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Pressemeldungen

05.08.2020 Reinhardt: „Kinder sind kein besonderes Infektionsrisiko“
Pressemitteliung der Bundesärztekammer

 Schulstart unter Corona-Bedingungen

„Kinder und Jugendliche gehören offensichtlich nicht zu den Risikogruppen der Corona-Pandemie. Wir müssen aber verhindern, dass sie durch Kitaschließungen und den stark eingeschränkten Präsenzbetrieb in den Schulen zu besonderen Verlierern der Corona-Krise werden.“ Das hat Bundesärztekammer- Präsident Dr. Klaus Reinhardt in der gegenwärtigen Debatte über die Ausgestaltung des Kita- und Schulbetriebes nach den Sommerferien gefordert.

Um das Infektionsrisiko zu vermindern, seien pragmatische Lösungen gefragt. „Masken in Aufenthaltsräumen und auf Schulhöfen können nützlich sein. Während des Unterrichts beeinträchtigen sie jedoch die Aufmerksamkeit, weil sie auf Dauer körperlich belastend sind. Sinnvoller ist es, besonders große Klassen zu trennen. Wir brauchen eine Bestuhlung mit möglichst großem Abstand, ausreichend Waschbecken und natürlich Seife für die Handhygiene sowie feste Zeiten für regelmäßiges Lüften“, sagte Reinhardt. Außerdem sollten Länder und Kommunen Möglichkeiten für regelmäßige Corona-Tests von Lehrern und Erziehern durch die Gesundheitsämter schaffen.

„Kinder sind keine ‚Keimschleudern‘. Das zeigen auch alle aktuellen Studienergebnisse, wie zuletzt eine Auswertung der Universität Leipzig. Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder und Jugendliche in der aktuellen COVID-19-Pandemie keine herausragende Rolle in der Ausbreitungsdynamik spielen und kein besonderes Infektionsrisiko darstellen. Vielmehr bestätigt die Studie bereits vorangegangene Untersuchungsergebnisse, nach denen bei Kindern und Lehrern nur selten Antikörper auf das Corona-Virus und damit Hinweise auf eine Pressemitteilung der Bundesärztekammer

bereits durchgemachte Infektion festgestellt wurden“, sagte Reinhardt. Insofern stelle der Unterricht auch für Lehrkräfte kein höheres Infektionsrisiko dar, als dies bei anderen beruflichen Tätigkeiten mit zahlreichen Sozialkontakten gegeben sei.

„Die Bundesländer müssen jetzt den Mut haben, unter Einhaltung notwendiger Hygienekonzepte ein möglichst breites Spektrum von Präsenzunterricht in den Schulen sowie Betreuungsmöglichkeiten in den Kitas zu schaffen. Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen, dass dies ärztlich vertretbar ist“, betonte Reinhardt. Gänzlich ausschließen ließen sich Infektionen in Pandemiezeiten zwar nicht. Unter Federführung der Gesundheitsämter könnten aber Stufenkonzepte für ein effektives Ausbruchsmanagement erstellt werden. Damit könnten Infektionsketten an Kitas und Schulen schnell nachvollzogen und unterbrochen werden. Insbesondere bei Infektionshäufungen in der Allgemeinbevölkerung einer Region, ohne direkten Bezug zu einer Kita oder Schule, sollte eine Schließung dieser Einrichtungen immer nur die letzte Option sein.

Sorgen bereiten dem Bundesärztekammer-Präsidenten mögliche Folgeschäden durch Kita- und Schulschließungen. „Heranwachsende haben nicht nur ein Recht auf Bildung, sie brauchen für ihr seelisches und körperliches Wohlbefinden strukturierte Tagesabläufe, Kontakt zu Gleichaltrigen und pädagogisch geschulte Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte“, sagte Reinhardt, der selbst Hausarzt ist. Wenn das nicht gegeben ist, drohten Angststörungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen. Hinzu komme, dass Schulen und Kitas auch Schutzräume für Heranwachsende seien. Bei einem Lockdown müsse davon ausgegangen werden, dass Kinder im Stillen leiden, weil Spuren von Misshandlungen im Verborgenen bleiben. Vor diesem Hintergrund hält Reinhardt die Aufnahme eines Pressemitteilung der Bundesärztekammer weitgehenden Regelbetriebes in Schulen und Kitas für zwingend erforderlich. Im Übrigen forderte er die Wiederaufnahme und Nachholung versäumter Schuleingangsuntersuchungen, um Gewalt und Verwahrlosung frühzeitig zu erkennen.

Reinhardt: „Wir müssen uns bewusst machen, dass Kitas und Schulen mehr sind als Betreuungs- und Bildungseinrichtungen. Sie geben Kindern und Jugendlichen Schutz, Halt und Orientierung. Für die Gesunderhaltung der Heranwachsenden sind sie unerlässlich.“

03.08.2020 Macht eine „Immunthrombose“ das Coronavirus so gefährlich? FAU-Forschende ermitteln Vorgänge bei schweren SARS-CoV2-Verläufen
uni | mediendienst | forschung Nr. 41/2020

Das Coronavirus hat bis Mitte 2020 weltweit mehr als 600.000 Tote gefordert. Die Prozesse im Körper, die eine Infektion mit SARS-CoV2 so gefährlich werden lassen, sind bislang nicht vollständig geklärt. Ein Forschendenteam um Dr. med. Moritz Leppkes von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat jetzt herausgefunden, dass bei Covid-19 bestimmte weiße Blutkörperchen, die neutrophilen Granulozyten, besonders stark aktiviert werden, sich zusammenballen und Netze oder sogenannte Neutrophil Extracellular Traps (NETs) in den Blutgefäßen der Lunge bilden.

Die Blutgefäße verstopfen – und zwar nicht nur durch klassische Blutgerinnungsprozesse, sondern auch durch diese immunologisch bedingten Vorgänge, weshalb die Forscherinnen und Forscher hier zusätzlich von einer Immunthrombose sprechen. Die Folge: Die Sauerstoffversorgung beziehungsweise der Gasaustausch des Körpers ist nicht länger gewährleistet, was schwere Krankheitsverläufe nach sich zieht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden im Fachmagazin „EBioMedicine by The Lancet“ (https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2020.102925).

 Die ausführliche Pressemeldung unter: https://www.fau.de/2020/08/news/wissenschaft/macht-eine-immunthrombose-das-coronavirus-so-gefaehrlich/ 

Weitere Informationen:

Dr. Moritz Leppkes, Lehrstuhl für Innere Medizin I, Tel.: 09131/85-35000, moritz.leppkes@uk-erlangen.de

Wie beeinflusst Corona unsere Vorstellung vom Altern?

FAU-Gerontologinnen und -Gerontologen erhalten Förderung für Corona-Studie

 Das internationale Projekt „Alter(n) als Zukunft“ des Instituts für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat im April eine Begleitstudie zur Corona-Pandemie aufgenommen. Für die Durchführung der Studie „Corona und Alter“ ist es den Projektbeteiligten Prof. Dr. Frieder Lang und Fiona Rupprecht, beide vom Institut für Psychogerontologie der FAU, sowie Prof. Dr. Helene Hoi-Lam Fung von der Chinese University of Hongkong gelungen, zusätzliche Mittel der VolkswagenStiftung einzuwerben. Für eine Laufzeit von 18 Monaten erhalten die Forscherinnen und Forscher eine zusätzliche Förderung in Höhe von 118.900 Euro, um ihre Studie auszubauen. Das Gesamtprojekt wurde bisher bereits mit mehr als 3 Millionen Euro gefördert.

Die Begleitstudie „Corona und Alter“ untersucht die persönlichen Erfahrungen, Einstellungen, Sorgen und Verhaltensweisen bezüglich COVID-19 in Deutschland und Hongkong. Außerdem geht es darum, wie Menschen ihr eigenes Altern wahrnehmen und inwiefern sie sich um ältere Menschen Gedanken machen. Da die Studie in das Projekt „Alter(n) als Zukunft“ integriert ist, kann so erforscht werden, inwiefern sich die Vorstellung des Alter(n)s, das Zukunftserleben und das Vorsorgehandeln für das Alter während und nach der Corona-Pandemie verändern.

 „Die Studie wird dazu beitragen, die Krise und die sozialen Veränderungen, die sie bewirkt, besser zu verstehen“, sagt Prof. Dr. Frieder Lang. „Wenn sich durch die Corona-Pandemie verändert, wie Menschen über die Zukunft denken, wird sich auch verändern, wie sie für sich selbst oder für andere vorsorgen. Daher können wir die Ergebnisse dazu nutzen, die Zukunft des Alterns und die Vorsorge für das Alter in unserer Gesellschaft zu gestalten.“

 Um mögliche Entwicklungen während der andauernden Pandemie zu untersuchen, wird die Online-Befragung über die nächsten Monate hinweg in zeitlichen Abständen wiederholt. Die Teilnahmemöglichkeit und Informationen zu den Zwischenergebnissen gibt es unter: https://www.geronto.fau.de/forschung/alternsbilder/covid-19-studie/

 Weiterführende Informationen zu dem Projekt „Alter(n) als Zukunft“: https://www.phil.fau.de/2020/08/03/wie-beeinflusst-corona-unsere-vorstellung-vom-altern/  

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Frieder R. Lang, Fiona Rupprecht, M.Sc., Institut für Psychogerontologie, ipg-gerotest@fau.de

31.07.2020 Stethoskop um den Hals, aber kein Blatt vor dem Mund - Bundesärztekammer startet Podcast
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Ehrliche, verständliche und hintergründige Gespräche rund um das Thema Gesundheit – das verspricht der neue Podcast „Sprechende Medizin“ der Bundesärztekammer. Gelegenheitspatient Daniel Finger, nebenbei auch Moderator und Wissenschaftsjournalist, stellt die Fragen. Dr. Klaus Reinhardt, Hausarzt und Präsident der Bundesärztekammer, antwortet.

Alle 14 Tage sprechen die beiden über Ärzte und Patienten, Medizin und Politik, Leiden und Linderung, Forschung und Fortschritt. Am 31. Juli geht es im Premieren-Podcast unter anderem um die Frage, warum ökonomisches Denken auch in der Gesundheitsversorgung seinen Platz hat, die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens aber das Patientenwohl gefährdet. „Medizin ist nicht der Versuch, einen Maximalerlös zu produzieren“, stellt Reinhardt klar. Ganz im Gegenteil: Die Renditeerwartungen von Investoren gefährdeten das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis.

Pünktlich zum Ferienende geht es in einer weiteren Folge von „Sprechende Medizin“ um Schulunterricht in Zeiten der Corona- Pandemie. Darum, wie Lehrer und Schüler gesund bleiben können, wie Klassenzimmer nicht zu Hotspots werden und warum die Schuleingangsuntersuchung, die in diesem Jahr ausfällt, unbedingt nachgeholt werden sollte.

Hören können Sie „Sprechende Medizin“ auf der Seite der Bundesärztekammer unter www.blaek.de/podcast und auf allen gängigen Podcast-Plattformen.

 Gern können Sie O-Töne aus dem Podcast auch für Ihre Berichterstattung verwenden. Sollten Sie dabei technische Unterstützung benötigen, melden Sie sich bitte per Mail an podcast@baek.de.

Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer

Der 1960 in Bonn geborene Facharzt für Allgemeinmedizin ist seit 1993 in Bielefeld in einer Gemeinschaftspraxis niedergelassen. Seit 2005 ist er Vizepräsident der Landesärztekammer Westfalen-Lippe. Seit 2011 ist er Bundesvorsitzender des Hartmannbundes. 2015 wurde Reinhardt in den Vorstand der Bundesärztekammer gewählt und ist seit 2019 ihr Präsident.

Daniel Finger

Daniel Finger ist mit Leib und Seele Autor und Moderator mit einem Hang zu Themen rund um Wissenschaft und Digitalisierung. Er ist regelmäßig auf radioeins zu hören, unter anderem in seiner beliebten Sonntags-Sendung Zwei auf Eins.

30.07.2020 Entzündungshemmer senken das Risiko für eine Infektion
uni | mediendienst | forschung Nr. 40/2020

Entzündungshemmende Medikamente sollen laut Erlanger Corona-Studie weiter eingenommen werden.

Die über 2.000 Teilnehmer umfassende Corona-Antikörperstudie des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen wurde nun im renommierten wissenschaftlichen Journal „Nature Communications“ veröffentlicht. Die Wissenschaftler des DZI haben bereits sehr früh mit Antikörpertests gegen das neue Coronavirus begonnen, da viele Patienten mit Erkrankungen wie Arthritis, Darmentzündungen oder Schuppenflechte mit Medikamenten behandelt werden, die in Entzündungsprozesse und damit auch in das Immunsystem eingreifen. Daher bestand Sorge, dass diese Patienten sehr empfindlich auf das neue Coronavirus reagieren. Die Erlanger Forscher untersuchten Probanden auf klinische Zeichen von Atemwegsinfekten, befragten sie zum Kontakt mit Infizierten und testeten sie auf Antikörper gegen das Coronavirus. Gleichzeitig wurde im Rahmen der Erlanger Corona-Antikörperstudie auch eine große Zahl gesunder Probanden untersucht.

 „Wir fanden heraus, dass die Häufigkeit einer Infektion mit dem neuen Coronavirus in der Normalbevölkerung in Bayern derzeit 2,2 Prozent beträgt“, sagt Studienleiter Prof. Dr. med. univ. Georg Schett, einer der beiden Sprecher des DZI und Direktor der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Uni-Klinikums Erlangen. „Dies ist ein vergleichsweise niedriger Wert und vermutlich dem strikten Einhalten der Hygienemaßnahmen sowie der erfolgreichen frühen ,Lockdown‘-Politik in Bayern geschuldet. Interessanterweise zeigen unsere Ergebnisse aber auch, dass neun von zehn Infektionen mit dem Coronavirus unterschwellig und ohne größere Symptome verlaufen. Hierbei ist zu bedenken, dass die Häufigkeit bestätigter diagnostizierter COVID-19-Fälle in Bayern mit 0,3 Prozent bei nur ca. einem Zehntel der Infektionsrate unserer Corona-Antikörperstudie liegt.“

 „Hinsichtlich ihrer Symptomatik zeigten viele Menschen, die Kontakt mit dem neuen Coronavirus hatten, Zeichen von Atemwegssymptomen, die sich grundsätzlich nicht von anderen Atemwegsinfekten unterschieden“, geben Dr. David Simon und Dr. Koray Tascilar von der Medizin 3 des Uni-Klinikums Erlangen zu bedenken. Da Atemwegsinfekte sehr häufig sind und nur ein geringer Teil von ihnen tatsächlich auf das neue Coronavirus zurückzuführen ist, ist es von besonderer Wichtigkeit, solche Symptome angemessen abzuklären und gegebenenfalls eine Virustestung durchzuführen. Geruchsverlust stellt hier möglicherweise eine Ausnahme dar, denn diese Symptomatik zeigte sich bei Menschen mit Antikörpern gegen das neue Coronavirus deutlich häufiger.

Was aber passiert, wenn Menschen entzündungshemmende Medikamente für chronische Erkrankungen wie Arthritis, entzündliche Darmerkrankungen oder Schuppenflechte einnehmen? In diesem Fall lag ursprünglich der Verdacht nahe, dass diese Menschen empfindlicher gegenüber Infektionen mit dem neuen Coronavirus sind. „Dem ist aber nicht so!”, führen Prof. Dr. Markus F. Neurath, DZI-Sprecher und Direktor der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie des Uni-Klinikums Erlangen, und Prof. Dr. Raja Atreya, Oberarzt am DZI und an der Medizin 1, aus. „Patienten mit Morbus Crohn oder der Colitis ulcerosa, die Entzündungshemmer einnehmen, zeigten ein niedrigeres und eben kein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus.“ Zu einem ähnlichen Schluss kommen ihre Kollegen Prof. Dr. Carola Berking, Direktorin der Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen, und ihr Stellvertreter Prof. Dr. Michael Sticherling: „Auch Patienten mit Schuppenflechte, einer der häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Menschen, weisen kein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus auf, wenn sie mit speziellen entzündungshemmenden Medikamenten therapiert werden.“ Ähnliche Ergebnisse wurden auch für entzündliche Gelenkerkrankungen wie die Rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew gefunden, wie die Oberärzte Dr. Arndt Kleyer und Prof. Dr. Gerhard Krönke aus dem Bereich Rheumatologie und Immunologie der Medizin 3 bestätigen.

 Diese Ergebnisse haben eine große Bedeutung für Menschen mit entzündlichen Erkrankungen, denn sie zeigen, dass die Weiterführung der entzündungshemmenden Therapie in Zeiten der Coronavirus-Pandemie im Wesentlichen unbedenklich ist und dass diese Patienten weder aufgrund ihrer Erkrankung noch aufgrund der Therapie zur Risikogruppe für schwere Verläufe der Infektion gehören.

 Die Erlanger Corona-Studie entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Forschern des DZI sowie mit Prof. Dr. Klaus Überla und Prof. Dr. Matthias Tenbusch vom Virologischen Institut – Klinische und Molekulare Virologie des Uni-Klinikums Erlangen. Die Studie wurde durch den Sonderforschungsbereich 1181 der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF-Projekt MASCARA) und die Schreiber-Stiftung unterstützt.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. med. univ. Georg Schett

Tel.: 09131/85-39109

georg.schett@uk-erlangen.de

 

30.07.2020 Sensorschuh hilft Parkinsonpatienten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 77/2020

Das tragbare Sensorsystem „Mobile GaitLab“ erfasst die Gangqualität und wurde jetzt als Medizinprodukt zertifiziert

 Wie sicher bewegen sich Parkinsonpatienten im Alltag und was sagt das über ihren Krankheitsverlauf aus? Antworten auf diese Fragen können die behandelnden Mediziner künftig von „Mobile GaitLab“ erhalten – einem Sensorschuh, der die Gangqualität der Patienten während ihres Alltags kontinuierlich erfasst. Durch die Zertifizierung als Medizinprodukt kann das tragbare Sensorsystem künftig für die Versorgung von Parkinsonpatienten eingesetzt werden. Prof. Dr. Jochen Klucken von der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) des Universitätsklinikums Erlangen entwickelte „Mobile GaitLab“ gemeinsam mit dem Erlanger Start-up-Unternehmen Portabiles HealthCare Technologies sowie Prof. Dr. Björn Eskofier vom Lehrstuhl für Informatik 14 (Maschinelles Lernen und Datenanalytik) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Besonders beim Parkinsonsyndrom ist das Entwickeln einer individuellen Therapie für die Patienten eine große Herausforderung und ein langwieriger Prozess. „Durch das Erheben von kontinuierlichen Parametern zur Gangqualität im Patientenalltag besteht die Möglichkeit ein völlig neues Versorgungskonzept zu entwickeln“, erläutert Prof. Winkler. „Die Zertifizierung als Medizinprodukt belegt die Qualität, den Nutzen und die Sicherheit dieser Lösung und ist für den Patienten ein wichtiges Vertrauensmerkmal.“

 Gangqualität als wichtige Information

Mithilfe intelligenter Technologie stellt das System von „Mobile GaitLab“ klinisch validierte Parameter zur Verfügung, die sowohl dem behandelnden Arzt als auch den Patienten wertvolle Informationen über den Verlauf der Erkrankung liefern sowie ein Feedback zur Wirksamkeit der Therapie geben. „In vielen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die auf diese Weise berechneten Gangparameter sehr gut mit den relevanten Symptomen korrelieren. Dank ‚Mobile GaitLab‘ erhalte ich somit objektive Daten, die es mir ermöglichen, die Patienten zielgerichteter zu behandeln“, berichtet Prof. Klucken. „Auch der Patient kann sich mithilfe der Informationen, die das Sensorsystem liefert, besser einschätzen und erhält durch eine individuell ausgerichtete Therapie eine verbesserte Mobilität“, betont der Experte. Bisher konnte die tragbare Sensorik von „Mobile GaitLab“ Patienten lediglich im Rahmen von Forschungsstudien zur Verfügung gestellt werden. Durch die Zertifizierung als Medizinprodukt ist die Anwendung nun nicht länger auf Studienteilnehmer begrenzt, sondern kann für die Versorgung im Alltag genutzt werden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jürgen Winkler                                                             

Tel.: 09131/85-39324

juergen.winkler@uk-erlangen.de 

 

23.07.2020 Lehren aus der Corona-Pandemie: Bundesärztekammer fordert Personaloffensive für Gesundheitsämter
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Eine der zentralen Lehren der Corona- Pandemie ist die wesentliche Bedeutung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes für den Schutz der Bevölkerung. Dabei hat sich gezeigt, dass die Gesundheitsämter technisch und personell zwingend besser ausgestattet werden müssen“, erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt anlässlich der Veröffentlichung des BÄK-Positionspapiers „Lehren aus der Corona-Pandemie: Dauerhafte Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes dringend erforderlich“.

In einem Schreiben an den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Gesundheitsminister der Länder und die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags begrüßte Reinhardt gleichzeitig den von der Bundesregierung angekündigten Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst. „Dringend erforderlich ist angesichts der erschreckend schlechten personellen Situation des ÖGD insbesondere die Gewinnung ärztlichen Nachwuchses“, forderte Reinhardt darin.

Voraussetzung dafür ist aus Sicht der Ärzteschaft ein arztspezifischer Tarifvertrag. „Die Kollegen in den Gesundheitsämtern sind keine Verwaltungsangestellten, sondern Ärzte. Dies ist entsprechend zu vergüten“, stellte der BÄK-Präsident klar. Nur so könnten Gesundheitsämter mit anderen medizinischen Einrichtungen um hochmotivierte Ärztinnen und Ärzte konkurrieren. Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Für die Bewältigung einer möglichen zweiten (Corona-)Pandemiewelle müssen aus Sicht der Bundesärztekammer folgende Schritte umgehend umgesetzt werden bzw. die Voraussetzungen hierfür geschaffen werden:

1. Zügige Bereitstellung der mit dem „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ beschlossenen finanziellen Mittel, um eine erneute Überlastung des ÖGD zu verhindern.

2. Bei der Einrichtung und dem Betrieb von stationären sowie mobilen Diagnostikeinheiten (Abstrichzentren) während akuter Pandemiephasen sind sowohl der ÖGD als auch Kliniken, Arztpraxen und Kassenärztliche Vereinigungen einzubeziehen.

3. Sicherstellung einer kurzfristigen Unterstützung in akuten epidemischen Lagen, bevorzugt durch medizinisch vorgebildetes Personal.

4. Beständige Sicherstellung der Versorgung des medizinischen Personals aller Versorgungsbereiche mit ausreichend persönlicher Schutzausrüstung.

5. Beschleunigung der Meldeverfahren: Grundlegende Verbesserungen der technischen und digitalen Ausstattung durch eine zügige Umsetzung von DEMIS (Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz) und eine flächendeckende Anbindung des ÖGD.

6. Entwicklung einer geeigneten Impfstrategie.

Damit der ÖGD seine wesentlichen Funktionen als dritte Säule der Gesundheitsversorgung erfüllen kann, müssen darüber hinaus folgende strukturelle Voraussetzungen auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene geschaffen werden:

 Nachwuchsförderung

Um den dringend erforderlichen ärztlichen Nachwuchs zu finden, ist die entscheidende Voraussetzung ein arztspezifischer Tarifvertrag für den ÖGD.

Zusätzlich bedarf es

• der Stärkung des Stellenwerts des ÖGD im Medizinstudium durch eine stärkere Verankerung von Themen des öffentlichen Gesundheitswesens/Public Health in den Ausbildungszielen und -inhalten,

• der Änderung der Approbationsordnung, mit dem Ziel, dass Famulatur und Praktisches Jahr auch beim ÖGD absolviert werden können, und

• der Verstetigung des Einsatzes von Medizinstudierenden im ÖGD (nicht nur in Ausnahmesituationen oder Pandemie-Zeiten).

Mitarbeiterstatistik

Einführung einer bundesweiten, öffentlich zugänglichen Statistik für das ÖGD-Personal, aus der die aktuelle personelle Situation des ÖGD hervorgeht, differenziert nach beruflicher Qualifikation, Pressemitteilung der Bundesärztekammer Stellenanteil sowie dem sich abzeichnenden Nachbesetzungsbedarf.


21.07.2020 Einmalige Entlastungsaktion Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen leitet bundesweite Herstellung eines wichtigen intensivmedizinischen Arzneimittels
uni | mediendienst | aktuell Nr. 75/2020

Mitten in der Krise gehen lebenswichtige Medikamente aus – eine nicht auszudenkende Katastrophe! „Es klingt unvorstellbar, ist aber leider Fakt: Auch bei uns in Deutschland bestehen im Moment teils schwierige Arzneimittelengpässe. Die Corona-Pandemie hat die Situation noch einmal verschärft“, berichtet Prof. Dr. Frank Dörje, Chefapotheker des Universitätsklinikums Erlangen. Eines dieser Medikamente ist Midazolam: überlebensnotwendig für beatmete Patienten auf Intensivstationen – aber derzeit nur eingeschränkt lieferbar. „Der Weltmarkt ist leer gekauft“, schildert Prof. Dörje die aktuelle Lage. „Um die Versorgung in Deutschland sicherzustellen, haben sich die Apotheken zwölf deutscher Krankenhäuser vernetzt und stellen das Sedativum nun selbst her.“ Die beispiellose Entlastungsaktion, die das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. gemeinsam initiierten, wird von Erlangen aus geleitet: Prof. Dörje und sein Team koordinieren die deutschlandweite Produktion und Abgabe, um einen substanziellen Versorgungsengpass zu verhindern.

 „Dass die Bundesrepublik Deutschland im April überhaupt noch zehn Kilogramm des Wirkstoffs kaufen konnte, war eine organisatorische und logistische Meisterleistung“, sagt Ralph Heimke-Brinck, der in der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen den Bereich Arzneimittelherstellung leitet. „Gemeinsam mit professionellen Wirkstoffbeschaffern aus der Industrie sind wir im ständigen gegenseitigen Informationsaustausch auf dem Weltmarkt selbst auf die Jagd nach dem Wirkstoff gegangen. Schließlich erhielten wir ein Angebot aus Israel, wo sich die Corona-Pandemie zu dem Zeitpunkt gerade erst ausbreitete. Nur weil das Bundesministerium den Kaufvertrag binnen Stunden unterschrieb, konnten wir den Wirkstoff aus Israel noch erwerben.“

 Zwölf Herstellungsorte in ganz Deutschland

Prof. Dörje, derzeit ADKA-Präsident, und Ralph Heimke-Brinck, Vorsitzender des ADKA-Ausschusses „Herstellung und Analytik“, holten in kürzester Zeit elf weitere Krankenhausapotheken mit ins Boot. „Ausschlaggebend waren deren Herstellungsmöglichkeiten und -kompetenz“, erklärt Ralph Heimke-Brinck. „Um im Bedarfsfall eine schnelle Belieferung in Not geratener Krankenhäuser gewährleisten zu können, haben wir die Produktionsstandorte strategisch über das ganze Bundesgebiet verteilt.“ An der einmaligen Aktion zur Entlastung der sehr angespannten Situation sind nun Experten für die Arzneimittelherstellung in Krankenhausapotheken aus Dresden, Düsseldorf, Erlangen, Essen, Halle, Köln, Lübeck, Mainz, München, Münster, Nürnberg und Rostock beteiligt. Von der Herstellungsvorschrift über das Etikett und die Gebrauchsinformation bis hin zur Qualitätskontrolle: Die Mitarbeiter der zwölf involvierten Krankenhausapotheken gehen bei der Herstellung identisch vor, um das intravenös zu verabreichende Arzneimittel qualitätsgesichert zu produzieren. „Um alles abzustimmen, saß ich stundenlang am Telefon“, erinnert sich Ralph Heimke-Brinck. „Von Erlangen aus haben wir die Kollegen in anderen Bundesländern beispielsweise auch unterstützt, damit diese möglichst schnell die Erlaubnis der zuständigen lokalen Überwachungsbehörden erhielten, das Medikament herzustellen.“

 „Dass dies alles überhaupt möglich war, verdanken wir unserer sehr guten Vernetzung, unseren Verbandsstrukturen und der dezentral vorgehaltenen Eigenherstellungskompetenz von Krankenhausapotheken in Deutschland“, betont ADKA-Präsident Frank Dörje. „Wir haben ja bereits vor der Corona-Pandemie sehr gut zusammengearbeitet. In Krisenzeiten dann auf ein so großes Engagement und kollegialen Austausch setzen zu können, ist Gold wert.“ So sei es möglich, die Arzneimittelversorgung für Midazolam in der Intensivmedizin bundesweit in der pandemischen Krisenzeit sicherzustellen.

 7.000 Flaschen innerhalb von fünf Tagen

Ziel der Aktion ist es, insgesamt 100.000 Flaschen Injektions-/Infusionslösung Midazolam herzustellen. Mitte Juni war dieses Vorhaben bereits zur Hälfte erreicht. „Da der Wirkstoff länger haltbar ist als das zubereitete Medikament, belassen wir es zunächst dabei und halten die andere Hälfte als Reserve für eine eventuelle zweite Welle im Herbst zurück“, erläutert Ralph Heimke-Brinck. „Bei uns am Uni-Klinikum Erlangen haben sechs Mitarbeiter innerhalb von fünf Tagen 7.000 Flaschen hergestellt. Produziert wurde in unseren Reinräumen nach dem international für die Arzneimittelherstellung gültigen Standard ‚Good Manufacturing Practice‘, kurz GMP. Da wir den Wirkstoff bereits vor einigen Jahren für unser eigenes Uni-Klinikum verarbeitet haben, konnten wir jetzt auf diese Erfahrungen zurückgreifen.“ Die 7.000 Einheiten Midazolam lagern nun in der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen und können von Apotheken anderer Krankenhäuser bei Bedarf bestellt werden.

 Über Midazolam

Midazolam ist ein Benzodiazepin, das auf Intensivstationen zur Sedierung von Patienten eingesetzt wird, die beatmet werden müssen. „Es handelt sich um kein spezielles COVID-19-Medikament“, erklärt Prof. Dörje. „Da Menschen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben und deren Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt, allerdings vergleichsweise lange beatmet werden müssen, ist der weltweite Bedarf im Frühjahr 2020 extrem gestiegen. Das, was wir selbst im März in Erlangen und anderswo miterlebt haben, hat uns drastisch gezeigt, dass Medikamente wie Midazolam für die Patienten überlebenswichtig sind und dass wir Engpässen frühzeitig wirksam entgegentreten müssen. Dass in Deutschland die Krankenhausapotheken in die Bresche springen können und mit ihrer Herstellungsexpertise die Arzneimittelversorgung gewährleisten, verdient höchste Anerkennung.“

 TV-Beitrag am Dienstag, 21. Juli 2020, im ARD-Magazin „FAKT“

Ein Fernsehbeitrag über die einmalige BMG-ADKA-Entlastungsaktion Midazolam i. v. wird am Dienstag, 21. Juli 2020, zwischen 21.45 und 22.15 Uhr im ARD-Magazin „FAKT“ ausgestrahlt. Gedreht wurde auch in der Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen.

 

14.07.2020 Uni-Klinikum Erlangen unter Top-Kliniken im stern-Ranking 2020
uni | mediendienst | aktuell Nr. 74/2020

Hygiene, Sicherheit, Patientenzufriedenheit und Qualitätsmanagement „sehr gut“

 Im Ranking der 150 besten Allgemeinversorger in Deutschland, durchgeführt vom Nachrichtenmagazin „stern“ und dem Marktforschungsunternehmen Statista, erreichte das Universitätsklinikum Erlangen jetzt Rang 11 – hinter dem Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (4), dem Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (6) und dem Uni-Klinikum Regensburg (9), und vor den Uni-Klinika Würzburg (12) und Augsburg (69). Bei den regionalen Kliniken erreichte das Klinikum Nürnberg die Ränge 27 (Nord) und 43 (Süd). Das Klinikum St. Marien in Amberg landete auf Platz 117, die Juraklinik Scheßlitz auf Rang 147.

Auffallend am stern-Ranking: Auf den oberen Plätzen liegen hauptsächlich Uni-Klinika – etwa vor privaten und kommunalen Krankenhäusern. Begründbar ist das bessere Abschneiden der Universitätsmedizin unter anderem mit höheren finanziellen Zuschüssen für Uni-Klinika, mit ausreichend Nachwuchskräften und damit, dass an Universitätskrankenhäusern der wissenschaftliche Fortschritt besonders gut in die Patientenversorgung überführt werden kann – so die Einschätzung von Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel vom Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth, den die stern-Redaktion interviewte.

 Zusammensetzung der Ergebnisse

Die Ergebnisse des stern-Rankings gründen auf drei Säulen: die Online-Befragung von Fachleuten, die Empfehlungen für Krankenhäuser abgeben konnten; die Daten zur Patientenzufriedenheit, die von Krankenkassen erhoben werden, sowie auf medizinische Kennzahlen – teils aus den Qualitätsberichten der Krankenhäuser, teils aus Routinedaten, die die AOK aufbereitet hat, teils aus Qualitätsindikatoren für die Krankenhausplanung.

 Uni-Klinikum Erlangen: sehr hohe Patientenzufriedenheit

Das Prädikat „sehr gut“ bzw. „häufig empfohlen“ erzielte das Uni-Klinikum Erlangen in den Bereichen Patientensicherheit/Hygiene, Qualitäts-/Beschwerdemanagement sowie beim Patientenurteil. „Häufig empfohlen“ bzw. mit „gut“ bewertet wurden die Zahl des Pflegepersonals und die Qualitätssicherung mit Routinedaten; auch das allgemeine Fachurteil für das Uni-Klinikum Erlangen fiel „gut“ aus. Alle Ergebnisse sind nachzulesen in der stern-Ausgabe Nr. 25 vom 10. Juni 2020.

 Weitere Informationen:

Johannes Eissing

Tel.: 09131/85-36102

presse@uk-erlangen.de

13.07.2020 Freund oder Feind? FAU-Forschungsteam klärt, wieso das Immunsystem sich manchmal gegen den Körper richtet
uni | mediendienst | forschung Nr. 36/2020

Wie schafft es das Immunsystem, auf eingedrungene Erreger zu reagieren, ohne dabei dem eigenen Körper Schaden zuzufügen? Und warum richtet es sich manchmal doch gegen ihn? Diesen Fragen ist ein Team des Lehrstuhls für Genetik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken in Erlangen und Regensburg nachgegangen. In Folge bestimmter viraler und bakterieller Infektionen kann es zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen kommen, wie zum Beispiel bei einer Infektion mit Borrelien, die durch Zeckenstiche übertragen werden. Wird die Infektion nicht behandelt, kann es nach Monaten oder sogar Jahren zu Entzündungen der Gelenke oder des Herzens kommen. Eine mögliche Erklärung für diese Spätfolgen ist, dass es das menschliche Immunsystem nicht schafft, die Immunantwort auf den Erreger zu beschränken – und dann auch körpereigenes Gewebe angreift. Das FAU-Forschungsteam hat diese These nun bestätigt: Es hat erstmalig nachweisen, dass ein regulatorisches Protein auf B-Zellen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, eine Schlüsselrolle spielt: Dieses Protein, der inhibitorische Fcg-Rezeptor IIb, kontrolliert die Qualität und Quantität der schützenden Antikörperantwort. Funktioniert der Rezeptor nicht richtig, stellen B-Zellen, die normalerweise schützende Antikörper produzieren, auch Autoantikörper gegen körpereigene Proteine her – und lösen damit eine Gewebeentzündung und Autoimmunerkrankung aus. „Dieser Befund belegt sehr deutlich, wie bereits leichte Abweichungen von den komplexen Regulationsmechanismen der Immunantwort zu einem großen Kollateralschaden führen können“, erklärt Prof. Dr. Falk Nimmerjahn, Lehrstuhl für Genetik.

 Die Ergebnisse der Studie, die eine wichtige Grundlage für das generelle Verständnis von Immunantworten im Rahmen von Infektionen aber auch Impfungen darstellen, wurden im Fachjournal ELIFE veröffentlicht: https://elifesciences.org/articles/55319/figures 

 

13.07.2020 Corona-Pandemie „Produktion von Schutzkleidung und Arzneimitteln zurück nach Europa holen“
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Zu der Ankündigung des Bundeswirtschaftsministeriums, die Produktion von Schutzausrüstung für medizinisches Personal in Deutschland finanziell zu fördern, erklärt die Vize-Präsidentin der Bundesärztekammer, Dr. Ellen Lundershausen:

„Es darf nie wieder vorkommen, dass in einer Pandemie der Schutz von Ärzten und Patienten von in Fernost gefertigten Cent- Artikel abhängt. Wir müssen jetzt die Zeit nutzen, um Produktionskapazitäten für Schutzausrüstung in Deutschland und Europa aufzubauen. Die Ankündigung des Bundeswirtschaftsministeriums, die Produktion von medizinischen Schutzmasken in Deutschland finanziell zu fördern, ist daher eine richtige politische Entscheidung.

Nach Umfragen ist Ärzten und ihren Mitarbeiten im Schutzmasken-Chaos der ersten Infektionswelle massenhaft mangelhafte und auch falsch deklarierte Schutzkleidung zugeteilt worden. Solche Mängel sind keine Petitesse, sie bedeuten für Ärzte und andere Gesundheitsberufe akute Gefahr für Leib und Leben. Solche Mängel müssen dringend ausgeschlossen werden.

Ebenso muss sichergestellt werden, dass es unter Pandemiebedingungen nicht zu Lieferengpässen und Qualitätsdefiziten bei Arzneimitteln kommt. Schon vor der Corona-Pandemie war erkennbar, wie abhängig die Arzneimittelversorgung in Deutschland von Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Arzneimittelherstellern in Asien ist. Um dieser Abhängigkeit entgegenzuwirken, sollte die Bundesregierung die deutsche EU-Ratspräsidentschaft dafür nutzen, die Produktion besonders wichtiger Arzneimittel nach Europa zurückzuholen. Die zuständigen Behörden können ihre Überwachungsfunktion bei Standorten in Europa sehr viel besser ausüben als dies bei Produktionsstandorten in Drittstaaten der Fall ist. Zudem sind kürzere Lieferketten von der Rohstoffherstellung bis zur Ausgabe der Arzneimittel in den Apotheken besser nachvollziehbar.

Die Bundesregierung sollte sich außerdem dafür einsetzen, dass die Produktion in Drittstaaten unter Beachtung menschenwürdiger, auch für die EU geltenden Arbeitsschutz- und Umweltschutzbestimmungen erfolgt. So lässt sich ausschließen, dass Hersteller die Bestimmungen durch Verlagerung der Produktion in Drittstaaten umgehen, nur um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.“

10.07.2020 „Gesundheitsämter jetzt auf künftige Aufgaben vorbereiten“
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Zur Umsetzung des von der Bundesregierung geplanten Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst erklärt die Vize-Präsidentin der Bundesärztekammer, Dr. Heidrun Gitter:

„Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) leisten während der Corona-Pandemie Außerordentliches. Wir sehen aber auch, dass die Beschäftigten in den Gesundheitsämtern an ihre Belastungsgrenze gehen und häufig deutlich darüber hinaus. Nicht zuletzt mit Blick auf ein mögliches Wiederaufflammen der Pandemie in Deutschland müssen wir jetzt handeln und den ÖGD personell und strukturell neu aufstellen. Die von der Bundesregierung im Rahmen des Corona- Konjunkturpaketes beschlossenen Unterstützungsmaßnahmen für den öffentliche Gesundheitsdienst müssen schnell und umfassend umgesetzt werden. Bei der konkreten Ausgestaltung dieser Maßnahmen ist die Expertise der Ärzteschaft mit einzubeziehen.

Die Zeit drängt, denn schon seit Jahrzehnten beobachten wir einen Abbau des Personalstocks bei den Gesundheitsämtern. Dies in Kombination mit einem Trend zur Teilzeitarbeit führt zu einem Mangel an zur Verfügung stehender Arbeitszeit bei den Gesundheitsämtern, insbesondere bei ärztlichem Personal. Auch angesichts des hohen Durchschnittsalters der Ärztinnen und Ärzte im ÖGD besteht dringender Handlungsbedarf. In den kommenden zehn bis 15 Jahren müssen rund 72 Prozent des ärztlichen Personals aus Altersgründen ersetzt werden. Auch das müssen die Verantwortlichen bei der Umsetzung des Konjunkturpaketes im Blick behalten. Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Zu den notwendigen Maßnahmen gehört außerdem eine angemessene Entlohnung. Die Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern sind keine Verwaltungsangestellten, sondern Fachärzte, die einer ärztlichen Tätigkeit nachgehen. Damit der ÖGD dauerhaft personell besser ausgestattet werden kann, ist eine tariflich gesicherte, arztspezifische Vergütung unabdingbar. Nur auf diese Weise können die Gesundheitsämter mit anderen medizinischen Einrichtungen um hochmotivierte Ärztinnen und Ärzte auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren.“

08.07.2020 Guter Rausch, böser Rausch – Alkoholkonsum zwischen Genuss und Sucht“
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Alkohol gehört für viele Menschen in Deutschland zu einem genussvollen Alltag. Oft wird hierbei vergessen, dass es sich bei Alkohol bereits in kleinen Mengen um ein gefährliches, für den menschlichen Körper schädigendes Zellgift handelt. Das 19. Suchtforum zum Thema „Guter Rausch, böser Rausch – Al-koholkonsum zwischen Genuss und Sucht“ wird am 8. Juli 2020 erstmals als Web-Seminar online angeboten. Die Experten warnen einhellig vor einer Verharmlosung des Alkohols als „Kulturgut“ und weisen auf die negativen Folgen des Alkoholkon-sums für jeden Einzelnen und die Gesellschaft hin. Denn, obgleich der Gesamtver-brauch an alkoholischen Getränken in den letzten Jahren zurückgegangen ist, ist Al-kohol in Deutschland nach wie vor Volksdroge Nummer 1.

Für Prof. Dr. med Oliver Pogarell, 1. Vorsitzenden der Bayerischen Akademie für Suchtfragen BAS) ist es deshalb wichtig, aufzuklären: „Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass bereits der genussorientierte Konsum kleinerer Alkoholmengen schädlich sein kann, ist in der Bevölkerung wenig und selbst in Fachkreisen nicht hinlänglich bekannt. Auch hal-ten sich viele Mythen rund um Alkohol hartnäckig, die es aufzuklären gilt: dass Rauschtrin-ken lediglich ein Phänomen des Jugendalters wäre oder dass Alkoholkonsum gesund sei und allgemein das Risiko für Herzerkrankungen verringere oder dass Menschen mit einem niedrigeren sozialen Status mehr konsumierten als solche mit einem höheren Status“

Prof. Dr. Heiner Vogel, Vorstandsmitglied der Bayerischen Landeskammer der Psy-chologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychothera-peuten (PTK Bayern), weist nachdrücklich darauf hin, dass Alkoholkonsum nicht nur dem einzelnen Individuum schadet, sondern auch für immense gesellschaftliche Schäden ver-antwortlich ist: „Etwa jede dritte Gewalttat wird unter Alkoholeinfluss begangen. Alkohol ist für viele vermeidbare Todesfälle, beispielsweise im Straßenverkehr, verantwortlich. Alko-hol ist ein zentraler Risikofaktor für viele Erkrankungen. Jedes Jahr sterben in Deutschland ca. 74.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums beziehungsweise des kombi-nierten Konsums von Alkohol und Tabak und Neugeborene kommen aufgrund Alkoholkon-sums der Mutter in der Schwangerschaft mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen zur Welt.“

Auf Grund dieser Tatsachen unterstreicht Dr. med. Heidemarie Lux, Suchtbeauftragte des Vorstandes der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), dass die Bundesrepub-lik Deutschland eine konsequentere Alkoholpolitik verfolgen müsse: „Die große Mehrheit der verfügbaren wissenschaftlichen Studien weist auf die schweren gesundheitsschädi-genden Konsequenzen übermäßigen Alkoholkonsums hin.

Deshalb sind eine spürbare Verteuerung von Alkohol und die Festsetzung von Mindestpreisen für alkoholische Ge-tränke aus Sicht der Bayerischen Landesärztekammer notwendig, um riskante Formen des Alkoholkonsums in Deutschland zu reduzieren. Ferner fordern wir ein Verbot von Alko-holwerbung, bildliche Warnhinweise auf Alkoholprodukten und ihren Verpackungen und mehr Aufklärungskampagnen über die negativen Konsequenzen des Alkoholkonsums.

Au-ßerdem muss das Verbot der Abgabe alkoholischer Getränke an Jugendliche unter 18 Jahren besser kontrolliert werden.“ Um die Anzahl der Personen zu reduzieren, die wie-derholt alkoholisiert fahren, sollten aus Sicht von Lux ferner sogenannte „Alkolock“-Sys-teme standardmäßig in Kraftfahrzeuge eingebaut werden, die eine Alkoholfahrt grundsätz-lich unterbinden können.

Dr. Sonja Mayer, Vizepräsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer, weist darauf hin, dass es für Apotheker wichtig sei, bei einem Patienten, der ein Arzneimittel ver-langt, eine Abhängigkeit zu erkennen und zu thematisieren: „Gerade wenn der Patient die Problematik bagatellisiert oder gar verleugnet, müssen wir Apotheker - als Arzneimittelex-perten und letzte Prüfinstanz vor der Arzneimittelabgabe - alle wichtigen Aspekte zum frei verkäuflichen oder verschriebenen Arzneimittel im Kundengespräch zu klären. Denn eines ist klar: Bei trockenen Alkoholkranken können bereits geringste Mengen Ethanol im Arz-neimittel den Suchtkreislauf erneut in Gang setzen. Der Apotheker hat in diesem Fall die Aufgabe, alle wichtigen Beratungsaspekte abzuklären und eine patientengerechte Lösung zu finden.“

Das 19. Suchtforum wird gemeinsam von BAS, BLÄK, BLAK und PTK Bayern am 8. Juli 2020 online als Web-Seminar veranstaltet. Zielgruppe sind vor allem Ärzte, Apotheker, Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Mitar-beiter von Suchthilfeeinrichtungen, Suchtberatungsstellen sowie weitere mit dem Thema Abhängigkeitserkrankungen befasste Berufsgruppen.

08.07.2020 Pandemie und Prävention
Pressemeldung der Bayersichen Landesärztekammer

Im aktuellen Leitartikel des Bayerischen Ärzteblatts thematisiert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, die Bedeutung von Prävention für den Schutz vor einer schweren Erkrankung mit dem neuartigen Corona-Virus: „Erfolgreiche Gesundheitsprophylaxe kann zu ei-ner Verbesserung der generellen gesundheitlichen Konstitution jedes Ein-zelnen beitragen und dadurch einen milderen Verlauf der Virusinfektion nach sich ziehen.“

Aktuelle Studien zum Coronavirus zeigten, dass die häufigsten Komorbidi-täten bei einer COVID-19-Infektion chronische Herzerkrankungen, Diabe-tes mellitus sowie nicht-asthmatische chronische Lungenerkrankungen sind – gravierende Beschwerden, die durch eine gesunde Lebensführung aber abgeschwächt oder vermieden werden könnten.

„Sportliche Aktivitäten sind – wie vielfach wissenschaftlich belegt – bei-spielsweise ein wesentlicher Schutzfaktor, um einen guten Gesundheitszu-stand zu fördern und zu erhalten“, erklärt Quitterer. Dies sei umso wichti-ger, da zirka zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutsch-land unter Übergewicht leiden würden – das einen Risikofaktor für Diabe-tes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einige Krebserkran-kungen darstelle.

„Überdies kann auch eine gesunde Ernährung wesentlich zu einer Vermei-dung von Übergewicht und Krankheiten beitragen. Deshalb ist es entschei-dend, den Menschen frühzeitig zielgruppengerechte Ernährungsempfeh-lungen an die Hand zu geben“, führt Quitterer weiter aus. Zahlreiche Stu-dien zeigten außerdem, dass jede Art von Lungenerkrankung bei Rau-chern häufiger und meist schwerer auftrete. Dennoch würden nach Anga-ben des Epidemiologischen Suchtsurveys noch 23 Prozent der erwachse-nen Deutschen rauchen. „Wir sollten unsere Patienten deshalb verstärkt darauf hinweisen, dass Rauchen einen Risikofaktor für einen kritischen Verlauf von COVID-19 darstellt“, rät Quitterer.

Mehr zu „Pandemie und Prävention“ lesen Sie im Leitartikel der Juli/Au-gust-Ausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

03.07.2020 40-Millionen-Euro-Forschungsbau für DZI in Erlangen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 71/2020

Bis 2025 soll das „Center for Immunotherapy, Biophysics & Digital Medicine (CITABLE)“ für Forscher aus FAU und Uni-Klinikum Erlangen fertig sein

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) hat jetzt ein Forschungsgebäude für rund 40 Millionen Euro in direkter Nachbarschaft zum Deutschen Zentrum Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) genehmigt. Das „Center for Immunotherapy, Biophysics & Digital Medicine (CITABLE)“ soll auf dem Nordgelände des Uni-Klinikums Erlangen zwischen Kopfkliniken und Internistischem Zentrum bis Ende 2025 vom Staatlichen Bauamt Erlangen-Nürnberg errichtet werden.

Im CITABLE sollen aktuelle Strategien der Immuntherapie mit neuartigen Analysemethoden der Biophysik und den Möglichkeiten der modernen digitalen Medizin zur Entwicklung und Anwendung neuer Diagnostik- und Therapieverfahren für chronische Entzündungsprozesse kombiniert werden. „Künftig können wir Therapieentwicklung und Patientenversorgung am Uni-Klinikum Erlangen durch den nun genehmigten Forschungsneubau noch enger miteinander verzahnen“, sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät der FAU und Sprecher des DZI, Prof. Dr. Markus Neurath, auf einer Pressekonferenz in Erlangen. Das CITABLE werde in unmittelbarer räumlicher Nähe zur klinischen Patientenversorgung am Internistischen Zentrum mit dem Deutschen Zentrum Immuntherapie und dem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN errichtet. „Durch eine direkte bauliche Anbindung über eine Verbindungsbrücke zum DZI, in dem die klinische Patientenversorgung stattfindet, wird es möglich, einen bidirektionalen, translationalen Forschungsansatz in idealer Weise ‚bed to bench‘ und ‚bench to bed‘ umzusetzen“, erklärte Prof. Neurath.

Studien der vergangenen Jahre würden zeigen, dass Entzündungsvorgänge durch den Einsatz von Immuntherapien mit großem Erfolg behandelt werden können. Allerdings sprächen nicht alle Patientinnen und Patienten auf die bisher verfügbaren Immuntherapien an. Daher sei ein neues molekulares Verständnis dieser Erkrankungen notwendig. „Je besser die immunologischen Vorgänge in den entzündeten Geweben verstanden werden, desto zielgerichteter kann die Auswahl der optimalen individuellen Therapiestrategie erfolgen. Hierbei ist es das Ziel, die Immuntherapie für betroffene Patienten gezielt unter Einbeziehung neuester biophysikalischer Messmethoden und digitaler Analyseverfahren zu entwickeln und auszuwählen“, erläuterte Prof. Neurath. Als erster Meilenstein in diese Richtung wurde 2018 das DZI am Uni-Klinikum Erlangen und an der FAU errichtet, in dem Experten verschiedener Fachdisziplinen Patienten mit chronischen Entzündungen und Krebserkrankungen interdisziplinär behandeln. „Das CITABLE ist nun der zweite zentrale Meilenstein“, sagte Prof. Neurath.

Eines der besten Vorhaben in Deutschland und zentraler Baustein in der Medizinforschung

Laut FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger wird das CITABLE „eine große Anziehungskraft“ auf den neuen Forschungscampus des Uni-Klinikums Erlangen haben: „Das CITABLE wird lokal unmittelbar durch das Forschungszentrum Translational Research Center (TRC) sowie das neue Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin (MPZPM), das die Entwicklung von neuen physikalischen Messmethoden zum Ziel hat, unterstützt und hat hervorragende Kooperationsmöglichkeiten mit verschiedenen Einrichtungen und Medizintechnikfirmen aus der Region.“ Der Antrag für diesen Forschungsbau habe sich in einem „hoch kompetitiven bundesweiten Verfahren“ (Förderung nach Art. 91b Grundgesetz) durchgesetzt und wurde als eines der besten drei Vorhaben in Deutschland ausgezeichnet. „Dieser große Erfolg für den Wissenschaftsstandort Erlangen wurde jetzt durch die Genehmigung der entsprechenden Fördergelder in Höhe von rund 40 Millionen Euro durch die GWK noch einmal unterstrichen“, betonte Prof. Hornegger.

Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, erklärte vor Ort zur Bekanntgabe der Förderung: „Ich freue mich sehr über die Entscheidung der GWK, denn mit dem CITABLE wird in Erlangen ein einzigartiges interdisziplinäres Forschungsgebäude mit dem Charakter eines Leuchtturmprojektes entstehen. Hier wird in unmittelbarer Nähe zur Patientenversorgung erstmals Forschung an der Schnittstelle von Immuntherapie, Biophysik und der Digitalen Medizin ermöglicht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten werden daran arbeiten, bahnbrechende und teils weltweit einzigartige neue Diagnostik- und Immuntherapieverfahren bei Entzündungs- und Krebserkrankungen zu entwickeln – zum Wohle der Patientinnen und Patienten. Das CITABLE eröffnet für die FAU eine langfristige Forschungsperspektive auf international höchstem Niveau und wird zu einer hohen Attraktivität des Standortes für exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt beitragen.“

Patienten mit Krebs und entzündlichen Erkrankungen profitieren

Auch der Ärztliche Direktor des Uni-Klinikums Erlangen, Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, freut sich über die Fördergelder, von denen vor allem auch die Versorgung von Patienten mit Krebs und entzündlichen Erkrankungen am Standort profitieren werde. Chronische Entzündungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Schuppenflechte (Psoriasis) und Rheumatoide Arthritis seien für Betroffene stark belastend und könnten zu erheblichen Komplikationen führen. „Darüber hinaus können chronische Entzündungen oftmals Auslöser für Krebserkrankungen sein und das Wachstum einer Vielzahl von malignen Erkrankungen kontrollieren. Eine frühzeitige Diagnostik und optimierte Therapie dieser Erkrankungen ist daher sehr wichtig“, so Prof. Iro. Patientenproben würden künftig fußläufig vom Patientenbett in ein CITABLE-Labor gebracht, was eine patientennahe Forschung auf höchstem Niveau ermögliche. „Die Mediziner können ihre umfassende klinische Expertise unmittelbar in die Forschung einbringen und Erfolg versprechende Forschungsergebnisse in Form von neuen Therapien im Rahmen von Studien direkt an die Patienten weitergeben“, so der Ärztliche Direktor.

 

02.07.2020 Interdisziplinäres Universitäres Wirbelsäulenzentrum eröffnet
uni | mediendienst | aktuell Nr. 70/2020


Spezialisten für Rückenschmerzen helfen Patienten fachübergreifend bei Schmerzen – eine neue Dimension der Behandlung

 „Mit dem Interdisziplinären Universitären Wirbelsäulenzentrum am Universitätsklinikum Erlangen verbessern wir nachhaltig die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Rückenschmerzen in der Metropolregion“, sagte Prof. Dr. Mario Perl bei der Eröffnung des neuen Zentrums. Prof. Perl, der seit Februar 2019 Direktor der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen ist, ist ebenso wie Prof. Dr. Michael Buchfelder, Direktor der Neurochirurgischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen, Sprecher des neuen Zentrums. „Mit dem Wirbelsäulenzentrum ist es gelungen, die hohe Kompetenz aus Neurochirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie zu bündeln, um Patienten die bestmögliche Therapie auf höchstem universitären Niveau anbieten zu können – sei es konservativ oder operativ“, sagte Prof. Dr. Buchfelder.

 Das Zentrum umfasst zudem Spezialisten aus Neurologie, Neuroradiologie, Anästhesie, Schmerztherapie und Psychosomatik. „Mit dieser Vielzahl an Experten bekommen Patienten an einem Ort zielgerichtet die Diagnostik und Hilfe, die bei jeder Form von Rückenschmerzen die beste ist – hoch professionell und optimal individuell abgestimmt. Diese Zusammenarbeit über Fachgrenzen und Berufsgruppen hinweg ist die Stärke des Uni-Klinikums Erlangen und kommt ab sofort jedem unserer Rückenschmerzpatienten zugute.“ Das Interdisziplinäre Universitäre Wirbelsäulenzentrum ist unter der Telefonnummer 09131 85-40927 zur Sprechstundenkoordination und für Rückfragen erreichbar. Weitere Informationen unter www.wirbelsaeulen-zentrum.uk-erlangen.de.

Kreuzschmerzen sind die Volkskrankheit Nummer eins. Fast jeder Bundesbürger muss während seines Lebens Erfahrungen mit Rückenschmerzen machen – oft sind bereits Kinder und Jugendliche betroffen. Das Krankheitsbild Rückenschmerzen belegt Platz zwei der häufigsten Diagnosen und sogar jeder fünfte 17-Jährige klagt bereits über dauerhafte Rückenbeschwerden. Die meisten plagt der Schmerz im unteren Rücken, dem Lendenwirbelbereich. Doch Rückenschmerz ist nicht gleich Rückenschmerz, die Ursachen können vielfältig sein. Oft vergeht er von selbst wieder, bei einigen Betroffenen entwickelt sich hingegen ein chronischer Schmerzzustand. Viele strukturelle Wirbelsäulenleiden nehmen mit dem Alter zu. „Alters- und verschleißbedingte Veränderungen an der Wirbelsäule sind heute eher die Regel als die Ausnahme. Grundsätzlich kann man aber nie eine Standardtherapie empfehlen. Vielmehr sind individuell angepasste Maßnahmen sinnvoll, die von Physiotherapie über Massagen bis hin zu einer Operation reichen können“, stellte Prof. Perl fest. „Mit unserem neuen interdisziplinären Wirbelsäulenzentrum stehen wir schmerzgeplagten Patienten umfassend und in jedem Fall zur Seite“, sagte Prof. Perl. „Mit den modernsten Techniken stellen wir zunächst eine präzise Diagnose. Gemeinsam mit unseren Patienten entwerfen wir dann einen maßgeschneiderten Therapieplan und begleiten sie mit unserem gesamten Team – Hand in Hand. Oft kann mit konservativen Methoden bereits ein guter Therapieerfolg erzielt werden. Sollte doch einmal eine Operation notwendig werden, können wir neueste operative Methoden mit kleinstmöglichen Eingriffen und kurzen Aufenthaltsdauern bieten.“

01.07.2020 Lehren aus der Corona-Pandemie: Ärzteschaft zeigt Perspektiven für die Zukunft der Gesundheitsversorgung
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 01.07.2020 – „Wir brauchen jetzt den entscheidenden Digitalisierungsschub zur weiteren Bekämpfung der Pandemie. In den letzten Monaten sind viele digitale Angebote entwickelt worden, aber es bleiben Schwachstellen. Wir zeigen in unserem Positionspapier Lösungen und Perspektiven für die digitale Transformation der Medizin auf. Diese kann aber nur gelingen, wenn auch die notwendige Infrastruktur aufgebaut und die entsprechenden Ressourcen freigegeben werden.“ Diese Zwischenbilanz zog Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), bei der Vorstellung des Positionspapiers „Digitale Transformation in der Medizin in Pandemiezeiten“.

„Wir müssen die Versorgung digitaler denken. Die Corona- Pandemie hat gezeigt, dass wir von einem ungehinderten Informationsfluss entlang des medizinischen Versorgungsprozesses noch weit entfernt sind“, betonte Dr. Peter Bobbert, Co-Vorsitzender des BÄK-Ausschusses „Digitalisierung der Gesundheitsversorgung“. Probleme bereite insbesondere der Datenaustausch zwischen verschiedenen Akteuren und Einrichtungen. Abhilfe schaffen könnten aus Sicht der Ärzteschaft unter anderem digitale Melde- und Informationswege, ein plattformübergreifendes Identitätsmanagement für Ärztinnen und Ärzte oder eine sichere Messenger-App zur innerärztlichen Kommunikation, so Bobbert.

„Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus den vergangenen Monaten ist sicherlich, dass Videokonferenzen einen positiven Beitrag zur Pressemitteilung der Bundesärztekammer gesundheitlichen Versorgung leisten können. Das gilt sowohl in der Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten als auch beim kollegialen Austausch“, sagte Erik Bodendieck, der ebenfalls dem BÄK-Digitalisierungs-Ausschuss vorsitzt. Die Ärzteschaft plädiere dafür, diesen Weg konsequent weiterzugehen und eine sichere und zuverlässige Infrastruktur für Videokonferenzen aufzubauen. Auch die vorübergehend eingeführte Möglichkeit zur Krankschreibung nach ausschließlich telemedizinischer Konsultation habe sich bewährt. „Digitale Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten können die Patienten schützen und die Praxen entlasten. Alle sich im täglichen Gebrauch als sinnvoll bewährenden digitalen Anwendungen sollten dauerhaft in die haus- und fachärztliche Versorgung eingeführt werden“, so Bodendieck.

29.06.2020 Warum das Coronavirus ein Nährboden für Verschwörungstheorien ist
Pressestelle FAU

 

FAU-Medienwissenschaftlerin Carolin Lano über Verschwörungstheorien in Corona-Zeiten

 Mit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie haben sich Verschwörungstheorien fast genauso schnell ausgebreitet, wie das Virus selbst. Carolin Lano vom Institut für Theater- und Medienwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) spricht im Interview darüber, warum Corona ein guter Nährboden für Verschwörungstheorien ist und welche Rolle die Medien dabei spielen.

 Frau Lano, warum gibt es so viele Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus?

Beim Coronavirus handelt es sich um eine unsichtbare Gefahr, deren mögliche Folgen uns überwiegend durch die Massenmedien vor Augen geführt werden. Dabei ließ sich beobachten, dass jede Berichterstattungsphase für sich genommen ihre eigenen Unschärfen produzierte, die Verschwörungstheorien wiederum als Steilvorlage dienten: In den ersten Märzwochen etwa dominierte eine Art Verkündigungsjournalismus, der kritische Distanz vermissen ließ. Es bestand scheinbar kaum noch ein Unterschied zwischen den Solidaritätsaufrufen großer Sendeanstalten und den opportunistisch angepassten Werbebotschaften großer Industriekonzerne. Statt wie sonst von ihm erwartet, berichtete der Journalismus nicht kritisch-distanziert, sondern verfiel in eine Haltung, welche die möglichen Folgen der eigenen Berichterstattung über den eigenen Berufsethos stellte. Ähnlich verfahren wird sonst bei Suiziden oder den Regelungen des Opferschutzes, wobei auch nicht alles aufgedeckt wird, was sich berichten ließe. Selbstverständlich entstand dadurch der Eindruck, dass man nicht die ‚ganze Wahrheit‘ erfährt.

 War das der Zeitpunkt, an dem die Kritik an den Maßnahmen des Shutdowns und den Virologen lauter wurde?

Das könnte man so sagen. Ließ das journalistische Vorgehen in der ersten Phase die kritische Distanz vermissen, begann die Berichterstattung in der vorerst letzten Phase einen differenzierteren Blick auf die Folgen des Shutdowns zu werfen. Gleichzeitig wurden die einst zu unfehlbaren Medienorakeln auserkorenen Virologen und ihre Forschung teils unverhältnismäßig diffamiert, wie jüngst Christian Drosten durch die BILD-Zeitung.  Allgemein lässt sich beobachten, dass die Corona-Krise als Medienereignis – das sie unzweifelhaft ist – aus Sicht der Verschwörungstheoretiker den Beweis für eine Verschwörung darstellt. Außerdem sehen diese die Pandemie als Bestätigung bereits vorhandener Erwartungen oder Ressentiments an – was Merkel-Gegner und Impfleugner gleichermaßen auf die Straße lockt. Das Ereignis ist dann nur eines von vielen in einer ganzen Serie, in der sich das Wirken der Verschwörung vermeintlich immer wieder von Neuem manifestiert. Vor allem aber werden wir gegenwärtig immer noch und auch von massenmedialer Seite mit einer massiven Komplexitätsreduktion konfrontiert, wie sie allgemein eigentlich eher der Verschwörungstheorie nachgesagt wird.

 Inwiefern sind soziale Medien hierfür ein Verstärker?

Soziale Medien bieten Foren des niederschwelligen Austauschs und erleichtern das (Mit)Teilen von Informationen, die dabei oftmals aus dem Zusammenhang gerissen werden. Schließlich kann hier jeder senden und das unter Umständen sogar mit noch mehr Glaubwürdigkeit – zumal diese ohnehin im Auge des Betrachters liegt. Wenn noch dazu ein bereits vorhandenes Misstrauen gegenüber etablierten Massenmedien bedient wird, zeigen gezielt gestreute Falschinformationen ihre Wirkung; wie beispielsweise das Bild der angeblichen Särge von Bergamo, das tatsächlich aus Lampedusa von 2013 stammte. Auf Facebook wurde behauptet, diese Aufnahme sei fälschlicherweise von der ARD als Sinnbild für die verheerenden Coronafolgen in Italien missbraucht worden. Im Kern basiert diese Anschuldigung jedoch auf der Erfahrung, dass selbst angesehene Verlagshäuser und Sendeanstalten angesichts undurchsichtiger und sich rasant entwickelnden Nachrichtenlagen zuweilen Meldungen verbreiten, die sich hinterher als unzutreffend herausstellen.  Dabei grenzt es schon sehr an Ironie, dass sich diese Tendenz durch den Zeitdruck der Onlineberichterstattung noch verstärkt. So hat sich mittlerweile eine eigenwillige Mediendynamik in Gang gesetzt: Je mehr Fehler der Presse unterlaufen, umso leichter das Spiel für Verschwörungstheoretiker. Wobei ich soziale Medien weniger als einen Nährboden als vielmehr als ein Triebmittel für Verschwörungstheorien begreifen würde: Die maßgeblichen Ursachen für ihren Erfolg liegen nicht nur in der Kommunikationsform, sondern in deren Wechselwirkung mit der Gesellschaft.

 Gibt die Berichterstattung traditioneller Medien über Verschwörungstheorien diesen nicht noch mehr Reichweite?

Das Problem liegt auch hier wieder tiefer und ist nicht einfach aus der Welt zu schaffen: Berichte über Verschwörungstheorien bringen Quote, erhöhen die Klickzahlen und steigern die Auflage. Sie verfügen mitunter über ein unterhaltsames Faszinationspotenzial und dies wird von massenmedialer Seite gerne für die eigenen Zwecke ausgewertet. Das Verhältnis zwischen Massenmedien und Verschwörungstheorie ist daher stets ambivalent, denn auch Verschwörer leben von den Irritationen, die ihnen durch die Massenmedien – in Form der bereits erwähnten Unschärfen – als Rohstoff zur Verfügung gestellt werden. Eben diese Ko-Abhängigkeit zwischen den beiden kennzeichnet eine unheilvolle Mediendynamik der wechselseitigen Verstärkung.

 Wie sollten Medien darüber berichten?

Selbstverständlich ist es wichtig, dass über Verschwörungstheorien berichtet wird, aber dies sollte möglichst differenziert erfolgen und dabei idealerweise auch die eigene Rolle kritisch hinterfragt werden. Dabei sollte man sich vergegenwärtigen, dass es sich beim Begriff der Verschwörungstheorie stets um eine abwertende Fremdzuschreibung handelt. Die Anhänger nur abzuwerten, bringt aber nichts – im Gegenteil. Die Verunglimpfung als „Verschwörungsspinner“ fungiert wohl eher nur als eine Beruhigungspille. Stattdessen sollte eine fundierte Recherche der wahren Auslöser erfolgen – wie gesagt: Die sozialen Medien mögen zwar Verstärker sein, aber die wahren Ursachen liegen wohl in der Gesellschaft.

 Was kann jeder Einzelne gegen Verschwörungstheorien in sozialen Netzwerken tun?

Das wirksamste Mittel ist nach wie vor die Schulung der eigenen kritischen Urteilsfähigkeit. Um sich im Zweifelsfall zu informieren, empfiehlt sich ein Faktencheck, der zum Beispiel über das Angebot einschlägiger Seiten wie Correctiv.org erfolgen kann. Je mehr seriöse Quellen es für eine Nachricht gibt, umso verlässlicher ihr Inhalt. Auch die Bilderrückwärtssuche kann dabei helfen, die ursprüngliche Quelle zu recherchieren und zu entlarven, wenn etwas aus dem Zusammenhang gerissen wurde, wie im bereits genannten Fall der Särge von Bergamo.

 

24.06.2020 Corona-Krise lässt sich nur gemeinsam überwinden
Presseinformation der Bundesärztekammer

Berlin, 24.06.2020 – Zu dem heute vom Bundeskabinett beschlossenen Programm für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt:

„Deutschland muss die kommenden sechs Monate nutzen, um mit der Europäischen Union Strategien zur Bewältigung der Pandemie und zur Stärkung der Krisen-Reaktionsfähigkeit auf den Weg zu bringen. Wir brauchen europaweit abgestimmte Meldestrukturen bei der Nachverfolgung von Infektionsketten. Wir müssen die jeweiligen Corona-Warn-Apps mit denen der anderen Mitgliedstaaten kompatibel machen. Und wir sollten dringend gemeinsame Konzepte für die Bevorratung, für die Beschaffung und vor allem für die Produktion von Schutzausrüstung, Medikamenten und Impfstoffen erarbeiten. Die Aufgaben für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft sind groß. Die deutsche Ärzteschaft wird sich tatkräftig in die Umsetzung geeigneter Maßnahmen einbringen.

Die Zuständigkeit für die Gesundheitspolitik liegt aus guten Gründen bei den EU-Mitgliedstaaten. Diese Vorgabe steht jedoch nicht einer engeren Vernetzung und Abstimmung bei der Pandemiebekämpfung entgegen. Im Gegenteil: Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um bei der Entwicklung von neuen Medikamenten und Impfstoffen gegen das Virus international bestehen zu können. Für Patientinnen und Patienten insbesondere in grenznahen Regionen brauchen wir ein europäisches Register für freie medizinische Ressourcen sowie einen europäischen Beistandspakt bei drohender Überlastung der Klinikkapazitäten. Ebenfalls erforderlich ist eine zentrale europäische Koordinierungsstelle für grenzüberschreitende Gesundheitsnotfälle, die beim Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) eingerichtet werden könnte.

Allen muss klar sein, dass kein Land, kein Forschungsinstitut und kein Pharmaunternehmen Corona allein bezwingen kann. Europäische Zusammenarbeit auf allen Ebenen ist heute wichtiger denn je.“

22.06.2020 Lebenslang in besten Händen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 65/2020

Uni-Klinikum Erlangen ist als überregionales Zentrum für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler zertifiziert.

Kinder mit angeborenem Herzfehler hatten bis in die 1960er Jahre nur eine geringe Lebenserwartung. Dank der modernen Medizin können diese Kinder nach einer erfolgreichen Erstbehandlung jetzt auch als Erwachsene eine gute Lebensqualität erreichen. Für die spezialisierte medizinische Versorgung von Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH) verfügt Deutschland allerdings nur über wenige zertifizierte Kliniken mit dem erforderlichen Spezialwissen. Das Universitätsklinikum Erlangen erhielt jetzt das Zertifikat als überregionales EMAH-Zentrum und kann damit Kinder mit angeborenem Herzfehler bis ins Erwachsenenalter bestmöglich interdisziplinär versorgen. In Bayern verfügt nur noch das Deutsche Herzzentrum München neben dem Uni-Klinikum Erlangen über ein zertifiziertes EMAH-Zentrum.

Bundesweit weisen jährlich rund 6.000 Neugeborene einen angeborenen Herzfehler auf, also etwa jeder 100. Säugling. Mitte des vergangenen Jahrhunderts starben noch rund 25 Prozent dieser Kinder bei der Geburt oder wenige Tage danach und auch die Überlebensrate während des ersten Lebensjahrs lag nur zwischen 40 und 50 Prozent. Heute ist das dank der weiterentwickelten medizinischen Versorgung zum Glück anders: Säuglinge mit angeborenem Herzfehler haben nach einer erfolgreichen Erstbehandlung sehr gute Chancen auf eine gute Lebensqualität und subjektive Gesundheit bis ins Erwachsenenalter. Laut Schätzungen der Fachgesellschaften leben in Deutschland etwa 300.000 EMAH-Patienten. Sie benötigen während ihrer gesamten Lebenszeit eine interdisziplinäre Versorgung mit besonderer fachlicher Qualifikation durch pädiatrische Kardiologen, Kinderherzchirurgen sowie Kardiologen und Herzchirurgen.

 Interdisziplinäre Versorgung

Diese spezialisierte Versorgung bietet das Uni-Klinikum Erlangen, das von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) und der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) jetzt als überregionales EMAH-Zentrum zertifiziert wurde.

So können EMAH-Patienten beispielsweise unter Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelschwäche, Herzmuskelentzündungen oder Krankheiten der Lunge leiden. Im Erlanger EMAH-Zentrum bündeln dazu die Experten der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr Stephan Achenbach) und der Herzchirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Weyand) ihr Wissen mit dem der Kinderherzchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) und der Kinderkardiologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Sven Dittrich). „Darüber hinaus können wir bei Bedarf Unterstützung von weiteren Spezialisten anfordern“, erläutert Prof. Dittrich. Dem interdisziplinären Expertenteam stehen für die Diagnostik und Therapie am Uni-Klinikum Erlangen neueste Bildgebungsverfahren, OP-Säle und Europas modernstes Herzkatheterlabor zur Verfügung. Die spezialisierten Ärzte unterstützen auch ihre niedergelassenen Kollegen bei der Behandlung von EMAH-Patienten zum Beispiel mit Informationsveranstaltungen und Fortbildungsangeboten.

 Zertifikat EMAH-Kardiologie

Die Qualifikation als EMAH-Kardiologin oder -kardiologe verlangt eine 18-monatige Weiterbildung, die von den drei Fachgesellschaften DGK, DGPK und DGTHG geprüft und zertifiziert wird. Am Uni-Klinikum Erlangen haben derzeit Prof. Dr. Sven Dittrich und Dr. Ulrike Doll (beide Kinderkardiologie) sowie Dr. Ulrike Gundlach (Medizin 2) dieses individuelle Zertifikat erworben. Dr. Tariq Abu-Tair (Kinderkardiologie) hat als erster Arzt des Zentrums seine persönliche Weiterbildung zum EMAH-Kardiologen begonnen Als überregional zertifiziertes EMAH-Zentrum unter der Leitung von Prof. Dittrich ist das Uni-Klinikum Erlangen fortan berechtigt, weitere Ärzte für den Erwerb dieser speziellen Qualifikation auszubilden.

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Sven Dittrich, Tel.: 09131 85-33750, sven.dittrich@uk-erlangen.de

17.06.2020 Wie beeinflusst bioaktives Glas Immunzellen?
uni | mediendienst | forschung Nr. 29/2020

Forschung an der FAU zu neuen Anwendungsmöglichkeiten von bioaktivem Glas

Eigentlich ist bioaktives Glas ein alter Bekannter. Das Material wurde bereits vor rund 50 Jahren entwickelt. Aufgrund seiner Eigenschaften, die das Knochenwachstum fördern, wird es seither oft in der regenerativen Medizin als Knochenersatzmaterial oder auch in der Zahnmedizin eingesetzt. Darüber hinaus wächst seit einiger Zeit das Interesse an neuen Anwendungsmöglichkeiten im Bereich Weichgewebe. In einer Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini, Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), und PD Dr. Elisabeth Zinser von der von Prof. Dr. Alexander Steinkasserer geleiteten Abteilung für Immunmodulation des Universitätsklinikums Erlangen (UKE) stand dabei die Wirkung bioaktiven Glases auf Immunzellen im Vordergrund. Die Ergebnisse erschienen nun in der Fachzeitschrift Biomaterials Science der Royal Society of Chemistry.*

Das interdisziplinäre Team nun erstmals die Wirkung bioaktiven Glases auf Immunzellen in vitro anhand von dendritischen Zellen, die mit Zink- und Kupferionen aus bioaktivem Boratglas in Kontakt gebracht wurden. Außerdem gingen die Forschenden der antibakteriellen Wirkung des bioaktiven Glases nach. „In manchen Fällen ist eine Immunantwort von Nachteil, zum Beispiel bei Implantaten, die nicht abgestoßen werden sollen, oder auch bei Autoimmunkrankheiten wie Arthritis oder Multiple Sklerose“, erklärt PD Dr. Elisabeth Zinser. „Mit den Ionen aus dem bioaktiven Glas lassen sich die dendritischen Zellen so beeinflussen, dass eine solche ungewünschte Reaktion unterbleibt, ohne jedoch das gesamte Immunsystem lahmzulegen.“

„Für die Anwendung in der Wundheilung kann bioaktives Glas mit Biopolymeren kombiniert werden. Das ergibt ein flexibles, durchlässiges Verbandsmaterial für chronische Wunden, wie sie beispielsweise bei Diabetes entstehen können“, fügt Prof. Boccaccini hinzu. „Die freigesetzten Ionen können darüber hinaus Bakterien abtöten, die die Heilung verhindern und gefährliche Infektionen verursachen.“ Um die Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten bioaktiven Glases, etwa in der Immuntherapie bei Krebs, noch ausführlicher zu erforschen, sind weitere Studien geplant.

*doi.org/10.1039/C9BM01691K

Websites der Institute:

https://www.biomat.tf.fau.de/

https://www.immunmodulation.uk-erlangen.de/ 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini       Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien)

Tel.: 09131/85-28601      aldo.boccaccini@fau.de

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12.06.2020 40.000 Euro für die Erforschung von COVID-19-Immunplasma
uni | mediendienst | aktuell Nr. 62/2020

Manfred-Roth-Stiftung unterstützt Uni-Klinikum Erlangen

Bei besonders schwerwiegenden Krankheitsverläufen nach Infektion durch das Corona-Virus soll das sogenannte Immunplasma den Patientinnen und Patienten helfen, das Virus zu bekämpfen. Das Team um Prof. Dr. Holger Hackstein, Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, gewinnt seit März von bereits genesenen SARS-CoV-2-Infizierten Blutplasma mit Antikörpern gegen das Virus. Die Manfred-Roth-Stiftung unterstützt nun die wissenschaftliche Untersuchung der klinischen Wirksamkeit des Immunplasmas bei Corona-Patientinnen und -Patienten. Dr. Wilhelm Polster und Klaus Teichmann von der Manfred-Roth-Stiftung übergaben deshalb jetzt einen Spendenscheck in Höhe von 40.000 Euro. Die Summe wird durch das Matching-Funds-Programm der Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen auf insgesamt 54.000 Euro aufgestockt.

„Aktuelle wissenschaftliche Daten weisen darauf hin, dass durch COVID-19-Immunplasma eine deutliche Abschwächung der lebensbedrohlichen Verläufe möglich ist“, sagte Prof. Hackstein bei der Scheckübergabe. Die Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen hatte als eine der ersten Einrichtungen in Deutschland die Genehmigung erhalten, Immunplasma für schwer erkrankte COVID-19-Patienten herzustellen. „Wir sind sehr dankbar für diese großzügige Spende der Manfred-Roth-Stiftung, die die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirksamkeit des COVID-19-Immunplasmas nachhaltig unterstützt“, freute sich der Leiter.

Über die Manfred-Roth-Stiftung

Die gemeinnützige Manfred-Roth-Stiftung fördert neben sozialen, kulturellen und bildungsfördernden Projekten auch die wissenschaftliche Arbeit in Forschung und Medizin. Die nach dem 2010 verstorbenen Fürther Unternehmer und Gründer der Handelskette Norma benannte Stiftung folgt damit den Vorgaben Manfred Roths, der schon zu Lebzeiten Projekte für das Gemeinwohl großzügig unterstützte.

Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen

Die Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen fördert die medizinische Forschung, die Aus- und Weiterbildung von Studenten, Ärzten und Wissenschaftlern sowie Belange des öffentlichen Gesundheitswesens und Projekte der Mildtätigkeit. Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 hat die Forschungsstiftung Medizin schon zahlreiche wissenschaftliche Einzelprojekte aus unterschiedlichen Fachbereichen des Uni-Klinikums Erlangen mit insgesamt knapp sechs Millionen Euro unterstützt.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Holger Hackstein

Tel.: 09131/85-36972

trans-sekretariat@uk-erlangen.de

04.06.2020 Neues Leben schenken
uni | mediendienst | aktuell Nr. 59

Am Tag der Organspende am 6. Juni 2020 den Spendern danken – Thomas S. bewahrte seine Frau vor der Dialyse

 Mit dem „Tag der Organspende“ wird in Deutschland jedes Jahr am ersten Samstag im Juni Organspendern und ihren Angehörigen gedacht und gedankt. Einer von den rund 140.000 Menschen, die seit der ersten Transplantation 1963 Organe gespendet haben, ist Thomas S. Vor vier Wochen spendete er seiner Frau Christa eine Niere, nachdem eine Autoimmunerkrankung die Funktion ihrer beiden Nieren sukzessive zerstört hatte. Im Jahr 2019 spendeten bundesweit 1.507 Menschen zu Lebzeiten oder nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe. Dem gegenüber stehen über 9.000 Menschen, die derzeit in Deutschland auf eine lebensrettende Transplantation warten – viele davon jahrelang. Am Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg (Sprecher: Prof. Dr. Michael Weyand) am Universitätsklinikum Erlangen stehen knapp 500 Patienten im Alter von zwei bis 80 Jahren auf der Eurotransplant-Warteliste für Herz-, Nieren- oder Bauchspeicheldrüsentransplantation. Christa S. war eine von diesen Wartenden. Im vergangenen Monat konnte sie dank der Lebendnierenspende ihres Mannes am Uni-Klinikum Erlangen erfolgreich transplantiert werden.

 Als das Ehepaar sich im Juni 2019 beim Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg meldete, hatte sich die Nierenfunktion von Christa S. bereits auf nur noch 9 % verschlechtert. Die Nierenorgane der 45-Jährigen konnten ihre Aufgaben, den Wasserhaushalt des Körpers zu regulieren und das Blut von Schadstoffen zu befreien, nicht mehr ausreichend erfüllen – ihr drohte eine schwere Harnvergiftung infolge ihres endgültigen Nierenversagens. Christa S. würde also bald dauerhaft auf einen Nierenersatz angewiesen sein – entweder auf die Dialyse oder eine Transplantation durch Organspende.

 Beim maschinellen Nierenersatzverfahren, der Dialyse, muss sich der Patient entweder mehrmals täglich eigenverantwortlich selber über einen Bauchfellkatheter reinigen oder sich in einem Dialysezentrum mindestens dreimal wöchentlich jeweils für etwa vier bis fünf Stunden über einen Gefäßzugang dialysieren lassen – eine belastende Prozedur, die die Lebensqualität des Erkrankten und seiner Angehörigen stark beeinträchtigen kann. „Beim natürlichen Nierenersatzverfahren, der Transplantation, kommen grundsätzlich zwei Optionen der Organspende infrage: eine Lebendorganspende einer emotional nahestehenden Person oder eine anonyme post mortem entnommene Organspende aus dem Eurotransplantverbund“, erklärt Prof. Dr. Michael Weyand, Sprecher des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg.

 Dialyse schränkt ein

Die kräftezehrende Blutwäsche bleibt der Mutter von zwei kleinen Kindern nun erspart. „Die meisten Patienten an der Dialyse fühlen sich körperlich stark leistungsgemindert und sozial eingeschränkt. Sie müssen ihren Beruf, Sport aufgeben. Ihr Leben ist getaktet durch die Abhängigkeit von der Dialysebehandlung. Daneben muss man sich an eine kalium- und phosphatarme Diät halten, d. h. auf frisches Obst und Gemüse größtenteils verzichten. Kommt es zum Versiegen der Urinausscheidung, muss außerdem die Trinkmenge trotz gesteigertem Durstgefühl reduziert werden. Und nicht zuletzt ist die Überlebensprognose des Patienten an der Dialyse um ein Vielfaches geringer im Vergleich zum transplantierten – in jedem Lebensalter. Angesichts dieser Aussichten einer persönlichen und familiären Verschlechterung der Lebensqualität hatte sich Ehepaar S. schon frühzeitig mit dem Thema Transplantation und der Möglichkeit einer Lebendnierenspende auseinandergesetzt“, erklärt Dr. Katharina Heller, Oberärztin des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg. Christa S. wurde nach ausführlicher medizinischer Untersuchung im Hinblick auf ihre Transplantabilität bei Eurotransplant auf der Warteliste für Nierentransplantation registriert. Das ist Voraussetzung, auch wenn ein Angehöriger zeitgleich zu einer Lebendspende bereit ist.

 Lebendspender muss gesund sein

Auch Thomas S. musste sich als potenzieller Lebendnierenspender „von Kopf bis Fuß“ einer eingehenden medizinischen, immunologischen und psychosomatischen Untersuchung am Transplantationszentrum unterziehen. Abschließend stellte sich der 52-Jährige mit seiner Ehefrau der Lebendspenderkommission vor, um zu bestätigen, dass seine Spende freiwillig ist und ein Organhandel ausgeschlossen werden kann. Voraussetzung für eine Lebendnierenspende ist eine gute Prognose im Hinblick auf die dem Spender verbleibende Nierenfunktion und seine Lebensqualität. Der Spender wird über die Lebendspende hinaus lebenslang vom Transplantationszentrum begleitet und nachgesorgt.

 Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg am Uni-Klinikum Erlangen

Neben der Transplantation von Nieren, unter anderem durch Lebendspende, werden Herz- und Bauchspeicheldrüsentransplantationen ausschließlich durch postmortale Organspenden durchgeführt. Patienten, die nach ihrem Tod die eigenen Organe spenden möchten und deren Angehörige werden am Uni-Klinikum Erlangen durch ein speziell geschultes Team aus Ärzten und Pflegekräften begleitet. Hierzu wurde ein rund um die Uhr erreichbarer Rufdienst für Organspende eingerichtet. In Zusammenarbeit mit der https://dso.de/ werden am Klinikum gespendete Organe über Eurotransplant mit hoher Wahrscheinlichkeit lokal und regional vermittelt. Zell- und Gewebespenden wie Knochenmark- und Hornhautspenden werden nicht über Eurotransplant sondern durch das Uni-Klinikum Erlangen vermittelt. So bekamen 2019 beispielsweise 760 Patienten ihre Sehfähigkeit durch eine transplantierte Hornhaut wieder zurück, fünf Menschen wurde dank eines Spenderherzens ein neues Leben geschenkt.

 Weitere Informationen:

Dr. Katharina Heller

Tel.: 09131 85-36025

tx-geschaeftsstelle@uk-erlangen.de

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04.06.2020 Infektionsketten und Corona-App


Im aktuellen Leitartikel des Bayerischen Ärzteblatts schreibt Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), wie wichtig die Nachverfolgung der Infektionsketten bei Covid-19-Erkrankun-gen ist und wie die sogenannte Corona-App dabei helfen könne. „Eine Tra-cing-App ist eine gute Unterstützung für die notwendige Nachverfolgung von Infektionsketten, wenn sie technisch funktioniert und die Mindestteil-nehmerzahl erreicht wird. Erst dann kann die Tracing-App auch die ge-wünschte Wirkung zeigen“, erklärt Rechl.

Wobei auch schon eine geringere Teilnehmerzahl helfen würde, da die Nachverfolgung von Kontakten dadurch erleichtert werde. Wenn durch die App potenziell Infizierte schnell identifiziert und getestet werden können helfe das, die Kontaktbeschränkungen schneller zu lockern und auch in den Arztpraxen wieder für mehr „Normalität“ zu sorgen. Jetzt komme es noch auf das Tempo an. Je schneller die App eingesetzt werden könne, umso besser kann die gewünschte Kontaktnachverfolgung durchgeführt werden. „Die App ist sicher kein Allheilmittel, sie kann nur ein Baustein in der Pandemiebekämpfung sein“, meint Rechl. Wenn sich mit der App die Auswirkungen der Pandemie einbremsen lasse, dürfte auch die notwen-dige Akzeptanz in der Bevölkerung erreichbar sein. Die schnelle Durchdrin-gung Deutschlands mit Mund-Nasen-Schutzmasken zeige, dass das mög-lich wäre.

Das zu langsame Tempo der Digitalisierung in der Medizin werde seit Jah-ren kritisch diskutiert, eine effiziente Anti-Corona-App wäre ein Zeichen für einen sinnvollen Einsatz der Digitalisierung zum Schutz von Leben und Gesundheit. „Um die notwendige Akzeptanz und Beteiligung in der Bevöl-kerung zu erreichen braucht es auch die Unterstützung von uns Ärztinnen und Ärzten. Nur wenn wir mithelfen und unseren Patientinnen und Patien-ten die Nutzung der Tracing-App empfehlen, kann die notwendige Mindest-beteiligung erreicht werden“, fordert Rechl.

Mehr zu „Infektionsketten und Corona-App“ lesen Sie im Leitartikel der Ju-niausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerz-teblatt.de.

Pressestelle

03.06.2020 „Gesundheit erlangen“: kleine Patienten im Fokus
uni | mediendienst | aktuell Nr. 57/2020

 

Sommerausgabe des Gesundheitsmagazins informiert über Kindergesundheit

Was sollten Eltern tun, wenn ihr Kind über starke Bauchschmerzen klagt? Welche Impfungen werden wann empfohlen? Wie laufen Operationen bei kleinen Patienten ab? Was ist zu tun, wenn Kinder Angst vorm Arzt haben, und dürfen Heranwachsende ohne Weiteres Medikamente für Erwachsene einnehmen? Diese und weitere Fragen beantworten Experten der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) und der Kinderchirurgischen Abteilung (Leitender Kinderchirurg: Dr. Manuel Besendörfer) des Universitätsklinikums Erlangen in der Sommerausgabe des kostenlosen regionalen Gesundheitsmagazins „Gesundheit erlangen“. Das Heft wird aktuell in Erlangen und Erlangen-Höchstadt verteilt – überall am Uni-Klinikum Erlangen, aber unter anderem auch in Apotheken und Arztpraxen.

 Weiterhin erfahren die Leser von „Gesundheit erlangen“, warum der neue Spiral-Brust-Computertomograf am Uni-Klinikum Erlangen die Brustuntersuchung für Frauen deutlich entspannter macht und wie Panikattacken begegnet werden sollte. Zudem beantwortet die aktuelle Ausgabe die Kinderfrage „Warum muss ich schlafen?“ aus ärztlicher Sicht. Pflegekraft Sarah Schwarmat aus der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) des Uni-Klinikums Erlangen erklärt den besten Umgang mit aggressivem Verhalten und erläutert, welche Maßnahmen deeskalierend wirken. „Der besondere Fall“ schildert diesmal die Rettung eines kleinen Jungen am Uni-Klinikum Erlangen, der wegen eines Notfalls eingeliefert wurde, der meist nur Erwachsene betrifft. Weiterhin gibt es eine Reihe von Sommerthemen: Was tut eigentlich ein Tauchmediziner? Wie lässt sich ein erfrischendes Kombucha-Getränk selbst herstellen? Welche neuen Immuntherapien gibt es gegen Hautkrebs? Und wohin mit der Obst- und Gemüseernte aus dem Garten?

 „Gesundheit erlangen“ ist auch online unter http://www.gesundheit-erlangen.com zu finden und kann per E-Mail an gesundheit-erlangen@uk-erlangen.de abonniert werden.

 Weitere Informationen:

 Franziska Männel

Tel.: 09131 85-46670

gesundheit-erlangen@uk-erlangen.de

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02.06.2020 Präzisionsmedizin – Wunderwaffe oder Kostenfalle?
Pressemedlung der Bundesärztekammer

Berlin, 02.06.2020 – Welche Chancen und Risiken birgt die Präzisionsmedizin? Diese Frage beantwortet die Bundesärztekammer (BÄK) in der von ihrem Wissenschaftlichen Beirat erarbeiteten Stellungnahme „Präzisionsmedizin – Bewertung unter medizinisch-wissenschaftlichen und ökonomischen Gesichtspunkten“.

Die Präzisionsmedizin, die auch als individualisierte oder personalisierte Medizin bekannt ist, weckt Hoffnung auf neue Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten. Nicht zuletzt in der Onkologie konnte der Einsatz von molekularen, genetischen und proteomischen Biomarkern des einzelnen Patienten bemerkenswerte therapeutische Erfolge erzielen. Dem gegenüber stehen die Sorge vor einer mangelnden Evidenzbasierung aufgrund geringer Fallzahlen und die Kritik an den hohen Therapiekosten.

„Wir müssen uns immer wieder neu die Frage stellen, wie die Versorgungsqualität mit Hilfe des medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts weiterentwickelt werden kann, ohne das Gesundheitssystem finanziell zu überfordern. Die vorliegende Stellungnahme ist ein wichtiger Beitrag zu dieser Debatte. Und sie sollte nicht allein in Fachkreisen geführt werden“, sagte BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt.

Verfasst wurde die Stellungnahme im Auftrag des Vorstands der BÄK von einem Arbeitskreis des Wissenschaftlichen Beirats unter der gemeinsamen Federführung von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Manfred Dietel und Prof. Dr. rer. nat. Heyo Kroemer.  

Sie verdeutlicht anhand erfolgreicher Behandlungsbeispiele in der Onkologie, Infektiologie, Pneumologie und Neuropädiatrie die aktuellen Entwicklungen und zeigt zukünftige Potenziale auf. Zudem geht sie auf die Befürchtung ein, dass aufgrund der teilweise geringen Fallzahlen wissenschaftliche Evidenzstandards unterlaufen werden könnten. Prof. Dr. Dr. Peter Scriba, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK, stellt klar: „Vor dem Einsatz in der klinischen Routine ist der Nachweis des Nutzen- und Schadenspotenzials von Verfahren und Arzneimitteln der Präzisionsmedizin durch belastbare klinische Studien, idealerweise prospektiv randomisierte Studien, erforderlich.“

Die Sorge vor den hohen Behandlungskosten teilen die Experten indes nicht. „Zumindest aktuell scheinen die mit der Präzisionsmedizin verbundenen Kosten die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems nicht in Frage zu stellen“, schreiben sie in der Stellungnahme. Trotzdem sei es notwendig, Einsparmöglichkeiten zu nutzen. Denkbar seien beispielsweise am Anwendungsnutzen orientierte Arzneimittelpreise. Zudem verweisen sie auf die unterschiedliche zeitliche Dynamik von Kosten und Einsparungen: „Während Behandlungskosten in der Regel direkt anfallen, treten Einsparungen durch vermiedene Erkrankungsfolgen oder vermiedene Behandlungen häufig erst nach Jahren ein.“

Stellungnahme "Präzisionsmedizin: Bewertung unter medizinisch-wissenschaftlichen und ökonomischen Gesichtspunkten"

bitte den Text der Pressmeldung reinkopieren

01.06.2020 Besuch von 70 fröhlichen Luftballons
uni | mediendienst | aktuell Nr. 56/2020


Originelle Spendenaktion macht schwer kranken Kindern eine Freude

 Drei befreundete Unternehmer – eine tolle Idee: 70 knallgelbe Luftballons mit lustigen Smiley-Gesichtern erhielten das Kinderpalliativteam und die Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen von drei Schwabacher Firmen geschenkt.

 „Unsere Idee war, allen Menschen eine kleine Freude zu machen, die zurzeit keinen oder nur wenig Besuch von ihren Lieben erhalten dürfen“, erklärte Martina Standecker vom Schwabacher Ingenieurbüro Standecker. Mit ihrem Mann Ben Standecker initiierte sie die gemeinsame Spendenaktion mit dem befreundeten Ehepaar Marco und Martina Rizzoli von der Schwabacher Firma B.O.S. Franken Security GmbH sowie dem ebenfalls befreundeten Jochen Scharf, Inhaber der gleichnamigen Schwabacher Unternehmensgruppe.

 Gemeinsam überbrachten die Inhaber der drei Firmen die 70 Luftballons an Vertreter des Kinderpalliativteams und der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen. Insgesamt verteilten sie auf diese Weise mehr als 500 Ballons an diverse Einrichtungen für Senioren, Kinder und Jugendliche sowie für Menschen mit Behinderungen in der Region. „Wir freuen uns sehr, dass wir diese überraschende Freude auch an die Kinder und Jugendlichen in unserer Klinik

weitergeben dürfen“, dankte Prof. Wölfle den fröhlichen Spendern. Viele der 70 Smiley-Luftballons gehen jetzt noch einmal auf die Reise: Dr. Chara Gravou-Apostolatou und Michelle Dotzauer vom Erlanger Kinderpalliativteam werden sie bei ihren Hausbesuchen als fröhliche Gabe für schwerstkranke Kinder dabeihaben, um auch ihnen ein Lächeln zu schenken.

  Weitere Informationen:

 Dr. Chara Gravou-Apostolatou

Tel.: 09131/85-35982

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27.05.2020 Reinhardt: „Tabakwerbeverbot schnell und umfassend umsetzen“
Pressenachricht der Bundesärztekammer

BÄK unterstützt Weltnichtrauchertag am 31. Mai 2020

Berlin, 27.05.2020 – „Es ist gut und richtig, dass der Gesetzgeber
endlich ein Verbot von Tabakwerbung auf den Weg bringen will.
Angesichts von rund 120.000 Tabaktoten jährlich brauchen wir
umfassende Regelungen, die möglichst schnell umgesetzt und
kurzfristig wirksam werden.“ Das sagte Dr. Klaus Reinhardt,
Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), vor der ersten Lesung
des Gesetzentwurfs für ein Tabakwerbeverbot am kommenden
Freitag im Deutschen Bundestag.

Reinhardt betonte, dass Ärztinnen und Ärzte tagtäglich mit den
gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen des Tabakkonsums
konfrontiert seien, unter anderem bei der Behandlung von
Krebserkrankten, von Herz-Kreislauf-Patienten oder von Patienten
mit schwerwiegenden Atemwegserkrankungen. „Rauchen ist eine
Suchterkrankung und es ist höchste Zeit, gerade junge Menschen
vor dem Rauchen und den damit verbundenen schwerwiegenden
Gefahren für die Gesundheit zu schützen“, sagte der BÄK-Präsident.

Viele Studien belegten, dass Tabakwerbung insbesondere bei
Kindern und Jugendlichen die Attraktivität von Tabakprodukten
erhöht. Auch für abhängige Raucher setze Werbung ständig
Schlüsselreize, die einen Ausstieg aus der Sucht erschwerten.
Reinhardt verwies in diesem Zusammenhang auf den
Weltnichtrauchertag am 31. Mai 2020. Er steht in diesem Jahr
unter dem Motto „Lass Dich nicht manipulieren“.

Dies gelte nicht nur für den Umgang mit Tabakprodukten,
sondern natürlich auch für elektronische Erhitzungssysteme, wie
E-Zigaretten oder E-Shishas. „Derzeit versucht die Industrie, diese
als weniger gefährliche Alternative zu vermarkten. Dabei ist gar
nicht absehbar, welche gesundheitlichen Langzeitschäden mit
ihnen verbunden sind“, warnte Reinhardt. Schon jetzt gebe es
Hinweise auf Schädigungen der Atemwege sowie des Herz-
Kreislaufsystems. „Zudem beobachten wir mit Sorge, dass
Jugendliche durch E-Zigaretten an das Rauchen bzw. eine
Abhängigkeit vom Nikotin herangeführt werden. Auch für
elektronischen Verdampfer sollten daher Außenwerbeverbote
möglichst schnell und zeitgleich mit den Regelungen für
Tabakprodukte in Kraft treten“, so Reinhardt.


Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
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presse@baek.de

27.05.2020 12.000 Euro für Fahrzeug Nummer fünf Spende an Tigerauge e. V. für die Unterstützung des Kinderpalliativteams
uni | mediendienst | aktuell Nr. 50/2020

Die Feier zu seinem 50. Geburtstag im März 2020 musste Markus Kugler coronabedingt absagen. Zu Geldgeschenken sagte der Geschäftsführer der Feser, Graf & Co. Automobil Holding GmbH in Nürnberg trotzdem nicht Nein. Doch die Spenden waren nicht für ihn selbst bestimmt, sondern für sterbenskranke Kinder und ihre Familien: „Ich persönlich habe auf Geschenke verzichtet und stattdessen um Unterstützung für den Verein Tigerauge gebeten, der die Kinderpalliativversorgung in Erlangen schon sehr lange unterstützt“, erklärte Markus Kugler bei der Spendenübergabe. Auf diese Idee kam er durch das Schicksal eines sehr guten Freundes. Dieser hatte „Tigerauge: Initiative Kinderhospiz Nordbayern e. V.“ bereits seit vielen Jahren unterstützt, als 2019 seine eigene Tochter schwer erkrankte und vom Kinderpalliativteam des Universitätsklinikums Erlangen betreut werden musste – bis sie im Herbst 2019 an einem Hirntumor starb. Nun überreichten Markus Kugler und Gesellschafter Uwe Feser als Vertreter der Uwe-Feser-Kinderstiftung die „Geburtstagsspende“ in Höhe von 12.000 Euro. Dr. Dorothea Hobeck, Vorsitzende des Vereins Tigerauge, freute sich sehr. Mit ihrem Verein fördert Dr. Hobeck kontinuierlich die Arbeit des Kinderpalliativteams.

 

„Wir wollen von dem Geld ein fünftes Auto für unsere Hausbesuche anschaffen“, wünschte sich Dr. Chara Gravou-Apostolatou, Leiterin des Kinderpalliativteams, bei der Scheckübergabe. Die Mitglieder des ambulanten Teams, bestehend aus Ärztinnen, Pflegekräften, Psychologen, Seelsorgerinnen, Sozial- und Kunstpädagoginnen, haben bis heute mit ihren vier Fahrzeugen über 700.000 Kilometer in ganz Mittel- und Oberfranken zurückgelegt; 2.000 bis 3.000 Kilometer fahren sie pro Woche – auch während der Corona-Pandemie. Versorgt werden durchschnittlich 35 bis 40 Palliativpatienten – vom schwerst herzkranken Säugling bis hin zum jungen Erwachsenen mit Mukoviszidose. Zudem engagiert sich das Kinderpalliativteam sehr stark für das Wohlergehen von Eltern und Geschwisterkindern. „In Zeiten von Corona haben es Familien mit kranken Kindern doppelt schwer“, so Dr. Hobeck vom Verein Tigerauge. „Die Eltern müssen sich um ihr krankes Kind kümmern, haben jetzt vielleicht aber auch noch ein gesundes Klein- oder Schulkind zu Hause zu betreuen, haben mit Kurzarbeit, finanziellen Engpässen und anderen Sorgen zu kämpfen. Wir müssen diese Familien gerade jetzt stärker unterstützen“, forderte sie. Dabei liegt ihr insbesondere „KofferRaum“ am Herzen – ein kunstpädagogisches Projekt, bei dem die Geschwister von lebensverkürzt erkrankten Kindern kreativ ausdrücken, was ihnen gerade wichtig ist, und so ihre Trauer verarbeiten. Dafür bekommen sie separate Hausbesuche von einer Kunstpädagogin. Dorothea Hobeck bedankte sich bei Markus Kugler und Uwe Feser für die großzügige Spende. „Sie haben uns in der Vergangenheit bereits mit zwei Fahrzeugen für das Kinderpalliativteam unterstützt und sind nun erneut eine große Hilfe für die betroffenen Familien!“, sagte sie.

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26.05.2020 Psyche in Alarmstufe Rot - FAU-Psychologe über die Auswirkungen des Shutdowns
Universitaet Erlangen-Nuernberg - Pressestelle

Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverbote, geschlossene Kindergärten und Schulen, Homeoffice, Kurzarbeit oder Jobverlust. Von einem Tag auf den anderen fanden sich die Menschen in Deutschland in einer extremen Ausnahmesituation wieder. Welche Folgen solche Belastungen auf uns haben können und wie man diesen begegnen kann, darüber Prof. Dr. Joachim Hornegger mit Professor Dr. Matthias Berking, der an der FAU den Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie leitet.


„Die Psyche schaltet in Alarmstufe Gelb oder Rot“, beschreibt Berking die Auswirkungen des Shutdowns. Denn Corona hindere uns in vielfältiger Weise daran, bestimmten Grundbedürfnisse nachzukommen wie materielle Existenzsicherung, körperliche Unversehrtheit, Orientierung, Kontrolle über unser Tun, persönliche Freiheit, Bindung, positive Erlebnisse wie Essen gehen oder Sport. Das löse Stresszustände aus, die sich wiederum in körperlicher Anspannung, Schlafstörungen etc. niederschlagen.

Auch die gesellschaftliche Spannung ließe sich, laut Berking, leicht erklären. „Nach dem ersten Schock treten andere Bedürfnisse wieder in den Vordergrund. Diese können aus persönlichen Interessen resultieren, wie kranken Eltern, die besonderen Schutz benötigen, oder dem Wunsch nach mehr persönlicher Freiheit.“  Der Punkt sei, mit welcher Aggressivität in der diese Diskussionen ausgetragen werden. Berking plädiert für Verständnis und dafür, sich in andere Sichtweisen hineinzuversetzen, weil die Anliegen anderer durchaus legitim seien.

Im Gespräch mit dem FAU-Präsidenten erläutert Professor Berking außerdem, was die unsichtbare Gefahr um uns herum mit uns macht und gibt Tipps gegen Corona-Stress. 

Eine Übersicht aller Videotalks ist zu finden unter: https://www.fau.de/corona/videos/


Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auch auf unserer Rubrik „Nachgefragt“ vorbei – dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/ 

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25.05.2020 Forschungsstarker Innovationsstandort für KI und Medizin
Pressemeldung der FAU

Wissenschaftsminister Bernd Sibler zu Besuch am KI-Gesundheitsknoten Erlangen

Künstliche Intelligenz (KI) und Medizintechnik – zwei Zukunftsthemen, die untrennbar mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) verbunden sind: Seit mehr als 40 Jahren wird hier zu KI geforscht, im Bereich Medizintechnik genießt sie ebenfalls internationales Renommee. Kein Wunder also, dass an der FAU im Rahmen der Hightech Agenda Bayern (HTA) der KI-Gesundheitsknoten angesiedelt wurde. Was für Impulse heute und in Zukunft von dem KI-Gesundheitsknoten zu erwarten sind, davon hat sich der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler bei einem Besuch am 25. Mai selbst ein Bild gemacht.

„Die Etablierung des KI-Gesundheitsknotens Erlangen durch die HTA schafft für die FAU einzigartige Voraussetzungen, um hier einen führenden Forschungsstandort für KI in der Medizin und Gesundheit auszubauen“, sagt FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger. „Die FAU nutzt diese Chance, um Bayern als forschungsstarken Innovationsstandort für KI in Medizin und Gesundheit national und international sichtbar zu positionieren.“

„Die FAU Erlangen-Nürnberg ist traditionell stark sowohl in der Medizintechnik als auch in der KI. Die logische Folge ist, beide Bereiche miteinander zu verknüpfen. Bereits vor der HTA arbeiteten mehr als 60 Lehrstühle und Professuren an für die KI wichtigen Themenfeldern. Ich freue mich, dass wir im Rahmen der HTA zwölf neue KI-Professuren an der FAU einrichten und somit in Erlangen einen starken KI-Gesundheitsknoten knüpfen. Damit setzen wir gerade in Zeiten von Corona ein wichtiges Zeichen: Technologieförderung ist kein Selbstzweck, sondern muss dem Wohl der Menschen dienen“, erläutert der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler.

Bereits heute ist die FAU, und die Metropolregion Nürnberg insgesamt, ein Leuchtturm im Bereich Medizintechnik: So ist der an der FAU angesiedelte KI-Gesundheitsknoten Erlangen eingebettet in das Cluster „Medical Valley“, eine international anerkannte und leistungsfähige Netzwerkstruktur zwischen dem Universitätsklinikum Erlangen, der Medizinischen, der Technischen und der Naturwissenschaftlichen Fakultät der FAU sowie der Medizintechnik- und Gesundheitsindustrie in der Metropolregion mit über 500 Unternehmen. Durch die Hightech Agenda Bayern (HTA) wird der Standpunkt weiter gestärkt und ausgebaut: Insgesamt werden zwölf neue KI-Professuren an der FAU angesiedelt – acht davon am neu geschaffenen Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (AIBE), das den Kern des KI-Gesundheitsknoten bildet. Erst vor wenigen Tagen erhielt die FAU vier weitere neue Professuren aus der HTA: eine im Bereich der sensornahen Informatik und Sprachverarbeitung, eine im Bereich der Nano- und Materialwissenschaften und gleich zwei im Bereich KI in der Medizin.

d.hip: Gemeinsam Digitalisierung in Medizin und Gesundheitswesen voranbringen

Wissenschaftsminister Bernd Sibler war nun nach Erlangen gekommen, um sich selbst ein Bild über die Aktivitäten am KI-Knotenpunkt zu machen. Der „Rundgang“ fand dabei – wie kann es in Corona-Zeiten anders sein – zum Großteil virtuell statt. Wissenschaftsminister Bernd Sibler, FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger und Tobias Zobel, Directing Manager des d.hip, trafen sich jedoch an einem besonderen Ort: in den Räumen der „Digital Health Innovation Platform“ – kurz d.hip: eine Gründung der FAU gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Erlangen, Siemens Healthineers und dem Medical Valley. Ihr Ziel ist es, die Digitalisierung der Medizin und des Gesundheitswesens aktiv voranzubringen und dabei als Plattform für die transdisziplinäre Entwicklung neuer Produkte und Lösungen zu dienen. So wurde beispielsweise am Uni-Klinikum Erlangen ein Datenintegrationszentrum geschaffen, um medizinische Daten der regionalen Projekte und Gesundheitsdienstleister einer nachhaltig strukturierten KI-Analyse zuzuführen. Über das d.hip werden zudem Junior-Professuren für den Bereich Digital Health und Medizinische Datenanalyse finanziert.

Weitere Akteure aus dem KI-Gesundheitsknoten wurden virtuell zugeschaltet: Dr. Bernd Montag, CEO von Siemens Healthineers, erklärte, wie Spitzenforschung im Schulterschluss mit Technologieunternehmen zum Erfolg führt.

Prof. Dr. Andreas Maier, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik 15 (Machine Intelligence) an der FAU, stellte sein durch einen ERC Synergy Grant gefördertes Projekt „4D+nanoSCOPE“ zur Entwicklung eines neuen bildgebenden Verfahren vor. Es soll erstmals Röntgenmikroskopie am lebenden Menschen ermöglichen. Das interdisziplinäre Projekt, das er zusammen mit dem Uni-Klinikum Erlangen und dem Helmholtz-Zentrum in Berlin durchführt, soll das Wissen über Osteoporose revolutionieren und schnellere Therapieerfolge ermöglichen. (Ausführliche Pressemeldung: https://www.fau.de/2018/10/news/wissenschaft/eu-foerderung-zur-entwicklung-eines-neuartigen-roentgenmikroskops/)

Das digitale Angebot in der medizinischen Versorgung für Schwangere verbessern – das ist das Ziel des Projekts „SMART Start“ von Prof. Dr. Björn Eskofier, Lehrstuhl für Informatik 14 (Maschinelles Lernen und Datenanalytik) an der FAU. Zusammen mit dem Uni-Klinikum sollen hier die Grundlagen für einen Ausbau des digitalen Angebots in diesem Bereich erforscht werden. So ließe sich der Aufwand für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen reduzieren, denn für Schwangere könnten so etliche Besuche in der Arztpraxis entfallen. (Ausführliche Pressemeldung: https://www.fau.de/2020/02/news/wissenschaft/smart-durch-die-schwangerschaft/)

Weitere Informationen:

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25.05.2020 Kinder und Jugendliche in der Covid-19-Pandemie nicht isolieren
Pressestelle Bayerische Landesärztekammer

„Schulen und Kitas sollen wieder geöffnet werden“, das fordert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder- und Jugendliche stellten im Gegensatz zu Senioren- und Pflegeheimen keine Hochrisikoumgebung dar. Auch Kinder und Jugendliche mit bestimmten Grunderkrankungen können – nach individueller ärztlicher Abwägung – wieder Schulen und Kitas besuchen. Der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern und die allgemeinen Hygieneregeln stünden dem nicht entgegen. Einem Abstandsgebot könne man umso mehr Rechnung tragen, wenn man die Klassenstärken reduziere.

Zwar stelle das Virus für junge Menschen meist keine akute gesundheitliche Bedrohung dar, doch die psychischen Auswirkungen des „Lockdowns“ könnten in manchen Fällen umso tiefgreifender sein. Gerade kleine Kinder seien eine wichtige Zielgruppe, die im öffentlichen Diskurs nur wenig Gehör finde. „Ganz alltägliche – jedoch aktuell sehr präsente – Probleme wie Langeweile, Einsamkeit und Stress stellen für die Kinder einen Ausnahmezustand dar. Sie leiden besonders unter der Krise. Dabei sind gerade sie durch die Einschränkungen und Veränderungen oftmals besonders belastet“, so der BLÄK-Präsident. „Es fehlen auf der einen Seite soziale Kontakte, auf der anderen Seite Unterstützung“, warnt Quitterer. Familien seien vielfach überfordert und überlastet. Dazu komme eine Schule, die Onlinepräsenz verlange und Kinder mit Arbeitsblättern überhäufe. Das seien alles Faktoren, die die Stressbelastung der Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien erhöhten.

Pressestelle

07.05.2020 Pandemie und Ökologie
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Im aktuellen Leitartikel des Bayerischen Ärzteblatts thematisiert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), neben den Fragen, ob die Fußballbundesliga – mit Covid-19-Tests – wieder anlaufen und es Lockerungen der Besuchsregeln für die Bewohner von Pflegeheimen geben soll, vor allem das Thema Klimaschutz. Was nicht geschehen dürfe: Ökologie und Pandemie gegeneinander auszuspielen. Quitterer: „Der Corona-Shutdown hat uns fest im Griff. Sicherheitsmaßnahmen gegen die Verbreitung des Virus schränken das gewohnte Leben massiv ein – und das weltweit. Für die Wirtschaft ist das ein Desaster. Der wirtschaftlichen Misere könnte eine ökologische folgen, falls international vereinbarte Umwelt- und Klimaschutzziele bei der ökonomischen Aufholjagd nach der Pandemie hintangestellt werden.

 Es würde sich lohnen, sich einmal Gedanken darüber zu machen, wie wir unsere wirtschaftlichen Aktivitäten nachhaltig umgestalten könnten, um unsere vielfältig unser Lebensumfeld zerstörende Produktion zurückzufahren und zugleich Arbeitsplätze in sozial und gesellschaftlich sinnvolleren Tätigkeiten langfristig zu sichern.

 Die Gesellschaft werde nach COVID-19 eine andere sein. „Es erscheint mir unmöglich, einfach die Reset-Taste zu drücken und in den früheren Zustand des Jahres 2019 zurückzukehren. Unsere Gesellschaft benötigt vielmehr eine innovative Zukunftsperspektive, bei der multiple Zielkonflikte zu bewältigen sein werden. Wohin muss sich unsere Gesellschaft entwickeln, um künftig krisenfester zu sein?“, fragt der BLÄK-Präsident weiter.

Dafür sollten notwendige Konjunkturhilfen und Investitionspakete auch ökologische Ziele wie die Klimaneutralität fördern.

 Mehr zu „Pandemie und Ökologie“ lesen Sie im Leitartikel der Maiausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

07.05.2020 Wie ein FAU-Forschungsteam an einem Covid-Impfstoff forscht
Pressemeldung der FAU

Hoffnung auf baldige Normalität?

Wie ein FAU-Forschungsteam an einem Covid-Impfstoff forscht

Nichts Geringeres als die Entwicklung einer passiven Impfung gegen Covid-19 hat sich ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) und ihre Partner vorgenommen. Im Interview mit FAU-Präsident Prof Dr. Joachim Hornegger erklärt Professor Dr. Hans-Martin Jäck, Leiter der Abteilung für Molekulare Immunologie, das ambitionierten Projekt – und auch, warum das Erlanger Team in seiner wissenschaftlichen Arbeit so weit fortgeschritten ist.

Schon 1890 wurde das Prinzip der passiven Impfung erfunden und innerhalb von nur zwei Jahren in die Klinik übertragen – zum Schutz gegen Tetanus. Ziel der Erlanger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute ist es, unter anderem medizinisches Personal, Betreuer in Alten- und Pflegeheimen sowie Hochrisikopatienten zu schützen und schwer an einer Covid-19-Infektion erkrankte Patientinnen und Patienten zu therapieren.

 Ausführliche Informationen zum Projekt gibt es hier:

https://www.fau.de/2020/04/news/wissenschaft/fau-forscher-sind-einer-impfung-gegen-covid-19-auf-der-spur/

 Eine Übersicht aller Videotalks ist zu finden unter: https://www.fau.de/corona/videos/  

 Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auch auf unserer Rubrik „Nachgefragt“ vorbei – dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/ 

      Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/ 

 

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05.05.2020 Vergabe medizinischer Ressourcen im Falle eines Kapazitätenmangels
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Entscheidungen an Indikation, Patientenwillen und Erfolgsaussicht ausrichten

Berlin, 05.05.2020 – „Das Gesundheitssystem in Deutschland ist zum jetzigen Zeitpunkt weit von einer Überlastung durch die Corona-Pandemie entfernt. Dennoch müssen wir personell und strukturell auf eine mögliche zweite Welle vorbereitet sein. Dazu gehört auch, Ärztinnen und Ärzten wichtige rechtliche und ethische Orientierungshilfen zu geben, wenn sie im Fall knapper Behandlungs-kapazitäten schwierige Entscheidungen über die Vergabe medizinischer Ressourcen treffen müssen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt anlässlich der Vorstellung einer Orientierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte zur Allokation medizinischer Leistungen im Falle eines
Kapazitätenmangels.

Nach Überzeugung der Bundesärztekammer (BÄK) handeln Ärztinnen und Ärzte rechtmäßig, wenn sie in einer Situation existentieller Knappheit unter sorgfältiger Berücksichtigung der ärztlichen Berufsordnung und des aktuellen Standes der medizinischen Erkenntnisse einzelfallbezogene Entscheidungen über die Vergabe intensivmedizinischer Ressourcen treffen müssen.

Für den Fall notwendiger Priorisierungsentscheidungen sollten diese so getroffen werden, dass die Erfolgsaussichten mit Blick auf das Überleben und die Gesamtprognose möglichst groß sind und
die meisten Menschenleben gerettet werden könnten. Grundsatz müsse immer sein, dass kein Menschenleben mehr wert sei als ein anderes. „Es verbieten sich Benachteiligungen aufgrund von
zum Beispiel Alter, Geschlecht, Nationalität, Behinderung oder sozialem Status“, so die BÄK. Auch chronische Erkrankungen wie Demenz dürften nicht zu einem pauschalen Ausschluss von
erforderlicher Behandlung führen. Vielmehr müssten die medizinische Indikation, der Patientenwille und die klinischen Erfolgsaussichten zentrale Kriterien für die Entscheidung angesichts knapper Ressourcen sein. Diese würden auch für die Entscheidung über die Fortführung einer Intensiv- oder
Beatmungstherapie gelten.

Die Bundesärztekammer betont in ihrer Orientierungshilfe, dass Patientenverfügungen im Vorfeld einer Erkrankung oder in einer frühen Erkrankungsphase auch und gerade im Zusammenhang
mit der SARS-CoV-2-Pandemie von großer Bedeutung seien. Die BÄK betont außerdem, dass es innerhalb und außerhalb der Bedingungen von Knappheit und Pandemie keine ärztliche
Verpflichtung zur aktiven Lebenserhaltung unter allen Umständen gebe. Ärztinnen und Ärzte würden keine Maßnahmen ergreifen, die unter den individuellen Umständen nicht oder nicht mehr
indiziert sind, heißt es in dem Papier. „Indizierte Maßnahmen werden unterlassen oder begrenzt und eine begonnene medizinische Behandlung wird beendet, wenn dies dem tatsächlichen oder mutmaßlichen Patientenwillen entspricht und dazu dient, einem ohne Behandlung zum Tode führenden Krankheitsprozess seinen Lauf zu lassen. Alle Patientinnen und Patienten können sich auch unter den Bedingungen von Knappheit und Pandemie weiter darauf verlassen, dass das
Handeln ihres Arztes niemals darauf ausgerichtet ist, gezielt den Tod des Patienten herbeizuführen“, so die BÄK.

Im Anhang zu ihrer Orientierungshilfe listet die Bundesärztekammer zudem grundlegende Leitfragen auf, die Kliniken und Ärzte bei einem existentiellen Mangel medizinischer Ressourcen beantworten sollten, um im Ernstfall verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen zu können.

Das Papier kann im Internet abgerufen werden: Orientierungshilfe der Bundesärztekammer zur Allokation medizinischer Ressourcen am Beispiel der SARS-CoV-2-Pandemie im Falle eines Kapazitätsmangels

Pressestelle derdeutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
Tel. (030) 40 04 56-700
Fax (030) 40 04 56-707
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04.05.2020 Riesling für das Immunsystem? Wie Alkohol in Maßen fehlerhafte Immunreaktionen günstig beeinflusst
uni | mediendienst | forschung Nr. 27/2020

Übermäßiger Alkoholkonsum ist schlecht für die Gesundheit. Moderate Mengen von Alkohol können sich aber unter Umständen günstig auf die Gesundheit auswirken. In einer gerade in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Arbeit* zeigt ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), dass Alkohol das Immunsystem in einer sehr spezifischen Art und Weise moduliert und dabei die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen hemmt.


Über die berauschende Wirkung von Alkohol wird viel berichtet. Ein Studienteam um Prof. Dr. Mario Zaiss vom Lehrstuhl für Innere Medizin III der FAU ist einer weniger bekannten Eigenschaft von Alkohol nachgegangen – seiner Wirkung auf das Immunsystem. In der medizinischen Fachliteratur gibt es zahlreiche Hinweise, dass Alkohol ein gestörtes Immunsystem günstig beeinflussen kann: Bereits 1995 wurde berichtet, dass bei Patientinnen und Patienten mit einer transplantierten Leber, die einen moderaten Alkoholkonsum aufweisen, das Risiko einer Abstoßungsreaktion deutlich geringer ist als bei abstinenten Personen. Darüber hinaus haben mehrere große epidemiologische Studien gezeigt, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Risiko für die Entwicklung von Gelenkrheuma, also rheumatoide Arthritis, als auch von Multipler Sklerose senkt. Beide Erkrankungen sind Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem das körpereigene Gewebe angreift und zerstört. Ein wichtiger Faktor in diesem Prozess sind spezielle Immunzellen, die follikulären T-Helferzellen, die in den Lymphknoten und im entzündlichen Gewebe sitzen und Autoimmunreaktionen auslösen.

Wie Alkohol auf das Immunsystem wirkt

In der Arbeit konnte das Team nun erstmals zeigen, wie Alkohol überschießende Immunreaktionen hemmt, die zu Autoimmunerkrankungen wie Gelenkrheuma und Multiple Sklerose führen. Alkohol wird im Körper zum Wirkstoff Acetat abgebaut, welcher die Funktion follikulärer T-Helferzellen und somit Autoimmunkrankheiten hemmt. Dabei reagieren follikuläre T-Helferzellen offensichtlich sehr empfindlich auf Acetat, welches den Stoffwechsel dieser Zellen nachhaltig verändert und die Produktion des Immunbotenstoffes Interleukin-21 unterdrückt. Alkohol in moderaten Mengen wirkt damit nicht generell immunsuppressiv, sondern vielmehr sehr spezifisch auf eine Sorte von Immunzellen, die als Schaltstelle für das erworbene Immunsystem gilt. Prof. Zaiss gibt jedoch zu bedenken: „Die negativen Effekte übermäßigen Alkoholkonsums sollten auch im Lichte dieser Daten nichtsdestotrotz immer bedacht werden, auch wenn moderater Alkoholgenuss positive gesundheitliche Effekte zeigen und gerade bei Autoimmunerkrankungen einen therapeutischen Immuntoleranzeffekt erzeugen kann.“ Dieser Effekt dürfte insbesondere für die klinische Beobachtung verantwortlich sein, dass bei jenen Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis, die regelmäßig Alkohol konsumieren, deutlich seltener Erkrankungsschübe auftreten.

Die Arbeit entstand im Rahmen der Forschergruppe PANDORA sowie des Sonderforschungsbereich SFB1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ an der FAU, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt werden. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind Teil des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen der FAU.

Link zum Sonderforschungsbereich 1181: www.sfb1181.forschung.fau.de

Link zur Forschergruppe PANDORA: www.pandora.for2886.forschung.fau.de

Link zum Deutschen Zentrum Immuntherapie: www.dzi.uk-erlangen.de

* https://doi.org/10.1038/s41467-020-15855-z

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04.05.2020 Hightech Agenda Bayern: FAU richtet KI-Department ein
uni | mediendienst | aktuell Nr. 45/2020

Neue Forschungseinheit „Artificial Intelligence in Biomedical Engineering“ stärkt KI-Gesundheitsknoten Erlangen

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gründet zum 1. Mai 2020 an ihrer Technischen Fakultät unter dem Namen Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (AIBE) ein eigenes Department für Forschung und Lehre zu Künstlicher Intelligenz (KI) im Umfeld Gesundheit. Damit nutzt die Universität die Professuren, die sie im Rahmen der Hightech Agenda Bayern für die Verstärkung des KI-Gesundheitsknotens Erlangen erhalten hat, für ein ganz entscheidendes Stück Hochschulinnovation: Sie verzichtet auf die klassische Lehrstuhlstruktur. Damit schafft die FAU beste Voraussetzungen für internen Austausch und Kooperationen. Besonders wichtig ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Naturwissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät. Die Professuren arbeiten entlang der drei definierten Forschungsbereiche „Prozesse am Menschen“, „Daten, Sensoren und Geräte“ sowie „Medizinrobotik“.

Das neue Department soll auch personell maximale Schlagkraft entwickeln können: Zusätzlich zu den acht Professuren aus der Hightech-Agenda verstärkt die FAU das Department um vier Juniorprofessuren, die thematisch offen ausgeschrieben werden, sowie um vier weitere Juniorprofessuren zum Thema Digital Health.

Thematisch nimmt die FAU mit ihrem neuen Department die großen Herausforderungen im Umfeld digitaler Gesundheitsversorgung ins Visier.

Im Forschungsbereich „Prozesse am Menschen“ forschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an medizinischen Prozessen, etwa in der Präzisionsmedizin oder in der digitalen medizinischen Versorgung im häuslichen Umfeld. Weitere Themen sind die Neurosensorik, personalisierte Therapie sowie digitale Diagnose und Therapie.

Der Forschungsbereich „Daten, Sensoren und Geräte“ widmet sich Themen der Mensch-Technik-Interaktion, so zum Beispiel bei der autonomen und intelligenten Datenakquisition oder bei der Integration, Darstellung und Visualisierung von Daten. Ebenfalls im Fokus stehen Methoden für die Bioinformatik und intelligente Materialien und Sensorik.

Im Forschungsbereich „Medizinrobotik“ schließlich steht neben der medizinischen Robotik – beispielhaft symbolisiert durch Pflege- oder Chirurgieroboter – die intelligente Prothetik im Mittelpunkt. Letzterer Bereich wird bei den Wearable Robotics sichtbar.

AIBE bildet so die Basis für die nachhaltige und sichtbare Etablierung des KI-Gesundheitsknotens Erlangen, wie in der Hightech Agenda Bayern vorgesehen.

Auch die Gesamtorganisation des neuen Departments passt zu dem innovativen Struktur-Piloten. Eine Geschäftsstelle unterstützt das neue Department in der Administration. Im Bereich der Technik arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer gemeinsamen Technik-/Werkstatteinheit zusammen. Weiterhin werden Planstellen, Flächen und Räume nicht mehr, wie bisher in vielen Bereichen der FAU und anderen deutschen Universitäten üblich, Lehrstühlen zugewiesen, sondern sind direkt dem Department zugeordnet und werden von dort aus bestmöglich und höchst effizient eingesetzt.

Dank der KI-Professuren aus der Hightech Agenda Bayern haben wir die einmalige Chance, eine innovative Struktur zu schaffen, die wir uns an der FAU seit Längerem wünschen, die sich aber aus naheliegenden Gründen in einem bestehenden System nicht umsetzen lässt“, sagt FAU-Präsident Joachim Hornegger. „Wir sehen unser neues Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering – kurz AIBE – auch als Pilotversuch für eine zukunftsorientierte, moderne universitäre Organisation. Ich bin mir sicher, unsere KI-Forschung wird durch die Gründung dieses Departments neuen Zuschnitts einen weiteren immensen Schub bekommen.“ Damit profitiere die FAU, so Hornegger, gleich in zweifacher Hinsicht von der Hightech Agenda Bayern – forscherisch und organisatorisch.

Auch für künftige Studierendengenerationen ist die Gründung von AIBE eine gute Nachricht: Das neue Department wird einen neuen konsekutiven Bachelor-/Master-Studiengang Artificial Intelligence (AI) einrichten. Damit schafft die FAU gezielt neue Hightech-Studienplätze für Bayern und KI-Nachwuchs für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Dazu Prof. Dr. Andreas Fröba, Dekan der Technischen Fakultät der FAU: „Die FAU mit ihrer starken Technischen Fakultät ist gerade in den Technikwissenschaften schon jetzt bei Studierenden sehr gefragt. Mit einem Studiengang Artificial Intelligence, der sehr gezielt die unterschiedlichen Perspektiven rund um das große Zukunftsthema KI aufgreift, bietet die FAU hier eine weitere tolle Chance für junge Menschen, genau die Kompetenzen zu erwerben, die unsere Gesellschaft nach vorne bringen und nach denen der Arbeitsmarkt verlangt.“

Weitere Informationen:   Pressestelle der FAU

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22.04.2020 FAU-Forscher sind einer Impfung gegen Covid-19 auf der Spur
uni | mediendienst | forschung Nr. 24/2020

Nichts Geringeres als die Entwicklung einer passiven Impfung gegen Covid 19 hat sich ein Forscherteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) und ihre Partner vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig sowie vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen vorgenommen. Ziel des ambitionierten Projektes ist es, monoklonale Antikörper zu entwickeln, mit denen zum Beispiel medizinisches Personal, Betreuer in Alten- und Pflegeheimen sowie Hochrisikopatienten geschützt werden können. Außerdem könnten sich solche Antikörper eignen, schwer an einer Covid-19-Infektion erkrankte Patienten zu therapieren. Im Rahmen des Förderaufrufs zur Erforschung von Covid 19 wird das interdisziplinäre Projekt vom Bundesforschungsministerium ab Mai mit 500.000 Euro unterstützt.

Bei einer passiven Impfung, wie sie die FAU-Forscher anstreben, werden den Patienten Antikörper injiziert, die sich bei einer möglichen Infektion gegen einen ganz speziellen Krankheitserreger richten. Die Immunität gegen die Krankheit bleibt allerdings nur eine begrenzte Zeit erhalten, da der Körper die Antikörper nach und nach wieder abbaut. Eine aktive Immunisierung bedeutet hingegen, dass den Patienten ein abgeschwächter Erreger oder dessen Bestandteile geimpft werden. Der Körper lernt so, die passenden Antikörper selbst zu bilden und behält diese Fähigkeit bestenfalls ein Leben lang.

„Natürlich ist ein aktiver Impfstoff die bessere Alternative“, erklärt Prof. Dr. Thomas Winkler vom Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin der FAU. „Doch bis dieser zur Verfügung steht, ist ein passiver Schutz eine sehr gute Option für bestimmte Risikogruppen. Wir rechnen bei dieser passiven Impfung mit einem Schutz von etwa zwei bis drei Monaten.“

Wichtige Vorarbeiten bereits abgeschlossen
Mehr als 25 Antikörper, die sich für einen Impfstoff eignen könnten, haben die FAU-Wissenschaftler bisher identifiziert. Die Dringlichkeit ihres Projektes fest im Blick, sind sie bei ihrer Suche zwei Wege parallel gegangen. 

Das Team um Prof. Dr. Thomas Winkler hat die ersten deutschen Covid-19-Patienten, die bereits Ende Januar erkrankten, um Blutproben gebeten und diese analysiert. In den Blutproben von fünf Genesenen haben die Biologinnen und Biologen rund 2.000 verschiedene Antikörpergene identifiziert. Von 20 bisher getesteten Antikörpern sind etwa ein Drittel gegen das Corona-Virus gerichtet. Prof. Dr. Hans-Martin Jäck, Leiter der Abteilung für Molekulare Immunologie, und sein Team haben Antikörper aus genveränderten Mäusen gewonnen. Die Mäuse, die von Prof. Jäck in Zusammenarbeit mit der Biotech-Firma Trianni in Erlangen entwickelt wurden, wurden dazu mit Bestandteilen des Corona-Virus geimpft und bildeten aufgrund ihrer genetischen Veränderung menschliche Antikörper aus. Auch hier wurden bereits 20 Antikörper identifiziert, die gegen das Corona-Virus gerichtet sind.


Die besten dieser Antikörper werden nun von den Virologen der FAU um den Leiter des Virologischen Instituts, Prof. Dr. Klaus Überla, auf ihre Fähigkeit, die Virusinfektion im einem Zellkultursystem zu verhindern, getestet. Dabei sucht das FAU-Team nach einer ganz bestimmten Fähigkeit: Die Antikörper müssen sich an das so genannte Spike-Protein des Covid-19-Virus binden und dieses so möglichst komplett deaktivieren.

Das Spike-Protein ist die schärfste Waffe und gleichzeitig die Schwachstelle des Corona-Virus: Das Virus braucht das Protein, damit es eine Zelle befallen kann. Allerdings können Antikörper das Virus anhand des markanten Spike-Proteins erkennen, sich daran binden und es das Eindringen des Virus in die Zelle verhindern.

Im nächsten Schritt übernehmen die Partner am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen, wo getestet wird, ob die Ergebnisse, die aus Zellkulturen gewonnen werden, sich auch im Tierversuch bestätigen lassen. Die beteiligten Wissenschaftler betonen, dass mit ersten klinischen Studien an menschlichen Patienten frühestens in sechs Monaten zu rechnen sei, betonen die Wissenschaftler. „All dies sind unerlässliche Schritte auf dem Weg, schon bald Patienten mit der möglichen passiven Impfung behandeln zu können, der sicher, verträglich und vor allem wirksam ist“, sagt Professor Winkler. „Entscheidend ist allerdings auch, dass wir zeitnah Biotech- oder Pharmafirmen mit Erfahrung in der Herstellung und Zulassung von Antikörper-Therapeutika einbinden. Mit etwas Glück könnte dann in neun Monaten ein passiver Impfstoff bereitstehen.“

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22.04.2020 Entzündungshemmende Medikamente schützen vor COVID-19
uni | mediendienst | forschung Nr. 25/2020

Patientinnen und Patienten mit Immunkrankheiten, die sogenannte Zytokin-Hemmer einnehmen, zeigen keine Anzeichen einer Coronavirus-Infektion

 COVID-19 führt zu einer ähnlichen überschießenden Immunreaktion in der Lunge wie Rheuma, Schuppenflechte oder Darmentzündungen in den jeweiligen betroffenen Organen. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat nun in einer Studie gezeigt, dass Medikamente, die gegen die Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden, sogenannte Zytokin-Hemmer, COVID-19-Infektionen hemmen, bevor die Viren sich im Körper ausbreiten können.

COVID-19 löst eine überschießende Immunreaktion aus, die zu einer Entzündung der Lungenbläschen führt, was wiederum den Gasaustausch in der Lunge empfindlich stört. Diese Entzündungsreaktion wird durch Botenstoffe (Zytokine) ausgelöst, die von den Lungen- und Immunzellen produziert werden. Mehrere dieser Botenstoffe, wie Tumornekrosefaktor alpha (TNFα), Interleukin-6 und Interleukin-1, spielen auch bei Erkrankungen wie Rheuma, Darmentzündung sowie Schuppenflechte eine wesentliche Rolle und werden bereits heute mit speziellen Therapeutika, sogenannten Zytokin-Hemmern, behandelt.

Prof. Dr. Georg Schett, Lehrstuhl für Innere Medizin III, Prof. Dr. Michael Sticherling, Lehrstuhl für Haut- und Geschlechtskrankheiten, und Prof. Dr. Markus Neurath, Lehrstuhl für Innere Medizin I und Sprecher des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen der FAU, haben in den vergangenen drei Wochen 1000 Probandinnen und Probanden auf Antikörper gegen COVID-19 untersucht. Unter den Testpersonen waren Patientinnen und Patienten mit Immunerkrankungen, die Zytokin-Hemmer einnehmen, sowie Kontrollpersonen aus dem medizinischen Bereich. Das Ergebnis: Während ca. 4 Prozent der medizinisch-tätigen und 2 Prozent der nicht-medizinisch-tätigen Kontrollpersonen Antikörper gegen Coronavirus nachwiesen, hatte niemand der an Rheuma, Darmentzündung oder Schuppenflechte leidenden Patientinnen und Patienten Antikörper gegen das Coronavirus im Blut. „Es scheint, dass die Zytokin-Hemmer die Infektion mit SARS-COV-2-Viren von Anfang an einschränken, so dass keine Antikörper gebildet werden“, sagt Prof. Schett.

Personen mit Rheuma, Darmentzündung oder Schuppenflechte sind somit nicht als Risikogruppe für COVID-19 zu betrachten, sondern dürften aufgrund ihrer Therapie vor der Krankheit geschützt sein. Derzeit sind Zytokin-Hemmer, die bei Immunkrankheiten eingesetzt werden, in Erprobung zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit COVID-19. Die Ähnlichkeiten der molekularen Mechanismen von COVID-19 und chronischen Entzündungen hat das Forschungsteam bereits im Fachjournal Nature Review Immunology beschrieben: https://doi.org/10.1038/s41577-020-0312-7

Weitere Informationen: Prof. Dr. Georg Schett     Lehrstuhl für Innere Medizin III

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21.04.2020 Psychische Belastungen in der Coronavirus-Krise Erlanger Psychosomatik startet Online-Befragung für medizinisches Personal
uni | mediendienst | aktuell Nr. 42/2020

Viele Menschen fühlen sich in Zeiten von Corona ängstlich, unsicher, gestresst und angespannt. Ärzte und Pflegekräfte stehen in der Coronavirus-Krise vor besonders großen Herausforderungen. Prof. Dr. (TR) Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, und ihr Team untersuchen deshalb nun, welchen Belastungen das medizinische Personal deutscher Kliniken sowie Arzt- und Therapiepraxen während der COVID-19-Pandemie ausgesetzt ist und welche individuellen Ressourcen und Arbeitsplatzbedingungen dazu beitragen, die Krise gut zu bewältigen. Der Online-Fragebogen zur Studie „VOICE: Belastungen und psychische Ressourcen des medizinischen Personals während der COVID-19-Pandemie“ ist ab sofort bis 11. Mai 2020 abrufbar unter: https://ww2.unipark.de/uc/VOICE_Uniklinikum_Erlangen/

Studien während des SARS-CoV-2-Ausbruchs in China zeigten bereits: Das dortige Personal war körperlich und psychisch sehr angespannt. Dabei trugen zum Beispiel die Art der Tätigkeit und der permanente Kontakt mit Infizierten zu Angst, Depressionen und Schlafstörungen bei den Beschäftigten bei. Doch am belastendsten für das chinesische medizinische Personal war nicht die Angst, sich selbst anzustecken, sondern vielmehr der Mangel an Schutzkleidung und fehlende Ruhephasen. Zudem empfanden es die Beschäftigten als große Herausforderung, nicht ausreichend auf die Sorgen der Patienten reagieren zu können.

„Aus unserer Studie erhoffen wir uns jetzt Erkenntnisse darüber, welche Ressourcen in solchen Ausnahmezuständen schützend wirken“, erklärt Prof. Erim. „In zukünftigen Krisen könnten wir dann Hilfsangebote, die ressourcenstärkend sind, schon vorbeugend einleiten und die Mitarbeiter gezielt psychologisch unterstützen.“ Dazu untersuchen Yesim Erim und ihre Kolleginnen u. a. Arbeitsbedingungen, konkrete Tätigkeiten am Arbeitsplatz, potenzielle Auslöser für Stress, soziale Unterstützung sowie Symptome von Angst und Depression.

 

Die Beantwortung der VOICE-Fragen dauert etwa zehn Minuten. Teilnehmen können niedergelassene und angestellte Ärzte, Pflegekräfte, Psychologen, Seelsorger, medizinisch-technisches Personal und andere in der direkten Patientenversorgung tätige Mitarbeiter. Die Teilnehmer müssen mindestens 18 Jahre alt sein und gute Deutschkenntnisse besitzen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. (TR) Yesim Erim      Tel.: 09131/85-35928

yesim.erim@uk-erlangen.de

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21.04.2020 Weltweite Studie: Wie beeinflusst Covid19 den Geruchs- und Geschmackssinn?
uni | mediendienst | forschung Nr. 23/2020

FAU-Geruchsforscherinnen beteiligt an internationalem Konsortium

Sie schmecken nichts mehr und sie riechen nichts mehr: In den vergangenen Wochen mehren sich die Hinweise, dass das Coronavirus bei Erkrankten zeitweise den Geruchs- und den Geschmacksinn ausschaltet. Das Global Consortium for Chemosensory Research (GCCR), ein Konsortium von mehr als 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt, hat jetzt eine breit angelegte Online-Studie gestartet, die erfassen soll, wie Covid-19-Patientinnen und -Patienten den Verlust von Geruch und Geschmack, aber auch eine Veränderung des sensitiven Empfindens im Mund während der Erkrankung, erleben. Von Seiten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) arbeiten Prof. Dr. Jessica Freiherr, Professorin für Neurowissenschaften der sensorischen Wahrnehmung, und Prof. Dr. Andrea Büttner, Inhaberin des Lehrstuhls für Aroma- und Geruchsforschung, an der Untersuchung mit.


„Es gibt inzwischen einige Veröffentlichungen zum mutmaßlichen Covid-19-Symptom des Geruchs- und Geschmacksverlusts. Demnach leiden wohl rund 80 Prozent der Patientinnen und Patienten daran“, sagt Jessica Freiherr. Eine groß angelegte Studie dazu stehe bislang allerdings aus. Dabei wären valide Zahlen auf globalem Niveau wichtig, um zu bewirken, dass der Verlust von Geruchs- und Geschmacksinn offiziell in die Liste der Symptome bei Covid-19-Erkrankungen aufgenommen wird. Das würde medizinischen Einrichtungen eine Grundlage geben, auch Patientinnen und Patienten auf Covid-19 zu testen, bei denen dieses Symptom im Vordergrund steht, die Erkrankung ansonsten aber eher symptomlos verläuft.

Von der Studie, an der neben den Geruchsforscherinnen auch Vertreterinnen und Vertreter aus Disziplinen wie Neurowissenschaften, Psychologie oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, beteiligt sind, verspricht sich Freiherr einen tiefen Einblick in ein bislang unterschätztes Symptom: „Da Geruchsverlust auch bei einer herkömmlichen Erkältung – etwa dem klassischen Schnupfen mit verstopfter Nase – auftreten kann, ist es für die Forschung wichtig, die Zusammenhänge genauer zu verstehen, vor allem auch, wie intensiv das Symptom wahrgenommen wird und wie lange und häufig es auftritt.“

Für repräsentative Ergebnisse werden noch viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Deutschland gesucht, die in den vergangenen Wochen entweder eine Covid-19-Infektion oder eine herkömmliche Erkältung (Kontrollgruppe) durchgemacht haben und bereit sind, anonym eine ca. zehn Minuten dauernde Online-Befragung zu absolvieren.

Interessenten finden die Befragung hier: http://bit.ly/2yFCwLJ

Ein Log-in oder Account sind dafür nicht nötig. 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Jessica Freiherr

Professur für Neurowissenschaften der sensorischen Wahrnehmung der FAU

jessica.freiherr@fau.de

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20.04.2020 Aus für telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) äußert Unverständnis über die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die telefonische Krankschreibung bei Patienten mit leichten Atemwegsbeschwerden nicht zu verlängern. „Das Ende der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per Telefon gefährdet medizinisches Personal und Patienten“, ist Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK, überzeugt.So müssten ab dem heutigen Montag, den 20. April 2020, die Patientinnen und Patienten mit einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege wieder in die Arztpraxis gehen, um eine Krankschreibung zu erhalten. Das hat der G-BA entgegen dem einhelligen Votum von Kliniken und Vertragsärzten beschlossen. Quitterer kritisiert diese Entscheidung: „Das ist unverantwortlich.“

Man könne zunächst nicht unterscheiden, ob diese Patienten lediglich an einem harmlosen Infekt oder an COVID-19 erkrankt seien. Die Dunkelziffer der Erkrankten sei nicht bekannt.

„Die bayerischen Vertragsärzte benötigen weiterhin die Möglichkeit der telefonischen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit bei leichten Atemwegserkrankungen. So verringern wir das Risiko der Virusweitergabe an andere Patienten und Mitarbeiter aller Bereiche im Krankenhaus und Praxen“, betont Quitterer.


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20.04.2020 Exit-Szenarien im Simulationsmodell
uni | mediendienst | forschung Nr. 22/2020

 

Exit-Szenarien im Simulationsmodell

Informatiker der FAU berechnen Dynamik der Corona-Pandemie

Der Exit aus dem Corona-Lockdown bestimmt die aktuelle politische und öffentliche Debatte. Über die Wirkung von Lockerungsmaßnahmen wird viel spekuliert, verlässliche Prognosen hingegen gibt es kaum. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) um Prof. Dr. Reinhard German hat jetzt eine detaillierte Modellierung der COVID-19-Pandemie vorgenommen und mögliche Strategien zur kontrollierten Rücknahme von Einschränkungen abgeleitet. Ihre Erkenntnisse hat die Gruppe in einem Preprint veröffentlicht.*

Ohne drastische Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ist eine Überlastung des deutschen Gesundheitssystems zu befürchten und das Leben vieler Menschen in Gefahr. Sicher ist auch, dass ein über Monate andauernder Lockdown gewaltigen ökonomischen und sozialen Schaden anrichten würde. Politik und Wissenschaft sind deshalb gemeinsam auf der Suche nach Strategien, die aktuellen Einschränkungen kontrolliert zurückzufahren und zugleich die Gesundheit der Menschen – vor allem von Risikogruppen – zu schützen. Über die Wirkung von Lockerungsmaßnahmen wird viel spekuliert, verlässliche Prognosen auf der Basis valider Zahlen und Modelle hingegen gibt es kaum.

 

Modelle simulieren Pandemie

Ein Forschungsteam am Lehrstuhl Informatik 7 (Rechnernetze und Kommunikationssysteme) der FAU unter Leitung von Prof. Dr. Reinhard German hat jetzt in kürzester Zeit zwei Simulationsmodelle entwickelt, mit denen der Verlauf der COVID-19-Pandemie nachgebildet und Auswirkungen einer kontrollierten Rücknahme der gegenwärtigen einschränkenden Maßnahmen abgeschätzt werden können. „Das erste Modell basiert auf systemdynamischen Berechnungen und nutzt im Wesentlichen Kenngrößen wie Basisreproduktionszahl, Inkubationszeit oder Schweregrad des Krankheitsverlaufs, die auch vom Robert-Koch-Institut verwendet werden“, erklärt German. „Das zweite Modell ist eine sogenannte agentenbasierte Simulation. Hier betrachten wir einzelne Individuen und können genauere Aussagen über deren Verhalten treffen.“ Im Agentenmodell wird beispielsweise simuliert, an welchen Orten sich bestimmte Personengruppen treffen und infizieren können, etwa in der Familie, bei Freizeitaktivitäten, im Arbeitsumfeld oder beim Krankenhausaufenthalt.

 

Kontaktreduzierungen bis 2023 ohne Impfstoff

Mit ihren Berechnungen konnte das FAU-Team zunächst die Prognose des Robert-Koch-Instituts für den Verlauf der Pandemie unter den gleichen Annahmen bestätigen. Würde unter diesen Annahmen eine baldige vollständige Aufhebung des Lockdowns ohne weitere kontaktreduzierende Maßnahmen erfolgen, würde auch dies das deutsche Gesundheitssystem voraussichtlich nicht verkraften. „Bei diesem Szenario wäre der Peak nur zeitlich verschoben. Wir müssten uns in der Spitze auf bis zu 400.000 Intensivpatienten einstellen und mit vielen unkontrollierten Todesfällen rechnen“, sagt German. „Hygieneauflagen, etwa das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, würden diese Kurve etwas flacher verlaufen lassen, aber die Situation wäre immer noch bedrohlich.“ Die Informatiker kommen unter den Modellannahmen zum Schluss, dass über einen relativ langen Zeitraum – bis zum März 2023 – wiederholte kurzfristige Kontaktreduzierungen erforderlich sein könnten, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. German: „Diese adaptive Strategie würde einen Kompromiss zwischen der Rückkehr zum normalen Leben und der Abwendung von Gefahren für das Gesundheitssystem darstellen, bis eine Herdenimmunität erreicht ist. Wenn davor ein Impfstoff zur Verfügung steht, kann diese Zeit verkürzt werden.“

 Antikörpertests und Apps helfen

Die Modelle der FAU sind die bislang einzigen, die auch den Einfluss von Antikörpertests berücksichtigen. Für Menschen, die nach einer Infektion Antikörper besitzen und daher vermutlich eine Immunität ausgebildet haben, können Einschränkungen zur Kontaktreduktion aufgehoben werden – das ist besonders relevant für vulnerable Personen und solche, die in systemrelevanten Bereichen arbeiten. „Bereits 50.000 Antikörpertests pro Tag in Deutschland würden insgesamt 4,4 Millionen Menschen identifizieren, die die Infektion ohne Symptome durchgemacht haben – zusätzlich zu denjenigen, für die dies durch die überstandene Erkrankung bekannt ist. Diese Personen können von den Kontaktreduktionen ausgenommen werden“, erklärt Reinhard German. „Durch eine Verdoppelung der Testkapazität könnte diese Zahl auf mehr als 5,4 Millionen erhöht werden. Alle Angaben stehen selbstverständlich unter dem Vorbehalt der bisher noch eingeschränkt bekannten epidemiologischen Daten und den Modellannahmen.“ In den gegenwärtig stark diskutierten Apps zum digitalen Tracing sieht das Team einen möglichen Ansatz, um einen früheren Kontakt mit einer inzwischen erkrankten Person anzuzeigen. „Entsprechende Apps können helfen, Infektionswege nachzuvollziehen, die Dynamik der Pandemie besser zu verstehen und damit auch den effizienten Einsatz von Antikörpertests zu verbessern“, sagt German.

 * https://doi.org/10.1101/2020.04.14.20063750

„Modeling Exit Strategies from COVID-19 Lockdown with a Focus on Antibody Tests“

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Reinhard German

Lehrstuhl für Informatik 7 (Rechnernetze und Kommunikationssysteme) der FAU

reinhard.german@fau.de 

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16.04.2020 Do-it-yourself-Schutz
Pressemeldung der FAU

 

Wie ein selbstgebauter Mund-Nasen-Schutz wirksam verbessert werden kann

Vor der Corona-Pandemie nur in Asien getragen, sind sie mittlerweile auch verstärkt bei uns im alltäglichen Straßenbild zu sehen – Masken über Mund und Nase. Medizinische Gesichts- und Atemschutzmasken sind mittlerweile rar und nicht mehr so leicht zu bekommen. Sie sollten deshalb dem medizinischen Fachpersonal überlassen werden. Deshalb gehen nun viele Menschen dazu über, sich Behelfsmasken selbst zu nähen, um sich und andere zu schützen. Doch ist die Wirksamkeit dieser Do-It-Youself-Masken eher gering und sie vermitteln ein falsches Sicherheitsgefühl, wie Prof. Dr. Dirk Schubert, Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), betont. Wie der Selbstbau verbessert werden kann, erklärt er im Interview.

Herr Prof. Schubert, Sie kritisieren die vielen unterschiedlichen Anleitungen zum Bau von Behelfsmasken im Internet. Wieso?

Mir scheint es, als wüssten viele nicht, wie ein Mund-Nasen-Schutz funktioniert. Es sind Äußerungen wie, dass mit dem richtigen Filtermaterial das Atmen zu schwer falle, die mich zweifeln lassen, dass das Prinzip und die Wirkungsweise eines Mund-Nasen-Schutzes auch wirklich verstanden wurde. Es gibt verschiedene Arten von Masken: Für den Einsatz in Krankenhäusern und im Umgang mit infizierten Personen, sind Masken mit der Schutzstufe FFP-2 oder FFP-3 notwendig. Deren Filterwirkung ist groß genug, um vor Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Einfache OP-Masken hingegen reichen nicht. Sie sollen Patientinnen und Patienten vor dem Speichel des medizinischen Personals schützen. Sie verhindern bis zu einem gewissen Grad, das andere angesteckt werden.

Ich bin selbst jemand, der nicht nur an der Uni gerne Dinge entwickelt und baut. Deshalb finde ich es erst einmal gut, wenn die Leute aktiv werden und selbst Masken nähen. Aber ich bin auch Wissenschaftler, der sich mit Faserwerkstoffen beschäftigt und war jahrelang in der industriellen Entwicklung von medizinischen Hygiene-Produkten bei führenden nationalen und internationalen Unternehmen tätig. Deshalb muss ich ganz deutlich sagen: Diese Selbstbaumasken funktionieren schlecht bis kaum. Sie vermitteln ein falsches Gefühl von Sicherheit. Aber auch eine schlecht funktionierende Maske ist besser als keine Maske.

Was ist das technische Problem an den selbstgebauten Masken?
Das liegt an in erster Linie am verwendeten Material. SARS-CoV-2 wird vornehmlich durch Tröpfcheninfektion weiterverbreitet. Je größer der Durchmesser der Materialfasern in einer Schutzmaske sind, desto schlechter schützt sie. Denn der Durchmesser bestimmt die Porengröße, und je größer diese ist, desto leichter können Tröpfchen nach außen gelangen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass je feiner die Fasern des verwendeten Materials sind, desto besser. Außerdem ist wichtig, wie hydrophob – also wasserabweisend – das verwendete Material ist. Je wasserabweisender also die Fasern sind, desto weniger Wassertröpfchen gelangen beispielsweise beim Sprechen oder Husten hindurch. Baumwolle ist deshalb weniger geeignet. Problematisch sind auch DIY-Masken, die mit Taschen gebaut sind, in die das Filtermaterial eingelegt wird. Wenn diese nicht präzise genug bis zum Rand gearbeitet sind und nur Mund und Nase bedecken, atmet der Träger quasi am Filter vorbei.

Was kann man besser machen beim Bau von Do-it-yourself-Masken?
Zuerst muss einem klar sein, dass es brauchbaren Schutz nicht zum Nulltarif gibt, also dass Masken mit guter Filterwirkung das Atmen erschweren. Abhängig davon, welche Materialien zu Hause verfügbar sind, lassen sich die passenden für hinreichend funktionierende Not-Masken auswählen. Beispielsweise haben Mikrofasertücher zwar feinere Fasern als konventionelle Kleidungstextilien, sind aber hydrophil. Sie sollten aber dennoch eher verwendet werden, als klassische Textilien. Besser eignen sich sogenannte Meltblown-Materialien: Sie sind wasserabstoßend und haben einen sehr kleinen Faserdurchmesser. Diese finden sich auch in handelsüblichen Windeln oder Staubsauerbeuteln als Sperrschicht. Im Fall des Staubsaugerbeutels tragen die Fasern häufig sogar noch eine elektrische Ladung (electret), da sie als Partikelfilter wie auch eine FFP Maske gedacht sind. Das erhöht die Filterleistung deutlich, ohne den Atemwiderstand zu vergrößern. Manche Staubsaugerbeutelhersteller schreiben sogar ganz deutlich „3 layer electret Microfilter bag“.  

Wichtig ist natürlich, dass die Masken dicht am Gesicht anliegen und die wirksame Filterfläche möglichst groß ist, um den Atemwiderstand so gering wie möglich zu halten. Gerade hier ist das Internet voll von Fehlkonstruktionen mit viel zu geringen wirksamen Filterflächen; auch bei Firmen aus dem Spritzgusssektor, die ihre Produktionen auf Masken umstellen wollen. Ein grober Zahlenwert für die „Umsteller“: Bei FFP2-tauglichem Filtermaterial sollten die Filterflächen größer als 150 cm2 sein.

 An seinem Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe) produzieren Prof. Dr. Dirk Schubert und sein Team Atemschutzmasken und unterstützen so das Universitätsklinikum Erlangen: https://www.fau.de/2020/04/news/alternative-atemmasken

Auf dem Youtube-Kanal des hrstuhls für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe) finden sich weitere Hinweise zum Umgang mit Do-it-yourself-Masken: https://www.youtube.com/watch?v=9yv6ypFnlr0

 Die Umsetzung beziehungsweise Realisierung von Hinweisen unterliegt immer der Eigenverantwortung des Anwenders.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dirk W. Schubert
Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe)
Tel.: 09131/85-27752

dirk.schubert@fau.de

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15.04.2020 FAU-Transfusionsmediziner über Covid-19-Immunplasma: „Versuchen unser Menschenmögliches“


„Versuchen unser Menschenmögliches“

FAU-Transfusionsmediziner Prof. Holger Hackstein über den Einsatz des Covid-19-Immunplasmas

„Der große Vorteil des Covid-19-Immunplasmas ist, dass wir es sofort für die Patiententherapie einsetzen können“, erklärt Prof. Dr. Holger Hackstein, der an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) den Lehrstuhl für Transfusionsmedizin und Cell-Engineering innehat und Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen ist. Nachdem der Mediziner in der vergangenen Woche die Erlaubnis seitens der Behörden erhalten hat, aus dem Blut genesener Covid-19-Patientinnen und -Patienten Immunplasma herzustellen, stehen nun die ersten Behandlungen in Erlangen an.

„Das Wirkprinzip dieses Plasmas ist eigentlich ein ganz einfaches. Es beruht darauf, dass eine Person, die diese Covid-19-Erkrankung durchläuft, ganz spezifische Abwehrstoffe gegen diese Erkrankung produziert, sogenannte Antikörper. Das sind Eiweißmoleküle, die an die Oberfläche des Virus anbinden und es in seiner Vermehrung direkt hemmen oder indirekt andere Zellen des Immunsystems dabei unterstützen, das Virus zu zerstören“, erläutert der Wissenschaftler. Patientinnen und Patienten mit schweren Krankheitsverläufen bekämen durch diese Bluttransfusion den Schutz des Immunsystems passiv übertragen und seien dann besser geschützt gegen diese lebensbedrohliche Viruserkrankung.

Aus China und anderen Ländern kämen schon erste wissenschaftliche Ergebnisse und die seien außerordentlich positiv, betont Hackstein. „Es ist gerade in PNAS, einer sehr hochrangigen internationalen Zeitschrift, eine erste Pilotstudie publiziert worden, die sehr positive Ergebnisse gezeigt hat. Ich wäre sehr froh, wenn wir das hier auch replizieren können.“ Kontrollierte klinische Studien zur Wirksamkeit von Covid-19-Immunplasma gibt es noch nicht, sie werden jedoch aktuell von verschiedenen Seiten initiiert. Daneben arbeiten Forscherinnen und Forscher weltweit daran, die Antikörper im Labor zu vermehren. „Aber diese Entwicklungen sind von der klinischen Anwendung noch relativ weit entfernt“, sagt Hackstein.

Im Moment gebe es natürlich einen großen Mangel an dem Immunplasma. „Wir tun hier das Menschenmögliche.“ Mittlerweile gebe es weitere transfusionsmedizinische Institute in Bayern, die jetzt ebenfalls diesen Weg gehen. Es bleibe deshalb zu hoffen, dass sich die Angebotssituation demnächst verbessere. „Aber letztendlich weiß keiner wirklich genau, wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden“, sagt Hackstein.

Wie sich die Arbeit des Transfusionsmediziners seit der Corona-Pandemie verändert hat, wie spezielle Regelungen des Arzneimittelrechts die aktuelle Arbeit erleichtern und wie er die Vorbereitungen des Uni-Klinikums Erlangen einschätzt, darüber spricht Prof. Dr. Holger Hackstein aktuell in einem YouTube-Talk mit Gastgeber Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU: https://www.youtube.com/watch?v=2hKYPI7hnYQ

Eine Übersicht aller Videotalks ist zu finden unter: www.fau.de/corona/videos/ 

Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auch auf unserer Rubrik „Nachgefragt“ vorbei – dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/ 

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10.04.2020 FAU-Wirtschaftswissenschaftlerin: „Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten verbinden“
Pressemeldung FAU

FAU-Wirtschaftswissenschaftlerin: „Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten verbinden“

Die Wirtschaftsweise Prof. Dr. Veronika Grimm fordert schrittweise Lockerung des Shutdowns

 „Diese Pandemie wird uns über lange Monate begleiten. Mittelfristig ist es wichtig, Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten zu verbinden. Und das ist ein nicht ganz einfaches Unterfangen“, sagt Prof. Dr. Veronika Grimm vom Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Man müsse Wege finden, die Ausbreitung der Pandemie zu beschränken, obwohl man bestimmte Aktivitäten wieder zulasse, so die Wissenschaftlerin.

„Ich glaube man kann Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten verbinden“, sagt Grimm, die erst kürzlich in den Rat der Wirtschaftsweisen berufen wurde. Eine viel diskutierte Möglichkeit sei zum Beispiel die Nutzung von künstlicher Intelligenz bei der Pandemiebekämpfung. Die Nutzung von Tracking-Apps zur Identifikation von möglichen Kontakten seien hier genauso ein Baustein wie eine verstärkte Digitalisierung und Vernetzung im Gesundheitswesen.

 Bevor das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder anlaufen kann, sei es aber wichtig, dass genug Schutzkleidung und ausreichend Testkapazitäten vorhanden sind, um eine größere Kontrolle über das Infektionsgeschehen bei mehr sozialer Interaktion zu haben. „Die Frage ist hier: Was ist der Anreiz für ein Unternehmen, dass es prinzipiell in die Produktion von Masken und Schutzkleidung einsteigt?“ Hier müsse man über Preisanreize und staatliche Abnahmegarantien nachdenken. „Wenn ein Unternehmen jetzt seine Produktion umstellt, dann kann es das nur tun, wenn es auch eine wirtschaftliche Perspektive dafür gibt“, erklärt Grimm. Gleichzeitig müsse gewährleistet werden, dass Schutzausrüstung bei den Einrichtungen ankommt, die sie am dringendsten benötigen.

 Die Öffnung soll dabei schrittweise erfolgen. Besonders wichtig für Wirtschaft und Gesellschaft sind für Grimm Bildungseinrichtungen. Die Ökonomin gibt zu bedenken, dass man differenzieren muss, welche Aktivitäten digital fortgeführt werden können, und welche Institutionen auf Grund großer Wichtigkeit auch wieder physisch die Türen öffnen dürfen: „Da ist die Bildung eigentlich an vorderster Front.“

 Aber auch nach der Öffnung wird der Shutdown seine Spuren hinterlassen und die Gesellschaft nachhaltig verändern. Die Wirtschaftswissenschaftlerin prognostiziert, dass die aktuell erlebte neue Lebenswirklichkeit Gewöhnungseffekte haben wird. Grimm ist überzeugt, dass „wir in ganz, ganz vielen Bereichen nicht mehr so agieren werden, wie wir bisher agiert haben.“ Viele Tätigkeiten würden digitaler und dadurch womöglich Ressourcen frei werden, Dinge noch besser und zielgerichteter zu tun.

 Nach welchen Kriterien die Beschränkungen gelockert werden sollten, wie man die Engpässe bei Schutzkleidung und Testkapazitäten in den Griff bekommen kann und ob man wirtschaftlichen Wohlstand gegen Gesundheit abwägen kann, darüber spricht Prof. Dr. Veronika Grimm aktuell in einem YouTube-Talk mit Gastgeber Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU: https://youtu.be/W-h2PFAGWEI

 Eine Übersicht aller Videotalks ist zu finden unter: www.fau.de/corona/videos/ 

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09.04.2020 Unterwegs im Auftrag des Osterhasen- Erlanger Kinderpalliativteam betreut trotz Corona-Beschränkungen schwer kranke Kinder in Mittel- und Oberfranken

„Unser Motto heißt: ‚Wir fahren weiter‘“, betont Kunstpädagogin Michelle Dotzauer vom Kinderpalliativteam des Universitätsklinikums Erlangen. Trotz der Kontakteinschränkungen wegen des Coronavirusʼ sind die speziell geschulten Ärztinnen, Pflegekräfte, Sozialpädagoginnen, Seelsorgerinnen und Psychologen weiterhin im gesamten mittel- und oberfränkischen Raum unterwegs, um schwerst- und sterbenskranke Kinder zu betreuen. Zurzeit stapeln sich in den vier Autos des Kinderpalliativteams der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Uni-Klinikums Erlangen zahlreiche selbst gebastelte Osternester als Überraschung für die jungen Patienten und ihre Geschwister.

Insgesamt 40 schwer kranke Kinder und ihre Familien besuchen Michelle Dotzauer und ihr Team derzeit – so viele wie noch nie, seit das Erlanger Kinderpalliativteam vor zehn Jahren seine Arbeit aufgenommen hat. „Manche Patienten besuchen wir zwei- oder sogar dreimal pro Woche“, erklärt Dr. Chara Gravou-Apostolatou, Leiterin des Kinderpalliativteams. „Gerade jetzt haben die Familien neben den medizinischen Themen auch einen erhöhten psychosozialen Bedarf durch die Isolation und alle damit verbundenen Belastungen, wie zum Beispiel Ausfälle beim häuslichen Pflegedienst in den Familien.“ Weil die Geschwisterkinder aufgrund der vorgegebenen Kontaktbeschränkungen zurzeit nicht so eng wie sonst betreut werden können, schickt ihnen das Kinderpalliativteam regelmäßig handgefertigte Briefe, Bastelmaterial und kreative Anregungen. Als Osterüberraschung bekommen alle Kinder und Geschwister derzeit insgesamt 60 selbst gebastelte bunte Osternester sowie viele kleine Geschenke und Schokoladenhasen persönlich überbracht.

Engagement seit 2009

Das Kinderpalliativteam wurde 2009 gegründet und unterstützt Familien mit sterbenskranken Kindern in doppelter Hinsicht: zum einen medizinisch – etwa, wenn ein kleiner Patient Schmerzen hat, nicht gut einschlafen kann oder unter Atemnot leidet. Zudem sind die Mitarbeiter des Teams Ansprechpartner für alle sozialrechtlichen, organisatorischen und finanziellen Fragen. Spenden für besondere Aktionen des Kinderpalliativteams sind möglich über den Freundeskreis der Kinder- und Jugendklinik, Verwendungszweck: Kinderpalliativteam, HypoVereinsbank Erlangen, IBAN: DE14 7632 0072 0003 1740 00, BIC: HYVEDEMM417

Weitere Informationen:

Dr. Chara Gravou-Apostolatou

Tel.: 09131 85-35982

kinderpalliativteam@uk-erlangen.de

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08.04.2020 BLÄK fordert Bonus für Medizinische Fachangestellte
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Der Bonus von 500 Euro für das medizinische Pflegepersonal in diesen schwierigen Zeiten der SARS-CoV-2 Pandemie ist eine hervorragende Geste der Anerkennung und des Dankes für deren Tätigkeit unter erschwerten Bedingungen und erhöhtem Risiko in unseren Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK): „Das wollen wir auch für unsere Medizinischen Fachangestellten (MFA).“

Diese stünden dem Patientenaufkommen bei Beschwerden als erste Anlaufstelle gegenüber, ohne zu wissen, ob es sich möglicherweise um infizierte Menschen handle. Damit seien auch die MFA einem Infektionsrisiko ausgesetzt, das insbesondere bei engem Kontakt zu Patienten, beispielsweise bei Blutentnahmen, Verbandswechseln oder auch beim Anlegen eines EKGs, deutlich erhöht ist.

„Die MFA verrichten in den Praxen gerade jetzt eine besonders verantwortungsvolle und herausfordernde Tätigkeit und dürfen nicht unberücksichtigt bleiben, auch sie sollten eine Bonuszahlung erhalten“, so der Präsident abschließend. Auch in dieser Berufsgruppe sei ein massiver Nachwuchsmangel feststellbar.

Bayerische Landesärztekammer
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06.04.2020 Therapie für Coronapatienten: Uni-Klinikum Erlangen darf SARS-CoV-2-Immunplasma herstellen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 36/2020

Die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen hat jetzt als eine der ersten Einrichtungen in Deutschland die behördliche Gestattung zur Herstellung von therapeutischen Plasma zur Behandlung von schwer erkrankten COVID-19-Patienten erhalten. „Wir sind sehr froh und dankbar für die zügige Bearbeitung unserer Antragsunterlagen durch die Regierung von Oberfranken“, sagt Prof. Dr. Holger Hackstein, Leiter der Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen.

„Wir waren bereits seit vielen Wochen in intensivem Kontakt mit der Regierung von Oberfranken. Dieser Einsatz hat sich gelohnt“, ergänzt Prof. Hackstein. Die Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen darf nun COVID-19-Immunplasma für schwer kranke Patienten herstellen und anwenden. „Aufgrund der äußerst positiven Resonanz auf unseren Spendenaufruf an ehemalige Corona-Patienten kann die Apherese-Plasma-Produktion ab sofort starten“, berichtet Prof. Hackstein.

Am vergangenen Donnerstag hatte Prof. Hackstein ehemalige Corona-Patienten in Franken zu einer Blutplasmaspende aufgerufen. Innerhalb weniger Stunden hatten sich über 200 Personen gemeldet, die an COVID-19 erkrankt waren und Blutplasma spenden wollten. „Das waren viel mehr, als wir zum jetzigen Zeitpunkt in unser Programm aufnehmen konnten“, freut sich Prof. Hackstein. „Aktuell suchen wir auch keine weiteren Spender mehr.“ Die ehemaligen COVID-19-Patienten werden nun einzeln evaluiert. „Wichtig war, dass sie einen positiven Coronavirustest zu Beginn und möglichst zwei negative Tests am Ende der Erkrankung nachweisen konnten. Die Blutplasmaspende dauert ungefähr 45 Minuten und ist für die Spender nicht belastender als eine normale Blutspende“, erläutert Prof. Hackstein. Ihr Körper hat nach einer COVID-19-Infektion spezifische Antikörper gegen das Virus gebildet, die nun mit einer Apheresemaschine aus dem Blut gewonnen werden.

Tödliche COVID-19-Infektionen könnten verhindert werden

„Aktuelle wissenschaftliche Daten weisen darauf hin, dass durch COVID-19-Immunplasma eine deutliche Abschwächung der lebensbedrohlichen Verläufe möglich ist“, so Prof. Hackstein. Aktuell liegen 19 COVID-19-Patienten im Uni-Klinikum Erlangen, darunter 11 auf einer Intensivstation. „Wenn unsere Initiative erfolgreich ist – die in gleicher Art und Weise auch in Kürze in einigen anderen Universitätskliniken startet –, könnte dieses Verfahren die Therapie erheblich verbessern.“

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03.04.2020 Expertengruppe: „Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 35/2020


Expertengruppe: „Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten“

Prof. Dr. Abele-Brehm (Sozialpsychologie) und Prof. Dr. Grimm (Wirtschaftswissenschaften), beide FAU, veröffentlichen mit einer interdisziplinären Gruppe renommierter Wissenschaftler Empfehlungen für einen Stufenplan für die Zeit nach dem Shutdown

Die geltenden Beschränkungen in Gesellschaft und Wirtschaft allmählich zu lockern und dabei die medizinische Versorgung der gesamten Bevölkerung zu sichern – dafür plädiert jetzt eine interdisziplinäre Gruppe renommierter Wissenschaftler. In ihrem Positionspapier zeigen die Forscher um ifo-Präsident Clemens Fuest und Martin Lohse, Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, Wege zu diesem Ziel auf.

 

Die Strategie sieht vor, derzeitige Einschränkungen differenziert und unter kontinuierlicher Abwägung der Risiken nach und nach zu lockern. Priorität haben dabei Beschränkungen, die hohe wirtschaftliche Kosten verursachen oder zu starken sozialen und gesundheitlichen Belastungen führen. Regionen mit niedrigen Infektionsraten und freien Kapazitäten im Gesundheitssystem könnten, so der Vorschlag der 14 Experten aus deutschen Universitäten und Forschungsinstituten, beim allmählichen Neubeginn vorangehen. Beginnen sollten zudem Sektoren mit niedriger Ansteckungsgefahr wie zum Beispiel hochautomatisierte Fabriken sowie Bereiche mit weniger gefährdeten Personen, etwa in Schulen.

 „Die aktuellen Beschränkungen sind notwendig und gut, um die unkontrollierte Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Die Pandemie wird uns aber noch lange Zeit beschäftigen. Die Maßnahmen müssen daher mittelfristig so angepasst werden, dass sie sich auch über die erforderlichen Zeiträume durchhalten lassen“, sagt Veronika Grimm, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie der FAU. „Die Zeit des Shutdowns sollte genutzt werden, um zielgerichtet Anpassungen der Maßnahmen zu konzipieren und vorzubereiten – denn mittelfristig müssen Gesundheitsschutz und Wiederaufnahme gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Aktivitäten nicht im Widerspruch stehen.“

 „Wir dürfen die Menschen, die zuhause vielfältigen Belastungen ausgesetzt sind (Gesundheitssorgen, Geldsorgen, Zusammenleben auf engem Raum, etc.), nicht überfordern, denn sonst sind psychische Folgeschäden (Aggression, Gewalt, Depressionen), aber auch die Zunahme sozialer Ungleichheit unausweichlich. Wir brauchen in diesem Zusammenhang ausreichend Beratungs- und psychotherapeutische Angebote“, sagt die Sozialpsychologin Abele-Brehm. „Die Menschen brauchen Perspektiven für den schrittweisen Ausstieg von den derzeitigen Beschränkungen.“

 Wichtig seien jetzt großflächige Tests, um zuverlässigere Erkenntnisse über die Ausbreitung des Erregers zu erhalten, schreiben die Wissenschaftler aus den Bereichen Innere Medizin, Infektionsforschung, Pharmakologie, Epidemiologie, Ökonomie, Verfassungsrecht, Psychologie und Ethik. Auch die Sicherung der Produktion von Schutzkleidung, Schutzmasken, Medikamenten und künftiger Impfstoffe zähle zu den vordringlichen Maßnahmen. Weiterhin empfehlen die Wissenschaftler, neue Kapazitäten zur Bewältigung der sozialen und psychischen Folgeschäden der aktuellen Maßnahmen zu schaffen.

 Die Stellungnahme zum Download: https://www.ifo.de/publikationen/2020/monographie-autorenschaft/die-bekaempfung-der-coronavirus-pandemie-tragfaehig

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Veronika Grimm
Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie
veronika.grimm@fau.de

 Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm
Senior Fellow of Psychology, FAU
andrea.abele-brehm@fau.de

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01.04.2020 Alzheimer durch Arthritis?
Pressemeldung der FAU

FAU-Forschungsteam entdeckt Zusammenhang zwischen peripheren Entzündungen und Erkrankungen des Gehirns
Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat erstmals einen konkreten Zusammenhang zwischen chronischen peripheren Entzündungen und neurodegenerativen Erkrankungen nachgewiesen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Cell Reports veröffentlicht.*
Chronische Entzündungen im menschlichen Körper wie die rheumatoide Arthritis sind schwer behandelbar und eine hohe Belastung für die Patienten. Häufig zeigen sich nicht nur körperliche Beschwerden wie schmerzende und deformierte Gelenke, sondern auch Begleiterkrankungen des Gehirns wie Depression oder Alzheimer-Demenz.

Forschungsteams der Abteilung für Molekulare Neurologie (Prof. Dr. Jürgen Winkler) sowie der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums Erlangen (UKE) haben zusammen mit der University of California und der Universität Freiburg nun erstmals einen direkten Zusammenhang nachgewiesen: Sie fanden heraus, dass bei rheumatoider Arthritis sogenannte Mikroglia – Gewebsmakrophagen des Immunsystems – in bestimmten Bereichen des Gehirns aktiviert werden. Die Vermutung der Forschenden: Mikroglia werden durch die anhaltende Stimulation infolge peripherer Entzündungen so verändert, dass sie zum Sterben von Nervenzellen und zur Hirndegeneration beitragen.

* https://doi.org/10.1016/j.celrep.2020.02.109 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jürgen Winkler, Tel.: 09131/85-39323, juergen.winkler@uk-erlangen.de 

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01.04.2020 Marathon-Die SARS-CoV-2-Pandemie ist kein Sprint

„Die SARS-CoV-2-Pandemie ist kein Sprint. Wir alle werden uns auf einen Marathon einstellen müssen und darauf haben wir unterschiedlich gut trainiert. Und wir müssen mit den Schuhen laufen, die wir haben. Das verlangt enormen Einsatz von uns Ärztinnen und Ärzten und führt manche an die Grenze der Belastbarkeit“, beginnt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) den Leitartikel der Aprilausgabe des Bayerischen Ärzteblatts.

In der aktuellen Situation verlangsamten nicht Ärzte die Geschwindigkeit der Ausbreitung der Erkrankung, sondern die Disziplin der Menschen. „Die Botschaft heißt: Wir sind für Sie da. Bleiben Sie für uns zuhause (#WirBleibenZuhause, #StayAtHome)“, appelliert Quitterer.

Mehr denn je zeige sich in der Krise, dass die Gesundheit der Menschen ein „konditionales Gut“ sei. Es spreche vieles dafür. Konditionale Güter seien Güter, die wir als zentrale Voraussetzung für die Realisierung von Lebensplänen ansähen. Die Verwirklichung von Gesundheit werde als eine Grundbedingung für die Chancengleichheit in unserer Gesellschaft angesehen. Konsequent zu Ende gedacht hieße dies, dass wir auf dem Gesundheitssektor keine wesentlichen Einschränkungen hinnehmen sollten. Das Ergebnis müsse lauten: „Krisensichere Gesundheitsversorgung ist teurer, als wir aktuell bereit sind hierfür zu zahlen. Somit wirft diese SARS-CoV-2-Pandemie auch die Frage nach dem Wert und den damit verbundenen Vorhaltekosten auf“, schreibt Bayerns Ärzte-Chef.

Mit gemeinsamer Anstrengung müsse die ärztliche Versorgung der an COVID-19-Erkrankten, aber auch aller anderen Behandlungsbedürftigen so gut und professionell wie möglich sichergestellt werden. „Hierfür benötigen wir aktuell neue Formen der Betreuung und Aufgabenteilungen. Wir brauchen die erforderlichen technischen und medikamentösen Ressourcen, wie Beatmungsgeräte, Schutzausrüstung oder Narkosemittel. Und wir benötigen in der ‚Nach-SARS-CoV-2-Pandemie-Zeit‘ eine aufrichtige Diskussion, wie viel uns jederzeit abrufbare ärztliche Leistung wert ist und was die Gesundheitsversorgung Bewältigung der nächsten Herausforderung erfordert.“

Mehr zu „Marathon“ lesen Sie im Leitartikel der Aprilausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

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31.03.2020 Schutzausrüstung für Ärzte und medizinisches Personal dringend erforderlich
Pressemeldung der Bayerischen Landeärztekammer

„Wir mahnen die erforderliche Schutzausrüstung für Ärztinnen und Ärzte und für das medizinische Pflegepersonal an. In ausreichender Stückzahl!“, meldet sich Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), zu Wort.

Der Mangel an persönlicher Schutzausrüstung werde immer dringlicher – ganz besonders in der haus- und fachärztlichen Versorgung, der stationären Langzeitpflege, im Rettungsdienst und auch bei ambulanten Pflegediensten. Diese Bereiche seien versorgungsrelevant. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen sowie deren Patientinnen und Patienten hätten ein Recht, wirksam und verlässlich vor Infektionen geschützt zu werden, so der Präsident.

Erst dann könne darüber nachgedacht werden, eine generelle Maskenpflicht einzuführen. Das alleinige Tragen von Masken ersetze keinesfalls die allgemeinen Hygieneregeln wie Abstand halten, Händedesinfektion, Husten- und Niesetikette sowie das Einhalten der Kontaktbeschränkungen, so der Präsident.

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27.03.2020 Freiwillige Ärzte und Medizinstudenten helfen in der SARS-CoV-2- Krise – Erfassung von Angebot und Bedarf
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Zur besseren Bewältigung der SARS-CoV-2-Pandemie kann es notwendig
werden, in den nächsten Wochen schnellstmöglich die Kapazitäten der
ärztlichen Versorgung von SARS-CoV-2-Verdachtsfällen und Patienten zu
erhöhen beziehungsweise die bereits tätige Ärzteschaft zu entlasten.

Daher erheben das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und
Pflege (StMGP) sowie die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) sowohl
das Angebot als auch den Bedarf an freiwilligen Ärzten und Medizinstuden-
ten, die in der SARS-CoV-2-Pandemie unterstützend tätig werden möch-
ten.

So werden alle nicht bereits in medizinische Versorgungsstrukturen einge-
bundenen Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinstudentinnen und Medizinstu-
denten um Unterstützung zur Deckung der erheblichen zusätzlichen Perso-
nalbedarfe gebeten. Des Weiteren werden alle Arztpraxen, Medizinischen
Versorgungszentren, Gesundheitsämter, Betreiber von Bürgertelefonen
etc. gebeten, ihren Bedarf an zusätzlicher ärztlicher Mitarbeit bei uns zu
melden.

„Um Angebot und Bedarf an zusätzlicher ärztlicher Mitarbeit zueinander zu
bringen, hat die BLÄK eine Website erstellt, auf der sich die angesproche-
nen Zielgruppen eintragen können“, sagte BLÄK-Präsident Dr. Gerald Quit-
terer.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml betonte: „Unsere Ärztinnen
und Ärzte verdienen für ihren engagierten Einsatz gegen die Corona-Pan-
demie große Anerkennung! Derzeit lässt sich nicht voraussagen, wie sich
die Infektionslage in Bayern entwickelt. Deshalb bitten wir alle Mediziner,
die nicht ohnehin schon im Dienst sind, um ihre Unterstützung. Auch Stu-
dierende sind dabei willkommen!“
Zu finden ist die Website unter folgender Internetadresse:
https://freiwillige.blaek.de 

Unter dem Reiter „Angebot für stationäre Versorgungsstrukturen“ haben
Ärzte und Medizinstudenten dort die Möglichkeit, sich zu registrieren, wenn

sie Kliniken und Krankenhäuser bei der stationären medizinischen Versor-
gung unterstützen wollen.

Für den Fall des Einsatzes möchten wir bereits jetzt darauf hinweisen,
dass aktuelle Arbeitsverträge bestehen bleiben und die Betreffenden zu
diesem Zweck unter Lohnersatz beziehungsweise Lohnfortzahlung freige-
stellt werden. Der Einsatz wird ausschließlich während der SARS-CoV-2-
Pandemie andauern.
Unter dem Reiter „Bedarf im ambulanten Sektor und im Öffentlichen Ge-
sundheitsdienst“ können hingegen alle Institutionen des Gesundheitssys-
tems, außer Krankenhäusern und Kliniken, Ihren Bedarf an ärztlicher Mitar-
beit eintragen.

„Es verdient große Anerkennung, dass freiwillige Ärztinnen und Ärzte so-
wie Medizinstudentinnen und Medizinstudenten in der SARS-CoV-2-Krise
helfen. Allen Akteuren im Gesundheitswesen – egal ob hauptamtlich oder
freiwillig tätig – möchte ich für ihre Mitwirkung ganz besonderes danken“,
so Quitterer abschließend.

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27.03.2020 „Unsere Vorbereitungen sind weitestgehend abgeschlossen“
uni | mediendienst | aktuell Nr. 30/2020

Vor zwei Wochen fanden in dem Gebäudeteil der Anästhesiologischen Klinik noch die Sprech- und Therapiestunden der Schmerzambulanz des Universitätsklinikums Erlangen statt. Jetzt sind dort zwölf vollständige Intensivtherapiebetten aufgebaut, Studierende der Humanmedizin werden von erfahrenen Intensivpflegekräften geschult und bereiten sich auf die ersten COVID-19-Patienten vor. Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann informierte sich am 26.03.20  vor Ort beim Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro über den Stand der Vorbereitung auf einen möglichen Anstieg von COVID19-Patienten.

Staatsminister Herrmann dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Uni-Klinikums Erlangen und einer Studierendengruppe persönlich für ihr Engagement: „Während sich einige in der Krise davonschleichen, sind Sie hier und helfen.“ Auch wenn derzeit noch viele Betten im Uni-Klinikum Erlangen und in anderen Kliniken der Region frei seien, wisse man in anderen Regionen Bayerns nicht, wie lange die Krankenhäuser die Situation dort verkraften können. Joachim Herrmann: „Es kann sein, dass wir dann Patienten z.B. aus dem Großraum München verlegen müssen.  Daher ist es gut, jetzt vorzusorgen und besser bleiben eventuell einige Betten frei, als wenn wir eine Situation wie in Italien haben, und Menschen sterben, weil es kein freies Bett gibt.“ Er dankte den Uni-Klinika in Erlangen, Regensburg und Würzburg auch für ihre spontane Bereitschaft, je zwei Patienten aus Italien aufzunehmen. „Das ist ein gutes Zeichen für die europäische Verbundenheit“, so der Innenminister.

Der Direktor der Anästhesiologischen Klinik, Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler, erläuterte dem Innenminister die Intensivkapazitäten am Uni-Klinikum Erlangen. Im Normalbetrieb stehen 100 Intensivbetten zur Verfügung. Angesichts von  COVID-19 wurden bis heute 40 weitere Intensivplätze geschaffen. „In der Endstufe könnten wir maximal rund 200 COVID-19-Patienten in verschiedenen Intensiveinheiten versorgen und beatmen“, sagte Prof. Schüttler. Dafür würden aber noch 30 neue Beatmungsgeräte gebraucht, die zwar bestellt, aber noch nicht geliefert worden seien. „Dann haben wir das absolute Maximum, was wir in Erlangen innerhalb der nächsten drei Wochen schaffen können.“

Der Ärztliche Direktor Prof. Iro sagte: „Unsere Vorbereitungen sind jetzt weitestgehend abgeschlossen. Wir haben unsere Intensivkapazitäten bald verdoppelt und Personal so umstrukturiert, dass wir die neuen Intensivbereiche betreiben können. Allerdings haben wir das große Glück, dass uns neben vielen externen Freiwilligen rund 200 Studierende der Humanmedizin und über 400 Wissenschaftler aus der Medizinischen Fakultät dabei tatkräftig unterstützen.  Diese große Welle der Hilfsbereitschaft ist beeindruckend. Sie zeigt unseren Pflegenden und Ärzten, dass sie für die anstehenden Aufgaben auf eine breite Unterstützung haben. Unsere Pflegekräfte, Ärzte, Verwaltungsmitarbeiter und Hilfskräfte machen derzeit an der Krisenfront einen super Job!“ Sehr wichtig sei nun in den nächsten Tagen und Wochen, dass die angekündigten Nachlieferungen an Schutzmaterial rechtzeitig ankommen. „Aktuell strecken wir ganz bewusst unsere Ressourcen, ohne den Schutz von Patienten oder Mitarbeitern zu gefährden“, so Prof. Iro. „Wenn wir allerdings nicht bald den versprochenen Nachschub an Schutzmasken und Schutzmänteln bekommen, werden wir ein Problem haben.  Ich appelliere an alle politisch Verantwortlichen, uns in unserem Bemühen um ausreichende Materiallieferungen zu unterstützen.“  Derzeit würden vier COVID-19-Patienten am Uni-Klinikum behandelt, davon einer intensivmedizinisch. An Staatsminister Herrmann gerichtet sagte Prof. Iro: „Ich glaube, dass die Politik alles getan hat, um uns vorzubereiten. Ob das jetzt alles so funktioniert, werden wir sehen und das weiß letztlich niemand. Aber eine Situation wie in Italien oder Frankreich will schließlich keiner.“

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26.03.2020 Algorithmus hilft beim Helfen - BÄK unterstützt Studierendeninitiative
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Berlin, 26.03.2020 – Die Corona-Epidemie stellt unser Gesundheitssystem auf eine extreme Belastungsprobe. In dieser Krise wird jede helfende Hand dringend benötigt.
Bundesärztekammer und Landesärztekammern haben sich bereits mit der Bitte um freiwillige Mitarbeit in Gesundheitseinrichtungen an die Medizinstudierenden gewandt – mit überwältigender
Resonanz.

„Diese enorme Hilfsbereitschaft unterstreicht einmal mehr: Auf unsere Ärztinnen und Ärzte ist Verlass. Und die vielen Freiwilligen aus der nachwachsenden Ärztegeneration zeigen, dass das auch in Zukunft so sein wird“, sagt Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK). Jetzt gehe es darum, die Freiwilligen möglichst schnell dorthin zu vermitteln, wo sie am besten helfen
können.

Daher unterstützt die BÄK auch das von der Initiative Medis-vs-COVID19 und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) ins Leben gerufene Projekt
„match4healthcare“.

„Mit dieser berufs- und einrichtungsübergreifenden Plattform schaffen wir eine effiziente und direkte Vernetzung von Helfenden und Hilfesuchenden. Wir hoffen hiermit einen großen Beitrag zur
Unterstützung des Gesundheitswesens leisten zu können und insbesondere auch Einrichtungen ohne direkten Bezug zu Universitätskliniken wie städtische oder periphere Krankenhäuser,
Pflegeheime, Pflegedienste oder Arztpraxen zu helfen”, erklärt Aurica Ritter, Präsidentin der bvmd.


Die Webseite match4healthcare.de ist eine Vermittlungsplattform für Gesundheitseinrichtungen, Medizinstudierende sowie weitere Studierende und Auszubildende im Gesundheitsbereich. Die
Einrichtungen können mit wenigen Klicks passende Helfende finden und direkt kontaktieren. Unter match4healthcare.de können sich ab heute (26.03.2020) um 18:00 Uhr Helfende und
Institutionen registrieren und in den Austausch treten. Weitere Informationen finden Sie unter @match4health_ auf Twitter.

Ansprechpartner:
Alexander Dückers
Samir Rabbata
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20.03.2020 BÄK und ZEKO für Stärkung der ambulanten Ethikberatung
Pressemeldung der Bundesärztekammer und Zentraler Ethikkommision

Berlin, 20.03.2020 – Die komplexe Versorgung von schwerkranken Menschen erfolgt zunehmend im außerklinischen Bereich. Dies geht für die Beteiligten mit ethischen Herausforderungen und
einem entsprechenden Unterstützungsbedarf einher. An dieser Stelle setzt Ethikberatung an, die das Ziel verfolgt, die ethische Kompetenz der beteiligten Personen zu fördern und sie in
schwierigen ethischen Entscheidungssituationen zu unterstützen.

Während im klinischen Bereich die unterschiedlichen Formen ethischer Entscheidungsunterstützung (z. B. Fallberatung, Fortbildungsangebote, ethische Leitlinien) mittlerweile breit etabliert sind, handelt es sich bei der Mehrzahl der Ethikberatungsangebote im außerklinischen Bereich um relativ
junge und zum Teil sehr unterschiedliche Initiativen.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (ZEKO) in Ergänzung zu ihrer Stellungnahme zur Ethikberatung in der klinischen Medizin aus dem Jahr 2006 mit der Ethikberatung im außerklinischen Bereich befasst.

Insgesamt begrüßt die ZEKO die zunehmende Etablierung von Ethikberatungsangeboten im außerklinischen Bereich, da die Angebote hier wie auch im klinischen Bereich zu ethisch besser
begründeten Entscheidungen führen können und ein Qualitätsmerkmal der medizinischen Versorgung darstellen. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme beschreibt die ZEKO in ihrer Stellungnahme die Herausforderungen bei der Implementierung, Organisation und Durchführung außerklinischer Ethikberatung und zeigt für typische Problemkonstellationen mögliche Lösungsansätze auf.

Der ZEKO ist es darüber hinaus ein wichtiges Anliegen, zur Vermeidung von Fehlentwicklungen und zur Weiterentwicklung der bestehenden Angebote beizutragen.

Abgestimmt mit der Veröffentlichung der ZEKO-Stellungnahme wollen die Landesärztekammern die sogenannte Ambulante Ethikberatung in Deutschland stärken und weiterentwickeln. Um die Arbeit verschiedener Einrichtungen für ambulante Ethikberatung und ihre Bedeutung sichtbar zu machen, wird eine vom Vorstand der Bundesärztekammer eingerichtete Arbeitsgruppe zeitnah konkrete Fallbeispiele, die von Experten aus ethischer, juristischer und medizinischer Sicht kommentiert
wurden, als Serie im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichen.

Ziel dieser Initiativen von BÄK und ZEKO ist es, eine Orientierungshilfe bei komplexen ethischen Fragestellungen in der ambulanten Versorgung zu geben und auf entsprechende Unterstützungs-möglichkeiten hinzuweisen.

Die Stellungnahme „Außerklinische Ethikberatung“ der ZEKO wurde am 20.03.2020 im Deutschen Ärzteblatt bekannt gemacht und auf der Internetseite der ZEKO veröffentlicht.
Link zur Stellungnahme:

https://www.zentrale-ethikkommission.de/ausserklinische-ethikberatung2019



19.03.2020 Datenbank voller Vitalfunktionen
uni | mediendienst | forschung Nr. 16/2020

FAU-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler erstellen Sammlung von Aufnahmen von Vitalfunktionen, um weitere Forschung zu ermöglichen
Für eine Studie zur Überwachung von Herztönen per Radar haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) Vitalfunktionen von Probandinnen und Probanden aufgenommen. Die Daten lassen jedoch nicht nur Rückschlüsse auf Herztöne, sondern auch auf weitere Parameter wie Puls und Atmung zu. Um weitere Forschung zu ermöglichen, haben die Wissenschaftler die Daten daher jetzt in einer Datenbank veröffentlicht.

Das FAU-Team hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Herztöne per Radar zuverlässig detektiert und diagnostiziert werden können. Mobile Radargeräte könnten künftig herkömmliche Stethoskope ersetzen, außerdem ist eine permanente berührungslose Überwachung der Vitalfunktionen mit stationärem Radar möglich. Für diese Studie hatten die Nachwuchsforscherinnen und -forscher die Vitaldaten von Probandinnen und Probanden in verschiedenen Aktivierungszuständen gemessen, also in Ruhe, nach dem Sport, usw. „Wir haben uns für unsere Studie auf die Herztöne konzentriert. Aber in den Daten steckt noch viel mehr Potenzial“, erklärt Kilin Shi, Doktorand am Lehrstuhl für Technische Elektronik. Zum Beispiel könnte anhand der Daten der Zusammenhang zwischen Herztönen, dem Pulssignal und der Atmung genauer untersucht und dadurch neue Zusammenhänge entdeckt werden. Deshalb haben die FAU-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Testaufnahmen in einer Datenbank gesammelt und der Forschungsgemeinde frei zur Verfügung gestellt.

Die Datenbank haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem Paper beschrieben, dass im Nature Scientific Data erschienen ist: https://www.nature.com/articles/s41597-020-0390-1
Eine detaillierte Pressemeldung zur berührungslosen Überwachung der Vitalfunktionen mit stationärem Radar finden Sie hier: https://www.fau.de/2018/08/news/wissenschaft/radar-statt-stethoskop/

Weitere Informationen:
Kilin Shi
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kilin.shi@fau.de

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17.03.2020 123. Deutscher Ärztetag in Mainz abgesagt
Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Berlin - Statement des Präsidenten der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt: „Die Ärzteschaft begrüßt den Beschluss von Bund und Ländern, öffentliche Veranstaltungen vor dem Hintergrund der
Corona-Epidemie in Deutschland bis auf Weiteres abzusagen.

Jeder Einzelne kann dazu beitragen, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, indem man den Kontakt zu anderen reduziert und
damit Infektionsmöglichkeiten minimiert. Ärztinnen und Ärzte sowie deren berufsständische Organisationen sind in besonderem Maße gefordert, in diesem Sinne Verantwortung zu übernehmen.
Aus diesem Grund hat der Vorstand der Bundesärztekammer beschlossen, den 123. Deutsche Ärztetag, der vom 19.05.2020 bis 22.05.2020 in Mainz tagen sollte, abzusagen. Ich danke den
Mitarbeitern der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz und insbesondere den Kollegen Dr. Günther Matheis und Dr. Jürgen Hoffart für das große Engagement in der Vorbereitung des geplanten Ärztetages. Und ich möchte diese Entscheidung auch mit einem ausdrücklichen Dank an die Ärztinnen und Ärzte und alle im Gesundheitswesen Tätigen für ihren bemerkenswerten Einsatz bei
der Bewältigung dieser Krise verbinden.“  

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10.03.2020 Loch in der Herzscheidewand – und dann?
uni | mediendienst | forschung Nr. 13/2020

Erlanger Studie erforscht Herzoperationen bei Kleinkindern und ihre Folgen – 58.000 Euro von der Deutschen Stiftung für Herzforschung

Die Deutsche Stiftung für Herzforschung fördert mit rund 58.000 Euro die Fortsetzung einer bereits 2015 gestarteten Studie am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): Untersucht werden aktuell Heranwachsende, die im Kleinkindalter wegen eines Ventrikelseptumdefekts (VSD) am Herzen operiert wurden. Dieses Loch in der Scheidewand zwischen den beiden Herzkammern ist der häufigste angeborene Herzfehler. Im Rahmen ihrer Studie wollen die Erlanger Ärzte und Psychologen klären, inwieweit sich ein Kind, das in der frühen Kindheit aufgrund eines VSD operiert wurde, psychisch anders entwickelt als Gleichaltrige ohne einen solchen Eingriff. Zudem werden Risiko- und Schutzfaktoren für eine gesunde Entwicklung untersucht. Die Studie ist ein Kooperationsprojekt der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit (Leiter: Prof. Dr. Gunther H. Moll) und der Kinderherzchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) des Uni-Klinikums Erlangen.

Die Kinder, die alle vor ihrem dritten Geburtstag in der Kinderherzchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen erfolgreich operiert wurden, kamen das erste Mal im Grundschulalter zur Datenerhebung in die Kinderpsychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen. Heute sind sie zwischen 11 und 13 Jahre alt.

Förderlich: Erziehung und mütterliches Wohlbefinden, frühe OP und ästhetische Narbe

Die Ergebnisse der ersten Erhebungswelle 2015 zeigten, dass die betroffenen Kinder im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe kognitiv und motorisch altersgerecht entwickelt waren. Auch ihr Wohlbefinden glich dem Gleichaltriger. Die sprachlichen Fertigkeiten der jungen Patienten waren ebenfalls unbeeinträchtigt – unter der Voraussetzung, dass sich die Mutter bei der Erziehung ihres Kindes sehr engagierte. Die Förderung des mütterlichen Erziehungsverhaltens scheint demnach besonders aussichtsreich für eine gesunde Entwicklung der operierten Kinder zu sein. Neurologische Auffälligkeiten können offenbar durch mütterliches Erziehungsverhalten kompensiert werden. Besondere Erlebens- und Verhaltensauffälligkeiten zeigten sich bei den operierten Kindern nur, wenn die Mütter selbst verstärkt Ängste entwickelten. Eine weniger ängstliche Mutter fungiert demnach als „Schutzfaktor“ für die Entwicklung ihres Kindes. Durch Speichelproben konnten auch neurobiologische Stressmarker einbezogen werden: Es wurde deutlich, dass das Stresssystem der betroffenen Kinder unverändert arbeitete, wohingegen deren Mütter oft höhere Stresshormonwerte aufwiesen als Vergleichsmütter herzgesunder Kinder.

Auch Merkmale der Operation und des Klinikaufenthalts wurden mit den Entwicklungsdaten in Zusammenhang gebracht. Es stellte sich heraus, dass die Kinder mit einer längeren OP-Narbe vermehrt Ängste hatten. Je länger die Kinder nach der Operation im Krankenhaus blieben, desto niedriger fielen ihr IQ und ihre Psychomotorik-Werte aus. Je jünger die Kinder bei ihrer Herz-OP waren, desto besser war schließlich ihr Wohlbefinden im Grundschulalter. Eine frühe Operation und eine „schöne“ Narbe können demnach eine altersgerechte Entwicklung unterstützen.

Zweiter Durchlauf mit operierten und gesunden Kindern

Die bisherigen Befunde sind vielversprechend – vor allem auf der Suche nach relevanten Risiko- bzw. Schutzfaktoren für die kindliche Entwicklung. Studien, die Kinder mit angeborenen Herzfehlern über einen längeren Zeitraum begleiten, sind rar; an einer homogenen Gruppe von Kindern mit angeborenem, isoliertem VSD fehlten sie bislang ganz. „Deshalb freuen wir uns umso mehr, unsere Längsschnittstudie nun mit Unterstützung der Deutschen Stiftung für Herzforschung weiterführen zu können“, sagt Studienleiterin PD Dr. Dr. Anna Eichler von der Kinderpsychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen.

Die bereits 2015 in Erlangen untersuchten 39 operierten Kinder sowie die gesunden Kontrollkinder von damals werden nun erneut für eine zweite Datenerhebung ins Uni-Klinikum Erlangen eingeladen.  „Wir möchten jetzt tiefer gehend erfassen, wie stabil oder eben veränderlich die gefundenen Beeinträchtigungen sind und welche Rolle Risiko- und Schutzfaktoren für die psychische Entwicklung spielen“, erklärt Anna Eichler. Dabei beziehen Dr. Dr. Eichler und ihr Team u. a. weitere Werte des Stresshormons Cortisol mit ein, das in den Haaren von Kind und Mutter nachweisbar ist. Zudem betrachten die Forscher die Narbe der Herz-OP noch genauer in ihrer Länge, Breite und Ästhetik. „Schließlich wollen wir Kinderherzchirurgen und -kardiologen Hinweise an die Hand geben, die die kindliche Entwicklung fördern“, sagt Anna Eichler.

Weitere Informationen:

PD Dr. Dr. Anna Eichler   Tel.: 09131/85-39123   anna.eichler@uk-erlangen.de

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03.03.2020 Versorgung von Menschen mit Demenz: zu späte Diagnose und hohe Pflegebelastung
uni| mediendienst | forschung Nr. 12/2020

FAU-Forschungsteam veröffentlicht Studien zur Situation von Demenzerkrankten und ihren Angehörigen

In Deutschland leben zurzeit rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz, bis zum Jahr 2050 wird die Zahl nach Schätzungen auf 2,7 Millionen ansteigen. Doch die Versorgung der Betroffenen im Alltag weist gravierende Mängel auf, wie aktuelle Forschungserkenntnisse der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen zeigen. Die Studien beleuchten etwa die oftmals zu späte Diagnosestellung, die hohe Belastung der pflegenden Angehörigen und die mangelhafte Versorgung kurz vor dem Tod.

Erstmals liegen damit bevölkerungsbasierte Daten zur Demenz-Versorgung im Alltag vor. Die Untersuchungen basieren auf dem Bayerischen Demenz Survey (BayDem), der 2015 bis 2017 in Dachau, Erlangen und Kronach durchgeführt und vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gefördert wurde. Dafür haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rund 700 Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen mehrfach befragt. Ihre Ergebnisse haben sie in fünf Studien veröffentlicht:

Zu spät erkannt

Demenzerkrankungen werden häufig erst spät erkannt, wie eine Untersuchung der FAU zeigt. So dauerte es bei der Hälfte der Befragten nach dem Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung fast anderthalb Jahre. Eine rechtzeitige Demenz-Diagnose ist für Menschen mit Demenz – und ihre Angehörigen – jedoch essenziell, um noch selbstbestimmt über anstehende Fragen zu entscheiden und Maßnahmen einzuleiten, die sich günstig auf den Krankheitsverlauf
auswirken können.

Kurzfassung der Studie:
https://digidem-bayern.de/demenz-wird-oft-erst-spaet-diagnostiziert/

Vollständige Studie:
https://eref.thieme.de/ejournals/1439-4421_2020_01#/10.1055-a-1031-9559

Pflege: Frauen stärker belastet als Männer, Kinder stärker als Partnerinnen und Partner

Rund zwei Drittel der Menschen mit Demenz werden zuhause von Angehörigen versorgt. Durch die Belastung werden diese jedoch häufig selbst krank und so zum „zweiten unsichtbaren Patienten“. Eine aktuelle Studie der FAU zeigt, welche Faktoren die Pflegebelastung beeinflussen. Ein Ergebnis: Frauen fühlen sich stärker belastet als Männer, Kinder stärker als Ehepartnerinnen und -partner. Am schwierigsten für die Angehörigen ist, wenn sich das Verhalten der Betroffenen verändert und die Alltagsfähigkeiten sich verschlechtern.

Kurzfassung der Studie:
https://digidem-bayern.de/einflussfaktoren-pflegebelastung/
Vollständige Studie:
https://eref.thieme.de/ejournals/1439-4421_2020_01#/10.1055-a-1071-7886


Angehörige nehmen nur selten Unterstützungsleistungen in Anspruch

Es gibt zahlreiche Entlastungsangebote für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz. Doch sie werden nur selten in Anspruch genommen, wie eine Studie der FAU zeigt. Durch die Pflege ihrer Familienmitglieder fühlten sich rund 37 Prozent der befragten Angehörigen schwer belastet. Trotzdem nahmen zu Studienbeginn nur etwa 36 Prozent der Menschen aus dem ländlichen Raum einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch, bei der städtischen Bevölkerung waren es rund 27 Prozent. Angebote wie Ergotherapie, Tagespflege oder hauswirtschaftliche Hilfen wurden noch deutlich seltener genutzt.

Kurzfassung der Studie:
https://digidem-bayern.de/pflegende-angehoerige-unterstuetzungsangebote/
Vollständige Studie:
https://eref.thieme.de/ejournals/1439-4421_2020_01#/10.1055-a-1071-7851

Menschen mit Demenz werden vor ihrem Tod vom System allein gelassen

Wie werden Menschen mit Demenz in ihrer letzten Lebensphase versorgt? Woran sterben sie – und wo? Eine aktuelle Untersuchung der FAU hat gravierende Defizite aufgedeckt: Es gibt keine angemessene Palliativversorgung für Betroffene. Kein einziger der Probandinnen und Probanden war auf einer Palliativstation verstorben oder spezialisiert palliativ versorgt worden. Da das Konzept der Palliativversorgung für Krebspatientinnen und -patienten entwickelt wurde, fehlen evidenzbasierte Leitlinien für den Demenz-Bereich.

Kurzfassung der Studie:
https://digidem-bayern.de/menschen-mit-demenz-letzte-lebensphase/
Vollständige Studie:
https://eref.thieme.de/ejournals/1439-4421_2020_01#/10.1055-a-1033-7159

Demenz im Pflegeheim: Dämpfende Arzneimittel erhöhen Sturzgefahr

Wenn eine Demenzerkrankung weit fortgeschritten ist, lässt sich der Übergang in ein Pflegeheim häufig nicht mehr vermeiden. Aufgrund ihrer Symptome und begleitender Erkrankungen erhalten Menschen mit Demenz dort oft eine Vielzahl von Medikamenten.

Weitere Informationen:

Kathrin Seebahn
digiDEM Bayern
Tel.: 0172/23 77 36
kathrin.seebahn@fau.de

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28.02.2020 Gemeinsame Medienmitteilung von Staalichem Gesundheitsamt Erlangen, Universitätsklinikum Erlangen

Erlangen. Seit Donnerstagabend (27.02.2020) wird am Universitätsklinikum Erlangen ein erster Patient von SARS-CoV-2 stationär behandelt. Es handelt sich um einen Arzt aus der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen, der am vergangenen Wochenende bei einem Ärzte-Workshop in München Kontakt mit einem italienischen Arzt hatte, der nach seiner Rückkehr nach Italien positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde.


Dem betroffenen Oberarzt, der sofort nach der positiven Coronavirus-Testung in einem Isolierzimmer der Hautklinik stationär aufgenommen wurde, geht es nach eigenen Worten „soweit gut“: „Ich war perplex, als ich am Mittwochabend den Anruf aus dem Gesundheitsamt bekam, dass ich mich wohlmöglich von einem italienischen Kollegen bei einer Konferenz in München mit dem Coronavirus angesteckt haben könnte.“ Aktuell berichtet der Patient: „Der Hals kratzt ein wenig, die Nase läuft, es ist wie bei einer leichten Erkältung.“ Fieber hat der Patient nicht. Sein Zustand ist stabil.

Wie der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes, Dr. Frank Neumann, berichtet, hat die Behörde bislang 47 Personen ermittelt, die ab Montag, 24.02.2020, Kontakt zu dem Betroffenen in der Hautklinik hatten. Die Liste der Kontaktpersonen wird ständig aktualisiert. Darunter sind 27 Mitarbeiter, die engeren Kontakt zum erkrankten Oberarzt hatten. Diese engeren Kontaktpersonen wurden heute schnellstmöglich häuslich isoliert und auf das Virus getestet. Die Maßnahmen erfolgten in laufender enger Zusammenarbeit zwischen dem Gesundheitsamt Erlangen-Höchstadt, dem Landratsamt Erlangen-Höchstadt, der Stadt Erlangen und dem Universitätsklinikum Erlangen.

„Ich danke dem Staatlichen Gesundheitsamt und dem Universitätsklinikum, wie umsichtig und schnell sie in dem Fall vorgehen. Stadt und Gesundheitsamt stehen in ständigem und engen Kontakt,“ sagt Oberbürgermeister Florian Janik. „Wir werden die Entwicklung beobachten und die Lage gemeinsam in enger Abstimmung von Tag zu Tag neu beurteilen“, schließt sich Landrat Alexander Tritthart an.

Hautklinik in weiten Bereichen vorerst geschlossen – Notfallversorgung sichergestellt

Die Krankenversorgung in der Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen, in der der erkrankte Oberarzt in dieser Woche von Montag bis Mittwoch tätig war, wurde heruntergefahren und es wurde eine Isolierstation eröffnet, auf der mögliche weitere SARS-CoV-2-Patienten behandelt werden können. „Alle Patienten der Hautklinik, bei denen eine stationäre Weiterbehandlung erforderlich ist, versorgen wir auf einer zweiten dermatologischen Station weiterhin in vollem Umfang, insbesondere unsere onkologischen Patienten“, sagt Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Erlangen. „Ambulante Behandlungen sowie stationäre Neuaufnahmen sind derzeit in der Hautklinik nur eingeschränkt möglich. Die Versorgung von dermatologischen Notfällen oder die ambulante Weiterversorgung von schwer kranken Patienten der Hautklinik ist aber jederzeit sichergestellt. Patienten der Hautklinik, die in den kommenden zwei Wochen einen Termin vereinbart hatten, werden gebeten, sich an der Aufnahme der Hautklinik zu melden.“ Die Hautklinik hat eine Hotline für betroffene Patienten eingerichtet, die unter 09131 85-40409 erreichbar ist. Die Hotline der Hautklinik ist von Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr erreichbar.

„Die Krankenversorgung am Universitätsklinikum Erlangen ist in allen Bereichen weiterhin ohne Gefahr für Patienten und Mitarbeiter sichergestellt“, sagte der Ärztliche Direktor. „Wir haben aktuell eine Situation, wie wir sie nahezu jährlich in ähnlicher Form in der Grippesaison erleben. Wir sind darauf vorbereitet und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen mit der aktuellen Situation hochprofessionell um.“

Alle Personen, die selbst von einer Infektionserkrankung (z. B. Schnupfen, grippaler Infekt oder Durchfall) betroffen sind, werden gebeten, momentan von Besuchen Angehöriger im Universitätsklinikum Erlangen abzusehen.

Weitere Informationen für Patienten

Besucher und Patienten, die seit vergangenem Montag, 24.02.2020, in der Hautklinik waren und grippeähnliche Symptome verspüren, werden gebeten, sich zunächst telefonisch bei ihrem Hausarzt oder dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst zur diagnostischen Abklärung zu melden.

Empfehlungen für die Bürgerinnen und Bürger

Um das Erkrankungsrisiko so weit wie möglich abzusenken, wird den Bürgerinnen und Bürger empfohlen, die angesichts der ebenfalls andauernden Influenzawelle bewährten Hygienestandards einzuhalten: regelmäßiges, gut 30-sekündiges Händewaschen mit Seife und sorgfältiges Abspülen, auf Händeschütteln verzichten und beim Husten oder Niesen Einmaltaschentücher oder die Armbeuge benutzen sowie Abstand von anderen Personen zu halten.

Wer Symptome wie Fieber, Husten oder Atemnot hat, sollte sich telefonisch an seinen Hausarzt beziehungsweise einen niedergelassenen Arzt oder eine niedergelassene Ärztin wenden und dort sagen, woher er kommt und mit welchen Symptomen.

Schulen, Kindertagesstätten, Veranstaltungen
Nach derzeitigem Stand öffnen Schulen und Kindertagesstätten nach den Faschingsferien wie gewohnt. Die Einrichtungen sind informiert und sensibilisiert. Kranke Kinder dürfen generell nicht in die Einrichtungen geschickt werden.

Aus Sicht des Gesundheitsamtes gibt es derzeit keinen Anlass, geplante Veranstaltungen in der Stadt und Landkreis einzuschränken.

Informationstelefon
Am Samstag und am Sonntag ist ein Bürgertelefon beim Staatlichen Gesundheitsamt unter der Telefonnummer 09131 803 2655 von 10 bis 16 Uhr eingerichtet.

Für allgemeine Fragen zum Coronavirus verweisen wir auf die Coronavirus-Hotline in Bayern unter der Telefonnummer 09131 6808-5101. Weitere Informationen unter www.coronavirus.bayern.de.

Weitere Informationen:
Stephanie Mack
Landratsamt Erlangen-Höchstadt
Telefon 09131 / 803 - 1111
E-Mail: stephanie.mack@erlangen-hoechstadt.de 
www.erlangen-hoechstadt.de

 
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25.02.2020 Neues Bildgebungsverfahren für die Brustkrebsdiagnostik
uni | mediendienst | aktuell Nr. 23/2020


Deutschlandpremiere: Hochmodernes Gerät mit exzellenter Bildqualität schafft angenehme Untersuchungssituation für Patientinnen
Brustkrebs gilt mit rund 69.000 Neuerkrankungen jährlich als die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Eine optimale Bildgebung bei der Diagnostik dieser Karzinome unterstützt die möglichst frühzeitige und zielgerichtete Therapie. Als bundesweit erste Einrichtung setzt das Radiologische Institut (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) des Universitätsklinikums Erlangen nun einen Spiral-Brust-Computertomografen in der Patientenversorgung ein. Ein technologischer Meilenstein, mit dem das Universitäts-Brustzentrum Franken (Sprecher: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Uni-Klinikums Erlangen seine erstklassige interdisziplinäre Versorgung von Brustkrebspatientinnen weiter verbessert.

Als neues Verfahren zur Bildgebung der weiblichen Brust ermöglicht der Spiral-Brust-Computertomograf (CT) eine hochauflösende, dreidimensionale Bildqualität und diese mit der gleichen niedrigen Strahlendosis, die auch bei der herkömmlichen Mammografie angewendet wird. „Für die Patientinnen ist das neue Verfahren spürbar angenehmer, weil für die Untersuchung mit dem Brust-CT keine Kompression der Brust erfolgen muss“, erklärt Prof. Dr. Rüdiger Schulz-Wendtland, Oberarzt des Radiologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen. Beim neuen Spiral-Brust-CT liegt die untersuchte Brust entspannt in der dafür vorgesehenen Öffnung des Geräts und wird spiralförmig innerhalb von wenigen Sekunden vollständig gescannt. Die Spezialisten des Uni-Klinikums Erlangen verwenden die exzellente Bildgebung des neuen Brust-CTs zur Klärung eines bereits bestehenden Anfangsverdachts auf Brustkrebs und zur OP-Vorbereitung.

Einladung für Medienvertreter: Einweihungsfeier am 04.03.2020


Vertreter der Medien sind herzlich zur Teilnahme an der offiziellen Einweihung des Spiral-Brust-CTs am Mittwoch, 4. März 2020, um 19.00 Uhr eingeladen.

Programm:

19.00 Uhr Eröffnung

19.15 Uhr Physikalische Grundlagen des Mamma-CTs

19.30 Uhr Erste Bildbeispiele der Brust-CT

19.45 Uhr Die Rolle der Mamma-CT in der komplementären Mammadiagnostik

20.00 Uhr Diskussion, anschl. Besichtigung des Brust-CTs bei Imbiss und Getränken

Die Veranstaltung findet im kleinen Hörsaal der Frauenklinik in der Krankenhausstraße 12 in Erlangen statt. Es besteht jederzeit die Möglichkeit zu Foto- und Filmaufnahmen von dem Gerät. Gern steht Prof. Schulz-Wendtland für erläuternde Interviews zur Verfügung. Um Anmeldung per E-Mail an sibylle.pfeiffer@uk-erlangen.de wird gebeten.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Rüdiger Schulz-Wendtland

Tel.: 09131 85-33460

ruediger.schulz-wendtland@uk-erlangen.de

Bildmaterial: https://www.fau.de/files/2020/02/nuview_Model_AB-CT.jpg

Eine neue hochtechnologische Perspektive hilft Brustkrebspatientinnen: Das Uni-Klinikum Erlangen setzt den neuen Spiral-Brust--CT „nu:view“ als erstes Krankenhaus in Deutschland ein. (Bild: AB-CT – Advanced Breast-CT GmbH)



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18.02.2020 Trojanisches Pferd für Tumorzellen-FAU-Wissenschaftler verfolgt völlig neuen Ansatz zu Metastasen
uni| mediendienst | forschung Nr. 09/2020

Können Fresszellen wie ein trojanisches Pferd Tumorzellen in sich tragen und damit Metastasen bei Krebskranken verursachen? Mit dieser ungewöhnlichen Frage ist PD Dr. Heiko Bruns vom Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in das Förderprogramm „Experiment! – Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“ aufgenommen worden. Bis Ende 2021 fördert ihn die VolkswagenStiftung mit 120.000 Euro. Das Projekt startet im Frühjahr.

Die Forschung ist von großer Bedeutung, weil Metastasen als die größte Gefahr bei Krebserkrankungen gelten. Wie sich Metastasen bilden, ist aber nicht gut genug geklärt, berichtet Dr. Bruns. Heiko Bruns, der die Arbeitsgruppe „Immunmodulation des Tumormikromilieus“ an der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Uni-Klinikums Erlangen leitet, geht nun von einer völlig neuen Hypothese aus: Einzelne Tumorzellen werden zwar von Fresszellen, so genannten Makrophagen, aufgenommen, aber nicht zwingend getötet. Stattdessen nutzten sie die Makrophagen als „Trojanische Pferde“. Dadurch könnten sie quasi unerkannt durch den Körper wandern und andere Standorte mit den Zellen besiedeln. „Dann könnten sie eine der Ursachen für Metastasen sein“, sagt der Forscher. Sollte sich dieser Ansatz bewahrheiten, könnten die Krebsforscherinnen und -forscher mit Therapien gegen bestimmte Makrophagen oder ihre Mechanismen vorgehen: „Dann ließen sich Metastasen gezielter und schneller verhindern“, hofft der Wissenschaftler.

Link zur ausführlichen Pressemitteilung:
https://www.fau.de/2020/02/news/wissenschaft/trojanisches-pferd-fuer-tumorzellen/

Weitere Informationen:
PD Dr. Heiko Bruns, Lehrstuhl für Hämatologie/Internistische Onkologie, Tel.: 09131/85-43163, heiko.bruns@uk-erlangen.de


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12.02.2020 Sechs Meter Sicht: Dünndarmspiegelung mit Spiralenteroskop

Eines von deutschlandweit drei Instrumenten in Erlangen im Einsatz – bessere Dünndarmdiagnostik und kürzere Untersuchungsdauer
Antje U. aus Schwarzenbruck war am Ende: Anderthalb Jahre lang hatte sie immer wieder Darmblutungen. Bei ihren Toilettengängen verlor sie so viel Blut, dass ihr Eisenwert abstürzte und sie sich nur noch schlapp fühlte. Dazu kam die Angst: Der Vater der 54-Jährigen hatte Darmkrebs – war sie selbst auch betroffen? Nach strapaziösen Monaten ließ sich Antje U. von Prof. Dr. Timo Rath in der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen untersuchen – mit einem neuen Endoskop, das es in ganz Deutschland nur dreimal gibt.

„Im Mai 2018 ging das los“, berichtet Antje U. „Ich hatte gerade Spätdienst und als ich auf die Toilette ging, kam nur Blut“, so die Krankenschwester. Sie ließ sich gleich vor Ort in „ihrer“ Klinik durchchecken. In den kommenden Wochen folgten etliche Darm- und Magenspiegelungen – doch weder die noch eine Magnetresonanztomografie konnten Darmdivertikel bestätigen. Diese Ausstülpungen der Darmwand hatten die Ärzte zunächst als Ursache für die Blutungen vermutet. Fünf Monate lang war Antje U. krankgeschrieben. Im Januar 2020 verlor die 54-Jährige schließlich so viel Blut, dass sie in die Notaufnahme des Klinikums Nürnberg gebracht werden musste. „Der Hämoglobinwert, also der rote Blutfarbstoff, liegt normalerweise bei 12. Bei mir war er bis auf 6,1 gesunken“, schildert die Krankenschwester die dramatische Situation. Antje U. bekam gleich zwei Blutkonserven.

Spirale statt Ballons
Mittels einer Kapselendoskopie kamen die Ärzte in Nürnberg der Ursache näher: Antje U. schluckte eine kleine Videokapsel. Die passierte den Verdauungstrakt und sammelte dabei Bilder von mehreren Blutungen im Dünndarm. „Aber die Kapsel kann leider nicht anhalten, wenn sie eine auffällige Stelle sieht, und eine Therapie ist mit ihr auch nicht möglich. Da müssen wir danach mit dem Endoskop hin“, erklärt Oberarzt Prof. Rath von der Medizin 1 des Uni-Klinikums Erlangen. Den Dünndarm untersuchten Gastroenterologen bisher mithilfe der Doppelballon-Enteroskopie: Dabei werden zwei kleine Ballons nacheinander aufgeblasen und wieder entleert, sodass sich der Untersuchungsschlauch langsam in den Darm hineinschiebt. Doch die Methode ist sehr aufwendig und zeitintensiv, weshalb Ärzte den Dünndarm oft nicht mit einem Mal untersuchen können oder tieferliegende Abschnitte gar nicht erreichen. Timo Rath verwendete deshalb bei seiner Patientin Antje U. ein Spiralenteroskop: Mit diesem neuen speziellen Endoskop kann er den gesamten drei bis sechs Meter langen Dünndarm einsehen. „Bei 15 Prozent der Patienten lässt sich dieser Darmabschnitt damit innerhalb einer Stunde komplett untersuchen“, sagt Timo Rath. Seit Kurzem ist in Erlangen eines von bundesweit nur drei solcher Geräte im Einsatz.

Motorisiert und behutsam
Über den Arbeitskanal des Spiralenteroskops können die Ärzte zum Beispiel Biopsien entnehmen oder Darmpolypen entfernen. Bei Antje U. war allerdings eine Krampfader im Dünndarm geplatzt. Die 54-Jährige wurde als eine der Ersten am Uni-Klinikum Erlangen mit dem neuen Instrument untersucht. „Wir haben bei ihr insgesamt vier Stellen im Dünndarm verödet und damit die Blutungen gestoppt“, erklärt Prof. Rath. Je nachdem, an welcher Stelle das Problem liegt und welcher Zugangsweg kürzer ist, kann die Spiegelung über den Darm oder auch über den Mund erfolgen. Das Spiralenteroskop arbeitet motorgesteuert: Behutsam fädelt eine flexible Spirale den Dünndarm Stück für Stück auf das Arbeitsinstrument auf. „Das Enteroskop lässt sich per Fußschalter aktivieren und sehr gut im Darm nach vorn und zurück manövrieren. Bei zu viel Widerstand stoppt der Motor automatisch“, beruhigt Prof. Rath. Als eines von europaweit 13 Zentren nimmt das Uni-Klinikum Erlangen jetzt an einer Registerstudie teil, die umfassende Daten zur Diagnostik und Therapie mit dem Spiralenteroskop erhebt.

Als Krankenschwester war Antje U. natürlich nach ihrer Behandlung sehr neugierig, welchem Gerät sie die erfolgreiche Therapie verdankt. „Ich hätte es mir viel länger vorgestellt“, sagt sie, als sie sich das Spiralenteroskop zusammen mit Timo Rath ansieht. Seit Februar 2020 kann Antje U. nun wieder arbeiten, die Blutungen sind passé. „Der Eingriff in Erlangen war die letzte Hoffnung, ohne eine große OP geheilt zu werden. Wir Krankenschwestern sind hart im Nehmen, aber ich bin überglücklich, dass das jetzt ein Ende hat.“

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Timo Rath
Tel.: 09131 85-35208
timo.rath@uk-erlangen.de  
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05.02.2020 Rundumversorgung für Nierentransplantierte
uni | mediendienst | aktuell Nr. 15/2020

1.000 Patienten beteiligen sich an innovativem Projekt – positive Zwischenbilanz des Nachsorgeprogramms „NTx360°“
Für Menschen, deren Nieren dauerhaft versagen, ist eine Nierentransplantation die beste Therapieform. Kann nach oft langer Wartezeit endlich ein Spenderorgan übertragen werden, ist für die Betroffenen ein wichtiger Schritt getan. Doch damit die Transplantation langfristig erfolgreich ist, muss eine umfassende Nachsorge erfolgen. Hier setzt das Innovationsprojekt „NTx360°“ an. Es hat zum Ziel, das transplantierte Organ möglichst lange zu erhalten, die Lebensqualität zu steigern und die medizinische Versorgung zu optimieren. Dadurch sollen Krankenhausaufenthalte vermieden und die Nachsorge wirtschaftlicher werden. 2017 begann das Nachsorgeprogramm an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) als sogenannte neue Versorgungsform. Nach drei Jahren blicken die Projektleiter des Universitätsklinikums Erlangen und der MHH auf eine positive Entwicklung und freuen sich über die große Zustimmung bei den Patienten. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 1.000 Patienten – Kinder und Erwachsene – an dem wissenschaftlich begleiteten Projekt.

Digitalisierte Rundumbetreuung für Nieren-Transplantierte

Etwa acht Prozent der Nierentransplantierten verlieren das neue Organ in den ersten drei Jahren nach der Verpflanzung wieder. In den Folgejahren nimmt das Transplantatversagen weiter stetig zu. „Schon geringe Abweichungen in der Medikamenteneinnahme erhöhen das Risiko für eine Abstoßung deutlich“, erklärt Prof. Dr. Lars Pape von der MHH-Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen. „Ein weiteres Risiko für die Gesundheit stellen Folgeerkrankungen dar, die bei Transplantierten häufig auftreten, dazu gehören Herz- und Kreislauferkrankungen“, ergänzt Prof. Dr. Mario Schiffer, Direktor der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie des Universitätsklinikums Erlangen. Prof. Pape und Prof. Schiffer starteten das Innovationsfondsprojekt „NTx360°“ gemeinsam in Hannover in Kooperation mit dem Nephrologischen Zentrum Hann. Münden. Nach seinem Wechsel an das Uni-Klinikum Erlangen etablierte Prof. Schiffer das Projekt auch dort. Mit „NTx360°“ bauten die Nephrologen ein neuartiges Versorgungsnetzwerk auf, das den Patienten eine digitalisierte Rundumbetreuung mit individuell angepasster Therapie anbietet.

Transplantationszentrum und niedergelassene Ärzte arbeiten eng zusammen


Da die optimale Versorgung Transplantierter sehr komplex ist, arbeiten bei dem Projekt alle Beteiligten eng zusammen: Neben den Transplantationszentren sind das beispielsweise die niedergelassenen Nephrologen in Niedersachsen, die die Patienten wohnortnah betreuen, sowie das MHH-Institut für Sportmedizin und die Sportkardiologie der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Stephan Achenbach) des Uni-Klinikums Erlangen, die für alle Teilnehmenden eine persönliche Trainingstherapie für eine bessere körperliche Fitness entwickeln. Mit dabei sind auch die MHH-Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie sowie die Psychosomatische und Psychotherapeutische Abteilung (Leiterin: Prof. Dr. (TR) Yesim Erim) des Uni-Klinikums Erlangen, die die Patienten nach der Transplantation mitbegleiten und bei Bedarf eine psychosoziale Unterstützung anbieten. Weitere wichtige Beteiligte sind die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) und die niedersächsischen Krankenkassen, allen voran die AOK Niedersachsen, bei der allein rund 250 teilnehmende Patienten versichert sind. Außer den AOKen verschiedener Regionen sind unter anderem die TK, die DAK, die Barmer EK und die meisten BKKen mit im Boot.

Kernstück ist ein Telemedizin-Netzwerk


Kernstück des Programms ist ein telemedizinisches Netzwerk mit gemeinsamer elektronischer Patientenakte, auf die alle beteiligten Ärzte in den Transplantationszentren sowie in den Praxen vor Ort Zugriff haben. Auch die Patienten selbst haben Einblick in ihre Daten. „Die Telemedizin führt zu einer besseren Kommunikation und Koordination der Versorgung. Die Patienten müssen dadurch nicht mehr so häufig in die Transplantationszentren fahren“, sagt Prof. Pape. Prof. Schiffer sieht einen weiteren Vorteil in den Televisiten. „Risiken für die Gesundheit der Patienten können früher erkannt und entsprechende therapeutische Gegenmaßnahmen ergriffen werden.“ Trotz der Komplexität des Projekts haben die Transplantierten immer feste Ansprechpartnerinnen: Die sogenannten Fall-Managerinnen koordinieren die gesamte Nachsorge, vereinbaren Termine bei Ärzten und Therapeuten, beantworten Fragen zu Rezepten und zur Medikamenteneinnahme und haben stets ein offenes Ohr für die Belange der Betroffenen.

1.000 Teilnehmer in Projekt eingeschlossen

Die beiden Projektleiter freuen sich darüber, dass „NTx360°“ bei den Nierentransplantierten so gut ankommt. Rund 90 Prozent der angesprochenen Patienten haben sich zum Mitmachen entschlossen. Die meisten der mehr als 1.000 Teilnehmenden wurden in der MHH transplantiert. Zu ihnen gehört auch Ralf A. aus Bielefeld. Der 64-Jährige bekam 2015 ein neues Organ. Nach zwei Jahren Dialyse erhielt er durch eine Lebendspende von seiner Ehefrau eine Niere. „Mir gefällt das Projekt, weil es den ganzen Menschen einbezieht und mehrere Fachrichtungen in die Nachsorge eingebunden sind“, erklärt Ralf A. Ihm haben beispielsweise die Empfehlungen der Experten des Instituts für Sportmedizin sehr geholfen.

„Um mich fit zu halten, mache ich mein individuelles Kardiotraining an Geräten“, berichtet er. Das Angebot der MHH-Sportmediziner wird insgesamt gut wahrgenommen. Bisher gab es rund 900 Assessments und mehr als 1.300 persönliche Trainingssprechstunden. Die psychosomatische Betreuung ist ebenfalls gefragt: Die MHH-Klinik verzeichnet bisher rund 2.170 Assessments und Re-Assessments sowie 360 Termine zur psychosozialen Unterstützung. „Die Angebote der Psychosomatik werden auch von Familien mit nierentransplantierten Kindern genutzt. Davon profitieren alle Familienmitglieder“, erklärt Prof. Pape.

Innovationsfonds fördert NTx360° mit sechs Millionen Euro

Das fach- und sektorenübergreifende Projekt „NTx360°“ wird für den Zeitraum 2017 bis 2021 mit rund sechs Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert. Es ist das erste Versorgungsprogramm, in dem Kinder und Erwachsene gemeinsam betreut werden. Das gesamte Projekt wird vom IGES-Institut aus Berlin unabhängig evaluiert und nach Abschluss des Projekts ausgewertet. „Alle Anteile, die nachweislich die Gesundheit der Patienten verbessern, sollen bundesweit in die Regelversorgung übernommen werden“, sagt Prof. Schiffer.

Die MHH ist das größte Transplantationszentrum Deutschlands. Dort werden jährlich bis zu 170 Spendernieren verpflanzt. Im Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg am Universitätsklinikum Erlangen werden jedes Jahr rund 70 Nieren transplantiert.

Mehr Informationen über das Projekt „NTx360°“: http://www.ntx360grad.de

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mario Schiffer
Tel.: 09131 85-39002
med4@uk-erlangen.de

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04.02.2020 Bessere Tracer für die Bildgebung Humboldt-Stipendiat Dr. Sandip Shinde forscht zu PET-Bildgebung
uni| mediendienst | forschung Nr. 07/2020

Der Humboldt-Stipendiat Dr. Sandip Shinde forscht an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) an der Entwicklung effizienter, kostengünstiger und schneller radioaktiver Markierungsprozesse mit Fluor-18, um die Synthese von Radiopharmaka für die PET zu erleichtern. Die PET (Positronen-Emissions-Tomographie) ist ein bildgebendes Verfahren, das zur Diagnose von verschiedenen Krankheiten, unter anderem Krebs, eingesetzt wird. Dabei werden den Erkrankten mit Fluor-18 leicht radioaktiv markierte Moleküle, sogenannte Tracer, verabreicht. Basierend auf deren Verteilung im Körper werden Schnittbilder des Körperinneren errechnet. Die PET-Technik eignet sich besonders für den Nachweis von Krebs im Anfangsstadium.
 
Dr. Sandip Shinde hat an der indischen Swami Ramand Teerth Marathwanda Universität seinen Master in Organischer Chemie gemacht. Im Anschluss promovierte er an der Inha Universität in Korea. Nach verschiedenen Stationen in Indien, Korea und Japan ist er seit 2013 Assistant Professor am CSIR-National Chemical Laboratory in Indien.
 
Mit dem Humboldt-Forschungsstipendium für erfahrene Wissenschaftler fördert die Alexander-von-Humboldt-Stiftung überdurchschnittlich qualifizierte Forschende aus dem Ausland, die ihre Promotion vor nicht mehr als 12 Jahren abgeschlossen haben.
 
Ein Interview mit Dr. Sandip Shinde ist online unter https://www.fau.de/2020/01/news/wissenschaft/dr-sandip-shinde/
 
Weitere Informationen:
Pressestelle der FAU, Tel.: 09131/85-70229, presse@fau.de
 
 
Digitalisierung in der Schwangerenvorsorge
Gesundheitsministerium fördert FAU-Projekt SMART Start
 
Weg von fehleranfälligen analogen Methoden hin zu einer optimierten digitalen Lösung: Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) erarbeiten in dem Projekt SMART Start Grundlagen für einen Ausbau des digitalen Angebots in der medizinischen Versorgung für Schwangere. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert das Projekt in den kommenden zweieinhalb Jahren mit 3,2 Millionen Euro.
 
Ziel ist es herauszufinden, wie sensorische Untersuchungen – beispielsweise die Messung von Herzraten und Kontraktionen, Urintests oder Ultraschall – zukünftig mit Hilfe von intelligenten Geräten einfach zu Hause durchgeführt werden können. Auf diese Weise ließe sich der Aufwand für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen reduzieren, denn für Schwangere könnten so etliche Besuche in der Arztpraxis entfallen. Gleichzeitig erhält fachkundiges Medizinpersonal per App-Schnittstelle immer aktuelle Informationen über alle Messwerte und kann bei Auffälligkeiten schneller Maßnahmen ergreifen.
 
Realisiert wird das Projekt am Lehrstuhl für Maschinelles Lernen und Datenanalytik von Prof. Dr. Bjoern Eskofier in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Matthias W. Beckmann und Prof. Dr. Peter A. Fasching von der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen und den Lehrstühlen für Ethik, Psychologie, Gesundheitsmanagement sowie verschiedenen externen Partnern.
 
Eine ausführlichere Meldung finden Sie unter: https://www.fau.de/2020/02/news/wissenschaft/smart-durch-die-schwangerschaft/
 
Zur Webseite des Lehrstuhls Informatik 14 für Maschinelles Lernen und Datenanalytik: http://www.mad.tf.fau.de
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Bjoern Eskofier, bjoern.eskofier@fau.de
 
 
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04.02.2020 Digitalisierung in der Schwangerenvorsorge Gesundheitsministerium fördert FAU-Projekt SMART Start
uni| mediendienst | forschung Nr. 07/2020

Weg von fehleranfälligen analogen Methoden hin zu einer optimierten digitalen Lösung: Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) erarbeiten in dem Projekt SMART Start Grundlagen für einen Ausbau des digitalen Angebots in der medizinischen Versorgung für Schwangere. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert das Projekt in den kommenden zweieinhalb Jahren mit 3,2 Millionen Euro.
 
Ziel ist es herauszufinden, wie sensorische Untersuchungen – beispielsweise die Messung von Herzraten und Kontraktionen, Urintests oder Ultraschall – zukünftig mit Hilfe von