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Pressemeldungen

15.10.2020 Hohe Nachfrage bei Grippeimpfungen
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Naturgemäß verkürzen Politiker-Schlagzeilen manchmal komplizierte Sachverhalte, daher kann ich die Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, es bestünden ‚Keine Engpässe bei Grippeimpfstoffen‘ nicht so stehen lassen“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Fakt sei, dass in Bayern viele Praxen noch nicht einmal die vorbestellten Impfstoffe komplett erhalten hätten. Nachbestellungen seien derzeit zwar möglich, jedoch zeitlich nicht absehbar. „Ob in Zukunft fristgerecht geliefert werden wird, ist eine Hypothek auf die Zu-kunft“, so Bayerns Kammerchef. Die Nachfrage bei Grippeimpfungen sei in diesem Jahr auch in Bayern sehr hoch. Daher seien in einigen Hausarztpraxen die ersten Impfdosen bereits verimpft. Quitterers Appell an die Politik: „Nicht nur die Bevölkerung zum Impfen aufrufen, sondern auch sicherstellen, dass die impfwilligen Patientinnen und Patienten, vor allem die Risikopatienten und chronisch Kranken, diese Impfung auch erhalten können.“

10.10.2020 Professionelle Impfberatung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Delegierten des 79. Bayerischen Ärztetages (BÄT) forderten bei ihrer Arbeitstagung am 10. Oktober den Gesetzgeber auf, sicherzustellen, dass Schutzimpfungen als komplexe spezifische Prophylaxe im Kontext aller potenziellen Präventionsleistungen in ärztlicher Kompetenz verbleiben.

Die Pilotprojekte nach § 132j Sozialgesetzbuch V (Grippeimpfung durch Apotheker) müssten zügig evaluiert werden, auch hinsichtlich etwaiger Zwischenfälle. Die Evaluation sollte auch untersuchen, ob durch eventuell unterlassene Arztbesuche ärztliche Präventionsbemühungen unterlaufen werden. Besonderes Augenmerk müsse in den Regionen, in denen die Modellversuche zur Grippeimpfung in Apotheken laufen, auch der gerechten Verteilung des Impfstoffes im Fall der Verknappung geschenkt werden. Es könne nicht angehen, dass in Arztpraxen Patienten, die nicht unter die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts fallen, mit Rücksicht auf knapp werdende Ressourcen unter Um-ständen nicht geimpft werden, dann in Apotheken geimpft werden. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege wurde aufgefordert, regelmäßig über die in Bayern zur Verfügung stehenden Impfdosen zu berichten und Empfehlungen hinsichtlich des zu impfenden Personen-kreises abzugeben, an die sich die Ärzte und Apotheker gleichermaßen halten sollen.

Durch die Ärzteschaft könne eine Diagnose möglicher akuter Erkrankungen und die Erfassung des komplexen Impfstatus der Patientinnen und Patienten erfolgen und notwendige Impfungen möglichst passgenau, niedrigschwellig und in Kombination ärztlich injiziert und begleitet werden. Im Falle von seltenen, aber durchaus schwerwiegenden Impfkomplikationen, wie etwa allergischen Reaktionen, könnten so ärztliche Notfallmaßnahmen ohne gefährliche Zeitverzögerung eingeleitet werden. Der Arztbesuch könne darüber hinaus als adäquater Anlass zur professionellen Beratung und Zuleitung zu weiteren Präventionsangeboten genutzt werden. So könne das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis nicht nur die Durch-führung der notwendigen (Kombinations-)Impfung im Gesamtkontext der potenziellen Präventionsleistungen ermöglichen, sondern auch zur Förderung und Prägung des Gesundheitsbewusstseins beitragen.

10.10.2020 Aussagekraft von PCR-Tests auf SARS-CoV-2 erhöhen
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Delegierten des 79. Bayerischen Ärztetags haben am 10. Oktober in München die Bayerische Staatsregierung dazu aufgefordert, Anstrengungen zu unternehmen, die millionenfach durchgeführten RT-PCR-Tests auf SARS-CoV-2 mit Aussagekraft zur tatsächlichen Infektiosität eines Trägers des Coronavirus auszustatten.

In mehreren wissenschaftlichen Arbeiten sei der Zusammenhang zwischen der Zahl der Amplifikationszyklen im PCR-Zyklus bis zum Auftreten eines positiven Signals und der Nachweisbarkeit eines kultivierbaren Virus belegt worden, so der Beschlusstext.

Im Rahmen eines PCR-Tests werden die in einer Probe enthaltenen Erb-gutspuren in mehreren Zyklen immer wieder verdoppelt. Ist eine einzelne Spur des Virus vorhanden, so sind es nach dem zweiten Zyklus bereits zwei, nach drei Zyklen vier, nach zehn 1.024 etc., bis zum Auftreten eines positiven Signals. Bei Proben mit viel Virusmaterial schlägt der Test relativ schnell an. Sind dazu mehr als 35 Runden nötig, trägt der Patient laut führenden Virologen in der Regel aber eine geringe Viruslast in sich, die mit großer Wahrscheinlichkeit nicht vermehrungsfähig ist.

Nach Ansicht des Ärztetags sollten einschränkende infektionshygienische Maßnahmen auf solche PCR-positive Personen beschränkt werden, bei denen ein nennenswertes – im politischen Diskurs festzulegendes – Risiko für die Weiterverbreitung von COVID-19 bestehe.

Derzeit sieht die Gesetzeslage vor, dass sich alle positiv auf das Virus getesteten Personen in Quarantäne begeben müssen.

09.10.2020 Neues Medikament gegen Darmerkrankung Colitis ulcerosa getestet
uni | mediendienst | aktuell Nr. 107/2020

Internationale klinische Phase-II-Studie unter Erlanger Leitung veröffentlicht

Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), die weltweit immer häufiger vorkommt. Die Patienten leiden an anhaltenden blutigen Durchfällen und krampfartigen Bauchschmerzen, die die Lebensqualität oft stark beeinträchtigen. Therapieziel ist es, einen akuten Schub der Erkrankung erfolgreich zu behandeln, erneute Schübe zu verhindern und die entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut zum Abheilen zu bringen. Prof. Dr. Raja Atreya, Leiter des Schwerpunkts CED sowie Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof Dr. Markus F. Neurath) und des Deutschen Zentrums Immuntherapie am Universitätsklinikum Erlangen, leitete deshalb eine klinische Phase-II-Studie an 91 Zentren in zwölf europäischen Ländern, die einen neuartigen Behandlungsansatz zur Behandlung der Colitis ulcerosa testete. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachmagazin Lancet Gastroenterology & Hepatology veröffentlicht.

 Im Rahmen der von Prof. Atreya geleiteten klinischen Studie wurde der neue Wirkstoff Cobitolimod lokal als Klysma (Einlauf) bei Colitis-ulcerosa-Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Krankheitsaktivität eingesetzt. „Die Mehrzahl der Colitis-ulcerosa-Patienten ist von der sogenannten linksseitigen Colitis betroffen. In die Studie wurden deshalb gezielt Patienten mit linksseitiger Ausdehnung der Darmentzündung eingeschlossen. Bei diesen Probanden werden die entzündeten Areale mit dem als Klysma verabreichten Wirkstoff gezielt und komplett bedeckt. Die anderen von der Entzündung nicht betroffenen Abschnitte des Dickdarms bleiben hingegen frei“, erläutert Raja Atreya.

 Der Wirkstoff Cobitolimod bindet an einen spezifischen Rezeptor – den Toll-like Rezeptor 9 (TLR9). Dieser erkennt Strukturen, die ausschließlich auf oder in Krankheitserregern vorkommen. Dank dieser Bindung wird das körpereigene Immunsystem der behandelten Patienten moduliert. „Schon 2019 haben wir unter Federführung von Dr. Heike Schmitt aus meiner Arbeitsgruppe den Wirkmechanismus des neuen Medikaments entschlüsselt“, sagt Prof. Atreya. „Wir konnten zeigen, dass Cobitolimod durch die Modulation des Rezeptors TLR9 in der Lage ist, die Bildung von entzündungsfördernden Zellen im Darm zu unterdrücken und dafür die Bildung von entzündungshemmenden Zellen zu stimulieren, die letztlich die Entzündung im Darm zurückdrängen.“

 Für die klinische Phase-II-Studie, die vor allem die Wirksamkeit, den Dosierungsrahmen und die Sicherheit von Cobitolimod ermitteln sollte, wurden 213 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer linksseitiger Colitis ulcerosa nach dem Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt. Ihnen wurden innerhalb von drei Wochen entweder verschiedene Dosen von Cobitolimod (zweimal 31 Milligramm, zweimal 125 Milligramm, viermal 125 Milligramm oder zweimal 250 Milligramm) oder ein Scheinmedikament (Placebo) als Klysma verabreicht. Die Behandlung zielte darauf ab, die klinische Erkrankungsaktivität zu stoppen und die entzündete Darmschleimhaut zum Abheilen zu bringen (klinische Remission).

 Für diejenigen Patienten, die mit zweimal 250 Milligramm Cobitolimod die jeweils höchste Dosierung bekamen – zu Beginn und drei Wochen später –, konnte eine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber dem Placebo nachgewiesen werden. Mit zweimal 250 Milligramm Cobitolimod erreichten 21,4 Prozent der Behandelten die gewünschte klinische Remission bereits zu Woche sechs. Bei den mit dem Placebo behandelten Patienten waren es nur 6,8 Prozent.

 „Aufgrund der lokalen Applikation als Klysma erreicht der Wirkstoff am Ort der Entzündung im Darm eine hohe Konzentration und wir erzielen dort einen sehr starken antientzündlichen Effekt. Die lokale Anwendung als Klysma sorgt auch für die Sicherheit und gute Verträglichkeit des Medikaments, da der gesamte Körper nur minimalsten Mengen der Substanz ausgesetzt wird“, erläutert Raja Atreya. „Das spiegelt sich auch darin wider, dass es durch Cobitolimod bei den Behandelten – im Vergleich zur Placebogruppe – keine zusätzlichen Nebenwirkungen gab.“

 Mit International Award ausgezeichnet

Für die aktuelle Studie wurde Prof. Atreya mit dem International Award der renommierten US-amerikanischen Fachgesellschaft American College of Gastroenterology ausgezeichnet. Eine weitere klinische Studie zu Cobitolimod, die im Idealfall zur Zulassung des Medikaments zur Behandlung der Colitis ulcerosa führt, befindet sich bereits in Planung.

 Link zur Studie: https://www.thelancet.com/journals/langas/article/PIIS2468-1253(20)30301-0/fulltext

 Weitere Informationen:

 Prof. Dr. Raja Atreya

Tel.: 09131 85-35204

raja.atreya@uk-erlangen.de

06.10.2020 Tragen Kinder zur unkontrollierten SARS-CoV-2-Ausbreitung bei?
uni | mediendienst | forschung Nr. 57/2020

Uni-Klinikum Erlangen an bayernweiter Studie „COVID Kids Bavaria“ beteiligt – Testungen starten Mitte Oktober 2020
Stellen Kinderbetreuungsstätten eine Gefahr für eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 dar? Welchen Einfluss hat die COVID-19-Pandemie auf die Kindergesundheit? Diese zentralen Fragen soll die flächendeckende Studie „COVID Kids Bavaria“, an der auch das Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt ist, beantworten. Bis Januar 2020 werden über 12.000 Corona-Abstriche in 138 bayerischen Grundschulen, Kinderkrippen und Kindergärten gesammelt und auf das Virus untersucht. Getestet werden Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren sowie Lehrer und Betreuer. Erste Ergebnisse gibt es voraussichtlich im Frühjahr 2021. „COVID Kids Bavaria“ wird von der Ludwig-Maximilians-Universität München koordiniert; die Uni-Klinika Erlangen, Augsburg, Regensburg und Würzburg sowie das Klinikum rechts der Isar sind Kooperationspartner. Der Freistaat Bayern trägt die Studienkosten in Höhe von einer Million Euro.

Nach den Pfingstferien besuchten die ersten Schüler in Bayern wieder die Schule. Im Juli durften auch alle Kindergarten- und Krippenkinder in ihre Einrichtungen zurückkehren. Seitdem begleiten Forschungsteams an den sechs bayerischen Uni-Klinika die Öffnung von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen wissenschaftlich. Fragen der „COVID Kids Bavaria“-Studie: Können die Einrichtungen wie bisher geöffnet bleiben oder geht von Kindern eine erhöhte und unkontrollierbare Ansteckungsgefahr aus? „Wir haben bisher keine umfassenden und wissenschaftlich belastbaren Daten zu der Frage, wie infektiös Klein- und Schulkinder tatsächlich sind. Dieses Wissen wollen wir jetzt gewinnen“, erklärt Prof. Dr. Joachim Wölfle, Direktor der Kinder- und Jugendklinik des Uni-Klinikums Erlangen.

Erlangen: Abstrichentnahme ab Mitte Oktober 2020

Geleitet wird das Erlanger Studienteam von Prof. Dr. Antje Neubert. Die Forschungsgruppe ist für die Probenentnahme in den acht Bundestagswahlkreisen Erlangen, Bamberg, Bayreuth, Hof, Fürth, Nürnberg Nord, Nürnberg Süd und Roth zuständig. „Wir machen Rachenabstriche in je einer ausgewählten Grundschule und ein bis zwei Kinderbetreuungseinrichtungen pro Wahlkreis. Natürlich sind die Abstriche freiwillig – Elternbeiräte, Erzieher und natürlich auch die Eltern und die Kinder selbst müssen zustimmen“, erklärt Antje Neubert, Leiterin der Zentrale für Klinische Studien in der Kinderklinik. Allein das Erlanger Forschungsteam sammelt so an drei Erhebungszeitpunkten im Oktober 2020, zum Jahresende 2020 und zu Beginn des Jahres 2021 ca. 1.500 bis 2.000 Abstriche. „Wir sind immer noch auf der Suche nach Grundschulen und Kindertagesstätten, die an der Erhebung teilnehmen wollen. Denn der Status quo der Öffnungen kann nur erhalten bleiben, wenn wir auch wissenschaftlich begründen können, dass das jetzige Prozedere tatsächlich unproblematisch ist“, appelliert Prof. Neubert.

In ganz Bayern sollen in je 46 Grundschulen, Kinderkrippen und Kindergärten Atemwegsproben entnommen werden – insgesamt über 12.000 Stück. Diese schicken die sechs regionalen Forschungsteams zur Testung an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim. „Wenn ein Kind, ein Betreuer oder Lehrer in ‚unseren‘ Wahlkreisen positiv getestet wird, übergeben wir den Fall an das jeweilige lokale Gesundheitsamt, das das weitere Vorgehen festlegt“, erläutert Dr. Irmgard Toni vom Erlanger Studienteam. Unterwegs sind die mobilen Forschungsteams mit Fahrzeugen, die die BMW AG extra für „COVID Kids Bavaria“ zur Verfügung gestellt hat.
Neben den geplanten 12.000 Corona-PCR-Tests (Polymerase-Ketten-Reaktion) im Labor werden mithilfe von Online-Fragebögen auch psychosoziale Faktoren evaluiert. So geht es darin etwa um die Frage, ob und wie stark sich die COVID-19-Pandemie auf die Befindlichkeit und die Gesundheit von Kindern ausgewirkt hat – ob zum Beispiel geplante Arztbesuche aus Sorge vor einer Ansteckung abgesagt wurden oder ob das Kind Probleme mit dem Mund-Nasen-Schutz hatte.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Antje Neubert

Tel.: 09131 85-41100

ki-covidkids@uk-erlangen.de

 

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06.10.2020 7. Lauf gegen Krebs – die Aktionswoche beginnt
uni | mediendienst | aktuell Nr. 103/2020

Anmeldungen bis zum Zeitraumende am 18. Oktober 2020 möglich – alle können teilnehmen!
 
Bereits zum siebten Mal findet der Lauf gegen Krebs statt – in diesem Jahr allerdings virtuell. Im Zeitraum vom 10. bis 18. Oktober 2020 können Teilnehmende Lauf- oder Radrunden sammeln, sich anderweitig sportlich, aber auch künstlerisch oder musikalisch betätigen und ihre Leistung mittels „Action-Foto“ und GPS-Tracking auf der Website festhalten. Zur Veranstaltung lädt der Verein für Ernährungsmedizin, Bewegung & Sport bei Krebs e. V. in Kooperation mit dem Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen und dem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) ein. Ziel ist es, auch in diesem Jahr zu signalisieren, wie wichtig Sport und Bewegung für die Gesundheit sind und gleichzeitig einen Beitrag für die Krebsforschung zu leisten. So unterstützen auch heuer die U23-Fußballer der SPVGG GREUTHER FÜRTH den Benefizlauf, indem sie einen Trainingslauf beisteuern werden.
 
Der virtuelle Lauf kann überall allein oder in einer kleinen Gruppe (mit der zulässigen Personenzahl entsprechend den aktuellen Kontaktbeschränkungen) stattfinden: im Wald, auf der Straße oder auf dem Laufband. Auch Radfahren, andere sportliche Aktivitäten und künstlerische sowie musikalische Darbietungen zählen in diesem Jahr dazu. Anmeldungen sind einzeln oder auch als Team für den Bambini-Lauf (unter 6 Jahre), den Lauf für Schülerinnen und Schüler (6 bis 13 Jahre), den Lauf für Jugendliche (ab 14 Jahre) und Erwachsene, den Novartis-Run 25', die X-Road-Biketour, für eine andere sportliche Aktivität und für eine künstlerische oder musikalische Betätigung möglich. Die Beteiligung am virtuellen Lauf gegen Krebs ist kostenlos, eine Anmeldung ist ab sofort bis zum Ende des Veranstaltungszeitraums am 18. Oktober 2020, um 20.00 Uhr, möglich. Über Preise freuen dürfen sich die Kindergartengruppe oder der Verein mit den meisten Teilnehmenden beim Bambini-Lauf, die ersten drei Schulklassen mit den meisten Teilnehmenden im Schülerlauf (im Verhältnis zur Gesamtschülerzahl) sowie die ersten drei Läuferinnen und die ersten drei Läufer, die beim Novartis-Run in 25 Minuten die längste Strecke gelaufen sind. Diese Leistung muss mit einem Lauf-Tracker dokumentiert werden.
 
Auch mit dem 7. Lauf gegen Krebs möchten die Organisatorinnen und Organisatoren ein Zeichen für die Bedeutung von Bewegung und Ernährung in der Vorsorge und der Therapie einer onkologischen Erkrankung setzen. Wer die ernährungs- und sportmedizinische Therapie bei Krebserkrankungen unterstützen möchte, kann an den gemeinnützigen Verein spenden – unabhängig von der aktiven Teilnahme am Lauf.
 
Website des Laufs gegen Krebs mit weiteren Informationen und Link zur Anmeldung: www.laufgegenkrebs.de
 
Weitere Informationen:
Ursula Nastri-Niederweis
Tel.: 09131 85-46826
ursula.nastri-niederweis@uk-erlangen.de
 
 
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05.10.2020 Pandemie und Digitalisierung
Pressemeldung de Bayerischen Landesärztekammer

 Im Leitartikel der Oktober-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblatts erläutert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), dass er einen flächendeckenden Ausbau der technischen Infrastruktur zur Durchführung von zertifizierten Videokonferenzen zwischen Ärzten und ihren Patienten für erforderlich halte.

Seit Beginn der Pandemie würden Video- und Telefonsprechstunden vermehrt in Anspruch genommen, da viele Patientinnen und Patienten, welche Risikogruppen angehören, aus Angst vor einer Infektion teilweise dringend notwendige persönliche Besuche bei ihrem Arzt nicht auf sich nehmen wollten. „In einem solchen Fall stellt diese Form des Arzt-Patienten-Kontaktes ein adäquates Mittel dar, um unseren Patienten eine Behandlung anzubieten, auch wenn sie selbstverständlich den persönlichen Austausch mit dem Arzt und Präsenzuntersuchungen nicht ersetzen kann“, so der Präsident. Kritisch sieht Quitterer in diesem Zusammenhang einige expandierende telemedizinische Anbieter, welche ausschließlich im virtuellen Raum agierten. Mit Lockrufen nach schnellen Terminen, keinen Wartezeiten oder Online-Bescheinigungen für Schulen gelinge es diesen Unternehmen zunehmend, an Marktmacht zu gewinnen. Gleichzeitig trügen diese Firmen im Gegensatz zu niedergelassenen Ärzten nicht das unternehmerische Risiko einer Praxisgründung und die damit einhergehenden Personal-, Raum-, und Gerätekosten. „Dieses Geschäftsmodell funktioniert vor dem Hintergrund, dass solche Plattformen bei komplexeren Krankheitsfällen oder Komplikationen letzten Endes doch auf den niedergelassenen Arzt oder das Krankenhaus als Rückfallebene zurückgreifen und könnte deshalb durchaus als parasitär bezeichnet werden“, erklärt der Präsident.

Eindeutig zu den positiven Effekten des Digitalisierungsschubs zählt für Quitterer eine stärkere Verbreitung von Telekonsilen sowie von digitalen, sensorgestützten Monitorings bei Patienten in häuslicher Quarantäne, in Pflegeeinrichtungen sowie bei chronisch kranken Patienten. „Gerade die Bewohner von Pflegeheimen, welche durch die Pandemie besonders gefährdet sind, können von einem digitalen, sensorgestützten Monitoring ihrer Vitaldaten profitieren“, so Quitterer.

Mehr zu „Pandemie und Digitalisierung“ lesen Sie im Leitartikel der Oktober-Ausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

                                       
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05.10.2020 Wenn Tumorzellen den Halt verlieren
uni | mediendienst | forschung Nr. 56/2020

Kooperationsprojekt von Erlanger und Züricher Wissenschaftlern erhält 900.000 Euro Förderung

Metastasen sind die häufigste Todesursache bei Krebspatienten. Die Streuung von Tumorzellen aus dem Primärtumor in andere Organe hängt unter anderem von der Verbindung zwischen den Tumorzellen und dem sie umgebenden Gewebe ab. Ein Kooperationsprojekt, bei dem Wissenschaftler untersuchen, wie Tumorzellen „den Halt verlieren können“, erhält jetzt eine Förderung in Höhe von 900.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Schweizerischen Nationalfonds. Das Projekt steht unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Stürzl, Inhaber der Professur für Molekulare und Experimentelle Chirurgie der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) des Universitätsklinikums Erlangen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), und Prof. Dr. Michael Scharl, Leiter Forschung der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des Universitätsspitals Zürich.
Integrine sind Eiweißmoleküle, die sich an der Oberfläche von Zellen befinden und diese mit anderen Zellen sowie mit der sie umgebenden Matrix verbinden. In zurückliegenden Arbeiten fanden Prof. Scharl und Prof. Stürzl bereits heraus, dass Integrin-β-6, das im Normalgewebe fest mit der Oberfläche der Darmzellen verbunden ist, bei Patientinnen und Patienten mit metastasierenden kolorektalen Karzinomen in deutlich erhöhten Konzentrationen im Serum nachweisbar ist. Im aktuellen Kooperationsprojekt gehen die Wissenschaftler nun folgenden Fragen nach: Stellt die Ablösung des Integrins von den Tumorzellen ein aktives Signal zur Aktivierung der Metastasierung dar? Oder handelt es sich um eine Art Nebenreaktion, bei der das Protein während des Gewebsumbaus im Rahmen des Tumorwachstums von den Zellen abgespalten wird, wodurch die Tumorzellen ihren Halt verlieren und aus dem Tumor auswandern können?

Die finanzielle Unterstützung erfolgt im Rahmen einer bilateralen Projektförderung, die besonders die Forschungsinteraktion zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz voranbringen möchte („Lead Agency“-Verfahren D-A-CH). Prof. Stürzl freut sich sehr, dass es gelang, sich im hochkompetitiven Verfahren gegen andere Bewerber durchzusetzen. „Besonders attraktiv ist die Kooperation aufgrund des regelmäßigen Austauschs zwischen den Forschern der beteiligten Institutionen“, erläutert er. „Bei einem Erfolg könnte das Projekt neue Ansätze liefern: zum einen, um das Fortschreiten der Krankheit genauer zu bestimmen; zum anderen, um neue Therapieziele für die Behandlung von Darmkrebs zu definieren.“

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Stürzl
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02.10.2020 Hoffnung auf ein eigenes Kind trotz Krebs
uni | mediendienst | aktuell Nr. 102/2020

Bereits zum 100. Mal transplantierten Ärzte des Universitäts-Fortpflanzungszentrums Franken erfolgreich Eierstockgewebe
 

Eine Familie zu gründen, liegt in der Natur der meisten Menschen. Aber der Weg zum eigenen Kind kann mitunter sehr steinig sein. Erkrankt eine Frau etwa an Krebs, wird ihre Fruchtbarkeit durch medikamentöse Therapie und Bestrahlung erheblich beeinträchtigt. Doch auch wenn die Erfüllung des Kinderwunsches nach erfolgreicher Krebsbehandlung aussichtslos scheint, gibt es ein inzwischen etabliertes Verfahren, das Mut macht: die Transplantation von tiefgefrorenem Eierstockgewebe. Ärzte des Universitäts-Fortpflanzungszentrums Franken (Sprecher: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) konnten dadurch nun bereits der 100. Frau zu neuer Fruchtbarkeit verhelfen. Dafür transplantierten sie gesundes Ovarialgewebe, das sie der Patientin vor Beginn der Krebstherapie entnommen hatten.
 
Ein eigenes Kind wollten auch Sandra M. und ihr Mann David immer haben. Als die Braunschweigerin im Alter von 38 Jahren jedoch an Brustkrebs erkrankte, geriet nicht nur ihr Kinderwunsch ins Wanken, sondern ihr ganzes Leben. Von jetzt auf gleich musste sie sich mit Themen wie Chemotherapie, Bestrahlung und Tumor-OP auseinandersetzen. „An Familienplanung war im Moment der Krebsdiagnose überhaupt nicht zu denken“, sagt Sandra M. heute. „Mein behandelnder Onkologe hat uns aber zum Glück darüber aufgeklärt, dass meine Fruchtbarkeit durch die Chemo Schaden nehmen wird. Er hat deshalb empfohlen, uns im Vorfeld der Therapie von Spezialisten behandeln zu lassen. Die Wahl fiel auf das Universitätsklinikum Erlangen, da die Forschung in diesem Bereich bereits damals schon sehr innovativ war. Auch wenn zwischen Braunschweig und Erlangen 430 Kilometer liegen, haben wir den Weg gern auf uns genommen.“
 
Um die Chance auf eine Schwangerschaft nach der Krebsbehandlung zu erhöhen, können neben dem Eierstockgewebe auch Eizellen eingefroren werden. „Diese Therapie setzt allerdings eine hormonelle Stimulationsbehandlung voraus“, erklärt Prof. Dr. Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen. „Bei Sandra M. war das jedoch nicht möglich, weil die Chemotherapie sehr schnell erfolgen musste. Die Zeit, die nötig ist, um die Eizellen im Körper heranreifen zu lassen, war nicht gegeben. Die Kryokonservierung, also das Einfrieren von Eierstockgewebe in flüssigem Stickstoff, ist hingegen innerhalb von 48 Stunden abgeschlossen, was genau in solchen Fällen ein entscheidender Vorteil ist. Das Verfahren hat sich inzwischen bewährt, wird aber nur in wenigen spezialisierten Kliniken in Deutschland angeboten.“
 
Mutterglück auf Eis
Das konservierte Gewebe kann prinzipiell unendlich lange aufbewahrt werden, ohne Schaden zu nehmen. Nach fast sechs Jahren erfolgreicher Brustkrebstherapie ließ sich Sandra M. jetzt das Eierstockgewebe wieder transplantieren. „Hinter jeder Transplantation steht das Schicksal einer ganzen Familie“, sagt Prof. Beckmann. „Deshalb legen wir größten Wert darauf, jede unserer Patientinnen mit der nötigen Sensibilität und Menschlichkeit zu behandeln.“ Das betonen auch Sandra M. und ihr Mann David: „Wir wurden jederzeit liebevoll umsorgt und haben sogar ein Herzkissen bekommen, das für Brustkrebspatientinnen ein praktischer Alltagshelfer ist. So war die lange Rückfahrt mit dem Auto nach Braunschweig viel besser zu bewältigen, weil der Anschnallgurt nirgends drückte.“ Das Paar hofft nun, auf natürlichem Weg schwanger zu werden.
 
Mit ca. 1.500 Konservierungen ist Erlangen eines der größten Lager für Ovarialgewebe in Deutschland. „Dabei sind die Gründe zum Einfrieren von Eierstockgewebe vielfältig“, erklärt Prof. Dr. Ralf Dittrich, wissenschaftlicher Leiter der Reproduktionsmedizin des Universitätsklinikums Erlangen. „Neben der Wiederherstellung der Fertilität infolge einer Tumorerkrankung wird das Verfahren auch angewendet, wenn sich die Ovarialreserve verringert und somit die Menopause vorzeitig eintritt. Außerdem kommt es zum Einsatz, wenn es um das Thema Social Freezing geht, also darum, dass Frauen mit dem Kinderkriegen so lange warten wollen, bis das Arbeits- oder Privatleben ein Kind zulässt oder der richtige Partner gefunden ist.“ Auch diese Frauen können am Uni-Klinikum Erlangen Eizellen oder Ovarialgewebe einfrieren lassen und zu einem späteren Zeitpunkt schwanger werden.
 
Weitere Informationen:
 
Prof. Dr. Ralf Dittrich
Tel.: 09131 85-33553
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01.10.2020 Mit vereinten Kräften durch die Krise
uni | mediendienst | aktuell Nr. 100/2020

Experten des Uni-Klinikums Erlangen an sieben Projekten des Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin beteiligt – Förderung durch das BMBF mit insgesamt 150 Mio. Euro
 

An 7 von 13 Verbundprojekten, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin (NUM) mit insgesamt 150 Millionen Euro fördert, sind Experten des Universitätsklinikums Erlangen beteiligt. Wie Bundesministerin Anja Karliczek heute (01.10.2020) bei einer Pressekonferenz verkündete, erhalten diese 13 Forschungskooperationen für eine Dauer von zehn Monaten finanzielle Unterstützung, um ihre unterschiedlichen Ansätze zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie weiterzuverfolgen. Ziel der Anstrengungen von Spezialisten aus allen 34 deutschen Uni-Klinika ist es, die Krise in all ihren Facetten gemeinsam zu meistern. Im Fokus haben die interdisziplinären Teams insbesondere die individuelle Behandlung von Patienten, die Optimierung der Therapieoptionen bei einer SARS-CoV-2-Infektion und die Unterstützung der Entwicklung von Immunisierungsverfahren gegen das neue Coronavirus.
 
Beim NUM handelt es sich um ein einmaliges wissenschaftliches Projekt, wie die Bundesministerin bei dessen Vorstellung Ende März 2020 betonte. Unter seinem Dach vereinen die 34 deutschen Uni-Klinika ihre exzellente Expertise und nutzen diese noch besser als bisher, um die für Deutschland größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam zu bewältigen, so Anja Karliczek. Konkret bedeutet dies beispielsweise, dass alle Uni-Klinika die Daten ihrer COVID-19-Patienten systematisch sowie sicher erfassen und in eine gemeinsame Datenbank einpflegen. Das geteilte Wissen und der aktive Austausch untereinander sollen u. a. dazu beitragen, die Versorgung von Menschen mit einer SARS-CoV-2-Infektion schnell zu verbessern und das medizinische Personal bestmöglich zu schützten. Die 13 geförderten Verbundprojekte wurden aus Hunderten eingereichter Vorschläge ausgewählt. Koordiniert wird das NUM von der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
 
An folgenden sieben Projekten sind Experten des Uni-Klinikums Erlangen beteiligt:
 
B-FAST – Surveillance- und Teststrategie-Plattform
Das Verbundprojekt B-FAST hat das Ziel, eine nachhaltig einsetzbare, skalierbare und auf zukünftige Pandemien übertragbare Surveillance- und Teststrategie zu entwickeln und in unterschiedlichen Anwendungsbereichen zu erproben. Aufgabe des Erlanger Projektpartners Prof. Dr. Klaus Überla (Direktor des Virologischen Instituts – Klinische und Molekulare Virologie des Uni-Klinikums Erlangen) ist es, für die Antikörpertestung gegen SARS-CoV-2 Standardreagenzien zu entwickeln, die es erlauben, die Leistungsfähigkeit der Testsysteme unterschiedlicher Hersteller zu vergleichen und standortübergreifend zu harmonisieren. Gleichzeitig ermöglicht Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch (Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Informatik der FAU Erlangen-Nürnberg und CIO des Uni-Klinikums Erlangen) die Nutzbarmachung Erlanger Daten für die NUM-Datenplattform.
 
COVIM – Immunologie-Plattform
COVIM dient dem Verständnis schützender Immunität gegen SARS-CoV-2 und es schafft Strukturen zur schnellen und effizienten Nutzbarmachung von immunologischen Schutzmechanismen für die klinische Anwendung. Die Erlanger Projektpartner Prof. Dr. Hans-Martin Jäck (Leiter der Molekular-Immunologischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen), Prof. Dr. Klaus Überla (Direktor des Virologischen Instituts – Klinische und Molekulare Virologie des Uni-Klinikums Erlangen) und Prof. Dr. Thomas Winkler (Inhaber der Professur für Genetik der FAU Erlangen-Nürnberg) optimieren im Rahmen von COVIM die rasche Gewinnung schützender Antikörper gegen neue Infektionserreger durch Impfung von Mäusen mit einem menschlichen Antikörper-Repertoire.
 
DEFEAT PANDEMIcs – Autopsie-Plattform
Obduktionen durch Pathologen haben wesentliche neue Erkenntnisse zur COVID-19-Erkrankung erzielt. Es wurde gezeigt, dass spezifische Grunderkrankungen häufig mit einem schweren Verlauf der Erkrankung assoziiert sind, die meisten Patienten aber an und nicht mit der Infektion versterben. Das Ziel von DEFEAT PANDEMIcs ist der Aufbau eines deutschlandweiten Obduktionsnetzwerks für den Pandemiefall, um systematisch Daten, Materialien und Erkenntnisse möglichst vollständig, umfassend und zeitnah zu erfassen. Über das Netzwerk werden die Generierung und Verbreitung von Evidenz zum Umgang mit Epidemien und zur Unterstützung eines Krisenmanagements durch die Erarbeitung standardisierter Vorgehensweisen erreicht. DEFEAT PANDEMIcs liefert so einen wertvollen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen COVID-19-Pandemie sowie zur schnellen Reaktion auf künftige Pandemien. Erlanger Projektpartner ist Prof. Dr. Arndt Hartmann (Direktor des Pathologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen).
 
EViPan Unimed – Pandemiemanagement
Das EViPan-Projekt hat das Ziel, die Mitarbeitergesundheit während der Pandemie zu sichern. Arbeitsausfälle, etwa durch Infektionen der Mitarbeiter oder infolge von psychischen Belastungen, sollen präventiv verhindert werden. In einem Teilprojekt in diesem Verbund leitet Prof. Dr. (TR) Yesim Erim (Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen) die webbasierte Befragung „Analysen der psychischen Gesundheit und standardisierte Evaluationsmethodik zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit“. Zum ersten Messzeitpunkt hatten 8.000 Personen aus dem Gesundheitswesen an der Studie teilgenommen und Fragen zu psychischen Belastungen, aber auch zu Quellen der persönlichen Resilienz beantwortet. Gleichzeitig wurden Aspekte zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und situative arbeitsplatzbezogene Belastungen untersucht.
 
FoDaPl – Forschungsdatenplattform
Mit der Forschungsdatenplattform (FoDaPl) wird eine sichere, erweiterbare und interoperable Plattform zur Bereitstellung von Forschungsdaten zu COVID-19 aufgebaut, die bundesweit alle Uni-Klinika verbindet. So sollen der Wissenschaft strukturierte Daten mit hoher Qualität zur Verfügung gestellt und damit neuartige Auswertungen ermöglicht werden. Aus unterschiedlichen Datenquellen soll eine möglichst kurzfristig verfügbare Datenbasis geschaffen werden, die den Anforderungen der Forschungsethik (sog. FAIR-Prinzipien) und der EU-Datenschutzgrundverordnung entspricht. Dazu werden die Datenintegrationszentren aus der Medizininformatik-Initiative (MII) – insbesondere eine Reihe von Tools, die im von Erlangen koordinierten MIRACUM-Konsortium entstanden – genutzt. Mit der Plattform sollen auch komplexe Forschungsfragen beantwortet und die Patientenversorgung unterstützt werden. Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch (Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Informatik der FAU Erlangen-Nürnberg und CIO des Uni-Klinikums Erlangen) übernimmt in diesem Projekt die Koordination der Entwicklung und Verteilung der dezentralen Komponenten. Klinische und Forschungsdaten des Uni-Klinikums Erlangen werden hierfür federführend von der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath; stv. Direktor: PD Dr. Richard Strauß; Taskforce Manager: PD Dr. Andreas Kremer) erfasst.
 
PallPan – Palliativmedizin
Auch in Pandemiezeiten ist die Versorgung von Schwerkranken und Sterbenden wichtig. In der aktuellen Pandemie war dieser Bereich nicht im Fokus und eine angemessene Versorgung nur mit Einschränkungen möglich. PallPan wird Empfehlungen erarbeiten, um hierauf in zukünftigen Pandemiephasen besser vorbereitet zu sein. Das Uni-Klinikum Erlangen ist unter der Federführung von Prof. Dr. Christoph Ostgathe (Leiter der Palliativmedizinischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen) an einem Teilprojekt beteiligt, das in den Krisenstäben die Berücksichtigung der Situation der Versorgung von schwer kranken, sterbenden und trauernden Menschen mit und ohne COVID-19 untersucht. Prof. Ostgathe betont: „Palliativversorgung endet nicht mit Beginn einer Krise. Im Gegenteil: Der Bedarf nimmt zu. Daher sollte auch in Krisenstäben die Palliativversorgung berücksichtigt werden.“
 
RACOON – Radiologie-Plattform
Im Verlauf von Lungeninfektionen kann die radiologische Bildgebung an mehreren Weichen eine entscheidende Rolle spielen. Die hohe Verfügbarkeit und die schnellen, verlässlichen Ergebnisse lassen ihr eine Schlüsselrolle in der Pandemiebewältigung zukommen. Die infrastrukturelle Vernetzung aller Uni-Klinika eines Landes zur Erhebung von Lungenveränderungen ist weltweit einzigartig. Strukturierte Befundung, Annotation und 3-D-Segmentierung werten die Datenqualität entscheidend auf und versprechen so epidemiologische Kenntnisse, die frühzeitige Erkennung von Hotspots und die automatisierte Auswertung mittels künstlicher Intelligenz. Damit kann zum einen COVID-19 besser verstanden und bekämpft, zum anderen eine „Pandemic Preparedness“ für zukünftige Bedrohungen hergestellt werden. Das Erlanger Teilprojekt von RACOON (Radiological COOperative Network) wird von Prof. Dr. Michael Uder (Direktor des Radiologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen) und PD Dr. Matthias May (Oberarzt des Radiologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen) geleitet.
 
Ausführliche Informationen über das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin finden sich auf dessen Website: http://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de
 
Weitere Informationen:
 
PD Dr. Andreas Kremer
Tel.: 09131/85-35000
andreas.kremer@uk-erlangen.de
 
 
 
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30.09.2020 Die Nesselsucht im Fokus
uni | mediendienst | aktuell Nr. 98/2020

Online-Urtikaria-Woche 2020: Allergieambulanz des Uni-Klinikums Erlangen informiert über Symptome und Behandlung der Hauterkrankung
 

Brennendes Kribbeln am ganzen Körper und quälenden Juckreiz verspüren Menschen, die unter Nesselsucht (Urtikaria) leiden, oft mehrmals täglich. Etwa jeder Vierte erkrankt einmal in seinem Leben kurzzeitig an einer akuten Urtikaria, die zu den häufigsten Hauterkrankungen zählt. Woran Betroffene die Nesselsucht erkennen und wie diese am besten zu behandeln ist, erläutert Dr. Nicola Wagner, Leiterin der Allergieambulanz der Hautklinik (Direktorin: Prof. Dr. Carola Berking) des Universitätsklinikums Erlangen. Die Allergologin nimmt als eine von 20 bundesweit ausgewählten Expertinnen und Experten an der ersten Online-Urtikaria-Woche des Deutschen Allergie- und Asthmabunds (DAAB) vom 1. – 8. Oktober 2020 teil.
 
In ihrem Podcast „Nesselsucht erkennen und behandeln“ informiert Dr. Wagner am Mittwoch, 7. Oktober 2020, ab 17.15 Uhr, über die vielfältigen Krankheitsbilder der Urtikaria sowie über die Behandlungsmöglichkeiten. Zu den belastenden Symptomen zählen zum Beispiel Angioödeme, schmerzhafte und anhaltende Schwellungen der tieferen Hautschichten, die auch die Lippen oder die Augen betreffen können.
 
Zertifikat als weltweit anerkanntes Urtikaria-Zentrum
Die Erlanger Hautexpertin ist außerdem Sprecherin des Allergiezentrums des Uni-Klinikums Erlangen, das 2019 das Zertifikat als Urtikaria-Zentrum des weltweiten Netzwerks GA²LEN (Global Allergy und Asthma European Network) erhielt. Durch die Teilnahme des Uni-Klinikums Erlangen am Programm GA²LEN UCARE haben die Erlanger Nesselsuchtpatientinnen und -patienten Zugang zu aktuellen Studien über diese schwer zu behandelnde Krankheit sowie zu neuesten Forschungsergebnissen.
 
Welt-Urtikaria-Tag 2020
Seit 2014 gilt der 1. Oktober als jährlicher Welt-Urtikaria-Tag, um über die quälende und weitverbreitete Hautkrankheit zu informieren und den Austausch zwischen Dermatologinnen und Dermatologen sowie Betroffenen weiter zu verbessern. Während der Online-Urtikaria-Woche des DAAB vom 1. Bis 8. Oktober 2020 werden auf der Website http://www.online-urtikariawoche.de täglich Livebeiträge freigeschaltet. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung vorab jedoch erforderlich. Alle Beiträge sind bis zum 12. Oktober 2020 abrufbar.
 
Weitere Informationen:
 
Dr. Nicola Wagner
Tel.: 09131 85-33836
nicola.wagner@uk-erlangen.de
 
 
Bildunterschrift: Der Podcast „Nesselsucht erkennen und behandeln“ von Dr. Nicola Wagner ist am Mittwoch, 7. Oktober 2020, ab 17.15 Uhr, auf http://www.online-urtikariawoche.de erstmals online abrufbar. Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
 
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29.09.2020 Uni-Klinikum Erlangen hat jetzt Hypertoniezentrum
uni | mediendienst | aktuell Nr. 96/2020

Erfolgreiche Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie
 
Die Medizinische Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie (Direktor: Prof. Dr. Mario Schiffer) des Universitätsklinikums Erlangen wurde jetzt gemäß den Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN) erfolgreich als „Zentrum für Hypertonie“ zertifiziert. Zeitgleich erhielt die Klinik von der DGfN das Zertifikat „Nephrologische Schwerpunktklinik DGfN“ (NSK) mit Schwerpunkt Nierentransplantation. Damit ist das Uni-Klinikum Erlangen neben dem Klinikum rechts der Isar der TU München und dem Klinikum Bayreuth eines von nur drei zertifizierten Hypertoniezentren in Bayern und eine von fünf bayerischen NSK – neben München (Klinikum rechts der Isar, München Klinik Harlaching), Nürnberg (Paracelsus Medizinische Privatuniversität) und Bayreuth (Klinikum Bayreuth).
 
Die Auditoren bezeichneten die Erlanger Medizin 4 insgesamt als eine „Vorzeigeklinik“. Sie beurteilten die personelle Besetzung der Einrichtung als „sehr gut“ – sowohl im ärztlichen als auch im pflegerischen Bereich. Die Beschäftigten identifizieren sich stark mit „ihrer“ Klinik, was zu einer geringen Fluktuation und zu einem großen Interesse unter Nachwuchskräften führe. Beim Audit wurden keinerlei Abweichungen festgestellt. Wegen der besonderen Erlanger Expertise im Bereich der Bluthochdruckbehandlung vergaben die Auditoren des internationalen Zertifizierungsinstituts ClarCert das Zertifikat „Zentrum für Hyptertonie“. „Wir freuen uns, dass dieses Siegel die Qualität unserer Klinik – unserer Mitarbeiter und die der Behandlungen, die wir vornehmen – jetzt so deutlich nach außen trägt“, freut sich Prof. Dr. Mario Schiffer, Direktor der Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen.
 
Nieren und Bluthochdruck
Bluthochdruck (Hypertonie) ist ein „stiller Killer“. Oft bleibt er lange unerkannt. Nichtsdestotrotz leidet jeder dritte Mensch in Deutschland an dem gefährlichen Überdruck in den Gefäßen. Angesichts der alternden Bevölkerung wird diese Zahl noch steigen. Langfristig schädigt Bluthochdruck das Herz und die Gefäße, er verursacht Herzinfarkte und Schlaganfälle. Auch mit den Nieren ist der Blutdruck eng verbunden: Hypertonie kann zu Nierenerkrankungen führen; andersherum begünstigen Nierenleiden oft Bluthochdruck.
 
In einer Spezialsprechstunde der Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen werden vor allem Patienten mit schwer einstellbarem Bluthochdruck und mit seltenen Formen von Hypertonie beraten und behandelt. „Ist zum Beispiel Eiweiß oder Blut im Urin nachweisbar, kann eine Nierenerkrankung dahinterstecken. Betroffene sollten dann unbedingt einen Nephrologen konsultieren“, rät Klinikdirektor Prof. Schiffer. Die Patienten werden u. a. auch mit modernen interventionellen Methoden wie der Nierennervenablation behandelt.
 
Schwerpunkt Nierentransplantation
Neben der Anerkennung als „Zentrum für Hypertonie“ erhielt die Medizin 4 auch das Zertifikat „Nephrologische Schwerpunktklinik DGfN“. Kriterien hierfür waren unter anderem: die Möglichkeit zur Facharztweiterbildung in der Nephrologie, eine 24/7-Rufbereitschaft, Mindestmengen an nephrologischen Patientenfällen und Untersuchungen pro Jahr, ein sehr gut ausgestatteter Dialysebereich, die Möglichkeit, Notfälle angemessen zu versorgen sowie die Betreuung von Patienten vor und nach einer Nierentransplantation.
 
Kommt es zu schweren Nierenerkrankungen bis hin zur Niereninsuffizienz, stehen in der Medizin 4 insgesamt 16 Dialyseplätze zur Verfügung; auch eine Nachtdialyse ist möglich. Das Blutreinigungsverfahren überbrückt die Zeit bis zu einer rettenden Transplantation. Nierentransplantationen mit Organen von lebenden oder verstorbenen Spendern sind ein Kernstück der Erlanger Medizin 4. Am Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg (Sprecher: Prof. Dr. Michael Weyand) am Uni-Klinikum Erlangen wurden 2019 insgesamt 68 Nieren transplantiert. Die Eingriffe werden von Nephrologen in Kooperation mit den Ärzten der Urologischen und Kinderurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) und der Gefäßchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Werner Lang) des Uni-Klinikums Erlangen vorgenommen. Da die Medizin 4 über eine eigene Intensivstation mit zehn Betten verfügt, liegt die gesamte Behandlung – vom ambulanten Erstgespräch bis hin zur stationären Versorgung von Notfällen und Schwerstkranken – in einer Hand.
 
Mit dem Nachsorgeprogramm „NTX360°“ wollen die Erlanger Nephrologen die Lebensqualität von Patienten, die eine Spenderniere erhalten haben, langfristig verbessern. „Denn die gelungene Transplantation ist das eine, die langfristige Gesunderhaltung des neuen Organs das andere“, weiß Prof. Schiffer.
 
Das Team der Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen versorgte 2019 über 5.000 ambulante, mehr als 1.700 stationäre und 285 teilstationäre Patienten.
 
 
Weitere Informationen:
 
Prof. Dr. Mario Schiffer
Tel.: 09131 85-39002
med4@uk-erlangen.de
 
 
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25.09.2020 BÄK gibt wichtige Hinweise für Organisation von Videosprechstunden
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei erhalten Sie eine aktuelle Presseinformation der Bundesärztekammer.

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23.09.2020 eues Krebszentrum für Bayern mit Erlanger Beteiligung
uni | mediendienst | aktuell Nr. 95/2020


In Bayern entsteht ein neuer Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen mit vier Standorten in Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg.

Die Erforschung von Krebs vorantreiben und möglichst vielen Patientinnen und Patienten Zugang zu den neuesten Behandlungsmethoden verschaffen: Auf diesen Nenner lässt sich die Aufgabe des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) bringen. Zwei Standorte hat das Zentrum bereits, sie sind in Heidelberg und Dresden angesiedelt. Nun kommen vier neue dazu. Das gab Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, am Mittwoch, 23. September 2020, bei einer Pressekonferenz in Berlin bekannt.

Die neu ausgewählten NCT-Standorte erhalten zunächst eine Förderung für eine einjährige Konzeptphase. In dieser Zeit können sie eine gemeinsame Strategie für den Aufbau und die Umsetzung des erweiterten NCT erarbeiten. Werden das Gesamtkonzept und die Beiträge der einzelnen Standorte dann positiv begutachtet, folgt eine dauerhafte Förderung durch den Bund und die Länder.

Kooperation im Netzwerk WERA

Einer der vier neuen NCT-Standorte liegt in Bayern. Eingerichtet wird er unter Federführung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, des Universitätsklinikums Würzburg und des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken – im Verbund mit den Universitäten, Universitätsklinika und CCCs in Erlangen, Regensburg und Augsburg. Diese Partner kooperieren im Netzwerk WERA (Würzburg, Erlangen, Regensburg, Augsburg). Nach der erfolgreichen Bewerbung um die Aufnahme in das Nationale Centrum agieren sie nun unter dem Namen NCT WERA. Für die einjährige Konzeptphase erhalten sie 300.000 Euro.
„Wir freuen uns, dass wir mit unserem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN im Verbund mit unseren bayerischen Forschungspartnern als NCT-Standort gefördert werden. Damit können wir unseren Patientinnen und Patienten noch besser an modernsten Forschungen, insbesondere im Bereich der Immuntherapien, teilhaben lassen“, sagte Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Direktor des CCC Erlangen-EMN.

Forschungsprogramm des neuen Zentrums

Koordinator des NCT WERA ist der Würzburger Professor Hermann Einsele, Krebsexperte und Direktor der Medizinischen Universitätsklinik II: „Unsere Arbeit zielt darauf ab, auch die Menschen in überwiegend ländlich geprägten Regionen mit innovativen Krebstherapien zu versorgen und ihnen Zugang zu Therapiestudien zu verschaffen.“

Um dieses Ziel zu erreichen, haben die WERA-Partner ein umfassendes Forschungsprogramm etabliert. Es fußt auf zwei großen Linien: zum einen auf der gesamten Bandbreite neuer Immuntherapien, bei denen speziell präparierte CAR-T-Zellen – das sind Immunzellen, die mit einem neuen Rezeptor ausgestattet sind – die Tumoren zielgerichtet attackieren. „Mit diesem Forschungsschwerpunkt schließt das NCT WERA hervorragend an die Forschungsarbeiten im Deutschen Zentrum für Immuntherapie an, das wir im vergangenen Jahr am Uni-Klinikum Erlangen gegründet haben“, sagte Prof. Beckmann. Zum anderen steht die Analyse von krebsauslösenden Proteinen im Mittelpunkt. Der kontrollierte Abbau dieser Proteine spielt im Krankheitsgeschehen eine wichtige Rolle und bietet Angriffspunkte für grundlegend neue Krebstherapien.

Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN

Das Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN ist ein interdisziplinäres onkologisches Exzellenzzentrum mit einer Kombination von Patientenversorgung, Forschung und Lehre. Es versteht sich als gemeinsam getragene, interdisziplinäre Plattform der beteiligten Kliniken, selbstständigen Abteilungen und Institute. Weltweit sind Spitzenleistungen in der Onkologie zunehmend an solche Zentren gebunden, die sowohl in der Patientenversorgung als auch in der Forschung über das gesamte Spektrum onkologischer Kompetenz und Technologie verfügen.

Das CCC Erlangen-EMN ist eine gemeinsame Struktur der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und des Universitätsklinikums Erlangen, der Sozialstiftung Bamberg, der Klinikum Bayreuth GmbH und des Klinikums St. Marien Amberg. Grundlage der Kooperation ist die Zertifizierung der Standorte als Onkologisches Zentrum nach Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft. Alle vier Standorte des CCC Erlangen-EMN verfügen über ein von der DKG zertifiziertes Onkologisches Zentrum.Das CCC Erlangen-EMN berät alle Patienten kostenlos unter Tel.: 0800 85 100 85 (Montag bis Freitag, 8.00 bis 12.00 Uhr). Website des CCC Erlangen-EMN: www.ccc.uk-erlangen.de

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Matthias W. Beckmann
Tel.: 09131/85-47029
ccc-direktion@uk-erlangen.de

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21.09.2020 Begleitung und Orientierung bei Krebs
uni | mediendienst | aktuell Nr. 93/2020


Onkologische Patientenlotsen des CCC Erlangen-EMN unterstützen Betroffene künftig während ihrer Therapie
Sie helfen Patientinnen und Patienten, nach der Diagnose ‚Krebs‘ die Informationsflut zu bewältigen: Elke Putzek-Holzapfel und Carsten Willin-Fuhrmann sind die ersten beiden Patientenlotsen des Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Universitätsklinikums Erlangen. Das Team begleitet und unterstützt Menschen mit einer onkologischen Erkrankung während ihrer Therapien.
Wer ist mein Ansprechpartner in der Zeit zwischen zwei Behandlungen in verschiedenen Einrichtungen? Was bedeuten die onkologischen Fachbegriffe? Wie ist der Therapieverlauf, und in welcher Reihenfolge müssen die Termine vereinbart werden? Bei solchen und ähnlichen Fragen leistet das Lotsenteam wertvolle Unterstützung. „Gesprächsbedarf besteht fast immer“, berichtet Carsten Willin-Fuhrmann, der Patientinnen und Patienten mit Tumorerkrankungen des Darmtrakts betreuen wird. „Mein Ziel ist es, die an Krebs erkrankten Menschen auf ihrem Behandlungsweg so hilfreich zu begleiten, dass sie sich stets gut aufgehoben fühlen.“

Immer ansprechbar


Kompetente Beratung bieten die beiden onkologischen Lotsen den zu behandelnden Personen auch in den Therapiepausen an: „Wir fungieren während der kompletten Behandlung als koordinierendes Bindeglied zwischen den verschiedenen Einrichtungen, z. B. bei der Vermittlung von unterstützenden Behandlungsangeboten“, erklärt Carsten Willin-Fuhrmann, der aus seiner langjährigen Arbeit als Pflegefachkraft die Sorgen und Nöte von Menschen mit einer Krebserkrankung gut kennt. „Die Diagnose ‚Krebs‘ ist für die meisten der Betroffenen auch eine starke psychische Belastung. Bei Bedarf stellen wir Kontakt zu Psychoonkologen her oder organisieren einen Begleitservice, wenn jemand keinen persönlichen Beistand hat“, ergänzt die frühere Palliativpflegefachkraft Elke Putzek-Holzapfel, die Patientinnen mit Genitalkrebserkrankungen begleiten wird.

Wertvolle Orientierungshilfe

„Die Patientenlotsen koordinieren die vorhandenen Diagnostik- und Therapieangebote und dienen den zu behandelnden Personen auch als örtliche Wegweiser innerhalb der Gebäude des Uni-Klinikums Erlangen und zwischen den verschiedenen Einrichtungen“, erläutert Dr. Mandy Wahlbuhl-Becker, Leiterin der Geschäftsstelle des CCC Erlangen-EMN. „Die neuen Lotsen unterstützen gleichermaßen stationäre und ambulante Patientinnen und Patienten mit ihrer Kompetenz und vermitteln diesen in jedem Therapieabschnitt die Sicherheit, gut versorgt zu sein.“

 Kontakt und Sprechzeiten


Die Patientenlotsen sind telefonisch erreichbar unter den Telefonnummern 09131 85--47072 und -47071. Die täglichen Sprechzeiten sind wie folgt: Mo – Do 8.00 – 14.00 Uhr, Fr 8.00 – 12.00 Uhr

Weitere Informationen:
Dr. Mandy Wahlbuhl-Becker
Tel.: 09131/85-47029
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16.09.2020 Teilnehmer für Asthmastudie gesucht
uni | mediendienst | aktuell Nr. 90/2020

Uni-Klinikum Erlangen untersucht die Rolle der Immunität bei der Entstehung der Krankheit Asthma bronchiale

Für eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Erlangen werden Studienteilnehmer zwischen 18 und 65 Jahren gesucht, die unter Asthma bronchiale leiden oder – als Probanden für die Kontrollgruppe – Personen, bei denen keine Asthmaerkrankung diagnostiziert ist. Die Molekular-Pneumologische Abteilung (Leiterin: Prof. Dr. Dr. Susetta Finotto) und die Medizinische Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Uni-Klinikums Erlangen wollen in einer gemeinsamen Studie die Rolle der Immunität bei der Krankheitsentstehung von Asthma bronchiale untersuchen. Alle Studienteilnehmer werden gründlich untersucht und erhalten eine Fahrtkostenerstattung. Weitere Informationen unter Tel.: 09131 85-42497.

Ziel der Studie mit dem Titel „AZCRA“ ist es, die Rolle der Immunität und die Funktion von zellregulierenden Proteinen wie den Zytokinen, Chemokinen sowie ihren Rezeptoren bei der Entstehung des allergischen Asthmas besser zu verstehen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, Rückschlüsse auf die Prognose und den Verlauf der Erkrankung zu ermöglichen.

Teilnahme an der Studie

Die Studienteilnehmer erhalten einen Fragebogen zum Ausfüllen und werden u. a. mithilfe einer Lungenfunktionsmessung (Spirometer), einer Blutabnahme sowie eines Wangen- und Nasenabstrichs untersucht. Anschließend sollen sie ein Tagebuch über ihre Krankheitssymptome führen. Tritt während der Dauer der Studie bei den teilnehmenden Probanden eine akute Erkältung auf, wird diese ebenfalls umfassend untersucht.

Ausführliche Informationen zur Studie unter: http://www.molekulare-pneumologie.uk-erlangen.de

Weitere Informationen:

Cristina Sicorschi Gutu, Tel. 09131 85-42497, cristina.sicorschigutu@uk-erlangen.de

Susanne Krammer, Tel. 09131 85-42497, susanne.krammer@uk-erlangen.de

11.09.2020 Sportinduzierte Myokine bekämpfen Krebszellen
uni | mediendienst | forschung Nr. 52/2020

FAU-Forschungsteam analysiert die Effekte von Sport bei fortgeschrittener Krebserkrankung

 Sport und Bewegung scheinen neben den verschiedenen positiven Auswirkungen auf Körper und Geist auch einen direkten Einfluss auf die Entstehung und das Fortschreiten einer Krebserkrankung zu haben. Nun konnte ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zeigen, dass diese direkten anti-tumoralen Mechanismen auch bei schwer erkrankten Krebspatientinnen und -patienten durch eine Sporttherapie aktiviert werden können. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift The Journal of Physiology* veröffentlicht.

 Der Skelettmuskel sondert durch Stimulation Myokine, also hormonähnliche Botenstoffe, ab. Myokine schaffen eine entzündungshemmende Umgebung und vermitteln die positiven Effekte von Sport und Bewegung auf den Körper. In Gesunden und Krebserkrankten im Frühstadium wurde bereits beschrieben, dass bewegungskonditioniertes Serum – und darin enthaltene Myokine – das Wachstum von Krebszellen beeinflusst. Das FAU-Forschungsteam konnte nun erstmals zeigen, dass die schonende, aber effektive Trainingsmethode der Ganzkörper-Elektromyostimulation bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung Myokine ausschüttet, die das Wachstum von malignen Tumorzellen verhindern und gleichzeitig deren Zelltod verstärken. Mittels weiterer Studien wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun beteiligte Myokine mit anti-tumoraler Wirkung identifizieren, um wertvolle Hinweise zur Entwicklung multimodaler Krebstherapien zu erhalten.

 Für die Studie analysierte das Forschungsteam des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie des Universitätsklinikums Erlangen und des Lehrstuhls für Innere Medizin I der FAU unter der Leitung von Prof. Dr. Yurdagül Zopf Blutproben von Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Prostata- oder Darmkrebserkrankung, die an einer 12-wöchigen Sport- und Ernährungstherapie im Hector-Center teilgenommen haben. Die Publikation entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Oliver Friedrich, Leiter des Lehrstuhls für Medizinische Biotechnologie der FAU. 

 *Originalpublikation: https://doi.org/10.1113/JP279150   

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf, Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport, Tel.: 09131/85-45220, med1-hector-center@uk-erlangen.de   

09.09.2020 Alkohol verlängert das Leben von Nematoden
uni | mediendienst | forschung Nr. 51/2020

Forschungsteam untersucht Wirkung von Alkohol auf Larven von Fadenwürmern

 Unter extremen Umweltbedingungen reagieren viele Organismen mit Verteidigungsprogrammen, die ihnen das Überleben ermöglichen. Diese Mechanismen zu verstehen, kann zu Möglichkeiten führen, das Leben menschlicher Zellen zu verlängern. In einer kürzlich in der Fachzeitschrift Aging Cell veröffentlichten Arbeit* hat ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden und der TU Dresden sowie des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin (MPZPM) in Erlangen entdeckt, dass Alkohol die Lebensdauer von Nematodenlarven verdoppeln kann.

 Alkohol als unendliche Energiequelle

Nematoden – oder Fadenwürmer – leben in Böden rund um den Globus und zählen bis zu 40.000 Arten. Der Wurm Caenorhabditis elegans (C.elegans), der als Modellorganismus in der Biologie dient, kann seine Entwicklung anpassen, um auf Nahrungsmittelmangel, Überbevölkerung oder extreme Temperaturen zu reagieren: Er bildet die spezielle, nicht-fressende „Dauerlarve“, die von der Umgebung abgeschottet bleibt und ohne Futter etwa vier Wochen überleben kann. Biologinnen und Biologen glaubten lange, dass die Dauerlarve ein geschlossenes System ist und kaum Materie mit der Umwelt austauscht. Zufällig entdeckte das Forschungsteam jetzt jedoch, dass Dauer-Larven, die in einer Lösung mit Alkohol gehalten wurden, viel länger überleben.

Die Forschungsgruppe von Prof. Dr. Teymuras Kurzchalia vom MPI-CBG fand heraus, dass der Wurm Alkohol aus der Umwelt aufnehmen und verstoffwechseln kann. Alkohol aktiviert einen Schalter, der das metabolische Netzwerk der Larven umformt: Das Ethanol wird in Fettspeicher geleitet, wo daraus Aminosäuren und Zucker hergestellt werden; die daraus entstehende Energie ernährt den Wurm. Darüber hinaus überlebten mit Alkohol versorgte Larven Austrocknung, indem sie zusätzliche Mengen des Zuckers Trehalose produzierten.

 Warum sterben die Larven trotzdem?

Trotz Alkohol als quasi unendlicher Energieversorger – in der Natur könnte Ethanol von Hefen und Bakterien in verrottenden Früchten und Pflanzenstängeln produziert werden – leben die Würmer zwar länger, sterben aber schließlich doch. Warum?

 Um diese Frage zu beantworten, wandte sich die Kurzchalia-Gruppe an Prof. Dr. Vasily Zaburdaev und sein Team vom Lehrstuhl für Mathematik in den Lebenswissenschaften der FAU und dem MPZPM. Sie entwickelten ein mathematisches Modell des Stoffwechselwegs von Dauerlarven, mit dem die Lebensdauer von Würmern für verschiedene Ethanolkonzentrationen und mögliche Mutationen im Stoffwechselweg vorhergesagt werden können. Basierend auf dem Modell schlussfolgert das Team, dass die Anreicherung toxischer Verbindungen dazu führt, dass die Würmer trotz reichlich vorhandener Energieressourcen letztendlich sterben.

Zukünftig wollen die Forscherinnen und Forscher diese toxischen Verbindungen identifizieren und versuchen, ihre Wirkung zu mildern, um die Lebensdauer von Würmern noch weiter zu verlängern.

Das Lernen und Verstehen von Überlebensmechanismen und Stresstoleranz, die später zur Erhaltung des Lebens menschlicher Zellen genutzt werden können, ist das Ziel des interdisziplinären Projekts, an dem vier Gruppen in Erlangen und Dresden beteiligt sind und das von der „Leben?“-Initiative der Volkswagen Stiftung gefördert wird.

 *Link zur Publikation: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/acel.13214

08.09.2020 Gemeinsam für die Krebstherapie
uni | mediendienst | aktuell Nr. 85/2020

Virtueller Lauf gegen Krebs vom 10. bis 18. Oktober 2020 – alle können teilnehmen!

Auch heuer findet der Lauf gegen Krebs statt – wenn auch anders als in den Jahren zuvor: Aufgrund der Corona-Pandemie ist eine gemeinsame sportliche Betätigung mit über 2.000 Läuferinnen und Läufern im Erlanger Schlossgarten nicht möglich. Daher lädt der Verein für Ernährungsmedizin, Bewegung & Sport bei Krebs e. V. in Kooperation mit dem Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen und dem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) in diesem Jahr zum virtuellen Benefizlauf ein. Im Zeitraum vom 10. bis 18. Oktober 2020 können Teilnehmende Lauf- oder Radrunden sammeln, sich anderweitig sportlich, aber auch künstlerisch oder musikalisch betätigen und ihre Leistung mittels „Action-Foto“, GPS-Tracking oder Video auf der Website festhalten. Ziel ist es, zu signalisieren, wie wichtig Sport und Bewegung für die Gesundheit sind und gleichzeitig einen Beitrag für die Krebsforschung zu leisten.

 Der virtuelle Lauf kann überall allein oder in einer kleinen Gruppe (mit der zulässigen Personenzahl entsprechend den aktuellen Kontaktbeschränkungen) stattfinden: im Wald, auf der Straße oder auf dem Laufband. Auch Radfahren, andere sportliche Aktivitäten und künstlerische sowie musikalische Darbietungen zählen in diesem Jahr dazu. Anmeldungen sind einzeln oder auch als Team für den Bambini-Lauf (unter 6 Jahre), den Lauf für Schülerinnen und Schüler (6 bis 13 Jahre), den Lauf für Jugendliche (ab 14 Jahre) und Erwachsene, den Novartis-Run 25', die X-Road-Biketour, für eine andere sportliche Aktivität und für eine künstlerische oder musikalische Betätigung möglich. Die Beteiligung am virtuellen Lauf gegen Krebs ist kostenlos, eine Anmeldung ist ab sofort bis zum Ende des Veranstaltungszeitraums am 18. Oktober 2020, um 20.00 Uhr, möglich. Über Preise freuen dürfen sich die Kindergartengruppe oder der Verein mit den meisten Teilnehmenden beim Bambini-Lauf, die ersten drei Schulklassen mit den meisten Teilnehmenden im Schülerlauf (im Verhältnis zur Gesamtschülerzahl) sowie die ersten drei Läuferinnen und die ersten drei Läufer, die beim Novartis-Run in 25 Minuten die längste Strecke gelaufen sind. Diese Leistung muss mit einem Lauf-Tracker dokumentiert werden. 

Teilnahme und Spende für den guten Zweck

Sport, Bewegung und eine gesunde Ernährung können nicht nur das Risiko für eine Krebserkrankung senken, sie haben auch einen entscheidenden Einfluss auf die Behandlung und die Prognose nach einer Krebstherapie. Mit dem 7. Lauf gegen Krebs möchten die Organisatorinnen und Organisatoren ein Zeichen für die Bedeutung von Bewegung und Ernährung in der Vorsorge und der Therapie einer onkologischen Erkrankung setzen. Schirmherr der Veranstaltung ist Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

 Wer die ernährungs- und sportmedizinische Therapie bei Krebserkrankungen unterstützen möchte, kann an den gemeinnützigen Verein spenden – unabhängig von der aktiven Teilnahme am Lauf. Von einer Spende profitieren unmittelbar Krebserkrankte aus der Region, indem ihnen auch weiterhin hocheffiziente Trainingsprogramme angeboten werden können. Mit dem virtuellen Lauf gegen Krebs möchten die Organisatorinnen und Organisatoren für diesen Zweck eine Gesamt-Spendensumme in Höhe von 40.000 Euro erreichen.

 Website des Laufs gegen Krebs mit weiteren Informationen und Link zur Anmeldung: www.laufgegenkrebs.de

04.09.2020 Anfallsfrei durch Epilepsie-Operationen im Gehirn / Chronische Darmentzündungen
uni | mediendienst | forschung Nr. 49/2020

Forschungsteam der FAU und Uni-Klinik Utrecht wertet Europäische Kohorte mit mehr als 9000 Operationen aus

Die Weltgesundheitsorganisation stuft Epilepsien als häufige und schwerwiegende Erkrankungen des Gehirns ein. Ein Drittel aller Patienten sprechen nicht auf eine medikamentöse Therapie an. Bei sogenannten fokalen Epilepsien, wo der Ursprung in einem bestimmten Gehirnareal liegt, kann eine Operation am Gehirn helfen und sogar heilen. Dies konnte ein Forscherteam des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Utrecht zeigen. Sie untersuchten bei mehr als 9000 Patientinnen und Patienten aus 37 Epilepsie-Zentren in 18 Europäischen Ländern den kurz-, mittel-, und langfristigen Erfolg von Epilepsie-Operationen sowie die Medikamenteneinnahme nach der Operation. Die Ergebnisse wurden nun in dem Wissenschaftsjournal Lancet Neurology* veröffentlicht.

 In dem EU-geförderten „European Epilepsy Brain Bank-Konsortium“ hat das Team um Prof. Dr. Ingmar Blümcke von der FAU und Prof. Dr. Kees Braun vom Uni-Klinikum Utrecht die Ergebnisse Epilepsie-Operationen untersucht, die zwischen 2000 und 2012 an 37 Europäischen Epilepsie-Zentren durchgeführt wurden: Erlitten die Patientinnen und Patienten nach der Operation noch Anfälle? Wie lange währte ein Behandlungserfolg? Benötigten die Erkrankten nach der Operation weiterhin Medikamente oder durften sie darauf verzichten?

Das Ergebnis: Epilepsie-Operationen sind sehr erfolgversprechend. 72 Prozent der Patientinnen und Patienten hatten ein Jahr nach der Operation keine Anfälle mehr. Nach zwei Jahren waren es noch 68 Prozent und nach fünf Jahren 66 Prozent. Wie gut der neurochirurgische Eingriff hilft, hängt allerdings auch mit den zugrundeliegenden Gewebsveränderungen in der Anfalls-auslösenden Gehirnregion zusammen: Wurde die Epilepsie durch gutartige Hirntumoren, fehlgebildete Blutgefäße oder Verlust von Nervenzellen im Hippocampus ausgelöst, waren über 70 Prozent der Patientinnen und Patienten nach zwei Jahren frei von Anfällen; bei Erkrankten ohne mikroskopisch erkennbare Veränderungen im chirurgisch entfernten Gehirnareal war dies bei ungefähr 50 Prozent der Fall. Nach fünf Jahren hatten 45 Prozent der Kinder und 28 Prozent der Erwachsenen auch ihre Anfallsmedikamente vollständig abgesetzt. „Nach diesem Zeitraum können wir praktisch von einer Heilung sprechen“, kommentiert Prof. Ingmar Blümcke. Eine längere Dauer der Epilepsie – vom ersten Anfall bis zum Zeitpunkt der Operation – verschlechterte allerdings die Chance auf eine vollständige Anfallsfreiheit. „Unsere Studi

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Ingmar Blümcke, Lehrstuhl für Neuropathologie, Tel.: 09131/85-26031, ingmar.bluemcke@fau.de    

Chronische Darmentzündungen vermindern

FAU-Forschungsteam untersucht entzündungshemmenden Stoff

 Wenn sich das Immunsystem gegen die Darmflora richtet, kommt es zu chronischen Darmentzündungen, die mit einem großen Leidensdruck der betroffenen Patientinnen und Patienten einhergehen. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat einen neuen Behandlungsweg erforscht. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Journal of Crohn's and Colitis“ veröffentlicht.

 Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die zu Durchfall, Darmblutungen und Krampfanfällen führt. Ausgelöst wird sie durch eine überschießende Immunantwort gegen die Darmflora. Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FAU um PD Dr. Benno Weigmann und Prof. Dr. Markus Neurath, Lehrstuhl für Innere Medizin I und Medizinische Klinik 1 des Universitätsklinikums Erlangen, herausgefunden, dass der Hemmstoff Tofacitinib bei Patientinnen und Patienten mit Colitis ulcerosa die Produktion von entzündungsverursachenden Zytokinen sowie die Migration von T-Zellen signifikant verminderte. Im experimentellen Modell hat das Team jedoch beobachtet, dass der Hemmstoff zum programmierten Zelltod von Darmepithelzellen führte und – bei höherer Dosierung – die Wundheilung der Schleimhaut verzögern kann. „Unsere Studie legt nahe, dass Tofacitinib in niedrigen Konzentrationen bei der Behandlung chronischer Darmentzündungen wirksam ist“, sagt PD Dr. Benno Weigmann.

 Im SFB 1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ an der FAU gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen der Medizin und der Biologie den grundlegenden Mechanismen der Auflösung der Entzündungsreaktion auf die Spur und testen diese auf ihre klinische Bedeutung.

 

 

04.09.2020 Mehr Zeit für Patientinnen und Patienten statt ausufernder Kontrollbürokratie
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Bundesärztekammer sieht die Entwicklung der gesetzlichen Vorgaben zu Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement kritisch. Der bürokratische Aufwand stehe in keinem Verhältnis mehr zum potenziellen Nutzen für die Patientenversorgung. Die immensen (Dokumentations- )Anforderungen hätten sich zu einem Selbstzweck entwickelt, bei dem der Fokus nicht auf dem eigentlichen Ziel der Qualitätsverbesserung liege, sondern vor allem auf der externen Kontrolle, heißt es in dem aktuellen Memorandum der BÄK „Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement 2020 aus ärztlicher Sicht – Mehrwert für die Patientenversorgung“.

Die externe Qualitätssicherung habe einen Weg eingeschlagen, der dem Grundgedanken der Qualitätsförderung zuwiderlaufe. Sie verfehle damit ihr Ziel, zur Gewährleistung von Qualität und Sicherheit der Versorgung von Patientinnen und Patienten beizutragen. Die ohnehin knappen personellen Ressourcen in den Arztpraxen und Krankenhäusern würden mit ausufernden bürokratisch-formalistischen Anforderungen gebunden - Zeit und Ressourcen, die in der Konsequenz in der direkten Versorgung fehlen. Qualitätsmanagement richtig gedacht und gut gemacht unterstützt Ärztinnen und Ärzte in der Patientenversorgung, anstatt sie mit aufwändigen Dokumentationstätigkeiten zu überfrachten, deren Nutzen sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für die Ärzteschaft kaum mehr nachvollziehbar ist, betonten die beiden Vorsitzenden der Qualitätssicherungsgremien Pressemitteilung der Bundesärztekammer der Bundesärztekammer, Dr. Susanne Johna und Dr. Günther Jonitz.

Die BÄK fordert eine Rückbesinnung auf den eigentlichen Kern von Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement - der Verbesserung der Patientenversorgung. Notwendig sei eine Verschlankung der gesetzlich formulierten Anforderungen. Diese müssten sich daran messen lassen können, inwiefern ein tatsächlicher Mehrwert für die Qualität der Patientenversorgung geschaffen wird.

Memorandum „Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement 2020 aus ärztlicher Sicht – Mehrwert für die Patientenversorgung“

02.09.2020 Belastungen von Kinderwunschpaaren minimieren
Pressinformation der Bayerischen Landesärztekammer

„Rasanter medizinisch-wissenschaftlicher Fortschritt auf der einen Seite und jahrelanger gesetzgeberischer Stillstand auf der anderen. Das ist das Spannungsfeld, in dem sich die Reproduktionsmedizin seit vielen Jahren bewegt. Es ist höchste Zeit, das 30 Jahre alte Embryonenschutzgesetz an die aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse anzupassen. Nur so lassen sich unnötige seelische Belastungen von Menschen mit Kinderwunsch vermeiden und gesundheitliche Risiken für werdende Mütter und ihre Kinder minimieren.“ Das sagte Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), anlässlich der Vorstellung des Memorandums der BÄK „Dreierregel, Eizellspende und Embryonenspende im Fokus“. Reinhardt appellierte an den Gesetzgeber, die in dem Papier enthaltenen Regelungsvorschläge zur Grundlage für eine Überarbeitung des Embryonenschutzgesetzes spätestens in der nächsten Legislaturperiode zu machen.

Das von dem Arbeitskreis „Offene Fragen der Reproduktionsmedizin“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer erarbeitete Papier greife mit der sogenannten Dreierregel, der Eizellspende und der Embryonenspende gezielt nur die wichtigsten Problembereiche aus der reproduktionsmedizinischen Behandlungspraxis auf, erläuterte Prof. Dr. Dr. Peter C. Scriba, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats: „Unser Ziel ist es, dem Gesetzgeber konkrete, wissenschaftlich fundierte und möglichst schnell umsetzbare Vorschläge für eine Reform des Embryonenschutzgesetzes an die Hand zu geben.“

„Im Zentrum unseres täglichen ärztlichen Handelns steht das Wohl des Kinderwunschpaares und seines Kindes“, betonte Prof. Dr. Jan-Steffen Krüssel, Federführender des Arbeitskreises „Offene Fragen der Pressemitteilung der Bundesärztekammer.

Reproduktionsmedizin“. Als besonders problematisch sieht er die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern etwa fünfmal höhere Rate von höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften nach Kinderwunschbehandlung an. Dadurch steige die Frühgeburtlichkeit, die mit hohen Risiken für Mütter und Kinder verbunden sei. Die Bundesärztekammer spricht sich deshalb für die Aufhebung der sogenannten Dreierregel aus, die den Transfer von bis zu drei Embryonen erlaubt und damit Mehrlingsschwangerschaften begünstigt. Stattdessen sollte nach Möglichkeit die Methode des Single Embryo Transfer zur Anwendung kommen. Dabei wird nur der Embryo transferiert, bei dem durch Kultivierung und Beobachtung bis zum Blastozystenstadium ein höheres Entwicklungspotential identifiziert wurde.

Darüber hinaus plädiert die BÄK für die Zulassung der nicht kommerziellen Eizellspende in engen Grenzen sowie für die Regelung der Voraussetzungen, des Verfahrens und der damit verbundenen Rechtsfolgen einer Spende überzähliger pränidativer Embryonen.

Zuletzt hatte der Deutsche Ärztetag im Jahr 2017 klargestellt, dass nur der Gesetzgeber Antworten auf offene gesellschaftspolitische Fragestellungen der Reproduktionsmedizin geben könne und nicht eine Richtlinie der Bundesärztekammer. Mit der Richtlinie zur Entnahme und Übertragung von menschlichen Keimzellen im Rahmen der assistierten Reproduktion hatte die BÄK im Jahr 2018 dementsprechend die medizinisch-wissenschaftlichen Fragestellungen klar von den gesellschaftspolitischen Aspekten getrennt.

Davon unbenommen stehe die Bundesärztekammer in der Verantwortung, den politischen Diskussions- und Meinungsbildungsprozess mit ihrer fachlichen Expertise zu unterstützen und voranzutreiben, betonte BÄK-Präsident Reinhardt. Das heute vorgelegte Memorandum sei dafür ein wichtiger Schritt.

Dreierregel, Eizellspende und Embryonenspende im Fokus – Memorandum für eine Reform des Embryonenschutzgesetzes.

02.09.2020 Corona ist nicht vorbei
Presseinformation der Bayerischen Landesärztekammer

Im Leitartikel der September-Ausgabe des Bayerischen Ärzteblatts beschreibt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), dass die Infektionen wieder ansteigen, was vorherzusehen gewesen sei. Die Zunahme von Urlaubsreisen und die Missachtung von Ab-standsregeln trügen dazu bei. Kontrollen der Einhaltung des Tragens der Mund-Nasen-Bedeckung in öffentlichen Verkehrsmitteln fänden nicht oder nur ungenügend statt. „Dafür sucht man das Heil in unbegrenzten Testun-gen“, so Quitterer. Und weiter: „Wir müssen uns darüber im Klaren sein: Diese Testungen sind Momentaufnahmen und sagen nichts über eine schon morgen mögliche Ansteckung eines Menschen aus.“

Der Präsident wörtlich: „Wir sollten uns deshalb nicht auf die ungezielte, kostenlose Testung Gesunder, sondern vielmehr auf die frühzeitige Erfassung symptomatischer Patienten, von Risikogruppen oder Sentineltestungen konzentrieren. Bestimmte Gruppen, wie pädagogisches, pflegerisches und medizinisches Personal müssen priorisiert werden.“

Überdies müssten bereits jetzt Konzepte für eine „gestaffelte Verimpfung“ eines möglichen Corona-Impfstoffs durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte entwickelt werden, denn vermutlich würden nicht auf einen Schlag ausreichend Impfdosen für alle Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung ste-hen. Es müssten Verteilungswege und die Vorbereitung bzw. Koordinierung der Patientenversorgung von der Politik festgelegt werden. „Ich möchte darauf hinweisen, dass wir Ärztinnen und Ärzte es zwar durchaus gewohnt sind, tagein, tagaus stille Rationierung zu betreiben, genau unter diesem Faktum aber am meisten leiden und regelmäßig einfordern, dass nicht uns die Rationierungsentscheidung auferlegt wird, sondern dass sich die Politik offen dazu bekennt“, schreibt Quitterer. Dabei dürfe verfügbarer Impfstoff weder zum Spielball von wirtschaftlichen Interessen werden, noch dürfe die Pharmaindustrie uns Ärztinnen und Ärzten diktieren, welchen Impfstoff die Ärzte verwenden müssten. Daher sei es notwendig, bereits jetzt Kriterien für eine spätere Vergabe festzulegen und nicht die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, mit diesen Entscheidungen alleine zu lassen.

Mehr zu „Corona ist nicht vorbei“ lesen Sie im Leitartikel der September- Ausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Pressestelle

26.08.2020 Eigener Tarifvertrag für Amtsärzte unverzichtbar
Neuen Untertitel eingeben

Die Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern leisten in der Corona-Pandemie trotz chronischer Unterbesetzung und unzureichender Ausrüstung Herausragendes. Die kommunalen Arbeitgeber sollten endlich damit aufhören, sie als Ärzte zweiter Klasse zu behandeln, indem sie ihnen einen eigenen Tarifvertrag verweigern. Damit würdigen sie nicht nur die Arbeit der Amtsärztinnen und -ärzte in Deutschland herab. Sie konterkarieren den von Bund und Ländern geschlossenen Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), der die personelle und strukturelle Förderung der Gesundheitsämter zum Ziel hat.“ Das sagte Bundesärztekammer- Präsident Dr. Klaus Reinhardt vor den morgigen Gesprächen von Bund und Ländern über die weitere Pandemie-Politik in Deutschland.

Zuvor hatte der Vorstand der Bundesärztekammer in einer Resolution gefordert, die Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in den Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Kliniken einzubeziehen. In diesem Sinne hat sich BÄK-Präsident Reinhardt in einem Schreiben an die Länder gewandt. Reinhardt forderte sie auf, die jeweiligen kommunalen Arbeitgeber zu beauftragen, die bereits zugesagten Tarifverhandlungen mit der Ärztegewerkschaft Marburger Bund für angestellte Ärztinnen und Ärzte im kommunalen Dienst außerhalb der Krankenhäuser wieder aufzunehmen.

Hintergrund sind die schlechten Vergütungsbedingungen und die daraus resultierende Personalnot. So ist die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern von 5 000 im Jahr 1970 (nur West-Deutschland) auf 2 561 im Jahr 2019 gesunken. Weitere personelle Engpässe sind absehbar, weil rund 72 Prozent der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Pressemitteilung der Bundesärztekammer Gesundheitsdienst 50 Jahre oder älter sind und bei Eintritt in den Ruhestand ersetzt werden müssen.

„Die Ärztinnen und Ärzte im ÖGD sind keine Verwaltungsangestellten, sie üben wichtige ärztliche Tätigkeiten aus. Der Öffentliche Gesundheitsdienst wird nur dann attraktiv für junge Ärztinnen und Ärzte, wenn die tariflich garantierten Arbeitsbedingungen und Gehälter arztspezifisch und konkurrenzfähig ausgestaltet werden. Mit den im Konjunkturpaket der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen stehen die finanziellen Mittel zur Verfügung. Es fehlt aber offensichtlich noch am politischen Willen der kommunalen Arbeitgeber“, betonte der Bundesärztekammer-Präsident.

Die Länder dürften bei dieser wichtigen Frage nicht am Rand stehen, sondern sollten sich im Sinne einer wirksamen Pandemiebekämpfung und -prävention für die Ärztinnen und Ärzte in den kommunalen Gesundheitsämtern einsetzen.

Resolution des Vorstands

19.08.2020 Mit Rhythmus gegen den Blues
uni | mediendienst | forschung Nr. 45/2020

Studie erforscht Wirksamkeit der TaKeTiNa-Rhythmustherapie bei Depressionen – Teilnehmer gesucht.

Kann die Rhythmus- und Musiktherapie „TaKeTiNa“ die Symptome von depressiven Patienten lindern und womöglich sogar das Immunsystem stärken? Das erforscht eine neue Studie der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Untersuchung startet im Oktober 2020. Erste Informationsveranstaltungen für Interessierte finden im September 2020 statt.

GaMaLaTaKi, GaMaLaTa – diese und andere Silbenkombinationen werden im TaKeTiNa zum Rhythmus einer Trommel gesprochen und immer wieder wiederholt. Dazu machen die Teilnehmer Schritte und betonen einzelne Laute durch Klatschen – alles angeleitet von einem Rhythmustherapeuten. TaKeTiNa wurde von dem Komponisten und Musiker Reinhard Flatischler begründet und wird seit über 20 Jahren u. a. im klinischen Umfeld genutzt und bereits ergänzend in der Behandlung von Schmerzen, Burn-out, Traumata und Depressionen eingesetzt. „Wir wollen nun wissenschaftlich erforschen, wie hilfreich TaKeTiNa für Menschen mit Depression ist. Das ist das erste Forschungsprojekt dieser Art überhaupt“, erklärt Studienleiterin Dr. Claudia von Zimmermann von der Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen.

 Depression im Blut

„TaKeTiNa verankert das Bewusstsein im Hier und Jetzt, erklärt Rhythmuspädagoge und Facharzt für Innere Medizin Dr. Ali Behzad von der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mackensen) des Uni-Klinikums Erlangen. „Durch das rhythmische Sprechen und Bewegen bauen die Teilnehmer eine immer stärkere Verbindung zu sich und zu ihrer inneren Kraft auf. Sie werden psychisch, emotional und körperlich belastbarer. Wiederholtes Üben über mehrere Wochen hat möglicherweise einen nachhaltigen depressionshemmenden Effekt“, sagt Dr. Behzad. Durch den Wechsel zwischen Stabilisierung und Destabilisierung vertiefe sich das Vertrauen der Teilnehmer in den Rhythmus, der immer da ist und sie stützt, und mit der Zeit auch das Vertrauen in das Leben, das sie gleichermaßen trägt.

 Neben dem Einfluss auf depressive Symptome soll das Forschungsprojekt klären, ob TaKeTiNa auch das Immunsystem beeinflusst und ob sich durch die Musiktherapie Blutwerte verändern – etwa das LDL-Cholesterin, das in Zusammenhang mit Depressionen steht, oder bestimmte Entzündungswerte. „Damit wollen wir dazu beitragen, die biologischen, messbaren Aspekte von Depressionen besser zu verstehen und die Erkrankung gezielt zu behandeln“, erklärt Dr. Christiane Mühle, Arbeitsgruppenleiterin in der Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen. In einer Pilotstudie hatte Dr. Behzad bereits 2018 den Einfluss von TaKeTiNa auf Leukämiepatienten, die eine Stammzelltransplantation erhalten hatten, untersucht. Die Studie zeigte eine verbesserte Lebensqualität und einen Trend zu weniger Abstoßungsreaktionen bei den TaKeTiNa-Teilnehmern.

 18- bis 70-jährige Teilnehmer gesucht

Der erste Durchgang der neuen Depressionsstudie beginnt im Oktober 2020 – für April und Oktober 2021 sind dann zwei weitere Runden geplant. Die Musiktherapie in der Gruppe dauert jeweils acht Wochen mit je einem wöchentlichen Termin. Anmelden können sich Menschen zwischen 18 und 70 Jahren mit einer diagnostizierten Depression. „Jeder Interessent wird vorab in der Hochschulambulanz der Psychiatrie untersucht, um seine Eignung sicherzustellen“, erklärt Dr. Claudia von Zimmermann. Die Depressivität wird monatlich mithilfe von Fragebögen ermittelt; hinzu kommen mehrere Blutabnahmen.

 Für den 9. und den 16. September 2020, jeweils mittwochs um 17.30 Uhr, sind Informationsabende für Studienteilnehmer am Uni-Klinikum Erlangen geplant. Interessierte können sich per E-Mail anmelden: taketina.ps@uk-erlangen.de.

Über diese Adresse kann auch weiteres Material angefordert werden. Über den Ort der Veranstaltung werden die Teilnehmer im September per E-Mail informiert. Alle Veranstaltungen finden selbstverständlich unter Berücksichtigung der besonderen Hygiene- und Schutzbestimmungen aufgrund von COVID-19 statt.

19.08.2020 Fördervolumen den ambitionierten Vorhaben anpassen
Pressmeldung der Bayerischen Landesärztekammer

 
 Fördervolumen den ambitionierten Vorhaben anpassen

 „Das Gesetz geht in die richtige Richtung. Es wird aber nur dann seinem Namen gerecht, wenn es nicht bei einem einmaligen Sonderprogramm bleibt und die Fördermittel des Bundes von derzeit drei Milliarden auf fünf Milliarden Euro aufgestockt werden.“ Mit diesen Worten kommentierte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt den Entwurf für ein Krankenhauszukunftsgesetz. Neben dem Ausbau der Digitalisierung der Kliniken sieht der Entwurf vor, dass Notfallkapazitäten räumlich ausgebaut und digital optimiert werden sollen. „Wir stehen voll hinter diesen Vorhaben. Umsetzen lassen sie sich aber nur, wenn das Fördervolumen der Vielzahl förderfähiger Vorhaben angepasst wird“, sagte Reinhardt.

Dies gelte umso mehr, da die Zahl der zur Verfügung stehenden Notfallmediziner wie auch insbesondere der IT-Experten für Kliniken begrenzt ist. Die geplante Erhöhung des Digitalisierungsgrades müsse diesen Personalbedarf in ausreichendem Maße berücksichtigen, anderenfalls würde es wieder zu Quersubventionierungen innerhalb des Krankenhauses mit den bekannten Folgen für die Patientenversorgung kommen, so die Bundesärztekammer in ihrer schriftlichen Stellungnahme zu dem Entwurf.

Die vorgesehene Finanzierungsbeteiligung der Länder in Höhe von jeweils 30 Prozent der Fördermittel beurteilt die Bundesärztekammer als angemessen. Die ebenfalls geplante Option einer alleinigen Übernahme der Kofinanzierung durch einzelne Krankenhausträger lehnt sie jedoch ab. Schon jetzt sei absehbar, dass es als Folge der Pandemie und des Lockdowns zu erheblichen Steuerausfällen kommen wird. Weitere Ausfälle seien zu erwarten. „So werden viele Klinken trotz eines realen Innovationsbedarfes absehbar nicht die notwendige Kofinanzierung für eine mögliche Teilnahme an dem neuen Förderprogramm aufbringen können.“ Die BÄK warnt in diesem Zusammenhang vor Fehlanreizen, wenn Finanzmittel für Investitionen zum Beispiel durch Fokussierung auf lukrative Leistungen oder unerwünschte Einsparungen bei Personal- und Sachkosten erzielt werden.

Die BÄK ist unverändert der Auffassung, dass es nach wie vor Reformbedarf im Bereich der stationären Versorgung gibt. Dennoch hält sie die vorgesehene Kopplung der Förderung in Verbindung mit einer Reduktion der Bettenkapazität für viel zu eindimensional. Die Bewältigung der ersten Phase der Corona-Pandemie sei unter anderem auch deshalb gelungen, weil Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern über ein ausreichendes Maß an Krankenhausbetten, vor allem im Bereich der intensivmedizinischen Versorgung, verfügt und gleichzeitig in relativ kurzer Zeit weitere Kapazitäten ausbauen konnte. Die im Gesetzentwurf vorgesehene Malus-Regelung bei Nicht-Einhaltung der zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal definierten Zielkriterien hält die BÄK aus grundsätzlichen Erwägungen für ungeeignet.

Wünschenswert wäre es, wenn das geplante Zukunftsprogramm Kooperationen zwischen Kliniken mit unterschiedlichen Schwerpunkten berücksichtigen und fördern würde.

Bei Berücksichtigung der notwendigen Korrekturen könne das Gesetz dazu beitragen, die Zukunftsfähigkeit der Kliniken in bestimmten Bereichen zu verbessern. „Insgesamt steht allerdings unabhängig von diesem Gesetzesentwurf das eigentliche Zukunftsprogramm für die Krankenhäuser noch aus: Eine umfassende und bedarfsgerechte Reform der Finanzierung der stationären Versorgung, eine zukunftsorientierte Betriebsmittel- und Investitionsfinanzierung der Kliniken unter Berücksichtigung der Vorhaltekosten sowie eine aktive Krankenhausplanung“, so BÄK-Präsident Reinhardt.

Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Formulierungshilfe für die Koalitionsfraktionen für einen aus der Mitte des Deutschen Bundestages einzubringenden Entwurf eines Gesetzes für ein Zukunftsprogramm Krankenhäuser (Krankenhauszukunftsgesetz – KHZG).

14.08.2020 Klimawandel: BÄK fordert Aktionspläne für Hitzeschutz
Pressemittelung der Bayerischen Landesärztekammer

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels sind keine ferne Bedrohung mehr, sie sind weltweit Realität. Auch in Deutschland kommt es immer häufiger zu extremen Hitzewellen, die sich negativ auf die Gesundheit vieler Menschen auswirken können. Es ist Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten, sowohl die direkten Folgen des Klimawandels auf den menschlichen Körper als auch die indirekten Folgen für die globale Gesundheit zu benennen und sich für die Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele einzusetzen.“ Das sagte Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), mit Blick auf die kommende Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes, die sich schwertpunkmäßig mit dem Thema Klimawandel und Gesundheit beschäftigt. Reinhardt forderte Bund und Länder auf, die Kliniken sowie Not- und Rettungsdienste durch ausreichende Ressourcen und Personal besser auf Extremwetterereignisse vorzubereiten. Der BÄK-Präsident geht auch in der aktuellen Ausgabe seines Podcasts „Sprechende Medizin“ auf die Auswirkungen der Erderwärmung auf die menschliche Gesundheit ein.

Typische Begleiterscheinungen wie Hitzestress oder hohe bodennahe Ozonkonzentrationen können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Das gilt insbesondere für ältere Menschen und solche mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Darauf wiesen Dr. Peter Bobbert und Dr. Gerald Quitterer hin, die sich im Vorstand der Bundesärztekammer schwerpunktmäßig mit dem Thema „Gesundheitliche Auswirkungen des Klimawandels“ befassen. Nach ihrer Überzeugung ist es dringend erforderlich, Hitzeschutzaktionspläne auf Landes- und kommunaler Ebene mit Pressemitteilung der Bundesärztekammer besonderem Augenmerk auf schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen umzusetzen, sie kontinuierlich zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

„Hitzewellen bedeuten Schwerstarbeit für den Körper. Daher ist es mit Blick auf die ärztliche Versorgung wichtig, besonders gefährdete Patientinnen und Patienten über die gesundheitlichen Risiken und die adäquaten Gegenmaßnahmen aufzuklären“, sagte Quitterer. Zu den Risikogruppen zählten insbesondere ältere Menschen, Säuglinge, chronisch Kranke sowie Personen, die schwere körperliche Arbeit im Freien verrichteten.

„Die vielfältigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit müssen deutlich stärker als bisher in der Aus-, Weiter- und Fortbildung angesprochen werden. Das gilt für Ärzte ebenso wie für Medizinische Fachangestellte oder Pflegekräfte“, betonte Bobbert. So seien die Auswirkungen von Hitzewellen beispielsweise bei der Dosierung von Blutdrucksenkern ebenso zu beachten wie bei der Versorgung von Operationswunden.

Die Experten warnten, dass nach aktuellen Studien bis zum Ende dieses Jahrhunderts jährlich bis zu fünf zusätzliche Hitzewellen in Norddeutschland und bis zu 30 in Süddeutschland zu erwarten sind, wenn weiter so viel Treibhausgas ausgestoßen wird wie bisher. Aus ärztlicher Sicht sei es jetzt höchste Zeit, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Deutsches Ärzteblatt / Schwerpunkt Klima und Gesundheit http://daebl.de/DN64

Podcast „Sprechende Medizin“ mit BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt www.bundesaerztekammer.de/podcast




13.08.2020 Auf dem Weg zu einer neuen Darmkrebs-Therapie
uni | mediendienst | forschung Nr. 44/2020

FAU-Forschungsteam untersucht Zusammenhang zwischen Bindegewebszellen und Darmkrebs

 Ein Zusammenhang zwischen Bindegewebszellen und der Entwicklung von Darmkrebs wurde seit Langem vermutet. Nun hat ein internationales Forschungsteam unter Federführung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gezeigt, dass die Aktivierung spezieller Bindegewebszellen einen wichtigen Faktor bei Darmkrebs darstellt. Diese sogenannten Tumorfibroblasten fördern in entzündlicher Umgebung die Produktion und Freisetzung von Botenstoffen und weiteren Faktoren, die das Darmkrebswachstum aktiv begünstigen können. Die Ergebnisse der FAU-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler um Dr. Clemens Neufert wurden in der Juli-Ausgabe der Fachzeitschrift „GUT“ publiziert.

 Originalpublikation: http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2019-319200   

 Video-Abstract: https://www.youtube.com/watch?v=cQWzIOXVDeg  

 Detaillierte Pressemeldung: https://www.fau.de/2020/08/news/auf-dem-weg-zu-einer-neuen-darmkrebs-therapie/ 

 Weitere Informationen:

PD Dr. Dr. Clemens Neufert, Tel.: 09131/85-45062, clemens.neufert@uk-erlangen.de 

 Kann man Leukämie einfach „aushungern“?

FAU-Forschungsteam erforscht den Einfluss der Ernährung auf den Krankheitsverlauf von Blutkrebs

Ist es möglich, den Krankheitsverlauf einer aggressiven Leukämie durch eine spezielle Ernährung so zu beeinflussen, dass die Heilungschancen verbessert werden? Darauf deuten Ergebnisse des Forschungsteams um Prof. Dr. Robert Slany, Lehrstuhl für Genetik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), hin, die in der Fachzeitschrift „BloodAdvances“ veröffentlicht wurden.

 Bei der Untersuchung des Entstehungsmechanismus einer besonders aggressiven Art von Leukämie, also Blutkrebs, die vor allem im Kindesalter, aber manchmal auch bei Erwachsenen auftritt, konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Lehrstuhls für Genetik der FAU, der Medizinischen Klinik V und der Abteilung für Kinderonkologie und Hämatologie des Universitätsklinikums Erlangen aufklären, wie die betroffenen Blutzellen ihre abnormal schnelle Vermehrung sicherstellen können. „Durch die genetischen Veränderungen in den Leukämiezellen werden diese dazu gezwungen, sich unablässig und rasch zu teilen. Und obwohl sie ihren Stoffwechsel anpassen, führt das zu einem erhöhten Bedarf an bestimmten Eiweißbestandteilen, die die entarteten Zellen zusätzlich aus dem Blut aufnehmen müssen“, erklärt Prof. Slany. Dieser Effekt lässt sich im Tiermodell ausnutzen, um den Krankheitsverlauf entscheidend zu verlangsamen: Dazu wird ein spezielles Futter verabreicht, das die für die Leukämiezellen notwendigen Eiweißbausteine nicht enthält. Allein durch diese spezifische Ernährung konnten Effekte erzielt werden, die sonst nur durch die Verabreichung von hochwirksamen Chemotherapeutika erreichbar sind. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler prüfen nun, ob und wie diese Strategie ihren Weg auch in die Klinik finden kann.

 Link zur Publikation: https://doi.org/10.1182/bloodadvances.2020001710

11.08.2020 Enzymmangel verursacht Hautkrankheit
uni | mediendienst | forschung Nr. 43/2020

Medizinerinnen und Mediziner der FAU entdecken Auslöser für schwere Form der Schuppenflechte

Humangenetikerinnen und -genetiker der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben einen Enzymmangel als Auslöser der generalisierten pustulösen Psoriasis, einer besonders schweren Form der Schuppenflechte, identifiziert. Die Ergebnisse der Studie, die jetzt im American Journal of Human Genetics* veröffentlicht wurden, könnten zu neuen Therapieansätzen führen.

Die generalisierte pustulöse Psoriasis (GPP) ist eine seltene, schwere Form der Schuppenflechte, bei der es zu einer allgemeinen Entzündungsreaktion des Körpers mit teils lebensbedrohlichen Zuständen kommt. GPP wird durch ein Ungleichgewicht entzündungsfördernder und entzündungshemmender Proteine eines Botenstoffes in der Haut ausgelöst. Für etwa ein Viertel der Betroffenen ist bekannt, dass dieses Ungleichgewicht durch Defekte im sogenannten IL36RN-Gen verursacht wird – für die übrige Gruppe der Patientinnen und Patienten war die genetische Ursache der Erkrankung bisher ungeklärt.

In einer Studie im Rahmen des DFG-Sonderforschungsbereichs 1181 mit insgesamt 74 Patientinnen und Patienten haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FAU unter Leitung von Prof. Dr. Ulrike Hüffmeier vom Humangenetischen Institut nach weiteren Ursachen für die Entstehung der GPP geforscht – und sind fündig geworden: Bei etwa 20 Prozent der Patientinnen und Patienten konnten Defekte in einem Gen nachgewiesen werden, das das Enzym Myeloperoxidase (MPO) kodiert. Sämtliche gefundenen Defekte des MPO-Gens führen zu einem partiellen oder vollständigen Mangel des Enzyms. MPO kommt in der häufigsten Zellart der weißen Blutkörperchen vor, den sogenannten neutrophilen Granulozyten. Diese Zellart ist zentral bei der Entzündungsreaktion der seltenen Schuppenflechteform. MPO reguliert Entzündungen durch oxidative Prozesse und auf Zellebene.

 Da eine medikamentöse Hemmung der MPO als mögliche Therapie für Artheriosklerose und andere kardiovaskuläre Erkrankungen verfolgt wird, könnten die Erkenntnisse nicht nur neue Therapieansätze bei Hautkrankheiten begründen, sondern auch Konsequenzen für diesen kardiologischen Therapieansatz bedeuten.

 * Doi: 10.1016/j.ajhg.2020.07.001„Myeloperoxidase Modulates Inflammation in Generalized Pustular Psoriasis and Additional Rare Pustular Skin Diseases“

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Ulrike Hüffmeier

Tel.: 09131/85-45629

ulrike.hueffmeier@uk-erlangen.de   

 

11.08.2020 Wir sind in einer neuen Normalität“ FAU-Mediziner spricht über Corona und vergangene Seuchen
Pressestelle der FAU

Pandemien sind ein Begleiter der Menschheit und verbreiten seit tausenden Jahren Angst und Schrecken. Was wir von den Seuchen der Vergangenheit über den Umgang mit Corona lernen können, darüber spricht FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger mit Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, der an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) den Lehrstuhl für Geschichte der Medizin leitet.

 Eine historische Betrachtung hat stets den Charakter eines Vergleichs. Medizinhistorikerinnen und -historiker richten folglich ihren Blick in die Vergangenheit und suchen nach Ereignissen, die sich mit Corona vergleichen lassen: „Wir finden eine Vielzahl von Seuchen, auch pandemische Geschehnisse, in der Geschichte und können schauen, was ist heute anders – denn es gibt große Unterschiede –, aber was ist auch gleichgeblieben. Es gibt nämlich sehr viele Phänomene, die in den Seuchen immer wiederkehren“, erklärt Prof. Leven.

 Wie wirkt sich die Pandemie zum Beispiel auf die Gesellschaft aus? „Meistens ist eine Seuche ein Phänomen, das von außen kommt, beziehungsweise wird sie oft so verstanden“, sagt Leven. Hierbei sei es von Bedeutung, wie die jeweilige Gesellschaft dieses Phänomen interpretiert: „Wir haben ein naturwissenschaftliches Erklärungsmuster, für uns ist die Seuche ein virologisches Geschehen. Den Erreger kennen wir, wir haben ihn identifiziert und genetisch analysiert.“ In der Vergangenheit hingegen habe es andere medizinische Konzepte gegeben, die Menschen hätten andere Ursachen für Seuchen gesehen. Gleichwohl ähnelten sich die Reaktionsweisen: „Für die Gesellschaft ist es im täglichen Leben nicht so wichtig, ob man weiß, dass ein Virus XY der Auslöser ist oder dass man denkt, es ist ein Gift, was an irgendwelchen Sachen haftet – das war nämlich eine Erklärungsweise für Pestepidemien im Mittelalter“, führt Prof. Leven aus.

 In dem Gespräch geht der Historiker zudem auf die Herausforderung ein, welcher sich die Medizin stellen muss: „Oft ist es so gewesen, dass Pandemien die Medizin in einem Stadium erwischen, in dem sie auf diese Bedrohung nicht adäquat reagieren kann.“ Die Ausbreitung des Corona-Virus könne nicht gestoppt, sondern lediglich durch Maßnahmen wie die Kontaktsperre oder die Abstandsregelung, die so schon in der Frühen Neuzeit zum Einsatz kamen, eingedämmt werden. Man greife also auf Reaktionsformen zurück, die sich in der Geschichte bewährt hätten – „Europa hat in der Geschichte aus der Auseinandersetzung mit der Pest gelernt“. Gegenwärtig sei die Entwicklung eines Impfstoffes kompliziert und erfordere Geduld. Das Virus könne dementsprechend nicht kurzfristig eliminiert werden und die Menschheit zu einer alten Normalität zurückkehren. „Wir sind schon jetzt in einer neuen Normalität und daran müssen wir uns gewöhnen“, erklärt Leven.

 Auch die vermehrt aufkommenden Verschwörungstheorien werden in dem Gespräch aufgegriffen. Pandemien riefen Angst und Unsicherheit hervor, die Bedrohung solle begreiflich gemacht werden. „Viele dieser Verschwörungstheorien füllen eine Lücke aus“, erklärt er. Wenn die Menschen nicht mehr in der Religion nach Erklärungen suchten, würden sie sich solchen Theorien zuwenden, um einen Sinn zu stiften und die Frage nach der Schuld zu beantworten.

 Im Gespräch geht es zudem um die Rolle der Politik in der Pandemie: „Die Pest ist die Stunde der Exekutive“ – die Strategien, die zur Eindämmung der Seuche dienen, stärken die die Exekutive. Dieses Vorgehen sei zwar erfolgreich, beruhe allerdings auch auf der Anwendung von Zwangsmitteln und der Aussetzung von Grundrechten. „Darüber muss man kritisch nachdenken“ ergänzt er. Dieses Phänomen sei in der gesamten Seuchengeschichte zu beobachten.

 Zuletzt gibt Professor Leven einen Ausblick, was über Corona in den kommenden Geschichtsbüchern stehen könnte: „Wir sind jetzt im Augenblick in einem ganz bestimmten Paradigma und das ist eine gewisse Zeitenwende. Und deshalb wird man wahrscheinlich von einer Zeit vor Corona und von einer Zeit nach Corona sprechen. Aber wir sind in der Gegenwart noch in der Zeit mit Corona und das wird noch eine Zeit lang so bleiben.“

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Karl-Heinz Leven

Lehrstuhl für Geschichte der Medizin

Tel.: 09131/85-22094

karl-heinz.leven@fau.de  

 Eine Übersicht aller Videotalks ist zu finden unter: https://www.fau.de/corona/videos/ 

 Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auch auf unserer Rubrik „Nachgefragt“ vorbei – dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/   

07.08.2020 Der Depression davonklettern
uni | mediendienst | forschung Nr. 42/2020

Überzeugende Ergebnisse der Studie „Klettern und Stimmung“ – Boulderpsychotherapie für ambulante Patienten mit Depression langfristig wirksam

Körperliche Aktivität gehört zu den wirksamsten Methoden in der Therapie von Menschen mit Depression. Im Vergleich zu Psychotherapie und medikamentöser Behandlung ist sie weniger stigmatisiert und wirkt sich zudem positiv auf die körperliche Verfassung der Erkrankten aus. Diese Vorteile bildeten den Ausgangspunkt für „Klettern und Stimmung“ der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Im Rahmen dieses Projekts entwickelten die Wissenschaftler den neuen Ansatz der Boulderpsychotherapie. Nach den Ergebnissen der Pilotstudie liegen nun auch die Ergebnisse der groß angelegten Folgestudie vor. Diese zeigen: Die Boulderpsychotherapie ist deutlich wirksamer als eine körperliche Aktivierung allein und mindestens genauso wirksam wie der Goldstandard in der Depressionsbehandlung, die Verhaltenstherapie. Hinzu kommt: Die positiven Effekte können nach der Therapie mindestens ein Jahr lang aufrechterhalten werden!

„Klettern und Stimmung“ wurde 2013 von der Projektleiterin PD Dr. Katharina Luttenberger und ihrem Team ins Leben gerufen. Die Idee bestand in der Verbindung der handlungsorientierten Elemente des Boulderns (eine Form des Kletterns ohne Seil in Absprunghöhe) mit psychotherapeutischen Ansätzen zur Behandlung von Depressionen. Dies führte zur Erarbeitung einer ersten Version der Boulderpsychotherapie, die seither stetig weiterentwickelt wurde. In zehn Einheiten bearbeiten die Therapeuten mit ihren Patienten unterschiedliche Themen – anders als in der klassischen Psychotherapie nicht im Gespräch, sondern im direkten Erleben an der Kletterwand. So können die Betroffenen beispielsweise beim Thema „soziale Beziehungen“ die Erfahrung machen, welche Gefühle und Gedanken auftauchen, wenn sie mit anderen über ein Seil verbunden sind und die Boulderroute gemeinsam bewältigen müssen. Außerdem hilft die für das Klettern nötige Konzentration, im Hier und Jetzt zu sein und Grübelschleifen, die ein Hauptsymptom der Depression sind, zu durchbrechen.

Obwohl das therapeutische Bouldern oder Klettern bereits an einer Vielzahl von Krankenhäusern angeboten wurde, gab es bisher keine ausgearbeiteten Standards für die Umsetzung in der Behandlung von Depressionen und keine qualitativ hochwertigen Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit. Deshalb untersuchten die Erlanger Wissenschaftler in einer ersten zwischen 2013 und 2015 durchgeführten Pilotstudie die Wirksamkeit der neu entwickelten Boulderpsychotherapie im Vergleich zu einer reinen Wartelisten-Kontrollgruppe. Eine zweite groß angelegte Studie wurde ab 2016 in mehreren Regionen Deutschlands – in Berlin, der Europäischen Metropolregion Nürnberg und der ländlichen Region Weyarn/Holzkirchen – durchgeführt. Diesmal untersuchten die Erlanger Wissenschaftler die Wirksamkeit der Boulderpsychotherapie im Vergleich zu bereits etablierten Verfahren in der Depressionsbehandlung: zum einen ein allgemeines sportliches Aktivierungsprogramm, zum anderen eine verhaltenstherapeutische Depressionsbewältigungsgruppe – der aktuelle Goldstandard.

Deutliche Verringerung der depressiven Symptomatik

Insgesamt nahmen 233 Personen, bei denen zum Zeitpunkt der Studie die Kriterien für eine Depression erfüllt waren, teil. Sie wurden zufällig einer der drei Gruppen zugeteilt und nach der Behandlung bis zu ein Jahr lang weiter begleitet. Es zeigte sich: Alle Ansätze waren wirksam! In der Gruppe, die die Boulderpsychotherapie erhielt, zeigte sich eine sichtbare Verringerung der depressiven Symptomatik in Form einer Verschiebung von einer moderaten zu einer milden Depression. Die Verbesserungen waren deutlich stärker ausgeprägt als in der Gruppe, die mit dem sportlichen Aktivierungsprogramm zu Hause trainiert hatte. In der verhaltenstherapeutischen Depressionsbewältigungsgruppe zeigten sich wie erwartet ebenfalls deutliche Verbesserungen der depressiven Symptomatik, die allerdings nicht größer waren als die in der Boulderpsychotherapiegruppe. Auch in den Bereichen Angst, Körperbild, Bewältigungsmechanismen, Selbstwertgefühl und Sozialverhalten ergaben sich deutliche Verbesserungen durch die Boulderpsychotherapie. Somit konnte gezeigt werden, dass die neue Therapieform mühelos mit bewährten Behandlungsmethoden mithalten kann und eine sinnvolle Erweiterung der Therapieangebote darstellt.

Nominiert für Gesundheitspreis – stimmen Sie ab!

Die positiven Studienergebnisse ermutigten das Forscherteam zur Bewerbung für den MSD Gesundheitspreis 2020. Mit der Auszeichnung verfolgt das Gesundheitsunternehmen das Ziel, herausragende und innovative Versorgungslösungen zu würdigen und ihre Weiterentwicklung zu unterstützen. Eine hochkarätig besetzte Jury hat aus allen Bewerbern zehn innovative Projekte für den mit 5.000 Euro dotierten Publikumspreis nominiert – darunter auch die Boulderpsychotherapie des Erlanger Projekts „Klettern und Stimmung“. Im Rahmen einer öffentlichen Online-Abstimmung können nun alle Interessierten bis Dienstag, 8. September 2020, 12.00 Uhr, ihre Stimme abgeben und so gemeinsam den Publikumssieger wählen: http://www.msd.de/jede-stimme-zählt

Katharina Luttenberger ist stolz auf die Nominierung: „Aus vielen innovativen Ideen ausgewählt zu werden, zeigt uns, dass wir mit unserem Projekt auf dem richtigen Weg sind!“ Nun hofft das Team natürlich, einen der insgesamt acht Preise zu gewinnen. Einen konkreten Verwendungszweck für das Preisgeld haben die Wissenschaftler bereits: „Unsere Vision ist, eine digitale Version des Manuals zu veröffentlichen, mit der die Boulderpsychotherapie überall in Deutschland leicht durchgeführt werden kann“, erläutert PD Luttenberger. „Damit könnten wir dazu beizutragen, dass immer mehr Therapeuten dieses Angebot in ihre Behandlung miteinbeziehen.“

Website des Projekts „Klettern und Stimmung“: http://www.studiekus.de

Weitere Informationen:

PD Dr. Katharina Luttenberger

Tel.: 09131 85-44621

studiekus.psych@uk-erlangen.de

05.08.2020 Reinhardt: „Kinder sind kein besonderes Infektionsrisiko“
Pressemitteliung der Bundesärztekammer

 Schulstart unter Corona-Bedingungen

„Kinder und Jugendliche gehören offensichtlich nicht zu den Risikogruppen der Corona-Pandemie. Wir müssen aber verhindern, dass sie durch Kitaschließungen und den stark eingeschränkten Präsenzbetrieb in den Schulen zu besonderen Verlierern der Corona-Krise werden.“ Das hat Bundesärztekammer- Präsident Dr. Klaus Reinhardt in der gegenwärtigen Debatte über die Ausgestaltung des Kita- und Schulbetriebes nach den Sommerferien gefordert.

Um das Infektionsrisiko zu vermindern, seien pragmatische Lösungen gefragt. „Masken in Aufenthaltsräumen und auf Schulhöfen können nützlich sein. Während des Unterrichts beeinträchtigen sie jedoch die Aufmerksamkeit, weil sie auf Dauer körperlich belastend sind. Sinnvoller ist es, besonders große Klassen zu trennen. Wir brauchen eine Bestuhlung mit möglichst großem Abstand, ausreichend Waschbecken und natürlich Seife für die Handhygiene sowie feste Zeiten für regelmäßiges Lüften“, sagte Reinhardt. Außerdem sollten Länder und Kommunen Möglichkeiten für regelmäßige Corona-Tests von Lehrern und Erziehern durch die Gesundheitsämter schaffen.

„Kinder sind keine ‚Keimschleudern‘. Das zeigen auch alle aktuellen Studienergebnisse, wie zuletzt eine Auswertung der Universität Leipzig. Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder und Jugendliche in der aktuellen COVID-19-Pandemie keine herausragende Rolle in der Ausbreitungsdynamik spielen und kein besonderes Infektionsrisiko darstellen. Vielmehr bestätigt die Studie bereits vorangegangene Untersuchungsergebnisse, nach denen bei Kindern und Lehrern nur selten Antikörper auf das Corona-Virus und damit Hinweise auf eine Pressemitteilung der Bundesärztekammer

bereits durchgemachte Infektion festgestellt wurden“, sagte Reinhardt. Insofern stelle der Unterricht auch für Lehrkräfte kein höheres Infektionsrisiko dar, als dies bei anderen beruflichen Tätigkeiten mit zahlreichen Sozialkontakten gegeben sei.

„Die Bundesländer müssen jetzt den Mut haben, unter Einhaltung notwendiger Hygienekonzepte ein möglichst breites Spektrum von Präsenzunterricht in den Schulen sowie Betreuungsmöglichkeiten in den Kitas zu schaffen. Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen, dass dies ärztlich vertretbar ist“, betonte Reinhardt. Gänzlich ausschließen ließen sich Infektionen in Pandemiezeiten zwar nicht. Unter Federführung der Gesundheitsämter könnten aber Stufenkonzepte für ein effektives Ausbruchsmanagement erstellt werden. Damit könnten Infektionsketten an Kitas und Schulen schnell nachvollzogen und unterbrochen werden. Insbesondere bei Infektionshäufungen in der Allgemeinbevölkerung einer Region, ohne direkten Bezug zu einer Kita oder Schule, sollte eine Schließung dieser Einrichtungen immer nur die letzte Option sein.

Sorgen bereiten dem Bundesärztekammer-Präsidenten mögliche Folgeschäden durch Kita- und Schulschließungen. „Heranwachsende haben nicht nur ein Recht auf Bildung, sie brauchen für ihr seelisches und körperliches Wohlbefinden strukturierte Tagesabläufe, Kontakt zu Gleichaltrigen und pädagogisch geschulte Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte“, sagte Reinhardt, der selbst Hausarzt ist. Wenn das nicht gegeben ist, drohten Angststörungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen. Hinzu komme, dass Schulen und Kitas auch Schutzräume für Heranwachsende seien. Bei einem Lockdown müsse davon ausgegangen werden, dass Kinder im Stillen leiden, weil Spuren von Misshandlungen im Verborgenen bleiben. Vor diesem Hintergrund hält Reinhardt die Aufnahme eines Pressemitteilung der Bundesärztekammer weitgehenden Regelbetriebes in Schulen und Kitas für zwingend erforderlich. Im Übrigen forderte er die Wiederaufnahme und Nachholung versäumter Schuleingangsuntersuchungen, um Gewalt und Verwahrlosung frühzeitig zu erkennen.

Reinhardt: „Wir müssen uns bewusst machen, dass Kitas und Schulen mehr sind als Betreuungs- und Bildungseinrichtungen. Sie geben Kindern und Jugendlichen Schutz, Halt und Orientierung. Für die Gesunderhaltung der Heranwachsenden sind sie unerlässlich.“

03.08.2020 Macht eine „Immunthrombose“ das Coronavirus so gefährlich? FAU-Forschende ermitteln Vorgänge bei schweren SARS-CoV2-Verläufen
uni | mediendienst | forschung Nr. 41/2020

Das Coronavirus hat bis Mitte 2020 weltweit mehr als 600.000 Tote gefordert. Die Prozesse im Körper, die eine Infektion mit SARS-CoV2 so gefährlich werden lassen, sind bislang nicht vollständig geklärt. Ein Forschendenteam um Dr. med. Moritz Leppkes von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat jetzt herausgefunden, dass bei Covid-19 bestimmte weiße Blutkörperchen, die neutrophilen Granulozyten, besonders stark aktiviert werden, sich zusammenballen und Netze oder sogenannte Neutrophil Extracellular Traps (NETs) in den Blutgefäßen der Lunge bilden.

Die Blutgefäße verstopfen – und zwar nicht nur durch klassische Blutgerinnungsprozesse, sondern auch durch diese immunologisch bedingten Vorgänge, weshalb die Forscherinnen und Forscher hier zusätzlich von einer Immunthrombose sprechen. Die Folge: Die Sauerstoffversorgung beziehungsweise der Gasaustausch des Körpers ist nicht länger gewährleistet, was schwere Krankheitsverläufe nach sich zieht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden im Fachmagazin „EBioMedicine by The Lancet“ (https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2020.102925).

 Die ausführliche Pressemeldung unter: https://www.fau.de/2020/08/news/wissenschaft/macht-eine-immunthrombose-das-coronavirus-so-gefaehrlich/ 

Weitere Informationen:

Dr. Moritz Leppkes, Lehrstuhl für Innere Medizin I, Tel.: 09131/85-35000, moritz.leppkes@uk-erlangen.de

Wie beeinflusst Corona unsere Vorstellung vom Altern?

FAU-Gerontologinnen und -Gerontologen erhalten Förderung für Corona-Studie

 Das internationale Projekt „Alter(n) als Zukunft“ des Instituts für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat im April eine Begleitstudie zur Corona-Pandemie aufgenommen. Für die Durchführung der Studie „Corona und Alter“ ist es den Projektbeteiligten Prof. Dr. Frieder Lang und Fiona Rupprecht, beide vom Institut für Psychogerontologie der FAU, sowie Prof. Dr. Helene Hoi-Lam Fung von der Chinese University of Hongkong gelungen, zusätzliche Mittel der VolkswagenStiftung einzuwerben. Für eine Laufzeit von 18 Monaten erhalten die Forscherinnen und Forscher eine zusätzliche Förderung in Höhe von 118.900 Euro, um ihre Studie auszubauen. Das Gesamtprojekt wurde bisher bereits mit mehr als 3 Millionen Euro gefördert.

Die Begleitstudie „Corona und Alter“ untersucht die persönlichen Erfahrungen, Einstellungen, Sorgen und Verhaltensweisen bezüglich COVID-19 in Deutschland und Hongkong. Außerdem geht es darum, wie Menschen ihr eigenes Altern wahrnehmen und inwiefern sie sich um ältere Menschen Gedanken machen. Da die Studie in das Projekt „Alter(n) als Zukunft“ integriert ist, kann so erforscht werden, inwiefern sich die Vorstellung des Alter(n)s, das Zukunftserleben und das Vorsorgehandeln für das Alter während und nach der Corona-Pandemie verändern.

 „Die Studie wird dazu beitragen, die Krise und die sozialen Veränderungen, die sie bewirkt, besser zu verstehen“, sagt Prof. Dr. Frieder Lang. „Wenn sich durch die Corona-Pandemie verändert, wie Menschen über die Zukunft denken, wird sich auch verändern, wie sie für sich selbst oder für andere vorsorgen. Daher können wir die Ergebnisse dazu nutzen, die Zukunft des Alterns und die Vorsorge für das Alter in unserer Gesellschaft zu gestalten.“

 Um mögliche Entwicklungen während der andauernden Pandemie zu untersuchen, wird die Online-Befragung über die nächsten Monate hinweg in zeitlichen Abständen wiederholt. Die Teilnahmemöglichkeit und Informationen zu den Zwischenergebnissen gibt es unter: https://www.geronto.fau.de/forschung/alternsbilder/covid-19-studie/

 Weiterführende Informationen zu dem Projekt „Alter(n) als Zukunft“: https://www.phil.fau.de/2020/08/03/wie-beeinflusst-corona-unsere-vorstellung-vom-altern/  

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Frieder R. Lang, Fiona Rupprecht, M.Sc., Institut für Psychogerontologie, ipg-gerotest@fau.de

31.07.2020 Stethoskop um den Hals, aber kein Blatt vor dem Mund - Bundesärztekammer startet Podcast
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Ehrliche, verständliche und hintergründige Gespräche rund um das Thema Gesundheit – das verspricht der neue Podcast „Sprechende Medizin“ der Bundesärztekammer. Gelegenheitspatient Daniel Finger, nebenbei auch Moderator und Wissenschaftsjournalist, stellt die Fragen. Dr. Klaus Reinhardt, Hausarzt und Präsident der Bundesärztekammer, antwortet.

Alle 14 Tage sprechen die beiden über Ärzte und Patienten, Medizin und Politik, Leiden und Linderung, Forschung und Fortschritt. Am 31. Juli geht es im Premieren-Podcast unter anderem um die Frage, warum ökonomisches Denken auch in der Gesundheitsversorgung seinen Platz hat, die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens aber das Patientenwohl gefährdet. „Medizin ist nicht der Versuch, einen Maximalerlös zu produzieren“, stellt Reinhardt klar. Ganz im Gegenteil: Die Renditeerwartungen von Investoren gefährdeten das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis.

Pünktlich zum Ferienende geht es in einer weiteren Folge von „Sprechende Medizin“ um Schulunterricht in Zeiten der Corona- Pandemie. Darum, wie Lehrer und Schüler gesund bleiben können, wie Klassenzimmer nicht zu Hotspots werden und warum die Schuleingangsuntersuchung, die in diesem Jahr ausfällt, unbedingt nachgeholt werden sollte.

Hören können Sie „Sprechende Medizin“ auf der Seite der Bundesärztekammer unter www.blaek.de/podcast und auf allen gängigen Podcast-Plattformen.

 Gern können Sie O-Töne aus dem Podcast auch für Ihre Berichterstattung verwenden. Sollten Sie dabei technische Unterstützung benötigen, melden Sie sich bitte per Mail an podcast@baek.de.

Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer

Der 1960 in Bonn geborene Facharzt für Allgemeinmedizin ist seit 1993 in Bielefeld in einer Gemeinschaftspraxis niedergelassen. Seit 2005 ist er Vizepräsident der Landesärztekammer Westfalen-Lippe. Seit 2011 ist er Bundesvorsitzender des Hartmannbundes. 2015 wurde Reinhardt in den Vorstand der Bundesärztekammer gewählt und ist seit 2019 ihr Präsident.

Daniel Finger

Daniel Finger ist mit Leib und Seele Autor und Moderator mit einem Hang zu Themen rund um Wissenschaft und Digitalisierung. Er ist regelmäßig auf radioeins zu hören, unter anderem in seiner beliebten Sonntags-Sendung Zwei auf Eins.

30.07.2020 Entzündungshemmer senken das Risiko für eine Infektion
uni | mediendienst | forschung Nr. 40/2020

Entzündungshemmende Medikamente sollen laut Erlanger Corona-Studie weiter eingenommen werden.

Die über 2.000 Teilnehmer umfassende Corona-Antikörperstudie des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen wurde nun im renommierten wissenschaftlichen Journal „Nature Communications“ veröffentlicht. Die Wissenschaftler des DZI haben bereits sehr früh mit Antikörpertests gegen das neue Coronavirus begonnen, da viele Patienten mit Erkrankungen wie Arthritis, Darmentzündungen oder Schuppenflechte mit Medikamenten behandelt werden, die in Entzündungsprozesse und damit auch in das Immunsystem eingreifen. Daher bestand Sorge, dass diese Patienten sehr empfindlich auf das neue Coronavirus reagieren. Die Erlanger Forscher untersuchten Probanden auf klinische Zeichen von Atemwegsinfekten, befragten sie zum Kontakt mit Infizierten und testeten sie auf Antikörper gegen das Coronavirus. Gleichzeitig wurde im Rahmen der Erlanger Corona-Antikörperstudie auch eine große Zahl gesunder Probanden untersucht.

 „Wir fanden heraus, dass die Häufigkeit einer Infektion mit dem neuen Coronavirus in der Normalbevölkerung in Bayern derzeit 2,2 Prozent beträgt“, sagt Studienleiter Prof. Dr. med. univ. Georg Schett, einer der beiden Sprecher des DZI und Direktor der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Uni-Klinikums Erlangen. „Dies ist ein vergleichsweise niedriger Wert und vermutlich dem strikten Einhalten der Hygienemaßnahmen sowie der erfolgreichen frühen ,Lockdown‘-Politik in Bayern geschuldet. Interessanterweise zeigen unsere Ergebnisse aber auch, dass neun von zehn Infektionen mit dem Coronavirus unterschwellig und ohne größere Symptome verlaufen. Hierbei ist zu bedenken, dass die Häufigkeit bestätigter diagnostizierter COVID-19-Fälle in Bayern mit 0,3 Prozent bei nur ca. einem Zehntel der Infektionsrate unserer Corona-Antikörperstudie liegt.“

 „Hinsichtlich ihrer Symptomatik zeigten viele Menschen, die Kontakt mit dem neuen Coronavirus hatten, Zeichen von Atemwegssymptomen, die sich grundsätzlich nicht von anderen Atemwegsinfekten unterschieden“, geben Dr. David Simon und Dr. Koray Tascilar von der Medizin 3 des Uni-Klinikums Erlangen zu bedenken. Da Atemwegsinfekte sehr häufig sind und nur ein geringer Teil von ihnen tatsächlich auf das neue Coronavirus zurückzuführen ist, ist es von besonderer Wichtigkeit, solche Symptome angemessen abzuklären und gegebenenfalls eine Virustestung durchzuführen. Geruchsverlust stellt hier möglicherweise eine Ausnahme dar, denn diese Symptomatik zeigte sich bei Menschen mit Antikörpern gegen das neue Coronavirus deutlich häufiger.

Was aber passiert, wenn Menschen entzündungshemmende Medikamente für chronische Erkrankungen wie Arthritis, entzündliche Darmerkrankungen oder Schuppenflechte einnehmen? In diesem Fall lag ursprünglich der Verdacht nahe, dass diese Menschen empfindlicher gegenüber Infektionen mit dem neuen Coronavirus sind. „Dem ist aber nicht so!”, führen Prof. Dr. Markus F. Neurath, DZI-Sprecher und Direktor der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie des Uni-Klinikums Erlangen, und Prof. Dr. Raja Atreya, Oberarzt am DZI und an der Medizin 1, aus. „Patienten mit Morbus Crohn oder der Colitis ulcerosa, die Entzündungshemmer einnehmen, zeigten ein niedrigeres und eben kein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus.“ Zu einem ähnlichen Schluss kommen ihre Kollegen Prof. Dr. Carola Berking, Direktorin der Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen, und ihr Stellvertreter Prof. Dr. Michael Sticherling: „Auch Patienten mit Schuppenflechte, einer der häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Menschen, weisen kein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus auf, wenn sie mit speziellen entzündungshemmenden Medikamenten therapiert werden.“ Ähnliche Ergebnisse wurden auch für entzündliche Gelenkerkrankungen wie die Rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew gefunden, wie die Oberärzte Dr. Arndt Kleyer und Prof. Dr. Gerhard Krönke aus dem Bereich Rheumatologie und Immunologie der Medizin 3 bestätigen.

 Diese Ergebnisse haben eine große Bedeutung für Menschen mit entzündlichen Erkrankungen, denn sie zeigen, dass die Weiterführung der entzündungshemmenden Therapie in Zeiten der Coronavirus-Pandemie im Wesentlichen unbedenklich ist und dass diese Patienten weder aufgrund ihrer Erkrankung noch aufgrund der Therapie zur Risikogruppe für schwere Verläufe der Infektion gehören.

 Die Erlanger Corona-Studie entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Forschern des DZI sowie mit Prof. Dr. Klaus Überla und Prof. Dr. Matthias Tenbusch vom Virologischen Institut – Klinische und Molekulare Virologie des Uni-Klinikums Erlangen. Die Studie wurde durch den Sonderforschungsbereich 1181 der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF-Projekt MASCARA) und die Schreiber-Stiftung unterstützt.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. med. univ. Georg Schett

Tel.: 09131/85-39109

georg.schett@uk-erlangen.de

 

30.07.2020 Sensorschuh hilft Parkinsonpatienten
uni | mediendienst | aktuell Nr. 77/2020

Das tragbare Sensorsystem „Mobile GaitLab“ erfasst die Gangqualität und wurde jetzt als Medizinprodukt zertifiziert

 Wie sicher bewegen sich Parkinsonpatienten im Alltag und was sagt das über ihren Krankheitsverlauf aus? Antworten auf diese Fragen können die behandelnden Mediziner künftig von „Mobile GaitLab“ erhalten – einem Sensorschuh, der die Gangqualität der Patienten während ihres Alltags kontinuierlich erfasst. Durch die Zertifizierung als Medizinprodukt kann das tragbare Sensorsystem künftig für die Versorgung von Parkinsonpatienten eingesetzt werden. Prof. Dr. Jochen Klucken von der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) des Universitätsklinikums Erlangen entwickelte „Mobile GaitLab“ gemeinsam mit dem Erlanger Start-up-Unternehmen Portabiles HealthCare Technologies sowie Prof. Dr. Björn Eskofier vom Lehrstuhl für Informatik 14 (Maschinelles Lernen und Datenanalytik) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Besonders beim Parkinsonsyndrom ist das Entwickeln einer individuellen Therapie für die Patienten eine große Herausforderung und ein langwieriger Prozess. „Durch das Erheben von kontinuierlichen Parametern zur Gangqualität im Patientenalltag besteht die Möglichkeit ein völlig neues Versorgungskonzept zu entwickeln“, erläutert Prof. Winkler. „Die Zertifizierung als Medizinprodukt belegt die Qualität, den Nutzen und die Sicherheit dieser Lösung und ist für den Patienten ein wichtiges Vertrauensmerkmal.“

 Gangqualität als wichtige Information

Mithilfe intelligenter Technologie stellt das System von „Mobile GaitLab“ klinisch validierte Parameter zur Verfügung, die sowohl dem behandelnden Arzt als auch den Patienten wertvolle Informationen über den Verlauf der Erkrankung liefern sowie ein Feedback zur Wirksamkeit der Therapie geben. „In vielen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die auf diese Weise berechneten Gangparameter sehr gut mit den relevanten Symptomen korrelieren. Dank ‚Mobile GaitLab‘ erhalte ich somit objektive Daten, die es mir ermöglichen, die Patienten zielgerichteter zu behandeln“, berichtet Prof. Klucken. „Auch der Patient kann sich mithilfe der Informationen, die das Sensorsystem liefert, besser einschätzen und erhält durch eine individuell ausgerichtete Therapie eine verbesserte Mobilität“, betont der Experte. Bisher konnte die tragbare Sensorik von „Mobile GaitLab“ Patienten lediglich im Rahmen von Forschungsstudien zur Verfügung gestellt werden. Durch die Zertifizierung als Medizinprodukt ist die Anwendung nun nicht länger auf Studienteilnehmer begrenzt, sondern kann für die Versorgung im Alltag genutzt werden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jürgen Winkler                                                             

Tel.: 09131/85-39324

juergen.winkler@uk-erlangen.de 

 

23.07.2020 Lehren aus der Corona-Pandemie: Bundesärztekammer fordert Personaloffensive für Gesundheitsämter
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Eine der zentralen Lehren der Corona- Pandemie ist die wesentliche Bedeutung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes für den Schutz der Bevölkerung. Dabei hat sich gezeigt, dass die Gesundheitsämter technisch und personell zwingend besser ausgestattet werden müssen“, erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt anlässlich der Veröffentlichung des BÄK-Positionspapiers „Lehren aus der Corona-Pandemie: Dauerhafte Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes dringend erforderlich“.

In einem Schreiben an den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Gesundheitsminister der Länder und die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags begrüßte Reinhardt gleichzeitig den von der Bundesregierung angekündigten Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst. „Dringend erforderlich ist angesichts der erschreckend schlechten personellen Situation des ÖGD insbesondere die Gewinnung ärztlichen Nachwuchses“, forderte Reinhardt darin.

Voraussetzung dafür ist aus Sicht der Ärzteschaft ein arztspezifischer Tarifvertrag. „Die Kollegen in den Gesundheitsämtern sind keine Verwaltungsangestellten, sondern Ärzte. Dies ist entsprechend zu vergüten“, stellte der BÄK-Präsident klar. Nur so könnten Gesundheitsämter mit anderen medizinischen Einrichtungen um hochmotivierte Ärztinnen und Ärzte konkurrieren. Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Für die Bewältigung einer möglichen zweiten (Corona-)Pandemiewelle müssen aus Sicht der Bundesärztekammer folgende Schritte umgehend umgesetzt werden bzw. die Voraussetzungen hierfür geschaffen werden:

1. Zügige Bereitstellung der mit dem „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ beschlossenen finanziellen Mittel, um eine erneute Überlastung des ÖGD zu verhindern.

2. Bei der Einrichtung und dem Betrieb von stationären sowie mobilen Diagnostikeinheiten (Abstrichzentren) während akuter Pandemiephasen sind sowohl der ÖGD als auch Kliniken, Arztpraxen und Kassenärztliche Vereinigungen einzubeziehen.

3. Sicherstellung einer kurzfristigen Unterstützung in akuten epidemischen Lagen, bevorzugt durch medizinisch vorgebildetes Personal.

4. Beständige Sicherstellung der Versorgung des medizinischen Personals aller Versorgungsbereiche mit ausreichend persönlicher Schutzausrüstung.

5. Beschleunigung der Meldeverfahren: Grundlegende Verbesserungen der technischen und digitalen Ausstattung durch eine zügige Umsetzung von DEMIS (Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz) und eine flächendeckende Anbindung des ÖGD.

6. Entwicklung einer geeigneten Impfstrategie.

Damit der ÖGD seine wesentlichen Funktionen als dritte Säule der Gesundheitsversorgung erfüllen kann, müssen darüber hinaus folgende strukturelle Voraussetzungen auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene geschaffen werden:

 Nachwuchsförderung

Um den dringend erforderlichen ärztlichen Nachwuchs zu finden, ist die entscheidende Voraussetzung ein arztspezifischer Tarifvertrag für den ÖGD.

Zusätzlich bedarf es

• der Stärkung des Stellenwerts des ÖGD im Medizinstudium durch eine stärkere Verankerung von Themen des öffentlichen Gesundheitswesens/Public Health in den Ausbildungszielen und -inhalten,

• der Änderung der Approbationsordnung, mit dem Ziel, dass Famulatur und Praktisches Jahr auch beim ÖGD absolviert werden können, und

• der Verstetigung des Einsatzes von Medizinstudierenden im ÖGD (nicht nur in Ausnahmesituationen oder Pandemie-Zeiten).

Mitarbeiterstatistik

Einführung einer bundesweiten, öffentlich zugänglichen Statistik für das ÖGD-Personal, aus der die aktuelle personelle Situation des ÖGD hervorgeht, differenziert nach beruflicher Qualifikation, Pressemitteilung der Bundesärztekammer Stellenanteil sowie dem sich abzeichnenden Nachbesetzungsbedarf.


21.07.2020 Einmalige Entlastungsaktion Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen leitet bundesweite Herstellung eines wichtigen intensivmedizinischen Arzneimittels
uni | mediendienst | aktuell Nr. 75/2020

Mitten in der Krise gehen lebenswichtige Medikamente aus – eine nicht auszudenkende Katastrophe! „Es klingt unvorstellbar, ist aber leider Fakt: Auch bei uns in Deutschland bestehen im Moment teils schwierige Arzneimittelengpässe. Die Corona-Pandemie hat die Situation noch einmal verschärft“, berichtet Prof. Dr. Frank Dörje, Chefapotheker des Universitätsklinikums Erlangen. Eines dieser Medikamente ist Midazolam: überlebensnotwendig für beatmete Patienten auf Intensivstationen – aber derzeit nur eingeschränkt lieferbar. „Der Weltmarkt ist leer gekauft“, schildert Prof. Dörje die aktuelle Lage. „Um die Versorgung in Deutschland sicherzustellen, haben sich die Apotheken zwölf deutscher Krankenhäuser vernetzt und stellen das Sedativum nun selbst her.“ Die beispiellose Entlastungsaktion, die das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. gemeinsam initiierten, wird von Erlangen aus geleitet: Prof. Dörje und sein Team koordinieren die deutschlandweite Produktion und Abgabe, um einen substanziellen Versorgungsengpass zu verhindern.

 „Dass die Bundesrepublik Deutschland im April überhaupt noch zehn Kilogramm des Wirkstoffs kaufen konnte, war eine organisatorische und logistische Meisterleistung“, sagt Ralph Heimke-Brinck, der in der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen den Bereich Arzneimittelherstellung leitet. „Gemeinsam mit professionellen Wirkstoffbeschaffern aus der Industrie sind wir im ständigen gegenseitigen Informationsaustausch auf dem Weltmarkt selbst auf die Jagd nach dem Wirkstoff gegangen. Schließlich erhielten wir ein Angebot aus Israel, wo sich die Corona-Pandemie zu dem Zeitpunkt gerade erst ausbreitete. Nur weil das Bundesministerium den Kaufvertrag binnen Stunden unterschrieb, konnten wir den Wirkstoff aus Israel noch erwerben.“

 Zwölf Herstellungsorte in ganz Deutschland

Prof. Dörje, derzeit ADKA-Präsident, und Ralph Heimke-Brinck, Vorsitzender des ADKA-Ausschusses „Herstellung und Analytik“, holten in kürzester Zeit elf weitere Krankenhausapotheken mit ins Boot. „Ausschlaggebend waren deren Herstellungsmöglichkeiten und -kompetenz“, erklärt Ralph Heimke-Brinck. „Um im Bedarfsfall eine schnelle Belieferung in Not geratener Krankenhäuser gewährleisten zu können, haben wir die Produktionsstandorte strategisch über das ganze Bundesgebiet verteilt.“ An der einmaligen Aktion zur Entlastung der sehr angespannten Situation sind nun Experten für die Arzneimittelherstellung in Krankenhausapotheken aus Dresden, Düsseldorf, Erlangen, Essen, Halle, Köln, Lübeck, Mainz, München, Münster, Nürnberg und Rostock beteiligt. Von der Herstellungsvorschrift über das Etikett und die Gebrauchsinformation bis hin zur Qualitätskontrolle: Die Mitarbeiter der zwölf involvierten Krankenhausapotheken gehen bei der Herstellung identisch vor, um das intravenös zu verabreichende Arzneimittel qualitätsgesichert zu produzieren. „Um alles abzustimmen, saß ich stundenlang am Telefon“, erinnert sich Ralph Heimke-Brinck. „Von Erlangen aus haben wir die Kollegen in anderen Bundesländern beispielsweise auch unterstützt, damit diese möglichst schnell die Erlaubnis der zuständigen lokalen Überwachungsbehörden erhielten, das Medikament herzustellen.“

 „Dass dies alles überhaupt möglich war, verdanken wir unserer sehr guten Vernetzung, unseren Verbandsstrukturen und der dezentral vorgehaltenen Eigenherstellungskompetenz von Krankenhausapotheken in Deutschland“, betont ADKA-Präsident Frank Dörje. „Wir haben ja bereits vor der Corona-Pandemie sehr gut zusammengearbeitet. In Krisenzeiten dann auf ein so großes Engagement und kollegialen Austausch setzen zu können, ist Gold wert.“ So sei es möglich, die Arzneimittelversorgung für Midazolam in der Intensivmedizin bundesweit in der pandemischen Krisenzeit sicherzustellen.

 7.000 Flaschen innerhalb von fünf Tagen

Ziel der Aktion ist es, insgesamt 100.000 Flaschen Injektions-/Infusionslösung Midazolam herzustellen. Mitte Juni war dieses Vorhaben bereits zur Hälfte erreicht. „Da der Wirkstoff länger haltbar ist als das zubereitete Medikament, belassen wir es zunächst dabei und halten die andere Hälfte als Reserve für eine eventuelle zweite Welle im Herbst zurück“, erläutert Ralph Heimke-Brinck. „Bei uns am Uni-Klinikum Erlangen haben sechs Mitarbeiter innerhalb von fünf Tagen 7.000 Flaschen hergestellt. Produziert wurde in unseren Reinräumen nach dem international für die Arzneimittelherstellung gültigen Standard ‚Good Manufacturing Practice‘, kurz GMP. Da wir den Wirkstoff bereits vor einigen Jahren für unser eigenes Uni-Klinikum verarbeitet haben, konnten wir jetzt auf diese Erfahrungen zurückgreifen.“ Die 7.000 Einheiten Midazolam lagern nun in der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen und können von Apotheken anderer Krankenhäuser bei Bedarf bestellt werden.

 Über Midazolam

Midazolam ist ein Benzodiazepin, das auf Intensivstationen zur Sedierung von Patienten eingesetzt wird, die beatmet werden müssen. „Es handelt sich um kein spezielles COVID-19-Medikament“, erklärt Prof. Dörje. „Da Menschen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben und deren Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt, allerdings vergleichsweise lange beatmet werden müssen, ist der weltweite Bedarf im Frühjahr 2020 extrem gestiegen. Das, was wir selbst im März in Erlangen und anderswo miterlebt haben, hat uns drastisch gezeigt, dass Medikamente wie Midazolam für die Patienten überlebenswichtig sind und dass wir Engpässen frühzeitig wirksam entgegentreten müssen. Dass in Deutschland die Krankenhausapotheken in die Bresche springen können und mit ihrer Herstellungsexpertise die Arzneimittelversorgung gewährleisten, verdient höchste Anerkennung.“

 TV-Beitrag am Dienstag, 21. Juli 2020, im ARD-Magazin „FAKT“

Ein Fernsehbeitrag über die einmalige BMG-ADKA-Entlastungsaktion Midazolam i. v. wird am Dienstag, 21. Juli 2020, zwischen 21.45 und 22.15 Uhr im ARD-Magazin „FAKT“ ausgestrahlt. Gedreht wurde auch in der Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen.

 

14.07.2020 Uni-Klinikum Erlangen unter Top-Kliniken im stern-Ranking 2020
uni | mediendienst | aktuell Nr. 74/2020

Hygiene, Sicherheit, Patientenzufriedenheit und Qualitätsmanagement „sehr gut“

 Im Ranking der 150 besten Allgemeinversorger in Deutschland, durchgeführt vom Nachrichtenmagazin „stern“ und dem Marktforschungsunternehmen Statista, erreichte das Universitätsklinikum Erlangen jetzt Rang 11 – hinter dem Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (4), dem Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (6) und dem Uni-Klinikum Regensburg (9), und vor den Uni-Klinika Würzburg (12) und Augsburg (69). Bei den regionalen Kliniken erreichte das Klinikum Nürnberg die Ränge 27 (Nord) und 43 (Süd). Das Klinikum St. Marien in Amberg landete auf Platz 117, die Juraklinik Scheßlitz auf Rang 147.

Auffallend am stern-Ranking: Auf den oberen Plätzen liegen hauptsächlich Uni-Klinika – etwa vor privaten und kommunalen Krankenhäusern. Begründbar ist das bessere Abschneiden der Universitätsmedizin unter anderem mit höheren finanziellen Zuschüssen für Uni-Klinika, mit ausreichend Nachwuchskräften und damit, dass an Universitätskrankenhäusern der wissenschaftliche Fortschritt besonders gut in die Patientenversorgung überführt werden kann – so die Einschätzung von Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel vom Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth, den die stern-Redaktion interviewte.

 Zusammensetzung der Ergebnisse

Die Ergebnisse des stern-Rankings gründen auf drei Säulen: die Online-Befragung von Fachleuten, die Empfehlungen für Krankenhäuser abgeben konnten; die Daten zur Patientenzufriedenheit, die von Krankenkassen erhoben werden, sowie auf medizinische Kennzahlen – teils aus den Qualitätsberichten der Krankenhäuser, teils aus Routinedaten, die die AOK aufbereitet hat, teils aus Qualitätsindikatoren für die Krankenhausplanung.

 Uni-Klinikum Erlangen: sehr hohe Patientenzufriedenheit

Das Prädikat „sehr gut“ bzw. „häufig empfohlen“ erzielte das Uni-Klinikum Erlangen in den Bereichen Patientensicherheit/Hygiene, Qualitäts-/Beschwerdemanagement sowie beim Patientenurteil. „Häufig empfohlen“ bzw. mit „gut“ bewertet wurden die Zahl des Pflegepersonals und die Qualitätssicherung mit Routinedaten; auch das allgemeine Fachurteil für das Uni-Klinikum Erlangen fiel „gut“ aus. Alle Ergebnisse sind nachzulesen in der stern-Ausgabe Nr. 25 vom 10. Juni 2020.

 Weitere Informationen:

Johannes Eissing

Tel.: 09131/85-36102

presse@uk-erlangen.de

13.07.2020 Freund oder Feind? FAU-Forschungsteam klärt, wieso das Immunsystem sich manchmal gegen den Körper richtet
uni | mediendienst | forschung Nr. 36/2020

Wie schafft es das Immunsystem, auf eingedrungene Erreger zu reagieren, ohne dabei dem eigenen Körper Schaden zuzufügen? Und warum richtet es sich manchmal doch gegen ihn? Diesen Fragen ist ein Team des Lehrstuhls für Genetik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken in Erlangen und Regensburg nachgegangen. In Folge bestimmter viraler und bakterieller Infektionen kann es zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen kommen, wie zum Beispiel bei einer Infektion mit Borrelien, die durch Zeckenstiche übertragen werden. Wird die Infektion nicht behandelt, kann es nach Monaten oder sogar Jahren zu Entzündungen der Gelenke oder des Herzens kommen. Eine mögliche Erklärung für diese Spätfolgen ist, dass es das menschliche Immunsystem nicht schafft, die Immunantwort auf den Erreger zu beschränken – und dann auch körpereigenes Gewebe angreift. Das FAU-Forschungsteam hat diese These nun bestätigt: Es hat erstmalig nachweisen, dass ein regulatorisches Protein auf B-Zellen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, eine Schlüsselrolle spielt: Dieses Protein, der inhibitorische Fcg-Rezeptor IIb, kontrolliert die Qualität und Quantität der schützenden Antikörperantwort. Funktioniert der Rezeptor nicht richtig, stellen B-Zellen, die normalerweise schützende Antikörper produzieren, auch Autoantikörper gegen körpereigene Proteine her – und lösen damit eine Gewebeentzündung und Autoimmunerkrankung aus. „Dieser Befund belegt sehr deutlich, wie bereits leichte Abweichungen von den komplexen Regulationsmechanismen der Immunantwort zu einem großen Kollateralschaden führen können“, erklärt Prof. Dr. Falk Nimmerjahn, Lehrstuhl für Genetik.

 Die Ergebnisse der Studie, die eine wichtige Grundlage für das generelle Verständnis von Immunantworten im Rahmen von Infektionen aber auch Impfungen darstellen, wurden im Fachjournal ELIFE veröffentlicht: https://elifesciences.org/articles/55319/figures 

 

13.07.2020 Corona-Pandemie „Produktion von Schutzkleidung und Arzneimitteln zurück nach Europa holen“
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Zu der Ankündigung des Bundeswirtschaftsministeriums, die Produktion von Schutzausrüstung für medizinisches Personal in Deutschland finanziell zu fördern, erklärt die Vize-Präsidentin der Bundesärztekammer, Dr. Ellen Lundershausen:

„Es darf nie wieder vorkommen, dass in einer Pandemie der Schutz von Ärzten und Patienten von in Fernost gefertigten Cent- Artikel abhängt. Wir müssen jetzt die Zeit nutzen, um Produktionskapazitäten für Schutzausrüstung in Deutschland und Europa aufzubauen. Die Ankündigung des Bundeswirtschaftsministeriums, die Produktion von medizinischen Schutzmasken in Deutschland finanziell zu fördern, ist daher eine richtige politische Entscheidung.

Nach Umfragen ist Ärzten und ihren Mitarbeiten im Schutzmasken-Chaos der ersten Infektionswelle massenhaft mangelhafte und auch falsch deklarierte Schutzkleidung zugeteilt worden. Solche Mängel sind keine Petitesse, sie bedeuten für Ärzte und andere Gesundheitsberufe akute Gefahr für Leib und Leben. Solche Mängel müssen dringend ausgeschlossen werden.

Ebenso muss sichergestellt werden, dass es unter Pandemiebedingungen nicht zu Lieferengpässen und Qualitätsdefiziten bei Arzneimitteln kommt. Schon vor der Corona-Pandemie war erkennbar, wie abhängig die Arzneimittelversorgung in Deutschland von Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Arzneimittelherstellern in Asien ist. Um dieser Abhängigkeit entgegenzuwirken, sollte die Bundesregierung die deutsche EU-Ratspräsidentschaft dafür nutzen, die Produktion besonders wichtiger Arzneimittel nach Europa zurückzuholen. Die zuständigen Behörden können ihre Überwachungsfunktion bei Standorten in Europa sehr viel besser ausüben als dies bei Produktionsstandorten in Drittstaaten der Fall ist. Zudem sind kürzere Lieferketten von der Rohstoffherstellung bis zur Ausgabe der Arzneimittel in den Apotheken besser nachvollziehbar.

Die Bundesregierung sollte sich außerdem dafür einsetzen, dass die Produktion in Drittstaaten unter Beachtung menschenwürdiger, auch für die EU geltenden Arbeitsschutz- und Umweltschutzbestimmungen erfolgt. So lässt sich ausschließen, dass Hersteller die Bestimmungen durch Verlagerung der Produktion in Drittstaaten umgehen, nur um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.“

10.07.2020 „Gesundheitsämter jetzt auf künftige Aufgaben vorbereiten“
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Zur Umsetzung des von der Bundesregierung geplanten Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst erklärt die Vize-Präsidentin der Bundesärztekammer, Dr. Heidrun Gitter:

„Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) leisten während der Corona-Pandemie Außerordentliches. Wir sehen aber auch, dass die Beschäftigten in den Gesundheitsämtern an ihre Belastungsgrenze gehen und häufig deutlich darüber hinaus. Nicht zuletzt mit Blick auf ein mögliches Wiederaufflammen der Pandemie in Deutschland müssen wir jetzt handeln und den ÖGD personell und strukturell neu aufstellen. Die von der Bundesregierung im Rahmen des Corona- Konjunkturpaketes beschlossenen Unterstützungsmaßnahmen für den öffentliche Gesundheitsdienst müssen schnell und umfassend umgesetzt werden. Bei der konkreten Ausgestaltung dieser Maßnahmen ist die Expertise der Ärzteschaft mit einzubeziehen.

Die Zeit drängt, denn schon seit Jahrzehnten beobachten wir einen Abbau des Personalstocks bei den Gesundheitsämtern. Dies in Kombination mit einem Trend zur Teilzeitarbeit führt zu einem Mangel an zur Verfügung stehender Arbeitszeit bei den Gesundheitsämtern, insbesondere bei ärztlichem Personal. Auch angesichts des hohen Durchschnittsalters der Ärztinnen und Ärzte im ÖGD besteht dringender Handlungsbedarf. In den kommenden zehn bis 15 Jahren müssen rund 72 Prozent des ärztlichen Personals aus Altersgründen ersetzt werden. Auch das müssen die Verantwortlichen bei der Umsetzung des Konjunkturpaketes im Blick behalten. Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Zu den notwendigen Maßnahmen gehört außerdem eine angemessene Entlohnung. Die Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern sind keine Verwaltungsangestellten, sondern Fachärzte, die einer ärztlichen Tätigkeit nachgehen. Damit der ÖGD dauerhaft personell besser ausgestattet werden kann, ist eine tariflich gesicherte, arztspezifische Vergütung unabdingbar. Nur auf diese Weise können die Gesundheitsämter mit anderen medizinischen Einrichtungen um hochmotivierte Ärztinnen und Ärzte auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren.“

08.07.2020 Guter Rausch, böser Rausch – Alkoholkonsum zwischen Genuss und Sucht“
Pressemitteilung der Bayerischen Landesärztekammer

Alkohol gehört für viele Menschen in Deutschland zu einem genussvollen Alltag. Oft wird hierbei vergessen, dass es sich bei Alkohol bereits in kleinen Mengen um ein gefährliches, für den menschlichen Körper schädigendes Zellgift handelt. Das 19. Suchtforum zum Thema „Guter Rausch, böser Rausch – Al-koholkonsum zwischen Genuss und Sucht“ wird am 8. Juli 2020 erstmals als Web-Seminar online angeboten. Die Experten warnen einhellig vor einer Verharmlosung des Alkohols als „Kulturgut“ und weisen auf die negativen Folgen des Alkoholkon-sums für jeden Einzelnen und die Gesellschaft hin. Denn, obgleich der Gesamtver-brauch an alkoholischen Getränken in den letzten Jahren zurückgegangen ist, ist Al-kohol in Deutschland nach wie vor Volksdroge Nummer 1.

Für Prof. Dr. med Oliver Pogarell, 1. Vorsitzenden der Bayerischen Akademie für Suchtfragen BAS) ist es deshalb wichtig, aufzuklären: „Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass bereits der genussorientierte Konsum kleinerer Alkoholmengen schädlich sein kann, ist in der Bevölkerung wenig und selbst in Fachkreisen nicht hinlänglich bekannt. Auch hal-ten sich viele Mythen rund um Alkohol hartnäckig, die es aufzuklären gilt: dass Rauschtrin-ken lediglich ein Phänomen des Jugendalters wäre oder dass Alkoholkonsum gesund sei und allgemein das Risiko für Herzerkrankungen verringere oder dass Menschen mit einem niedrigeren sozialen Status mehr konsumierten als solche mit einem höheren Status“

Prof. Dr. Heiner Vogel, Vorstandsmitglied der Bayerischen Landeskammer der Psy-chologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychothera-peuten (PTK Bayern), weist nachdrücklich darauf hin, dass Alkoholkonsum nicht nur dem einzelnen Individuum schadet, sondern auch für immense gesellschaftliche Schäden ver-antwortlich ist: „Etwa jede dritte Gewalttat wird unter Alkoholeinfluss begangen. Alkohol ist für viele vermeidbare Todesfälle, beispielsweise im Straßenverkehr, verantwortlich. Alko-hol ist ein zentraler Risikofaktor für viele Erkrankungen. Jedes Jahr sterben in Deutschland ca. 74.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums beziehungsweise des kombi-nierten Konsums von Alkohol und Tabak und Neugeborene kommen aufgrund Alkoholkon-sums der Mutter in der Schwangerschaft mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen zur Welt.“

Auf Grund dieser Tatsachen unterstreicht Dr. med. Heidemarie Lux, Suchtbeauftragte des Vorstandes der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), dass die Bundesrepub-lik Deutschland eine konsequentere Alkoholpolitik verfolgen müsse: „Die große Mehrheit der verfügbaren wissenschaftlichen Studien weist auf die schweren gesundheitsschädi-genden Konsequenzen übermäßigen Alkoholkonsums hin.

Deshalb sind eine spürbare Verteuerung von Alkohol und die Festsetzung von Mindestpreisen für alkoholische Ge-tränke aus Sicht der Bayerischen Landesärztekammer notwendig, um riskante Formen des Alkoholkonsums in Deutschland zu reduzieren. Ferner fordern wir ein Verbot von Alko-holwerbung, bildliche Warnhinweise auf Alkoholprodukten und ihren Verpackungen und mehr Aufklärungskampagnen über die negativen Konsequenzen des Alkoholkonsums.

Au-ßerdem muss das Verbot der Abgabe alkoholischer Getränke an Jugendliche unter 18 Jahren besser kontrolliert werden.“ Um die Anzahl der Personen zu reduzieren, die wie-derholt alkoholisiert fahren, sollten aus Sicht von Lux ferner sogenannte „Alkolock“-Sys-teme standardmäßig in Kraftfahrzeuge eingebaut werden, die eine Alkoholfahrt grundsätz-lich unterbinden können.

Dr. Sonja Mayer, Vizepräsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer, weist darauf hin, dass es für Apotheker wichtig sei, bei einem Patienten, der ein Arzneimittel ver-langt, eine Abhängigkeit zu erkennen und zu thematisieren: „Gerade wenn der Patient die Problematik bagatellisiert oder gar verleugnet, müssen wir Apotheker - als Arzneimittelex-perten und letzte Prüfinstanz vor der Arzneimittelabgabe - alle wichtigen Aspekte zum frei verkäuflichen oder verschriebenen Arzneimittel im Kundengespräch zu klären. Denn eines ist klar: Bei trockenen Alkoholkranken können bereits geringste Mengen Ethanol im Arz-neimittel den Suchtkreislauf erneut in Gang setzen. Der Apotheker hat in diesem Fall die Aufgabe, alle wichtigen Beratungsaspekte abzuklären und eine patientengerechte Lösung zu finden.“

Das 19. Suchtforum wird gemeinsam von BAS, BLÄK, BLAK und PTK Bayern am 8. Juli 2020 online als Web-Seminar veranstaltet. Zielgruppe sind vor allem Ärzte, Apotheker, Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Mitar-beiter von Suchthilfeeinrichtungen, Suchtberatungsstellen sowie weitere mit dem Thema Abhängigkeitserkrankungen befasste Berufsgruppen.

08.07.2020 Pandemie und Prävention
Pressemeldung der Bayersichen Landesärztekammer

Im aktuellen Leitartikel des Bayerischen Ärzteblatts thematisiert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, die Bedeutung von Prävention für den Schutz vor einer schweren Erkrankung mit dem neuartigen Corona-Virus: „Erfolgreiche Gesundheitsprophylaxe kann zu ei-ner Verbesserung der generellen gesundheitlichen Konstitution jedes Ein-zelnen beitragen und dadurch einen milderen Verlauf der Virusinfektion nach sich ziehen.“

Aktuelle Studien zum Coronavirus zeigten, dass die häufigsten Komorbidi-täten bei einer COVID-19-Infektion chronische Herzerkrankungen, Diabe-tes mellitus sowie nicht-asthmatische chronische Lungenerkrankungen sind – gravierende Beschwerden, die durch eine gesunde Lebensführung aber abgeschwächt oder vermieden werden könnten.

„Sportliche Aktivitäten sind – wie vielfach wissenschaftlich belegt – bei-spielsweise ein wesentlicher Schutzfaktor, um einen guten Gesundheitszu-stand zu fördern und zu erhalten“, erklärt Quitterer. Dies sei umso wichti-ger, da zirka zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutsch-land unter Übergewicht leiden würden – das einen Risikofaktor für Diabe-tes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einige Krebserkran-kungen darstelle.

„Überdies kann auch eine gesunde Ernährung wesentlich zu einer Vermei-dung von Übergewicht und Krankheiten beitragen. Deshalb ist es entschei-dend, den Menschen frühzeitig zielgruppengerechte Ernährungsempfeh-lungen an die Hand zu geben“, führt Quitterer weiter aus. Zahlreiche Stu-dien zeigten außerdem, dass jede Art von Lungenerkrankung bei Rau-chern häufiger und meist schwerer auftrete. Dennoch würden nach Anga-ben des Epidemiologischen Suchtsurveys noch 23 Prozent der erwachse-nen Deutschen rauchen. „Wir sollten unsere Patienten deshalb verstärkt darauf hinweisen, dass Rauchen einen Risikofaktor für einen kritischen Verlauf von COVID-19 darstellt“, rät Quitterer.

Mehr zu „Pandemie und Prävention“ lesen Sie im Leitartikel der Juli/Au-gust-Ausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

03.07.2020 40-Millionen-Euro-Forschungsbau für DZI in Erlangen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 71/2020

Bis 2025 soll das „Center for Immunotherapy, Biophysics & Digital Medicine (CITABLE)“ für Forscher aus FAU und Uni-Klinikum Erlangen fertig sein

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) hat jetzt ein Forschungsgebäude für rund 40 Millionen Euro in direkter Nachbarschaft zum Deutschen Zentrum Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) genehmigt. Das „Center for Immunotherapy, Biophysics & Digital Medicine (CITABLE)“ soll auf dem Nordgelände des Uni-Klinikums Erlangen zwischen Kopfkliniken und Internistischem Zentrum bis Ende 2025 vom Staatlichen Bauamt Erlangen-Nürnberg errichtet werden.

Im CITABLE sollen aktuelle Strategien der Immuntherapie mit neuartigen Analysemethoden der Biophysik und den Möglichkeiten der modernen digitalen Medizin zur Entwicklung und Anwendung neuer Diagnostik- und Therapieverfahren für chronische Entzündungsprozesse kombiniert werden. „Künftig können wir Therapieentwicklung und Patientenversorgung am Uni-Klinikum Erlangen durch den nun genehmigten Forschungsneubau noch enger miteinander verzahnen“, sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät der FAU und Sprecher des DZI, Prof. Dr. Markus Neurath, auf einer Pressekonferenz in Erlangen. Das CITABLE werde in unmittelbarer räumlicher Nähe zur klinischen Patientenversorgung am Internistischen Zentrum mit dem Deutschen Zentrum Immuntherapie und dem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN errichtet. „Durch eine direkte bauliche Anbindung über eine Verbindungsbrücke zum DZI, in dem die klinische Patientenversorgung stattfindet, wird es möglich, einen bidirektionalen, translationalen Forschungsansatz in idealer Weise ‚bed to bench‘ und ‚bench to bed‘ umzusetzen“, erklärte Prof. Neurath.

Studien der vergangenen Jahre würden zeigen, dass Entzündungsvorgänge durch den Einsatz von Immuntherapien mit großem Erfolg behandelt werden können. Allerdings sprächen nicht alle Patientinnen und Patienten auf die bisher verfügbaren Immuntherapien an. Daher sei ein neues molekulares Verständnis dieser Erkrankungen notwendig. „Je besser die immunologischen Vorgänge in den entzündeten Geweben verstanden werden, desto zielgerichteter kann die Auswahl der optimalen individuellen Therapiestrategie erfolgen. Hierbei ist es das Ziel, die Immuntherapie für betroffene Patienten gezielt unter Einbeziehung neuester biophysikalischer Messmethoden und digitaler Analyseverfahren zu entwickeln und auszuwählen“, erläuterte Prof. Neurath. Als erster Meilenstein in diese Richtung wurde 2018 das DZI am Uni-Klinikum Erlangen und an der FAU errichtet, in dem Experten verschiedener Fachdisziplinen Patienten mit chronischen Entzündungen und Krebserkrankungen interdisziplinär behandeln. „Das CITABLE ist nun der zweite zentrale Meilenstein“, sagte Prof. Neurath.

Eines der besten Vorhaben in Deutschland und zentraler Baustein in der Medizinforschung

Laut FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger wird das CITABLE „eine große Anziehungskraft“ auf den neuen Forschungscampus des Uni-Klinikums Erlangen haben: „Das CITABLE wird lokal unmittelbar durch das Forschungszentrum Translational Research Center (TRC) sowie das neue Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin (MPZPM), das die Entwicklung von neuen physikalischen Messmethoden zum Ziel hat, unterstützt und hat hervorragende Kooperationsmöglichkeiten mit verschiedenen Einrichtungen und Medizintechnikfirmen aus der Region.“ Der Antrag für diesen Forschungsbau habe sich in einem „hoch kompetitiven bundesweiten Verfahren“ (Förderung nach Art. 91b Grundgesetz) durchgesetzt und wurde als eines der besten drei Vorhaben in Deutschland ausgezeichnet. „Dieser große Erfolg für den Wissenschaftsstandort Erlangen wurde jetzt durch die Genehmigung der entsprechenden Fördergelder in Höhe von rund 40 Millionen Euro durch die GWK noch einmal unterstrichen“, betonte Prof. Hornegger.

Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, erklärte vor Ort zur Bekanntgabe der Förderung: „Ich freue mich sehr über die Entscheidung der GWK, denn mit dem CITABLE wird in Erlangen ein einzigartiges interdisziplinäres Forschungsgebäude mit dem Charakter eines Leuchtturmprojektes entstehen. Hier wird in unmittelbarer Nähe zur Patientenversorgung erstmals Forschung an der Schnittstelle von Immuntherapie, Biophysik und der Digitalen Medizin ermöglicht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten werden daran arbeiten, bahnbrechende und teils weltweit einzigartige neue Diagnostik- und Immuntherapieverfahren bei Entzündungs- und Krebserkrankungen zu entwickeln – zum Wohle der Patientinnen und Patienten. Das CITABLE eröffnet für die FAU eine langfristige Forschungsperspektive auf international höchstem Niveau und wird zu einer hohen Attraktivität des Standortes für exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt beitragen.“

Patienten mit Krebs und entzündlichen Erkrankungen profitieren

Auch der Ärztliche Direktor des Uni-Klinikums Erlangen, Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, freut sich über die Fördergelder, von denen vor allem auch die Versorgung von Patienten mit Krebs und entzündlichen Erkrankungen am Standort profitieren werde. Chronische Entzündungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Schuppenflechte (Psoriasis) und Rheumatoide Arthritis seien für Betroffene stark belastend und könnten zu erheblichen Komplikationen führen. „Darüber hinaus können chronische Entzündungen oftmals Auslöser für Krebserkrankungen sein und das Wachstum einer Vielzahl von malignen Erkrankungen kontrollieren. Eine frühzeitige Diagnostik und optimierte Therapie dieser Erkrankungen ist daher sehr wichtig“, so Prof. Iro. Patientenproben würden künftig fußläufig vom Patientenbett in ein CITABLE-Labor gebracht, was eine patientennahe Forschung auf höchstem Niveau ermögliche. „Die Mediziner können ihre umfassende klinische Expertise unmittelbar in die Forschung einbringen und Erfolg versprechende Forschungsergebnisse in Form von neuen Therapien im Rahmen von Studien direkt an die Patienten weitergeben“, so der Ärztliche Direktor.

 

02.07.2020 Interdisziplinäres Universitäres Wirbelsäulenzentrum eröffnet
uni | mediendienst | aktuell Nr. 70/2020


Spezialisten für Rückenschmerzen helfen Patienten fachübergreifend bei Schmerzen – eine neue Dimension der Behandlung

 „Mit dem Interdisziplinären Universitären Wirbelsäulenzentrum am Universitätsklinikum Erlangen verbessern wir nachhaltig die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Rückenschmerzen in der Metropolregion“, sagte Prof. Dr. Mario Perl bei der Eröffnung des neuen Zentrums. Prof. Perl, der seit Februar 2019 Direktor der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen ist, ist ebenso wie Prof. Dr. Michael Buchfelder, Direktor der Neurochirurgischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen, Sprecher des neuen Zentrums. „Mit dem Wirbelsäulenzentrum ist es gelungen, die hohe Kompetenz aus Neurochirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie zu bündeln, um Patienten die bestmögliche Therapie auf höchstem universitären Niveau anbieten zu können – sei es konservativ oder operativ“, sagte Prof. Dr. Buchfelder.

 Das Zentrum umfasst zudem Spezialisten aus Neurologie, Neuroradiologie, Anästhesie, Schmerztherapie und Psychosomatik. „Mit dieser Vielzahl an Experten bekommen Patienten an einem Ort zielgerichtet die Diagnostik und Hilfe, die bei jeder Form von Rückenschmerzen die beste ist – hoch professionell und optimal individuell abgestimmt. Diese Zusammenarbeit über Fachgrenzen und Berufsgruppen hinweg ist die Stärke des Uni-Klinikums Erlangen und kommt ab sofort jedem unserer Rückenschmerzpatienten zugute.“ Das Interdisziplinäre Universitäre Wirbelsäulenzentrum ist unter der Telefonnummer 09131 85-40927 zur Sprechstundenkoordination und für Rückfragen erreichbar. Weitere Informationen unter www.wirbelsaeulen-zentrum.uk-erlangen.de.

Kreuzschmerzen sind die Volkskrankheit Nummer eins. Fast jeder Bundesbürger muss während seines Lebens Erfahrungen mit Rückenschmerzen machen – oft sind bereits Kinder und Jugendliche betroffen. Das Krankheitsbild Rückenschmerzen belegt Platz zwei der häufigsten Diagnosen und sogar jeder fünfte 17-Jährige klagt bereits über dauerhafte Rückenbeschwerden. Die meisten plagt der Schmerz im unteren Rücken, dem Lendenwirbelbereich. Doch Rückenschmerz ist nicht gleich Rückenschmerz, die Ursachen können vielfältig sein. Oft vergeht er von selbst wieder, bei einigen Betroffenen entwickelt sich hingegen ein chronischer Schmerzzustand. Viele strukturelle Wirbelsäulenleiden nehmen mit dem Alter zu. „Alters- und verschleißbedingte Veränderungen an der Wirbelsäule sind heute eher die Regel als die Ausnahme. Grundsätzlich kann man aber nie eine Standardtherapie empfehlen. Vielmehr sind individuell angepasste Maßnahmen sinnvoll, die von Physiotherapie über Massagen bis hin zu einer Operation reichen können“, stellte Prof. Perl fest. „Mit unserem neuen interdisziplinären Wirbelsäulenzentrum stehen wir schmerzgeplagten Patienten umfassend und in jedem Fall zur Seite“, sagte Prof. Perl. „Mit den modernsten Techniken stellen wir zunächst eine präzise Diagnose. Gemeinsam mit unseren Patienten entwerfen wir dann einen maßgeschneiderten Therapieplan und begleiten sie mit unserem gesamten Team – Hand in Hand. Oft kann mit konservativen Methoden bereits ein guter Therapieerfolg erzielt werden. Sollte doch einmal eine Operation notwendig werden, können wir neueste operative Methoden mit kleinstmöglichen Eingriffen und kurzen Aufenthaltsdauern bieten.“

01.07.2020 Lehren aus der Corona-Pandemie: Ärzteschaft zeigt Perspektiven für die Zukunft der Gesundheitsversorgung
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft

Berlin, 01.07.2020 – „Wir brauchen jetzt den entscheidenden Digitalisierungsschub zur weiteren Bekämpfung der Pandemie. In den letzten Monaten sind viele digitale Angebote entwickelt worden, aber es bleiben Schwachstellen. Wir zeigen in unserem Positionspapier Lösungen und Perspektiven für die digitale Transformation der Medizin auf. Diese kann aber nur gelingen, wenn auch die notwendige Infrastruktur aufgebaut und die entsprechenden Ressourcen freigegeben werden.“ Diese Zwischenbilanz zog Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), bei der Vorstellung des Positionspapiers „Digitale Transformation in der Medizin in Pandemiezeiten“.

„Wir müssen die Versorgung digitaler denken. Die Corona- Pandemie hat gezeigt, dass wir von einem ungehinderten Informationsfluss entlang des medizinischen Versorgungsprozesses noch weit entfernt sind“, betonte Dr. Peter Bobbert, Co-Vorsitzender des BÄK-Ausschusses „Digitalisierung der Gesundheitsversorgung“. Probleme bereite insbesondere der Datenaustausch zwischen verschiedenen Akteuren und Einrichtungen. Abhilfe schaffen könnten aus Sicht der Ärzteschaft unter anderem digitale Melde- und Informationswege, ein plattformübergreifendes Identitätsmanagement für Ärztinnen und Ärzte oder eine sichere Messenger-App zur innerärztlichen Kommunikation, so Bobbert.

„Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus den vergangenen Monaten ist sicherlich, dass Videokonferenzen einen positiven Beitrag zur Pressemitteilung der Bundesärztekammer gesundheitlichen Versorgung leisten können. Das gilt sowohl in der Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten als auch beim kollegialen Austausch“, sagte Erik Bodendieck, der ebenfalls dem BÄK-Digitalisierungs-Ausschuss vorsitzt. Die Ärzteschaft plädiere dafür, diesen Weg konsequent weiterzugehen und eine sichere und zuverlässige Infrastruktur für Videokonferenzen aufzubauen. Auch die vorübergehend eingeführte Möglichkeit zur Krankschreibung nach ausschließlich telemedizinischer Konsultation habe sich bewährt. „Digitale Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten können die Patienten schützen und die Praxen entlasten. Alle sich im täglichen Gebrauch als sinnvoll bewährenden digitalen Anwendungen sollten dauerhaft in die haus- und fachärztliche Versorgung eingeführt werden“, so Bodendieck.

29.06.2020 Warum das Coronavirus ein Nährboden für Verschwörungstheorien ist
Pressestelle FAU

 

FAU-Medienwissenschaftlerin Carolin Lano über Verschwörungstheorien in Corona-Zeiten

 Mit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie haben sich Verschwörungstheorien fast genauso schnell ausgebreitet, wie das Virus selbst. Carolin Lano vom Institut für Theater- und Medienwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) spricht im Interview darüber, warum Corona ein guter Nährboden für Verschwörungstheorien ist und welche Rolle die Medien dabei spielen.

 Frau Lano, warum gibt es so viele Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus?

Beim Coronavirus handelt es sich um eine unsichtbare Gefahr, deren mögliche Folgen uns überwiegend durch die Massenmedien vor Augen geführt werden. Dabei ließ sich beobachten, dass jede Berichterstattungsphase für sich genommen ihre eigenen Unschärfen produzierte, die Verschwörungstheorien wiederum als Steilvorlage dienten: In den ersten Märzwochen etwa dominierte eine Art Verkündigungsjournalismus, der kritische Distanz vermissen ließ. Es bestand scheinbar kaum noch ein Unterschied zwischen den Solidaritätsaufrufen großer Sendeanstalten und den opportunistisch angepassten Werbebotschaften großer Industriekonzerne. Statt wie sonst von ihm erwartet, berichtete der Journalismus nicht kritisch-distanziert, sondern verfiel in eine Haltung, welche die möglichen Folgen der eigenen Berichterstattung über den eigenen Berufsethos stellte. Ähnlich verfahren wird sonst bei Suiziden oder den Regelungen des Opferschutzes, wobei auch nicht alles aufgedeckt wird, was sich berichten ließe. Selbstverständlich entstand dadurch der Eindruck, dass man nicht die ‚ganze Wahrheit‘ erfährt.

 War das der Zeitpunkt, an dem die Kritik an den Maßnahmen des Shutdowns und den Virologen lauter wurde?

Das könnte man so sagen. Ließ das journalistische Vorgehen in der ersten Phase die kritische Distanz vermissen, begann die Berichterstattung in der vorerst letzten Phase einen differenzierteren Blick auf die Folgen des Shutdowns zu werfen. Gleichzeitig wurden die einst zu unfehlbaren Medienorakeln auserkorenen Virologen und ihre Forschung teils unverhältnismäßig diffamiert, wie jüngst Christian Drosten durch die BILD-Zeitung.  Allgemein lässt sich beobachten, dass die Corona-Krise als Medienereignis – das sie unzweifelhaft ist – aus Sicht der Verschwörungstheoretiker den Beweis für eine Verschwörung darstellt. Außerdem sehen diese die Pandemie als Bestätigung bereits vorhandener Erwartungen oder Ressentiments an – was Merkel-Gegner und Impfleugner gleichermaßen auf die Straße lockt. Das Ereignis ist dann nur eines von vielen in einer ganzen Serie, in der sich das Wirken der Verschwörung vermeintlich immer wieder von Neuem manifestiert. Vor allem aber werden wir gegenwärtig immer noch und auch von massenmedialer Seite mit einer massiven Komplexitätsreduktion konfrontiert, wie sie allgemein eigentlich eher der Verschwörungstheorie nachgesagt wird.

 Inwiefern sind soziale Medien hierfür ein Verstärker?

Soziale Medien bieten Foren des niederschwelligen Austauschs und erleichtern das (Mit)Teilen von Informationen, die dabei oftmals aus dem Zusammenhang gerissen werden. Schließlich kann hier jeder senden und das unter Umständen sogar mit noch mehr Glaubwürdigkeit – zumal diese ohnehin im Auge des Betrachters liegt. Wenn noch dazu ein bereits vorhandenes Misstrauen gegenüber etablierten Massenmedien bedient wird, zeigen gezielt gestreute Falschinformationen ihre Wirkung; wie beispielsweise das Bild der angeblichen Särge von Bergamo, das tatsächlich aus Lampedusa von 2013 stammte. Auf Facebook wurde behauptet, diese Aufnahme sei fälschlicherweise von der ARD als Sinnbild für die verheerenden Coronafolgen in Italien missbraucht worden. Im Kern basiert diese Anschuldigung jedoch auf der Erfahrung, dass selbst angesehene Verlagshäuser und Sendeanstalten angesichts undurchsichtiger und sich rasant entwickelnden Nachrichtenlagen zuweilen Meldungen verbreiten, die sich hinterher als unzutreffend herausstellen.  Dabei grenzt es schon sehr an Ironie, dass sich diese Tendenz durch den Zeitdruck der Onlineberichterstattung noch verstärkt. So hat sich mittlerweile eine eigenwillige Mediendynamik in Gang gesetzt: Je mehr Fehler der Presse unterlaufen, umso leichter das Spiel für Verschwörungstheoretiker. Wobei ich soziale Medien weniger als einen Nährboden als vielmehr als ein Triebmittel für Verschwörungstheorien begreifen würde: Die maßgeblichen Ursachen für ihren Erfolg liegen nicht nur in der Kommunikationsform, sondern in deren Wechselwirkung mit der Gesellschaft.

 Gibt die Berichterstattung traditioneller Medien über Verschwörungstheorien diesen nicht noch mehr Reichweite?

Das Problem liegt auch hier wieder tiefer und ist nicht einfach aus der Welt zu schaffen: Berichte über Verschwörungstheorien bringen Quote, erhöhen die Klickzahlen und steigern die Auflage. Sie verfügen mitunter über ein unterhaltsames Faszinationspotenzial und dies wird von massenmedialer Seite gerne für die eigenen Zwecke ausgewertet. Das Verhältnis zwischen Massenmedien und Verschwörungstheorie ist daher stets ambivalent, denn auch Verschwörer leben von den Irritationen, die ihnen durch die Massenmedien – in Form der bereits erwähnten Unschärfen – als Rohstoff zur Verfügung gestellt werden. Eben diese Ko-Abhängigkeit zwischen den beiden kennzeichnet eine unheilvolle Mediendynamik der wechselseitigen Verstärkung.

 Wie sollten Medien darüber berichten?

Selbstverständlich ist es wichtig, dass über Verschwörungstheorien berichtet wird, aber dies sollte möglichst differenziert erfolgen und dabei idealerweise auch die eigene Rolle kritisch hinterfragt werden. Dabei sollte man sich vergegenwärtigen, dass es sich beim Begriff der Verschwörungstheorie stets um eine abwertende Fremdzuschreibung handelt. Die Anhänger nur abzuwerten, bringt aber nichts – im Gegenteil. Die Verunglimpfung als „Verschwörungsspinner“ fungiert wohl eher nur als eine Beruhigungspille. Stattdessen sollte eine fundierte Recherche der wahren Auslöser erfolgen – wie gesagt: Die sozialen Medien mögen zwar Verstärker sein, aber die wahren Ursachen liegen wohl in der Gesellschaft.

 Was kann jeder Einzelne gegen Verschwörungstheorien in sozialen Netzwerken tun?

Das wirksamste Mittel ist nach wie vor die Schulung der eigenen kritischen Urteilsfähigkeit. Um sich im Zweifelsfall zu informieren, empfiehlt sich ein Faktencheck, der zum Beispiel über das Angebot einschlägiger Seiten wie Correctiv.org erfolgen kann. Je mehr seriöse Quellen es für eine Nachricht gibt, umso verlässlicher ihr Inhalt. Auch die Bilderrückwärtssuche kann dabei helfen, die ursprüngliche Quelle zu recherchieren und zu entlarven, wenn etwas aus dem Zusammenhang gerissen wurde, wie im bereits genannten Fall der Särge von Bergamo.

 

24.06.2020 Corona-Krise lässt sich nur gemeinsam überwinden
Presseinformation der Bundesärztekammer

Berlin, 24.06.2020 – Zu dem heute vom Bundeskabinett beschlossenen Programm für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt:

„Deutschland muss die kommenden sechs Monate nutzen, um mit der Europäischen Union Strategien zur Bewältigung der Pandemie und zur Stärkung der Krisen-Reaktionsfähigkeit auf den Weg zu bringen. Wir brauchen europaweit abgestimmte Meldestrukturen bei der Nachverfolgung von Infektionsketten. Wir müssen die jeweiligen Corona-Warn-Apps mit denen der anderen Mitgliedstaaten kompatibel machen. Und wir sollten dringend gemeinsame Konzepte für die Bevorratung, für die Beschaffung und vor allem für die Produktion von Schutzausrüstung, Medikamenten und Impfstoffen erarbeiten. Die Aufgaben für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft sind groß. Die deutsche Ärzteschaft wird sich tatkräftig in die Umsetzung geeigneter Maßnahmen einbringen.

Die Zuständigkeit für die Gesundheitspolitik liegt aus guten Gründen bei den EU-Mitgliedstaaten. Diese Vorgabe steht jedoch nicht einer engeren Vernetzung und Abstimmung bei der Pandemiebekämpfung entgegen. Im Gegenteil: Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um bei der Entwicklung von neuen Medikamenten und Impfstoffen gegen das Virus international bestehen zu können. Für Patientinnen und Patienten insbesondere in grenznahen Regionen brauchen wir ein europäisches Register für freie medizinische Ressourcen sowie einen europäischen Beistandspakt bei drohender Überlastung der Klinikkapazitäten. Ebenfalls erforderlich ist eine zentrale europäische Koordinierungsstelle für grenzüberschreitende Gesundheitsnotfälle, die beim Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) eingerichtet werden könnte.

Allen muss klar sein, dass kein Land, kein Forschungsinstitut und kein Pharmaunternehmen Corona allein bezwingen kann. Europäische Zusammenarbeit auf allen Ebenen ist heute wichtiger denn je.“

22.06.2020 Lebenslang in besten Händen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 65/2020

Uni-Klinikum Erlangen ist als überregionales Zentrum für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler zertifiziert.

Kinder mit angeborenem Herzfehler hatten bis in die 1960er Jahre nur eine geringe Lebenserwartung. Dank der modernen Medizin können diese Kinder nach einer erfolgreichen Erstbehandlung jetzt auch als Erwachsene eine gute Lebensqualität erreichen. Für die spezialisierte medizinische Versorgung von Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH) verfügt Deutschland allerdings nur über wenige zertifizierte Kliniken mit dem erforderlichen Spezialwissen. Das Universitätsklinikum Erlangen erhielt jetzt das Zertifikat als überregionales EMAH-Zentrum und kann damit Kinder mit angeborenem Herzfehler bis ins Erwachsenenalter bestmöglich interdisziplinär versorgen. In Bayern verfügt nur noch das Deutsche Herzzentrum München neben dem Uni-Klinikum Erlangen über ein zertifiziertes EMAH-Zentrum.

Bundesweit weisen jährlich rund 6.000 Neugeborene einen angeborenen Herzfehler auf, also etwa jeder 100. Säugling. Mitte des vergangenen Jahrhunderts starben noch rund 25 Prozent dieser Kinder bei der Geburt oder wenige Tage danach und auch die Überlebensrate während des ersten Lebensjahrs lag nur zwischen 40 und 50 Prozent. Heute ist das dank der weiterentwickelten medizinischen Versorgung zum Glück anders: Säuglinge mit angeborenem Herzfehler haben nach einer erfolgreichen Erstbehandlung sehr gute Chancen auf eine gute Lebensqualität und subjektive Gesundheit bis ins Erwachsenenalter. Laut Schätzungen der Fachgesellschaften leben in Deutschland etwa 300.000 EMAH-Patienten. Sie benötigen während ihrer gesamten Lebenszeit eine interdisziplinäre Versorgung mit besonderer fachlicher Qualifikation durch pädiatrische Kardiologen, Kinderherzchirurgen sowie Kardiologen und Herzchirurgen.

 Interdisziplinäre Versorgung

Diese spezialisierte Versorgung bietet das Uni-Klinikum Erlangen, das von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) und der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) jetzt als überregionales EMAH-Zentrum zertifiziert wurde.

So können EMAH-Patienten beispielsweise unter Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelschwäche, Herzmuskelentzündungen oder Krankheiten der Lunge leiden. Im Erlanger EMAH-Zentrum bündeln dazu die Experten der Medizinischen Klinik 2 – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr Stephan Achenbach) und der Herzchirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Weyand) ihr Wissen mit dem der Kinderherzchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) und der Kinderkardiologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Sven Dittrich). „Darüber hinaus können wir bei Bedarf Unterstützung von weiteren Spezialisten anfordern“, erläutert Prof. Dittrich. Dem interdisziplinären Expertenteam stehen für die Diagnostik und Therapie am Uni-Klinikum Erlangen neueste Bildgebungsverfahren, OP-Säle und Europas modernstes Herzkatheterlabor zur Verfügung. Die spezialisierten Ärzte unterstützen auch ihre niedergelassenen Kollegen bei der Behandlung von EMAH-Patienten zum Beispiel mit Informationsveranstaltungen und Fortbildungsangeboten.

 Zertifikat EMAH-Kardiologie

Die Qualifikation als EMAH-Kardiologin oder -kardiologe verlangt eine 18-monatige Weiterbildung, die von den drei Fachgesellschaften DGK, DGPK und DGTHG geprüft und zertifiziert wird. Am Uni-Klinikum Erlangen haben derzeit Prof. Dr. Sven Dittrich und Dr. Ulrike Doll (beide Kinderkardiologie) sowie Dr. Ulrike Gundlach (Medizin 2) dieses individuelle Zertifikat erworben. Dr. Tariq Abu-Tair (Kinderkardiologie) hat als erster Arzt des Zentrums seine persönliche Weiterbildung zum EMAH-Kardiologen begonnen Als überregional zertifiziertes EMAH-Zentrum unter der Leitung von Prof. Dittrich ist das Uni-Klinikum Erlangen fortan berechtigt, weitere Ärzte für den Erwerb dieser speziellen Qualifikation auszubilden.

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Sven Dittrich, Tel.: 09131 85-33750, sven.dittrich@uk-erlangen.de

17.06.2020 Wie beeinflusst bioaktives Glas Immunzellen?
uni | mediendienst | forschung Nr. 29/2020

Forschung an der FAU zu neuen Anwendungsmöglichkeiten von bioaktivem Glas

Eigentlich ist bioaktives Glas ein alter Bekannter. Das Material wurde bereits vor rund 50 Jahren entwickelt. Aufgrund seiner Eigenschaften, die das Knochenwachstum fördern, wird es seither oft in der regenerativen Medizin als Knochenersatzmaterial oder auch in der Zahnmedizin eingesetzt. Darüber hinaus wächst seit einiger Zeit das Interesse an neuen Anwendungsmöglichkeiten im Bereich Weichgewebe. In einer Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini, Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), und PD Dr. Elisabeth Zinser von der von Prof. Dr. Alexander Steinkasserer geleiteten Abteilung für Immunmodulation des Universitätsklinikums Erlangen (UKE) stand dabei die Wirkung bioaktiven Glases auf Immunzellen im Vordergrund. Die Ergebnisse erschienen nun in der Fachzeitschrift Biomaterials Science der Royal Society of Chemistry.*

Das interdisziplinäre Team nun erstmals die Wirkung bioaktiven Glases auf Immunzellen in vitro anhand von dendritischen Zellen, die mit Zink- und Kupferionen aus bioaktivem Boratglas in Kontakt gebracht wurden. Außerdem gingen die Forschenden der antibakteriellen Wirkung des bioaktiven Glases nach. „In manchen Fällen ist eine Immunantwort von Nachteil, zum Beispiel bei Implantaten, die nicht abgestoßen werden sollen, oder auch bei Autoimmunkrankheiten wie Arthritis oder Multiple Sklerose“, erklärt PD Dr. Elisabeth Zinser. „Mit den Ionen aus dem bioaktiven Glas lassen sich die dendritischen Zellen so beeinflussen, dass eine solche ungewünschte Reaktion unterbleibt, ohne jedoch das gesamte Immunsystem lahmzulegen.“

„Für die Anwendung in der Wundheilung kann bioaktives Glas mit Biopolymeren kombiniert werden. Das ergibt ein flexibles, durchlässiges Verbandsmaterial für chronische Wunden, wie sie beispielsweise bei Diabetes entstehen können“, fügt Prof. Boccaccini hinzu. „Die freigesetzten Ionen können darüber hinaus Bakterien abtöten, die die Heilung verhindern und gefährliche Infektionen verursachen.“ Um die Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten bioaktiven Glases, etwa in der Immuntherapie bei Krebs, noch ausführlicher zu erforschen, sind weitere Studien geplant.

*doi.org/10.1039/C9BM01691K

Websites der Institute:

https://www.biomat.tf.fau.de/

https://www.immunmodulation.uk-erlangen.de/ 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini       Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien)

Tel.: 09131/85-28601      aldo.boccaccini@fau.de

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12.06.2020 40.000 Euro für die Erforschung von COVID-19-Immunplasma
uni | mediendienst | aktuell Nr. 62/2020

Manfred-Roth-Stiftung unterstützt Uni-Klinikum Erlangen

Bei besonders schwerwiegenden Krankheitsverläufen nach Infektion durch das Corona-Virus soll das sogenannte Immunplasma den Patientinnen und Patienten helfen, das Virus zu bekämpfen. Das Team um Prof. Dr. Holger Hackstein, Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, gewinnt seit März von bereits genesenen SARS-CoV-2-Infizierten Blutplasma mit Antikörpern gegen das Virus. Die Manfred-Roth-Stiftung unterstützt nun die wissenschaftliche Untersuchung der klinischen Wirksamkeit des Immunplasmas bei Corona-Patientinnen und -Patienten. Dr. Wilhelm Polster und Klaus Teichmann von der Manfred-Roth-Stiftung übergaben deshalb jetzt einen Spendenscheck in Höhe von 40.000 Euro. Die Summe wird durch das Matching-Funds-Programm der Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen auf insgesamt 54.000 Euro aufgestockt.

„Aktuelle wissenschaftliche Daten weisen darauf hin, dass durch COVID-19-Immunplasma eine deutliche Abschwächung der lebensbedrohlichen Verläufe möglich ist“, sagte Prof. Hackstein bei der Scheckübergabe. Die Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen hatte als eine der ersten Einrichtungen in Deutschland die Genehmigung erhalten, Immunplasma für schwer erkrankte COVID-19-Patienten herzustellen. „Wir sind sehr dankbar für diese großzügige Spende der Manfred-Roth-Stiftung, die die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirksamkeit des COVID-19-Immunplasmas nachhaltig unterstützt“, freute sich der Leiter.

Über die Manfred-Roth-Stiftung

Die gemeinnützige Manfred-Roth-Stiftung fördert neben sozialen, kulturellen und bildungsfördernden Projekten auch die wissenschaftliche Arbeit in Forschung und Medizin. Die nach dem 2010 verstorbenen Fürther Unternehmer und Gründer der Handelskette Norma benannte Stiftung folgt damit den Vorgaben Manfred Roths, der schon zu Lebzeiten Projekte für das Gemeinwohl großzügig unterstützte.

Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen

Die Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen fördert die medizinische Forschung, die Aus- und Weiterbildung von Studenten, Ärzten und Wissenschaftlern sowie Belange des öffentlichen Gesundheitswesens und Projekte der Mildtätigkeit. Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 hat die Forschungsstiftung Medizin schon zahlreiche wissenschaftliche Einzelprojekte aus unterschiedlichen Fachbereichen des Uni-Klinikums Erlangen mit insgesamt knapp sechs Millionen Euro unterstützt.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Holger Hackstein

Tel.: 09131/85-36972

trans-sekretariat@uk-erlangen.de

04.06.2020 Neues Leben schenken
uni | mediendienst | aktuell Nr. 59

Am Tag der Organspende am 6. Juni 2020 den Spendern danken – Thomas S. bewahrte seine Frau vor der Dialyse

 Mit dem „Tag der Organspende“ wird in Deutschland jedes Jahr am ersten Samstag im Juni Organspendern und ihren Angehörigen gedacht und gedankt. Einer von den rund 140.000 Menschen, die seit der ersten Transplantation 1963 Organe gespendet haben, ist Thomas S. Vor vier Wochen spendete er seiner Frau Christa eine Niere, nachdem eine Autoimmunerkrankung die Funktion ihrer beiden Nieren sukzessive zerstört hatte. Im Jahr 2019 spendeten bundesweit 1.507 Menschen zu Lebzeiten oder nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe. Dem gegenüber stehen über 9.000 Menschen, die derzeit in Deutschland auf eine lebensrettende Transplantation warten – viele davon jahrelang. Am Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg (Sprecher: Prof. Dr. Michael Weyand) am Universitätsklinikum Erlangen stehen knapp 500 Patienten im Alter von zwei bis 80 Jahren auf der Eurotransplant-Warteliste für Herz-, Nieren- oder Bauchspeicheldrüsentransplantation. Christa S. war eine von diesen Wartenden. Im vergangenen Monat konnte sie dank der Lebendnierenspende ihres Mannes am Uni-Klinikum Erlangen erfolgreich transplantiert werden.

 Als das Ehepaar sich im Juni 2019 beim Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg meldete, hatte sich die Nierenfunktion von Christa S. bereits auf nur noch 9 % verschlechtert. Die Nierenorgane der 45-Jährigen konnten ihre Aufgaben, den Wasserhaushalt des Körpers zu regulieren und das Blut von Schadstoffen zu befreien, nicht mehr ausreichend erfüllen – ihr drohte eine schwere Harnvergiftung infolge ihres endgültigen Nierenversagens. Christa S. würde also bald dauerhaft auf einen Nierenersatz angewiesen sein – entweder auf die Dialyse oder eine Transplantation durch Organspende.

 Beim maschinellen Nierenersatzverfahren, der Dialyse, muss sich der Patient entweder mehrmals täglich eigenverantwortlich selber über einen Bauchfellkatheter reinigen oder sich in einem Dialysezentrum mindestens dreimal wöchentlich jeweils für etwa vier bis fünf Stunden über einen Gefäßzugang dialysieren lassen – eine belastende Prozedur, die die Lebensqualität des Erkrankten und seiner Angehörigen stark beeinträchtigen kann. „Beim natürlichen Nierenersatzverfahren, der Transplantation, kommen grundsätzlich zwei Optionen der Organspende infrage: eine Lebendorganspende einer emotional nahestehenden Person oder eine anonyme post mortem entnommene Organspende aus dem Eurotransplantverbund“, erklärt Prof. Dr. Michael Weyand, Sprecher des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg.

 Dialyse schränkt ein

Die kräftezehrende Blutwäsche bleibt der Mutter von zwei kleinen Kindern nun erspart. „Die meisten Patienten an der Dialyse fühlen sich körperlich stark leistungsgemindert und sozial eingeschränkt. Sie müssen ihren Beruf, Sport aufgeben. Ihr Leben ist getaktet durch die Abhängigkeit von der Dialysebehandlung. Daneben muss man sich an eine kalium- und phosphatarme Diät halten, d. h. auf frisches Obst und Gemüse größtenteils verzichten. Kommt es zum Versiegen der Urinausscheidung, muss außerdem die Trinkmenge trotz gesteigertem Durstgefühl reduziert werden. Und nicht zuletzt ist die Überlebensprognose des Patienten an der Dialyse um ein Vielfaches geringer im Vergleich zum transplantierten – in jedem Lebensalter. Angesichts dieser Aussichten einer persönlichen und familiären Verschlechterung der Lebensqualität hatte sich Ehepaar S. schon frühzeitig mit dem Thema Transplantation und der Möglichkeit einer Lebendnierenspende auseinandergesetzt“, erklärt Dr. Katharina Heller, Oberärztin des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg. Christa S. wurde nach ausführlicher medizinischer Untersuchung im Hinblick auf ihre Transplantabilität bei Eurotransplant auf der Warteliste für Nierentransplantation registriert. Das ist Voraussetzung, auch wenn ein Angehöriger zeitgleich zu einer Lebendspende bereit ist.

 Lebendspender muss gesund sein

Auch Thomas S. musste sich als potenzieller Lebendnierenspender „von Kopf bis Fuß“ einer eingehenden medizinischen, immunologischen und psychosomatischen Untersuchung am Transplantationszentrum unterziehen. Abschließend stellte sich der 52-Jährige mit seiner Ehefrau der Lebendspenderkommission vor, um zu bestätigen, dass seine Spende freiwillig ist und ein Organhandel ausgeschlossen werden kann. Voraussetzung für eine Lebendnierenspende ist eine gute Prognose im Hinblick auf die dem Spender verbleibende Nierenfunktion und seine Lebensqualität. Der Spender wird über die Lebendspende hinaus lebenslang vom Transplantationszentrum begleitet und nachgesorgt.

 Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg am Uni-Klinikum Erlangen

Neben der Transplantation von Nieren, unter anderem durch Lebendspende, werden Herz- und Bauchspeicheldrüsentransplantationen ausschließlich durch postmortale Organspenden durchgeführt. Patienten, die nach ihrem Tod die eigenen Organe spenden möchten und deren Angehörige werden am Uni-Klinikum Erlangen durch ein speziell geschultes Team aus Ärzten und Pflegekräften begleitet. Hierzu wurde ein rund um die Uhr erreichbarer Rufdienst für Organspende eingerichtet. In Zusammenarbeit mit der https://dso.de/ werden am Klinikum gespendete Organe über Eurotransplant mit hoher Wahrscheinlichkeit lokal und regional vermittelt. Zell- und Gewebespenden wie Knochenmark- und Hornhautspenden werden nicht über Eurotransplant sondern durch das Uni-Klinikum Erlangen vermittelt. So bekamen 2019 beispielsweise 760 Patienten ihre Sehfähigkeit durch eine transplantierte Hornhaut wieder zurück, fünf Menschen wurde dank eines Spenderherzens ein neues Leben geschenkt.

 Weitere Informationen:

Dr. Katharina Heller

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tx-geschaeftsstelle@uk-erlangen.de

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04.06.2020 Infektionsketten und Corona-App


Im aktuellen Leitartikel des Bayerischen Ärzteblatts schreibt Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), wie wichtig die Nachverfolgung der Infektionsketten bei Covid-19-Erkrankun-gen ist und wie die sogenannte Corona-App dabei helfen könne. „Eine Tra-cing-App ist eine gute Unterstützung für die notwendige Nachverfolgung von Infektionsketten, wenn sie technisch funktioniert und die Mindestteil-nehmerzahl erreicht wird. Erst dann kann die Tracing-App auch die ge-wünschte Wirkung zeigen“, erklärt Rechl.

Wobei auch schon eine geringere Teilnehmerzahl helfen würde, da die Nachverfolgung von Kontakten dadurch erleichtert werde. Wenn durch die App potenziell Infizierte schnell identifiziert und getestet werden können helfe das, die Kontaktbeschränkungen schneller zu lockern und auch in den Arztpraxen wieder für mehr „Normalität“ zu sorgen. Jetzt komme es noch auf das Tempo an. Je schneller die App eingesetzt werden könne, umso besser kann die gewünschte Kontaktnachverfolgung durchgeführt werden. „Die App ist sicher kein Allheilmittel, sie kann nur ein Baustein in der Pandemiebekämpfung sein“, meint Rechl. Wenn sich mit der App die Auswirkungen der Pandemie einbremsen lasse, dürfte auch die notwen-dige Akzeptanz in der Bevölkerung erreichbar sein. Die schnelle Durchdrin-gung Deutschlands mit Mund-Nasen-Schutzmasken zeige, dass das mög-lich wäre.

Das zu langsame Tempo der Digitalisierung in der Medizin werde seit Jah-ren kritisch diskutiert, eine effiziente Anti-Corona-App wäre ein Zeichen für einen sinnvollen Einsatz der Digitalisierung zum Schutz von Leben und Gesundheit. „Um die notwendige Akzeptanz und Beteiligung in der Bevöl-kerung zu erreichen braucht es auch die Unterstützung von uns Ärztinnen und Ärzten. Nur wenn wir mithelfen und unseren Patientinnen und Patien-ten die Nutzung der Tracing-App empfehlen, kann die notwendige Mindest-beteiligung erreicht werden“, fordert Rechl.

Mehr zu „Infektionsketten und Corona-App“ lesen Sie im Leitartikel der Ju-niausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerz-teblatt.de.

Pressestelle

03.06.2020 „Gesundheit erlangen“: kleine Patienten im Fokus
uni | mediendienst | aktuell Nr. 57/2020

 

Sommerausgabe des Gesundheitsmagazins informiert über Kindergesundheit

Was sollten Eltern tun, wenn ihr Kind über starke Bauchschmerzen klagt? Welche Impfungen werden wann empfohlen? Wie laufen Operationen bei kleinen Patienten ab? Was ist zu tun, wenn Kinder Angst vorm Arzt haben, und dürfen Heranwachsende ohne Weiteres Medikamente für Erwachsene einnehmen? Diese und weitere Fragen beantworten Experten der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) und der Kinderchirurgischen Abteilung (Leitender Kinderchirurg: Dr. Manuel Besendörfer) des Universitätsklinikums Erlangen in der Sommerausgabe des kostenlosen regionalen Gesundheitsmagazins „Gesundheit erlangen“. Das Heft wird aktuell in Erlangen und Erlangen-Höchstadt verteilt – überall am Uni-Klinikum Erlangen, aber unter anderem auch in Apotheken und Arztpraxen.

 Weiterhin erfahren die Leser von „Gesundheit erlangen“, warum der neue Spiral-Brust-Computertomograf am Uni-Klinikum Erlangen die Brustuntersuchung für Frauen deutlich entspannter macht und wie Panikattacken begegnet werden sollte. Zudem beantwortet die aktuelle Ausgabe die Kinderfrage „Warum muss ich schlafen?“ aus ärztlicher Sicht. Pflegekraft Sarah Schwarmat aus der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) des Uni-Klinikums Erlangen erklärt den besten Umgang mit aggressivem Verhalten und erläutert, welche Maßnahmen deeskalierend wirken. „Der besondere Fall“ schildert diesmal die Rettung eines kleinen Jungen am Uni-Klinikum Erlangen, der wegen eines Notfalls eingeliefert wurde, der meist nur Erwachsene betrifft. Weiterhin gibt es eine Reihe von Sommerthemen: Was tut eigentlich ein Tauchmediziner? Wie lässt sich ein erfrischendes Kombucha-Getränk selbst herstellen? Welche neuen Immuntherapien gibt es gegen Hautkrebs? Und wohin mit der Obst- und Gemüseernte aus dem Garten?

 „Gesundheit erlangen“ ist auch online unter http://www.gesundheit-erlangen.com zu finden und kann per E-Mail an gesundheit-erlangen@uk-erlangen.de abonniert werden.

 Weitere Informationen:

 Franziska Männel

Tel.: 09131 85-46670

gesundheit-erlangen@uk-erlangen.de

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02.06.2020 Präzisionsmedizin – Wunderwaffe oder Kostenfalle?
Pressemedlung der Bundesärztekammer

Berlin, 02.06.2020 – Welche Chancen und Risiken birgt die Präzisionsmedizin? Diese Frage beantwortet die Bundesärztekammer (BÄK) in der von ihrem Wissenschaftlichen Beirat erarbeiteten Stellungnahme „Präzisionsmedizin – Bewertung unter medizinisch-wissenschaftlichen und ökonomischen Gesichtspunkten“.

Die Präzisionsmedizin, die auch als individualisierte oder personalisierte Medizin bekannt ist, weckt Hoffnung auf neue Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten. Nicht zuletzt in der Onkologie konnte der Einsatz von molekularen, genetischen und proteomischen Biomarkern des einzelnen Patienten bemerkenswerte therapeutische Erfolge erzielen. Dem gegenüber stehen die Sorge vor einer mangelnden Evidenzbasierung aufgrund geringer Fallzahlen und die Kritik an den hohen Therapiekosten.

„Wir müssen uns immer wieder neu die Frage stellen, wie die Versorgungsqualität mit Hilfe des medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts weiterentwickelt werden kann, ohne das Gesundheitssystem finanziell zu überfordern. Die vorliegende Stellungnahme ist ein wichtiger Beitrag zu dieser Debatte. Und sie sollte nicht allein in Fachkreisen geführt werden“, sagte BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt.

Verfasst wurde die Stellungnahme im Auftrag des Vorstands der BÄK von einem Arbeitskreis des Wissenschaftlichen Beirats unter der gemeinsamen Federführung von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Manfred Dietel und Prof. Dr. rer. nat. Heyo Kroemer.  

Sie verdeutlicht anhand erfolgreicher Behandlungsbeispiele in der Onkologie, Infektiologie, Pneumologie und Neuropädiatrie die aktuellen Entwicklungen und zeigt zukünftige Potenziale auf. Zudem geht sie auf die Befürchtung ein, dass aufgrund der teilweise geringen Fallzahlen wissenschaftliche Evidenzstandards unterlaufen werden könnten. Prof. Dr. Dr. Peter Scriba, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK, stellt klar: „Vor dem Einsatz in der klinischen Routine ist der Nachweis des Nutzen- und Schadenspotenzials von Verfahren und Arzneimitteln der Präzisionsmedizin durch belastbare klinische Studien, idealerweise prospektiv randomisierte Studien, erforderlich.“

Die Sorge vor den hohen Behandlungskosten teilen die Experten indes nicht. „Zumindest aktuell scheinen die mit der Präzisionsmedizin verbundenen Kosten die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems nicht in Frage zu stellen“, schreiben sie in der Stellungnahme. Trotzdem sei es notwendig, Einsparmöglichkeiten zu nutzen. Denkbar seien beispielsweise am Anwendungsnutzen orientierte Arzneimittelpreise. Zudem verweisen sie auf die unterschiedliche zeitliche Dynamik von Kosten und Einsparungen: „Während Behandlungskosten in der Regel direkt anfallen, treten Einsparungen durch vermiedene Erkrankungsfolgen oder vermiedene Behandlungen häufig erst nach Jahren ein.“

Stellungnahme "Präzisionsmedizin: Bewertung unter medizinisch-wissenschaftlichen und ökonomischen Gesichtspunkten"

bitte den Text der Pressmeldung reinkopieren

01.06.2020 Besuch von 70 fröhlichen Luftballons
uni | mediendienst | aktuell Nr. 56/2020


Originelle Spendenaktion macht schwer kranken Kindern eine Freude

 Drei befreundete Unternehmer – eine tolle Idee: 70 knallgelbe Luftballons mit lustigen Smiley-Gesichtern erhielten das Kinderpalliativteam und die Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Universitätsklinikums Erlangen von drei Schwabacher Firmen geschenkt.

 „Unsere Idee war, allen Menschen eine kleine Freude zu machen, die zurzeit keinen oder nur wenig Besuch von ihren Lieben erhalten dürfen“, erklärte Martina Standecker vom Schwabacher Ingenieurbüro Standecker. Mit ihrem Mann Ben Standecker initiierte sie die gemeinsame Spendenaktion mit dem befreundeten Ehepaar Marco und Martina Rizzoli von der Schwabacher Firma B.O.S. Franken Security GmbH sowie dem ebenfalls befreundeten Jochen Scharf, Inhaber der gleichnamigen Schwabacher Unternehmensgruppe.

 Gemeinsam überbrachten die Inhaber der drei Firmen die 70 Luftballons an Vertreter des Kinderpalliativteams und der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen. Insgesamt verteilten sie auf diese Weise mehr als 500 Ballons an diverse Einrichtungen für Senioren, Kinder und Jugendliche sowie für Menschen mit Behinderungen in der Region. „Wir freuen uns sehr, dass wir diese überraschende Freude auch an die Kinder und Jugendlichen in unserer Klinik

weitergeben dürfen“, dankte Prof. Wölfle den fröhlichen Spendern. Viele der 70 Smiley-Luftballons gehen jetzt noch einmal auf die Reise: Dr. Chara Gravou-Apostolatou und Michelle Dotzauer vom Erlanger Kinderpalliativteam werden sie bei ihren Hausbesuchen als fröhliche Gabe für schwerstkranke Kinder dabeihaben, um auch ihnen ein Lächeln zu schenken.

  Weitere Informationen:

 Dr. Chara Gravou-Apostolatou

Tel.: 09131/85-35982

kinderpalliativteam@uk-erlangen.de

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27.05.2020 Reinhardt: „Tabakwerbeverbot schnell und umfassend umsetzen“
Pressenachricht der Bundesärztekammer

BÄK unterstützt Weltnichtrauchertag am 31. Mai 2020

Berlin, 27.05.2020 – „Es ist gut und richtig, dass der Gesetzgeber
endlich ein Verbot von Tabakwerbung auf den Weg bringen will.
Angesichts von rund 120.000 Tabaktoten jährlich brauchen wir
umfassende Regelungen, die möglichst schnell umgesetzt und
kurzfristig wirksam werden.“ Das sagte Dr. Klaus Reinhardt,
Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), vor der ersten Lesung
des Gesetzentwurfs für ein Tabakwerbeverbot am kommenden
Freitag im Deutschen Bundestag.

Reinhardt betonte, dass Ärztinnen und Ärzte tagtäglich mit den
gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen des Tabakkonsums
konfrontiert seien, unter anderem bei der Behandlung von
Krebserkrankten, von Herz-Kreislauf-Patienten oder von Patienten
mit schwerwiegenden Atemwegserkrankungen. „Rauchen ist eine
Suchterkrankung und es ist höchste Zeit, gerade junge Menschen
vor dem Rauchen und den damit verbundenen schwerwiegenden
Gefahren für die Gesundheit zu schützen“, sagte der BÄK-Präsident.

Viele Studien belegten, dass Tabakwerbung insbesondere bei
Kindern und Jugendlichen die Attraktivität von Tabakprodukten
erhöht. Auch für abhängige Raucher setze Werbung ständig
Schlüsselreize, die einen Ausstieg aus der Sucht erschwerten.
Reinhardt verwies in diesem Zusammenhang auf den
Weltnichtrauchertag am 31. Mai 2020. Er steht in diesem Jahr
unter dem Motto „Lass Dich nicht manipulieren“.

Dies gelte nicht nur für den Umgang mit Tabakprodukten,
sondern natürlich auch für elektronische Erhitzungssysteme, wie
E-Zigaretten oder E-Shishas. „Derzeit versucht die Industrie, diese
als weniger gefährliche Alternative zu vermarkten. Dabei ist gar
nicht absehbar, welche gesundheitlichen Langzeitschäden mit
ihnen verbunden sind“, warnte Reinhardt. Schon jetzt gebe es
Hinweise auf Schädigungen der Atemwege sowie des Herz-
Kreislaufsystems. „Zudem beobachten wir mit Sorge, dass
Jugendliche durch E-Zigaretten an das Rauchen bzw. eine
Abhängigkeit vom Nikotin herangeführt werden. Auch für
elektronischen Verdampfer sollten daher Außenwerbeverbote
möglichst schnell und zeitgleich mit den Regelungen für
Tabakprodukte in Kraft treten“, so Reinhardt.


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27.05.2020 12.000 Euro für Fahrzeug Nummer fünf Spende an Tigerauge e. V. für die Unterstützung des Kinderpalliativteams
uni | mediendienst | aktuell Nr. 50/2020

Die Feier zu seinem 50. Geburtstag im März 2020 musste Markus Kugler coronabedingt absagen. Zu Geldgeschenken sagte der Geschäftsführer der Feser, Graf & Co. Automobil Holding GmbH in Nürnberg trotzdem nicht Nein. Doch die Spenden waren nicht für ihn selbst bestimmt, sondern für sterbenskranke Kinder und ihre Familien: „Ich persönlich habe auf Geschenke verzichtet und stattdessen um Unterstützung für den Verein Tigerauge gebeten, der die Kinderpalliativversorgung in Erlangen schon sehr lange unterstützt“, erklärte Markus Kugler bei der Spendenübergabe. Auf diese Idee kam er durch das Schicksal eines sehr guten Freundes. Dieser hatte „Tigerauge: Initiative Kinderhospiz Nordbayern e. V.“ bereits seit vielen Jahren unterstützt, als 2019 seine eigene Tochter schwer erkrankte und vom Kinderpalliativteam des Universitätsklinikums Erlangen betreut werden musste – bis sie im Herbst 2019 an einem Hirntumor starb. Nun überreichten Markus Kugler und Gesellschafter Uwe Feser als Vertreter der Uwe-Feser-Kinderstiftung die „Geburtstagsspende“ in Höhe von 12.000 Euro. Dr. Dorothea Hobeck, Vorsitzende des Vereins Tigerauge, freute sich sehr. Mit ihrem Verein fördert Dr. Hobeck kontinuierlich die Arbeit des Kinderpalliativteams.

 

„Wir wollen von dem Geld ein fünftes Auto für unsere Hausbesuche anschaffen“, wünschte sich Dr. Chara Gravou-Apostolatou, Leiterin des Kinderpalliativteams, bei der Scheckübergabe. Die Mitglieder des ambulanten Teams, bestehend aus Ärztinnen, Pflegekräften, Psychologen, Seelsorgerinnen, Sozial- und Kunstpädagoginnen, haben bis heute mit ihren vier Fahrzeugen über 700.000 Kilometer in ganz Mittel- und Oberfranken zurückgelegt; 2.000 bis 3.000 Kilometer fahren sie pro Woche – auch während der Corona-Pandemie. Versorgt werden durchschnittlich 35 bis 40 Palliativpatienten – vom schwerst herzkranken Säugling bis hin zum jungen Erwachsenen mit Mukoviszidose. Zudem engagiert sich das Kinderpalliativteam sehr stark für das Wohlergehen von Eltern und Geschwisterkindern. „In Zeiten von Corona haben es Familien mit kranken Kindern doppelt schwer“, so Dr. Hobeck vom Verein Tigerauge. „Die Eltern müssen sich um ihr krankes Kind kümmern, haben jetzt vielleicht aber auch noch ein gesundes Klein- oder Schulkind zu Hause zu betreuen, haben mit Kurzarbeit, finanziellen Engpässen und anderen Sorgen zu kämpfen. Wir müssen diese Familien gerade jetzt stärker unterstützen“, forderte sie. Dabei liegt ihr insbesondere „KofferRaum“ am Herzen – ein kunstpädagogisches Projekt, bei dem die Geschwister von lebensverkürzt erkrankten Kindern kreativ ausdrücken, was ihnen gerade wichtig ist, und so ihre Trauer verarbeiten. Dafür bekommen sie separate Hausbesuche von einer Kunstpädagogin. Dorothea Hobeck bedankte sich bei Markus Kugler und Uwe Feser für die großzügige Spende. „Sie haben uns in der Vergangenheit bereits mit zwei Fahrzeugen für das Kinderpalliativteam unterstützt und sind nun erneut eine große Hilfe für die betroffenen Familien!“, sagte sie.

Weitere Informationen:

Dr. Chara Gravou-Apostolatou, Tel.: 09131/85-35982, kinderpalliativteam@uk-erlangen.de

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26.05.2020 Psyche in Alarmstufe Rot - FAU-Psychologe über die Auswirkungen des Shutdowns
Universitaet Erlangen-Nuernberg - Pressestelle

Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverbote, geschlossene Kindergärten und Schulen, Homeoffice, Kurzarbeit oder Jobverlust. Von einem Tag auf den anderen fanden sich die Menschen in Deutschland in einer extremen Ausnahmesituation wieder. Welche Folgen solche Belastungen auf uns haben können und wie man diesen begegnen kann, darüber Prof. Dr. Joachim Hornegger mit Professor Dr. Matthias Berking, der an der FAU den Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie leitet.


„Die Psyche schaltet in Alarmstufe Gelb oder Rot“, beschreibt Berking die Auswirkungen des Shutdowns. Denn Corona hindere uns in vielfältiger Weise daran, bestimmten Grundbedürfnisse nachzukommen wie materielle Existenzsicherung, körperliche Unversehrtheit, Orientierung, Kontrolle über unser Tun, persönliche Freiheit, Bindung, positive Erlebnisse wie Essen gehen oder Sport. Das löse Stresszustände aus, die sich wiederum in körperlicher Anspannung, Schlafstörungen etc. niederschlagen.

Auch die gesellschaftliche Spannung ließe sich, laut Berking, leicht erklären. „Nach dem ersten Schock treten andere Bedürfnisse wieder in den Vordergrund. Diese können aus persönlichen Interessen resultieren, wie kranken Eltern, die besonderen Schutz benötigen, oder dem Wunsch nach mehr persönlicher Freiheit.“  Der Punkt sei, mit welcher Aggressivität in der diese Diskussionen ausgetragen werden. Berking plädiert für Verständnis und dafür, sich in andere Sichtweisen hineinzuversetzen, weil die Anliegen anderer durchaus legitim seien.

Im Gespräch mit dem FAU-Präsidenten erläutert Professor Berking außerdem, was die unsichtbare Gefahr um uns herum mit uns macht und gibt Tipps gegen Corona-Stress. 

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25.05.2020 Forschungsstarker Innovationsstandort für KI und Medizin
Pressemeldung der FAU

Wissenschaftsminister Bernd Sibler zu Besuch am KI-Gesundheitsknoten Erlangen

Künstliche Intelligenz (KI) und Medizintechnik – zwei Zukunftsthemen, die untrennbar mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) verbunden sind: Seit mehr als 40 Jahren wird hier zu KI geforscht, im Bereich Medizintechnik genießt sie ebenfalls internationales Renommee. Kein Wunder also, dass an der FAU im Rahmen der Hightech Agenda Bayern (HTA) der KI-Gesundheitsknoten angesiedelt wurde. Was für Impulse heute und in Zukunft von dem KI-Gesundheitsknoten zu erwarten sind, davon hat sich der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler bei einem Besuch am 25. Mai selbst ein Bild gemacht.

„Die Etablierung des KI-Gesundheitsknotens Erlangen durch die HTA schafft für die FAU einzigartige Voraussetzungen, um hier einen führenden Forschungsstandort für KI in der Medizin und Gesundheit auszubauen“, sagt FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger. „Die FAU nutzt diese Chance, um Bayern als forschungsstarken Innovationsstandort für KI in Medizin und Gesundheit national und international sichtbar zu positionieren.“

„Die FAU Erlangen-Nürnberg ist traditionell stark sowohl in der Medizintechnik als auch in der KI. Die logische Folge ist, beide Bereiche miteinander zu verknüpfen. Bereits vor der HTA arbeiteten mehr als 60 Lehrstühle und Professuren an für die KI wichtigen Themenfeldern. Ich freue mich, dass wir im Rahmen der HTA zwölf neue KI-Professuren an der FAU einrichten und somit in Erlangen einen starken KI-Gesundheitsknoten knüpfen. Damit setzen wir gerade in Zeiten von Corona ein wichtiges Zeichen: Technologieförderung ist kein Selbstzweck, sondern muss dem Wohl der Menschen dienen“, erläutert der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler.

Bereits heute ist die FAU, und die Metropolregion Nürnberg insgesamt, ein Leuchtturm im Bereich Medizintechnik: So ist der an der FAU angesiedelte KI-Gesundheitsknoten Erlangen eingebettet in das Cluster „Medical Valley“, eine international anerkannte und leistungsfähige Netzwerkstruktur zwischen dem Universitätsklinikum Erlangen, der Medizinischen, der Technischen und der Naturwissenschaftlichen Fakultät der FAU sowie der Medizintechnik- und Gesundheitsindustrie in der Metropolregion mit über 500 Unternehmen. Durch die Hightech Agenda Bayern (HTA) wird der Standpunkt weiter gestärkt und ausgebaut: Insgesamt werden zwölf neue KI-Professuren an der FAU angesiedelt – acht davon am neu geschaffenen Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (AIBE), das den Kern des KI-Gesundheitsknoten bildet. Erst vor wenigen Tagen erhielt die FAU vier weitere neue Professuren aus der HTA: eine im Bereich der sensornahen Informatik und Sprachverarbeitung, eine im Bereich der Nano- und Materialwissenschaften und gleich zwei im Bereich KI in der Medizin.

d.hip: Gemeinsam Digitalisierung in Medizin und Gesundheitswesen voranbringen

Wissenschaftsminister Bernd Sibler war nun nach Erlangen gekommen, um sich selbst ein Bild über die Aktivitäten am KI-Knotenpunkt zu machen. Der „Rundgang“ fand dabei – wie kann es in Corona-Zeiten anders sein – zum Großteil virtuell statt. Wissenschaftsminister Bernd Sibler, FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger und Tobias Zobel, Directing Manager des d.hip, trafen sich jedoch an einem besonderen Ort: in den Räumen der „Digital Health Innovation Platform“ – kurz d.hip: eine Gründung der FAU gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Erlangen, Siemens Healthineers und dem Medical Valley. Ihr Ziel ist es, die Digitalisierung der Medizin und des Gesundheitswesens aktiv voranzubringen und dabei als Plattform für die transdisziplinäre Entwicklung neuer Produkte und Lösungen zu dienen. So wurde beispielsweise am Uni-Klinikum Erlangen ein Datenintegrationszentrum geschaffen, um medizinische Daten der regionalen Projekte und Gesundheitsdienstleister einer nachhaltig strukturierten KI-Analyse zuzuführen. Über das d.hip werden zudem Junior-Professuren für den Bereich Digital Health und Medizinische Datenanalyse finanziert.

Weitere Akteure aus dem KI-Gesundheitsknoten wurden virtuell zugeschaltet: Dr. Bernd Montag, CEO von Siemens Healthineers, erklärte, wie Spitzenforschung im Schulterschluss mit Technologieunternehmen zum Erfolg führt.

Prof. Dr. Andreas Maier, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik 15 (Machine Intelligence) an der FAU, stellte sein durch einen ERC Synergy Grant gefördertes Projekt „4D+nanoSCOPE“ zur Entwicklung eines neuen bildgebenden Verfahren vor. Es soll erstmals Röntgenmikroskopie am lebenden Menschen ermöglichen. Das interdisziplinäre Projekt, das er zusammen mit dem Uni-Klinikum Erlangen und dem Helmholtz-Zentrum in Berlin durchführt, soll das Wissen über Osteoporose revolutionieren und schnellere Therapieerfolge ermöglichen. (Ausführliche Pressemeldung: https://www.fau.de/2018/10/news/wissenschaft/eu-foerderung-zur-entwicklung-eines-neuartigen-roentgenmikroskops/)

Das digitale Angebot in der medizinischen Versorgung für Schwangere verbessern – das ist das Ziel des Projekts „SMART Start“ von Prof. Dr. Björn Eskofier, Lehrstuhl für Informatik 14 (Maschinelles Lernen und Datenanalytik) an der FAU. Zusammen mit dem Uni-Klinikum sollen hier die Grundlagen für einen Ausbau des digitalen Angebots in diesem Bereich erforscht werden. So ließe sich der Aufwand für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen reduzieren, denn für Schwangere könnten so etliche Besuche in der Arztpraxis entfallen. (Ausführliche Pressemeldung: https://www.fau.de/2020/02/news/wissenschaft/smart-durch-die-schwangerschaft/)

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25.05.2020 Kinder und Jugendliche in der Covid-19-Pandemie nicht isolieren
Pressestelle Bayerische Landesärztekammer

„Schulen und Kitas sollen wieder geöffnet werden“, das fordert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder- und Jugendliche stellten im Gegensatz zu Senioren- und Pflegeheimen keine Hochrisikoumgebung dar. Auch Kinder und Jugendliche mit bestimmten Grunderkrankungen können – nach individueller ärztlicher Abwägung – wieder Schulen und Kitas besuchen. Der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern und die allgemeinen Hygieneregeln stünden dem nicht entgegen. Einem Abstandsgebot könne man umso mehr Rechnung tragen, wenn man die Klassenstärken reduziere.

Zwar stelle das Virus für junge Menschen meist keine akute gesundheitliche Bedrohung dar, doch die psychischen Auswirkungen des „Lockdowns“ könnten in manchen Fällen umso tiefgreifender sein. Gerade kleine Kinder seien eine wichtige Zielgruppe, die im öffentlichen Diskurs nur wenig Gehör finde. „Ganz alltägliche – jedoch aktuell sehr präsente – Probleme wie Langeweile, Einsamkeit und Stress stellen für die Kinder einen Ausnahmezustand dar. Sie leiden besonders unter der Krise. Dabei sind gerade sie durch die Einschränkungen und Veränderungen oftmals besonders belastet“, so der BLÄK-Präsident. „Es fehlen auf der einen Seite soziale Kontakte, auf der anderen Seite Unterstützung“, warnt Quitterer. Familien seien vielfach überfordert und überlastet. Dazu komme eine Schule, die Onlinepräsenz verlange und Kinder mit Arbeitsblättern überhäufe. Das seien alles Faktoren, die die Stressbelastung der Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien erhöhten.

Pressestelle

07.05.2020 Pandemie und Ökologie
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Im aktuellen Leitartikel des Bayerischen Ärzteblatts thematisiert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), neben den Fragen, ob die Fußballbundesliga – mit Covid-19-Tests – wieder anlaufen und es Lockerungen der Besuchsregeln für die Bewohner von Pflegeheimen geben soll, vor allem das Thema Klimaschutz. Was nicht geschehen dürfe: Ökologie und Pandemie gegeneinander auszuspielen. Quitterer: „Der Corona-Shutdown hat uns fest im Griff. Sicherheitsmaßnahmen gegen die Verbreitung des Virus schränken das gewohnte Leben massiv ein – und das weltweit. Für die Wirtschaft ist das ein Desaster. Der wirtschaftlichen Misere könnte eine ökologische folgen, falls international vereinbarte Umwelt- und Klimaschutzziele bei der ökonomischen Aufholjagd nach der Pandemie hintangestellt werden.

 Es würde sich lohnen, sich einmal Gedanken darüber zu machen, wie wir unsere wirtschaftlichen Aktivitäten nachhaltig umgestalten könnten, um unsere vielfältig unser Lebensumfeld zerstörende Produktion zurückzufahren und zugleich Arbeitsplätze in sozial und gesellschaftlich sinnvolleren Tätigkeiten langfristig zu sichern.

 Die Gesellschaft werde nach COVID-19 eine andere sein. „Es erscheint mir unmöglich, einfach die Reset-Taste zu drücken und in den früheren Zustand des Jahres 2019 zurückzukehren. Unsere Gesellschaft benötigt vielmehr eine innovative Zukunftsperspektive, bei der multiple Zielkonflikte zu bewältigen sein werden. Wohin muss sich unsere Gesellschaft entwickeln, um künftig krisenfester zu sein?“, fragt der BLÄK-Präsident weiter.

Dafür sollten notwendige Konjunkturhilfen und Investitionspakete auch ökologische Ziele wie die Klimaneutralität fördern.

 Mehr zu „Pandemie und Ökologie“ lesen Sie im Leitartikel der Maiausgabe 2020 des Bayerischen Ärzteblatts unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

07.05.2020 Wie ein FAU-Forschungsteam an einem Covid-Impfstoff forscht
Pressemeldung der FAU

Hoffnung auf baldige Normalität?

Wie ein FAU-Forschungsteam an einem Covid-Impfstoff forscht

Nichts Geringeres als die Entwicklung einer passiven Impfung gegen Covid-19 hat sich ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) und ihre Partner vorgenommen. Im Interview mit FAU-Präsident Prof Dr. Joachim Hornegger erklärt Professor Dr. Hans-Martin Jäck, Leiter der Abteilung für Molekulare Immunologie, das ambitionierten Projekt – und auch, warum das Erlanger Team in seiner wissenschaftlichen Arbeit so weit fortgeschritten ist.

Schon 1890 wurde das Prinzip der passiven Impfung erfunden und innerhalb von nur zwei Jahren in die Klinik übertragen – zum Schutz gegen Tetanus. Ziel der Erlanger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute ist es, unter anderem medizinisches Personal, Betreuer in Alten- und Pflegeheimen sowie Hochrisikopatienten zu schützen und schwer an einer Covid-19-Infektion erkrankte Patientinnen und Patienten zu therapieren.

 Ausführliche Informationen zum Projekt gibt es hier:

https://www.fau.de/2020/04/news/wissenschaft/fau-forscher-sind-einer-impfung-gegen-covid-19-auf-der-spur/

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05.05.2020 Vergabe medizinischer Ressourcen im Falle eines Kapazitätenmangels
Pressemeldung der Bundesärztekammer

Entscheidungen an Indikation, Patientenwillen und Erfolgsaussicht ausrichten

Berlin, 05.05.2020 – „Das Gesundheitssystem in Deutschland ist zum jetzigen Zeitpunkt weit von einer Überlastung durch die Corona-Pandemie entfernt. Dennoch müssen wir personell und strukturell auf eine mögliche zweite Welle vorbereitet sein. Dazu gehört auch, Ärztinnen und Ärzten wichtige rechtliche und ethische Orientierungshilfen zu geben, wenn sie im Fall knapper Behandlungs-kapazitäten schwierige Entscheidungen über die Vergabe medizinischer Ressourcen treffen müssen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt anlässlich der Vorstellung einer Orientierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte zur Allokation medizinischer Leistungen im Falle eines
Kapazitätenmangels.

Nach Überzeugung der Bundesärztekammer (BÄK) handeln Ärztinnen und Ärzte rechtmäßig, wenn sie in einer Situation existentieller Knappheit unter sorgfältiger Berücksichtigung der ärztlichen Berufsordnung und des aktuellen Standes der medizinischen Erkenntnisse einzelfallbezogene Entscheidungen über die Vergabe intensivmedizinischer Ressourcen treffen müssen.

Für den Fall notwendiger Priorisierungsentscheidungen sollten diese so getroffen werden, dass die Erfolgsaussichten mit Blick auf das Überleben und die Gesamtprognose möglichst groß sind und
die meisten Menschenleben gerettet werden könnten. Grundsatz müsse immer sein, dass kein Menschenleben mehr wert sei als ein anderes. „Es verbieten sich Benachteiligungen aufgrund von
zum Beispiel Alter, Geschlecht, Nationalität, Behinderung oder sozialem Status“, so die BÄK. Auch chronische Erkrankungen wie Demenz dürften nicht zu einem pauschalen Ausschluss von
erforderlicher Behandlung führen. Vielmehr müssten die medizinische Indikation, der Patientenwille und die klinischen Erfolgsaussichten zentrale Kriterien für die Entscheidung angesichts knapper Ressourcen sein. Diese würden auch für die Entscheidung über die Fortführung einer Intensiv- oder
Beatmungstherapie gelten.

Die Bundesärztekammer betont in ihrer Orientierungshilfe, dass Patientenverfügungen im Vorfeld einer Erkrankung oder in einer frühen Erkrankungsphase auch und gerade im Zusammenhang
mit der SARS-CoV-2-Pandemie von großer Bedeutung seien. Die BÄK betont außerdem, dass es innerhalb und außerhalb der Bedingungen von Knappheit und Pandemie keine ärztliche
Verpflichtung zur aktiven Lebenserhaltung unter allen Umständen gebe. Ärztinnen und Ärzte würden keine Maßnahmen ergreifen, die unter den individuellen Umständen nicht oder nicht mehr
indiziert sind, heißt es in dem Papier. „Indizierte Maßnahmen werden unterlassen oder begrenzt und eine begonnene medizinische Behandlung wird beendet, wenn dies dem tatsächlichen oder mutmaßlichen Patientenwillen entspricht und dazu dient, einem ohne Behandlung zum Tode führenden Krankheitsprozess seinen Lauf zu lassen. Alle Patientinnen und Patienten können sich auch unter den Bedingungen von Knappheit und Pandemie weiter darauf verlassen, dass das
Handeln ihres Arztes niemals darauf ausgerichtet ist, gezielt den Tod des Patienten herbeizuführen“, so die BÄK.

Im Anhang zu ihrer Orientierungshilfe listet die Bundesärztekammer zudem grundlegende Leitfragen auf, die Kliniken und Ärzte bei einem existentiellen Mangel medizinischer Ressourcen beantworten sollten, um im Ernstfall verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen zu können.

Das Papier kann im Internet abgerufen werden: Orientierungshilfe der Bundesärztekammer zur Allokation medizinischer Ressourcen am Beispiel der SARS-CoV-2-Pandemie im Falle eines Kapazitätsmangels

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04.05.2020 Riesling für das Immunsystem? Wie Alkohol in Maßen fehlerhafte Immunreaktionen günstig beeinflusst
uni | mediendienst | forschung Nr. 27/2020

Übermäßiger Alkoholkonsum ist schlecht für die Gesundheit. Moderate Mengen von Alkohol können sich aber unter Umständen günstig auf die Gesundheit auswirken. In einer gerade in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Arbeit* zeigt ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), dass Alkohol das Immunsystem in einer sehr spezifischen Art und Weise moduliert und dabei die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen hemmt.


Über die berauschende Wirkung von Alkohol wird viel berichtet. Ein Studienteam um Prof. Dr. Mario Zaiss vom Lehrstuhl für Innere Medizin III der FAU ist einer weniger bekannten Eigenschaft von Alkohol nachgegangen – seiner Wirkung auf das Immunsystem. In der medizinischen Fachliteratur gibt es zahlreiche Hinweise, dass Alkohol ein gestörtes Immunsystem günstig beeinflussen kann: Bereits 1995 wurde berichtet, dass bei Patientinnen und Patienten mit einer transplantierten Leber, die einen moderaten Alkoholkonsum aufweisen, das Risiko einer Abstoßungsreaktion deutlich geringer ist als bei abstinenten Personen. Darüber hinaus haben mehrere große epidemiologische Studien gezeigt, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Risiko für die Entwicklung von Gelenkrheuma, also rheumatoide Arthritis, als auch von Multipler Sklerose senkt. Beide Erkrankungen sind Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem das körpereigene Gewebe angreift und zerstört. Ein wichtiger Faktor in diesem Prozess sind spezielle Immunzellen, die follikulären T-Helferzellen, die in den Lymphknoten und im entzündlichen Gewebe sitzen und Autoimmunreaktionen auslösen.

Wie Alkohol auf das Immunsystem wirkt

In der Arbeit konnte das Team nun erstmals zeigen, wie Alkohol überschießende Immunreaktionen hemmt, die zu Autoimmunerkrankungen wie Gelenkrheuma und Multiple Sklerose führen. Alkohol wird im Körper zum Wirkstoff Acetat abgebaut, welcher die Funktion follikulärer T-Helferzellen und somit Autoimmunkrankheiten hemmt. Dabei reagieren follikuläre T-Helferzellen offensichtlich sehr empfindlich auf Acetat, welches den Stoffwechsel dieser Zellen nachhaltig verändert und die Produktion des Immunbotenstoffes Interleukin-21 unterdrückt. Alkohol in moderaten Mengen wirkt damit nicht generell immunsuppressiv, sondern vielmehr sehr spezifisch auf eine Sorte von Immunzellen, die als Schaltstelle für das erworbene Immunsystem gilt. Prof. Zaiss gibt jedoch zu bedenken: „Die negativen Effekte übermäßigen Alkoholkonsums sollten auch im Lichte dieser Daten nichtsdestotrotz immer bedacht werden, auch wenn moderater Alkoholgenuss positive gesundheitliche Effekte zeigen und gerade bei Autoimmunerkrankungen einen therapeutischen Immuntoleranzeffekt erzeugen kann.“ Dieser Effekt dürfte insbesondere für die klinische Beobachtung verantwortlich sein, dass bei jenen Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis, die regelmäßig Alkohol konsumieren, deutlich seltener Erkrankungsschübe auftreten.

Die Arbeit entstand im Rahmen der Forschergruppe PANDORA sowie des Sonderforschungsbereich SFB1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ an der FAU, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt werden. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind Teil des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen der FAU.

Link zum Sonderforschungsbereich 1181: www.sfb1181.forschung.fau.de

Link zur Forschergruppe PANDORA: www.pandora.for2886.forschung.fau.de

Link zum Deutschen Zentrum Immuntherapie: www.dzi.uk-erlangen.de

* https://doi.org/10.1038/s41467-020-15855-z

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Georg Schett      georg.schett@uk-erlangen.de

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04.05.2020 Hightech Agenda Bayern: FAU richtet KI-Department ein
uni | mediendienst | aktuell Nr. 45/2020

Neue Forschungseinheit „Artificial Intelligence in Biomedical Engineering“ stärkt KI-Gesundheitsknoten Erlangen

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gründet zum 1. Mai 2020 an ihrer Technischen Fakultät unter dem Namen Artificial Intelligence in Biomedical Engineering (AIBE) ein eigenes Department für Forschung und Lehre zu Künstlicher Intelligenz (KI) im Umfeld Gesundheit. Damit nutzt die Universität die Professuren, die sie im Rahmen der Hightech Agenda Bayern für die Verstärkung des KI-Gesundheitsknotens Erlangen erhalten hat, für ein ganz entscheidendes Stück Hochschulinnovation: Sie verzichtet auf die klassische Lehrstuhlstruktur. Damit schafft die FAU beste Voraussetzungen für internen Austausch und Kooperationen. Besonders wichtig ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Naturwissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät. Die Professuren arbeiten entlang der drei definierten Forschungsbereiche „Prozesse am Menschen“, „Daten, Sensoren und Geräte“ sowie „Medizinrobotik“.

Das neue Department soll auch personell maximale Schlagkraft entwickeln können: Zusätzlich zu den acht Professuren aus der Hightech-Agenda verstärkt die FAU das Department um vier Juniorprofessuren, die thematisch offen ausgeschrieben werden, sowie um vier weitere Juniorprofessuren zum Thema Digital Health.

Thematisch nimmt die FAU mit ihrem neuen Department die großen Herausforderungen im Umfeld digitaler Gesundheitsversorgung ins Visier.

Im Forschungsbereich „Prozesse am Menschen“ forschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an medizinischen Prozessen, etwa in der Präzisionsmedizin oder in der digitalen medizinischen Versorgung im häuslichen Umfeld. Weitere Themen sind die Neurosensorik, personalisierte Therapie sowie digitale Diagnose und Therapie.

Der Forschungsbereich „Daten, Sensoren und Geräte“ widmet sich Themen der Mensch-Technik-Interaktion, so zum Beispiel bei der autonomen und intelligenten Datenakquisition oder bei der Integration, Darstellung und Visualisierung von Daten. Ebenfalls im Fokus stehen Methoden für die Bioinformatik und intelligente Materialien und Sensorik.

Im Forschungsbereich „Medizinrobotik“ schließlich steht neben der medizinischen Robotik – beispielhaft symbolisiert durch Pflege- oder Chirurgieroboter – die intelligente Prothetik im Mittelpunkt. Letzterer Bereich wird bei den Wearable Robotics sichtbar.

AIBE bildet so die Basis für die nachhaltige und sichtbare Etablierung des KI-Gesundheitsknotens Erlangen, wie in der Hightech Agenda Bayern vorgesehen.

Auch die Gesamtorganisation des neuen Departments passt zu dem innovativen Struktur-Piloten. Eine Geschäftsstelle unterstützt das neue Department in der Administration. Im Bereich der Technik arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer gemeinsamen Technik-/Werkstatteinheit zusammen. Weiterhin werden Planstellen, Flächen und Räume nicht mehr, wie bisher in vielen Bereichen der FAU und anderen deutschen Universitäten üblich, Lehrstühlen zugewiesen, sondern sind direkt dem Department zugeordnet und werden von dort aus bestmöglich und höchst effizient eingesetzt.

Dank der KI-Professuren aus der Hightech Agenda Bayern haben wir die einmalige Chance, eine innovative Struktur zu schaffen, die wir uns an der FAU seit Längerem wünschen, die sich aber aus naheliegenden Gründen in einem bestehenden System nicht umsetzen lässt“, sagt FAU-Präsident Joachim Hornegger. „Wir sehen unser neues Department Artificial Intelligence in Biomedical Engineering – kurz AIBE – auch als Pilotversuch für eine zukunftsorientierte, moderne universitäre Organisation. Ich bin mir sicher, unsere KI-Forschung wird durch die Gründung dieses Departments neuen Zuschnitts einen weiteren immensen Schub bekommen.“ Damit profitiere die FAU, so Hornegger, gleich in zweifacher Hinsicht von der Hightech Agenda Bayern – forscherisch und organisatorisch.

Auch für künftige Studierendengenerationen ist die Gründung von AIBE eine gute Nachricht: Das neue Department wird einen neuen konsekutiven Bachelor-/Master-Studiengang Artificial Intelligence (AI) einrichten. Damit schafft die FAU gezielt neue Hightech-Studienplätze für Bayern und KI-Nachwuchs für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Dazu Prof. Dr. Andreas Fröba, Dekan der Technischen Fakultät der FAU: „Die FAU mit ihrer starken Technischen Fakultät ist gerade in den Technikwissenschaften schon jetzt bei Studierenden sehr gefragt. Mit einem Studiengang Artificial Intelligence, der sehr gezielt die unterschiedlichen Perspektiven rund um das große Zukunftsthema KI aufgreift, bietet die FAU hier eine weitere tolle Chance für junge Menschen, genau die Kompetenzen zu erwerben, die unsere Gesellschaft nach vorne bringen und nach denen der Arbeitsmarkt verlangt.“

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22.04.2020 FAU-Forscher sind einer Impfung gegen Covid-19 auf der Spur
uni | mediendienst | forschung Nr. 24/2020

Nichts Geringeres als die Entwicklung einer passiven Impfung gegen Covid 19 hat sich ein Forscherteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) und ihre Partner vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig sowie vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen vorgenommen. Ziel des ambitionierten Projektes ist es, monoklonale Antikörper zu entwickeln, mit denen zum Beispiel medizinisches Personal, Betreuer in Alten- und Pflegeheimen sowie Hochrisikopatienten geschützt werden können. Außerdem könnten sich solche Antikörper eignen, schwer an einer Covid-19-Infektion erkrankte Patienten zu therapieren. Im Rahmen des Förderaufrufs zur Erforschung von Covid 19 wird das interdisziplinäre Projekt vom Bundesforschungsministerium ab Mai mit 500.000 Euro unterstützt.

Bei einer passiven Impfung, wie sie die FAU-Forscher anstreben, werden den Patienten Antikörper injiziert, die sich bei einer möglichen Infektion gegen einen ganz speziellen Krankheitserreger richten. Die Immunität gegen die Krankheit bleibt allerdings nur eine begrenzte Zeit erhalten, da der Körper die Antikörper nach und nach wieder abbaut. Eine aktive Immunisierung bedeutet hingegen, dass den Patienten ein abgeschwächter Erreger oder dessen Bestandteile geimpft werden. Der Körper lernt so, die passenden Antikörper selbst zu bilden und behält diese Fähigkeit bestenfalls ein Leben lang.

„Natürlich ist ein aktiver Impfstoff die bessere Alternative“, erklärt Prof. Dr. Thomas Winkler vom Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin der FAU. „Doch bis dieser zur Verfügung steht, ist ein passiver Schutz eine sehr gute Option für bestimmte Risikogruppen. Wir rechnen bei dieser passiven Impfung mit einem Schutz von etwa zwei bis drei Monaten.“

Wichtige Vorarbeiten bereits abgeschlossen
Mehr als 25 Antikörper, die sich für einen Impfstoff eignen könnten, haben die FAU-Wissenschaftler bisher identifiziert. Die Dringlichkeit ihres Projektes fest im Blick, sind sie bei ihrer Suche zwei Wege parallel gegangen. 

Das Team um Prof. Dr. Thomas Winkler hat die ersten deutschen Covid-19-Patienten, die bereits Ende Januar erkrankten, um Blutproben gebeten und diese analysiert. In den Blutproben von fünf Genesenen haben die Biologinnen und Biologen rund 2.000 verschiedene Antikörpergene identifiziert. Von 20 bisher getesteten Antikörpern sind etwa ein Drittel gegen das Corona-Virus gerichtet. Prof. Dr. Hans-Martin Jäck, Leiter der Abteilung für Molekulare Immunologie, und sein Team haben Antikörper aus genveränderten Mäusen gewonnen. Die Mäuse, die von Prof. Jäck in Zusammenarbeit mit der Biotech-Firma Trianni in Erlangen entwickelt wurden, wurden dazu mit Bestandteilen des Corona-Virus geimpft und bildeten aufgrund ihrer genetischen Veränderung menschliche Antikörper aus. Auch hier wurden bereits 20 Antikörper identifiziert, die gegen das Corona-Virus gerichtet sind.


Die besten dieser Antikörper werden nun von den Virologen der FAU um den Leiter des Virologischen Instituts, Prof. Dr. Klaus Überla, auf ihre Fähigkeit, die Virusinfektion im einem Zellkultursystem zu verhindern, getestet. Dabei sucht das FAU-Team nach einer ganz bestimmten Fähigkeit: Die Antikörper müssen sich an das so genannte Spike-Protein des Covid-19-Virus binden und dieses so möglichst komplett deaktivieren.

Das Spike-Protein ist die schärfste Waffe und gleichzeitig die Schwachstelle des Corona-Virus: Das Virus braucht das Protein, damit es eine Zelle befallen kann. Allerdings können Antikörper das Virus anhand des markanten Spike-Proteins erkennen, sich daran binden und es das Eindringen des Virus in die Zelle verhindern.

Im nächsten Schritt übernehmen die Partner am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen, wo getestet wird, ob die Ergebnisse, die aus Zellkulturen gewonnen werden, sich auch im Tierversuch bestätigen lassen. Die beteiligten Wissenschaftler betonen, dass mit ersten klinischen Studien an menschlichen Patienten frühestens in sechs Monaten zu rechnen sei, betonen die Wissenschaftler. „All dies sind unerlässliche Schritte auf dem Weg, schon bald Patienten mit der möglichen passiven Impfung behandeln zu können, der sicher, verträglich und vor allem wirksam ist“, sagt Professor Winkler. „Entscheidend ist allerdings auch, dass wir zeitnah Biotech- oder Pharmafirmen mit Erfahrung in der Herstellung und Zulassung von Antikörper-Therapeutika einbinden. Mit etwas Glück könnte dann in neun Monaten ein passiver Impfstoff bereitstehen.“

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22.04.2020 Entzündungshemmende Medikamente schützen vor COVID-19
uni | mediendienst | forschung Nr. 25/2020

Patientinnen und Patienten mit Immunkrankheiten, die sogenannte Zytokin-Hemmer einnehmen, zeigen keine Anzeichen einer Coronavirus-Infektion

 COVID-19 führt zu einer ähnlichen überschießenden Immunreaktion in der Lunge wie Rheuma, Schuppenflechte oder Darmentzündungen in den jeweiligen betroffenen Organen. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat nun in einer Studie gezeigt, dass Medikamente, die gegen die Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden, sogenannte Zytokin-Hemmer, COVID-19-Infektionen hemmen, bevor die Viren sich im Körper ausbreiten können.

COVID-19 löst eine überschießende Immunreaktion aus, die zu einer Entzündung der Lungenbläschen führt, was wiederum den Gasaustausch in der Lunge empfindlich stört. Diese Entzündungsreaktion wird durch Botenstoffe (Zytokine) ausgelöst, die von den Lungen- und Immunzellen produziert werden. Mehrere dieser Botenstoffe, wie Tumornekrosefaktor alpha (TNFα), Interleukin-6 und Interleukin-1, spielen auch bei Erkrankungen wie Rheuma, Darmentzündung sowie Schuppenflechte eine wesentliche Rolle und werden bereits heute mit speziellen Therapeutika, sogenannten Zytokin-Hemmern, behandelt.

Prof. Dr. Georg Schett, Lehrstuhl für Innere Medizin III, Prof. Dr. Michael Sticherling, Lehrstuhl für Haut- und Geschlechtskrankheiten, und Prof. Dr. Markus Neurath, Lehrstuhl für Innere Medizin I und Sprecher des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen der FAU, haben in den vergangenen drei Wochen 1000 Probandinnen und Probanden auf Antikörper gegen COVID-19 untersucht. Unter den Testpersonen waren Patientinnen und Patienten mit Immunerkrankungen, die Zytokin-Hemmer einnehmen, sowie Kontrollpersonen aus dem medizinischen Bereich. Das Ergebnis: Während ca. 4 Prozent der medizinisch-tätigen und 2 Prozent der nicht-medizinisch-tätigen Kontrollpersonen Antikörper gegen Coronavirus nachwiesen, hatte niemand der an Rheuma, Darmentzündung oder Schuppenflechte leidenden Patientinnen und Patienten Antikörper gegen das Coronavirus im Blut. „Es scheint, dass die Zytokin-Hemmer die Infektion mit SARS-COV-2-Viren von Anfang an einschränken, so dass keine Antikörper gebildet werden“, sagt Prof. Schett.

Personen mit Rheuma, Darmentzündung oder Schuppenflechte sind somit nicht als Risikogruppe für COVID-19 zu betrachten, sondern dürften aufgrund ihrer Therapie vor der Krankheit geschützt sein. Derzeit sind Zytokin-Hemmer, die bei Immunkrankheiten eingesetzt werden, in Erprobung zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit COVID-19. Die Ähnlichkeiten der molekularen Mechanismen von COVID-19 und chronischen Entzündungen hat das Forschungsteam bereits im Fachjournal Nature Review Immunology beschrieben: https://doi.org/10.1038/s41577-020-0312-7

Weitere Informationen: Prof. Dr. Georg Schett     Lehrstuhl für Innere Medizin III

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21.04.2020 Psychische Belastungen in der Coronavirus-Krise Erlanger Psychosomatik startet Online-Befragung für medizinisches Personal
uni | mediendienst | aktuell Nr. 42/2020

Viele Menschen fühlen sich in Zeiten von Corona ängstlich, unsicher, gestresst und angespannt. Ärzte und Pflegekräfte stehen in der Coronavirus-Krise vor besonders großen Herausforderungen. Prof. Dr. (TR) Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, und ihr Team untersuchen deshalb nun, welchen Belastungen das medizinische Personal deutscher Kliniken sowie Arzt- und Therapiepraxen während der COVID-19-Pandemie ausgesetzt ist und welche individuellen Ressourcen und Arbeitsplatzbedingungen dazu beitragen, die Krise gut zu bewältigen. Der Online-Fragebogen zur Studie „VOICE: Belastungen und psychische Ressourcen des medizinischen Personals während der COVID-19-Pandemie“ ist ab sofort bis 11. Mai 2020 abrufbar unter: https://ww2.unipark.de/uc/VOICE_Uniklinikum_Erlangen/

Studien während des SARS-CoV-2-Ausbruchs in China zeigten bereits: Das dortige Personal war körperlich und psychisch sehr angespannt. Dabei trugen zum Beispiel die Art der Tätigkeit und der permanente Kontakt mit Infizierten zu Angst, Depressionen und Schlafstörungen bei den Beschäftigten bei. Doch am belastendsten für das chinesische medizinische Personal war nicht die Angst, sich selbst anzustecken, sondern vielmehr der Mangel an Schutzkleidung und fehlende Ruhephasen. Zudem empfanden es die Beschäftigten als große Herausforderung, nicht ausreichend auf die Sorgen der Patienten reagieren zu können.

„Aus unserer Studie erhoffen wir uns jetzt Erkenntnisse darüber, welche Ressourcen in solchen Ausnahmezuständen schützend wirken“, erklärt Prof. Erim. „In zukünftigen Krisen könnten wir dann Hilfsangebote, die ressourcenstärkend sind, schon vorbeugend einleiten und die Mitarbeiter gezielt psychologisch unterstützen.“ Dazu untersuchen Yesim Erim und ihre Kolleginnen u. a. Arbeitsbedingungen, konkrete Tätigkeiten am Arbeitsplatz, potenzielle Auslöser für Stress, soziale Unterstützung sowie Symptome von Angst und Depression.

 

Die Beantwortung der VOICE-Fragen dauert etwa zehn Minuten. Teilnehmen können niedergelassene und angestellte Ärzte, Pflegekräfte, Psychologen, Seelsorger, medizinisch-technisches Personal und andere in der direkten Patientenversorgung tätige Mitarbeiter. Die Teilnehmer müssen mindestens 18 Jahre alt sein und gute Deutschkenntnisse besitzen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. (TR) Yesim Erim      Tel.: 09131/85-35928

yesim.erim@uk-erlangen.de

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21.04.2020 Weltweite Studie: Wie beeinflusst Covid19 den Geruchs- und Geschmackssinn?
uni | mediendienst | forschung Nr. 23/2020

FAU-Geruchsforscherinnen beteiligt an internationalem Konsortium

Sie schmecken nichts mehr und sie riechen nichts mehr: In den vergangenen Wochen mehren sich die Hinweise, dass das Coronavirus bei Erkrankten zeitweise den Geruchs- und den Geschmacksinn ausschaltet. Das Global Consortium for Chemosensory Research (GCCR), ein Konsortium von mehr als 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt, hat jetzt eine breit angelegte Online-Studie gestartet, die erfassen soll, wie Covid-19-Patientinnen und -Patienten den Verlust von Geruch und Geschmack, aber auch eine Veränderung des sensitiven Empfindens im Mund während der Erkrankung, erleben. Von Seiten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) arbeiten Prof. Dr. Jessica Freiherr, Professorin für Neurowissenschaften der sensorischen Wahrnehmung, und Prof. Dr. Andrea Büttner, Inhaberin des Lehrstuhls für Aroma- und Geruchsforschung, an der Untersuchung mit.


„Es gibt inzwischen einige Veröffentlichungen zum mutmaßlichen Covid-19-Symptom des Geruchs- und Geschmacksverlusts. Demnach leiden wohl rund 80 Prozent der Patientinnen und Patienten daran“, sagt Jessica Freiherr. Eine groß angelegte Studie dazu stehe bislang allerdings aus. Dabei wären valide Zahlen auf globalem Niveau wichtig, um zu bewirken, dass der Verlust von Geruchs- und Geschmacksinn offiziell in die Liste der Symptome bei Covid-19-Erkrankungen aufgenommen wird. Das würde medizinischen Einrichtungen eine Grundlage geben, auch Patientinnen und Patienten auf Covid-19 zu testen, bei denen dieses Symptom im Vordergrund steht, die Erkrankung ansonsten aber eher symptomlos verläuft.

Von der Studie, an der neben den Geruchsforscherinnen auch Vertreterinnen und Vertreter aus Disziplinen wie Neurowissenschaften, Psychologie oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, beteiligt sind, verspricht sich Freiherr einen tiefen Einblick in ein bislang unterschätztes Symptom: „Da Geruchsverlust auch bei einer herkömmlichen Erkältung – etwa dem klassischen Schnupfen mit verstopfter Nase – auftreten kann, ist es für die Forschung wichtig, die Zusammenhänge genauer zu verstehen, vor allem auch, wie intensiv das Symptom wahrgenommen wird und wie lange und häufig es auftritt.“

Für repräsentative Ergebnisse werden noch viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Deutschland gesucht, die in den vergangenen Wochen entweder eine Covid-19-Infektion oder eine herkömmliche Erkältung (Kontrollgruppe) durchgemacht haben und bereit sind, anonym eine ca. zehn Minuten dauernde Online-Befragung zu absolvieren.

Interessenten finden die Befragung hier: http://bit.ly/2yFCwLJ

Ein Log-in oder Account sind dafür nicht nötig. 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Jessica Freiherr

Professur für Neurowissenschaften der sensorischen Wahrnehmung der FAU

jessica.freiherr@fau.de

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20.04.2020 Aus für telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) äußert Unverständnis über die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die telefonische Krankschreibung bei Patienten mit leichten Atemwegsbeschwerden nicht zu verlängern. „Das Ende der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per Telefon gefährdet medizinisches Personal und Patienten“, ist Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK, überzeugt.So müssten ab dem heutigen Montag, den 20. April 2020, die Patientinnen und Patienten mit einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege wieder in die Arztpraxis gehen, um eine Krankschreibung zu erhalten. Das hat der G-BA entgegen dem einhelligen Votum von Kliniken und Vertragsärzten beschlossen. Quitterer kritisiert diese Entscheidung: „Das ist unverantwortlich.“

Man könne zunächst nicht unterscheiden, ob diese Patienten lediglich an einem harmlosen Infekt oder an COVID-19 erkrankt seien. Die Dunkelziffer der Erkrankten sei nicht bekannt.

„Die bayerischen Vertragsärzte benötigen weiterhin die Möglichkeit der telefonischen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit bei leichten Atemwegserkrankungen. So verringern wir das Risiko der Virusweitergabe an andere Patienten und Mitarbeiter aller Bereiche im Krankenhaus und Praxen“, betont Quitterer.


Pressestelle

Bayerische Landesärztekammer
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20.04.2020 Exit-Szenarien im Simulationsmodell
uni | mediendienst | forschung Nr. 22/2020

 

Exit-Szenarien im Simulationsmodell

Informatiker der FAU berechnen Dynamik der Corona-Pandemie

Der Exit aus dem Corona-Lockdown bestimmt die aktuelle politische und öffentliche Debatte. Über die Wirkung von Lockerungsmaßnahmen wird viel spekuliert, verlässliche Prognosen hingegen gibt es kaum. Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) um Prof. Dr. Reinhard German hat jetzt eine detaillierte Modellierung der COVID-19-Pandemie vorgenommen und mögliche Strategien zur kontrollierten Rücknahme von Einschränkungen abgeleitet. Ihre Erkenntnisse hat die Gruppe in einem Preprint veröffentlicht.*

Ohne drastische Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ist eine Überlastung des deutschen Gesundheitssystems zu befürchten und das Leben vieler Menschen in Gefahr. Sicher ist auch, dass ein über Monate andauernder Lockdown gewaltigen ökonomischen und sozialen Schaden anrichten würde. Politik und Wissenschaft sind deshalb gemeinsam auf der Suche nach Strategien, die aktuellen Einschränkungen kontrolliert zurückzufahren und zugleich die Gesundheit der Menschen – vor allem von Risikogruppen – zu schützen. Über die Wirkung von Lockerungsmaßnahmen wird viel spekuliert, verlässliche Prognosen auf der Basis valider Zahlen und Modelle hingegen gibt es kaum.

 

Modelle simulieren Pandemie

Ein Forschungsteam am Lehrstuhl Informatik 7 (Rechnernetze und Kommunikationssysteme) der FAU unter Leitung von Prof. Dr. Reinhard German hat jetzt in kürzester Zeit zwei Simulationsmodelle entwickelt, mit denen der Verlauf der COVID-19-Pandemie nachgebildet und Auswirkungen einer kontrollierten Rücknahme der gegenwärtigen einschränkenden Maßnahmen abgeschätzt werden können. „Das erste Modell basiert auf systemdynamischen Berechnungen und nutzt im Wesentlichen Kenngrößen wie Basisreproduktionszahl, Inkubationszeit oder Schweregrad des Krankheitsverlaufs, die auch vom Robert-Koch-Institut verwendet werden“, erklärt German. „Das zweite Modell ist eine sogenannte agentenbasierte Simulation. Hier betrachten wir einzelne Individuen und können genauere Aussagen über deren Verhalten treffen.“ Im Agentenmodell wird beispielsweise simuliert, an welchen Orten sich bestimmte Personengruppen treffen und infizieren können, etwa in der Familie, bei Freizeitaktivitäten, im Arbeitsumfeld oder beim Krankenhausaufenthalt.

 

Kontaktreduzierungen bis 2023 ohne Impfstoff

Mit ihren Berechnungen konnte das FAU-Team zunächst die Prognose des Robert-Koch-Instituts für den Verlauf der Pandemie unter den gleichen Annahmen bestätigen. Würde unter diesen Annahmen eine baldige vollständige Aufhebung des Lockdowns ohne weitere kontaktreduzierende Maßnahmen erfolgen, würde auch dies das deutsche Gesundheitssystem voraussichtlich nicht verkraften. „Bei diesem Szenario wäre der Peak nur zeitlich verschoben. Wir müssten uns in der Spitze auf bis zu 400.000 Intensivpatienten einstellen und mit vielen unkontrollierten Todesfällen rechnen“, sagt German. „Hygieneauflagen, etwa das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, würden diese Kurve etwas flacher verlaufen lassen, aber die Situation wäre immer noch bedrohlich.“ Die Informatiker kommen unter den Modellannahmen zum Schluss, dass über einen relativ langen Zeitraum – bis zum März 2023 – wiederholte kurzfristige Kontaktreduzierungen erforderlich sein könnten, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. German: „Diese adaptive Strategie würde einen Kompromiss zwischen der Rückkehr zum normalen Leben und der Abwendung von Gefahren für das Gesundheitssystem darstellen, bis eine Herdenimmunität erreicht ist. Wenn davor ein Impfstoff zur Verfügung steht, kann diese Zeit verkürzt werden.“

 Antikörpertests und Apps helfen

Die Modelle der FAU sind die bislang einzigen, die auch den Einfluss von Antikörpertests berücksichtigen. Für Menschen, die nach einer Infektion Antikörper besitzen und daher vermutlich eine Immunität ausgebildet haben, können Einschränkungen zur Kontaktreduktion aufgehoben werden – das ist besonders relevant für vulnerable Personen und solche, die in systemrelevanten Bereichen arbeiten. „Bereits 50.000 Antikörpertests pro Tag in Deutschland würden insgesamt 4,4 Millionen Menschen identifizieren, die die Infektion ohne Symptome durchgemacht haben – zusätzlich zu denjenigen, für die dies durch die überstandene Erkrankung bekannt ist. Diese Personen können von den Kontaktreduktionen ausgenommen werden“, erklärt Reinhard German. „Durch eine Verdoppelung der Testkapazität könnte diese Zahl auf mehr als 5,4 Millionen erhöht werden. Alle Angaben stehen selbstverständlich unter dem Vorbehalt der bisher noch eingeschränkt bekannten epidemiologischen Daten und den Modellannahmen.“ In den gegenwärtig stark diskutierten Apps zum digitalen Tracing sieht das Team einen möglichen Ansatz, um einen früheren Kontakt mit einer inzwischen erkrankten Person anzuzeigen. „Entsprechende Apps können helfen, Infektionswege nachzuvollziehen, die Dynamik der Pandemie besser zu verstehen und damit auch den effizienten Einsatz von Antikörpertests zu verbessern“, sagt German.

 * https://doi.org/10.1101/2020.04.14.20063750

„Modeling Exit Strategies from COVID-19 Lockdown with a Focus on Antibody Tests“

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Reinhard German

Lehrstuhl für Informatik 7 (Rechnernetze und Kommunikationssysteme) der FAU

reinhard.german@fau.de 

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16.04.2020 Do-it-yourself-Schutz
Pressemeldung der FAU

 

Wie ein selbstgebauter Mund-Nasen-Schutz wirksam verbessert werden kann

Vor der Corona-Pandemie nur in Asien getragen, sind sie mittlerweile auch verstärkt bei uns im alltäglichen Straßenbild zu sehen – Masken über Mund und Nase. Medizinische Gesichts- und Atemschutzmasken sind mittlerweile rar und nicht mehr so leicht zu bekommen. Sie sollten deshalb dem medizinischen Fachpersonal überlassen werden. Deshalb gehen nun viele Menschen dazu über, sich Behelfsmasken selbst zu nähen, um sich und andere zu schützen. Doch ist die Wirksamkeit dieser Do-It-Youself-Masken eher gering und sie vermitteln ein falsches Sicherheitsgefühl, wie Prof. Dr. Dirk Schubert, Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), betont. Wie der Selbstbau verbessert werden kann, erklärt er im Interview.

Herr Prof. Schubert, Sie kritisieren die vielen unterschiedlichen Anleitungen zum Bau von Behelfsmasken im Internet. Wieso?

Mir scheint es, als wüssten viele nicht, wie ein Mund-Nasen-Schutz funktioniert. Es sind Äußerungen wie, dass mit dem richtigen Filtermaterial das Atmen zu schwer falle, die mich zweifeln lassen, dass das Prinzip und die Wirkungsweise eines Mund-Nasen-Schutzes auch wirklich verstanden wurde. Es gibt verschiedene Arten von Masken: Für den Einsatz in Krankenhäusern und im Umgang mit infizierten Personen, sind Masken mit der Schutzstufe FFP-2 oder FFP-3 notwendig. Deren Filterwirkung ist groß genug, um vor Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Einfache OP-Masken hingegen reichen nicht. Sie sollen Patientinnen und Patienten vor dem Speichel des medizinischen Personals schützen. Sie verhindern bis zu einem gewissen Grad, das andere angesteckt werden.

Ich bin selbst jemand, der nicht nur an der Uni gerne Dinge entwickelt und baut. Deshalb finde ich es erst einmal gut, wenn die Leute aktiv werden und selbst Masken nähen. Aber ich bin auch Wissenschaftler, der sich mit Faserwerkstoffen beschäftigt und war jahrelang in der industriellen Entwicklung von medizinischen Hygiene-Produkten bei führenden nationalen und internationalen Unternehmen tätig. Deshalb muss ich ganz deutlich sagen: Diese Selbstbaumasken funktionieren schlecht bis kaum. Sie vermitteln ein falsches Gefühl von Sicherheit. Aber auch eine schlecht funktionierende Maske ist besser als keine Maske.

Was ist das technische Problem an den selbstgebauten Masken?
Das liegt an in erster Linie am verwendeten Material. SARS-CoV-2 wird vornehmlich durch Tröpfcheninfektion weiterverbreitet. Je größer der Durchmesser der Materialfasern in einer Schutzmaske sind, desto schlechter schützt sie. Denn der Durchmesser bestimmt die Porengröße, und je größer diese ist, desto leichter können Tröpfchen nach außen gelangen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass je feiner die Fasern des verwendeten Materials sind, desto besser. Außerdem ist wichtig, wie hydrophob – also wasserabweisend – das verwendete Material ist. Je wasserabweisender also die Fasern sind, desto weniger Wassertröpfchen gelangen beispielsweise beim Sprechen oder Husten hindurch. Baumwolle ist deshalb weniger geeignet. Problematisch sind auch DIY-Masken, die mit Taschen gebaut sind, in die das Filtermaterial eingelegt wird. Wenn diese nicht präzise genug bis zum Rand gearbeitet sind und nur Mund und Nase bedecken, atmet der Träger quasi am Filter vorbei.

Was kann man besser machen beim Bau von Do-it-yourself-Masken?
Zuerst muss einem klar sein, dass es brauchbaren Schutz nicht zum Nulltarif gibt, also dass Masken mit guter Filterwirkung das Atmen erschweren. Abhängig davon, welche Materialien zu Hause verfügbar sind, lassen sich die passenden für hinreichend funktionierende Not-Masken auswählen. Beispielsweise haben Mikrofasertücher zwar feinere Fasern als konventionelle Kleidungstextilien, sind aber hydrophil. Sie sollten aber dennoch eher verwendet werden, als klassische Textilien. Besser eignen sich sogenannte Meltblown-Materialien: Sie sind wasserabstoßend und haben einen sehr kleinen Faserdurchmesser. Diese finden sich auch in handelsüblichen Windeln oder Staubsauerbeuteln als Sperrschicht. Im Fall des Staubsaugerbeutels tragen die Fasern häufig sogar noch eine elektrische Ladung (electret), da sie als Partikelfilter wie auch eine FFP Maske gedacht sind. Das erhöht die Filterleistung deutlich, ohne den Atemwiderstand zu vergrößern. Manche Staubsaugerbeutelhersteller schreiben sogar ganz deutlich „3 layer electret Microfilter bag“.  

Wichtig ist natürlich, dass die Masken dicht am Gesicht anliegen und die wirksame Filterfläche möglichst groß ist, um den Atemwiderstand so gering wie möglich zu halten. Gerade hier ist das Internet voll von Fehlkonstruktionen mit viel zu geringen wirksamen Filterflächen; auch bei Firmen aus dem Spritzgusssektor, die ihre Produktionen auf Masken umstellen wollen. Ein grober Zahlenwert für die „Umsteller“: Bei FFP2-tauglichem Filtermaterial sollten die Filterflächen größer als 150 cm2 sein.

 An seinem Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe) produzieren Prof. Dr. Dirk Schubert und sein Team Atemschutzmasken und unterstützen so das Universitätsklinikum Erlangen: https://www.fau.de/2020/04/news/alternative-atemmasken

Auf dem Youtube-Kanal des hrstuhls für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe) finden sich weitere Hinweise zum Umgang mit Do-it-yourself-Masken: https://www.youtube.com/watch?v=9yv6ypFnlr0

 Die Umsetzung beziehungsweise Realisierung von Hinweisen unterliegt immer der Eigenverantwortung des Anwenders.
 
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dirk W. Schubert
Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe)
Tel.: 09131/85-27752

dirk.schubert@fau.de

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15.04.2020 FAU-Transfusionsmediziner über Covid-19-Immunplasma: „Versuchen unser Menschenmögliches“


„Versuchen unser Menschenmögliches“

FAU-Transfusionsmediziner Prof. Holger Hackstein über den Einsatz des Covid-19-Immunplasmas

„Der große Vorteil des Covid-19-Immunplasmas ist, dass wir es sofort für die Patiententherapie einsetzen können“, erklärt Prof. Dr. Holger Hackstein, der an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) den Lehrstuhl für Transfusionsmedizin und Cell-Engineering innehat und Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen ist. Nachdem der Mediziner in der vergangenen Woche die Erlaubnis seitens der Behörden erhalten hat, aus dem Blut genesener Covid-19-Patientinnen und -Patienten Immunplasma herzustellen, stehen nun die ersten Behandlungen in Erlangen an.

„Das Wirkprinzip dieses Plasmas ist eigentlich ein ganz einfaches. Es beruht darauf, dass eine Person, die diese Covid-19-Erkrankung durchläuft, ganz spezifische Abwehrstoffe gegen diese Erkrankung produziert, sogenannte Antikörper. Das sind Eiweißmoleküle, die an die Oberfläche des Virus anbinden und es in seiner Vermehrung direkt hemmen oder indirekt andere Zellen des Immunsystems dabei unterstützen, das Virus zu zerstören“, erläutert der Wissenschaftler. Patientinnen und Patienten mit schweren Krankheitsverläufen bekämen durch diese Bluttransfusion den Schutz des Immunsystems passiv übertragen und seien dann besser geschützt gegen diese lebensbedrohliche Viruserkrankung.

Aus China und anderen Ländern kämen schon erste wissenschaftliche Ergebnisse und die seien außerordentlich positiv, betont Hackstein. „Es ist gerade in PNAS, einer sehr hochrangigen internationalen Zeitschrift, eine erste Pilotstudie publiziert worden, die sehr positive Ergebnisse gezeigt hat. Ich wäre sehr froh, wenn wir das hier auch replizieren können.“ Kontrollierte klinische Studien zur Wirksamkeit von Covid-19-Immunplasma gibt es noch nicht, sie werden jedoch aktuell von verschiedenen Seiten initiiert. Daneben arbeiten Forscherinnen und Forscher weltweit daran, die Antikörper im Labor zu vermehren. „Aber diese Entwicklungen sind von der klinischen Anwendung noch relativ weit entfernt“, sagt Hackstein.

Im Moment gebe es natürlich einen großen Mangel an dem Immunplasma. „Wir tun hier das Menschenmögliche.“ Mittlerweile gebe es weitere transfusionsmedizinische Institute in Bayern, die jetzt ebenfalls diesen Weg gehen. Es bleibe deshalb zu hoffen, dass sich die Angebotssituation demnächst verbessere. „Aber letztendlich weiß keiner wirklich genau, wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden“, sagt Hackstein.

Wie sich die Arbeit des Transfusionsmediziners seit der Corona-Pandemie verändert hat, wie spezielle Regelungen des Arzneimittelrechts die aktuelle Arbeit erleichtern und wie er die Vorbereitungen des Uni-Klinikums Erlangen einschätzt, darüber spricht Prof. Dr. Holger Hackstein aktuell in einem YouTube-Talk mit Gastgeber Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU: https://www.youtube.com/watch?v=2hKYPI7hnYQ

Eine Übersicht aller Videotalks ist zu finden unter: www.fau.de/corona/videos/ 

Selbstverständlich steht es Ihnen frei, den Beitrag journalistisch zu verwerten. Schauen Sie doch einfach mal auch auf unserer Rubrik „Nachgefragt“ vorbei – dort finden Sie Meinungsbeiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wissenschaft: http://blogs.fau.de/news/category/fau-aktuell/nachgefragt/ 

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10.04.2020 FAU-Wirtschaftswissenschaftlerin: „Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten verbinden“
Pressemeldung FAU

FAU-Wirtschaftswissenschaftlerin: „Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten verbinden“

Die Wirtschaftsweise Prof. Dr. Veronika Grimm fordert schrittweise Lockerung des Shutdowns

 „Diese Pandemie wird uns über lange Monate begleiten. Mittelfristig ist es wichtig, Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten zu verbinden. Und das ist ein nicht ganz einfaches Unterfangen“, sagt Prof. Dr. Veronika Grimm vom Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Man müsse Wege finden, die Ausbreitung der Pandemie zu beschränken, obwohl man bestimmte Aktivitäten wieder zulasse, so die Wissenschaftlerin.

„Ich glaube man kann Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten verbinden“, sagt Grimm, die erst kürzlich in den Rat der Wirtschaftsweisen berufen wurde. Eine viel diskutierte Möglichkeit sei zum Beispiel die Nutzung von künstlicher Intelligenz bei der Pandemiebekämpfung. Die Nutzung von Tracking-Apps zur Identifikation von möglichen Kontakten seien hier genauso ein Baustein wie eine verstärkte Digitalisierung und Vernetzung im Gesundheitswesen.

 Bevor das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder anlaufen kann, sei es aber wichtig, dass genug Schutzkleidung und ausreichend Testkapazitäten vorhanden sind, um eine größere Kontrolle über das Infektionsgeschehen bei mehr sozialer Interaktion zu haben. „Die Frage ist hier: Was ist der Anreiz für ein Unternehmen, dass es prinzipiell in die Produktion von Masken und Schutzkleidung einsteigt?“ Hier müsse man über Preisanreize und staatliche Abnahmegarantien nachdenken. „Wenn ein Unternehmen jetzt seine Produktion umstellt, dann kann es das nur tun, wenn es auch eine wirtschaftliche Perspektive dafür gibt“, erklärt Grimm. Gleichzeitig müsse gewährleistet werden, dass Schutzausrüstung bei den Einrichtungen ankommt, die sie am dringendsten benötigen.

 Die Öffnung soll dabei schrittweise erfolgen. Besonders wichtig für Wirtschaft und Gesellschaft sind für Grimm Bildungseinrichtungen. Die Ökonomin gibt zu bedenken, dass man differenzieren muss, welche Aktivitäten digital fortgeführt werden können, und welche Institutionen auf Grund großer Wichtigkeit auch wieder physisch die Türen öffnen dürfen: „Da ist die Bildung eigentlich an vorderster Front.“

 Aber auch nach der Öffnung wird der Shutdown seine Spuren hinterlassen und die Gesellschaft nachhaltig verändern. Die Wirtschaftswissenschaftlerin prognostiziert, dass die aktuell erlebte neue Lebenswirklichkeit Gewöhnungseffekte haben wird. Grimm ist überzeugt, dass „wir in ganz, ganz vielen Bereichen nicht mehr so agieren werden, wie wir bisher agiert haben.“ Viele Tätigkeiten würden digitaler und dadurch womöglich Ressourcen frei werden, Dinge noch besser und zielgerichteter zu tun.

 Nach welchen Kriterien die Beschränkungen gelockert werden sollten, wie man die Engpässe bei Schutzkleidung und Testkapazitäten in den Griff bekommen kann und ob man wirtschaftlichen Wohlstand gegen Gesundheit abwägen kann, darüber spricht Prof. Dr. Veronika Grimm aktuell in einem YouTube-Talk mit Gastgeber Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU: https://youtu.be/W-h2PFAGWEI

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09.04.2020 Unterwegs im Auftrag des Osterhasen- Erlanger Kinderpalliativteam betreut trotz Corona-Beschränkungen schwer kranke Kinder in Mittel- und Oberfranken

„Unser Motto heißt: ‚Wir fahren weiter‘“, betont Kunstpädagogin Michelle Dotzauer vom Kinderpalliativteam des Universitätsklinikums Erlangen. Trotz der Kontakteinschränkungen wegen des Coronavirusʼ sind die speziell geschulten Ärztinnen, Pflegekräfte, Sozialpädagoginnen, Seelsorgerinnen und Psychologen weiterhin im gesamten mittel- und oberfränkischen Raum unterwegs, um schwerst- und sterbenskranke Kinder zu betreuen. Zurzeit stapeln sich in den vier Autos des Kinderpalliativteams der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle) des Uni-Klinikums Erlangen zahlreiche selbst gebastelte Osternester als Überraschung für die jungen Patienten und ihre Geschwister.

Insgesamt 40 schwer kranke Kinder und ihre Familien besuchen Michelle Dotzauer und ihr Team derzeit – so viele wie noch nie, seit das Erlanger Kinderpalliativteam vor zehn Jahren seine Arbeit aufgenommen hat. „Manche Patienten besuchen wir zwei- oder sogar dreimal pro Woche“, erklärt Dr. Chara Gravou-Apostolatou, Leiterin des Kinderpalliativteams. „Gerade jetzt haben die Familien neben den medizinischen Themen auch einen erhöhten psychosozialen Bedarf durch die Isolation und alle damit verbundenen Belastungen, wie zum Beispiel Ausfälle beim häuslichen Pflegedienst in den Familien.“ Weil die Geschwisterkinder aufgrund der vorgegebenen Kontaktbeschränkungen zurzeit nicht so eng wie sonst betreut werden können, schickt ihnen das Kinderpalliativteam regelmäßig handgefertigte Briefe, Bastelmaterial und kreative Anregungen. Als Osterüberraschung bekommen alle Kinder und Geschwister derzeit insgesamt 60 selbst gebastelte bunte Osternester sowie viele kleine Geschenke und Schokoladenhasen persönlich überbracht.

Engagement seit 2009

Das Kinderpalliativteam wurde 2009 gegründet und unterstützt Familien mit sterbenskranken Kindern in doppelter Hinsicht: zum einen medizinisch – etwa, wenn ein kleiner Patient Schmerzen hat, nicht gut einschlafen kann oder unter Atemnot leidet. Zudem sind die Mitarbeiter des Teams Ansprechpartner für alle sozialrechtlichen, organisatorischen und finanziellen Fragen. Spenden für besondere Aktionen des Kinderpalliativteams sind möglich über den Freundeskreis der Kinder- und Jugendklinik, Verwendungszweck: Kinderpalliativteam, HypoVereinsbank Erlangen, IBAN: DE14 7632 0072 0003 1740 00, BIC: HYVEDEMM417

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08.04.2020 BLÄK fordert Bonus für Medizinische Fachangestellte
Pressemeldung der Bayerischen Landesärztekammer

„Der Bonus von 500 Euro für das medizinische Pflegepersonal in diesen schwierigen Zeiten der SARS-CoV-2 Pandemie ist eine hervorragende Geste der Anerkennung und des Dankes für deren Tätigkeit unter erschwerten Bedingungen und erhöhtem Risiko in unseren Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK): „Das wollen wir auch für unsere Medizinischen Fachangestellten (MFA).“

Diese stünden dem Patientenaufkommen bei Beschwerden als erste Anlaufstelle gegenüber, ohne zu wissen, ob es sich möglicherweise um infizierte Menschen handle. Damit seien auch die MFA einem Infektionsrisiko ausgesetzt, das insbesondere bei engem Kontakt zu Patienten, beispielsweise bei Blutentnahmen, Verbandswechseln oder auch beim Anlegen eines EKGs, deutlich erhöht ist.

„Die MFA verrichten in den Praxen gerade jetzt eine besonders verantwortungsvolle und herausfordernde Tätigkeit und dürfen nicht unberücksichtigt bleiben, auch sie sollten eine Bonuszahlung erhalten“, so der Präsident abschließend. Auch in dieser Berufsgruppe sei ein massiver Nachwuchsmangel feststellbar.

Bayerische Landesärztekammer
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Dagmar Nedbal
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06.04.2020 Therapie für Coronapatienten: Uni-Klinikum Erlangen darf SARS-CoV-2-Immunplasma herstellen
uni | mediendienst | aktuell Nr. 36/2020