die Forschung auf diesem Gebiet noch mehr intensivieren“, sagt Montgomery.

Gerade Menschen, die an einer Seltenen Erkrankung leiden, brauchen verlässliche Informationen. Daher haben Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung und das
Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin gemeinsam mit der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE) e. V. diverse Patienteninformationen für Betroffene entwickelt. „Die
Kurzinformationen sollen helfen, die aktive Beteiligung der Patienten am Behandlungsprozess zu fördern und das Arzt-Patienten-Gespräch zu unterstützen“, so Montgomery.

Eine Krankheit gilt in der Europäischen Union als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind. Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden nach
Angaben des Bundesgesundheitsministeriums an einer der bis zu 8.000 weltweit bekannten Seltenen Erkrankungen.

Informationen zu Seltenen Erkrankungen sind zu finden unter Patienteninformationen,

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22.02.2018 Emmy-Noether-Förderung für Tinnitusforschung
uni | mediendienst | forschung Nr. 8/2018

Neuro-Forscherin erhält 1-Million-Euro-Nachwuchsförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Dr. Nadia Müller-Voggel aus der Neurochirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Buchfelder) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat für ihre Forschung zur Gehirnaktivität bei Tinnituspatienten jetzt die Emmy-Noether-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten. Mit dem Emmy-Noether-Programm wird die von Dr. Müller-Voggel geleitete Nachwuchsforschergruppe am Uni-Klinikum Erlangen für mindestens drei Jahre mit einer Million Euro gefördert.

In Deutschland leiden 10 bis 15 Prozent der Menschen unter einem Tinnitus. Wegen der dauernden Störgeräusche im Ohr ist die Lebensqualität der Betroffenen oft stark eingeschränkt. Ein Tinnitus entsteht im Gehirn und ist die Folge einer Übererregung des auditorischen Systems. Aber auch nicht-auditorische Vorgänge tragen dazu bei, dass lästige Ohrgeräusche auftauchen – etwa Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprozesse.

„Es gibt viele Therapieansätze bei Tinnitus, doch keiner funktioniert zu hundert Prozent befriedigend“, erklärt Dr. Nadia Müller-Voggel. „Das liegt daran, dass wir noch immer nicht sicher wissen, wie sich ein Tinnitus genau entwickelt.“ Dr. Müller-Voggels Forschung hat deshalb einen besonderen Fokus: „Wir untersuchen den Tinnitus im Verlauf: Welche Hirnaktivität messen wir, bevor die Ohrgeräusche entstehen? Was sind Risikofaktoren dafür, dass sich irgendwann ein Tinnitus entwickelt? Und: Wie ist die Situation im akuten und im chronischen Stadium?“

Im Rahmen einer Langzeitstudie erforscht die Nachwuchswissenschaftlerin also, wie sich Tinnitus und Gehirnaktivität bei Betroffenen mit den Jahren verändern. Die Studienteilnehmer erhalten zum Beispiel Aufgaben, die ihre Aufmerksamkeit fordern; parallel dazu wird mithilfe der Magnetenzephalografie die Hirnaktivität gemessen. „Eine unserer Fragen ist: Wird der Tinnitus leiser, wenn sich die Aufmerksamkeit verlagert?“, sagt Nadia Müller-Voggel. Außerdem wissen die Forscher, dass negative Gefühle die Störgeräusche verschlimmern können. „Wir erzeugen bei den Studienteilnehmern also auch negative Emotionen, schauen, ob der Tinnitus dadurch lauter wird, und beobachten, was währenddessen im Gehirn passiert.“

Ziel ist es, die subjektiv empfundenen, objektiv nicht messbaren Ohrgeräusche mit messbaren Hirnaktivitäten zusammenzubringen. „So erhoffen wir uns, die genannten Risikofaktoren zu identifizieren – also bestimmte neuronale Gegebenheiten, die einen Tinnitus begünstigen“, erklärt Dr. Müller-Voggel. „Ebenso halten wir Ausschau nach den spontanen Selbstheilungskräften des Gehirns – denn bei manchen Betroffenen verschwindet der Tinnitus ganz plötzlich von selbst.“

Dr. Nadia Müller-Voggel war bis 2013 als Postdoc am Center for Mind/Brain Sciences an der Universität Trient tätig. Dank eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes kam sie anschließend ans Uni-Klinikum Erlangen, wo ihr nun die begehrte Emmy-Noether-Förderung bewilligt wurde.

Emmy-Noether-Programm der DFG

Das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft soll herausragenden Forschern die Möglichkeit geben, durch die Leitung einer Nachwuchsgruppe und spezielle Lehraufgaben die Voraussetzungen für eine Berufung als Hochschullehrer zu erlangen. Die geförderten Wissenschaftler müssen eine zweijährige Postdoc-Erfahrung sowie internationale Forschungserfahrung nachweisen und erklären, dass sie ihre wissenschaftliche Karriere im Anschluss an die Förderung in Deutschland fortsetzen.

Weitere Informationen:
Dr. Nadia Müller-Voggel
Tel.: 09131 85-36921
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21.02.2018 Von der Sackgasse zur (Daten-)Autobahn-MIRACUM-Patientendaten besser für die Forschung und die Patientenversorgung nutzbar machen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 18/2018

-MIRACUM-Konsortium lädt zum Kick-Off-Symposium am 22. und 23. Februar im Hörsaalgebäude der Medizinischen Fakultät, Ulmenweg 18, Erlangen ein
Patientendaten besser für die Forschung und die Patientenversorgung nutzbar machen – das ist
das Ziel von MIRACUM, einem Konsortium das vom Lehrstuhl für Medizinische Informatik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) koordiniert wird. Es ist eines von vier Konsortien, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt 120 Millionen Euro bis 2021 gefördert werden. Am 22. und 23. Februar feiert MIRACUM im Hörsaalgebäude der Medizinischen Fakultät, Ulmenweg 18, in Erlangen nun sein offizielles Kick-Off mit einem Symposium – und stellt dabei bereits allererste Ergebnisse vor: So hat eine erste Analyse ergeben, dass eine neue, schonendere Behandlungsoption bei Schlaganfällen zwar insgesamt zunehmend häufiger angewendet wird, es jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Einrichtungen gibt.

Das MIRACUM-Konsortium (Medical Informatics in Research and Care in University Medicine) wird im Rahmen der Medizininformatik-Initiative (MI-I) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ab 2018 mit 32,1 Millionen Euro gefördert. Hinter MIRACUM stehen acht Universitäten mit Universitätskliniken, zwei Hochschulen und ein Industriepartner. Ziel von MIRACUM ist es, die derzeit sehr unterschiedlichen Dateninseln aus Krankenversorgung und Forschung in Datenintegrationszentren zusammenzuführen, um die Daten mit Hilfe von innovativen IT-Lösungen für Forschungsprojekte und konkrete Therapieentscheidungen zentral nutzen zu können. Klinische Befunde, bildgebende Diagnostik sowie genetische und molekulare Untersuchungen sind Beispiele von Informationen aus der Klinik, die MIRACUM vernetzt, um zukünftig beispielsweise Lungenerkrankungen oder auch Hirntumoren mit verbesserter Trennschärfe verschiedenen Untergruppen zuzuordnen, und Patienten somit zielgerichteter und wirkungsvoller behandeln zu können. Prof. Dr. Jürgen Schüttler, Dekan der Medizinischen Fakultät: „Das Engagement im MIRACUM-Konsortium fügt sich hervorragend in das Forschungsszenario unserer Fakultät ein. Eines unserer Leuchtturmprojekte ist unser vor 10 Jahren ebenfalls mit Hilfe des BMBF gestartete Exzellenzzentrum für Medizintechnik, das Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg. MIRACUM bietet nun eine ausgezeichnete Möglichkeit für eine komplementäre Ergänzung der mehr technisch ausgerichteten Medical-Valley-Aktivitäten durch die systematische Bearbeitung des Gesamtfelds von Datenakquisition und vernetztem Datenmanagement im Gesundheitswesen.“

Die ersten Ergebnisse

Bereits in der Konzeptphase hat das MIRACUM-Konsortium erste Ergebnisse erzielt. Inspiriert von einem Besuch verschiedener exzellenter medizininformatischer Forschungsstandorte in New York, Boston und Nashville, setzten die Forscher auf den pragmatischen Beispielen und Vorarbeiten der Amerikaner auf und konzipierten in kürzester Zeit eine erste Version ihrer Datenintegrationszentren. Diese wurden auch bereits mit anonymisierten Datensätzen befüllt.

Darauf aufbauend analysierten die Wissenschaftler eine erste klinische Fragestellung. Sie gingen der Frage nach, inwiefern eine neue Behandlungsoption, die sogenannte Thrombektomie, bereits bei Schlaganfall-Patienten eingesetzt wurde. Die Thrombektomie ist ein relativ schonendes Verfahren, um Blutgerinnsel zu entfernen. Auf der Basis von etwa drei Millionen dezentral und anonymisiert bereitgestellten Krankenhausfällen aus den acht Konsortialkliniken konnten die Wissenschaftler unter anderem nachweisen, dass sich von 2014 bis 2016 die Thrombektomierate bei Schlaganfallpatienten fast verdoppelte (von durchschnittlich 4,7 auf 9,6 Prozent). Gleichzeitig griffen die MIRACUM-Kliniken den neuen Therapieansatz unterschiedlich häufig auf: Im Jahr 2016 schwankten die Werte der acht Kliniken zwischen 5,8 und 17 Prozent. „Dies ist nur der erste Schritt, den das MIRACUM-Konsortium unter Nutzung von Abrechnungsdaten – Diagnosen und Prozeduren – bereits in der Konzeptphase umsetzen konnte“, erläutert Prof. Dr. Ulli Prokosch, der Erlanger Koordinator des MIRACUM-Konsortiums. „In den kommenden vier Jahren werden wir an den demnächst zehn oder elf MIRACUM-Standorten Datenintegrationszentren aufbauen, in denen wir die Vielzahl der in der Krankenversorgung dokumentierten klinischen Daten und Bilddaten, aber auch Forschungsdaten, zum Beispiel aus genomischen und molekularen Hochdurchsatzanalysen integrieren, standortübergreifend harmonisieren und für deutlich weitergehende Analysen nutzbar machen werden. Letztendlich etablieren wir IT-Infrastrukturen, die den Forschern eine Vielzahl von Werkzeugen für unterschiedlichste Analysen zur Verfügung stellen und damit dem medizinischen Erkenntnisgewinn dienen sollen.“ Prof. Schüttler fügt hinzu: „Im Sinne der konsequenten Umsetzung von S3-Leitlinien könnten diese Ergebnisse ausschlaggebend sein für  eine verbesserte Patientenversorgung an allen Standorten.“

Der nächste Schritt

MIRACUM ist das größte geförderte Konsortium der Medizininformatik-Initiative – und wächst voraussichtlich noch weiter. Denn im nächsten Schritt sollen bisher nicht geförderte Universitätsklinikstandorte an die Konsortien angeschlossen werden. Dafür stellt das BMBF weitere 30 Millionen Euro zur Verfügung. MIRACUM stimmt sich dafür mit den Universitätskliniken Dresden, Greifswald und Lübeck ab. Im Falle einer positiven Begutachtung durch das internationale Gutachtergremium würde MIRACUM bereits ein Drittel aller deutschen Universitätskliniken umfassen.

MIRACUM-Kick-Off-Symposium

Auf seinem Kick-Off-Symposium am 22. und 23. Februar im Hörsaalgebäude der Medizinischen Fakultät im Ulmenweg stellt das Konsortium seine ersten Projektergebnisse sowie das MIRACUM-Gesamtkonzept der Öffentlichkeit vor. Dabei werden auch die drei definierten Anwendungsszenarien anhand derer MIRACUM den Wert der gemeinsamen Datennutzung demonstrieren will, präsentiert: Patientenrekrutierung bei klinischen Studien, Prädiktionsmodelle für Patienten mit Asthma/COPD bzw. Hirntumoren und Präzisionsmedizin in der Tumortherapie am Beispiel Molekularer Tumorboards. Zudem werden Vortragende aus der New York Columbia University, dem Memorial Sloan Cattering Cancer Center in New York, dem NIH in Washington, aus dem Human Brain Project, dem Academic Medical Center of the University of Amsterdam, dem DKFZ in Heidelberg der Medizinischen Informatik der Universität Graz und der Standardisierungsorganisation HL7 internationales Wissen beisteuern.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.miracum.org/symposium-2018/programme/ 
Weitere Informationen:

Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch
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16.02.2018 Wichtige Erkenntnisse in der ADHS-Therapie-Neurofeedback bei ADHS: Meta-Analyse bestätigt anhaltende Effekte
uni | mediendienst | forschung Nr. 7/2018 v

Können mit einer Neurofeedback-Therapie bei Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) längerfristige Effekte erzielt werden?
Dieser Frage ging ein internationales Studienteam nach, dem auch Forscher der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit (Leiter: Prof. Dr. Gunther Moll) des Universitätsklinikums Erlangen sowie der Eberhard Karls Universität Tübingen angehörten. Mit einer Meta-Analyse fanden sie heraus, dass die positiven Effekte bisheriger Therapiestudien über mindestens sechs Monate hinweg anhielten. Außerdem: Das Neurofeedback schnitt in der Nachuntersuchung nicht schlechter ab als gängige Therapien – zum Beispiel die Medikation. Die Meta-Analyse wurde jetzt im Fachjournal  „European Child & Adolescent Psychiatry“ veröffentlicht.
Beim Neurofeedback handelt es sich um ein computergestütztes Verfahren, bei dem den Kindern ihre Hirnaktivität (EEG) in Echtzeit rückgemeldet werden kann. Sie trainieren, ihre Hirnaktivität gezielt zu regulieren und damit auch ihr Verhalten besser zu steuern. „Neurofeedback kann in Form eines Computerspiels ablaufen. Ein Torwart hält zum Beispiel einen Elfmeter nur dann, wenn sich im EEG ein Muster zeigt, das einer bestimmten Form von Konzentration entspricht“, erklärt Prof. Dr. Hartmut Heinrich, einer der Erlanger Mitautoren.

In die Meta-Analyse wurden Daten von mehr als 500 Kindern mit ADHS aus zehn randomisierten kontrollierten Studien einbezogen. In diesen wurden überwiegend sogenannte Standard-Neurofeedback-Protokolle eingesetzt. Um eine ausgewogene und kritische Interpretation der Daten zu gewährleisten, arbeiteten in der internationalen Forschergruppe – mit Mitgliedern aus Deutschland, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten – Wissenschaftler unterschiedlicher Positionen zum Neurofeedback zusammen.

Die Ergebnisse zeigen: Kinder mit ADHS profitieren auch sechs Monate nach den Behandlungseinheiten vom Neurofeedback. Ihre Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität hatten sich tendenziell sogar noch weiter verringert. „In den bisherigen Studien hat Neurofeedback bei den Nachuntersuchungen nicht schlechter abgeschnitten als gängige Therapien einschließlich der Medikation“, fügt der niederländische Kollege Dr. Martijn Arns hinzu. Er hatte die Meta-Analyse initiiert. Für andere Kontrollbedingungen, die in den Studien eingesetzt wurden, wie etwa kognitives Training, wurde nur direkt nach Ende der Behandlung ein signifikanter Effekt gefunden – nicht aber in der Nachuntersuchung.

Somit weisen die Ergebnisse der Meta-Analyse darauf hin, dass Neurofeedback eine weitere wichtige und längerfristig wirksame Behandlungsoption für Kinder mit ADHS werden könnte.

Van Doren, J., Arns, M., Heinrich, H. et al. Eur Child Adolesc Psychiatry (2018). https://doi.org/10.1007/s00787-018-1121-4.

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14.02.2018 Wertschätzung von Öffentlichkeit und Politik! - BLÄK-Präsident Dr. Gerald Quitterer im Leitartikel des Bayerischen Ärzteblattes
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Mit großer Freude trete ich dieses Amt an. In der Berufspolitik bin ich kein Neuling. Ich kann auf eine breite Erfahrung aus meiner Tätigkeit im Hausärzteverband, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) zurückgreifen. Mein Engagement gilt der Vertretung der gesamten Ärzteschaft: Haus- und Fachärzten – ebenso wie Klinikärzten“, schreibt der neu gewählte BLÄK-Präsident Dr. Gerald Quitterer im Leitartikel der Januar/Februar-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. In seinem Beitrag thematisiert der Eggenfeldener Hausarzt die Schwerpunkte seines Programms: Ärztlicher Nachwuchs, Weiterbildung zum Facharzt, Mitgliederbetreuung, Bezirke, KVB, Politik, Niedergelassene Ärzte, Krankenhaus, GOÄ, Europa, Ökonomisierung und Freiberuflichkeit des Arztes.

Zum Thema Digitalisierung schreibt Quitterer, dass es in einer Zeit fortschreitender Digitalisierung der Weitsicht bedürfe, Nutzen und Vorteile zu erkennen, die diese Technik für Praxen und in der Patientenbetreuung bedeuten könne. „Wie begegnen wir dem Thema ‚Gesundheitskarte‘, wenn darüber eine Patientensteuerung im Sinne der Krankenkassen erfolgen soll? Wie der Telemedizin? Digitalisierung hat meines Erachtens nur dann einen Sinn, wenn sie den Ärzten nützt, sie nicht zusätzlich belastet und kein zusätzliches Geld kostet.“ Hier gelte es, mitzuentscheiden, um nicht plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, beispielsweise, „dass Fernbehandlung und Speicherung von Patientendaten nicht mehr in unserer Hand liegen“.

Von diesen Entwicklungen seien alle betroffen: Hausärzte wie Fachärzte und Klinikärzte, Selbstständige wie Angestellte und im Gesundheitsdienst Tätige, Ärzte in Forschung, Wissenschaft und Lehre. „Bei allem Respekt unserem Beruf gegenüber und der nötigen Demut sind wir es, die eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau sicherstellen. Und dies verdient Wertschätzung von Öffentlichkeit und Politik. Die Freiberuflichkeit des Arztes muss bestehen bleiben! Dazu brauchen wir eine starke Berufsvertretung, die sich nicht in Splitterinteressen verliert, sondern die ihre Gemeinsamkeiten als ihre größte Stärke begreift“, so der Präsident abschließend.

Mehr zu „Wertschätzung von Öffentlichkeit und Politik!“ lesen Sie in der Ausgabe 1-2/2018 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de


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12.02.2018 Wie der Entzündung das Benzin ausgeht-FAU-Forscher zeigen, wie ein Sauerstoff-Sensor im Körper die Entzündung hemmt
uni | mediendienst | forschung Nr. 6/2018

Entzündung benötigt Energie. Diese wird nicht zuletzt aus Sauerstoff generiert, der für die Arbeit der Zellen des Immunsystems unerlässlich ist. Dabei ist Sauerstoff einerseits ein essenzielles Element für das Überleben von Zellen, andererseits fungiert dieser aber auch als „Benzin“ für das Feuer der Entzündung. Jetzt konnten Forscher der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausfinden, dass der Körper diesen Prozess geschickt ausnützt, um Entzündungen zu löschen. Dabei wird Immunzellen Sauerstoffmangel vorgegaukelt, so dass sich diese, um Energie zu sparen, vom Entzündungsgeschehen zurückziehen. Diese neuen Erkenntnisse wurden nun im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht (DOI: 10.1038/s41467-017-02683-x).

Sauerstoffkonzentrationen werden im Körper engmaschig kontrolliert. Hierzu stehen dem Körper Sensoren für Sauerstoff zur Verfügung, die die Konzentration in den Zellen messen. Fällt der Sauerstoffgehalt, zum Bespiel durch ein geringeres Angebot oder durch vermehrten Verbrauch, werden diese Sensoren aktiviert. Der wichtigste Sauerstoffsensor im Körper ist dabei ein Eiweiß namens Hypoxie induzierter Faktor, kurz HIF, welches durch einen geringen Sauerstoffgehalt aktiviert wird. 
Nun konnte Prof. Dr. Aline Bozec an der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg Schett) des Universitätsklinikums Erlangen zeigen, dass eine vermehrte Aktivierung von HIF-1α in Immunzellen zur Auflösung von Entzündung führt. Dabei ist es gelungen,einen neuen molekularen Mechanismus aufzudecken, der schwerwiegende entzündliche Krankheiten des menschlichen Körpers wie Arthritis und Multiple Sklerose in Schach hält.

„HIF agiert dabei quasi als eine Art Psychotherapeut für eine gewisse Sorte von Immunzellen, den B-Lymphozyten“, erklärt Professorin Bozec. Unter der Einwirkung von HIF beginnen B-Lymphozyten, die normalerweise bei der überschießenden Immunantwort eine zentrale Rolle spielen, den regulierenden Botenstoff Interleukin-10 zu produzieren und den Entzündungsprozess damit zu hemmen. Durch Aktivierung von HIF werden B-Lymphozyten sozusagen „vom Saulus zum Paulus“.

Das Team um Professorin Bozec hat den Sauerstoff-Sensor HIF in B-Zellen ausgeschaltet und beobachtet, dass sich dann Entzündungen nicht mehr auflösen und es zu chronisch-entzündlichen Erkrankungen kommt. Damit erschließen sich neue Möglichkeiten zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis oder Multipler Sklerose durch Medikamente, die HIF anschalten. Die Arbeiten von Professorin Bozec werden durch den Sonderforschungsbereich 1181 „Schaltstellen für die Auflösung der Entzündung“ unterstützt.

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07.02.2018 Transplantationsrisiken minimieren - FAU-Forscher entschlüsseln, wie gefährliche Entzündungen nach einer Stammzelltransplantation entstehen
uni | mediendienst | forschung Nr. 4/2018

Häufig ist eine Knochenmarktransplantation für Patienten mit Leukämie die rettende Therapie, doch das Risiko von Komplikationen ist groß. Trotz der aufwendigen und häufig langen Suche nach einem geeigneten Spender, kommt es bei fast der Hälfte der Patienten zu einer unerwünschten Reaktion des Immunsystems, die sich oft gegen die Haut und Leber und in bis zu 50 Prozent der Fälle gegen den Darm richtet. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten nun entschlüsseln, wie es zu diesen teils lebensgefährlichen Darmentzündungen kommt und einen möglichen Behandlungsansatz aufzeigen. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachmagazin Journal of Clinical Investigation (DOI: 10.1172/JCI89242) veröffentlicht.

Auslöser der heftigen Immunreaktion ist eine spezielle Form von Abwehrzellen des Spenders. Diese so genannten T-Lymphozyten erkennen die Körperzellen des Empfängers als fremd und attackieren sie. Die FAU-Forscher konnten nun zeigen, dass diese besondere Form der T-Lymphozyten von einem Protein namens BATF (engl. „basic leucin zipper ATF-like transcription factor“) gesteuert wird. „Das BATF-Eiweiß arbeitet wie ein Zentralschalter in den Spender-T-Lymphozyten“, sagt Prof. Dr. Kai Hildner von der Medizinischen Klinik 1- Gastroenterologie Pneumologie, Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath). „Wird das Protein angeschaltet, können sich hoch aggressive Immunzellen entwickeln, die die Entzündungsvorgänge massiv verstärken und dann im Wechselspiel mit anderen Immunzellen großen Schaden im Darm nach einer Stammzelltransplantation anrichten.“

Die Gruppe um Professor Hildner in Kooperation mit der Medizinischen Klinik 5 und Arbeitsgruppen in Frankfurt, Regensburg und Würzburg konnte darüber hinaus noch einen anderen Zusammenhang nachweisen: Die in den Darm eingewanderten T-Lymphozyten des Spenders schütten einen Botenstoff (GM-CSF – Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierender Faktor) aus und vermitteln so die Entzündungsreaktion im Darm. Blockierten die Forscher die Entwicklung und Funktion dieser spezialisierten T-Lymphozyten mit Medikamenten, lösten sich die Entzündungen im Darm auf. 

Von der Entdeckung dieses molekularen Mechanismus erhoffen sich die Wissenschaftler neue Therapien zur Beeinflussung der Darmentzündungen nach Transplantationen entwickeln zu können, um die Überlebenschancen der Patienten nach einer Stammzelltransplantation weiter zu erhöhen.
Manuskript
https://www.jci.org/articles/view/89242
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05.02.2018 Genitalverstümmelung weltweit ächten-Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 05.02.2018 – „Die Beschneidung von Mädchen und Frauen ist
eine Menschenrechtsverletzung und hat schwerwiegende körperliche
und seelische Folgen.“ Darauf verwies Dr. Ulrich Clever,
Menschenrechtsbeauftragter der Bundesärztekammer (BÄK) und
Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, zum
Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung am 6. Februar. Clever
hob hervor, dass Deutsche Ärztetage wiederholt eine weltweite Ächtung
und Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung gefordert
hatten.
Etwa 200 Millionen Frauen sind nach Schätzungen der
Weltgesundheitsorganisation betroffen. Terre des Femmes rechnet in
Deutschland mit mehr als 58.000 betroffenen und rund 13.000
gefährdeten Mädchen und jungen Frauen. Man müsse davon ausgehen,
dass dieses Problem mit der wachsenden Zahl von Geflüchteten in
Europa zunehme, sagte Clever.
In Deutschland ist die Genitalverstümmelung ein Straftatbestand und
kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden.
Eine eventuelle Einwilligung der Patientin in den Eingriff entfaltet keine
rechtfertigende Wirkung, weil die Tat trotz der Einwilligung gegen die
„guten Sitten“ verstößt (§ 228 StGB). Insbesondere Eltern drohen im
Zusammenhang mit dem Eingriff je nach Tatbeitrag erhebliche
strafrechtliche Konsequenzen.
Die Bundesärztekammer hat in den vergangenen Jahren viel
Aufklärungsarbeit zum Thema weibliche Genitalverstümmelung
geleistet. Damit Ärzte den traumatisierten Frauen die notwendige
Sensibilität entgegen bringen können, hat die BÄK „Empfehlungen zum
Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung“
erarbeitet. Clever: „Die anatomischen und seelischen Folgen von
Genitalverstümmelung müssen bei Geburt, Operation sowie
Wundversorgung medizinisch und psychotherapeutisch berücksichtigt
werden.“ Eine kultursensible Beratung und Anamnese sei in den
Mittelpunkt der Behandlung zu stellen, ohne jedoch die Aufklärung über
die Rechtslage zu vernachlässigen, so Clever.
Die „Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher
Genitalverstümmelung“ können Sie in deutscher sowie englischer
Sprache unter den nachfolgenden Links abrufen:
http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Empfehlungen/2016-04_Empfehlungen-zum-Umgang-mit-Patientinnen-nach-weiblicher-Genitalverstuemmelung.pdf

http://www.bundesaerztekammer.de/fileadm
in/user_upload/download
s/pdf-Ordner/Empfehlungen/female-genital-mutilation_FGM.pdf

Pressemitteilung
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03.02.2018 Dr. Andreas Botzlar und Dr. Wolfgang Rechl zu Vizepräsidenten gewählt
Pressemeldung der Landesärztekammer Bayern

Die Delegiertenversammlung der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) wählte in ihrer konstituierenden Sitzung Dr. Andreas Botzlar (50), Facharzt für Chirurgie aus Murnau, Landesvorsitzender des Marburger Bundes Bayern und stellvertretender Bundesvorsitzender im ersten Wahlgang zum 1. Vizepräsidenten. Gegenkandidatin war die bisherige Vizepräsidentin Dr. Heidemarie Lux (66), Internistin und Endokrinologin aus Nürnberg. Dr. Wolfgang Rechl (59), hausärztlicher Internist aus Weiden/Oberpfalz wurde wieder zum 2. Vizepräsidenten gewählt. Gegenkandidaten hatte Rechl nicht.

Am 3. Februar 2018 traten die neugewählten 181 Delegierten der BLÄK im Ärztehaus Bayern in München zu ihrer konstituierenden Vollversammlung zusammen, um das Präsidium, sechs Vorstandsmitglieder, 39 Abgeordnete zum Deutschen Ärztetag sowie die Mitglieder für zahlreiche Gremien zu wählen. Die neu beginnende Amtsperiode dauert fünf Jahre.

Die Delegiertenversammlung ist die Vollversammlung der über 82.000 Ärztinnen und Ärzte in Bayern. Die Vollversammlung der 181 Delegierten der 63 ärztlichen Kreisverbände und der sechs medizinischen Fakultäten der Landesuniversitäten tritt mindestens einmal jährlich zum Bayerischen Ärztetag zusammen.

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03.02.2018 Dr. Gerald Quitterer Hausarzt aus Eggenfelden zum Präsidenten der Bayerischen Landesärztekammer gewählt.
Pressemeldung der Landesärztekammer Bayern

Die Delegiertenversammlung der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) wählte in ihrer konstituierenden Sitzung den Facharzt für Allgemeinmedizin aus Eggenfelden, Niederbayern, Dr. Gerald Quitterer (61), im ersten Wahlgang zum Präsidenten. Gegenkandidaten waren Dr. Andreas Botzlar (50), Chirurg, Murnau, Landesvorsitzender des Marburger Bundes Bayern und stellvertretender Bundesvorsitzender und Dr. Heidemarie Lux (66), Internistin und Endokrinologin aus Nürnberg.

Inhalte der Wahlreden und Fragen an die Kandidaten thematisierten die Weiterbildungsordnung, die politische Interessenvertretung, die Servicequalität der BLÄK, die Bürgerversicherung, die Ökonomisierung –Gewinnorientierung der Medizin, die Digitalisierung, die ärztliche Tätigkeit im Wandel und die GOÄ.

Am 3, Februar 2018 traten die neugewählten 181 Delegierten der BLÄK im Ärztehaus Bayern in München zu ihrer konstituierenden Vollversammlung zusammen, um das Präsidium, sechs Vorstandsmitglieder, 39 Abgeordnete zum Deutschen Ärztetag sowie die Mitglieder für zahlreiche Gremien zu wählen. Die neu beginnende Amtsperiode dauert fünf Jahre.

Die Delegiertenversammlung ist die Vollversammlung der über 82.000 Ärztinnen und Ärzte in Bayern. Die Vollversammlung der 181 Delegierten der 63 ärztlichen Kreisverbände und der sechs medizinischen Fakultäten der Landesuniversitäten tritt mindestens einmal jährlich zum Bayerischen Ärztetag zusammen.

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02.02.2018 „Keine Insellösungen im Bereitschaftsdienst“- BLÄK und KVB weisen Kritik der FDP Bayern zurück
Gemeinsame Presseinformation der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB)

München, 2. Februar:  Als „sachlich unbegründet und inhaltlich fragwürdig“ bezeichneten die Spitzenvertreter der bayerischen Ärzteschaft heute in München die Kritik der FDP Bayern an der Weiterentwicklung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Bayern. So hatte der Landesvorstand der FDP Bayern gestern in einer Presseinformation ein Moratorium der Neustrukturierung des Bereitschaftsdienstes der niedergelassenen Ärzte gefordert. Diese Forderung wird sowohl von der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) als auch der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) deutlich zurückgewiesen. Die neue Struktur des Bereitschaftsdienstes werde von einer breiten Mehrheit der Ärzteschaft getragen und biete viele Vorteile für Ärzte und Patienten. Zudem würden dadurch die Notaufnahmen der Kliniken um minderschwere Fälle entlastet.

Das bayerische Konzept besteht aus der Einrichtung von rund 110 zentral gelegenen Bereitschaftspraxen sowie einem separaten Fahrdienst, der die Ärzte zu medizinisch notwendigen Hausbesuchen bei Patienten bringt. Für die Ärzte, die die Dienste nicht selbst durchführen können oder wollen, gibt es eine Vermittlungsbörse von Poolärzten, die bayernweit Bereitschaftsdienste übernehmen. Patienten erfahren über die bundesweit einheitliche und für sie kostenfreie Rufnummer 116117, wo die nächstgelegene Bereitschaftspraxis geöffnet hat und welcher Arzt zu einem Hausbesuch kommen kann.

Der Präsident der BLÄK, Dr. Max Kaplan, sagte dazu heute in München: „Wir sehen mit Sorge einen zunehmenden Mangel an Haus- und Fachärzten für die Praxen gerade in ländlichen Regionen. Ein wesentliches Niederlassungshindernis war bislang die große Dienstbelastung im Bereitschaftsdienst, die viele junge Ärztinnen und Ärzte davon abgehalten hat, in einer Praxis tätig zu werden. Mit der neuen Struktur des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes wird diese Dauerbelastung für den einzelnen Arzt deutlich reduziert. Statt mehreren Wochen hat er künftig nur noch wenige Tage Bereitschaftsdienst pro Jahr zu leisten. Dies ist ein wesentlicher Beitrag dazu, künftig noch Nachwuchs für die Praxen zu gewinnen, um die ärztliche Versorgung auch im ländlichen Raum sicherstellen zu können. Hierfür ist – unter Berücksichtigung der regionalen Strukturen – ein bayernweites Konzept nötig. Die Vorschläge der FDP würden hingegen zu kleinteiligen Insellösungen führen, was nicht zielführend ist.“

Der Vorstand der KVB, der die Weiterentwicklung des Bereitschaftsdienstes auf der Basis der Vorgaben des Gesetzgebers sowie der Vertreterversammlung der KVB umsetzt, sieht ebenfalls gute Entwicklungschancen: „Wir freuen uns über die positiven Rückmeldungen aus den Regionen, in denen die neuen Bereitschaftsdienststrukturen bereits umgesetzt sind. Von den Kliniken mit Bereitschaftspraxen hören wir, dass die Verteilung der Dienste gut funktioniert und dass die Notaufnahmen sich wieder mehr auf die wirklich schweren Fälle konzentrieren können. Und die Ärztinnen und Ärzte im Bereitschaftsdienst berichten, dass der neue Fahrdienst ihnen mehr Sicherheit gibt und sie bei ihrer Tätigkeit effektiv unterstützen kann. Wir werden diesen Weg, der bis Jahresende abgeschlossen sein wird, konsequent fortsetzen und sind überzeugt, dass wir den Unkenrufen der bayerischen FDP zum Trotz künftig auch im bundesweiten Vergleich ein exzellentes System des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes haben werden“, so der Vorstand der KVB, Dr. Wolfgang Krombholz, Dr. Pedro Schmelz und Dr. Claudia Ritter-Rupp.

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01.02.2018 Eine folgenreiche Triade: Lymphödem, Lipödem und Adipositas -Informationstag am Samstag, 17. Februar 2018, informiert über die optimale Versorgung aus einer Hand
uni | mediendienst | aktuell Nr. 13/2018

„Zwei, drei Kilo abnehmen“ – ein Vorsatz, den viele Mensch gerade zu Beginn des neuen Jahres äußern. Die meisten haben ihr Vorhaben schon im Februar wieder aufgegeben. Stefan Hofmann ist drangeblieben und hat über sechs Jahre hinweg sein Gewicht aus eigener Kraft reduziert. Nicht um sechs Pfund, sondern: um nahezu 100 Kilo! Sein Höchstgewicht waren knapp 200 Kilo. Jetzt macht der Fürther all denjenigen Mut, die sich ähnlich gewaltige Ziele setzen: „Es ist machbar, sein Leben zu ändern. Jedes verlorene Kilo motiviert weiter und zeigt einem selbst, dass man es schaffen kann.“ Wie wichtig dieses Selbstmanagement ist und inwiefern Ärzte bei der Gewichtskontrolle unterstützen können, darüber klärt ein Informationstag der Plastisch- und Handchirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Raymund E. Horch) des Universitätsklinikums Erlangen am Samstag, 17. Februar 2018, auf. Die Veranstaltung unter dem Motto „Lymphödem – Lipödem – Adipositas“ findet in Kooperation mit dem Lymphselbsthilfe e. V. statt und richtet sich an Menschen mit Übergewicht sowie an Patienten mit Lip- und Lymphödemen, da alle drei Gruppen mit ähnlichen Beschwerden konfrontiert sind.

Das Gewicht schrumpft, die Haut bleibt

Mithilfe eines festen Ernährungsplans schaffte es Stefan Hofmann, sein Gewicht zu halbieren. Anfang 30, nach einem stressigen Studium mit viel ungesundem und unregelmäßigem Essen, nach einer Diabetesdiagnose und einem attestierten Bluthochdruck, zog Stefan Hofmann den Schlussstrich und entschied: „Ich stelle meine Ernährung um, nehme drei gesunde Mahlzeiten am Tag zu mir, und baue Bewegung konsequent in meinen Alltag ein. Am Anfang reicht Spazierengehen.“ Ein bis zwei Kilo verlor er so pro Woche. „Nach drei Wochen war ich sicher: Diesmal schaffe ich es“, sagt der heute 40-Jährige. Einige Diäten hat er schon hinter sich. „Wunderkuren bringen aber nichts als einen ungesunden Jo-Jo-Effekt. Und sie arbeiten immer mit Zwang und Verboten, was nur zu Frustration führt“, weiß Stefan Hofmann. „Wichtig ist, sich nichts zu verbieten und einen Weg zu finden, den man gerne geht.“

Seit drei Jahren wiegt Stefan Hofmann nun 108 Kilo. Ein Großteil des Übergewichts ist weg. Was blieb, war überschüssige Haut: Fettschürzen am Bauch, an der Brust, an Oberschenkeln und Oberarmen. „Die überhängenden Hautfalten haben Krankheitswert“, erklärt Prof. Horch, Direktor der Plastisch- und Handchirurgischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Hier sammelt sich Flüssigkeit, es entstehen Entzündungen und schmerzhafte, wunde Stellen. Deshalb ist es absolut notwendig, dass wir die Haut nach einem so enormen Gewichtsverlust chirurgisch straffen, das heißt, einen postbariatrischen Eingriff vornehmen.“ Im Januar 2017 war Stefan Hofmanns Bauchdecke an der Reihe, im Juni 2017 folgte die Bruststraffung, Oberschenkel und Oberarme stehen noch an. „Die Hautstraffung war am Schluss eine Belohnung für mich. Ich hatte so viel geschafft – nun wollte ich auch die Körperkontur noch angleichen lassen. Und das geht nicht ohne einen Eingriff.“ Operiert wurde Stefan Hofmann von Oberarzt Dr. Ingo Ludolph von der Plastischen Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen. „Dr. Ludolph war morgens im OP und stand abends schon wieder in meinem Zimmer, um nach mir zu sehen. Die gesamte Betreuung – vom ersten Beratungsgespräch bis zur OP-Nachsorge – war absolut vertrauensvoll und lobenswert“, versichert Stefan Hofmann. Und noch etwas anderes möchte der 40-Jährige loswerden: „Wer viel abnimmt und schließlich vor der Frage steht, ob er eine Hautstraffung vornehmen lassen soll: Die Entscheidung heißt ‚Ja!‘. Nicht zu viel googlen – das macht nur Angst –, sondern sich lieber vor Ort informieren.“ – zum Beispiel beim kommenden Informationstag.

Infotag am Samstag, 17. Februar 2018

„Adipositas, Lymph- und Lipödeme treten oft gemeinsam auf“, erklärt Dr. Anja M. Boos, Oberärztin der Plastischen Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen. Wer übergewichtig ist, leide häufig auch unter einem Lymphstau, vor allem in den Beinen. Lipödeme sind Fettverteilungsstörungen, die wiederum oft schwer von einer Adipositas abgegrenzt werden können, zumal viele Menschen mit Lipödemen zusätzlich adipös sind. „Bei unserem Infotag möchten wir Betroffene mit ähnlichen Beschwerden und Experten zusammenbringen, das heißt, Menschen und ihr Wissen vernetzen“, sagt Anja M. Boos.

In Vorträgen erfahren die Besucher unter anderem, wie sich das Körpergewicht mit der richtigen Kombination aus Ernährung, Bewegung und Sport kontrollieren lässt, welche konservativen und operativen Therapien bei Adipositas und nach Gewichtsverlust sowie bei Lipödem und Lymphödem zum Einsatz kommen, wie sich Patienten ein gutes Selbstmanagement aneignen und welche neuen Erkenntnisse die Forschung vorzuweisen hat. Praktisch wird es in zahlreichen Workshops, die sich etwa mit Entstauungstechniken, Kompressionshilfen und manueller Lymphdrainage beschäftigen. Den Infotag gestalten die Vertreter verschiedener Selbsthilfegruppen gemeinsam mit Ärzten, Ernährungsfachleuten, Physiotherapeuten und anderen Experten des Uni-Klinikums Erlangen sowie anderer medizinischer Einrichtungen.

Die Veranstaltung findet von 9.00 bis 16.30 Uhr in den Hörsälen Medizin im Ulmenweg 18 in Erlangen statt. Der Eintritt ist frei, für einen Imbiss und Getränke ist gesorgt.

Ein Bild zum Download finden Sie unter www.fau.de/files/2018/02/Infotag_Lymphoedem_Uniklinikum-300x200.jpg

Weitere Informationen:
Dr. Anja M. Boos
Tel.: 09131 85-33277
anja.boos@uk-erlangen.de

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31.01.2018 Jubiläumskonzert zum 50jährigen Bestehen des Bayerischen Ärzteorchesters
Samstag, 2.6.2018, 19:30, Sinfonie an der Regnitz Bamberg

Samstag, 2.6.2018, 19:30, Sinfonie an der Regnitz Bamberg

Im Wintersemester 1967/68 wurde der Klangkörper vom damaligen Erstsemester Reinhard Steinberg gegründet. Er steht noch immer am Pult und ist die Seele des Orchesters.
Für das Jubiläum erarbeiten die Ärzte in ihrer jährlichen Arbeitsphase auf Schloss Craheim in Franken ein ambitioniertes Programm. Eröffnet wird das Konzert mit dem 1. Satz uns der Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor mit dem Solisten Edgar Krapp. Es folgt eine Auftragskomposition von Wilfried Hiller „Labyrinth der Träume“ für Klarinettenquartett, Orgel und Orchester. Es musiziert das Ensemble Clarezza. Höhepunkt des Konzertabends ist die 7. Sinfonie von Anton Bruckner.

Die Konzerte finden wie folgt statt:

Freitag, 1.6.2018, 19:30, Prinzregentenbau Bad Kissingen
Samstag, 2.6.2018, 19:30, Sinfonie an der Regnitz Bamberg
Sonntag, 3.6.2018, 18:00, Herkulessaal München
Weitere Infos und Tickets: www.muenchenticket.de oder www.baeo.de


Katharina Moritz
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Katharina Moritz

25.01.2018 FAU verleiht Professorin Laurence Zitvogel den Jakob-Herz-Preis 2018
uni | mediendienst | aktuell Nr. 9/2018

Medizinische Fakultät ehrt herausragende Wissenschaftlerin
 
Für ihre bedeutenden Leistungen auf dem Gebiet der Immunologie und Immuntherapie verleiht die Medizinische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) der Onkologin Laurence Zitvogel den Jakob-Herz-Preis. Die diesjährige Preisträgerin ist wissenschaftliche Direktorin am Institut Gustave Roussy in Villejuif, Frankreich. Mit dem Forschungspreis werden wissenschaftliche Erfolge aus der theoretischen und klinischen Medizin gewürdigt. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und erinnert an den Erlanger Professor, Arzt und Forscher Jakob Herz.
 
Die Festveranstaltung im Hörsaalzentrum Medizin
Die Festveranstaltung am Freitag, den 2. Februar, beginnt um 15.15 Uhr und findet im Großen Hörsaal des Hörsaalzentrums der Medizinischen Fakultät der FAU, Ulmenweg 18, in Erlangen statt. Es wird um Anmeldung gebeten an: Birgit Schumann, birgit.schumann@fau.de oder Fax: 09131/8522224
 
Die Preisträgerin
Wie beeinflusst das Immunsystem die Entstehung und Behandlung von Krebs? Das ist die zentrale Frage in Prof. Dr. Laurence Zitvogels Arbeiten. Sie entwickelte das Konzept des immunologischen Zelltodes und konnte zeigen, dass Chemo- und Strahlentherapie sowie Hemmstoffe bestimmter Enzyme ihre antitumorale Wirkung erst durch das Immunsystem entfalten. Ebenfalls ermöglichte Zitvogels Entdeckung, dass Darmbakterien die körpereigene Immunreaktion gegen Krebszellen außerhalb des Darms ebenfalls fördern, neue Behandlungskonzepte in der Krebstherapie. Aktuell untersucht sie den Zusammenhang zwischen dem menschlichen Mikrobiom, das heißt alle den menschlichen Körper besiedelnden Mikroorganismen, und neuartigen Immuntherapien, die die körpereigene Abwehr der Menschen unterstützen, um die Krankheit selbst zu bekämpfen.
Prof. Dr. Zitvogel promovierte in der klinischen Onkologie an der Universität Paris. Neben ihrer Arbeit als wissenschaftliche Direktorin hält sie die Professur für Immunologie und Biologie an der Université Paris Sud. Die Bedeutung ihrer Arbeit schlägt sich in über 450 Publikationen sowie zahlreichen Auszeichnungen nieder.
 
Der Jakob-Herz-Preis und sein Namensgeber
Jakob Herz (1816-1871) war zu seiner Zeit einer der führenden Lehrer der pathologischen Anatomie und Chirurgie und gilt als Begründer der chirurgischen Anatomie. 1867 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Erlangen ernannt, 1869 zum ersten ordentlichen Universitätsprofessor jüdischen Glaubens im Königreich Bayern. Nachdem er 1871 im Einsatz für seine Patienten im Deutsch-Französischen Krieg starb, errichtete ihm die Stadt Erlangen 1875 ein Denkmal auf dem Hugenottenplatz. Dies wurde 1933 auf Anordnung des nationalsozialistischen Stadtrates zerstört. 1983 wurde an der Ecke Universitätsstraße/Krankenhausstraße ein neues Denkmal für Jakob Herz aufgestellt. Der Jakob-Herz-Preis wird seit 2009 in einem 2-Jahres-Turnus von der Forschungsstiftung Medizin und der Medizinischen Fakultät verliehen, wurde aber 2015 einmalig um ein Jahr verschoben, um an den 200. Geburtstag von Jakob Herz zu erinnern.
 
Weiter Informationen finden Sie unter www.med.fau.de/2018/01/10/jakob-herz-preis-2018/
 
Informationen:
Birgit Schumann; Tel: 09131/85-46610; E-Mail: birgit.schumann@fau.de
 
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16.01.2018 Kinder konsumieren mehr Fast Food und bewegen sich immer weniger
Pressemeldung der FAU Erlangen

Forschung und Politik erarbeiten gemeinsame Strategien gegen Übergewicht bei jungen Menschen
 
Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung führen zu immer mehr übergewichtigen Kindern. Laut WHO trifft dies mittlerweile auf etwa ein Drittel aller Kinder zwischen sechs und neun Jahren zu. Obwohl seit Langem bekannt, sind diese Probleme nicht ohne weiteres zu lösen. Hier sind Politik und Forschung gleichermaßen gefragt. Forscher aus fast allen Mitgliedsstaaten der EU, darunter auch Sportwissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), haben sich deshalb mit Europapolitikern in der aus EU-Mitteln geförderten Joint Action on Nutrition and Physical Activity (JANPA) zusammengetan, um im Kampf gegen Übergewicht neue Strategien zu entwickeln und die Einzelanstrengungen der Mitgliedsländer zu harmonisieren. Wir haben bei PD Dr. Karim Abu-Omar nachgefragt, welche Probleme es in der Ernährung und der Freizeitgestaltung von Kindern gibt und vor welchen Herausforderungen Politik und Forschung stehen. Dr. Abu-Omar lehrt und forscht am Department für Sportwissenschaften und Sport der FAU.
 
Wie steht es um die körperliche Gesundheit junger Menschen in Europa?
Eines der größten gesundheitlichen Probleme junger Menschen in Europa ist der in den letzten Jahren gestiegene Anteil von Übergewicht und Adipositas: Die Weltgesundheitsorganisation geht beispielsweise davon aus, dass ein Drittel der Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren übergewichtig oder adipös sind. Dies bedeutet für den Einzelnen, dass das Risiko für verschiedene Krankheiten wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 oder bestimmte Krebsarten ansteigt. Für die Gesellschaft bedeutet dies in Zukunft steigende Kosten zur Behandlung chronischer Erkrankungen, wenn diese jungen Menschen erwachsen werden. Bereits jetzt werden in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union etwa sieben Prozent der nationalen Gesundheitsbudgets in die Behandlung chronischer Erkrankungen, die auf Übergewicht zurückzuführen sind, investiert.
 
Womit hängt die zunehmende Adipositas junger Menschen zusammen?
Adipositas wird insbesondere von Ernährung und Bewegung beeinflusst: Junge Menschen konsumieren mehr Fast Food und zuckerhaltige Getränke, verarbeitete Lebensmittel sind leichter verfügbar und Bewegung spielt eine immer geringere Rolle im Alltag. Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich 75 Prozent der Jungen und 85 Prozent der Mädchen weniger als eine Stunde am Tag bewegen – dies ist die Zeit, die von der Weltgesundheitsorganisation für diese Altersgruppe empfohlen wird. In der Public Health spricht man in diesem Zusammenhang von einer das Übergewicht fördernden Umwelt, die auf den Einzelnen wirkt und ungesunde Lebens- und Verhaltensweisen fördert.
 
Was ist das Anliegen von JANPA?
JANPA – die Joint Action on Nutrition and Physical Activity – will einen Beitrag dazu leisten, den Anstieg von Übergewicht und Adipositas in der Europäischen Union bis zum Jahr 2020 aufzuhalten. Aus diesem Grund haben sich 26 Länder – 25 der 28 EU-Mitgliedsstaaten sowie Norwegen – zusammengeschlossen. Grundsätzlich soll auf diese Weise eine Harmonisierung der Strategien zur Bekämpfung von Übergewicht bei jungen Menschen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten geleistet werden. Dabei ist es ein besonderes Anliegen von JANPA, auch gezielt Ansätze der Verhältnisprävention – also der Schaffung gesundheitsfördernder Lebenswelten – zu identifizieren, die in den EU-Mitgliedssaaten Anwendung finden können.
 
Was war der Beitrag der FAU bei diesem Projekt?
Im Arbeitspaket der FAU stand die Schaffung gesunder Lebenswelten in Kindergärten und Schulen im Mittelpunkt. Zum einen wurde eine Toolbox mit zahlreichen Beispielen guter Praxis aus 16 europäischen Ländern erstellt, die länderübergreifendes Lernen von erfolgreichen Maßnahmen und politischen Regelungen ermöglicht und online verfügbar ist. Zum anderen haben wir eine Online-Befragung mit politischen Entscheidungsträgern und relevanten Stakeholdern konzipiert und durchgeführt. Mit 187 Befragten aus zwölf europäischen Ländern ist dies aktuell eine der größeren Umfragen unter politischen Entscheidungsträgern, die wichtige Einschätzungen zur Wahrnehmung zentraler Akteure in der Übergewichtsprävention von Kindern und Jugendlichen liefert.
 
Wir als Department für Sportwissenschaft und Sport haben es in diesem Projekt als unsere Aufgabe gesehen, unsere Erfahrungen in der Verhältnisprävention und der damit einhergehenden Forschung an der Schnittstelle zwischen den Gesundheits- und Sozialwissenschaften in das Projekt einzubringen. Darüber hinaus konnten wir das Projekt mit unserem Expertenwissen im Bereich der Bewegungsförderung unterstützen. Da wir erst vor kurzem – erstmals in Deutschland – nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung veröffentlicht haben, konnten wir ein eigenständiges Profil in JANPA einbringen. Viele der anderen beteiligten Organisationen waren eher in den Ernährungs- und Gesundheitswissenschaften verortet.
 
Was soll künftig für die Prävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen getan werden?
Die Ergebnisse der Online-Befragung zeigen, dass bewegungsfreundliche Umgebungen und die Unterstützung der Eltern für politische Entscheidungsträger die oberste Priorität für die Bekämpfung von Übergewicht haben. Auf der anderen Seite wurden kommerzielles Marketing für ungesunde Lebensmittel und fehlende Fördermöglichkeiten von den politischen Entscheidungsträgern als bedeutende Barrieren angesehen. Bei der JANPA-Abschlusskonferenz in Paris, an der auch der EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis teilgenommen hat, wurde deutlich, dass auf europäischer Ebene das Commitment hoch ist, die Prävention von Kinderübergewicht aktiv zu unterstützen. Um Fortschritte zu machen muss allerdings auch sichergestellt werden, dass Organisationen, die im Bereich der Gesundheitsförderung aktiv sind, auf lokaler und regionaler Ebene ausreichend Personal und finanzielle Ressourcen für ihre Arbeit besitzen.
 
Weitere Informationen zu JANPA: www.janpa.eu
 
Informationen:
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12.01.2018 Montgomery: "Sondierungsergebnisse gute Grundlage für Koalitionsgespräche"
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 12.01.2018 – Zu den vorläufigen Ergebnissen der
Sondierungsgespräche von CDU, CSU und SPD erklärt der Präsident der
Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery:

„Wir begrüßen ausdrücklich, dass sich die Parteispitzen von CDU, CSU
und SPD in ihren Sondierungsgesprächen darauf verständigt haben,
wichtige Herausforderungen für unser Gesundheitssystem und die
Patientenversorgung in Deutschland anzugehen. Dieses Papier ist ein
Ausdruck der Vernunft und des Willens, Deutschland zukunftsorientiert
zu regieren.

Mit dem Ausbau der sektorenübergreifenden Versorgung,
Neuregelungen bei der Notfallversorgung und der Bereitstellung von
Investitionsmitteln für neue Technologien und Digitalisierung benennen
die Parteispitzen einige der wichtigsten Zukunftsthemen, die dringend
angegangen werden müssen. Dabei verzichten sie auf ideologisch
motivierte Experimente. Auch die geplante Rückkehr zur paritätischen
Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung halten wir für
durchaus sinnvoll.

Die Ergebnisse des vorläufigen Sondierungspapiers bieten eine gute
Grundlage, die tatsächlichen Herausforderungen für unser bewährtes
Gesundheitssystem auch in Koalitionsgesprächen problemorientiert und
ideologiefrei anzugehen.“

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09.01.2018 Konstituierende Vollversammlung der Bayerischen Landesärztekammer am 3. 2. 2018
Pressenachricht der Bayerischen Landesärztekammer

Sehr geehrte Damen und Herren,
die neu gewählten Delegierten zur Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) treffen sich am Samstag, dem 3. Februar 2018, um 9.00 Uhr zur konstituierenden Vollversammlung im Ärztehaus Bayern, Mühlbaurstraße 16, 81677 München. Unter anderem werden das Präsidium und der Vorstand der BLÄK für die nächsten fünf Jahre gewählt. BLÄK-Präsident Dr. Max Kaplan hatte bereits 2017 erklärt, dass er nicht mehr als Präsident zur Verfügung stehe.

Medienvertreter sind herzlich eingeladen. Ein Medienzentrum ist im Kleinen Saal im 5. Stock eingerichtet. Während der Sitzung sind wir unter der Rufnummer 0172 7516157 zu erreichen.

Die Ergebnisse der Wahl finden Sie am Wahltag
» auf unserer Homepage www. blaek.de
» auf www.facebook.com/Bayerischelandesaerztekammer
» und auf Twitter @BLAEK_P.
» Auf der Homepage werden zusätzlich druckfähige Fotos veröffentlicht.

Der Bayerische Ärztetag ist die Delegiertenversammlung der BLÄK. Die ärztlichen Kreis- und Bezirksverbände sowie die medizinischen Fakultäten der sechs Landesuniversitäten entsenden insgesamt 180 Delegierte zu dieser Versammlung.
Bitte melden Sie sich unter presse@blaek.de an, wenn Sie an der Vollversammlung teilnehmen möchten.
Konstituierende Vollversammlung der BLÄK
» Samstag, 3. Februar 2018, ab 10.00 Uhr, s. t.
» Ärztehaus Bayern, Mühlbaurstraße 16, 81677 München

Mit freundlichen Grüßen
Dagmar Nedbal
Leiterin der Pressestelle, Bayerisches Ärzteblatt, Internet
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09.01.2018 Fachsprachenprüfung für internationale Ärztinnen und Ärzte: 244 ausländische Ärzte bestehen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Fachsprachenprüfung (FSP) für Ärztinnen und Ärzte aus dem nicht-deutschsprachigem Ausland haben im Jahr 2017 in Bayern 244 Prüflinge bestanden; 266 sind durchgefallen. Bei 510 durchgeführten Prüfungen lag die Bestehens-Quote bei 48 Prozent, wie die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) zum Jahresbeginn 2018 mitteilt. (Stand: 31.12.2017). „Wir sehen die Notwendigkeit einer solchen Prüfung, haben wir es doch mit einer steigenden Anzahl von Ärztinnen und Ärzten, die Nicht-Deutsch-Muttersprachler sind, zu tun. Am häufigsten fehlt es am fachsprachlichen Hintergrund. Die Defizite liegen zumeist bei der Transferleistung des vom Patienten vorgetragenen Beschwerdebildes in einer auf Fachsprachenniveau erfolgenden Vorstellung des Patienten, an den ärztlichen Kollegen. Auch die schriftliche Wiedergabe der erhobenen Anamnese ist oftmals nicht ausreichend“, erklärte BLÄK-Präsident Dr. Max Kaplan.

Bei den Herkunftsländern der antragstellenden Ärzte lag Syrien klar vorn, gefolgt von den ärztlichen Kollegen aus Rumänien und Serbien. Insgesamt wurden 2017 Ärzte aus 92 unterschiedlichen Nationen gemeldet und geprüft. „Mit der FSP leisten wir einen wichtigen Beitrag zu einer besseren Kommunikation zwischen Patient und Arzt. Die Patienten haben ein Recht darauf, ihren Arzt zu verstehen. Und auch die Kollegen sind darauf angewiesen, dass die Kommunikation funktioniert, bspw. dass jeder Arzt im Krankenhaus oder in der Praxis nach entsprechender Einarbeitung in der Lage ist, einen Arztbrief zu schreiben oder wichtige Dokumentationspflichten zu erfüllen“, sagte Kaplan und bat die Personalverantwortlichen der Krankenhäuser, die ärztlichen Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland bei der sprachlichen Qualifizierung zu unterstützen.

Die Prüfungen dienen als Nachweis über die für die Berufsausübung erforderlichen Sprachkenntnisse bei internationalen Ärzten, die ihre Ausbildung außerhalb des Bundesgebietes absolviert haben. Die 87. Gesundheitsministerkonferenz 2014 hatte einstimmig Eckpunkte zur Überprüfung der für die Berufsausübung erforderlichen Deutschkenntnisse in den akademischen Heilberufen beschlossen. Auf dieser Grundlage haben das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gemeinsam mit der BLÄK eine mit den Regierungen abgestimmte Verfahrensordnung für Sprachtests vereinbart. Die BLÄK nimmt im Auftrag der Regierungen seit April 2017 den Sprachtest auf dem Sprachniveau C1 ab.

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05.01.2018 Mit Müsli gegen Arthritis - FAU-Forscher weisen Wirkung von Ballaststoffen auf Autoimmunerkrankungen nach
uni | mediendienst | forschung Nr. 1/2018

Dass eine gesunde Ernährung unser allgemeines Wohlbefinden steigert, ist altbekannt. Jetzt haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausgefunden, dass eine ballaststoffreiche Kost den Krankheitsverlauf von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen positiv beeinflussen und zu einer Stärkung der Knochen führen kann. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler im renommierten Fachmagazin Nature Communications (DOI: 10.1038/s41467-017-02490-4) veröffentlicht. 

Schlüssel für die Wirkung unserer Ernährung auf die Gesundheit sind die Darmbakterien: Eine gesunde Darmflora besteht aus einer Vielzahl von Bakterienarten. Jeder erwachsene Mensch trägt etwa zwei Kilogramm an gutartigen Bakterien in seinem Darm. Diese Verdauungshelfer zerlegen Ballaststoffe in einzelne Bestandteile, so dass der Körper sie aufnehmen kann. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die für den Körper wichtig sind. Diese liefern Energie, regen die Darmbewegung an und wirken entzündungshemmend. Die Darmbakterien bekämpfen darüber hinaus Krankheitserreger, die in den Verdauungstrakt gelangen. Bekannt ist, dass die Zusammensetzung der Darmflora schützende, aber auch krankmachende Effekte haben kann. Ein intaktes Zusammenleben der verschiedenen Bakterien schützt die Darmwand und verhindert, dass sie für Krankheitserreger durchlässig wird.

In der aktuellen Veröffentlichung in Nature Communications zeigen die FAU-Forscher, dass es jedoch nicht die Darmbakterien selbst sind, sondern ihre Stoffwechselprodukte, die das Immunsystem beeinflussen und damit auch auf Autoimmunerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis wirken. Unklar ist noch, wie die Verständigung zwischen Darmbakterien und Immunsystem abläuft und wie gegebenenfalls die Bakterien positiv beeinflusst werden könnten. Im Fokus der Forscher stehen dabei die kurzkettigen Fettsäuren Propionat und Butyrat, die innerhalb von Gärprozessen der Darmbakterien gebildet werden. Diese Fettsäuren sind unter anderem in der Gelenkflüssigkeit zu finden und man nimmt an, dass sie einen wichtigen Einfluss auf die Funktionstüchtigkeit der Gelenke haben.

Die FAU-Wissenschaftler um Dr. Mario Zaiss von der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen konnten zeigen, dass eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung die Darmflora so verändert, dass mehr kurzkettige Fettsäuren, vor allem Propionat, gebildet werden. Sie konnten eine erhöhte Konzentration der kurzkettigen Fettsäure unter anderem im Knochenmark nachweisen, wo das Propionat bewirkte, dass sich die Zahl der knochenabbauenden Zellen verringerte und damit auch den Knochenabbau deutlich verlangsamte. Propionat wird schon seit den 1950er Jahren als Konservierungsmittel in der Backindustrie verwendet und ist als prominenter Vertreter kurzkettiger Fettsäuren nach EU Richtlinien als Nahrungsmittelzusatzstoff überprüft und zugelassen.
„Wir konnten zeigen, dass eine bakterienfreundliche Ernährung entzündungshemmend ist und zugleich einen positiven Effekt auf die Knochenfestigkeit hat“, sagt Studienleiter Dr. Mario Zaiss. „Unsere Erkenntnisse bieten einen vielversprechenden Ansatz für die Entwicklung innovativer Therapien bei entzündlichen Gelenkerkrankungen sowie für die Behandlung von Osteoporose, die häufig bei Frauen nach der Menopause auftritt. Wir können heute noch keine konkrete Empfehlung für eine bakterienfreundliche Ernährung geben, aber ein morgendliches Müsli und ausreichend Obst und Gemüse täglich hilft, einen artenreichen Bakterienmix aufrechtzuerhalten.“

Informationen für die Medien:

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19.12.2017 BVG-Urteil zur Studienplatzvergabe in der Humanmedizin - Montgomery: „Das richtige Signal zur richtigen Zeit“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 19.12.2017 – „Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist genau das richtige Signal zur richtigen Zeit. Dass Karlsruhe Änderungen bei der Studienplatzvergabe anmahnt, ist nicht nur eine gute Nachricht für viele hochmotivierte junge Menschen, denen der Zugang zum Arztberuf bislang de facto versperrt ist. Das Urteil ist auch eine deutliche Aufforderung an Bund und Länder, bei der schleppenden Umsetzung der Reform des Medizinstudiums endlich Tempo zu machen.“ Das
sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery heute in einer ersten Reaktion auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über das Auswahlverfahren zum Medizinstudium. „Das Urteil beinhaltet aber auch eine heftige Ohrfeige für eine kleinstaatliche Bildungspolitik, die es nicht schafft, das Abitur bundesweit chancengleich und chancengerecht zu gewährleisten. Auch die Bildungspolitik muss hier nachbessern", so der Bundesärztekammer-Präsident.

Die Bundesärztekammer und Deutsche Ärztetage hatten sich seit langem für Änderungen bei den Auswahlverfahren und für mehr Studienplätze in der Humanmedizin stark gemacht. Bei der mündlichen Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts Anfang Oktober war auch die Bundesärztekammer geladen. Montgomery hatte in Karlsruhe unter anderem die mangelnde Transparenz bei der Studienplatzvergabe sowie zu lange Wartezeiten kritisiert und strukturierte Eignungsprüfungen gefordert.

„Bund und Länder sollten das Urteil zum Anlass nehmen, die Studienzulassung gerechter zu gestalten und besser auf die Erfordernisse einer Gesellschaft im Wandel auszurichten“, forderte
Montgomery. Karlsruhe hat die Hochschulen verpflichtet, neben der Abiturnote obligatorisch ein weiteres, nicht notenbasiertes Zulassungskriterium anzuwenden, das bundeseinheitlich, strukturiert
und standardisiert sein muss. „Damit hat das Gericht unseren Vorschlag, ein bundesweites Assessment durchzuführen, im Kern bestätigt“, sagte Montgomery. „Unsere Patienten brauchen nicht nur Spitzenforscher. Sie brauchen auch gute Ärzte mit sozialen Kompetenzen und der Bereitschaft, aufs Land zu gehen“, sagte der BÄK-Präsident. Assessment-Center mit bundeseinheitlichen Kriterien
könnten helfen, die fachlich und menschlich geeigneten Studierenden auszuwählen.

Des Weiteren fordert das Gericht den Bundesgesetzgeber auf, die Wartezeiten auf einen Medizinstudienplatz zu begrenzen, da der Studienerfolg nach zu langer Wartezeit nicht mehr chancengleich gewährleistet werden kann. „Nun kommt es darauf an, dass die Länder
endlich tätig werden und mehr Studienplätze schaffen. Notwendig ist eine Erhöhung der Zahl der Studienplätze um mindestens zehn Prozent. Denn dass die Wartezeiten mittlerweile länger sind als das Studium selbst, kommt nicht von ungefähr. Noch im Jahr 1990 gab es allein in den alten Bundesländern 12.000 Studienplätze in der Humanmedizin. Nach der Wiedervereinigung hätte die Zahl durch die zusätzlichen Fakultäten in den neuen Bundesländern sogar auf 16.000 Plätze steigen
müssen, sie ist aber kontinuierlich geschrumpft. Mittlerweile stehen den 45.000 Bewerbern gerade einmal 9.000 Studienplätze zur Verfügung - und das, obwohl Ärztinnen und Ärzte in Klinik und Praxis händeringend gesucht werden.
„Auch in diesem Bereich sollte die Politik das Karlsruher Urteil als klaren Auftrag verstehen, ihrer Verantwortung für die ärztliche Nachwuchsförderung gerecht zu werden“, so Montgomery.

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18.12.2017 Der Patient im Mittelpunkt Forschungsnetzwerk PRO PRICARE soll medizinische Überversorgung untersuchen
uni | mediendienst | forschung Nr. 99/2017

 Manchmal ist weniger mehr – dies gilt auch für die medizinische Versorgung in Deutschland. Da wird jedoch eher geklotzt statt gekleckert. Gemeint ist damit die sogenannte medizinische Überversorgung, von der man spricht wenn eine medizinische Behandlung keine Evidenz, also keinen nachweisbaren oder ausreichenden Nutzen erbringt oder sogar zum Risiko für die Patienten wird. Forscher des Universitätsklinikums Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nun ein Forschungsnetzwerk unter dem Akronym PRO PRICARE (Preventing Overdiagnosis in Primary Care) ins Leben gerufen, das zusammen mit Partnern aus dem Gesundheitswesen die medizinische Überversorgung in Deutschland untersucht. Gefördert wird das Netzwerk mit 2,1 Mio. Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
 
Das Forschungsnetzwerk PRO PRICARE hat es sich zur Aufgabe gemacht, überflüssige diagnostische und therapeutische medizinische Maßnahmen ausfindig zu machen, ihre Ursachen zu untersuchen und Strategien zu entwickeln, um diese zukünftig zu verringern und zu verhindern. Denn neben hohen Kosten kann eine Überversorgung auch nachteilig für die Patienten sein, wenn beispielsweise unnötige Operationen durchgeführt werden.
 
PRO PRICARE arbeitet dafür an drei Teilprojekten. Aktuell entwickelt das Netzwerk eine Kurzversion eines Klassifikationssystems für Hausarztpraxen, um die Alltagsbewältigung alter und hochbetagter Menschen besser abbilden und einschätzen zu können. Die Idee dahinter ist, dass die Fokussierung auf das Leben und Leiden der Menschen zu anderen und auch zu weniger medizinischen Maßnahmen führt, als das leitliniengerechte Behandeln von Krankheiten. Außerdem sollen in einem zweiten Teilprojekt sogenannte Kaskadeneffekte und deren Auslöser in der medizinischen Versorgung identifiziert werden. Dies meint diagnostische Maßnahmen, die weitere Diagnostik auslösen und am Ende auch noch zu einer eigentlich entbehrlichen Therapie führen können. Im dritten Teilprojekt wollen die Forscher die hausärztliche Konsultation bei Patienten mit häufigen Beratungsanlässen gemeinsam mit den Hausärzten weiterentwickeln.
 
 
Ein interdisziplinäres Forschungsnetzwerk
Um das Problem der Überversorgung zu untersuchen und Lösungen hierfür zu erarbeiten, hat das Allgemeinmedizinische Institut weitere universitäre Institutionen, Praxisnetze und Partner, wie die Kassenärztliche Vereinigung Bayern und die GWQ Service Plus AG, zu einem Forschungsnetzwerk verknüpft. Das Institut ist aber nicht nur federführend in allen drei Teilprojekten, sondern leitet auch zusammen mit dem Centre for Clinical Studies des Universitätsklinikums die Koordinierungsstelle des Forschungsnetzwerkes. Zusätzlich gibt es einen wissenschaftlichen Beirat, bestehend aus externen Forschern, dessen Mitglieder selbst im Bereich medizinischer Versorgungsforschung arbeiten oder prominente Stimmen gegen Überversorgung sind.
 
Für die drei Teilprojekte kooperiert das Allgemeinmedizinische Institut mit anderen Lehrstühlen und Instituten des Klinikums und der Universität wie dem Institut für Biomedizin des Alterns, dem Zentrum für Medizinische Versorgungsforschung, dem Lehrstuhl für klinische Psychologie und Psychotherapie, dem Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement, dem Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie, dem Interdisziplinären Zentrum für Public Health IZPH, dem Lehrstuhl für Biometrie und Epidemiologie. Teil von PRO PRICARE ist auch ein strukturiertes Programm zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlern, in dem diese in ihrer Arbeit unterstützt sowie methodisch und inhaltlich zum Thema Versorgungsforschung ausgebildet werden. Durch den breitgefächerten fachlichen Hintergrund der Mitarbeiter und Nachwuchswissenschaftler können die jeweiligen Teilprojekte aus vielen unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Schließlich reicht das Ausbildungsspektrum der Mitarbeiter von der Allgemeinmedizin, über Gesundheits- und Sportwissenschaften, Soziologie,  Psychologie, Gesundheitsmanagement und Ökonomie bis hin zur Biologie.
 
Partner aus dem Gesundheitswesen, wie die Kassenärztliche Vereinigung Bayern und die GWQ Service Plus AG, als Vertreter der Betriebskrankenkassen stellen dem Forschungsnetzwerk für die Studien anonymisierte Krankenkassendaten zur Analyse von Morbidität, Inanspruchnahme des Gesundheitswesens, Behandlungsverläufen und zur Berechnung von Kosten zur Verfügung. Grundlage für die Arbeit von PRO PRICARE ist dabei die Zusammenarbeit mit vier fränkischen Praxisnetzwerken (UGeF, QuE, MainArzt und ÄgH), den sogenannten „Forschungspraxen Franken“, in denen rund 200 fränkische Arztpraxen vernetzt sind. Das PRO PRICARE Forschungsnetzwerk ist darauf angewiesen, dass „Forschungspraxen Franken“ Patienten und Ärzte für die verschiedenen Studien der jeweiligen Teilprojekte rekrutiert.
 
Weitere Informationen zu den einzelnen Teilprojekten und den Projektpartnern finden Sie hier: http://www.allgemeinmedizin.uk-erlangen.de/pro-pricare/
 
Information:
Prof. Dr. Thomas Kühlein
Tel.: 09131/85-31140
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15.12.2017 Reformbaustellen im Gesundheitswesen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Angesichts zahlreicher Reformbaustellen im Gesundheitswesen können wir uns eigentlich keine zeitlichen Verzögerungen bei der Regierungsbildung leisten“, schreiben Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), und die Vizepräsidenten Dr. Heidemarie Lux und Dr. Wolfgang Rechl im Leitartikel der Dezemberausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. Im Wahlkampf zur Bundestagswahl spielte die Zukunft des Gesundheitssystems keine große Rolle, die Forderungen in der Versorgung seien jedoch sehr konkret.
Aus bayerischer Sicht gebe es drei Top-Forderungen:

» Erhalt des dualen Krankenversicherungssystems bei Novellierung der GKV (zum Beispiel mehr Tarifvielfalt für Versicherte) und PKV (unter anderem Portabilität der Altersrückstellungen). Dezidierte Bereitschaft, die GOÄ zu novellieren.

» Überprüfung der Diagnosis Related Groups (DRG), ob ärztliche und pflegerische Arbeitsleistung darin ausreichend abgebildet werden.

» Höheren Patientenschutz durch höhere Anforderungen bei der Überprüfung von Heilpraktiker-Aspiranten und durch die Einschränkung der Tätigkeitsfelder des Heilpraktikers. Keine Anerkennung als staatlicher Gesundheitsfachberuf.

Wer auch immer in einigen Wochen (oder Monaten?) als Bundesgesundheitsministerin oder Bundesgesundheitsminister ans Werk gehe, dem sollte bewusst sein, dass die gesundheitspolitischen Themen keinen Aufschub verkraften. Das gelte für die Digitalisierung im Gesundheitswesen, die Notfallversorgung oder die interdisziplinären bzw. interprofessionellen Kooperationsformen ebenso wie für die Unterfinanzierung in der stationären oder ambulanten Medizin. Die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft und der medizinisch-technische Fortschritt gewährten keine Trödeleien oder halbherzige Entscheidungen. 2018 verlange klare gesundheitspolitische Entscheidungen.

Mehr zu „Reformbaustellen im Gesundheitswesen“ lesen Sie in der Ausgabe 12/2017 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de

Pressestelle
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13.12.2017 BÄK informiert über wichtige Fragen rund um Biobanken
Pressemeldung der Bundesärztekammer

                                                                                                             
Berlin, 13.12.2017 – Qualitätsgesicherte Biobanken sind in den vergangenen Jahren zu einer unverzichtbaren Grundlage für die Erforschung von Krankheiten geworden. Sie tragen zu Neuentwicklungen von präventiven Maßnahmen, zu verbesserten Diagnosemöglichkeiten und zu neuen Behandlungsansätzen bei. „Ärztinnen und Ärzte in Klinik und Praxis sind für ihre Patienten die ersten Ansprechpartner bei Fragen rund um Biobanken. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen gesicherte und praxistaugliche Informationen über diesen Bereich der Medizin an die Hand geben.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery anlässlich der Veröffentlichung des Informationspapiers der Bundesärztekammer (BÄK) „Medizinische, ethische und rechtliche Aspekte von Biobanken“ in Berlin.

Als Biobank wird eine Sammlung von menschlichen Körperflüssigkeiten oder Gewebeproben bezeichnet, die mit gesundheitsrelevanten Daten (z. B. Krankengeschichten, Informationen über Lebensumstände) verknüpft werden kann. Während bevölkerungsbezogene Biobanken Biomaterialien und Daten von ausgewählten Spendern ohne bestimmten Krankheitsbezug sammeln und erheben, haben klinische Biobanken im Versorgungskontext und im Rahmen von klinischen Studien Biomaterialen und deren assoziierte medizinische Daten von Spendern mit bestimmten Erkrankungen im Fokus.
Welchen konkreten Nutzen haben Biobanken für die Spender?
Die auf Grundlage von Biobanken gewonnen Erkenntnisse sind zu Forschungszwecken bestimmt. Eine individuelle Rückmeldung an den Spender ist zumeist nicht vorgesehen. Allerdings kann sich
insbesondere für chronisch erkrankte Spender, beispielsweise durch die aus der Nutzung der Biobank gewonnenen allgemeinen Forschungsergebnisse und die dadurch ermöglichten neuen Behandlungsformen, durchaus ein persönlicher Nutzen ergeben. Bei Erkrankungen mit genetischer Disposition können verbesserte Prävention und Therapie gegebenenfalls auch Familienmitgliedern des Spenders zu Gute kommen.

Auf welche Risiken muss geachtet werden?
Mit Blick auf die informationelle Selbstbestimmung der Spender ist zu beachten, dass mit der Sammlung von Proben zugleich eine Erhebung, Speicherung und weitere Verarbeitung von personenbezogenen Gesundheitsdaten einhergeht. Erforderlich ist in jedem Fall die ausdrückliche und informierte Einwilligung des Spenders zur Entnahme und zur zukünftigen Verwendung der Biomaterialproben oder Daten.
Die Forschungsfreiheit und die Berufsfreiheit des Arztes oder Forschers machen diese Anforderung nicht entbehrlich. Die Einwilligung ist nur wirksam, wenn der Betroffene über Zweck, Bedeutung und Tragweite des körperlichen Eingriffs angemessen aufgeklärt worden ist.
Besonderen Schutzes bedürfen sogenannte vulnerable Gruppen, zu ihnen zählen unter anderem Kinder oder Menschen mit Behinderung.

Um potentielle Risiken zu minimieren, sollten anonymisierte oder pseudonymisierte Proben und Daten verwendet werden, die den Forschenden eine Zuordnung der Proben zur Identität des Spenders
faktisch unmöglich machen. Allerdings lässt sich das Risiko der Re-Identifizierung nicht völlig ausschließen, insbesondere dann, wenn der Spender selbst genetische Daten öffentlich zugänglich gemacht hat.
Soweit Daten der Spender in personenbezogener Form erhoben, verarbeitet oder genutzt werden sollen, verlangen die Datenschutzgesetze – auch die ab Mai 2018 geltende Datenschutz-
Grundverordnung der EU – grundsätzlich eine Einwilligung des Spenders.

Diese Pressemitteilung finden Sie auch im Internet unter www.bundesaerztekammer.de

Was geschieht mit Zufallsergebnissen?
Für die Mitteilung beziehungsweise Nicht-Mitteilung klinisch relevanter Ergebnisse, die an den Probenspenden unerwarteter Weise gefunden wurden, sollten in der Vereinbarung zwischen Spender und Biobank klare Regelungen getroffen werden. So kann entweder vereinbart
werden, dass der Spender nicht über Analyseergebnisse der Probenspenden informiert werden möchte, auch wenn diese für seine Gesundheit bedeutsam sind, oder aber dass das gesundheitsrelevante Ergebnis mitgeteilt wird.

Die Handreichung „Medizinische, ethische und rechtliche Aspekte von Biobanken“ wurde im Auftrag des BÄK-Vorstandes von einem interdisziplinären Arbeitskreis des Wissenschaftlichen Beirats der
Bundesärztekammer unter Federführung von Dr. rer. nat. Bärbel-Maria Kurth und Prof. Dr. med. Dr. h. c. Manfred Dietel erstellt.

Die Handreichung ist auf der Internetseite der Bundesärztekammer
unter http://www.baek.de/biobanken_2017 abrufbar.
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07.12.2017 Das sind Bayerns Ärztevertreter
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Mehr Frauen, mehr Hausärzte, weniger „Newcomer“, höheres Durchschnittsalter – wer sind die 182 Delegierten zur Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), die ab 18. Januar 2018 den Bayerischen Ärztetag bilden?

Die 37.000 Ärztinnen und 44.000 Ärzte in Bayern wählten in der Zeit vom 20. November bis 1. Dezember 2017 die Delegierten zur BLÄK. Sie bestimmten damit ihre ärztliche Berufsvertretung in Bayern für die kommenden fünf Jahre. Insgesamt 182 Persönlichkeiten – 176 Delegierte plus je ein Repräsentant der sechs Landesuniversitäten – bilden das neue Ärzteparlament. 176 Delegierte deshalb, weil die neue Medizinische Fakultät der Universität Augsburg, die zum 1. Dezember 2016 gegründet wurde, bei der aktuellen Delegiertenwahl zu berücksichtigen ist. Zudem sind zwei Vorsitzende der ärztlichen Bezirksverbände „geborene“ Delegierte. Die Delegierten vertreten berufspolitische Fraktionen und gleichzeitig ihren ärztlichen Kreisverband bzw. ärztlichen Bezirksverband – ein breites Meinungsspektrum. Sie repräsentieren auch alle Versorgungsformen, Altersgruppen und Gebiete. Einige Kerndaten zu den neuen Ärztevertretern in Bayern:

»      111 Wiedergewählte (2012: 99), 69 (2012: 81) Neugewählte und zwei Vorsitzende der ärztlichen Bezirksverbände kraft Amt. Insgesamt hat sich die Relation „Routiniers“ gegenüber „Newcomern“ in Richtung „Wiedergewählte“ verschoben.
»      37 Ärztinnen (20,3 Prozent); der Frauenanteil ist damit gegenüber 2012 (35 Ärztinnen oder  19,4 Prozent) leicht gestiegen.
»      Das Durchschnittsalter der neu gewählten Delegiertenversammlung beträgt 57,7 Jahre und ist im Vergleich zu 2012 etwas höher (56 Jahre).
»      79 Hausärztinnen und -ärzte (vormals 70). Zahlenmäßig bilden sie somit wieder die stärkste Fraktion.*
»      57 Krankenhausärztinnen und -ärzte (bisher 56).*
»      57 niedergelassene bzw. im ambulanten Bereich angestellte Ärztinnen und Ärzte (vormals: 51).*
»      Der Jüngste im neuen Parlament ist 31 Jahre.
»      Die Älteste im Parlament zählt 77 Jahre.

Die Wahlbeteiligung betrug bayernweit 31,9 Prozent (37,6 Prozent 2012). In den einzelnen Stimmkreisen lag die Wahlbeteiligung zwischen 20,8 und 41,2 Prozent. Das Wahlergebnis gilt zunächst noch vorläufig, denn das amtliche Wahlergebnis wird erst am 18. Januar 2018 feststehen, wenn die 14-tägige Anfechtungsfrist vorüber ist.

Präsident Dr. Max Kaplan wird bei der konstituierenden Vollversammlung, die voraussichtlich am 3. Februar 2018 stattfindet, nicht mehr zur Wahl als BLÄK-Präsident antreten. „Ich bin seit 18 Jahren im Vorstand der Bayerischen Landesärztekammer, war sieben Jahre deren Vizepräsident und bin nun im achten Jahr deren Präsident. Ich finde, dass die Zeit jetzt reif ist, den Stab weiterzugeben“, sagte der 65-jährige Facharzt für Allgemeinmedizin aus dem Unterallgäu. Neben der Wahl der/des Präsidenten/-in und der beiden Vizepräsidenten/-innen werden auch die sechs Vorstandsmitglieder, die dem Vorstand mit den acht Vorsitzenden der ärztlichen Bezirksverbände angehören, gewählt. Darüber hinaus sind aus dem Kreis der Delegierten die Mitglieder des Finanzausschusses und des Hilfsausschusses, die Mitglieder weiterer Ausschüsse und die Abgeordneten zum Deutschen Ärztetag zu wählen.

*Doppelnennungen möglich

 Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
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06.12.2017 Jahresbericht 2016/2017 der Prüfungskommission und der Überwachungskommission zur Prüfung der Herz-, Lungen-, Leber-, Nieren- und Pankreastransplantationsprogramme vorgelegt
Pressemeldung der Bundesärztekammer Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern Überwachungskommission gem. § 11 TPG – Prüfungskommission gem. § 12 TPG

Die für die Prüfung der Transplantationszentren zuständigen Kontrollgremien haben eine positive
Zwischenbilanz ihrer zweiten Prüfperiode gezogen. Für die allermeisten Kliniken sei es
selbstverständlich, sich an die Richtlinien für die Organvergabe zu halten, betonten die Vorsitzenden
von Prüfungskommission und Überwachungskommission in gemeinsamer Trägerschaft von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKVSpitzenverbandbei der Vorstellung ihres Jahresberichts 2016/2017 in Berlin. „Wir werdenauch künftig jeder Unregelmäßigkeit nachgehen, um so das Vertrauen in die Organspendeweiter zu stärken“, sagte Prof. Dr. med. habil. Dr. h.c. Hans Lippert, Vorsitzender der Überwachungskommission.
Lippert dankte insbesondere den Landesministerien, die als Aufsichtder Transplantationszentren verbindlich in die Kontrollen einbezogen sind. „Wir arbeiten in der Regel eng mit den Ministerien zusammen, um einen schnellen und umfassenden Informationstransfer zu ermöglichen.“

Seit dem Jahr 2012 nehmen Prüfungskommission und Überwachungskommission in 3-Jahres-Abständen verdachtsunabhängige Prüfungen aller Transplantationsprogramme vor.
In diesem Jahr haben die Kommissionen 59 Transplantationsprogramme auf der Basis der
Krankenakten von mehr als 1.900 Empfängern postmortal gespendeter Organe aus den Jahren
2013 bis 2015 überprüft. „Prüfgegenstand ist unverändert die Frage, ob bei den Anmeldungen
zur Warteliste und insbesondere bei den Hochdringlichkeitsanträgen an Eurotransplant gegen die Richtlinien der Bundesärztekammer für die Wartelistenführung und die Organvermittlung verstoßen wurde“, erläuterte die Vorsitzende der Prüfungskommission, Vorsitzende Richterin am Kammergericht i. R. Anne-Gret Rinder.
Wie aus dem Jahresbericht von Prüfungskommission und Überwachungskommission hervorgeht,
haben sich bei den abgeschlossenen Verfahren im Bereich der Nieren-, Pankreas und kombinierten Nieren-Pankreastransplantationen sowie der Lungentransplantationen keine Auffälligkeiten ergeben. Auch die bereits abgeschlossenen Prüfungen der Herz- und der Lebertransplantationsprogramme bestätigen, dass der ganz überwiegende Teil der Zentren ordnungsgemäß und korrekt arbeitet. Auffälligkeiten stellten die Kommissionen lediglich in den Universitätskliniken Berlin, Göttingen und Essen fest.
Bei der bereits früher begonnenen und im Berichtszeitraum abgeschlossenen Prüfung des
Herztransplantationsprogramms des Deutschen Herzzentrums Berlin mussten Richtlinienverstöße
beanstandet werden. Das betroffene Transplantationszentrum hatte auf diese Verstöße bereits zu Beginn der Prüfung hingewiesen und diese auf eigene Initiative der zuständigen Staatsanwaltschaft und dem zuständigen Ministerium gemeldet. Es konnte darüber hinaus festgestellt werden, dass von Frühjahr 2014 an keine Anhaltspunkte mehr für systematische Verstöße oder Manipulationen vorlagen.
Auch bei der ebenfalls bereits früher begonnenen und in diesem Berichtszeitraum abgeschlossenen
Prüfung des Lebertransplantationsprogramms des Universitätsklinikums Göttingen stellten die Experten systematische Richtlinienverstöße fest. Hierbei ging es u. a. um die Abklärung der Alkoholkarenz bei alkoholbedingter (äthyltoxischer) Leberzirrhose bis zum Jahre 2011. Es wurde jedoch deutlich, dass sich das Zentrum nach der Prüfung in der letzten Prüfungsperiode von 2013 an im Wesentlichen richtlinienkonform verhalten und auch Fehler aus der Vergangenheit korrigiert hat. Für die nachfolgenden Jahre stellten die Kommissionen daher keine Anhaltspunkte mehr für systematische Richtlinienverstöße fest.
Auch bei der bereits früher begonnenen und im Berichtszeitraum abgeschlossenen Prüfung des Lebertransplantationsprogramms des Universitätsklinikums Essen mussten die Prüfer systematische Richtlinienverstöße beanstanden. Hierbei handelte es sich um Verstöße gegen
die Ausnahmeregelung zur Anmeldung auf die Warteliste bei Vorliegen eines Leberkrebses
(hepatozelluläres Karzinom). Zum anderen wurde hier ebenfalls die Frage der Alkoholkarenz bei äthyltoxischer Leberzirrhose nicht ausreichend abgeklärt. Weiterhin stellten die Kommissionen in erheblichem Umfang Verstöße gegen die Regeln des beschleunigten Vermittlungsverfahrens (sog. Rescue-Allocation) fest. In diesem Zusammenhang hatte das Zentrum auch gegen die Verpflichtung verstoßen, die Gründe für die Auswahlentscheidung zu dokumentieren.
Mit Blick auf die in den Richtlinien geforderte sechsmonatige Alkoholkarenz der Patienten
teilte Rinder mit, dass die noch ausstehenden Prüfungen fortgesetzt werden. Zwar gehe die
Entscheidung des 5. Strafsenats des Bundesgerichtshofs vom 28. Juni 2017 davon aus,
dass der „strikte Ausschluss“ von der Warteliste vor Ablauf von sechs Monaten unter anderem
die Ermächtigungsnorm von § 16 Abs. 1 TPG überschreite und daher nicht strafrechts begründend sei. Die Aussage des Senats beziehe sich jedoch auf eine Regelung, die zum Zeitpunkt der angeklagten Regelverstöße gültig gewesen, aber bereits vor zwei Jahren geändert worden sei. Bis August 2015 schrieb die Richtlinie eine sechsmonatige Alkoholkarenz als strikte Voraussetzung einer Aufnahme in die Warteliste vor. Seither gilt eine vom Bundesministerium für Gesundheit genehmigte Neufassung, die eine Ausnahmeregelung vorsieht.

Die Kommission stehe deshalb weiterhin in der Pflicht, die Alkoholkarenz der Patienten
unter besonderer Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls und damit die Einhaltung
der Richtlinie zu überprüfen.
Prof. Dr. jur. Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation der
Bundesärztekammer, betonte ausdrücklich die Bedeutung des Urteils des Bundesgerichtshofs:
„Die Richtlinien der Bundesärztekammer sind nach den Ausführungen des Bundesgerichtshofs
eine Form exekutiver Rechtsetzung.“ Lilie hob hervor, dass es bereits seit 2013
strafbewehrt verboten sei, bei der Meldung an Eurotransplant den Gesundheitszustand eines
Patienten unrichtig zu erheben, zu dokumentieren oder einen unrichtigen Gesundheitszustand
zu übermitteln, um Patienten zu bevorzugen. „Wer gegen dieses Verbot verstößt, kann
mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden“, so Lilie.
Er erinnerte daran, dass die Bundesärztekammer bereits unmittelbar nach dem Göttinger
Transplantationsskandal im Jahr 2012 eine Gesamtrevision der Richtlinien zur Organtransplantation
eingeleitet hat. „Vor dem Hintergrund des Urteils des 5. Strafsenats sind die Bundesärztekammer
als Richtliniengeberin, die Trägerorganisationen der Prüfungskommission,
das Bundesministerium für Gesundheit sowie die Obersten Landesgesundheitsbehörden
übereinstimmend der Auffassung, die Gesamtrevision verstärkt fortzusetzen und alle Richtlinien
für die Wartelistenführung und Organvermittlung strukturiert einer systematischen Aktualisierung
zu unterziehen“, so Lilie.
Prof. Dr. jur. Ruth Rissing-van Saan, Leiterin der Vertrauensstelle Transplantationsmedizin,
gab einen Überblick über die Arbeit der Vertrauensstelle. Deren Aufgabe ist es, auf vertraulicher
Basis Hinweise auf Auffälligkeiten im Bereich der Organspende und der Organtransplantation
entgegenzunehmen und in Kooperation mit der Prüfungskommission und der
Überwachungskommission zu klären. Die Vertrauensstelle ist ein von den Strafverfolgungsbehörden
unabhängiger Ansprechpartner vor allem für Patienten und deren Angehörige sowie
für alle interessierten Bürger. „Im vergangenen Jahr sind insgesamt 35 Eingaben bei der
Vertrauensstelle eingegangen“, berichtete Rissing-van Saan. Neben anonymen Anfragen sei
die Vertrauensstelle auch von Beschäftigten in Transplantationszentren sowie von anderen
in das Transplantationsgeschehen eingebunden Stellen kontaktiert worden. „Immer häufiger
gehen bei uns aber auch Fragen zur Lebendspende und zur medizinischen Versorgung von
Flüchtlingen und Asylbewerbern ein. Bei den Eingaben zur Lebendspende geht es häufig um
Fragen zu Kostentragung für Rehabilitations- und Anschlussheilbehandlungen sowie Entschädigungen
für den Verdienstausfall des Spenders“, sagte Rissing-van Saan.
Abschließend appellierte Lippert an die Zentren, ihre Patienten über das Transplantationsregister,
das gerade errichtet wird, zu informieren und gemäß den gesetzlichen Vorgaben aufzuklären.
„Wir alle haben das Transplantationsregister gewollt und müssen nun auch dafür
Sorge tragen, dass es erfolgreich umgesetzt werden kann“, forderte Lippert.

Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern
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01.12.2017 Die munteren Neunziger-am Freitag, 8. Dezember 2017, 13.00 Uhr
uni | mediendienst | aktuell Nr. 187/2017 v

FAU-Alternsforscher präsentieren Ergebnisse einer neuen Studie / Einladung zum Pressegespräch
In einem einzigartigen Forschungsprojekt haben Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht, welche Bedingungen und Chancen zu einem langen Leben in weitgehender Selbstbestimmung beitragen. Die Studie zum Leben der über Neunzigjährigen zeigt Überraschendes über die Lebenssituation hochbetagter Menschen. In einem Pressegespräch mit der Bayerischen Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, am Freitag, 8. Dezember stellen die Wissenschaftler um Prof. Dr. Frieder Lang ihre Forschungsergebnisse vor.
Das Pressegespräch

Termin:                Freitag, 8. Dezember 2017, 13.00 Uhr

Ort:                       Institut für Psychogerontologie, Kobergerstr. 62, Nürnberg

Teilnehmer:       Prof. Dr. Frieder R. Lang, Lehrstuhl für Psychogerontologie der FAU

Prof. Dr. Nicolas Rohleder, Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie der FAU

Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege
Bitte geben Sie unter Tel.: 09131/85-70229 bzw. per Mail an presse@fau.de Bescheid, wenn Sie an dem Pressegespräch teilnehmen möchten.

Die Studie „Leben in der zehnten Dekade“

In der Untersuchung der FAU-Wissenschaftler ging es vor allem darum, die Situation derjenigen Hochbetagten zu verstehen, die gerade keine akute medizinische Versorgung erhalten oder in betreuten Einrichtungen leben. Zielsetzung war es zu erforschen, welche Besonderheiten und Verhaltensweisen, die Gesundheit und Lebensqualität von überdurchschnittlich aktiven, hochbetagten Menschen kennzeichnen. An der Studie nahmen 125 Frauen und Männer im Alter von 90 bis 100 Jahren teil. Sie ließen ihre körperliche und geistige Funktionstüchtigkeit untersuchen und beantworteten eine Vielzahl von Fragen zu ihrer Lebenssituation sowie zu ihren Einstellungen zum Leben.
Die Studie wurde in Zusammenarbeit der Lehrstühle für Gesundheitspsychologie und Psychogerontologie, gemeinsam mit der von der Schöller-Stiftung geförderten Beratung für gesundes Altern (BegA) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführt

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29.11.2017 Welt-Aids-Tag am 1. Dez. - Montgomery: Menschen mit HIV/AIDS werden noch immer stigmatisiert
Pressenachricht der Bundesärztekammer

Berlin, 29.11.2017 – „Eine HIV-Infektion ist längst kein Todesurteil mehr.
Wir können sie zwar noch nicht heilen, aber doch gut behandeln. Trotzdem haftet HIV noch immer ein Stigma an.“ Darauf wies Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) aus Anlass des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember hin, der in diesem Jahr unter dem Motto „positiv zusammenleben“ steht. „Davon sind wir leider noch weit entfernt“, so Montgomery weiter. Noch immer wecke die Diagnose „HIV positiv“ Ängste und Vorurteile – sogar im engsten persönlichen Umfeld. Das setze eine Negativspirale in Gang: „Die Betroffenen outen sich aus Angst vor Diskriminierung nicht, viele ziehen sich in die Isolation zurück, und dadurch verschwindet das Thema Aids aus der öffentlichen Wahrnehmung“, warnte der BÄK-Präsident.

Dabei gibt es in Bezug auf Neuinfektionen keine Entwarnung. Nach den neuesten Zahlen des Robert Koch-Instituts haben sich im Jahr 2016 etwa 3.100 Menschen in Deutschland mit HIV infiziert, etwa genauso viele wie im Jahr davor. „Das zeigt, dass wir bei der Aufklärung und Prävention nicht nachlassen dürfen“, forderte Montgomery.

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29.11.2017 BÄK-Tagung zur Suchtmedizin -Mehr Forschung zu Cannabis-Medikamenten notwendig
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 29.11.2017 – „Wir wissen noch viel zu wenig darüber, ob und wie Arzneimittel auf Cannabis-Basis wirken. Die Studienlage hierzu ist deutlich schwächer, als in der Öffentlichkeit allgemein angenommen wird.“ Dieses Fazit zog Dr. Josef Mischo, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Sucht und
Drogen“ der Bundesärztekammer (BÄK) nach einem Erfahrungsaustausch über aktuelle suchtmedizinische Themen am 27. November 2017 in Berlin. Die BÄK hatte dazu Vertreter von Ärzteschaft, Wissenschaft und Politik eingeladen.
„Wir müssen auf der Grundlage von wissenschaftlichen Studien sehr genau prüfen, ob Cannabis tatsächlich eine therapeutische Alternative sein kann. Gerade angesichts der großen Hoffnungen, die viele Patienten in Cannabis-Therapien setzen, müssen wir unvoreingenommen Chancen und Risiken
offenlegen, auch und gerade im Vergleich mit herkömmlichen Therapien“, sagte er. Der Co-Vorsitzende der BÄK-Arbeitsgruppe, Erik Bodendieck, betonte, dass es derzeit keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz gebe, um Cannabisverordnungen zu befürworten.

Die Arbeitsgruppen-Vorsitzenden bezogen sich dabei auf die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Cannabis: Potential und Risiken (CaPRis)“, die von der Projektleiterin Dr. Eva Hoch auf der Tagung der Bundesärztekammer vorgestellt wurden. Das Projekt war von der Ludwig-Maximilians-Universität
München im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführt worden. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass aufgrund des noch uneinheitlichen Forschungsstands und der begrenzten Datenlage bei vielen Krankheitsbildern noch keine Aussagen zur Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Cannabisarzneimitteln gemacht werden könnten.

Besser erforscht ist der Freizeit-Konsum von pflanzlichem und synthetischem Cannabis. Hier sieht die Untersuchung negative psychische, organische und soziale Effekte, wobei die Risiken für junge Konsumenten besonders groß sind. „Die Ärzteschaft hat in der Vergangenheit immer wieder auf die
unterschätzten Gefahren des Cannabis-Konsums hingewiesen. Die Studienergebnisse bestätigen jetzt: Kiffen ist kein harmloses Freizeitvergnügen. Cannabis kann abhängig machen – gerade auch in Hinblick auf die in den letzten Jahren stark angestiegenen THC-Gehalte der verwendeten Pflanzen“, sagte Bodendieck. Es sei wichtig, die Bevölkerung besser über die negativen Auswirkungen der Droge zu informieren.

Ein weiteres Thema der Tagung war die neue Substitutions-Richtlinie der BÄK. Hier seien besonders die breiter angelegten Ziele der Substitutionsbehandlung hervorzuheben, die eine besser auf die individuelle Situation der Patienten abgestimmte Therapie ermöglichen. „Früher hieß es, oberstes Ziel einer Suchtbehandlung müsse immer die Abstinenz sein. Wir wissen aber heute, dass sie nur in wenigen Fällen überhaupt erreichbar ist“, so Mischo, der gemeinsam mit Bodendieck und einer ärztlichen Expertengruppe die Richtlinie erarbeitet hat. Substitution diene primär der Überlebenssicherung und der gesundheitlichen und sozialen Stabilisierung und bleibe auch dann sinnvoll, wenn Abstinenz nicht erreicht werden kann.

Link: FAQ-Liste zum Einsatz von Cannabis in der Medizin
(http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdfOrdner/
Versorgung/Cannabis.pdf)


Link: Richtlinie der BÄK zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opioidabhängiger
(http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdfOrdner/
RL/Substitution.pdf)


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28.11.2017 Notfalleinsätze bei Kindern-22. Fachtagung für Notfallmedizin und Erlanger Notfallmedizinische Tage am 1./2. Dezember 2017
uni | mediendienst | aktuell Nr. 185/2017

Wenn am kommenden Samstag wieder zahlreiche Rettungsfahrzeuge das Bild der Erlanger Innenstadt prägen, gibt es keinen Grund zur Sorge. Im Gegenteil! Im Rahmen der 22. Erlanger Notfallmedizinischen Tage am Freitag und Samstag, 1. und 2. Dezember 2017, informieren sich rund 600 Rettungskräfte und Notärzte, wie sie bei Einsätzen für Kinder noch gezielter helfen können. Wissenschaftlicher Leiter der Veranstaltung ist der Direktor der Anästhesiologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen, Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler. Alle interessierten Bürger sind herzlich eingeladen, sich am Samstag, 2. Dezember 2017, zwischen 8.30 und 16.30 Uhr im Foyer der Heinrich-Lades-Halle, Rathausplatz 1, sowie auf dem Rathausplatz die Ausstellung anzusehen und sich über modernste Hilfsmaßnahmen und Rettungsfahrzeuge zu informieren.
 
Selbst sogenannte Großschadensereignisse oder Einsätze bei Verwandten sind für Rettungskräfte nicht so belastend wie Notfälle bei kleinen Kindern. Kleinkinder können oft nicht sagen, wo es schmerzt oder wie der Unfall abgelaufen ist. Winzige anatomische Verhältnisse und begrenzte Blut- oder Energiereserven verlangen vom Rettungspersonal ein Höchstmaß an Konzentration. Die Hilflosigkeit und Angst der kleinen Patienten stellt in dieser Situation einen weiteren Belastungsfaktor für die Einsatzkräfte dar. Aus diesem Grund veranstalten die Anästhesisten des Uni-Klinikums Erlangen ihre Notfallmedizinischen Tage in diesem Jahr zusammen mit der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher) des Uni-Klinikums Erlangen.
 
Den Einstieg in die Fachtagung für Notfallmedizin bilden ein Tutorienprogramm und ein Simulationskurs am Freitagabend in den Räumen der Anästhesiologischen Klinik, Krankenhausstraße 12, sowie in den Hörsälen Medizin, Ulmenweg 18. Am Samstag stellen unterschiedliche Experten im Rahmen des wissenschaftlichen Tagungsprogramms in der Heinrich-Lades-Halle ihre individuellen Sichtweisen auf die außerklinische Geburt vor. Des Weiteren werden die aktuellen Vorgehensweisen bei der Reanimation von Kindern und spezielle Notfallsituationen besprochen. Die Mediziner geben Tipps und Tricks aus ihrer eigenen Erfahrung weiter und demonstrieren das richtige Vorgehen bei Atemstörungen und Schockzuständen, Krampfanfällen und lebensbedrohlichen Infekten. „Wir haben Experten eingeladen“, erläutert der Direktor der Anästhesie des Uni-Klinikums Erlangen, Prof. Schüttler, „die uns Hinweise geben werden, wie wir uns in solchen schwierigen Situationen richtig verhalten können, denn das ist eine der größten Herausforderungen für Ärzte.“
 
Öffentlicher Infotag auf dem Rathausplatz und in der Heinrich-Lades-Halle
Am Samstag wird es dann auch für alle interessierten Bürger und Familien spannend. Zwischen 8.30 und 16.00 Uhr stellen verschiedene Hilfsorganisationen im Foyer der Heinrich-Lades-Halle ihr Leistungsspektrum vor. Auf dem Rathausplatz können außerdem Rettungsfahrzeuge besichtigt werden.
 
Die 22. Erlanger Notfallmedizinischen Tage werden in Zusammenarbeit mit Erlanger Hilfsorganisationen, der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte, den Ärztlichen Leitern des Rettungsdienstes Bayern und der Bayerischen Landesärztekammer – Akademie für ärztliche Fortbildung angeboten. Zu den Highlights der Veranstaltung gehören „fast schon traditionell“ die Grußworte von Staatsminister Joachim Herrmann, vom Bundestagsabgeordneten Stefan Müller sowie von Oberbürgermeister Dr. Florian Janik.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler
Tel.: 09131 85-33677
juergen.schuettler@kfa.imed.uni-erlangen.de
 
 
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27.11.2017 Zehn Jahre Forschungsstiftung Medizin am 30. November 2017
Jubiläumsveranstaltung mit Staatsminister Herrmann gibt Einblick in die erfolgreiche Stiftungsarbeit

Das erste runde Jubiläum wird gefeiert: Die Forschungsstiftung Medizin am Universitätsklinikum Erlangen besteht im Dezember 2017 seit zehn Jahren. Bei einer Jubiläumsveranstaltung am Donnerstag, 30. November 2017, um 11.15 Uhr in der Orangerie im Erlanger Schlossgarten erläutert der Stiftungsvorstand, wie mit kreativen Aktionen ein Stiftungsvermögen von inzwischen rund dreieinhalb Millionen Euro gesammelt werden konnte. Mit über vier Millionen Euro hat die Stiftung bereits wegweisende Forschungsprojekte, Maßnahmen zur Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und des ärztlichen Nachwuchses sowie bedürftige Patienten unterstützt.
 
Bei der Jubiläumsveranstaltung soll nicht nur auf die erfolgreichen Projekte der vergangenen zehn Jahre zurückgeblickt werden, sondern der Vorstandsvorsitzende der Forschungsstiftung Medizin, Prof. Dr. Werner G. Daniel, gibt auch einen Ausblick auf die Zukunft der Stiftung, die als Vorbild für die künftige Forschungsfinanzierung gilt. „Viele innovative Ideen konnten wir bereits in die Tat umsetzen – von der Bürgervorlesung, der Einrichtung von Namensstiftungen und Hörsälen, die nach großzügigen Mäzenen benannt wurden, dem „Matching-Funds“-Programm bis hin zur regelmäßigen Verleihung von Wissenschaftspreisen und insbesondere der Unterstützung zahlreicher Forschungsprojekte“, sagt Prof. Daniel.
 
Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Bernhard Fleckenstein (Vorsitzender des Stiftungsrates der Forschungsstiftung Medizin) werden folgende Grußworte gehalten: Joachim Herrmann (Bayerischer Staatsminister des Innern, für Bau und Verkehr), Prof. Dr. Joachim Hornegger (Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler (Dekan der Medizinischen Fakultät der FAU Erlangen-Nürnberg) und Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro (Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Erlangen). Abschließend folgt der Festvortrag von Prof. Daniel über die Forschungsstiftung Medizin.
 
Vertreter der Medien sind zur Jubiläumsveranstaltung und zum anschließenden Empfang herzlich eingeladen. Foto- und Filmaufnahmen von einzelnen der geförderten Forschungsprojekte sowie Interviews mit dem Stiftungsvorstand sind nach Rücksprache vor oder nach der Veranstaltung möglich. Um Anmeldung wird gebeten unter presse@uk-erlangen.de oder Tel.: 09131 85-36102.
 
Weitere Informationen:
Johannes Eissing, Tel.: 09131/85-36102, presse@uk-erlangen.de

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24.11.2017 Internationales Symposiumam 25. 11. 17 : Joachim R. Kalden – Lebenswerk und wissenschaftliche Meilensteine
uni | mediendienst | aktuell Nr. 184/2017

Samstag, 25. November, ab 13 Uhr, Rudolf Wöhrl Hörsaal, Krankenhausstraße 12, Erlangen
 
Seine Grundlagenforschung zu rheumatischen Erkrankungen ist von immenser wissenschaftlicher Bedeutung und hat in beispielloser Weise viele andere Bereiche der Medizin nachhaltig beeinflusst und verändert. Anlässlich des 80. Geburtstages von Prof. Dr. Joachim R. Kalden, ehemaliger Direktor der Medizinischen Klinik 3 des Universitätsklinikums Erlangen,  veranstalten die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und das Uni-Klinikum Erlangen ein internationales Symposium. Unter dem Titel „Joachim R. Kalden – life time achievements und milestones in rheumatology and clinical immunology“  sprechen Kollegen und Kolleginnen aus dem In- und Ausland, darunter auch Nobelpreisträger Prof. Dr. Harald zu Hausen, über Kaldens wissenschaftliches Lebenswerk. Das öffentliche Symposium findet am Samstag, dem 25. November, im Rudolf Wöhrl Hörsaal,  Krankenhausstraße 12, Zugang über die Östliche Stadtmauerstraße 18, Erlangen statt. Beginn ist 13.00 Uhr, der Eintritt ist frei.
 
Kaldens Verbindung von immunologischer Grundlagenforschung, internationalen klinischen Studien und die Umsetzung und Realisierung in den klinischen Alltag sind von besonderer Qualität und nationaler und internationaler Bedeutung. Kalden hat entscheidend dazu beigetragen, dass Patienten mit entzündlich rheumatischen Systemerkrankungen heute bessere Therapieoptionen und Langzeittherapieerfolge erwarten können. In den letzten 20 Jahren sind die Frühberentungen sowie die Operationen bei Rheuma-Patienten erheblich zurückgegangen und die Lebensqualität deutlich angestiegen. Prof. J.R. Kalden hat in den letzten 40 Jahren die moderne Rheumatologie zur führenden immunologisch zielgerichteten „Entzündungsmedizin“ entwickelt.
 
Informationen:
Dr. Anja Glanz, Tel. 09131/85-43219, anja.glanz@uk-erlangen.de
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22.11.2017 Montgomery: Palliativmedizin muss weltweit gestärkt werden
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Regionaltreffen des Weltärztebundes / Symposium zu Fragen am Ende des Lebens
Berlin, 21.11.2017 – „Das Symposium zu Fragen am Lebensende war ein Beispiel für eine weltoffene und vorurteilsfreie Diskussion. Es war ein Meilenstein für die Ärzteschaft und ein Schritt voran für die katholische Kirche.“ So bewertet Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), das Regionaltreffen des Weltärztebundes, das am 16. und 17. November 2017 im Vatikan stattgefunden hat. „Wir haben mit großem Ernst darüber diskutiert, ob es sich bei Euthanasie oder assistiertem Suizid um ärztliche Aufgaben handeln kann und ob sich Kollegen, die sich zu diesen Verfahren bekennen, unethisch handeln“, so Montgomery weiter. Die Debatte habe die ganze Bandbreite der Sichtweisen aufgezeigt.

Der BÄK-Präsident wies darauf hin, dass die überwiegende Mehrheit der Ärzteschaft Euthanasie und ärztlich assistierten Suizid ablehnt. Nur eine kleine Gruppe vertrete in dieser Frage eine andere Meinung, aber das gehöre zum Wesen liberaler Gesellschaften. „Einigkeit herrscht allerdings darüber, dass die Palliativmedizin weltweit gestärkt werden und allen Menschen zur Verfügung stehen muss“, betonte er. Ebenso unstrittig sei, dass Verfahren der Euthanasie niemals als kostensparende Varianten eingesetzt werden dürften, um teure Therapien zu vermeiden.

Montgomery begrüßte, dass Papst Franziskus in seinem Grußwort zu der Konferenz Euthanasie klar abgelehnt, sich aber gleichzeitig dagegen gewandt hat, einen offensichtlichen Sterbevorgang durch
lebenserhaltende Maßnahmen zu verlängern. „Ich sehe hier gute Ansatzmöglichkeiten für eine weitere vertiefte Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und katholischer Kirche“, sagte Montgomery.

Papst Franziskus hatte ausgeführt, dass es moralisch vertretbar sei, auf Therapien zu verzichten oder diese einzustellen, wenn sie in keinem Verhältnis zum erhofften Ergebnis stünden. „Dabei steht der Patient an erster Stelle“, heißt es in der Erklärung des Papstes. Der Patient habe das Recht, gemeinsam mit den behandelnden Ärzten die vorgeschlagenen Maßnahmen einzuschätzen und ihre
Verhältnismäßigkeit zu beurteilen. Es gehe in solchen Fällen nicht darum, den Tod herbeizuführen, sondern zu akzeptieren, dass man ihn nicht verhindern kann.

Der BÄK-Präsident hob hervor, dass diese Haltung den Grundsätzen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung entspreche. Darin wird ausgeführt, dass es Situationen geben kann, in denen sonst angemessene Diagnostik und Therapieverfahren nicht mehr angezeigt und Begrenzungen geboten sind. Der Arzt hat dann für eine Basisbetreuung zu sorgen. Dazu gehören unter anderem
menschenwürdige Unterbringung, Zuwendung, Körperpflege, Lindern von Schmerzen, Atemnot und Übelkeit sowie Stillen von Hunger und Durst.

Im Rahmen des zweitägigen europäischen Regionaltreffens hatten der Weltärztebund, die Päpstliche Akademie für das Leben und die Bundesärztekammer Juristen, Ethiker, Theologen und Philosophen aus ganz Europa in den Vatikan eingeladen, um über Fragen zur ärztlichen Begleitung von Menschen an ihrem Lebensende zu diskutieren. Das nächste Regionaltreffen zu dem Thema ist für Anfang 2018 in Nigeria geplant. Zuvor hatten bereits Konferenzen in Tokio und Rio de Janeiro stattgefunden.

Link Video-Interview Montgomery
https://youtu.be/AyMUIqkG9Po

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17.11.2017 Europäischer Antibiotikatag - Im Kampf gegen Resistenzen an einem Strang ziehen
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin, 17.11.2017 – „Keime kennen keine Grenzen. Den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen können wir nur gewinnen, wenn wir europaweit und weltweit an einem Strang ziehen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery im Vorfeld des Europäischen Antibiotikatages, der am 18. November 2017 begangen wird. „Deutschland hat mit seinen Initiativen gegen Antibiotika-Resistenzen in den letzten Jahren eine Vorreiterrolle übernommen.
Diesen Weg müssen wir weiter gehen“, forderte Montgomery mit Blick auf aktuelle Daten des European Centre for Disease Prevention and Control, nach denen die Zahl der durch Antibiotika-Resistenzen infizierten Patienten in der Europäischen Union steigt. Antibiotikaresistente Bakterien beeinträchtigten die Möglichkeiten zur Therapie bakterieller Infektionskrankheiten. “Nur wenn wir jetzt handeln, können wir eine weitere Zunahme von nicht beherrschbaren Antibiotika-Resistenzen verhindern. Neben Maßnahmen zur Förderung der rationalen Antibiotika-Therapie in der Humanmedizin zählt dazu auch ein Verbot oder zumindest eine deutliche Begrenzung der Antibiotikaabgabe in der Tiermast", sagte der Bundesärztekammer-Präsident.

In Deutschland wurden mit der Antibiotika-Resistenzstrategie wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht, mit denen unter anderem die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika, alternativer Therapiemethoden und schnellerer Testverfahren verstärkt werden sollen. In der ärztlichen Aus- und Weiterbildung werden grundlegende Kenntnisse über Antibiotika-Resistenzen und einer rationalen
Antibiotika-Therapie vermittelt. Aktuell hat die Bundesärztekammer die strukturierte curriculare Fortbildung „Antibiotic Stewardship“ beschlossen, mit der Strategien zum rationalen Einsatz von Antiinfektiva vermittelt werden. Fragen zum Einsatz von Antibiotika sind fester Bestandteil vieler weiterer Fortbildungsangebote der Landesärztekammern. In Vorträgen, Seminaren und Workshops wird über die Diagnostik von Infektionskrankheiten, Indikationsstellung, Auswahl des Antibiotikums, Dauer der Anwendung und Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie ebenso informiert, wie auch zu
Fragen der Resistenzentwicklung.

Montgomery begrüßte die in dieser Woche gestartete Antibiotika-Verbrauchs-Surveillance des Robert Koch-Instituts, die erstmals allen Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen die
Möglichkeit bietet, Antibiotikaverbrauch mit Referenzdaten zu vergleichen. Ein weiteres Augenmerk müsse auf die Vermeidung nosokomialer Infektionen gelegt werden. "Wir müssen die Strukturen im
Bereich der Krankenhaushygiene durch den Ausbau von Lehrstühlen und Instituten so fördern, dass ausreichend in Krankenhaushygiene qualifizierte Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin sowie für
Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie zur Verfügung stehen." Der BÄK-Präsident wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es in Krankenhäusern bereits bei der täglichen Patientenversorgung an ausreichend ärztlichem und pflegerischem Personal mangele. „Aus Studien wissen wir, dass eine hohe Arbeitsdichte das größte Risiko für nosokomiale Infektionen darstellt.
Deshalb brauchen wir insbesondere in infektiologischen Risikobereichen wie Intensivstationen mehr Ärzte und Pflegepersonal."

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14.11.2017 Ärztliche Psychotherapie - Körper und Seele zusammenhalten
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 14.11.2017 – „Psychische Erkrankungen werden immer mehr zu einer Herausforderung für die Gesundheitsversorgung. Sie verursachen immenses menschliches Leid und auch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten.“ Das sagte Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes- ärztekammer (BÄK), zum Auftakt der Tagung „Chancen und Wert der ärztlichen Psychotherapie“ am 11. November 2017 in Berlin.
Die direkten Krankheitskosten beziffert die Bundesanstalt für Arbeit für das Jahr 2016 auf 40 Milliarden Euro. Mittlerweile ist in Deutschland jeder dritte Erwachsene im Zeitraum eines Jahres von einer psychischen Erkrankung betroffen. „Die gute Nachricht ist, dass psychische Erkrankungen meist erfolgreich behandelt werden können. Mit dieser Tagung nehmen wir eine Standortbestimmung der ärztlichen Psychotherapie vor, zeigen ihr Alleinstellungsmerkmal und ihren spezifischen Wert auf“, sagte Montgomery.

So betonten zahlreiche Referenten auf der von den BÄK-Vorstandsmitgliedern Dr. Heidrun Gitter und Dr. Ulrich Clever moderierten Veranstaltung die Notwendigkeit, die psychiatrische beziehungsweise psychotherapeutische Versorgung eng in den somatischen Behandlungskontext einzubinden. Die Kompetenz der spezifisch ärztlichen Form der Behandlung psychisch Kranker liege insbesondere darin, ein individuelles, somatische wie psychische Aspekte integrierendes Gesamtkonzept für den einzelnen Patienten anbieten zu können. Dies sei umso wichtiger, weil psychische Erkrankungen häufig mit behandlungsbedürftigen somatischen Erkrankungen einhergehen und sich beide wechselseitig sogar noch verstärken können.

Langjähriges Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt

In Deutschland wird die psychotherapeutische Versorgung sowohl von ärztlichen als auch von psychologischen Psychotherapeuten sowie von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit den ihnen jeweils eigenen Qualifikationen getragen. Für die ärztliche Psychotherapie können Patienten auf ein sehr breit gestuftes Angebot zurückgreifen, das von der psychosomatischen Grundversorgung durch Haus- und Fachärzte bis hin zur fachärztlichen psychiatrischen, psychosomatischen und psychotherapeutischen Versorgung reicht.

Nahezu 400.000 Patienten werden jährlich in der ärztlichen ambulanten, stationären und rehabilitativen psychosomatischen Medizin behandelt. Das berichtete auf der Tagung Prof. Dr. Johannes Kruse, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. „Die ärztliche Psychotherapie schafft für Patienten wie für Ärzte eine Brücke zwischen der somatischen und der psychotherapeutischen Versorgung.
Sie verhindert eine Aufspaltung zwischen einer Versorgung für den Körper und die Seele“, sagte Kruse, der auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) ist.

Tatsächlich leisten Haus- und Fachärzte die psychosomatische Grundversorgung in Deutschland. Patienten mit Depressionen werden zu mehr als 80 Prozent von ihrem Hausarzt behandelt, zwei Fünftel der Patienten mit psychischen und psychosomatischen Störungen bei einem Facharzt mit entsprechender Zusatzweiterbildung. Darauf hob auch PD Dr. Martina Rauchfuß, Chefärztin der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Klinik Henningsdorf, ab. Die Vorsitzende des Weiterbildungsinstituts für psychosomatische Frauenheilkunde berichtete über die Behandlung psychischer Erkrankungen durch Fachärzte mit einer Zusatzweiterbildung in Psychosomatischer Grundversorgung. Der Vorteil hier: Es bestehe meist ein langjähriges Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt. Der Einstieg in eine Psychotherapie falle deshalb leichter.

Prof. Dr. Sabine C. Herpertz, Direktorin der Klinik für Allgemeine Psychiatrie der Universität Heidelberg, beleuchtete die ärztliche Psychotherapie aus der psychiatrischen Perspektive. „Psychiater
erbringen die gesamte Bandbreite psychotherapeutischer Leistungen, vom psychotherapeutischen Gespräch bis hin zu antragspflichtigen Leistungen“, erläuterte sie. Herpertz wies auf Besonderheiten der Psychotherapie in der Psychiatrie hin. So befänden sich Patienten oft in extremen, mitunter sogar lebensbedrohlichen Situationen. Dass Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie auch eine wichtige „GateKeeper-Funktion“ einnehmen, betonte Dr. Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater. Ihre therapeutische Haltung und ihr therapeutischer Einsatz seien je nach Krankheitsstadium höchst flexibel. Kürzere psychotherapeutische Interventionen von etwa 20 Minuten Dauer seien integraler Bestandteil der Behandlung.

Unzureichende Vergütung
Als „Dilemma“ bezeichnete Roth-Sackenheim die unzureichende Vergütung. Die Gesprächsleistungen der Psychiater seien in vielen Kassenärztlichen Vereinigungen budgetiert. Fachärzte für Psychiatrie
und Psychotherapie seien in der Vergütung gegenüber technikorientierten Fächern stark benachteiligt. Eine Aufwertung der Leistungen sei dringend erforderlich. Änderungsbedarf in der Vergütung sieht auch Dr. Norbert Hartkamp, Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen der DGPM. Er stellte auf der Tagung die spezifischen Möglichkeiten der psychosomatischen Medizin dar. In diesem Versorgungsbereich würden vermehrt Patienten behandelt, die körperlich, seelisch und psychosozial deutlich bis stark belastet seien. Hartkamp berichtete, dass Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie – gemessen an der Honorarsumme - zu etwa zwei
Dritteln Leistungen der Richtlinien-Psychotherapie, also antragspflichtige Leistungen, erbringen und nur wenige Leistungen aus dem Facharztkapitel. Grund sei, dass sich nur so ein angemessenes
Einkommen erzielen lasse. Es sei notwendig, dass auch flexible und staffelbare Gesprächsleistungen in einem angemessenen Umfang honoriert werden.

Mehr Behandlungsressourcen und verbesserte Zuweisungsmodelle forderte auch Dr. Christa Schaff vom Berufsverband der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Die in hohem Maße interdisziplinär mit anderen Heil- und Gesundheitsberufen ausgerichteten kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen und Klinikabteilungen sollten unbedingt gefördert und ausgebaut
werden. Ein Ansatz könnte das Vier-Ebenen-Modell ärztlich-psychotherapeutischer Kompetenzen sein, das Prof. Dr. Gereon Heuft von der Universität Münster vorstellte. Es soll die psychosomatischen, psychotherapeutischen und psychosozialen Kompetenzen schon im Medizinstudium, aber auch auf Facharztebene stärken. Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapeuten bliebe durch dieses differenzierte Kompetenzmodell mehr Zeit für die Therapie schwerer psychischer Störungen.

Kritik an Gesetzesplänen

Der Gesetzgeber setzt indes auf eine Aufwertung der nicht-ärztlichen Psychotherapie und strebt eine Ausbildungsreform in diesem Bereich an. So soll die Ausbildung psychologischer Psychotherapeuten an die Universitäten verlagert werden und mit der Approbation abschließen. Auf zum Teil heftige Kritik stieß auf der Tagung das Vorhaben des Bundesgesundheitsministeriums, im Rahmen der
Ausbildungsreform

Modellstudiengänge zu schaffen, die dem Erwerb von Kompetenzen "zur Feststellung, Verordnung und Überprüfung von psychopharmakologischen Maßnahmen als Bestandteil einer psychotherapeutischen Versorgung" dienen sollen. Die Verordnung von Arzneimitteln ist bislang allein Ärzten vorbehalten. Mit der Reform folge die Politik der Tendenz, arztersetzende Berufe und Tätigkeiten zu schaffen, hieß es. BÄK-Präsident Montgomery warnte, komme das Gesetz so, wie es skizziert sei, würden sich die Kapazitäten für die psychotherapeutische Aus- und Weiterbildung für den ärztlichen Nachwuchs weiter verknappen.

Link Präsentationen

http://www.bundesaerztekammer.de/aerzte/versorgung/aerztlichpsychotherapeutische-
versorgung/baek-im-dialog/

Link Video-Interview Montgomery

https://www.youtube.com/watch?v=E1VAf2B5j7Y

Link Video-Interview Gitter
https://www.youtube.com/watch?v=7bUakU0I3VY

Link Video-Interview Clever
https://www.youtube.com/watch?v=fgwfcdvpmVQ

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Pressemeldung

10.11.2017 Universitas semper reformanda
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Die ärztliche Ausbildung muss wissenschaftlich sein“, fordert Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Leitartikel der Novemberausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. Eine Vielzahl sich ändernder Rahmenbedingungen und Voraussetzungen werde Einfluss auf das zukünftige ärztliche Berufsbild haben. Die Digitalisierung, die Urbanisierung und auch der zunehmende Trend zur ärztlichen Tätigkeit in Anstellung, in Teilzeit sowie zu größeren Kooperationsgemeinschaften oder Netzen, verbunden mit dem technologischen Fortschritt und dem demografischen Wandel veränderten die Versorgungslandschaft und damit die Patientenversorgung. Bayerns Ärzte-Chef beschreibt den tiefgreifenden gesellschaftlichen Umwandlungsprozess und stellt Fragen: Wie schaut der Arztberuf in zehn bis 15 Jahren aus? Welchen Einfluss wird die digitale Entwicklung auf das Berufsbild „Arzt“ haben? Welche Kenntnisse und Fertigkeiten werden dann gefragt sein? Welche Gebiete, Schwerpunkte und Zusatzgebiete werden notwendig sein? Welche Versorgungsstrukturen – hausärztlich/fachärztlich; ambulant/stationär – garantieren die ärztliche Versorgung? Welcher Professionen-Mix ist dafür notwendig? Wie gehen wir mit dem Phänomen der zunehmenden Spezialisierung, Subspezialisierung und Partikularisierung in der ärztlichen Versorgung um? Welche Arbeitszeitmodelle und Teilzeitformen sichern Attraktivität und Motivation? Wie lassen sich Beruf und Familie vereinbaren und wie sollte die universitäre Ausbildung aussehen, um den 2035 bestehenden Anforderungen/Herausforderungen bestmöglich gewachsen zu sein?

Kaplan verweist darauf, dass „der Wissenschaftsbezug wichtig“ sei. Und dies nicht nur um wissenschaftlich zu arbeiten, sondern auch um wissenschaftlich zu denken, was unabdingbar für eine erfolgreiche Betreuung der Kranken sei. Eine wissenschaftliche Ausbildung an einer Universität diene im Fach Medizin der Schulung einer kritischen Herangehensweise an die Fachprobleme, dem Erkennen von Fehlern in kritischer Selbstreflexion und schließlich der Gesundheit des Patienten. Allen Vorstellungen, die Hausarztmedizin an Hochschulen für angewandte Wissenschaften, ehemals Fachhochschulen, anzusiedeln, erteilt der BLÄK-Präsident eine klare Absage.

Mehr zu „Universitas semper reformanda“ lesen Sie in der Ausgabe 11/2017 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de

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09.11.2017 Neues Hörzentrum Nordbayern bündelt Kompetenzen für gutes Hören
uni | mediendienst | aktuell Nr. 178/2017

Eröffnung durch Ministerpräsident a. D. Dr. Günther Beckstein beim 8. Erlanger Hörtag
Am Samstag, 11. November 2017, um 12.00 Uhr eröffnet der ehemalige bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein zusammen mit Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen, und weiteren Ehrengästen mit einer symbolischen Banddurchtrennung feierlich das „Hörzentrum Nordbayern“. Ziel des neuen Zentrums ist es, alle Fachbereiche von Medizin und Audiologie an einem Ort zu vereinen, um Patienten in jedem Alter das bestmögliche Hören zu ermöglichen.

Die Eröffnung des Hörzentrums Nordbayern ist der Höhepunkt des 8. Erlanger Hörtages in den Hörsälen Medizin, Ulmenweg 18, in Erlangen. Von 9.00 bis 13.00 Uhr sind Patienten und alle Interessierte im Rahmen des Hörtages zu einem Vortrags- und Ausstellungsprogramm eingeladen. Ausführliche Informationen: www.hno-klinik.uk-erlangen.de

Das Rauschen der Blätter im Herbst, das Knirschen des Schnees im Winter und das erste Summen der Bienen im Frühling: Wer nicht gut hört, nimmt nicht nur diese kleinen feinen Geräusche nicht mehr wahr. Prof. Dr. Dr. Ulrich Hoppe, Leiter des Cochlear-Implant-Centrums CICERO der HNO-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen, weiß, dass Menschen, die unter Schwerhörigkeit leiden, zunehmend von gesellschaftlichen Vorgängen isoliert werden und sich im Alltag immer schlechter zurechtfinden. Auch, weil sie sich immer wieder auf neue akustische Situationen und damit auf neue Hör-Herausforderungen einstellen müssen.

„Hörgeräte und Cochlea-Implantate können nur einen Teil des normalen Hörens wiederherstellen“, sagt Prof. Hoppe. Moderne Hörhilfen sollten immer die individuellen kommunikativen Anforderungen bestmöglich erfüllen. „Das optimale Hören im Kindergarten, in Klassenzimmern, im Auto, bei Besprechungen, im Straßenverkehr und beim geselligen Gasthausbesuch, aber auch beim Fernsehen und bei Theatervorstellungen ist nach wie vor eine echte Herausforderung für die Audiologie“, so Prof. Hoppe.

Die modernen Behandlungsmöglichkeiten der Schwerhörigkeit sind vielfältig, müssen aber an das jeweilige Lebensalter angepasst sein. Insbesondere bei Kindern ist eine frühzeitige Erkennung der Schwerhörigkeit von großer Bedeutung. Die Versorgung mit Hörgeräten oder einem Cochlea-Implantat ist schon innerhalb des ersten Lebensjahres wichtig. Sie erfordert großes Fingerspitzengefühl, ein hohes Maß an technischer und pädagogischer Kompetenz und viel Erfahrung. „Diese gebündelten Kompetenzen finden Patienten ab sofort im neuen Hörzentrum Nordbayern“, freut sich Prof. Hoppe. In dem Zentrum arbeiten alle für gutes Hören relevanten Berufsgruppen interdisziplinär zusammen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dr. Ulrich Hoppe
Tel.: 09131 85-32981
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06.11.2017 Eine Chance für Kayan Spendenaufruf für schwer herzkranken kleinen Jungen aus dem Irak
uni | mediendienst | aktuell Nr. 175/2017

3.700 Kilometer trennen Athraa Alsowaijt und ihren 1,5-jährigen Sohn Kayan vom Rest der Familie: Im Oktober 2017 hat die verzweifelte Mutter die weite Reise ins ferne Deutschland auf sich genommen, um das Leben ihres schwer herzkranken Kindes zu retten. Schon kurz nach Kayans Geburt diagnostizierten die Ärzte im Irak eine Fallot’sche Tetralogie: einen komplexen Herzfehler, der sich aus gleich vier Fehlbildungen zusammensetzt. Betroffene Kinder, die nicht behandelt werden, erreichen nur in sehr seltenen Fällen überhaupt das Schulalter. Eine Operation kann sich Kayans Familie, deren einzige Einnahmequelle ein Kaufmannsladen ist, jedoch nicht leisten; zudem sind die medizinischen Möglichkeiten in ihrer Heimat stark eingeschränkt. Deshalb hat der Verein „Erlangen hilft“ Kayan und seine Mutter nach Deutschland geholt und erste Spendengelder für eine Behandlung im Rahmen der Aktion „Kinderherz-OP“ am Universitätsklinikum Erlangen eingeworben. Für die lebensrettenden OPs werden allerdings noch rund 25.000 Euro benötigt. Deshalb bittet der Verein jetzt gemeinsam mit den Ärzten des Uni-Klinikums die Bevölkerung Erlangens und der Umgebung um Spenden.

Dass etwas mit ihrem Kind nicht stimmt, war Athraa Alsowaijt schon kurz nach dessen Geburt im März 2016 klar. Das Gesicht ihres kleinen Jungen verfärbte sich immer wieder blau. Zehn Tage und einige Arztbesuche später diagnostizierte ein Kardiologe in der südirakischen Stadt Basra einen komplexen Herzfehler. „Da brach für uns eine Welt zusammen“, erinnert sich die 28-Jährige. „Weder können wir das Geld für die erforderlichen Operationen aufbringen, noch gibt es in unserer Heimat Experten mit der nötigen Erfahrung und der technischen Ausstattung.“ Über Vertrauenspersonen wurde der Fall zunächst an Dr. Eva-Maria Hobiger und ihr Hilfsprojekt „Aladins Wunderlampe“ herangetragen, die sich schnell mit Dr. Hildegard Müller-Erhard, Vorstandsvorsitzende von Erlangen hilft e. V., in Verbindung setzte. Den zwei Frauen war klar: „Kayan braucht unsere Hilfe. Wir können ihm die Chance auf ein normales Leben verschaffen.“ Tatkräftig unterstützt werden sie dabei von Dr. Faidi Omar Mahmoud, einem ehemaligen Herzchirurgen mit syrischen Wurzeln, der Mutter und Kind kontinuierlich begleitet, beispielsweise zu den Untersuchungen am Uni-Klinikum Erlangen, und für sie dolmetscht.

Akut lebensbedrohliche Situation


Am Uni-Klinikum Erlangen stießen die engagierten Ehrenamtlichen gleich auf offene Ohren. Bereits in der Vergangenheit hatten die Ärzte im Rahmen der Aktion „Kinderherz-OP“ gemeinsam mit dem Erlangen hilft e. V. und dank der großen Spendenbereitschaft der Bevölkerung schwer herzkranken Kindern aus dem Ausland geholfen. „Bis jetzt hat sich unser kleiner Patient recht gut entwickelt“, sagt Prof. Dr. Sven Dittrich, Leiter der Kinderkardiologischen Abteilung, der die Eingangsuntersuchungen bei dem Jungen vornahm. „Bei der Fallot‘schen Tetralogie besteht aber immer das Risiko eines akuten Herzanfalls, der lebensbedrohlich ist.“ Deshalb haben die Experten des Uni-Klinikums Erlangen bereits einen Behandlungsplan aufgestellt. „Sobald die Finanzierung gesichert ist, bereiten wir die Korrekturoperation vor, bei der das Loch zwischen den beiden Herzkammern verschlossen wird“, erläutert Prof. Dr. Robert Cesnjevar, Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung. „Außerdem werden die Lungenschlagaderklappe und die Lungenschlagader selbst erweitert. Mit diesen Eingriffen besteht eine große Chance, dass Kayan anschließend ein normales Leben führen kann.“

Aktion „Kinderherz-OP“

Die Aktion „Kinderherz-OP“ ist eine Initiative der Kinderkardiologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Sven Dittrich) und der Kinderherzchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) des Universitätsklinikums Erlangen. Ihr Ziel: bedürftige, schwer herzkranke Kinder aus dem Ausland in Erlangen zu heilen. Dieses Ziel kann das Uni-Klinikum Erlangen als Anstalt des öffentlichen Rechts nicht aus eigenen Mitteln finanzieren und ist deshalb auf Spenden angewiesen. Die Spendengelder werden ohne Abzug von Verwaltungskosten, Kontogebühren oder Sonderhonoraren ausschließlich für die medizinische Behandlung verwendet. Spendenkonto:

Stadtsparkasse Erlangen
IBAN: DE11 7635 0000 0000 0007 70
BIC: BYLADEM1ERH
Verwendungszweck: „Kinderherz-OP“
Website der Aktion „Kinderherz-OP“: https://www.uk-erlangen.de/presse-und-oeffentlichkeit/spenden/aktion-kinderherz-op

Erlangen hilft e. V.

Der Verein „Erlangen hilft“ ist seit 14 Jahren aktiv und setzt sich für Kinder und Jugendliche mit lebensbedrohlichen und schweren Erkrankungen ein, die aus Krisen-, Katastrophen- und Kriegsgebieten kommen und denen in ihrer Heimat nicht geholfen werden kann. Die Ehrenamtlichen kümmern sich u. a. um Visa, Versicherungen, Unterkunft und Verpflegung sowie die umfassende Begleitung der kranken Kinder und ihrer mitgereisten Elternteile. Dafür bittet der Verein um Spenden und sucht darüber hinaus Gastfamilien sowie Freiwillige (vor allem arabischer Herkunft), die beispielsweise durch gemeinsames Kochen oder kleine Unternehmungen für ein wenig Ablenkung in dieser schweren Zeit in der Fremde sorgen. Spendenkonto:

Sparkasse Erlangen
IBAN: DE05 7635 0000 0060 0509 59
BIC: BYLADEM1ERH
Website des Vereins „Erlangen hilft“: www.erlangen-hilft.de
Bildmaterial steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung:
https://www.fau.de/files/2017/11/Spendenaufruf_Herz-OP_Kayan_02_Uni-Klinikum-Erlangen.jpg

Bildunterschrift: „Kayan ist so ein lebhaftes und kluges Kind“, sagen die Mitglieder von Erlangen hilft e. V. über den 1,5-jährigen Jungen. „Man sieht, dass er gerne so viel mehr machen würde – dass sein krankes Herz ihn aber daran hindert.“ Kayans Mutter, die die schwere Zeit fern von Heimat und Familie meistern muss, freut sich sehr über die Unterstützung der Ehrenamtlichen. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)
https://www.fau.de/files/2017/11/Spendenaufruf_Herz-OP_Kayan_04_Uni-Klinikum-Erlangen.jpg

Bildunterschrift: „Leider sterben auch heute noch Patienten, weil sie keinen Zugang zu komplizierten, aber routinemäßig durchführbaren Korrekturoperationen haben“, bedauert Kinderkardiologe Prof. Dr. Sven Dittrich (l.), in dessen Abteilung Kayan behandelt wird. Die Operation wird von Prof. Dr. Robert Cesnjevar, Leiter der Kinderherzchirurgie, vorgenommen. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

https://www.fau.de/files/2017/11/Spendenaufruf_Herz-OP_Kayan_06_Uni-Klinikum-Erlangen.jpg

Bildunterschrift: Ein starkes Team für Kayan (von links): Dr. Faidi Omar Mahmoud (Erlangen hilft e. V.), Prof. Dr. Sven Dittrich (Leiter der Kinderkardiologie), Kayan und Athraa Alsowaijt, Dr. Hildegard Müller-Erhard (Vorstandsvorsitzende von Erlangen hilft e. V.), Dr. Helmut Schneider (Erlangen hilft e. V.) und Prof. Dr. Robert Cesnjevar (Leiter der Kinderherzchirurgie). (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

Weitere Informationen:
Aktion „Kinderherz-OP“
Tel.: 09131 85-33118
kinderherzop@uk-erlangen.de

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06.11.2017 Auszeichnungen im Bereich der Medizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 174/2017

Julia Berendt, Abteilung für Palliativmedizin, ist mit dem Hufeland-Preis ausgezeichnet worden. Die Stiftung Hufeland-Preis der Deutschen Ärzteversicherung würdigt damit Berendts Dissertation auf dem Gebiet der Präventivmedizin und Versorgungsforschung. Der Hufeland-Preis ist der renommierteste Preis auf dem Gebiet der Präventivmedizin und der Versorgungsforschung. Erstmals wurden nun vier exzellente Dissertationen ausgezeichnet.

Dr. Paolo Ceppi, Interdisziplinäres Zentrum für Klinische Forschung, hat den diesjährigen „Lung Cancer Young Investigator Award“ der International Association for the Study of Lung Cancer (IASLC) erhalten. Der Preis ist mit 50.000 US-Dollar dotiert. Die IASLC widmet sich der Erforschung von Lungenkrebs und anderen bösartigen Erkrankungen des Brustraums. Mit dem Preis unterstützt die Gesellschaft junge Wissenschaftler bei innovativen Forschungen zur Lungenkrebsvorsorge und der Translationalen Medizin. Ceppi erhält die Auszeichnung für seinen Beitrag zur molekularen Charakterisierung von Lungentumoren.

Prof. Dr. Friedrich Paulsen, Lehrstuhl für Anatomie II, ist für das Manuskript „Different Patterns of Cartilage Mineralization Analyzed by Comparison of Human, Porcine, and Bovine Laryngeal Cartilages“ ausgezeichnet worden. Das Paper wurde im Rahmen des 112th Annual Meeting der Anatomischen Gesellschaft zum Paper of the Year gewählt.

Dr. Ulrich Rother, Gefäßchirurgische Abteilung in der Chirurgischen Klinik, hat von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin den Jörg-Vollmar-Preis erhalten. Den mit 5000 Euro dotierten Preis bekommt Rother für seine Forschungsergebnisse in der Gefäßmedizin zum Thema Gewebeperfusion. Der Preis wird jährlich für Nachwuchsforscher für innovative Ergebnisse in der Gefäßmedizin verliehen.

Isabel N. Schellinger, ehemals Lehrstuhl für Innere Medizin IV, wurde mit dem Rainer-Greger-Promotionspreis von der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGFN) ausgezeichnet. Den mit 1000 Euro dotierten Preis erhält Schellinger für ihre Dissertation zu Durchblutungsstörungen von Nierenkranken. Der Rainer-Greger-Promotionspreis wird für die beste nephrologische Promotionsarbeit auf dem Gebiet der Nieren- und Hochdruckkrankheiten verliehen.

Dr. Andrea Thoma-Kreß, Lehrstuhl für Klinische und Molekulare Virologie, hat den Exploration Grant der Boehringer-Ingelheim-Stiftung erhalten. Das Forschungsstipendium ist mit rund 80.000 Euro dotiert. Thoma-Kreß wird für ihre Untersuchung eines neuen positiven Rückkopplungsmechanismus bei der Tumorenentstehung durch Viren geehrt. Mit den Preisen möchte die Stiftung herausragenden Grundlagenforschern aus Biologie, Chemie und Medizin die Möglichkeit geben, am Anfang ihrer Karriere neue Forschungsrichtungen auszuloten.

Dr. Jens Wölfelschneider, Lehrstuhl für Strahlentherapie, erhält den Dissertationspreis der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik. Der mit 2000 Euro dotierte Preis wurde Wölfelschneider für seine Forschung zu wandernden Tumoren in der Strahlentherapie verliehen.

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30.10.2017 Vortragsreihe: Jenseits des Tellerrands. Öffentliche Mittagsvorträge zur Geschichte der Medizin und Ethik der Medizin Wintersemester 2017/2018 ab 8. November, mittwochs, 12.15 bis 13 Uhr, Kollegienhaus, Raum 1.011, Universitätsstraße 15, Erlang
uni | mediendienst | aktuell Nr. 169/2017

Während des Wintersemesters veranstaltet das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin (IGEM) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) die mittägliche Vortragsreihe „Jenseits des Tellerrands“. Die Vorträge finden ab dem 8. November, jeweils 12.15 bis 13 Uhr, im Kollegienhaus, Raum 1.011, Universitätsstraße 15, in Erlangen statt. Der Eintritt ist frei.
 
Am 8. November erläutert Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, wie die moderne Reproduktionsmedizin entstanden ist. Dabei geht er in dem Vortrag „Retortenbaby und wandernder Uterus – Reproduktionsmedizin in historischer Perspektive“ auch der uralten Vorstellung vom wandernden Uterus nach und wie diese aktuell mit der Uterustransplantation in der Hightech-Medizin verwirklicht wird.
 
In der zweiten Hälfte der 1940er Jahre entbrannte an der Medizinischen Fakultät der FAU eine Auseinandersetzung über die angemessene Entnazifizierung des Personals und der Studierenden. Andreas Thum beleuchtet in seinem Vortrag am 15. November „,Schiffsbrüchige‘ und ,Nestbeschmutzer‘. Die Entnazifizierung der Medizinischen Fakultät Erlangen und ihre Folgen“ Konfliktlinien und die Wiederbesetzung der medizinischen Lehrstühle anhand exemplarischer Fälle.
 
Vor 30 Jahren breitete sich der HIV-Virus auch in Bayern rasant aus. Die Landesregierung reagierte mit Zwangstests und Razzien. Philipp Rauh analysiert in seinem Vortrag „,Der Gauweiler taucht auf und mit eam kimmt Aids‘ – Politiker und Mediziner in Bayern und ihr Kampf gegen Aidskranke“ am 22. November das Vorgehen des damaligen Innenstaatssekretärs Peter Gauweiler, dessen Maßnahmenkatalog und Reaktionen innerhalb der bayerischen Ärzteschaft genauer.
 
Dem berühmten böhmischen Adeligen und Feldherrn Wallenstein sagen viele Berichte gesundheitliche Beschwerden nach. Doch wie äußerte er sich selbst in dem Horoskop dazu, das er von dem Astronom Johannes Keppler erstellen ließ? Das stellt Prof. Dr. Fritz Dross am 29. November mit dem Vortrag „Wallensteins Zipperlein – Die Krankheiten des Feldherrn“ näher dar.
 
1991 wurde Johannes Reinmöller an das zahnärztliche Institut nach Erlangen berufen. Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus forderte, den kurz darauf beginnenden Ausbau des Instituts ganz nach den Vorstellungen Reinmöllers zu gestalten. Dr. Susanne Ude-Koeller untersucht in ihrem Vortrag „,Nach den Absichten des Professors Johannes Reinmöller geregelt…‘ – Erlanger Zahnheilkunde in Weimarer Republik und NS-Zeit“, welche weitreichenden Folgen das für die FAU haben sollte.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, Tel.: 09131/85-22094, karl.heinz-leven@fau.de



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30.10.2017 Konferenz: Demenz – Menschenrechte und Ethik- 10. bis 11. November, 13.15 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus, Königstraße 64, Nürnberg
uni | mediendienst | aktuell Nr. 169/2017

Die Tagung „Menschenrechte für Personen mit Demenz“, die die Professur für Ethik der Medizin und der Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ausrichten, möchte den Umgang mit Betroffenen im Gesundheitswesen diskutieren und verbessern. Die öffentliche Konferenz im Rahmen des universitären EFI-Exzellenzprojekts „Emerging Fields Initiative“ findet vom 10. bis 11. November im Caritas-Pirckheimer-Haus, Königstraße 64, in Nürnberg statt. Beginn ist am 10. November um 13.15 Uhr, am 11. November um 9.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen unter: kerstin.wagner@fau.de
 
Menschenrechte sollten als Maßstab für die Qualität der pflegerischen und klinischen Versorgung Demenzkranker dienen. Die Betroffenen sind keine Objekte, um die sich lediglich gekümmert werden muss, sondern Personen mit eigenen Rechten – zum Beispiel auf Selbstbestimmung, Nichtdiskriminierung und Teilhabe. Im Fokus der Tagung stehen deshalb gesellschaftliche und ethische Aspekte der Demenz, Menschenrechte und Stigmatisierung sowie Perspektiven im zukünftigen Umgang mit Demenzkranken.
 
Programm: https://www.fau.de/files/2017/10/FAU-2017-Konferenz-Menschenrechte-für-Personen-mit-Demenz.pdf
 
Informationen:
Prof. Dr. Andreas Frewer, Tel.: 09131/85-26431, andreas.frewer@fau.de
Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, Tel.: 09131/85-23273, heiner.bielefeldt@fau.de




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27.10.2017 Klinische Zulassung für 7-Tesla Hochfeld-MR-Bildgebung
uni | mediendienst | aktuell Nr. 168/2017

Weltweit erster Scanner am Universitätsklinikum Erlangen – Patienten profitieren von hochaufgelösten Aufnahmen
Großer Erfolg für die „Bildgeber“ am Universitätsklinikum Erlangen: Im April 2015  wurde der weltweit erste von Siemens Healthineers entwickelte 7-Tesla-Magnet in einem Neubau neben den Kopfkliniken des Universitätsklinikums Erlangen aufgestellt. In gut zwei Jahren konnte das Gerät in einer Entwicklungspartnerschaft zwischen Siemens Healthineers, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Uni-Klinikum Erlangen und weiteren Partnern zur „Serienreife“ gebracht werden. Mit der Vergabe der klinischen Zulassung (CE) ist der 7-Tesla-Magnetresonanztomograph (MRT) „Magnetom Terra“ jetzt der erste klinisch zugelassene Ultrahochfeld-MRT überhaupt. Damit kann das System nun routinemäßig für klinische Anwendungen bei neurologischen und muskuloskelettalen Untersuchungen eingesetzt werden.

„Der neue MRT ermöglicht dank der sehr hohen Auflösung detaillierte Einblicke in den menschlichen Bewegungsapparat, zeigt präzise die Stoffwechselprozesse im Gehirn und hilft außerdem bei der Darstellung neurologischer Krankheiten“, sagt Prof. Dr. Michael Uder, Direktor des Radiologischen Instituts des Universitätsklinikums Erlangen. Für seinen Kollegen, Prof. Dr. Arnd Dörfler, Leiter der Neuroradiologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, zeigt der neue MR-Scanner besonders bei Gehirnuntersuchungen seine Vorteile: „Bei 7-Tesla sind Gehirnschädigungen dank der besseren Auflösung und des deutlich stärkeren Bildkontrasts viel klarer zu erkennen.“ Anwendungsbeispiele hierfür seien Multiple Sklerose, Hirntumoren oder Metastasen, Epilepsie und Demenz, bei denen die höhere Detailauflösung neue diagnostische Möglichkeiten bietet, die bei niedrigeren Feldstärken so nicht möglich wären. „Viele Erkrankungen können so wahrscheinlich besser und schneller erkannt und damit effektiver behandelt werden“, so Prof. Dörfler

Der Grund für die bessere Auflösung der Untersuchungsbilder ist die höhere Messgenauigkeit des neuen Systems. Diese hängt mit der Feldstärke des Magneten im MRT zusammen. Je stärker das Magnetfeld ist, je genauer ist die Bildgebung. Da die Feldstärke am 7-Tesla-MRT mehr als doppelt so hoch ist, wie die der heute gebräuchlichen 3-Tesla-MRT, können nicht nur feinste Gewebestrukturen besser sichtbar gemacht werden, sondern auch Stoffwechselprozesse im Gewebe.  Am Standort Erlangen werden die Möglichkeiten  des neuen Ultrahochfeld-MRT jetzt intensiv weiter erforscht.

Ein Magnetresonanztomograph (MRT) erzeugt ein starkes Magnetfeld, entlang dessen sich die Wasserstoffatome im Körper des Patienten ausrichten. Mit Radiowellen-Impulsen werden die Wasserstoffatome kurz aus ihrer Position gebracht und mit Energie aufgeladen. Wenn sie dann in ihre vorherige Position zurückfallen, geben sie die zuvor aufgenommene Energie wieder ab, die dann vom MRT-System aufgezeichnet und in Computer-Schnittbilder umgewandelt wird.

Weitere Informationen:
Johannes Eissing
Tel.: 09131 85-36102
presse@uk-erlangen.de
Bildmaterial steht hier zum Download bereit:
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Bildunterschrift: Prof. Dr. Arnd Dörfler (links) und Prof. Dr. Michael Uder vor dem 7-Tesla-MRT. Foto: Uni-Klinikum Erlangen.
https://www.fau.de/files/2017/10/BU1a_7-Tesla.jpg
Bildunterschrift: Der neue 7-Tesla-MRT ermöglicht Prof. Dr. Arnd Dörfler (links) und Prof. Dr. Michael Uder hochaufgelöste Patientenaufnahmen. Foto: Uni-Klinikum Erlangen.
https://www.fau.de/files/2017/10/BU2_7-Tesla.jpg  
Bildunterschrift: Kleinste Hirngefäße werden sichtbar: Hochaufgelöste 7-Tesla-MRT -Aufnahme des Gehirns. Foto: Uni-Klinikum Erlangen.
https://www.fau.de/files/2017/10/BU3_7-Tesla_MRT.jpg 

Bildunterschrift: Axiale Darstellung des Kniegelenkes mit 7-Tesla-MRT: Feinste anatomische Details können nun erkannt werden. Das Beispiel zeigt einen linienförmigen Knorpelschaden der Kniescheibe (Pfeil). Weitere Veränderungen im Inneren des Knorpels werden ebenso erfasst, was bisher nicht möglich war. Foto: Uni-Klinikum Erlangen.

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27.10.2017 Sackgasse Therapieresistenz - FAU-Forscher entdecken einen neuen Ansatzpunkt für die Therapie von schwarzem Hautkrebs
uni | mediendienst | forschung Nr. 89/2017

FAU-Forscher entdecken einen neuen Ansatzpunkt für die Therapie von schwarzem Hautkrebs
Schwarzer Hautkrebs ist eine der Krebsarten, die in westlichen Ländern am häufigsten zum Tod führt. Zwar gibt es Medikamente mit guter Wirksamkeit, doch fast immer folgt nach anfänglichen Erfolgen die Resistenz der Krebszellen. Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist es gelungen, die Resistenz schwarzer Hautkrebszellen zu durchbrechen. Ihre Ergebnisse haben sie nun in der renommierten Fachzeitschrift Oncogene (DOI: 10.1038/onc.2017.391) veröffentlicht.

Schwarzer Hautkrebs gilt unter anderem deshalb als eine der bösartigsten Tumorarten, weil die Tumoren schon ab einer sehr geringen Größe von 0,7 Millimetern in andere Organe, zum Beispiel die Leber, Lunge und Gehirn, streuen können. Hat sich der Tumor ausgebreitet, bestehen nur noch sehr geringe Heilungsmöglichkeiten. Weltweit steigt die Rate der Neuerkrankungen an schwarzem Hautkrebs, bekannt als malignes Melanom, drastisch an. Auch junge Menschen unter 40 Jahren erkranken häufig daran. Die größten Risikofaktoren sind dabei zu starke Sonnenbestrahlung, Sonnenbrände sowie genetische Veranlagung.

Anpassungsfähige Krebszellen

Für Melanome mit einer bestimmten genetischen Veränderung gibt es zwar zielgerichtete Therapeutika, die eine gute Wirksamkeit haben, doch dem verheißungsvollen Therapiebeginn folgt in fast allen Fällen die Ernüchterung: Die Krebszellen sind meistens schnell resistent gegen die Behandlung. Stattdessen breitet sich der Tumor weiter aus, manchmal sogar noch stärker und schneller als zuvor. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Krebszellen während einer Therapie lernen, wie sie unter veränderten Bedingungen überleben und sogar weiterwachsen können.

Die Forscher um Prof. Dr. Anja Bosserhoff und Dr. Peter Dietrich, vom Lehrstuhl für Biochemie und Molekulare Medizin, sowie Prof. Dr. Claus Hellerbrand, von der Professur für Biochemie und Molekulare Pathobiologie, haben nun einen Weg gefunden, um die Resistenz der schwarzen Hautkrebszellen zu verhindern. Denn Hautkrebszellen produzieren vermehrt ein ganz bestimmtes Protein, genannt KRAS, während sie mit Therapeutika behandelt werden. Dieses Protein schaltet bestimmte Signalwege in der Zelle an und ermöglicht es dem Tumor, trotz Therapie zu überleben und sich weiter auszubreiten.

Stoppschild für Gen in Krebszellen

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, KRAS zu hemmen. Die FAU-Forscher haben die Herstellung von KRAS in den Zellen ausgeschaltet, wodurch die erkrankten Zellen wieder auf die Therapien ansprachen. Weiterhin verwendeten die Wissenschaftler einen neuen, in Deutschland entwickelten Wirkstoff gegen KRAS. „Dieser Wirkstoff, genannt Deltarasin, führt dazu, dass die Hautkrebszellen absterben und die Therapieresistenz durchbrochen wird. In Verbindung mit herkömmlichen Therapien wirkt dieses Medikament um ein vielfaches stärker“, erklärt Dietrich. Auch Bosserhoff ist von dem Erfolg des Wirkstoffes überzeugt: „Der Ansatz hat großes Potential und wird weiterentwickelt. Deshalb hat die FAU diese Entdeckung mittlerweile zur Patentierung angemeldet.“
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Anja Bosserhoff
09131/85-24190
anja.bosserhoff@fau.de
Dr. Peter Dietrich
Tel.: 09131/85-29384
peter.dietrich@fau.de

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26.10.2017 Prostatakarzinom genauer diagnostizieren
uni | mediendienst | forschung Nr. 87/2017

100.000 Euro für Prüfung eines klinischen Testsystems im Rahmen von europäischer Studie
Bei der aktuellen Prostatakrebsvorsorge entscheiden zwei Faktoren über die weitergehende Diagnostik, z. B. eine Gewebeentnahme (Biopsie): der ermittelte PSA-Wert und seine Interpretation durch den behandelnden Arzt. Im Rahmen einer europäischen Studie unter Führung des Karolinska-Instituts in Stockholm (Schweden) untersuchen Wissenschaftler nun, ob durch zusätzliche Risikomarker, Protein- und molekulare Biomarker die Vorhersage eines aggressiven Prostatakarzinoms verbessert werden kann, sodass zur weitergehenden Diagnostik weniger Prostatabiopsien notwendig sind. Einziger deutscher Studienpartner ist die Urologische und Kinderurologische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) des Universitätsklinikums Erlangen. „Wir erwarten, dass wir am Ende der Studie mit einer um 20 Prozent höheren Genauigkeit als bisher aggressive Prostatakarzinome ohne Biopsie diagnostizieren können“, sagt Prof. Wullich, der auch den Lehrstuhl für Urologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) innehat.

Zur sicheren Diagnostik des Prostatakarzinoms ist laut einer interdisziplinären Leitlinie immer eine feingewebliche Untersuchung von Gewebeproben nötig. Die Prostatabiopsie wird in der Regel ambulant durchgeführt und hat nur eine sehr geringe Komplikationsrate. „Einige Patienten empfinden diesen Eingriff aber als unangenehm“, weiß Prof. Wullich. „Die wichtigste Indikation für eine Biopsie ist momentan der PSA-Wert, aber die positive Vorhersagekraft von PSA allein ist begrenzt, sodass bei der Entscheidung für oder gegen eine Biopsie immer die persönliche Erfahrung und Einschätzung des behandelnden Urologen wichtig ist.“

An diesem Punkt setzt die internationale, multizentrische Studie mit teilnehmenden Zentren in Schweden, Belgien, den Niederlanden und Deutschland an. Ziel ist es, ein klinisches Testsystem zu prüfen, das möglichst schnell zur Marktreife weiterentwickelt werden soll. Über den reinen PSA-Wert hinaus werden klinische, demografische und bildgebende Daten erhoben und weitere Protein- und molekulare Biomarker aus dem Blut gemessen. „Das soll den behandelnden Urologen als zusätzliche Informationsquelle dienen, um die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines aggressiven Prostatakarzinoms genauer abzuschätzen und somit die diagnostischen Maßnahmen entsprechend anzupassen“, so Prof. Wullich. Bis Ende 2018 können Patienten der Erlanger Urologie, die planmäßig zu einer MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie kommen, in diese Studie eingeschlossen werden.

Die Studie wird als europäisches Projekt unter Führung des renommierten Karolinska-Instituts in Stockholm (Schweden) durchgeführt. Der „principle investigator“ ist Prof. Tobias Nordström. Finanziert wird die Studie in Erlangen mit 100.000 Euro aus Mitteln des Programms „EIT Health“ (www.eithealth.eu). Das Ziel der Studie ist die klinische Validierung des Stockholm3-(STHLM3)-Scores. Zugehörige Publikation: Grönberg et al., Lancet Oncology (2015) 16:1667–1676.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Bernd Wullich
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26.10.2017 „Kinder mit Epilepsie frühzeitig operieren“
uni | mediendienst | forschung Nr. 86/2017

Europäische Studie zeigt bei häufigen Hirnschädigungen: Zwei von drei Epilepsiekranken profitieren von einer Operation

„Kinder, die an einer Epilepsie leiden und denen Medikamente nicht helfen, sollten frühzeitig in ein spezialisiertes Epilepsiezentrum überwiesen werden“, empfiehlt Prof. Dr. Ingmar Blümcke, Direktor des Neuropathologischen Instituts des Universitätsklinikums Erlangen und Forscher an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). In diesen Epilepsiezentren wird mittels modernster Elektroenzephalografie und hochauflösender Kernspintomografie gezielt nach dem Ursprung der epileptischen Anfälle im Gehirn gesucht. Liegt der Anfallsursprung in einem umschriebenen Bereich der Großhirnrinde und ist klar abgrenzbar, kann eine Operation helfen. „Abhängig von der jeweiligen Diagnose sind danach bis zu 80 Prozent der Kinder anfallsfrei. Bei Erwachsenen liegen diese Werte bei gleichen Diagnosen niedriger“, so Prof. Blümcke. Für den Neuropathologen steht fest: „Je früher Patienten in einem Epilepsie-Zentrum angesehen werden, je besser.“ Unter Leitung des Erlanger Wissenschaftlers wurden die Daten von 9.523 Patienten mit schwer behandelbarer Epilepsie ausgewertet. Die Studienergebnisse wurden jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

36 Epilepsiezenten aus 12 europäischen Ländern haben ihre Behandlungsdaten seit 2006 in die von der EU geförderte European Epilepsy Brain Bank eingegeben. „Die Auswertung der Daten hat gezeigt, dass in 86 Prozent der Fälle zehn typische Hirnschädigungen der Epilepsieauslöser waren“, sagt Prof. Blümcke. „Das macht die Diagnostik einfacher, weil gezielt nach diesen Läsionen gesucht werden kann.“ Bei 76 Prozent aller Patienten begann die Epilepsie bereits im Kindesalter. Operiert wurde im Mittel erst 16 Jahre nach Anfallsbeginn. „Unsere Studienergebnisse zeigen, dass die Erfolgsquote einer epilepsiechirurgischen Therapie bei jungen Patienten am höchsten ist.“ Leider werde die Epilepsiechirurgie oft als letzte Behandlungsmöglichkeit nach dem Scheitern jeglicher Arzneimitteltherapie angesehen. „Moderne Operationstechniken machen die Epilepsiechirurgie in unseren spezialisierten Zentren aber zu einem sehr sicheren Verfahren“, sagt Prof. Blümcke.

Erlanger Neuropathologie ist Referenzzentrum im europäischen Netzwerk „EpiCare“

Die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) schätzt die Zahl der Menschen mit Epilepsie weltweit auf über 50 Millionen. Etwa ein Drittel von ihnen spricht nicht auf Medikamente an. Kann bei diesen Patienten eine umgrenzte Gehirnläsion nachgewiesen werden – beispielsweise gutartige Tumoren, Fehlbildungen der Hirnrinde, Narben oder ein Nervenzellverlust im Hippocampus – und steht diese mit dem Anfallsursprung in direktem Zusammenhang, ist ein epilepsiechirurgischer Eingriff möglich. In über 70 Prozent der Fälle wurden die Studienpatienten im Bereich des Schläfenlappens operiert. Die rechte und die linke Gehirnhälfte waren gleich häufig betroffen. Männer und Frauen wurden gleich häufig operiert. Eine vollständige Anfallsfreiheit bestand ein Jahr nach der Operation bei 65 Prozent aller operierten Kinder (79,9 Prozent mit gutartigen Tumoren) und bei 58 Prozent der Erwachsenen (63,5 Prozent mit Tumoren). Der nun im New England Journal of Medicine erschienene Artikel unter Federführung der Erlanger Neuropathologie beschreibt diejenigen Ursachen fokaler Epilepsien, die von einem epilepsiechirurgischen Eingriff erheblich profitieren können. Neben der Erforschung von wirksamen Epilepsietherapien fördert die EU zusätzlich den Aufbau spezialisierter Epilepsiezentren im Rahmen der European Reference Networks. Im Epilepsienetzwerk „EpiCare“ koordiniert die Erlanger Neuropathologie die referenzpathologische Untersuchung der Operationspräparate. Dies soll die bestmögliche Diagnostik und Behandlung von Patienten auch in Regionen ohne etablierte Epilepsiezentren gewährleisten.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Ingmar Blümcke
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ingmar.bluemcke@uk-erlangen.de

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23.10.2017 Fieberauslöser schneller überführt - Neue Strategie zur Aufklärung von unklarem Fieber und erhöhten Entzündungswerten mit PET-CT entdeckt
uni | mediendienst | forschung Nr. 85/2017

Fieber kann bei einer Erkältung auftreten oder das Warnsignal einer schweren Erkrankung sein. Hält das Fieber länger als drei Wochen an oder tritt es ohne offensichtlichen Grund immer wieder auf, sprechen Mediziner von „Fieber unklarer Genese“. Auch erhöhte Entzündungswerte können eine unbekannte Herkunft haben. In beiden Fällen ist eines klar: Der mysteriöse Täter muss ermittelt werden. Da sich hinter den Symptomen ernsthafte Ursachen wie Autoimmunerkrankungen, Infektionen oder auch Tumoren verbergen können, ist Zeit ein wesentlicher Faktor bei den Ermittlungen. Ein interdisziplinäres Ärzteteam der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. med. univ. Georg Schett) und der Nuklearmedizinischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Torsten Kuwert) des Universitätsklinikums Erlangen hat jetzt eine Ermittlungsstrategie entworfen, mit der versteckte Erkrankungen wesentlich schneller ergründet werden können. Diese neue diagnostische Vorgehensweise wurde in der internationalen Fachzeitschrift „Annals of the Rheumatic Diseases“ (2016; 75: 158-159) veröffentlicht.

Fall A: 38,5 Grad Celsius über mehrere Wochen – niemand weiß, woher das Fieber kommt und warum die Behandlungsversuche nicht anschlagen. Fall B: Anhaltend hohe Entzündungswerte im Blut – ohne ersichtliche Ursache, trotz umfangreicher Untersuchungen. Mögliche Auslöser gibt es viele: versteckte Infektionen wie Tuberkulose, Entzündungen der Gefäßwände im Rahmen von Immunerkrankungen, bösartige Veränderungen wie Lymphdrüsenkrebs oder genetische Fiebererkrankungen. Eine rasche und zielführende Diagnostik ist daher bei anhaltendem Fieber oftmals lebensrettend. „Jeder Patient mit Fieber oder erhöhten Entzündungswerten ohne Erklärung ist im Grunde ein eigener Kriminalfall“, beschreibt Prof. Dr. Bernhard Manger, Oberarzt der Medizin 3, die Ausgangssituation. „Es gilt, ein Täterprofil zu erstellen und den Verursacher schnell zu identifizieren und auszuschalten.“

Schneller ins PET-CT

Die weltweit bisher größte Untersuchung zur Verbesserung der Diagnostik von unklarem Fieber führten jetzt Studienteams der Medizin 3 und der Nuklearmedizin des Uni-Klinikums Erlangen durch. Dafür erhielten Patienten mit erhöhten Temperaturen und Entzündungen unklarer Herkunft bereits frühzeitig einen Ganzkörperscan mithilfe der Positronen-Emissionstomografie/Computertomografie (PET-CT), die zusätzlich zu den Standarduntersuchungen durchgeführt wurde. „Diese Technik ermöglicht die Darstellung krankhafter Stoffwechselvorgänge im Körper, zusätzlich zur genauen Analyse der Gewebestruktur“, erklärt Prof. Kuwert. „So können wir versteckte Entzündungen, Infektionen oder auch Tumoren sichtbar machen.“

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigten, dass der frühe Einsatz eines PET-CTs die Diagnostik bei unklarem Fieber und unklarer Entzündung verbessern und vor allem verkürzen kann. „Dieses beschleunigte Verfahren erlaubte es bei fast 80 Prozent der Patienten, letztlich die Ursache für ihre Beschwerden zu finden“, freut sich die Studienleiterin Dr. Verena Schönau. „Mit der sicheren Diagnose können wir die Patienten schneller in die Therapie bringen, die sie wirklich brauchen.“

Prof. Schett betont: „Der Einsatz des PET-CTs ist vor allem deshalb ein Quantensprung in der Entzündungs- und Fieberdiagnostik, weil die behandelnden Ärzte nun schneller auf unerwartete Spuren aufmerksam werden, mithilfe derer sie den Behandlungsfall aufklären können“, betont Prof. Schett.

Weitere Informationen:
Sandra Jeleazcov
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23.10.2017 76. Bayerischen Ärztetag in Rosenheim
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer


Alle Mitteilungen finden Sie auf der Homepage der Bayerischen Landesärztekammer
www.blaek.de

Diskrepanz zwischen Behandlungsbedarf und -kapazitäten

Presseinformation: Einen steten Aufwärtstrend weist die Ärztestatistik der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) auf: Genau 82.774 Ärztinnen und Ärzte waren zum Stichtag 1. Oktober 2017 in Bayern gemeldet – ein neuer Höchststand.
Freitag, 20.10.2017

Gesundheit in Schulen, geschlechtsspezifische Medizin, Substitution, Kinder psychisch kranker Eltern
 „Gesundheit ist ein wichtiges Thema, deshalb sollten sich unsere Kinder und Jugendlichen auch in der Schule damit beschäftigen“, erklärte Dr. Heidemarie Lux, Vizepräsidentin der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK).
Freitag, 20.10.2017

Digitalisierung, Organspende, Patientensicherheit und Gutachterstelle
„Die zunehmende Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, und das ist auch gut so“, sagte Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Vorfeld des 76. Bayerischen Ärztetages in Rosenheim.
Freitag, 20.10.2017

Für gute Medizin in Bayern
Mit dem aktuellen Tätigkeitsbericht (TB) 2016/17 legt die BLÄK Rechenschaft über ihre Tätigkeiten für den Zeitraum 1. Juni 2016 bis 31. Mai 2017 ab. Der TB vermittelt einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten der BLÄK. Informiert wird nicht nur über die Aufgaben der einzelnen Referate, auch die Arbeit der zehn Ausschüsse und Kommissionen wird erläutert.
Freitag, 20.10.2017

Zahlen, Daten, Fakten
Jahresbilanz der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) zum 76. Bayerischen Ärztetag in Rosenheim.

Einsichtnahme in die Patientenakte
Presseinformation: Der 76. Bayerische Ärztetag (BÄT) hat beschlossen, die Regelung zur Dokumentationspflicht, § 10 Abs. 2 der Berufsordnung für die Ärzte Bayerns (BO) zu ändern. „Der Arzt hat dem Patienten auf sein Verlangen in die ihn betreffende Dokumentation unverzüglich Einsicht zu gewähren, soweit der Einsichtnahme nicht erhebliche therapeutische Gründe oder sonstige erhebliche Rechte Dritter entgegenstehen.
Montag, 23.10.2017

8. Bayerisches Forum für Patientensicherheit am 7. November 2017 im Ärztehaus Bayern
Am Dienstag, 7. November 2017, ab 9.00 Uhr findet im Ärztehaus Bayern, Mühlbaurstraße 16, 81677 München, das 8. Bayerische Forum für Patientensicherheit statt. Themen sind die Patientensicherheit in der Notfallversorgung: Ansprüche, Strukturen und Verantwortung.
Programm
Anmeldeformular
Montag, 23.10.2017

Fernbehandlung soll möglich werden
Presseinformation: Der 76. Bayerische Ärztetag unterstützt die telemedizinischen Maßnahmen in der Patientenversorgung und hält eine Fernbehandlung von Patienten unter konkreten Voraussetzungen für möglich.
Sonntag, 22.10.2017

76. Bayerischer Ärztetag – Tag 1 der Arbeitstagung
Presseinformation: Der 76. Bayerische Ärztetag fasste am ersten Tag der Arbeitssitzung in Rosenheim unter anderem Beschlüsse zu Notfallversorgung, Personalsituation in Krankenhäusern, elektronische Patientenakte und Lieferengpässen bei Impfstoffen
Samstag, 21.10.2017

Susanne Keller
________________________________
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20.10.2017 WMA Weltärztebund verabschiedet neues ärztliches Gelöbnis
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin, 20.10.2017 – Der Weltärztebund (WMA) hat den hippokratischen Eid für Ärzte modernisiert. Die Delegierten einigten sich auf ihrer Generalversammlung in Chicago auf eine überarbeitete Fassung des Genfer Gelöbnisses, das aus dem Jahr 1948 stammt.

„Die Neufassung hebt nun stärker als zuvor auf die Autonomie des Patienten ab“, sagte Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, stellvertretender Vorsitzender des WMA.

In der aktualisierten Fassung verpflichtet das Gelöbnis die Ärzte, medizinisches Wissen zum Wohl der Patienten und zur Förderung der Gesundheitsversorgung mit ihren Kollegen zu teilen. Vor dem
Hintergrund der steigenden Arbeitsbelastung appelliert es aber auch an die Ärzte, sich um ihre eigene Gesundheit zu kümmern. Nur dann könnten sie eine gesundheitliche Versorgung auf höchstem Niveau
leisten.

Auf der ganzen Welt berufen sich Ärzte auf das Genfer Gelöbnis. In vielen Ländern ist es Teil der ärztlichen Berufsordnung, in manchen hat es sogar Gesetzescharakter. Der WMA rechnet damit, dass die überarbeitete Fassung weltweit als ethischer Kodex für alle Ärzte anerkannt wird. Die Änderungen waren von einer internationalen Arbeitsgruppe unter Leitung der Bundesärztekammer über einen
Zeitraum von zwei Jahren vorbereitet worden.

Darüber hinaus fassten die Delegierten eine Reihe weiterer Beschlüsse. So verabschiedeten sie die „Deklaration von Chicago“ zur Qualitätssicherung in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung.
Darin fordert der Weltärztebund die Implementierung moderner Akkreditierungs- und Anerkennungs-systeme an den medizinischen Fakultäten.

In einer weiteren Stellungnahme gibt der WMA der Weltgesundheitsorganisation und den Staatsregierungen Empfehlungen zur effektiveren Bekämpfung von Pandemien und Epidemien. Die
Ärzteschaft wird dazu aufgerufen, auf nationaler Ebene ihr Fachwissen mit in die Krisenreaktions-programme einzubringen. Die Bundesärztekammer hatte die Stellungnahme gemeinsam mit dem
britischen und dem amerikanischen Ärzteverband ausgearbeitet.

Eine dringliche Resolution befasst sich mit der Lage der polnischen Ärzte in Weiterbildung. In Polen sind mehrere junge Ärzte in einen Hungerstreik eingetreten, um auf ihre schlechte finanzielle Lage
aufmerksam zu machen und für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Der WMA erklärte seine Solidarität mit den Ärzten in Polen. Er forderte die polnische Regierung dazu auf, nach Lösungen zu suchen, um das Leben der Ärzte zu schützen und das Gesundheitssystem im Interesse der Patienten ausreichend zu finanzieren.
„Es ist richtig, dass die polnischen Ärzte diese Ausbeutung nicht länger hinnehmen wollen. Sie verdienen dafür unsere volle Unterstützung“, sagte der WMA-Vize-Vorsitzende Montgomery.

Weiterführende Links
Video-Interview mit Prof. Dr. Ulrich Montgomery:
https://www.youtube.com/watch?v=glmeFk5TX80&feature=youtu.be

Genfer Gelöbnis in englischer Sprache:

https://www.wma.net/policies-post/wma-declaration-of-geneva/

Deklaration von Chicago:

https://www.wma.net/policies-post/wma-declaration-of-chicago-onquality-
assurance-in-medical-education/


Resolution zu Epidemien und Pandemien:


https://www.wma.net/policies-post/wma-statement-on-epidemics-andpandemics/

Dringlichkeitsresolution zur Situation in Polen:

https://www.wma.net/policies-post/emergency-council-resolution-onpoland/


Diese Pressemitteilung finden Sie auch im Internet unter www.bundesaerztekammer.de

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
www.bundesaerztekammer.de
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17.10.2017 Von 220 auf 100 Kilo: Adipositas interdisziplinär behandeln
uni | mediendienst | aktuell Nr. 160/2017

Erstes Adipositasboard Süddeutschlands am Uni-Klinikum Erlangen eingerichtet – erste Patientin mit über 200 Kilogramm in Erlangen in Behandlung
Die Menschen in den westlichen Industrieländern werden seit Jahren immer dicker. In Deutschland ist inzwischen jeder Zweite übergewichtig, mehr als jeder Fünfte adipös. Adipositas meint eine Vermehrung von Körperfett, die das Normalmaß deutlich übersteigt. Immer mehr Männer und Frauen leiden unter diesem behandlungsbedürftigen Übergewicht. Deshalb wurde jetzt unter Leitung der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) am Universitätsklinikum Erlangen Süddeutschlands erstes und einziges Adipositasboard eingerichtet: In dieser interdisziplinären Runde sagen Allgemein- und Viszeralchirurgen, Ernährungsmediziner, Internisten, Endokrinologen, Plastische Chirurgen, Gynäkologen, Dermatologen, Fachärzte für Psychosomatik und Psychotherapie sowie Physiotherapeuten den Kilos gemeinsam den Kampf an.

Krankhaftes Übergewicht wurde für Sonja B. aus Haßfurt buchstäblich zu einem schwerwiegenden Problem. Bezeichnenderweise kam sie schon mit Übergewicht zur Welt – mit 5,5 Kilo, vier Wochen zu spät. „Ich war schon immer dick“, sagt sie. „Meine Eltern waren dick, meine Großeltern auch. Meine Oma hat immer gesagt, Kinder müssten einfach füllig sein. Als Betthupferl gab es dann noch ein Würstchen.“ Das Übergewicht wurde Sonja B. durch ihre Gene und ihre Erziehung mitgegeben. Dass es sie krank machen würde, hat sie nicht kommen sehen. Bereits mit zehn Jahren bekam Sonja B. Diabetes mellitus Typ 1 und wog bald über 150 Kilo. Heute – mit 47 Jahren – zeigt die Waage 224 Kilo. Und die Liste der Folge- und Begleiterkrankungen ist lang: Unterleibskrebs, Herzinsuffizienz, schwere Lymphödeme in den Beinen (Elephantiasis) und Atemaussetzer während des Schlafens sind nur einige Punkte. Seit drei Jahren hat Sonja B. ihre Wohnung nicht mehr verlassen – sie kann nicht mehr gehen. Als ihre Hausärztin ihr sagte, dass sie nun mit Bewegung und einer Diät keine nennenswerte Besserung mehr erzielen könne, entschied sich Sonja B., sich von den Adipositasexperten des Uni-Klinikums Erlangen behandeln zu lassen. Bei diesen stellte sie sich jetzt vor.
Moustafa Elshafei von der Chirurgie des Uni-Klinikums erklärt: „Die gesamte Behandlung wird ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen und stufenweise erfolgen. Am Ende soll die Patientin deutlich unter 100 Kilo wiegen.“ Sonja B. benötigt die Hilfe vieler verschiedener medizinischer Disziplinen. Ihre Krankengeschichte stand deshalb auf der Agenda des neuen Adipositasboards des Uni-Klinikums Erlangen, das monatlich darüber berät, welche Therapie im Einzelfall die beste ist.

Konservative und chirurgische Therapie

Zunächst wird Sonja B. nun in der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) stationär aufgenommen. Ernährungsmedizinerin und Leiterin des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport, Prof. Dr. Yurdagül Zopf, führt aus: „Wir stellen die Patientin auf eine energiereduzierte und eiweißreiche Ernährung um. Mit Medikamenten erreichen wir, dass sich ihr Appetit verringert und sich der Magen langsamer entleert. Dieses Ernährungsprogramm kombinieren wir – so weit wie möglich – mit einer Trainingstherapie: Ganzkörper-EMS-Training (Elektromuskel-stimulation) zum Beispiel, das die Muskulatur effektiv mit Stromimpulsen trainiert, ist auch bei sehr adipösen Menschen wie Frau B. möglich. Zu einem späteren Zeitpunkt verspricht dann hochintensives Intervalltraining (HIIT), bei dem sich kurze intensive Belastungsphasen mit Erholungsphasen abwechseln, gute Erfolge.“ Das Ernährungs- bzw. Trainingsprogramm wird durch eine Verhaltenstherapie ergänzt.

Danach folgt Therapiestufe 2: „Sind die konservativen Verfahren, also Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie erschöpft oder ohne Aussicht auf Erfolg und leidet der Patient – wie Sonja B. – unter Begleiterkrankungen, operieren wir“, erläutert Prof. Dr. Robert Grützmann, Direktor der Chirurgie. „Dazu stehen uns alle Möglichkeiten der Adipositaschirurgie zur Verfügung: von Magenballon und Magenband über den Schlauchmagen bis zu Gastroplastiken und dem Magenbypass.“ Bei Sonja B. wollen die Erlanger Chirurgen zuerst einen Schlauchmagen anlegen, das heißt, den Magen um ca. 90 Prozent verkleinern. „Dadurch hat die Patientin weniger Hunger, sie isst weniger und verliert schnell an Gewicht. Begleiterkrankungen können sich wieder zurückbilden“, sagt Robert Grützmann. Im nächsten Schritt planen die Ärzte einen Magenbypass: Dabei werden große Teile von Magen und Dünndarm umgangen. Die Nahrung wird so erst viel später vom Körper aufgenommen: Der Organismus muss mit wesentlich weniger Nährstoffen auskommen.

Regelmäßige Aufklärung über Adipositas

Adipositas beginnt bei einem Body-Mass-Index (BMI: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat) von 30 und lässt sich in drei Schweregrade einteilen: Grad 1 (BMI zwischen 30 und 35), Grad 2 (BMI zwischen 35 und 40) und Grad 3 (BMI über 40). Wie gefährlich krankhaftes Übergewicht ist, welche Ursachen, Folgen und Therapien es gibt, erklären die Experten des Uni-Klinikums Erlangen bei monatlichen Informationsabenden. „Übergewicht reduziert die Lebenserwartung eines 40-Jährigen um bis zu sechs Jahre, bei schwerer Adipositas sogar um bis zu 20 Jahre. Jeder Zweite leidet zusätzlich unter psychischen Problemen“, warnt Moustafa Elshafei. Schuld an der Adipositas sind neben erblichen und hormonellen Faktoren vor allem eine falsche (Über-)Ernährung und Bewegungsmangel. Betroffene können sich in der Adipositassprechstunde der Chirurgie bei den Experten Dr. Christian Krautz und Moustafa Elshafei vorstellen. „Wie Sonja B. geht es vielen Menschen. Und für die müssen wir eine ganz neue Versorgung aufbauen“, sagt Moustafa Elshafei.

Nächster Adipositasinfoabend für Betroffene und Angehörige:
Datum: Dienstag, 7.11.2017, 18.45 – ca. 21.00 Uhr,
nur mit Voranmeldung unter Tel.: 09131 85-35879
Adipositassprechstunde:
Dienstags, 13.00 – 16.00 Uhr, Terminvereinbarung erforderlich
Tel.: 09131 85-35879

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Weitere Informationen:
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17.10.2017- Überprüfung von Heilpraktikeranwärtern - BÄK: Leitlinien-Entwurf ist unzureichend
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Die Bundesärztekammer (BÄK) hat deutliche Kritik an den von Bund und Ländern erstellten Leitlinien-Entwurf zur Überprüfung von Heilpraktikeranwärtern geübt. Es sei nicht nachvollziehbar, wie auf der Grundlage dieser Leitlinien eine Überprüfung von Heilpaktikeranwärtern unter dem Aspekt einer funktionierenden Gefahrenabwehr erfolgen soll. Völlig verkannt werde die Komplexität des medizinischen Kontextes, insbesondere das Ausmaß des notwendigen medizinischen Wissens, das für eine gefahrenminimierte Ausübung der Heilkunde notwendig ist. Die
Leitlinien stellten „eine in jeder Hinsicht unzureichende Maßnahme zum Schutz der Bevölkerung oder gar einzelner Patienten vor möglichen Gesundheitsgefahren durch die Tätigkeit von Heilpraktikern dar“, so die BÄK in ihrer schriftlichen Stellungnahme zu dem Leitlinien-Entwurf.

Das Bundesministerium für Gesundheit hatte gemeinsam mit den Ländern die Leitlinien mit der Zielsetzung weiterentwickelt, die Heilpraktikerüberprüfung bundesweit zu vereinheitlichen und den
Schutz der Patienten zu stärken.

Nach Auffassung der Bundesärztekammer kann dies jedoch nur durch eine deutliche Beschränkung des erlaubten Tätigkeitsumfangs von Heilpraktikern gelingen. Konkret sieht die Bundesärztekammer
insbesondere den Ausschluss aller invasiven Maßnahmen sowie der Behandlung von Krebserkrankungen als zwingend notwendig an.

Die Stellungnahme der Bundesärztekammer im Internet:

http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/download
s/pdf-Ordner/Stellungnahmen/Heilpraktiker.pdf


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16.10.2017 Senioren im Kran16.10.2017 Senioren im Krankenhaus – ein Teufelskreis FAU-Forscher wollen mit Pfadfindern kranke Senioren unterstützen
uni | mediendienst | forschung Nr. 83/2017

Wenn alte Menschen aus dem Krankenhaus nachhause kommen, fällt es ihnen oft schwer, sich im Alltag wieder zurecht zu finden. Die Konsequenz: Nur kurze Zeit später müssen sie erneut in die Klinik. Dennoch unterstützt das deutsche Gesundheitswesen die Patienten kaum beim Übergang von stationärer zu ambulanter Behandlung. Im neuen Forschungsprojekt TIGER des Instituts für Biomedizin des Alterns (IBA) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wird nun in einer Studie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg mit mehreren Kooperationspartnern untersucht, ob eine gezielte Betreuung während der Übergangszeit zu weniger Neueinweisungen führt.

Nach der Entlassung folgt die Neueinweisung

Senioren ab 75 müssen statistisch gesehen deutlich häufiger ins Krankenhaus als junge Menschen – Tendenz steigend. Einfache Knochenbrüche sind oft der Grund für die Erstaufnahme. Während der stationären Behandlung verkümmern die ohnehin schwächeren Muskeln durch das lange Liegen weiter, neue Medikamente bringen viele Nebenwirkungen und Operationen stellen den Körper vor große Herausforderungen. So ist vielleicht nach dem Klinikaufenthalt der Knochenbruch gut versorgt, doch die Senioren gehen geschwächt nachhause. Dort begegnen sie dann ganz neuen Herausforderungen: Der Kühlschrank ist eventuell leer, die Schwelle zum Badezimmer wird durch die eingeschränkte Mobilität auf einmal zur Stolperfalle. Sich wieder selbständig zu versorgen, scheint wie eine große Hürde. Und Infektionskrankheiten haben bei den geschwächten älteren Menschen oft ein leichtes Spiel.
Gesundheitliche Abwärtsentwicklungen oder krisenhafte Verläufe können ausgelöst werden, wenn in solchen Fällen nicht rechtzeitig angemessen reagiert wird. Die pflegenden Angehörigen sind in der Folge überfordert, Patienten werden ins Heim eingewiesen oder müssen erneut ins Krankenhaus. Die Kosten für das Gesundheitssystem steigen. Die FAU-Forscher um Prof. Dr. Cornel Sieber und PD Dr. Ellen Freiberger vom Projekt TIGER (Transsektorales Interventionsprogramm zur Verbesserung der Geriatrischen Versorgung in Regensburg) sehen eine besondere Notwendigkeit darin, Patienten und ihre Angehörigen während der Übergangsphase vom Krankenhaus in die eigene Wohnung besser zu unterstützen. Hier setzen sie mit einem neuen Konzept in der Versorgungsstruktur an.

Pfadfinder unterstützt Betroffene

Sogenannte Pfadfinder sollen die Übergangsphase sicherer gestalten, indem sie Patienten und Angehörige quasi an die Hand nehmen und ihnen besonders in den ersten Wochen zuhause beratend zur Seite stehen. Die Pfadfinder suchen dabei nach den besten Pfaden oder Unterstützungen und sind damit Teil eines großen interdisziplinären Netzwerks. Bereits in der Klinik entwickeln die Pflegewissenschaftler oder ausgebildeten Pflegefachpersonen – noch in gemeinsamer Zusammenarbeit mit dem Entlassmanagement – mit dem Patienten und Angehörigen einen Plan für die Zeit danach. Dabei wird zum Beispiel beachtet, welche möglichen Verschlechterungen drohen oder wie mit der Erkrankung umgegangen werden muss.

In den ersten Wochen zuhause koordiniert der Pfadfinder zukünftige ambulante Maßnahmen, zum Beispiel Physiotherapie oder Ernährungsberatung, oder setzt sich mit dem behandelnden Hausarzt in Verbindung, um zu vermeiden, dass sich der Gesundheitszustand verschlechtert. Wichtigstes Merkmal von TIGER ist dabei, dass die Zeit der Betreuung mit der Entlassung nicht beendet wird: Der Pfadfinder begleitet den Patienten auch weiterhin – zunächst in regelmäßigen Hausbesuchen, später vor allem durch Telefonate. Dabei dokumentiert er jegliche Entwicklung genau. Verbesserungen, Verschlechterungen oder neu auftretende Probleme werden so rechtzeitig erkannt und der Versorgungsplan kann jederzeit angepasst werden.

Internationales Vorbild

TIGER orientiert sich an dem internationalen Transitional Care Modell (TCM). Dabei werden ältere Patienten und ihre pflegenden Angehörigen so ausgebildet, dass sie lernen, mit ihrer Erkrankung angemessen umzugehen. Zahlreiche Studien belegen, dass diese Maßnahmen dabei helfen, den Gesundheitszustand der Patienten zu verbessern und das Gesundheitssystem zu entlasten. In Deutschland ist die Problematik des Übergangs von stationärer zu ambulanter Behandlung zwar bekannt, doch stecken die ergriffenen Maßnahmen noch in den Kinderschuhen und werden den Bedürfnissen der Patienten nicht gerecht.

Die Wissenschaftler der FAU gehen auf der Basis des TCM davon aus, dass durch TIGER die Wiederaufnahmerate um mindestens 40 Prozent reduziert werden kann. Dadurch haben die Patienten eine höhere Lebensqualität und das Gesundheitssystem dementsprechend weniger Kosten. Der neue Ansatz wird begleitend durch eine wissenschaftliche Studie ausgewertet, die am Krankenhaus Regensburg stattfindet.

Weitere Informationen:
PD Dr. Ellen Freiberger
Tel.: 0911/5302-96162
ellen.freiberger@fau.de

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13.10.2017 Versand von Labor- und Gewebeproben durch Poststreik gefährdet
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Gewerkschaft Ver.di streitet derzeit mit der Post – Hintergrund ist ein Tarifkonflikt. Jetzt machte die Gewerkschaft ihre Streikdrohung wahr und rief Post- und Paketboten ab und zum unbefristeten Streik auf. Die Folge: „Nicht nur Briefe und Pakete kommen verspätet; auch die Patientenversorgung ist durch die Streiks unmittelbar beeinträchtigt, da beispielsweise eilige oder zeitsensible Labor- und Gewebeproben verspätet ankommen bzw. gar nicht mehr versendet werden können“, warnt Dr. Rudolf Burger M. Sc., Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Damit es nicht zum Ablauf oder Verfall einzelner Proben komme, sollten die Details der Streiktaktik – Orte und Zeiten – rechtzeitig von der Gewerkschaft kommuniziert werden. Auch wenn derzeit nicht mit flächendeckenden Ausständen zu rechnen sei, sollten die regionalen und/oder zeitweiligen Arbeitsniederlegungen bekannt gegeben werden, so dass sich z. B. Laborärzte und Pathologen darauf einstellen und alternative Versandanbieter beauftragen könnten.

Die Gewerkschaft Ver.di weitet ihre Streiks bei der Post aus. Nachdem zum Wochenanfang der Ausstand in den Briefverteilzentren gestartet war, sollen jetzt Schritt für Schritt Briefträger und Paketboten eingebunden werden. Nach Gewerkschaftsangaben waren rund 8.000 Beschäftigte
in den Streik getreten. Dabei blieben nach Angaben der Post rund sieben Millionen Briefsendungen oder elf Prozent aller zugestellten Briefe liegen.

Pressestelle
Bayerische Landesärztekammer
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Dagmar Nedbal
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12.10.2017 Wissenschaft für Nachtschwärmer am 21. Oktober -FAU bietet rund 400 Programmpunkte auf der Langen Nacht der Wissenschaften
uni | mediendienst | aktuell Nr. 153/2017

uni | mediendienst | aktuell Nr. 153/2017 vom 12. Oktober 2017

 

 

Wissenschaft für Nachtschwärmer

FAU bietet rund 400 Programmpunkte auf der Langen Nacht der Wissenschaften

 

In der Langen Nacht der Wissenschaften am 21. Oktober öffnet die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erneut ihre Türen und zeigt, was sie mit ihrer Forschung für unsere Welt heute und morgen leisten kann. Mit rund 400 spannenden Programmpunkten an ihren drei wichtigsten Standorten Erlangen, Nürnberg und Fürth ist die FAU erneut der größte Partner. Schon am Nachmittag von 14 bis 17 Uhr können die Kleinen beim Kinderprogramm Wissenschaft hautnah erleben. Um 18 Uhr startet dann das Nachtprogramm, das für Kinder ab 10 Jahren ebenfalls schon geeignet ist.

 

Bei der großen Vortragsreihe im Erlanger Audimax ab 18.30 Uhr ruft die FAU das Thema „Gläsern, ferngesteuert und (gen)manipuliert: Müssen wir das 21. Jahrhundert fürchten?“ aus. In sechs Vorträgen beleuchten FAU-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler Themen, die in der Öffentlichkeit heiß diskutiert werden: von der grünen Gentechnik über das Internet der Dinge und das autonome Fahren bis hin zu neuen Energiespeichern.

 

Forschung in der Erlanger Innenstadt

Aber auch abseits des Audimax gibt es in der Erlanger Innenstadt jede Menge FAU-Forschung zu sehen: So lädt das Geozentrum Nordbayern beispielsweise in die Welt der ganz kleinen Fossilien ein. Hier können Neugierige durchs Mikroskop Mikrofossilien bewundern, die kleiner sind als ein Stecknadelkopf. Oder sie können ein Flussbett bestaunen und sehen, wie Flüsse sich verändern oder über die Ufer treten.

 

In der Orangerie dreht sich alles um Kunst: Das Interdisziplinäre Zentrum für digitale Geistes- und Sozialwissenschaften beleuchtet in einem humoristischen Vortrag ein aktuelles Internetphänomen, die Classical Art Memes. Und wer wissen möchte, was die Mona Lisa mit Erlangen zu tun hat, ist hier ebenfalls gut aufgehoben: Das Rätsel wird in einer Führung aufgelöst. Gleich nebenan zeigt der Botanische Garten seine von 1852 stammende Sammlung, die Feuchtpräparate, Versteinerungen sowie Kollektionen von Samen und Hölzern beherbergt. Versuche zur Selbsterfahrung von sensorischer Täuschung bei Temperatur- und Schmerzreizen können Besucher bei den Forschern vom Institut für Physiologie und Pathophysiologie sowie den Lehrstühlen Pharmakologie und Toxikologie sowie Neurologie ausprobieren.

 

Die Ausstellung Science meets Fiction des Exzellenzcluster EAM im Kreuz+Quer stellt die ästhetische Schönheit wissenschaftlicher Bilder heraus und präsentiert literarische Texte, die freie Assoziationen zu den Darstellungen widerspiegeln. Während der Langen Nacht ist jeder eingeladen, seine eigene Fantasie spielen zu lassen. Was tatsächlich auf den Bildern zu sehen ist, erklären Forscher in kurzen Vorträgen.

In der Universitätsbibliothek gibt eine Ausstellung mit Führung passend zum Lutherjahr Einblicke in die protestantischen Bilderwelten der Frühen Neuzeit, von Lutherporträts bis zu Bibelillustrationen. Zudem öffnet das Magazin der Alten Universitätsbibliothek seine Pforten und zeigt Schätze aus sechs Jahrhunderten. Eine Führung verrät den Neugierigen, wie die UB wertvolle Handschriften, Drucke und Grafiken digitalisiert, um weltweite Forschung kostenfrei zu ermöglichen und die Originale unter konservatorischen Gesichtspunkten zu schützen.

 

Die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum laden zum Science Slam: In kurzen  Vorträgen erklären Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschungsprojekte auf spannende und unterhaltsame Weise. Das Universitätsklinikum lädt zur Führung durch ihre Stammzellbank ein, in der blutbildende Stammzellen aus dem Blut dem Knochenmark und dem Nabelschnurblut aufbereitet, charakterisiert und tiefgefroren werden. Selbst zum Chirurgen werden Besucherinnen und Besucher in der Chirurgischen Klinik, wo sie virtuell minimalinvasive Operationstechniken ausprobieren können. Und in einer simulierten Intensiveinheit können sich Interessierte an Beatmungsgerät, Spritzenpumpen & Co ausprobieren. Die Medizinische Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie lädt die Besucher zum Spielen ein: Mittels des digitalen Strategiespiels „Game in Flame“ lernen die Spieler die guten und schlechten Seiten von Entzündungen in Gelenk, Darm und der Lunge kennen. Am Lehrstuhl für Biochemie und Molekulare Medizin zeigen die Forscherinnen und Forscher Einblicke in die Tumorforschung, so können die Besucher Zellen live unter dem Mikroskop beobachten.

 

Auf dem Campus Bismarckstraße an den Philosophentürmen stehen die Geisteswissenschaften im Vordergrund. Prof. Dr. Matthias Fifka setzt sich am Institut für Wirtschaftswissenschaften in einem Vortrag mit Trump und was von seinen Vorhaben ein Jahr nach der US-Präsidentschaftswahl übrig geblieben ist auseinander. Am Sprachenzentrum kann sich jeder in der Übersetzung von Filmsequenzen probieren, während sich am Zentralinstitut für Regionenforschung an diesem Abend alles um Migration und Menschenrechte dreht.

 

Im Juridicum befassen sich FAU-Rechtswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit juristischen Fragen, die jeden angehen: Ist das Internet ein rechtsfreier Raum? Wie geht die EU-Handelspolitik nach Brexit, CETA und Trump weiter? Und was verbirgt sich hinter Darknet, Tor und Bitcoins?

 

Der FAU-Technik-Tipp: das Erlanger Südgelände

Fans von Technik und Naturwissenschaften sind am Südgelände der FAU gut aufgehoben: Das Department Chemie- und Bioingenieurwesen geht in Experimenten naturwissenschaftlichen Geheimnissen des Alltags auf den Grund. Und zusammen mit dem Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg zeigt das Department ein Brennstoffauto, das mit Wasserstoff fährt. Das Department Chemie und Pharmazie geht in einer Vortragsreihe Lebensmittelmythen auf den Grund und erklärt, was sich eigentlich hinter Lebensmittelkennzeichnungen verbirgt. Und in einer Mitmach-Aktion zeigen die FAU-Chemikerinnen und -Chemiker naturwissenschaftliche Geheimnisse des Alltags, die jeder gleich selbst ausprobieren kann.

 

Auch die Werkstoffwissenschaften haben sich wieder einiges einfallen lassen. Besucher sehen dort unter anderem hochauflösende Mikroskopie-Methoden oder eine Ausstellung von organischen Materialien in der Solar- und Lichttechnologie. Darüber hinaus können sie lernen, wie sie mit Diamantelektroden und eigener Muskelkraft Abwasser reinigen können.

 

Wer sich sicherer durch das Internet bewegen will, sollte die Vorführung am Lehrstuhl IT-Sicherheitsinfrastrukturen nicht verpassen, wo Doktoranden Hackerangriffe demonstrieren, die jeden von uns treffen können.

 

Rund um BWL & Co

Auch am Standort Nürnberg bietet die FAU viel Spannendes für die Besucher: Am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften in der Findelgasse etwa diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen mit den Zuhörerinnen und Zuhörern über Industrie 4.0: Ist sie das Ende oder die Zukunft der Arbeit? In einem Quiz können die Besucher ihr Wissen über unterschiedliche Lebensbedingungen in deutschen Gemeinden, Kreisen und Bundesländern testen. Und am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Supply Chain Management, lernen Neugierige im „Beer Game“ die Komplikationen in Bierproduktion und -distribution kennen – und was es mit dem Bullwhip-Effekt auf sich hat.

 

 

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12.10.2017 Wie Helicobacter pylori Magenkrebs auslöst
uni | mediendienst | forschung Nr. 81/2017

FAU-Wissenschaftler entschlüsseln Mechanismus, der zur Entstehung von Magenerkrankungen durch Bakterien führt

Magenkrebs zählt zu den fünf tödlichsten Krebsarten: Jährlich sterben etwa 750.000 Patienten an dieser Erkrankung, so die Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO. Als Hauptauslöser gilt das Bakterium Helicobacter pylori (H. pylori). Wirkungsvolle Therapien gegen Magenkrebs gibt es derzeit nicht, zunehmende Antibiotikaresistenzen erschweren die Behandlung der Infektion zusätzlich. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nun zwei Mechanismen entschlüsselt, die zur Entstehung von Magenkrebs durch das Bakterium führen. Ihre Erkenntnisse könnten zur Entwicklung von neuen Therapieansätzen beitragen. Die Ergebnisse haben die Wissenschaftler in der renommierten Fachzeitschrift Cell host & microbe (doi: 10.1016/j.chom.2017.09.005) veröffentlicht.

Das Team aus internationalen Wissenschaftlern um Dr. Nicole Tegtmeyer vom Lehrstuhl für Mikrobiologie der FAU hat untersucht, wie die Bakterien die Schutzschicht im Magen zerstören. Diese Schutzschicht besteht aus dicht aneinander liegenden Epithelzellen, die uns vor der Magensäure schützen. Die Forscher haben nun entdeckt, dass die H. pylori-Bakterien ein sekretiertes Enzym, die Protease HtrA, quasi als Waffe verwenden, um diese Schutzschicht zu durchbrechen: HtrA zerschneidet drei Proteine (Occludin, Claudin-8 und E-Cadherin) und erzeugt einen Durchbruch in die Schicht aus Epithelzellen. So gelangen die H. pylori-Bakterien in tiefere, normalerweise keimfreie Gewebeschichten und richten weiteren Schaden an. Damit beginnt die Entstehung von Magenkrebs.

Auf diesen ersten Schritt folgt jedoch ein noch viel gefährlicherer, wie die Wissenschaftler feststellten. Ein nadelartiger Fortsatz, den man als Typ IV-Sekretionssystem bezeichnet, wird anschließend aktiviert und funktioniert hierbei ähnlich einer „molekularen Spritze“: Sie injiziert über einen rezeptorabhängigen Mechanismus einen bakteriellen Giftstoff, das sogenannte CagA-Protein, an der Unterseite der Wirtszellen. Das eingeschleuste CagA wiederum programmiert die Wirtszelle so um, dass Krebs entstehen kann. Darüber hinaus beeinflusst das Protein das menschliche Immunsystem und die Entzündung, so dass die Bakterien nicht erkannt und dadurch auch nicht eliminiert werden – ein entscheidender Weg für das dauerhafte Überleben von H. pylori im menschlichen Magen.

Neuer Ansatz für eine Therapie gegen Magenkrebs

Dr. Tegtmeyer geht davon aus, dass diese Befunde wichtige neue Ansatzpunkte für eine anti-bakterielle Therapie aufzeigen, da HtrA und CagA sich hervorragend als neue Wirkstoffziele eignen. Die Arbeitsgruppe hat bereits begonnen, spezifische Hemmstoffe gegen HtrA zu testen. „Wir hoffen, dass entsprechende Wirkstoffe eine Infektion entweder komplett verhindern oder die CagA-Injektion unterbinden“, erläutert Tegtmeyer.

Die Veröffentlichung ist das Resultat einer mehrjährigen Forschungsarbeit mit Prof. Dr. Silja Wessler von der Universität Salzburg und Prof. Dr. Steffen Backert am Lehrstuhl für Mikrobiologie der FAU, die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Sonderforschungsbereichs „Schaltzellen zur Auflösung von Entzündung“ (SFB1181/TPA04) und DFG TE 776 3-1 gefördert und in einer Kooperation mit weiteren Arbeitsgruppen aus Deutschland, Italien, Portugal und der Schweiz durchgeführt wurde.
Weitere Informationen:
Dr. Nicole Tegtmeyer
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11.10.2017 Hochdotierter Förderpreis für FAU-Krebsforscher
uni | mediendienst | aktuell Nr. 151/2017

Molekularmediziner erhalten 430.000 Euro für den Kampf gegen das Maligne Melanom
Mit rund 430.000 Euro ist der Förderpreis dotiert, mit dem das Team um Prof. Dr. Anja Boßerhoff und Prof. Dr. Claus Hellerbrand von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) jetzt geehrt wurde. Die Wissenschaftler erhielten den m4-Award für ihre Arbeit an einer Therapie gegen schwarzen Hautkrebs. Das Fördergeld wollen die Forscher dazu nutzen, die Entwicklung und Produktion eines Medikaments weiter voranzutreiben.
Mit seiner Forschung zum schwarzen Hautkrebs widmet sich das Wissenschaftlerteam der FAU der am häufigsten tödlich verlaufenden Hautkrankheit, an der immer mehr Menschen erkranken. Gefährlich am schwarzen Hautkrebs ist seine rasche Ausbreitung im Körper über Metastasen. Bei diesem Prozess spielt ein bestimmtes Protein – MIA – eine entscheidende Rolle. MIA fördert die Bildung der Metastasen und hindert zudem das Immunsystem daran, die Tumorzellen zu bekämpfen.

Prof. Dr. Anja Boßerhoff vom Lehrstuhl für Biochemie und Molekulare Medizin und Prof. Dr. Claus Hellerbrand, Professur für Biochemie und Molekulare Pathobiologie, ist es in mehrjähriger Arbeit gelungen, aufzudecken, wie MIA auf die Hautkrebszellen wirkt, und Substanzen zu entwickeln, mit denen die Wirkung des Proteins gehemmt werden kann. In Experimenten, in denen die Stoffe intravenös gespritzt wurden, konnten die Wissenschaftler deren Wirksamkeit bereits nachweisen. Nun wollen die Wissenschaftler die Substanzen so weiterentwickeln, dass sie oral verabreicht werden können, zum Beispiel in Form einer Tablette. Ihr Ziel ist es, Melanompatienten eine hochspezifische, effektive und gleichzeitig verträgliche Therapie zu ermöglichen.


Der m4-Award wird von BioM, der Netzwerkorganisation der Biotechnologiebranche in Bayern, in einem bayernweiten Wettbewerb im Bereich der angewandten, molekularen Medizin vergeben. Der Förderpreis wird aus Mitteln des Bayerischen Wirtschaftsministeriums finanziert, ist jeweils auf eine Laufzeit von zwei Jahren angelegt und wird alle zwei Jahre verliehen.

Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Anja Boßerhoff
Tel.: 09131/85-24190
anja.bosserhoff@fau.de
Prof. Dr. Claus Hellerbrand
Tel.: 09131/85-24644
claus.hellerbrand@fau.de


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05.10.2017 10 Jahre Medizinische Klinik 5 - Lehrstuhl für Hämatologie und Internistische Onkologie am Uni-Klinikum Erlangen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 147/2017

Mit der Entscheidung der Medizinischen Fakultät der FAU Erlangen-Nürnberg und des Aufsichtsrats des Universitätsklinikums Erlangen im Jahr 2006 zur Einrichtung eines Lehrstuhls für Hämatologie und Internistische Onkologie wurde der Grundstein für die Teilung der damaligen Medizinischen Klinik 3 (Prof. Dr. Dr. h. c. em. Joachim Kalden) in zwei Schwerpunkte – Rheumatologie und Immunologie sowie Hämatologie und Internistische Onkologie – gelegt. Am 1. Oktober 2007 nahm der neu berufene Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Andreas Mackensen die Arbeit im Alten Universitätskrankenhaus auf. Das bestehende Erlanger Team und die Mitarbeiter, die mit Prof. Mackensen aus Regensburg kamen, machten sich gemeinsam mit Herzblut und Pioniergeist an den Aufbau einer eigenständigen Struktur für die neue Medizinische Klinik 5. Deren zehnjähriges Bestehen wird am kommenden Samstag, 7. Oktober 2017, mit einem Festsymposium gefeiert.
 
Heute vertritt die Medizinische Klinik 5 auf dem Gebiet der Inneren Medizin die Schwerpunkte Hämatologie und Internistische Onkologie in Patientenversorgung, Forschung und Lehre. In der Klinik diagnostiziert und behandelt das Team von Prof. Mackensen Patienten mit Erkrankungen des blutbildenden Systems, darunter akute und chronische Leukämien, maligne Lymphome und multiple Myelome, aber auch bösartige solide Tumoren, wenn eine Chemotherapie oder eine andere medikamentöse Tumortherapie notwendig ist. Alle Systemtherapien, inklusive der körpereigenen (autologen) und der vom Spender stammenden (allogenen) Blutstammzelltransplantation, werden hier durchgeführt. Mit dem Umzug ins Internistische Zentrum im Jahr 2011 konnte sich die Klinik weiterentwickeln, wodurch es seither möglich ist, deutlich mehr Patienten zu behandeln.
 
Der wissenschaftliche Schwerpunkt des Lehrstuhls liegt auf der Erforschung immunologischer Mechanismen, die für die Eliminierung von Krebszellen verantwortlich sind. Einen speziellen Fokus richten die Wissenschaftler dabei auf die Identifizierung sogenannter „Immune Escape“ -Mechanismen. Dem Tumor gelingt es auf vielfältige Weise, sich dem Immunsystem zu entziehen. So werden insbesondere verschiedene Tumorstoffwechselprodukte untersucht, die es dem Immunsystem unmöglich machen, Tumorzellen abzutöten. Langfristiges Ziel ist es, aus den Erkenntnissen neuartige immunologische Strategien zur Bekämpfung maligner Erkrankungen zu entwickeln. Des Weiteren beschäftigen sich die Wissenschaftler intensiv mit der komplexen Steuerung der Transplantat-gegen-Wirt- und der Transplantat-gegen-Leukämie-Immunreaktionen nach allogener Stammzelltransplantation (GvHD und GvL).
 
Erfolgreiche Forschung
Die Forschungsaktivitäten und die entsprechenden Ergebnisse am Lehrstuhl für Hämatologie und Internistische Onkologie haben sich in den vergangenen zehn Jahren sehr positiv entwickelt. Diese Erfolge resultierten in einer deutlichen Steigerung der eingeworbenen Drittmittel und hochrangiger Publikationen. Besondere wissenschaftliche Höhepunkte waren im März 2014 die weltweit erste Zelltherapie mit Spender-B-Lymphozyten und im Mai 2015 die erste Gabe von Virus-spezifischen Immunzellen (T-Lymphozyten) zur Verbesserung des Infektionsschutzes nach allogener Stammzelltransplantation.
 
Mit Stolz und Dankbarkeit blicken Prof. Mackensen und sein Team nun auf diese zehn Jahre zurück. „Ich glaube, sagen zu können, dass wir es gemeinsam geschafft haben, in zehn Jahren eine Klinik für Hämatologie und Internistische Onkologie am Universitätsklinikum Erlangen aufzubauen, die in der Patientenversorgung sowohl von den Betroffenen selbst als auch von den zuweisenden Kollegen sehr geschätzt und in der Wissenschaft national und international beachtet wird“, resümiert Prof. Mackensen. „Ohne das gute, professionelle wie menschliche Miteinander untereinander und mit den Kollegen in den anderen Kliniken, selbstständigen Abteilungen und Instituten ist eine bestmögliche Patientenversorgung nicht denkbar“, so Prof. Mackensen. „Daher ein großes Dankeschön an alle, die mit uns von Anfang an stets wertschätzend und vertrauensvoll zusammengearbeitet haben.“
 
Einladung zum Festsymposium
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Medizinischen Klinik 5 lädt Prof. Mackensen zu einem klinisch-wissenschaftlichen Festsymposium am Samstag, 7. Oktober 2017, um 10.00 Uhr in den Rudolf-Wöhrl-Hörsaal, Östliche Stadtmauerstraße 11, in Erlangen ein und ergänzt: „Diese Einladung ist mit einem ganz herzlichen Dank an alle Kollegen für diese hervorragende Zusammenarbeit verbunden!“
 
Weitere Informationen:
 
Prof. Dr. Andreas Mackensen
Tel.: 09131 85-35954
andreas.mackensen@uk-erlangen.de
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05.10.2017 Auszeichnung für herausragende Grundlagenforschung zur Tumorentstehung
uni | mediendienst | aktuell Nr. 146/2017

Dr. Andrea Thoma-Kreß erhielt 80.000-€-Forschungsstipendium der Boehringer Ingelheim Stiftung
Für die Untersuchung eines neuen positiven Rückkopplungsmechanismus bei der Tumorentstehung durch Viren erhielt die Diplom-Molekularmedizinerin und Leiterin der Arbeitsgruppe „Humanes T-Zell-Leukämie-Virus und Adulte T-Zell-Leukämie“ am Virologischen Institut – Klinische und Molekulare Virologie (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) des Universitätsklinikums Erlangen, Dr. Andrea Thoma-Kreß, jetzt den „Exploration Grant“ der Boehringer Ingelheim Stiftung. Das Forschungsstipendium ist mit rund 80.000 € dotiert.
 
Infektionen sind Auslöser von ca. 15–20 % aller Krebserkrankungen. Weltweit sind mindestens 5–10 Millionen Menschen mit dem Humanen T-Zell-Leukämie-Virus Typ 1 (HTLV-1) infiziert – dem einzigen krebsauslösenden Retrovirus des Menschen. Infektionen mit HTLV-1 können nach jahrzehntelanger Viruspersistenz zum Ausbruch der bislang unheilbaren Adulten T-Zell-Leukämie/Lymphom (ATLL) führen. Für die Entartung der infizierten CD4+-T-Zellen spielt vor allem das virale Onkoprotein Tax eine wesentliche Rolle, da Tax zahlreiche zelluläre Signalwege dereguliert. Bereits seit Jahren ist bekannt, dass die dauerhafte Aktivierung des klassischen und alternativen NF-κB-Signalwegs Kennzeichen der von HTLV-1 getriebenen Krebsentstehung ist. Im neu geförderten Projekt möchte die Arbeitsgruppe unter Leitung von Dr. Thoma-Kreß der Hypothese nachgehen, dass Tax nicht nur den NF-κB-Signalweg aktiviert, sondern auch selbst in einem bisher unbekannten positiven Rückkopplungsmechanismus durch die NF-κB-Aktivität reguliert wird. In ihren Vorarbeiten haben die Erlanger Wissenschaftler herausgefunden, dass die Aktivierung des NF-κB-Signalwegs überraschenderweise zu einem Anstieg der Tax-Proteinmenge führt, jedoch die Vorläufer der Tax-Proteine, die Tax-Transkripte, weitgehend unbeeinflusst bleiben. Um zu untersuchen, wie das virale Onkoprotein Tax selbst durch diesen Signalweg reguliert wird, sollen nicht nur die genauen Prozesse in der NF-κB-Signalkaskade eingegrenzt, sondern auch die dafür verantwortlichen Domänen im Tax-Protein identifiziert werden. Ein wesentliches Augenmerk dieses Projekts wird in der Untersuchung des zugrunde liegenden Mechanismus liegen. Die Aufklärung dieses neuartigen Rückkopplungsmechanismus kann dazu beitragen, neue therapeutische Ziele zu identifizieren, um die viral induzierte Tumorentstehung zu unterbinden. Mit diesem herausfordernden Projekt eröffnen sich für das Labor neue Forschungsperspektiven im Bereich der Proteomics. Das Projekt profitiert dabei sehr vom hervorragenden wissenschaftlichen Umfeld am Universitätsklinikum Erlangen und an der FAU Erlangen-Nürnberg.
 
Exploration Grants der Boehringer Ingelheim Stiftung
Mit den Exploration Grants möchte die Boehringer Ingelheim Stiftung herausragenden Grundlagenforschern aus Biologie, Chemie und Medizin die Möglichkeit geben, am Anfang ihrer Karriere neue Forschungsrichtungen auszuloten. Nachwuchsgruppenleiter sollen damit neuen Ideen oder überraschenden Ergebnissen nachgehen können, die das Potenzial haben, das eigene Forschungsprofil zu ergänzen oder neu auszurichten.
 
Weitere Informationen:
 
Dr. Andrea Thoma-Kreß
Tel.: 09131/85-26429
andrea.thoma-kress@uk-erlangen.de
 
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06.10.2017 - 76. Bayerischer Ärztetag, 20. bis 22. Oktober 2017 in Rosenheim
Pressenachricht der Bayerischen Landesärztekammer

Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich lade ich Sie zu Pressekonferenz, Auftaktveranstaltung und Arbeitstagung anlässlich des 76. Bayerischen Ärztetages der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) vom 20. bis 22. Oktober 2017 in Rosenheim ein. Der 76. Bayerische Ärztetag wird am Freitag, dem 20. Oktober 2017, um 18.30 Uhr im KULTUR+KONGRESS ZENTRUM Rosenheim (KUʼKO), Kufsteiner Straße 4, 83022 Rosenheim, eröffnet.

Universitäts-Professor Dr. med. univ. Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien, spricht über „Medizinstudium am Turning Point“. Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, und Gabriele Bauer, Oberbürgermeisterin der Stadt Rosenheim, werden ein Grußwort sprechen.
Dr. Max Kaplan, Präsident der BLÄK, wird in seinem Statement auf die aktuellen gesundheitspolitischen Herausforderungen eingehen.

Zwei Pressetermine begleiten den 76. Bayerischen Ärztetag:
Vor-Pressekonferenz in München
» Dienstag, 17. Oktober 2017, um 11.00 Uhr,
   PresseClub München, Marienplatz, 22, 80331 München

Pressegespräch in Rosenheim
» Freitag, 20. Oktober 2017, um 11.00 Uhr,
   KULTUR+KONGRESS ZENTRUM Rosenheim (KUʼKO),
   Kufsteiner Straße 4, 83022 Rosenheim, Raum München

Themen, Termine und Veranstaltungsorte des 76. Bayerischen Ärztetages entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Programm. Rückantwort, Tagesordnung und Anfahrtsskizze finden Sie der Einladung beigefügt. Presseinfos stehen aktuell im Internet unter www.blaek.de [Ärztetag] zur Verfügung. Während des Ärztetages erreichen Sie uns unter den Telefonnummern 0172 7516157 oder 0177 4779220.

Wir freuen uns auf Ihre Zusage und auf gute Pressegespräche.
Mit freundlichen Grüßen
Dagmar Nedbal
Leiterin der Pressestelle, Bayerisches Ärzteblatt, Internet

05.10.2017 Mehr Vernetzung der Gesundheitsberufe
Pressenachricht der Bayerischen Landesärztekammer

„Wir Ärztinnen und Ärzte müssen die Hoheit über Diagnose, Indikationsstellung und Therapie behalten, was den Arztvorbehalt sichert, sowie die Gesamtverantwortung für den Behandlungsprozess“, schreibt Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Leitartikel der Oktoberausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. Trends, die die derzeitige gesundheitspolitische Debatte prägen, seien neben den Themen Medizinstudium und ärztlicher Nachwuchs auch Digitalisierung, Kooperationsmodelle und Vernetzung der Gesundheitsberufe mit dem Blickwinkel auf die Akademisierung. Es handle sich um grundlegende und tiefgreifende Veränderungen, die den Rahmen bilden für viele andere, davon beeinflusste Entwicklungen. Gerade die Diskussion um eine (eigenständige) Heilkundeausübung durch andere, nichtärztliche Gesundheitsberufe – einschließlich der Heilpraktiker – nehme derzeit Fahrt auf; verbunden mit all den Fragen nach der Gesamtverantwortung, der Patientensicherheit oder des Haftungsrisikos.

Das von der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erstellte Delegationsmodell „Physician Assistant (PA) – Ein neuer Beruf im deutschen Gesundheitswesen“ gelte es zu unterstützen. „PA ist eine aus dem internationalen Sprachgebrauch entlehnte Bezeichnung für einen hochschulisch qualifizierten Gesundheitsberuf auf Bachelorniveau, der vom Arzt delegierte Aufgaben übernimmt“, erläutert Kaplan. Er soll Ärzte in enger Zusammenarbeit mit diesen unterstützen und entlasten. Der PA, auch Medizinischer Praxis- oder Klinik-Assistent genannt, sei ein positives Beispiel für die Delegation; sein Tätigkeitsprofil richte sich am tatsächlichen Versorgungsbedarf aus, an den Erfordernissen des Arbeitsmarkts und an den Zielvorstellungen eines ärztlich geleiteten multiprofessionellen Teams. Quasi als Gegenbeispiel – sprich Substitutionsmodell – liefen dagegen die Bestrebungen, den Osteopathen als neuen akademischen Heilkundeberuf einzuführen: Die Osteopathie gehöre in die Hände von qualifizierten Ärztinnen und Ärzten. Wer sich dem verweigere, spiele ohne Not mit der Gesundheit und Sicherheit von Patienten. Für die osteopathische Diagnose sei der Arzt zuständig, für die Therapie der entsprechend qualifizierte Physiotherapeut. Ein weiterer Heilkunde ausübender Beruf, ein Osteopath, erübrige sich.

Den Leitartikel „Mehr Vernetzung der Gesundheitsberufe“ lesen Sie in der Ausgabe 10/2017 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de

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02.10.2017 Neuer Klinikdirektor möchte Kiefer- und Gesichtsrekonstruktionen nach Tumorerkrankungen und bei Fehlbildungen vorantreiben
uni | mediendienst | aktuell Nr. 145/2017

Mit innovativen Behandlungsmethoden können sichtbare Erfolge erzielt werden
Prof. Dr. Dr. Marco Kesting ist seit 1. Oktober 2017 neuer Direktor der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Der 45-Jährige tritt damit die Nachfolge von Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Friedrich W. Neukam an, der die Klinik 22 Jahre lang leitete. Prof. Kesting möchte insbesondere die modernen Möglichkeiten seines Fachbereichs bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sowie in der Versorgung von Defekten im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich, die  durch Tumorerkrankungen oder Unfälle verursacht wurden, ausbauen. Vor seinem Wechsel nach Erlangen war er stellvertretender Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie der Technischen Universität München Klinikum rechts der Isar.

In Forschung und Patientenversorgung möchte sich Prof. Kesting in fachübergreifender Kooperation mit Kollegen des Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-Zentrums des Uni-Klinikums Erlangen insbesondere um betroffene Babys und Kinder kümmern. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG) gehören mit einer Häufigkeit von 1:500 Geburten zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. „Es gibt heute hervorragende Behandlungsmethoden zur Korrektur dieser Fehlbildung, mit denen Ernährung, Sprache und Gehör so normalisiert werden können, dass eine ungestörte Entwicklung in alltäglicher Umgebung erreicht werden kann“, sagt Prof. Kesting. Besonders stolz ist er auf eine von ihm mitentwickelte Operationstechnik zum Gaumenverschluss und auf ein innovatives Konzept zur Nasenkorrektur bei Babys. „Wenn diese Patienten das Kleinkindalter verlassen, sieht ihnen kaum jemand an, dass sie wegen einer LKG behandelt wurden.“ Prof. Kesting möchte die Eltern nach einer vorgeburtlichen LKG-Diagnose zuversichtlich stimmen, dass in enger Kooperation mit Frauen- und Kinderärzten der Region eine umfassende Behandlung zum Wohle ihres Neugeborenen geboten wird. „Je früher der Kontakt zwischen dem LKG-Zentrum des Uni-Klinikums Erlangen und den betroffenen Eltern zustande kommt, desto besser kann die Therapie geplant und umgesetzt werden.“

Seine Schulzeit verbrachte Marco R. Kesting, der in Mitwitz (Oberfranken) geboren wurde, in Kronach und Deggendorf. Nach seinem Studium der Zahn- und Humanmedizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg arbeitete er ab 1998 für fünf Jahre in einer zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis in Fürth, bevor er seine wissenschaftliche Karriere fortsetzte: von 2002 bis 2003 im Universitätsspital Zürich, von 2004 bis 2007 in der Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie der Ruhr-Universität Bochum und ab 2007 zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, ab 2009 als Oberarzt für „onkologische-rekonstruktive Gesichtschirurgie“ in der Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie der Technischen Universität München Klinikum rechts der Isar. Im selben Jahr habilitierte er sich mit einer Arbeit über „Das Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle – innovative diagnostische und rekonstruktive Techniken“. 2011 folgte zur Spezialisierung im Fachgebiet der LKG-Therapie ein Aufenthalt am Department of Maxillo-Facial and Oral Surgery der University of Pretoria (Republik Südafrika), bevor er dann 2011 als leitender Oberarzt an die MKG-Klinik der TU München zurückkehrte. Prof. Kesting ist mit einer Diplom-Sportökonomin verheiratet und hat zwei Söhne im Alter von neun und 16 Jahren. Für seine wissenschaftliche Arbeit erhielt Prof. Kesting zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2015 den Wrigley Prophylaxe Preis der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung, 2012 den Wissenschaftspreis der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie 2011 den Innovationspreis Lehre der TU München.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dr. Marco Kesting
Tel.: 09131 85-33616
marco.kesting@uk-erlangen.de
Bilder zum Download:
http://www.uk-erlangen.de/presse/newsroom/pressemitteilungen/ansicht/detail/neuer-klinikdirektor-moechte-kiefer-und-gesichtsrekonstruktionen-nach-tumorerkrankungen-und-bei-fehlbildungen-vorantreiben/

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29.09.2017 Dem Herzen mit „Hightech-Reiskorn“ auf die Sprünge helfen
uni | mediendienst | forschung Nr. 80/2017

Neueste Technologie bei Herzschwäche nutzt Ultraschall für Impulsübertragung – Erlangen bundesweit zweiter Standort
 
Damit das Herz mit voller Kraft arbeiten kann, bedarf es der perfekten Synchronisation aller Abschnitte der linken Herzkammer. Insbesondere bei Patienten mit Herzschwäche kann sich die Herzleistung durch eine versetzte Taktung – Asynchronie genannt – zusätzlich verschlechtern. Hilfe versprechen sogenannte CRT-Systeme, die ähnlich wie ein Herzschrittmacher implantiert werden und mittels elektrischer Impulse dafür sorgen, dass die Kontraktionen wieder im Einklang sind. Die schwächsten Glieder dieser Technologie waren bisher die Elektroden, die die nötigen Stromimpulse abgeben. Diese Kabel, vom Kardiologen durch die großen Hohlvenen zum Herzen geleitet, können brechen und damit eine weitere Operation nötig machen. Als deutschlandweit zweiter Kardiologe setzt Dr. Martin Arnold, Oberarzt der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Stephan Achenbach) des Universitätsklinikums Erlangen, jetzt ein neues CRT-System ein, das auf der kabellosen Energieübertragung per Ultraschall basiert. Profitieren können vor allem Patienten, die bisher für ein herkömmliches Kabelsystem nicht infrage kamen.
 
CRT – das steht für Cardiac Resynchronization Therapy, also Kardiale Resynchronisationstherapie. Die neueste Weiterentwicklung dieser Technik verspricht, das Risiko defekter Kabel im Herzen zu umgehen, da die Hersteller nun Ultraschall zur Energieübertragung einsetzen. Dr. Arnold aus der Medizin 2 des Uni-Klinikums Erlangen hat bereits zwei Patienten mit einem kabellosen CRT-System versorgt. „Das Gerät besteht aus zwei Teilen“, beschreibt es der Kardiologe. „Der Sender wird wie gewohnt unter die Haut der Brustwand gesetzt. Das Besondere ist der im Herzen liegende Empfänger. Bei herkömmlichen Geräten werden die stromabgebenden Elektroden durch die Venen ins Innere der Herzkammer geleitet. Beim kabellosen System gibt es dagegen eine reiskorngroße Stimulationseinheit, die mit Widerhaken an einer passenden Stelle der linken Herzkammerwand verankert ist.“ Damit der CRT-Sender erkennt, wann die linke Herzkammer stimuliert werden muss, ist ein Herzschrittmacher in der rechten Herzhälfte nötig. Der CRT-Sender erkennt dessen Signale und aktiviert zeitgleich per Ultraschall den kleinen Empfänger in der linken Herzkammer.
 
Eine neue Chance für Patienten
„Die Technologie der kabellosen Übertragung ist völlig neuartig im Vergleich zu den seit Jahren verfügbaren CRT-Systemen“, erklärt Dr. Arnold. „Schön ist vor allem, dass wir mit den neuen Geräten mehr Patienten als bisher helfen können. Dazu gehören diejenigen, bei denen ein normales CRT-System keine Besserung gebracht hat oder bei denen es zu Elektrodenproblemen gekommen war. Zusätzlich kommen jene infrage, die zwar eine Therapie zum Ausgleich ihrer Herzschwäche brauchen, aber etwa wegen des Fehlens passender Zielvenen nicht mit herkömmlichen Systemen versorgt werden konnten. Die Ultraschall-Technik ist dagegen unabhängig von dieser Venenanatomie.“
 
Neben dem Uni-Klinikum Erlangen arbeitet in Deutschland nur noch das Herzzentrum Brandenburg in Bernau mit dem Ultraschall-System. „Natürlich ist das Gerät geprüft und zugelassen. Nun untersuchen wir die Langzeitwirkung und welche Patienten davon am meisten profitieren können“, beschreibt Dr. Arnold die weitere Entwicklung. „Dafür dokumentieren wir jeden Fall wissenschaftlich genau und im klinischen Einsatz.“
 
Weitere Informationen:
Dr. Martin Arnold
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martin.arnold@uk-erlangen.de
 
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28.09.2017 Grundwasserexperten treffen auf Nierenexperten
uni | mediendienst | forschung Nr. 79/2017

Internationale Wissenschaftler untersuchen Wasser als Ursache für chronische Nierenkrankheiten auf Sri Lanka
Auf Sri Lanka treten schwerwiegende Erkrankungen der Nieren auffallend häufig auf. Forscher gehen davon aus, dass die Nierenschäden toxikologische Ursachen haben, wie zum Beispiel verschmutztes Grundwasser. Kommt dieses als Trinkwasser in direkten Kontakt mit den Nieren, können erhebliche Schäden an diesen Organen entstehen. Eine Kooperation deutscher und sri-lankischer Forscher untersucht deshalb nun die Verteilung von Schadstoffen in Wässern. Dabei sind unter anderem Forscher des Lehrstuhls für Angewandte Geologie und der Nephropathologischen Abteilung des Klinikums der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt.

Die FAU-Forscher arbeiten mit Teams der Universität Peradeniya aus Sri Lanka und der Universität Tübingen zusammen. Die Geologen untersuchen dabei auf Sri Lanka die hydrogeologischen Verhältnisse und wie Schwermetalle, wie etwa Arsen und Cadmium, auftreten. Zudem bestimmen sie organische Schadstoffe, so zum Beispiel Pestizide in Wasserkörpern. Parallel beobachten die Erlanger Pathologen und Ärzte des Kandy Teaching Krankenhauses aus Sri Lanka, wie sich die Strukturen und Funktionen der erkrankten Nieren verändern.

Mit dem Projekt wollen die Forscher herausfinden, wie Ursache und Wirkungen der Krankheit und deren Verteilungsmuster zusammenhängen. Die Forschungsergebnisse sollen genutzt werden, um künftig die Verbreitung der Krankheit durch entsprechende Maßnahmen einzudämmen. Auf Basis der Studien sollen Gesundheitsmanagementpläne erstellt werden, die künftig auch auf andere betroffene Gebiet übertragen werden können.

Weitere Informationen:
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Tel.: 09131/85-22621

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25.09.2017 Anpassungsfähig und schnell FAU-Forscher identifizieren die molekularen Mechanismen, die das Immunsystem aktivieren
uni | mediendienst | forschung Nr. 78/2017

Sie regeln das das Immunsystem, können nicht nur Attacken gegen Viren und Bakterien einleiten, sondern auch ungewollte und schädliche Reaktionen des Immunsystems verhindern: dendritische Zellen. Von diesen gibt es eine ganze Reihe verschiedener Unterarten. Unklar war dabei bisher jedoch, wie die einzelnen Unterarten die Reaktionen des Immunsystems einleiten. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten dies nun aufklären. Die Ergebnisse sollen zukünftig helfen, bessere Strategien gegen Infektionen sowie einer Immuntherapie gegen Krebs zu entwickeln. Die Studie wurde jetzt im „Journal of Experimental Medicine“ veröffentlicht.*
 
Bäumchenartige Wachtposten
Das Immunsystem gliedert sich in das angeborene und das adaptive Immunsystem. Während das angeborene Immunsystem in der Lage ist, sofort auf fremde Eindringlinge, wie Viren und Bakterien, zu reagieren, passt sich das adaptive Immunsystem im Laufe des Lebens immer weiter an verschiedene neue Krankheitserreger an. Es ist in der Lage spezifische Antigene von Eindringlingen zu erkennen und gezielt effektive und länger anhaltende Abwehrmechanismen einzuleiten. Hier kommen die dendritischen Zellen zum Einsatz, die mit ihren weitverzweigten Ästen an Baumkronen erinnern und von denen es eine große Anzahl verschiedener Unterarten gibt. Eine ihrer Aufgabe ist es, im Oberflächengewebe des Körpers Wache zu halten. Bei Kontakt mit einem fremden Eindringling, übernehmen sie Informationen von diesem, bauen diese in Antigene um, wandern in den nächsten Lymphknoten und aktivieren dort die T-Zellen, indem sie diesen die Antigene präsentieren.
 
Immer eine passende Antwort
Ein Team von FAU-Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Dr. Diana Dudziak, Professur für Biologie Dendritischer Zellen, Dr. Christian Lehman, Leiter des Labors Biologie Dendritischer Zellen, und Prof. Dr. Falk Nimmerjahn vom Institut für Genetik, hat nun in einer Studie untersucht, wie eine Reihe von sogenannten Fc-Rezeptoren der dendritischen Zellen zur Einleitung von Immunantworten beitragen. Dabei haben die Forscher die Zellen sowohl unter Krankheitsbedingungen wie Entzündungen, als auch im Zustand körperlicher Gesundheit untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Unterarten dendritischer Zellen zu unterschiedlichen Reaktionen entweder durch zytotoxische T-Zellen oder durch Helfer-T-Zellen führen.
 
Beide Zelltypen gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind Teil des adaptiven Immunsystems. Allerdings hatte man bisher angenommen, dass T-Helfer-Zellen helfende Funktion haben und Fresszellen und B-Lymphozyten aktivieren, wobei letztere wiederum Antikörper produzieren. Zytotoxische T-Zellen hingegen erkennen die spezifischen Antigene von mit Viren infizierten Zellen sowie Tumorzellen und bekämpfen diese.
 
Für neue Krebstherapien besonders interessant
Vor allem in der immunologischen Krebstherapie versucht man gezielt Tumoren durch zytotoxische T-Zellen zu bekämpfen. „Allerdings deuten aktuelle Forschungsdaten darauf hin“, erklärt Prof. Dudziak, „dass auch Helfer-T-Zellen an der Bekämpfung von Krebszellen beteiligt sind.“ Daher sei es besonders Interessant gewesen, sagt die Erlanger Forscherin, dass einer der Fc-Rezeptoren, der mit Antigenen beladen wird, gleichzeitig zytotoxische und Helfer-T-Zellen Immunantworten auslösen konnte. „Beziehen wir andere aktuelle Forschungsergebnisse mit ein, deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass zukünftig neue Strategien entwickelt werden müssen, um bessere Immunantworten zu generieren.“
 
Die Ergebnisse der Studie wurden unter dem Titel „Dendritic cell subset specific induction of CD4+ and CD8+ T cell responses upon antigen uptake via activating or inhibitory Fcγ receptors in vivo“ im Journal of Experimental Medicine veröffentlicht. *DOI: https://doi.org/10.1084/jem.20160951
 
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22.09.2017 Laufen für die Krebsforschung Einladung zum 4. Lauf gegen Krebs am 15.10.2017 – Startplätze jetzt sichern
uni | mediendienst | aktuell Nr. 138/2017

 Sich bewegen für den guten Zweck: Das ist am Sonntag, 15. Oktober 2017, beim Benefizlauf im Erlanger Schlossgarten erneut möglich. Zum 4. Lauf gegen Krebs laden das Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport sowie die Onkologie der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen und das Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) ein. Erwartet werden wieder rund 2.000 Hobby-Sportler, die mit ihrer Teilnahme Spendengelder für die Krebsforschung und -prävention sammeln. Eine Anmeldung ist online noch bis Sonntag, 8. Oktober 2017, möglich.
 
Die Spendengelder werden für Forschungsprojekte und Aufklärungsmaßnahmen zu Fragen rund um Ernährung und Sport sowie für sport- und bewegungstherapeutische Programme bei Krebserkrankungen verwendet, die Bürgern aus der Region zugutekommen. In den vergangenen drei Jahren sind bei dieser Benefizveranstaltung insgesamt rund 40.000 Euro zusammengekommen. „Wir danken den vielen Läuferinnen und Läufern, die uns jedes Mal mit so viel Begeisterung unterstützen. Hier steht nicht der sportliche Ehrgeiz im Vordergrund, sondern das kooperative Miteinander und das Bewusstsein, dass man mit gesunder Ernährung und Bewegung etwas gegen Krebs tun kann. Das macht diesen Lauf so besonders“, betonen die Organisatoren um Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Dr. Hans Joachim Herrmann und Prof. Dr. Jürgen Siebler (alle Medizin 1) sowie Helmut Müller und John Stackmann (beide SG Siemens Erlangen).
 
Sport, Bewegung und eine gesunde Ernährung können nicht nur das Risiko für eine Krebserkrankung senken, sie haben auch einen entscheidenden Einfluss auf die Behandlung und die Prognose nach einer Krebstherapie. Mit dem Lauf gegen Krebs möchten die Organisatoren ein Zeichen für die Bedeutung von Bewegung und Ernährung in der Vorsorge und der Therapie einer Krebserkrankung setzen. Schirmherr der Veranstaltung ist Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU Erlangen-Nürnberg.
 
Ausschreibung
Das Programm beginnt am Sonntag, 15. Oktober 2017, um 11.00 Uhr. Nach dem Bambini-Lauf um 12.00 Uhr und dem Lauf für Schüler um 12.30 Uhr werden die jugendlichen und die erwachsenen Hobby-Sportler ab 13.15 Uhr in fünf Gruppen auf die Strecke geschickt. Der vollkommen flache Rundkurs führt ca. 900 m durch den Erlanger Schlossgarten. Start- und Zielbereich befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Erlanger Schloss. Die gelaufenen Runden werden automatisch mittels Transponder-Chip erfasst. Die Startgebühr für den Lauf der Jugendlichen und der Erwachsenen beträgt 5,00 Euro; die Teilnahme an den Bambini- und den Schülerläufen ist kostenfrei.
 
Website des Laufs gegen Krebs mit Link zur Anmeldung: www.laufgegenkrebs.de
Weitere Informationen:
Doris Bittner, Tel.: 09131/85-45218, doris.bittner@uk-erlangen.de
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20.09.2017 Aktiv gegen die Depression-Teilnehmer für dritten Durchgang der Studie „Klettern und Stimmung“ im Raum München und in Erlangen gesucht
uni | mediendienst | aktuell Nr. 136/2017

Der Depression mit Sport entgegenwirken – unter diesem Motto läuft bereits seit Mai 2017 die bundesweite „Studie KuS“ (Klettern und Stimmung). Der Ansatz hat sich bewährt und das Interesse ist ungebrochen – in der Pilotstudie konnte das Team der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) des Universitätsklinikums Erlangen bereits die Wirksamkeit einer Bouldertherapie bei depressiven Patienten in ambulanter Behandlung nachweisen. Nun geht die groß angelegte Studie bereits in die dritte Runde: Im November 2017 starten neue Gruppen. Die kostenlosen Therapieeinheiten unter wissenschaftlicher Begleitung finden in Weyarn bei Holzkirchen und in der Region Erlangen/Fürth/Nürnberg statt. Interessenten sind herzlich zu einem der unverbindlichen Informationsabende in ihrer jeweiligen Stadt eingeladen.

Bouldern ist das Klettern ohne Seil in Absprunghöhe. Bei Depressionen ist es möglich, Bouldern als Therapie einzusetzen – mit unterschiedlichen Zielen: Es kann Menschen zum einen spielerisch helfen, positive Erfahrungen zu sammeln. Zum anderen lernen die Patienten durch die sportliche Betätigung, ihre Grenzen wahrzunehmen, anzuerkennen, aber auch über sich selbst hinauszuwachsen und eigene Erfolge anzuerkennen. Sowohl Probanden der vorangegangenen Studie als auch Teilnehmer der ersten beiden Durchgänge der aktuellen Studie zeigten sich in der Auswertung begeistert vom wertschätzenden Umgang der Therapeuten mit ihnen sowie von der Kameradschaft und dem Vertrauen innerhalb der Gruppe. Zudem berichteten sie, dass KuS ihnen dazu verholfen habe, ihren Alltag wieder besser zu bewältigen und selbstbewusster zu werden. Auch die wissenschaftlichen Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: Wie erwartet zeigte sich in der ersten Studie eine deutliche Verbesserung der depressiven Symptomatik (von einer vormals mittelschweren zu einer leichten Depression) über das Boulderprogramm hinweg, die auch nach Beendigung der Therapie aufrechterhalten werden konnte. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man beim Klettern nicht denken kann – da ist man voll im Hier und Jetzt und auf den nächsten Griff fokussiert“, erläutert PD Dr. Katharina Luttenberger, Diplom-Psychologin und Studienleiterin.

Mit der neuen Studie geht das Team der Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen nun noch einen Schritt weiter und will die Bouldertherapie in größerem Rahmen mit bewährten Depressionsbehandlungen vergleichen. Dazu werden alle Teilnehmer zufällig je einem von drei Therapieangeboten zugeteilt: entweder einer verhaltenstherapeutischen Depressionsbewältigungsgruppe, die dem aktuellen Goldstandard zur Behandlung von Depressionen entspricht, der bereits erwähnten Bouldertherapie oder einem allgemeinen sportlichen Aktivierungsprogramm. Probanden aus der letzten Gruppe erhalten nach zehn Wochen ebenfalls Zugang zur Bouldertherapiegruppe. So profitieren alle Teilnehmer von den Gruppenangeboten, die auch klassische Therapieelemente wie das Achtsamkeitstraining und Entspannungsübungen enthalten. Mit Start des dritten Durchgangs haben alle, die bisher keine Möglichkeit zur Teilnahme hatten, noch einmal die Chance, die Wirkungen der Bouldertherapie für sich auszuprobieren.


Einladung zu Informationsveranstaltungen

Interessierte und ihre Angehörigen sind herzlich eingeladen, sich an einem der Termine in ihrer Stadt über die Studie KuS zu informieren, das Studienteam kennenzulernen und sich auf Wunsch gleich für die Teilnahme registrieren zu lassen.
Raum München (Weyarn)

Freitag, 29.09.2017, um 17.00 Uhr,
Dienstag, 10.10.2017, um 18.00 Uhr oder
Dienstag, 24.10.2017, um 18.00 Uhr
im Bürgergewölbe Weyarn, J.-B.-Zimmermann-Str. 5, 83629 Weyarn
Erlangen
Montag, 09.10.2017, oder Montag, 23.10.2017, jeweils um 16.30 Uhr in der Schwabachanlage 10, 91054 Erlangen, im 1. Stock des Sandsteinhauses neben den Kopfkliniken: Bitte folgen Sie den Hinweisschildern.


Termine für die Gruppentherapien

Alle Gruppentherapien starten Mitte November 2017 und dauern insgesamt zehn Wochen.

Raum München (Weyarn)

Start am 13. November 2017, immer montags von 17.00 bis 19.00 Uhr, entweder im Kletter- und Boulderzentrum „KletterZ“ in Weyarn oder im Bürgergewölbe Weyarn.

Erlangen

Start am 14. November 2017, immer dienstags von 16.30 bis 18.30 Uhr, entweder in der Boulderhalle „Der Steinbock“ in Zirndorf oder in den Kopfkliniken des Uni-Klinikums Erlangen.



Dokumentation und Finanzierung

Die Protokollierung der Ergebnisse erfolgt durch Telefoninterviews mit den Probanden. Selbstverständlich werden die Angaben streng vertraulich behandelt. Die Studienteilnahme ist für alle zugelassenen Teilnehmer kostenlos. Finanziert wird die Studie von der OH-DO-KWAN Stiftung Ludmilla Pankofer und Carl Wiedmeier.
Ausführliche Informationen finden Sie unter: www.studiekus.de
Weitere Informationen:
PD Dr. Katharina Luttenberger
Telefon: 09131 85-34650
studiekus.psych@uk-erlangen.de
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19.09.2017 Symposium der zentral- und osteuropäischen Ärztekammern (ZEVA) - „Gewalt gegen Ärzte“: Ärztekammern aus Mittel- und Osteuropa verabschieden gemeinsame Resolution
Pressemeldung der Bundärztekammer

Berlin, 19.09.2017 – Gewalt gegen Ärzte und andere Angehörige von Gesundheitsberufen entwickelt sich auch in den Ländern Mittel- und Osteuropas zu einem immer größeren Problem. Dies stellten Vertreter der mittel- und osteuropäischen Ärztekammern bei ihrem diesjährigen Treffen vom 15. bis 16. September im slowenischen Ljubljana fest. Alle teilnehmenden Ärztekammern suchen nach Wegen, der wachsenden Gewalt zu begegnen und die Öffentlichkeit für das Thema zu
sensibilisieren. „Die Gewaltbereitschaft steigt. Daher ist es notwendig, dass wir in der Gesellschaft ein Bewusstsein für dieses Problem schaffen. Die Sicherheit der Ärzte ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung“, betonte Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundesärztekammer, bei dem Treffen.
Dies unterstrichen die Ärztekammern in ihrer gemeinsamen Resolution. Sie fordern darin eine Null-Toleranz-Politik bei Gewalt gegen Ärzte, flankiert von einer entsprechenden Gesetzgebung auf nationaler und europäischer Ebene. Neben nationalen Meldesystemen sollten Pläne entwickelt werden, wie Gewalt in den Gesundheitseinrichtungen begegnet werden kann. Polizei, Staatsanwalt-schaft, Gerichte und Krankenhausverwaltungen müssen die Vorfälle ernst nehmen und Ärzte
besser für solche Situationen geschult werden, fordern die Ärztekammern. Letztendlich gehe es um das Recht des Einzelnen auf einen sicheren Arbeitsplatz.
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Darüber hinaus wurden bei dem Treffen auch die neuesten Entwicklungen in der Fort- und Weiterbildung, Fragen der Anerkennung von ärztlicher Tätigkeit jenseits von Fachgebietsgrenzen sowie Ansätze der Qualitätssicherung in Mittel- und Osteuropa diskutiert.
Link zur Resolution: http://www.medical-chambers.org/documents/Resolutiononviolence-ZEVA-2017.pdf
Webseite der zentral- und osteuropäischen Ärztekammern (ZEVA): www.medical-chambers.org
Pressemitteilung
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15.09.2017 Totalausfall im Gehirn-FAU-Forscher untersuchen, was passiert, wenn Nervenzellen ausfallen
uni | mediendienst | forschung Nr. 75/2017

Schlaganfälle sind nur eine von vielen Krankheiten, bei denen die Kommunikation zwischen Nervenzellen unterbrochen wird. Auch bei Erkrankungen wie Depressionen und Demenzen finden Mikroausfälle im Gehirn statt. Meist kehrt die Funktion nach einiger Zeit wieder zurück, doch es bleiben oft Folgeschäden, sodass die Funktionsfähigkeit, wenn überhaupt, nur durch langwierige Behandlungen wiederhergestellt werden kann. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben deshalb untersucht, was während dieser Unterbrechungsphase passiert und welche Wege es gibt, um bleibende Schäden zu verhindern oder die Heilung zu beschleunigen. Ihre Erkenntnisse haben sie in der renommierten Fachzeitschrift Scientific Reports (doi: 10.1038/s41598-017-11729-5) veröffentlicht.
Die Forscher um Jana Wrosch vom Lehrstuhl für Psychiatrie und Psychotherapie der FAU haben festgestellt, dass während der blockierten Kommunikation starke Veränderungsprozesse in den Nervenzellen ablaufen. Die Nervenzellen-Netzwerke werden während der Unterbrechung neu vernetzt und hypersensitiv. Wenn die normalen Kommunikations-Autobahnen blockiert sind, gibt es im Gehirn ein Verkehrschaos, bei dem die Informationen ungeordnet über verzweigte Nebenstraßen und neue Trampelpfade umgeleitet werden. Überall werden Synapsen neu geschaffen und in Betrieb genommen. Wenn das Signal zurückkehrt, gibt es keine geordneten Informationsrouten mehr und die Funktionen müssen wie bei einem Kind neu gelernt werden. Weil die normalen Signale während der Unterbrechung fehlen, versuchen die Nervenzellen zusätzlich durch erhöhte Sensibilität ihren Input wiederzufinden. Wenn die Signale dann wiederkehren, kann es zu einer Überreaktion der Nervenzellen kommen.

Farbstoff lässt Nervenzellen blinken

Eine technische Herausforderung ist es, die mikroskopisch kleinen Verbindungen zwischen den Nervenzellen sichtbar zu machen. Bisher gängige Mikroskopieverfahren wie Elektronenmikroskopie erfordern immer eine Vorbehandlung der Nervenzellen, die untersucht werden. Dabei sterben die Nervenzellen ab und die Veränderungsprozesse der Zellen können nicht beobachtet werden. Das Team um Wrosch entwickelte deshalb ein High-Speed-Mikroskopie-Verfahren und eine spezielle statistische Rechensoftware, die es ermöglicht, die Kommunikationsnetzwerke lebender Nervenzellen sichtbar zu machen. Dafür wird von den Zellen ein Video aufgenommen, bei dem alle 36 Millisekunden ein Bild gemacht wird. Ein spezieller Farbstoff sorgt dabei dafür, dass einzelne Zellen immer dann aufblinken, wenn sie gerade ein Signal erhalten haben. Anschließend erkennt die entwickelte Software auf den Videobildern diese Zellen und ermittelt die Informationswege, über die Signale von Zelle zu Zelle weitergegeben werden.

Die Nervenzellen wurden mit dem Kugelfischgift Tetrodotoxin behandelt, um die Kommunikationsblockaden, die bei Krankheiten auftreten, im Labor zu simulieren. Nach unterschiedlich langen Blockadephasen entfernten die Forscher das Gift von den Zellen und konnten analysieren, wie sich die Nervenzellen-Netzwerke durch die Behandlung verändert haben. „Mit diesen Experimenten können wir endlich sichtbar machen, was während der Kommunikations-Blockade vor sich geht,“ berichtet Wrosch. „Nun können wir versuchen, Medikamente zu entwickeln, die diese schadhaften Veränderungen verhindern.“ In den nächsten Projekten konzentriert sich das Forscher-Team nun auf die genaue Wirkweise von Antidepressiva auf die Nervenzellen-Netzwerke und versucht, neue Ansätze für bessere Medikamente zu finden.

Weitere Informationen:

Jana Katharina Wrosch
Tel.: 09131/85-44294
Jana.Wrosch@uk-erlangen.de
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14.09.2017 Der Zusammenhang von Schmerz und erfolgreicher Therapie bei Morbus Crohn
uni | mediendienst | aktuell Nr. 135/2017

FAU-Forscher untersuchen Faktor, der möglichen Therapieerfolg schon im Vorfeld anzeigen könnte
Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut, die oftmals mit starken Schmerzen im Bauchbereich verbunden ist. Die moderne Anti-TNF-Antikörper-Therapie stellt für manchen Betroffenen eine sehr gute Behandlungsoption dar, da bei dieser nach kurzer Zeit die Bauchschmerzen merklich nachlassen können. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) möchten in einem Projekt nun untersuchen, ob sich die verbesserte Schmerzsymptomatik auch auf die Ruhefunktion des Gehirns auswirkt und damit eine Variable darstellt, die eine Aussage über zukünftige Therapieerfolge möglich macht. Das Projekt wird von der Doktor Robert Pfleger-Stiftung mit 47.000 Euro gefördert.
 
Antikörpertherapie lindert schmerzhafte Entzündung
Morbus Crohn ist eine chronische Erkrankung, die zu  Entzündungen der Schleimhaut des gesamten Verdauungstraktes führen kann. Häufig tritt sie im Bereich des  Dünn- und Dickdarms auf und kann dabei unterschiedliche Abschnitte des Darms befallen, die von gesunden Bereichen unterbrochen sind. Es kann unter anderem zu gefährlichen Darmverschlüssen,  Fisteln oder Abszessen kommen. Viele Faktoren,  die bei der Entstehung, Entwicklung und Beeinflussung der Krankheit beteiligt sind, sind nach wie vor Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. 
 
Die anti-TNF-Antikörper-Therapie stellt für manchen Betroffenen eine aussichtsreiche Möglichkeit zur Behandlung dar. Der Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) ist ein körpereigener Signalstoff, der häufig an krankhaften Entzündungen beteiligt ist, so auch bei Morbus Crohn. Erkrankte mit anti-TNF-Antikörpern zu behandeln, hat sich deshalb  als eine mögliche Therapieoption bewährt. Neben verschiedensten Symptomen geht die Krankheit vor allem auch mit starken Bauchschmerzen einher. Bei denjenigen, die auf eine anti-TNF-Antikörpertherapie reagieren, ließ sich beobachten, dass die Schmerzsymptome innerhalb weniger Tage nachlassen können. 
 
Prof. Dr. Andreas Hess vom Institut für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie der FAU, Prof. Dr. Raja Atreya, Leiter des Schwerpunkts chronisch entzündliche Darmerkrankungen der Medizinischen Klinik 1  des Universitätsklinikums der FAU sowie Prof. Dr. Arnd Dörfler, Leiter der Neuroradiologischen Abteilung des Universitätsklinikums der FAU, möchten diese Beobachtung genauer untersuchen. Die Dr. Robert Pfleger-Stiftung hat den Erlanger Wissenschaftlern dafür nun 47.000 Euro zur Verfügung gestellt. Das Projekt soll über ein Jahr laufen.  Mittels funktioneller MRT-Bildgebung wollen die Forscher herausfinden, ob sich diese verbesserte Schmerzsymptomatik auch auf die normale Gehirnfunktion im Ruhezustand auswirkt und ob sich damit, als einem von mehreren Faktoren, zukünftig generell besser voraussagen lassen wird, ob die anti-TNF-Antikörper-Therapie individuell erfolgreich verläuft.
 
Weitere Information:
Prof. Dr. Andreas Hess, Tel.: 09131/85-22003, andreas.hess@fau.de
Prof. Raja Atreya, Tel.: 09131/85-35115, raja.atreya@uk-erlangen.de
Prof. Dr. Arnd Dörfler, Tel.: 09131/85-39388, arnd.doerfler@uk-erlangen.de

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14.09.2017 Einladung Pressekonferenz zum 76. Bayerischer Ärztetag, vom 20. bis 22. Oktober 2017 in Rosenheim
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Vor-Pressekonferenz am Dienstag, 17. Oktober 2017, um 11.00 Uhr im PresseClub München
Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich lade ich Sie zu Pressekonferenz, Auftaktveranstaltung und Arbeitstagung anlässlich des 76. Bayerischen Ärztetages der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), der vom 20. bis 22. Oktober 2017 in Rosenheim stattfindet, ein.

Der 76. Bayerische Ärztetag wird am Freitag, den 20. Oktober 2017, um 18.30 Uhr im KULTUR+KONGRESS ZENTRUM Rosenheim (KUʼKO), Kufsteiner Straße 4, 83022 Rosenheim, eröffnet. Universitäts-Professor Dr. med. univ. Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien, spricht über „Medizinstudium am Turning Point“.

Die Arbeitstagung befasst sich mit der aktuellen Sozial-, Gesundheits- und Berufspolitik, dem Tätigkeitsbericht und den Finanzen der BLÄK, Fragen der Weiterbildungs- und Berufsordnung sowie der ärztlichen Fortbildung.

Der Bayerische Ärztetag ist die Delegiertenversammlung der BLÄK. Die ärztlichen Kreis- und Bezirksverbände sowie die medizinischen Fakultäten der sechs Landesuniversitäten entsenden insgesamt 180 Delegierte zu der mindestens einmal im Jahr tagenden Versammlung.

Wir möchten Sie schon heute auf zwei Pressetermine hinweisen:
Vor-Pressekonferenz in München

» Dienstag, 17. Oktober 2017, um 11.00 Uhr,

PresseClub München, Marienplatz 22/IV (Eingang Rindermarkt), 80331 München

Pressegespräch in Rosenheim

» Freitag, 20. Oktober 2017, um 11.00 Uhr,

KULTUR+KONGRESS ZENTRUM Rosenheim (KUʼKO), Kufsteiner Straße 4, 83022 Rosenheim, Raum München
Eine detaillierte Einladung erhalten Sie Anfang Oktober.

Mit freundlichen Grüßen
Dagmar Nedbal
Leiterin der Pressestelle,
Bayerisches Ärzteblatt und Internet
Bayerische Landesärztekammer
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: +49 89 4147-714
Fax: +49 89 4147-713
E-Mail: presse@blaek.de
Internet: www.blaek.de oder www.bayerisches-aerzteblatt.de
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14. 09.2017 Wie sage ich es meinen Patienten?
Pressemelduing der Bayerischen Landesärztekammer

„Kommunikation ist eine Schlüsselqualifikation für Ärztinnen und Ärzte, deren Bedeutung häufig unterschätzt wird“, erklärt Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), anlässlich des Tages der Patientensicherheit am 17. September 2017. Dieser Aktionstag ist dem Thema Kommunikation im Gesundheitswesen gewidmet. Das Motto „Wenn Schweigen gefährlich ist“ soll alle Beteiligten für eine konstruktive, transparente und faire Kommunikation sensibilisieren. Eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation sei von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Behandlung. Sie helfe, die richtige Diagnose zu stellen, die passende Therapie zu finden und erfolgreich durchzuführen. Ärztinnen und Ärzte führen jeden Tag viele Gespräche mit ihren Patienten, nicht selten müssen dabei auch schlechte Nachrichten überbracht werden. Gerade in solchen Situationen sei eine intensive Kommunikation wichtig, denn schnell könnten Sorgen und Ängste entstehen.

„Ein gutes Training der kommunikativen Kompetenzen in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung ist wichtig und sollte nicht als lästige Pflichtübung abgetan werden“, meint Rechl. Ziel sei in seinen Augen, dass alle an der Patientenversorgung Beteiligten untereinander und mit Patienten und deren Angehörigen gut kommunizieren. Dazu sei es notwendig, Gespräche auf Augenhöhe zu führen und gut zuzuhören. Man sollte sich in die Welt des Patienten versetzen und auf das medizinische Wissen des Gegenübers Rücksicht nehmen. „Wer mit für den Empfänger unverständlichen Fachausdrücken um sich wirft muss sich nicht wundern, wenn die Kommunikation schief geht“, ist Rechl überzeugt. Ein Problem sei allerdings der Zeitdruck im ärztlichen Alltag. Häufig würde man sich gerne mehr Zeit für das Gespräch mit dem Patienten nehmen, aber der nächste Patient warte bereits. Hier könnten auch die Patienten einen Beitrag leisten, indem sie sich vorbereiteten und Fragen an den Arzt schon vorab aufschrieben. Drücke sich ein Arzt unverständlich aus, sollte der Patient nachfragen. Ganz wichtig sei der Gesprächsabschluss: Hier gehöre geklärt, ob es noch Unklarheiten gebe und wie es weitergehe. Durch mehr Verständlichkeit steige schlussendlich auch die Mitarbeit und Kooperation des Patienten.
Pressestelle  Bayerische Landesärztekammer
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de

05.09.2017 Liberté, égalité, fraternité
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Ende des Monats stehen die Bundestagswahlen an, der Wahlkampf ist in vollem Gange, die Wahlprogramme, die Regierungsprogramme der einzelnen Parteien sind veröffentlicht. An oberster Stelle der gesundheitspolitischen Diskussion steht derzeit die Finanzierung des Gesundheitswesens, also Bürgerversicherung oder Erhalt des Zweisäulenmodells aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung“, schreibt Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) in der Ausgabe # 9 des Bayerischen Ärzteblattes. Das Ganze werde verbunden mit einer Gerechtigkeitsdebatte, die nicht gerechtfertigt sei, denn in keinem anderen Land der Welt hätten Patientinnen und Patienten einen so niederschwelligen Zugang zu allen Gesundheitsleistungen wie in Deutschland. Vielmehr handele es sich um eine Gleichheitsdiskussion, jedoch auf Kosten des Zugangs, des Leistungsumfangs und der Qualität der medizinischen Versorgung.

Die Schlagworte Gleichheit und Gerechtigkeit erinnern den Präsidenten an die Forderung der Französischen Revolution: „liberté, égalité, fraternité“.

„Ersetzen wir 'égalité‘ mit ‚equity‘, dann könnten wir diese Forderung auch für die Weiterentwicklung unseres Gesundheitssystems und als Wahlprüfsteine für die anstehenden Bundestagswahlen wählen“, so Kaplan. „Fraternité“ bedeute im Gesundheitswesen Solidarität: Eine Solidarität innerhalb der Gesundheitsberufe, was letztendlich eine engere Kooperation bedeute, die notwendig sei, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden, aber auch eine Solidarität in der Versichertengemeinschaft und eine Solidarität innerhalb der gesamten Gesellschaft, wobei Solidarität ohne Subsidiarität nicht funktioniere. Schließlich kommt Bayerns Ärzte-Chef noch zur „liberté“, zur Freiheit, wobei Kaplan hier den Erhalt des freien Berufes und der Freiberuflichkeit in der Gesundheitsversorgung einfordert. Mit der freien Berufsausübung, der Leisungsungebundenheit und der professionellen Autonomie verbindet Kaplan auch die Forderung nach einer handlungsfähigen ärztlichen Selbstverwaltung. Dies ist auch ein ganz entscheidender Faktor um die Qualität und die Professionalität des Arztberufs zu sichern. Gleichzeitig ist es auch ein Garant dafür, den ärztlichen Sachverstand in die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens einzubringen.

„Gerade in der Phase der Koalitionsverhandlungen nach der Wahl werden wir unsere ärztliche Expertise einbringen und unsere Forderungen mit Nachdruck artikulieren“, so der Präsident.

Mehr zu „Liberté, égalité, fraternité“ lesen Sie in der Ausgabe 9/2017 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.

Pressestelle

30.08.2017 Online gegen Depressionen
uni | mediendienst | forschung Nr. 73/2017

FAU-Forscher entwickeln zahlreiche Online- und Smartphone-Trainings, um die psychische Gesundheit zu stärken

Etwa 15 Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer in Deutschland erkranken einmal im Leben an einer Depression. Behandlungen, die auf Internet und Smartphones basieren, sollen dabei helfen, der Krankheit vorzubeugen und besser mit ihr umzugehen. Für ihre Forschung an diesem Thema sind nun Dr. David Ebert und Claudia Buntrock vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) von der European Federation of Psychologists‘ Association und der Deutschen Gesellschaft für Psychologie ausgezeichnet worden.

Betroffene überwinden ihre Beschwerden selbständig

Das Projekt GET.ON ist eine Zusammenarbeit der FAU und der Leuphana Universität Lüneburg. Die Vielfältigkeit psychischer Erkrankungen wird in über 15 Online-Programmen berücksichtigt, die den Teilnehmenden dabei helfen, ihre psychische Gesundheit zu stärken und mit chronischen Erkrankungen richtig umzugehen. Das Ziel aller Online-Trainings ist es, Betroffene über das Internet dabei zu unterstützten, ihre psychischen und psychosomatischen Symptome zu bewältigen oder diesen präventiv entgegenzuwirken. Im Verlauf der Programme sollen die Betroffenen ihre Beschwerden schließlich selbständig überwinden können.

Die einzelnen Programme von GET.ON richten sich zum Beispiel an Menschen mit Stressproblemen, andauernder Niedergeschlagenheit, Sorgen, ersten Anzeichen von Depression oder Schlafproblemen. Weitere Trainings sprechen Menschen an, die mit Panikattacken, Selbstkritik oder Alkoholproblemen zu kämpfen haben. Die Trainings greifen dabei auf verhaltenstherapeutische Maßnahmen zurück. So werden zum Beispiel positive Aktivitäten verstärkt und die Teilnehmenden lernen Strategien, um Ängste zu überwinden, indem sie systematisch und angeleitet die Konfrontation damit suchen.

Gegenüber der klassischen Therapie in einer Praxis sind Internet-basierte Programme zeit- und ortsunabhängig und können dann absolviert werden, wenn es am besten in den eigenen Tagesablauf passt. Zudem bieten die Trainings den Teilnehmenden Anonymität, wodurch die Betroffenen eine geringere Hemmschwelle haben, Angebote überhaupt erst wahrzunehmen. Für seine Arbeiten in diesem Bereich wurde David Ebert nun mit dem Comenius Early Career Psychologist Award als vielversprechendster Europäischer Nachwuchswissenschaftler der Psychologie ausgezeichnet.

Depressive Erkrankung kann besser verhindert werden

Im Rahmen eines dieser Projekte untersuchte Claudia Buntrock, ob durch das Online-Training GET.ON Stimmung das Risiko, an einer Depression zu erkranken, gesenkt werden kann. Das Training richtet sich an Erwachsene, die an unterschwelligen depressiven Symptomen leiden und einen Leidensdruck verspüren. Dies spricht zum Beispiel Menschen an, die sich traurig oder depressiv verstimmt fühlen, ihre Lebensfreude vermissen, den Kopf voller Grübelgedanken haben oder denen die Energie fehlt, etwas zu unternehmen.

GET.ON Stimmung besteht aus sechs Übungseinheiten und die Teilnehmenden bearbeiten pro Woche ein bis zwei Einheiten. Dabei werden sie online von E-Coaches durch ein individualisiertes Feedback unterstützt. Für die Studie untersuchte das Forscherteam 406 Personen, die mit einer Referenzgruppe ohne Online-Training verglichen wurden. Das Ergebnis zeigt, dass der Großteil der Teilnehmer substantiell das Wohlbefinden stärken konnte und dass sich durch die Teilnahme die Entwicklung einer depressiven Erkrankung erfolgreich verhindern lässt. Für das abgeschlossene Projekt wurde Claudia Buntrock nun von der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) mit dem Förderpreis für junge Wissenschaftlerinnen ausgezeichnet.

Das Online-Training wird nun in verschiedenen Kooperationen fortgeführt. So untersuchen die Wissenschaftler, ob sich das Programm auch auf Herz- bzw. Tumorpatienten mit depressiven Beschwerden oder auf Betroffene mit Depression und chronischen Schmerzen übertragen lässt. Zudem überprüfen sie, wie präventiv bei Kindern eingegriffen werden kann, deren Eltern unter psychischen Störungen leiden.

Interessierte, die kostenfrei an einem der zahlreichen Online-basierten Gesundheitstrainings der FAU teilnehmen möchten, können sich unter www.geton-training.de anmelden.

Weitere Informationen:
Dr. David Ebert
Tel.: 09131/85-67566
david.ebert@fau.de

Claudia Buntrock
Tel.: 09131/85-67568
claudia.buntrock@fau.de
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15. 08. 2017 Speiseröhre unter Strom - Mithilfe eines Schrittmachers bringen Erlanger Chirurgen erstmals eine teilgelähmte Speiseröhre wieder in Bewegung
uni | mediendienst | aktuell Nr. 128/2017

Eine Speiseröhre, die sich nicht richtig bewegt – das kommt selten vor, mindert die Lebensqualität der Betroffenen aber erheblich. Die heute 73-jährige Noufa Abou Zahet litt drei Jahre lang unter einer unklaren Bewegungsstörung der Speiseröhre (Ösophagusmotilitätsstörung). Der untere Abschnitt des Hohlorgans war steif und konnte die Muskelbewegungen, die eigentlich den Nahrungsbrei in den Magen transportieren, nicht mehr ausführen. Noufa Abou Zahet erbrach alles, was sie aß. Sie nahm fast 30 Kilogramm ab, bis sie schließlich Anfang 2017 vier Monate lang künstlich ernährt werden musste. Moustafa Elshafei von der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) implantierte der Patientin jetzt einen Ösophagusschrittmacher. Das kleine Gerät, das aussieht wie ein Herzschrittmacher, regt die Speiseröhre wieder zur vollen Beweglichkeit an und gibt Noufa Abou Zahet ihre frühere Lebensqualität zurück. Der risikoarme, minimalinvasive Eingriff wurde am Uni-Klinikum Erlangen erstmals durchgeführt.

Noufa Abou Zahet hatte sich ursprünglich in der interdisziplinären Magen-Sprechstunde des Uni-Klinikums Erlangen vorgestellt, weil sie keine feste Nahrung bei sich behalten konnte und zusätzlich über Reflux klagte, also den Rückfluss von Nahrung in die Speiseröhre sowie den Rachen- und Mundraum. Bei umfassenden Untersuchungen – Manometrie, Gastroskopie, Computertomografie des Abdomens und Ösophagusbreischluck – stellten die Chirurgen bei der 73-Jährigen neben der Ösophagusmotilitätsstörung auch eine Hiatushernie fest. „Dieser Bruch im Zwerchfell verhindert, dass der Speiseröhren-Schließmuskel sich korrekt und vollständig schließt. So kann immer wieder Magensäure in die Speiseröhre fließen“, erklärt Moustafa Elshafei. Angesichts der schwerwiegenden Diagnose empfahlen die Chirurgen der Patientin die Implantation eines Ösophagusschrittmachers. „Als Alternative blieb nur die Entfernung der Speiseröhre. Das wollten wir der Patientin ersparen“, sagt Prof. Grützmann. Über drei kleine, je einen Zentimeter lange Bauchschnitte implantierte Moustafa Elshafei den Schrittmacher im Bauchraum von Noufa Abou Zahet und verband ihn mit zwei Elektroden in der Außenwand der Speiseröhre. Seitdem gibt der Schrittmacher kontinuierlich elektrische Impulse ab. „Die Stärke und die Frequenz der Stromimpulse stellen wir mit einem kleinen Kästchen ein, das nach der Operation einfach auf die Bauchdecke gelegt wird“, sagt der behandelnde Chirurg. „So können wir den Schrittmacher auch bei Nachuntersuchungen jederzeit neu justieren.“ Die Schlüsselloch-OP zum Einsetzen des Schrittmachers dauert etwa 60 Minuten. „Wir erzielen damit schnelle Ergebnisse – nach oft vielen Jahren des Leidens. Die OP wird minimalinvasiv durchgeführt, sodass sich die Patienten schnell wieder erholen“, erläutert Moustafa Elshafei. Weil keine großen anatomischen Veränderungen im Körper vorgenommen werden, ist die Operation sehr risikoarm. Bis das Essen nach dem Eingriff wieder ganz normal funktioniert, können bis zu drei Monate vergehen. Bei Noufa Abou Zahet ist bereits nach vier Wochen wieder fast alles wie vorher: „Schon nach sechs Tagen habe ich das erste Käsebrötchen gegessen“, freut sie sich. Mindestens zehn Jahre kann der Schrittmacher nun in Noufa Abou Zahets Bauch verbleiben. „Es besteht sogar die Hoffnung, dass sich die dauerhaft stimulierten Nerven regenerieren und die Patientin vielleicht irgendwann wieder ohne das Gerät leben kann“, erklärt Moustafa Elshafei.



Behandlung der Refluxkrankheit

Neben den seltenen Ösophagusbewegungsstörungen wie bei Noufa Abou Zahet sehen die Erlanger Chirurgen heute oft Speiseröhrenerkrankungen, die auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen sind. „Schlechte Ernährungsgewohnheiten, Bewegungsmangel und Adipositas sind die Hauptursachen für die Refluxkrankheit“, führt Moustafa Elshafei aus. Bei der häufigsten gutartigen Erkrankung des oberen Gastrointestinaltrakts in den westlichen Industrieländern wird das „Ventil“ am Ausgang der Speiseröhre undicht, sodass der saure Mageninhalt übermäßig stark in die Speiseröhre sowie den Rachen- und Mundraum zurückfließt. Der Reflux zeigt sich zunächst durch Sodbrennen und kann im Verlauf auch saures Aufstoßen, ein Brennen im Brustkorb, Halsschmerzen, Heiserkeit und Reizhusten hervorrufen. Im schlimmsten Fall führt Reflux zu Krebsvorstufen in der Speiseröhre (Barrett-Syndrom) oder zu einem Ösophaguskarzinom. Oft nehmen Betroffene über Jahre hinweg Protonenpumpenhemmer (PPI), die die Bildung von Magensäure unterdrücken sollen. Helfen die Medikamente nicht und haben die Patienten dauerhaft Beschwerden, kann auch ihnen ein Ösophagusschrittmacher helfen. Die am Speiseröhrenausgang ankommenden elektrischen Impulse stärken das Anti-Reflux-Ventil und dichten den Schließmuskel wieder ab. „Mit dem Ösophagusschrittmacher steht uns am Uni-Klinikum Erlangen die derzeit modernste Therapie auf diesem Gebiet zur Verfügung“, sagt Robert Grützmann. Daneben bieten die Erlanger Chirurgen auch alle anderen Verfahren der Refluxchirurgie an: von laparoskopischen über minimalinvasive Techniken bis hin zu Eingriffen mit dem Da-Vinci-OP-Roboter. Patienten mit Magen- und Speiseröhrenbeschwerden können sich in der Sprechstunde „Erkrankungen des Magens und der Speiseröhre“ der Chirurgie vorstellen, in der Oberarzt Dr. Christian Krautz und Moustafa Elshafei gemeinsam Patienten betreuen (Tel.: 09141 85-33368, Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 16.00 Uhr und Freitag von 7.30 bis 14.00 Uhr).

Weitere Informationen:
Moustafa Elshafei
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moustafa.elshafei@uk-erlangen.de
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11. 08. 2017 Ein Herz aus Spinnenseide Forscher aus Erlangen und Bayreuth untersuchen Spinnenseidenprotein zur Herstellung von künstlichem Herzgewebe
uni | mediendienst | forschung Nr. 66/2017

Trotz erheblicher Fortschritte Herzschäden vorzubeugen und zu minimieren, leiden immer mehr Menschen an Herzinsuffizienz. Die Hauptursache für solch eine verminderte Herzfunktion ist der irreversible Verlust von Herzmuskelzellen durch Herzerkrankungen, vor allem ischämischer Erkrankungen wie dem Herzinfarkt. Zurzeit gibt es keine Therapie, die einen solchen Schaden umkehren kann. Die Forschung hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, Therapien zu entwickeln, die diese Schäden beseitigen und so die Herzfunktion wieder normalisieren. Ein vielversprechender Weg: Herzmuskelgewebe aus Spinnenseide. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit ihren Kollegen der Universität Bayreuth untersucht, inwieweit sich solch ein künstlich im Labor entwickeltes Seidenprotein für die Produktion von Herzgewebe eignet. Ihre Ergebnisse veröffentlichten diese in der Zeitschrift Advanced Functional Materials.
 
Konstruierte Seidenproteine
Der Schlüssel zu künstlichem Herzgewebe könnte Seide sein. Oder vielmehr das Protein, das der Seide ihre Struktur und mechanische Festigkeit verleiht: Fibroin. Prof. Dr. Felix Engel aus der Nephropathologischen Abteilung des Universitätsklinikums der FAU hatte die Eigenschaften der Seide des Indischen Seidenspinners untersucht und gezeigt, dass es sich besonders als Gerüstmaterial eignet,  um Herzgewebe herzustellen. Bisher war es aber nicht möglich, das Protein in ausreichender Menge und gleichbleibender Qualität herzustellen. Seinem Kollegen, Prof. Dr. Thomas Scheibel, Inhaber des Lehrstuhls für Biomaterialien an der Universität Bayreuth ist es jedoch gelungen, ein rekombiniertes Seidenprotein der Gartenkreuzspinne mithilfe von E. coli Bakterien in der gewünschten größeren Menge und hohen gleichbleibenden Qualität herzustellen. Deshalb haben sich die beiden  Forscher zusammengetan und die Proteine der Seide der Kreuzspinne weiter untersucht.
 
Interaktion von Herzzellen und künstlichen Seidenproteinen
Jana Petzold aus dem Erlanger Team von Prof. Engel und Tamara Aigner aus Prof. Scheibels Bayreuther Arbeitsgruppe untersuchten nun gemeinsam, wie gut sich das im Labor konstruierte Seidenprotein eADF4(t16) für die Herstellung von Herzgewebe nutzen lässt. Hierfür brachten sie einen dünnen Film des Seidenproteins auf einen Glasträger auf. Die Idee: Zellen, deren Oberflächen negativ geladen sind, haften auf Filmen aus eADF4(b16), da dieses positiv geladen ist. Petzold und Aigner hatten versucht, neben den Herzmuskelzellen verschiedene andere Zellen, wie Bindegewebszellen oder Blutgefäßzellen, auf dem Film aufzubringen, was bei allen gut gelang.
 
Besonderes Augenmerk hatten sie bei ihrer Untersuchung auf die Funktion der Herzmuskelzellen gelegt. Diese verglichen sie mit solchen, die auf einem Film aus Fibronektin aufgebracht worden waren, welches der natürlichen Umgebung von Herzmuskelzellen ähnelt. Dabei ließen sich keinerlei funktionellen Unterschiede zwischen diesen beobachten.  So konnten die Wissenschaftlerinnen beispielsweise nachweisen, dass  die für die Hypertrophie, also der Vergrößerung von  Herzmuskelzellen zum Beispiel bei Sportlern oder Schwangeren, verantwortlichen Faktoren auch zu einem Volumenwachstum bei den Herzmuskelzellen führen, die auf eADF4(i16)-Film gezüchtet worden waren.
 
Die Arbeit der Erlanger und Bayreuther Wissenschaftler sowie die Möglichkeiten künstliche Seidenproteine im 3D-Verfahren zu drucken, bergen somit die ersten Schritte in Richtung künftiger Verfahren zur Produktion funktionellen Herzgewebes.
 
Ihre Erkenntnisse haben die Forscherinnen und Forscher unter dem Titel „Surface features of recombinant spider silk protein eADF4(I16)-made materials are well-suited for cardiac tissue engineering“ in der Zeitschrift Advanced Functional Materials veröffentlicht (DOI: 10.1002/ adfm.201701427).
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Felix Engel
Tel.: 09131/85-25699
felix.engel@fau.de
 
Prof. Dr. Thomas Scheibel
Tel.: 0921/557360
thomas.scheibel@uni-bayreuth.de
 
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10. 08. 2017 Kind nach Krebs keine Seltenheit mehr-50. Transplantation von Eierstockgewebe im Erlanger Fortpflanzungszentrum
uni | mediendienst | aktuell Nr. 127/2017

Junge Frauen trifft der Schock einer Krebsdiagnose oft doppelt. Denn nicht nur die Erkrankung ändert plötzlich ihr gesamtes Leben – auch das Risiko, nach der Strahlen- und Chemotherapie unfruchtbar zu sein, macht den Patientinnen Angst. Mut macht ein neues Verfahren, bei dem Eierstockgewebe rechtzeitig vor der Krebstherapie entnommen, eingefroren und nach erfolgreicher Genesung wieder voll funktionsfähig eingesetzt wird. Jetzt haben die Ärzte des Universitäts-Fortpflanzungszentrums Franken (Sprecher: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) am Universitätsklinikum Erlangen die hoffnungsbringende Reimplantation bereits zum 50. Mal durchgeführt.

„Morbus Hodgkin“ – Lymphdrüsenkrebs. Für Gabriela H. brach bei dieser Diagnose vor sieben Jahren eine Welt zusammen – vor allem, weil sie mit Mitte 20 solch eine niederschmetternde Nachricht keinesfalls erwartet hatte. Ein bisschen Glück hatte die Nordbayerin aber doch: Ihr behandelnder Onkologe wusste um das Risiko, dass sie durch die bevorstehende Strahlen- und Chemotherapie unfruchtbar werden könnte, und informierte seine Patientin über die fertilitätserhaltende Kryokonservierung. „Ich wusste gleich, dass ich diese Möglichkeit nutzen muss“, sagt die heute 33-Jährige. Rechtzeitig vor ihrer Krebsbehandlung ließ sie sich gesundes Ovarialgewebe entnehmen und im Fortpflanzungszentrum am Uni-Klinikum Erlangen bei –196 °C einlagern.

Nach zehn Monaten kräftezehrender Therapie und der Entfernung der befallenen Lymphknoten fand Gabriela H. allmählich ins Leben zurück. Jetzt, sechs Jahre nach ihrer Genesung, hat sich die junge Frau entschlossen, ihrem Kinderwunsch eine Chance zu geben. „Allein endlich gesund zu sein, ist ein großes Glück für mich und meinen Mann“, sagt sie. „Aber diesen Versuch möchten wir nun trotzdem noch wagen.“ Für Prof. Beckmann, Prof. Dr. Ralf Dittrich, wissenschaftlicher Leiter der Reproduktionsmedizin, und ihre Kollegen ist Gabriela H. bereits die 50. Patientin, der die Mediziner trotz einer vorhergegangenen Unfruchtbarkeit zu einer Schwangerschaft verhelfen wollen.

Bereits elf Kinder trotz Unfruchtbarkeit nach Krebstherapie geboren

Das Fortpflanzungszentrum am Uni-Klinikum Erlangen hat mit rund 600 eingefrorenen Eierstockgeweben das deutschlandweit zweitgrößte Lager. Die meisten Frauen lassen sich ihr Gewebe zeitnah nach ihrer Genesung wieder in die Beckenwand implantieren – in Erlangen war Gabriela H. bereits die 50. Patientin. „In rund 90 Prozent der Fälle kehrt die hormonelle Aktivität des Gewebes innerhalb von einigen Wochen zurück“, berichtet Prof. Dittrich. Mit erfreulichen Folgen – so konnten am Uni-Klinikum Erlangen bereits neun Frauen elf gesunde Kinder zur Welt bringen, obwohl sie nach ihrer Krebsbehandlung eigentlich unfruchtbar waren. „Für die Zukunft wünschen wir uns, dass noch mehr Krebspatientinnen rechtzeitig, das heißt vor ihrer Therapie, auf fertilitätserhaltende Möglichkeiten hingewiesen werden, damit sie die Chance auf eigene Kinder nicht verlieren“, sagt Prof. Dittrich.

In Deutschland erkranken pro Jahr rund 17.000 Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren an Krebs. Moderne Behandlungen von bösartigen Krebserkrankungen haben die Überlebensrate der Krebspatientinnen deutlich erhöht, führen aber oft zur Unfruchtbarkeit. Erstmals in Deutschland transplantierten die Erlanger Reproduktionsmediziner 2008 kryokonserviertes Eierstockgewebe bei einer ehemaligen Krebspatientin aus Franken.

Weitere Informationen: www.kind-nach-krebs.de  

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Ralf Dittrich

Telefon: 09131 85-33553

ralf.dittrich@uk-erlangen.de

Bildmaterial steht unter den folgenden Links zum Download bereit:

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Bildunterschrift: Eine schwere Zeit mit Krebstherapien liegt hinter ihnen. Jetzt sind Gabriela H. und ihr Mann hoffnungsvoll, dass sich ihr Kinderwunsch erfüllt. (Foto: Uni-Klinikum Erlangen)

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Bildunterschrift: Für Prof. Dr. Matthias Beckmann (l.) und Prof. Dr. Ralf Dittrich ist jede Patientin wie Gabriela H. ein neuer Ansporn, noch mehr Frauen trotz einer Krebserkrankung zu helfen, die Hoffnung auf eigene Kinder nicht aufzugeben. (Foto: Uni-Klinikum Erlangen)

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09.08.2017 Seltenen genetischen Krankheiten auf der Spur
uni | mediendienst | forschung Nr. 65/2017

Neurowissenschaftler der FAU Erlangen-Nürnberg und der OVGU Magdeburg  finden neuen Therapieansatz
Einen neuen Ansatz zur Behandlung von seltenen genetischen Erkrankungen wie dem Noonan-Syndrom haben Neurowissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Zusammenarbeit mit Humangenetikern der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg entwickelt. Für die als „RASopathien“ bezeichneten Krankheiten sind Genmutationen verantwortlich, die zu Herzfehlern, Kleinwüchsigkeit, Entwicklungsstörungen, Neigung zu Krebs und intellektuellen Defiziten führen können. Am Noonan-Syndrom leidet etwa jeder 3000. Mensch. Insgesamt wird die Zahl der Betroffenen von RASopathien in Deutschland auf mehrere 10.000 Menschen geschätzt. Es gibt aber bislang nur eine rein symptomatische Behandlung.

„Wir wissen noch zu wenig darüber, wie die Mutation zu den Äußerungen der Krankheit führt“, erklärt Prof. Dr. Anna Fejtova, Professur für molekulare Psychiatrie. Im Rahmen des Forschungsverbundes „German Network for RASopathy Research“ ist ihr mit ihrer Arbeitsgruppe nun ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Krankheit gelungen. Dazu wurden im Tiermodell bestimmte Bereiche des Großhirns genmanipuliert. Damit wollte die Forscherin vor allem den kognitiven Auswirkungen der Krankheit auf die Spur kommen, die sich in einem niedrigeren IQ, Lernschwierigkeiten und einer mentalen Retardierung bis hin zu geistiger Behinderung zeigen können. Bei ihren Untersuchungen zeigten sich keine körperlichen Auffälligkeiten wie Herzfehler, die bei einer Mutation im ganzen Körper typisch sind.

Die Mutation führt dazu, dass ein Teil der Kommunikation innerhalb der Nervenzellen - der RAS/MAPK-Signalweg - überaktiv ist. In der Folge kam es zu schlechteren Gedächtnisleistungen und einer geringeren Neugierde. Während der Studie wurde aber auch klar, dass die Reaktionsfähigkeit der Nervenzellen mit Mutation deutlich abgeschwächt ist. Daher konnten sie nicht so gut auf neuronale Reize antworten: „Das ist eine wesentliche neue Erkenntnis“, erläutert Fejtova. Sie gehe davon aus, dass dies ein kompensatorischer Mechanismus sei, um die basale Überaktivierung des Signalwegs auszugleichen: „Durch die Mutationen verlieren die Zellen ihre dynamische Regulierbarkeit.“

Diese Erkenntnisse sind wichtig für die Entwicklung neuer Therapien, mit denen möglicherweise die kognitiven Defizite dieser Krankheiten verbessert werden können. Fejtova möchte nun Medikamente aus der Onkologie erproben, welche die Überaktivität des Signalweges in der Zelle dämpfen sollen: „Wenn man sie in sehr niedriger Dosierung und nur kurzzeitig in einem bestimmten Zeitraum der Entwicklung verwendet, könnten sie helfen, um den kognitiven Einschränkungen entgegenzuwirken“, sagt Fejtova.

Die aus Tschechien stammende Neurowissenschaftlerin, die im vergangenen Jahr als Professorin für Molekulare Psychiatrie an die FAU wechselte, arbeitet in einem Netzwerk mit Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen an der Erforschung der RASopathien. In dem vom Bund geförderten Forschungsverbund „German Network for RASopathy Research“ untersuchen Arbeitsgruppen aus Erlangen-Nürnberg, Magdeburg, München, Düsseldorf, Hamburg und Ulm interdisziplinär genetische, zellulär-biochemische, systemische und klinische Aspekte.

Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler in dem Wissenschaftsjournal PLOS Genetics veröffentlicht: https://doi.org/10.1371/journal.pgen.1006684 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Anna Fejtova
Tel: 09131/85-46155
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08.08.2017 Bayerische Landesärztekammer fordert mehr Gesundheitsthemen in den Lehrplänen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Gesundheitswissen und ein gesundheitsbewusster Lebensstil sollen in den Bildungs- und Lehrplänen von Kindertagesstätten und allgemeinbildenden Schulen verankert werden. Dafür wirbt die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK). Sie unterstützt damit die Forderung von 14 Spitzenverbänden des Gesundheitswesens und des Bundesgesundheitsministeriums, die sich kürzlich zu einer „Allianz für Gesundheitskompetenz“ zusammengeschlossen haben. Ein gesunder Lebensstil – eingeübt schon im Kindes- und Jugendalter – kann zu einer besseren Gesundheit im späteren Leben führen und auch die schulischen Leistungen positiv beeinflussen.

„Je früher wir Kindern eine gesunde Lebensweise vermitteln und sie dafür begeistern, desto besser. Sie sollen die Zusammenhänge zwischen Lebensführung und Gesundheit besser verstehen und zu einer gesundheitsförderlichen Lebensführung motiviert werden“, sagt Dr. Max Kaplan, Präsident der BLÄK. „Die Lehrerinnen und Lehrer brauchen aber auch den Freiraum, Gesundheitsthemen in den Unterricht zu integrieren, ohne mit dem Lehrplan in Konflikt zu geraten“, ergänzt Dr. Heidemarie Lux, BLÄK-Vizepräsidentin.

Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt die BLÄK eine Reihe von Maßnahmen vor. So könnten gesundheitsrelevante Themen in die Ausbildung von Lehrern und Erziehern sowie in die schulischen Lehrpläne aufgenommen werden. Denkbar seien auch ein projektbezogener Unterricht, eigene Unterrichtseinheiten zu gesundheitsrelevanten Themen sowie ein eigenes Schulfach „Gesundheit“. In einem Schreiben an die Gesundheitsministerin regte die BLÄK eine gemeinsame Initiative an.

Die BLÄK erklärt sich bereit, ihre Expertise bei der Entwicklung von Lehrprogrammen und -materialien zur Verfügung zu stellen und Ärzte als Referenten für die Lehrerausbildung, für Elternabende oder zur Unterstützung des Unterrichts zu vermitteln.

Ein besonderes Problem stellt weiterhin das Übergewicht dar. Etwa ein Drittel der übergewichtigen Kinder sind der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS) zufolge sogar adipös. Das entspricht etwa zwei Millionen übergewichtigen und 700.000 adipösen Kindern und Jugendlichen. Im Vergleich zu den 1980er- und 1990er-Jahren hat sich der Anteil der übergewichtigen Kinder um 50 Prozent erhöht. Dabei sind sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche häufiger von starkem Übergewicht betroffen als andere.

Als zusätzliche positive Wirkung dieser Maßnahmen ist, neben der Stärkung der gesundheitlichen Kompetenz von Kindern und Jugendlichen, die damit verbundene Stärkung einer gesundheitsbewussten Lebensführung auch der anderen Familienmitglieder zu sehen. Des Weiteren kann dadurch das Interesse an sozialen Berufen, wie z. B. Krankenpfleger, geweckt werden.

Auch der diesjährige Deutsche Ärztetag in Freiburg hat sich für eine frühzeitige Förderung der Gesundheit und gesundheitlicher Kompetenzen ausgesprochen und unter anderem gefordert, das Thema in die Ausbildung von Lehrern und Erziehern sowie in die schulischen Lehrpläne aufzunehmen.

Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
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02.08.2017 Röntgenbildgebung mit deutlich höherer Auflösung
uni | mediendienst | forschung Nr. 64/2017

Physiker der FAU entwickeln neues Verfahren zur Strukturbestimmung von Molekülen

Physiker der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben gemeinsam mit Kollegen vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY), Hamburg, ein Verfahren vorgeschlagen, mit dem sich die Qualität von Röntgenbildern gegenüber herkömmlichen Methoden erheblich verbessern lässt. Mit der Inkohärenten Diffraktiven Bildgebung (IDI) soll es künftig möglich sein, einzelne Atome in Nanokristallen oder Molekülen schneller und mit wesentlich höherer Auflösung abzubilden. Die Ergebnisse wurden jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Physical Review Letters veröffentlicht.*

Seit über 100 Jahren werden Röntgenstrahlen in der Kristallografie eingesetzt, um die Struktur von Molekülen zu bestimmen. Dabei wird das Prinzip der Beugung und Überlagerung genutzt, dem alle Wellen unterliegen: Lichtwellen, die aus Photonen bestehen, werden von den Atomen im Kristall abgelenkt und überlagern sich – wie Wasserwellen, die von Hindernissen in einem langsam strömenden Fluss erzeugt werden. Misst man ausreichend viele dieser Photonen mit einem Detektor, erhält man ein charakteristisches Beugungsbild oder Wellenmuster, aus dem die Form der Kristallstruktur abgeleitet werden kann. Voraussetzung hierbei ist, dass die Wellen kohärent gestreut werden, also eine feste Phasenbeziehung zwischen ein- und ausfallenden Photonen besteht. Im Bild des Gewässers entspricht dies Wasserwellen, die wirbelfrei und ohne Turbulenzen von den Hindernissen abgelenkt werden. Ist die Streuung der Photonen inkohärent, besteht keine feste Phasenbeziehung mehr zwischen ein- und ausfallenden Photonen, weswegen – wie bei einer turbulenten Wasserströmung – nicht mehr auf die Anordnung der Atome rückgeschlossen werden kann.

Kohärente Bildgebung hat Schwächen

Dennoch hat auch die kohärente diffraktive Röntgenbildgebung einen entscheidenden Nachteil: „Meist überwiegt bei Röntgenlicht die inkohärente Streuung, etwa in Form von Fluoreszenzlicht, das durch Photonenabsorbtion und anschließende Emission entsteht“, erklärt Anton Classen, Mitarbeiter der AG Quantenoptik und Quanteninformation der FAU. „Dadurch wird ein diffuser Hintergrund erzeugt, der nicht für die kohärente Bildgebung genutzt werden kann und die Abbildungstreue kohärenter Methoden reduziert.“

Neues Verfahren nutzt inkohärente Strahlung

Genau diese bislang unerwünschte inkohärente Strahlung wollen die Forscher der FAU für ihr neues Bildgebungsverfahren nutzen. „Bei unserer Methode werden die inkohärent gestreuten Photonen des Röntgenlichts nicht über einen langen Zeitraum, sondern zeitaufgelöst in kurzen Schnappschüssen aufgenommen“, erklärt Prof. Joachim von Zanthier. „Werden die Schnappschüsse einzeln ausgewertet, erhält man wieder die Informationen über die Anordnung der Atome.“ Der Trick dabei ist, dass innerhalb kurzer Sequenzen die Lichtbeugung kohärent erfolgt. Hierfür müssen allerdings Röntgenblitze von wenigen Femtosekunden – also wenige Billiardstel einer Sekunde – verwendet werden, die erst neuerdings von Freie-Elektronen-Lasern wie dem Europäischen XFEL in Hamburg oder der Linac Coherent Light Source (LCLS) in Kalifornien, USA, erzeugt werden können.

Abbildung einzelner Moleküle möglich

Da die neue Methode Fluoreszenzlicht nutzt, steht viel mehr Signal als bisher zur Verfügung, das zudem in deutlich größere Ablenkwinkel gestreut wird, womit mehr Ortsinformation gewonnen wird. Darüber hinaus kann mit Filtern das Licht nur bestimmter Atomsorten gemessen werden. Dadurch wird es möglich, die Position einzelner Atome in Molekülen und Proteinen mit deutlich höherer Auflösung im Vergleich zur kohärenten Bildgebung bei Verwendung von Röntgenlicht derselben Wellenlänge zu bestimmen. Das Verfahren könnte somit besonders der Erforschung von Proteinen in der Strukturbiologie und in der Medizin neue Impulse geben.

*doi: 10.1103/PhysRevLett.119.053401

Die Ergebnisse der FAU-Physiker wurden jetzt unter dem Titel „Incoherent Diffractive Imaging via Intensity Correlations of hard X-rays“ in der renommierten Fachzeitschrift Physical Review Letters veröffentlicht.

Kontakt: Prof. Dr. Joachim von Zanthier                                                       Tel.: 09131/85-27603 joachim.vonzanthier@physik.uni-erlangen.de

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27.07.2017 Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit bei Krebspatienten
uni | mediendienst | forschung Nr. 62/2017

Stiftung Deutsche Krebshilfe fördert Studienprojekt für bessere Behandlung mit neuen oralen Antitumor-Wirkstoffen
 

Eine interprofessionelle Arbeitsgruppe aus Medizinern und Pharmazeuten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und des Universitätsklinikums Erlangen hat Anfang des Monats ein wegweisendes Versorgungsforschungsprojekt in enger Zusammenarbeit mit dem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN gestartet: Innerhalb der kommenden drei Jahre soll in einer kontrollierten Studie mit 300 Patienten untersucht werden, ob und inwiefern bei einer neu begonnenen Therapie mit neuen oralen Antitumor-Wirkstoffen durch eine strukturierte und zusätzlich intensivierte klinisch-pharmazeutische/pharmakologische Therapiebegleitung über zwölf Wochen die Patientensicherheit, das Patientenwissen und auch das Patientenbefinden (Management von Nebenwirkungen) verbessert werden können. Die Stiftung Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit 353.000 €.
 
In der Betreuungsgruppe soll durch den klinischen Pharmazeuten/Pharmakologen zunächst eine umfassende Analyse der Gesamtmedikation erstellt werden. Auffälligkeiten teilt er dem behandelnden Onkologen mit. Der Patient erhält in vier strukturierten zusätzlichen Patientenschulungen Informationen über seine Therapie. In der Kontrollgruppe wird nicht in die Standardtherapie eingegriffen. „Bei positivem Verlauf dieser großen Versorgungsforschungsstudie werden die systematischen Erkenntnisse sowie erarbeitete Schulungs- und Betreuungsprotokolle auch anderen onkologischen Behandlungseinrichtungen zur Verfügung gestellt, um einen möglichst breiten Patientennutzen zu erreichen“, versichert Prof. Dr. Frank Dörje, Chefapotheker des Uni-Klinikums Erlangen, der gemeinsam mit Prof. Dr. Martin F. Fromm, Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), die Studie leitet.
 
Seit Anfang dieses Jahrhunderts nimmt die Zahl der in die Therapie eingeführten oralen Tumortherapeutika durch die erheblichen Fortschritte in der molekularen Medizin stetig zu, erläutert Prof. Fromm. In zahlreichen Behandlungsleitlinien sind oral verfügbare Antitumor-Wirkstoffe bereits etabliert. Damit steigen auch die Verordnungszahlen der über den Mund als Kapsel oder Tablette einzunehmenden Arzneimittelpräparate in der onkologischen Therapie stark an. Diese Entwicklung wird von vielen Patienten als komfortabler erlebt, da im Unterschied zur Medikamentengabe über einen intravenösen Zugang auf strenge Hygienemaßnahmen bei der Injektion bzw. Infusion verzichtet werden kann. Der Patient ist außerdem örtlich flexibel und Arzt- bzw. Klinikbesuche lassen sich dadurch häufig reduzieren.
 
Probleme der oralen Antitumor-Therapie im Blick
„Der Prozess einer oralen Antitumor-Therapie ist jedoch keinesfalls als unproblematisch einzustufen“, warnt der Pharmakologe. Orale Antitumor-Therapien bedürfen in jedem Fall einer intensiven begleitenden Patientenberatung und -schulung, weil die oralen Antitumor-Wirkstoffe in der Regel in Eigenverantwortung vom Patienten eigenständig allein zu Hause eingenommen werden. Der Behandlungserfolg hängt stark von der Einnahmetherapietreue des Patienten und vom Wissen des Patienten über seine onkologische Therapie ab. „Die Patienten müssen intensiv über die korrekte Umsetzung von wirkstoffspezifischen Einnahmehinweisen und auch im Erkennen von möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen geschult werden. Nicht erkannte Arzneimittelrisiken und -wechselwirkungen mit der unter Umständen nicht onkologischen Begleitmedikation des Patienten können den Therapieerfolg zudem gefährden“, so Prof. Fromm. Mit steigender Anzahl an verordneten oralen Antitumor-Wirkstoffen entsteht ein wachsender Anspruch an eine speziell auf orale Antitumor-Therapien ausgerichtete Patientenbetreuung.
 
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Martin Fromm
Tel.: 09131 85-22772
martin.fromm@fau.de
 
Prof. Dr. Frank Dörje
Tel.: 09131 85-33591
frank.doerje@uk-erlangen.de
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26.07.2017 Ein Fundament für das Zentrum für Physik und Medizin
Pressemitteilung Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts | Universitätsklinikum Erlangen |

Max-Planck-Gesellschaft, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg und Uniklinikum Erlangen schließen einen Kooperationsvertrag

Einen bislang zu wenig beachteten Faktor bei der Entstehung von Krankheiten nehmen Forscher künftig in Erlangen in den Blick: die Physik. Um etwa die mechanischen, elektrischen oder chemischen Prozesse bei Entzündungen oder Tumorerkrankungen genauer zu verstehen und auf diese Weise die Diagnostik und Therapie zu verbessern, wird dort das Zentrum für Physik und Medizin (ZPM) entstehen. Im Beisein der Bayerischen Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Ilse Aigner, haben Vertreter der Max-Planck-Gesellschaft, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen am 25. Juli den Kooperationsvertrag für das Projekt unterzeichnet, das die Bayerische Landesregierung mit 60 Millionen Euro fördert. „Ich bin überzeugt, dass es im Zentrum für Physik und Medizin zu erstklassigen wissenschaftlichen Erfolgen kommen wird – Erfolge, die sich letztlich aber eben auch an einem medizinischen Fortschritt messen lassen müssen, der den Menschen – also vielleicht auch uns – zu Gute kommt“, sagt Max-Planck-Präsident Martin Stratmann.

Im Zentrum für Physik und Medizin werden Wissenschaftler mit physikalischen und mathematischen Methoden Veränderungen zwischen den Zellen untersuchen, die Entzündungen und andere Erkrankungen beeinflussen. „Die Forscher werden die grundlegenden physikalischen Prozesse in Lebewesen, wie etwa die Kommunikation und die Kräfte zwischen den Zellen in krankem Gewebe auf völlig neuen Wegen messen und modellieren. Durch das umfassende Verständnis, das wir so von diesen Vorgängen gewinnen, möchten wir neuartige Therapien und Medikamente ermöglichen“, sagt Vahid Sandoghdar, Direktor am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts und einer der Initiatoren des Zentrums.

Damit setzen sie einen neuen Akzent in der medizinischen Forschung und finden für diesen Ansatz in Erlangen die passenden Bedingungen: „Heutige Spitzenforschung verlangt neue Wege und innovative Kooperationen. Das Medical Valley und insbesondere Erlangen bietet hierfür ein optimales Umfeld. Hier wuchs bundesweit zum ersten Mal ein Max-Planck-Institut aus einer Universität heraus. Heute erwächst dem Max-Planck-Institut eine europaweit einzigartige Kooperation von Universität, Universitätsklinikum und Max-Planck-Gesellschaft“, sagt Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. „Damit gelingt der Sprung von der mathematischen, physikalischen und medizinischen Grundlagenforschung zur direkten Anwendung beim Patienten.“

Das ZMP wird zwei Welten zusammenführen

 Der derzeitigen Planung zufolge soll das Zentrum eine neue Abteilung des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts, zwei neue Lehrstühle für Biophysik und Mathematik in den Lebenswissenschaften, der neu zu besetzende Lehrstuhl für Medizinische Physik der FAU, sowie fünf weitere Forschungsgruppen beherbergen. Seinen Bau und die wissenschaftliche Erstausstattung fördert der Freistaat Bayern mit 60 Millionen Euro.

 „In unserem neuen Zentrum werden wir zwei Welten, die Physik und die Medizin, zusammenführen. Systemische und reduktionistische Forschungsansätze treffen sich, getragen von herausragenden Vertretern ihrer Disziplin und vom Willen, traditionelle Forschungskonzepte gemeinsam zu überwinden“, sagt Max-Planck-Präsident Martin Stratmann. Während Physiker ziemlich erfolgreich damit seien, ein System so weit zu reduzieren, bis sie präzise Fragen stellen können, die sie mit Experimenten beantworten können, müssten Mediziner systemisch vorgehen: Sie können der Komplexität ihres Untersuchungsobjektes nur gerecht werden, wenn sie nicht nur einen möglichst kleinen, genau definierten Ausschnitt der Vorgänge im Körper, sondern ein umfassenderes System betrachten, wenn nicht gar den Körper als Ganzes.

„Das neue Zentrum für Physik und Medizin wird an der Schnittstelle der beiden Disziplinen physikalische Prozesse ausloten, die bei Krankheiten eine Rolle spielen“, sagt Joachim Hornegger, Präsident der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. „Damit widmet es sich einer Aufgabe, die an der FAU Programm ist: über Disziplinen- und Organisationsgrenzen hinweg in exzellenten Forscherteams Problemstellungen gemeinsam anzugehen. Vom ZPM dürfen wir spannende Antworten auf medizinisch relevante Fragen der Biophysik, Biomathematik und Bioinformatik erwarten.“

Zielrichtung hin auf Diagnostik und Behandlung der Patienten

Die Fusion unterschiedlicher Forschungsansätze und die Kooperation zwischen sehr unterschiedlichen Disziplinen bringen auch einen Wandel in der wissenschaftlichen Kultur mit sich, der schon in der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mitschwinge, wie Jürgen Schüttler, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität, erläutert: „Das Stichwort Kooperation signalisiert: Nicht jeder wurstelt vor sich hin, sondern jeder bringt seine besonderen Fähigkeiten, seine spezielle Expertise, seine innovativen Ideen ein in eine fruchtbare, synergistische Zusammenarbeit. Das Zentrum für Physik und Medizin ist transdisziplinär aufgestellt und bündelt die fachspezifischen Expertisen aller Beteiligten jenseits des immer noch weitverbreiteten fachbezogenen Schrebergartendenkens.“ Der Mediziner weist darüber hinaus auf einen weiteren wesentlichen Aspekt des Zentrums: „Zugleich ist das Zentrum für Physik und Medizin translational ausgerichtet, das heißt die Forschung, die im ZPM betrieben werden soll, hat eine klare Zielrichtung hin auf die Diagnostik und die Behandlung der uns im Universitätsklinikum Erlangen anvertrauten Patienten.“

Allein der Ort des Zentrums, das auf dem Gelände der Uniklinik gebaut wird, steht dabei für die Nähe zum Patienten und damit für eine Besonderheit des Vorhabens: „Das Zentrum für Physik und Medizin in Erlangen wird weltweit einmalig sein, da es Physiker und Mathematiker in unmittelbarer Nähe zum Universitätsklinikum mit Medizinern zusammenbringt“, sagt Vahid Sandoghdar. Die Lage des Zentrums hält auch Heinrich Iro, ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Uni-Klinikums, für einen großen Vorzug des Vorhabens: „Im neuen Zentrum können Grundlagenforschung und patientenrelevante Fragestellungen auf exzellente Weise miteinander verknüpft werden. Das geplante Gebäude zwischen den Kopfkliniken mit den Fächern Neurologie, Psychiatrie, Neurochirurgie sowie der Augenklinik und dem Internistischem Zentrum gewährleistet kurze Wege und engen Austausch zwischen Forschung und Klinik. Das bedeutet für unsere Patienten im Universitätsklinikum Erlangen, dass sie als erste von den Forschungsergebnissen des neuen Zentrums profitieren können.“

Eine Chance für Wissenschaft und Wirtschaft

Das Zentrum bringt aber nicht nur die Kooperation zwischen Physikern und Medizinern sowie die medizinische Versorgung von Patienten voran, sondern auch die Stadt Erlangen. „Ich freue mich, dass wir mit dem Kooperationsvertrag zum Zentrum für Physik und Medizin den nächsten Schritt auf dem Weg zu diesem Spitzenforschungsinstitut gehen“, sagt Oberbürgermeister Florian Janik. „Die hier geplante Kooperation zwischen Forschung und angewandter Medizin ist weltweit beispielhaft und eine tolle Chance für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Erlangen.“
Die verstärkte Forschung an der Schnittstelle zwischen Physik und Medizin und die Entwicklung neuer diagnostischer Techniken könnten nicht zuletzt der Wirtschaft in der Gegend Impulse geben – darauf setzt auch Ilse Aigner: „Die gewonnen Erkenntnissen können durch die zahlreichen Unternehmen der Region, nicht nur der Medizintechnik, aufgegriffen und in marktfähige Produkte und Dienstleistungen übertragen werden. Das stärkt die Innovationskraft des Medical Valley und Bayerns internationalen Ruf als exzellenten Forschungs- und Hightechstandort.“
Onlineversion der Pressemitteilung
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Gemeinsam für das Zentrum für Physik und Medizin: Joachim Hornegger, Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Albrecht Bender, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Erlangen, Rüdiger Willems, Generalsekretär der Max-Planck-Gesellschaft und Heinrich Iro, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Erlangen (sitzend von links) haben im Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts den Kooperationsvertrag zu dem Vorhaben unterzeichnet. Die Zeremonie begleitet haben Jürgen Schüttler, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Erlangen, die Direktoren des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts Vahid Sandoghdar, Florian Marquardt und Philip Russell, Ilse Aigner, bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie sowie Florian Janik, Oberbürgermeister der Stadt Erlangen (stehend von links).

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25.07.17 Erstes zertifiziertes Huntington-Studienzentrum in Deutschland
uni | mediendienst | aktuell Nr. 125/2017

Patienten mit der seltenen Erbkrankheit profitieren von Auszeichnung durch größeres Therapieangebot
Gute Nachricht für Huntington-Patienten: Als erster Einrichtung in Deutschland wurde der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) des Universitätsklinikums Erlangen jetzt von der „Huntington Disease Clinical Trials Task Force“ bescheinigt, dass sie die fachlichen und personellen Voraussetzungen erfüllt, um hochwertige klinische Studien durchzuführen. Damit stehen Betroffenen aus der Europäischen Metropolregion Nürnberg künftig modernste Behandlungsmöglichkeiten im Rahmen von Studien offen, um die seltene Erbkrankheit des Gehirns zu therapieren.
Bei Chorea Huntington handelt es sich um eine seltene, erbliche Erkrankung des Gehirns. „Auffälligste Symptome sind Bewegungsstörungen sowie psychische Veränderungen mit Verhaltensauffälligkeiten“, erläutert PD Dr. Zacharias Kohl, Leiter der Erlanger Huntington-Ambulanz in der Molekular-Neurologischen Abteilung. Auch ein Rückgang der intellektuellen Fähigkeiten kann hinzukommen. Die Erkrankung verläuft fortschreitend. Erste Anzeichen treten meist im Alter von 30 bis 45 Jahren auf, die Krankheit verläuft über 10 bis 15 Jahre. In seltenen Fällen kann sie auch in der frühen Kindheit oder im höheren Alter auftreten. „Eine ursächliche Behandlung der Huntington-Erkrankung ist bisher nicht bekannt“, sagt PD Kohl.

In der Erlanger Huntington-Sprechstunde werden in Kooperation mit dem Zentrum für Seltene Erkrankungen Erlangen (Leiterin: Prof. Dr. Beate Winner) des Universitätsklinikums Erlangen derzeit 80 Patienten aus ganz Nordbayern betreut. Im Vordergrund stehen die medikamentöse Therapie zur Verminderung der Bewegungsunruhe, außerdem die Behandlung depressiver und anderer psychischer Symptome. Bei vermehrter Muskelsteifheit werden manchmal auch Medikamente eingesetzt, die normalerweise gegen die Parkinson-Krankheit verwendet werden. Daneben haben funktionserhaltende Therapien eine wichtige Bedeutung. „Unser Ziel ist es, die Mobilität und die Lebensqualität der Patienten insbesondere durch Physio- bzw. Ergotherapie und Logopädie über eine lange Zeit zu erhalten“, erläutert PD Kohl. Zudem können interessierte Patienten der Erlanger Huntington-Ambulanz bereits jetzt an Medikamentenstudien sowie an dem weltweit größten Patientenregister ENROLL-HD teilnehmen.

Man geht davon aus, dass es in Deutschland etwa 4.000 Betroffene gibt, die an der Huntington-Erkrankung leiden. Benannt wurde die Erkrankung nach dem US-amerikanischen Arzt George Huntington, der sie 1872 erstmals beschrieb und erkannte, dass es sich um eine erbliche Erkrankung handelt. Ursache ist eine Veränderung (Mutation) auf Chromosom 4 im „Huntington“-Gen, das 1993 entdeckt wurde.
Weitere Informationen: www.ehdn.org und www.dhh-ev.de
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25.07.2017 Publikation: „Die Ärzteschaft in Bayern und die Praxis der Medizin im Nationalsozialismus“
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

München, 24. Juli 2017   

Im Jahr 2010 hat der 69. Bayerische Ärztetag den Beschluss gefasst, die Erforschung der Rolle der Vertretung der Ärzteschaft bei Euthanasie und Zwangssterilisation im Nationalsozialismus (NS) in Bayern, in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe des NS-Dokumentationszentrums München „Psychiatrie und Fürsorge im Nationalsozialismus“ finanziell zu unterstützen. Herausgekommen ist eine über 230 Seiten starke Dokumentation „Die Ärzteschaft in Bayern und die Praxis der Medizin im Nationalsozialismus“, verfasst von Professorin Dr. Annette Eberle, Dekanin der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Abteilung Benediktbeuern, in Kooperation mit Professor Dr. Michael von Cranach, Leiter der Arbeitsgruppe „Psychiatrie und Fürsorge im Nationalsozialismus“, und Professor Dr. Gerrit Hohendorf, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Technische Universität München (TUM), Klinikum rechts der Isar.

„Die Ärzteschaft hatte zweifelsohne einen wesentlichen Anteil am Programm zur Zwangssterilisation und Euthanasie im Nationalsozialismus. Daher ist wichtig, dass sich die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) als Vertretung aller bayerischen Ärztinnen und Ärzte, dieser Thematik annimmt“, sagte BLÄK-Präsident Dr. Max Kaplan anlässlich der Buchpräsentation am 24. Juli im Münchner NS-Dokumentationszentrum. Durch die Auseinandersetzung mit der Rolle der Vertretung der Ärzteschaft im Programm von Euthanasie und Zwangssterilisation im Nationalsozialismus in Bayern leiste die BLÄK einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der NS-Zeit. „Im Namen der BLÄK aber auch persönlich unterstütze ich diese Publikation, die sich kritisch und selbstkritisch mit der Vertretung der Ärzteschaft in Bayern innerhalb des NS-Regimes befasst, stellt sie doch eine späte, intensive Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und ihrem verbrecherischen Umgang mit Medizin und Pflege dar“, so Kaplan. Er hoffe stark, dass auch heute noch Interesse für diese Aufklärungsarbeit bestehe. Sein Wunsch richte sich insbesondere auch an die jungen Kolleginnen und Kollegen, Berufsanfänger und Studierenden, sich mit dieser dunklen Seite der ärztlichen Zeitgeschichte zu befassen. Nur wenn wir von Generation zu Generation nicht vergessen und Erinnerungen weitergeben, können wir Anfängen und Wiederkehr gewappnet entgegentreten – auf nationaler und auch internationaler Ebene. „Nur wenn wir nachfragen, weiter forschen und analysieren, lernen wir als Einzelne und als Gesellschaft aus unserer Geschichte“, so der Präsident abschließend.

 
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24.07.2017 Unterstützung für Erlanger Krebsforscher-Xue Hong Dong-Geis und Hans-Georg Geis erhalten Dankesurkunde für Spende
ni | mediendienst | aktuell Nr. 124/2017

Über eine großzügige Unterstützung der Krebsforschung können sich gleich mehrere Arbeitsgruppen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) freuen: Xue Hong Dong-Geis und Hans-Georg Geis, Inhaber des gleichnamigen Logistik-Unternehmens und Ehrensenator der FAU, haben im Erlanger Markgrafenschloss von Universitätspräsident Prof. Dr. Joachim Hornegger die Dankesurkunde für eine Spende mit einer Gesamthöhe von 100.000 Euro für vier Forschungsprojekte überreicht bekommen.
Unterstützt werden vier Forschungsprojekte, die dem Ehepaar besonders am Herzen liegen. „Krebsleiden sind neben Herz- und Kreislauferkrankungen noch die häufigsten Todesursachen. Es ist uns daher ein großes Anliegen, durch unsere Spende die Weiterentwicklung von Behandlungsmethoden gegen Leukämie, insbesondere für Kinder, zu fördern“, erklärte Hans-Georg Geis, geschäftsführender Gesellschafter der Geis Gruppe, anlässlich der Übergabe. Nicht alles, was eine Universität ausmache, könne aus Haushaltsmitteln bestritten werden, erläuterte FAU-Präsident Hornegger. „Daher freuen wir uns insbesondere über die langjährige Verbundenheit der Familie Geis mit der FAU und danken sehr herzlich für die finanzielle Unterstützung. Mittels der großzügigen Förderung können wir nun in der Medizin vier innovative und vielversprechende Forschungsansätze in der Krebstherapie verfolgen.“

Gefördert wird das Projekt „Verbesserung der Therapiesteuerung durch die Messung zirkulierender Tumor-DNA bei Kindern und Jugendlichen mit Weichteilsarkomen“ an der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums der FAU, Abteilung für Hämatologie und Onkologie. Dr. Manuela Krumbholz und Prof. Dr. Markus Metzler arbeiten an einem Verfahren, um das Ansprechen auf eine dem Risiko der Erkrankung optimal angepassten Dauer und Stärke der Chemo- und Strahlentherapie engmaschiger zu kontrollieren und so potentielle Rückfälle schneller zu erkennen.

Ebenfalls bei Prof. Dr. Markus Metzler angesiedelt ist das Vorhaben „Molekulare Ursachen der chronisch myeloischen Leukämie (CML) bei Kindern“, das mit molekulargenetischen Methoden untersucht, inwieweit sich diese im Kindesalter eher seltene, bei Erwachsenen um die 65 Jahre öfters auftretende Leukämieform bei der jeweiligen Altersgruppe unterscheidet. Ziel ist es, die bisherige Behandlungspraxis, die vorwiegend eine Übertragung des Behandlungskonzepts für Erwachsene auf Kinder zu übertragen, besser auf die junge Zielgruppe anpassen zu können und so die Heilungschancen zu erhöhen.

Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 des Universitätsklinikums der FAU, beschäftigt sich mit der „Entwicklung einer zell-basierten Immuntherapie gegen Leukämien“. In speziellen Reinräumen sollen Herstellungsprozesse für individuell auf den Patienten zugeschnittene Zellprodukte etabliert werden. Bei diesen handelt es sich um aus dem Blut des Patienten isolierte Immunzellen, die durch von außen eingebrachtes Oberflächenprotein als sogenannte Killerzellen den Tumor erkennen und abtöten.
Um eine spezielle Angriffsmethode gegen bösartige Zellen geht es auch Dr. Fabian Müller beim Vorhaben „Entwicklung von neuen Immunotoxinen zur Therapie von Leukämien“, das ebenfalls an der Medizinischen Klinik 5 angesiedelt ist. Bei diesem Ansatz wird ein Zellgift an Antikörper gekoppelt und dessen Wirksamkeit auf Krebszellen der bisher als kaum heilbar eingestuften akuten myeloischen Leukämien (AML) getestet. Bei vielversprechenden Ergebnissen soll der Ansatz im Rahmen eines neuen Drittmittelprojekts weiterverfolgt werden.

Pressebilder zum Download:
Dr. Johannes Söllner (Geis Gruppe), FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger, Hans-Georg Geis und Xue Hong Dong-Geis sowie FAU-Kanzler Christian Zens anlässlich der Übergabe einer Spende über 100.000 Euro für vier Projekte in der Krebsforschung (Foto: FAU/Harald Sippel)
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Der Unternehmer Hans-Georg Geis und seine Frau Xue Hong Dong-Geis fördern die Krebsforschung an der FAU mit einer Spende von 100000 Euro für vier Projekte. Alle Beteiligten kamen zur Übergabe der Förderurkunde ins Amtszimmer des FAU-Präsidenten Joachim Hornegger. Foto: In der Mitte der Spender mit seiner Frau, Uni-Präsident Joachim Hornegger und Kanzler Christian Zens. (Foto: FAU/Harald Sippel) (Foto: FAU/Harald Sippel) www.fau.de/files/2017/07/20170724_spenden%C3%BCbergabe-fa-geis__sippel_7_Spende_20170724_sip_1508.jpg

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21.07.2017 Ausgezeichnete Qualität Universitätsklinikum Erlangen erfolgreich nach DIN EN ISO 9001:2015 zertifiziert
uni | mediendienst | aktuell Nr. 121/2017

Eine Woche vor Beginn der Sommerferien in Bayern erhält auch das Universitätsklinikum Erlangen (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro) eine Art Zeugnis: Das Krankenhaus der maximalen Versorgungsstufe wurde erfolgreich nach DIN EN ISO 9001:2015 zertifiziert. Am Donnerstag, 20. Juli 2017, überreichte Jens Linstädt, Leiter der strategischen Geschäftseinheit im Gesundheitswesen der TÜV SÜD Management Service GmbH, das Zertifikat an den Ärztlichen Direktor, der es stellvertretend für alle Mitarbeiter entgegennahm. Das begehrte Gütesiegel bestätigt den hohen Qualitätsstandard des Uni-Klinikums Erlangen und bietet Patienten eine hervorragende Orientierungshilfe bei der Auswahl ihres behandelnden Krankenhauses. Außerdem bildet es die Grundlage für den steten Prozess, Abläufe im Klinikalltag zu verbessern.
 
Besonders positiv bewertete das Team um Lead-Auditorin Dr. Christa Glückert das sehr gut funktionierende und prozessorientierte Managementsystem sowie die ausführliche und lückenlose Patientendokumentation am Uni-Klinikum Erlangen. „Der direkte Einfluss der Leitung auf das Managementsystem, als auch die sichtbare Unterstützung, die Mitwirkung und das Engagement der Leitung zur Implementierung des Qualitätsmanagementsystems konnte überzeugend nachvollzogen werden“, so Glückert in ihrem Auditbericht. Darüber hinaus hob sie das interaktive Mitarbeiterportal lobenswert hervor, das als eine Art soziales Netzwerk zum Austausch von aktuellen Informationen und Wissen angelegt ist und spezielle Tools, mit denen sich Arbeitsprozesse überwachen lassen, bereithält. „Das Uni-Klinikum Erlangen hat hier Großartiges geleistet“, sagte Jens Linstädt vom TÜV SÜD. „Bei der Auditierung sind insgesamt 109 positive Aspekte zu unterstreichen. Das ist eine tolle Leistung, vor allem im Hinblick auf die Größe des Uni-Klinikums.“
 
Uni-Klinikum Erlangen erstmals als Ganzes zertifiziert
Von Ende April bis Ende Mai 2017 überprüften insgesamt sieben Auditoren des TÜV SÜD 30 einzelne Standorte sowie zentrale Verwaltungseinheiten, interviewten verantwortliche Mitarbeiter und sahen Dokumente ein. Wichtig dabei war es, nachzuweisen, dass Prozesse und Strukturen mit internen sowie externen Richtlinien übereinstimmen. Dies schließt neben Abläufen auf Stationen, in Operationssälen und in Funktionsbereichen auch die Patientensicherheit und die Einhaltung von Hygienestandards ein. „Um im gesamten Uni-Klinikum Erlangen einen einheitlichen und patientenorientierten Standard zu etablieren, haben wir uns für diese Form der Gemeinschaftszertifizierung entschieden“, erklärte der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro. Der stellvertretende Ärztliche Direktor Prof. Dr. Rainer Fietkau betonte: „Die Zertifizierung brachte neue Herausforderungen unter anderem bei der strategischen Ausrichtung, der Verpflichtung der Leitung für das Qualitätsmanagement und der Erweiterung der Zielgruppen. Sie ist begleitet von Chancen und Risiken, schärft unser risikobewusstes Denken sowie unseren Blick für Verbesserungsmaßnahmen.“
 
Bereits seit dem Jahr 2000 haben einige primär onkologisch ausgerichtete Kliniken, selbstständige Abteilungen, Zentren und Institute des Uni-Klinikums Erlangen ein Qualitätsmanagementsystem aufgebaut, das nun auf die DIN EN ISO 9001:2015 umgestellt wurde. Im Rahmen der aktuellen Gemeinschaftszertifizierung kamen außerdem 14 weitere Einrichtungen der klinischen Krankenversorgung sowie zentrale Organisationseinheiten wie die Verwaltung, das Versorgungszentrum und die EDV-Betreuung hinzu. „Eine Zertifizierung dieser Größenordnung mit so vielen Einzelstandorten ohne Matrixfunktion ist an den Universitätsklinika in Deutschland einmalig und hat auch beim TÜV SÜD im Gesundheitswesen Seltenheitscharakter“, sagte Dr. Monika Gröne, Leiterin der Stabsabteilung Qualitätsmanagement des Uni-Klinikums Erlangen.
 
Die Norm DIN EN ISO 9001:2015 ist ein globaler Bewertungsmaßstab für Qualitätsmanagementsysteme. Das Zertifikat ist für die Dauer von drei Jahren gültig, wobei die Erfüllung der Norm in allen zur Zertifizierung angetretenen Standorten des Uni-Klinikums Erlangen jährlich überprüft wird.
 
Weitere Informationen:
 
Dr. Monika Gröne
Tel.: 09131 85-35849
E-Mail: monika.groene@uk-erlangen.de

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17.07.2017 Kontrollzellen im Winterschlaf: Warum Entzündung chronisch wird
uni | mediendienst | forschung Nr. 59/2017

FAU-Forscher entschlüsseln wichtigen Mechanismus zur Auflösung von Entzündung

Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste Autoimmunerkrankung der Gelenke. Dabei kommt es zu einer chronischen Entzündungsreaktion, wobei körpereigene Abwehrzellen das Gelenk inklusive Knorpel und Knochen angreifen. Dieser Prozess hört spontan nicht auf. Jetzt konnte ein internationales Forscherteam unter Leitung des Rheumatologen Dr. Andreas Ramming der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) einen Zelltyp des Immunsystems identifizieren, der einen Stopp der Entzündungsreaktion bei Arthritis gezielt steuert. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler der Medizinischen Klinik 3 - Rheumatologie und Immunologie des Universitätsklinikums Erlangen in „Nature Medicine“ veröffentlicht (DOI: http://dx.doi.org/10.1038/nm.4373).
In Deutschland leiden ca. 800.000 Menschen, vorwiegend Frauen, an rheumatoider Arthritis. Dabei schädigt eine anhaltende Entzündung die Gelenke und den Knochen. Patienten leiden an Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. „Besonders dramatisch für die Betroffenen ist die Tatsache, dass die Entzündungsreaktion im Gelenk ausgesprochen chronisch ist und daher meist eine lebenslange Therapie erforderlich macht“, erläutert Prof. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3.

Angeborene Lymphozyten kontrollieren die Auflösung der Entzündung

Zu wenig bekannt war bisher, wie sich Entzündungen auflösen und warum diese Auflösung bei Rheumatikern nicht funktioniert. Durch eine Kooperation mit Wissenschaftlern in London, Barcelona, Zürich, Indianapolis und Dublin gelang es den Erlanger Forschern jetzt dieses Rätsel zu lösen. Eine bislang wenig erforschte Zellgruppe des Immunsystems, die sogenannten Angeborenen Lymphozyten (engl. Innate Lymphoid Cells), übernehmen die zentrale Rolle zur Auflösung von Entzündung, erläutert der Erlanger Immunologe Simon Rauber, Erstautor der Studie.

Angeborene Lymphozyten bei Rheumatikern im Winterschlaf

„Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis befinden sich diese Angeborenen Lymphozyten in einer Art Winterschlaf. Die Entzündung bleibt daher bestehen. ‚Weckt‘ man Angeborene Lymphozyten, kommt es zum Stopp der Entzündung und zur Beendigung der Schädigung am Gelenk“, erläutert der Studienleiter Dr. Ramming. Die Entdeckung dieses wichtigen Mechanismus könnte einen völlig neuen Ansatz zur Entwicklung innovativer Behandlungsmethoden bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen darstellen.

Neue Möglichkeiten zur Therapieüberwachung

Schon jetzt ermöglicht die Messung der Anzahl der Angeborenen Lymphozyten im Blut eine Prognose des Behandlungsverlaufs. Sind nur wenige Angeborene Lymphozyten im Blut vorhanden, kommt es zum Krankheitsschub und das Gelenk nimmt weiteren Schaden. Steigen die Angeborenen Lymphozyten jedoch an, ist dies mit einer Auflösung der Entzündung verbunden. Durch deren Messung im Blut kann frühzeitig eine individuelle, gezieltere Therapie begonnen werden und der Patient vor einem erneuten Krankheitsschub bewahrt werden. „Diese Erkenntnis ermöglicht es in Zukunft, mit Hilfe der Angeborenen Lymphozyten die Therapiequalität bei Rheumatoider Arthritis entscheidend zu verbessern“ stellt Dr. Ramming fest.

Gemeinsam gegen die Entzündung

„Der am Uni-Klinikum Erlangen und an der FAU angesiedelte Sonderforschungsbereich 1181 und das Schwerpunktprogramm „Innate Lymphoid Cells“ (SPP 1937) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) haben entscheidend zur Aufdeckung dieses zentralen immunologischen Mechanismus zur Auflösung von Entzündungen beigetragen“, so Prof. Schett. Die Ergebnisse dieser Studie sind im Journal Nature Medicine unter dem Titel „Resolution of inflammation by interleukin-9-producing type 2 innate lymphoid cells“ (DOI: http://dx.doi.org/10.1038/nm.4373) veröffentlicht worden.

Weitere Informationen:
Dr. Andreas Ramming
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05.07.17 Aktiv gegen die Depression -Weitere Teilnehmer für Studie „Klettern und Stimmung“ gesucht
uni | mediendienst | aktuell Nr. 108/2017

Weitere Teilnehmer für Studie „Klettern und Stimmung“ in Berlin, Raum München und Erlangen gesucht
 Der Depression mit Sport entgegenwirken – unter diesem Motto läuft bereits seit Mai 2017 die bundesweite „Studie KuS“ (Klettern und Stimmung). Der Ansatz hat sich bewährt – in der Pilotstudie konnte das Team der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) des Universitätsklinikums Erlangen bereits die Wirksamkeit einer Bouldertherapie bei depressiven Patienten in ambulanter Behandlung nachweisen. Nun geht die groß angelegte Studie in die zweite Runde: ab August bzw. September 2017 starten neue Gruppen. Die kostenlosen Therapieeinheiten unter wissenschaftlicher Begleitung finden in Berlin, im Großraum München und der Region Erlangen-Fürth-Nürnberg statt. Interessenten sind herzlich zu einem der unverbindlichen Informationsabende in ihrer jeweiligen Stadt eingeladen.
 
Bouldern ist das Klettern ohne Seil in Absprunghöhe. Bei Depressionen kann das Bouldern als Therapie eingesetzt werden – mit unterschiedlichen Zielen: Es kann Menschen zum einen spielerisch helfen, positive Erfahrungen zu sammeln. Zum anderen lernen die Patienten durch die sportliche Betätigung, ihre Grenzen wahrzunehmen, anzuerkennen, aber auch über sich selbst hinauszuwachsen und eigene Erfolge anzuerkennen. Viele Probanden einer bereits vorangegangenen Erlanger Studie zeigten sich in der Auswertung begeistert vom wertschätzenden Umgang der Therapeuten sowie von der Kameradschaft und dem Vertrauen in der Gruppe. Zudem berichteten sie, dass KuS ihnen dazu verholfen habe, ihren Alltag wieder besser zu bewältigen und selbstbewusster zu werden. Auch die wissenschaftlichen Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: Wie erwartet zeigte sich eine deutliche Verbesserung der depressiven Symptomatik (von einer vormals mittelschweren zu einer leichten Depression) über die Bouldertherapie hinweg, die auch nach Beendigung der Therapie aufrechterhalten werden konnte.
 
Mit der neuen Studie geht das Studienteam der Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen nun noch einen Schritt weiter und will die Bouldertherapie im größeren Studienrahmen mit bewährten Depressionsbehandlungen vergleichen. Dazu werden alle Teilnehmer zufällig je einem von drei Therapieangeboten zugeteilt: entweder einer verhaltenstherapeutischen Depressionsbewältigungsgruppe, die dem aktuellen Standard zur Behandlung von Depressionen entspricht, oder der bereits erwähnten Bouldertherapie, oder einem allgemeinen sportlichen Aktivierungsprogramm. Probanden aus der letzten Gruppe erhalten nach zehn Wochen ebenfalls Zugang zur Bouldertherapiegruppe. Aktuell profitieren bereits Teilnehmer des ersten Therapiedurchgangs von den Gruppenangeboten, die auch klassische Therapieelemente wie das Achtsamkeitstraining und Entspannungsübungen enthalten.
 
Nun gibt es für alle, die bisher den Einstieg verpasst haben, die Möglichkeit, sich für eine Teilnahme im zweiten Durchgang zu melden.
 
Einladung zu Informationsveranstaltungen
Interessierte und ihre Angehörigen sind herzlich eingeladen, sich an einem der drei Termine in ihrer Stadt über die Studie KuS zu informieren, das Studienteam kennenzulernen und sich auf Wunsch gleich für die Teilnahme registrieren zu lassen.
 
 
Berlin:
Mittwoch, 19.07.2017, 17.30 Uhr, Montag, 04.09.2017, 18.30 Uhr oder Freitag, 08.09.2017, 17.30 Uhr im Systemischen Institut für Achtsamkeit (SIA), Friedelstraße 40, 12047 Berlin.
 
Raum München (Weyarn):
Dienstag, 18.07.2017, Dienstag, 25.07.2017 oder Montag, 31.07.2017, jeweils um 17.00 Uhr im Bürgergewölbe Weyarn, J.-B.-Zimmermann-Str. 5, 83629 Weyarn.
 
Erlangen:
Montag, 17.07.2017, Montag, 24.07.2017 oder Dienstag, 01.08.2017, jeweils um 16.30 Uhr im 1. Obergeschoss des Sandsteinhauses neben den Kopfkliniken, Schwabachanlage 10, 91054 Erlangen. Bitte den Hinweisschildern folgen.
 
 
Termine für die Gruppentherapien
Alle Gruppentherapien starten Mitte August/September 2017 und dauern insgesamt zehn Wochen.
 
Berlin
Start am 21. September 2017, voraussichtlich immer donnerstags von 16.30 bis 18.30 Uhr, entweder in der Boulderhalle „Bouldergarten“ in Berlin-Neukölln oder im Bürgerzentrum Neukölln.
 
Raum München (Weyarn)
Start am 21. August 2017, immer montags von 17.00 bis 19.00 Uhr, entweder in der Boulderhalle „KletterZ“ in Weyarn oder im Bürgergewölbe Weyarn.
 
Erlangen
Start am 22. August 2017, immer dienstags von 16.30 bis 18.30 Uhr, entweder in der Boulderhalle „Steinbock“ in Zirndorf oder in den Kopfkliniken des Uni-Klinikums Erlangen.
 
 
Die Protokollierung der Ergebnisse erfolgt durch Telefoninterviews mit den Probanden. Selbstverständlich werden die Angaben streng vertraulich behandelt. Die Studienteilnahme ist für alle zugelassenen Teilnehmer kostenlos. Finanziert wird die Studie von der OH-DO-KWAN Stiftung Ludmilla Pankofer und Carl Wiedmeier.
 
Ausführliche Informationen finden Sie unter: www.studiekus.de
 
Weitere Informationen:
 
PD Dr. Katharina Luttenberger
Telefon: 09131 85-34650
studiekus.psych@uk-erlangen.de
 
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05.07.17 Kooperation statt Konkurrenz
Pressemeldung der Landesärztekammer Bayern

„Die Zeit ist reif, den unsichtbaren Graben zwischen Versorgungssektoren in der Prävention, Kuration – ambulant/stationär – und Rehabilitation zu überwinden und Kooperation, Koordination und Kommunikation zwischen den Sektoren zu verbessern – horizontal und vertikal“, schreibt Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Leitartikel der Juli/August-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. Anstatt in einer Schockstarre zu verharren und in die innere Immigration zu gehen, müssten Ärztinnen und Ärzte sich neu ausrichten, um in der Medizin wieder die Führungsrolle zu übernehmen. Innovative Modelle müssten eine umfassende Gesundheitsversorgung für alle Einwohner einer Region sicherstellen, wobei ein populationsorientierter Ansatz mit (Präventiv-)Angeboten für verschiedene Bevölkerungsgruppen, notwendig sei. Hierbei sei auch eine systematische und koordinierte Einbeziehung verschiedener Berufsgruppen/Einrichtungen notwendig, gegebenenfalls mit Elementen der integrierten Versorgung. „Der Fokus dieses Betreuungskonzepts ist verstärkt auf Prävention, Rehabilitation sowie die Behandlung chronisch kranker Patienten gerichtet und zielt auf eine stärkere Gesundheitskompetenz des Patienten selbst und seines sozialen Umfelds ab“, schreibt Kaplan. Neben dem Aufbau eines ambulanten Netzwerks zwischen Ärzten, Psychotherapeuten, Apothekern, Heilmittelerbringern, ambulanten Pflegediensten oder Gesundheitshandwerkern sei eine abgestimmte Zusammenarbeit mit stationären Einrichtungen von der Akutversorgung bis zur Rehabilitation notwendig, wobei der sektorenübergreifende Charakter einen immer größeren Stellenwert einnehmen werde.

Wie notwendig eine intra- und interprofessionelle sowie sektorenübergreifende Versorgung sei, zeige sich derzeit in der Notfallversorgung. „Notwendig sind hier eine intensive Kooperation zwischen den Notaufnahmen in Kliniken und den vertragsärztlichen Versorgungsstrukturen sowie der Ausbau der Kooperation mit den Arztnotrufzentralen, Leitstellen und Fahrdiensten. Zur Koordinierung der Notfallversorgung müssen eindeutige, für die Patienten erkennbare Strukturen vorgehalten werden“, so der Präsident. Entscheidend sei, dass die Patienten über die Strukturen entsprechend informiert würden, beispielsweise durch Informations- und Aufklärungskampagnen über die Benutzung von Notfalleinrichtungen sowie über die neuen sektorenübergreifenden Versorgungsangebote.

Mehr zu „Kooperation statt Konkurrenz“ lesen Sie in der Ausgabe 7-8/2017 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-ärzteblatt.de.
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29.06.2017 Tag der offenen Tür am 02.07.2017 - Einblick in 60 Jahre Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 104/2017

Einladung zum Tag der offenen Tür am 02.07.2017 – Programm für die ganze Familie
 
Happy birthday – die Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen wird in diesen Tagen 60 Jahre alt und feiert ihren runden Geburtstag mit einem großen Tag der offenen Tür am Sonntag, 2. Juli 2017, von 11.00 bis 17.00 Uhr in der Palmsanlage 3 (knapp 50 Meter südlich vom Parkhaus „Uni-Kliniken“ entfernt). Interessierte sind dazu herzlich eingeladen!
 
2.400 qm Betriebsfläche auf vier Ebenen, ca. 70.000 patientenindividuelle aseptisch hergestellte Zubereitungen und 4 Millionen abgegebene Arzneimittelpackungen pro Jahr – die Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen gehört zu den größten und leistungsfähigsten des Landes. Ihre Kernaufgaben sind die Arzneimittelherstellung, die Belieferung mit Fertigarzneimitteln, die pharmazeutische Beratung sowie Forschung und Lehre. „Mit unserer Arbeit tragen wir wesentlich zum Erreichen des Behandlungsziels und Behandlungserfolgs für die Patienten des Universitätsklinikums bei“, sagt Chefapotheker Prof. Dr. Frank Dörje, der ein Team von 70 Mitarbeitern leitet.
 
Nach ihrer Gründung am 8. Januar 1957 war die Apotheke – damals noch mit zehn Mitarbeitern – zunächst im Keller des Gebäudes in der Universitätsstraße 22 untergebracht. Vierzig Jahre später folgte der ersehnte Umzug in das neu errichtete Versorgungszentrum in der Palmsanlage, wo die Einrichtung auch heute noch zu Hause ist. Eine außergewöhnliche Erweiterung gab es 2008: Per Kran wurde das Gebäude mit Modulbauelementen aufgestockt, in denen seitdem das hochmoderne Reinraumlabor untergebracht ist. „In 60 Jahren sind wir zu einem modernen pharmazeutischen Dienstleistungszentrum des Uni-Klinikums herangewachsen, das mit seinen Fachkenntnissen und seinen Möglichkeiten in Deutschland außergewöhnlich ist“, sagt Prof. Dörje. Neben dem Uni-Klinikum Erlangen versorgt die Apotheke außerdem das Waldkrankenhaus St. Marien Erlangen, die Fachklinik Herzogenaurach, das Kreiskrankenhaus St. Anna Höchstadt, die Klinik Fränkische Schweiz Ebermannstadt, die Rettungsdienste im Landkreis Erlangen-Höchstadt (BRK und ASB) sowie den ASB Fränkische Schweiz.
 
Individuelle Herstellung unter höchsten Hygienebedingungen
„Wir sind in der Lage, viele der speziellen Medikamente, die unsere Patienten benötigen, selbst herzustellen“, erläutert Prof. Dörje. Während Kapseln und Salben nur reine Bedingungen erfordern, brauchen andere Präparate einen sterilen oder sogar einen gänzlich partikelfreien, aseptischen Produktionsort. „Alle diese Ansprüche können wir voll erfüllen“, so der Chefapotheker. Bei der Herstellung kann das Apothekenteam auf die individuellen Patientenbedürfnisse eingehen. „So können wir hocheffektiv für Kinder und sogar für unsere kleinsten Patienten, die Frühchen, Arzneien genau so zusammenstellen, wie sie individuell gebraucht werden.“
 
Während in allen Produktionsräumen bereits unerlässliche Hygienestandards erfüllt werden – Fußüberzieher, Handschuhe und Mundschutz sind immer ein Muss –, ist das Reinraumlabor für die aseptische Herstellung eine Klasse für sich. Da hier unter anderem Infusionen für Schwerstkranke, etwa mit nicht funktionierendem Immunsystem, entstehen, gelten in diesem Labor die strengsten Vorschriften nach internationalen GMP-Richtlinien.
 
Wissen weitergeben
Eine weitere wichtige Aufgabe der Apotheke des Uni-Klinikums ist die pharmazeutische Beratung. „Wir stehen Kollegen am Uni-Klinikum, aber auch in öffentlichen Apotheken in unserer Funktion als Arzneimittelinformationszentrum der Bayerischen Landesapothekerkammer zur Seite“, erklärt Prof. Dörje. Außerdem ist die Erlanger Einrichtung Referenzapotheke der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker. „Besonders freuen wir uns über die erfolgreiche Arbeit unserer Stationsapotheker, die in einem deutschen Krankenhaus immer noch ungewöhnlich sind – im Unterschied zu England und den USA.“ Die fünf Pharmazeuten helfen in den Kliniken des Uni-Klinikums Erlangen sowohl bei schwierigen Fragen der Verabreichung und bei Wechselwirkungen weiter als auch dabei, Medikamente und Dosierungen optimal anzupassen. Damit kommt ihr Fachwissen Patienten und Ärzten gleichermaßen zugute.
 
„Ein weiterer Arbeitsbereich ist die Lehre“, erklärt Prof. Dörje. „Sie beginnt bei der Ausbildung von PTAs und pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten und reicht weiter über die Fort- und Weiterbildung von Gesundheits- und Krankenpflegern bis hin zur praktischen Ausbildung von Pharmaziestudenten und Pharmazeuten im Praktikum. Ein Lehrangebot in diesem Umfang ist in Bayern noch außergewöhnlich.“ Darüber hinaus unterstützt die Apotheke am Uni-Klinikum aktuell 87 Studien zu klinischen Arzneimittelprüfungen und im Herstellungsbetrieb ca. 15 nationale und europäische Studienvorhaben.
 
Tag der offenen Tür
Beim Tag der offenen Tür am Sonntag, 02.07.2017, erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit Führungen durch die Apotheke, aktuellen Infos zu pharmazeutischen Themen, Aktionen für Kinder, Imbiss, Getränken, Kaffee und Kuchen. Eröffnet wird der Tag um 11.00 Uhr mit Grußworten des stellvertretenden Ärztlichen Direktors des Uni-Klinikums Erlangen, Prof. Dr. Rainer Fietkau, und von Prof. Dörje. Die Einnahmen des Tages sollen dem Förderverein der Palliativmedizinischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen zugutekommen. Weitere Infos zum Tag der offenen Tür und zum Jubiläum unter: www.apotheke.uk-erlangen.de.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Frank Dörje
Telefon: 09131 85-33591
E-Mail: frank.doerje@uk-erlangen.de
 
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28.06.2017 Heilberufliche Selbstverwaltung bewährt sich seit 90 Jahren und hat Zukunft.
Pressestatement der bayerischen Heilberufekammern

Am 1. Juli 1927 trat das Gesetz über die Berufsvertretung der Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Tierärzte (Ärztegesetz) in Kraft.

Bereits seit 90 Jahren hat sich die heilberufliche Selbstverwaltung in Bayern als wesentlicher Mitgestalter eines leistungs- und funktionsfähigen Gesundheitssystems und Veterinärwesens bewährt. Die Heilberufekammern treten als Interessenvertretung der Mitglieder ihres Berufs-standes auf, setzen sich für eine stetige Verbesserung der Versorgung sowie der Prävention im Gesundheitswesen ein und achten auf die Einhaltung der jeweiligen Berufsordnung. Durch die Wahrnehmung dieser vom Gesetzgeber übertragenen Aufgaben stellen sie eine hohe Qualität bei der Berufsausübung sicher, auf die sich die Patienten verlassen können.

Am 1. Juli erinnern die bayerischen Heilberufekammern an den gesetzlichen Auftrag der Selbstverwaltung. Zentrale Aufgaben der Kammern, die als Körperschaften des öffentlichen Rechts verfasst sind, sind die Wahrnehmung der beruflichen Belange von Ärzten, Zahnärzten, Apothekern, Tierärzten, Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-psychotherapeuten, wie auch die Überwachung der Berufspflichten. Gesetzlicher Auftrag ist ebenso die Förderung der beruflichen Fortbildung und die Mitwirkung in der öffentlichen Gesundheitspflege, darüber hinaus auch die Schaffung sozialer Einrichtungen für Heilberufler und deren Angehörige. Die Kammern sind zuständig für die Weiterbildung und die Qualitätssicherung.

Für die Zukunft ist die Selbstverwaltung gut gerüstet, um ihrem gesetzlichen Auftrag nachzukommen. Dabei erfüllen die Körperschaften, zu denen in Bayern rund 120.000 Berufsträger zählen, ihren Gestaltungsauftrag unter dem Motto: „Aus der Praxis für die Praxis“. Wesentliches Merkmal ist die ehrenamtliche Wahrnehmung von Verantwortung in den Gremien der Selbstverwaltung, in Vorständen und Delegierten- beziehungsweise Vollversammlungen. Eine wichtige Aufgabe übernehmen die Kammern im Rahmen des Berufsbildungsgesetzes bei der Aus- und Fortbildung des Personals. Im Modell der dualen Ausbildung in der Praxis und an der Berufsschule kommt den Kammern unter anderem die Prüfungskompetenz zu.

Von der Politik fordern die bayerischen Heilberufekammern, deren Organe und Verwaltungen im Jahr 1928 die Arbeit auf Basis der neu geschaffenen Rechtsgrundlage aufnahmen, heute eine Rückbesinnung auf die Grundzüge des Selbstverwaltungsrechtes. Sie verweisen darauf, dass das in Europa einzigartige System der Selbstverwaltung den Staat in vielfältiger Weise entlaste und zugleich in wichtigen Fragen der Gesundheitspolitik und medizinischen sowie pharmazeutischen Versorgung unterstütze. Zugleich kritisieren die Vorstände der fünf bayerischen Heilberufekammern, dass der Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene immer stärker in die Selbstverwaltung hineinregiere und die Berufsausübung zunehmend reguliere. Mit Sorge sehen die Verantwortlichen den Versuch der Europäischen Kommission, im Zuge der sogenannten „Transparenz-Initiative“ die freiberufliche Selbstverwaltung teilweise infrage zu stellen.

Neben den (Landes-)Kammern bestehen nach dem bayerischen Heilberufe-Kammergesetz berufsständische Vertretungen in der Rechtsform der Körperschaft des öffentlichen Rechts auf Kreisebene (bei Ärzten) und Bezirksebene (Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte). Seit dem Jahr 2002 wird die Gruppe der Heilberufekammern durch die Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten komplettiert. Alle Heilberufekammern in Bayern finanzieren sich aus Beiträgen der jeweiligen Berufsträger, die Pflichtmitglieder ihrer jeweiligen Kammerorganisation sind. Die Rechtsaufsicht führt das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Die fünf Kammern sind Mitglied der jeweiligen Bundesorganisation in den entsprechenden Heilberufen.

Dr. Max Kaplan
Präsident
Bayerische Landesärztekammer

Christian Berger
Präsident
Bayerische Landeszahnärztekammer
 
Pharmazierat Thomas Benkert
Präsident
Bayerische Landesapothekerkammer

Dipl.-Psych. Dr. Nikolaus Melcop
Präsident
Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Dr. Karl Eckart
Präsident
Bayerische Landestierärztekammer

Kontakt:
Peter Knüpper, Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Landeszahnärztekammer, Telefon: 089 72480-112, Fax: 089 72480-444, E-Mail: presse@blzk.de

Die Presseinformation finden Sie unter www.blzk.de/pressemeldungen

21.06.2017 Die munteren Neunzigjährigen-Eine Studie der FAU untersucht die Lebenssituation hochbetagter Menschen im Alter ab 90 Jahren
uni | mediendienst | aktuell Nr. 96/2017

Wie sieht die Gesundheit und Lebenssituation der ältesten Menschen in Nordbayern aus? Ein neues Forschungsprojekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht im Rahmen einer Studie die Gesundheit, das Wohlbefinden und die sozialen Lebensbedingungen von Menschen im Alter von über 90 Jahren in Nürnberg, um die Bedingungen eines langen und gesunden Lebens besser zu verstehen.

In Bayern leben gut 107.000 Frauen und Männer im Alter von 90 Jahren und älter. Nach neuesten Schätzungen wohnen von diesen lediglich 28 Prozent in betreuten Einrichtungen. Eine große Mehrheit der über 90-jährigen Frauen und Männer lebt somit zuhause in den eigenen vier Wänden und führt dabei weitgehend ein selbstbestimmtes Leben. Bislang ist aber nur wenig bekannt, wie es dieser Mehrheit gesundheitlich geht, welche Herausforderungen sie täglich meistern und wie sie ihren Alltag gestalten.

Neue Befunde legen nahe, dass vor allem die sozialen Beziehungen und der enge Kontakt mit nahen Angehörigen entscheidend zu einem gesunden und guten Leben im Alter beitragen. So wurde vor Kurzem belegt, dass insbesondere positive Erfahrungen im sozialen Umgang mit anderen Menschen dazu verhelfen, gesundheitliche Belastung zu bewältigen und einen besseren Umgang mit Stress im Alter zu finden.

Im Rahmen der Studie „Leben in der zehnten Dekade“, die in Deutschland bislang einzigartig ist, werden Menschen im Alter von 90 Jahren und älter, die im eigenen Haushalt in Nürnberg leben, eingeladen, an einer etwa 90-minütigen Untersuchung teilzunehmen.
In der Zusammenarbeit der Lehrstühle für Gesundheitspsychologie und für Psychogerontologie der FAU mit der von der Schöller-Stiftung geförderten Beratung für gesundes Altern (BegA) untersuchen Gesundheitswissenschaftler, Gerontologen und Psychologen die körperliche und mentale Gesundheit sowie die soziale Lebenssituation von Männern und Frauen im Alter ab 90 Jahren. Dabei werden unter anderem die Blutwerte der Teilnehmenden erfasst sowie die körperliche und geistige Funktionstüchtigkeit untersucht. Die Teilnahme ist kostenfrei. Alle Untersuchungen und Befragungen finden in den Räumen der Beratungsstelle für gesundes Altern (BegA) am Institut für Psychogerontologie, in der Kobergerstraße 90, in Nürnberg, statt.
Weitere Informationen:

Prof. Dr. Frieder Lang
Tel.: 0911/5302-96102
frieder.lang@fau.de

Julia Goth
Tel.: 0911/5302-96115
julia.goth@fau.de

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21.06.2017 Wie Zellen fest zusammenhalten ---- Studien werfen ein neues Licht auf Zell-Zell-Kontakte
uni | mediendienst | forschung Nr. 52/2017

Bei der Entstehung und Stabilität von Zell-Zell-Kontakten spielen physikalische Effekte eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das hat das Team um Prof. Dr. Ana-Suncana Smith von der PULS Group der Professur für Theoretische Physik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Zusammenarbeit mit deutschen und französischen Kollegen herausgefunden und kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Physics“ veröffentlicht (DOI: 10.1038/nphys4138).

Für viele Zellen des Körpers ist es enorm wichtig, dass sie kontrolliert zusammenhalten und sich kontrolliert trennen. Das ist etwa dann der Fall, wenn sich in einem Embryo die Organe bilden. Oder wenn es bei der Wundheilung darum geht, offene Stellen in der Haut zu versiegeln. Wie bedeutsam enge Zell-Zell-Kontakte sind, zeigt sich vor allem dann, wenn sie versagen. Wenn sie zum Beispiel in einem Tumor locker werden und sich lösen. Der Zellverband des Tumors neigt in diesem Fall dazu, sich aufzulösen und Metastasen zu bilden.

Cadherine als wichtige Akteure

Bei den genannten Beispielen kommt den Cadherin-Proteinen eine tragende Rolle zu. Sie sitzen in den Zellmembranen und können sich untereinander, aber auch mit den Cadherinen anderer Zellen fest verbinden. Eine Bindung zwischen zwei Cadherin-Molekülen zweier Zellen setzt dabei quasi den Startschuss für die Ausbildung von flächigen Kontaktzonen. Die FAU-Forscher haben nun die Theorie entwickelt, dass der Prozess des Bildens und Lösens von Kontakten dabei offenbar viel stärker von rein physikalischen Effekten abhängig ist als bisher gedacht. Dies haben Computersimulationen und Experimente, die die Kollegen aus Würzburg, Jülich, Stuttgart und Marseille durchgeführt haben, bestätigt.

Modellmembranen in Kontakt gebracht

Die Wissenschaftler haben Cadherin-haltige Modellmembranen miteinander in Kontakt gebracht und dann gezielt verschiedene physikalische Parameter verändert, die Einfluss auf das Fluktuationsverhalten der Membran haben, etwa die Zucker- oder die Salzkonzentration. Schon sehr kleine Veränderungen hatten dabei sehr große Auswirkungen auf die Entstehung und das Wachstum der Zell-Zell-Kontakte. Damit besteht die Möglichkeit, einen biologischen Prozess durch die Veränderung rein physikalischer Parameter zu regulieren, etwa die Temperatur, Aktivität oder lokale Lipidzusammensetzung der Membran. Die Forscher gehen davon aus, dass auf der Grundlage der physikalischen Eigenschaften dieses Kontrollmechanismus ähnliche, durch Membrane ausgelöste Interaktionen zwischen den Proteinen in vielen Zellprozessen geschehen, die von Membran-Protein-Verdichtungen abhängig sind.

Die Forschungen wurden durch einen ERC Starting Grant des European Research Councils, einen EAM Starting Grant des FAU-Clusters Engineering for Advanced Materials sowie das Graduiertenkollegs 1962 an der FAU gefördert. Sie werden im Rahmen des Projekts BigThera der FAU Emerging Field Initiative fortgeführt. Weitere Informationen:    www.puls.physik.fau.de

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19.06.2017 Allianz für Gesundheitskompetenz -Montgomery: "Kinder für Gesundheitsthemen begeistern"
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 19.06.2017 – Zu den heute vorgestellten Zielen der Allianz für Gesundheitskompetenz erklärt der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery:

"Gesundheitskompetenz ist mehr, als das Wissen über eine gesunde Lebensführung. Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag angemessene Entscheidungen zur Gesundheit treffen zu können. Gesundheitskompetenz ist also der Beitrag, den Patienten leisten können, um dem Idealbild des Patient-Arzt-Verhältnis nahezukommen. Voraussetzung dafür ist, dass wir den Menschen die Möglichkeiten geben, sich diese Kompetenzen anzueignen. Wir unterstützen deshalb die heute vorgestellten Ziele der unter Federführung des Bundesgesundheitsministeriums gegründeten Allianz für Gesundheitskompetenz und bringen uns in die Umsetzung ein.

Kompetenzvermittlung muss früh ansetzen. Deshalb ist es richtig, dass sich die Allianz dafür ausspricht, Gesundheit zu einem Bestandteil der Bildungs- und Lehrpläne von Kindertagesstätten,
allgemeinbildenden Schulen sowie Weiter- und Fortbildungseinrichtungen zu machen. Wir müssen Kinder schon früh für Gesundheitsthemen begeistern. Jetzt sind die Kultusminister der Länder gefragt, mit uns an einem Strang zu ziehen.

Der Deutsche Ärztetag hatte sich bereits vor wenigen Wochen intensiv mit der Gesundheitsförderung in Kindergärten und Schulen beschäftigt. Wir müssen Gesundheit und gesundheitliche Kompetenzen im Kindes-und Jugendalter fördern, damit Kinder und Jugendliche körperliche und seelische Prozesse besser verstehen können und zu einer gesunden Lebensführung motiviert
werden. Wir haben herausgearbeitet, was dafür notwendig ist. So sollten gesundheitsrelevante Themen in die Ausbildung von Lehrern und Erziehern sowie in die schulischen Lehrpläne
aufgenommen werden. Denkbar sind projektbezogener Unterricht, eigene Unterrichtseinheiten sowie ein eigenes Schulfach „Gesundheit“. Hier ist die Kultusministerkonferenz gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.

So lange wollen wir aber nicht warten. Deshalb unterstützen schon jetzt mehrere Landes-ärztekammern in strukturierten Programmen Schulen beim gesundheitsbezogenen Unterricht.

Gesundheitskompetenz ist aber auch im Erwachsenenalter zu fördern: Hier gilt: Kompetenz setzt gute Kommunikation insbesondere durch Ärztinnen und Ärzte voraus. Deswegen
begrüßen wir, dass soziale und kommunikative Kompetenzen nun regelhaft im Medizinstudium vermittelt werden und zwar nicht nur als ein einmaliges Seminar, sondern in vielen Facetten in allen
Gebieten mit Patientenkontakt. Damit dies auch an allen Studienorten und in gleichem Umfang gewährleistet wird, war es wichtig, dass entsprechende Inhalte in den Lernzielkatalog für
Medizinstudierende aufgenommen wurden, dem sogenannten Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin.
Auch nach dem Studium unterstützen gerade die Landesärztekammern die Ärzte durch entsprechende Angebote wie Seminare, kommunikative Kompetenzen weiter zu
entwickeln."
Diese Pressemitteilung finden Sie auch im Internet unter www.bundesaerztekammer.de
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
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Ansprechpartner: Alexander Dückers
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16.06.2017 Regenerieren wie der Zebrafisch-FAU-Forscher untersuchen neuen Ansatz für die Behandlung von Herzkrankheiten
uni | mediendienst | forschung Nr. 49/2017

Derzeit leiden fast 40 Millionen Patienten weltweit an einer verminderten Herzfunktion, der Herzinsuffizienz. Obwohl Vorbeugung und Minimierung von Herzschäden fortschreiten, nimmt die Anzahl an Herzinsuffizienz erkrankten Menschen immer weiter zu. Hauptursache für eine verminderte Herzfunktion ist der Verlust von Herzmuskelzellen, also dass Teile des Herzgewebes absterben, zum Beispiel aufgrund einer ungenügenden Durchblutung nach einem Herzinfarkt. Besonders schlimm für die Betroffenen: Zurzeit gibt es noch keine Therapie, die den Verlust von Herzmuskelzellen umkehren kann. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nun nach Faktoren gesucht, welche die Vermehrung von menschlichen Herzmuskelzellen anregen könnte. Dabei haben sie ein Molekül entdeckt, dass einen bestimmten Rezeptor im Zellkern aktiviert. Bei Mäusen mit einem Herzinfarkt führt dies nach einer Behandlung zu einer verbesserten Funktion des Herzens. Ihre Ergebnisse haben die Erlanger Forscher im angesehenen Nature-Journal „Cell Research“ veröffentlicht.

Ein Blick ins Tierreich zeigt Erstaunliches: Im Gegensatz zum Menschen kann der Zebrafisch sein Herz regenerieren. Die wenige Zentimeter großen Fische, bei uns häufig als Zierfische in Aquarien gehalten, gehören neben Lurchen zu den wenigen Tierarten, die diese Fähigkeit besitzen. Wird der Herzmuskel beschädigt, beginnen Zebrafische die verbliebenen Zellen zu teilen, um die Verletzung zu heilen. Anders beim Menschen: Hier bildet sich im Falle einer Verletzung lediglich Narbengewebe, da die Herzmuskelzellen sich nicht ausreichend vermehren können – dies ist bei Säugetieren nur während der Entwicklung des Embryos möglich – und das Herz anscheinend keine Stammzellen besitzt, aus denen genug neue Herzmuskelzellen entstehen können.

Allerdings hat sich in jüngster Vergangenheit gezeigt, dass auch neugeborene Mäuse und Ratten ihre Herzmuskelzellen vermehren können. „Sogar beim Menschen könnte dies bei einem kleinen Bruchteil der Herzmuskelzellen der Fall sein“, sagt Prof. Dr. Felix Engel, Leiter der Arbeitsgruppe und Inhaber der Professur für Experimentelle Nieren- und Kreislaufforschung der Nephropathologischen Abteilung der FAU. „Im Tiermodell haben wir nun nachgewiesen, dass die Fähigkeit zur Vermehrung von Herzmuskelzellen ebenfalls bei ausgewachsenen Mäusen zu finden ist“, sagt Engel. Unter der Annahme, dass die Funktion, welche die Vermehrung von Herzmuskelzellen ermöglicht, auch nach wie vor bei ausgewachsenen Säugern erhalten ist, hatten Engel und sein Team diesen Mechanismus und seine Faktoren untersucht. Dafür haben die Erlanger Forscher mithilfe ihrer Kollegen aus der Universität Ulm und der University of Alabama at Birmingham die Herzmuskelzellen von neugeborenen Ratten durch ein groß angelegtes Screening auf eine Reaktion mit verschiedenen chemischen Molekülen hin getestet.

Dabei haben Engel und sein Team als möglichen Faktor zur Vermehrung von Herzmuskelzellen Carbacyclin identifiziert. Das Molekül ist eine künstliche Variante des natürlich vorkommenden Prostacyclin, welches die Durchblutung von Gewebe verbessert. Wie nachfolgende Untersuchungen gezeigt haben, aktiviert Carbacyclin den im Zellkern vorhandenen Hormonrezeptor PPARδ. Dieser Rezeptor findet sich in nahezu jeder menschlichen Gewebezelle. Die Forscher konnten zeigen, dass diese Aktivierung nicht nur für die effiziente Herzregeneration im Zebrafisch benötigt wird , sondern auch, dass PPARδ die Vermehrung von Herzmuskelzellen der Ratte und des Menschen induziert. Eine weitere Erkenntnis der Forscher um Engel: Wird der Rezeptor PPARδ nach einem Infarkt in der Maus aktiviert, verbessert sich nicht nur die Herzfunktion, auch die Narbenbildung verringert sich.

„Es scheint also möglich, die Vermehrung von Herzmuskelzellen bei Säugetieren durch die Stimulation mit Therapeutika durch die Manipulation von Signalwegen auszulösen“, erklärt Engel. Dies könnte somit ein vielversprechender neuer Ansatz für die Behandlung von Herzkrankheiten sein, die mit dem Verlust von Herzmuskelzellen einhergehen. Das langfristige Ziel ihrer Arbeit sei es, sagt Engel, Mechanismen, welche das Herzwachstum kontrollieren, aufzuklären sowie weitere Wege zu identifizieren, welche das Potential haben, die Anzahl an Herzmuskelzellen zu erhöhen, Herzschäden zu begrenzen und die Herzfunktion wiederherzustellen.

Die Ergebnisse sind im Nature-Journal „Cell Research“ unter dem Titel „Live cell screening platform identifies PPARδ as a regulator of cardiomyocyte proliferation and cardiac repair“ (DOI:10.1038/cr.2017.84) veröffentlicht worden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Felix Engel
Tel.: 09131/85-25699
felix.engel@uk-erlangen.de
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06.06.2017 Für eine verpflichtende Impfberatung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Impfungen gehören zu den wirksamsten präventiven Maßnahmen der Medizin. Moderne Impfstoffe sind gut verträglich und unerwünschte Arzneimittelwirkungen werden nur in extrem seltenen Fällen beobachtet und stehen in keinem Verhältnis zu den möglichen Komplikationen, die bei den Erkrankungen auftreten können, gegen die wir in Deutschland impfen“, sagt Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) in der gegenwärtigen Debatte um ein härteres Vorgehen der Bundesregierung gegen Impfgegner. Denn Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will Kitas verpflichten, Eltern beim Gesundheitsamt zu melden, wenn sie keinen Nachweis über eine Impfberatung beim Haus- oder Kinderarzt vorlegen. Der Minister will damit erreichen, dass die Gesundheitsämter gezielt auf Eltern zugehen und sie dazu bringen können, ihr Kind impfen zu lassen. Bei einer hartnäckigen Verweigerung sollen die Ämter gar Bußgelder gegen die Impfmuffel verhängen.

Harte Zwangsmaßnahmen sind für Kaplan jedoch nur die allerletzte Alter-native; er spricht sich jedoch für einen Nachweis über eine Impfberatung beim Haus- oder Kinderarzt aus, geht es um einen Platz in Kita, Kindergarten oder Hort. Kaplan appelliert an die Vernunft und an die Solidarität: „Für einen ausreichenden Impfschutz der Patienten zu sorgen, ist eine wichtige Aufgabe unserer ärztlichen Tätigkeit.“ Daher sei der frühzeitige Beginn der Grundimmunisierung bei Säuglingen und Kleinkindern zeitgerecht durchzuführen. Aus ärztlicher Sicht könne man von unterlassener Hilfeleistung und von Vernachlässigung elterlicher Fürsorgepflicht sprechen, wenn einem Kind der derzeit mögliche Schutz vor impfpräventablen Erkrankungen vorenthalten wird. Schutzimpfungen seien dabei nicht ausschließlich eine individualmedizinische Maßnahme. „Wer sich und seine Kinder impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch alle Menschen, die mit ihm in Kontakt treten. Impfen ist ein Gebot der Solidarität aller mit allen“, so Kaplan. „An Masern müssten heute keine Menschen mehr sterben, daher spreche ich mich für die verpflichtende Impfberatung aus. Den Forderungen nach einer Impfpflicht, die bereits von der Politik diskutiert wird, möchte ich mich nicht anschließen, letztendlich aber auch nicht ausschließen“, sagt Bayerns Ärzte-Chef.
Mit Impfungen erreicht man einen flächendeckenden Schutz vor gefährlichen Erkrankungen, wenn eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent der Bevölkerung erzielt wird.
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06.06.2017 Allergiezellen als „Kickstarter“ der Blutgerinnung und Auslöser von Thrombosen identifiziert
uni | mediendienst | forschung Nr. 47/2017

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben einen neuen Mechanismus entschlüsselt, der zentral in die Blutstillung nach Verletzungen sowie in die Entstehung von Thrombosen eingreift. Die Auswertung klinischer Daten von Patienten mit Herzinfarkten, Schlaganfällen und Beinvenenthrombosen führte das Team um Prof. Dr. Gerhard Krönke von der Medizinischen Klinik 3 des Universitätsklinikums Erlangen auf die Spur einer Untergruppe von weißen Blutkörperchen, den Eosinophilen Granulozyten. Diese Immunzellen wurden bisher hauptsächlich mit allergischen Erkrankungen und der Abwehr von Wurminfektionen in Verbindung gebracht. Die kürzlich im Journal of Experimental Medicine veröffentlichten Daten (DOI: 10.1084/jem.20161070) zeigen nun allerdings, dass Eosinophile Granulozyten zentrale Manager der Blutgerinnung und -stillung sind.

Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenembolie stellen die häufigsten Todesursachen in Industrienationen und zunehmend auch in Entwicklungsländern dar. Ursache für diese Erkrankungen ist meist ein akuter Gefäßverschluss, wobei ein Gerinnsel im Gefäß entsteht, welches dieses verschließt und zur Unterversorgung des betroffenen Organs mit Sauerstoff führt. Die Mechanismen, die zur Entstehung von Thrombosen führen, sind bisher jedoch nicht vollständig geklärt.

Überraschende Funktion in der Blutgerinnung

In Kooperation mit Wissenschaftlern aus Großbritannien, den USA, Italien, Österreich und Deutschland gelang es der Arbeitsgruppe von Prof. Krönke einen wichtigen neuen Mechanismus der Thromboseentstehung zu entschlüsseln. Überraschenderweise spielt hierbei das Immunsystem eine entscheidende Rolle:  Eine Untergruppe weißer Blutkörperchen, sogenannte Eosinophile („rot-liebenden“) Granulozyten fördert nicht nur die Blutgerinnung, sondern begünstigt auch die Entstehung von Thrombosen. Diese Entdeckung war für die Wissenschaftler völlig überraschend: Bisher gingen Forscher davon aus, dass diese Zellen in erster Linie an der Abwehr von Wurminfektionen beteiligt sind und darüber hinaus eine wichtige Rolle bei allergischen Erkrankungen wie Asthma und Heuschnupfen spielen. „Durch gezielte enzymatische Veränderungen ihrer Zellmembran sind Eosinophile Granulozyten jedoch in der Lage, die Blutgerinnung zu aktivieren und somit zur Stabilisierung eines Blutgerinnsels beizutragen“, erklärt Dr. Stefan Uderhardt, Erstautor der Studie. Das fördert einerseits einen raschen Wundverschluss nach Gefäßverletzungen und verhindert hierdurch einen übermäßigen Blutverlust, scheint allerdings auch ein substanzielles Thromboserisiko mit sich zu bringen. So konnte das Wissenschaftlerteam zeigen, dass eine verstärkte Aktivierung dieser Zellen mit einer Steigerung des Schlaganfall- und Herzinfarktrisikos verbunden ist.

Evolutionär konservierter Zelltyp

„Unsere Erkenntnisse legen nahe, dass ein evolutionär sehr alter Teil des Immunsystem dazu entwickelt wurde, Verletzungen des Körpers abzudichten und hierdurch Schäden einzudämmen“, sagt FAU-Forscher Dr. Jochen Ackermann, der andere Erstautor der Studie. Eosinophile Granulozyten gehören zu den ältesten Zellen des Immunsystems und sind in nahezu allen höheren Tieren anzutreffen. Durch die neu gewonnenen Einsichten erhoffen sich die beteiligten Wissenschaftler neue Möglichkeiten zur therapeutischen Beeinflussung der Blutgerinnung, um Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall besser therapieren zu können.

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02.06.17 Tag der Organspende
Montgomery: „Wir brauchen mehr Verbindlichkeit“

Berlin, 02.06.2017 – Zum Tag der Organspende am 3. Juni 2017 erklärt Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery:

„Es ist gut, dass mit 80 Prozent die große Mehrheit der Bevölkerung der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber steht. Leider verfügt nach wie vor nur ein Drittel der Menschen über einen Organspendeausweis. Die 10.000 Patienten auf der Warteliste brauchen mehr Verbindlichkeit bei diesem Thema. Alle sind aufgerufen, nicht nur die vielfältigen Informationsangebote
zur Organspende zu nutzen, sondern auch den entscheidenden Schritt weiter zu gehen und ihre persönliche Einstellung zu dokumentieren oder mit Angehörigen zu besprechen. Diese
Entscheidung muss wohlüberlegt sein. Sie sollte am Ende aber auch getroffen werden. Den schwerkranken Menschen auf der Warteliste läuft buchstäblich die Zeit davon.“
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01.06.2017 Einsicht ins Immunsystem- DFG fördert Transregio zur Erforschung des Immunsystems mit weiteren 13 Millionen Euro
uni | mediendienst | forschung Nr. 46/2017

Grundlegend neue Erkenntnisse über die Funktionsweise des Immunsystems und ein neuer Therapieansatz zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten: Diese Erfolge kann der Forscherverbund Transregio-SFB TRR130 „B-Zellen: Immunität und Autoimmunität“ vorweisen, dessen Sprecher Prof. Lars Nitschke vom Lehrstuhl Genetik die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist.  Um die erfolgreiche Arbeit fortzusetzen, fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Transregio nun für weitere 4 Jahre mit insgesamt 13 Millionen Euro, von denen etwa ein Drittel an die FAU fließt.
B-Zellen sind Teil des menschlichen Immunsystems: Dringen Krankheitserreger in den Körper ein, schütten sie Antikörper aus, die die Eindringlinge bekämpfen. In dem Transregio untersuchen Wissenschaftler der FAU, der Universität Freiburg und der Charité Berlin, was B-Zellen dazu bringt, Antikörper zu produzieren und wie diese ausgeschüttet werden. Sie wollen besser verstehen, wie eine Immunantwort eingeleitet wird. Zweiter Schwerpunkt sind die Fehlfunktionen der B-Zellen: Sie führen dazu, dass Antikörper den eigenen Organismus angreifen. Folge dieser Autoimmunreaktionen können schwerwiegende Krankheiten wie Rheumatoide Arthritis, Systemischer Lupus Erythematodes (SLE) – auch bekannt als Schmetterlingsflechte – oder Multiple Sklerose sein.

Fortschritte bei Therapie von Autoimmunkrankheit SLE
In der ersten Förderperiode haben die Wissenschaftler den sogenannten „B-Zell Antigen Rezeptor“ untersucht, der für die erste Aktivierung von B-Zellen verantwortlich ist. Dabei fanden sie heraus, dass der Aufbau dieses Rezeptors ganz anders ist, als bisher angenommen. Des Weiteren konnten die Wissenschaftler zum ersten Mal den Mechanismus zeigen, wie sogenannte „Gedächtnis“-B-Zellen bei einer wiederkehrenden Infektion eine schnellere und höhere Antikörperausschüttung auslösen: Sie bekommen erhöhte Signale, die sie schneller zu Plasmazellen reifen lassen, die Antikörper in hoher Menge ausschütten.

Bei Autoimmunkrankheiten wie SLE  produzieren die Plasmazellen jedoch Antikörper, die gegen den eigenen Körper gerichtet sind. Auch hier konnten die Wissenschaftler Fortschritte erzielen. Ihnen ist es mit einer neuen Therapie erstmals gelungen, die Plasmazellen in solchen Krankheiten zu töten.

Weitere Informationen zum Transregio-SFB TRR130 zum Thema „B-Zellen: Immunität und Autoimmunität“ finden Sie unter http://www.trr130.forschung.uni-erlangen.de/index.php/de/home.html.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Lars Nitschke
Tel.: 09131/85-28453
lars.nitschke@fau.de
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01.06.2017 Warum neue Gefäße Nervenzellen töten - FAU-Forscher versuchen Neubildung von kranken Gefäßen zu verhindern
uni | mediendienst | forschung Nr. 45/2017

Bei besonders gefährlichen Hirntumoren, genannt Glioblastome, können Chemotherapien nur selten greifen. Grund hierfür sind die Gefäßneubildungen und das Absterben von Nervenzellen. Das Ärzteteam um Nicolai Savaskan vom Lehrstuhl für Neurochirurgie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat nun nachgewiesen, dass dies verhindert werden kann, wenn ein Schlüsselgen in Hirntumoren gestoppt wird. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Oncogene veröffentlicht (DOI: 10.1038/onc.2017.146).

Bei Hirntumoren wird die Behandlung häufig dadurch erschwert, dass sich im Hirngewebe exzessiv Flüssigkeit ansammelt. Diese entsteht vor allem dadurch, dass sich gefährliche Gefäße neubilden und Nervenzellen absterben. Das Forscherteam um Savaskan konnte zeigen, dass Hirntumore, sogenannte Gliome, verstärkt das Schlüsselgen ATF4 abgeben. ATF4 führt zum Tod von Nervenzellen und somit zum Verlust von gesundem Hirngewebe im umliegenden Hirnbereich. Als Folge davon verschlechtert sich die Lebensqualität des Patienten und seine Überlebenszeit reduziert sich.

Wenn die ATF4-Funktion pharmakologisch oder genetisch mittels kleiner RNA-Moleküle blockiert wird, bleibt der Verlust von gesundem Hirngewebe aus und es bilden sich zudem keine krankhaften Gefäße. Diesen Zusammenhang weisen auch große klinische Datenanalysen des Nationalen Krebsregisters der USA von Hirntumorpatienten auf. Sie deuten auf einen potentiell neuen Therapieansatz hin. Dabei wird zum einem mittels Chemotherapie das Wachstum des Tumors bekämpft und zum anderen eine schädigende Wirkung auf das gesunde Gehirngewebe verhindert. „Noch ist es völlig offen, wie wir die Erkenntnisse in der Behandlung von Hirntumorpatienten übersetzen können“, sagt Savaskan. „Sie eröffnen jedoch in jedem Fall ganz neue Ansätze der pharmakologischen Behandlung von Hirntumoren.“

Die Forschungsarbeit ist online frei verfügbar unter: http://www.nature.com/onc/journal/vaop/ncurrent/full/onc2017146a.html

Weitere Informationen:
Dr. Nicolai Savaskan
Tel.: 09131/85-44748
nicolai.savaskan@uk-erlangen.de

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29.05.2017 Weiterer Meilenstein zu neuer (Muster-)Weiterbildungsordnung erreicht
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Sehr geehrte Damen und Herren, anbei erhalten Sie eine aktuelle Pressemitteilung der Bundesärztekammer.

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Weiterer Meilenstein zu neuer (Muster-)Weiterbildungsordnung erreicht

26.05.2017 Vorträgeam 31. Mai : „Schmerz und Stress – zwei wie Pech und Schwefel“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 82/2017

Mittwoch, 31. Mai, 17.00 Uhr, Hörsaal der Kinder- und Jugendklinik, Loschgestraße 15, Erlangen
Schmerzen sind Dauerstress für das Nervensystem. Aber auch andere Faktoren können die „Stress-Alarmanlage“ im Gehirn auslösen. Dann kommt es zu zahlreichen seelischen und körperlichen Stressreaktionen. Schmerz und Stress können sich dabei gegenseitig verstärken. Um darüber aufzuklären und Wege aufzuzeigen, den Teufelskreis zu durchbrechen, beteiligt sich das interdisziplinäre Schmerzzentrum (Sprecher: Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler, Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab) des Universitätsklinikums Erlangen dieses Jahr mit dem Thema „Schmerz und Stress – zwei wie Pech und Schwefel“ wieder am bundesweiten Aktionstag gegen den Schmerz, den die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. ausrichtet. Das Schmerzzentrum lädt am Mittwoch, den 31.05.2017, von 17.00 bis 19.00 Uhr zu drei Vorträgen mit anschließender Diskussionsrunde in den Hörsaal der Kinder- und Jugendklinik, Loschgestraße 15, in Erlangen, ein. Der Eintritt ist frei.

Die Vorträge beleuchten Wechselwirkungen von Schmerz und Stress: Diplom-Psychologin Patricia Albert klärt über Stressbewältigung für Schmerzpatienten auf. Dr. Britta Fraunberger erklärt, wie Kopf- und Rückenschmerzen durch Stress beeinflusst werden. Abschließend erläutert Diplom-Sportlehrer Gottfried Hois, wie auch Menschen mit hartnäckigen Schmerzen Bewegung wirksam zum Abbau und zur Vorbeugung von Stress nutzen können. „Die Veranstaltung richtet sich sowohl an Betroffene und deren Angehörige als auch an niedergelassene Ärzte sowie weitere Interessierte“, sagt Dr. Norbert Grießinger, leitender Oberarzt des Schmerzzentrums. „Ziel ist es, neue Behandlungsmöglichkeiten und aktuelle Trends der Forschung in die Öffentlichkeit zu tragen.“

Im interdisziplinären Schmerzzentrum des Universitätsklinikums Erlangen arbeiten Schmerzspezialisten (Anästhesisten, Neurologen, Orthopäden, Kinderärzte, Psychotherapeuten, Psychologen, Fachpflegekräfte, Sporttherapeuten und Krankengymnasten) fachübergreifend zusammen. Angeboten werden interdisziplinäre Therapieprogramme für Patienten mit chronischen Schmerzen. Eine Besonderheit sind Gruppen speziell für Kinder und Senioren.

Ausführliche Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter www.schmerzzentrum.uk-erlangen.de.
Weitere Informationen:
Gabriele Gämlich, Tel.: 09131/85-32558, schmerzzentrum@uk-erlangen.de

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18. Mai 2017 Montgomery: „Notfallhilfe im Standby-Modus halten“
Pressenachricht der Bundesärztekammer

Berlin, 18.05.2017 – Zu dem G20-Gesundheitsministertreffen am 19. und 20. Mai 2017 in Berlin erklärt der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery:
„Es ist gut, dass Deutschland die globale Gesundheit nach der G7-Präsidentschaft nun auch zu einem Schwerpunkt der G20-Präsidentschaft gemacht hat. Die Ebola-Katastrophe in Westafrika
hat gezeigt, dass wir bei der nächsten Pandemie besser vorbereitet sein müssen. Um schnell reagieren zu können, brauchen wir Notfallhilfe und Kriseninterventionsmaßnahmen im Standby-
Modus. Der Aufbau des European Medical Corps gegen weltweite Epidemien hat uns einen riesigen Schritt vorangebracht. Das allein aber reicht nicht. Wir brauchen für den Ernstfall international
abgestimmte Informationsketten. Verantwortlichkeiten müssen klar geregelt sein und Ansprechpartner in potentiellen Krisenländern bestimmt werden. Vor allem aber müssen wir die
Gesundheitseinrichtungen und -strukturen vor Ort stärken. Funktionierende Gesundheitssysteme sind die beste Pandemieprävention. Wenn die G20-Minister hier zu guten Lösungen kommen, ist viel erreicht.
Gleiches gilt für das zweite Tagungsthema – den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen. In Deutschland wurden mit der Antibiotika-Resistenzstrategie wichtige Maßnahmen auf den Weg
gebracht, mit denen unter anderem die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika, alternativer Therapiemethoden und schnellerer Testverfahren verstärkt werden sollen. In der ärztlichen
Aus- und Weiterbildung werden grundlegende Kenntnisse über Antibiotika-Resistenzen und eine rationale Antibiotika-Therapie vermittelt. Zudem sind Fragen zum Einsatz von Antibiotika fester
Bestandteil der Fortbildungsprogramme der Landesärztekammern. Aber auch hier gilt: Den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen können wir nur gewinnen, wenn wir weltweit an einem Strang ziehen. Deutschland hat in den letzten Jahren eine Vorreiterrolle übernommen. Diesen Weg müssen wir
weitergehen.“
Pressemitteilung
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Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
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10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
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G20-Gesundheitsministertreffen

am 20. Mai 2017 Einladung zum Tag der Immunologie "Pirates of the Immuno-Bay"
uni | mediendienst | aktuell Nr. 75/2017

Wie schützt sich unser Körper vor Krankheitserregern? Wie funktioniert unser Immunsystem? Und wie kann ich mich mit Hilfe von Impfungen vor Krankheiten schützen? Im Rahmen des Tags der Immunologie ermöglichen Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen Einblicke ins  Gefecht zwischen Immunsystem und Krankheitserregern. Am Samstag, 20. Mai, von 10 bis 16 Uhr, bieten sie mitten in Erlangen, am Hugenottenplatz, ein spannendes und abwechslungsreiches Programm und informieren über alle Aspekte rund um das Thema Immunologie.
 
Jeden Tag schützt das Immunsystem den menschlichen Körper vor Milliarden von Keimen, ohne dass wir es merken. Nur wenn es uns einmal im Stich lässt, schenken wir ihm Aufmerksamkeit. Am Tag der Immunologie präsentieren junge Wissenschaftler der FAU und des Uniklinikums Erlangen für jeden verständlich die Geheimnisse der menschlichen Abwehr gegen Krankheitserreger. Dabei gibt es nicht nur Interessantes rund um die Bereiche Infektion und Impfung zu erfahren. Vielmehr können alle Besucher selbst spielerisch entdecken, wie das Immunsystem den menschlichen Körper gegen Eindringlinge von außen verteidigt. Speziell für Kinder gibt es die Möglichkeit, an Mitmach-Stationen die Welt der menschlichen Abwehr zu erkunden. Dabei können sie attraktive Preise gewinnen. Auch das Bayerische Rote Kreuz ist mit Ständen vertreten und bietet vor Ort verschiedene Gesundheitsuntersuchungen an.
 
Die Abteilung für Molekulare Immunologie an der Medizinischen Klinik 3 des Uni-Klinikums Erlangen, das Graduiertenkolleg 1660 („Schlüsselsignale der adaptiven Immunantwort“ und das Integrierte Graduiertenkolleg des Transregio 130 „B-cells and beyond“ (Leiter Prof. Dr. Hans-Martin Jäck) des Universitätsklinikums Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg organisieren wie schon in den Vorjahren den diesjährigen Tag der Immunologie.
 
Ziel des europaweiten Tags der Immunologie ist, das Augenmerk der Entscheidungsträger aus Wissenschaft und Forschung auf dieses für die Volksgesundheit so wichtige Fachgebiet innerhalb der Medizin und Biologie zu lenken. Außerdem soll die Öffentlichkeit Einblick in die aktuelle Forschung auf dem Gebiet der Immunabwehr erhalten und in diesem Jahr im Speziellen über die Wichtigkeit von Impfungen aufgeklärt werden.
 
Informationen:
Prof. Dr. Hans-Martin Jäck, Tel.: 09131/85-35913, E-Mail: hans-martin.jaeck@fau.de
Dr. Anja Glanz , Tel.: 09131/85-43219, E-Mail: anja.glanz@uk-erlangen.de
Dr. Agnes Giniewski, Tel.: 09131/85-43219, E-Mail: agnes.giniewski@uk-erlangen.de

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11.05.2017 Aktionswoche Alkohol
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer und der Hauptstelle für Suchtfragen

vom 13. bis 21. Mai 2017 findet deutschlandweit zum sechsten Mal die Aktionswoche Alkohol statt. In Bayern sind nach Schätzungen rund 270.000 Menschen alkoholabhängig und 1,1 Millionen konsumieren Alkohol in einer Menge, die medizinisch nicht mehr als risikoarm gilt (bei Frauen mehr als zwölf und bei Männern mehr als 24 Gramm Alkohol pro Tag). Dr. Heidemarie Lux, Vizepräsidentin der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) und Suchtbeauftragte des Vorstandes, erklärt: „Alkohol ist ein Zellgift und auch wenn Alkohol als Genussmittel gesellschaftlich anerkannt und weit verbreitet ist, sollte sich jeder seinen Alkoholkonsum bewusst vor Augen halten.“ Die Schwelle eines riskanten Konsums sei schnell überschritten. Deshalb lautet die Botschaft der Aktionswoche „Alkohol? Weniger ist besser!“

Auch bei Ärztinnen und Ärzten treten Suchterkrankungen und die vielschichtig damit verbundenen Probleme auf. Für suchtkranke Ärztinnen und Ärzte bietet die BLÄK ein spezielles Interventionsprogramm an. Im Mittelpunkt steht das Prinzip „Hilfe statt Strafe“. Lux betont: „Wir helfen suchtkranken Ärzten streng vertraulich. Das Interventionsprogramm ist eine hervorragende Chance für Betroffene, einen Ausweg aus dem von Alkoholmissbrauch oder Suchtmittelkonsum dominierten Leben.“

„Die Aktionswoche Alkohol ist eine einzigartige Präventionskampagne. Sie wendet sich an alle, die Alkohol konsumieren. Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie bereits mit geringen Mengen ihrer Gesundheit schaden. Einen risikolosen Konsum gibt es nicht“, so Dr. Heribert Fleischmann, Vorsitzender der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Ärztinnen und Ärzte seien häufig die ersten neutralen Kontaktpersonen für Menschen, die zu viel Alkohol trinken. Ein aufklärendes Gespräch motiviere Betroffene, ihren Konsum eigenständig zu reduzieren oder sogar zu beenden. „Deshalb ist die aktive Beteiligung von Arztpraxen, Kliniken und Apotheken an der Aktionswoche ‚Alkohol? Weniger ist besser!‘ so wichtig“, erklärt Fleischmann.

Auf der Internetseite www.aktionswoche-alkohol.de gibt es viele wertvolle Informationen zum Thema Alkohol und Sucht. Regionale Veranstaltungen können mit Hilfe einer Suchmaske gefunden werden.

Bayerische  Landesärztekammer

Pressestelle
Dagmar Nedbal
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81677 München
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08.05.2017 Tumorzellen mit den eigenen Waffen schlagen
uni | mediendienst | forschung Nr. 40/2017

FAU-Forscher entdecken Schwachstelle bei Krebszellen und wie sich diese ausnutzen lässt
 
Jedes Jahr trifft rund 500.000 Menschen die Diagnose Krebs. Dabei gehört Darmkrebs nach wie vor zu den häufigsten Tumoren im Erwachsenenalter. Tumoren entstehen, wenn Zellen sich unkontrolliert teilen, weil sie nicht, wie vorgesehen, nach einer bestimmten Zeit sterben. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nun herausgefunden, wie sich die Strategie der Tumorzellen gegen diese selbst richten lässt, indem sie eine erst kürzlich entdeckte Form des programmierten Zelltodes ausnutzen. Die Ergebnisse der Studie sind im „Journal of Experimental Medicine“ veröffentlicht worden.
 
Verändern sich Zellen im Körper zum Beispiel aufgrund irreparabler Schädigung der DNA, so werden Mechanismen der Selbstkontrolle aktiviert. Ein solcher Kontrollmechanismus ist die Apoptose, eine Art programmierter Zelltod, der bei gesunden Menschen verhindert, dass Zellen sich unkontrolliert vermehren können. Das Tückische an Krebserkrankungen: Im Tumor ist dieses Gleichgewicht zwischen Zellerneuerung und Zelltod fehlgesteuert. Die Krebszellen inaktivieren nämlich häufig genau jene Gene, die die Apoptose auslösen ‒ die Zellen teilen sich unkontrolliert weiter.
 
Seit vielen Jahren zentrales Thema der Forschung
Die Forschung versucht seit vielen Jahren den Zelltod zu beeinflussen. Das Team um Prof. Dr. Christoph Becker, Inhaber der Professur für Molekulare Gastroenterologie und Leiter der Forschungsabteilung der Medizinischen Klinik 1 am Universitätsklinikum Erlangen der FAU, hat nun entdeckt, dass sich Krebszellen die Fähigkeit der Apoptose zu widerstehen, teuer erkaufen. Denn diese Resistenz macht die Krebszellen für eine weitere, erst vor kurzem entdeckte Form des Zelltodes empfindlicher: der programmierten Nekrose.
 
Zellen haben einen eingebauten Sicherheitsmechanismus. Ist nämlich die Apoptose blockiert, wie dies häufig bei Tumoren vorkommt, so kann in machen Zellarten ein Reserveprogramm aktiviert werden, die sogenannte Nekroptose. Interessant dabei: Je weniger der für die Apoptose wichtigen Moleküle in der Tumorzelle vorhanden sind, desto empfindlicher scheinen diese gegenüber der Auslösung programmierter Nekrose zu sein.
 
„Dies haben wir uns zunutze gemacht“, sagt Prof. Dr. Becker. Der Wissenschaftler und sein Team stellten im Labor  Tumorzellen her, die kein oder nur wenige Mengen des Apoptose-Moleküls Caspase-8 produzierten. Stimulierten sie in diesen Zellen einen bestimmten Signalweg, der für die Regulation des Zelltodes verantwortlich ist, mit einem synthetischen Molekül, welches ein Überlebenssignal blockiert, so starben alle Tumorzellen in kürzester Zeit. „Wir konnten in den Versuchen also Tumorzellen, die unzureichende Mengen eines für die Apoptose wichtigen Moleküls Caspase-8 bilden, durch Nekroptose abtöten“, erklärt der FAU-Forscher.
 
Die Studie zeigt also, dass es möglich ist, die Strategie von Tumorzellen dem Zelltod zu entgehen, gegen diese selbst zu richten. „Nur die Apoptose-resistenten Tumorzellen starben, gesunde und unveränderte Zellen blieben dagegen am Leben“, freut sich Doktorand Gui-Wei He. Der Biologe schreibt in der Arbeitsgruppe seine Doktorarbeit. Durch die neuen Erkenntnisse Beckers und seines Teams lassen sich zukünftig vielversprechende Ansatzpunkte für neue Therapieformen zur effizienteren und spezifischen Krebsbehandlung finden, auch wenn es von den jetzigen Forschungsergebnissen bis zu einer Anwendung am Menschen noch ein weiter Weg ist.
 
Die Ergebnisse der Untersuchung wurden unter dem Titel: „Regression of apoptosis-resistant colorectal tumors by induction of necroptosis in mice“ (Doi: 10.1084/jem.20160442) im „Journal of Experimental Medicine“ veröffentlicht.
 
Weiter Informationen:
Prof. Dr. Christoph Becker
Tel.: 09131/85 35886
christoph.becker@uk-erlangen.de
 
 
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04.05.2017 „Game In Flame“: Molekulare Entzündungsmechanismen spielerisch verstehen - Browserspiel erklärt den Mechanismus chronischer Entzündungen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 67/2017

„Game In Flame“ ist ein Strategiespiel, das einen Blick in die faszinierende Welt der körpereigenen Abwehr bietet. Spielerisch werden die Stärken und Schwächen von Zellen des Immunsystems, die Wirkung von Medikamenten zur Bekämpfung von chronisch-entzündlichen Erkrankungen im Gelenk, Darm und der Lunge erklärt. Das Browserspiel ist im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ und des Schwerpunktprogramms (SPP) „1468 IMMUNOBONE“ unter der Leitung der Medizinischen Klinik 3 des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erstellt worden, um die neuesten Erkenntnisse der Forschung über die raffinierten Tricks des Immunsystems zu erklären und zugleich das Bewusstsein von Betroffenen für die Wichtigkeit der Therapietreue zu schärfen. Auf das Spiel kann jeder kostenfrei unter www.gameinflame.de  zugreifen.


Millionen Menschen leiden an chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn oder Asthma. Davon sind viele junge Menschen betroffen, die neben starken Schmerzen erhebliche Beeinträchtigungen ihrer Lebensqualität ertragen müssen. Chronisch entzündliche Erkrankungen sind bisher nicht heilbar. Positiv ist, dass bereits über die Hälfte der Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen aufgrund von gezielten, immunmodulierenden Medikamenten und entsprechender Therapietreue (Compliance) keine Krankheitsanzeichen mehr haben.

Wissen trägt zu positiven Verhaltensänderungen bei

Das Lernspiel Game In Flame erklärt die guten und schlechten Seiten von Entzündungen und ihren zellulären Mitspielern im Gelenk, im Darm und in der Lunge. Die erste nun online gestellte Welt spielt im Gelenk des Menschen, es gilt einen Gichtanfall zu behandeln bzw. zu verhindern. Dafür müssen weiße Blutkörperchen, sogenannte neutrophile Granulozyten, im Gelenk strategisch klug positioniert werden: Diese gehören zu der ersten Abwehrfront des Immunsystems und verteidigen den Körper gegen Eindringlinge. Sie können Wasserstoffperoxid ausstoßen und mit Netzen aus DNA Gefahrenstoffe wie Harnsäurekristalle und Bakterien fangen oder einfach „auffressen“. Um innerhalb von sechs Leveln Herr über die Entzündungsreaktion zu werden, stehen den Spielern zudem Medikamente als Sonderwaffen zur Verfügung. Mit ein paar Klicks bietet ein „Immuxikon“ den Spielern jederzeit Informationen über die Eigenschaften und Funktionen der zellulären Mitspieler sowie Medikamente im Körper und im Spiel. „Wir möchten mit dem Spiel Jung und Alt über unsere Wissenschaft im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1181 informieren. Aufgrund der hohen Anzahl von Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen wünschen wir uns, dass noch mehr Betroffene verstehen, was in ihrem Körper passiert und was sie tun können, um ihre Erkrankung zu beherrschen“, erklärt Prof. Dr. Georg Schett, Sprecher des SFB 1181 und des SPP 1468.

In den kommenden Monaten wird das Lernspiel um zwei weitere Spielwelten erweitert. Zum einen geht es dann um einen Entzündungsmechanismus im Darm, der durch eine Fehlregulierung zu Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa führt. Unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Markus Neurath von der Medizinischen Klinik 1 müssen hier die Entzündungsreaktion und entsprechende Immunzellen im Darm bekämpft werden, um die Zerstörung der Epithelbarriere zu verhindern. Zum anderen wird im Sommer die dritte Entzündungswelt online gehen, in der die Spieler durch den gezielten Einsatz von Antikörpern in der Lunge einen Asthmaanfall stoppen müssen. Im Juli soll das digitale Spiel auch als App für mobile iOS- und android-Geräte zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen:
Sandra Jeleazcov

Tel.: 09131/85-39109

sandra.jeleazcov@uk-erlangen.de

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04.05.2017 Online die psychische Widerstandskraft stärken
uni | mediendienst | forschung Nr. 38/2017

Wissenschaftler haben ein Online-Training entwickelt, das die Resilienz und das Wohlbefinden bei der Arbeit steigert.
In sechs Wochen zu mehr psychischer Widerstandskraft (Resilienz) gelangen, kann das funktionieren? Neuen Forschungsergebnissen zufolge ja: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg haben im Rahmen des Verbundprojekts „Resilire – Altersübergreifendes Resilienz-Management“ ein Online-Training zur Resilienzförderung entwickelt – und in ersten Studien damit Erfolge erzielt.

„Mit zwölf Übungseinheiten, die jeweils nur fünf bis zehn Minuten dauern, ist das Online-Training bewusst zeiteffizient konzipiert“, erklärt Dr. Roman Soucek vom Lehrstuhl für Psychologie, insb. Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der FAU. Bei der Entwicklung legten die Forscherinnen und Forscher besonderen Wert auf das Einüben und Reflektieren von Verhaltensweisen, die die Resilienz fördern. „Wir verzichten auf langatmige theoretische Abhandlungen und die übliche Litanei trockener Fakten“, erklärt Dr. Christian Schlett, Projektmitarbeiter an der Universität Freiburg. „Stattdessen haben wir praktischen Beispielen, ansprechenden Illustrationen und abwechslungsreichen Übungen viel Aufmerksamkeit geschenkt und entsprechend viel Platz eingeräumt“. Die professionelle Umsetzung des Trainings erfolgte durch den Verbundpartner Haufe-Lexware GmbH & Co. KG.

Dass das Training nicht nur Spaß macht, sondern auch Unternehmen etwas bringt, zeigen die Ergebnisse aus vier betrieblichen Fallstudien in unterschiedlichen Branchen. „Das Training erhält überwiegend gute bis sehr gute Bewertungen von den inzwischen mehr als 200 Teilnehmenden“, berichtet Dr. Nina Pauls von der Universität Freiburg. „Die Teilnehmer erzielten außerdem erstaunliche Lerneffekte im Wissensbereich, obwohl das Training sehr kurz ist und die Wissensvermittlung nicht im Vordergrund steht.“ Besonders bedeutsam sind für Unternehmen natürlich die langfristigen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Beschäftigten. Auch dies wurde im Forschungsprojekt „Resilire“ bereits untersucht. „In Fallstudien zeigte sich, dass die Teilnehmer nach dem Training tatsächlich mehr resilientes Verhalten bei der Arbeit zeigen“, berichtet FAU-Wissenschaftler Dr. Roman Soucek. „Das allein ist schon sehr gut, aber noch viel wichtiger für das betriebliche Gesundheitsmanagement und den Krankenstand ist, dass in Folge des Trainings die psychische Beanspruchung der Beschäftigten bedeutsam absank und ihr Engagement bei der Arbeit zunahm.“

Das Online-Training sowie weitere Ergebnisse des an der FAU koordinierten Forschungsprojekts „Resilire“ stellen die Wissenschaftler auf ihrer Abschlusstagung am 6. Juli 2017 in Nürnberg vor. Wer sich für die Einschätzung und Stärkung von Resilienz, den Einsatz der Online-Trainings im Unternehmen und für die Hintergründe der Studien interessiert, kann sich kostenfrei zur Tagung „Stark im Arbeitsleben! Instrumente zur Resilienzförderung“ anmelden. Weitere Informationen und Registrierung unter https://www.resilire.de/tagung.php.


Weitere Informationen:
Dr. Roman Soucek
Tel.: 0911/5302-245
roman.soucek@fau.de
https://www.resilire.de
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24.04.2017 Ärztestatistik 2016 -Die Schere zwischen Behandlungsbedarf und Behandlungskapazitäten öffnet sich
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 24.04.2017 – „Wer nur die leicht steigenden Arztzahlen betrachtet, verschließt die Augen vor der ganzen Wahrheit. Tatsächlich öffnet sich die Schere zwischen Behandlungsbedarf und Behandlungskapazitäten immer weiter. Schon heute klaffen bei der ärztlichen Versorgung in vielen Regionen große Lücken.“ So kommentiert Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der
Bundesärztekammer (BÄK), die Ärztestatistik für das Jahr 2016.

Wie aus den Daten der BÄK hervorgeht, erhöhte sich die Zahl der bei den Landesärztekammern gemeldeten Ärztinnen und Ärzte geringfügig um 2,1 Prozent. Damit waren im Jahr 2016 im
Bundesgebiet 378.607 Ärztinnen und Ärzte tätig, 7.305 mehr als im Vorjahr. Von ihnen arbeiten 194.401 im Krankenhaus. Deutlich kleiner ist die Gruppe der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte
mit 151.989. Hinzu kommen 32.217 Mediziner, die bei Behörden, Körperschaften und in sonstigen Bereichen beschäftigt sind. Ihr Anteil blieb im Vergleich zum Vorjahr mit 8,5 Prozent unverändert.

Der insgesamt leichte Zuwachs relativiert sich, wenn man die enorm hohen Behandlungszahlen in Praxen und Kliniken betrachtet. Allein in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung
kommt es jährlich zu mehr als einer Milliarde Arzt-Patienten-Kontakten. In den Krankenhäusern erhöhte sich die Zahl der Behandlungsfälle in den letzten zehn Jahren um mehr als 2,5
Millionen auf fast 19,8 Millionen. Da die Deutschen immer älter werden, ist ein Ende dieser Entwicklung nicht in Sicht. Wissenschaftler prognostizieren bis 2030 einen Anstieg der
Lebenserwartung bei Männern in Deutschland von 78 auf fast 82 Jahre und bei Frauen von 83 auf 86 Jahre.

„Unsere Gesellschaft altert, und die Ärzteschaft altert mit. Fast jeder vierte niedergelassene Arzt plant, in den nächsten fünf Jahren seine Praxis aufzugeben“, warnt der BÄK-Präsident. Zwar
stieg im Jahr 2016 die Zahl der unter 35-jährigen berufstätigen Ärzte (+ 2.334). Dem steht aber in den Altersgruppen der 50- bis 59-Jährigen ein Zuwachs von 1.600, bei den 60- bis 65-Jährigen
von 1.172 und bei den über 65-Jährigen von 2.463 Ärztinnen und Ärzten gegenüber.

Nach wie vor steigt auch der Anteil der Ärztinnen an der Gesamtzahl der berufstätigen Ärzte. Er beträgt jetzt 46,5 Prozent. Im Jahr 1991 lag der Frauenanteil noch bei einem knappen Drittel.
Seitdem hat er sich um 38,4 Prozent erhöht.

Auf dem Arbeitsmarkt sind Mediziner weiterhin äußerst gefragt. Die Bundesagentur für Arbeit meldete 1.943 offene Stellen für Ärztinnen und Ärzte (Vorjahr: 1.807). Damit herrscht praktisch
Vollbeschäftigung – das ist eine gute Nachricht für die Mediziner, aber aus der Versorgungs-perspektive ein deutliches Warnsignal.

Weiterhin ungebrochen ist der Trend zur Festanstellung im ambulanten Bereich. Im Jahr 2016 betrug der Zuwachs hier 10,1 Prozent. Die Gesamtzahl der im ambulanten Bereich angestellten
Ärztinnen und Ärzte erhöhte sich auf 32.348. Damit hat sich ihre Zahl seit 1993 fast versechsfacht. Bemerkenswert ist der hohe Frauenanteil von 62,7 Prozent in dieser Gruppe. Die Zahl der
niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte dagegen sank um 0,9 Prozent auf 119.641.


Immer mehr angestellte Ärzte entscheiden sich allerdings gegen eine Vollzeitstelle. Allein im Jahr 2015 stieg der Anteil der Ärzte und Psychotherapeuten in Teilzeitanstellung nach Angaben der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung um 10,6 Prozent. Für die Versorgung der Patienten bedeutet dies aber, dass mehr Köpfe gebraucht werden, um die gleiche Menge an Arbeit zu leisten.

„Die Politik muss diesen Zusammenhang zwischen mehr Teilzeitarbeit und weniger Arztstunden endlich anerkennen und die Zahl der Studienplätze erhöhen“, fordert Montgomery.
Notwendig sei eine Steigerung um zehn Prozent. Dass dies aus Kostengründen aus dem zwischen Bund und Ländern konsentierten „Masterplan Medizinstudium 2020“ ausgeklammert
wurde, sei enttäuschend. Statt auf Kostenschätzungen einer Expertenkommission zu warten, müssten die Länder ihrer Verantwortung für die ärztliche Nachwuchsförderung gerecht
werden und die nötigen Mittel bereitstellen. Dennoch sei es zu begrüßen, dass die Reform des Medizinstudiums nun endlich in Angriff genommen werde. Dabei habe die Politik viele
Forderungen der Ärzteschaft aufgegriffen.

Ein wenig entschärft wird der Ärztemangel durch die Zuwanderung aus dem Ausland. Die Zahl der in Deutschland gemeldeten ausländischen Ärztinnen und Ärzte stieg um 9,7
Prozent auf 46.721. Damit besitzen 11 Prozent der in Deutschland berufstätigen Ärztinnen und Ärzte eine ausländische Staatsbürgerschaft.

Die stärksten Zuwächse gab es mit 746 Ärztinnen und Ärzten aus Syrien, es folgen Rumänien(+ 223), Serbien (+ 218), die Ukraine (+ 160), Russland (+ 109) und Aserbaidschan (+ 108). Die meisten ausländischen Ärzte stammen damit aus Rumänien (4.285), Griechenland (3.118) und Syrien (2.895), gefolgt von Österreich (2.600).

Ihnen stehen 2.050 Kolleginnen und Kollegen gegenüber, die Deutschland im Jahr 2016 den Rücken gekehrt haben. Die beliebtesten Auswanderungsländer waren, wie schon in den vergangenen Jahren, die Schweiz (677), Österreich (295) und die USA (112). Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit hat sich im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent erhöht.

Die Ärztestatistik 2016 können Sie unter dem folgenden Link
abrufen: http://www.bundesaerztekammer.de/https://www.aekv-erlangen.de/./

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18.04.2017 Was Bauchspeicheldrüsenkrebs so aggressiv macht
uni | mediendienst | forschung Nr. 30/2017

FAU-Forscher entdecken Schlüsselfaktor für Aggressivität des Bauchspeicheldrüsenkrebses
 

Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den aggressivsten Tumortypen überhaupt, da er früh anfängt, Metastasen zu bilden. Gleichzeitig wird der Krebs meist erst spät entdeckt. Dies führt zu einer hohen Sterberate der Patienten. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nun entdeckt, weshalb sich Bauchspeicheldrüsenkrebs und andere bösartige Tumortypen so aggressiv ausbreiten können. Die Ergebnisse sind jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Nature Cell Biology publiziert worden.
 
Die FAU-Forscher um Prof. Dr. Thomas Brabletz und Dr. Marc Stemmler vom Lehrstuhl für Experimentelle Medizin I haben in Kooperation mit der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie, sowie der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangens und des Lehrstuhl für Genetik der Naturwissenschaftlichen Fakultät nachgewiesen, dass dieser aggressive Tumortyp den Schlüsselfaktor eines embryonalen Programmes aktiviert. 
 
Dieser Faktor - genannt Zeb1 – steuert die Wanderung und das Überleben von Zellen in der frühen Embryonalentwicklung. In normalen, voll entwickelten Zellen ist Zeb1 stillgelegt. Wird der Faktor in Krebszellen reaktiviert, so hat das fatale Folgen: Die Tumorzellen breiten sich im Körper aus und passen sich schnell veränderten Bedingungen in einer neuen Umgebung an. Dadurch können sie zu Metastasen auswachsen und Tochtergeschwülste bilden – der Krebs schreitet aggressiv voran.
Wird Zeb1 nicht aktiviert, gelingt es Krebszellen nicht mehr, sich leicht an eine neue Umgebung anzupassen. Somit entsteht eine Variante des Bauchspeicheldrüsenkrebses, die deutlich weniger Metastasen bildet.
 
Dieser Mechanismus ist auch bei anderen Tumoren, wie beispielsweise aggressiven Formen des Brustkrebses, zu beobachten. Die Forscher hoffen nun, in Zukunft mithilfe dieser Erkenntnisse neue Therapiestrategien zur Bekämpfung von Metastasen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs und anderen aggressiven Tumortypen entwickeln zu können.
 
Originalveröffentlichung:
Angela M. Krebs, Julia Mitschke, Maria Lasierra Losada, Otto Schmalhofer, Melanie Boerries, Hauke Busch, Martin Boettcher, Dimitrios Mougiakakos, Winfried Reichardt, Peter Bronsert, Valerie G. Brunton, Thomas H. Winkler, Simone Brabletz, Marc P. Stemmler and Thomas Brabletz. The EMT activator ZEB1 is a key factor for cellular plasticity and promotes metastasis in pancreatic cancer. Nat Cell Biol, DOI 10.1038/ncb3513 (2017).
 
Kommentar:
M. Angela Nieto. News and Views: Context-specific roles of EMT programmes in cancer cell dissemination. Nat Cell Biol, Vol 19 (May 2017).
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Thomas Brabletz
Tel.: 09131/85-29104
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11.04.2017 Ein Tag im Operationssaal Pflegedienst und Kardiotechnik laden zum Boys’ und zum Girls’Day Boys’ und Girls’Day am Donnerstag, 27. April 2017 ein – für Jungs sind noch Plätze frei
uni | mediendienst | aktuell Nr. 51/2017

Lernen im OP: Beim bundesweiten Boys’ und Girls’Day am Donnerstag, 27. April 2017, dürfen die angemeldeten Schüler und Schülerinnen für einen Tag ihre Schulbank gegen einen OP-Saal im Universitätsklinikum Erlangen eintauschen. Auf 18 Jungen warten spannende Einblicke in die Arbeit des Pflegedienstes, acht Mädchen können sich den Kardiotechnikern der Kinderherzchirurgischen Abteilung an die Fersen heften. Während das Girls’Day-Programm am Uni-Klinikum Erlangen bereits ausgebucht ist, gibt es für den Boys’Day noch einige freie Plätze. Anmelden können sich interessierte Schüler ab 14 Jahren direkt über die Website des Boys’Day (www.boys-day.de).
 
Schüler bekommen beim Boys’Day im Uni-Klinikum Erlangen die Möglichkeit, in den Beruf der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger hineinzuschnuppern. Diese nehmen beispielsweise Blut ab, versorgen Wunden, legen Verbände oder Schienen an und verabreichen Medikamente. Zusätzlich assistieren sie dem Arzt bei Untersuchungen und Behandlungen. Die Teilnehmer dürfen sich neben einem Rundgang durch den OP-Saal auch praktisch betätigen: Sie legen einen Gips an, messen Blutdruck, legen eine Ernährungssonde und üben Reanimationsmaßnahmen an Simulatoren. Außerdem erhalten die Jungen von Schülerinnen und Schülern der Berufsfachschulen für Krankenpflege und Kinderkrankenpflege des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe Erlangen am Universitätsklinikum Erlangen (BSZG Erlangen) Informationen darüber, wie die Ausbildung zum Gesundheits- und Kranken- bzw. Kinderkrankenpfleger geregelt ist.
 
Was macht eigentlich ein Kardiotechniker?
Kardiotechniker bedienen beispielsweise Herz-Lungen-Maschinen, die während eines Herzstillstands den Herz- und Lungenkreislauf des Patienten aufrechterhalten. Außerdem kontrollieren und bedienen Kardiotechniker externe sowie interne Herzunterstützungssysteme wie Herzschrittmacher und Defibrillatoren. Beim Girls’Day lernen die Schülerinnen einige dieser Apparate kennen, dürfen sie probeweise selbst bedienen und können bei einer Herzoperation zuschauen. Zusätzlich erhalten sie nützliche Informationen, welche Voraussetzungen nötig sind, um Kardiotechnikerin zu werden.
 
Vertreter der Medien können nach Absprache am Programm des Boys’ und des Girls’Day teilnehmen, Foto- und Filmaufnahmen sind ebenfalls möglich.
 
Weitere Informationen:
 
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E-Mail: annika.dagata@uk-erlangen.de
 
 
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11.04.2017 Raum und Gesundheit- Interdisziplinäre Fachtagung am 12. 5. 2017 für Ärzte, Architekten und Innenarchitekten zur Neu- und Umorganisation von Praxis- und Behandlungsräumen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Praxisräume, die nicht nur gut funktionieren, sondern auch von Patienten und Mitarbeitern positiv wahrgenommen werden, sind heute wichtiger denn je. Sie erfüllen vielfältige und zum Teil sehr unterschiedliche Anforderungen: Während bei hoch technisierten Bereichen, in denen behandelt, therapiert und operiert wird, vor allem Reinheit und Hygiene an erster Stelle stehen, werden in Empfangs- und Warteräumen, Patienten willkommen geheißen und Behandlungen vorbereitet. Atmosphärisch sollen diese Räume sein und ein positives, sicheres Raumgefühl vermitteln. Hinzu kommt, dass es sich bei Praxen schlicht um Arbeitsstätten handelt, in denen Mitarbeiter beschäftigt und angemessen geschützt werden müssen. Die Bayerische Landesärztekammer und die Bayerische Architektenkammer haben deshalb in Kooperation mit dem Bund Deutscher Innenarchitekten BDIA Bayern, dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie dem Ärztlichen Kreis- und Bezirksverband München zum Thema Neu- und Umbauten von Praxis- und Behandlungsräumen erstmalig eine interdisziplinäre Fachtagung konzipiert und laden am 12. Mai 2017 Architekten, Innenarchitekten und Ärzte ins Ärztehaus Bayern zum fachlichen Austausch ein. Wer beabsichtigt, seine Praxis, seine Klinik oder das Medizinische Versorgungszentrum um oder neu zu planen oder vorhat, Betriebs- und Arbeitsprozesse umzuorganisieren, kann sich bei der Veranstaltung aus erster Hand informieren, wie das Projekt konzeptionell und organisatorisch vorbereitet werden kann und mit welchen baulichen Auswirkungen auf den Betrieb zu rechnen ist.

Zitat Christine Degenhart, Architektin, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer: „Die Neu- oder Umplanung einer Klinik oder Praxis ist ein komplexes Vorhaben. Eine gut funktionierende Kommunikation zwischen Klinikverantwortlichen, Ärzten sowie Architekten und Innenarchitekten ist deshalb das A und O für ein optimales Ergebnis. Beide Seiten sind Experten auf ihrem Gebiet. Die Fachtagung bietet eine gute Gelegenheit, möglichst frühzeitig voneinander zu profitieren.“

Zitat Dr. med. Max Kaplan, Arzt für Allgemeinmedizin, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer: „Ansprechende und funktionell strukturierte Praxis- oder Klinikräume sind mit Voraussetzung für eine optimierte Patientenbehandlung. Eine gute Erreichbarkeit, ein deutlich gekennzeichneter Eingang, bauliche und farbliche Klarheit in den Praxisräumen sowie relativ großzügig gestaltete Bewegungsflächen – nicht nur in den Sanitärräumen – sind insbesondere für mobilitätseingeschränkte Patientinnen und Patienten von Relevanz. Dabei gilt, dass Barrierefreiheit bei Neubauten zum Standard gehört, bei notwendigem Umbau im laufenden Betrieb nur im Rahmen der technischen Möglichkeiten und bei adäquater Förderung umgesetzt werden kann.“

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Expertenvorträge und ein daran anschließendes Podiumsgespräch. Effiziente Betriebs- und Raumorganisation, technische und rechtliche Anforderungen wie Akustik, Schallschutz, Haustechnik, Raumklima, Vermeidung von Elektrosmog sind ebenso Themen des Nachmittags wie die zunehmende Digitalisierung und wie neue Technologien die Gestaltung von Klinik- oder Praxisräumen beeinflussen werden. Angesprochen werden zudem Energieeffizienz und Barrierefreiheit aber auch, wie Farben den Genesungsprozess positiv unterstützen, Licht und Beleuchtung am Arbeitsplatz optimal funktionieren und welche Oberflächen sowohl hygienischen als auch atmosphärischen Anforderungen gerecht werden. Informationen wie ein Neu- oder Umbau gefördert werden kann, runden das Informationsangebot ab.

Ab 18.00 Uhr besteht Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit den Referentinnen und Referenten. Die Beratungsstellen Barrierefreiheit sowie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit der Bayerischen Architektenkammer informieren vor Ort zum kostenfreien Beratungsangebot für Ärzte. Der Eintritt ist frei. Anmeldung unter www.akademie.byak.de.

Fachtagung „Raum und Gesundheit“
Freitag, 12. Mai 2017, 14.00 bis 18.00 Uhr, im Anschluss: Informationsaustausch
Ärztehaus Bayern, Mühlbaurstraße 16, 81677 München, Großer Saal, 5. OG

Begrüßung:
Dipl.-Ing. Rainer Hilf, Innenarchitekt,
Mitglied des Vorstands der Bayerischen Architektenkammer
Dr. med. Max Kaplan, Arzt für Allgemeinmedizin,
Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (angefragt)

Referenten:
Prof. Dr. Christiane Höller,
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, München
Dipl.-Ing. Veronika Kammerer, Innenarchitektin, Architektin, Altötting
Prof. Dr. med. Christian Lackner,
Director of Healthcare Division, Drees & Sommer, München
Dipl.-Ing. Wencke Schoger, Innenarchitektin, Berlin
Moderation: Dorothee Maier, Innenarchitektin, BDIA Bayern

Die Teilnehmerzahl ist auf 180 Personen begrenzt. Der Besuch der Veranstaltung wird von der Bayerischen Landesärztekammer mit zwei Fortbildungspunkten bewertet.

Kooperationspartner:

 
 Beschreibung: C:UsersSchuhAppDataLocalMicrosoftWindowsTemporary Internet FilesContent.Wordaekbv_logo_1000px.jpg

 

 

 

 

 



Pressekontakt

Bayerische Architektenkammer, Alexandra Seemüller, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Telefon: 089-139 880-39, E-Mail: seemueller@byak.de, Internet: www.byak.de

 

10.04.2017 Wie wollen wir alt werden? Neues FAU-Forschungsprojekt zu „erfolgreichem Altern“
uni | mediendienst | forschung Nr. 26/2017

In alternden Gesellschaften wird die Frage nach der Gestaltung des Alters immer wichtiger. Ein neues Forschungsprojekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Universitätsmedizin Göttingen untersucht jetzt Vorstellungen „erfolgreichen Alterns“. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert das Projekt mit rund 230.000 Euro.
 
In der Diskussion um den demographischen Wandel kommt den Konzepten des „erfolgreichen Alterns“  eine wichtige Bedeutung zu. Diese Konzepte entwerfen ein positives Gegenbild zu negativen Vorstellungen des Alters im Zeichen von Krankheit, Gebrechlichkeit und Verfall und beeinflussen so  auch sozialpolitische Zielsetzungen und kulturelle Vorstellungen von Alter und Altern. Dabei wird „erfolgreiches  Altern“ nicht selten mit aktivem oder gesundem Altern in Verbindung gebracht.
 
Unter der Leitung von Dr. Larissa Pfaller vom Institut für Soziologie der FAU und PD Dr. Mark Schweda vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interdisziplinär mit verschiedenen Kooperationspartnern aus Gerontologie, Ethik, Politik- und Sozialwissenschaften zusammen.
 
Das Forschungsteam untersucht Konzepte des erfolgreichen Alterns und ihr Verhältnis zu Gesundheit und Krankheit. Mit Methoden qualitativer Sozialforschung, also zum Beispiel Interviews und Dokumentenanalysen wird der Frage nachgegangen, was genau Vorstellungen des erfolgreichen Alterns eigentlich beinhalten. Außerdem geht es um die Bewertungsmaßstäbe, nach denen Altern als erfolgreich beurteilt wird. Das beinhaltet auch Fragen danach, ob dieses Konzept  für alle dasselbe bedeutet, ob es sich dabei um ein Idealbild handelt oder ob sich daraus auch Verantwortlichkeiten ableiten lassen und inwieweit es möglich ist, auch mit Krankheiten und Einschränkungen gut alt zu werden.
Bilder finden Sie hier: https://www.fau.de/files/2017/04/Larissa-Pfaller_eye-d-photodesign.jpg
Dr. Larissa Pfaller leitet das Projekt zu Konzepten des erfolgreichen Alterns. (Bild: eye-d-photodesign)
 
Link zum Artikel: https://www.fau.de/2017/04/news/wissenschaft/wie-wollen-wir-alt-werden/

Kontakt:
Dr. Larissa Pfaller
09131/85-26311
larissa.pfaller@fau.de
 
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o5.04.2017 Schnelle Hilfe für rund 25.000 Schlaganfallpatienten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 48/2017

Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern STENO gilt seit zehn Jahren als wegweisende Einrichtung
 
Eine Erfolgsgeschichte feiert zehnten Geburtstag: Mit drei Schlaganfallzentren und elf regionalen Krankenhäusern fing das Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern STENO im Jahr 2007 an. Heute kooperieren 18 Kliniken der Regel- und Schwerpunktversorgung in Mittel-, Ober- und Unterfranken, der Oberpfalz sowie Südthüringen mit den überregionalen Schlaganfallbehandlungszentren in Bayreuth, Erlangen und Nürnberg. Rund 25.000 Schlaganfallpatienten konnte bisher geholfen werden. Die Gesamtkoordination des Netzwerks erfolgt durch die Neurologische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab) des Universitätsklinikums Erlangen.
 
„In der Akutsituation eines Schlaganfalls zählen vor allem zwei Dinge: der frühzeitige Behandlungsbeginn und kompetentes Handeln. Die Betroffenen müssen daher umgehend versorgt werden, im Idealfall auf einer Schlaganfalleinheit, einer sogenannten Stroke Unit“, sagt Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab, Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Im Flächenstaat Bayern sind die Wege zu einer spezialisierten Schlaganfallversorgung mitunter jedoch weit. Durch den Einsatz von Telemedizin können neurologische Fachkenntnisse auch außerhalb der Ballungsräume schnell verfügbar gemacht und wohnortnah eine adäquate Behandlung eingeleitet werden. „Mit dem Telemedizinnetzwerk STENO wurde vor zehn Jahren ein innovativer Weg beschritten und seitdem die Schlaganfallversorgung in der Versorgungsregion kontinuierlich verbessert“, so der Neurologe.
 
Die drei überregionalen STENO-Schlaganfallbehandlungszentren stellen in wechselnder Dienstbereitschaft rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr in der Schlaganfallbehandlung erfahrene Neurologen für die telekonsiliarische Beurteilung und Behandlung akuter Schlaganfälle in den Kliniken des Netzwerks. „Unabdinglich ist das Vorhandensein von flächendeckender Fachkompetenz auch in ländlicheren Regionen, um jeden Patienten auf höchstem Niveau behandeln zu können“, erläutert Prof. Schwab. „Mit unserem Telemedizinnetzwerk ermöglichen wir seit nunmehr einem Jahrzehnt eine wohnortnahe leitliniengerechte Versorgung von Schlaganfallpatienten“. Mittels einer videogestützten neurologischen Untersuchung kann der Experte im Zentrum den Patienten mit Unterstützung des Arztes in der örtlichen Klinik befragen, untersuchen und klinisch beurteilen. „Die Anzahl der Konsile hat im Laufe der vergangenen zehn Jahre deutlich zugenommen – aktuell werden durchschnittlich neun Konsile pro Tag angefragt“, erläutert STENO-Projektleiter Dr. Lorenz Breuer, Oberarzt der Neurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. In jedem Krankenhaus des Netzwerks wurde zur weiteren Behandlung der Patienten eine Schlaganfallstation eingerichtet. Hier werden die Patienten von einem spezialisierten interdisziplinären Team aus Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten betreut. „Außerdem stehen die drei Zentren im Falle einer erforderlichen Verlegung für eine weiterführende Therapie zur Verfügung“, so Breuer weiter.
 
Weltweit erstes zertifiziertes Zentrum
Um die Behandlungsqualität im gesamten Netzwerk dauerhaft zu sichern und stetig weiterzuentwickeln wurden gemeinsame Standards und Verfahrensanweisungen für Diagnostik und Therapie entwickelt und ein klinikübergreifendes Qualitätsmanagement etabliert. Als weltweit erstes telemedizinisches Schlaganfallnetzwerk wurde STENO 2011 für sein Qualitätsmanagement nach der international gültigen Qualitätsnorm DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert. Seitdem erfolgt eine jährliche Überprüfung der Versorgungsqualität. 2014 und 2017 wurde das Schlaganfallnetzwerk STENO erfolgreich rezertifiziert, zuletzt nach der neuen DIN EN ISO Norm 9001:2015.
 
STENO gilt als wegweisendes Telemedizinmodell der Schlaganfallversorgung. Derzeit werden jährlich rund 3.500 Telekonsile durchgeführt und im Netzwerk über 12.000 Patienten versorgt. Aktuell kooperieren folgende Kliniken mit den überregionalen Schlaganfallbehandlungszentren im Klinikum Bayreuth, im Universitätsklinikum Erlangen und im Klinikum Nürnberg: Klinikum Ansbach, Klinikum Coburg, Klinik Dinkelsbühl, Klinikum Forchheim, Klinikum Fürth, Klinik Gunzenhausen, Sana Klinikum Hof, Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels, Klinik Kitzinger Land, Klinikum Kulmbach, Klinikum Fichtelgebirge – Haus Marktredwitz, Klinikum HochFranken – Klinik Münchberg, Klinikum Neumarkt i. d. OPf., Klinik Neustadt a. d. Aisch, Kreisklinik Roth, Krankenhaus Rummelsberg, MEDINOS Klinik Sonneberg und Stadtkrankenhaus Schwabach.
 
Telemedizinische Schlaganfallversorgung
Telemedizin ermöglicht mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien die Überbrückung räumlicher Distanzen und kann Fachkenntnisse schnell dort verfügbar machen, wo sich der Patient befindet. Der telemedizinische Konsildienst im Schlaganfallnetzwerk STENO wird durch die Kliniken des Netzwerks im diensthabenden Zentrum angefordert. Mit Videoübertragungen in Echtzeit und paralleler Übertragung von CT- oder MRT-Bildern des Gehirns im DICOM-Format kann der Experte im Zentrum den Patienten per fernsteuerbarer Videokamera mit Unterstützung des Kollegen vor Ort untersuchen und beurteilen. Der Patient sieht den Arzt auf einem Monitor und kann über ein Mikrofon mit ihm sprechen.
 
Die Erkrankung Schlaganfall
In Deutschland erleiden jährlich rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Fast eine Million Bundesbürger leiden an den Folgen dieser Erkrankung. Etwa ein Drittel der Patienten verstirbt innerhalb des ersten Jahres nach dem Schlaganfall und rund die Hälfte der Überlebenden bleibt behindert und ist dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen. Rund 15 Prozent müssen in einer stationären Pflegeeinrichtung leben. Nach Krebs- und Herzerkrankungen ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Unbehandelt sterben bei einem Verschluss eines der hauptversorgenden Blutgefäße des Gehirns pro Minute etwa 1,9 Millionen Nervenzellen, 14 Milliarden Synapsen und 12 Kilometer Nervenfasern ab. Der möglichst rasche Behandlungsbeginn ist daher oberstes Gebot. Wenn Symptome wie Lähmungen oder Taubheitsgefühle, Sprach- oder Sehstörungen, Schwindel und Gangunsicherheit oder plötzliche heftige Kopfschmerzen auftreten, sollte sofort der Notarzt unter der Telefonnummer 112 verständigt werden. Auch wenn die Beschwerden schnell wieder verschwinden, sollten die Betroffenen umgehend eine Klinik aufsuchen.
 
Website des Schlaganfallnetzwerks mit Telemedizin in Nordbayern STENO: www.steno-netz.de
 
Bilder zum Download finden Sie hier:
 
https://www.fau.de/files/2017/04/STENO_Telekonsilraum_M-Lorenz.jpg Der Neurologe im Schlaganfallzentrum untersucht im Rahmen eines Telekonsils gemeinsam mit der lokal behandelnden Ärztin einen Schlaganfallpatienten. (Foto: M. Lorenz)
 
https://www.fau.de/files/2017/04/STENO-Karte_Steno-petitio.jpg
Im Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern STENO kooperierende Kliniken (Grafik: STENO/petitio)
 
Weitere Informationen:
 
Dr. Lorenz Breuer
Tel.: 09131 85-44546
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05.04.2017 Weltgesundheitstag 2017 „Depression – let´s talk“ -Stigmatisierung entgegenwirken, sprechende Medizin stärken
Pressemeldung der Bundesärztekammer

erlin, 05.04.2017 – Bundesweit tritt bei jedem dritten
Erwachsenen im Zeitraum eines Jahres eine psychische
Erkrankung auf. Dabei gehören Depressionen zu den häufigsten
psychischen Leiden. Bundesweit sind innerhalb eines Jahres rund
5,3 Millionen Menschen von Depressionen betroffen, darunter
zunehmend auch junge Menschen. „Die gute Nachricht ist, dass
Depressionen von Ärzten und psychologischen
Psychotherapeuten meist erfolgreich behandelt werden können.
Voraussetzung ist aber, dass den Betroffenen die Angst vor einem
Arztbesuch genommen wird. Wir müssen gesellschaftlicher
Stigmatisierung entgegentreten und die vielfältigen Möglichkeiten
der sprechenden Medizin insgesamt sowie der Psychotherapie im
Besonderen weiter stärken.“ Das sagte Dr. Ulrich Clever, Präsident
der Landesärztekammer Baden-Württemberg und
Vorstandsbeauftragter der Bundesärztekammer für ärztliche
Psychotherapie, vor dem Weltgesundheitstag zum Thema
„Depression“ am 7. April 2017.

Clever warnte, dass sich Betroffene aus Scham und aus Angst vor
Stigmatisierung häufig scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch
zu nehmen. Patienten sowie ihr soziales Umfeld müssten wissen,
dass eine Depression genau wie eine körperliche Erkrankung keine
Frage von Schuld ist. „Aufklärungsarbeit ist wichtig. Ebenso
wichtig ist es, dass die notwendigen Versorgungsangebote zur
Verfügung stehen, wenn sich Betroffene für professionelle
Unterstützung entscheiden“, sagte Clever. Er verwies auf das
Motto des diesjährigen Weltgesundheitstages: „Depression – let´s
talk.“ „Politik und Kostenträger sollten diese Aufforderung ernst


nehmen und den Ausbau der sprechenden Medizin durch Haus-
und Fachärzte nicht nur fordern, sondern auch fördern.“ Clever
betonte, dass sich häufig erst in einem ausführlichen Arzt-
Patienten-Gespräch Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung
ergeben.

Hinzu kommt, dass psychisch kranken Menschen nach wie vor
eine mühsame und zeitraubende Suche nach einem
niedergelassenen Psychotherapeuten zugemutet wird. Die neu
eingeführten psychotherapeutischen Sprechstunden und
Akutbehandlungen sollen die Lage etwas entspannen. „Sie können
dazu beitragen, die Patientenströme zu kanalisieren. Wunder
sollte man sich davon jedoch nicht erwarten. Wenn ein Patient
eine Sprechstunde aufsucht, heißt das noch nicht, dass er
kurzfristig in eine sich daraus ergebende Behandlung überführt
werden kann“, betonte Clever. Angesichts des enormen Anstiegs
diagnostizierter psychischer Erkrankungen sei eine grundsätzliche
Debatte darüber notwendig, welche Bedeutung man diesem
Versorgungsbereich beimesse. „Wenn die Krankenkassen jedoch
auf die Sparbremse drücken, wie bei den von ihnen
durchgesetzten jüngsten Beschlüssen zur Honorierung
psychotherapeutischer Sprechstunden und Akutbehandlungen,
werden die Rahmenbedingungen nicht besser.“

Clever stellte klar: „Die meisten psychischen Erkrankungen sind
gut behandelbar – aber sie müssen auch behandelt werden.
Andernfalls drohen Chronifizierungen und schwere Verläufe.“ Das
führe zu zusätzlichen Kosten, nicht nur für die Krankenkassen,
sondern wegen möglicher Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung
auch für die Arbeitgeber und die Rentenversicherungsträger. Die
Hauptleidtragenden aber seien die betroffenen Patienten.

Patienten- und Angehörigeninformationen der Bundesärztekammer:

EINFACH NUR TRAURIG – ODER DEPRESSIV?

DEPRESSION – EINE INFORMATION FÜR ANGEHÖRIGE UND
FREUNDE

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05.04.2017 Regulierter Wissenstransfer in der Medizin
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Die so wichtige ärztliche Fortbildung dient teilweise nicht mehr allein dem Wissenstransfer, sondern wird durch eine zunehmende Regulierungsdichte beeinflusst, sodass nur noch ein eingeschränkter Spielraum für eine freie Entscheidung des Arztes bleibt. Das widerspricht einem selbstverantwortlichen Arztbild“, schreibt Dr. Heidemarie Lux, Vizepräsidentin der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), in ihrem Leitartikel der Aprilausgabe des Bayerischen Ärzteblattes.

„Als Ärztin sollte ich am besten wissen, wo ich Wissenslücken habe und welche Fortbildungen für mich und meine Arbeit sinnvoll sind“, erläutert Lux. Die Regulierung der Fortbildung nehme jedoch immer mehr zu. Zum einen sei die Fortbildung durch den Gesetzgeber geregelt. So wird zum Beispiel im § 95d Sozialgesetzbuch V (SGB V) vorgeschrieben, dass Vertragsärzte innerhalb von fünf Jahren 250 Fortbildungspunkte sammeln müssen. Diese Regelung gelte nach § 137 SGB V auch für Fachärzte im Krankenhaus. Die Inhalte könne noch jede/jeder selbst aussuchen, aller-dings bestehe die Gefahr, dass die Auswahl nicht nach den persönlichen Wissenslücken, sondern nach dem Prinzip „Viele Punkte für möglichst wenig Zeitaufwand“ erfolge. Ein anderes Regulierungsbeispiel sei das Bayerische Rettungsdienstgesetz. Hier werde im Artikel 44 vorgeschrieben, dass Ärzte im Rettungsdienst regelmäßig an entsprechenden Fortbildungen teilnehmen müssen. Wenigstens werde es der ärztlichen Selbstverwaltung überlassen, die Inhalte festzulegen.

Wer sich der Medizin verschreibe, entscheide sich damit auch für lebenslanges Lernen. Die rasante Zunahme der verfügbaren Informationen mache es notwendig zu selektieren und sich vor allem auf verlässliche und unabhängige Quellen zu stützen. Hier müsse jeder selbst kritisch reflektieren und die Quellenvalidität prüfen. Es sei für Ärzte auf den ersten Blick kaum zu beurteilen, ob eine angebotene Fortbildung oder neue Leitlinien nicht durch wirtschaftliche Interessen oder durch ökonomische Vorgaben das Verhalten der Ärzte beeinflussen könnten. Ein Mindestmaß an Transparenz sei notwendig, um eine mögliche Einflussnahme Dritter erkennen zu können.

Mehr zu „Wissenstransfer in der Medizin“ lesen Sie in der Ausgabe 4/2017 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

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03.04.2017 Masterplan Medizinstudium 2020-Montgomery: „Reform des Medizinstudiums jetzt angehen, offene Finanzierungsfragen klären“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 31.03.2017 – Zu der heutigen Einigung von Bund und Ländern über einen „Masterplan Medizinstudium 2020“ erklärt Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery:

„Wer den Ärztemangel bekämpfen will, muss bereits im Medizinstudium ansetzen. Deshalb ist es gut, dass die Reform des Medizinstudiums mit der heutigen Einigung endlich in Angriff genommen werden kann. Die Ärzteschaft hat sich in den vergangenen zwei Jahren intensiv in die Beratungen zu dem Masterplan eingebracht.
Viele ihrer Forderungen, wie veränderte Auswahlverfahren, Stärkung der kommunikativen Kompetenz sowie mehr Praxisorientierung des Studiums, wurden von der Politik aufgegriffen.

Enttäuschend ist jedoch, dass sich Bund und Länder nicht über eine klare und langfristige Finanzierungsvereinbarung einigen konnten. Offenbar auf Betreiben der Länder wurde die vollständige
Umsetzung des Masterplans unter Haushaltsvorbehalt gestellt.
Dadurch fehlen klare Vorgaben für wichtige Bereiche. Eine Entscheidung über die dringend erforderliche Erhöhung der Studienplatzkapazitäten haben die Verhandlungspartner auf unbestimmte
Zeit vertagt. Auch bei der bundesweiten Etablierung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin bleibt der Masterplan vage und sieht lediglich eine Soll-Bestimmung vor. Bloße Absichtserklärungen
bringen uns jedoch nicht weiter. Hier muss dringend nachgeschärft werden.

Wir werden uns in die konkrete Umsetzung des Masterplans einbringen. Gleiches erwarten wir von den Ländern. Statt auf Kostenschätzungen einer Expertenkommission zu warten, müssen sie
jetzt ihrer Verantwortung für die ärztliche Nachwuchsförderung gerecht werden und die nötigen Mittel bereitstellen. Allen Beteiligten sollte klar sein: Wer die Ausbildung der Mediziner ändert,
muss etwa 15 Jahre warten, bis die Ergebnisse in der Patientenversorgung ankommen. So lange dauern Studium und Facharztausbildung. Wir dürfen keine Zeit mehr vergeuden.“

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30.03.2017 Meilenstein für die Diagnostik chronischer Entzündungen
uni | mediendienst | forschung Nr. 25/2017

Erlanger Mediziner zeigen erstmals, wie sich mit einer innovativen Lasertechnik Entzündungen schneller und schonender erkennen lassen
 
Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind die häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen – in Deutschland leiden rund 400.000 Menschen an den immer wiederkehrenden Entzündungen der Darmschleimhaut. Bisher fehlt es an verlässlichen, nicht-invasiven Methoden, diese Schübe zu erkennen. Forscher der FAU Erlangen-Nürnberg an der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) und der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher) des Universitätsklinikums Erlangen zeigen nun erstmals, wie sich mit der Multispektralen Optoakustischen Tomographie (MSOT) Entzündungen frühzeitig erkennen lassen und stellen ihre Ergebnisse im New England Journal of Medicine vor.
 
Bei der Beurteilung der Darmschleimhaut von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind Ärzte sehr häufig auf eine invasive Endoskopie angewiesen. Dies soll Komplikationen verhindern und eine optimale Therapie gewährleisten. Zunehmend werden aber auch weniger belastende Bildgebungsmethoden wie der Ultraschall eingesetzt. Mit ihm kontrollieren Ärzte beim Patienten regelmäßig den Aufbau, die Dicke und die Durchblutung der Darmwände. Eine Veränderung des Durchblutungsmusters kann auf einen anstehenden Entzündungsschub hindeuten.
 
„Bei dem MSOT-Verfahren setzen wir für die Untersuchung zusätzlich einen nicht spürbaren Laser ein, mit dem wir Entzündungsaktivitäten früher als bisher entdecken können“, erklärt Prof. Dr. Maximilian Waldner, Juniorprofessor an der Medizin 1 des Uni-Klinikums Erlangen. „Je eher wir die Vorboten eines eintretenden Schubs, zum Beispiel eine veränderte Durchblutung, erkennen, desto schneller können wir reagieren und den Patienten vorbeugend behandeln.“ Das MSOT-Verfahren wurde von der iThera Medical GmbH in München entwickelt und im vergangenen Jahr erstmals in einer Erlanger Darmstudie eingesetzt.
 
Jetzt haben die Forscher der Medizin 1 und der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen im renommierten New England Journal of Medicine ihre Ergebnisse veröffentlicht. „Wir haben mit dem MSOT-Verfahren insgesamt 108 Patienten mit Morbus Crohn untersucht und die Methode mit weiteren etablierten Verfahren aus der Klinik und dem Labor sowie der Endoskopie und der Histologie verglichen“, beschreibt Prof. Waldner. „Wir konnten nachweisen, dass die mit MSOT messbaren Hämoglobinwerte im Gewebe sehr genaue Aussagen über die entzündliche Aktivität im Darm liefern. Die Methode ist höchstwahrscheinlich anderen, nicht-invasiven Verfahren überlegen, da MSOT erstmals die Möglichkeit bietet, selbst geringe Entzündungen zu detektieren, ohne eine Endoskopie durchführen zu müssen.“
 
Dr. Ferdinand Knieling, Assistenzarzt der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen, fügt an: „Wir machen uns berechtigte Hoffnungen, dass wir dieses Prinzip auf viele Anwendungen übertragen und insbesondere auch für möglichst schonende Untersuchungen bei Kindern und Jugendlichen nutzen können. Mit der neuen Untersuchungsmethode ließen sich in vielen Fällen invasive Untersuchungen einsparen.“
 
Bei dem MSOT-Verfahren durchleuchten die Ärzte den Darm durch die Haut mit gepulstem Laserlicht. Die Energie des absorbierten Lichts wird in ein Ultraschallsignal umgewandelt, das dann durch hochsensible Ultraschalldetektoren aufgenommen wird. Christian Wiest, Geschäftsführer der iThera Medical GmbH, erläutert: „MSOT ist ein komplett neues, bildgebendes Verfahren, das ohne den Einsatz von Kontrastmitteln eine hoch sensitive Diagnostik für verschiedenste Erkrankungen ermöglicht.“ Bereits 2016 konnten die Wissenschaftler in einer Pilotstudie Veränderungen des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin innerhalb der Darmwand erkennen.
 
Die Studienergebnisse erschienen am 30. März 2017 im Fachmedium New England Journal of Medicine (Volume 376, Issue 13, S. 1292–1294).
 
Weitere Informationen:
 
Dr. Ferdinand Knieling
Telefon: 09131 85-33118
 
Prof. Dr. Maximilian Waldner
Telefon: 09131 85-35204
 
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24.03.2017 Einladung zur PRESSEKONFERENZ -16. Suchtforum in München
„Von der Schlafstörung über Schlafmittel zur Sucht?!

Sehr geehrte Damen und Herren,

jeder kennt es: Man ist müde, möchte schlafen und kann es nicht. Was soll man tun? Ein Glas Bier oder ein Glas Wein einschenken? Oder doch eine Schlaftablette nehmen?
Mindestens 25 % der Bevölkerung, so schätzen Experten, können überhaupt nicht ein-schlafen, oder schlafen nicht durch. Bei länger andauernden Schlafproblemen greifen dann viele Betroffene zu verschiedenen Medikamenten wie Schlafmittel am Abend oder Stimulanzien am Morgen.

Was können Psychotherapeuten, Ärzte, Apotheker und Experten der Suchthilfe tun, um diesen Teufelskreis aufzulösen?

Im Rahmen des 16. Suchtforums in Bayern möchten wir die Berührungsbereiche zwischen Suchtmedizin und Schlafmedizin beleuchten und wissenschaftliche Erkenntnisse über den Zusammenhang von Schlafstörungen und Suchterkrankungen darstellen.

Wir laden Sie hierzu herzlich ein zur Pressekonferenz
am Mittwoch, den 29. März 2017, 11:30 Uhr,

im Zentrum für Pharmaforschung Großhadern,
Haus D, Parterre, Raum D0.001,
Butenandtstr. 5 - 13, 81377 München.

Das 16. Suchtforum mit dem Titel „Von der Schlafstörung über Schlafmittel zur Sucht?! Erkennen, begleiten -> erholsamer Schlaf!“ ist eine Kooperationsveranstaltung der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen (BAS), der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK), der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) und der Bayerischen Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (PTK Bayern).

Ihre Ansprechpartner/innen im Pressegespräch sind:

• Prof. Dr. Dr. Dr. Felix Tretter, 2. Vorsitzender der BAS

• Ulrich Koczian, Vizepräsident der BLAK

• Dr. med. Heidemarie Lux, Vizepräsidentin der BLÄK

• Priv.-Doz. Dr. Heiner Vogel, Vorstandsmitglied der PTK Bayern

Wir freuen uns sehr, Sie zur Pressekonferenz am 29. März in München begrüßen zu dürfen. Bitte schicken Sie hierzu das beiliegende Rückfax bis spätestens Montag, 27. März 2017 an die Bayerische Landesapothekerkammer.

Für Einzelinterviews stehen Ihnen die Ansprechpartner/innen der verschiedenen Berufsgruppen im Anschluss an die Pressekonferenz gerne zur Verfügung.

Natürlich können Sie auch unmittelbar nach der Pressekonferenz am eigentlichen 16. Suchtforum, das von 13:30 Uhr bis ca. 17:30 Uhr im Justus-von-Liebig-Hörsaal des Zentrums für Pharmaforschung Großhadern stattfindet, teilnehmen. Weitere Informationen zum

16. Suchtforum entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Flyer.

 

Marion Resch M. A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bayerische Landesapothekerkammer

24.03.2017 Einladung zur PRESSEKONFERENZ -16. Suchtforum in München
„Von der Schlafstörung über Schlafmittel zur Sucht?!

Einladung

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 Rückfax

23.03.2017 Behandlungsfehlerstatistik der Bundesärztekammer - Ärzte machen Fehler – und lernen aus ihnen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 23.03.2017 - „Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering.“ Das
sagte Dr. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen derBundesärztekammer, bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik für das Jahr 2016 in Berlin. „Wir wollen nichts bagatellisieren. Hinter jedem Fehler können schwere
menschliche Schicksale stehen. Wir müssen die Risiken in der Medizin aber richtig einordnen, um Patienten nicht unnötig zu verunsichern. Für Panikmache und Pfuschvorwürfe gibt es überhaupt keinen Grund. Beides schadet der mittlerweile gut etablierten offenen Fehlerkultur in der Medizin“, so Crusius.
Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Gesamtzahl der Behandlungsfälle in Klinik und Praxis. Demnach stiegen die ambulanten Behandlungsfälle zwischen den Jahren 2004 und 2015
um 160 Millionen auf mittlerweile 696 Millionen. Ähnlich sieht es in den Krankenhäusern aus. Dort erhöhte sich die Zahl derBehandlungsfälle im gleichen Zeitraum um mehr als 2,5 Millionen
auf fast 19,8 Millionen Fälle. „Gemessen daran liegt die Zahl der festgestellten Fehler im Promillebereich“, so Crusius.
„Die Daten der Ärztekammern sind absolut valide, weil sie auf realen Fällen beruhen“, betonte Kerstin Kols, Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen
Ärztekammern, bei der Präsentation der Behandlungsfehlerstatistik.
So haben die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen im Jahr 2016 bundesweit insgesamt 7.639 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen (Vorjahr 7.215). Es lag in 2.245 Fällen ein Behandlungsfehler vor (Vorjahr 2.132). Davon wurde in 1.845 Fällen ein
Behandlungsfehler / Risikoaufklärungsmangel als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete. Die häufigsten
Diagnosen, die zu Behandlungsfehlervorwürfen führten, waren Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen. In 400 Fällen lag ein Behandlungsfehler /
Risikoaufklärungsmangel vor, der jedoch keinen kausalen Gesundheitsschaden zur Folge hatte.
„Auch wenn diese Daten nicht das gesamte Behandlungsgeschehen abdecken, kann man mit ihnen arbeiten und wirksam Fehlerprävention betreiben“, betonte Prof. Dr. Walter Schaffartzik, Ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin und Ärztlicher Vorsitzender der Schlichtungsstelle für
Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern. Schaffartzik erläuterte, wie das Thema Patientensicherheit und Qualitätssicherung im ärztlichen Alltag gelebt wird. „Die Medizin
in Deutschland ist hochinnovativ. Das gilt nicht nur für Diagnostik und Therapie, sondern auch für den Bereich der Fehlerprävention und Qualitätssicherung. Checklisten, Qualitätszirkel, Peer-Reviews
- aber auch Tumorkonferenzen oder Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen sind dafür nur einige Beispiele“, so Schaffartzik.

Wenn dennoch ein Fehler passiert, können sich Patientinnen und Patienten an die Gutachter-kommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern wenden. Dort sind hochqualifizierte
Fachgutachter tätig, die gemeinsam mit Juristen prüfen, ob ein Behandlungsfehlervorwurf gerechtfertigt ist oder nicht. Es genügt ein formloser Antrag. Das Gutachten sowie die abschließende
Bewertung sind für Patienten kostenfrei.
Weitere Informationen zu den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern sowie zur  Behandlungsfehlerstatistik können im Internet unter
http://www.bundesaerztekammer.de/patienten/gutachterkommissionen-schlichtungsstellen/ abgerufen werden.

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23.03.2017 Modernste Herzkatheter-Eingriffe -Spezialisten aus ganz Deutschland kommen zur Tagung „Interventional Cardiology Erlangen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 43/2017

Rund 200 Herzkatheter-Spezialisten aus ganz Deutschland und Österreich treffen sich am kommenden Freitag und Samstag (24./25.03.2017) im Kreuz+Quer, dem Haus der Kirche Erlangen, um sich über die schonende und effektive Behandlung von Engstellen und Verschlüssen der Herzkranzgefäße unter Einsatz neuester Techniken fortzubilden. Die patientennahe, an den Bedürfnissen der klinischen Praxis orientierte Weiterbildung „Interventional Cardiology Erlangen“ – kurz „ICE 2017“ – wird von Klinikdirektor Prof. Dr. Stephan Achenbach und Oberarzt Dr. Christian Schlundt aus der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie des Universitätsklinikums Erlangen geleitet.
 
„Sehr erfahrene Referenten werden aktuelle Daten vorstellen, ihre eigenen Strategien präsentieren und bei ‚Live Cases‘ und Panelsitzungen lebhaft diskutieren. Wir freuen uns auf zwei abwechslungsreiche und interaktive Tage, in denen wir Kardiologen aus ganz Deutschland und Österreich gemeinsam mit top Herzkatheter-Spezialisten aus anderen führenden Zentren eine sehr interaktive und praxisnahe Fortbildung anbieten“, sagt Prof. Achenbach. Auch wenn der Kongress erstmals an dem ungewöhnlichen, aber sehr schönen Ort stattfindet, soll der Praxisbezug nicht zu kurz kommen. „Unsere Fortbildung ist ganz konsequent an den Bedürfnissen von Herzkatheter-Ärzten ausgerichtet. Die Teilnehmerzahl ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, weil wir moderne Behandlungsstrategien an konkreten, oft sehr komplexen Fällen demonstrieren und dafür gezielt auf die Möglichkeiten zugreifen, die unsere moderne Klinikausstattung bietet.“ Deshalb sind unter anderem Satellitenübertragungen von Eingriffen aus dem Herzkatheter-Labor des Uni-Klinikums Erlangen in den Veranstaltungsort geplant.
 
Die Medizinische Klinik 2 wurde im Jahr 2015 von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. als Ausbildungszentrum für Kathetereingriffe am Herzen zertifiziert. Die Spezialisten der Medizinischen Klinik 2 führen das gesamte Spektrum an diagnostischen Untersuchungen und therapeutischen Eingriffen mit modernsten medizinischen Geräten und innovativen Techniken durch – speziell im Bereich der bildgebenden Diagnostik des Herzens, den Rhythmusstörungen und der Katheterbehandlung von Verengungen der Kranzgefäße, Herzklappenfehlern und anderen Herzerkrankungen.
 
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16.03.2017 BÄK fordert mehr Schutz für Ärzte vor Gewalt
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Die Bundesärztekammer fordert einen größeren Schutz für Ärzte und Angehörige von
Gesundheitsberufen vor Gewalt und tätlichen Angriffen. Ein von der Bundesregierung eingebrachter Gesetzesentwurf müsse in diesem Punkt erweitert werden. „Alle im Gesundheitswesen tätigen Hilfeleistenden (Ärztinnen, Ärzte sowie Angehörige der Gesundheitsberufe) bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not in Ausübung ihres Berufes, z.B. im Rettungsdienst, in Rettungsstellen eines Krankenhauses oder im Notfall- und Bereitschaftsdienst, müssen durch die gesetzliche Regelung geschützt werden“, heißt es in einem Schreiben von BÄK-
Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery an Bundesjustizminister Heiko Maas.

Der Gesetzentwurf zur Änderung des Strafgesetzbuches – Stärkung des Schutzes von Vollstreckungsbeamten und Rettungskräften sieht härtere Strafen für Angriffe insbesondere auf
Polizisten sowie Hilfskräfte der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes und der Rettungsdienste vor. „Die Regelung umfasst allerdings nicht Ärztinnen und Ärzte, die im organisierten ärztlichen Notfall- und Bereitschaftsdienst Hilfe bei Unglücksfällen, bei gemeiner Gefahr oder Not leisten“, kritisiert
Montgomery. Ebenfalls nicht erfasst seien Ärztinnen und Ärzte sowie Angehörige der Gesundheitsberufe in Krankenhäusern oder Praxen. Der von dem Gesetz erfasste Personenkreis sollte entsprechend vergrößert werden, fordert der BÄK-Präsident. „Die sich in hohem Maße engagierenden Ärztinnen und Ärzte und Angehörigen der Gesundheitsberufe verdienen entsprechenden Schutz“, so Montgomery.

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15.03.2017 Den Signalwegen des Krebses auf der Spur
uni | mediendienst | forschung Nr. 21/2017

   
 
FAU-Forscher nutzen neuartige Robotertechnik, um weiter aufzuschlüsseln wie schwarzer Hautkrebs entsteht
Der schwarze Hautkrebs ist eine der häufigsten und gefährlichsten Krebsarten. Wie und warum sich braune Pigmentflecken in den schwarzen Hautkrebs verwandeln, haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht. Dabei setzten die FAU-Wissenschaftler neuartige Robotertechnologie ein. Die gewonnenen Erkenntnisse  können zukünftig Diagnoseverfahren vereinfachen und legen darüber hinaus nahe, bestimmte Kosmetikprodukte und Cremes zu meiden.
 
Bislang war nur bekannt, welche Genmutationen die Umwandlung eher gutartiger Pigmentflecke in bösartige Tumore einleiten. Was auf Basis der Proteine und zellulären Signalwege passiert, wenn ein bösartiges Melanom entsteht, war dagegen wenig bekannt. Die Forscher um Prof. Dr. Andreas Baur, Leiter einer Forschungsgruppe am Translational Research Center (TRC) der FAU, haben nun herausgefunden, dass  bei der Umwandlung ein bestimmter Signalweg, der sogenannte ADAM10 Signalweg, aktiviert wird. Dieser Weg ist eine Proteinkette, die das Signal von einem Protein zum anderen weiter gibt, ähnlich einer fortlaufenden LED-Lichterkette. Diese ist in gesunder Haut im Normalfall nicht aktiv und springt nur im Notfall an. Sie spielt besonders bei der Schuppenflechte, einer Form der Gesichtsrötungen (Rosazea) oder Entzündungen, also wenn das Immunsystem aktiviert werden muss, eine wichtige Rolle, aber ebenso auch wenn das maligne Melanom entsteht.     
 
Die Bedeutung des ADAM10-Signalweges für die Entstehung eines Melanoms konnten die FAU-Forscher mittels eines neuartigen Roboters nachweisen. Mit diesem ist es möglich, die Vorgänge in Hautproben auf zellulärer Basis zu untersuchen. Dafür „färbt“ der Roboter mit Antikörpern, die mit einem Fluorochrom gekennzeichnet sind, die Eiweiße oder Proteine der Gewebezellen. Eine Kamera nimmt ein Bild der Gewebeprobe auf. Danach wird durch Bleichen das Fluorochrom zerstört, der Antikörper wird „unsichtbar“. Nun bringt der Roboter einen weiteren Antikörper und der Vorgang wiederholt sich. Dadurch entstehen immer neue unterschiedliche Bilder der gleichen Gewebeprobe, die übereinandergelegt werden können und so anzeigen wo und in welcher Zelle welche Eiweiße aktiv sind. Konnte man bisher ein bis vier solcher Marker einfärben, ist dies mit dem neuen Roboterverfahren für über 100 Eiweiße möglich.
 
Durch die gewonnenen Erkenntnisse kann der schwarze Hautkrebs zukünftig besser diagnostiziert werden. „Dies ist vor allem in Grenzfällen von Bedeutung, wenn eine Unterscheidung zwischen gutartig und bösartig nicht eindeutig getroffen werden kann“, sagt Baur. Langfristig helfen die Erkenntnisse der Wissenschaftler auch, die Diagnose von schwarzem Hautkrebs mittels Färberobotern zu automatisieren und zu vereinfachen. Darüber hinaus legen die Erkenntnisse der FAU-Wissenschaftler aber nahe, dass Kosmetikprodukte und Sonnenschutzmittel, die Aluminium enthalten, gemieden werden sollten. Es hat sich gezeigt, dass Aluminium-Ione den zum Melanom führenden ADAM10 Signalweg unspezifisch anschalten können.
 
Die Forschungsergebnisse wurden als Titelgeschichte ein Krebs-Sonderausgabe der Zeitschrift Science Signaling 10, März 2017  veröffentlicht: „Multiepitope tissue analysis reveals  SPPL3-mediated ADAM10 activation as a key step in the transformation of melanocytes“.
 
Informationen:
Prof. Dr. Andreas Baur
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andreas.Baur@uk-erlangen.de
 
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14.03.2017 Neue Immuntherapien gegen Krebs - 9. Internationales Zelltherapie-Symposium diskutiert neueste Krebstherapien
uni | mediendienst | aktuell Nr. 38/2017

Krebszellen sind für das körpereigene Abwehrsystem oft unsichtbar. Sogenannte CAR-T-Zellen können Krebszellen aufspüren und beseitigen. Einer der Pioniere einer neuen CAR-Immuntherapie, Prof. Dr. Carl June von der University of Pennsylvania, Philadelphia (USA), wird seine neuesten Ergebnisse auf dem 9. Internationalen Zelltherapie-Symposium (Cellular Therapy 2017) in Erlangen vor mehr als 350 Wissenschaftlern aus über 20 Nationen am 16./17. März 2017 vorstellen. Ende des Jahres soll das von Prof. June mitentwickelte Therapieverfahren im Rahmen einer Studie erstmals auch am Universitätsklinikum Erlangen angewendet werden.
 
„Durch die Fortschritte in der zellulären und molekularen Medizin hat die Zelltherapie in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung erlebt“, sagt Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Universitätsklinikums Erlangen, der den Kongress leitet. Dessen thematischer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf der Übertragung von Immunzellen (sogenannten T-Lymphozyten). Diese wurden zuvor dem Patienten entnommen und mit tumor-spezifischen Rezeptoren (sogenannten Chimären Antigen-Rezeptoren [CAR]) versehen. „Die Rezeptoren versetzen die Immunzellen in die Lage, Krebszellen aufzuspüren, anzugreifen und zu vernichten“, erläutert Prof. Mackensen. „Diese faszinierende, neue Immuntherapie hat in ersten klinischen Studien zur kompletten Rückbildung von verschiedenen Leukämien und Lymphdrüsenkrebs geführt“, so der Onkologe. Prof. June war der Erste, der im Jahr 2012 einem siebenjährigen Mädchen (Emma) mit akuter Leukämie, das bereits alle Therapien erhalten hatte, diese CAR-T-Zellen verabreichte. Die Leukämie ist bei Emma seitdem verschwunden. Carl June hat für seine Forschungsarbeiten im Jahr 2015 den hoch dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis erhalten.
 
Immuntherapie hat sich gegen Haut-, Nieren- und Lungenkrebs bewährt
Themenschwerpunkt des zweiten Kongresstages sind u. a. sogenannte immunologische „Checkpoint“-Moleküle – die natürlichen Bremsen des Immunsystems. Sie sollen eine zu starke Immunreaktion des Körpers verhindern. Viele Tumorzellen nutzen diese Moleküle aber, um eine gegen sich gerichtete Immunreaktion abzuschwächen. „Wenn man die Bremsblockade der Tumorzellen löst, lassen sich fortgeschrittene Krebserkrankungen sehr effizient bekämpfen. Entsprechende Medikamente sind bereits gegen Haut-, Nieren- und Lungenkrebs zugelassen und haben nicht nur in unserem Onkologischen Zentrum eine sehr gute Wirksamkeit gezeigt“, sagt Prof. Mackensen, der gleichzeitig stellvertretender Direktor des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Erlangen-EMN ist. Im Rahmen von Studien werden auch Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren, Lymphomen und Blasentumoren mit der Immuntherapie behandelt.
 
Moderne Krebstherapie mit Immunzellen im Mittelpunkt des Kongresses
„Das Internationale Zelltherapie-Symposium wird insbesondere von jungen Ärzten und Wissenschaftlern wegen seiner hohen wissenschaftlichen Qualität, aber auch aufgrund seiner persönlichen Atmosphäre sehr geschätzt“, so der Kongressleiter. Führende Forscher stellen in über 100 Vorträgen und Posterpräsentationen verschiedene Themengebiete der zellulären Therapie vor. Ziel der Veranstaltung ist es, alle zwei Jahre ein multidisziplinäres Forum zu bilden, das einen intensiven Gedankenaustausch zwischen Grundlagenforschern und Ärzten, die auf dem faszinierenden Gebiet der zellbasierten Krebstherapie arbeiten, ermöglicht. Weitere Informationen zum wissenschaftlichen Programm unter: www.cellular-therapy.de
 
Unter Zelltherapie versteht man die Übertragung von körpereigenen oder von Spendern stammenden Zellen zur Behandlung verschiedener Erkrankungen. Die Übertragung von Stammzellen im Rahmen der Knochenmarktransplantation zur Behandlung bösartiger Bluterkrankungen, wie der Leukämie, hat eine lange und sehr erfolgreiche Tradition. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die im Knochenmark enthaltenen Immunzellen des Spenders einen wichtigen Beitrag zum Erfolg dieses Therapieprinzips leisten. Weitere Infos für Patienten: Krebsberatung des CCC Erlangen-EMN, Tel.: 0800 85 100 85 (kostenlose Hotline, Montag bis Freitag von 8.00 bis 12.00 Uhr) oder www.ccc.uk-erlangen.de

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13.03.2017 Neuer Ansatz in der Alzheimer-Forschung FAU-Forscher nutzt Hochleistungscomputer für Alzheimer-Forschung
uni | mediendienst | aktuell Nr. 37/2017

Allein in Deutschland sind schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen an Alzheimer erkrankt – Chancen auf Heilung bestehen bisher nicht. Dr. Anselm Horn, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Bioinformatik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, untersucht in einem neuen Forschungsprojekt, wie sich die Molekularstrukturen bei Alzheimer verändern. Die Alzheimer Forschung Initiative fördert das Projekt mit 3900 Euro.
 
Horn will mithilfe von computergestützten Methoden die Auswirkungen von molekularen Änderungen untersuchen, die bei Alzheimer-Patienten typischerweise im Gehirn vorkommen. Der Eiweißstoff Beta-Amyloid lagert sich bei Alzheimer im Gehirn ab. In diesen Ablagerungen, genannt Plaques, hat das Protein eine andere Form als bei gesunden Menschen. Dies zeigt sich vor allem in den unterschiedlichen Längen der Eiweißstoffe. An der FAU sollen die kurzen Varianten analysiert werden, die im Verdacht stehen, die Plaque-Bildung zu fördern.
 
Dafür will Horn an Hochleistungscomputern, unter anderem am FAU-eigenen Supercomputer Meggie, simulieren, wie sich die Moleküle bewegen. Herkömmliche Analysemethoden im Labor konnten dazu bisher keine vergleichbar detaillierten Informationen liefern. Die Ergebnisse der Simulationsläufe helfen dabei, den Zusammenhang zwischen molekularen Vorgängen und der Krankheitsentstehung zu erkennen. Die Wissenschaftler hoffen, dass sich dadurch zukünftig gezielt neue Wirkstoffe entwickeln lassen, die die Ablagerung von Beta-Amyloid hemmen oder bereits vorhandene Plaques auflösen können.
 
Weitere Informationen zum Projekt:
www.alzheimer-forschung.de/forschung/index.htm?showid=5063
 
Informationen:
Dr. Anselm Horn
Tel.: 09131/85-24682
Anselm.horn@fau.de
 
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13.03.2017 SAVE THE DATE: STENO-Symposium 21. Juli 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

in diesem Jahr können wir auf zehn Jahre Regelversorgung durch das Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern STENO zurückblicken. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt erfolgte 2007 die Ausbreitung in die Fläche mit einer stetig steigenden Zahl beteiligter Kliniken. Getragen von der Idee, die Behandlung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten in Nordbayern nachhaltig zu verbessern, entwickelte sich das Schlaganfallnetzwerk STENO rasch zu einem unverzichtbaren Teil der Regelversorgung. Wir nehmen das diesjährige STENO-Symposium unter der Schirmherrschaft von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml zum Anlass, Erfolge und Meilensteine im Netzwerk zu thematisieren und Fragestellungen zu erörtern, die uns heute und in den kommenden Jahren beschäftigen werden. Namhafte Referenten aus Wissenschaft, Praxis und Politik informieren und diskutieren über aktuelle Aspekte der Schlaganfallversorgung. Und wie immer bietet das Symposium eine willkommene Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen und vorhandene zu vertiefen.

Die offizielle Einladung mit Informationen zu Programm und Ablauf folgt in Kürze. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich den Termin schon einmal vormerken und wir Sie am 21. Juli 2017  um 10 Uhr im Hörsaalzentrum des Universitätsklinikums Erlangen begrüßen dürfen!

Mit kollegialen Grüßen
Dr. Lorenz Breuer Projektleiter STENO, Universitätsklinikum Erlangen
Prof. Dr. Dipl.-Psych. Frank Erbguth Chefarzt der Klinik für Neurologie, Klinikum Nürnberg
Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Schwab Direktor der Neurologischen Klinik, Universitätsklinikum Erlangen
Prof. Dr. Patrick Oschmann Chefarzt der Klinik für Neurologie, Klinikum Bayreuth

Organisation
STENO Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern
Geschäftsstelle I Universitätsklinikum Erlangen I Tanja Wentzlaff-Eggebert
Schwabachanlage 6 I 91054 Erlangen I Tel. 09131/85 3 43 06 I
info@steno-netz.de I www.steno-netz.de

09.03.2017 Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Digitalisierung patientenorientiert und rechtssicher gestalten
Berlin, 09.03.2017 – Sind Medizin-Apps, Fitnesstracker und vernetzte Datenbanken die Zukunft des Gesundheitswesens oder nur ein Eldorado für Datensammler? Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die
Patientenversorgung und auf die Arbeitsbedingungen der Gesundheitsberufe aus? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen auf ihrer Jahrestagung
in Berlin.
„Die Digitalisierung wird zu einer stärkeren Vernetzung der Patientenversorgung beitragen. Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und Gesundheitsfachberufe werden leichter und effizienter Informationen
austauschen können. Dadurch ergeben sich neue Formen der Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten“, zeigte sich Dr. Max Kaplan, Vize-Präsident der Bundesärztekammer und Vorsitzender der Fachberufekonferenz, überzeugt. Voraussetzung für den Nutzen der Digitalisierung sei aber, dass sich die neuen technischen Möglichkeiten ohne Reibungsverluste in die Arbeitsabläufe einfügen. Dafür müssten die Mitarbeiter im Gesundheitswesen ihr fachliches Know-how einbringen. In diesem Zusammenhang verwies Kaplan auf den diesjährigen Deutschen Ärztetag in Freiburg, der sich schwerpunktmäßig mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens beschäftigen wird.
Unter anderem am Beispiel der logopädischen Behandlung von Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen diskutierten die Teilnehmer der Fachberufekonferenz die Konsequenzen der digitalen Neuerungen für Patienten und Versorgungsstrukturen.

So wirkt sich der Einsatz neuer Technologien beispielsweise nicht nur auf die direkte Beziehung zwischen Patienten und Behandelnden aus. Auch für die interdisziplinäre Kooperation zwischen Ärzten und Beschäftigten der Gesundheitsfachberufe ergeben sich neue Anforderungen.

Die Konferenz widmete sich auch der Frage, welche Kompetenzen die Berufsangehörigen benötigen, um die neuen elektronischen Möglichkeiten optimal anzuwenden, und wie dieses Wissen in der Aus- und Fortbildung möglichst rasch vermittelt werden kann. Nach Überzeugung der Teilnehmer erwarteten die Patienten eine sachkundige Beratung durch Ärzte und Angehörige der Pflege- oder Therapieberufe zum Beispiel zu medizinischen Apps oder zu den Anwendungen der elektronischen
Gesundheitskarte. Dabei seien sowohl Fragen der Datensicherheit wie auch der Qualität insbesondere bei den zahlreichen medizinischen Apps zu berücksichtigen.

In diesem Zusammenhang betonten die Teilnehmer, dass viele Anwendungen im Bereich Lifestyle und Medizin bei Prävention, Diagnostik und Therapie zwar nützlich sein könnten. Sie würden aber auch Risiken im Hinblick auf die Zuverlässigkeit und die Sicherheit der Daten bergen. Die Fachberufekonferenz forderte deshalb die Anbieter von Gesundheits-Apps auf, Nutzer in verständlicher Sprache über die Funktionen der jeweiligen App aufzuklären. Die Transparenz bei der Datenverarbeitung und die Kontrolle der Nutzer über ihre eigenen Daten müssten gewährleistet sein.

Die Teilnehmer wiesen zudem auf die Auswirkungen der Digitalisierung gerade bei technischen Gesundheitsberufen hin. So erfordert der Ersatz mechanischer Arbeit durch Informationstechnologie ein deutlich höheres Abstraktionsvermögen als bisher. Anstatt beispielsweise im Labor mechanische Abläufe durchzuführen, erhalten Risiko-, Prozess- und Ausfallmanagement einen immer höheren Stellenwert. Diese Kompetenzen müssen Eingang in die entsprechenden Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen sowie in die Fortbildung finden.

Die vom Vorstand der Bundesärztekammer initiierte Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen besteht nunmehr seit 28 Jahren. Ziel dieser ständigen Einrichtung ist es, den Dialog und die interprofessionelle sowie sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachberufen zu fördern und aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Berufsausübung zu beraten.

Diese Pressemitteilung finden Sie auch im Internet unter www.bundesaerztekammer.de
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08.03.2017 Korporatismus – Torso oder Zukunftsmodell?
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Die korporatistische Steuerung unseres Gesundheitssystems wird immer wieder auf den Prüfstand gestellt, was per se nicht schlecht ist. Eine le-bendige Selbstverwaltung muss Kritik aushalten und sich immer wieder selbstkritisch hinterfragen“, beginnt Dr. Max Kaplan seinen Leitartikel der Märzausgabe des Bayerischen Ärzteblattes.

Dabei dürfe aber nicht übersehen werden, dass der Gesetzgeber auf Korporatismus gesetzt und einen großen Teil seiner Regelungskompetenz im Gesundheitswesen auf die Selbstverwaltungsorganisationen übertragen habe. Aufgrund ihrer Sachkenntnis, ihrer Nähe zur Praxis und ihrer Bindung zu ihren Mitgliedern lösten die Selbstverwaltungsorganisationen viele diffizile Detailregelungen einfach besser und effizienter als es der Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene könnte. Damit sei eine starke Selbstverwaltung keine Konkurrenz zum Staat. Vielmehr entlaste und ergänze sie ihn. Gäbe es die ärztliche Selbst-verwaltung nicht, wäre die Gefahr von regional stark unterschiedlichen Regelungen in Gesundheitsfragen nicht von der Hand zu weisen. „Wir übernehmen Verantwortung – nicht nur für unsere eigenen Belange, sondern auch und gerade für das Gemeinwohl“, so Kaplan.

Ungeachtet dessen würden aber die Wesensmerkmale ärztlicher Freiberuflichkeit und damit auch der ärztlichen Selbstverwaltung durch Kontrollbürokratie und durch staatliche Interventionen zunehmend infrage gestellt. „Seit Jahren beobachten wir, dass die das Gesundheitswesen betreffenden Gesetze und Verordnungen weit davon entfernt sind, Rahmenvorgaben zu sein“, kritisiert Bayerns Ärzte-Chef. Vielmehr regelten sie die gesundheitliche Versorgung bis in kleinste administrative oder neuerdings sogar medizinische Details. Dabei ginge es nicht nur um die unmittelbare staatliche Einflussnahme, sondern auch um mittelbare Interventionen über den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Kaplan befürchtet, dass die Kompetenzen der ärztlichen Selbstverwaltung immer weiter eingeschränkt würden, bis von der einst lebendigen Selbstverwaltung nur noch ein blutleerer Torso übrigbleibe. „Deshalb müssen wir die gegenwärtige Krise als Chance begreifen“, so der Präsident. Dabei seien alle gefordert: Die Organisationen der Selbstverwaltung müssten gewohnte Strukturen und Abläufe hinterfragen und da, wo es nötig sei, neue Wege gehen. Und die Politik sei aufgefordert, der ärztlichen Selbstverwaltung wieder die Gestaltungsspielräume zu geben, die sie für die Sicherung einer hochwertigen gesundheitlichen Versorgung der Patientinnen und Patienten benötige.

Mehr zu „Korporatismus – Torso oder Zukunftsmodell?“ lesen Sie in der
Ausgabe 3/2017 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-
aerzteblatt.de.

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08.03.2017 Gemeinsam gegen seltene Pilzerkrankungen-FungiResearch: europäische Forschungsplattform für klinische Antimykotika-Entwicklung gegründet
uni | mediendienst | aktuell Nr. 31

Invasive Pilzinfektionen sind vergleichbar selten, enden aber bei immungeschwächten und schwerstkranken Patienten oft tödlich. Die Entwicklung und Zulassung von geeigneten Pilzmitteln, sogenannten Antimykotika, stellt Forscher vor eine besondere Herausforderung. Um die Behandlung betroffener Patienten in diesem hoch spezialisierten Bereich zu beschleunigen, haben sich sechs Forschungs- und Behandlungszentren zusammengetan, um vernetzt und übergreifend Antimykotika zu entwickeln und beschleunigt in die Anwendung zu bringen. Zu den Gründungszentren gehören neben der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mackensen) des Universitätsklinikums Erlangen auch die Uni-Klinika Aachen, Köln, München und Würzburg sowie das Städtische Klinikum München-Neuperlach.
 
Für die meisten Pilze gibt es keine Standardbehandlungen. Infektionen durch Schimmelpilze können bei Aspergillose Organe wie Nasennebenhöhlen, Leber und Lunge, bei Mukormykose auch Augen und Hirn befallen. Therapieoptionen existieren sehr eingeschränkt. Das besondere Problem: Invasive Pilzerkrankungen sind selten und daher schwer zu untersuchen. Es gibt vergleichsweise wenig Patienten (1:10.000), die jedoch schnellstens behandelt werden müssen. Eine rasche Zulassung ist notwendig, um Patienten außerhalb von klinischen Studien neue wirksame Medikamente zugänglich machen zu können. Und: Es wird zukünftig immer mehr immunsupprimierte Patienten – beispielsweise Krebspatienten nach einer Chemotherapie – geben, für die ohne schnelle Behandlung jede Hilfe zu spät kommt.
 
Das Netzwerk FungiResearch knüpft an eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit im Bereich „seltene Pilzerkrankungen“ an: der Zulassung des Antimykotikums Isavuconazol durch die Arzneimittelzulassungsbehörde der USA (FDA) und die europäische Arzneimittelagentur (EMA) im Oktober 2015. Für die Zulassung musste eine vergleichbare oder überlegene Wirkung gegenüber einer Vergleichsgruppe belegt werden. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dabei war der Zugriff auf die Daten- und Probenbank FungiScope, die von Infektiologen um Prof. Dr. Oliver Cornely am Uni-Klinikum Köln entwickelt wurde. FungiScope umfasst mittlerweile 693 seltene Fälle unterschiedlicher Pilzinfektionen aus 66 Ländern und gilt weltweit als einzige große Vergleichsdatenbank dieser Art. Sie eröffnet u. a. Medizinern neue Erkenntnisse und Rückschlüsse auf die Behandlung ihrer Patienten: Der Vergleich mit Patienten aus dem FungiScope-Register konnte bei Isavuconazol (Handelsname: Cresemba®) zeigen, dass das neue Medikament ähnlich effektiv gegen Mukormykosen wirkt wie der üblicherweise eingesetzte, aber relativ toxische Wirkstoff Amphotericin.
 
Das stetig wachsende Netzwerk von Experten mündet mit FungiResearch in einen systematisch agierenden Forschungsverbund, um zukünftig noch schneller auf den klinischen Bedarf nach „Orphan Drugs“ für Pilzerkrankungen reagieren zu können. Der Infektiologe Prof. Dr. Oliver Cornely, Leiter des Zentrums für Klinische Studien Köln, ist Initiator und Gründungsmitglied von FungiResearch: „Wir wollen mit unserem kontinuierlich wachsenden Netzwerk spezialisierter Forscher den Weg für neue Therapien zu extrem seltenen Pilzinfektionen ebnen. Durch Austausch, Vernetzung und über gemeinsame Studienprojekte beschleunigen wir nicht nur akademische klinische Forschung, sondern sind auch ein hochinteressanter Forschungspartner für Unternehmen weltweit, die Orphan Drugs im Bereich Pilzinfektionen entwickeln und in die Anwendung bringen wollen.“
 
FungiResearch: Gründungszentren im Überblick
 
• Uniklinik RWTH Aachen, Klinik für Hämatologie, Onkologie, Hämostaseologie und Stammzelltransplantation (Med. Klinik IV), Dr. Jens Panse
• Universitätsklinikum Köln, Klinik I für Innere Medizin und CECAD, Prof. Dr. Oliver Cornely
• Universitätsklinikum Köln, Zentrum für Pharmakologie, PD Dr. Carsten Müller
• Universität zu Köln, Zentrum für Klinische Studien Köln, Dr. Endrik Limburg
• Universitätsklinikum Erlangen, Medizinische Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie, Prof. Dr. Stefan Krause
• Klinikum der Universität München, Medizinische Klinik und Poliklinik III, Prof. Dr. Helmut Ostermann
• Städtisches Klinikum München – Klinikum Neuperlach, Klinik für Hämatologie und Onkologie, Prof. Dr. Meinolf Karthaus
• Universitätsklinikum Würzburg, Medizinische Klinik und Poliklinik II, PD Dr. Werner Heinz
 
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07.03.2017 Beitragsgelder gehören in die Patientenversorgung
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin, 07.03.2017 – Zu dem vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten vorläufigen Finanzergebnis der gesetzlichen Krankenversicherung des Jahres 2016 erklärt Bundesärztekammer-
Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery:

„Viele Versicherte fragen sich zu Recht, warum ein großer Teil ihrer Beitragsgelder nicht in der Patientenversorgung ankommt. Da bunkern die Krankenkassen mehr 25 Milliarden Euro
Überschüsse, obwohl für die dringend notwendige Neuausrichtung unseres Gesundheitswesens an allen Ecken und Enden das Geld fehlt. Viele Menschen finden in ihrem Ort keinen Arzt mehr oder müssen kilometerweit fahren. Die Krankenkassenfunktionäre horten Milliarden, fordern aber zum Sparen und zu Klinikschließungen auf. Und das, während bei der jüngsten Grippewelle Patienten sogar auf den Fluren
untergebracht werden mussten. Vor diesem Hintergrund ist es einfach nicht vermittelbar, dass die Krankenkassenfunktionäre auf dem Geld der Versicherten sitzen oder es für interne Bürokratie
verplempern. Nach der neuesten Statistik liegen die Nettoverwaltungskosten der Kassen bereits einen Prozent über den Ausgaben für Hilfsmittel. So kann es nicht weitergehen.

Gegen eine vernünftig bemessene Notreserve ist nichts einzuwenden. Krankenkassen sind aber keine Sparkassen. Ihre gesetzliche Aufgabe ist es, ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern.
Dazu gehört auch, den weiteren Ausbau sektorenübergreifender Strukturen finanziell zu unterstützen. Die Kassenfunktionäre sollten von ihren Bilanzen aufschauen und einen Blick in unsere Notfallambulanzen und -praxen werfen. Dort haben sich die Patientenzahlen in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.
Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten am Limit und fordern zu Recht bessere sektorenübergreifende Strukturen. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen sind hierfür zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Euro notwendig. Das Geld wäre gut angelegt.“

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03.03.2017 Ethik darf nicht zu einem Verwaltungsakt verkommen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 03.03.2017 – Zu dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig, nach dem Patienten in „extremen Ausnahmesituationen“ ein Recht auf Betäubungsmittel zur Selbsttötung haben, erklärt der
Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery: „Dass eine so grundsätzliche ethische Frage wie die der ärztlich assistierten Selbsttötung auf einen bloßen Verwaltungsakt reduziert werden soll, ist mir völlig unverständlich.
Man muss sich doch die Frage stellen, ob das Bundesverwaltungsgericht Leipzig tatsächlich die wirklich
grundlegenden Diskussionen im Deutschen Bundestag wie auch die entsprechenden Beschlüsse zur Sterbebegleitung wahrgenommen hat. Zu welchen Verwerfungen dieses Urteil in der Praxis führen wird, zeigt allein die Frage, ob das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nun zu einer Ausgabestelle für Tötungsmittel degradiert werden soll.
Und welcher Beamte im BfArM soll denn dann entscheiden, wann eine ´extreme Ausnahmesituation` vorliegt? Eine solche Bürokratieethik ist unverantwortlich.“


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03.03.2017-Durchbruch in der Krebsfrüherkennung- Erster Test für die verlässliche Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs vorgestellt
uni | mediendienst | aktuell Nr. 28/2017

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist deshalb so gefährlich, weil er meist erst in fortgeschrittenem Stadium erkannt wird. Dies liegt zum einen an spät einsetzenden Symptomen und zum anderen an einem bisher herrschenden Mangel an zuverlässigen Früherkennungsmethoden. Jetzt aber ist Forschern der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) des Universitätsklinikums Erlangen und der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin A der Universitätsmedizin Greifswald, in Zusammenarbeit mit der Metanomics Health GmbH, ein Durchbruch gelungen. In einer klinischen Studie konnten die Wissenschaftler um Prof. Dr. Robert Grützmann und Prof. Dr. Markus M. Lerch eine Signatur von neun Stoffwechselprodukten ausmachen, deren Nachweis die Genauigkeit der Pankreaskrebsdiagnostik nicht nur signifikant erhöht, sondern damit auch die Überlebenschancen der Patienten in Zukunft um bis zu 40 Prozent steigern kann.
Jedes Jahr sterben rund 14.000 Menschen in Deutschland an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Krankheit gilt als eine der tückischsten: Fünf Jahre nach der Diagnose sind nur noch etwa fünf Prozent der Betroffenen am Leben. Mit der Vorstellung eines ersten Tests zur verlässlichen Erkennung von Pankreastumoren haben Wissenschaftler des Uni-Klinikums Erlangen und der Universitätsmedizin Greifswald jetzt einen wichtigen Schritt in die medizinische Zukunft gemacht. „In unserer Studie wurden über 900 Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse untersucht“, erklärt Prof. Grützmann. „Unser Ziel war es, einen vorliegenden Krebs eindeutig von weiteren Möglichkeiten, vor allem von der chronischen Pankreatitis, zu unterscheiden, um Patienten schneller in die richtige Therapie zu bringen. Wir konnten erfolgreich zeigen, dass der Nachweis einer Signatur von neun Stoffwechselprodukten, die sogenannte Metabolomik, ein verlässlicher Früherkennungstest ist.“ Dieser bedeutsame Fortschritt soll noch weiter ausgebaut werden: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert in den kommenden vier Jahren die weitere Erforschung der Stochwechselsignatur mit 3,6 Millionen Euro.

Die Erlanger und Greifswalder Studie “Metabolic biomarker signature to differentiate pancreatic ductal adenocarcinoma from chronic pancreatitis” wurde jetzt im renommierten Fachmagazin „Gut“ veröffentlicht: http://gut.bmj.com/content/early/2017/01/20/gutjnl-2016-312432.

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28.02.2017 Lieferengpässe bei Arzneimitteln
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 24.02.2017 – Zu den Lieferengpässen bei wichtigen Medikamenten erklärt Dr. Susanne Johna, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer:

„Wenn wir die Versorgung mit überlebenswichtigen Medikamenten wie Antibiotika oder Krebsmitteln sicherstellen wollen, brauchen wir ein verpflichtendes Register und spürbare Sanktionen bei Nichtmeldung. Es reicht nicht aus, dass Pharmaunternehmen Lieferengpässe auf freiwilliger Basis melden.
Das spiegelt nur einen Bruchteil der tatsächlichen Engpässe wieder. Es müssen auch bereits drohende Versorgungsengpässe gemeldet werden.

Selbstverständlich müssen für Medikamente auch faire Preise bezahlt werden. Rabattverträge dürfen das Preisniveau nicht so tief drücken, dass sich die Produktion nicht mehr lohnt oder sich auf wenige Hersteller in China oder Indien konzentriert. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass Medikamente aus der Lieferkette hinaus ins Ausland exportiert werden.

Und schließlich brauchen die zuständigen Behörden mehr Kompetenzen. Sie müssen die Möglichkeit erhalten, Pharmaunternehmen und Großhändlern Maßnahmen vorzuschreiben, die die Verfügbarkeit wichtiger Medikamente sicherstellen. Dazu gehört auch der Aufbau von strategischen
Reserven von zu definierenden wichtigen Medikamenten.“

Video-Interview mit Dr. Susanne Johna finden sie auf der Seite
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21.02.2017 Montgomery fordert unabhängige Informationen statt Kontrollbürokratie
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 21.02.2017 – „Ein zuverlässiges Informationssystem über
innovative Medikamente hilft niedergelassenen Ärzten dabei, ihre
Patienten optimal zu behandeln. Die Politik darf diese Chance
nicht verspielen, indem sie stattdessen ein Arztüberwachungssystem
einführt.“ Das sagte Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery,
Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), im Vorfeld der
Beratungen zum GKV-Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz
(AMVSG) am kommenden Mittwoch im Bundesrat.
Das Gesetz sieht unter anderem vor, Vertragsärzte bei der
Verordnung von Arzneimitteln in Zukunft mit Hilfe der
Praxissoftware wirkstoffbezogen über die Ergebnisse der
Nutzenbewertung zu informieren.
Montgomery kritisierte das Bestreben der Krankenkassen,
Hinweise zur wirtschaftlichen Verordnung von Arzneimitteln in die
Praxisverwaltungssysteme zu integrieren. „Die Praxissoftware darf
nicht zum Kontroll- und Steuerungsinstrument verkommen. Die
Folge wären Eingriffe in die ärztliche Therapiefreiheit, ein
verschärfter Regressdruck und noch mehr Bürokratie für die
Ärztinnen und Ärzte“, warnte er.
Eine Mitgestaltung des Informationssystems durch die
Pharmaindustrie lehnte der BÄK-Präsident ebenfalls ab.
„Ärztinnen und Ärzte brauchen kein digitales Marketinggeklingel.
Sie brauchen herstellerunabhängige Informationen, die ihnen
helfen, die bestmögliche Therapie zu finden.“ Darüber hinaus
gehe es auch darum, den unkritischen Einsatz neuer Arzneimittel
zu vermeiden. „Das geht aber nur mit mehr Transparenz im
Hinblick auf den Zusatznutzen von Medikamenten“, so
Montgomery.

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20.02.2017 Die ärztliche Kunst des Weglassens
uni | mediendienst | forschung Nr. 13/2017

Regionales Kooperationsnetzwerk unter Leitung des Lehrstuhls für Allgemeinmedizin der FAU verfolgt das Ziel, die Fehl- und Überversorgung im ambulanten Gesundheitswesen zu verringern
Oft geht es allzu schnell: Schon bei geringen körperlichen Beschwerden kommen in Deutschland Computertomografie und andere bildgebende Verfahren zum Einsatz. Und wer Rückenschmerzen hat, wird vielfach zu früh operiert. Um der Überversorgung entgegenzuwirken, schließen sich sieben Institute der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), vier fränkische Praxisnetzwerke mit rund 200 haus- und fachärztlichen Praxen, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns sowie Vertreter von Krankenkassen zusammen. Der Aufbau des Kooperationsnetzwerkes „PRO PRICARE" sowie drei Forschungsprojekte werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,1 Millionen Euro gefördert.
Ein Körbchen gefüllt mit zahlreichen Medikamenten, das die betagte Patientin gut hütet. Plötzlich kommen Rückenschmerzen dazu. Ob jetzt noch eine weitere Arznei verschrieben wird? Eine Alltagssituation, die viele Betroffene kennen. In ihr  spiegelt sich das weit verbreitete Phänomen der Fehl- und Überversorgung. Diese im ambulanten Bereich zu vermeiden, ist Schwerpunkt des neu gegründeten Kooperationsnetzwerks PRO PRICARE (Preventing Overdiagnosis in Primary Care) unter der Leitung des Lehrstuhls für Allgemeinmedizin der FAU.

„Die Überversorgung im ambulanten deutschen Gesundheitswesen wird ein immer wichtigeres Thema“, sagt Prof. Dr. Thomas Kühlein, Direktor des Allgemeinmedizinischen Instituts an der FAU. Die zunehmenden technischen Möglichkeiten und auch die unkoordinierte Aktivität vieler Fachärzte führen gerade bei alten Menschen schnell zu einem Zuviel an medizinischen Maßnahmen. „Gerade angesichts des fortschreitenden Alters unserer Patienten müssen wir lernen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Das Kriterium für diese Unterscheidung muss für jede einzelne dieser Maßnahmen sein, ob sie dem Patienten in seiner aktuellen Situation und bei der Erreichung seiner Ziele hilft“, sagt Kühlein.

Oft stehen immer noch medikamentöse Therapieverfahren wie etwa die Gabe von Antibiotika an erster Stelle, auch wenn diese nicht nötig oder zielführend sind.  Aufgrund des technischen Fortschritts kommen immer häufiger bildgebende Verfahren zum Einsatz. Das Gespräch und die persönlichen Sorgen und Ziele der Patienten drohen darüber in Vergessenheit zu geraten. „Ein zynisch klingender Satz in der Medizin lautet: ,Ein gesunder Patient ist nur schlecht untersucht´. Dieser Satz enthält leider viel Wahrheit“, sagt Kühlein.

Den Menschen ganzheitlich betrachten – weniger Medikamente verabreichen

„Der Hausarzt ist der wichtigste Versorger und ist die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen“, sagt Dr. Susann Schaffer, Forschungskoordinatorin am Lehrstuhl für Allgemeinmedizin und Leiterin des Netzwerks PRO PRICARE.  So soll in einem der drei Projekte des Netzwerks ein für Hausärzte leicht handhabbares Klassifikationssystem entwickelt werden, das anstelle der Krankheiten den Menschen in seinem alltäglichen Leben in den Mittelpunkt stellt. Im Fokus stehen dabei Ältere und Hochbetagte.

Mit Hilfe dieser Klassifikation soll es möglich sein, den Grad der Alltagsbewältigung dieser Patienten zu beschreiben: Wie aktiv ist der Patient noch oder inwiefern kann er sich noch selbst versorgen – kurz: In welchem Umfang kann er am Leben teilhaben? Die sich aus dieser Erfassung ergebende Aufgabe ist dann, wie man diesen Patienten helfen kann, ihr Leben besser zu bewältigen. „So lange der Fokus medizinischer Versorgung vor allem auf Krankheiten gerichtet ist, wird das Problem der Überversorgung weiter wachsen. Unsere Annahme ist, dass eine personenzentrierte Versorgung zu weniger Medizin führen wird“, erläutert Thomas Kühlein.

Mehr auf subjektive Ängste eingehen

In einem zweiten Projekt steht die Arzt-Patienten-Kommunikation im Mittelpunkt. Suchen Patienten ihren Arzt auf, haben sie meist bereits eine Vorstellung, was sie haben könnten und brauchen. Verbunden sind damit oft große Ängste und Sorgen vor einer „schlimmen Krankheit“, die sich andeuten könnte. „Diese subjektiven Krankheitsvorstellungen wollen Patienten gerne in der Konsultation mit ihrem Arzt besprechen. Wir wollen nun Ärzte durch ein Training in der Weiterentwicklung ihrer Konsultationskompetenzen unterstützen“, sagt Thomas Kühlein.

So zeigte eine belgische Studie in Hausarztpraxen, dass aufgrund einer gezielten Verbesserung der Konsultationskompetenzen weniger Medikamente verschrieben wurden. PRO PRICARE-Koordinatorin Susann Schaffer ergänzt: „Wir möchten die Hausärzte schulen und bestärken, die subjektiven Krankheitsvorstellungen der Patienten zu erfragen. Eine verbesserte Kommunikation kann dazu beitragen, die meist kurze Konsultationszeit optimal zu nutzen.“

Überversorgung bei Schilddrüsenerkrankungen

Oft beginnen medizinische Versorgungsprozesse mit kleinen, eigentlich unnötigen Maßnahmen, aus denen dann wie bei einer Kaskade weitere Maßnahmen folgen, die nur noch schwer zu stoppen sind. Ein Beispiel ist die verbreitete Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse. Mit zunehmendem Alter werden dabei immer mehr Schilddrüsenknoten gefunden, die dann nach jahrelangen Kontrollen irgendwann doch operativ entfernt werden. Dabei findet sich manchmal auch Krebs. Ähnlich wie beim Prostatakrebs, sind die meisten dieser Krebsformen jedoch so geartet, dass der Patient auch ohne seine Entdeckung nicht verstorben wäre. Das dritte Forschungsprojekt beschäftigt sich deshalb mit den Auslösern, Treibern und Folgen dieser medizinischen Kaskade, die zu einer Unzahl unnötiger Operationen führt. „Wenn wir gelernt haben, diese Dinge besser zu verstehen, lassen sich daraus hoffentlich Maßnahmen ableiten, solche Kaskaden zu verhindern", führt Kühlein aus. 

Beteiligt an dem Kooperationsnetzwerk „PRO PRICARE“ sind neben sieben Instituten der FAU die vier regionalen fränkischen Praxisnetzwerke QuE aus Nürnberg, UGeF aus Forchheim, MainArzt aus Ochsenfurt und die Ärztegenossenschaft Hochfranken mit zusammen genommen rund 200 haus- und fachärztlichen Praxen. Weitere Partner sind die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns sowie verschiedene Betriebskrankenkassen, die durch die GWQ ServicePlus vertreten sind.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Thomas Kühlein
Tel.: 09131/85-31140
thomas.kuehlein@uk-erlangen.de

16.02.2017 Im Verbund gegen Niereninsuffizienz
uni | mediendienst | forschung Nr. 14/2017

Chronische Nierenerkrankungen  sind häufig, mehr als  10 Prozent der Bevölkerung leiden darunter. Einen großen Anteil  haben diabetesbedingte Nierenschäden. Um die Behandlungsmöglichkeiten dafür zu verbessern, haben sich rund 30 Partner weltweit zu einem Verbund zusammengeschlossen. Ein Mitglied ist das Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Das Projekt wird mit knapp 29 Millionen Euro, zum überwiegenden Teil von der EU und Industrieunternehmen, gefördert.

Der hohe Blutzuckerspiegel, mit dem viele Diabetes-Patienten auch bereits vor der Diagnose leben, führt zu langfristigen Schäden an den Nieren: Die Blutgefäße in den Nieren verengen sich und die Gefäßwände werden durchlässig. Dadurch können die sogenannten Nierenkörperchen, die Schadstoffe aus dem Blut filtern, nicht mehr richtig arbeiten. Es kommt zur diabetesbedingten Niereninsuffizienz, die trotz der Möglichkeiten einer Nierenersatztherapie in Form von Dialyse oder Transplantation oftmals tödlich verläuft – die Sterberate dieser Krankheit übertrifft sogar die der meisten Krebserkrankungen. Trotzdem gibt es nach wie vor keine Therapie, die eine durch Diabetes bedingte Niereninsuffizienz vermeidet oder heilt.

Rund 30 Partner weltweit

Ein Konsortium aus mehr als 20 akademischen Institutionen aus Europa und den USA, verschiedenen Pharma- bzw. Biotechnologie-Unternehmen und der Juvenile Diabetes Research Foundation haben nun das Projekt BEAt-DKD („Biomarker Enterprise to Attack Diabetic Kidney Disease“) gestartet, mit dem Ziel, die Prävention und Behandlung der diabetesbedingten Niereninsuffizienz zu verbessern. Dafür will der Verbund Mechanismen und Signalwege identifizieren, die eine Nierenschädigung bei  Diabetes auslösen. Diese Mechanismen könnten  als Ansatzpunkt für zukünftige Therapien genutzt werden. In einem weiteren Schritt sollen Biomarker identifiziert werden, also biologische Parameter, wie Eiweiße oder Stoffwechselmoleküle, die charakteristische Merkmale für Krankheiten und Krankheitsverläufe sind. Die Biomarker sollen es ermöglichen, den Krankheitsverlauf sowie den Therapieerfolg vorherzusagen – und dadurch klinische Studien erleichtern und eine präzisere Behandlung erlauben.

Europaweit größte Beobachtungsstudie zu Niereninsuffizienz

Am Uni-Klinikum Erlangen der FAU beteiligt sich Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt, Direktor der Medizinischen Klinik 4, an dem Verbundprojekt. Seit 2007 leitet er mit seinem Team eine bundesweite Kohortenstudie zur Niereninsuffizienz in Deutschland (GCKD-Studie: German Chronic Kidney Disease), die nun auch in das Projekt BEAt-DKD aufgenommen wurde. Im Rahmen der Studie werden mehr als 5.000 Patienten über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachtet, die an verschiedenen Formen der chronischen Niereninsuffizienz leiden, darunter auch Patienten mit diabetesbedingter Nierenschädigung.  „Es  gibt starke Unterschiede im Verlauf der verschiedenen Nierenerkrankungen“, erklärt Professor Eckardt. Der Grund dafür und von welchen Faktoren der Krankheitsverlauf abhängt, ist jedoch noch weitgehend unverstanden. Ziel  der Studie ist es daher, die Ursachen, den Verlauf, die Einflussfaktoren sowie die Konsequenzen der fortschreitenden Krankheit besser zu verstehen, um neue diagnostische und therapeutische Maßnahmen zu entwickeln.  GCDK ist die erste Studie in Europa, die groß genug ist, um Beziehungen zwischen Biomarkern, Krankheitsverlauf und Komplikationen darzustellen. „Unsere Forschung wird daher auch für die diabetesbedingten Nierenschädigungen neue Erkenntnisse bringen“, ist sich Kai-Uwe Eckardt sicher.

Weiterführende Informationen zur BEAt-DKD-Studie gibt es unter http://www.imi.europa.eu/content/beat-dkd

Ausführliche Informationen zur bundesweiten Kohortenstudie zur Niereninsuffizienz in Deutschland (GCKD-Studie) finden Sie unter: http://www.medizin4.uk-erlangen.de/forschung/patientennahe-forschung/gckd-studie/
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt
Tel.: 09131/85-36354
mirjam.jacob@uk-erlangen.de (Sekretariat)
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09.02.2017 Keine Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte!
gemeinsame Pressemeldung der BLÄK und der KVB

Angriffe auf Polizisten, Rettungskräfte und Feuerwehrleute sollen strenger bestraft werden. Das sieht ein Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) vor, der diese Woche im Bundeskabinett beraten wird. „Respekt und Wertschätzung verdienen die Kräfte der Polizei, der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes und der Rettungsdienste, aber auch Ärztinnen und Ärzte, wenn sie die Patientenversorgung außerhalb der Sprechzeiten sicherstellen“, erklärten Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), und Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), heute in München.

Kaplan begrüßt die Pläne zur Stärkung des Schutzes der Einsatz-, Hilfs- und Rettungskräfte, die längst überfällig seien. Damit setze der Staat ein unmissverständliches Signal, dass diese Gewalt nicht hingenommen werde. „Genauso inakzeptabel ist es, dass Ärztinnen und Ärzte im Bereitschaftsdienst und in der Notaufnahme attackiert werden, was leider immer wieder passiert“, betonte Kaplan „es ist deshalb unbedingt notwendig, dass auch diese Ärztinnen und Ärzte vom Gesetzgeber entsprechend geschützt werden“.
Krombholz erinnert daran, dass die Gefahr von Übergriffen auf Ärzte in den letzten Jahren zugenommen habe und es bei der KVB deshalb auch eine eigene Fortbildungsveranstaltung „Sicher im Ärztlichen Bereitschaftsdienst und beim Hausbesuch“ gebe, die sehr gut angenommen werde. „Die Kolleginnen und Kollegen, die Patienten zuhause aufsuchen, haben jegliche Unterstützung verdient. Insofern wäre es ein wichtiges Signal, diese auch per Gesetz besser vor Gefahren durch aggressives Verhalten zu schützen.“

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14.01.2017 BÄK: Patientensicherheit darf nicht ökonomischen Erwägungen untergeordnet werden
Pressenachricht der Bundesärztekammer

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Europäische Kommission patientenschützende Regeln der
Mitgliedsstaaten aufgrund von ökonomischen Erwägungen einer erneuten Verhältnismäßigkeitsprüfung unterziehen will. Ein solches Vorgehen kann wichtige Maßnahmen zum Schutz der Patienten erheblich verzögern. Wenn die Europäische Kommission dies in Kauf nimmt, ordnet sie die Patientensicherheit den
Marktinteressen unter.“
So kommentiert Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), das am
10. Januar 2017 veröffentlichte sogenannte Dienstleistungspaket.
Unter anderem fordert die Europäische Kommission darin die Prüfung der „Verhältnismäßigkeit“ von Berufsregeln. Diese will sie auch für Regelungen durchsetzen, die dem Patientenschutz
dienen. In Deutschland ist die sorgfältige Verhältnismäßigkeitsprüfung durch Bundes- und
Landesregierungen sowie Berufskammern geübte Praxis. Hierzu verpflichten das Grundgesetz und die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.
„Mit ihrem Vorschlag suggeriert die Europäische Kommission, dass bestehende Berufsregeln grenzüberschreitende Tätigkeit verhindern. Dabei ist das Gegenteil der Fall, wie die hohe Zahl von
Ärztinnen und Ärzten beweist, die bereits heute in einem anderen EU-Mitgliedstaat arbeiten“, so Montgomery.
Der BÄK-Präsident fordert den europäischen Gesetzgeber auf, dieser überflüssigen Gesetzgebung eine Absage zu erteilen. Sie erschwert es den Mitgliedsstaaten, die Berufsausübung in verhältnismäßigem Rahmen zu regeln und missachtet deren gerade beim Gesundheitsschutz EU-vertraglich garantierten Einschätzungsspielraum. Zudem verursacht die Verhältnismäßigkeitsprüfung enorme Kosten und Bürokratie. „Leider hat Brüssel den Brexit-Warnschuss nicht gehört. Denn statt sich auf ihre eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren, versucht die Kommission abermals, die gesundheitspolitischen Kompetenzen der Mitgliedsstaaten zu beschneiden“, kritisiert Montgomery.
In seinem Beschluss zur Binnenmarktstrategie (BT-DRS 18/8867) vom Juni 2016 verdeutlicht auch der Deutsche Bundestag, dass „die mitgliedstaatliche Regelungskompetenz für Berufsregelungen […] nicht in Frage gestellt werden (darf). Ein Prüfraster zur Verhältnismäßigkeit oder Empfehlungen, die auf eine Beschränkung oder gar das Infragestellen der Regelungskompetenz des nationalen Gesetzgebers im Bereich der reglementierten Berufe abzielen, sind abzulehnen.“
Die Landesärztekammern gewährleisten unter anderem über das ärztliche Berufsrecht eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung der Bevölkerung. Dies steht im Einklang mit den Zielen, wie sie auch der Vertrag über die Arbeitsweise der EU in Artikel 168 (1) definiert. Darüber hinaus legt der Vertrag in Artikel 168 (7) fest, dass die Verantwortung für die Gesundheitspolitik sowie für die Organisation des Gesundheitswesens und die medizinische Versorgung bei den Mitgliedsstaaten liegt.

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13.01.2017 Was uns 2017 erwartet
Pressemeldung der Landesärztekammer Bayern

Die bayerische Wirtschaft blickt verhalten optimistisch in die Zukunft. Gilt das auch für die Sozial-, Gesundheits- und ärztliche Berufspolitik? Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) schreibt im Leitartikel der Januar/Februar-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes über das, was uns 2017 erwartet.
So könnte das Mega-Thema die neue (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) werden. „Wir haben ja bereits auf dem Bayerischen Ärztetag 2016 hierzu einige Eckpunkte beschlossen, wie die Festschreibung der Rechtsverbindlichkeit des elektronischen Logbuchs im Paragrafenteil. Ebenso haben wir festgehalten, dass sowohl für den Nachweis der Weiterbildungsinhalte durch den Weiterzubildenden als auch bezüglich des Angebots des zu vermittelnden Leistungsspektrums durch den Weiterbildungsbefugten das elektronische Logbuch das Rückgrat der neuen MWBO sein wird. Neben einem Höchstmaß an Flexibilität hat der Bayerische Ärztetag auch eine gewisse Strukturierung empfohlen. Dazu zählen das Festschreiben einer Mindestweiterbildungszeit im stationären Bereich und die Ausweisung der Weiterbildungszeit in der Kernkompetenz, insbesondere in den großen Gebieten“, so Kaplan.

Die Novelle der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) sei 2016 ein beherrschendes Thema gewesen. Kaplan: „Wir legen großen Wert darauf, dass unter Einbeziehung aller Verbände und der wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften ein Höchstmaß an Transparenz hergestellt wird und die Diskussionen im Sinne eines Qualitätssicherungsprozesses geführt werden. Wir befinden uns jetzt im Gespräch mit der PKV und dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) und möchten diesen Teil Anfang des Jahres abschließen. Parallel hierzu diskutieren wir die Bundesärzteordnung (BÄO), den Paragrafenteil und das Konsenspapier zu den Übergangsbestimmungen mit den großen und übergreifenden Berufsverbänden, der PKV und dem BMG. Ein dritter Schwerpunkt bei der Novellierung ist die Erarbeitung einer eigenen Datenbank zur ‚Bepreisung‘ der GOÄ-Leistungen“.

Ein Novum sei das „Antikorruptionsgesetz“. Kaplan schreibt: „Der Gesetzgeber sah die Notwendigkeit, die Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen im Strafgesetzbuch in den Paragraphen 299 a und b sowie 300 zu regeln. Dies hat bei vielen unserer Kolleginnen und Kollegen aber auch bei unseren Kooperationspartnern zu Verunsicherungen geführt, die es jetzt zu beseitigen gilt. Hier sind wir Ärztekammern gefordert und bringen uns deshalb auch engagiert in die öffentliche Diskussion ein“.

Mehr zu „Was uns 2017 erwartet“ lesen Sie in der Ausgabe 1-2/2017 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Bayerische Landesärztekammer
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12.01.2017 Symposium: Systems Neuroscience 19.-20.01.17
uni | mediendienst | aktuell Nr. 5/2017

19.–20. Januar, ab 9.00 Uhr, Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts, Raum A 1.500, Staudtstraße 2, Erlangen
Die letzten zehn Jahre brachten gewaltige Entwicklungen in den Neurowissenschaften hervor. Vor allem der Einsatz optischer und elektrophysiologischer Methoden öffnete ein neues experimentelles Fenster und gewährte vertiefte Einblicke in die Funktionsweise gesunder und erkrankter Gehirne. Das Institut für Physiologie und Pathophysiologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und das Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts veranstalten gemeinsam ein Symposium, auf dem die aktuellen Entwicklungen und zukünftigen Aussichten in den Neurowissenschaften diskutiert werden sollen. Das Symposium findet vom 19. bis 20. Januar im Neubau des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts, Staudtstraße 2, in Erlangen statt. Der Beginn ist an beiden Tagen 9.00 Uhr. Die Veranstaltung  ist öffentlich, der Eintritt frei.
Besonderes Augenmerk liegt bei diesem interdisziplinären Symposium auf dem technologischen Zugang und der Anwendung physikalischer Methoden in den Neurowissenschaften. Diese Entwicklungen sprechen Kernpunkte in der Grundlagenforschung und der daraus folgenden Anwendung an und vergrößern so das Verständnis der Funktion und Dynamik normaler und erkrankter Gehirne. Der Fortschritt  in der Anwendung neuer Technologien zur Manipulation und Klärung zellulärer und subzellulärer Vorgänge in bestimmten festgelegten Schaltstellen des Gehirns bietet die Möglichkeit grundlegende Fragen der Neurowissenschaften anzugehen, wie zum Beispiel die Prinzipien der Informationsverarbeitung im Gehirn oder die Mechanismen, die die normalen Hirnfunktionen bei neuropsychiatrischen Krankheiten stören.
Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.mpl.mpg.de/en/sandoghdar/systems-neuroscience.html  
Dr. Katrin Bauer, Tel.: 09131/7133-301, katrin.bauer@mpl.mpg.de
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11.01.2017 Getrennte Zwillinge - FAU-Chemiker entwickeln neues Verfahren zur Herstellung von Arzneimitteln
uni | mediendienst | forschung Nr. 3/2017

Chemiker der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) arbeiten an einem Verfahren, mit dem sogenannte chirale Moleküle zuverlässig getrennt werden können. Damit soll es künftig einfacher sein, hoch effektive Medikamente und Pflanzenschutzmittel ohne unerwünschte Nebenwirkungen herzustellen. Am Verbundprojekt CORE, für das die Europäische Union rund vier Millionen Euro bereitstellt, sind Forscher aus Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland beteiligt.

Moleküle als Spiegelbilder

In der organischen Chemie treten Moleküle häufig chiral auf. Das bedeutet, sie kommen in zwei spiegelbildlichen Formen vor – ähnlich wie die linke und die rechte Hand des Menschen. Nukleinsäuren und Enzyme zum Beispiel sind chiral, aber auch die Rezeptoren auf Zelloberflächen. Deshalb sind Arzneimittel, Insektizide und Duftstoffe, die über Rezeptoren oder Enzyme wirken, meistens auch chiral. Obwohl die R- und S-Enantiomere – so heißen die paarweise auftretenden Moleküle – sich nur durch ihre räumliche Anordnung unterscheiden, haben sie oftmals unterschiedliche medizinische Wirkungen: Das S-Molekül des Schmerzmittels Ketamin beispielsweise besitzt eine dreifach höhere Potenz als die R-Form. Das wohl bekannteste Beispiel für die Bedeutung der Enantiomere ist der Contergan-Skandal der 1960er Jahre: Während das R-Thalidomid als Schlafmittel wirkt, ist die S-Form keimschädigend und wird für Missbildungen bei Neugeborenen verantwortlich gemacht.

Enantiomere sind schwer zu trennen

„Wir wissen inzwischen viel über die Bedeutung chiraler Moleküle“, sagt Prof. Dr. Svetlana Tsogoeva vom Lehrstuhl für Organische Chemie I der FAU. „Dennoch sind die Verfahren zur Trennung der Enantiomere bis heute aufwändig und teuer.“ Weil die fraktionierte Kristallisation als klassisches Trennverfahren bei chiralen Molekülen nur bedingt funktioniert, wird bevorzugt die asymmetrische Katalyse angewandt. Doch das hat einige Nachteile: Die Katalysatoren müssen für jeden Wirkstoff gezielt entwickelt werden – ein enormer Zeit-, Energie- und Kostenfaktor. Sie sind häufig metallhaltig oder durch andere Stoffe toxisch und können die Medikamente kontaminieren. Und sie stoßen in ihrer Wirkung an Grenzen und produzieren oftmals nur ein Gemisch von linker und rechter Form eines Moleküls. Tsogoeva: „Wir brauchen ein Verfahren, mit dem wir die Enantiomere zuverlässig trennen können und das für ein möglichst breites Spektrum chiraler Wirkstoffe und Materialien geeignet ist.“

Der Ansatz: Autokatalytische Prozesse

Genau daran arbeitet die Forschergruppe der FAU im Rahmen des Verbundprojektes CORE. „Wir wollen die chemische Synthese mit der physikalischen autokatalytischen Kristallisation kombinieren, um so die gewünschten Enantiomere in reiner Form zu erhalten“, erklärt Svetlana Tsogoeva. „Dieser Ansatz erlaubt es, auf komplexe chirale Katalysatoren zu verzichten und stattdessen preiswerte achirale organische Katalysatoren einzusetzen.“ Bereits 2009 ist es Chemikern der FAU unter Leitung von Prof. Tsogoeva gelungen, mit der Methode der autokatalytischen Kristallisation enantiomerenreine Aminosäure-Derivate herzustellen. Im Rahmen von CORE sollen diese Prozesse nun verfeinert und breiter anwendbar gemacht werden. Ziel ist es, neue pharmazeutische Stoffe zu entwickeln, die über bessere Eigenschaften verfügen und bei denen schädliche Nebenwirkungen vermieden werden können.

CORE: Forscher und Unternehmen arbeiten zusammen

Im Forschungsverbundprojekt CORE (Continuous Resolution and Deracemization of Chiral Compounds by Crystallization) arbeiten Forscher aus Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz mit global agierenden Unternehmen zusammen. CORE bündelt Expertisen aus unterschiedlichen Bereichen der synthetischen organischen Chemie, der Pharmazie, der Verfahrenstechnik und der Festkörperchemie. Für das auf vier Jahre angelegte Projekt stellt die Europäische Union im Rahmen der Horizont-2020-Initiative rund vier Millionen Euro zur Verfügung.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Svetlana B. Tsogoeva

Tel.:  09131/85-22541

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10.01.17 Montgomery: „Einheitsversicherung ist Turbo-Lader für Zwei-Klassen-Medizin“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Zu der heute von der Bertelsmann-Stiftung
vorgestellten Studie zu einer Krankenversicherungspflicht für
Beamte erklärt Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank
Ulrich Montgomery: „Die Ergebnisse der aktuellen Bertelsmann-
Untersuchung mögen auf den ersten Blick beeindruckend klingen.
Da ist von milliardenschweren Einsparungen die Rede, wenn man
die Beihilfe für Beamte abschaffen würde. Bei genauerer
Betrachtung wird jedoch deutlich, dass sich die Autoren hier ein
Szenario zurecht gezimmert haben, dass jeglichem rechtlichen,
politischen und gesellschaftlichen Realitätssinn entbehrt. Die
Autoren selbst gestehen ein, dass eine verfassungs- oder
beamtenrechtliche Bewertung ihres Modells nicht erfolgt ist. Das
wäre aber aufschlussreich gewesen, zum Beispiel um die Frage zu
klären, was aus den angesparten Alterungsrückstellungen der
privat versicherten Beamten wird. Unklar ist auch, wie zwei
Dritteln der rund drei Millionen Beamten Pflichtbeiträge zur
Krankenversicherung auferlegt werden können, ohne dies bei der
Besoldung und Versorgung finanziell zu kompensieren.
Peinlich genau achten die Autoren darauf, den Begriff
„Bürgerversicherung“ in ihrer Studie zu vermeiden. Ihr Modell ist
aber nichts anderes als der Totengräber des dualen
Krankenversicherungssystems in Deutschland und der
Wegbereiter der Einheitskasse. Wenn man das will, muss man die
Menschen aber auch über die Risiken und Nebenwirkungen einer
solchen Reform aufklären.

So bleiben bei der Bertelsmann-Studie Aspekte der gesundheitlichen Versorgung komplett außen vor. In den Niederlanden oder in Großbritannien sehen wir, dass Einheitssysteme zu Rationierung, Wartezeiten und zu Begrenzungen in den Leistungskatalogen führen. Diejenigen, die es sich leisten können, sichern sich einen exklusiven Zugang zur Spitzenmedizin als Selbstzahler oder durch teure Zusatzversicherungen. Was uns also als gerechtere Alternative zum dualen Krankenversicherungssystem angeboten wird, ist in Wirklichkeit der Turbo-Lader für die Zwei-Klassen-Medizin.
Hinzu kommt, dass die Private Krankenversicherung die rasche Übernahme des medizinischen Fortschritts für alle Patienten ermöglicht. Denn die Existenz der PKV führt mit einem hohen Leistungsversprechen dazu, dass auch das GKV-System versucht, einen hohen Versorgungsstandard trotz aller Sparbemühungen aufrechtzuerhalten. So fördert die private Krankenversicherung Innovationen bei Diagnostik und Therapie, genehmigt sie schnell und setzt damit die Krankenkassen in der Regel unter Zugzwang.
Nicht weiter thematisiert wird von den Studienautoren, dass das Bertelsmann-Modell der medizinischen Versorgung mehr als sechs Milliarden Euro pro Jahr entziehen würde. Das trifft nicht nur Ärzte, Physiotherapeuten oder Hebammen, sondern auch und gerade die Patientinnen und Patienten. Denn Privatversicherte ermöglichen mit ihrem die tatsächlichen Kosten deckenden Finanzierungsbeitrag eine hochwertige medizinische Ausstattung von Krankenhäusern und Praxen, die allen Patienten unabhängig von ihrem Versicherungsstatus zur Verfügung steht.

Auch auf solche Fakten muss man hinweisen, wenn man die Axt an das bewährte duale Krankenversicherungssystem in Deutschland legt.“
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09.01.2017 Angriff auf den Tumor FAU-Wissenschaftlern gelingt gezielte Stärkung des Immunsystems in der Krebstherapie
uni | mediendienst | forschung Nr. 1/2017

Solide Tumoren, wie etwa der schwarze Hautkrebs oder Brustkrebs, sind schwerwiegende Erkrankungen. Aufgrund neuer therapeutischer Ansätze sind diese zwar sehr viel besser zu behandeln, aber immer noch nur sehr selten heilbar. Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist es nun gelungen, die tumorzerstörenden Zelltypen des Immunsystems zu identifizieren und damit erstmals von den tumorfördernden zu unterscheiden.

Insbesondere Tumormetastasen, die sich in Organen wie der Lunge, der Leber oder im Gehirn ansiedeln, lassen sich oft nur schwer behandeln. Ein weiteres grundlegendes Problem: Das eigene Immunsystem kann das Wachstum von Tumoren und deren Metastasen sogar fördern. Deshalb zielen neue Ansätze in der Krebstherapie darauf ab, diese Immunzellen zu entfernen.  Therapien mit Antikörpern machen den Tumor für das Immunsystem erkenn- und angreifbar oder aber heben dessen Blockaden auf. Problematisch ist hierbei jedoch, dass diese auch über Zellen des Immunsystems wirken.  Somit ist es von großer Wichtigkeit zur verstehen, welche Zellen das Tumorwachstum fördern und welche die Grundlage für die Immuntherapie darstellen, um dann gezielt diese schlechten, weil wachstumsfördernden Immunzellen zu entfernen und nicht die tumorzerstörenden. 

Einer Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Falk Nimmerjahn vom Lehrstuhl für Genetik der FAU ist es nun erstmalig gelungen, die Zelltypen zu identifizieren, über die tumorspezifische Antikörper in der Lage sind, Haut- und Lungenmetastasen des malignen Melanoms zu zerstören. In Zusammenarbeit mit der Hautklinik, der Mikrobiologie und der Chirurgie des Universitätsklinikums Erlangen konnte das Forscherteam zeigen, dass unterschiedliche Arten von im Tumor vorkommenden Fresszellen für die therapeutische Aktivität von Antikörpern essentiell sind. Da Untergruppen dieser Immunzellen das Tumorwachstum fördern können, zeigt diese Studie erstmalig Möglichkeiten auf, ausgewählt die tumorfördernden, nicht aber die tumorzerstörenden Immunzellen zu entfernen. Aufgrund der Forschungsergebnisse ließen sich zukünftig auch therapeutische Ansätze entwickeln, welche die tumorzerstörenden Fresszellen in den Tumor locken. Die Ergebnisse der Studie wurden nun im renommierten Fachjournal Science Immunology (DOI: 10.1126/sciimmunol.aah6413) veröffentlicht.

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04.01.2017 FAU: Auszeichnungen und Funktionen im Bereich der Medizin
uni | mediendienst | aktuell Nr. 2/2017

Prof. Dr. Abbas Agaimy, leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor des Pathologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen, ist mit dem GIST-Preis 2016 ausgezeichnet worden. Damit wird seine jahrelange Erforschung der seltenen Gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) gewürdigt. In seinen zahlreichen kumulativen Veröffentlichungen charakterisierte Agaimy diese Tumoren morphologisch und molekulargenetisch mit Fokus auf ihrem präklinischen und frühen klinischen Verlauf. Der mit 10.000 Schweizer Franken dotierte Preis wird jährlich vom Verein zur Unterstützung von Betroffenen mit Gastrointestinalen Stromatumoren, der GIST-Gruppe Schweiz, verliehen. Gastrointestinale Stromatumoren sind eine seltene Krebserkrankung des Magen-Darm-Trakts und gehören zu den Sarkomen, einer Gruppe von bösartigen Tumoren, die in Bindegewebe, Knochen und Muskeln vorkommen.

Prof. Dr. Stephan Achenbach, Lehrstuhl für Innere Medizin II und Direktor der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie, ist zum Ehrenmitglied des British Institute of Radiology ernannt worden und hat bei der Jahrestagung der Fachgesellschaft die „Sir Godfrey Hounsfield Memorial Lecture“ gehalten. Damit werden seine Verdienste um die Computertomografie des Herzens geehrt.

Prof. Dr. Kristina Friedland, Professur für Molekulare und Klinische Pharmazie, hat beim Wettbewerb „Professor/in des Jahres 2016“ in der Kategorie „Naturwissenschaften/Medizin“ den zweiten Platz belegt. Der 2006 vom Karrieremagazin Unicum Beruf ins Leben gerufene Wettbewerb zeichnet Hochschullehrer mit Professorentitel aus, die ihren Studierenden neben theoretischen Hintergründen insbesondere praktische Kenntnisse und berufsorientierte Fähigkeiten vermitteln. Unterstützt wird der Wettbewerb vom Bundesforschungs- sowie vom Bundeswirtschaftsministerium.

Dr. Katharina Gerlach, Lehrstuhl für Innere Medizin I, ist mit dem Hans‐Hench‐Promotionspreis ausgezeichnet worden. Damit ehrt die Deutsche Gesellschaft für Immunologie die Wissenschaftlerin für ihren fundamentalen Beitrag zum Verständnis von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und nachfolgenden colitis‐assoziierten Krebserkrankungen (CAC). Ihre Ergebnisse enthalten wesentliche neue Ansatzpunkte für die Analyse von tumorspezifischen Biomarkern bei Patienten und könnten zu neuen Therapieansätzen bei CED mittels des Einsatzes spezifischer Antikörper führen. Der Preis wird für die beste, in Deutschland durchgeführte Dissertation auf dem Gebiet der Klinischen Immunologie vergeben und ist mit 2000 Euro dotiert.

Prof. Dr. Wolfgang Kemmler, Lehrstuhl für Medizinische Physik, ist mit dem mit 5000 Euro dotierten Preis zur Förderung der Rehabilitationsforschung 2016 der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) geehrt worden. Die Gesellschaft honoriert damit seine Studie mit dem Titel „Körperliches Training, Fraktur und Knochendichte – Finale Ergebnisse der Erlanger Fitness und Osteoporose-Präventions-Studie (EFOPS)”. Der Forscher hat darin den Einfluss von ambulantem körperlichen Training auf die Knochendichte und -festigkeit untersucht. Das Ergebnis: Rehabilitationssport beugt gegen Knochenbrüche vor – der Effekt liegt sogar leicht über dem von medikamentösen Therapien.

Dr. Silke Kreitz, Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie, ist von der Deutschen Schmerzgesellschaft mit dem Posterpreis für Grundlagenforschung ausgezeichnet worden. Sie untersuchte mittels nichtinvasiver funktioneller Bildgebung wie Niedrigstrahlenbelastung Gehirnfunktionen beeinträchtigt. Die Fachgesellschaft – mit aktuell rund 3400 Mitglieder die größte im Bereich Schmerz in Europa – vergibt jährlich fünf Posterpreise für die besten eingereichten Poster.

Prof. Dr. Friedrich Paulsen, Lehrstuhl für Anatomie II, ist zum Ehrenmitglied der britischen Anatomical Society ernannt worden. Ihr Ziel ist es, Forschung und Lehre in allen Feldern der Anatomie zu unterstützen und voranzubringen. Gegründet wurde die Gesellschaft im Jahr 1887.

Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch, CIO des Universitätsklinikums Erlangen und Lehrstuhl für Medizinische Informatik, zählt zu Deutschlands Top CIOs im Bereich Gesundheit. Das CIO-Magazin der IDG Business Media GmbH hat ihn erneut unter die 25 bundesweit Besten seines Fachs in der Gesundheitsbranche gewählt. Eines der größten aktuellen Themenfelder in der Medizinischen Informatik ist die Einigung zwischen dem Ziel, die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung und der internetbasierten Kommunikation zu nutzen, dabei aber auch zum Beispiel gleichzeitig dem Datenschutz und der IT-Sicherheit eine hohe Bedeutung beizumessen.

Dr. Martin Schicht, Lehrstuhl für Anatomie II, hat den mit 3000 Euro dotierten Wissenschaftspreis Trockenes Auge und Blepharitis/MGD erhalten. Der Preis wird von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) verliehen. Sie hat derzeit mehr als 7.000 Mitglieder und zählt damit zu einer der bedeutendsten medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland.

Prof. Dr. Bernd Wullich, Direktor der Urologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen und Lehrstuhl für Urologie, ist für seine besonderen Verdienste um die wissenschaftlichen, berufs-, und vereinspolitischen Interessen der Deutschen Gesellschaft für Urologie mit dem mit 10.000 Euro dotierten Ritter-von-Frisch-Preis ausgezeichnet worden. Die Gesellschaft hat rund 6000 Mitglieder.

 

Funktionen

Prof. Dr. Diana Dudziak, Lehrstuhl für Haut- und Geschlechtskrankheiten, ist zur Sprecherin des Arbeitskreises „Dendritische Zellen“ der Deutschen Gesellschaft für Immunologie gewählt worden. Der Arbeitskreis wurde von der FAU-Forscherin initiiert, um Wissenschaftler, die im Bereich der Dendritischen Zellen arbeiten, besser in Deutschland zu vernetzen. Mit aktuell mehr als 2300 Mitgliedern zählt die Organisation zu einer der größten immunologischen Gesellschaften.

Prof. Dr. Willi A. Kalender, Lehrstuhl für Medizinische Physik, ist zum Mitglied der National Academy of Engineering gewählt worden. Die US-amerikanische Fachgesellschaft greift

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04.01.2017 Als „Europäisches Spitzenzentrum für Rheumatologie“ ausgezeichnet
Pressemeldung der FAU

Erlangen gehört damit zur Spitzengruppe von 22 europäischen Kompetenzzentren

Die Medizinische Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg Schett) ist zum dritten Mal in Folge als Center of Excellence von der europäischen Rheumatologengesellschaft European League Against Rheumatism (EULAR) ausgezeichnet worden. Die EULAR fördert Spitzenleistungen in Lehre und Forschung und unterstützt die Umsetzung der Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die Patientenversorgung. Die Medizinische Klinik 3 ist eines der größten Kompetenzzentren zur Erforschung und Behandlung von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen in Deutschland.
„Die Ursachen von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen sind noch nicht vollständig geklärt“, sagt Prof. Schett. Nach heutigem Wissen spielt bei der Krankheitsentstehung das Zusammenspiel zwischen genetischen Faktoren und Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle. Dabei kommt es in der Folge zu einem Zusammenbruch der Immuntoleranz gegenüber körpereigenem Gewebe und damit zur Entzündungsreaktion, die entweder einzelne Organsysteme, zum Beispiel die Gelenke des Knochensystems, betrifft. Oder aber sie führt zu mehreren Erkrankungen des Körpers, die die inneren Organe oder das Nervensystem schädigen können.

Ziel ist es, Patienten eine ausgezeichnete Lebensqualität zurückzugeben
„Autoimmunerkrankungen, wie Arthritis, bleiben oft lange unentdeckt oder unzureichend behandelt und können so den Körper nachhaltig schädigen“, so Prof. Schett. Ziel der Medizinischen Klinik 3 ist es, diese Erkrankungen mit modernen Diagnostikverfahren möglichst frühzeitig zu erkennen und mit gezielten Therapien effektiv zu behandeln und zu heilen, um damit dem Patienten eine ausgezeichnete Lebensqualität wiederzugeben.
Als Zentrum für diese, zum Teil seltenen, Erkrankungen stehen eine Reihe von Spezialuntersuchungen zur Verfügung, um die Funktion des Immunsystems zu untersuchen und entsprechende entzündliche Veränderungen oder Autoimmunreaktionen nachzuweisen. Zusätzlich werden in Zusammenarbeit mit dem Radiologischen Institut (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) des Uni-Klinikums Erlangen bildgebende Verfahren – wie Ultraschall, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie – angewendet, um das Ausmaß der Erkrankungen zu erfassen und die Wirksamkeit moderner Therapien zu überprüfen.

Die außerordentlich breiten klinischen und wissenschaftlichen Fachkenntnisse sowie die ärztliche Kompetenz der Erlanger Klinik ist mit der Anerkennung zum europäischen Center of Excellence nach den Richtlinien der EULAR ausgezeichnet worden. Die EULAR führt ein Register der europäischen Spitzenforschungszentren der Rheumatologie, um eine Gruppe von erstklassigen Forschungszentren für Wissenschaftler zu etablieren und den Austausch des wissenschaftlichen Nachwuchses zu fördern. Derzeit hat die EULAR 22 europäische Einrichtungen als Centers of Excellence ausgezeichnet.

Weitere Informationen:
Sandra Jeleazcov
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23.12.2016 Den Geheimnissen neuartiger Immunzellen auf der Spur
uni | mediendienst | forschung Nr. 85/2016

Millionenförderung für vier Arbeitsgruppen am Uni-Klinikum Erlangen und an der FAU

Bei Infektionen, chronischen Entzündungen, Krebs und allergischen Reaktionen spielt ein erst vor wenigen Jahren entdeckter Zelltyp mit dem Kürzel ILC eine wichtige Rolle. Wie diese Zellen sich auf den Verlauf von Krankheiten auswirken, soll ein neues Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) klären. Insgesamt vier der 23 Arbeitsgruppen kommen vom Universitätsklinikum Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) – in den nächsten drei Jahren werden sie mit rund 1,23 Millionen Euro gefördert.

Erst sechs Jahre ist es her, dass Wissenschaftler eine neue Gruppe von Immunzellen entdeckten, die sie zunächst nicht einordnen konnten und denen sie den Namen „innate lymphoid cells“ (ILC) gaben. In Struktur und Form gleichen sie Lymphozyten. Sie greifen bei einer Immunreaktion des Körpers gegen Viren, Bakterien und Parasiten früh ein, indem sie lösliche Botenstoffe produzieren. Darüber hinaus spielt der Zelltyp eine zentrale Rolle bei chronischen Entzündungen, Krebs sowie allergischen Reaktionen. Im Gegensatz zu B- und T-Lymphozyten zirkulieren ILC nicht kontinuierlich im Blut durch den menschlichen Körper, sondern sind vor allem in verschiedenen Geweben ansässig. Dort erfüllen sie ihre Hauptfunktion: Regenerieren und Reparieren von Gewebe. Produzieren ILC jedoch zu viele, zu wenige oder die falschen Botenstoffe, können verschiedene chronisch-entzündliche Erkrankungen verschlimmert oder sogar erst ausgelöst werden.

Daher wollen Wissenschaftler in dem neuen DFG-Schwerpunktprogramm „Innate Lymphoid Cells“ (SPP 1937) die zugrunde liegenden Prozesse besser verstehen: Wie wirkt sich dieser Zelltyp auf die Immunantwort des Menschen aus? Wann sind positive, wann negative Effekte zu erwarten? Welche Eigenschaften und Funktionen der ILC sind dabei medizinisch relevant? Die Forscher hoffen in dem noch jungen Forschungsfeld auf neue therapeutische Ansätze für eine Vielzahl von Krankheiten. In einem strengen Auswahlwettbewerb für die erste, auf drei Jahre angelegte Förderphase, haben sich gleich vier Arbeitsgruppen aus Erlangen durchgesetzt. Damit fließen Fördergelder in Höhe von etwa 1,23 Millionen Euro an Einrichtungen der FAU. Bundesweit unterstützt die DFG mit 8,25 Millionen Euro insgesamt 23 Arbeitsgruppen aus den unterschiedlichsten klinischen Fachgebieten – von der Genetik über die Leber-, Darm- und Hautforschung bis hin zur Mikrobiologie, Virologie sowie der klinischen Rheumatologie und Immunologie.


Die an der FAU angesiedelten Projekte beschäftigen sich mit der Rolle von ILC bei der Entstehung von fibrotischen Erkrankungen, bei neuen Ansätzen zur Therapie der rheumatoiden Arthritis sowie bei der Abwehr von Infektionen durch Protozoen und Wurmparasiten. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Arbeitsgruppen und Themen:

Arbeitsgruppe Prof. Dr. Jörg Distler/ Dr. Andreas Ramming am Lehrstuhl für Innere Medizin III:

„IL-9-producing pathogenic versus non-pathogenic innate lymphoid cells in fibrotic diseases“

Arbeitsgruppe Dr. Mario Zaiss am Lehrstuhl für Innere Medizin III:
„The role of innate lymphoid cells in the modulation of arthritis by intestinal helminths“
Arbeitsgruppe Prof. Dr. David Vöhringer, Infektionsbiologische Abteilung am Mikrobiologischen Institut – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene:

„Cytokine-mediated regulation of ILC2 development and effector functions against gastrointestinal helminths“
Arbeitsgruppe Prof. Dr. Christian Bogdan/ PD Dr. Ulrike Schleicher, Mikrobiologisches Institut – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene:
„The role of innate lymhoid cells in cutaneous and visceral leishmaniasis”
Sprecher und Koordinator des Schwerpunktprogramms ist Prof. Dr. Andreas Diefenbach, Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Hygiene an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

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20.12.2016 Jonitz: Wir brauchen geeignete Konzepte für die qualitätsorientierte Krankenhausplanung
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 20.12.2016 – „Die Verantwortung für die Organisation der medizinischen Versorgung muss dort liegen, wo die Versorgung stattfindet – auf der regionalen Ebene. Deshalb ist es gut, dass der
Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) auf detaillierte bundesweite Vorgaben für die qualitätsorientierte
Krankenhausplanung verzichtet.“ Das sagte Dr. Günther Jonitz, Vorsitzender des Ausschusses Qualitätssicherung der Bundesärztekammer, mit Blick auf die Entscheidung des G-BA zu
planungsrelevanten Qualitätsindikatoren, die künftig von den Ländern in der Krankenhausplanung genutzt werden können (Link). Mit der Auswahl der Indikatoren, die sich zunächst auf das
Fachgebiet der Frauenheilkunde und Geburtshilfe beschränkt, entsprach der G-BA weitgehend dem Vorschlag des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen von
August dieses Jahres.

Die Länder hätten sich stärker ausdifferenzierte Qualitätsbewertungen gewünscht, um auf dieser Basis
Krankenhausabteilungen von der Versorgung auszuschließen oder zuzulassen. „Man darf die Länder aber nicht aus der Verantwortung für eine passgenaue Versorgungsplanung vor Ort entlassen. Eine wirklich patientengerechte Versorgungssteuerung kann man nicht Top-Down von der Bundesebene aus organisieren“, so Jonitz. Der G-BA habe auf seine eingeschränkten rechtlichen Kompetenzen für Planungsentscheidungen auf Landesebene verwiesen. Daneben seien aber auch die
methodischen Herausforderungen erkennbar geworden, mit den Indikatoren der externen stationären Qualitätssicherung weitergehende Qualitätsdifferenzierung zu erreichen.

Jonitz hob positiv hervor, dass die Richtlinie für die Datenvalidierung auffälliger Krankenhäuser die
Landesgeschäftsstellen Qualitätssicherung aktiv einbindet. „Es ist vernünftig, das Verfahren nicht zu sehr zu zentralisieren und die langjährige Expertise auf Landesebene zu nutzen.“

Der Grundgedanke des Gesetzgebers, so Jonitz, Qualitätsaspekte in die Krankenhausplanung einzuführen, sei jedoch richtig und werde von der Ärzteschaft unterstützt. Die Hoffnung liege nun auf
der Entwicklung geeigneter Konzepte für die qualitätsorientierte Krankenhausplanung.

https://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/2812/


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14.12.2016 Osteopathische Behandlung durch Ärzte und Physiotherapeuten sicherstellen
Presseerklärung von undesärztekammer (BÄK), Deutsche Gesellschaft für Manuelle Medizin (DGMM), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)

Berlin, 14.12.2016 - Die Bedeutung osteopathischer Verfahren in der Patientenbehandlung
hat in den letzten Jahren enorm zugenommen und wird auch noch weiter wachsen. Die
Anwendung vor allem manualtherapeutischer Techniken gehört aus Gründen der
Patientensicherheit in die Hände qualifizierter Ärzte und Physiotherapeuten, um Risiken
für die Patienten möglichst auszuschließen. In der ärztlichen Weiter- und Fortbildung
liegen die entsprechenden Curricula – Manuelle Medizin sowie Osteopathische Verfahren
– im Umfang von knapp 500 Stunden bereits seit etlichen Jahren vor. Auch für
Physiotherapeuten sind deshalb dringend Qualifizierungsmaßnahmen zu schaffen.

Hier lesen Sie den  Artikel in vollständiger Länge:
Osteopathische Behandlung durch Ärzte und Physiotherapeuten sicherstellen


13.12.2016 - 6 Millionen Euro für mehr Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie von Kindern und Jugendlichen
uni | mediendienst | forschung Nr. 80/2016

Unerwünschte Ereignisse in der Arzneimitteltherapie und Nebenwirkungen sollen deutlich reduziert werden

Mit 6 Millionen Euro fördert der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) – das höchste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands – jetzt erstmals eine Studie zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Studie „KiDSafe“ unter Leitung von Forschern der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher) des Universitätsklinikums Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat das Ziel, zusammen mit pädiatrischen Qualitätszirkeln ein Arzneimittelinformationssystem für Kinder und Jugendliche zu implementieren, das vermeidbare unerwünschte Ereignisse in der Arzneimitteltherapie sowie Medikationsfehler deutlich reduzieren soll.

„Kinder und Jugendliche sind bei der Versorgung mit Arzneimitteln derzeit immer noch benachteiligt“, sagt die Erlanger Studienleiterin PD Dr. Antje Neubert. Für zahlreiche bei Erwachsenen zugelassene und in ihrer Wirkung umfassend erforschte Medikamente gibt es keine entsprechenden Studien bei Kindern und Jugendlichen. Daher können diese Medikamente nicht gleichermaßen sicher für Heranwachsende angewendet werden und dürfen nur in Ausnahmefällen verabreicht werden. „Dies gilt für eine große Zahl an behördlich nicht zugelassenen Medikamenten. Vor allem betrifft es Arzneimittel, deren Patentschutz abgelaufen ist und für die es in aller Regel weder gute Untersuchungen zur richtigen Dosis noch kindgerechte Darreichungsformen gibt“, so PD Neubert.

Im Rahmen des Innovationsfonds fördert der Gemeinsame Bundesausschuss nun das Projekt KiDSafe der Kinderklinik-und Jugendklinik des Uni-Klinikums Erlangen in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), um die Versorgung von Patienten sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich zu verbessern. „Dies ermöglicht erstmals in Deutschland durch eine systematische, groß angelegte Interventionsstudie, die Arzneimitteltherapiesicherheit bei Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern“, sagt Prof. Rascher. Durch die Einbeziehung der ambulant tätigen Ärzte sowie beteiligter Apotheker soll sektorübergreifend die Kompetenz der pädiatrischen Pharmakotherapie wesentlich gestärkt und verbessert werden. „Gleichzeitig werden neben den Patienten vor allem die Krankenkassen als Kostenträger durch Reduktion der Ausgaben für vermeidbare unerwünschte Nebenwirkungen oder Medikationsfehlern erheblich von unseren Studienergebnissen profitieren“, so Prof. Rascher.

Am Forschungsprojekt beteiligt ist eine Vielzahl von Experten aus allen Bereichen der pädiatrischen Arzneimitteltherapie in Deutschland: das Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie in Stuttgart (Prof. Dr. Matthias Schwab), drei weitere Universitätskinderklinika mit Prof. Dr. Fred Zepp (Mainz), Prof. Dr. Tobias Wenzl (Aachen) und Prof. Dr. Wieland Kiess (Leipzig), die Kinder-und Jugendpsychiatrie vertreten durch Prof. Dr. Marcel Romanus (Würzburg), das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm) in Bonn, die Techniker Krankenkasse sowie die Professur für Klinische Pharmazie der Universität Leipzig (Prof. Dr. Thilo Bertsche) und das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (Prof. Dr. Ulrike Haug). Evaluiert wird das Projekt vom Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) in Mainz. Unterstützt wird das Konsortium von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. (ABDA) sowie einem wissenschaftlichen Beirat.

Weitere Informationen:

PD Dr. Antje Neubert

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13.12.2016 GKV-Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz - BÄK und AkdÄ fordern Nachbesserungen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 13.12.2016 - Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) sehen teilweise erheblichen Nachbesserungsbedarf bei dem von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf für ein „Gesetz zur Stärkung der Arzneimittelversorgung“ (GKV-Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz).
In ihrer Stellungnahme zur morgigen Expertenanhörung des Gesetzes im Bundestags-
Gesundheitsausschuss kritisieren sie unter anderem die angestrebte Flexibilisierung des Erstattungsbetrags für neue Arzneimittel, die keinen patientenrelevanten Zusatznutzen aufweisen.

So soll es nach dem Gesetzentwurf künftig mehr Spielraum bei den Preisverhandlungen zwischen Kostenträgern und pharmazeutischen Unternehmern geben, sofern der Gemeinsame
Bundesausschuss (G-BA) die Verordnung eines Arzneimittels auf eine einzelne Patientengruppe eingeschränkt hat. Dadurch allerdings würde es in Ausnahmefällen möglich, dass diese
Arzneimittel höhere Kosten verursachen, als die zweckmäßige Vergleichstherapie. Dies ist bislang ausgeschlossen. BÄK und AkdÄ bewerten diese Regelung kritisch, zumal auch pharmazeutische Unternehmer einen Antrag auf eine Verordnungseinschränkung beim G-BA stellen können. Die
bisherigen gesetzlichen Bestimmungen sollten deshalb beibehalten werden.

Unzureichend ist nach Einschätzung der Ärzteschaft auch, dass die in dem Entwurf vorgesehene Nutzenbewertung im Bestandsmarkt nur für wenige eng umrissene Ausnahmen gilt. BÄK und AkdÄ fordern, Bestandsmarktarzneimittel nach Zulassung eines neuen Anwendungsgebiets immer und obligatorisch einer Nutzenbewertung zu unterziehen, wenn es sich dabei um eine relevante neue Indikation handelt.

Dagegen begrüßen BÄK und AkdÄ das Ansinnen des Gesetzgebers, die Beschlüsse des G-BA über die
Nutzenbewertung so aufzubereiten, dass sie der Ärzteschaft über die Praxissoftware zur Verfügung stehen. Voraussetzung sei jedoch, dass es sich hierbei um unabhängige Informationen
handelt. Darüber hinaus fordern sie eine reguläre frühe Nutzenbewertung von Arzneimitteln für seltene Krankheiten (Orphan Drugs) durch das IQWiG.

Um gegen die zunehmenden Antibiotikaresistenzen vorzugehen, sieht der Gesetzentwurf den Einsatz schneller diagnostischer Tests vor. BÄK und AkdÄ begrüßen dies grundsätzlich. Allerdings sollten die Tests eine hohe Spezifität und Sensitivität aufweisen, um schnelle ärztliche Entscheidungen zu unterstützen, die nachweislich die Patientenversorgung verbessern. Insbesondere sollten nur diagnostische Tests angewendet werden, deren klinische Relevanz für die Patientenversorgung in geeigneten klinischen Studien bereits validiert wurde. Bei neuen Antibiotika lehnen BÄK und AkdÄ jegliche Konzepte ab, die einen allein durch die Zulassung belegten Zusatznutzen vorsehen oder eine Umgehung der Nutzenbewertung ermöglichen. Notwendig seien gesetzliche Regelungen, die eine fortlaufende Überprüfung des patientenrelevanten Zusatznutzens ermöglichen und Automatismen bei der Nutzenbewertung neuer Antibiotika verhindern. Die BÄK und die AkdÄ lehnen weiterhin die vorgesehene Geheimhaltung des Erstattungsbetrags ab. Diese geplante Regelung steht dem Transparenzgebot in einem
solidarisch finanzierten Gesundheitssystem entgegen. Ein Befolgen des Wirtschaftlichkeitsgebots ist für die Ärzteschaft nur in Kenntnis der tatsächlichen Arzneimittelkosten möglich.

Ein weiterer Schwerpunkt des geplanten Gesetzes betrifft die Arzneimittelversorgung von Kindern. Der Entwurf sieht vor, dass der G-BA bei pädiatrischen Arzneimitteln (PUMA = Paediatric use
marketing authorisation) auch dann einen Zusatznutzen anerkennen kann, wenn das Medikament in den klinischen Studien nicht an Kindern getestet worden ist. Für einen solchen sogenannten Evidenztransfer mahnen BÄK und AkdÄ zusätzliche Studien an. Darüber hinaus sei eine verpflichtende Sicherheits-überwachung für Off-label-Anwendung bei Kindern zu erwägen sowie eine staatliche Förderung von Studien zur Dosisfindung bei bestimmten Altersgruppen.

Sorge bereitet BÄK und AkdÄ zudem, dass weiterhin Engpässe in der Versorgung mit bestimmten Arzneimitteln beziehungsweise Wirkstoffen bestehen. Als Beispiele werden die Liefer- und
Versorgungsengpässe mit dem Krebsmedikament Melphalan und dem Erstlinien-Antibiotikum Ampicillin/Sulbactam genannt. Die zuständige Behörde müsse anordnen können, dass
pharmazeutische Unternehmer und Arzneimittelgroßhandlungen geeignete Vorkehrungen zur Gewährleistung der Verfügbarkeit des betreffenden Arzneimittels ergreifen. Es sollte eine für
pharmazeutische Unternehmen verpflichtende Meldung drohender Liefer- und Versorgungsengpässe mit Arzneimitteln gesetzlich vorgeschrieben werden.

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09.12.2016 Tag der Menschenrechte - „Migranten unbürokratischen Zugang zu Gesundheitsleistungen ermöglichen“
Pressenachricht der Bundesärztekammer

Berlin, 09.12.2016 - „Für uns Ärzte ist es bedeutungslos, woher ein Mensch kommt. Wir behandeln alle Menschen gleich. Das gilt gleichermaßen für Versicherte, Obdachlose und auch Migranten.“
Das sagte Dr. Ulrich Clever, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesärztekammer (BÄK) und Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, anlässlich des morgigen Tages der Menschenrechte in Berlin. Es könne nicht sein, dass Menschen in Deutschland aus Angst vor Abschiebung oder wegen
eines fehlenden Versicherungsschutzes gar nicht oder erst sehr spät einen Arzt aufsuchen. Krankheiten könnten sich verschlimmern oder sogar chronisch werden.

Clever forderte, Geflüchteten unabhängig von ihrem aufenthaltsrechtlichen Status den Zugang zu einer
bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Notwendig sei die bundesweite Einführung einer Gesundheitskarte für alle Geflüchteten. Im Asylbewerberleistungsgesetz sollten die Einschränkungen, nach denen bei Geflüchteten nur akute Erkrankungen, nicht aber chronische Beschwerden behandelt werden dürfen, aufgehoben werden. Clever verwies in diesem Zusammenhang auf den Sozialpakt der Vereinten Nationen. Darin wird das Recht für jeden Menschen auf ein für ihn erreichbares Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit festgehalten.

Mit Blick auf die humanitäre Katastrophe in den syrischen Bürgerkriegsgebieten unterstütze Clever die Forderung des Weltärztebundes nach einem sofortigen Waffenstillstand in Aleppo. Der Weltärztebund (WMA) hatte das rücksichtslose Vorgehen gegenüber der Zivilbevölkerung, den Ärzten und deren
Helfern in Aleppo scharf kritisiert. Die systematische Zerstörung humanitäre Katastrophe dar. Der Weltärztebund verwies auf die moralische und ethische Verantwortung zu helfen. Seit 2011 sind
laut WMA 270 Gesundheitseinrichtungen in Syrien zerstört und 760 medizinische Helfer getötet worden.

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06.12.2016 Bundesärztekammer und Weltärztebund verlangen sofortigen Waffenstillstand in Aleppo
Pressenachricht der Bundesärztekammer

Die Bundesärztekammer unterstützt nachdrücklich den Appell des Weltärztebundes (WMA) an die
Vereinten Nationen und deren Mitglieder für einen sofortigen Waffenstillstand in Aleppo. „Als Ärztinnen und Ärzte können wir die Tatenlosigkeit der Weltgemeinschaft in Syrien nicht hinnehmen, insbesondere wenn unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort gezielt angegriffen werden. Die Menschen in Syrien
brauchen endlich einen Waffenstillstand, um auch medizinisch versorgt werden zu können“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery.

Der Weltärztebund kritisiert das rücksichtslose Vorgehen gegenüber der Zivilbevölkerung, den Ärzten und deren Helfern in Aleppo. Die systematische Zerstörung der Stadt und der Gesundheitseinrichtungen stellten eine humanitäre Katastrophe dar. Der Weltärztebund verwies auf die moralische und ethische
Verantwortung zu helfen.
Seit 2011 sind laut WMA 270 Gesundheitseinrichtungen in Syrien zerstört und 760 medizinische Helfer getötet worden.
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08.12.2016 Schlaganfall: Diagnostik und Therapie in einem bildgebenden Gerät
uni | mediendienst | aktuell Nr. 202/2016

Verbundprojekt zur medizinischen Bildgebung unter Federführung der FAU und des Uni-Klinikums Erlangen durch EIT Health gefördert
Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat erneut ihre Forschungsstärke unter Beweis gestellt: Zusammen mit der Siemens Healthcare GmbH, dem Universitätsklinikum Erlangen und weiteren europäischen Partnern betreibt die FAU ein neues Forschungsprojekt zur Entwicklung eines innovativen Hybridgerätes, das verschiedene medizinische Bildgebungsverfahren miteinander kombiniert und insbesondere Schlaganfallpatienten eine schnellere Diagnostik und Behandlung ermöglichen soll. Gefördert wird das Vorhaben vom European Institute of Innovation and Technology for Health (EIT Health), einer öffentlich finanzierten Initiative zur Zukunftssicherung einer innovativen Gesundheitsversorgung. Das Projekt „Predictive Prevention and Personalized Interventional Stroke Therapy – P3 Stroke“ ist dabei eines von nur zweien in Deutschland, europaweit werden insgesamt nur acht Projekte gefördert.

Das EIT Health verbindet erfolgreiche regionale Cluster mit internationalen Netzwerken, die im europäischen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ die leistungsfähigsten Universitäten, Institute, Universitätsklinika und industriellen Forschungszentren miteinander vernetzen. Im Rahmen von EIT Health arbeiten mehr als 140 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen aus allen Teilen Europas in unterschiedlichen Projekten zusammen; die FAU und Siemens Healthineers gehören zu den Schlüsselpartnern. Jährlich fließen rund 80 Millionen Euro Fördergelder für die nächsten sieben Jahre in das Konsortium. Dank dieser Mittel kann EIT Health sowohl innovative Produkte als auch Bildungsangebote und Dienstleistungen entwickeln, die zur Lösung der demographischen Herausforderung in Europa beitragen.

Um eine der prestigeträchtigen Förderungen des EIT Health zu erhalten, gilt es, im Verbund mit Partnern ein überzeugendes Projekt einzureichen. Darüber, dass dies mit dem Projekt „P3 Stroke“ gelungen ist, zeigt sich der Dekan der Medizinischen Fakultät der FAU, Prof. Dr. Dr. Jürgen Schüttler, hoch erfreut: „Das Projekt ist eine weitere wichtige Vernetzung zwischen Universität, Uni-Klinikum und industriellen Partnern wie Siemens Healthineers auf höchstem europäischen Niveau.“

„Time is brain“ – Schlaganfälle schneller behandeln
„Mit dem Projekt P3 Stroke wollen wir die Diagnostik und interventionelle Behandlung des Schlaganfalls durch den kombinierten Einsatz von Magnetresonanz-Bildgebung und Angiografie grundlegend verbessern“, erläutert Dr. Heinrich Kolem, CEO der Siemens Healthineers Geschäftseinheit für Advanced Therapies.
Untersuchungen an unterschiedlichen Geräten kosten vor allem durch Patiententransporte viel Zeit. Wertvolle Zeit, die Schlaganfallpatienten nicht haben. So gehen pro Minute im Durchschnitt 2 Millionen Nervenzellen zu Grunde. Beim Schlaganfall zählt jede Minute, um gravierende Folgeerscheinungen zu vermeiden. Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Arnd Dörfler, Leiter der Neuroradiologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, und Prof. Dr. Andreas Maier, Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung der FAU, wollen nun in Kooperation mit Siemens Healthineers die beiden Bildgebungsverfahren Magnetresonanztomografie und Angiografie kombinieren. Damit ermöglicht dieser innovative Ansatz die Diagnostik und unmittelbare Behandlung. Zeitaufwändige Patiententransporte und Umlagern werden somit reduziert und damit wird wertvolle Zeit in der Behandlung des Schlaganfalls gewonnen.

„Das zukunftsweisende System ermöglicht genaue Einblicke in das Krankheitsgeschehen ohne Zeitverzögerung und eine effektive Behandlung“, verdeutlicht Prof. Dörfler. Während die klinische Evaluation der neuen Methode unter Federführung der Neuroradiologie in enger Kooperation mit der Neurologie des Uni-Klinikums Erlangen erfolgen wird, ist der Lehrstuhl für Mustererkennung für die Entwicklung der Software verantwortlich: „Wir forschen bereits seit mehreren Jahren in verschiedenen Bereichen der medizinischen Bildgebung und bringen daher großes Know-how mit“, erklärt Prof. Maier.

Dass die Wissenschaftler bei der Entwicklung zunächst an Schlaganfall denken, heißt dabei nicht, dass der Einsatz auf diese Erkrankung beschränkt bleiben soll. „Darüber hinaus wird das System auch in der minimalinvasiven Therapie weiterer neuro- und kardiovaskulärer Erkrankungen und in der Onkologie die direkte Translation in die Klinik finden“, stellt Prof. Dörfler optimistisch fest.

Für Dr. Simone Reiprich, Geschäftsführerin des Zentralinstituts für Medizintechnik (ZiMT) der FAU und offizielle Vertreterin der FAU in der internationalen Partner Assembly von EIT Health, sowie Dr. Kurt Höller, Director of Business Creation und Mitglied des Management Boards des EIT Health, ist die Förderung ein weiterer Beweis für die führende Bedeutung der Region im Bereich der Medizintechnik: „Die von EIT Health geförderten Projekte zeichnen sich durch besondere Innovationsstärke und wissenschaftliche Expertise aus. Die Förderung zu erhalten und sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt zu haben, ist daher ein großer Erfolg.“

Weitere Informationen:

Dr. Simone Reiprich
Tel.: 09131/85-26868
simone.reiprich@fau.de
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07.12.2016 Handlungsspielraum
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Das Jahr 2016 war turbulent und auch 2017 verspricht keine Entspannung, steht doch die Bundestagswahl im Herbst 2017 an“, schreiben Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) sowie Dr. Heidemarie Lux und Dr. Wolfgang Rechl, beide BLÄK-Vizepräsidenten in ihrem gemeinsamen Leitartikel der Dezember-Ausgabe des Bayerischen
Ärzteblattes.

Im Rahmen der Gesundheitspolitik seien auf Bundesebene Gesetze in Hülle und Fülle regelrecht „abgearbeitet“ worden, damit diese noch in der laufenden Legislaturperiode auf den Weg gebracht werden könnten.

Die Novelle der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) sei in der ersten Jahreshälfte das beherrschende berufspolitische Thema gewesen. „Jetzt, nach den Deutschen Ärztetagen in Berlin und Hamburg, haben wir klare Leitplanken für die weiteren Verhandlungen“, so das Präsidium.

Das übergeordnete gesundheitspolitische Thema sei und bleibe freilich der Erhalt der ärztlichen Freiberuflichkeit, ist sie doch der „Garant für freie medizinische Entscheidungen, Therapiefreiheit, Patientenrechte und -sicherheit“. Eng mit diesem Thema verbunden sei die Diskussion um den (noch) verbleibenden Handlungsspielraum der ärztlichen Selbstverwaltung. Vielfältige Regulierungen hätten die Kompetenzen der ärztlichen Selbstverwaltung immer weiter beschnitten. Die Autoren fordern deshalb die Politik auf, „der ärztlichen Selbstverwaltung wieder die Gestaltungsspielräume zu geben, die sie für die Sicherung einer hochwertigen gesundheitlichen Versorgung der Patientinnen und Patienten benötigt“.

Ein weiteres aktuelles Thema, das die Ärztinnen und Ärzte auch die kommenden Jahre noch stark beschäftigen werde, sei fraglos die Digitalisierung – Stichwort E-Health. Viele der mobilen Anwendungen könnten sinnvoll sein, wenn der Datenschutz und die Qualität der medizinischen Inhalte stimmten.

Auf Landesebene seien zwei Gesetze zu nennen: Das Rettungsdienstgesetz und das Krebsregistergesetz, bei deren Erarbeitung es der BLÄK im Vorfeld seitens der Politik nicht immer leicht gemacht wurde. Und natürlich hätten auch die Wahlen zur Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns in das Leben der BLÄK hineingespielt. „Blicken wir nach vorne, so schreiten auch wir einem Wahlereignis entgegen – den Wahlen zur BLÄK, die im Herbst 2017 laufen. Schon heute möchten wir Sie ermuntern, sich daran zu betei-
ligen und von Ihrem aktiven bzw. passiven Wahlrecht Gebrauch zu machen“, so die Autoren.

Mehr zu „Handlungsspielraum“ lesen Sie in der Ausgabe 12/2016 des
Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Bayerische Landesärztekammer
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06.12.2016 Jahresbericht 2015/2016 der Prüfungskommission und der Überwachungskommission zur Prüfung der Herz-, Lungen-, Leber-, Nieren- und Pankreastransplantationsprogramme vorgelegt
Presseerklärung von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband

Prüfungskommission und Überwachungskommission (PÜK), in gemeinsamer Trägerschaft
von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband,
haben heute den Zwischenstand ihrer Prüfungen der Transplantationszentren aus den Jah-
ren 2013 bis 2015 vorgestellt und eine positive Bilanz gezogen. „In diesem Jahr haben wir 14
Transplantationsprogramme vor Ort und 17 Transplantationsprogramme im schriftlichen Ver-
fahren geprüft. Dabei hat der ganz überwiegende Teil der Zentren richtlinienkonform und kor-
rekt gearbeitet und die Patienten ordnungsgemäß bei Eurotransplant gemeldet“, erläuterte
die Vorsitzende der Prüfungskommission, Anne-Gret Rinder, bei der Vorstellung des Jahres-
berichts in Berlin. Abgeschlossen wurden zudem zwei Prüfungen von Lungentransplantati-
onsprogrammen aus dem Zeitraum 2010 bis 2012.

Die PÜK prüft in 3-Jahres-Abständen alle Transplantationsprogramme. In der vergangenen
Prüfperiode wurden die Transplantationen der Jahre 2010 bis 2012 geprüft und die Gesamt-
ergebnisse im November 2015 vorgestellt. Seither läuft die neue Prüfperiode, die im Jahr
2018 zum Abschluss gebracht werden soll.

Wie aus dem aktuellen Tätigkeitsbericht von Prüfungskommission und Überwachungskom-
mission hervorgeht, haben sich im Prüfzeitraum 2015/2016 im Bereich der Nierentransplan-
tationen keine Anhaltspunkte für systematische Richtlinienverstöße oder Manipulationen
ergeben. Es wurden lediglich vereinzelte Dokumentationsfehler festgestellt. Bei den Pan-
kreas– und kombinierten Nieren-Pankreastransplantationen haben die Kommissionen keine
Auffälligkeiten festgestellt.

Auch die bereits abgeschlossenen Prüfungen eines Herz- und eines Lebertransplantations-
programms haben gezeigt, dass hier ordnungsgemäß und korrekt gearbeitet wurde.
Hingegen wurden bei der Prüfung eines Lungentransplantationsprogramms systematische
Richtlinienverstöße und Manipulationen festgestellt. Hierbei handelt es sich um das Universi-
tätsklinikum Jena.

Zudem wurden bei zwei nachgängigen Prüfungen der Lungentransplantationsprogramme
des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und des Universitätsklinikums Leipzig syste-
matische Manipulationen und Auffälligkeiten festgestellt. Die Prüfungen sind in der vorange-
gangenen Prüfperiode begonnen und nun abgeschlossen worden. Die Prüfungen bezogen
sich auf den Zeitraum 2010 bis 2012.

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hans Lippert, Vorsitzender der Überwachungskommission, betonte,
dass die Prüfungen zu einem Umdenken in den meisten Transplantationszentren geführt ha-
ben. Dieser Prozess müsse jetzt konstruktiv genutzt werden, um noch verbliebene Struktur-,
Qualifikations- und Qualitätssicherungsdefizite zu beheben. Die Arbeit der Deutschen Stif-
tung Organtransplantation (DSO) als Koordinierungsstelle und der Stiftung Eurotransplant
(ET) als Vermittlungsstelle wurde von Lippert positiv eingeschätzt. „Die DSO ist sehr gut auf-
gestellt und auch die Stiftung Eurotransplant arbeitet in ihrem Kernbereich der Organvermitt-
lung ohne Beanstandungen“, so Lippert.

Prof. Dr. Ruth Rissing-van Saan, Leiterin der Vertrauensstelle Transplantationsmedizin, gab
einen Überblick über die Arbeit der Vertrauensstelle. Deren Aufgabe ist es, auf vertraulicher
Basis Hinweise auf Auffälligkeiten im Bereich der Organspende und der Organtransplantati-
on entgegenzunehmen und in Kooperation mit der Prüfungskommission und der Überwa-
chungskommission zu klären. Die Vertrauensstelle ist ein von den Strafverfolgungsbehörden
unabhängiger Ansprechpartner. Im vergangenen Jahr haben sich gerade Patienten und An-
gehörige mit ihren Sorgen und Fragen an die Vertrauensstelle gewandt“, erläuterte Rissing-
van Saan und führte aus, dass sich die Vertrauensstelle als bürgernahe Einrichtung bewährt
habe. Patienten, Angehörige, medizinisches Personal sowie interessierte Bürger haben die
Möglichkeit, Fragen zu stellen, Beschwerden vorzubringen, auf Missstände hinzuweisen o-
der Verbesserungsvorschläge zu machen. Rissing-van Saan teilte mit, dass in dieser Prüfpe-
riode unter anderem Anfragen, Anzeigen und Beschwerden aus Anlass konkreter Einzelfälle
gegen Transplantationszentren sowie Eingaben zur Wartelistenführung und Verteilungsge-
rechtigkeit eingegangen sind.

Prof. Dr. Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bun-
desärztekammer, betonte ausdrücklich die Bedeutung der Prüfungsergebnisse für die Richt-
linienarbeit der Ständigen Kommission Organtransplantation. Alle Richtlinien zur
Organtransplantation nach §16 TPG werden derzeit von der Ständigen Kommission Organ-
transplantation überarbeitet, so Lilie. Dieser Prozess soll Ende 2017 abgeschlossen sein.

Lilie hob hervor, dass seit der Novellierung des Transplantationsgesetzes im Jahr 2013 um-
fassende Maßnahmen und Strukturänderungen zur Verbesserung der Transplantation und
Organspende unternommen wurden. „Wir alle sind gemeinsam dafür verantwortlich, die lau-
fenden und die noch kommenden Maßnahmen erfolgreich umzusetzen und damit den Pati-
enten auf der Warteliste zu helfen“, so Lilie.

Um dem Auftrag des Gesetzgebers und dem besonderen Informationsinteresse der Öffent-
lichkeit zu entsprechen, veröffentlichen die Prüfungskommission und die Überwachungs-
kommission sämtliche Stellungnahmen zu bisherigen Prüfungen in anonymisierter Form und
legen einmal im Jahr ihren Gesamtbericht vor.

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Pressemeldung vom 06.12.2016

06.12.2016 Ja zu einer weiteren medizinischen Fakultät an der Universität Augsburg!
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Ministerpräsident Horst Seehofer hat am 2. Dezember 2016 in Augsburg die Gründung der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg als „kraftvolles Signal für eine zukunftsweisende medizinische Versorgung“ in Bayern bezeichnet. Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), begrüßte die Gründung der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg ausdrücklich, werde doch damit die langjährige Forderung der bayerischen Ärzteschaft nach einem Ausbau der Medizinstudienplätze erfüllt. „Mit der Medizinischen Fakultät in Augsburg wird die Zahl der Medizinstudienplätze um über zehn Prozent gesteigert“, so Kaplan. Der Präsident wies gleichzeitig darauf hin, dass „die Errichtung des neuen Medizin-Campus in Augsburg keinesfalls finanziell zu Lasten der bereits bestehenden fünf Landesuniversitäten gehen darf. Kostenneutralität ist hier nicht möglich.“ Kaplan forderte, die für die politisch beschlossene Neueinrichtung allgemeinmedizinscher Lehrstühle erforderlichen Mittel zusätzlich bereitzustellen und einen Lehrstuhl Allgemeinmedizin gleich von Anfang an in Augsburg zu etablieren. Bayerns Ärzte-Chef appellierte ferner an die Bayerische Staatsregierung und an die Universitäten dazu beizutragen, schnellstmöglich Lösungen zu finden, um die Zulassung zum Medizinstudium nicht länger alleine vom Abiturnotendurchschnitt abhängig zu gestalten. Vielmehr sollten Kriterien, wie soziales Engagement und einschlägige berufliche Vorbildung sowie Methoden, wie Tests für Medizinische Studiengänge (TMS) oder Auswahlgespräche mit einbezogen werden.

Nach Auskunft der Universität Augsburg beträgt die Kapazität der künftigen Medizinfakultät zunächst im Wintersemester 2019/2020 80 Erstsemesterplätze; diese sollen dann in den Folgejahren sukzessive auf 200 Erstsemesterplätze ausgebaut werden. Die Fakultät ist im Endausbau auf 100 Professorenstellen und 1.500 Studierende ausgelegt. Nach dem positiven Votum des Wissenschaftsrates im Juli 2016 werden die Schwerpunkte der Augsburger Medizinischen Fakultät Umweltmedizin und Medizininformatik sein. Die Gründung der Medizinischen Fakultät ist die achte Fakultät der Universität Augsburg und die sechste medizinische Fakultät in Bayern. Seehofer wörtlich: „Das schafft echten Mehrwert. Augsburg spielt ab heute in einer anderen Liga, im Wissenschaftsbetrieb, in der medizinischen Versorgung, bei Wachstum und Beschäftigung. Es profitiert aber auch die Universitätsmedizin in Bayern und Deutschland insgesamt.“

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06.12.2016 300.000 Euro für die Tumorforschung
uni | mediendienst | aktuell Nr. 199/2016

PD Dr. Dimitrios Mougiakakos von der Medizinischen Klinik 5 Hämatologie und Internistische Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mackensen) des Universitätsklinikums Erlangen hat ein Else Kröner-Exzellenzstipendium 2016 erhalten. Damit fördert die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung die Forschung von PD Dr. Mougiakakos und seiner zehnköpfigen Arbeitsgruppe an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zwei Jahre lang mit 300.000 Euro.

In Deutschland wird jährlich bei 395.000 Menschen eine bösartige Tumorerkrankung diagnostiziert. Trotz der immensen Fortschritte in der Früherkennung und der Therapie beträgt das durchschnittliche Fünf-Jahres-Überleben lediglich 50 bis 60 Prozent. "Daher gilt es, die Tumorpathophysiologie als essenzielle Grundlage für innovative Behandlungskonzepte noch besser zu verstehen", sagt PD Dr. Mougiakakos.

"Entartete Zellen weisen typischerweise einen veränderten Stoffwechsel auf, der ihnen Wachstumsvorteile verleiht und an der Entwicklung von Resistenzmechanismen gegenüber Chemotherapeutika beteiligt ist. Gleichzeitig können Tumorzellen besonders empfindlich auf Störungen ihres metabolischen Netzwerks reagieren. Dieser Umstand hilft uns, neue zielgerichtete Therapiestrategien zu entwickeln", erklärt der Wissenschaftler weiter.

Die Forschung der vergangenen Jahre hat verdeutlicht, dass der Stoffwechsel und die Immunologie sehr eng miteinander verknüpft sind. So konnten Wissenschaftler unabhängig voneinander zeigen, dass der Abbau bestimmter Aminosäuren oder die übermäßige Freisetzung von Sauerstoffradikalen durch Tumor- oder tumorassoziierte Zellen zu Funktionsstörungen oder sogar zum Zelltod von Immunzellen führen können. "Das Entschlüsseln der metabolischen Strategien, die diesem Prozess zugrunde liegen, soll uns dabei helfen, sowohl intrinsische Immunantworten zu verstärken als auch die Effizienz immuntherapeutischer Ansätze weiter zu optimieren", sagt PD Dr. Mougiakakos.

Erlanger Forschungsmotivation

Das Forscherteam um Dimitrios Mougiakakos will Strategien entwickeln, mit denen es pharmakologische und immunbasierte Tumortherapien mittels metabolischer Interventionen effizienter gestalten kann. "Mein Ziel ist es, krankheitsbezogene, klinisch-wissenschaftliche Fragestellungen zu bearbeiten. Das Else Kröner-Exzellenzstipendium stellt eine herausragende Möglichkeit dar, mich für einen längeren Zeitraum auf meine Forschungstätigkeit zu konzentrieren, das Potenzial meiner Arbeitsgruppe weiter zu entfalten und den Kontakt zu nationalen und internationalen Partnern zu vertiefen", führt Dimitrios Mougiakakos aus. Jüngere Kollegen für den Karriereweg des forschenden Arztes zu begeistern und sie dabei zu unterstützen, ist dem Wissenschaftler ein weiteres wichtiges Anliegen.

Über die Else Kröner-Fresenius-Stiftung

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung vergibt 2016 zum vierten Mal mehrere Forschungsstipendien an in Klinik und Forschung herausragend qualifizierte Ärzte. Ziel der Ausschreibung ist die Förderung einer kohärenten klinischen und wissenschaftlichen Arbeit. Die gemeinnützige, 1983 gegründete Else Kröner-Fresenius-Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Hilfsprojekte. Sie bezieht nahezu alle ihre Einkünfte aus Dividenden des Gesundheitskonzerns Fresenius, dessen größte Aktionärin sie ist. Die Stiftung fördert satzungsgemäß nur solche Forschungsaufgaben, deren Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sind. Bis heute hat die Else Kröner-Fresenius-Stiftung etwa 1600 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 265 Millionen Euro gefördert.

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05.12.2016 Gewalt gegen Notärzte und Rettungskräfte
Gemeinsame Presseerklärung von BLÄK und BRK

Die Ständige Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder hat in der Herbstsitzung am 29. und 30. November 2016 in Saarbrücken die Problematik „Gewalt gegen öffentlich Bedienstete“ diskutiert. Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) und das Bayerische Rote Kreuz (BRK) begrüßen, dass sich die Innenministerkonferenz mit der zunehmenden Gewalt gegen Polizei, Angehörige von Rettungsdiensten, Feuerwehren und Katastrophenschutz beschäftigt und sich dieser Entwicklung entschieden entgegenstellen möchte.
Dr. Max Kaplan, Präsident der BLÄK, ergänzt: „Angriffe auf Notärzte, Ärzte in Notaufnahmen und im Bereitschaftsdienst sowie auf Mitarbeiter von Ret-tungsdiensten sind nicht akzeptabel. Es ist notwendig, dass bei der geplan-ten Änderung des § 113 Strafgesetzbuch (StGB) neben den Angehörigen von Rettungsdiensten auch explizit Notärzte im Einsatz berücksichtigt wer-den“. Im § 113 StGB ist der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte unter Strafe gestellt. Das Strafmaß soll in besonders schweren Fällen auf min-destens sechs Monate festgelegt werden. Damit wäre bei schweren Fällen keine reine Geldstrafe mehr möglich.
BRK-Präsident Theo Zellner: „Aggression und Gewalt gegen Rettungskräf-te ist nicht hinzunehmen. Jeder Akt von körperlicher oder verbaler Gewalt gegen alle in der Rettungsdienstkette aktiven Helfer muss entsprechend verurteilt werden.“
Im Bayerischen Ärzteblatt wurde in mehreren Beiträgen über Gewalt gegen Notärzte berichtet. So informierte zum Beispiel BLÄK-Vorstandsmitglied und Notärztin Dr. Melanie Rubenbauer in der Ausgabe 1-2/2016 über zu-nehmende Gewalt gegenüber Notärzten. Eine Reportage erschien im Heft 6/2016, nachlesbar im Internet unter www.bayerisches-ärzteblatt.de


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01.12.2016 BLÄK: Krebsregistergesetz nachbessern!
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Der Ausschuss für Gesundheit und Pflege des Bayerischen Landtags hat am Dienstag, 29. November, mit der Mehrheit der CSU-Fraktion für den Entwurf des Bayerischen Krebsregistergesetzes (BayKRegG) gestimmt und lobt den Gesetzentwurf der Staatsregierung, der die Versorgung der Krebspatientinnen und -patienten in Bayern weiter verbessern soll. Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) hat jedoch bereits im Vorfeld des Gesetzgebungsverfahrens Einwände gegen den Gesetzentwurf wiederholt zum Ausdruck gebracht. Auch der Bayerische Datenschutzbeauftragte hatte erhebliche Kritik geäußert. Der von der CSU-Fraktion eingebrachte Änderungsantrag (28.11.2016, Drucksache 17/14466) konnte die Kritikpunkte der BLÄK nicht entkräften, „gehört er doch eher in die Kategorie minimalst-invasive Eingriffe“, sagt Dr. Max Kaplan, BLÄK-Präsident.
Kaplan führt weiter aus: „Der Umgang mit dem grundgesetzlich geschützten Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist ein hohes Rechtsgut und gehört ins Gesetz und nicht in den Anhang.“

Der Datenschutz befindet sich keinesfalls auf „höchstem Niveau“, wie es die CSU-Fraktion suggeriert, haben doch die betroffenen Patientinnen und Patienten lediglich ein Widerspruchsrecht bezüglich der Speicherdauer ihrer Daten, nicht aber bezüglich der Datenspeicherung an sich.
Mit der gesetzlich angeordneten Durchbrechung der ärztlichen Schweigepflicht durch die vorgegebene Meldepflicht setzt sich der Gesetzentwurf nach wie vor nicht auseinander.
Eine Evaluation der Meldewege zum 31.12.2018 ist zu begrüßen, ebenso, dass bis dahin Meldepflichtverstöße nicht mit Bußgeld bedroht sind. Die Evaluation wird jedoch bei einem automatischen Inkrafttreten der Bußgeldandrohung für Ärztinnen und Ärzte zum
1. Januar 2019 bei Meldepflichtverstößen geradezu sinnlos.
Die Forderungen nach Berücksichtigung von Sonderentwicklungen und Wahrung der Errungenschaften der regionalen Krebsregister durch regionale Beiräte blieben ungehört.
 
„Ein Krebsregistergesetz ist sicherlich notwendig und sinnvoll, vorausgesetzt die datenschutzrechtlichen Vorgaben werden eingehalten und der Datenaustausch im Sinne der Patientenversorgung verbessert“, kritisiert Kaplan abschließend.

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Hinweis: Am 2./3. Dezember 2016 findet unser Bayerischer Fortbildungskongress (BFK) mit praxisrelevanten Kursen und Seminaren statt. Aktuelle Informationen dazu finden Sie auf der Homepage www.bfk-blaek.de .

30.11.2016 Welt-AIDS-Tag 2016 Wenker: „AIDS ist behandelbar, aber nicht heilbar“
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 30.11.2016 - „Die medizinische Versorgung für HIV-Infizierte und AIDS-Erkrankte hat sich erheblich verbessert und zu einer deutlich höheren Lebensqualität und Lebenserwartung geführt. Trotzdem gilt nach wie vor: AIDS ist behandelbar, aber nicht heilbar.“ Das sagte Dr. Martina Wenker, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer (BÄK), vor dem morgigen Welt-AIDS-Tag in Berlin.

Wenker forderte Politik, Verbände und Stiftungen auf, auch in Zukunft ihre erfolgreiche Präventionsarbeit fortführen. Dies sei vor allem für junge Menschen wichtig, die die umfangreichen Aufklärungskampagnen der 80er und 90er Jahre nicht miterlebt hätten.

Es dürfe auch keine gesellschaftliche Ausgrenzung der Betroffenen zugelassen werden. Aufgabe von Ärzten sei es, ihren Patienten nach einer Diagnose seelischen Halt zu geben und sie medizinisch
zu betreuen. Ärzte wirkten auch präventiv und klärten über Ansteckungsrisiken auf. „So gehen Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen gegen Verharmlosung und gesellschaftliche Vorurteile an“, sagte Wenker mit Blick auf die diesjährige Kampagne des Welt-AIDS-Tages #positivzusammenleben.

Die BÄK-Vize-Präsidentin hob hervor: „AIDS-Patienten haben einen Anspruch auf eine gute ärztliche Versorgung mit Engagement und dem Respekt vor der menschlichen Würde.“

Diese Pressemitteilung finden Sie auch im Internet unter www.bundesaerztekammer.de

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30.11.2016 VERO: die Versorgung von Rheumapatienten optimieren
uni | mediendienst | forschung Nr. 76/2016

8,1 Millionen Euro für Modellprojekt zur Arzneimitteltherapie bei rheumatoider Arthritis – Uni-Klinikum Erlangen ist Projektpartner
Die Behandlung der rheumatoiden Arthritis zielt darauf ab, Betroffene beschwerdefrei zu machen. Sind die Symptome der chronisch-entzündlichen Erkrankung abgeklungen, können entzündungshemmende Medikamente – bei entsprechender Kontrolle – bei manchen Patienten reduziert und zum Teil sogar abgesetzt werden. In dem groß angelegten Modellprojekt VERO (Abkürzung für "Versorgung von Menschen mit Rheuma optimieren") wird diese engmaschige Krankheitskontrolle verbunden mit der Möglichkeit einer schrittweisen Reduktion anti-rheumatischer Arzneimittel jetzt erstmals in Deutschland bei einer großen Zahl von Patienten mit rheumatoider Arthritis systematisch umgesetzt und evaluiert. Die Medizinische Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. med. univ. Georg Schett) des Universitätsklinikums Erlangen ist zusammen mit dem Berufsverband Deutscher Rheumatologen e.V., der Universität Hamburg sowie der Techniker Krankenkasse und 14 weiteren Krankenkassen Initiator dieses Modellvorhabens.
Mithilfe moderner anti-rheumatischer entzündungshemmender Therapie erreichen heute immer mehr Patienten mit rheumatoider Arthritis eine anhaltende Remission, das heißt: Beschwerdefreiheit. Gelenkschwellungen und -schmerzen klingen ab und die Entzündungsreaktion wird eingedämmt. Bei einem Teil der Patienten können diese Medikamente dann erfolgreich reduziert oder manchmal sogar ganz abgesetzt werden, ohne dass die Symptome zurückkehren. Die Machbarkeit einer derartigen Strategie hat die von der Medizin 3 geleitete, multizentrische RETRO-Studie bereits 2015 bei einer gut dokumentierten, kleineren Anzahl von Patienten mit rheumatoider Arthritis belegt.

Selbstmanagement der Patienten fördern
Angesichts der hohen Arzneimittelkosten ist die rheumatoide Arthritis eine Erkrankung mit hoher volkswirtschaftlicher Relevanz, die Patienten, Behandler und Kostenträger vor zunehmende Herausforderungen stellt. "Ziel des VERO-Projekts ist es deshalb, Patienten mit rheumatoider Arthritis eine gezielte und passgenaue Therapie anzubieten und dabei sowohl Unter- als auch Übertherapie zu vermeiden", erklärt Prof. Schett. "Dabei wollen wir vor allem das Selbstmanagement der Patienten stärken, sie für den Umgang mit anti-rheumatischen Arzneimitteln sensibilisieren und ihnen zu einer besseren Lebensqualität verhelfen. Auf Basis der aus VERO gewonnenen Daten wollen wir ein umfassendes 'Krankheitsmanagement' für die rheumatoide Arthritis etablieren", führt Prof. Schett weiter aus. Zusätzlich sollen die Patientendaten für ein zentrales Register aufbereitet werden. Das Modellprojekt VERO ist auf etwas mehr als drei Jahre angelegt und wird im Rahmen des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit 8,1 Millionen Euro gefördert.

Hintergrund: rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis ist eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Menschen. In Deutschland gibt es schätzungsweise rund 800.000 Betroffene. Das Universitätsklinikum Erlangen ist auf die Behandlung der rheumatoiden Arthritis spezialisiert und erforscht die Ursachen der Erkrankung im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1181, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.

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25.11.2016 FAU: Leitbild bekennt sich zu bewusstem Umgang mit Risiken und Freiheit in der Forschung
uni | mediendienst | aktuell Nr. 194/2016

Verantwortung in der Forschung
In seiner Sitzung vom 24. November 2016 hat der Senat der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) eine Ergänzung des Leitbilds beschlossen: Zukünftig findet sich dort ein Passus, der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Auseinandersetzung mit der doppelten Verwendungsmöglichkeit von Forschungsergebnissen zu nützlichen wie zu schädlichen Zwecken (sogenannte Dual Use-Problematik) noch stärker sensibilisiert und zu verantwortungsbewusster Folgenabschätzung aufruft. Ausgegangen war die Initiative von der Studierendenvertretung.

„Als Universität reagieren wir damit auf die spürbare Verunsicherung, die die zunehmende Komplexität der Forschungsfragen und -methoden sowie steigende Anzahl von Drittmittelprojekten in der Öffentlichkeit hervorrufen“, erklärte FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger. „Es geht uns nicht um Forschungsverbote, denn die Forschungsfreiheit ist im Grundgesetz und im Bayerischen Hochschulgesetz verbrieft. Gleichzeitig resultiert daraus auch die Verpflichtung auf die Werte unserer Verfassung, nämlich die Chancen der Forschung und deren Risiken für Menschenwürde, Leben und andere wichtige, im Grundgesetz verankerte Güter gegeneinander abzuwägen“, erläuterte er. „Grundsätzlich können natürlich verschiedene Verfahren oder Methodiken, Geräte oder Stoffe, die eigentlich für zivile Zwecke entwickelt wurden, auch militärisch verwendet werden; das Forschungsergebnis an sich ist ja wertneutral“, sagte er. Darin bestehe die klassische Dual Use-Problematik, die Folgenabschätzung und Risikominimierung unabdingbar machten.

Zum Wesen einer Universität gehöre auch die permanente Reflexion – der Institution ebenso wie des einzelnen – über die notwendige Balance von Freiheit und Verantwortung, führte der Präsident aus. Daher freue es ihn auch besonders, dass gerade die Forscherinnen und Forscher von morgen, nämlich die Studierenden, den entscheidenden Impuls gegeben hätten, das Thema in der FAU voranzubringen und so anzuknüpfen an das Prinzip der „wissenschaftlichen Redlichkeit“, das auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Deutsche Forschungsgemeinschaft kürzlich in ihren Empfehlungen formuliert hätten.
„Es liegt uns sehr am Herzen, dass die Wissenschaft zur friedlichen Weiterentwicklung der Gesellschaft beiträgt“, führte Lena Krauß vom studentischen ‚Arbeitskreis Zivilklausel‘ aus. Dieser hatte zusammen mit dem Zentralinstitut für Angewandte Ethik und Wissenschaftskommunikation (ZIEW) einen Formulierungsvorschlag für eine Ergänzung des bestehenden Leitbilds der FAU erarbeitet. Diesen Aufruf zur Reflexion über Folgenverantwortung forscherischen Tuns hatte der Arbeitskreis über das letzte Jahr hinweg in die Fakultäten getragen und mit den entsprechenden Gremien ebenso rege diskutiert wie mit der Universitätsleitung und dem Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats, Prof. Dr. Peter Dabrock, der an der FAU den Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik) innehat. „Der Zuspruch war enorm, auch und gerade in Bereichen, in denen Militärforschung tatsächlich ein Thema sein kann“, berichtete sie. Die Fakultätsräte der Naturwissenschaftlichen Fakultät, der Technischen Fakultät sowie der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie sowie der studentische Konvent sprachen sich in förmlichen Beschlüssen für eine entsprechende Ergänzung des Leitbilds aus, über die gemäß der Grundordnung nun der Senat der FAU abstimmte.

Der neue Passus im Leitbild lautet:

"Die FAU ist sich als öffentliche Einrichtung der gesellschaftlichen Folgenverantwortung ihrer Forschung bewusst. Durch ihren Beitrag zu transparenter, öffentlicher und interdisziplinärer Diskussion kommt sie der Einhaltung von anerkannten ethischen und moralischen Standards auf nationaler und internationaler Ebene nach. Verantwortungsbewusstes Handeln wird von ihr gefördert und resultiert im gerechten und friedlichen Zusammenleben zwischen Menschen, Kulturen und Nationen."
„Gleichzeitig unterstreichen wir an dieser Stelle auch nochmals die entschiedene Empfehlung, dass Forschungsergebnisse in der Regel zu veröffentlichen sind, um freien Informationsaustausch zu ermöglichen, der Transparenz erzeugt, und so der Kontrolle und der Qualitätssicherung von Forschung dient sowie für die Verbreitung der Ergebnisse zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft sorgt“, schloss der Präsident. Im Bezug auf letzteres lege die FAU insbesondere bei der Vertragsgestaltung auch Wert darauf, dass im Rahmen von Drittmittelprojekten gewonnene Erkenntnisse auch für die Lehre nutzbar seien. Weiterhin würden natürlich Drittmittelverträge im Zuge der Qualitätssicherung auch weiterhin nach einem strengen Vier-Augen-Prinzip und transparenten Anforderungen von Fachleuten und den betreffenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geprüft.
Weitere Informationen:
Leitbild der FAU: www.fau.de/universitaet/das-ist-die-fau/leitbild/

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21.11.2016 Fresszellen besser verstehen-Neue Funktion eines Signalwegs aus der Blutdruckforschung entdeckt
uni | mediendienst | forschung Nr. 74/2016

Das Renin-Angiotensin-System (RAS) spielt eine wichtige Rolle für den Flüssigkeitshaushalt des Körpers und den Blutdruck. Ein neuer Signalweg des RAS kann aber auch Immunzellen entscheidend beeinflussen. Das hat eine Studie gezeigt, die am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in enger Zusammenarbeit mit Forschern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf durchgeführt wurde. Ihre Ergebnisse haben die Forscher jetzt im renommierten Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.*

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem bei jungen Erwachsenen auftritt und zu unterschiedlichen neurologischen Ausfällen sowie bleibender Behinderung führen kann. Genauso wie bei der Gefäßkrankheit Arteriosklerose spielen die Fresszellen des Immunsystems eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Krankheit. In einer Kooperation mit PD Dr. Johannes Stegbauer und seinen Kollegen der Nephrologischen Klinik der Universität Düsseldorf untersuchten die FAU-Forscher um Prof. Dr. Ralf Linker aus der Neurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen nun den Einfluss neuer Signalwege des Blutdruck regulierenden Renin-Angiotensin-Systems in experimentellen Modellen der MS und der Arteriosklerose.

In ihrer Arbeit beschreiben die Wissenschaftler den Signalweg mit dem Namen „Angiotensin 1-7/Mas“ – kurz Mas – als bedeutsam, um entzündungsfördernde Effekte im Körper zu kompensieren. Beide Forschergruppen konnten zeigen, dass der Rezeptor Mas eine wichtige Rolle für die Funktion von Entzündung regulierenden Fresszellen, den sogenannten Makrophagen, spielt. Eine medikamentöse Beeinflussung des Rezeptors kann die Eigenschaften dieser Fresszellen hin zu anti-entzündlichen Eigenschaften verändern und so einen neuen Behandlungsansatz für chronisch-entzündliche Erkrankungen darstellen.

„Diese Erkenntnisse liefern einen neuen Beitrag zum Verständnis der Rolle von Fresszellen bei der MS und bringen möglicherweise neue Ansatzpunkte für eine bessere Behandlung der bisher unheilbaren Erkrankung“, erklärt der Neurologe Prof. Dr. Ralf Linker, der die Erlanger Experimente koordiniert und versucht, als Leiter der Neuroimmunologischen Ambulanz am Uni-Klinikum Erlangen, die neuen Erkenntnisse aus dem Labor für seine Patienten nutzbar zu machen. Die FAU-Wissenschaftler vermuten, dass verschiedene Botenstoffe, die aus der Herz-Kreislauf- und Bluthochdruck-Forschung bekannt sind, auch bei entzündlichen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen können. Weitere Studien sollen nun zeigen, ob Medikamente, die den Rezeptor Mas beeinflussen, auch bei Patienten mit MS oder Arteriosklerose positive Effekte haben können.

* doi: 10.1073/pnas.1612668113

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Ralf Linker

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11.11.2016 Weltdiabetestag: Montgomery plädiert für mehr Prävention an Schulen
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 11.11.2016 -Zum Weltdiabetestag fordert Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, das  Thema Gesundheit stärker in den Lehrplänen der Schulen zu  verankern. "Durch Prävention sind viele Erkrankungen vermeidbar.  Deshalb lohnt es sich, Kindern vom ersten Schultag an eine  gesunde Lebensweise zu vermitteln. Schon etwas mehr regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung verringern  deutlich das Risiko, an einem Typ 2-Diabetes zu erkranken." Ärzte  könnten das Lehrpersonal bei der Gestaltung des Unterrichts beraten und unterstützen.

Die Zahl der Diabetiker steigt in Deutschland kontinuierlich. Bis  zum Jahr 2030 gehen Schätzungen von 5,6 Millionen Erkrankten  aus. Das wären 580.000 mehr als heute. „Andere Studien prognostizieren sogar einen noch stärkeren Anstieg", so Montgomery. Umso wichtiger sei es, konsequent gegenzusteuern.
"Wir haben bereits vielversprechende Initiativen, zum Beispiel das Projekt "Gesund macht Schule" der Ärztekammern in Nordrhein, Hamburg und Sachsen-Anhalt gemeinsam mit der AOK. Das Programm fördert gesundheitsbewusstes Ernährungs- und Bewegungsverhalten in Schule, Elternhaus und Freizeit. Es stärkt die kindliche Persönlichkeitsentwicklung und hilft, eine gesundheitsförderliche Lern- und Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Auf solchen Programmen kann man aufbauen", so Montgomery.

Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin hat im Auftrag der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung eine Reihe von Patienteninformationen zum Thema Diabetes erstellt. Sie informieren in verständlicher Form über Hintergründe und Ursachen der Erkrankung und verweisen auf weiterführende Informationsquellen.

http://www.bundesaerztekammer.de/patienten/patienteninformati
onen-gesundheitstipps/patienteninformationen/

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10.11.2016 Gesundheitspolitische Agenda zur Bundestagswahl
Pressenachricht der Bayerischen Landesärztekammer

Die nächste Bundestagswahl findet im Herbst 2017 statt. „Die Bundesärztekammer (BÄK) hat bereits Positionen zur Wahl 2017 formuliert, die es sich lohnt, genauer anzuschauen“, schreibt Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Leitartikel der November-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes.

Als Kernforderung zählt Präsident Kaplan auf: „Ärztliche Selbstverwaltung benötigt Gestaltungs-spielraum.“ Die medizinisch-fachliche Weisungsungebundenheit des Arztes und die im ärztlichen Berufsrecht verankerte Verpflichtung zur Übernahme von Verantwortung für das Wohl seiner Patien-
ten einerseits und gegenüber der Gesellschaft andererseits, stellten den wirksamsten Patientenschutz dar. Jedoch würden diese Wesensmerkmale freiheitlicher Berufsausübung durch Kommerzialisierung, Kontrollbürokratie und durch staatliche Interventionen zunehmend in Frage gestellt. „Das duale Krankenversicherungssystem zukunftsfit machen“, lautet eine weitere Forderung. Das duale Versicherungssystem mit den beiden Säulen gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und private Krankenversicherung (PKV) sichere die große Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheits-
wesens, die nicht durch die Einführung eines Einheitssystems, wie eine Bürgerversicherung, gefährdet werden dürfe.

Die weiteren Ansprüche: „Für eine bedarfsgerechte Finanzierung der Krankenhäuser“, „Qualität und Patientensicherheit!“ oder „Interprofessionelle Kooperation ist angesagt“. Gerade die Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsberufen bei klaren Verantwortlichkeiten sei zu unterstützen. „Erfolgversprechend sind insbesondere die Förderung der interprofessionellen Kooperation auf der Basis vorhandener Kompetenzen und die Integration unterschiedlicher beruflicher Kompetenzen in multiprofessionellen Teams“, schreibt Präsident Kaplan.

 Bayerns Ärzte-Chef zieht folgendes Fazit: „Lassen Sie uns gut ein Jahr vor der Bundestagswahl 2017 den Blick nach vorne richten und nehmen wir die gesundheitspolitische Programmatik der politischen Parteien diesbezüglich kritisch unter die Lupe, dürfte dies doch für uns (mit-) wahlentscheidend sein. Bringen Sie sich in die politische Debatte ein. Gehen Sie mit uns aktiv auf unsere politischen Vertreter zu und vertreten Sie mit uns gemeinsam unsere gesundheitspolitischen Forderungen!“

Mehr zu „Gesundheitspolitische Agenda zur Bundestagswahl“ lesen Sie in
der Ausgabe 11/2016 des Bayerischen Ärzteblattes unter
www.bayerisches-aerzteblatt.de.
 
Pressestelle

09.11.2016 FAU-Forscher entdecken neuen Mechanismus-Zuckerketten schützen vor Autoimmunerkrankungen
uni | mediendienst | forschung Nr. 72/2016

Autoimmunerkrankungen wie die Rheumatoide Arthritis sind durch schwerwiegende entzündliche Prozesse an Gelenken und inneren Organen gekennzeichnet. Die Ursachen für den Ausbruch und den meist schubweisen Verlauf solcher Erkrankungen sind bisher unzureichend verstanden. Ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. Gerhard Krönke an der Medizinischen Klinik 3 –  Rheumatologie und Immunologie – des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor Prof. Dr. Georg Schett) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat einen neuen Mechanismus identifiziert, der unmittelbar für den Ausbruch von Autoimmunerkrankungen verantwortlich ist. Hierbei scheint das Fehlen von bestimmten Zuckermolekülen an den für die Rheumatoide Arthritis verantwortlichen Eiweißstoffen ausschlaggebend zu sein. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im renommierten Fachjournal Nature Immunology veröffentlicht.*

Unser Immunsystem trägt nicht nur zur Abwehr von Krankheitserregern wie Viren, Bakterien und Pilzen bei, sondern besitzt auch die einzigartige Fähigkeit zeitlebens zu lernen und ein sogenanntes immunologisches Gedächtnis aufzubauen. Hierbei werden vom Immunsystem spezifische Eiweißstoffe, sogenannte Antikörper, gegen den jeweiligen Krankheitserreger erzeugt und zeitlebens nachgebildet. Mit Hilfe von Antikörpern kann das Immunsystem im Falle einer erneuten Infektion mit einem dem Immunsystem schon bekannten Krankheitserreger schneller und effektiver reagieren. Somit gewährleisten Antikörper im Regelfall einen ausreichenden Schutz und können einen erneuten Krankheitsausbruch verhindern. Hierauf baut zum Beispiel das Prinzip der Schutzimpfung auf. 

Jedoch kann unser Immunsystem auch Antikörper gegen körpereigene Strukturen und Organe erzeugen. Man spricht in diesem Fall von einer „gegen sich selbst gerichteten Immunität“ oder kurz  „Autoimmunität“, die durch das Vorhandensein von „Autoantikörpern“ gekennzeichnet ist. Tatsächlich sind Autoimmunität und Autoantikörper kein seltenes Phänomen, sondern bei vielen gesunden Menschen nachweisbar und helfen unserem Körper beispielsweise bei der Tumorbekämpfung. Bei einer begrenzten Gruppe von Menschen führen Autoantikörper jedoch zum Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis.  Die Gründe hierfür waren bisher weitgehend unklar.            

Die Arbeitsgruppe von Gerhard Krönke konnte in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern der FAU und einem internationalen Forscherteam aus den Niederlanden, Schweden und Österreich nun erstmals zeigen, dass eine bestimmte Gruppe von Immunzellen, die TH17-Zellen direkt auf das immunologische Gedächtnis einwirkt und durch eine scheinbar harmlose Veränderung der molekularen Struktur von Autoantikörpern den Ausbruch einer Autoimmunerkrankung provoziert. „Tatsächlich ist für den Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis in diesem Fall nur das Fehlen eines einzigen Zuckermoleküls an den jeweiligen Autoantikörpern verantwortlich“, berichtet Rene Pfeifle, der Erstautor der Studie.

Während bisherige Therapien der Rheumatoiden Arthritis auf die Hemmung der Entzündungsreaktion abzielen, können diese neuen Erkenntnisse in Zukunft dazu dienen, völlig neue Therapieansätze zur Verhinderung des Ausbruchs von Autoimmunerkrankungen zu entwickeln. Hierbei soll das Immunsystem jedoch nicht gehemmt, sondern  durch gezielte Modulation von TH17-Zellen einer Art Reprogrammierung unterzogen werden. Mit Hilfe einer solchen Strategie wiederum könnten die krankheitsauslösenden Veränderungen der Zuckerstruktur von Autoantikörpern rückgängig gemacht werden und somit Immuntoleranz und eine langfristige Heilung von Autoimmunerkrankungen ermöglicht werden. 

* doi: 10.1038/ni.3579

www.nature.com/ni/journal/vaop/ncurrent/full/ni.3579.html

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08.11.2016 Tabakwerbung - Montgomery: „Wirtschaftspolitik darf nicht vor Jugendschutz gehen“
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin, 08.11.2016 - „Wirtschaftsinteressen dürfen nicht vor Jugendschutz gehen. Wir fordern deshalb die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, den Regierungsentwurf zum Verbot von Außen- und Kinowerbung für Tabakprodukte umgehend positiv zu bescheiden.“ Das sagte der Präsident der
Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, vor der heutigen Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag, in der unter anderem der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur
Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes diskutiert werden soll.
Offenbar aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus hatten Kritiker aus den Reihen der CDU/CSU-Fraktion den bereits im Sommer vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf gegen den
Willen der Gesundheitspolitiker von der Tagesordnung des Bundestages genommen. Montgomery wies darauf hin, dass neben dem Leid der betroffenen Patienten auch die durch die erforderlichen Behandlungen gebundenen medizinischen Ressourcen in den Blick genommen werden müssten. „Nach
gesundheitsökonomischen Berechnungen belaufen sich allein die tabakbedingten jährlichen Kosten im Gesundheitswesen auf 25 Milliarden Euro. Hinzu kommen weit über 50 Milliarden Euro, die
jährlich von den Sozialversicherungssystemen durch tabakbedingte Arbeitskraftausfälle zu tragen sind“, so der BÄKPräsident.
Auch und gerade Wirtschaftspolitiker sollten zur Kenntnis nehmen, dass diese Kosten in keiner Weise durch die Tabaksteuereinnahmen in Höhe von knapp 15 Milliarden Euro und die in den Wirtschaftskreislauf einfließenden Werbeausgaben der Tabakindustrie in Höhe von ca. 200 Millionen Euro pro Jahr
aufgewogen werden.

Deutschland ist mittlerweile das einzige Land in Europa, in dem Plakatwerbung für Tabak noch erlaubt ist. Dabei zeigen Studien, dass Tabakwerbung gerade bei Kindern und Jugendlichen wirkt.
Die Bundesärztekammer hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass rund 80 Prozent aller Raucher vor dem 18. Lebensjahr mit dem Rauchen beginnen, was eine Tabakentwöhnung in dieser Patientengruppe deutlich erschwert.

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07.11.2016 DNAzym hilft bei Darmentzündung
uni | mediendienst | forschung Nr. 70/2016

Forscher aus Erlangen und Marburg finden einen Weg, Colitis ulcerosa zu hemmen

Colitis ulcerosa besser zu verstehen, dabei sind Mediziner der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und ihre Fachkollegen an der Philipps-Universität Marburg jetzt einen wichtigen Schritt vorangekommen. Sie haben herausgefunden, dass ein bestimmtes Protein die krankhafte Entzündung im Darm maßgeblich steuert.
Colitis ulcerosa ist eine chronische und meist in Schüben verlaufende entzündliche Erkrankung des Dickdarms. In Deutschland wird die Zahl der betroffenen Patienten auf etwa 170.000 geschätzt. Die genauen Ursachen für diese Darmerkrankung sind trotz langjähriger weltweiter Forschungsbemühungen bis jetzt nur unvollständig verstanden. Bekannt ist, dass T-Zellen, die Krankheitserreger abwehren können, eine besondere Rolle bei der Regulierung des Immunsystems des Darms spielen, genauso wie die so genannten Transkriptionsfaktoren, die von diesen Immunabwehrzellen gebildet werden.

Die Forscher an der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikums Erlangen und ihre Marburger Kollegen haben jetzt den Transkriptionsfaktor GATA3 als einen entscheidenden Schrittmacher bei Colitis ulcerosa identifiziert. „Wir konnten nachweisen, dass die Abwehrzellen von Patienten vermehrt das Protein GATA3 ausschütten“, erklärt Vanessa Popp, Mitarbeiterin im Team von Prof. Dr. Markus Neurath an der FAU.
Und noch mehr: Den Wissenschaftlern gelang es, Abwehrzellen daran zu hindern, das Protein GATA3 zu bilden und so Entzündungsreaktion und die Produktion von weiteren entzündungsrelevanten Eiweißen, den Zytokinen, zu mindern. Dazu nutzen sie so genannte DNAzyme, künstliche DNA-Moleküle. Diese Entdeckung könnte zu einem neuen Therapieansatz zur Behandlung von Colitis ulcerosa führen.
Der Einfluss des Transkriptionsfaktors GATA3 auf Entzündungsreaktionen war bereits aus früheren Studien bekannt – allerdings nur in der Lunge. Unbekannt dagegen war allerdings, dass der Transkriptionsfaktor auch bei Colitis ulcerosa eine so entscheidende Rolle spielt. Diese Entdeckung liefert einen außerordentlich wichtigen Anhaltspunkt für einen möglichen Therapieansatz, der zunächst im Versuch getestet wurde: „Durch die Blockade der Produktion von GATA3 im Modellsystem konnten wir sowohl präventiv als auch während der akuten Phase der Erkrankung die Entzündung minimieren“, sagt Professor Neurath.
Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlicht.
doi: 10.1053/j.gastro.2016.09.005.


Kontakt:
Universität Erlangen-Nürnberg
Prof. Dr. Markus Neurath

Tel: 09131/85-35200

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Professor Dr. Harald Renz

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04.11.2016 Cholesterin wichtig für die Signalübertragung in Zellen
uni | mediendienst | forschung Nr. 69/2016

Cholesterin kann wichtige Proteine so zu Paaren binden, dass humane Zellen auf äußere Signale reagieren. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben diese Vorgänge mittels Computersimulationen tiefergehend untersucht. Das Forschungsjournal PLOS Computational Biology* hat die Ergebnisse der Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Biotechnik nun in der aktuellen Ausgabe veröffentlicht.

Die FAU-Nachwuchswissenschaftler Kristyna Pluhackova und Stefan Gahbauer haben herausgefunden, dass Cholesterin auf die Funktion der Signalübertragung im Körper starken Einfluss nimmt. Das Hauptaugenmerk der Untersuchung lag dabei auf dem Chemokinrezeptor CXCR4, der zu der Gruppe sogenannter G-Protein-gekoppelter Rezeptoren (GPCR) gehört. Diese nehmen verschiedene äußere Reize wahr, zum Beispiel Licht, Hormone oder Zucker, und geben diese Signale an das Innere der Zelle weiter, die dann darauf reagiert. CXCR4 unterstützt im Normalfall das menschliche Immunsystem. Allerdings spielt es auch bei der Metastasenbildung und beim Eindringen von HI-Viren in das Zellinnere eine wichtige Rolle.

Es gibt Hinweise darauf, dass einige GPCRs Paare bilden müssen, sogenannte Dimere, um äußere Reize aufzunehmen und weiterzuleiten. Die Simulationen der FAU-Wissenschaftler zeigten nun, dass Cholesterin die Paarbildung von CXCR4 und damit vermutlich deren Funktion stark beeinflusst. Das heißt: Cholesterin ist erforderlich, damit diese sich passend zusammenlagern. Cholesterinmoleküle "kleben" dabei selektiv spezifische Regionen zweier CXCR4-Proteine aneinander, so dass eine komplexe Struktur entsteht, die vermutlich Signale wahrnehmen und durch die Zellmembran weiterleiten kann. Zwar können sich die Rezeptoren auch ohne genügend Cholesterin aneinander binden, jedoch bilden sich dabei unterschiedliche Strukturen, die wahrscheinlich die Signalweiterleitung an das Zellinnere unterdrücken.

Bisher waren diese Prozesse auf molekularer Ebene nicht vollständig erforscht. Die beiden Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Computational Biology am Lehrstuhl für Biotechnik der FAU haben mit über 1000 einzelnen Computersimulationen diese Vorgänge studiert. Ein besseres Verständnis der Rolle von Cholesterin und der Dimerbildung in der Funktion von GPCRS  könnte neue Wege für die Entwicklung von Medikamenten öffnen.
*Doi: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pcbi.1005169

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Prof. Dr. Rainer Böckmann
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04.11.2016 Gemeinsam ERlangen- „10 Schritte zur seelische Gesundheit“
Pressemeldung von Gesundheitsregion plus

Gemeinsam ERlangen  „10 Schritte zur seelische Gesundheit“  Gesundheitsregion plus

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Flyer

04.11.2016 FAU-Forscher entschlüsseln wichtigen Mechanismus, durch den Nierenkrebs entstehen kann-Genetische Variation entscheidet
uni | mediendienst | forschung Nr. 68/2016

An Nierenzellenkarzinomen erkranken jährlich etwa 15.000 Menschen in Deutschland. Begrenzte Therapiemöglichkeiten und eine hohe Sterblichkeitsrate kennzeichnen fortgeschrittene Stadien dieser Form des Krebses. Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist es nun gelungen, einen Mechanismus zu entschlüsseln, der beim Entstehen und Voranschreiten der Krankheit eine wichtige Rolle spielt.

In der menschlichen DNA gibt es Sequenzen, die sich von Person zu Person unterscheiden, sogenannte genetische Variationen. In einer groß angelegten Studie haben Dr. Johannes Schödel und Dr. Steffen Grampp vom Lehrstuhl für Innere Medizin IV der FAU die Funktion einer solchen Variation charakterisieren können, die das Risiko, an einem Nierenzellenkarzinom zu erkranken, um bis zu 30 Prozent erhöht. Diese genetische Variation liegt auf dem Chromosom 8 in der Nähe des wichtigen Onkogens MYC. Onkogene sind Teile des Erbgutes, die das Tumorwachstum fördern können. Das Besondere an dieser Entdeckung: Die Variation liegt in einer nichtkodierenden Region zwischen zwei Genen, also zwischen den Bereichen der menschlichen DNA, die die proteinkodierenden Erbinformationen tragen. Diese Regionen sind bisher nur wenig untersucht, denn bisher standen vor allem die proteinkodierenden Regionen im Fokus der Wissenschaft. Wie die genetischen Abweichungen das Risiko, am Nierenzellenkarzinom zu erkranken, beeinflussen, war bisher nur wenig verstanden. 

Bestimmte Faktoren fördern das Wachstum von Tumoren

Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass die Variationen auf dem Chromosom 8q24.21 an einer Stelle liegen, an der sogenannte Transkriptionsfaktoren binden können. Diese Faktoren sind Proteinkomplexe, die die Expression bestimmter Gene regulieren. In den meisten Nierentumoren liegen Mutationen vor, die zu einer Stabilisierung der sogenannten Hypoxie induzierbaren Transkriptionsfaktoren (HIF) führen. Diese sind eigentlich für die Anpassung der Zellen und des Körpers an Sauerstoffmangel verantwortlich, sind aber im Rahmen des Nierenkarzinoms auch an Tumorwachstum beteiligt und charakteristisch für dieses Krankheitsbild. Die beobachteten Variationen führen dazu, dass HIF unterschiedlich stark an die nichtkodierende Region auf 8q24.21 bindet, die die Variationen enthält. Dieser Unterschied führt dazu, dass die Expression des Onkogens MYC verschieden stark stimuliert wird. Für MYC ist bekannt, dass es in vielen Tumoren wachstumsfördernde und den Stoffwechsel betreffende Signalwege beeinflusst. Charakterisierend für die genetischen Variationen ist, wie der weitere Verlauf der Untersuchungen zeigte, dass sie Zugänglichkeit der DNA und Aktivität der nichtkodierenden Region in den Nierenkrebszellen beeinflussen. „Neben der eigentlichen Regulation von MYC durch HIF fanden wir allerdings auch erstaunlich, dass diese Bindestelle nur in Zellen aktiv ist, die aus dem Tubulussystem der Niere stammen, und die HIF-abhängige MYC Regulation damit zelltypabhängig ist“, sagt Dr. Johannes Schödel, Leiter der Studie. Das Tubulussystem ist eine röhrenförmige Struktur im Nierengewebe, das für die Urinproduktion wichtig ist und von dem die meisten Nierenkarzinome ausgehen.

Die Ergebnisse zeigen damit, inwiefern genetische Variationen das Krankheitsbild Nierenzellkarzinom beeinflussen und bieten erstmalig eine funktionelle Erklärung hierfür. Die Zeitschrift Nature Communications hat die Ergebnisse der FAU-Wissenschaftler und ihrer Kooperationspartner an der Universität Oxford um Prof. Sir Peter Ratcliffe in der aktuellen Ausgabe veröffentlicht: DOI: 10.1038/NCOMMS13183

Weitere Informationen:

Dr. Dr. Johannes Schödel

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27.10.2016 Ein genetischer Trigger für die Regeneration von Nervengewebe
FAU uni | mediendienst |forschung Nr. 66/2016

Neurowissenschaftler konnten bei verletztem Rückenmark durch die Reaktivierung eines Gens verlorene Motorik wieder herstellen

Das menschliche Hirn hat die Fähigkeit, Anatomie und Funktion einzelner Zellen oder ganzer Hirnareale zu verändern und sich so an neue Anforderungen anzupassen. Ein Gen, das an dieser Plastizität beteiligt ist, kann bei Rückenmarksverletzungen die Nervenregeneration steuern. Das haben jetzt Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zusammen mit Kollegen herausgefunden.

PRG3 gehört zur Familie der Gene, die für die Plastizität unseres Gehirns mit verantwortlich sind. Es lässt die Nervenfasern wachsen und ist nur am Anfang unseres Lebens aktiv. Später – etwa im Kindes- oder frühen Jugendalter – wird es vom Körper abgeschaltet.

Ein Gen, das der Körper im Jugendalter abschaltet, wird wieder aktiviert

Nun untersuchte ein Forscherteam, welchen Einfluss PRG3 auf Nervenschädigungen bei Rückenmarksverletzungen hat. An dem Projekt sind die Berliner Charité, die Universität Zürich, die Neurochirurgische Klinik des Universitätsklinikums Erlangen der FAU und die Universität Mainz beteiligt. „Wir wollten wissen, was passiert, wenn man PRG3 wieder anschaltet und der Körper das Protein, für dessen Produktion dieses Gen zuständig ist, wieder zur Verfügung hat,“ sagt der Leiter der Studie, PD Dr. Nicolai Savaskan von der Neurochirurgischen Klinik in Erlangen.

PRG3 regeneriert Struktur und Funktion von geschädigtem Nervengewebe

Bei Mäusen mit verletztem Rückenmark brachten die Forscher das Gen PRG3 in die Nervenzellen an der geschädigten Stelle ein. In Schwimm-Tests beobachteten sie, wie die Mäuse nach der Verletzung ihre Hinterbeine nicht mehr wie gewohnt bewegen konnten und das Defizit durch andere Bewegungsmuster kompensierten. Mäuse, in deren Nervenzellen PRG3 eingebracht worden war, fanden nach wenigen Wochen zu ihrer ursprünglichen Motorik zurück. Die Forscher fanden außerdem, dass die Menge an Nervenfasern an der beschädigten Stelle angestiegen war. Das bedeutet, dass PRG3 nicht nur die Struktur der geschädigten Nervenfasern wieder herstellte, sondern dass die Nerven auch ihre ursprüngliche komplexe Funktionalität wieder erlangt haben. Bisher geht die Wissenschaft davon aus, dass geschädigte Nervenzellen sich nicht funktional wieder regenerieren können.

Regeneration trotz wachstumshemmender Substanzen im Umfeld der Nervenzelle

Die Forschungsergebnisse werfen auch ein neues Licht auf das Wechselspiel zwischen Substanzen, die das Wachstum von Nervenzellen fördern und solchen, die es hemmen. Nervenfasern sind von einer schützenden Schicht, der Myelinscheide, umhüllt. Sie gewährleistet unter anderem die reibungslose Signalübertragung zwischen den Nervenzellen. Myelin hemmt aber auch das Wachstum von Nervenfasern, weshalb der Stoff im Fokus vieler Forschungen zur Regeneration von Nervenschäden steht. Die aktuellen Experimente mit PRG3 zeigen nun, dass alleine die Aktivierung von PRG3 ausreicht, um Nervengewebe in Funktion und Struktur zu regenerieren. In Zellversuchen wuchsen die Nervenfasern von Nervenzellen mit PRG3 auch in einer an Myelin reichen Umgebung. „Unsere Befunde deuten darauf hin, dass neben der wachstumshemmenden Umwelt vor allem intrinsische, in der Entwicklung aktive Faktoren, die im Erwachsenen abgeschaltet werden, maßgeblich bei der Regeneration von Nervenzellen beteiligt sind “, erklärt Nicolai Savaskan. „Bisher ist nicht klar, warum Nervenzellen das PRG3 Gen im Alter abschalten. Möglicherweise scheint unter normalen Bedingungen eine erhöhte PRG3 Aktivität nicht nötig zu sein. Die Abschaltung stellt womöglich auch einen Schritt hin zur Alterung des Gehirns dar.“ Beobachtungen an den Mäusen mit reaktiviertem PRG3 zeigten, dass sich das Wiedereinschalten dieses Gens nicht anderweitig oder schädlich auf den Organismus auswirkt.

In Zukunft könnte sich PRG3 als Kandidat für eine mögliche genetische Behandlung von Rückenmarksschädigungen erweisen. Das gilt allerdings nur, wenn die Eingriffe sehr früh nach der Schädigung erfolgen. Sobald sich Narben an den verletzen Nervenfasern gebildet haben, ist eine Regeneration nur sehr schwer möglich.

Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Journals Aging veröffentlicht. Doi: 10.18632/aging.101066 

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PD Dr. Nicolai Savaskan

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26.10.2016 Neue Humboldt-Stipendiaten und -Preisträger an der FAU
uni | mediendienst |aktuell Nr. 177/2016 der FAU

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) genießt international einen hervorragenden Ruf. Beweis für diese Reputation sind nicht zuletzt die vielen international renommierten Wissenschaftler, die sich die FAU als Gastuniversität aussuchen, um zusammen mit FAU-Kollegen im Rahmen eines Stipendiums oder Forschungspreises der Alexander-von-Humboldt-Stiftung zu forschen.

Dr. Jay V. Patankar, Lehrstuhl für Innere Medizin I

Über 2 Millionen Menschen in Europa leiden an entzündlichen Darmerkrankungen, rund 170.000 neue Patienten kommen jährlich hinzu. Diese chronischen Krankheiten beeinträchtigen die Lebensqualität der Erkrankten nicht nur erheblich, sie können auch zu Krebs führen. Dr. Jay V. Patankar, Humboldt-Stipendiat am Lehrstuhl für Innere Medizin I, forscht in der Gruppe von Prof. Dr. Christoph Becker daran, die Mechanismen zu identifizieren, die die Darmentzündungen aufheben.
In früheren Forschungen hat Patankar den DNA-Transkriptionsfaktor GATA4 identifiziert: Er reguliert, wie sich Darmzellen ausdifferenzieren und beeinflusst damit, welche Nährstoffe vom Körper aufgenommen werden.  Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Darmzellen, die durch Entzündungen absterben, ungenügend ausdifferenziert sind. Dies führt dazu, dass Tumore entstehen. Patankar erforscht nun während seiner Zeit an der FAU, wie genau der Zelltod während einer Entzündung und der Status der Zelldifferenzierung zusammenhängen und wie man eine gesunde Zelldifferenzierung wieder herstellen kann, um den entzündeten Darm zu heilen.

Dr. Jay V. Patankar hat seinen Bachelor in Mikrobiologie an der University of Pune in Indien gemacht, seinen Master absolvierte er in Molekularer und Humaner Genetik an der indischen Banaras Hindu University. Im Anschluss promovierte er in Molekularer Medizin an der Medizinischen Universität Graz, wo er anschließend auch als Postdoc tätig war. Von 2013 bis 2016 war Patankar als Postdoc an der University of British Columbia. Seit September ist Patankar nun für zwei Jahre als Humboldt-Stipendiat an der FAU.


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26.10.2016 67. Generalversammlung - Weltärztebund verurteilt Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen in Syrien
Pressenachricht der Bundesärztekammer

Der Weltärztebund (WMA) hat auf seiner 67.Generalversammlung in Taipeh die jüngsten Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen, Mitarbeiter des Gesundheitswesensund Patienten in Syrien verurteilt. Die Organisation appellierte an alle Staaten, die UN-Resolution 2286 (2016) zu befolgen. In dieserwird zur Einhaltung der internationalen Gesetze zum Schutz des medizinischen Personals sowie von Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen aufgerufen. Seit Beginn des
Bürgerkrieges in Syrien wurden circa 270 Gesundheitseinrichtungen angegriffen und 760 Mitarbeiter getötet.
Darüber hinaus verabschiedete der Weltärztebund eine Reihe weiterer Stellungnahmen und Deklarationen.
Auf Initiative der Bundesärztekammer (BÄK) berieten die Delegierten intensiv, wie
Gesundheitseinrichtungen vor sogenannten Cyber-Angriffen geschützt werden können. Die bisherigen Sicherheitsstandards reichen nach Ansicht des WMA nicht mehr aus, um der Cyberkriminalität entgegenzutreten. Daher rief er Regierungen und zuständige Behörden dazu auf, geeignete Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Auch sei eine stärkere Sensibilisierung von Ärzten für
die Gefahren von Cyberangriffen notwendig.
Die Deklaration von Taipeh beschäftigt sich mit Gesundheitsdatenbanken und Biobanken. Darin gibt der WMAÄrzten ethische Empfehlungen für die Sammlung und Verwendung von identifizierbaren Gesundheitsdaten und biologischem Material in Gesundheitsdatenbanken und Biobanken. Besonders betont wird dabei das Recht auf Autonomie, Datenschutz und Vertraulichkeit. Die Deklaration
wurde in einem vierjährigen Prozess von einer WMAArbeitsgruppe vorbereitet, der auch die BÄK angehörte.
Im Kampf gegen Übergewicht bei Kindern fordert der WMA neben Werbebeschränkungen auch höhere Steuern auf Lebensmittel mit geringem Nährstoffgehalt und zuckerhaltige Getränke. Die
Schulen sollten körperliche Aktivitäten stärker fördern und mit Ernährungsexperten zusammenarbeiten. Auch wird auf die negativen Auswirkungen von Armut und frühkindlicher Übergewichtigkeit auf die Gesundheit im Erwachsenenalter verwiesen.
Sämtliche Resolutionen und Stellungnahmen der 67. Generalversammlung des WMA stehen hier zur Verfügung:
http://www.wma.net/en/30publications/10policies/index.html
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24.10.2016 Bayerischer Ärztetag -Beschlüsse des 75. Bayerischen Ärztetages
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

GKV-Sozialrecht
Keine neuen Qualitätsexperimente zu Lasten
der Patienten und Krankenhäuser -Konzept
der „Planungsrelevanten Qualitätsindikatoren“
als ergebnisoffenes Experiment begreifen

Der 75. Bayerische Ärztetag hält das vom Institut
für Qualitätssicherung und Transparenz
im Gesundheitswesen (IQTIG) im „Vorbericht
Planungsrelevante Qualitätsindikatoren“ vom

18. Juli 2016 vorgelegte Konzept für unausgereift
und lehnt die Umsetzung zum 1. Januar
2017 ab.
Die Stellungnahmen diverser wissenschaftlicher
medizinischer Fachgesellschaften legen
den Schluss nahe, dass das Konzept in der aktuellen
Form als Beginn eines Experiments angesehen
werden muss. Bevor dieses Verfahren
Einfluss auf die Krankenhausplanung nehmen
kann, muss es zwingend als Modellversuch ergebnisoffen
evaluiert werden. Die Schaffung
neuer Fehlanreize ist zu vermeiden.

Weiterhin ist zu bemängeln:

»
Das neu eingeführte Konzept der „Patientengefährdung“
ist nicht ausreichend
ausgearbeitet und eignet sich nicht als
Schlüsselparameter der Qualitätskontrolle.

»
Der Ansatz einer sektorenübergreifenden
Qualitätssicherung, die Prozesse nach dem
stationären Aufenthalt und Langzeitergebnisse
einbeziehen müsste, wird konterkariert,
da der Fokus nur auf der Krankenhausbehandlung
liegt.

»
Die ausgewählten Qualitätsindikatoren sind
teilweise nicht als repräsentativ für die betroffenen
Fachgebiete anzusehen.

»
Die Gleichwertigkeit oder gar Überlegenheit
des vorgeschlagenen Verfahrens mit/über
die seit Jahren von der Ärzteschaft etablierten
Maßnahmen der Qualitätssicherung ist
nicht erwiesen.

»
Der Verzicht auf den etablierten strukturierten
Dialog der stationären Qualitätssicherung
ist ein Rückschritt.

Augenmaß bei der Einführung von Qualitätsindikatoren
des Institutes für Qualitätssicherung
und Transparenz im Gesundheitswesen
(IQTIG)

Der 75. Bayerische Ärztetag sieht mit Sorge,
dass das IQTIG zur sektorenübergreifenden
Qualitätssicherung ein übergeordnetes Kon


trollsystem gegen Ärztinnen und Ärzte in Klinik
und Praxis ausrichten will.

Der 75. Bayerische Ärztetag fordert das IQTIG
auf, unter anderem die Qualitätsindikatoren
mit Augenmaß auszuwählen und einzuführen.

Ärztliche Entscheidungen wie Indikationsstellung
müssen unabhängig von den ökonomischen
Zwängen eines Fallpauschalensystems
erfolgen

Der 75. Bayerische Ärztetag fordert den Gesetzgeber
auf, das DRG-System durch ein bedarfsgerechtes,
am Patientenwohl orientiertes
Krankenhausfinanzierungssystem zu ersetzen.

Die Verknüpfung von Qualitätssicherung und
Finanzierung führt nicht unbedingt zu besserer
Qualität

Der 75. Bayerische Ärztetag gibt zu bedenken,
dass die Verknüpfung von zwangsläufig
punktuellen Qualitätsindikatoren mit Finanzierungssystemen
zu Fehlanreizen führen muss,
weil sich die Wahrnehmung aller an der Versorgung
Beteiligten einseitig an den zu messenden
Indikatoren ausrichten wird. Resultat
der Ressourcenumverteilung wird sein, dass
wichtige Aspekte der Patientenversorgung vernachlässigt
werden.

Planungsrelevante Qualitätsindikatoren –
Zweckentfremdung von Finanzmitteln

Der 75. Bayerische Ärztetag weist darauf hin,
dass die gemäß Krankenhausstrukturgesetz
geplante Verknüpfung „planungsrelevanter
Qualitätsindikatoren“ mit der Krankenhausplanung
erhebliche Ressourcen der betroffenen
Kliniken binden wird, weil das Ausmaß des Verfahrens
deutlich über das der derzeitigen Qualitätssicherung
hinausgehen wird.

Es besteht die Gefahr, dass erneut Gelder, die
der Krankenversorgung zugedacht sind, für
administrative Aufgaben zweckentfremdet
werden (müssen) und damit der Patientenversorgung
fehlen werden.

Der 75. Bayerische Ärztetag fordert daher den
Gesetzgeber auf, den Krankenhäusern die in
Folge des Gesetzes entstehenden Mehrkosten
zu erstatten.

Bewahrung des freien Arztberufes durch
Minimierung ökonomischer Anreize

Der 75. Bayerische Ärztetag appelliert an alle
Ärztinnen und Ärzte, sich in ihren Verantwor


tungsbereichen dafür einzusetzen, die Problematik
ökonomischer Anreize für ärztliche
Entscheidungen bewusst wahrzunehmen, um
ihnen entgegentreten zu können.

Bürokratieaufwand bei aut idem-Regelung
reduzieren

Die gesetzlichen Krankenkassen und insbesondere
die AOK, werden vom 75. Bayerischen Ärztetag
aufgefordert, den mit der komplexen aut
idem-Regelung explodierenden bürokratischen
Mehraufwand sinnvoll zu reduzieren und den
Apothekern mehr Vertrauen entgegenzubringen.
Insbesondere sollten vom Apotheker abgezeichnete
begründete Zusatzangaben auf
dem Formular im Regelfall ohne Retaxierung
akzeptiert werden.

Oralisierung der Chemotherapie – Anpassung
der Vergütung

Die zuständigen Gremien (Bundesministerium
für Gesundheit, Gemeinsamer Bundesausschuss,
Kassenärztliche Bundesvereinigung)
werden zum wiederholten Male vom 75. Bayerischen
Ärztetag aufgefordert, die onkologische
Honorarabrechnung (in EBM und Onkologievereinbarung)
den geänderten Praxisbedingungen
mit zunehmender Oralisierung und
vermehrter persönlicher Beanspruchung anzupassen.
Weder im EBM noch in der Onkologievereinbarung
sind die persönlich zu erbringenden
Beratungs- und Betreuungsleistungen bei oraler
und subkutaner Zytostatikaverabreichung honorargerecht
abgebild